Bruderschaft

 

[1938]

 

Teil II

 

[Das Überirdische]

 

Band 2 (§§ 433 - 955)

 

 

 

   433. Urusvati weiß, dass sogar die Großen Tatmenschen bei jeder Verkörperung unterschiedliche Eigenschaften offenbaren. Wenn man eine ganze Reihe von Verkörperungen betrachtet, kann man sich von der Perlenkette der Aufspeicherungen überzeugen. In diesem Zusammenhang ist besonders lehrreich, wie unterschiedlich die Reihenfolgen sich gestalten. Man darf nicht annehmen, dass die Eigenschaften sich irdischem Verständnis gemäß bilden und jede Verkörperung eine direkte Fortsetzung der vorangegangenen sei. Das Gesetz der Evolution ist in seinen Strukturen sehr viel weiter gefasst. Von den überirdischen Höhen ist besser zu sehen, auf welche Weise der Geist sich vervollkommnen muss. Es besteht kein Widerspruch darin, dass ein Geist neue Facetten der überirdischen Ordnung gemäß erhält.

   Doch nicht nur im Verlauf mehrerer Verkörperungen vollziehen sich verschiedene Aufspeicherungen, sogar während eines einzigen irdischen Lebens kann man einen Wechsel der Wünsche und Bestrebungen beobachten. Dies kann natürlich in einem involutionären Prozess erfolgen, dann fällt der Mensch in Primitivität und Stumpfsinn. Nun jedoch spreche Ich nicht von solchen finsteren Erscheinungen, sondern möchte im Gegenteil hervorheben, wieviel ein Mensch im Verlauf eines einzigen irdischen Lebens anzusammeln vermag. Man kann unbegrenzt lernen. Der Impuls des wachsenden Bewusstseins wird eingeben, auf welch unterschiedliche Weise man suchen kann. Und bei einem solchen Suchen helfen Wir.

   Wir lenken die Aufmerksamkeit des Betreffenden auf ein neues Buch. Wir regen nützliche Wendungen von Gesprächen an. Wir senden Gedanken über neue Entdeckungen. Wir verhüten unmerklich schadenbringende Irrtümer. Es bereitet Freude, Hilfe unbemerkt zu erweisen. Wir schätzen es, wenn die Kämpfer beherzt die Schläge der Finsternis abwehren. Mögen die Menschen sich hin und wieder daran erinnern, wie sie in der Feinstofflichen Welt belehrt wurden, wie sich ihnen lichte Wesen näherten und das Wachstum des Bewusstseins den Lehrern die Möglichkeit gab, heranzutreten. Genauso vollzieht es sich auch im irdischen Leben.

   Der Denker vertraute manchmal Seinen Schülern an, dass Er zwei Leben in sich fühle: Ein lichtes und ein anderes, dunkles, doch dass das lichte als Führer in die Höheren Welten erscheine. Das lichte Leben sei immer wach: „Ruft es, und es wird antworten!“

 

   434. Urusvati weiß von dem herrschenden Irrtum, dass die Kräfte des Bösen auf dem irdischen Plan mächtiger in Erscheinung treten würden als die guten Kräfte. Dieser Irrtum beruht auf einer nur vom irdischen Standpunkt aus gemachten Beobachtung. In der Tat rauben die finsteren Kräfte

[Russisches Original. Seite 401.]


 

das Ektoplasma und entsprechen dem Gesetz des Weltalls nicht.

   Die Menschen sagen nicht selten, die finsteren würden Gebilde klarer in Erscheinung treten als die verschwommenen Gestaltungen der lichten Wesen. Doch auch diese Beurteilung ist nur vom irdischen Plan aus richtig. Die Kraft liegt jedoch nicht in der äußerlichen Deutlichkeit begründet, sondern in der Macht der Energie, die jedoch unsichtbar ist. Dennoch sind die irdischen Beobachtungen nicht bedeutungslos.

   In der Tat leben die niederen Schichten von den irdischen Ausstrahlungen. Die Bewohner jener Schichten werden zur Erde hingezogen und versuchen ihr Tun fortzusetzen, anders gesagt, Böses zu schaffen. Man braucht ihnen das Böse nicht erst beizubringen, denn sie haben es auf der Erde gelernt und setzen ihr Handeln intuitiv fort, da ihnen das Gute langweilig und fade zu sein scheint. Man braucht auch nicht zu erwarten, dass für ein solches böses Tun irgendwelche Hierophanten des Bösen erforderlich seien. Auf der Erde ist selbst der kleinste düstere Bewohner in der Lage, genügend Böses zu vollbringen, und ihm nähern sich feinstoffliche Wesenheiten, die das ganze Ergötzen an bösem Tun bereits kennen.

   Wenden wir uns jedoch den Lichten Kräften zu. Wir haben bereits gesagt, wie behutsam Sie die uranfängliche Energie gebrauchen und wie Sie das Gesetz des Weltalls beachten. Sie wissen, dass jede ungesetzliche Verschwendung von Energie sich auf das gesamte Weltengebäude auswirkt. Sie arbeiten für die Wahrung des Gleichgewichts. Kann man diese erhabene Arbeit mit den nichtigen Angriffen des Bösen vergleichen?! Wer vermag zu behaupten, die Erde könne auch ohne die Energie des Lichts bestehen? Wer entschließt sich, den ausdruckslosen Glanz boshafter Wesenheiten mit dem Leuchten der höheren Sphären zu vergleichen? Vergessen wir jedoch nicht, dass die Menschen solcher Ermahnungen bedürfen.

   Der Denker rief mitunter aus: „Bürger, euer Auge ist nicht nach gewöhnlicher Art konstruiert, es ist bösem Tun zugewandt, und eure Ohren sind gespannt, etwas Böses zu erfahren!“

 

   435. Urusvati weiß, dass die Entzündung der Schleimhäute im Begriff ist, zu einer Geißel der Menschheit zu werden. Die vergiftete Atmosphäre greift die Gewebe an. Es ist unvorstellbar, wie vielfältig die Anzeichen dieser Krankheit des Jahrhunderts sind. Die Menschen versuchen, die festgestellten Symptome bisher bekannten, bereits vergangenen Krankheitsarten zuzuschreiben, ohne die ganze Besonderheit dieser Epidemie zu verstehen. Oftmals tritt sie mit scheinbar harmlosen Anzeichen in Erscheinung, ohne dass die Hände des Arztes Ursache und Entwicklung der Krankheit bestimmen könnten. Daher ist es von Nutzen, dass die Ärzte den menschlichen Organismus mit allen wissenschaftlichen Methoden erforschen.

[Russisches Original. Seite 402.]


 

   Niemand vermag zu sagen, wann die Entzündung in eine echte Schädigung des Gewebes mit allen verschiedenartigen Folgeerscheinungen übergeht. Es kann sein, dass die Entzündung nachlässt und verschwindet, doch auch diesen Prozess muss man verfolgen. Man kann auf sehr einfache, nicht zersetzende Speisen verweisen, doch die Ernährung muss so gestaltet sein, dass der Organismus daraus genügend Lebenskraft erhält.

   Das Erscheinungsbild der Krankheit selbst kann äußerst verschiedenartig sein. Die anderen Organe können direkte oder indirekte Schmerzen verursachen. Die Entzündung der Schleimhäute ist mit dem Nervensystem verbunden und kann daher reflektorische Schmerzen verursachen.

  Daher ist die allseitige Erforschung des gesamten Organismus so notwendig. Nicht selten kann man bemerken, dass eine bösartige Entzündung durch Schmerzen in einem entgegengesetzten Teil des Körpers angezeigt wird. Überhaupt üben die Schleimhäute bei den verschiedensten Funktionen des gesamten Organismus eine Mittlerfunktion aus, und sie nehmen als erste die Sättigung der umgebenden Atmosphäre auf. Auch wenn sich kein gefährlicher Prozess vollzieht, muss man ihm dennoch Aufmerksamkeit widmen und Behutsamkeit walten lassen.

   Vergessen wir nicht, dass diese Epidemie schon vor langer Zeit vorausgesehen wurde. Wenn Wir von Harmagedon* sprachen, hatten Wir keineswegs nur Krieg im Blick, sondern sämtliche unheilvollen Folgen der Verwirrung der Menschheit. Man darf nicht in Mutlosigkeit verfallen, da sich der Mensch in einem solchen niedergeschlagenen Zustand allem Giftigen öffnet. Es ist jedoch weise zu wissen, dass Epidemien dem Harmagedon folgen. Man darf sich nicht begrenzen, indem man nur die bekannten Krankheitsformen sieht, sondern muss bereit sein, äußerst komplexe und ungewöhnliche Krankheitszeichen zu bemerken. Mögen die Ärzte, wenn auch erst teilweise, die neue Krankheit erkennen, die überall zutage tritt.

   Der Denker sprach: „Wird sich etwa ein derart dünkelhafter Mensch finden, der meint, bereits alle Erscheinungen der Natur erforscht zu haben?“

 

   436. Urusvati weiß, dass Heilungen mittels Schwingungen überaus individuell verlaufen. Bei der Vielzahl der anwendbaren Schwingungen ist es unmöglich, ihren Einsatz zu beschreiben. Notwendig ist der Weg der Erprobung auf der Grundlage dreier Hilfsmittel: Das eine ist das Hellsehen, das zweite ein Talisman, und das dritte die Führung des Patienten

[Russisches Original. Seite 403.]


 

unter Suggestion. Nur unter Anwendung dieser Hilfen ist es möglich, ertastend die erforderlichen Schwingungen herauszufinden. Die Therapie selbst kann mittels eines elektrischen Apparates durchgeführt werden, möglich sind jedoch auch durch die Hände des Behandelnden vermittelte Schwingungen.

   Ich verwende einen besonderen Apparat, den Urusvati bei Uns gesehen hat, für den jedoch besondere, den Ärzten unzugängliche Bedingungen erforderlich sind. Daraus darf man aber nicht schließen, dass die Anwendung von Schwingungen unmöglich wäre. Unter allen Bedingungen sind bei dem Arzt nur eine besondere Auffassungsgabe und Beweglichkeit gefordert. Er wird bemerken können, wann es notwendig ist, einen wechselnden Strom anzuwenden, und dann muss er rasch das Ergänzende finden. Er muss auch verstehen, wann ein dämpfender und wann ein anregender Strom anzuwenden ist. Man darf in der Auswahl der Ströme nicht fehlgehen, da anderenfalls unerwünschte Folgen eintreten.

   Ebenfalls muss man im Blick haben, dass bei der Epidemie, von der wir sprachen, sehr schnell wechselnde Symptome auftreten können, die man beobachten muss. Man darf gleichfalls keine starken Schwingungen anwenden, wenn die Erfahrung noch unzureichend ist. Jede neue Anwendung muss unbedingt an kleinen, ungefährlichen Erkrankungen erprobt werden. Auch muss erprobt werden, welche der drei vorgenannten Hilfsmittel wir anwenden, da ihre Anwendungen und Aufnahme individuell sind.

   Urusvati hat Unsere Schwingungen oftmals verspürt. Sie weiß, wie unterschiedlich sie sind und wie verschieden ihre Anwendungsdauer ist. Sie können sehr angenehm, doch manchmal auch schwer erträglich sein. Durch volles Vertrauen vermag ihre heilende Wirkung sich noch zu verstärken.

   Der Denker sprach: „Vertrauen ist die sicherste Waffe. Wo aber befindet sich die Grenze des Vertrauens? Der Mensch weiß, dass Vertrauen grenzenlos ist.“

 

   437. Urusvati weiß, dass manche Unserer im voraus gegebenen Hinweise in wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen sich bereits verwirklichen. In weitem Maße erreicht der Gedanke die Wissenschaftler. Sie legen sich jedoch keine Rechenschaft darüber ab, weshalb sie gerade in der gegebenen Richtung zu forschen beginnen. Man darf sie nicht damit verdrießen, dass ihnen die Gedanken eingeflößt wurden. Sie erkennen nicht, dass die Aufeinanderfolge der Ideen. Man darf einem Menschen nichts aufdrängen, wenn er meint, er selbst sei Anfang und Vollendung einer Sache. Selbst wenn ihr bemerkt, dass

[Russisches Original. Seite 404.]


 

jemand offen eure Ideen benutzt, ohne die Quelle anzugeben, so haltet ihm dieses nicht entgegen. Möge alles Nützliche auch auf allen Feldern wachsen.

   Nur eines kann man bedauern, nämlich wenn vereinzelte, aus dem Zusammenhang gelöste Ideen nur Splitter eines vorherbestimmten Ganzen ergeben. Doch auch in solchem Falle sagen Wir: Möge jedes Korn, das dem Wohl der Menschheit gereicht, wachsen. Mögen auch alle Freunde sich an die Aussaat von Ideen gewöhnen, ohne miteinander in Wettstreit zu treten und sich gegenseitig zu verletzen. Man muss sich über jede Ernte freuen.

   Wir wissen zur Genüge, dass die Gedanken Uns nicht gehören, sondern dass Wir nur Überbringer dieser räumlichen Gaben sind. Es ist nicht möglich zu erfahren, wo der Beginn jedes Gedankens liegt. Sogar auf den irdischen Wegen ist eine solche Suche unmöglich. Was aber soll man erst über die höheren Welten sagen, die unversiegbare Quelle der Gedanken!

   Gleichfalls möge man sich zur Freude erziehen, wenn man erkennt, dass man sich in einer Kette der Zusammenarbeit befindet. Es wird dort keine Mutlosigkeit geben, wo man die unzertrennliche Verbindung mit dem Allerhöchsten klar erkennt. Gerade die Menschen vermögen diese Verbindung zu halten und den Regen des Guten aufzunehmen.

   Mögen die Freunde sich gemeinsam mit Uns darüber freuen, dass irgendwo schon ein Zweig der Erkenntnis gedeiht. Wenn der Gärtner dieses Zweiges einem auch nicht vertraut erscheinen mag, lasst uns in ihm seine allerbeste Seite sehen. Lasst uns nichts fortstoßen, was sich als Keim der Evolution erweisen könnte.

   Genau das gleiche sagte der Denker: „Selbst wenn der größte Verneiner ein Wort der Wahrheit sagt, werden wir auch ihm zuhören.“

 

   438. Urusvati weiß, dass jede Unserer Weisungen die Öffnung eines Tores darstellt. Wir geben jedoch keine Weisung, deren Ausführung keine Arbeit erforderte. Es existieren viele Lügengeschichten über einen Luxus Unsererseits, der nie vorhanden gewesen ist, doch wenig wird über Arbeit gesprochen. Wenn wir uns die angespannteste menschliche Arbeit vorstellen und dieses Bild in die Unbegrenztheit erweitern, werden wir die Qualität aller überirdischen Arbeit verstehen.

   Es ist der Menschheit anzuraten, Anspannung bei der Arbeit zu erzeugen. Gerade in den Tagen des Harmagedon wird ein solcher Rat der dringlichste sein. Jeder kann bei seiner Arbeit bleiben, doch möge er sie vermehren. Allein ein solches Bemühen um Anspannung und Qualität

[Russisches Original. Seite 405.]


 

der Arbeit kann bis zu einem gewissen Grad die Verwirrung der Menschheit ausgleichen. Wer in sich die Kraft findet, sogar inmitten der Wirrnis zu arbeiten, schafft bereits in seinem Umkreis Gleichgewicht. Besonders letzteres ist unerlässlich, wenn ganze Völker dem Wahnsinn verfallen.

   Mögen die Menschen nicht über weltweite Arbeiten selbst in Zeiten der Schlacht spotten. Wir mühen Uns nicht für heute und nicht für die Erde, sondern für den Kampf mit der Finsternis. Glaubt jedoch nicht, dass solche Maximen bereits von allen verinnerlicht worden wären. Man kann sich davon überzeugen, wie irrig die verständlichsten Weisungen ausgelegt werden. Es ist daher notwendig, die dringlichsten Maßnahmen wiederholt zu bestätigen, welche die Lage zu erleichtern vermögen.

   Man wird fragen: „Was aber sollen wir tun?“ Antwortet: „Arbeiten wie niemals zuvor.“ Möge jeder seine Arbeit verbessern, selbst wenn es die einfachste, alltäglichste Arbeit ist.

   Man wird fragen: „Wäre es nicht besser, sich gedanklich zu konzentrieren?“ Doch dieser herrliche Zustand kann infolge räumlicher Ströme und Wirbel gestört werden. Überdies ist gerade das Volk nicht in der Lage zu denken und schwankt wie Schilfrohr im Wirbelwind. In solchen Wirbelwinden muss man sich jedoch an etwas Sicherem, Beständigem ganz festhalten, und dieses Beständige kann für das Bewusstsein des Volkes nur die Arbeit sein. Ein Lehrer muss die Schüler zur Arbeit erziehen und die beste Qualität loben. Zu einer solchen Vervollkommnung wird sich auch das Wachstum des Denkens gesellen.

   Der Denker liebte es, auf Wasserträgerinnen hinzuweisen. Er sprach: „Sie wissen nicht, wessen Durst sie damit stillen werden.“

 

   439. Urusvati weiß, wie oft es nötig ist, selbst die verständlichsten Unserer Weisungen zu erklären. So wurde gesagt, dass der Schüler die Energie des Lehrers nicht übermäßig beanspruchen dürfe. Jemand fand hierin bereits einen Widerspruch zu der Weisung über das Gespräch mit dem Lehrer. Ist es jedoch nicht möglich zu verstehen, dass die Überbeanspruchung von Energie mit einem Gespräch nichts gemein hat? Das Gespräch schließt keine Bitte in sich ein, denn es erweitert allein das Bewusstsein. Jede Erweiterung bedeutet jedoch schon ein Wachstum von Energie.

   Nicht nur, dass die Erweiterung die Energie des Lehrers nicht überbeansprucht, unterstützt sie im Gegenteil

[Russisches Original. Seite 406.]


 

eine Stärkung der Aura, die für den Schüler so segensreich ist. Doch kann jemand nicht verstehen, dass ein Schüler den Lehrer mit Bitten nicht belasten sollte? Der Schüler weiß hinreichend, dass alles, was möglich ist, auch gegeben wird. Er versteht, in welcher ständigen Anspannung sich der Lehrer befindet, wenn Er unermüdlich Seine Energie sendet.

   Jemand nimmt an, dass ein Gespräch allein in Bitten bestehe. Vielleicht haben einzelne angenommene Bittgebete die Völker daran gewöhnt, von der Gottheit nur irdisches Wohl zu fordern. Dieser Irrtum betrifft auch die gesamte Schülerschaft. Die Menschen hören auf, nach Erleuchtung zu streben, und führen das Gespräch mit dem Höchsten nur um der Vermehrung ihrer irdischen Güter willen. Auf solche Weise muss man klarstellen, dass die Lehre des Lebens keine Widersprüche enthalten kann. Möge, wer nicht versteht, fragen und sich vergewissern, dass die Lehre das Leben in all seinen Bereichen kennt. Möge man sich daran erinnern, dass der ergebene Schüler in einem einzigen Energiestrom mit dem Lehrer spricht.

   Der Denker wies darauf hin, wie sehr die Menschen ihre Kräfte vermehren könnten, wenn sie sich in einen einzigen Energiestrom vertieften.

 

   440. Urusvati kennt die Selbstrechtfertigung der Menschen, nach der sie wegen der irdischen Angelegenheiten keine Muße für den Höheren Verkehr finden. Vergleichen wir jedoch die wichtigsten irdischen Angelegenheiten mit den Funken der geringsten Erleuchtung. Betrachten wir sie nach einem Verlauf mehrerer Jahrzehnte und erkennen wir, dass die irdischen Angelegenheiten verwischt und in Nebel versunken sind, während indessen die Erleuchtung klar hervorgetreten und deutlich zu einer herrlichen Verwirklichung herangewachsen ist. Dieser Vergleich der irdischen Angelegenheiten mit der Erleuchtung kann zeigen, wo der wahre Wert liegt.

   Lasst uns nicht dem Irrtum erliegen, die Menschen würden diesen Wert leicht verstehen. Dennoch bewahrt jeder Mensch in seinem Herzen einen herrlichen Augenblick höherer Erleuchtung. Doch wie sehr wird sich dieses Gefühl verstärken, wenn der Mensch solche Freunde hat, denen er sein höheres Gefühl anvertrauen kann. Daraus kann gleichsam ein Megaphon werden, und inmitten allgemeiner Bestrebung wird die umgebende Atmosphäre gereinigt. So mögen die Menschen verstehen, welche Angelegenheiten die besten sind. Mögen sie auch das Gleichgewicht zwischen irdischer Arbeit und den Blitzen der Erleuchtung finden.

[Russisches Original. Seite 407.]


 

   Es herrscht kein Widerspruch zwischen den Weisungen über angespannte Arbeit und augenblickliche Erleuchtung. Jeder, der die blitzartige Erleuchtung kennt, versteht, dass sie nicht an Zeit gebunden ist und nicht auf verstandesmäßigem Wege, sondern nur durch das Gefühl erreicht werden kann. Dieses Gefühl erblüht bei würdevoller Arbeit von hoher Qualität. Die einfache Wahrheit, dass Arbeit Gebet ist, ist den Menschen nicht immer zugänglich, weshalb man gut daran tut, diese Wahrheit mit Nachdruck zu wiederholen.

   Möge ein Lehrer mehrere Handwerke beherrschen, um inmitten geistiger Übungen auch die Anregung zu hoher Qualität handwerklichen Schaffens geben zu können.

   Der Denker beharrte darauf, dass die Schüler sich irgendein Handwerk auswählten, um auch darin Vervollkommnung finden zu können.

 

   441. Urusvati weiß, wie notwendig es ist, jedes Unverständnis zu unterbinden. Wir haben an Pranayama erinnert, gleichzeitig aber auch auf die natürlichen Wege des Aufstiegs hingewiesen. Liegt darin nicht ein Widerspruch? Erklären wir also: Wir lehnen Pranayama nicht ab und weisen sogar auf seine Nützlichkeit hin. In manchen Fällen wird Pranayama wie eine Medizin für den Organismus wirken.

   Wir raten jedoch immer zu einer leichten Form des Pranayama. Wir sehen die Atmung als einen wichtigen Vorgang, doch in allem wird ein natürliches Pranayama die allerbeste Lösung sein. Die Menschen sollten sich nicht nur zu bestimmten Zeiten der Reinigung des Atems widmen. Der Reinheit der Atmung bedürfen sie nämlich im Verlauf des Tages mehrfach. So ist es daher heilsam, vor der Aussprache bedeutsamer Worte einige Male frisches Prana einzuatmen. Ein solches natürliches Pranayama entspricht der heutigen Lage der Dinge.

   Man könnte sagen, dass Redner sich dieser Methode oft bedienen. Doch üben sie diese selten bewusst aus. Indessen verwandelt gerade die Bewusstheit jeden Atemzug. Auf diese Weise wird der Widersprechende verstehen, dass Wir eine bestimmte Eigenschaft des Pranayama ausdrücklich bestätigen, doch quälende Anwendungsarten aus alter Zeit müssen überprüft werden.

   Desgleichen müssen auch die Ansichten über das Kastenwesen erneuert werden. Im fernen Altertum waren solche Beschränkungen weise in Betracht gezogen worden. Doch die Evolution hat inzwischen viele Umläufe vollzogen, und heute wird es weise sein, die Lebensbedingungen neu zu bewerten. Möge

[Russisches Original. Seite 408.]


 

vorurteilsvolles Denken kein Hindernis sein.

   Der Denker lehrte, dass auf der Erde kein Zustand von Sklaverei herrschen dürfe, anderenfalls könne die Natur des Menschen nicht göttlich sein.

 

   442. Urusvati weiß, dass jedes Ereignis sich als Glied einer langen Kette von Ursachen und Wirkungen erweist. Gewöhnlich wird unter dem Begriff Ereignis etwas vom irdischen Standpunkt aus Wichtiges verstanden, doch jede Alltagserscheinung unterliegt genau demselben Gesetz. Wer vermag zu entscheiden, wo sich die Entstehung eines großen Ereignisses vollzieht?

   Ein erweitertes Bewusstsein hilft beim Rückblick, um die Quellen der Ereignisse zu erkennen. Ein solches Gefühlswissen muss man sich zu eigen machen, um den Weg der Ereignisse nicht mittels Vorurteilen, sondern mit einem raschen Gefühl zu erfassen. Es ist nicht möglich, dass die Menschen lange über die Entstehung jeder Daseinserscheinung nachdenken, doch den Lebensweg muss man erkennen. Nur in dieser klaren Erkenntnis der Quellen stellt sich auch eine natürliche Vorausschau ein.

   Solche Glieder einer bereits geschmiedeten Kette muss man vorherzusehen lernen. Ich spreche nicht von Hellsichtigkeit, die erst wenigen eigen ist, sondern habe eine natürliche Vorausschau im Blick, die sich auf nahe wie ferne Ursachen gründet. Möge man jedoch nicht denken, dass sich diese natürliche Vorausschau leicht erlangen ließe, das Licht erlaubt es jedoch, zurück- wie vorauszuschauen. Der vergangene Weg ist bereits durch viele Merkmale bekannt, der zukünftige jedoch kann völlig unbekannte Umrisse aufweisen, und wie soll der Wanderer sich in ihnen zurechtfinden?

   Wir haben nicht nur einmal von dem natürlichen Gefühlswissen gesprochen. Möge der Verkehr mit Uns ein solches natürliches Vorgehen unterstützen. In einer solchen Bewegung möge auch klar werden, dass manche Alltagserscheinungen weitaus bedeutsamer als sogenannte Ereignisse von Weltbedeutung sind.

   Der Denker wies darauf hin, dass jeder Mensch ein Antreiber der bemerkenswertesten Ereignisse ist, doch selten solche Momente erkennt.

 

   443. Urusvati weiß von der Existenz kosmischer Freude, kosmischer Traurigkeit und kosmischer Unruhe. Der Kosmos lebt, und die Bekundungen seines Lebens werden sich auch in irdischen Empfindungen widerspiegeln. Man kann persönliche Erlebnisse empfinden,

[Russisches Original. Seite 409.]


 

man kann durch irdische Erschütterungen in Unruhe versetzt werden, darüber hinaus jedoch wird man auch kosmischen Empfindungen nicht ausweichen können. Sie stehen nicht in Bezug zum menschlichen Leben, kündigen weder Erdbeben noch die übrigen Nöte des Planeten an und wirken sich dennoch auf ein feinfühliges Herz aus.

   Gewöhnlich verstehen die Menschen nicht, dass die ihnen innewohnende psychische Energie* unbegrenzt ist. Mit irdischen Worten sind überirdische Erlebnisse nicht wiederzugeben, doch besitzen sie alle Eigenschaften des menschlichen Mikrokosmos. So kann man auch vom Makrokosmos sagen, dass er sich freut oder traurig ist. Es wird kein Fehler sein, den kosmischen Gedanken als etwas Fühlendes zu verstehen. Und ein feinfühliges irdisches Herz wird mit dem großen Wellenschlag der Gezeiten der kosmischen Energie gemeinsam schwingen.

   Unzweifelhaft ist diese Energie einzigartig, doch sind ihre Erscheinungen derart verschieden, dass der menschliche Verstand jeder Eigenschaft ihre besondere Bezeichnung zu geben versucht. Man kann sich vorstellen, wieviel Irrtümer aus solchen eigenmächtigen Abgrenzungen der einen Energie entstehen.

   Es ist völlig richtig, dass einzelne Eigenschaften der Energie zufällig in Erscheinung treten. Natürlich ist diese Zufälligkeit relativ, da es im Kosmos grundsätzlich keine Zufälligkeit geben kann. So ist nicht selten der Atem des Kosmos fühlbar. Die Menschen haben seit alters her den Atemrhythmus gesucht und dabei versucht, sich dem Großen Atem zu nähern.

   Ein Lehrer muss darlegen, dass es dreierlei Gefühlsempfindungen geben kann: persönliche, planetare und kosmische.

   Der Denker sah in allem Einheit und Dreiheit.

 

   444. Urusvati weiß, dass die uranfängliche Energie umso stärker in Erscheinung tritt, je bewusster sie aufgenommen wird. Dieser Umstand war die Grundlage dafür, diese Energie als Lebensenergie oder göttliche Energie zu bezeichnen. Der Mensch ist befähigt, mittels der uranfänglichen Energie zu handeln, wenn sie für ihn unanfechtbar ist. Die Menschen können diese Kraft fühlen, wenn sie sie lieben.

  Ein überzeugter Arzt wird einem Kranken die von ihm am meisten begehrte Speise verordnen. Genau das Gleiche

[Russisches Original. Seite 410.]


 

geschieht, wenn für den Erfolg eines Experiments diejenige Materie festgelegt wird, mit der sich der Betreffende am allerliebsten beschäftigt. Sogar der einfachste Mensch fühlt in seinem Inneren, was ihm besonders nahesteht. Es lassen sich bemerkenswerte Experimente durchführen, in denen die für einen bestimmten Organismus geeigneten Substanzen herausgefunden und verglichen werden. Man kann sich davon überzeugen, dass der Mensch selbst das für ihn Nützliche erfühlt, doch muss man alles nicht eigentlich Zugehörige beiseitelassen, da anderenfalls Trinker behaupten werden, dass ihnen nur Wein nützlich sei.

   Zur unterscheidenden Erkenntnis der Neigungen eines Menschen muss man sich manchmal der Hypnose bedienen. Der Mensch wird nicht nur von für ihn nützlichen Lebensmitteln sprechen, sondern auch Mineralien, Metalle und Pflanzen nennen, derer er am meisten bedarf. Hierbei wird eine verblüffende, unwiederholbare Individualität zutage treten. Es wird dabei sichtbar, dass der Mensch die unterschiedlichsten Dinge nennt, die sich auf den ersten Blick gegenseitig auszuschließen scheinen, doch bei feinstofflichen chemischen Untersuchungen wird man sehen können, dass sich gewisse Verbindungen als nützlich erweisen.

   Überhaupt muss das grundlegende Prinzip der Individualität klar erkannt werden, besonders in der gegenwärtigen Zeit. Die Menschen sind bestrebt, alles gleichzumachen und zu verallgemeinern, doch die Natur zeigt in jeder Erscheinung Individualität. Wenn man den Reichtum dieser Grundlage versteht, kann man leicht über natürliche Weiterentwicklung nachdenken. Man sollte in allem die Bedeutung der Individualität anerkennen.

   Alle, die sich gegen die Relativität der menschlichen Unterschiede auflehnen, sollten gleichzeitig auch das Gesetz der Individualität anerkennen. Es gibt keine Erscheinung auf der Erde, die nicht eine prägnante Individualität aufweisen würde. Wir haben vom Ektoplasma gesprochen, das jedem Menschen zu eigen ist, doch jedes Inerscheinungtreten von Ektoplasma wird individueller Natur sein. Dasselbe lässt sich auch von der Absonderung des feinstofflichen Körpers sagen. Alle existierenden, mit Zwang arbeitenden Verfahren werden eher hinderlich sein, da gewöhnlich keine Vorschrift auf die Individualität Rücksicht nimmt. Umso mehr schätzen Wir es, wenn der Mensch auf individuelle Weise an einen Gegenstand herantritt.

   Der Denker sprach: „Jeder Mensch hat seinen unvergleichlichen Weg.“

[Russisches Original. Seite 411.]


 

   445. Urusvati weiß von der Unbegrenztheit aller gedanklichen Manifestationen, einschließlich des freien Willens. Die Menschen können den freien Willen sogar kosmischen Erscheinungen entgegensetzen. Es darf nicht erstaunen, wenn sogar ein Gesetz durch die Bemühungen des freien Willens erschüttert wird. Daher rührt die Vielzahl karmischen Unglücks. Die Menschen rufen stärkste Erschütterungen hervor, statt dem vom Kosmos vorgegebenen Weg zu folgen. Man darf nicht davon ausgehen, dass die Harmonie des Kosmos von der Hartnäckigkeit des freien Willens nicht verletzt werden könnte. Doch wird sie nicht nur einfach verletzt, sondern eine Spur der Zerstörung durchzieht alle Sphären.

   Die Weisen des Altertums versuchten, den Menschen mit Erzählungen über Helden ins Gewissen zu reden, die mit fernen Welten zu sprechen vermochten, doch wurden aus den Erzählungen Märchen, die niemand mehr für wahr hält. Auch im gegenwärtigen Jahrhundert, das als das energetische Zeitalter bezeichnet wird, messen die Menschen der Macht des Gedankens wie ehedem keine Bedeutung bei. Es ist erfreulich, wenn man an den Universitäten beginnt, an der Gedankenübertragung zu arbeiten. Leider laufen diese Forschungen bisher auf bloße mechanische Verfahren hinaus, die der Menschheit keine Aufklärung über die Bedeutung des Gedankens als einer äußerst feinstofflichen Energie vermitteln können.

   Die Erkenntnis des Gedankens muss auch zur Disziplin des freien Willens führen. Es ist notwendig zu verstehen, dass die den ganzen Planeten überziehenden Ereignisse von der Wut des ungezügelten freien Willens abhängen. So durchlebt die Erde das Harmagedon, doch auch in dieser Katastrophe hat der freie Wille große Bedeutung. Nichtirdische Kräfte könnten ohne langandauernde Beteiligung der Menschheit eine solche Katastrophe nicht herbeiführen.

   Ich bitte, der Epidemie des Wahnsinns Aufmerksamkeit zu widmen. Man darf das Geschehen nicht einzelnen Personen zuschreiben, sondern muss erkennen, dass es die Völker sind, welche die weltweiten Erschütterungen fördern. Es wäre falsch anzunehmen, dass die Ereignisse von selbst kämen und wieder vergingen. Geht vielleicht nun die vor etwa zweitausend Jahren ausgestreute Saat auf? So sorgfältig bewahrt der Raum die Manifestationen des Denkens auf.

   Der Denker wies darauf hin, dass die Menschen ihre Umstände verstehen könnten, wenn sie in sehr alte Archive schauen würden.

 

   446. Urusvati weiß, dass der freie Wille sogar in der Feinstofflichen Welt in Erscheinung tritt.

[Russisches Original. Seite 412.]


 

Nur in den höheren Sphären befindet er sich in Harmonie mit den höheren Formen der psychischen Energie, woraus sich wahre Zusammenarbeit ergibt. In den niederen und mittleren Sphären hingegen ist häufig ein Zweikampf wahrnehmbar; die dort Lebenden wollen die Zweckmäßigkeit der Daseinsgesetze nicht anerkennen. Besonders erbärmlich anzusehen ist es, dass solche Bewohner einer Verkörperung zu entgehen versuchen. Sie wissen genau, dass sie bei ihrer karmischen Last in der Feinstofflichen Welt keine weiteren Fortschritte machen können und ziehen dennoch eine bestimmte Verwirrung vor, nur um keinen neuen Erdenweg auf sich nehmen zu müssen.

   Wir nennen ihren Zustand Verwirrung, auch wenn man ihn als Qual bezeichnen könnte. Niemand anderes quält sie, doch selbst in den niederen Schichten wird fühlbar, dass dort kein weiterer Fortschritt zu erreichen ist. Solche Widerspenstigkeit des freien Willens beweist, dass die Betreffenden während des irdischen Weges ihr Bewusstsein nicht erweitert und keinerlei Neigung gehegt haben, den Kosmos zu verstehen. Überdies hatten sie natürlich auch keine Liebe zur Hierarchie in sich. Diesen Umstand muss man gut verstehen. Die Menschen sprechen viel von Liebe und Ergebenheit, ohne ihnen aber Ausdruck zu verleihen.

   Die Menschen sprechen viel vom Lehrer, wenden jedoch keine Mühe auf, um eine feste Verbindung zu knüpfen. Wir sagen nicht, dass die Menschen dem Lehrer zur Last fallen sollen. Im Gegenteil raten Wir zu weitgehend selbständiger Tätigkeit, doch wird im Inneren des Herzens die Ampel[1] der Liebe glimmen. Erst dann wird auch das antwortende Feuer zu leuchten beginnen. Erklärt es, wie ihr wollt, und sei es als elektrischen Strom, doch eine solche wahre Liebe wird eine feste Leitung sein. Auch echtes Vertrauen erwächst nur aus Liebe.

   Der Denker glaubte fest daran, dass die Liebe eine göttliche Gabe sei.

 

   447. Urusvati weiß, dass für den höheren Verkehr Ruhe notwendig ist. In starke Bewegung versetztes Wasser ist für bestimmte Erscheinungen erforderlich, doch wenn jemand die Tiefe eines Brunnens erforschen will, muss die Wasseroberfläche ruhig und das Wasser selbst sauber sein.

   Oftmals sind die Menschen darüber im Zweifel, welche Art von Ruhe inmitten der Wirren der Welt möglich sei. Doch Wir haben die Ruhe des Bewusstseins im Sinne, die, wenn man sie erst erreicht hat, nicht mehr gestört werden kann. Die äußeren Zentren des Menschen können in Unruhe versetzt werden, er kann in Worten Empörung äußern, doch sein Bewusstsein wird klar bleiben. Es ist nicht leicht,

[Russisches Original. Seite 413.]


 

diesen Zustand zu erlangen, und er wird sich nicht durch mechanische Methoden einstellen. Das äußere Feuer kann man mit Rhythmen beruhigen, doch die Unerschütterlichkeit des Bewusstseins erwächst aus der Verbindung mit dem Höchsten.

   Man muss jeden Funken des Bewusstseins hüten, da um ihn herum Zornwirbel toben werden. Es werden viele Verführer auftreten, welche die menschliche Vorstellungskraft übersteigen. Sie dulden keine Klarheit des Bewusstseins. Für sie ist jedes erweiterte Bewusstsein ein Hindernis auf ihrem dunklen Weg. Soll man jedoch bedauern, dass sich die finsteren Wesenheiten an einem erweiterten Bewusstsein stoßen? Ganz im Gegenteil, man kann sich darüber freuen, dass die Wesen der Dunkelheit über ein klares Bewusstsein stolpern werden.

   Wer einmal die Ruhe des erweiterten Bewusstseins erfahren hat, wird sich die kosmischen Ströme vorstellen können, die dennoch das Weltengebäude nicht anzugreifen vermögen. Mögen diese Worte an Unsere Ruhe erinnern, die auf einer langen Erfahrung gründet, wobei auch der Zusammenarbeit große Bedeutung zukommt. Sie unterstützt jeglichen Fortschritt.

   Hört ihr, dass Ich von Zusammenarbeit spreche? Jede Verletzung der Zusammenarbeit ist der Finsternis ein Dienst. Hört ihr, dass es Zerstörung bedeutet, wenn man der Finsternis zuarbeitet? So denkt an Unsere Türme, wo der Herd der Zusammenarbeit brennt.

   Der Denker sprach: „Jeder Mensch ist von Zusammenarbeit umgeben.“

 

   448. Urusvati weiß, dass der Turm Tschung ein Brennpunkt der drei Welten ist. Eine solche Einheit ist möglich, weil sich einige der Lehrer im irdischen Körper befinden, das feinstoffliche Wesen jedoch abtrennen können; andere hinwieder halten sich im feinstofflichen Körper auf, können sich aber leicht der grobstofflichen Welt nähern. Es wird verständlich, wie notwendig es ist, die Harmonie der Schwingungen zu beachten, damit eine solche Einheit zustande kommen kann. Es ist äußerst wichtig, die gesamte umgebende Atmosphäre zu bewahren, so dass nichts Fremdes eine Verwirrung der Ströme bewirken kann.

   Die Menschen streben danach, Unsere Türme zu finden, ohne zu verstehen, dass ihr Eindringen eine Katastrophe hervorzurufen vermag. Es ist notwendig, unter gewöhnlichen irdischen Bedingungen Einigkeit zu wahren, die ein Unserer Einigkeit wenigstens annähernd ähnliches Ergebnis bringt. Mögen die Menschen sich in dem Wissen freuen, dass irgendwo gleichsam eine Leiter der Welten existiert. Bereits

[Russisches Original. Seite 414.]


 

dieses Bewusstsein wird eine Brücke zur Weiterentwicklung sein.

   Ein unerfahrener Prediger könnte dazu raten, die höhere Einigkeit außer acht zu lassen. Es wird nicht nützlich sein, auf solche Weise andere an den irdischen Plan zu binden. Jede Begrenzung ist wie eine verschlossene Tür und wie der Entzug frischer Luft. Sogar im dürftigsten Alltagsleben träumen die Menschen von einer Erweiterung ihrer Möglichkeiten. Kann aber ein Mensch leben, ohne seine Augen zu den Sternen erhoben und ohne ein einziges Mal über die Unbegrenztheit nachgedacht zu haben? Mag ein unvernünftiger Prediger ruhig die Vorzüge höherer Errungenschaften für sich allein in Anspruch nehmen; es wird jedoch der Tag kommen, da man ihn fragen wird, aufgrund welchen Rechtes er seinen Nächsten den Traum vom Schönsten vorenthalten hat. Wenn die Menschen schon von den Feinstofflichen Welten wissen, werden sie unausweichlich über höhere Grenzen nachdenken. Niemand vermag den Menschen dasjenige vorzuenthalten, was sie schon in sich vorausfühlen. Es ist nicht klug zu versuchen, die Tür zuzuschlagen, wenn sich der Schlüssel zu ihr bereits in den Händen des Gastes befindet.

   Der Denker wies darauf hin, dass der Mensch die göttliche Welt erkennen müsse.

 

   449. Urusvati weiß von besonderen Apparaten, die Wir zur Konzentration auszusendender Ströme verwenden. Apparate sind überall anwendbar, wenn sie einen sparsamen Umgang mit der psychischen Energie unterstützen. Man kann auch ohne materielle Hilfsmittel vorgehen, doch sollte überall das Prinzip der Wirtschaftlichkeit beachtet werden. Überdies treten derart angespannte Momente ein, in denen es unerlässlich wird, sehr rasch einen anderen Energiestrom entgegenzusetzen. Die Menschen spüren mitunter solche Anspannungen, ohne jedoch in der Regel zu wissen, woher deren Wellen kommen.

   Wir weisen immer wieder auf die Einigkeit als Grundlage der Zusammenarbeit hin, doch manchmal werdet ihr bemerken, dass Wir sie besonders betonen, wofür es viele Gründe gibt. So kann es sein, dass ein Zerfall der Einigkeit droht, doch kein geringerer Anlass liegt in der Notwendigkeit, eine bewusste Vereinigung von Energien herbeizuführen. Wenn eine Spinne angreift, ist Aufmerksamkeit nötig. Ein hinterlistiger Skorpion erfordert vereinigte Bemühungen.

   Oftmals verlieren die Menschen das Gleichgewicht, wenn sie von Gefahr hören. Indem sie eine einzige Gefahr fürchten, rufen sie selbst zehn andere hervor. Mit einiger Erfahrung werden sie jedoch verstehen, dass Gefahr vor allem Gleichgewicht erfordert. Wenn man die Wanderer vor Gefahren

[Russisches Original. Seite 415.]


 

warnt, verhalten sich nur wenige vernünftig. Ein ängstlicher Wanderer wird sämtliche möglichen Gefahren aufzählen und sich noch nie dagewesene Schwierigkeiten selbst suggerieren. Ein echter Kämpfer jedoch wird all seine Kräfte sammeln, um alle möglichen Hindernisse abzuwehren. Er weiß, dass Gefahr von oben und unten, von allen Seiten kommen kann, was ihn jedoch nicht ängstigt. Im Gegenteil, die Anspannung aller Kräfte wird ihn mit Freude erfüllen.

   Ein erhabenes Gefühl ist die Freude der Bereitschaft! Dieses strahlende Gefühl ist unbegrenzt, es erleuchtet die Aura und vermehrt die körperlichen Kräfte. Stark ist die Mutter, die ihr Kind rettet. Ebenso stark ist derjenige, der zur Abwehr aller Hindernisse bereit ist. Zu einer solchen vollen Bereitschaft ist die Vereinigung bestimmter Energien erforderlich. Auch über solche außergewöhnlichen Vereinigungen sprechen Wir, doch die Menschen lieben Hinweise auf außergewöhnliche Gefahren nicht. Möge das Gefühl voller Bereitschaft von den ersten Jahren an anerzogen werden; es wird den Sieg über die Selbstsucht bedeuten.

   Der Denker unternahm lange Reisen mit Seinen Schülern. Er fragte sie, ob sie die beste Waffe bei sich hätten. Unschlüssig, was Er meine, fragten sie: Welche Waffe? Er aber antwortete: „Das für eine Reise Vorteilhafteste ist volle Bereitschaft.“

 

   450. Urusvati weiß, dass alte Sprichwörter oftmals einen bestimmten wissenschaftlichen Gehalt besitzen. Erst mit der Zeit verloren sie die innere Bedeutung und wurden als äußerliche, kurze Formeln wiederholt. So heißt es zum Beispiel: „Der Schlaf ist dem Tod ähnlich“, und niemand denkt daran, dass sich darin eine große Wahrheit verbirgt. Gerade der sogenannte Tod führt den Menschen in die Feinstoffliche Welt, doch auch jeder Schlaf stellt eine Berührung mit ihr dar.

   Man kann viele Stadien eines solchen Zustandes nennen, doch in jedem von ihnen tritt der Mensch an die Feinstoffliche Welt heran. Einige senden ihren feinstofflichen Körper auf weite Reisen, während andere die feinstofflichen Bereiche nur leicht berühren. Die Ärzte bemerken richtig, dass Schlaf Erholung bedeutet. Der Schüler sollte wissen, dass jedes Herantreten an die Feinstoffliche Welt schon Erholung für den physischen Körper darstellt. Auf diese Weise haben die Ärzte recht, wenn sie die äußere Bedeutung des Schlafes bestimmen. Doch dieser äußere Sinn erklärt nicht den inneren, weitaus wichtigeren. Mögen die Menschen im Gedächtnis behalten,

[Russisches Original. Seite 416.]


 

dass jeder Schlaf sie an die Feinstoffliche Welt heranführt, jene Welt, die sie für nicht existent halten wollen.

   Offenkundige Manifestationen auf der physischen Ebene werden für Gaunerstückchen von Medien gehalten, doch wollen Wir jetzt nicht auf Phänomene verweisen, sondern auf einen natürlichen, jedem Menschen eigenen Zustand. Wenn die Menschen den Gedanken von der Aufgabe des Schlafes annehmen, werden sie viele Einzelheiten bemerken.

   In ihren Überlegungen über die Bedeutung des Schlafes verfallen manche solchen Irrtümern, dass sie annehmen, man könne ohne Schlaf auskommen. Bei einigen Krankheiten schwindet der Schlaf, doch ist ein solcher Zustand qualvoll und schädlich. Richtig ist dagegen, dass der Schlaf auf den Höhen verkürzt ist, ohne sich aber ganz zu verlieren.

   Die Menschen sollten verstehen, dass bei Besuchen in der Feinstofflichen Welt Begegnungen mit den feinstofflichen Körpern noch Lebender stattfinden können. Oftmals meinen die Menschen, einen Traum gehabt zu haben, doch in Wirklichkeit trafen sie mit den feinstofflichen Körpern Lebender zusammen. Hierbei kann man feststellen, dass sich in diesen Begegnungen schon ein gewisses Verständnis der Bedingungen in der Feinstofflichen Welt zeigt. Menschen, die sonst wenig zurückhaltend sind, können sich dort in einem Meinungsaustausch als besonnen und äußerst angenehm erweisen. Im irdischen Leben werden sie es selbst niemals zugestehen, ein solches weitgefasstes Urteilsvermögen zu besitzen. Sie bewahren bestenfalls kleine Splitter der Begegnungen in ihrem Gedächtnis, nehmen jedoch in ihrem Inneren trotzdem ein neues Verstehen der Dinge mit. Solche aus der Feinstofflichen Welt mitgenommenen Lehrstunden erbringen in verschiedenen Lebenssituationen großen Nutzen.

   Solche Aneignungen von Wissen könnten jedoch in bedeutendem Maße verstärkt werden, wenn die Menschen sich vor dem Eintritt in den Schlaf bewusst machten, dass sie die große Feinstoffliche Welt berühren werden. Machten sie sich wenigstens zunächst äußerlich die Tatsache dieser täglich erfolgenden Annäherung zu eigen, würde die Feinstoffliche Welt sich bereits zu nähern beginnen. Nicht selten wundert sich ein Mensch, im Schlaf Lebende wie Verstorbene gesehen zu haben, doch liegt darin nichts Verblüffendes, da der feinstoffliche Körper, unabhängig von Zeit und Raum, auf die andere Ebene vordringen kann. So raten Wir an, dem Schlaf die Bedeutung einer verfeinerten Reise in höhere Gebiete beizumessen, wobei man jedoch seiner feinstofflichen Energie keinen Zwang antun darf. Der Mensch behält die in der Feinstofflichen Welt angetroffenen Erscheinungen nur selten

[Russisches Original. Seite 417.]


 

im Gedächtnis. Auch wenn der beschriebene Zustand auf natürliche Weise verläuft, möge man dennoch daran denken, dass man während des Schlafes die Feinstoffliche Welt berührt hat.

   Der Denker sprach: „Uns ist es verliehen, in jeder Nacht einen herrlichen Weg zu gehen.“

 

   451. Urusvati weiß, dass die Menschen verschiedene mechanische Maßnahmen zur Bewahrung des Gedächtnisses ergreifen. Sie haben dazu eine besondere Wissenschaft erfunden, die Gedächtniskunst. Sie teilen das Gedächtnis in viele verschiedene Arten auf und schlagen vor, viel auswendig zu lernen, um die Stärke von Gehirnmuskeln zu entwickeln. Dabei vergessen sie jedoch das Wichtigste, welches das Bewusstsein des Menschen völlig verwandelt: Sie vergessen, dass das unablässige Denken an das Allerliebste sich als das sicherste Mittel erweist. Es besteht keine Notwendigkeit, das Bewusstsein mit unbedeutenden Fakten zu belasten; vor allem nötig ist, an das Wichtigste zu denken, welches sich der Mensch als leitenden Begriff erwählt hat.

   Wenn der Mensch sich angewöhnt, beständig an sein eigentliches Bestreben zu denken, wird sich bei ihm die beste Art von Gedächtnis entwickeln, welches Wir als Gedächtnis der Synthese bezeichnen. Eine solche Konzentration verfeinert und schärft auch die Nervenzentren.

   Dieser Rat scheint sehr einfach zu sein, man braucht sich also nur zu konzentrieren. Nur muss man zuallererst imstande sein, auch den Gegenstand der Konzentration auszuwählen. Man kann Unsere Schwester nennen, die in sich das unerschütterliche Gedenken an das Allerliebste trägt, was heißt, dass eine solche Errungenschaft auch inmitten irdischer Wirren möglich ist. Mögen die Menschen daran denken, dass ein sicherer Anker das Schiff selbst im Sturm zu halten vermag. Niemand zwinge zu solcher Konzentration, die menschliche Natur selbst lenkt zu dem zuverlässigsten Mittel.

   Der Denker dachte unablässig an die von Ihm erwählte Muse[2]. Er verbarg es nicht, dass Er in Tagen der Erschütterung dank Jener feststand, die Ihm Stütze war.

 

   452. Urusvati weiß, dass jeder Herantretende viele Bewohner der Feinstofflichen Welt mit sich führt; dies ist keine Besessenheit, sondern nur der Gleichklang der Auren. Natürlich drängen Bewohner der Feinstofflichen Welt sich ohnehin schon um uns herum, doch jedes Herantreten eines anderen zieht auch sein ganzes Gefolge mit heran. Es ist nicht wünschenswert, dass diese neuen Gäste beginnen, sich mit den gewöhnlichen Bewohnern zu streiten, vielmehr ist es besonders segensreich, wenn alles in einem übereinstimmenden

[Russisches Original. Seite 418.]


 

Chor zusammenfließt. Eine jede solche Verstärkung zieht auch sofort hohe Besucher an.

   Möge das Gesagte nicht als ein neues Märchen aufgefasst werden, möge besser Unser wissenschaftliches Verständnis auf diese unbezweifelbaren Fakten angewendet werden. Möge der Beweis vom Gegenteil her erfolgen, es wird doch niemand belegen können, dass alle Angaben über die Feinstoffliche Welt unmöglich seien. Möge man ruhig neue Argumente suchen, um all das im Verlauf von Jahrtausenden angesammelte Wissen umzustoßen.

   Wir erwarten keinen blinden Glauben und nehmen daher die Herausforderung beliebiger Verneiner bereitwillig an, doch bitten Wir sie, auf wissenschaftliche Weise vorzugehen. Oberflächliche Verneinung ohne wissenschaftliche Beweisführung ist unerträglich. Mögen die Verneiner sich angewöhnen, solche Tatsachen beizubringen, welche die Unmöglichkeit Unseres Wissens über die Feinstoffliche Welt beweisen. Möge dieser Disput jedoch nicht an den Streit über die Bewohnbarkeit ferner Welten erinnern.

   Es ist nicht überzeugend, wenn die Widersprechenden sagen, dass nach ihrer Meinung allein die Erde bewohnbar sei. Niemand wird sich mit derart flachen Behauptungen begnügen. Im Gegenteil wird jeder, der die Möglichkeit bewohnter ferner Welten oder die Erfülltheit des Raumes unterstellt, dazu physikalische Gesetze zu Hilfe nehmen können. Es erfordert nicht viel Arbeit, die Existenz von Mikroorganismen zu beweisen, und von ihnen lässt sich ein Faden zum Makrokosmos ziehen.

   Bevor man meint, ein solcher Vergleich sei primitiv, möge man in Betracht ziehen, wie viele Menschen noch nie durch ein Mikroskop oder Teleskop geblickt haben. Lasst uns dies nicht armen Landbewohnern vorwerfen, sondern sehen wir besser unter den Auserwählten der Völker nach. Man kann nur erstaunt sein, wieviel Unwissenheit sich in den städtischen Türmen und auf den Märkten findet. Diese Menschenansammlungen sind als Pflanzstätten der Unwissenheit zu bezeichnen. Man soll lieber ein Gespräch mit einem einfachen Landbewohner führen als an dem tödlich unwissenden Urteil der Städter vorbeizugehen. So mögen die Verneiner wissenschaftliche Beweise sammeln.

   Der Denker schlug den Mitbürgern vor, für jede Entscheidung eine wissenschaftliche Grundlage zu finden.

 

   453. Urusvati weiß, dass die Menschen fortwährend in sich geschlossene, unteilbare Begriffe auseinandernehmen. Eine solche Gewaltanwendung zeugt von Unwissenheit. Der Begriff der Evolution

[Russisches Original. Seite 419.]


 

wird in einen materiellen und einen idealistischen Prozess zerlegt; doch darf man den erhabenen Begriff der Evolution derart entstellen und ihn somit seiner Anwendbarkeit auf das Leben berauben?

   Hört ihr Unser Bedauern, wenn die Einheit gestört wird? Mag sich ein Arzt den Menschen auch nur aus Muskeln oder Nerven bestehend vorstellen – existieren kann ein solcher Organismus nicht. Kann man sich also die Evolution nur materialistisch oder nur idealistisch vorstellen? Weder das eine noch das andere wäre lebensfähig. Allein die volle Evolution sämtlicher Begriffe vermag das Leben umzugestalten. Und dieses nennen Wir Synthese, da die Synthese eine Verbindung bestimmter Teile erfordert. Im Fall der Evolution handelt es sich nicht um eine mechanische Verbindung – Muskeln und Nerven der Evolution stellen einen einzigen Organismus dar. Es ist widernatürlich sich vorzustellen, ein Organismus könne um einen seiner bewegenden Teile beraubt leben. So lässt sich in der Geschichte der Menschheit verfolgen, dass sogar die Blütezeiten von Staaten und Völkern nur von kurzer Dauer waren. Solange die Harmonie aller Grundlagen der Evolution nicht gefunden wird, wird die Menschheit hinken.

   Lasst uns auch aufmerksam prüfen, ob selbst die Begriffe des Materialismus und des Idealismus richtig verstanden werden. Wir werden finden, dass beide falsch erklärt werden. Wenn die Menschen erst wissen, dass Materie auch Geist und jeder Zustand beider nur eine Manifestation ein und derselben uranfänglichen Energie ist, so wird jeder Versuch einer Aufspaltung dieser Einheit nur eine Verstümmelung sein. In den Händen Unwissender erscheint die Materie als ein bedingter Begriff. Auf dieselbe Weise ist auch der Begriff des Idealismus in den Händen von Toren ein bedeutungsloses Banner.

   Möge die große Evolution nicht geschmälert werden; möge man alle Wissenschaften herbeirufen, um zu begründeten Urteilen zu gelangen. Allein bei Anwendung wissenschaftlicher Methoden werden die Menschen die Bedeutung der Evolution erkennen.

   Der Denker sprach: „Bürger, warum habt ihr ein Bein hochgebunden? Für einen langen Weg taugt ihr so nicht.“

[Russisches Original. Seite 420.]


 

   454. Urusvati weiß, dass jede menschliche Handlung zum Bösen gelenkt werden kann. Die Ärzte des Altertums fügten ihrer Heilungstätigkeit das Wort hinzu: „Möge dieses Gute nicht ins Böse verkehrt werden.“ So ließen sich viele Beispiele dafür anführen, wie aus besten Absichten Elend entstand. Ein Bauer, dem befohlen wurde, nur an seine Bewaffnung zu denken, kann nicht hinreichend über Acker und Aussaat nachdenken. Der Lehrer muss erläutern, dass auch das Gute viele Stufen hat. Ein Mensch strebt nicht richtig zum Guten, wenn er mit seinem Handeln Böses hervorrufen kann. Was aber nur tun, um auch vergleichsweise geringfügig Böses zu vermeiden? Erneut kommen wir zum Gefühlswissen.

   Wir werden wissen, dass Finstere bis zu einem gewissen Grad auch das beste Vorhaben entstellen können. Wir sind darüber nicht betrübt, dass das von uns vollbrachte Gute irgendwo vielleicht entstellt wird. Wir wägen ab, wann das Gute die beste Ernte einbringen wird und werden nicht weinen, wenn es irgendwo entstellt wird. Allein unter Anwendung der Entsprechung kann man die Rechtfertigung seiner Taten finden.

   Vergessen wir nicht, dass die Finsternis sogar sehr hell strahlende Feuer zu verdecken vermag, doch geht die Sonne nur deshalb unter, um wieder aufzugehen. So wird jede kosmische Erscheinung auch eine Vorstellung vermitteln können, wie menschliche Arbeit vonstattengeht. Man darf nicht meinen, dass das Ende gekommen sei, da es kein Ende gibt. Freude erwächst aus der Unbegrenztheit.

   Der Denker tröstete die Schüler damit, dass Freude unbegrenzt ist.

 

   455. Urusvati weiß, dass um den Begriff der augenblicklichen Erleuchtung herum viele Missverständnisse entstanden sind. Die Menschen bilden sich oftmals ein, bereits erleuchtet worden zu sein, wenn sie eine vorübergehende Begeisterung empfanden. Augenblickliche Erleuchtung ist wohl vorstellbar, doch wird sie auf langwährende innere Arbeit gegründet sein. Diese Arbeit kann sogar unbewusst verlaufen, als geistiges Erbe der Vergangenheit, und dennoch vollzieht sie sich und ermöglicht erst die Erleuchtung.

   Unter Erleuchtung ist kein zufälliges Aufflammen zu verstehen, sondern eine ganze Stufe des Bewusstseins. Die Menschen verstehen oft nicht, dass eine solche Stufe unerwartet eintreten kann, wie als Folge eines zufälligen Ereignisses. In der Tat kann ein äußeres Ereignis den Anstoß zur Öffnung eines „Lotus“ geben, die Blüte selbst jedoch ruhte bereits in der Tiefe des Bewusstseins.

[Russisches Original. Seite 421.]


 

Ein geöffneter „Lotus“ wird durch viel Arbeit aufgezogen, doch oftmals bemerken die Menschen nicht, dass sie den herrlichen Garten bestellen. Erst nach einer fleißigen Aussaat kann die Erleuchtung wachsen! Ohne Ursachen wird es auch keine Folgen geben.

   Desgleichen wird oft nicht verstanden, was Feierlichkeit ist. Man mag denken, dass ein solcher erhabener Zustand zufällig eintrete. Nein. Er gestaltet sich als Folge langer Prozesse des Nachdenkens. Wenn er jedoch erstarkt, erweist der Mensch sich als auf einer festen Stufe stehend. Wir schätzen kein rasch vergängliches Aufflammen, sondern das unverlöschliche Brennen.

   Der Denker lehrte, dass jedem Menschen ein Öllämpchen verliehen sei.

 

   456. Urusvati weiß, dass die psychische Energie den Zug der Vögel lenkt, ebenso wie sie die menschlichen Verbindungen herbeiführt, doch ist es notwendig, an die Erziehung des Willens zu erinnern, des besten Hilfsmittels für die Erleuchtung. Wie eine wegweisende Fackel lodert die Erleuchtung auf und erhellt den Weg, doch wie soll man den Willen erziehen? Vielleicht mittels Konzentration oder Pranayama? Jedes Mittel wird seinen Nutzen haben, doch der stärkste Wille wird in den Lehrstunden des Lebens ausgebildet.

   Man darf keine ungewöhnlichen Ereignisse erwarten, um den Willen zu üben. Möge er an den gewöhnlichsten Alltagserscheinungen wachsen. Auf diese Weise erstarkt der Wille zu seiner ganzen Unüberwindlichkeit. Es ist schlecht, wenn ein Mensch sich die Eigenschaft des Willens einredet; aufgespeichert werden sollte er innerlich durch einen psychischen Impuls. An jeder Arbeit üben wir uns in der Stärkung des Willens. Bei jeder Begegnung offenbaren die Menschen den Grad ihres Willens.

   Das Denken des Menschen fließt dem Willensbefehl gemäß, und dieser soll Tore eröffnen, doch keine Sklaverei sein. Die echte Erziehung des Willens beginnt mit dem ersten Erwachen des Bewusstseins. Schon von frühen Tagen seines Lebens an spürt der Mensch den Vorzug eines disziplinierten Willens. Nicht alle sind in der Lage, einen ungezügelten Willen leicht zu überwinden. Das Chaos kann nur durch die klare Erkenntnis besiegt werden, dass diese grobe Materie der Umwandlung bedarf. Viele Verkörperungen muss man jedoch durchschreiten, um selbständig zu verstehen, wie unerlässlich die Überwindung des Chaos ist.

   Solange dem Menschen die Erfahrung fehlt, möge er den Rat über den Willen anhören. Er

[Russisches Original. Seite 422.]


 

wird verstehen, wie der Wille gestärkt oder gezügelt werden muss. Er wird verstehen, dass der Wille ihm hilft, den Nächsten nicht zu kränken. Der Wille wird eingeben, wann man Hilfe erweisen kann. Über den Kanal des Willens wird auch Unsere Führung eilen. Der Wille erfährt Läuterung, wenn er dem Guten zugewandt ist.

   Der Denker zeigte des öfteren auf vorüberziehende Vögel und sprach: „Welch herrliche Kraft führt diese Wanderer!“

 

   457. Urusvati weiß, dass die Stimme des Bewusstseins mitunter als kleine Stimme bezeichnet wird, was jedoch nicht ihrem eigentlichen Wesen entspricht. Ebenso wird sie als kaum wahrnehmbar bezeichnet, was auch nicht richtig ist. Man nennt sie auch Stimme der Tiefe, was ihrem Wesen schon näherkommt. Warum jedoch dem einfachsten Begriff aus dem Weg gehen, eben „Stimme des Bewusstseins“? Bei dessen Annahme ließe sich leichter verstehen, dass ein Befehl des Bewusstseins sowohl eine Erleuchtung als auch eine Zusammenarbeit mit der überirdischen Welt darstellt.

   Es lässt sich verstehen, dass das Bewusstsein nicht von außen unterdrückt werden kann, sondern von allen Energien des Raumes genährt wird. Unsere Führung kann kein Zwang sein, vermag jedoch die besten Kräfte des Bewusstseins zu nähren. Wer die Bedeutung der Zusammenarbeit versteht, kann erkennen, wie man ohne Zwang helfen kann.

   Was aber tut der Mensch, wenn die Stimme seines Bewusstseins erklingt? Gewöhnlich müht er sich mit allen Kräften ab, sie zu ersticken. Man kann bestätigen, dass die Menschen die Stimme des Bewusstseins als etwas überaus Störendes vertreiben. Kann der Mensch jedoch erfolgreich voranschreiten, solange er dieses Geschenk nicht klar als solches erkennt?

   Oftmals fürchtet man das sogenannte Gewissen. Es ist üblich zu denken, es spreche nur nach schlechten Taten. Welch ein Irrtum! Das Gewissen oder Bewusstsein ruft zum Guten auf. Doch der Mensch ist, während er ein Verbrechen begeht, nervlich sehr angespannt und kann sich deshalb in einer so gespannten Erwartung befinden, dass in ihm die Stimme des Bewusstseins erklingt. Man darf nicht meinen, Zusammenarbeit bestünde in gegenseitiger Verdammung. Hörten die Menschen die Warnungen, würden sie viele Gefahren vermeiden. Die Stimme des Bewusstseins ist weder klein oder kaum wahrnehmbar noch stolz über ihre Unabhängigkeit. Wahre Zusammenarbeit wird nicht berechnen, woher der Erfolg kommt,

[Russisches Original. Seite 423.]


 

feinfühlig und dankbar wird sie die Gabe des Guten annehmen.

   Der Denker fasste diese Gaben als Geistesnahrung auf.

 

   458. Urusvati weiß, wie unbeständig und falsch die Menschen die neuesten Erfindungen nutzen. So sind viele neue Filme in Gebrauch gekommen, die für Aufnahmen feinstofflicher Wesenheiten überaus geeignet wären, doch kaum jemand versucht, solche neuen Möglichkeiten anzuwenden. Mitunter kann sehen, dass die Ergebnisse alter Aufnahmen besser waren. Seinerzeit wandte man unzweifelhaft mehr Bemühungen und Geduld auf als jetzt. Überdies verfielen die Forscher damals nicht so schnell der Enttäuschung.

   Es ist nicht möglich, für alle feinstofflichen Experimente alle kosmischen Bedingungen vorauszusehen. Hinweisen lässt sich jedoch darauf, dass der Chemismus starker Sonnenstrahlen ungünstig sein wird, ebenso wie Orkane und Bodenschwankungen. Stille und gleichmäßiges Licht sind besonders hilfreich, desgleichen können die Harmonie der Anwesenden und Musik das Experiment unterstützen, doch befinden sich alle diese Bedingungen auf der untersten Stufe der Anforderungen. Überdies treten unzweifelhaft viele feinstoffliche Einflüsse hinzu, nützliche wie entgegenwirkende. Man sollte wissen, dass unter den feinstofflichen Wesen keine gleichen Ansichten herrschen. Es kann sein, dass sie mit der Nützlichkeit der gegebenen Manifestationen nicht übereinstimmen und Gegenwirkungen veranlassen. Ebenso möglich sind feindliche Versuche, eine Mitteilung zu unterbinden, was jedoch Geduld und Streben zu überwinden vermögen.

   Lasst uns auch nicht vergessen, dass die Teilnahme von Frauen den feinstofflichen Versuchen besonderen Erfolg verleiht. Man kann feststellen, dass das Gleiche auch bei Filmaufnahmen geschieht. Wenn eine Frau körperlich oder feinstofflich teilnimmt, gelingen die Aufnahmen in der Regel gut. Wir haben bereits über die Teilnahme von Frauen bei allen Arten wissenschaftlicher Experimente gesprochen. Die Alchimisten des Altertums verstanden den vollen Wert der weiblichen Mitarbeit, den heutzutage viele Wissenschaftler jedoch in Abrede stellen. So tritt indirekte weibliche Mitarbeit an die Stelle der direkten, und dennoch wird selbst das Wesen der Dinge die Frau hinzuziehen, und sie wird ihre Hand an die neuen Entdeckungen legen.

   Es ist daher unerlässlich, die Lage der Frau zu wandeln. Neben Gleichgewicht und Gleichberechtigung muss man auch die Feinstofflichkeit der weiblichen Natur verstehen. Es ergäbe einen traurigen Anblick,

[Russisches Original. Seite 424.]


 

die Frau an der Stelle von Soldaten oder bei einer Arbeit sehen zu müssen, die grobe Kraft erfordert. Wenn wir uns von der Anwesenheit kostbarer feinstofflicher Energie überzeugen, muss sie auch um der Zweckmäßigkeit willen angewendet werden können. So gelangen wir erneut zur wahren Zusammenarbeit.

   Wir müssen für jede Begabung den ihr gemäßen Platz finden. Das Zeitalter der Mutter der Welt* bedeutet keine Rückkehr zur Welt der Amazonen. Es steht eine weitaus größere, erhabenere und verfeinerte Aufgabe bevor. Man kann beobachten, dass Maschinen in den Händen von Frauen nicht so rasch ermüden und Pflanzen langsamer welken. Natürlich spreche Ich nicht von allen Frauen, sondern von den wenigen, die Ausdruck feinstofflichster Energie sind. Sämtliche derartigen Fähigkeiten werden dem Zeitalter der Mutter der Welt gemäß sein. Der Bereich der ärztlichen Tätigkeit wird zu solchen Fähigkeiten in Beziehung stehen.

   Eine weitere Eigenschaft wird der Frau eigen sein: Sie wird Trägerin des höchsten Grades der Hingabe sein. Die höchsten Wahrheiten treten dank der Frau ins Leben. Diese Aussage wird von der Wirklichkeit selbst bestätigt. Die Frau kann dabei helfen, dass die Entdeckungen in rechter Weise Anwendung finden.

   Der Denker wandte sich Seiner Muse zu und wollte damit Seiner Verehrung der feinsten Kräfte Ausdruck verleihen.

 

   459. Urusvati weiß, wie sehr die Menschen es vorziehen, zu den fernen Welten zu streben, statt sich um die irdische Situation zu kümmern. Die Ursache ist klar: Die fernen Welten scheinen den Erdbewohnern ohne Verantwortung zu sein, die Verpflichtung für das irdische Leben aber wirft viele Sorgen auf. Niemand oder fast niemand möchte verstehen, dass sich die Realität der fernen Welten nur demjenigen eröffnet, der die irdischen Bedingungen überwindet.

   Ohne klare Erkenntnis der irdischen Bestimmung ist es unmöglich, in überirdische Räume vorzustoßen. Allein über irdische Vervollkommnung erweisen wir uns für Reisen in ferne Welten als geeignet. Wenn wir vom Überirdischen sprechen, müssen wir vor allem mit den irdischen Bedingungen einverstanden sein. Wiederum betone Ich, dass nicht in rechter Weise zum Überirdischen streben kann, wer nicht auch fähig ist, an das Irdische zu denken.

[Russisches Original. Seite 425.]


 

   Glaubt nicht, dass gerade die Leser der gesandten Vermächtnisse diese auch im Leben anzuwenden in der Lage sind. Doch lasst uns deswegen nicht betrübt sein; jeder, der viele irdische Wege durchschritten hat, weiß, wie sich seine Erfahrung zusammengesetzt hat. Er, der sich vieles zu eigen machte, wird sich barmherzig den Irrenden zuwenden.

   Man darf nicht vergessen, dass wir uns bei jedem irdischen Inerscheinungtreten in Bezug auf bestimmte Fähigkeiten vervollkommnen, während viele andere Aufspeicherungen gewissermaßen im Zustand der Vergessenheit bleiben. Daher wundern sich die Menschen nicht selten, wenn sie sehen, dass jemand sich in bestimmter Beziehung erfolgreich entwickelt und in anderer schläft. Erst in der Feinstofflichen Welt flammen auch die anderen Aufspeicherungen auf, allerdings auch die Fehler.

   So sagte der Denker oftmals, um jemanden zu rechtfertigen: „Wissen wir, was in seinem Busen ruht?“

 

   460. Urusvati weiß, dass die Überfüllung des Raumes gefährliche Folgen zeitigen kann. Fassen wir diese Ermahnung rein wissenschaftlich auf. Man sollte wissen, dass sogar die Überschneidung von Radiowellen räumliche Verwirrung schafft. Noch größere Unruhe entsteht jedoch aus einem unmittelbaren menschlichen Aufschreien.

   Psychiater sollten ihre Aufmerksamkeit auf psychische Epidemien lenken. Es muss erforscht werden, bei welchen psychischen Massenerscheinungen entsprechende Wirkungen auftreten. Die Entstehung psychischer Epidemien darf nicht nur der Besessenheit zugeschrieben werden. Doch kann natürlich ein von räumlichen Giften belasteter Organismus leicht auch Besessenheit aufnehmen.

   Achtet auf das Wort „Vergiftung“. Es bringt das Wesen der Epidemien besonders gut zum Ausdruck. Die Ärzte müssen verstehen, wie der Chemismus zustande kommt, der sich im Zustand des Organismus widerspiegelt. Hierbei ist besonders wichtig zu studieren, welche Massenbewegungen diese Erkrankung am meisten begünstigen.

   Es wird erkennbar, dass nicht selten größte Explosionen weniger gefährlich sind als die sogenannte Erregung der Gemüter. Vergessen wir nicht, dass es Zeiten geben kann, die schlimmer sind als Krieg. Wenn Wir daran erinnern, haben Wir die Vergiftung des Raumes im Blick. Bei jeder Erregung werden Gase gebildet, doch menschliche Verwirrung kann ein sehr

[Russisches Original. Seite 426.]


 

starkes Gift erzeugen, und niemand denkt daran, dass die Menschen selbst die Zerstörung schaffen.

   Die Zeit, als man noch von einer abstrakten Psychologie des Menschen sprach, ist vorbei; jetzt hat man begriffen, dass sie das wirklichkeitsnaheste Laboratorium ist, in dem Gifte hergestellt werden. Es könnten darin jedoch ebenso gut auch wohltuende Heilmittel geschaffen werden. Man muss nur das Denken dem Guten zuwenden.

   Der Denker drängte die Bürger, im Guten zu handeln, auf dass jede Lebenstätigkeit ein Heilmittel würde.

 

   461. Urusvati weiß, dass die Qualität einer Tat von der Begeisterung des Handelnden abhängt. Hier muss darüber nachgedacht werden, ob eine wissenschaftliche Definition der Eigenschaft der Begeisterung gefunden worden ist. Wir sprechen weder von Wunsch oder Anstrengung noch Eingebung, sondern möchten den Sinn der Begeisterung bestätigen.

   Wir wissen, dass sie sich in der Aura widerspiegelt und diese entflammt, doch die Wissenschaftler sind noch nicht in der Lage zu verstehen, welche der Nervenzentren bei Begeisterungsschwüngen am meisten tätig sind. Bei jeder Arbeit kann diese erhabene Anspannung hervorgerufen werden. Die Alten nannten diesen Zustand „Göttlichen Gruß“. Er allein kann jeder Arbeit das Leuchten der Vervollkommnung verleihen.

   Man könnte sagen, dass ein solches Streben zur Vervollkommnung nur für höheres Schaffen auf allen Gebieten charakteristisch sei, was jedoch eine relative Definition ist. Wir bestätigen, dass jede Arbeit von Begeisterung getragen werden sollte, die zur Vervollkommnung führt. Meister jedes beliebigen Handwerkes wissen, dass sogar die alltägliche Arbeit auf beständige Vervollkommnung hin ausgerichtet sein kann. Sprecht mit den besten Handwerksmeistern, und sie werden euch bestätigen, dass die Qualität der Arbeit unaufhörlich verbessert werden kann. Genau dasselbe sagen Wir auch von Unseren Arbeiten: Nehmt Uns die Begeisterung, und alle Arbeitsrhythmen werden gestört!

   Urusvati weiß, wie eine solche Störung des Rhythmus zum Ausdruck kommt. Es ist gar nicht erforderlich, dass irgendwelche finsteren Kräfte eindringen; es genügt, dass der Energiestrahl des Gesprächspartners sich als disharmonisch erweist, und der Rhythmus wird gestört. Es ist nicht leicht, einen Rhythmus wieder aufzubauen, man

[Russisches Original. Seite 427.]


 

muss dafür eine besondere Tätigkeit bestimmter Zentren hervorrufen. Doch eine solche eilige Einflussnahme kann auch physische Folgen haben. Wir gelangen erneut zu der Feststellung, dass eine Zeit angebrochen ist, in der die Tätigkeit der Nervenzentren studiert werden muss. Die Lehre von den Nervenreflexen wird den Anstoß zu weiterer Forschung geben, doch ohne ein Verständnis der psychischen Energie werden die notwendigen Schlussfolgerungen nicht gezogen werden können.

   Der Denker riet, jegliche Störung von Rhythmen wahrzunehmen und darauf zu achten, welche körperlichen Störungen sie hervorrufen.

 

   462. Urusvati weiß, wie schmerzhaft sich disharmonische Ströme auswirken. Auch mit der selbständigen Wiederherstellung des Gleichgewichts sind viele schmerzhafte Empfindungen verbunden. Man kann daran erinnern, wie Unser Bruder K. litt, als Er die Einwirkung boshafter und unwissender Sendungen verspürte. Er hätte diese Einflüsse in geringerem Maße empfunden, wenn die räumlichen Ströme zu der Zeit nicht ebenfalls schwer gewesen wären.

   Wir haben bereits über die Epidemie der Entzündung der Schleimhäute gesprochen. Auch diese Erscheinung muss der Einwirkung von Strömen zugeschrieben werden, die allerdings durch die irdische Verwirrung verstärkt sind. Wir sprechen dieses Wort der irdischen Verwirrung aus, um auf die Hauptursache hinzuweisen.

   Es ist nicht leicht, das Gleichgewicht wiederherzustellen, wenn von allen Seiten eine Flut äußerst schädlicher Ströme heranbrandet. Heilung erfordert vor allem Ruhe, die jedoch mitunter nicht erreichbar ist. Unser Bruder litt langanhaltend, da, selbst unter günstigsten Umständen, die Ruhe nicht unverzüglich hergestellt werden konnte.

   Wir kennen diese Anstürme irdischer Wirrnis. Jeder von Uns hat irgendwann einmal solche Anspannungen erfahren. Sogar gewöhnliche Ströme erweisen sich unter solchen Bedingungen als übermäßig belastend. Wir halten solche Schwingungen, die Schaden bringen könnten, sogar nach Möglichkeit zurück. Man darf sich nicht wundern, dass zu einer solchen Zeit keine gehaltvollen Offenbarungen möglich sind. Der Organismus muss geschont werden. Wir können den Rat geben: Überanstrengt euch nicht, und wenn ihr eine Anwandlung von Schläfrigkeit verspürt, erlegt euch keinen Zwang auf.

   Ein intensives Zusammenprallen von Strömen muss sich auf feinfühlige Organismen auswirken. Früher ging man in die Wüste, um von der irdischen Wirrnis verschont zu sein, doch jetzt haben die Menschen sogar den Luftraum erobert, und die Ströme sind noch angespannter. Wenn Wir daher von der Überfüllung

[Russisches Original. Seite 428.]


 

des Raumes sprechen, haben Wir keinen abstrakten Prozess im Blick, sondern die irdische Realität.

   Der Denker sprach von der unsichtbaren Schlacht.

 

   463. Urusvati weiß, wie trübe das Leben ohne Lehrer ist. Die Menschen fassen dies in eigentümlicher Weise auf. Verneiner bemühen sich mit ihrem Tun sehr, den Lehrer zu bestätigen. Jeder Verneiner ist für seine eigenen Anhänger ein Lehrer und bestätigt somit diesen Begriff. Und sogar die Gegner des Lehrertums schaffen denselben Begriff. Lasst uns nicht darauf bestehen, dass alle Menschen auf die gleiche Weise denken, doch möge jeder auf seine Weise zu denselben Lebensgrundlagen gelangen.

   Auch wisst ihr, dass das Leben ohne einen Helden wie tot ist. Fragt alle Bewohner der Erde, ob es ihnen nie widerfahren ist, vor sich das anziehende Bildnis eines Helden zu sehen? Jedes Schulkind wird bekennen, dass es von Kindheit an in seinem Herzen einen Auserwählten liebevoll gehegt hat. Leuchtende Taten stellten für sie die besten Impulse dar. Sie werden auch eingestehen, dass niemand sie die Verehrung des Helden lehrte, sondern diese Eigenschaft von allein in ihnen wuchs.

   Die Grundlagen des Daseins bilden sich nämlich selbständig, sie treten aus der Schatzkammer des „Kelches“ zum Vorschein. Lange lebten sie im Inneren, als Lehrstunden aus der Feinstofflichen Welt. Nicht selten vermögen die Menschen diese Vermächtnisse gar nicht in Worte zu fassen, dennoch sind sie da und wandeln zur vorbestimmten Stunde das Leben um.

   Werdet nicht müde, von dem Lehrer und dem Helden zu sprechen. Beide Begriffe bezeichnen vom inneren Wesen her ein und dasselbe. Sie führen zum Erfolg. Sie helfen, die Schwere des Lebens durchzustehen. Sie sind die Quelle der Tapferkeit und des Mutes.

   Der Denker sprach: „Der Lehrer ist der beste Held. Seine Rüstung rostet weder noch nutzt sie sich ab. Ein ganzes Heer kann die Flucht ergreifen, doch der Lehrer wird nicht weichen. So lasst uns Ihm den Kranz des Helden verleihen!“

 

   464. Urusvati weiß, dass räumliche Ströme die Erde in unterschiedlichen Rhythmen erreichen. Kosmische Schwingungen schaffen auf diese Weise besondere Muster. Man darf daher nicht denken, die überirdischen Chemismen näherten sich gleich einer riesigen drohenden Wolke, welche die Erde wie Nebel einhüllt. Eher ließen sich die Rhythmen der Chemismen mit Mustern vergleichen, wie sie durch Tonschwingungen im Sand gezeichnet werden. Dadurch wird auch erklärt, weshalb die Menschen

[Russisches Original. Seite 429.]


 

die Chemismen nicht gleichmäßig strömend wahrnehmen, sondern intervallartig. Genau durch diesen Umstand ist auch die Erforschung der räumlichen Chemismen erschwert.

   Natürlich können die Wellen irdischer Gase gute Beispiele abgeben. Oftmals leiden Menschen durch Gase, während andere in der Nähe keinen Schaden verspüren. Überdies wird jede räumliche Welle verschieden aufgenommen, nämlich in Abhängigkeit vom Zustand der Nervenzentren. So können beispielsweise angespannte Zentren solche Wellen geradezu anziehen, da die Anspannung eine magnetische Kraft eigener Art entfaltet.

   Wenn Wir von der Notwendigkeit der Ruhe sprechen, verweisen Wir mit Nachdruck auf ihre Zweckmäßigkeit. Ein Mensch, dessen Gleichgewicht gestört ist, wird eine Menge äußerst starker Chemismen herbeiziehen und zum Zentrum ihres unsichtbaren Zusammenprallens werden. Bis zu einem gewissen Grad können Wir natürlich mit Unseren Schwingungen zu Hilfe kommen, doch darf nicht vergessen werden, dass hereinbrechende Chemismen sehr stark sein können und demgemäß mächtige Einwirkungen erfordern. Für den Menschen wird es nicht leicht sein, Objekt von Wirbeln zu werden, die um ihn herum in einer Schlacht toben. Daher raten Wir oftmals dazu, nicht im Übermaß betrübt zu sein. Den Menschen mag es erscheinen, als ob sich etwas vollzogen habe, das nicht wiedergutzumachen sei, doch in Wirklichkeit handelte es sich nur um eine vorüberziehende dunkle Wolke. So ist jede Unserer Weisungen ein medizinischer Rat.

   Der Denker sprach: „Womit nur sollen wir unseren Unsichtbaren Ärzten danken?“

 

   465. Urusvati weiß, dass wahre Hingabe vom Herzen geboren wird, nicht jedoch vom Verstand. Überdies darf dieses herzliche Bestreben nicht als etwas Abstraktes aufgefasst werden, sondern als Realität. Wie aber soll man dem Bewusstsein einprägen, dass Hingabe an das Gute die Grundlage des Lebens darstellt? Der Mensch muss klar erkennen, dass das Gute nicht nur zum Nutzen für die Welt ist, sondern auch für ihn persönlich.

   Mögen die Menschen sich verschiedener anderer erinnern, die sich vom Guten abgewandt haben, und nach den Ursachen hierfür suchen. Sie werden dabei vor allem entdecken, dass jene, die sich vom Guten abwenden, nicht an eine ununterbrochene Fortdauer des Lebens glauben. Solche Menschen hoffen, dass ihre schlechten Taten zusammen mit ihnen sterben. Sie fürchten den Tod sehr, und in ihrer Angst suchen sie das irdische Leben zu verlängern. Doch wenn sie in die Feinstoffliche Welt blickten, würden sie den Nutzen des Guten schätzen lernen. Sie werden sagen: „Wozu

[Russisches Original. Seite 430.]


 

diese Gespenster einer Feinstofflichen Welt? Wir bezahlen lieber die Wissenschaftler, damit sie unser Leben hier verlängern, wo wir uns in Feiern und Ausschweifungen stürzen können.“

   Die Erscheinung solcher finsteren, vom Guten abgewandten Menschen beunruhigt diejenigen, die dem Guten zugeneigt sind. Immer wieder kann man hören, dass die Menschen nicht wissen, wie man mit solchen vom Guten Abgewandten verfahren soll. Lasst uns aber betrachten, was der Mensch aus der Feinstofflichen Welt mitbringt. Er bringt ein dreifaches Erbe mit: Allem voran ein karmisches, sein eigenes Erbe; dann den Atavismus[3] der Vorfahren; und schließlich in der Feinstofflichen Welt Angeeignetes. Letzteres kann sowohl lichter als auch finsterer Art sein. Es lässt sich genau beobachten, wie ein Mensch sein Dasein gestaltet hat, doch wenn alle drei genannten Umstände finsterer Natur sind, wird auch eine Einflussnahme vergeblich sein. Man muss gleichfalls die Ursache erforschen, und es wird sichtbar werden, wie die vom Guten Abgewandten aus sich selbst kosmischen Unrat gemacht haben.

   Der Denker sprach: „Möge Zeus seine Blitze sammeln, um die Erde vom Unrat zu reinigen.“

 

   466. Urusvati weiß, wie oft selbst die einfachsten Unserer Weisungen entstellt werden. So haben Wir davon gesprochen, dass es notwendig ist, die Rüstung behutsam und sorgfältig zu prüfen und im Fall der Not fürsorglich zu helfen. Man sollte meinen, dass es sich um einen ganz klar verständlichen Rat handelt, doch die Menschen leiten eine Verurteilung des Nächsten daraus ab. Wo sich aber der Wurm der Verurteilung eingenistet hat, ist keine Ernte zu erwarten.

   Untersuchen wir zunächst den Unterschied zwischen Verurteilung und einem gerechten Urteil. Jeder wird verstehen, dass es solche Verbrechen geben kann, die ein strenges Gerichtsurteil unausweichlich machen; doch unter der alltäglichen Verurteilung ist ein oberflächlicher und schädlicher Begriff zu verstehen.

   Nicht selten versuchen Menschen mit der Verurteilung eines anderen, diesen zu veranlassen, ihren Wünschen gemäß zu handeln. Sie wollen nicht verstehen, dass jeder Vogel sein eigenes Lied hat. Man kann den Vogel töten, ihn jedoch nicht zwingen, ihm fremde Klänge hervorzubringen.

   Es ist sehr betrüblich, sehen zu müssen, wenn Menschen jemandem einen fremden Willen aufzwingen, doch noch trauriger ist es, wenn solche Gewaltanwendungen sich im Umkreis einer Lehre des Guten ereignen. Als Wir von einer fürsorglichen Haltung gegenüber der Rüstung des Nächsten sprachen, hatten Wir gerade eine äußerst sanfte Berührung im Sinn, nicht aber geschwätzige Verurteilung. Es ist an der Zeit,

[Russisches Original. Seite 431.]


 

sich die Vorstellung zu eigen zu machen, dass die Atmosphäre unmöglich mit nichtdurchdachten Verurteilungen verseucht werden darf. Ganz nah bei diesen steht auch die Verleumdung. Jeder widernatürliche Zwang wird auch für den Verkehr mit Uns ein Hindernis sein.

   Wir sprachen von überirdischen Gefühlen und wissen, wie fein sie sind und ferne Übertragungen unterstützen. Ist in einer solchen feinstofflichen Wohnstatt Grobheit zulässig?! Möge auf der von Herzen kommenden Freundlichkeit gegenseitige Hilfe aufgebaut werden. Wenn die Menschen die Kraft der von Herzen kommenden Freundlichkeit verstehen, werden sie einen weiteren Weg zu Uns kennen.

   Der Denker vermochte Freundlichkeit von Bosheit zu unterscheiden.

 

   467. Urusvati weiß, dass sich der freie Wille in den höheren Sphären in Zusammenarbeit mit dem kosmischen Gedanken wandelt. Die Menschen verstehen diesen Vorgang nur sehr schwer. Einige glauben, der freie Wille würde niedergehalten, andere nehmen an, er würde absorbiert. Die Auffassungen sind vielfältig, doch überaus selten kann man von einem Verständnis der Harmonie hören, in der die Macht des Denkens sich festigt. Es kann dort weder Versklavung noch Zwang geben, sondern nur erfolgreiches Voranschreiten in Unbegrenztheit.

   Ebenso wenig nehmen die Menschen die Tatsache an, dass der freie Wille auch in der Feinstofflichen Welt existiert. Sie möchten nicht anerkennen, dass die Feinstoffliche Welt der grobstofflichen gleicht, nur andere Dimensionen aufweist. Wer sich bereits im irdischen Leben Disziplin angeeignet und eine Vorstellung von Harmonie hat, vermag diese Errungenschaften in der Feinstofflichen Welt gleich nach der Ankunft anzuwenden. Ein solches Verständnis wird als „Flügel des Heils“ bezeichnet, da es ein rasches Voranschreiten erlaubt.

   Doch nicht oft versehen die Menschen sich im irdischen Leben mit solchen Flügeln. Gewöhnlich gehen sie mit einem ungezügelten Willen und ungesättigten Wunschvorstellungen hinüber. Die Menschen bereiten sich im irdischen Leben gedanklich nicht auf einen weiteren Weg vor. Sie geben sich mit fremden Formeln zufrieden, die im Laufe der Zeit versteinern, und weder in der Familie noch in der Schule wird über das zukünftige Leben gesprochen. Im Gegenteil, ein solches Gespräch würde als unzulässig erscheinen. Die Familienmitglieder halten es nicht für möglich, über den Übergang in die Feinstoffliche Welt zu sprechen, und in den Schulen würde ein solches Thema zur Entlassung des Lehrers führen. So ziehen die Menschen es infolge von Unwissenheit und Scheinheiligkeit vor, in Finsternis

[Russisches Original. Seite 432.]


 

zu verbleiben.

   Es gibt nicht viele, die fähig sind, über die hohe Bestimmung des Menschen zu sprechen. Schon von den ersten irdischen Lebenstagen an muss der Mensch unter dem Druck der ihn umgebenden Lebensweise seine feinstofflichen Lichtfunken vergessen.

   Man kann sich leicht vorstellen, wie das Leben umgestaltet würde, wenn ein rechtes Verständnis der Daseinsaufgabe herrschte. Wie viele scheinbar unlösbare Probleme werden leicht zu lösen sein, wenn die Menschen verstehen, wohin sie streben müssen.

   Der Denker wies darauf hin, wie lange die Menschheit in Finsternis umherirren werde, statt den Sinn des Daseins zu erkennen.

 

   468. Urusvati weiß, dass man beim Studium der großen Lehren nicht nur ihren Inhalt im Blick haben muss, sondern auch die Sprache, in der sie gegeben sind. Eine Lehre wird nicht ohne Grund in einer bestimmten Sprache gegeben. Man kann alle Lehren seit dem Altertum verfolgen und erkennen, dass die verwendete Sprache zeigt, welchem Volk es obliegt, eine Stufe des Aufstiegs zu offenbaren.

   Mitunter wird angenommen, dass eine Lehre in derjenigen Sprache gegeben wird, die dem Empfänger am nächsten ist, doch ist eine solche Erklärung unzureichend. Die Ursachen müssen in ihrer ganzen Fülle beachtet werden. Nichts geschieht zufällig. Der Empfänger der Lehre ist nicht zufällig, die Sprache ist der Notwendigkeit entsprechend gewählt.

   Man kann sehen, dass die Lehren in verschiedenen Sprachen gegeben wurden, und diese Bedingung entsprach immer wichtigen Umständen, die auch weltweite Bedeutung hatten. So ist die Sprache, in der die jeweilige Lehre gegeben wird, ein Geschenk eigener Art an das betreffende Volk. Denkt nicht, dass die Lehre dadurch an weltweiter Bedeutung verlöre. Jede Wahrheit ist allgemeinmenschlich, doch hat jede Periode ihre Aufgabe und jedes Volk seine Verpflichtung.

   Nicht wenig Zeit erfordert es, den Kristall des Wesens eines Volkes zu schaffen. Bei Bevölkerungsreichtum ist es schwierig zu erkennen, worin sich die wahre Natur des Volkes offenbart. Dem unerfahrenen Beobachter können sich oberflächliche Züge kundtun, die das eigentliche Wesen überdecken. Daher raten Wir so sehr dazu, sich Geduld und Beobachtungsgabe anzuerziehen,

[Russisches Original. Seite 433.]


 

um nicht später leichtfertige Urteile bereuen zu müssen.

   Die Menschen haben sich daran gewöhnt, leichtfertig zu urteilen und hoffen, dass es nie zu spät ist, einen Entschluss zu ändern. Die Änderung einer Entscheidung ist jedoch dem Verrat sehr ähnlich, jener Eigenschaft, die Uns besonders zuwider ist. Es darf dort keine Leichtfertigkeit herrschen, wo die Psychologie eines ganzen Volkes und die Bedeutung einer ganzen Epoche zu beurteilen ist.

   Man könnte einwenden, dass es nicht leicht ist, bei strömenden Wellen auf den Grund eines Flusses zu blicken. Doch dafür werden die Lehren gegeben, welche die unterschiedlichsten Seiten des Daseins berühren und keine zufällige Sammlung treffender Worte, sondern ein Mosaik des gesamten Lebens darstellen. Möge der Wanderer wählen, auf welchen Steinen der Fluss zu überqueren ist.

   Der Denker sprach: „Es gibt im Fluss viele Furten. Muse, hilf, sie zu finden!“

 

   469. Urusvati weiß, dass die Vorstellungskraft durch Eindrücke aus der Wirklichkeit entsteht. Wenn ein Mensch Beobachtungsgabe und Beweglichkeit in sich entwickelt, sammelt er in seinem „Kelch“ Lebensschätze an, die seine zukünftige Existenz verwandeln werden.

   Vergessen wir jedoch nicht, dass man unter Vorstellungskraft auch noch andere Erscheinungen verstehen kann. Der Mensch kann auch die Wirklichkeit der Feinstofflichen Welt widerspiegeln, die in einem bestimmten Moment vor ihm ersteht. Dieses halten die Menschen jedoch überhaupt nicht für möglich. Sie vergessen dabei die endlose Vielfalt der Feinstofflichen Welt. Diese Welt beeinflusst den Menschen ständig, und empfängliche Organismen vermögen, ihrer Entwicklung entsprechend, vieles in den überirdischen Sphären Geschaffene wahrzunehmen.

   Die Menschen sollten allerdings solche Wahrnehmungen nicht allein ihrer eigenen Fähigkeit zuschreiben, denn es kann dabei unsichtbare Helfer geben. Auf solche Weise kann die Vorstellungskraft ein überaus vielschichtiges Zusammentreffen vieler Bedingungen sein. Ihr wisst bereits, wie wichtig die Entwicklung der Vorstellungskraft im irdischen Leben ist. Viele verstehen gar nicht, was Vorstellungsvermögen bedeutet. Sie werden bekunden, keinerlei hervorrufbare Bilder in sich zu tragen. Sie werden sagen, dass allein Künstler Phantasie besäßen, anständige Bürger jedoch sich solcher Leichtfertigkeiten zu enthalten hätten.

   Sie verstehen nicht, dass Vorstellungsvermögen ein zum Schönen geöffnetes Fenster ist und dadurch

[Russisches Original. Seite 434.]


 

das Leben vervollkommnet. Wenn aber die Wissenschaft die Menschheit zu gesundem Urteilsvermögen bewegt haben wird, kann man auch das Wissen auf eine neue Grundlage stellen.

   Jede Erscheinung erfordert wissenschaftliche Erforschung, doch wenn selbst der Wissenschaftler ohne Vorstellungskraft ist, wie wird er dann wissenschaftliche Apparate nutzen können?

   Lasst uns erkennen, dass das gesamte Leben aus einer Reihe höchst bemerkenswerter wissenschaftlicher Fakten besteht. Doch man muss sie auch erkennen. Es ist gut, dass man die Wirkungsweise der Mikroorganismen verstehen gelernt hat, doch hat man die psychischen Erscheinungen vergessen, die in machtvoller Weise rettend oder zerstörend sein können. Man muss diesen Aspekt des Lebens auf wissenschaftlicher Grundlage verstehen. Unsere Türme gründen allein auf der Erkenntnis der Natur.

   Der Denker wusste, dass Evolution möglich ist, wenn Erkenntnis und Wissen Allgemeingut werden und die Festung eines klaren Vorstellungsvermögens wissenschaftlich begründet wird.

 

   470. Urusvati weiß von der wissenschaftlichen Bedeutung sogenannter Talismane. Wir sprachen bereits über die Magnetisierung von Gegenständen, die unter günstigen Bedingungen lange wirksam sein kann. Für einige ist dennoch die Frage des Schicksals von Talismanen unklar geblieben, die in unwürdige Hände fallen. Der Talisman in unwürdiger Hand verliert seine Kraft, so wie ein Magnet seine Macht unter ungünstigen Bedingungen verliert.

   Viele Menschen wurden um Talismanen willen gepeinigt und verbrannt, doch nun hat die Wissenschaft die Magnetisierung von Gegenständen festgestellt. Die Menschen möchten wissen, welches Magnetisierungsverfahren am besten sei. Hierbei handelt es sich um einen individuellen Vorgang: Jemand fährt mit Streichbewegungen über den Gegenstand, ein anderer legt ihn nachts unter das Kopfkissen, einer trägt ihn bei seinem Herzen, ein anderer berührt ihn nur, wohingegen ein weiterer den Gegenstand nur ansieht. Es kann eine Magnetisierung auch auf Entfernung erfolgen, doch muss man dazu den Gegenstand kennen, um ihn sich deutlich vorstellen zu können.

   Ebenso notwendig ist es, dass der Gegenstand in ein und derselben Umgebung verbleibt und ihn niemand mit bloßer Hand berührt. Nicht elektrisch leitendes Material wird zu diesem Zweck nützlich sein. Grenzt dies alles nicht schon an Zauberei? Doch solche Hinweise stellen nur

[Russisches Original. Seite 435.]


 

die einfachste wissenschaftliche Prophylaxe dar. Für solche Experimente reicht selten Geduld allein aus, da die Übertragung von Energie eine der mächtigsten Manifestationen ist. Bei solchen Versuchen könnte man zu dem Urteil gelangen, dass der Besitz von Energie etwas Außergewöhnliches sei.

   Grundsätzlich betrachtet ist dieses Geschenk jedoch nichts Außergewöhnliches, es hängt nur vieles von den umgebenden Bedingungen ab. Bedauerlicherweise sind die Menschen nicht in der Lage, mit den sie umgebenden Bedingungen zu kämpfen. Von hundert Familien können sich höchstens fünf harmonischer Umstände rühmen. Bei den häuslichen Meinungsverschiedenheiten wird viel Energie nutzlos vertan! Die Vervollkommnung des häuslichen Lebens muss auch Zweckmäßigkeit lehren.

   Jeder Mensch, der über einen großen Vorrat an psychischer Energie verfügt, muss fürsorglich geschützt werden, doch die Menschheit denkt sogar darüber nicht nach. Wenn andere Entdeckungen so sehr geschätzt werden, müssen auch alle Menschen mit einer besonderen psychischen Energie geschützt werden. Jede Pflanze besitzt eine bestimmte Heileigenschaft, deren Anwendung jedoch gefunden werden muss. Pflanzenmixturen können überaus komplexe Wirkungsweisen entfalten. Was aber ist von der Mixtur menschlicher Energie zu sagen? Wird sie etwa auch erforscht? Für die Eheschließung wird ein medizinisches Attest gefordert; es wird eine Zeit kommen, dass dafür psychische Energie gefordert und dadurch das Problem der Disharmonie gelöst werden wird.

   Der Denker sprach: „Weshalb hängen die Menschen sich einen Mühlstein an den Hals, wenn es doch besser wäre, sich um Flügel zu bemühen?“

 

   471. Urusvati weiß, dass es Stufen der Zusammenarbeit gibt. Die Menschen ziehen die niederen Stufen vor, da auf ihnen weniger Verantwortlichkeit herrscht; Eifer braucht nur in relativem Maß angewandt zu werden, und man muss sich nicht anstrengen, um angespannte Findigkeit zu offenbaren.

   Die höheren Stufen sind den Menschen jedoch beschwerlich. Auf ihnen muss man selbständig auftreten. Man muss fähig sein, ein einziges Wort des Führers zu erkennen. Man muss den Mut finden, viele Pfeile auf seinem Schild zu empfangen – so gilt: Je höher, desto schwerer. Überdies kann der Mensch nicht wissen, wo und wie seine psychische Energie wirkt. Nicht selten mag es für ihn den Anschein haben, als sei nichts erreicht worden, indessen vollzieht sich bereits vieles dank seiner psychischen Energie.

[Russisches Original. Seite 436.]


 

   Der Mensch kann seinen gesamten Gesichtskreis nicht überblicken, und es ist unmöglich, alle Ströme der psychischen Energie zu finden, die in Vereinigung mit den Energien des Lehrers segensreich wirken. Möge der hingebungsvolle Mitarbeiter seine psychische Energie in die Verfügungsgewalt des Führers legen. Es ist nicht angebracht, über die Wege des Führers nachzusinnen. Solche Wege können überaus komplex sein. Man darf unmöglich zur Zeit der Schlacht damit beginnen, Erwägungen über die Gedanken des Führers anzustellen, man kann nur seine ganze Bestrebung anspannen, um das Beste zu tun. So muss man auf den höheren Stufen der Zusammenarbeit davon ausgehen, dass die Energie in viel weiterem Maße Anwendung finden kann, als man denkt.

   Wir haben das Beispiel erlebt, dass ein großer Heerführer einen Sieg errungen hatte, ohne es jedoch erkennen zu können. Ihm schien es, als seien alle seine Streitkräfte geschlagen, doch aus der Entfernung konnte er nicht sehen, dass der Feind vernichtet war.

   Der Denker sprach: „Hört zu, hört aufmerksam zu! Seid ihr in der Lage zu wissen, wo eure Kraft gerade handelt? Der vorherbestimmte Sieg kann bereits stattgefunden haben, während es euer Auge nicht zu erfassen vermag.“

 

   472. Urusvati weiß, dass der Mensch mitunter nicht die Grenze zwischen dem persönlichen und dem Gemeinwohl erkennen kann. Der Verstand flüstert, dass das Persönliche dem Gemeinwohl entgegengesetzt sei, doch das Herz sagt etwas anderes. Bei Disharmonie kann es einen Widerspruch zwischen dem Persönlichen und dem Gemeinwohl geben, doch kann man sich vorstellen, wann das Gemeinwohl zum Persönlichen wird. Eine solche Harmonie erfordert auch den Zusammenklang aller umgebenden Bedingungen.

   Irgendjemand wird sagen, ein solcher Zustand sei im irdischen Leben unerreichbar. Kann man jedoch ermessen, was möglich ist und was nicht? Eine solche eigenwillige Trennung wird nur einem kurzen, vorbeifließenden Augenblick entsprechen, nicht jedoch für die Zukunft anwendbar sein. Im Verlauf eines einzigen menschlichen Lebens lässt sich beobachten, wie plötzlich die Daseinsbedingungen sich ändern können. Was soll man da von Jahrhunderten sagen?

   Natürlich werden diejenigen, welche die Widerrede lieben, finden, dass der menschliche Charakter sich in vielerlei Hinsicht wenig ändere. Beobachter mit mehr Wissbegier werden jedoch erkennen, wie sehr die Psychologie des Menschen sich verändert, und in einer solchen Beweglichkeit ist die Gewähr künftiger Erfolge verborgen. Die Menschen werden irgendwann zu der Schlussfolgerung gelangen, dass das Wohl eines ist und es keine Trennung

[Russisches Original. Seite 437.]


 

in persönliches und in Gemeinwohl geben kann.

   Viel Zweifel ruft auch die sogenannte Zementierung des Raumes* hervor. Die Menschen stellen sich vor, dass persönliche Gedanken Selbstsucht seien. Können jedoch gute Gedanken in einer finsteren Entladung von Selbstsucht enthalten sein? Gewiss, wenn ein Mensch um etwas für die Menschheit Verderbenbringendes beten würde, wäre ein solches Beten eine Verschmutzung des Raumes. Doch jeder Gedanke des Guten ist sowohl persönlich als auch dem Gemeinwohl dienend. Mit solchen Gedanken muss man den Raum auszementieren.

   Der Denker sprach: „Möge jeder einen sowohl für ihn selbst als auch für die Menschheit nützlichen Gedanken finden. Dann nämlich wird sein Ich dem Herzen der Menschheit gleich.“

 

   473. Urusvati weiß, dass die Dauer des Aufenthalts in der Feinstofflichen Welt von vielen Ursachen abhängt. Neben karmischen Bedingungen muss man zwei Umstände beachten. Gewöhnlich sagt man, dass karmische Fristen nicht verändert würden, doch in der Tat befindet sich alles in Bewegung, und verschiedene Umstände können in die Lebensläufe eintreten. Einer von ihnen wird eifrige Teilnahme an Erkenntnisarbeit sein. So kann es Experimente geben, die unmöglich unterbrochen werden dürfen, und in einem solchen Fall muss dem größeren Nutzen entsprochen werden. Gleichfalls kann ein solch starker Wunsch herrschen, den Erdbewohnern zu helfen, dass ein solches Bestreben die Aufenthaltsdauer verlängert.

   Wie ihr seht, wird in beiden Fällen Selbstaufopferung geschätzt. Es ist nicht leicht, den Erdbewohnern zu helfen, da sie solche Hilfe fürchten. Sie sind fähig, bei der ersten Erscheinung in Ohnmacht zu fallen. Auch die Experimente in der Feinstofflichen Welt erfordern eine große Disziplin, und einige Zustände sind nicht leicht.

   Mitunter kann man sich davon überzeugen, dass gewisse Bewohner lange in der Feinstofflichen Welt verbleiben. Man darf sie nicht verdächtigen, dass sie sich dem Dienst entzögen. Sie arbeiten dort so viel, wie es auf der Erde gar nicht möglich wäre. Das Gesetz lebt und beurteilt gerecht die wahren Absichten. So streben einige so rasch wie möglich zur erneuten Verkörperung, was eine wertvolle Heldentat darstellt, doch hat auch die bestrebte Arbeit in der Feinstofflichen Welt ihre Gründe.

   Man kann sich vorstellen, wie notwendig bestimmte Tatmenschen in der Feinstofflichen Welt sind. Überdies

[Russisches Original. Seite 438.]


 

dürfen einige von ihnen ihr Wissen nicht vorzeitig auf die Erde tragen, können es jedoch inzwischen mit gutem Nutzen in der Feinstofflichen Welt anwenden. Sie können mithelfen, dass die feinstofflichen Sphären nicht mit Hässlichkeiten überladen werden. Auf der Erde werden die Fähigkeiten eines Menschen nur selten in gerechter Weise beurteilt, doch in der Feinstofflichen Welt ist ein solches Urteil immer zweckentsprechend.

   Der Denker wusste, dass wahre Begabungen immer geschätzt werden, wenn nicht auf der Erde, so doch in der Überirdischen Welt.

 

   474. Urusvati weiß, dass ein langes irdisches Leben als solches nicht vorbildlich ist. Doch kann es, außer dem Atavismus, drei Gründe geben, die das Leben auf der Erde verlängern können: Erstens, wenn ein Mensch eine bestimmte Arbeit beenden möchte, die dem Gemeinwohl dient; zweitens, wenn ein Mensch danach strebt, jemandem oder einer Sache zu helfen; drittens, was nicht weniger einleuchtend ist, wenn ein Mensch Ereignisse bezeugen kann, die bisher unrichtig beleuchtet wurden. Doch für alle drei Gründe ist bewusstes, unaufhaltsames Streben erforderlich.

   In diesem Fall dürfen keine zersetzenden Umstände vorliegen, an deren erster Stelle die Angst steht. Eifriges Streben wird unmöglich, wenn Angst es verwässert. Es lässt sich auf chemischem Wege prüfen, wie sehr die Angst Leben vernichtet. Natürlich zersetzen sowohl Bosheit als auch Neid und alle übrigen finsteren Gewohnheiten die Energie, weshalb der Mensch auch nicht allein mit Worten davon überzeugen kann, dass er voller Selbstaufopferung ist. Man kann sich Selbstaufopferung unmöglich einreden, wenn sie nicht in der Tiefe des „Kelches“ angelegt ist. Die Menschen werden versichern, dass sie nichts fürchten, jedoch beim ersten Anlass zittern.

   Möge in den Schulen Tapferkeit erprobt werden. Man kann sich ein ganzes Schulfach vorstellen, in dem die Schüler beantworten müssen, wie sie bei verschiedenen Gefahren handeln würden. Man darf nicht fordern, dass die Kinder gleich Findigkeit offenbaren, doch kann man sie durch ständigen Unterricht in Lebenserkenntnis zu mutigen Entscheidungen führen. Ein solcher Wettkampf in Findigkeit wird die beste Übung der Gehirntätigkeit sein. Später werden die Schüler verstehen, wie die besten Tatmenschen zu höchster

[Russisches Original. Seite 439.]


 

Bestrebung gelangt sind.

   Der Denker forderte, dass Seine Schüler sich wenigstens an einem Tag der Woche dem Marathon der Findigkeit widmeten. Er wusste, dass diese Rüstung im Leben oft gebraucht wird.

 

   475. Urusvati weiß, dass mitunter sogar größte Tatmenschen in Geistesschwäche endeten. Dafür ließen sich historische Beispiele anführen. Es ist den Menschen vollkommen unverständlich, dass ein großer Geist sich irgendwie verflüchtigen könnte. Die Ärzte schreiben eine solche Erscheinung gewissen Krankheiten oder einer übermäßigen Erschöpfung unter dem Druck ungewöhnlicher Arbeit zu, doch wie immer vergisst man auch hierbei den Hauptgrund.

   Ein Tatmensch, der sich besonders verausgabt, ist unglaublichen Angriffen ausgesetzt. Man braucht nicht zu denken, dass solche zahllosen bösen Pfeile keinen Schaden zufügten. Sie bringen nicht nur psychische Verwundungen bei, sondern sie rufen unerträgliche Schwingungen hervor, indem sie die Aura durchschneiden. Bei Verteidigungsschlägen vollzieht sich eine heftige Schlacht, und das Zentrum befindet sich wie in einem Wirbelsturm.

   Wir raten bei solchen Angriffen, nach Möglichkeit den Wohnort zu wechseln. Es mag als unwahrscheinlich erscheinen, doch feindliche Sendungen können den neuen Ort nicht so bald erobern. So hätte auch bei den historischen Beispielen vieles anders werden können, wenn die Tatmenschen ihren Aufenthaltsort rasch gewechselt hätten. Es ist jedoch nicht leicht, den Ort zu wechseln und die Schlacht für das Gemeinwohl verlassen zu müssen. Niemand wird einwilligen, so zu tun, als ob er vor dem Feind zurückweichen und ihm die Möglichkeit zum Triumph verschaffen würde. Und von den Umgebenden wird niemand die Weisheit der Entscheidung verstehen, sondern alle werden den Betreffenden der Feigheit bezichtigen. So wurde Apollonius von Tyana* nicht nur einmal der Unbeständigkeit und des Verrates beschuldigt, als er die Notwendigkeit verspürte, neue Kräfte in fernen Ländern zu sammeln.

   Der Denker sprach: „Perikles, der große Vater des Volkes, wurde mit vergifteten Pfeilen getötet. Er hatte sich nicht mit einem Schild bedeckt, obwohl der Schild ein unerlässlicher Teil der Waffenausrüstung ist.“

[Russisches Original. Seite 440.]


 

   476. Urusvati weiß, dass man nur mit einer klaren Vorstellung vom zukünftigen Leben die irdische Existenz verwandeln kann. Einige fürchten die Zukunft und schwächen sich dadurch, andere erklären sich die Feinstoffliche Welt auf ihre Weise und schaffen dadurch falsche Bilder; dritte schließlich benehmen sich wie wahrhaftige Leichname und denken an nichts anderes als an die Marktpreise. Doch niemand versteht, dass sogar ein Alter von Jahrhunderten nur einen Augenblick in der Unbegrenztheit darstellt.

   Das Denken über die Zukunft erfolgt auf dreierlei Art. Die erste wird dergestalt sein, dass ein Mensch seine Gedanken in Worte zu fassen vermag. Die zweite Denkweise ist bereits nicht mehr in Worte zu kleiden und gleicht den Wellen des Ozeans. Der Mensch wird von den Gezeiten erschüttert, und ihm scheint es, als ob er ein von den Wellen fortgetragenes Bild vergesse. Die dritte Denkweise schließlich ist die tiefgründigste, weder in Worten noch in Bildern auszudrücken, und nur die psychische Energie und das Sonnengeflecht erinnern an das, was sich vollzogen hat.

   So stellt sich der Mensch die Zukunft also auf dreierlei Weise vor. Eine solche Vorstellung ist dem Auswerfen eines Ankers in gewissem Sinne ähnlich: Das Schiff wird an sicherem Anker hinaufgezogen. Auf die gleiche Weise wird der kluge Denker sich auf das gewünschte Ziel ausrichten. Der Weise weiß, worin er sich zum besten Nutzen ausdrücken kann. Nur ein Dummkopf kann von vergänglichem Flitter träumen. Sogar jene, die in der Vergangenheit hohe Stellungen einnahmen, werden sich nicht von Äußerlichkeiten hinreißen lassen, sondern an die Würde der Arbeit denken.

   Man muss sich dazu erziehen, an die Zukunft zu denken, sich dabei rechtzeitig vorzubereiten, unverzüglich auf ferne Reisen gehen zu können und gleichzeitig zur Gänze den irdischen Aufgaben zu entsprechen. Dieses wird ein zweckmäßiges Gleichgewicht sein.

   Viele Male haben Wir an die Zweckmäßigkeit erinnert, und man muss sich daran gewöhnen, dass diese Eigenschaft in allen Lebensbereichen erforderlich ist. Wir erinnern erneut daran, da Wir wissen, wie falsch dieser Begriff von den Menschen aufgefasst wird. Sie meinen, Zweckmäßigkeit müsse in gewissen besonderen Fällen angewandt werden. Es muss jedoch nicht nur einmal wiederholt werden, dass jede Daseinserscheinung eine Folge vieler Ursachen ist.

   Die Unterscheidung in geringe und große Taten ist illusorisch. Ihre Bewertung erweist sich nicht jetzt; der Weise erinnert sich der wichtigen Momente seiner Wanderung und wendet sie zweckentsprechend auf das zukünftige

[Russisches Original. Seite 441.]


 

Leben an. Er weiß, dass das Gute unerschöpflich, das Böse aber endlich ist. Ihr habt bemerkt, dass Wir mitunter eine böse Erscheinung nicht durchbohren. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen muss manchmal die Tactica adversa angewandt werden, zum anderen ist das Böse ohnehin endlich. Die Übeltäter können nicht ohne Ende vom Bösen leben; und man kann sich vorstellen, welch abstoßenden Anblick die Übeltäter darbieten, die sich selbst vernichten; Ich spreche hier von irdischen Handlungen.

   Der Denker bewegte die Schüler, sich auf das Gute zu gründen. Er sprach: „Das Gute ist unerschöpflich, das Böse dagegen begrenzt.“

 

   477. Urusvati weiß, dass der Begriff der Lehrerschaft in den Menschen von frühen Jahren an entwickelt werden muss. Jeder Mensch ist in der Lage, irgendjemanden irgendetwas zu lehren, und er sollte auch fähig sein, dies zu tun. Wir heißen es gut, wenn Schulkinder ihre jüngeren Mitschüler unterrichten.

   Es ist nicht leicht, die beste Unterrichtsmethode auszuwählen, da sie individueller Natur sein wird; und der Lehrer sollte spüren, wie man besser an das Bewusstsein des Schülers herantritt. Ohne Übungen wird man unmöglich eine überzeugende Vermittlung von Tatsachen erreichen. Allein Unwissende meinen, es sei ausreichend, Kenntnisse einfach vorzulesen, um sie den Schülern einzuflößen.

   Man kann nur erstaunt sein, dass die eigentliche Kunst des Lehrens keine Aufmerksamkeit erweckt. Doch jeder wird sich erinnern können, wie unterschiedlich die Unterrichtsinhalte im Verlauf der Schulzeit aufgenommen wurden. Dies hängt nicht allein von den Fähigkeiten des Schülers ab, sondern hauptsächlich von der Überzeugungskraft des Lehrers.

   So möge die Lehrtätigkeit inmitten breitester Schichten Anwendung finden. Möge der Lehrer selbst dafür Sorge tragen, dass sein Wert eine hohe Stufe einnimmt. Gedanken über die Großen Lehrer entwickeln sich leichter, wenn der Begriff der Lehrerschaft ganz klar erfasst wird.

   Das Handeln des Lehrers muss frei von Eigennutz sein. Der Lehrer vermittelt das von ihm angesammelte Wissen, ohne es jedoch als sein eigenes auszugeben. Er sollte das Geschenk des Wissens aufnehmen, um es mit derselben Bereitschaft den folgenden Generationen zu übergeben. Die Arbeit des Lehrers muss nicht nur in materieller Hinsicht würdig entgolten werden,

[Russisches Original. Seite 442.]


 

sondern auch durch allgemeine Hochachtung. Die Lehrerschaft stellt eine der höchsten Rangstufen in einem Staate dar. Nicht der Lehrer, sondern das Lehren selbst eröffnet dem Volk höchste Kultur. So möge nicht persönlicher Vorteil, sondern der Dienst am Gemeinwohl zur Lehrtätigkeit führen.

   Ein solches Verständnis des Dienstes tritt nicht plötzlich ein, sondern es muss anerzogen werden. Möge sich daher schon jedes Schulkind als Lehrer im Verhältnis zu den Jüngeren empfinden. Mögen Unterrichtsstunden eingerichtet werden, von älteren Schülern geleitet, damit jeder sein Wissen vermitteln kann.

   Einen solchen Dienst darf man nicht als langweilige Last ansehen; möge im Gegenteil sich jeder selbst zu freudigem Weitergeben erziehen, denn nur aus einem solchen Geben erwächst wahre Freude.

   Der Denker lehrte: „Jeder vermag seinem Nächsten zu dienen; jeder vermag zu teilen, selbst wenn er keinen einzigen Gegenstand besitzt. Wie ruhmreich ist die Gabe, die nicht erschöpft werden kann!“

 

   478. Urusvati weiß, dass der Mensch nicht nur fähig sein sollte aufwärtszuschauen, sondern auch in seine eigenen Tiefen zu blicken. Das zweite ist nicht leichter als das erste. In der Tiefe des „Kelches“ ruht eine alte Giftschlange, die durch jede falsche Bewegung geweckt werden kann: Sie vollbringt Böses, raubt Kräfte und überdeckt gute Absichten. Mit großer Anstrengung kann sich der Mensch von der alten Giftschlange befreien.

   In beharrlichem Bemühen ist er fähig, in sich eine Eigenschaft zu entwickeln, durch die er den Winkelzügen der Giftnatter widerstehen kann. Bei Herzensreinheit wird er das Maß spüren, nach dessen Überschreiten die Herrschaft der Giftschlange eintritt. Indem er diese Grenze spürt, schiebt der Mensch eine geplante Tat zunächst auf, und dann treten weitere Zeichen ein. Die Hauptsache ist, sich zweifelhafter Handlungen zu enthalten. Jene Grenze vermag der Mensch wahrzunehmen, ohne dabei die Giftnatter zu wecken. Es ist besser, in seinen Handlungen wählerisch zu sein, als später Begangenes zu bereuen.

   Wir haben von zweifelhaften Handlungen gesprochen. Man muss diese Definition sehr vorsichtig handhaben. Der nachlässige Mensch wird aufgrund seiner Faulheit die Mehrzahl von Taten als zweifelhaft ansehen. Er wird nicht der Stimme des Herzens lauschen,

[Russisches Original. Seite 443.]


 

sondern sich hinter Heuchelei verstecken, um sich nicht anstrengen zu müssen. Jeder kennt solche Heuchler, die große Worte führen, hinter denen sich jedoch Faulheit und Selbstsucht verbergen. Man kann sich die ganze Tiefe der Hinterlist nicht vorstellen, die in den Windungen der Giftschlange lebt. Zu wahrer Arbeit taugen solche Heuchler nicht. Über sie wurde vor langem gesagt, dass es sich nicht lohnt, erhabene Worte zu ihnen zu sprechen, wenn die Wahrheit nicht im Herzen lebt.

   Ein altes Märchen erzählt von einer Giftschlange, die sich von menschlichem Blut ernährt: Ein Symbol, das auf die erwachte Giftnatter hinweist, die sich wahrhaftig vom menschlichen Blut ernährt. Lasst uns nicht vergessen, dass alte Symbole eine wissenschaftliche Bedeutung haben. So vernichten blutsaugende Giftnattern ihre Opfer.

   Eine andere Erzählung spricht von einem versteinerten Drachen, der durch ein kleines Steinchen erwachte, das ein törichter Mensch auf ihn warf. Wahrlich, vom kleinsten Steinchen kann die Giftschlange erwachen.

   Der Denker sprach: „Schreitet vorsichtig voran, es kann sein, dass wir inmitten schlafender Schlangen gehen.“

 

   479. Urusvati weiß, dass sogar die kleinste Handlung mit vielen umgebenden Bedingungen verknüpft ist. Dieselbe Grundlage gilt auch für große Taten. Die Menschen verstehen kaum, dass eine psychische Wirkung von vielen Bedingungen abhängt. Gewöhnlich wollen sie dies bei ärztlichen Einwirkungen nicht anerkennen.

   Die Menschen vernachlässigen die Krankheiten. Nicht genug dessen umgeben sie die Kranken mit widerwärtigsten Einflüssen und fordern darauf unverzügliche Heilung. Doch für solche heilenden Einwirkungen müssen entsprechende Bedingungen geschaffen werden. Das sogenannte Wunder kann unter feindseligen Bedingungen nicht produziert werden. Die Menschen sind bereit, den Arzt mit Drohungen und voller Misstrauen herbeizurufen.

   Sie machen sich keine Vorstellung davon, dass sogar eine mächtige Energie verdorben und unterbunden werden kann. Nicht selten rufen sie den Arzt und flüstern hinter seinem Rücken ein Wort des Misstrauens. Mögen die Wissenschaftler erforschen, wieviel Prozent Heilungen bei Vertrauen zum Arzt erreicht werden und wie viele Verschlimmerungen bei misstrauischer Einstellung die Folge sind.

[Russisches Original. Seite 444.]


 

   Wir haben nicht nur einmal wiederholt, dass jede Tat von Wohlwollen begleitet werden muss. Selbst die gewohnte häusliche Arbeit wird wohltuende Folgen haben, wenn sie mit guten Gedanken ausgeführt wird. Viele gute Handlungen sind durch Gereiztheit und ungute Gedanken vernichtet worden.

   Der Denker bewegte die Schüler in besonderem Maße dazu, ihre guten Absichten nicht verderben zu lassen.

 

   480. Urusvati weiß, wie sehr Wir über jede vom Bösen verübte Entstellung bekümmert sind. Man wird sagen: Warum sich bekümmern, ist es nicht besser, die Ausbreitung des Bösen zu unterbinden? So sprechen die Unvernünftigen, die sich nicht vorstellen, wie vorsichtig man dem Bösen Einhalt gebieten muss. Nur ein Arzt, der viele Krankheiten aufmerksam studiert hat, weiß, wie notwendig es ist, verschiedene Bedingungen in Betracht zu ziehen, nicht allein im Organismus selbst, sondern auch in dessen Umgebung.

   Man kann das Böse auch mit einigen Formen von Krebs vergleichen. Der Arzt versteht, dass der Krebs einiger Organe unheilbar ist. Der Arzt weiß auch, dass für eine Operation der allerbeste Moment ausgewählt und der Organismus auf eine solche Erschütterung vorbereitet werden muss. Genau das gleiche, doch in höherem Grad, wird beim psychischen Kampf sichtbar. Die Menschen selbst machen sich nicht bewusst, dass in ihnen ein böses Ungeheuer entstanden ist; im Gegenteil versucht jeder Infizierte, sein Leiden zu verheimlichen.

   Kann man jedoch in das Wesen eines Menschen eindringen, wenn er sich auf jegliche Art einer solchen Hilfe widersetzt? Es ist richtig gesagt worden: „Untersucht jede Sache genau.“ Sind aber viele zu einer solchen Untersuchung bereit? Die Menschen lieben es nur nicht, über das nachzudenken, was in ihrem Inneren vorgeht, sondern begegnen jedem Versuch feindselig, ihr Denken auf ihr inneres Wesen zu lenken. Die Lehren sagen, dass für den Fortschritt ein guter Wille notwendig ist. So ist auch die Zustimmung des Leidenden selbst nötig, um das Böse ausmerzen zu können.

   Uns entsteht über die Bildung eines bösen Ungeheuers Kummer, da Wir vorhersehen, welch komplizierte Schlacht bevorsteht. Es ist unmöglich, mit einem einzigen Schlage alle Köpfe der Hydra[4] mit dem Schwert abzuschlagen. Es wurde gesagt, dass jeder ihrer Blutstropfen einen neuen Sprössling hervorbringt. Dies bedeutet, man muss Maßnahmen solcher Art ergreifen, dass das Ungeheuer des Hungertodes stirbt. Man muss seine Ernährung unterbinden, und es wird verschwinden, indem es sich in

[Russisches Original. Seite 445.]


 

eine Prise Asche verwandelt. Eine solche Vernichtung erfordert jedoch Zeit und günstige Bedingungen. Die Menschen können zu solchen Bedingungen leicht beitragen.

   Der Denker sprach: „Alle sind wir Ärzte, jeder vermag irgendeine Heilung zu vollziehen.“

 

   481. Urusvati weiß, dass das Weltengebäude einen Monolithen[5] darstellt, der durch die uranfängliche Energie eine feste Einheit bildet. Ein Philosoph des Altertums stellte die Behauptung auf, dass die Himmelsfeste gesättigter sei als die Erdfeste. Man kann dieser Definition nicht völlig zustimmen, obwohl sie der Wahrheit nahekommt.

   Die Menschen sind selbst in einem gewöhnlichen Gespräch nicht in der Lage, die Welten gänzlich voneinander abzugrenzen. Wenn sie über die Feinstoffliche Welt sprechen, führen sie Beispiele aus der irdischen Welt an. Wenn sie jedoch die grobstoffliche Welt zu erhöhen suchen, stellen sie diese der Feinstofflichen Welt gegenüber. Es ist wahrhaftig nicht möglich, eine Grenze zwischen den drei Welten zu ziehen. Man muss diese Grundlage in der menschlichen Vorstellung festigen. Niemand vermag sich auf die grobstoffliche Welt zu begrenzen, sogar die Verneiner sind nicht in der Lage, Empfindungen aus sich zu verbannen, die nicht diesseitig sind.

   Viele Begriffe werden von den Menschen mit unrichtigem Inhalt ersonnen. Sie sprechen von einem Jenseits und durchtrennen damit den Monolithen der Einheit. Lässt sich aber etwas im eigentlichen Sinne Jenseitiges vorstellen? Auf diese Weise werden wir zu Charon zurückkehren, der auf das andere Ufer des Styx[6] übersetzte. In einem Denken von niederer Entwicklungsstufe ersannen die Menschen Symbole des Übergangs in eine andere Welt. Symbolische Darstellungen können jedoch schädlich sein, wenn sie sich durch ihren Farbenreichtum dem Bewusstsein so fest einprägen, dass sie nicht so leicht wieder entfernt werden können, um durch etwas ersetzt zu werden, das der Wahrheit näher kommt.

   Wie ihr bereits bemerkt habt, vermeiden Wir Symbole, doch existieren ganze Schulen, die auf Symbolik gegründet sind. Man kann sich davon überzeugen, wie wenig Kraft alte Symbole noch besitzen, um der inzwischen erfolgten Entwicklung des Weltverständnisses noch zu entsprechen. Alles lebt, alles ist in Bewegung, und selbst die uranfängliche Energie offenbart früher nicht erkennbare Eigenschaften. Die Menschen sollten ihr Bewusstsein nicht mit abgenutzten Vorstellungen verbinden.

   Der Denker sprach: „Können wir etwa in den Vorstellungen unserer Großväter denken?“

[Russisches Original. Seite 446.]


 

   482. Urusvati weiß, dass ein falsch verstandener Symbolismus der Vorstellung über Uns nicht wenig geschadet hat. Die symbolischen Strahlen, die Unsere Tätigkeit gleichsam begrenzten, haben inzwischen bereits die Idee der Einheit zerschlagen. Jeder hat seinen bevorzugten Arbeitsbereich, doch darf man keineswegs sagen, Er handele allein auf einem einzigen Strahl.

   Überdies sind selbst die Benennungen dieser Strahlen völlig willkürlich. Ihr wisst, auf welchem Wege diese Bezeichnungen entstanden sind. Ihr wisst auch, wie sie in die Literatur eindrangen und viele verwirrten. Es ist nicht möglich, solche Entstellungen zu unterbinden, doch werden sie sich mit der Zeit abnutzen und einer besseren Definition Platz machen.

   Die Strahlen existieren zwar, doch ist jeder ein Strahl psychischer Energie und kann daher in seinen Möglichkeiten nicht begrenzt werden. Anderenfalls könnte man zu einem Unsinn solcher Art gelangen, dass es zwar gestattet wäre, einen Menschen zu retten, ihn dabei aber nicht mit der rechten, sondern nur mit der linken Hand packen dürfe. Man kann sich bis zu solchen lügenhaften Erfindungen versteigen, dass sich statt einer Erweiterung der Möglichkeiten ihre Verringerung ergibt.

   Die Menschen sind mitunter um eines Zieles willen, das ihnen gut erscheint, dazu fähig, ihr Bewusstsein in ein undurchdringliches Labyrinth hinein zu treiben. Doch mögen diese Menschen, die alles zu zerteilen suchen, darüber nachdenken, ob sie damit Nutzen oder Schaden verursachen. Lügenhafte Erfindungen und Schmälerung der Möglichkeiten sind nicht nützlich. Höchst genau formulierte Lehren litten unter jeglicher Art von Auslegung, welche die Wahrheit zerteilte. Wir wünschen, dass Unsere Arbeit in ihrer Ganzheit und Einheit verstanden wird. Allein dabei wird Zusammenarbeit vorstellbar, die doch im Fundament der Bruderschaft angelegt ist.

   Der Denker wies darauf hin, dass die Wahrheit nicht leichtfertig in Teile zerlegt werden darf. Er sprach: „Eine Idee zu zerlegen ist das gleiche, als würde man einen lebendigen Organismus zerlegen.“

 

   483. Urusvati weiß, dass jede Verkündung der Wahrheit ihre Feinde haben muss. Das Chaos kämpft mit dem Offenbarten. Über diesen Kampf darf man nicht traurig sein. Er ist nicht allein naturgegeben, sondern auch nützlich. Stellen wir uns eine Verkündung ohne Feinde vor: Sie wird als dermaßen unbedeutend erscheinen, dass sie niemanden zu überzeugen vermag. Die Feinde stellen Prüfsteine dar und bestimmen selbst durch ihre Wut

[Russisches Original. Seite 447.]


 

die Bedeutung der Verkündung.

   Gerade durch Feinde erwächst viel neue Energie. Ein bedeutender Regent sagte: „Heute bin ich sehr erstarkt, denn ein wütender Feind erschien bei mir.“ Man muss die Feinde als Stufen des Aufstiegs ansehen. Jedem von Uns erwuchsen solche Gedanken im Verlauf langer Leben.

   Wo aber ist die Beschreibung der Bruderschaft? Vor allem in der Beschreibung Unserer Erlebnisse. Wir teilen Unsere Sorgen und Arbeiten mit, um zu zeigen, dass Wir in der Arbeit die Kraft für den zukünftigen Aufbau schöpfen. Das Wesentliche liegt nicht in Zeremonien, sondern in der Arbeit. Es wäre erniedrigend, riefen Wir nicht auch zur Arbeit auf, die doch Unser ganzes Dasein erfüllt. Das Leben der Bruderschaft ist überirdisches Leben, da es auf das Denken gegründet ist. Was könnte denn überirdischer sein als der Gedanke?

   Die Menschen könnten ihr grobstoffliches Leben überirdisch gestalten, sie bräuchten nur den Gedanken zur Grundlage ihrer Existenz zu machen. Die Lehre kann auch als Verkündung des Gedankens bezeichnet werden. Groß ist der Festtag eines Menschen, der sich an das Denken gewöhnt hat. Und Uns ist es leicht, dort zu antworten, wo der Gedanke arbeitet. Man darf nicht meinen, die Antwort käme mit gewohntem Gesicht. Wie oft erfolgt die Antwort in der Entwicklung des Denkens selbst, ein Buch wird wie von selbst aufgeschlagen, und Saiten erklingen. Die Zeichen werden umso verschiedenartiger sein, je weiter das Feld des Denkens ist.

   Der Denker sprach: „Wo ist denn jene Finsternis, in die das Licht des Gedankens nicht eindringen könnte? Die Blumen des Denkens sind schöner als alle irdischen Blumen.“

 

   484. Urusvati weiß, dass gewisse Länder über einen Niedergang der Geburtenrate beunruhigt sind. Hierbei ist besonders bezeichnend, dass die Lebensbedingungen in diesen Ländern sogar besser sind als in anderen, wo die Geburtenrate sich erhöht. Diese Erscheinung hat viele irdische Ursachen, doch die Menschen können ihre Aufmerksamkeit nicht auf das Hauptsächliche lenken. Niemand mag sich vorstellen, dass die Bewohner der Feinstofflichen Welt sich in gewissen Ländern gar nicht verkörpern wollen. Natürlich können verstärkte karmische Umstände herrschen, die dazu veranlassen, in einem bestimmten Volk aufzutreten, doch neben solchen Bedingungen kann auch der freie Wille wirksam sein.

[Russisches Original. Seite 448.]


 

   Die Bewohner der Feinstofflichen Welt wissen nicht viel mehr als die Erdbewohner, doch in gewisser Hinsicht können sie die Zukunft erkennen und sich deswegen auf die besten Bedingungen einstellen. Kaum jemand wird eine schwelende Brandstätte betreten wollen. Wozu soll ein Mensch fremdes Karma* mittragen, wenn er sich zu verstärkter Tätigkeit rüsten kann? Er kann in das Leben eines starken Volkes eintreten und so an großen Entscheidungen teilhaben. Er wird es spüren, wo anwachsende und wo absinkende Entwicklung sich vollzieht.

   Keine Aufgabe kann allein nach irdischen Erwägungen gelöst werden. Wenn die Menschen bereits über das Überirdische nachgedacht hätten, so hätten sie die Lösung schwierigster Probleme gefunden. Trotz großer wissenschaftlicher Errungenschaften sind die Menschen in der Erkenntnis der überirdischen Aufgaben weit zurückgeblieben. Es ist unmöglich, die Situation des Menschengeschlechts zu erörtern, während man in den irdischen Grenzen zurückbleibt. Man darf sich nicht Phantastereien hingeben, doch ist es an der Zeit, über die Vergangenheit und die Zukunft nachzudenken. Niemand hat eine ernsthafte Einstellung zum wichtigsten Umstand. Die Bewohner der Feinstofflichen Welt wollen keine überlebten Plätze betreten, und niemand kann sie veranlassen, sich ein überaus schlechtes Los zu erwählen, wenn das Karma sie nicht dazu zwingt. Es ist unvorstellbar, dass die Menschen nicht damit beginnen, alles Existierende zu beobachten. Sie könnten der künftigen Generation überaus notwendige Aufzeichnungen hinterlassen.

   Der Denker sprach: „Wir denken nicht für uns, sondern für die noch unsichtbaren Erben.“

 

   485. Urusvati weiß, dass es den Menschen besonders schwerfällt, die Begriffe des freien Willens und der Führung miteinander zu vereinen. Die einen schreien von der Beseitigung des Führers, die anderen gegen den freien Willen. Doch das Leben selbst beweist, dass allein das Gleichgewicht einen Fortschritt zeitigt.

   Inmitten des gewöhnlichen Lebens kann man sehen, wie harmonisch beide Begriffe miteinander leben können. Der Lehrer setzt eine Aufgabe und fügt hinzu: „Wende dein Können an, um die bestmögliche Lösung zu erreichen.“ Diese einfache Erklärung beantwortet die Frage vollkommen, wie friedlich und erfolgreich die beiden Begriffe miteinander auskommen können. Die Führung entwickelt den freien Willen nur, und diesem wird

[Russisches Original. Seite 449.]


 

im Laufe seiner Entwicklung die Zweckmäßigkeit der Führung bewusst. Dieser Frage muss sich jeder wiederholt zuwenden.

   Die Menschen haben sich gewissermaßen in zwei unversöhnliche Lager geteilt. Die leidenschaftlichen Verfechter des freien Willens bezeichnen die Anhänger eines Lehrers als rückschrittlich, und die einer Führung Folgenden heißen die Liebhaber des freien Willens Zerstörer. Solcherart ist der Streit, der die Menschen nur der besten Möglichkeiten beraubt. Man muss Umstände suchen, die es erlauben, die Extreme mit einem gemeinsamen Dach zu überspannen. Es ist leicht, sich das Leben in der Unbegrenztheit vorzustellen. Unter diesem Dach sind viele Begriffe miteinander vereinbar. Man wird Maßstäbe finden, welche die Nichtigkeit eigenwilliger Aufteilungen zeigen.

   Ein echter Lehrer muss den freien Willen anspornen, und der einsichtsvolle Schüler möge, gerade in der Anspannung seines freien Willens, die Bedeutung des Lehrers schätzen. Ihr werdet bemerken, wie oft Wir zur vergleichenden Gegenüberstellung von Lehrerschaft und freiem Willen zurückkehren. Die Menschen bedürfen jedoch des Ausgleichs dieser untrennbaren Begriffe in besonderem Maße. Die möglichst beste Gestaltung der Zukunft hängt von einer Harmonie der Gegensätze ab. Wer aber diese rettende Grundbedingung nicht einsehen will, wird viel Leid auf sich nehmen müssen. Dem Lehrer ist es nicht möglich, den Eigensinn des Schülers umzuwandeln, wenn dieser keinen guten Willen zeigt. Denn der gute Wille ist auch ein freier Wille.

   Der Denker wies darauf hin, dass das Gute, die Freiheit und die Schönheit unter einem gemeinsamen Dach leben.

 

   486. Urusvati weiß, dass eine willkürliche Benennung die Richtung eines Gedankens stört und verzerrt. So habt ihr vom „elektrischen Baumeister“ gelesen, den ein Wissenschaftler im Menschen gefunden haben will. Der Begriff des Baumeisters wurde in einigen philosophischen Schulen verwendet und hat dort seine Bedeutung, doch darf man in seinem Zusammenhang unmöglich von Elektrizität sprechen. Die Menschen haben sich eines einzigen Aspektes der uranfänglichen Energie bemächtigt und benutzen das betreffende Wort ohne jegliche Befangenheit als endgültige Definition.

   Wenn die Wissenschaftler nichts von der uranfänglichen Energie wissen, könnten sie von einer bestimmten, besonderen Energie sprechen, doch darf die erhabene Grundlage nicht mit dem Wort Elektrizität eingegrenzt werden. Es ist ein unerträglicher Zustand, dass der Wissenschaftler seine Aufmerksamkeit nicht auf die besondere Eigenschaft

[Russisches Original. Seite 450.]


 

der festgestellten Energie gerichtet hat. Allzu primitiv ist es, ihre Erscheinung auf elektrische Eigenschaften zurückzuführen. Die gemachte Beobachtung selbst ist lobenswert, doch die Bezeichnung wird zu neuen Irrtümern führen.

   Man kann sich vorstellen, weshalb ängstliche Forscher sich hinter gewohnten materialistischen Begriffen zu verbergen suchen. Sie möchten sich damit vor unwissenden Beschuldigungen schützen, ziehen aber gerade dadurch die Verurteilung künftiger Generationen auf sich. Mögen sie abwägen, was mehr Achtung gebietet: Den Spott Unwissender über sich ergehen zu lassen oder sich den Verurteilungen künftiger Generationen auszusetzen.

   Vergessen wir nicht, dass sich ähnliche Vorgänge auf allen Lebensgebieten vollziehen. Die Menschen suchen vereinigende Begriffe herabzusetzen und sie gegen erdachte Definitionen auszutauschen, die keinerlei innere Bedeutung haben. Man muss diesen Prozess aufmerksam verfolgen; ihm zugrunde liegt Feigheit.

   Wird der Mensch etwa darin fortfahren, die Einheit des Weltalls in Splitter zu zerschlagen? Natürlich kann man einzelne Grashalme untersuchen, doch ohne zu vergessen, welch großem Organismus sie angehören. Man darf nicht Einzelerscheinungen studieren und dabei außer acht lassen, dass sie nur Glieder einer einzigen Kette sind. Wer der Synthese entbehrt, möge das Leben des Weltalls gar nicht erst berühren.

   Der Denker lehrte über die Schönheit der Einheit, aus der Ströme von Energie fließen.

 

   487. Urusvati weiß, dass die Erziehung des Denkens ununterbrochen fortschreiten muss. Jeder vermag sich den entsetzlichen Zustand vorzustellen, wenn einem böswilligen Menschen Gedankenkraft zufiele. Ethische Bildung muss daher dem Studium des Denkens vorangehen. Man darf sich keinesfalls auf äußere Verfahren zur Erkenntnis der Gedankenkraft beschränken, da anderenfalls böse Zauberer geschaffen werden.

   Vor langer Zeit trafen die Lehrer Vorsorge, dass ein böser Mensch zu Yogaübungen nicht zugelassen würde. Als sich später die Sitten vergröberten, traten Menschen auf, die sich einige äußere Methoden angeeignet hatten, ohne sich vorher um die Reinigung ihres Bewusstseins bemüht zu haben. Natürlich bedarf auch die Reinigung des Bewusstseins einer Konzentration der Gedanken, doch verläuft ein solches Denken innerlich und ohne äußeren Anstoß.

[Russisches Original. Seite 451.]


 

   Die Menschen verstehen nur wenig, dass man einen sauberen Gegenstand nicht mit schmutzigen Händen ergreifen darf. Man sollte meinen, dass eine solche Bedingung jedem einsehbar wäre, doch wird sie im Leben nur selten beachtet. Die Menschen überlegen gar nicht, ob ihre Hände schmutzig sind, und können deshalb schädlichste Chemismen schaffen. Sie verstecken sich hinter laut tönenden Bezeichnungen, tragen jedoch in ihrem Inneren heimlich niedere Absichten. Wieviel Missbrauch wird getrieben! Es müssen äußerst besonnene Maßnahmen ergriffen werden, damit Machtmöglichkeiten nicht in die Hände von vorsätzlichen Verbrechern gelangen. Denkt darüber nach, wie sehr auch Unsere Mühen verdunkelt werden, wenn Menschen eindringen, die sich einige Yogamethoden mit schlechten Beweggründen angeeignet haben.

   Der Denker verfügte: „Lasst uns zuerst das Gute verstehen, um es danach erst auf gedanklichem Wege in die Welt zu senden.“

 

   488. Urusvati weiß, dass besondere Vorgehensweisen erforderlich sind, wenn man den Begriff des Guten einführen will. Für viele Begriffe könnte man ganze Schulfächer einrichten, doch wenn man Gespräche über das Gute ankündigt, versuchen die Schüler, ihnen auszuweichen. Man muss das Gute unbemerkt lehren, indem man es in alle Themen einflicht.

   Es könnte gesagt werden, dass der Begriff des Guten überhaupt nicht existiere, dass etwas für den einen gut, für einen anderen aber böse sei. So sprechen aber jene, die oberflächlich urteilen und nicht in die Tiefe der Dinge zu dringen vermögen. Unzweifelhaft kann jeder seine Zeichen auf oberflächliche Weise setzen, er wird dabei aber nicht die Tiefe berühren. Im übrigen ist das Wesen des Guten unwandelbar. Das Herz wird jedoch aufzeigen, wo das Wesen des Guten liegt.

   Man kann sehen, dass sogar ein verbrecherischer Wille sich plötzlich verliert, wenn er unerwartet dem Guten gegenüber sieht. Die Menschen bezeichnen eine solche Wandlung als Wunder, doch liegt überhaupt kein Wunder darin, dass der Mensch die Saiten einer Vina[7] streift und von ihrem Klang bezaubert ist. Jeder Mensch berührt unerwartet verschiedene Chemismen; die einen betäuben ihn, andere bringen eine Einsicht. So darf man nicht behaupten, dem Menschen sei etwas nicht erreichbar. Man kann sagen, dass er in einem gegebenen Moment bestimmtes Wissen nicht zu erfassen vermag, doch schon im folgenden Augenblick kann ein Chemismus des Guten zur Erkenntnis verhelfen.

   Feinfühlige Menschen wissen, wie schnell Chemismen wechseln. Chemische Wellen dauern keinen ganzen Tag an. Sogar innerhalb kurzer Intervalle

[Russisches Original. Seite 452.]


 

lassen sich spürbare Wechsel wahrnehmen, nicht allein auf psychischer, sondern auch auf körperlicher Seite. So spürt der Mensch nicht selten rasche Wechsel von Hitze und Kälte. Er kann einen Wechsel von Geruchswahrnehmungen bemerken, wie auch vorübergehende Schmerzen. Er kann eine Verzögerung oder eine Offenbarung des Denkens wahrnehmen. Er kann auch Schwankungen seiner Wahrnehmungsfähigkeit feststellen. Chemische Wellen werden von vielen Erscheinungen der Freude und der Schwermut begleitet. Der Lehrer muss in der Lage sein, die Studierenden auf eine bewusste Wahrnehmung der vielen Erscheinungen im Laboratorium des Lebens vorzubereiten.

   Der Denker lehrte: „Wir müssen ständig Leitungen Göttlicher Kräfte um uns herum spüren. Mitunter binden sie uns, verleihen nicht selten jedoch auch Flügel. Die Erhabenheit der Welt umhüllt uns mit herrlichen Decken.“

 

   489. Urusvati weiß, welch unabhängige und tiefgründige Arbeit im menschlichen Bewusstsein vonstattengeht. Ich will dies anhand einer alten Parabel erklären. Es lebte ein hochgeachteter Lehrer, der nicht allein nützliche Wissenschaften lehrte, sondern auch auf jegliche Weise seinen Schülern half. Zu der Reihe seiner Vorzüge zählte auch äußerste Scharfsicht. Die Schüler waren davon überzeugt, dass der Lehrer ihnen immer zu Hilfe kommen werde, sogar ohne ihr Bitten.

   Eines Tages sagte der Lehrer zu dem vertrautesten Schüler: „Lass uns hören, was dein inneres Wesen spricht“ und fügte darauf lächelnd hinzu: „Es spricht: ‚Hilf!‘“ Der Schüler geriet in Verlegenheit und begann zu versichern, er habe dem Lehrer niemals mit Bitten Verdruss bereiten wollen. Der Lehrer beruhigte ihn und erklärte: „Mein Freund, ich bin überzeugt, dass weder dein Herz noch dein Gehirn um Hilfe gebeten haben. Sie wissen, dass meine Hilfe rechtzeitig kommen wird, doch die Tiefe des Bewusstseins richtet die Stimme an den Lehrer in dem einen Ruf: Hilf!“

   „Sei von diesem Schrei des Bewusstseins nicht verunsichert, denn in ihm ist eine Verbindung eigener Art zur Hierarchie enthalten. Du hast doch nicht um Reichtum oder um Ehrung gebeten. Dein inneres Wesen sagt mit der Bitte um Hilfe: 'Lehre mich!' Du hast keine Bedingungen gestellt, sondern wolltest nur sagen: `Tue es, wie es am besten ist'. Du bist bereits überzeugt, dass alles zum Wohl bereitet wird. Auch wenn du einmal den Weg zum Wohl nicht sofort erkennst, so bist du dennoch überzeugt, dass die besten Maßnahmen ergriffen worden sind.“

[Russisches Original. Seite 453.]


 

   „Du hast vom dreifältigen Denken gehört. Ihm entsprechen das Gehirn, das Herz und das Bewusstsein. Das Gehirn bringt die Vernunft zum Ausdruck, das Herz das Gefühl und das Bewusstsein die Weisheit. Das Bewusstsein ruft: `Hilf, lehre mich'. Auch mein Bewusstsein sagt genau dasselbe, und mein Führer spricht genau dieselben Worte; sie stellen keine Belastung dar. Die Hand streckt sich nach oben und weiß, dass auf der Stufe der Gefahr die helfende Hand entgegengestreckt werden wird. Es ist uns nicht gegeben zu beurteilen, welche Stufe die gefährlichste ist.“

   Dies ist die Parabel, und der Denker kannte sie. Er fügte hinzu: „Es liegt eine besondere Schönheit darin, dass unser Bewusstsein ein Hort der Weisheit ist.“

 

   490. Urusvati kennt den Fehler der zeitgenössischen Philosophen, die den Menschen der Verbindung mit dem Universum berauben. Ihr Mensch erscheint zwar als denkendes Wesen, doch ohne Vergangenheit und Zukunft, und damit hat er keine Verbindung mit dem Weltall. Ein solches Denken ist nicht in der Lage, eine Zukunftsprognose anzustellen, weshalb die zeitgenössische Philosophie dem Leben so sehr entfremdet ist.

   Man darf sich den Menschen nicht so vorstellen, als befände er sich in einer Wüste, wo er den Weg nicht kennt. Der Mensch versteht, dass ihm ähnliche Geschöpfe existieren, von denen er nicht weiß, woher sie kommen und wohin sie sich aufmachen. Ist es da etwa möglich, das Denken auf eine begrenzte Existenz hin auszurichten? Eine solche Vorstellung wird vor allem langweilig sein.

   Es ist notwendig, eine solche Lehre zu überprüfen, die sich als schädlicher als der begrenzte Materialismus erweist. Aus dem letzteren lässt sich noch ein Fortschritt ableiten, doch der abstrakte Mensch vermag nicht den Weg der Evolution zu gehen. Es ist nicht erstaunlich, dass viele zeitgenössische Philosophen abseits des Lebens stehen. Doch sollten die Denker sich gerade den Problemen des Daseins zuwenden, in denen der Mensch einen entsprechenden Platz einnimmt. Es ist nicht nützlich, einem gesunden Organismus Teile abzuschneiden. Erfreulich jedoch ist jedes auf die Einheit des Weltalls gerichtete Denken. Man kann bedauern, dass die Wissenschaftler der angewandten Wissenschaften keine Verbindung zu den Denkern zu knüpfen vermögen. Erneut sehen Wir tote Begrenzungen und die Fehler des Hasses.

   Man wird einwenden, dass es bei der gegenwärtigen Entwicklung der Wissenschaften unmöglich sei, in allen Bereichen des Wissens bewandert zu sein.

[Russisches Original. Seite 454.]


 

Es spricht auch niemand von Allwissen, doch Verehrung des Wissens ist möglich. So können die Menschen sich von Verneinung befreien. In jedem Gegenstand befindet sich etwas, das Beachtung verdient. Ein echter Denker vermag diesen Funken der Wahrheit zu erkennen. Der echte Denker wird sich auch allen Stufen des Fortschritts gegenüber gerecht verhalten.

   Gewöhnlich wenden die Menschen sich vor allem den Endphasen von Entdeckungen zu und verwerfen achtlos alle vorangegangenen Aufspeicherungen. In einem solchen Verhalten kommt größte Ungerechtigkeit zum Ausdruck. Unter den Vorbereitungsprozessen befinden sich unzweifelhaft viele noch nicht abgeschlossene Entdeckungen. Verfolgt man deren Denkwege, wird man die größten Schätze finden können. Die Menschen ziehen es jedoch vor, sich allem Vorbereitenden gegenüber leichtfertig zu verhalten, wodurch viele bereits tastend erkundete Errungenschaften verlorengehen. Auch in solchen Fällen ist jene Verehrung des Wissens anzuwenden, von der Wir gesprochen haben.

   Meine Worte dürfen nicht allein auf mechanische Entdeckungen bezogen werden, sondern müssen ebenso auf die Geisteswissenschaften angewandt werden. Die Hauptsache besteht darin, das Denken von Vorurteilen zu befreien, die sehr verschiedenfarbig sein können.

   Der Denker sprach: „Seht nur diesen wichtigtuerischen Freidenker, wie er rasch auf die andere Straßenseite geht, nur um nicht inmitten von Arbeitern gesehen zu werden. Gerade erst hat er eine Rede über die Liebe zum Volk gehalten.“

 

   491. Urusvati weiß, dass man ohne überirdisches Empfinden das Leben nicht verwandeln werden kann. Ohne Vorstellungsvermögen kann keine Arbeit auf eine höhere Stufe geführt werden. Achtet auf das treffende Wort „Vorstellungskraft“. Sie ist keine Phantasterei und kein böser Winkelzug. Sie ist das Auffinden höherer Bilder, die Realisierung hoher Begriffe. Vorstellungskraft ist immer real und wahr. Es ist nicht darstellbar, wo diese Wahrheit wohnt, doch sie existiert.

   Glaubt nicht, dass echte Vorstellungskraft im Bösen möglich wäre; erforderlich ist gutes Bestreben. Jedes Böse schafft verzerrte Formen. Ein Kaleidoskop erfordert harmonische Bewegungen, und so bedarf die Schau höherer Bilder eines offenen Herzens. Jede Verdunkelung ruft verzerrte Vorstellungen hervor. Wiederum wird sichtbar,

[Russisches Original. Seite 455.]


 

wie sehr die physischen Gesetze mit psychischen Grundlagen verbunden sind.

   Selbst die höchsten Erkenntnisse können hier empfangen werden, und dies oftmals inmitten größter Not. Nicht selten sinnen Reiche darüber nach, warum ihre Opfer so erleichtert werden. Sie nehmen an, dass ein Opfer nur finanzieller Art sein könne, vergessen jedoch, dass ihnen ein herrlicher Auftrag anvertraut ist: Geld mit hohen Aufgaben zu verbinden. Dafür aber bedarf es des Vorstellungsvermögens. Gibt es viele, die danach streben, diese Eigenschaft in sich zu vervollkommnen?

   Der Denker lehrte: „Jedem Menschen ist es gegeben, in die Göttlichen Paläste zu blicken, doch möge das Auge daran gewöhnt werden, den strahlenden Glanz des Himmels zu schauen und das gesamte Leben des Raumes zu erkennen. Wem der Himmel leer erscheint, der hat ein leeres Herz.“

 

   492. Urusvati weiß, dass Hingabe nur von Wert ist, wenn sie in vollem Maß erwiesen wird, und zwar in solchem Maß, dass der Mensch sie nicht noch stärker zu bezeigen vermag. Dann wird ein mächtiger, wohltätiger Chemismus geschaffen, der über weite Entfernungen hinweg heilsame Wirkungen entfaltet. Jede Halbheit in der Hingabe jedoch muss in den Bereich des Bösen verwiesen werden.

   Der Mensch belügt sich selbst wie die anderen und schafft damit todbringende Gifte. Er müsste sagen: „Ich will mich hingeben, auch wenn es mir nicht von Vorteil ist.“ Doch um welche Missgestalt von Hingabe wird es sich handeln, wenn die Menschen ausrufen: „Wir wollen uns hingeben, es wird uns großen Vorteil einbringen!“ Niemand zweifelt, dass jede eigennützige Hingabe eine andere Bezeichnung verdient.

   Unsere Bruderschaft ist auf gegenseitige Hingabe gegründet. Wir wissen, dass es keinerlei Umstände geben kann, welche die Hingabe zu erschüttern vermögen. Man könnte sagen, dass sich eine solche Hingabe durch langwährende Zusammenarbeit einstellt. Richtig – doch in vielem arbeiten die Menschen zusammen, ohne dass Hingabe erstarken würde. So muss Hingabe von den kleinsten Anfängen an erprobt werden. Sie zeigt auf, wie behutsam man miteinander umgehen muss, ohne Komplikationen zu schaffen.

   Hingabe ist keine Knechtung. Sie ist das Lächeln gegenseitigen Verstehens und Mitgefühls. Denkt über dieses herrliche Wort nach. Es bringt auf einem Zusammenklang der Gefühle gegründete Harmonie

[Russisches Original. Seite 456.]


 

zum Ausdruck. Jeder Mensch träumt von Mitgefühl, doch fordert er dies oftmals nur für sich selbst, wobei er vergisst, dass gerade dieser Begriff Gegenseitigkeit voraussetzt. In diesem Missverständnis ist viel Unglück enthalten.

   Der Denker sprach: „Der Mensch fordert Mitgefühl, doch wo ist sein Beitrag? Er hält sich selbst für äußerst unglücklich; hat er jedoch das Unglück der anderen gemessen?“

 

   493. Urusvati weiß, dass die Menschen das Gefühl der Einsamkeit besonders fürchten, welches selbst keine Angst, sondern eine eigene bedrückende Empfindung darstellt. Dies ist völlig natürlich für einen Menschen, der weder von der Feinstofflichen Welt noch von der ununterbrochenen Fortdauer des Lebens weiß. Doch mitunter tritt genau dasselbe Gefühl auch bei denjenigen auf, die mit den Daseinsgrundlagen vertraut sind. Die Ursachen einer solchen schwer zu überwindenden Empfindung sollen aufgezeigt werden.

   Es ist zu vermuten, dass unliebsame Wesenheiten Einfluss nehmen wollen, wie auch Vorahnungen einen solchen Zustand der Niedergeschlagenheit hervorrufen können. Doch außer solchen unzweifelhaft möglichen Ursachen können auch kosmische Einwirkungen auftreten. Der Chemismus schwerer Ströme kann den Menschen einhüllen und gleichsam einen Zustand der Isolierung schaffen, in dem der Mensch Einsamkeit empfindet. Jedem aber ist ein Heilmittel gegeben. Er kann jede beliebige Einwirkung zerstreuen, indem er sich gedanklich an Freunde wendet. Der Mensch hat nicht nur auf der Erde Freunde, er kann auch aus der Feinstofflichen Welt treue Mitarbeiter herbeirufen.

   Überdies ist es möglich, dass er von Uns weiß, denn Hinwendung zu Uns wird nicht erfolglos bleiben. Er kann eine Antwort in zwar unerwarteter Form auslösen, doch der bedrückende Chemismus wird sich zerstreuen. Es stehen viele wissenschaftliche Entdeckungen bevor, doch wird die Erkenntnis der Daseinsgrundlagen nichtsdestoweniger die Grundbedingung sein. So habt ihr bemerkt, dass die Gedankenübertragung auf Entfernung im wissenschaftlichen Bereich wenig vorankommt, weil die Anerkennung der Daseinsgrundlagen und die überirdischen Gefühle nicht ausreichen.

   Der Denker bedauerte Menschen, die nicht nur das Leben, sondern auch den Gedanken verkürzen.

[Russisches Original. Seite 457.]


 

   494. Urusvati weiß, dass die Menschen zur Zeit einer Gefahr sogar äußerst rettende Ratschläge vergessen. Schon eine eingebildete Gefahr beraubt die Menschen des zweckentsprechenden Denkens. Bei verschiedenen Völkern gibt es sehr lehrreiche Erzählungen, in denen ein Hausherr seine Nächsten lehrt, wie sie sich im Brandfalle zu verhalten hätten; wenn jedoch der Brandfall eintritt, handeln alle entgegengesetzt.

   In den Schulen Spartas gewöhnte man die Schüler an alle möglichen Gefahren, um Findigkeit zu entwickeln. Auch heute wäre es notwendig, so vorzugehen, da die Gefahren um ein Vielfaches zugenommen haben. Besonders befremdlich ist jedoch, wenn Menschen Gefahren erfinden, die gar nicht existieren. Hierbei sind sie weniger um die weltweiten Gefahren bekümmert, sondern zittern vielmehr um ihr eigenes Dasein. Niemand kann ihnen vermitteln, dass gerade die weltweiten Nöte ihren häuslichen Herd hinwegfegen werden. Und sie werden keineswegs zustimmen, dass die Gefahren für den Planeten weitaus größer sind als für ihr eigenes Haus.

   Selbst eine Erörterung der weltweiten Gefahren wird nicht gern gesehen, denn dafür sind irgendwelche diensthabenden Oberpriester da. Wenn jedoch die Epoche eintritt, in der allumfassende Zweckmäßigkeit verstanden wird, werden die Menschen Ratschläge sammeln können, wie den äußerst komplizierten Leiden zu begegnen ist. Auch wenn bereits an den Schulen auf mögliche Gefahren vorbereitet werden muss, so darf solches Wissen das Menschengeschlecht dennoch nicht der Lebensfreude berauben. Jedes vergangene Leben kann davon erzählen, wie selbst in größter Gefahr Freude zu leben beginnt.

   Der Denker wusste, dass Freude in allen Gefahren geboren wird.

 

   495. Urusvati weiß, dass die Verausgabung von psychischer Energie und ihre Erschütterung vom Wesen her verschieden, von ihren Merkmalen her jedoch ähnlich sind. Die Menschen verstehen nicht, dass die Entzündung der Schleimhäute mit einer Verausgabung von psychischer Energie verbunden ist. Eine solche verstärkte Abgabe erfolgt auch bei einer Steigerung der Denktätigkeit.

   Drüsen und Körpergewebe werden in überaus individueller Weise in Mitleidenschaft gezogen. Auch Sendungen von Energie auf Entfernung rufen eine Anspannung der Drüsen hervor, besonders dann, wenn die kosmischen Ströme ungünstig sind. Eine Erschütterung der psychischen Energie jedoch kann auch ohne Anspannung der Denkenergie vonstattengehen. Ethische Erschütterungen,

[Russisches Original. Seite 458.]


 

Kummer, unerwartete Niederlagen oder können den Energiefluss unterbrechen.

   Wenn die Weltereignisse schrecklich sind, können ganze Epidemien auftreten, die man jedoch unterschiedlich bezeichnen wird. Man wird die Epidemien auf Herzerkrankungen, Erkältungen oder Magenkrankheiten zurückführen wollen, ohne die wahre Ursache beim Namen zu nennen. Man wird eine Zunahme von Nervenerkrankungen feststellen, doch zieht letztlich jede Krankheit das Nervensystem in Mitleidenschaft. Die Therapie sollte sowohl auf der körperlichen als auch auf der geistigen Ebene erfolgen. Notwendig ist ein ruhiges Streben zu erhabenen Gegenständen. Man muss sich in ruhiger Weise den Denkspruch Salomons wiederholen: „Auch das wird vorübergehen.“ Wenn die Autosuggestion unzureichend stark ist, so kann eine Suggestion von außen her durchgeführt werden.

   Nützliche Medikamente kennt ihr bereits: Nux vomica[8], Arsenicum[9], Ferrum[10] und, natürlich, der alte Freund Baldrian. Bei Kräfteverfall: Moschus. Warme Bäder sind immer nützlich. Das übrige hängt von der örtlichen Erkrankung ab. So kann man in den verschiedenen Phasen psychischer Anspannung helfend eingreifen.

   Die Menschen sollten nicht annehmen, eine solche Epidemie verdiene keine Aufmerksamkeit. Im Gegenteil, alles, was mit den Nervenzentren verbunden ist, kann sich schnell ausbreiten. Unkenntnis der Ursachen wird immer zu schlechten Folgen führen. Wenn man dann auch noch alle möglichen Selbstvergiftungen hinzunimmt, ergibt sich ein trauriges Bild.

   Man wird sagen: „Ihr jagt uns schon wieder Schrecken ein!“ Doch dann ist jeder ärztliche Rat eine Einschüchterung. Wenn Wir eine Gefahr heraufziehen sehen, so müssen Wir auch davor warnen.

   Jemand wird über die Zuwendung zu erhabenen Gegenständen spotten. Für ihn ist die Musik wie sämtliche Kunst nur Müßiggang. Er kennt das Wort „Ekstase“ nicht und hält es für ein schädliches Vorurteil.

   Der Denker kannte solche Spötter. Er sprach: „Der Staat muss unverbesserliche Unwissende vertreiben. Mögen sie sich irgendeine Insel suchen. Das Meer allerdings wird einen solchen Hort der Dummheit verschlingen. Die Gesetze der Natur kann man nur bis zu einem bestimmten Grad stören.“

 

   496. Urusvati weiß, dass jeder, der falsch handelt, sich vor allem

[Russisches Original. Seite 459.]


 

damit rechtfertigt, man habe ihn nicht verstanden. Je mehr ihr die menschlichen Beweggründe kennt, desto mehr wird man euch des Unverständnisses beschuldigen. Man kann bemerken, wie sehr die Menschen ihre eigene Schuld auf andere zu übertragen suchen. Wir wollen jedoch nicht alle Arten menschlicher Verstellung aufzählen, da sonst kein Buch, sondern eine ganze Bibliothek entstünde.

   Es ist verwunderlich, dass die Menschen erst dann nach Hilfe suchen, wenn bereits keine Rettung mehr möglich ist. Man könnte vielleicht meinen, sie handelten so aus Schüchternheit oder Zaghaftigkeit, doch hat dies leider einen anderen Grund. Die Menschen denken gar nicht erst über jenen Mittelpunkt nach, von dem Hilfe kommen kann, geschweige denn, dass sie sich ihm anvertrauen. Erst wenn die Not sie an der Kehle packt, sind sie bereit, sich der vergessenen Türme zu erinnern. Nicht nur Ungebildete handeln derart unüberlegt, sondern selbst sehr belesene Menschen verfahren mit erhabenen Dingen in unwürdiger Weise.

   Die menschliche Psyche wird unverständlich, wenn die Menschen nicht mehr zu unterscheiden vermögen, wo sich das Nützliche und wo das Schädliche befindet. Sie sind mitunter in einem solchen Maß von ungeordneten Wünschen jeglicher Art erfüllt, dass sie ihr Tun nicht mehr von ihren Wünschen unterscheiden können.

   Der Denker wies die Schüler immer wieder an, die Truhe ihrer Wünsche in Ordnung zu halten.

 

   497. Urusvati weiß, dass die führende innere Stimme sich nicht immer in wörtlichen Formeln äußert. Oftmals verbleibt sie im Bereich des Impulses. Auf diese Weise erweist sich das führende Prinzip gleichsam als eine Stimmgabel, die einen Akkord hervorruft. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass solche Zusammenklänge in den verschiedensten Bereichen in Erscheinung treten. Die Stimmgabel ruft auf und begeistert, doch die örtlichen Bedingungen und vorausgegangene Überlegungen schaffen die Formel der Tat.

   Der Mensch ist es nicht gewohnt, der tief verborgenen Stimme zu lauschen. Er nennt sie Stimme der Stille und hält sie in der Tiefe des Bewusstseins zurück. Kann er jedoch so all die Vorzüge eines solchen Impulses nutzen?

   Ein kleiner Junge war traurig, dass er sein Spiegelbild im Brunnen nicht sehen konnte, da sein Bruder Steine hineinwarf. Davon können viele erzählen, weil ihre Nächsten

[Russisches Original. Seite 460.]


 

beständig ihr Bewusstsein verdunkeln. In der Tat ist für alle Beobachtungen und Schlussfolgerungen Ruhe des Bewusstseins erforderlich, da anderenfalls deren Gestalt verzerrt wird. Eine solche Ruhe ist jedoch keine Entsagung von Tätigkeit. Man kann im Gegenteil an allen besten Lebensbereichen teilhaben, wobei gleichzeitig die Oberfläche des Bewusstseins ruhig bleibt. So geschieht es, wenn der Mensch seinen zukünftigen Weg kennt.

   Der Denker sprach: „Stellen wir uns ein Mühlrad vor. Es empfängt die Wasserkraft von oben und arbeitet für die Herstellung menschlicher Nahrung. Es weiß nicht, wer sich mit dieser Nahrung sättigen wird. Es weiß nicht, wer das Korn zum Mahlen brachte. Es weiß nichts von all den Bestandteilen des Wassers, doch um es herum fließt viel Energie. Die Lehre darf die Augen nicht vor der Unermüdlichkeit der Arbeit verschließen, denn die segensreiche Welle fließt unaufhörlich.“

 

   498. Urusvati weiß, dass die Menschen besonders zu allem Verbotenen streben. Eine Erzählung spricht von einem gewissen Regenten, der im Leben eine nützliche, Aufklärung bringende Maßnahme durchzuführen gedachte und dem überall Widerstand begegnete. Eines Tages wandte er sich an einen weisen Ratgeber, der ihn daraufhin fragte: „Hast du deinen Vorschlag mit allen möglichen Maßnahmen bekräftigt?“ Nachdem er eine bestätigende Antwort erhalten hatte, sprach der Ratgeber: „Dann ist es notwendig, ein Gesetz zu erlassen, das gerade deine Maßnahmen verbietet. Du wirst sehen, wie die Menschen zu dem Verbotenen streben, und wenn das Gesetz ein strenges ist, wird der Wunsch, es zu übertreten, desto stärker in Erscheinung treten.“

   Glaubt nicht, dass dieses alte Gleichnis heute keine Bedeutung hätte. Man kann aufzeigen, dass ganze Bewegungen erstarkten und sich reinigten, allein dank Verboten. Auf der ganzen Welt kann man sehen, dass eine Tactica adversa eigener Art sich als bester Weg erweist. Es ist erstaunlich, weshalb die Menschheit ein verworrenes Labyrinth durchschreiten muss, wenn es doch einfachere Wege gibt. Die Spirale der Evolution jedoch ist kompliziert. Sie erfordert sogar zeitweiligen Niedergang, um dann eine desto höher führende Wendung zu nehmen.

   Uns sind diese irdischen Eigenheiten bekannt, und Wir erachten sie als unausweichlich. So müssen auch überirdische Gedanken eine Zeitlang komplizierte menschliche Wege gehen. Man muss

[Russisches Original. Seite 461.]


 

viel Geduld besitzen, um zu beobachten, wie die Wanderer dahinziehen, anstatt den kürzesten Weg zu nehmen. Dabei ist es notwendig zu wissen, dass man unmöglich in der Mitte des Stromes ein Hindernis aufstellen kann. Man darf nur leicht berühren, doch so behutsam, dass der Gehende es nicht bemerkt, damit er nicht aufschrickt und stolpert. Auch die wohlwollendste Berührung muss in voller Behutsamkeit erfolgen. Dies muss man im irdischen Leben mitten in der täglichen Arbeit lernen.

   Der Denker sprach: „Wir müssen es erfühlen, wo wir Hilfe bezeigen können. Je unmerklicher dies geschieht, desto vollkommener wird die Hilfe sein.“

 

   499. Urusvati weiß von der hohen Bedeutung der Tatbereitschaft. Wir haben von Hingabe, Zweckmäßigkeit und Aufnahmevermögen gesprochen, doch für all diese Bekundungen ist wahre Bereitschaft erforderlich. Man muss diese Eigenschaft im Gedächtnis behalten, da sie schwer erreichbar ist.

   Die Menschen bilden sich ein, zur Tat bereit zu sein, erweisen sich jedoch in der letzten Stunde als von unterschiedlichsten Zweifeln und Selbstmitleid heftig ergriffen. Indessen erfordert gerade Bereitschaft ein Anwachsen der Energie. Ein im Lauf zum Sprung ansetzender Mensch verfällt nicht der Kraftlosigkeit, sondern sammelt, während er Anlauf nimmt, allergrößte Energie. Dieses Beispiel lasst uns auf jede Tat beziehen.

   Mögen die Menschen anhand historischer Beispiele lernen, wieviel strahlendste Taten durch Zweifel, die in der letzten Stunde auftraten, zunichtewurden. Lasst uns nicht vergessen, dass die niederen Kräfte des Menschen jegliche Tätigkeit hassen, und desto mehr wird jede nützliche Tat den Schlägen der Finsternis ausgesetzt sein. Die Finsteren wählen dafür den letzten Moment aus, um eine furchtlose Entschlossenheit zu unterbinden.

   Der Lehrer muss mit Nachdruck darauf hinweisen, dass Tapferkeit sich in Harmonie mit Bereitschaft entwickeln muss. Kann man sich eine leblose Tapferkeit vorstellen, der es an Bereitschaft mangelt und die dafür fortwährend Rechtfertigungen mit nichtigsten Alltagsumständen sucht?

   So behaltet im Gedächtnis, dass die besten Kräfte mit euch sein werden, wenn ihr Bereitschaft in vollem Maß bekundet.

   Der Denker sprach: „Lasst uns Tag und Nacht bereit sein, dann schwindet auch die Finsternis.“

[Russisches Original. Seite 462.]


 

   500. Urusvati weiß, was unstillbarer Tatendurst bedeutet. Dieses Bestreben kann unmöglich durch künstliche Maßnahmen vermittelt werden. Es muss sich in der Tiefe des Bewusstseins als Folge vieler Leben bilden. Errungenschaften solcher Art müssen besonders gehütet werden. Das erwähnte Tun ist nicht allein dem Tätigen selbst nützlich, sondern schafft eine Atmosphäre, die auch andere zu gesunder Arbeit erweckt.

   In Hochachtung der Arbeit sind majestätische Hymnen und erhebende Traktate verfasst worden. Das alles ist richtig und geschieht für das Wohl. Stellt euch einen Arbeiter vor, der auf Lebenszeit an eine feststehende Maschine gekettet ist. Es wird ihm nicht besser ergehen als den Rudersklaven im Altertum, die man an die Ruder angekettet, oder den Sklaven, die man an Rädern befestigt hat. Heute sind konkrete Ketten verpönt, doch an ihrer Stelle hat man viel fester anbindende Ketten erfunden.

   Die Hymnen der Arbeit, an ein und derselben, täglich zu bedienenden Maschine angestimmt, könnten anders klingen. Viele solcher Arbeiter sind selbst ihrer Beweglichkeit beraubt. In einer solchen Eintönigkeit verläuft auch die Erholungszeit, wenn sie nicht gerade in dem Grauen der Trunksucht zum Ausdruck kommt. Es ist leicht gesagt, dass die Menschen sich nicht betäuben sollen. Man muss ihnen jedoch höherführende Wege aufzeigen. Sie werden sich die ununterbrochene Fortdauer des Lebens aneignen und die überirdischen Chemismen erkennen. Sie werden von der Gedankenkraft und den besten Vorstellungen erfahren. Doch müssen sie noch etwas erhalten, was sie nämlich lehrt, die Qualität der Arbeit zu erhöhen: Das Handwerk muss jedem Menschen gegeben werden. In der Handarbeit erkennt der Mensch die ewige Vervollkommnung.

   In jeder sozialen Stellung vermag der Mensch irgendeine handwerkliche Tätigkeit auszuüben. Durch Handwerk bewahrt der Mensch sich Jugendlichkeit des Denkens. Es verwandelt das Haus in einen Herd der Schönheit. Wieviel Selbständigkeit und Selbstsicherheit schafft zwanglos ausgeübtes Handwerk! Die Menschen lieben Beispiele; im Verlauf mehrerer Jahrhunderte kann man sich von der Entwicklung eines frei ausgeübten Handwerks überzeugen. Bei handwerklichem Tun werden auch die Hymnen der Arbeit klangvoller ertönen, und viele nützliche Verbesserungen werden entstehen.

   Wir haben davon gesprochen, dass der Rhythmus bei der Arbeit einen Yoga eigener Art darstellt. Bei jeder Yogaform ist Bestrebung und Begeisterung notwendig. Und diese Blumen wachsen im Garten des Handwerks. Indem er das Handwerk liebgewinnt, lernt der Mensch auch jede andere Arbeit lieben, und desto näher wird er auch Uns sein.

   Der Denker lehrte, dass jene Arbeit zur Vervollkommnung führt, die Schönheit in sich birgt.

[Russisches Original. Seite 463.]


 

   501. Urusvati weiß, wie oft die Menschen sich beklagen, dass Vervollkommnung jegliche Art von Unglück über sie niedergehen lässt – ein ungeheurer Irrtum. Man kann überzeugt sein, dass ein Mensch, der sich tatsächlich vervollkommnet, niemals einen solchen Unsinn sagen wird. Er weiß, dass bei einer Verfeinerung des Fühlens auch viel mehr wahrgenommen wird. Überdies wird er sich nicht wundern, dass ihm anvertraut ist, an der Schlacht um das Wohl der Welt teilzunehmen.

   Kann diese Schlacht etwa als Unglück bezeichnet werden? Nur ein Feigling kann meinen, leichenhafte Verwesung sei besser als lebensschaffende Bewegung. Oftmals aber kann man Dienern der Furcht begegnen, die ein leichenhaftes Dahinsiechen vorziehen. Sie sammeln Beispiele aus dem Leben von Helden, die ihrer Auslegung nach ein einfaches Leben geführt haben, ohne sich mit Klügelei wichtigzutun. Doch sie vergessen, dass das Denken solcher Einsiedler mitunter kosmische Macht besaß.

   Wer denn vermag die Kraft des Gedankens zu ermessen? Wer denn vermag nachzuprüfen, ob die diesen Denkern zugeschriebene Kraftlosigkeit ihrer Worte den Tatsachen entspricht? Über den Verlauf von Jahrhunderten haben Menschen die von anderen Menschen geprägten Worte völlig entstellt. Was soll man da erst von Jahrtausenden sagen? Dabei ist es schwer festzustellen, wer mehr entstellt hat: Freunde oder Feinde. Nicht selten haben sogenannte Freunde aus persönlichen Beweggründen den grundlegenden Sinn verzerrt. Und vergessen wir nicht, dass auch die Abschreiber ihren Beitrag geleistet haben. Ihr wisst selbst, wie groß die Zahl der Druckfehler ist! Und so war es in allen Jahrhunderten.

   Der Denker sprach: „Ich möchte wissen, in welcher Weise Meine Niederschriften weiterleben werden.“

 

   502. Urusvati weiß, dass der Begriff des Erfassungsvermögens klar festgelegt werden muss. Viele meinen, Erfassungsvermögen sei das Übernehmen entgegengesetzter Argumente. Indessen bedeutet Erfassungsvermögen das Verstehen innerer Beweggründe. In mitfühlender Weise kann man dann die Beweggründe verstehen, die einen Gesprächspartner leiten, doch wäre es falsch, wenn man dadurch gleich von seinen eigenen, lange durchdachten Überzeugungen abwiche.

   Erfassungsvermögen hat Ähnlichkeit mit Mitleid. Es lässt sich beobachten, dass Widerspenstige in Irrtümer verfallen und gegen ihren eigenen Nutzen handeln. Wie behutsam jedoch muss man sie daher zu überzeugen versuchen! Überdies muss man sich des alten Sprichwortes erinnern: „Über Geschmack

[Russisches Original. Seite 464.]


 

soll man nicht streiten.“ Man kann die karmischen Ursachen eines solchen Geschmacks erkennen. Man kann die Spuren des Atavismus sehen, doch es ist unmöglich, die Aufspeicherungen von Neigungen schnell auszumerzen.

   Denkt nicht, dass Wir nur auf klar hervortretende Gewohnheiten hinweisen, welche die Menschen beherrschen. Im vorliegenden Fall spreche Ich von Geschmack, der weit tiefer liegt als Gewohnheiten. Ebenso schwer ist es, den Geschmack eines Menschen in Frage zu stellen, der sich von dem seiner Umgebenden unterscheidet, jedoch in sich nichts Abstoßendes enthalten. Man könnte hier Disharmonien erkennen, doch nicht jedes Ohr ist fähig, diese wahrzunehmen.

   Der Denker lehrte: „Lernt es, das Herz so sehr zu erweitern, dass es fremden Schmerz zu erfassen vermag. Dann werdet ihr auch ein tröstendes Wort finden.“

 

   503. Urusvati weiß, dass Wohnungen, die der psychischen Energie des Menschen beraubt sind, rasch verfallen. Wir haben bereits darüber gesprochen, wie verschieden Maschinen in Abhängigkeit der sie benutzenden Hände arbeiten. Hier kann man auf ein überaus leicht durchzuführendes Experiment hinweisen. Stellt euch drei gleich gebaute Häuser vor. In der Folge bleibt das eine leer stehen, das zweite wird von disharmonischen Menschen eingenommen, und das dritte dient einer harmonischen Familie als Wohnung. Es wird aufschlussreich sein zu beobachten, wie verschieden das Baumaterial auf die unterschiedlichen Bedingungen reagiert. So lässt sich auch bei Staaten beobachten, wie unterschiedlich die Energien der Regierenden wirken. Man darf dies nicht allein auf Experimente mit Produkten beziehen. Der Erfolg eines ganzen Staates hängt von der Qualität der psychischen Energie seines Führers ab.

   Es sind weniger Bildung und Erfahrung als vielmehr die aufgespeicherte Energie, welche die schwersten Umstände überwinden kann. Oftmals sind die Menschen erstaunt, wie jemand erfolgreich regieren kann, ohne in Übereinstimmung mit den herrschenden Bräuchen zu handeln. Man möge nur einen Arzt fragen, ob die psychische Energie dieser Person nicht eine besondere Qualität in sich trägt. Der Arzt muss natürlich eine Vorstellung von der psychischen Energie besitzen, um auf ihre Besonderheit hinweisen zu können.

   Für Experimente mit psychischer Energie sind keinerlei ungewöhnliche Bedingungen erforderlich. Die uranfängliche Energie ist überall gegenwärtig, und sie sollte in allen Lebenserscheinungen beobachtet werden. Man kann sagen: Je einfacher die Umstände ihrer Beobachtung sind,

[Russisches Original. Seite 465.]


 

desto wertvoller wird das Experiment sein. Nützlich ist es jedoch, eine besondere Eigenschaft dieser Energie zu begreifen. Ihr wisst bereits, dass eine Verausgabung der psychischen Energie sich auf die Drüsen auswirkt. Wir beobachten eine sehr scharf ausgeprägte Reaktion der Drüsen, wenn die Energie zu verschiedenen Völkern, in verschiedene Länder gesandt wird. Eine solche Erscheinung wird durch die Unterschiede der Psychologie der Völker erklärt. Die Energie wird nicht überall in harmonischer Weise aufgenommen, und es erfolgen sogar Rücksendungen. Gerade diese aber begünstigen eine Entzündung der Drüsen.

   Lernt es zu verstehen, dass sogar Menschen, die nicht einmal feindlich gestimmt sind, ein so eigentümliches Bewusstsein haben können, dass es eine Energiesendung gar nicht aufnehmen kann. Wir erachten Energiesendungen daher als ein großes Opfer. Doch die Menschheit wird es nicht so bald verstehen, von welcher Art Opfer Wir sprechen.

   Der Denker lehrte: „Denkt nicht, euer Gedanke wäre überall ein erwünschter Gast. Auch euer bester Gedanke wird euch viel Kummer einbringen können. Gleich einem Bettler wird er auf den Türschwellen verharren müssen, Verletzungen erfahren und bei seiner Rückkehr euer Herz verwunden. Seid darüber nicht betrübt, denn das ist unausweichlich.

 

   504. Urusvati weiß, dass die Hierarchie sogar Geringes in Kostbares verwandeln kann. Man sollte meinen, dass solcher Hinweis vor allem geistige Kostbarkeiten im Blick hat, doch die Menschen streben derart zu materiellen Gütern, dass sie auch in einem solchen geistigen Hinweis noch etwas Physisches suchen.

   Überhaupt wäre es sehr aufschlussreich zu sehen, ob viele Anhänger der Hierarchie verbleiben, wenn Wir sagen, dass die Hierarchie sich nur um geistige Kostbarkeiten kümmert. Man kann beobachten, wie die Menschen bestrebt sind, jede Andeutung zu erkennen, die, ihrer Meinung nach, irdisches Wohlergehen berührt. Lasst uns diese Menschen nicht allzu sehr anklagen, da die Mehrheit von ihnen Not leidet. Doch begegnen einem auch sehr wohlhabende Menschen, die zur Hierarchie streben, um ihre irdischen Güter zu vermehren. Sie können nicht verstehen, dass zwar irdische Güter auf dem Pfad empfangen werden, dies doch nicht geschieht, wenn man nach ihnen strebt.

   Lenkt eure Aufmerksamkeit auf jene Menschen, die sich um irdischer Güter willen nähern. Sie sind

[Russisches Original. Seite 466.]


 

das beste Beispiel dafür, wie sehr eine geistige Lehre entstellt werden kann. Indessen vermag bereits der geringste Kontakt mit der Hierarchie viele Lebensprobleme zu lösen. Doch höhere Erkenntnis darf nicht für ein Linsengericht[11] verkauft werden.

   Oftmals waren Wir darüber bekümmert, dass dem Streben die Suche nach irdischen Gütern zugrunde lag; gerade dadurch gehen sie verloren. Allein in klarer Erkenntnis von Opferbereitschaft kann man den Schatz der Welt finden. Solche Beispiele sind notwendig, da die Menschen oft dem Einfachsten aus dem Wege gehen.

   Der Denker bat Seine Schüler, wenn auch nur für einige Tage, einmal nicht an irdische Güter zu denken. So könne sich klares Denken einstellen.

 

   505. Urusvati weiß, dass Wir irdische Erfolge mitunter betrauern. Über sogenannte irdische Not kann man sich dagegen freuen. Irdischer Erfolg oder Misserfolg erlangen aus überirdischer Sicht eine völlig andere Bedeutung. In der Feinstofflichen Welt vergisst man irdisches Unglück, doch klar erinnert man sich der Folgen solcher Erschütterungen.

   Ein verfeinerter Geist wünscht sich auf der Erde Kämpfe und Fortschritte. Für ihn sind jegliche Erschütterungen und Schmerzen nur Impulse für Errungenschaften. Die verfeinerte Natur sucht kein Wohlergehen, da sie nach Vervollkommnung strebt.

   Es ist falsch zu meinen, dass auf der Erde Leiden geboten sei – Vervollkommnung ist geboten, doch disharmonische Bedingungen können verschiedene Schmerzen verursachen. Wie aus einer zu engen Grotte kämpft sich der Mensch zum fernen Licht durch. Wie viele Schrammen und Wunden zieht er sich an scharfen Felsvorsprüngen zu. Welche Aufstiege an glitschiger Felswand stehen bevor, wo er sich an nichts klammern können wird, wenn in ihm keine Vorstellung von der Hierarchie lebt. Wo Gefahr entsteht, eilen Wir zu Hilfe. Nicht selten tritt sie gerade bei irdischen Erfolgen auf.

   Der Bewertung von Erfolg und Misserfolg liegt ein Maßstab eigener Art zugrunde. Die irdische Umgebung steht allzu nah vor Augen und hindert so, die Folgen klar zu erkennen. Ohne überirdische Betrachtung ist es unmöglich, über das irdische Gleichgewicht zu urteilen. Ihr wisst, wie vielfältig Unsere Hilfe zu sein pflegt. Manchmal halten die Menschen sie für ein Unglück, weil sie die Folgen noch nicht verstehen können. So ist es auch

[Russisches Original. Seite 467.]


 

jetzt, da viele die Ereignisse nicht zu fassen vermögen. Doch um das Kostbarste zu retten, muss man auf gewisse Gründe verzichten.

   Später wird man nicht mehr wissen, aus welchem Anlass diese Worte gesprochen wurden, und man wird sogar den Begriff des Harmagedon wieder vergessen. Doch ihr wisst, in welch einer angespannten Stunde Wir sprechen. Allein der überirdische Maßstab vermag das Gleichgewicht zu geben.

   Als der Denker sah, dass die Mitbürger sich zum Krieg rüsteten, sprach Er: „Freunde, denkt nur an die Heimat!“

 

   506. Urusvati weiß, dass die Menschheit auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgreich sein wird, doch muss gerade dieses Axiom auch verstanden werden. Die Wissenschaftler haben das Recht, sich für Kulturträger zu halten, doch werden wir viele Arten von Wissenschaftlern unterscheiden, unter denen sich nur wenige finden werden, welche die Bedeutung des zukünftigen Wissens anerkennen.

   Wir wollen die Wissenschaft nicht in eine materialistische und eine idealistische, in eine irdische und eine überirdische einteilen. Möge nur die hauptsächliche Grundlage des Fortschritts offenbart werden: Die psychische Energie muss auf den verschiedensten Lebensgebieten Anwendung finden. Erkenntnis wird nicht vorwärts gerichtet sein, wenn sie nicht von der uranfänglichen Kraft beflügelt ist. So kann man fleißige Wissenschaftler sehen, die bedeutsames Material sammeln, ohne es jedoch zu einer herrlichen Entdeckung zusammenfassen zu können. Auf der anderen Seite lassen sich Wissenschaftler finden, die sogar mit geringen Mitteln Erfolg haben und zu nützlichen Neuerungen gelangen. Sie sind fähig, die psychische Energie anzuwenden, vielleicht bewusst, und wenn unbewusst, dann ohne ihr zu widerstreben.

   Stellt eine Liste hervorragender Wissenschaftler zusammen, die bereits Arbeiten über die feinstofflichen Energien durchführen. Ihr werdet sehen, dass sich in verschiedenen Ländern eine Bewegung vollzieht, die jedoch noch ohne Einigkeit ist. Die Wissenschaftler nähern sich einem Verständnis der psychischen Energie jeweils auf ihre Weise. Man kann sehr erstaunt sein, in welchem Maße sie der einen Energie verschiedene Bezeichnungen zu geben versuchen; gerade so, als ob irgendeine Kraft sie zwingen würde, von der einfachsten Lösung abzuweichen. Stellt euch indessen vor, wie sehr die voneinander getrennt verlaufenden Versuche sich bei Einigkeit gegenseitig verstärken würden. Dies würde die Wissenschaftler auch lehren, die Forschungen ihrer Mitbrüder zu achten. Von einer solchen Achtung ist allerdings nichts zu sehen.

[Russisches Original. Seite 468.]


 

   Ein mutiger Beobachter wird unausbleiblich die feinfühligsten Mitarbeiter um sich herum sammeln. Man darf ihn nicht einer unzureichenden Spezialisierung anklagen, denn die psychische Energie erfordert weitgefasste Beobachtungen. Es ist notwendig, Wissen aus alten Zeiten zu sammeln. Solche Aufzeichnungen dürfen nicht als bloße Erfindungen bezeichnet werden. Das unvoreingenommene Auge wird ganz im Gegenteil viele wissenschaftliche Hinweise finden. Dabei wird erkennbar werden, dass für ganze Epochen das Irdische und das Überirdische keine Gegensätze waren. Die psychische Energie wird nur dann in Begeisterung versetzen, wenn sie als Verbindung aller Welten verstanden wird. Die Wissenschaft der Zukunft wird sich als Quelle der erhabensten Lösungen offenbaren.

   Der Denker lehrte seine Schüler, dass Wissenschaft schön sein muss und sie dann unbegrenzt sein wird.

 

   507. Urusvati weiß, dass der Begriff der Intuition Fehldeutungen ausgesetzt ist. Sogar jene, die die Intuition anerkennen, verhalten sich ihr gegenüber nicht behutsam. Man stellt es sich so vor, dass gewisse Menschen von ihr in Begeisterung versetzt werden, ohne dass von deren Seite eine Teilnahme erforderlich wäre. Es fließt etwas vom Himmel und macht die Menschen scharfsichtig. Niemand überlegt, welche Aufspeicherungen bei diesen Menschen vorhanden sein und welche Anspannungen sie erleiden müssen.

   Man muss es nicht für euch wiederholen, welch feinste Verbindungen zwischen den Räumen bestehen, doch widerfährt es euch oft, andere Menschen von der Notwendigkeit überzeugen zu müssen, der Intuition gegenüber behutsam zu sein. Niemand stellt sich vor, wie gering die Zahl jener ist, die diese Eigenschaft bereits entwickelt haben. Dabei kann sie nur teilweise auf bestimmte Bereiche hin ausgerichtet werden. Wenn jemand nur in Bezug auf seine Verwandten Vorahnungen hegt, physische Erscheinungen vorhersagen oder etwas Beliebiges über sich selbst bemerken kann, so bedeutet dies nicht, dass ein solcher Mensch auch zu anderen Ereignissen in Resonanz zu stehen vermag. Daher ist es richtig, von den Menschen nur das zu erwarten, was sie in einem bestimmten Moment auch geben können.

   Es ist ein großer Fehler, Menschen zu etwas zu zwingen, was sie in einem gegebenen Moment nicht erfühlen können. Das Meer feinster Schwingungen ist unerschöpflich und kann von einem einzigen Menschen nicht erfasst werden. Man muss wissen, dass Intuition auch ein Verstehen des Zustandes Nahestehender erfordert. Allein bei gegenseitiger Behutsamkeit wird die innere

[Russisches Original. Seite 469.]


 

Stimme gereinigt.

   Man kann die innere Stimme bis zu einem Grad verstärken, dass sie nicht mehr verstummt, doch bei der Unordnung der irdischen Schwingungen raten Wir nicht dazu, die irdischen Einflüsse in einem solchen Maße zu missachten. Stellt euch einen Menschen in der irdischen Wirklichkeit vor, der ununterbrochen seiner inneren Stimme lauscht. Er wird einem Radiohörer gleichen, der seine Arbeit liegengelassen hat, nur um von außen Kommendes zu hören. Ohne Schlaf und Nahrung wird er sterben.

   So möge die innere Stimme erklingen, wenn sie von einer gleichklingenden Schwingungen berührt wird. Auf diese Weise wird der Mensch mit der höchsten Welt verbunden sein, ohne den irdischen Pfad zu verlassen, und das Gleichgewicht wird nicht gestört.

   Die Lehrer aller Zeiten sprachen davon, dass der irdische Weg unter irdischen Bedingungen verlaufen muss. Man kann nur zeitweilig von den irdischen Aufgaben abgehen, um dann um so nutzbringender der Menschheit zu Hilfe zu eilen.

   Mögen die Menschen alle ihnen anvertrauten Schätze hüten, unter ihnen vor allem die psychische Energie. Man darf nicht denken, weil sie uranfänglich sei, bedürfe sie keiner Behutsamkeit. Jede kosmische Substanz erfordert Harmonie; dies ist die Ökonomie des Weltalls.

   Der Denker bestätigte: „Bewahrt Harmonie, denn man kann sie wie ein äußerst feines Gefäß zerschlagen.“

 

   508. Urusvati weiß, dass Wir Tatmenschen ausbilden, die unbeugsam, willensstark und arbeitsam sind. Es lassen sich jedoch nicht oft Menschen finden, die schon zur Aufnahme bereit sind. Man muss ganze Generationen abwarten, bis die Zahl neuer Mitarbeiter zunimmt. Es zeigt sich, dass sie durch die unterschiedlichsten irdischen Bedingungen voneinander getrennt sind. Oftmals erkennen sie einander gar nicht, und ihre Kräfte können sich nicht zusammenschließen. Überdies sind sie schon von klein auf Gegenstand von Unterdrückung und Spott. Sie gleichen den sie Umgebenden nicht, und ihre Fähigkeiten erregen Neid.

   Man darf sich nicht wundern, dass ihr Leben nicht leicht ist. Sie sind wie Vögel in einem Käfig, und selbst wenn der Käfig golden ist, wird er dennoch ein Kerker sein. Doch mögen diese Kühnen nicht in Verzweiflung fallen. Wir nehmen jeden ihrer Schritte wahr und wenden viele

[Russisches Original. Seite 470.]


 

Gefahren von ihnen ab. Möge jedoch jeder, der den Impuls des Dienstes in sich spürt, behutsam voranschreiten. Beim Großen Dienst muss jede Unbesonnenheit ausgeschlossen sein.

   Ich sage den Tatmenschen: Lasst keine Verwirrung bei euch zu, selbst wenn ihr Bedenken gegenüber einer Sache tragt, sondern vergleicht die euch vorgesetzten Erwägungen streng mit der Wahrheit. Denkt daran, dass Verwirrung ein Wurm der Zersetzung ist. Wir haben viel über den Zweifel gesprochen, doch seid in der Lage, auch die Schwingungen der Verwirrung klar unterscheidend zu erkennen.

   Für Kurzsichtige liegen Furcht, Zweifel und Verwirrung in demselben Korb, doch Weitsichtige müssen die verschiedenen Schwingungen dieser Eigenschaften voneinander unterscheiden können. Einige meinen, Verwirrung sei eine Form der Bescheidenheit, doch haben beide nichts miteinander gemein. Verwirrung stellt eine Trübung der Gefühle dar, doch müssen die Gefühle gerade der Tatmenschen klar und von gespannter Aufmerksamkeit sein. Allein in dieser Wachsamkeit wird der Tatmensch die Giftschlange bemerken.

   Mögen sich in jedem beliebigen Land Tatmenschen entwickeln, die im vollen Sinn des Wortes tätig sind. So wünschen Wir, dass das Überirdische im vollen Maße mit den irdischen Arbeiten zu einer Einheit verbunden wird.

   Der Denker wurde nicht müde, darauf hinzuweisen, dass ein Tatmensch ein Diener der höheren Gesetze sein muss.

 

   509. Urusvati weiß, dass jedes Korn Wahrheit wohlwollend aufgenommen werden muss, ohne Unterschied, woher die Wahrheit kommt. Sie kann in einer beliebigen Sprache formuliert werden. Sie kann mit den Gewändern jedes Jahrhunderts bekleidet sein. Sie kann in unterschiedlichen Umständen verkündet werden. Es gibt weder eine alte noch eine neue Wahrheit. Wer kann verbürgen, dass eine bestimmte Wahrheit nicht bereits auf einem verschwundenen Kontinent verkündet wurde? Die einen Verkünder zeichneten sich durch eine hohe Gelehrsamkeit aus, während andere sogar Analphabeten und dennoch Säer der Wahrheit waren.

   Weshalb erinnern Wir daran? Es treten Menschen auf, die sich der Wahrheit bemächtigen und versichern, allein über sie könne die Wahrheit offenbart werden. Es ist jedoch Zeit, daran zu erinnern, dass der Weg der Wahrheit weitgefasst ist. Ihr Haupthindernis ist die Unduldsamkeit. Glauben jene Usurpatoren etwa, dass ihr Gebäude feststehe? Je mehr Duldsamkeit und Wohlwollen herrschen, desto fester ist die Grundlage. Jeder Schritt der Wahrheit ist auf das Gemeinwohl gerichtet, und dieses wird der Maßstab sein.

[Russisches Original. Seite 471.]


 

   Man wird fragen: „Wo ist denn die Liebe, die Stütze der Welt?“ Kann aber das Gemeinwohl etwa ohne Liebe existieren? Überhaupt möge weniger Verurteilung, sondern mehr Aufmerksamkeit herrschen. Lasst uns sehen, in welchen Gewändern die Wahrheit in verschiedenen Jahrhunderten in Erscheinung trat. Einmal nackt, doch dann wieder auch in prunkvollem Gewand. Leider wird die nackte Wahrheit nicht immer angenommen. Wir sagen dies, damit die Tatmenschen die Wahrheit in weitem Maß verstehen. Wohlwollen muss man erziehen, dass es seine Aufrichtigkeit bewahre. Bei der irdischen Verwirrung ist es schwer, echtes Wohlwollen zu finden, doch ohne Wohlwollen ist selbst eine einfache Belehrung nicht aufnehmbar. Daher ist das Gesagte nichts Abstraktes, sondern eine höchst lebenswichtige Realität.

   Der Denker lehrte: „Der Erfolgreiche zeichnet sich durch Wohlwollen aus.“

 

   510. Urusvati weiß, dass Ruhe umso notwendiger ist, je komplizierter die Umstände sind. Nehmt dies nicht als eine Moralpredigt, sondern als einen ärztlichen Rat. Es ist kaum vorstellbar, in welchem Maß komplizierte Ströme den Organismus in Mitleidenschaft zu ziehen vermögen. Daher sind Autosuggestion und Ruhe so sehr nützlich.

   Die Menschen vergiften sich und ihre Umwelt mit Gereiztheit. Dies ist bekannt, und Imperil wird bereits in vielen Büchern erwähnt, ohne dass die Menschen darauf achten. Überdies versichern sie im Zustand der Gereiztheit, völlig ruhig zu sein. Seien wir ehrlich uns selbst gegenüber. Vergessen wir auch nicht, dass ein Augenblick des Schweigens eine Welle der Verwirrung zu beruhigen vermag.

   Mögen die Ärzte die Menschen untersuchen, während diese sich in Verwirrung und Gereiztheit befinden. Sie werden die Wurzeln der künftigen Krankheiten finden. Die Beobachter werden erstaunt sein, dass bei Trübung einer harmonischen Verfassung Keime aller Arten von Erkrankung in Erscheinung treten. In Ruhe bleiben sie verborgen und können nicht erkannt werden, doch bei finsteren Einwirkungen treten sie zutage. Früher riet der Arzt dem Kranken vor einer Untersuchung, zur Ruhe zu kommen, doch nun wird der Arzt einen solchen Zustand als nicht aufschlussreich finden. Es ist natürlich nicht leicht, den Kranken zu untersuchen, wenn er verwirrt ist. Dazu ist volle Beobachtungsfähigkeit erforderlich, und es wird lehrreich sein zu sehen, wie alle Arten finsterer Kräfte bereits in Mitleidenschaft gezogene Organe wecken.

[Russisches Original. Seite 472.]


 

   So vermehren sich in allem Existierenden die schlechten Eigenschaften, wenn etwas sie hervorruft. Etwas Böses gedanklich in Erwägung zu ziehen, wird bereits Schaden bewirken.

   Der Denker bat: „Seid eure eigenen Ärzte. Das Heilwasser des Guten wird ein ausgezeichnetes Mittel sein.“

 

   511. Urusvati kennt viele Eigenschaften der psychischen Energie. Ihr Wesen bleibt unverändert, doch um dieses Korn herum können überaus verschiedenartige Eigenschaften gelagert sein. So wäre die Auswirkung der Zusammensetzung des Blutes zu nennen. Zur Zeit widmet man den rassischen Unterschieden viel Aufmerksamkeit. Diese Unterschiede lassen sich jedoch nicht nur bei der Blutzusammensetzung feststellen, sondern auch bei den Eigenheiten der psychischen Energie.

   Die Menschen können die Wirkung des Denkens einiger Völker stärker wahrnehmen, während sie in anderen Fällen unberührt bleiben. Neben Atavismus und karmischen Ursachen kann man eine Ursache dafür auch in der Zusammensetzung des Blutes suchen, die auf die psychische Energie einwirkt. Man kann unmöglich aufzählen, wie viele Verbindungen zwischen den Menschen bestehen. Es müsste das Menschengeschlecht beschämen, dass es seine Verbindungen und Eigenschaften nicht studiert. Die Psychologie muss sich mit allen wissenschaftlichen Gebieten befassen, die das künftige irdische Leben zu erhellen vermögen.

   Der Gedanke findet bei den anerkannten Wissenschaften noch kein Obdach, doch die Psychologie kann zu einem einzigartigen Bollwerk der Erforschung des Gedankens werden, anders gesagt, der psychischen Energie. Jetzt ist es besonders notwendig, diese Fragen auf wissenschaftlichen Boden zu stellen. Dafür jedoch ist die Zusammenarbeit einer ganzen Reihe von Wissenschaftlern erforderlich, die auf verschiedene Laboratorien verteilt sind.

   Ist es nicht beschämend, dass sich die Wissenschaften bis auf den heutigen Tag in verschiedene Lager aufteilen, die keine Verbindung miteinander haben? So kommt es vor, dass die einen Wissenschaften als unbestreitbar erachtet werden, man die Glaubwürdigkeit anderer jedoch in Zweifel zieht. Natürlich beruht ein solcher Zweifel auf Unwissenheit und Vorurteil.

   Man kann sich nicht vorstellen, wie hartnäckig Vorurteile herrschen. Dies muss man von den Palästen bis zu den Hütten unablässig wiederholen, und wahrscheinlich sind die Vorurteile in den Palästen noch am stärksten. So muss man immer wieder von der Bestimmung der Wissenschaft sprechen.

[Russisches Original. Seite 473.]


 

   Der Denker lehrte: „Lernt es, der Wissenschaft die Tür zu öffnen. Es wäre beschämend, müsste sie mit abgerissenem Gewand in der Kälte stehen bleiben. Hört ihr, wie das Wissen anklopft?“

 

   512. Urusvati weiß, dass überirdische Explosionen alle irdischen Explosionen übertreffen. Niemand hört sie mit dem irdischen Ohr, doch kann allein ein geöffnetes Gehör die volle Anspannung wahrnehmen, die von ihnen erzeugt wird.

   Viele sind der Meinung, dass Personen, die irdische Macht innehaben, die überirdische Schlacht in besonderem Maße spüren müssten, doch das pflegt in Wirklichkeit nicht so zu sein. Irdische Machthaber sind gewöhnlich weit davon entfernt, überirdische Vorgänge wahrzunehmen, doch gibt es manche Gesandte, welche die Bürde dieser Welt tragen. In viel höherem Maße können sie als irdische Häupter bezeichnet werden, da sie eine große irdische Last aushalten müssen.

   Die Menschen wissen nicht, auf welchen Säulen und treibenden Kräften das Gleichgewicht ruht. Doch die Zerstörer wissen, woher die psychische Energie kommt. Ihre Geschosse fliegen um die Auserwählten. Die Menschen richten auf solche Schlachten auf der überirdischen Ebene keinerlei Aufmerksamkeit. Noch existieren keine Apparate, die gleich einem Seismographen[12] überirdische Anspannungen feststellen könnten.

   Man kann sich vorstellen, welche psychischen Wirbelstürme die Grenzen der Feste[13] überschreiten und sich mit höheren Energien vereinigen. Eine solche besondere Zeit weist auch besondere Zeichen auf. Doch die Menschen bleiben weiter in den irdischen Maßstäben und gleichen sich den Heuschrecken an. Der Lehrer rät, als irdischen Schild Ruhe zu bewahren.

   Der Denker sprach: „Sie schützen uns auf allen Wegen, und der offenbarte Schild steigt von oben herab. Mögen wir auch einen Schild besitzen, der uns vor den irdischen Pfeilen schützt.“

 

   513. Urusvati weiß, dass Wir Furcht und Misstrauen nicht gutheißen und diese Eigenschaften der Unwissenheit zuschreiben. Zur gleichen Zeit bestehen Wir auf Wachsamkeit und Vorsicht, die beide einem erleuchteten Zustand eigen sind. Für unkluge Menschen ist es nicht leicht, die Grenzen zwischen den verschiedenen Gefühlen zu finden. Misstrauen nennen sie Vorsicht, und Angst halten sie für Wachsamkeit. Auf diese Weise werden beste Eigenschaften in einen schmachvollen Zustand überführt. Der Kluge wird jedoch verstehen, wo auf Einsicht gegründete

[Russisches Original. Seite 474.]


 

Vorsicht unerlässlich ist.

   Wenn die Welt in Wirrnis erschaudert, wird der Unvorsichtige ein Dummkopf sein. Der Kluge wägt alle Ursachen ab und kann die Entstehung von Schäden klar einschätzen. Er belässt die Giftschlange nicht auf der Schwelle, da die Entstehung von Bösem giftige Früchte zeitigt. Er wird nicht sagen, dass es nicht lohne, seine Aufmerksamkeit auf einen kleinen Skorpion zu richten, denn auch ein kleiner Biss kann tödlich sein. Der Kluge versteht besonders gut, dass solche kosmischen Anspannungen herrschen können, dass die ganze Aufmerksamkeit auf die Lage des Planeten gelenkt werden muss.

   Ihr habt bemerkt, dass die gewohnte Arbeit mitunter von höheren Sorgen verdrängt werden kann. Solche Sorgen sind meist nicht in Worte zu fassen, doch das Bewusstsein spürt, wie angespannt der Raum ist. Wenn der Organismus Ströme starker Anspannung aufnimmt, kann er erkranken. In solchen Stunden wäre es nicht erlaubt zu sagen, dass Aufmerksamkeit unnötig sei. Im Gegenteil, es muss jede Wachsamkeit begrüßt, jegliche Furcht aber missbilligt werden.

   Wir sprechen vom Irdischen und vom Überirdischen, denn es fällt uns, die Wir ständig auf der Wacht stehen, nicht schwer sagen, dass Wir Unsere Wachsamkeit noch verstärken. Glücklicherweise ist diese Eigenschaft unerschöpflich. Auch ihr zögert nicht zu wiederholen, dass in einer Stunde höchster Anspannung auch höchste Wachsamkeit gezeigt werden muss. Nicht Furcht nötigt euch zu einer solchen Verwirklichung, sondern der Wunsch, in bestem Maß zu dienen. Aus einem solchen Wunsch entstehen Helden. Wir haben von den Eigenschaften eines Helden gesprochen. Zum Glück kann ein Held auf jedem beliebigen Platz im Leben stehen.

   Der Denker sprach zu Seinen Schülern: „Fühlt euch als Helden und erspürt, welche Heldentat ihr heute vollbringen könnt.“

 

   514. Urusvati weiß, dass die psychische Energie ernsthaft erforscht werden wird. Zur Zeit nehmen die Menschen nur primitive Formen ihrer Gegenwart wahr, doch die nahe Zukunft wird zeigen, dass alle wissenschaftlichen Errungenschaften mit der psychischen Energie verbunden sind. Hierbei wird man zwei Aspekte unterscheiden: einen willkürlichen und einen unwillkürlichen. Der letztere wird die besondere kosmische Bedeutung der uranfänglichen Energie offenbaren.

[Russisches Original. Seite 475.]


 

   Die Menschen beginnen bereits, die Bedeutung des Gedankens zu verstehen und versuchen, ihn anzuwenden. Auch Willenssendungen werden allmählich zu einer Tatsache. Weitaus geheimnisvoller aber bleibt noch die Frage der unwillkürlichen Äußerung der Energie. Bis heute erkennen die Menschen es nicht an, dass starke Äußerungen der Energie räumliche Bedeutung haben könnten. Es lässt sich jedoch beobachten, dass manche Tatmenschen Energie ausstrahlen, ohne es selbst zu wissen. Eine solche Macht ergießt sich über weite Entfernungen hinweg.

   Warum bemerken diese Tatmenschen es nicht, wenn sie zu einer vielleicht großen Sache beitragen? Sie arbeiten in Übereinstimmung mit dem Willen des Kosmos. Sie können eine solche Zusammenarbeit nicht vermeiden, so wie eine Saite auf eine gesandte, hohe Schwingung hin schön erklingt. Solche Tatmenschen verstärken die planetaren Ströme. Es muss natürlich erforscht werden, ob sie es als Retter oder Zerstörer der Menschheit tun.

   Ohne Mühe lassen sich die verblüffendsten Erscheinungen im Umkreis mancher Tatmenschen beobachten. Die Menschen sind jedoch nicht in der Lage, an solche Erscheinungen heranzugehen; sie haben noch nicht einmal Bezeichnungen für die verschiedenen Wahrnehmungen. Mögen sie ihre Aufmerksamkeit auf die gegenseitige Berührung von Irdischem und Überirdischem lenken. Mögen sie aufmerksam beobachten, so wie es für freie Wissenschaftler angebracht ist.

   Der Denker lehrte: „Lasst uns nicht vergessen, dass jeder von uns höhere Erscheinungen zu sehen vermag. Möge er sie jedoch vor allem auch in seinem Geist zulassen.“

 

   515. Urusvati weiß, dass Evolution freiwillig sein muss. Im Bogen der Evolution kann keinerlei Zwang herrschen. Die Menschen wollen nicht wissen, dass sich diese Grundlage auf alle Arten von Evolution bezieht. Jede, auch die kleinste Evolution ist mit der großen kosmischen Evolution verbunden.

   Mögen die Urheber von Kriegen darüber nachdenken, in welchen Strudel sie den Planeten stürzen. Selbst wenn ein Krieg nur einige Länder erfasst, bringt er dem ganzen Planeten Zersetzung. Niemand denkt darüber nach, dass Krieg eine Krankheit des Planeten darstellt. Man kann verfolgen, welche Vervollkommnungsprozesse des Lebens durch frühere Kriege unterbunden wurden. Doch wo sich eine gesunde und erfolgreiche Entwicklung vollziehen kann, sind Krämpfe nicht erforderlich.

[Russisches Original. Seite 476.]


 

   Die Empfindung von Schmerzen erfüllt den Raum! Explosionen erschüttern die Laboratorien, in denen für die Gesundung der Völker gearbeitet wird. Mögen die Menschen darüber nachdenken, ob sie nicht etwas Unwiederholbares zerstören, vielleicht etwas, das in Jahrhunderten von Weisen entwickelt wurde. Es ist leicht, etwas zu zerstören, doch es ist nicht üblich, in kosmischem Ausmaß zu denken. Nun aber ist es an der Zeit, sich vor Augen zu halten, welcher Schaden in der Feinstofflichen Welt entsteht. Zeigt vertieftes Verstehen der Verbindung der beiden Welten.

   Wir haben gesagt, dass Evolution freiwillig sein muss. Versteht dies in jeglicher Hinsicht. Evolution muss nicht nur frei von Zwang, sondern auch ganz von gutem Willen erfüllt sein. Mancher meint, dass Evolution nur von höheren Kräften geschaffen werde und menschliche Teilnahme zwecklos sei. Dieser Irrtum zeitigt eine Fülle verderblicher Folgen. Die Menschen müssen als Mitarbeiter an der Evolution teilnehmen.

   Die Menschen müssen den guten Willen anspannen, um ihre angesammelten Kräfte dem Strom der höheren Energien hinzugeben. Der Mensch kann gegenüber der Vervollkommnung des Lebens nicht teilnahmslos sein. Er muss, als ein Hüter der Vervollkommnung, auf der Wacht stehen.

   Es ist notwendig zu verstehen, dass Verdammungen und Verurteilungen eine schlechte Waffe sind. Man kann sehen, wie sich das Karma der Völker gestaltet. Jene, die viele Verdammungen aussprachen, sammeln eine schwere, dunkle Wolke über sich. Evolution ist die Wandlung zum Besseren. Möge jeder Mensch darüber nachdenken, was er für das Allerbeste hält. Mag er anfangs auch noch fehlgehen und Exzesse der Selbstsucht für etwas Gutes halten, doch wenn er seine Betrachtungen vertieft, wird er schließlich in sich die Funken des Gemeinwohls finden.

   Lasst uns keine komplizierten Bezeichnungen und Betrachtungen fordern, die Evolution ist harmonisch und einfach in der Schönheit ihrer Zweckmäßigkeit. So lasst uns für das Gemeinwohl arbeiten, in dem Wissen, dass jeder aufrichtige Wunsch des Guten bereits ein wirklicher Beitrag sein wird, und lasst uns dabei das Wohlwollen erlernen.

   Der Denker sprach: „Wenn wir sämtliche bitteren Kräuter sammeln, wird auch unsere Suppe überaus bitter sein.“

[Russisches Original. Seite 477.]


 

   516. Urusvati weiß, dass jegliche Achtlosigkeit höheren Erscheinungen gegenüber unzulässig ist. Man sollte meinen, dass dieser Hinweis völlig klar wäre, doch ruft er Fehldeutungen hervor. Die Menschen streiten sich darüber, was eine höhere Erscheinung sei. Sie möchten beweisen, dass solche Erscheinungen derart selten seien, dass man ihnen im Leben unmöglich begegnen könne. Auf diese Weise befreien sich die Schlauköpfe von der Suche nach höheren Erscheinungen inmitten des menschlichen Daseins.

   Doch die Weisen wissen, dass höhere Erscheinungen gerade inmitten der irdischen Existenz auftreten können. Sie verstehen, dass sich jeder Mensch in einem Augenblick von Begeisterung schon in einem überirdischen Zustand befindet. Er vermag gerade solche Empfindungen zu verspüren, die an Höherem teilhaben. Ein jeder solcher Zustand stellt eine Wahrnehmung von etwas Überirdischem dar. Er macht den Menschen hellsichtig und hellhörig, nur muss er diese in ihm natürlich vorhandenen Eigenschaften auch erkennen.

   Einige Denker sind der Auffassung, dass ein ständiges Teilhaftigwerden von höheren Erscheinungen höher stehe als eine einzelne besondere Erschütterung. Es wäre zu wünschen, dass die Menschen es lernten, ihren Organismus für einen beständigen Verkehr mit Höherem zu verfeinern. Dennoch würde eine einzige starke Erscheinung ihnen zeigen, was die unbegrenzte Höhere Macht bedeutet.

   Das Gefühl angespannter Aufmerksamkeit verfeinert den Organismus, doch muss auch die Anspannung erprobt werden, die vor dem feurigen Tor entsteht. Erst dann wird der Mensch tapfer. Weisheit ist tapfer, wenn sie auf Erprobung gegründet ist. Niemand vermag für sich selbst zu bürgen, solange er nicht vor die Feurigen Kräfte gestellt wird. So muss man für die Möglichkeit höherer Erscheinungen offen sein und solche Offenbarungen lieben lernen. Jede Achtlosigkeit wird bereits ein Zurückweichen in die Finsternis sein.

   Der Denker schlug vor, Tapferkeit bei jeder gewöhnlichen Erscheinung zu erproben. Er sprach: „Wer tapfer die häuslichen Sorgen zu lösen vermag, der wird auch nicht vor einem Überraschungsangriff erschrecken.“

 

   517. Urusvati weiß, dass Ruhe ein relativer Begriff ist. Wir weisen auf die Unerlässlichkeit hin, Ruhe zu bewahren, wissen jedoch, dass dies selbst bei gutem

[Russisches Original. Seite 478.]


 

Willen nur bis zu einem bestimmten Grad erreicht werden kann. Doch wenn ein Mensch sich die Notwendigkeit der Ruhe immer wieder vor Augen hält, vermag er sie trotzdem in gewissem Maße zu erlangen.

   Lasst uns den Menschen nicht vorwerfen, dass sie die Bedeutung einer ärztlich verordneten Ruhe nicht begreifen. Unter Ruhe verstehen sie mitunter völlige Untätigkeit und Gedankenlosigkeit, doch muss Ruhe als Harmonie des Denkens erkannt werden. Einsiedler könnten gefragt werden, wie sie Gleichgewicht erreichen. Sie werden erklären, dass der Gedanke an die Zweckmäßigkeit des Weltalls die beste Hinführung zur Ruhe ist.

   Die Menschen können feststellen, in welch weitem Maße sich zurückliegende Sorgen nach einigen Jahren als nichtig erweisen; auf diese Weise erkennen wir einen Prüfstein. Hierbei erweist sich, dass viele groß scheinende Ereignisse ihre ganze Bedeutung verloren haben, kleine Wendungen in der Entwicklung jedoch Bedeutung erlangen können. Sie werden im Gedächtnis der Menschheit bewahrt, da das Bewusstsein seine eigenen, tiefliegenden Maßstäbe besitzt.

   Ein Arzt bestätigte, dass er in einigen Fällen düsterer Verzweiflung eine entgegengesetzte Taktik anwende. Wenn der Kranke beteuere, dass alle gegen ihn seien, füge der Arzt hinzu: „Nun vergessen Sie nicht die Möglichkeit von Erdbeben; bei einer solchen Katastrophe werden sämtliche menschlichen Winkelzüge nichtig.“ So muss man auch über die Ruhe Betrachtungen anstellen. Es kann sowohl beständige Ruhe als auch beständige Unrast geben. Unmöglich ist es jedoch, bei ständiger Ruhelosigkeit voranzuschreiten, und Begeisterung kann nicht denjenigen ergreifen, dessen sich Unruhe bemächtigt hat.

   Der Denker sprach: „Ein unruhiger Mensch gleicht einem Sack voller Nussschalen.“

 

   518. Urusvati weiß von der inneren Bedeutung irdischer Erfolge und Misserfolge. Über kurze Fristen hinweg kann man aufschlussreiche karmische Erscheinungen beobachten. Es lässt sich sehen, dass mitunter eine einzige kleine Handlung den Kelch zum Überlaufen brachte. Es lässt sich sehen, dass ein Misserfolg sich als das beste Tor zum Sieg erwies. Es lässt sich sehen, dass sich verlogene Pracht in Armseligkeit verwandelte.

   Man kann alle möglichen lebendigen Erscheinungen beobachten, und allein das Studium

[Russisches Original. Seite 479.]


 

der Vergangenheit kann eine gewisse Aufklärung über die Ursachen geben. Doch wer die meisten Ursachen kennt, vermag auch über höhere Gerechtigkeit zu urteilen. Oftmals bezeichnen die Menschen als Unglück, was nur eine unausweichliche, schon vor langer Zeit geschaffene Folge ist.

   Eine Erscheinung auf der Erde stellt nicht nur eine Offenbarung irdischer, sondern auch überirdischer Ursachen dar. Vergessen wir nicht, dass die von den Menschen durch ihre Taten geschaffenen Verflechtungen in der Feinstofflichen Welt weiter andauern. Natürlich könnte vieles in der Feinstofflichen Welt beendet werden, doch erfolgt eine solche Lösung nicht oft. Die Bewohner der Feinstofflichen Welt sind imstande, die Zeit des gesamten Aufenthaltes mit den irdischen Folgen zu vergeuden. Sie besitzen nicht genügend Entschlusskraft, den vergangenen Irrtümern ein Ende zu setzen und eilig ihr Bewusstsein zu erneuern. Indessen gewährt die Feinstoffliche Welt viele Möglichkeiten zu einer solchen Erneuerung. Man kann höchste Unterweisungen erhalten, doch werden diese überirdischer Natur sein. Mögen die Menschen es lernen, überirdische Belehrungen bereits inmitten des irdischen Lebens anzuwenden.

   Der Denker verfügte: „Mögen die Menschen das Leben aus der überirdischen Quelle bereichern.“

 

   519. Urusvati weiß, dass das Irdische und das Überirdische als eine untrennbare Wirklichkeit verstanden werden müssen. Die Menschen behindern ein solches Verstehen sehr. Die einen setzen das Irdische herab, andere schmähen das Überirdische.

   Wir senden einen Gedanken über die Harmonie dieser Prinzipien, doch ist es schwer zu erklären, dass Weitsicht und Kurzsicht qualitative Eigenschaften darstellen, von denen man weder der einen noch der anderen den alleinigen Vorzug geben darf. Der Weitsichtige lässt nahegelegene Gegenstände aus seinem Blickfeld entweichen, während der Kurzsichtige nicht die Schönheit der Ferne zu erkennen vermag. Man muss aber erkennen, dass beide Eigenschaften ihren Vorzug besitzen. Ebenso wenig wollen wir das Irdische zum Ruhme des Überirdischen herabsetzen. Die Ganzheit des Weltalls stellt Schönheit dar, und der Mensch muss die ganze Schöpfung lieben lernen, nur dann vermag er seine Bestimmung zu erfüllen.

   Oftmals brüsten Yogis sich mit ihren Errungenschaften, vergessen dabei jedoch, dass ein in Harmonie tätiger Arbeiter nicht geringer ist als sie. Es muss auch noch von dem Streben nach einem langen Leben gesprochen werden. Wenn seine Ursache nicht eine besondere Aufgabe ist, kann es sogar im Widerspruch zum Gesetz der Natur stehen. Alle natürlichen Erscheinungen müssen

[Russisches Original. Seite 480.]


 

in Harmonie verlaufen, und der Mensch muss den Bedingungen der Welt ein aufmerksames Gehör schenken. So wird er verstehen, was natürlicher Yoga und eine wahre Verbindung mit dem Höchsten ist.

   Wir haben hinreichend über die drei Welten gesprochen, die klar erkannt werden müssen. Es ist keine Evolution zu erwarten, wenn die Grundlagen des Daseins nicht anerkannt werden. Es kann dann Krämpfe, es kann Zerstörungen geben, in denen Elemente der Evolution vernichtet werden können. So lasst uns aufmerksam auf das Stöhnen des Raumes hören.

   Der Denker sprach: „Seid aufmerksam, ob euer Ohr nicht das Stöhnen des Raumes auffasst!“

 

   520. Urusvati weiß, wie eilig sich bisweilen irdische Ereignisse bilden, sogar außerhalb menschlicher Erwägungen. Man muss darüber nachdenken, ob solche Prozesse sich allein auf der Erde vollziehen können. Solche Ereignisse bezeugen, dass etwas Überirdisches in Erscheinung tritt.

   Wahrlich, man kann sich von dem Vorhandensein der überirdischen Wirklichkeit überzeugen, wenn man das Geschehen auf der Erde beobachtet. Doch die Menschen neigen dazu, die Ereignisse für zufällige Verkettungen von Einzelelementen zu halten. Sie möchten die Gegenwart einer Überirdischen Vernunft nicht zulassen, obwohl bereits die Weisheit des Altertums die erhabene Vernunft – den Nous – kannte. Ein solches Denken erlaubte seinerzeit, die irdischen Ereignisse in ein Gleichgewicht zu bringen; nun jedoch, ungeachtet der wissenschaftlichen Erfolge, ist die Philosophie in einem bedeutenden Maß zurückgeblieben. Die Philosophie hat dadurch viel Elend hervorgerufen, was darin zum Ausdruck kommt, dass die Menschen keine vernünftige Lösung mehr zu finden vermögen.

   Man kann daran erinnern, dass ein gewisser Regent sich vor einer Entscheidung in die Einsamkeit entfernte, um wenigstens für einen Tag ohne den Druck der alltäglichen Plage zu sein. Man kann das Denken auf eine herangereifte Frage konzentrieren, doch noch besser lässt man es in die überirdische Welt gehen; es wird durch die Macht der Überirdischer Kraft gestärkt zurückkehren.

   Möge der Mensch lernen, sich an die Überirdische Welt zu wenden. Die irdischen Ereignisse beweisen jedoch, dass die Menschen den Verkehr mit der Quelle der Macht nicht wünschen. Das große Maß an Unglück stürzt die Massen in Verzweiflung, doch selbst im Elend sind die Menschen nicht bereit, Hilfe anzunehmen.

   Der Denker wies oft darauf hin: „Ergebt euch nicht der Verzweiflung, denn so lehnt ihr nur die Hilfe ab.“

[Russisches Original. Seite 481.]


 

   521. Urusvati weiß, wie verfeinert die überirdischen Energien sind. Selbst mächtige Ströme können durch irdische Einwirkungen abgebrochen werden. Es fällt den Menschen schwer, solche Vorgänge zu verstehen, doch ihr selbst habt erfahren, dass irdische Bewegungen heilende Ströme abschneiden können.

   Von Uns gesandte Gedanken können leicht durch verschiedenen menschlichen Lärm abgebrochen werden. Von fern kommende Sendungen werden leicht durch irdische Überlegungen verdrängt. Das alles bedeutet, dass im Erdkreis alle Anziehungen nach dem irdischen Gesetz wirken. Es ist notwendig zu verstehen, dass für die Aufnahme Unserer Wellen der Organismus verfeinert werden muss, vor allem durch gedankliche Verfeinerung. Vor langem wurde von der Erweiterung des Bewusstseins gesprochen, doch auch dieser Begriff wird falsch ausgelegt. Nicht selten wird angenommen, eine Erweiterung des Bewusstseins bestehe darin, alles zuzulassen, doch dann würde sich das Bewusstsein in eine Herberge für alles und jeden verwandeln! Echte Erweiterung des Bewusstseins vermehrt die Aufnahmefähigkeit und das Erkennen. Nur das Denken vermag diese Läuterung zu unterstützen, und für die Verbindung mit Uns muss man fähig sein, zu denken.

   Wer nicht fähig ist, zu denken, gerät in ein Dickicht von Widersprüchen, statt einen allgemeinen Sinn zu finden. Allein durch große Unermüdlichkeit kann man die Mauer irdischer Anziehungen durchbrechen. Allein der freie Wille kann zu einem weiten Verständnis der überirdischen Besonderheiten hinführen.

   Vor kurzem haben Wir von der Untrennbarkeit des Irdischen und des Überirdischen gesprochen. Scheint es nun ein Widerspruch zu sein, wenn Wir von überirdischen Besonderheiten sprechen? Es ist jedoch kein Widerspruch, wenn es sich auf dem Gipfel anders atmen lässt als am Fuß des Berges. Einige fürchten die Luft der Höhen, so wie einige die Gedanken an das Überirdische fürchten. Diese Furcht ist gewöhnlich so groß, dass sie das Gehirn paralysiert.

   Ihr kennt Menschen, die nicht an das Überirdische denken können. Die Psychiater sollten solche einseitig entwickelten Individuen studieren; bei ihnen arbeiten gewisse Gehirnzentren nicht. Für die Entwicklung der Vorstellungskraft ist lange Erfahrung unter dem Wechsel verschiedener Zustände notwendig. Eine rechte Entwicklung der Vorstellungskraft bewahrt vor Angst.

   Die Besserwisser werden euch das Gegenteil sagen. Nach ihrer Meinung ist Phantasie Illusion und sollte durch das Gesetz des Verstandes ausgetrieben werden. Doch richtiger ist es,

[Russisches Original. Seite 482.]


 

nicht nach dem Gesetz des Verstandes zu leben, sondern nach dem Gesetz der Vernunft. Der Nous des Altertums erlaubt es, die überirdische Welt anzuerkennen.

   Der Denker ehrte die Vernunft als einen Weg zum Überirdischen.

 

   522. Urusvati kennt die Freude über die Universelle Gerechtigkeit. Die Bezeichnungen für dieses Gesetz bei den Völkern sind vielfältig. Jedes Volk nannte es auf seine Weise: Karma, Moira, Fatum, Kismet. So verstanden die Menschen das Schicksal. Die einen nahmen es in freudiger Weise wahr, die anderen in trauriger; doch niemand verneinte die Existenz des Gesetzes, das im gesamten Kosmos in Erscheinung tritt. Die Vernunft dieses Antreibers weist auf den geordneten Aufbau des Weltalls hin.

   Einzelne Religionen versuchten, den tiefen Sinn der kosmischen Gerechtigkeit zu beseitigen, fielen dadurch jedoch selbst in bitterste Verirrung. Es lässt sich beobachten, wie jene, die sich gegen die Wahrheit erhoben, ihre Bedeutung verloren, gleichzeitig aber diejenigen Erfolg davontrugen, welche die Offenbarung des kosmischen Gesetzes verehrten.

   Wenn wir die Geschichte der Völker und einzelner Tatmenschen betrachten, werden wir sehen, dass die Universelle Gerechtigkeit schön ist. Lasst uns nicht bei Hinweisen auf einen Racheakt dieses Gesetzes verweilen, denn einen solchen Zwang kennt es nicht. Im Gegenteil, aus dem Karmagesetz entspringt Zweckmäßigkeit, die die Waage der Gerechtigkeit bestimmt. Erneut nehmen wir die Binde von den Augen der Themis[14] ab. Gerechtigkeit muss klarsehend und weitblickend sein.

   Lasst uns die kosmischen Ereignisse nicht fürchten, sondern würdig als Wirkung des erhabenen Gesetzes aufnehmen. Bei aufmerksamer Einstellung werden wir uns davon überzeugen, dass die Folgen ihre Ursachen hatten.

   Der Denker legte den Mitbürgern nahe, das gegenwärtige Geschehen aufmerksam zu betrachten, um dessen Ursachen finden zu können.

 

   523. Urusvati weiß, wie hoch Wir geistigen Fortschritt schätzen. Sie muss in sich sowohl die Absage an Selbstsucht als auch die Kenntnis der irdischen Bedingungen fassen. Ein Mensch, der allem Irdischen entsagt, kann kein rechter Richter sein, und wer sich in irdische Begierden versenkt, kann sich nicht zu einer Schau des Gerechten erheben.

[Russisches Original. Seite 483.]


 

   Selten jedoch ist eine Vereinigung dieser beiden Voraussetzungen zu finden; die Menschen meinen, dass sie einander widersprechen. Sie bemerken nicht, in welch weitem Maß geistiger Fortschritt gerade in diesem ihrem Leben erreicht werden kann.

   Die Klöster wurden ursprünglich zur Unterstützung schwacher Geister gegründet, doch vermochten Starke auch aus dem Kloster heraus ihr Wissen weit zu verbreiten. Sie konnten niemals lange in der Wüste verbleiben; wenn sie ihr geistiges Gefäß angefüllt hatten, verspürten sie die Notwendigkeit, zu den Menschen zurückzukehren. Auf diese Weise überbrachten sie nicht nur geistige Hilfe, sondern erwarben auch selbst Kenntnis des Lebens. Diese letztere Bedingung wird gemeinhin nicht verstanden, da die Menschen nichts vom Gleichgewicht wissen.

   Als Beispiel lässt sich Unsere Bruderschaft anführen. Ohne das Verstehen der irdischen Bedingungen könnte sie nicht existieren. Wer die irdischen Bedingungen von sich weist, beraubt sich selbst der Barmherzigkeit und des Mitleids. Doch ohne diese Eigenschaften ist geistiger Fortschritt unmöglich. Die Lehre von einer erneuerten Welt kann nicht inmitten von Hartherzigkeit leben. Die Geisteswissenschaften können sich dort nicht entwickeln, wo das Herz schweigt.

   Der Denker empfahl Seinen Schülern, den menschlichen Blick verstehen zu lernen.

 

   524. Urusvati weiß, dass eine ungeordnete Masse besonders gefährliche Emanationen erzeugt. Eine von einem einzigen Streben bestimmte Menschenmasse verursacht geringeren Schaden als die Offenbarung von Unordnung. Sobald die Wissenschaftler in der Lage sind, die menschliche Aura auf wissenschaftliche Weise zu erforschen, werden sie sich davon überzeugen, welch todbringende Chemismen bei chaotischen Strömen erzeugt werden.

   Man braucht nicht zu denken, dass eine einhellige Übereinstimmung der Masse leicht herbeizuführen wäre. Jede Menschenmenge besteht aus unterschiedlichen Antrieben, und neue giftige Chemismen werden gerade infolge uneinheitlicher Bestrebungen erzeugt. Auf diesen Umstand sollten die Wissenschaftler ihre Aufmerksamkeit richten.

   Niemals zuvor kamen solche Menschenmassen zusammen wie jetzt. Die Geschichte kennt solche gigantischen Städte nicht, wie es sie jetzt gibt. Rom erreichte in der Periode seines Verfalls zehn Millionen, doch trug diese Zusammenrottung nur zu seinem Zerfall bei, so wie es auch jetzt geschieht. Es existieren zahlenmäßige Höchstgrenzen, nach deren Überschreitung der Leviathan[15] zu verfaulen beginnt.

   Es wurden viele Hinweise gegeben, damit die Menschen sich außerhalb der Städte ansiedeln, doch wurden alle Ratschläge

[Russisches Original. Seite 484.]


 

missachtet, und die Menschen vergiften sich in ihren Babylons selbst. Man kann bereits sehen, wie die Ereignisse den vor langem aufgezeigten Verlauf nehmen. Es ist unmöglich, einen logischen Prozess anzuhalten, er in Gang gekommen und muss wachsen. Die Frage ist nur, wer das Segensreiche dieser Umwandlung zu sehen vermag oder den Untergang eines neuen Atlantis darin sieht. Freude über eine Verwandlung kann die besten Formen des Gemeinschaftslebens schaffen, doch gibt es viele, die zu solcher Freude bereit sind?

   Der Denker wies darauf hin, dass die Menschen die höchsten Freuden nicht kennen.

 

   525. Urusvati weiß, dass der Mensch Gesundheit in dreierlei Hinsicht wahren muss. Erstens, seine eigene Gesundheit, dann die Gesundheit des Planeten, und schließlich die Gesundheit des Überirdischen. Das letztere ist keine Übertreibung. Die Menschen müssen sich darüber Rechenschaft ablegen, dass sie in die Harmonie der Überirdischen Welt nicht gewaltsam eingreifen dürfen. Auch die Gesundheit des Planeten hängt von der weisen Nutzung seiner Kräfte ab. Die kleinen menschlichen Organismen stellen mächtige Batterien dar, die wahrlich auf die nächstgelegenen irdischen Schichten beherrschenden Einfluss ausüben. Und seine eigene Gesundheit muss der Mensch nicht nur um seiner selbst willen hüten, sondern muss es auch um seiner Nächsten willen tun. Allein das erfolgreiche Verstehen der drei Aspekte der Gesundheit kann auch einen wahrhaftigen Fortschritt zeitigen.

   Wenn Ich von Gesundheit spreche, habe Ich nicht allein die körperliche, sondern auch die geistige Gesundheit im Blick. Anhand der Geschichte der Menschheit kann man sich davon überzeugen, dass die Evolution sich glänzend vollzog, wenn beide Bedingungen in Harmonie waren. Man kann sehen, dass sich in Hellas die Gesundheit der Athleten mit der Weisheit der Philosophen vereinigte, und der Staat entwickelte sich erfolgreich.

   Doch lassen sich Länder nennen, in denen der Sport zu einem Kult geworden ist und damit die Bedeutung des Geistes unterdrückt. Man kann sich davon überzeugen, wohin ein solches Ungleichgewicht führt, doch die Gesundheit des Geistes ist weder Scheinheiligkeit noch Heuchelei. Wir können nur darauf hinweisen, wie sehr erhabenes Wissen und aufrichtiger Dienst am Gemeinwohl die Pfeiler der Gesundheit des Geistes bilden.

   Abwendung vom Leben darf es nicht geben, da die natürlichste Form der Gesundheit des Geistes in der Esse des Lebens geschmiedet wird. Auch die körperliche Gesundheit muss vernünftig verstanden werden: Man muss den Schatz des Lebens hüten, ohne vom Prinzip der Selbstaufopferung

[Russisches Original. Seite 485.]


 

abzuweichen. Es ist unmöglich, Gleichgewicht unter den alltäglichen Gegensätzlichkeiten zu finden, doch der gesunde Geist wird seine weise Lösung finden.

   Der Mensch vermag einen gefährlichen Strom zu durchqueren, um einen Nächsten zu retten, ohne sich dabei ein tödliches Fieber zuzuziehen, wenn er von den Flügeln des Geistes getragen ist. Der Mensch kann zu einem Wächter des Planeten werden, wenn ihm das Gleichgewicht von Geist und Körper innewohnt. Der Mensch kann nur dann reine Gedanken in die Überirdischen Welten senden, wenn sein Geist gesund ist.

   Der Denker fragte: „Meint ihr nicht, dass wir mit unserem Denken allen Musen helfen könnten?“

 

   526. Urusvati weiß, wie oft bei Gedankensendungen nur vereinzelte Worte ankommen. Dafür gibt es einige Gründe, und sie liegen vor allem darin, dass nicht alle Worte mit der gleichen Kraft gesendet wurden. Überdies können kreuzende Ströme auftreten, welche die Mitteilung abbrechen und sogar fremde Mitteilungen herantragen können. Solche Ströme können auch Schlaflosigkeit verursachen.

   Wenn die Menschen begreifen könnten, welche Stürme in ihrer Umgebung toben, wären sie in all ihren Handlungen von Vorsicht erfüllt. Sie gestehen jedoch noch nicht einmal zu, dass von ihnen gehörte Worte auch räumliche Bedeutung haben können. Solch schwere Einflüsse lassen sich besonders zu Zeiten irdischer Kriege bemerken. Schon dies eine sollte daran erinnern, in welchem Maß irdische und überirdische Zusammenstöße miteinander verbunden sind. Man muss sich dem inneren Gehör gegenüber sehr behutsam verhalten. Es können Anspannungen auftreten, welche die Ärzte irdischen Ursachen zuzuschreiben suchen, wobei sie übersehen, dass die überirdischen Ursachen hundertfach überwiegen. Die Menschen nehmen an, der Himmel sei leer, doch die Wissenschaft weiß bereits von der Anfüllung des Raumes. Ist dieses Axiom denn so schwer zu verstehen?

   Ihr habt Schreie von Entsetzen gehört, mitunter aber auch Ausrufe von Freude. Lautes Klagegeschrei des Entsetzens wird häufiger als anderes herbeigetragen, da die Menschen die meiste Energie in solche Ausdrucksformen fließen lassen, weniger jedoch in Formen der Freude. Jetzt, da ein unerhörtes Maß an Gräueln die Erde verfinstert, kann man die Ausstrahlungen der Kräfte der Verzweiflung beobachten. Die Wissenschaftler können zu der Schlussfolgerung gelangen, dass, wenn ein Schrei des Entsetzens den Raum so weit durchdringt, dies bedeutet, dass er

[Russisches Original. Seite 486.]


 

von einer mächtigen Energie gesandt wurde und höchst wahrnehmbare Strahlen ausstrahlt. Es ist richtig zu denken, dass jedes menschliche Wort seine Aura besitzt und den Raum auf weite Entfernung hin durchdringt.

   Desgleichen kann man in Tagen der Verwirrung unvernünftige Menschen sehen, die ihr Leben fortsetzen, als ob nichts geschehen sei. Man darf sich über eine solche Unvernunft nicht wundern. Sie gleicht dem Verhalten von Menschen, die bei einer Feuersbrunst zu tanzen beginnen. Es ist nicht klug, in Verzweiflung zu fallen. Wir raten zur Ruhe, doch diese Ruhe ist voller Bewusstsein des Geschehens. Der Weise versteht, welche Taten zur Zeit weltweiter Erschütterung angemessen sind.

   Ihr könnt bemerken, dass Wir in Tagen besonderer Anspannung das Wort „Harmagedon“ nicht aussprechen – die Papageien haben sich seiner bemächtigt. In allen Tonlagen zwitschern sie bedeutsame Worte und tanzen gleichzeitig auf einem Vulkan.

   Wir rufen: „Feuer, Feuer!“, doch nur wenige verstehen, welches Feuer in der Welt lodert und welche Anspannung herrscht.

   Der Denker lehrte: „Auch wenn jeder Augenblick die Zerstörung eines Himmelskörpers bringt, können solche Anspannungen auftreten, dass allein ein Chor von Übereinstimmung eine Katastrophe zu verhindern vermag.“

 

   527. Urusvati weiß, dass Nirwana* eine äußerst hohe harmonische Anspannung der Energie darstellt. Paranirwana stellt eine noch höhere Anspannung dar. Die Menschen nehmen an, das Nirwana sei ihnen unerreichbar, und für Samadhi sei eine langandauernde, körperliche und geistige Übung erforderlich. Vergessen wir jedoch nicht, dass der menschliche Organismus ein vollkommener Mikrokosmos ist, in dem alle möglichen Erscheinungen bis in die Unbegrenztheit enthalten sind.

   Jeder Mensch kann Empfindungen von Nirwana und Samadhi andeutungsweise wahrnehmen. Solche Andeutungen gehen jedoch so schnell vorüber, dass das irdische Bewusstsein sie nicht festzuhalten vermag. Dem Menschen mag es scheinen, als ob er grundlos das Bewusstsein verliere, von einem unerklärlichen Feuer ergriffen werde oder ihm das Körpergewicht schwinde. Solcher Erscheinungen gibt es viele, sie sind nur von einem erweiterten Bewusstsein bemerkbar, und allein besonders Auserwählte können den Vorgang klar erkennen. Unter den vielen wissenschaftlichen Errungenschaften

[Russisches Original. Seite 487.]


 

wurde bisher die Bestätigung nicht ausgesprochen, dass jeder Mensch höheren Empfindungen teilhaftig werden kann, dafür jedoch den Geist rein erhalten muss.

   Wer aber vermag geistige Reinigung zu erreichen? Man wird sagen: „Dazu muss man solch ein Denker sein, wie Anaxagoras[16], Platon[17] oder Pythagoras[18] es waren.“ Doch außer durch Denker ist die Welt auch von solchen Führern wie Perikles[19] und Akbar* bewegt worden. Sie hinterließen die Erinnerung an blühende Epochen. Neben Seelengröße und Barmherzigkeit bestätigten sie auch Standhaftigkeit, nachdem sie den Weg zur Rettung des Volkes erwählt hatten. Jeder kennt den Schuster [Jakob] Boehme* und den Chemiker [Thomas] Vaughan[20]. Es wurden in allen Jahrhunderten viele Beispiele gegeben, damit die Menschen verstehen, dass geistige Reinigung unter jeglichen Umständen erreichbar ist.

   Auch heute gibt es auf der Erde Mitarbeiter der Evolution, auch wenn die Menschen nicht in der Lage sind, sie zu erkennen. Die Masse hat die mit den Händen schwer erarbeiteten Errungenschaften noch nie richtig erkannt. Auf der Erde sind sowohl die Hände als auch die Füße Mitarbeiter des Geistes. Die Träger der Evolution unterscheiden sich nicht durch königliche Kleidung, und so kennt man sie nicht. Allein die Resultate der Geschichte reinigen ihren Weg. Mögen die Menschen sich darüber freuen, dass auf der Erde immer Auserwählte wandeln, um so hoffnungsfreudiger wird der Glaube an die Schaffung einer Neuen Welt sein.

   Selbst als der Denker der Sklaverei überantwortet wurde, sagte Er: „Welch herrlicher Beweis für die Mannigfaltigkeit der menschlichen Wege!“

 

   528. Urusvati weiß, dass man aus einer Vielzahl von Blumen sowohl eine schöne als auch eine hässliche Girlande flechten kann, was ganz von der Zusammenstellung abhängt. So lehren Wir auch, mit jedem seinem Bewusstsein gemäß zu sprechen. Damit möchten Wir nicht den Gesprächspartner herabsetzen, sondern sehen nur viele irdische Besonderheiten voraus. Wenn selbst die Sprachen sich unterscheiden, wie dann erst recht die Erkenntnisfähigkeit.

   In jedem Lager kann man einen äußerst wertvollen Gegenstand finden. Für einen solchen Fund muss man viele Dinge auseinandernehmen. Dabei kann man staubig und schmutzig werden, es kann geschehen, dass man sich Kränkungen und Lästerungen anhören muss, doch nach all diesem kann man kostbares Wissen finden.

   Um dem Bewusstsein entsprechend zu reden, muss man vor allem dem Gesprächspartner zuhören, seine Ausstrahlungen wahrnehmen und seine Absicht verstehen. Vergessen wir nicht, dass die Menschen

[Russisches Original. Seite 488.]


 

wegen zahlloser Einzelheiten in heftige Erregung geraten und die rettende Synthese schon nicht mehr in Betracht ziehen. Die Menschen träumen mitunter von einer physischen Weltsprache, vergessen jedoch, dass man vorher über gegenseitiges geistiges Verstehen nachdenken muss.

   Unter den Menschen hat sich eine besondere Art von Predigern herausgebildet, welche die Denkweise ihrer Zuhörer nicht berücksichtigt. Aus einer solchen Überheblichkeit erwächst nicht wiedergutzumachender Schaden. Die unzulänglichen Prediger verstehen die Bedürfnisse der Zuhörer nicht und befehlen zu glauben; wobei sie vergessen, dass Glaube eine Folge von Wissen ist. Doch ihnen selbst fehlt nicht nur ein solches Wissen, sondern sie haben auch keinen Magnetismus. Ich spreche nicht nur von Predigern, sondern auch von Schullehrern. Eine einfache Weisung über ein Gespräch gemäß dem Bewusstsein des Zuhörers ruft viele Missverständnisse hervor. Es ist bedauerlich, doch man muss sagen, dass die Menschen nicht selten ihrem eigenen Bewusstsein entsprechend reden, was vor allem durch die Unfähigkeit zuzuhören geschieht.

   Freunde! Lernt zuzuhören, desto leichter werdet ihr euch dem Gesprächspartner nähern können. Natürlich ist es für ein erweitertes Bewusstsein leicht, die Eigenheiten des Gesprächspartners zu verstehen, doch ist eine solche Stufe frühen Erkennens selten anzutreffen, und deshalb wendet die gewohnten Maße der Menschlichkeit an. Gegenseitige Achtung wohnt in der Nachbarschaft des Mitleids.

   Der Denker lehrte, Blumengirlanden zu flechten: „Wer eine schöne Zusammenstellung von Blumen gefunden hat, wird auch eine nützliche Zusammenstellung von Menschen finden.“

 

   529. Urusvati weiß, wie groß die Freude ist, in der Zukunft leben zu können. Ein solches Leben kann evolutionär genannt werden. Dabei muss man lernen, die Vergangenheit nicht zu schmälern und zu verstehen, dass eine Gegenwart nicht existiert: Entweder war es, oder es wird sein.

   Es ist nicht leicht, sich in die Zukunft als eine Realität zu versetzen. Die Menschen sind unfähig, an die Zukunft zu denken, da sie sie fürchten. Sie haben Angst, dass die Zukunft ohne sie eintreten könnte. Sie wollen nicht über die ununterbrochene Fortdauer des Lebens nachdenken und verstehen nicht, dass sie mit der Feinstofflichen Welt zusammenarbeiten können. Auf solche Weise trennen sie sich selbst von der Zukunft ab; sie wünschen nicht, die Vergangenheit zu verstehen und beharren auf einer Gegenwart, die gar nicht existiert. Die gefährlichste Situation herrscht, wenn man nicht an der Zukunft teilhat. So leicht jedoch könnten die Menschen

[Russisches Original. Seite 489.]


 

an der Zukunft teilnehmen, und dies besonders heute, da die Biologie große Fortschritte gemacht hat.

   Wir freuen Uns besonders, wenn Wir die Fähigkeit bemerken, sich in die Zukunft versetzen zu können. Ein solches Bestreben gleicht dem Auswerfen eines Ankers, der es erlaubt, sich dem rettenden Ufer zu nähern. Das Fundament der Bruderschaft ruht auf dem Streben in die Zukunft. Die Ereignisse müssen planmäßig eintreten. Man muss die Architektur des Weltgebäudes verstehen, um sich mit dem Gedanken seiner Unbegrenztheit anzufreunden. So wie es unmöglich ist, in Unbegrenztheit zu fallen, so erlaubt auch die unbegrenzte Zukunft grundsätzlich, immer einen nützlichen Weg zu finden. Versucht, euch ein irdisches Leben ohne Vergangenheit und Zukunft vorzustellen. Welch langweiliges Leben ergäbe sich, wie auf einer kleinen Insel inmitten des Ozeans. Natürlich bliebe den Menschen noch der Blick nach oben, wenn sie denn so weitsichtig wären.

   Der Denker bedauerte jene, die nicht in der Lage sind, sich über die Zukunft zu freuen und emporzuschauen.

 

   530. Urusvati weiß von dem Auftreten neuer Krankheiten. Ihre Grundlage ist eine Entzündung der Drüsen, die in ihren Erscheinungsformen überaus verschiedenartig ist. Die Menge der von den Drüsen abgesonderten Sekrete kann größer oder geringer sein. Die Drüsen selbst können sich vergrößern oder bis zum Absterben schrumpfen.

   Die Menschen könnten einander aufschlussreiche Einzelheiten mitteilen, tun dies aber nicht und unterstützen somit die Entwicklung einer Epidemie. Man kann feststellen, dass Puls und Temperatur sehr stark schwanken; auch Schmerzen in den Nervenzentren können auftreten. Eine derartige Krankheit hängt nicht direkt von dem betroffenen Menschen selbst ab, sondern es wirken räumliche Chemismen auf ihn ein, woraus sich eine ausweglose Lage ergibt.

   Mit ihren Gedanken verstärken die Menschen die Wirkungen der räumlichen Chemismen, doch der Chemismus zieht wie ein Bumerang denjenigen in Mitleidenschaft, der ihn geschaffen hat. So entsteht eine gefährliche Epidemie. Die Ärzte suchen sie mit alten Namen zu benennen, ohne die neuen Symptome zu bemerken. Natürlich wirkt der Chemismus zuerst auf die schwachen Organe, wodurch sich die Verschiedenartigkeit der Symptome ergibt.

   Man kann sagen, dass die Menschheit sich selbst vergiftet, und es können

[Russisches Original. Seite 490.]


 

vor allem die feineren Organismen leiden. So treten bei überaus gefährlichen Entwicklungen neue Krankheiten in Erscheinung. Leider hat die Geschichte diese Übereinstimmungen nicht festgestellt.

   Bei Uns werden aufschlussreiche Tabellen zusammengestellt, die zeigen, wie sich die Menschheit selbst geißelt.

   Der Denker unterhielt sich immer wieder mit Ärzten und fragte sie, ob sie die Wellen der Epidemien denn nicht bemerken können?

 

   53l. Urusvati weiß, dass Wir die neue Epidemie „gelbe Krankheit“ nennen, da sie eine gallefarbene Pigmentierung nicht allein der Ausscheidungen, sondern auch auf allen Schleimhäuten hervorruft. Diese Krankheit darf sich nicht verbreiten. So muss man eine ruhige Verfassung wahren, doch bedarf dieser Begriff der Erklärung.

   Man darf eine schlechte seelische Verfassung nicht allein einer Magenverstimmung oder einer Erkältung zuschreiben. Mögen die Menschen verstehen, dass man die Ursache in den Nervenzentren suchen muss, die von verschiedenen räumlichen Chemismen Impulse erhalten. Es wird eine Zeit kommen, da die Ärzte die Fähigkeit besitzen werden zu unterscheiden, welches der Zentren verletzt ist, doch bis jetzt stellen sie lediglich Behauptungen über angeblich schlechte Nerven auf, die sie mit Narkotika zu kurieren suchen.

   Nun jedoch ist es bereits an der Zeit, die Bedeutung des Nervensystems zu erkennen, welches einen Mittler zum überirdischen Bereich darstellt. Es handelt sich nicht darum, dass ein Mensch schlechte Nerven hat, sondern darum, welche Chemismen gerade herrschen und auf welche Zentren sie einwirken. So erhält die Wissenschaft für künftige Wissenschaftler die höchsten Gebiete. Es ist notwendig aufzuzeigen, dass die psychische Energie des Raumes erforscht werden kann, und das Lebensverständnis kann sich unter den Augen einer einzigen Generation vervollkommnen.

   Der Denker lehrte: „Nicht nur ein Wassertropfen enthält eine ganze Welt, sondern jedes Luftteilchen ist bereits ein ganzer Mikrokosmos.“

 

   532. Urusvati weiß, dass Wir in allem zu einem der Wirklichkeit entsprechenden, wissenschaftlichen Denken raten. Selbst die höchste Inspiration muss durch wissenschaftliche Beobachtung gefestigt werden. Man darf nicht meinen, ein solches Vorgehen setze irgend etwas herab. Es darf

[Russisches Original. Seite 492.]


 

nicht vergessen werden, dass viele herrliche Ideen durch ein aus der Luft gegriffenes Verständnis zerfallen. Ein solcher unbegründeter Glaube bildet dann den Ersatz für das Licht der Erkenntnis.

   Selbst in den besten Religionen bemühten deren Diener sich, auch Wissenschaftler zu sein, um dadurch umso leichter eine Grundlage für ihre Überzeugungen zu finden. Vergessen wir jedoch nicht, dass Erkenntnis frei von Vorurteilen sein muss. Es gibt nicht wenige Wissenschaftler, die aus sich Scheinheilige gemacht und damit die herrliche Freiheit der Wissenschaft untergraben haben. Das Überirdische sollte breite Möglichkeiten zu wissenschaftlichen Beobachtungen bieten. Ihr seht selbst, wie gebunden das heutige menschliche Denken ist.

   Man kann sich davon überzeugen, dass sogar im Altertum hervorragende Geister sich nicht fürchteten, über den lebendigen Raum nachzudenken. Mitunter bevölkerten sie ihn unter dem Druck der Menge in etwas eigentümlicher Weise, doch war der Flug ihrer Gedanken nichtsdestoweniger weit. Wir gingen den materiellen sowie den ideellen Erkenntnisweg, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass beide Formen des Denkens in ihrem höchsten Ausdruck zur Einheit führen. Man darf nicht unterstellen, Wir wollten nur Unsere eigene Überzeugung aufzwingen. Wir wollen nur die Ketten fortnehmen, die den Schritt der Menschheit erschweren.

   Der Denker lehrte: „Lasst die Fesseln hinter der Schwelle, denn sie stören beim Gespräch über die Freiheit des Denkens.“

 

   533. Urusvati weiß, dass unter Beachtung bestimmter Bedingungen eine Blutübertragung mitunter zulässig ist. Das ist ein physischer Vorgang, doch kann es auch eine psychische wechselseitige Übertragung von psychischer Energie geben. Die Ärzte werden noch nicht so bald zu einer wissenschaftlich durchgeführten Übertragung von psychischer Energie gelangen, doch vollzieht sie sich auch bereits ganz von allein bei der Berührung von Ausstrahlungen.

   Die Übertragung von psychischer Energie wird in Zukunft zu einem ganz gewöhnlichen Studiengegenstand werden. Man kann die Harmonie der Menschheit durch eine Verteilung der uranfänglichen Energie unterstützen. Wenn man ohne Schaden eine beachtliche Menge Blut zur Verfügung stellen kann, so ist es auch möglich, einen Vorrat an psychischer Energie zu teilen. Beim Blut müssen rassische Voraussetzungen und der physische Zustand der Organismen berücksichtigt werden, doch für den Austausch von psychischer Energie bedarf es weit stärker

[Russisches Original. Seite 492.]


 

verfeinerter Bedingungen. Es ist unerlässlich, dass der Energiekoeffizient harmonisch ist, und diese Voraussetzung kann auf wissenschaftlichem Wege erreicht werden. So werden beispielsweise beim Ausatmen gewisse Substanzen der Energie abgesondert, die man auf einem Metallspiegel auffangen kann.

   Man muss der Tatsache Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass bei den Alten der Brauch herrschte, den Zustand der Energie anhand der beim Ausatmen auf einer Metallplatte hinterlassenen Spuren zu beobachten. Die Legierung, von der Wir bereits sprachen, wurde im Altertum besonders gern verwendet, doch unsere heutigen Wissenschaftler widmen den antiken Lehren keine Aufmerksamkeit. Aus diesem Grund haben sie auch die jüngst erfolgte Annäherung des Mars nicht von der psychischen Seite untersucht. Die Menschen sprachen wiederholt vom Nahen eines Krieges, dachten jedoch nicht daran, den Zustand des vom Chemismus des Mars vergifteten menschlichen Gehirns zu beobachten.

   Man muss bedauern, dass die Menschen die Zeichen der Natur nicht nutzen. Seit langem wissen sie von der Geistesverwirrung und führen dennoch keine psychologischen Beobachtungen durch.

   Der Denker lehrte: „Lasst keinen Augenblick unbeobachtet, in dem die Natur eine Offenbarung ihrer selbst gibt.“

 

   534. Urusvati weiß, dass Vampirismus im Gegensatz zu einer rechten, wechselseitigen Energieübertragung steht. Man darf nicht vergessen, dass Vampirismus weit verbreitet und die Wissenschaft nicht imstande ist, ihn zu bekämpfen. Es ist unmöglich, dort mechanische Maßnahmen anzuwenden, wo der Begriff der uranfänglichen Energie herabgesetzt wird.

   Unkundige Menschen verstehen überhaupt nicht, wo sich die Grenze zwischen Vampirismus und einer wohltuenden Übertragung von Energie befindet. Sie urteilen nach sich selbst und meinen, jede wechselseitige Energieübertragung sei bereits ein egoistischer Akt; sie können sich jedoch nicht vorstellen, dass es in manchen Fällen unerlässlich ist, eine besondere Energie zu offenbaren. Ein solches Opfer wird durchaus nicht um seiner selbst willen erfolgen, sondern wegen des Gemeinwohls.

   Man darf sich nicht wundern, dass eine verfeinerte Energie ihre unersetzlichen Eigenschaften besitzt. Das Inerscheinungtreten der uranfänglichen Energie ist darüber hinaus vielfältiger Art, so wie es bei allen kosmischen Erscheinungen ist. Für unvorbereitete Augen erscheint die gesamte Natur einförmig zu sein,

[Russisches Original. Seite 493.]


 

doch das Denken hilft, unzählbare Gaben des Weltenalls zu unterscheiden. Lasst uns nicht mit jenen streiten, die ein wissenschaftliches Herangehen an kosmische Erscheinungen nicht akzeptieren.

   Es ist erstaunlich, dass der Mensch gewöhnlich der Erkenntnis der für ihn nützlichsten Daseinsgesetze widerspricht. In diesen Kämpfen lässt sich die ewige Schlacht des Chaos mit dem Offenbarten feststellen. Ihr solltet daher nicht betrübt sein, wenn die einfachsten Grundlagen von den Menschen so schwer aufgenommen werden.

   Der Denker beschämte Streitsüchtige mitunter, indem Er sie darauf hinwies, dass das Einfachste besonders schwer anzunehmen ist.

 

   535. Urusvati weiß, dass die Absonderung von psychischer Energie sichtbar sein kann, und zwar als leichter Dunstschleier oder sogar als Lichtschimmer. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ein unerfahrenes Auge diese Erscheinungen nicht zu bemerken vermag. In der Regel sind die Menschen nicht in der Lage zu erklären, weshalb viele psychische Erscheinungen in unerwarteten Situationen sichtbar sind, sich indessen bei angespannter Erwartung nicht zeigen. Doch mögen die Menschen sich vergegenwärtigen, wie viele äußere Energien sie umgeben und auf sie einwirken.

   Wir können Uns an viele Fälle erinnern, da die Menschen offenkundigste Zeichen nicht anerkannten und sie auf die egoistischste Weise zu erklären suchten. Die Ursache solcher Irrtümer liegt darin, dass die Menschen nicht an die Möglichkeit äußerer Einwirkungen denken, und wenn sie es doch tun, dann nur im Sinne einer Gewalteinwirkung. Zusammenarbeit ist bei einer solchen Denkweise völlig ausgeschlossen.

   Wertvoll ist jegliche gute Zusammenarbeit, doch besonders kostbar ist psychische Zusammenarbeit. Bis zum heutigen Tag hat man der Bedeutung einer solchen Zusammenarbeit keine Aufmerksamkeit gewidmet. In gewissen philosophischen Versammlungen war es üblich, sich in tiefe Konzentration zu versenken, doch lief dieser Brauch später auf ein bedingtes, abstraktes Denken hinaus, woraus sich keine gedankliche Zusammenarbeit ergab.

   Viele Redner können indessen bezeugen, dass ihre Rede mitunter von besonderer Klarheit und Überzeugungskraft war, gerade so, als ob eine bestimmte

[Russisches Original. Seite 494.]


 

mächtige Energie auf sie einwirkte. Natürlich können überirdische Einflüsse herrschen, doch kann es sich außerdem auch um Denkeinwirkungen von Mitarbeitern und Zuhörern handeln.

   So könnten die Redner auch bestätigen, dass bisweilen ganze Unterbrechungen ihres Gedankenflusses eintraten, ihnen die Worte entfielen und eine bereits einstudierte Rede sich verflüchtigte. Hierbei handelte es sich ebenfalls um die Einwirkung des ungeordneten Denkens der Masse. Wir haben jedoch keine Kunde davon, dass Wissenschaftler solche Einwirkungen untersucht hätten. Wenn schon der Einfluss des Denkens nicht erforscht wird, muss man sich dann wundern, dass überirdische Einwirkungen nicht anerkannt werden?

   Der Denker lehrte: „Lasst uns nicht vergessen, dass wir unsichtbare Freunde und Feinde haben.“

 

   536. Urusvati weiß, dass jede menschliche Berührung bereits einen magnetischen Vorgang darstellt. Einige Menschen haben aufgrund dessen auf den Händedruck verzichtet, doch tritt nun eine Zeit heran, da die Wissenschaft die gesunden Bedingungen jeglicher Berührung mit den Händen erläutern sollte. Bis zum heutigen Tag lenkte man seine Aufmerksamkeit auf mechanische Massagen, und die Medizin verordnete Arzneien zur Einreibung. Die Menschen messen solchen Einwirkungen eine große Bedeutung bei, und sie haben auch die große Bedeutung solcher Heilanwendungen über die Haut unter allen Heilmaßnahmen richtig verstanden, doch das Wichtigste wurde übersehen. Niemand hat sich darum gekümmert, wer denn die Einreibung durchführt. Indessen ist diese Bedingung weitaus bedeutsamer als die Einreibung selbst.

   Man muss verstehen, dass die psychische Energie nur bei einer harmonischen Verbindung heilsam wirken kann. Bemerkt, dass bei gleichartigen Erkrankungen Einreibungen dennoch überaus verschieden wirken. In vielen Fällen wirkt eine leichte Berührung mit der Hand eines harmonischen Menschen als beste Arznei. Offensichtlich ist jedoch auch, dass sich selbst bei bester mechanischer Massage ein unzweifelhafter Schaden einstellen kann. Nicht nur die Ärzte, sondern auch die Pflegepersonen müssen in Bezug auf die Qualität ihrer psychischen Energie geprüft werden. Es ist nicht allein Vertrauen zum Arzt notwendig, sondern auch seine heilsame Energie.

   Die Anwendung solcher vorbereitenden Studien wird es ermöglichen, die Volksgesundheit zu heben. Hierbei darf nicht unterstellt werden, eine unharmonische sei eine schlechte Energie. Sie kann nur nicht (…) entsprechen, der Schaden jedoch wird nicht

[Russisches Original. Seite 495.]


 

gering sein.

   Der Denker bestand darauf, dass die Menschen lernen, die Bedeutung der Harmonie zu verstehen, anderenfalls würden Hunde sich in einer besseren Lage befinden.

 

   537. Urusvati weiß, wie verschiedenartig die Eigenschaften der psychischen Energie sind. Sie lassen sich im Rahmen der Erforschung von Ausstrahlungen und Schwingungen studieren. Eine solche Erforschung kann jedoch erst in der Zukunft bei Vervollkommnung der Apparate durchgeführt werden. Es gibt aber noch ein weiteres Verfahren, das angewandt werden kann. Wir sprachen bereits über die Magnetisierung von Wasser. Ihr habt selbst beobachtet, in welchem Maße Wasser die Eigenschaften der psychischen Energie des Menschen annimmt und welch kurze Zeit dafür nur erforderlich ist.

   Man kann beobachten, wie individuell Wasser die Einwirkung der Energie aufzeigt, wenn man es in der Nähe des Kopfes aufstellt. Gleichfalls kann man feststellen, welche mineralischen Zusätze die Beobachtungen unterstützen. Eisenhaltige Wässer sind gut geeignet, schwefelhaltige dagegen versprechen keinen Erfolg.

   Im Altertum wurden solche Versuche oft durchgeführt. Mitunter brachte man auf der Wasseroberfläche einige Tropfen eines Baumharzes auf, in der Annahme, dass es die Konzentration von Strömen fördere. Ebenso achtete man auf die Art des Gefäßes; so zog man kupferne Gefäße vor, verwandte aber keine tönernen. Die Gefäßwände mussten poliert sein, und ein solches Gefäß durfte nicht im häuslichen Alltag verwendet werden; man hielt es mit einem kupfernen Deckel geschlossen. Solche Gegenstände zeigten, wie wohlüberlegt die Alten handelten.

   Sie werden sicherlich auch noch andere Verfahren angewandt haben, um unterschiedliche Zustandsformen der Energie zu beobachten. Überdies bezeichneten die Alten ihre Beobachtungen als Wahrsagen, wodurch die Beobachtungen in den Augen von Skeptikern ihre wissenschaftliche Bedeutung verloren. Ein denkender Geist ist von neuem offen, um der Menschheit zu zeigen, wie unerschütterlich die Grundlagen sind. Man kann darüber lächeln, wie sehr die Menschen sich mit bedingten Bezeichnungen einfach abfinden. Deren inneres Wesen ist jedoch unverändert geblieben, und unter den Bräuchen des Altertums lassen sich wissenschaftliche Errungenschaften finden.

   Der Denker lehrte: „Glaubt nicht, eure Ahnen seien Dummköpfe gewesen. Ihr habt nur einfach viele ihrer Errungenschaften vergessen.“

[Russisches Original. Seite 496.]


 

   538. Urusvati weiß, dass es die Übertragung von Gefühlen auf Entfernung gibt. Eine solche Erfahrung bestätigt umso mehr das Vorhandensein der Energie, die den gesamten Raum sättigt. Vergessen wir nicht, dass das Phänomen der Teraphime auf einer solchen Übertragung beruht. Man muss nicht unbedingt ein bestimmtes Bild dafür besitzen, wenn die Energie durch den Willensbefehl gesandt wird. Jeglicher Teraphim stellt nur ein Hilfsmittel dar, doch bedarf ein starker Wille eines solchen Hilfsmittels nicht.

  Man muss daran erinnern, dass die Übertragung von Gefühlen im Leben ebenso oft vonstattengeht wie Gedankenübertragung, doch achten die Menschen nicht darauf. Die Übertragung von Gefühlen kann bewusst und absichtlich erfolgen, ebenso gut jedoch auch unbewusst. Die unbewussten Übertragungen erfolgen häufiger als die bewussten, und viele schmerzhafte Empfindungen und Stimmungen sind Folgen solcher Übertragungen.

   Es ist bereits vorhersehbar, dass die Menschheit der Zukunft das ungeheuer große Gebiet des Denkens ordnen wird. Man darf nicht in dem Irrtum verbleiben, dass nur einige Zauberer und Hexenmeister der Naturkräfte mächtig seien. Jeder Mensch befindet sich in Berührung mit der Macht der Energie, will aber dennoch diesen Vorzug nicht erkennen. Man könnte eine ganze Reihe von Büchern über Fragen des Geheimwissens verfassen, doch wäre dies so lange nicht nützlich, wie der Mensch von dem Gedanken seiner Möglichkeiten noch nicht erleuchtet ist. Alle Ratschläge, selbst die dringendsten, werden die Menschen wie eine Tagesneuigkeit gelangweilt lesen. Sie denken nicht darüber nach, dass das Geschriebene ihnen zur unverzüglichen Anwendung übergeben worden ist.

   Der Denker trieb die Mitbürger an, die unsichtbare, doch fühlbare Welt zu erkennen.

 

   539. Urusvati kennt die vielen Warnungen und Unterweisungen, die der Menschheit gesandt worden sind. Vergleicht den Sinn der Lehren des Pythagoras mit den Briefen des Priesterkönigs Johann[21], mit den Taten Saint Germains* und den Mahatma-Briefen, und überall werdet ihr die Sorge

[Russisches Original. Seite 497.]


 

um die Gesundung der Menschheit finden.

   Mögen die Unterweisungen auch in verschiedenen Sprachen gegeben worden sein und die Züge der zeitgenössischen Epochen tragen, so ist es doch aufschlussreich, die Grundlagen dieser Botschaften zu verfolgen. Die Menschen halten solche Schriften mitunter für unecht, fällt es jedoch nicht auf, dass ein einziger Gedanke über verschiedene Jahrhunderte hinweg lebte? Viele Botschaften werden bestimmten Personen zugeschrieben, doch in noch größerer Zahl existieren anonyme Schriften. Man kann sehen, wie sie sich in verschiedenen Ländern verbreiteten und ihre Anhänger hatten. Man muss diese umfangreiche Literatur studieren, doch wurde sie bisher nicht gesammelt noch nach ihrem inneren Sinn zusammengestellt.

   Oftmals beklagen sich die Menschen, keine Führung zu haben. Nehmt jedoch nur Handschriften und Druckwerke aus den Regalen der Bibliotheken, um euch davon zu überzeugen, welche Vielzahl unbekannter Autoren an der Evolution der Menschheit gearbeitet hat. Vergessen wir nicht, dass einige dieser Tatmenschen mehrere Pseudonyme verwandten. Daher darf man die Arbeiten nicht nach Autoren sammeln, sondern nach ihrem inneren Wert.

   Wir legen keinen Wert auf Unsere Namen, da im Verlauf eines langen Lebens die Namen oft wechseln. Wir schätzen den Sinngehalt der Arbeit, messen jedoch der Frage, ob ein Name auf dem ersten oder zehnten Regal zu finden ist, keine Bedeutung bei. Vergessen wir auch nicht, wie viele Handschriften von den Händen unverhohlener Neider vernichtet wurden.

   Der Denker sprach: „Können wir davon überzeugt sein, dass unsere Schriften unter unserem Namen überdauern werden? Lasst uns darüber gar nicht nachdenken, da ein solches Denken nur Zeitverschwendung darstellt.“

 

   540. Urusvati weiß, wie viele nützliche Aufzeichnungen man außerhalb staatlicher Bibliotheken in Familienarchiven finden kann. Es ist ein großer Irrtum zu meinen, staatliche Bibliotheken könnten sämtliches in Handschriften hinterlassene Material erschöpfend aufführen. Ein ebensolcher Irrtum ist es anzunehmen, dass die ungeheure Menge gedruckter Bücher die wichtigsten Lebensfragen abdecke. Im Gegenteil lässt sich bestätigen, dass die wichtigsten Aufzeichnungen nicht herausgegeben wurden oder in privaten Kellern verderben.

   Erschreckend ist der Gedanke, dass eine Vielzahl unwiederholbarer menschlicher Errungenschaften

[Russisches Original. Seite 498.]


 

zugrunde geht! Man muss damit beginnen, die Privatarchive zu bewahren, auch wenn dies nicht einfach sein wird.

   Man darf nicht voraussetzen, dass gerade die Archive bekannter Leute besonders interessant seien. Äußerst bemerkenswerte Aufzeichnungen können sich ebenso gut bei unbekannten Bürgern befinden. Diese Aufzeichnungen können Zeugnis von sehr aufschlussreichen Erscheinungen ablegen, wie Bestätigungen alter Generationen, die von den Nachkommen nicht wieder aufgegriffen wurden. Niemandem kam es in den Sinn, solche Niederschriften zu drucken.

   Eine große Zahl von Chroniken ist auch in Klöstern und verschiedenen Kongregationen verschwunden. Vieles ist bereits verdorben, doch vieles liegt noch im Staub begraben. Die Menschen sollten nicht sagen, sie hätten über verschiedene Fragen keine Kenntnis, sondern erkennen, wieviel sorgsam Aufgezeichnetes in dunklen Verliesen ruht. Möge jeder aufmerksam hinhören, wenn er von Aufzeichnungen erfährt, die jemand verwahrt. Viele strahlende Gedanken wurden aus Bescheidenheit oder Trägheit begraben. So wird man auch in Bibliotheken ungeordnete Handschriftenbündel finden können.

   Der Denker regte Seine Schüler dazu an, Familienaufzeichnungen aufzubewahren.

 

   541. Urusvati weiß, mit welcher Mühe die Sichtung von Familienarchiven verbunden ist. Überaus bedeutsames Wissen kann beiläufig erwähnt sein, bekannteste Namen erscheinen verfremdet, in Form von Initialen oder als Beinamen. Schließlich kann die gesamte Darstellung in einem bestimmten, verabredeten Stil verfasst sein. Das letztere ist nicht selten aus Furcht vor Verfolgung geschehen, weshalb manche Archive, auch solche, die als erforscht gelten, in Wirklichkeit vieles noch Unbemerkte enthalten.

   Solche Archive, wie die von Choiseul[22], Goethe[23] und Stroganow[24] enthalten viel nützliches Wissen. Solches Tatsachenmaterial bietet besonders Aufschlussreiches über das innere Leben Unserer Bruderschaft. Man muss d‘Adhémar[25] für die Hinterlassenschaft von Aufzeichnungen danken, ohne die viele Seiten der Tätigkeit Saint Germains nicht bekannt geworden wären. Jemand wird sich dennoch erstaunt zeigen, wozu denn die Aufzeichnungen der d‘Adhémar nötig seien, wenn Wir doch alles viel vollständiger erklären könnten. Doch die Menschen schätzen Aussagen ihrer Zeitgenossen, und solche Aufzeichnungen werden in den Augen der Menschheit als Beweisstücke weitaus mehr Gültigkeit besitzen

[Russisches Original. Seite 499.]


 

als Unsere anonymen Mitteilungen.

   Desgleichen müssen auch arabische und iranische Aufzeichnungen studiert werden, in denen sich Zeugnisse Reisender finden lassen. So wird verständlich, weshalb Wir so oft von Zusammenarbeit sprechen. Eine einzelne Erzählung, in verschiedenen Jahrhunderten von historischen Persönlichkeiten wiederholt, stellt ein überaus reales Zeugnis dar.

   Es ist erstaunlich, wie Wissen über die Bruderschaft unerwartet in Länder eindrang. Man kann es in Irland, Norwegen und Spanien finden, wohin es Seefahrer aus dem Osten trugen. Mögen die Forscher sich nicht ihre eigenen Wege abschneiden. Funde können sich ganz unerwartet einstellen.

   Der Denker lehrte, nicht zu verzweifeln: „Suchende, ihr könnt nicht wissen, wo und wann ihr die Schwelle zum Fund überschreiten werdet.“

 

   542. Urusvati weiß, dass die Hauptgrundlage Unseres inneren Lebens die Übung des Denkens ist. Es irrt sich, wer annimmt, ab einer bestimmten Stufe brauche das Denken nicht mehr entwickelt zu werden. Das Denken muss von Beginn an entwickelt und fortan immer weiter vervollkommnet werden. Des Mitleids wert sind jene, die meinen, in irgendwelchen feierlichen Prozessionen Leben antreffen zu können. Arbeit ist in allem, so auch in dem Bestreben des Denkens.

   Wir bedauern jene, die der Auffassung sind, für sie sei Denken nicht erforderlich. Ein überaus großer Teil der Menschheit denkt überhaupt nicht. Die ungeordneten Fetzen verworrener Geister dürfen nicht für Denken gehalten werden. Sie entstehen aus dem Chaos und vergehen ebenso schnell wieder wie Schneeflocken bei Tauwetter. Viele empfinden eine dem Denken gewidmete Existenz als außerordentlich langweilig.

   Ihr möchtet von Unserem inneren Leben erfahren. Selbst wenn Ströme die mannigfaltigsten irdischen Ereignisse herantragen, finden Wir dennoch auch inmitten solcher Wirren Zeit, um nachzudenken. Die Gedankenbildung bedarf keiner langen Zeit, und ihre Klarheit wird durch beständige Übung erreicht. Für solche Übungen braucht es keine bestimmte Verfassung. Wenn das Wesen dem Gemeinwohl zustrebt, wird auch jede Phase des Denkens in diese Richtung eingestellt.

[Russisches Original. Seite 500.]


 

   Das Denken kann streng oder freudig sein, auch beständig mitfühlend und barmherzig, was eine Art Schlüssel des Denkens darstellt; die Klarheit der Vorstellung hängt jedoch von dem Vorrat an psychischer Energie ab.

   Einige meinen, bei Uns dürfte es nicht nötig sein, Uns um diesen Vorrat zu bemühen. Dummköpfe verstehen nicht, dass die Harmonie der Energie wohl gehütet werden muss. Der eine kann den Vorrat an psychischer Energie etwas langsamer wiederherstellen, der andere kann dies schneller erreichen, und einem weiteren genügt es, die Augen zu schließen und tief durchzuatmen, um einen entstandenen Verlust wieder auszugleichen. Auch Wir müssen Unseren Vorrat wieder auffüllen, dies zu leugnen wäre unwissenschaftlich.

   Mitunter erhaltet ihr keine rasche Antwort. In einer solchen Stunde können besonders eilige Ereignisse vonstattengehen, doch ebenso gut kann es sein, dass gerade der Vorrat an psychischer Energie wieder aufgefüllt werden muss. Lasst uns über alles nachdenken, wie es auch im menschlichen Leben ist, so werden wir nicht fehlgehen. Der Mikrokosmos wird den Zustand des Makrokosmos verstehen. Auch über Unser inneres Leben denkt menschlich. Bewahrt in allen Überlegungen die Schönheit der Vorstellung und lernt, die Vorstellung von Arbeit für das Gemeinwohl zu lieben.

   Der Denker sprach: „Wenn wir mit allen Kräften lieben würden, wären wir erfolgreich.“

 

   543. Urusvati weiß, dass ein Zustand voller Wachsamkeit ebenfalls eine der Grundlagen Unseres inneren Lebens ist. Glaubt nicht, eine solche Wache sei etwas Übernatürliches. Menschen zeichnen sich nicht selten durch eine besondere Empfindsamkeit aus. Sie haben einen feinfühligen Schlaf von gespannter Aufmerksamkeit, in der sie sogar Luftbewegungen wahrnehmen. Dies geht ohne lange Vorbereitungen vonstatten, die psychische Energie arbeitet selbständig, wenn sie nicht von äußeren Bedingungen belastet ist. Doch wenn die Energie bei einer ihr gegenüber unbewussten Einstellung arbeitet, wie offenbart sie sich erst bei bewusstem und bestrebtem Bemühen! Fügt noch die lange Dauer Unserer Existenz hinzu, so werdet ihr euch vorstellen können, wie viele Eigenschaften sich verbessern.

   Die Menschen behaupten, dass ständige angespannte Wache etwas

[Russisches Original. Seite 501.]


 

Unerträgliches sein müsse, doch ist diese Befürchtung unbegründet. Jeder Tatmensch, der Fähigkeiten besitzt, hält eine solche Mühe nicht für unerträglich. Er ist dermaßen an sie gewöhnt, dass er nicht ohne sie zu sein vermag.

   Ebenso kann uns auch hohe Feinfühligkeit nicht belasten, wenn sie in vernünftiger Weise entwickelt wird. Sie wird zu einer natürlichen Tatsache, besonders wenn auch der Schlaf sehr kurz wird. Besser wäre es, solchen Schlaf als Ausruhen zu bezeichnen.

   Wir lassen den feinstofflichen Körper nicht immer fort, um die Bewusstheit nicht einzubüßen. Wenn Wir in die Feinstoffliche Welt zu gehen wünschen, übernimmt ein Freund die Wache; dabei passte Er auch auf den Körper auf, um keine unerwünschten Ströme herantreten zu lassen. So seht ihr, dass die Wache unter zusätzlichem Vorhandensein bestimmter Apparate eine unverrückbare Bedingung Unseres inneren Lebens ist.

   Der Denker lehrte: „Möge jeder Feinfühligkeit in sich entwickeln, so wird er hundertfach erfolgreicher voranschreiten.“

 

   544. Urusvati weiß, dass einige Aspekte Unseres inneren Lebens einer Fehldeutung ausgesetzt sind. So sagt man, Wir erwiesen jenen, die Uns in vergangenen Leben begegnet sind, einen Vorzug. Aus Unwissenheit halten die Menschen dies für ungerecht, doch selbst bevorzugen sie als Mitarbeiter jene, von denen sie überzeugt sein können.

   Sie wünschen, dass nur erprobte Mitarbeiter sie umgeben. Niemand wird eine solche Auswahl als ungerecht bezeichnen – dies ist ein menschlicher Aspekt. Vergessen wir überdies die Harmonie nicht, die für Mitarbeit unerlässlich ist. Es ist nicht wenig Zeit erforderlich, um die Nervenzentren in Übereinstimmung zu bringen. Wir benötigen übereinstimmende Bestrebungen, um die Energie nach Möglichkeit nicht zwecklos zu verausgaben. Wer aber vermag besser zur gemeinsamen Arbeit beizutragen als eine Persönlichkeit, die bereits an ihr teilgenommen hat? Es ist klar, dass Wir bevollmächtigte Tatmenschen aus jenen auswählen, die bereits für das Gemeinwohl gearbeitet haben.

   Wir helfen jenen, die einen besonderen Auftrag haben. Dies ist vollkommen gerecht, da sich um diese Gesandten eine Vielzahl schwerer Ströme verdichtet. Viele möchten

[Russisches Original. Seite 502.]


 

von diesen Tatmenschen verschont bleiben, und wenn sie es könnten, würden sie auch Uns vernichten. Man darf jedoch nicht sagen, Wir würden Uns nur auf diese alten Freunde beschränken: Die Eingänge zur Zusammenarbeit sind geöffnet. Doch nur erprobte Tatmenschen können verstehen, was Vertrauen bedeutet, absolutes Vertrauen bis zum Schluss, ungeachtet der Umstände. Solche Bedingungen der Zusammenarbeit werden nicht aufgezwungen noch befohlen, sondern durch Erfahrung erkannt. Desgleichen zeigt auch nur Erfahrung auf, worin Unsere Hilfe besteht. Kurzsichtige erkennen sie nicht, da sie nach sich selbst, ihrem eigenen Horizont gemäß urteilen.

   Der Denker bestätigte: „Die höhere Hilfe ist so herrlich, dass allein ein hoher Geist ihre Schönheit zu verstehen vermag.“

 

   545. Urusvati weiß, dass manche einem derartigen Irrtum verfallen, Uns sogar der Selbstsucht zu bezichtigen. Ein solcher Irrtum beruht darauf, dass Wir, nach den Worten der Ankläger, nur dort helfen würden, wo es für Uns von Vorteil sei. Überdies erwiesen Wir gerade solchen Menschen keine Hilfe, die sie zu erhalten wünschten. Und schließlich würden Wir nicht in derjenigen Weise helfen, wie die Menschen es sich vorstellen. Derartige Beschuldigungen werden nicht selten laut ausgesprochen, doch noch öfter gedanklich zum Ausdruck gebracht.

   Die Menschen wollen nicht begreifen, dass Hilfe nur auf der Grundlage kosmischer und karmischer Gesetze möglich ist. Ebenso wenig wollen die Menschen anerkennen, dass eine harmonische Vereinigung ein bedeutendes Maß an Zeit für ihre Entwicklung und beiderseitiges Bestreben erfordert. Die Menschen schreien nach Hilfe, ohne sich die Mühe zu geben, ihr den Weg zu bereiten. Bei Krankheiten wendet man sich gewöhnlich erst dann an Uns, wenn der Organismus bereits in nicht wiedergutzumachender Weise verletzt ist.

   Man muss all diese hinterlistigen und offenen Beschuldigungen in Bezug auf Uns grausame Faulpelze hören, die eben keinen Teil Ihrer unerschöpflichen Energie abgeben wollten. So flüstern auch Menschen, die von Uns wissen, sie hätten von Entsprechung und Angemessenheit gehört, doch sind diese Begriffe für sie abstrakt geblieben. Mitunter verursachen jene, die nichts von Uns wissen, weniger Schaden als diejenigen, die in unverantwortlicher Weise den Raum verseuchen.

   Die Lehre zeigt ausführlich auf, wie besonnen die Energie verteilt werden muss. Sie darf nicht in einer Weise verwendet werden, dass sie zum Schaden einer Vielzahl von Umständen gereichen könnte. So hat Unser inneres Leben viele Aspekte, die bei besonnener

[Russisches Original. Seite 503.]


 

menschlicher Mitarbeit verbessert werden können.

   Der Denker bat Seine Schüler, zielgerichtet und zweckentsprechend zu handeln: „Lernt es, den Pfeil in die Mitte des Zieles zu schießen.“

 

   546. Urusvati weiß, dass das innere Leben der Tatmenschen auf viele Disziplinen gegründet ist. Selbsttätigkeit, Tapferkeit, Zweckentsprechung, Unermüdlichkeit, Barmherzigkeit, Verehrung der Hierarchie und viele andere Disziplinen werden mit Fleiß und bewusst entwickelt. Es ist unmöglich, sich ein besonnenes, vernünftiges Leben vorzustellen, wenn es von ungeordneten Erscheinungen umgeben ist.

   Die Tatmenschen wissen, dass sie jede Disziplin freiwillig annehmen, und sie bedauern keine ihnen auferlegte Arbeit. Sie verstehen, dass selbständige Tätigkeit bis zum äußersten Grad entwickelt werden muss. Bevor er sich an den Führer wendet, wird sich jeder Tatmensch selbst fragen, ob er nicht noch ein weiteres selbständig vollbringen könne.

   So können auch alle übrigen Disziplinen in beliebigen Lebensverhältnissen entwickelt werden: Die Menschen können dies nicht verstehen, da sie sich die Tatmenschen als herrschaftlich und reich vorstellen, ohne zu verstehen, dass Wir sämtliche Schwierigkeiten des Lebens durchschreiten und in ihnen erstarken. Nur wenige sind einverstanden, den irdischen Aufenthalt in seiner Fülle zu durchleben, da in vielerlei Hinsicht die durch menschliche Unwissenheit hervorgerufenen Kümmernisse überwiegen. Doch die Tatmenschen wissen, dass jede Disziplin für die Fortentwicklung unerlässlich ist. Es ist besser, die volle Bürde auf sich zu nehmen, als auf demselben Weg hin und her zu laufen.

  In der Lehre ist die Aufgabe der Tatmenschen klar aufgezeigt worden, und jeder vermag zu entscheiden, welche Disziplin ihm unerlässlich ist. Unser inneres Leben ist voll strenger Disziplin.

   Der Denker lehrte Seine Schüler, die Disziplin zu lieben. Ohne sie sei es unmöglich, sich in seinem Handeln zu stärken.

 

   547. Urusvati weiß, dass in der Welt alles unwiederholbar ist. Das Gesetz ist ein und dasselbe, doch seine Einwirkungen auf die Materie rufen unzählbare Verbindungen hervor. Die Menschen lassen sich in zwei bestimmte Typen einteilen: Die einen fühlen diesen unwiederholbaren Reichtum des Kosmos,

[Russisches Original. Seite 504.]


 

für die anderen ist alles unbeweglich, gleichförmig und besitzt weder Bedeutung noch Schönheit. Unter der letzteren menschlichen Sichtweise werdet ihr die Egoisten finden, die sich selbst höher als alle hohen Erscheinungen der Natur stellen.

   Doch gewisse Apparate, wie auch Wir sie verwenden, zeigen die unaussprechliche Mannigfaltigkeit der Energie und der Substanz der Materie auf. Das Lebenspendel fällt unter solche Apparate. Sie können verwendet werden, um die Eigenschaften der psychischen Energie aufzuzeigen, für die Erforschung des Erdbodens und die Gedankenübertragung. Bei dem letzten Versuch konnte man sehen, dass der Gedanke schlagartig auf die psychische Energie einwirkt und mit großer Schnelligkeit arbeitet. Einige nehmen an, der Zeiger bringe ihre eigenen Gedanken zum Ausdruck, was davon kommen kann, dass gesandte Gedanken sich bereits im Bewusstsein widerspiegeln. In jedem Fall aber zeigt eine solche Übertragung, wie ein Gedanke sich in physische Energie umwandelt und bedeutsame, vielfältige Messwerte ergibt.

   Manche Apparate erfordern die Übertragung jedes Buchstaben und bedürfen der Anwesenheit einiger Personen, womit sie einem physikalischen Telegraphen ähneln. Doch Wir sprechen nun von der Gedankenübertragung. So kann man sich ein Urteil über den Prozess der Formung des Denkens bilden. Die Erscheinung der Vielfalt lässt sich anhand der Messwerte der psychischen Energie sehen. Nur ein scharfsichtiges, feinfühliges Auge kann die Messwerte höchst individueller Eigenschaften voneinander unterscheiden.

   Der Denker wies bereits in Seinen Aufzeichnungen auf die unzählbaren Besonderheiten des menschlichen Geistes hin.

 

   548. Urusvati weiß, dass Grausamkeit, Grobheit, Heuchelei und Lüge den Fortschritt der Menschheit behindern. Die Wissenschaft, stolz auf ihre Errungenschaften und Erfolge, verhilft nicht dazu, Menschlichkeit zu finden. Die Kunst erhebt das Bewusstsein nicht. Mit einem Wort: mit der Welt steht es schlecht.

   Die Gesellschaftslehren weisen auf die Grundlagen des Fortschrittes hin, und nirgends sind Lobpreisungen der vier genannten Untugenden zu finden. In allen Hinweisen wird dagegen immer wieder hervorgehoben, wie notwendig der Aufstieg des menschlichen Bewusstseins ist. Die extremsten Lehren preisen die Lüge nicht. Doch haben weder Wissenschaft noch Kunst und Religion die dem Menschen wie Ketten anliegenden Untugenden ausgemerzt.

[Russisches Original. Seite 505.]


 

   Man muss hingegen daran erinnern, dass sowohl Wissenschaft als auch Kunst und Religion die primitivsten Erscheinungen sogar gefördert haben. Selbst gewisse philosophische Vereinigungen erörtern höhere Dinge und geben sich unmittelbar danach schändlichsten Untugenden hin. Man muss die Wurzel der gesellschaftlichen Krankheit genau betrachten. Nur eine Gesundung des inneren Lebens wird dazu verhelfen, auch die gesellschaftlichen Erscheinungen auf eine höhere Stufe zu heben. So ist, neben wissenschaftlicher Erkenntnis und den von der Kunst vermittelten kurzen Momenten der Begeisterung, Tapferkeit notwendig, um das innere Leben zu verbessern. Tapferkeit entwickelt auch Geduld. Ein Mensch, der dem Wesen nach geduldig ist, wird tapfer und ausdauernd sein.

   Wir müssen dem Chaos das Beste entgegenstellen, was in uns lebt und sich in uns offenbart. Allein durch solche selbständige Tätigkeit vermag man unaufhörlich aufzusteigen. Die Menschen fürchten das Wort „Sittlichkeit“, sprechen aber gern von Sitten, geradezu als ob diese beiden Begriffe nicht ein und dieselbe Wurzel hätten. Das sittliche Wesen verändert sich jedoch nicht ohne Einwirkung auf das innere Leben.

   Der Denker lehrte: „Die Sitten der Völker gestalten die Geschichte der Menschheit. Mögen diese Feuer hell leuchten!“

 

   549. Urusvati kennt die Sympathien und Antipathien, die in den menschlichen Beziehungen aufkommen. Oftmals können die Menschen die Ursache solcher sich steigernder Gefühle nicht einmal erkennen. Über karmische und physische Ursachen hinaus muss es auch noch etwas geben, das eine Grenze zwischen den einzelnen Menschen aufbaut. Diese Grenze existiert, und nichts anderes als die psychische Energie stellt die Ursache dar.

   Man kann feststellen, dass der psychischen Energie beraubte Menschen jene zu hassen beginnen, die sie in höherem Maße besitzen. Die Menschen kennen dieses Gesetz nicht und suchen die Ursachen des Hasses in allen möglichen Bedingungen. Auch Neid beruht in den meisten Fällen darauf, dass anderen ihre psychische Energie geneidet wird.

   Man kann unterschiedliche Menschentypen beobachten. Neben Rassen- und Klassenunterschieden muss man noch ein internationales Phänomen erkennen. Der Unterschied in den Eigenschaften der psychischen

[Russisches Original. Seite 506.]


 

Energie liegt wie ein Schwert zwischen den Menschen. Die Menschen erkennen die Ursache nicht an, die in ihnen Neid und Hass entstehen lässt. Sie könnten die Ursache auch gar nicht erklären, da dieser Menschentyp gewöhnlich überhaupt nichts von der psychischen Energie weiß. Für sie ist diese Energie ein leerer, abstrakter Begriff. Doch ist auf diese auch in besonderem Maß der Zusatz „bettelarm“ anwendbar.

   Jeder Neider, Verleumder und Hasser ist vor allem bettelarm. Er hat sich selbst der höheren Aufspeicherungen beraubt. Auch in der Vergangenheit hat er sich nicht darum gesorgt, die Grundlagen des Daseins zu erkennen. Mit Schmerzen beobachten Wir, wie solche Bettler sich selbst und anderen Schaden zufügen. Und es ist unmöglich, ihnen Erleichterung zu verschaffen, da ihnen jeder Gebende bereits verhasst ist.

   Der Denker kannte solche unversöhnlichen Neider. Er sagte von ihnen: „Seht, wie die Last ihres Hasses ihren Rücken zu einem Buckel gekrümmt hat.“

 

   550. Urusvati weiß, dass Besitzergreifer vor allem die Gegenwart eines großen Vorrates an psychischer Energie nicht ertragen. Sie prallen wie Pfeile von diesem festen Schild ab. Umso stärker wird ihre Bosheit sein, und Besessene handeln dann im Hass sogar gegen ihren eigenen Nutzen. Man kann oft beobachten, wie Besessene allem gesunden Menschenverstand zuwiderhandeln, nur um Böses zu vollziehen.

   Man muss verstehen, wie viele solcher Übeltaten es gibt, die vollbracht werden, um den unsichtbaren Übeltäter zu befriedigen. Die Menschen nennen sie Dämonen, doch einfacher ist es, sie als Abschaum zu bezeichnen. Man darf nicht meinen, für Besessenheit bedürfe es irgendwelcher mächtiger Dämonen. Jeder irdische Verbrecher wird in der Folge unausbleiblich danach streben, von einem anderen Besitz zu ergreifen, um dadurch seinen nicht überwundenen Hass zu nähren.

   Man muss begreifen, dass nicht allein Kleinmütige, sondern auch alle, die sich dem Zweifel hingeben, leicht zu Opfern von Besitzergreifern werden. Bei einer solchen Erkrankung weiß der Mensch selbst nicht, was er tut, und Außenstehende sind über die rasche Persönlichkeitsveränderung erstaunt. Es wird jedoch eine Zeit kommen, da wissenschaftliche Apparate die Spaltung des Bewusstseins solcher gefährlicher Kranken aufzeigen werden. Viele historische Ereignisse spielten sich unter dem Einfluss von Besessenheit ab – vergessen wir das nicht.

[Russisches Original. Seite 507.]


 

   Der Denker sprach: „Manchmal scheint es, als würden anstelle der Archonten[26] irgendwelche Gespenster reden, die bluthaltige Nahrung lieben.“

 

   551. Urusvati weiß, dass einige radikale Tatmenschen in rückschrittlicher Weise leben, was bedeutet, dass sie keine Tatmenschen, sondern zeitweise Schädlinge sind. Das persönliche Vorbild ist gefordert, wie in der Verbreitung der höheren Wahrheit, so auch in jeder beliebigen Alltagssituation.

   Wir können die Begriffe Geduld, Tapferkeit oder Barmherzigkeit aussprechen, wenn wir selbst die Kühnheit besitzen, diese Eigenschaften zu bekunden. Wir können in der Vergangenheit nachforschen, ob wir Helden oder Dulder gewesen sein könnten. Erst dann sind wir in der Lage, diese Grundlagen des irdischen Daseins auch in Worten zu bestätigen. Doch darf man sich bei den Nachforschungen in der Vergangenheit nicht allein auf irgendwelche großen Taten beschränken, die man für das ganze Volk vollbracht haben könnte. Ausgezeichnete Beweise lassen sich auch inmitten des Alltagslebens erbringen, und an jedem Tag können wir das innere Chaos überwinden und das wilde Tier zähmen. Man muss jede herausragende Tat schätzen. Nicht nur die Heldentat für das Volk, sondern auch die äußerlich unmerkliche Errungenschaft kann dazu dienen, beste Stufen zu ersteigen.

   Ich habe bereits davon gesprochen, dass es schwer ist zu beurteilen, wo die Grenze zwischen kleinen und großen Taten liegt. Wahrlich, eine sogenannte kleine Tat kann die hervorragendsten Samenkörner zu legen. Wir wissen, wovon Wir sprechen. Die Menschen nennen solche Fortentwicklungen Prüfungen, doch ist es nicht besser, sie als Vervollkommnungen zu bezeichnen? Warum über Prüfungen jammern, wenn man in Vervollkommnung und Erfolg triumphieren kann!

   Der Denker bewegte Seine Schüler dazu, an jedem Tag in irgendeiner Angelegenheit erfolgreich zu sein.

 

   552. Urusvati weiß, dass der Keim einer Krankheit von größerer Bedeutung ist als ihre Folgen. Wir warnen vor dem Keim, da es später unmöglich ist zu helfen. Der Keim jedoch lässt sich durch gedankliche Heilmaßnahmen sehr gut beeinflussen. Ich spreche hier von psychischen und von körperlichen Erkrankungen. Besonders nützlich ist es, wenn mehrere Gedanken in derselben Richtung vereinigt sind. Nicht selten vermutet der Erkrankte noch nicht einmal die Möglichkeit einer Erkrankung. Nützlich wäre es, wenn sein Bewusstsein offen wäre und er den wohltätigen Sendungen

[Russisches Original. Seite 508.]


 

nicht entgegenwirkte. Daher ist es so notwendig, auf räumliche Sendungen zu hören.

   Man darf nicht der Scheinheiligkeit verfallen und sich etwas vorstellen, was nicht existiert, doch möge das Bewusstsein dennoch auf der Wacht stehen. Es ist traurig, beobachten zu müssen, dass die Menschen sich der Möglichkeit einer Hilfe erst dann erinnern, wenn sie bereits ohne Nutzen ist. Es gibt viele Beispiele, da Menschen hätten geheilt werden können, ihr Bewusstsein jedoch widerstrebte und die helfende Hand zurückstieß.

   Bisweilen unterstützen die Menschen unbewusst nützliche Einflussnahmen, auch wenn sie mit den Gesetzen der psychischen Energie wenig vertraut sind. Wir freuen Uns, wenn ein Mensch auf den richtigen Weg gelangt, selbst wenn dies unbewusst geschieht. Solchen unbewusst vorgehenden Menschen muss man sich sehr vorsichtig nähern, da sie sich leicht abwenden könnten; doch eine sanfte freundschaftliche Berührung kann ihre versiegelte Schatzkammer öffnen. Dazu bedarf es nicht nur der Geduld, sondern auch einer großen Nachsicht. Diese Eigenschaft ist in allem hilfreich, ebenso bei der gedanklichen Heilung. Ein guter Arzt weiß, wie man sich um einen Kranken kümmern und ihm helfen muss.

   Der Denker suchte die Ärzte zu überzeugen, dass ihr Herz und ihr Wille die besten Arzneien darstellten.

 

   553. Urusvati weiß, dass die Eigenschaft der Nachsicht falsch ausgelegt wird. Man versteht sie entweder als Hochmut oder als Fahrlässigkeit. So wie diese beiden Begriffe etwas Schändliches darstellen, wird auch der Begriff der Nachsicht nicht in einem guten Sinne verwendet. Wir aber verwenden ihn, um eine Eigenschaft der Menschlichkeit zu bezeichnen. Im Gemeinschaftsleben erweist sie sich als gegenseitig. Das gesamte irdische Leben besteht aus einem Wechsel von Nachsicht und Mitleid. Die Menschen bekunden diese wohltätigen Eigenschaften mitunter bewusst, doch erweisen sie Nachsicht öfter aus reiner Gutmütigkeit, ohne ihrem Lächeln eine besondere Bedeutung beizumessen.

   Im Alltagsleben weiß irgendjemand immer mehr als andere, doch aus Menschlichkeit wird er sich damit nicht wichtigtun und den anderen ihre Unwissenheit vorhalten. Er wird im Gegenteil alle Mühe aufwenden, um sein Wissen auf menschlichem Wege einzubringen. Bereits vor langem haben Wir davon gesprochen, dass Gespräche dem Bewusstsein des anderen entsprechend verlaufen müssen, und solche Gespräche kann man als menschlich bezeichnen.

[Russisches Original. Seite 509.]


 

   Man fragt Uns nach Unserem inneren Leben: Es ist menschlich und auf erhabene Geduld gegründet. Unterstellt Uns keinen Hochmut, wenn Ich von erhabener Geduld spreche. Sie muss groß, erprobt und auf Menschenliebe gegründet sein.

   Es ist nicht möglich, Geduld im Alltagsleben leicht zu erreichen. Die Angefülltheit des Raumes unterstützt dieses Ziel nicht. Viele Ströme behindern die Menschen, die davon noch nicht einmal eine Vorstellung haben. Wir wissen, wie schwer das irdische Leben ist. Es irrt sich, wer das Leben aus Unwissenheit für leicht hält. Doch ist der Übergangszustand weise eingerichtet, um die Klinge des Geistes wahrhaft zu härten. Das Geisteskorn des ist unwandelbar, doch ist es in ein Gewand gehüllt, das der Mensch selbst webt.

   Das Weben dieses Gewandes ist nicht leicht. Wenn man dies weiß, kann man Samenkörner der Menschlichkeit säen. Man darf sie nicht mit einem bestimmten Vorsatz ausstreuen, denn dieser Garten wird um der höheren Schönheit willen errichtet. So zählen Wir die Grundlagen Unseres inneren Lebens auf. Wenn in jemandem der Wunsch und die Festigkeit lebt, sie anzuwenden, möge er es tun. Je angespannter die Stunde, desto größer ist der Verdienst der vollbrachten Tat. Wir verheimlichen die Komplexität der Lebensgrundlagen nicht, und in diesem beiderseitigen Vertrauen erstarkt die Menschlichkeit.

   Der Denker verstand, wie viele Hindernisse auf dem Weg des Menschen liegen. Wenn ein Zusammenstoß erfolgte, flüsterte Er: „Beachte diesen Stein nicht!“

 

   554. Urusvati weiß, dass der Mensch ein Behältnis alles Existierenden darstellt. Von den Keimen sämtlicher Krankheiten bis zu den höchsten transzendentalen Möglichkeiten vermag er alles in sich hervorzurufen. Durch eigene Zulassung kann er jede beliebige Krankheit hervorrufen, doch ebenso auch mit den höchsten Kräften in Verbindung treten. Der Mensch muss nur seine unzertrennliche Einheit mit dem Weltall verstehen. Unglück resultiert daraus, dass die Menschen ihre Möglichkeiten vergessen. Sie tun dies jedoch allzu oft, weshalb auch die Zahl der Nöte allzu groß ist.

   Keine Spezialwissenschaft ist in der Lage, das Bewusstsein von der Bestimmung des Menschen zu ersetzen. Das Bindeglied der Welten ist der Mensch. Diese seine Bestimmung darf er

[Russisches Original. Seite 510.]


 

nicht vergessen. Sie erstreckt sich als ein großes Schicksal auf alle Bereiche der Arbeit. Der Mensch darf den ihm verliehenen Gaben nicht ausweichen, da er anderenfalls zu einer Quelle von Elend wird. Besonders in den Tagen des Harmagedon sollte der Mensch über den inneren Sinn seines hiesigen Aufenthaltes nachdenken. Er darf sich nicht von den vorbestimmten Möglichkeiten ausschließen.

   Keine äußere Religion wird den Menschen retten, wenn er sich durch äußere Bedingtheiten selber eingrenzt. Das Auftreten kosmischer Phänomene darf nicht vergessen werden. Mögen die Wissenschaftler hinter die Grenze des Zufalls blicken. Möge jemand die Verbindung zwischen den Stimmungen der Menschen und physikalischen Phänomenen aufzeigen. Möge die Wissenschaft sich eine Auffassung von feinstofflichen Verbindungen und Wechselbeziehungen bilden. Wir werden es nicht erzwingen, sondern bringen allein den Wunsch zum Ausdruck, dass die Wissenschaft das Wesen des Menschen in größerem Maß erhellen möge.

   Der Denker wusste, dass die Zeit kommen wird, da die Wissenschaft über die irdische Existenz hinaus blicken wird.

 

   555. Urusvati weiß, dass die meisten Menschen zur Gedankenübertragung auf Entfernung vollkommen unfähig sind. Sie besitzen noch nicht einmal eine richtige Vorstellung davon, was gedankliche Konzentration bedeutet, und ihre Gedanken gleichen Schmetterlingen in der Nähe eines Feuers. Sie wollen sich nicht vorstellen, dass Denken durch die alltäglichen Gedankenhüpfer zerschlagen wird und dadurch einer Kakophonie[27] gleicht. Sie wären sehr entrüstet, wenn ein Telegraphist mitten in eine Mitteilung seine eigenen Worte einfügte. Sie wären empört, wenn jemand mitten im Spiel eines Virtuosen dessen Saiten berührte. Aus der Sicht der Zuhörer wäre dies unzulässig. Wenn aber Gedanken durch irgendjemandes unsinnige Ausrufe jäh abgebrochen werden, so wird dies nicht verurteilt, da man noch nicht einmal die Bedeutung der Gedanken überhaupt versteht. Doch muss man erkennen, dass der Gedanke das grundlegende Wesen des Daseins darstellt.

   Man wird sagen, für Gedankenkonzentration seien irgendwelche besonderen Schulen notwendig. Keineswegs. Jeder Mensch vermag sich in der Gedankenkonzentration zu üben, indem er mit den einfachsten Gegenständen beginnt. Wenn man sich selbst dazu veranlasst, klar zu denken, wenn auch zunächst nur eine Viertelstunde am Tag, wird dies bereits gute Folgen zeitigen.

   Vergessen wir überdies nicht, dass jeder Gedanke von irgendjemandem gehört wird. Ist es nicht beschämend,

[Russisches Original. Seite 511.]


 

ein ungeordnetes Denken in den Raum treten zu lassen? Wir sind sehr betrübt, wenn Uns anstelle klarer Gedanken irgendwelche ungereimte Fetzen erreichen. Man muss den Empfänger schonen und versuchen, die Sendung kurz und klar, ohne überflüssige Beifügungen zu gestalten. Ihr selbst entscheidet, was für euch das Wichtigste ist, und werdet so die passendste Ausdrucksweise finden.

   Der Denker lehrte: „Wenn ihr das Erhabenste in kurzer Form zum Ausdruck bringen könnt, so tut dies.“

 

   556. Urusvati weiß, dass den Atlantiern die Luftfahrt bekannt war. Ist es nicht seltsam, dass diese Errungenschaft nach dem Untergang von Atlantis verschwand? Es hätten doch einige übriggebliebene Atlantier vom Geheimnis des Fliegens wissen können. Doch es schimmerten in den Chroniken nur kurze Aufzeichnungen über Luftschiffe durch, und später wurden auch diese für lange Zeit vergessen. Die lückenhafte Kenntnis über Salomon und sein fliegendes Schiff blieb im Bereich der Märchen, ebenso wie auch die Erzählung vom fliegenden Teppich. Die Menschheit hat bereits mehrmals von Flügeln geträumt, doch die Suche danach dauerte Jahrtausende.

   Aus welchem Grund sollte die Menschheit aber für lange Zeit eines solchen Vorzuges beraubt sein? Doch nicht nur eine einzige Errungenschaft wurde vergessen, als ob sie mit Gewalt fortgenommen worden wäre. Es konnte nicht anders sein, da die Menschen ihre ursprüngliche Bestimmung vergessen hatten.

   Man darf sich nicht wundern, dass auch heute viele Entdeckungen zurückgehalten werden. So kann man erfahren, dass notwendige Aufzeichnungen verschwinden und schon zur Veröffentlichung Bereites aufgeschoben wird.

   Die Menschen sind bereit, verschiedenen Märchen Glauben zu schenken, bemerken jedoch die Wirklichkeit nicht. Der Fortschritt hat seine Kurven. Es ist an der Zeit, die Aufmerksamkeit auf die Wellen menschlicher Errungenschaften zu lenken. Richtig sagt man, dass die Geschichte nur fragmentarisches Wissen überbrachte, einem nachdenklichen Forscher helfen diese kurzen Andeutungen dennoch.

   Dem Denker war das Alter der Erde und des Menschen bekannt. Er bestätigte, dass der Planet viele Katastrophen durchlebt hat. Und Er war es auch, der von Atlantis schrieb, was die Menschen jedoch lange für ein Märchen hielten. Für die Unwissenden ist die beste Wirklichkeit das Märchen.

[Russisches Original. Seite 512.]


 

   557. Urusvati weiß, dass der feinstoffliche Körper durch gute Handlungen genährt wird. Viele fassen dies als ein Paradoxon oder eine Ungereimtheit auf. Für sie existiert der feinstoffliche Körper gar nicht, und der Begriff des guten Handelns sei überaus relativ. In der Tat jedoch erstarkt der feinstoffliche Körper durch alles Hohe, und deshalb sind gutes Denken und Handeln so sehr nützlich.

   Auch die Kunst trägt Augenblicke höchster offenbarter Freude herbei, was für den feinstofflichen Körper überaus stärkende Nahrung bedeutet. Wenn alte Redewendungen von einer Ernährung durch Luft sprachen, so war damit die Einwirkung guter Verbindungen auf den feinstofflichen Körper gemeint.

   Einige meinen, der feinstoffliche Körper sei unzerstörbar, und irdische Gegebenheiten könnten daher auch keinen störenden Einfluss auf ihn ausüben, doch entbehrt diese Auffassung der realen Grundlage. Der feinstoffliche Körper ist trotz seiner Feinheit eben ein stofflicher, ein materieller Körper. Er vermag Schmerz zu empfinden, kann erstarken und sogar sich zersetzen. Er besitzt sein Eigenleben, und manchmal befindet er sich noch nicht einmal in Übereinstimmung mit dem grobstofflichen Körper. Inmitten verschiedener Einwirkungen kann gerade der feinstoffliche Körper früher reagieren als der grobstoffliche.

   Wir sprachen von den sogenannten lebenden Leichnamen. Sie sind im feinstofflichen Körper bereits gestorben, während der grobstoffliche noch lebt. Die psychische Energie befindet sich in solchen Fällen in einem unnormalen Zustand. Mit dem Absterben im feinstofflichen Körper zieht auch sie sich nahezu gänzlich zurück, doch wenn die physische Arbeit des Herzens weitergeht, so bleibt auch die Energie in gewissem Maße mit der sich zersetzenden Hülle verbunden.

   Man muss verstehen, dass solche Organismen nicht gleichmäßig zu schaffen vermögen und in ethischer Hinsicht absinken. Wir nennen solche Organismen leere Hüllen. Man darf sie jedoch nicht mit Besessenheit verwechseln, die bei Schwächung des feinstofflichen Körpers eintreten kann. Wahrlich, der feinstoffliche Körper nährt sich durch hohe Taten.

   Der Denker beharrte darauf, dass der Mensch sein Herz durch Musik erneuern müsse. Die Musik wurde als die alle Musen umfassende Sphäre verstanden.

 

   558. Urusvati weiß, wie vielfarbig der Agni Yoga ist. Das aufmerksame Auge

[Russisches Original. Seite 513.]


 

vermag viele Farbabstufungen der Flamme zu unterscheiden. Die Umgebung Bedingungen beeinflussen die Farbe der Flamme. Ebenso traten zu verschiedenen Zeiten besondere Notwendigkeiten für einen bestimmten Yoga auf. So kann man die würdevolle Größe des Raja Yoga sehen, man kann das lichte Strahlen des Bhakti Yoga feststellen und die Anspannung des Gnana Yoga, doch lässt sich auch die wichtigste Notwendigkeit des strahlenden Karma Yoga finden. Intensive Arbeit ist in den Tagen der Wirrnis der Menschheit unausweichlich. So werden wir inmitten der verschiedenen Farben des Agni Yoga den Stab des Karma Yoga finden. Auf dieser Grundlage wird die Menschheit Gerechtigkeit erfahren.

   Lasst uns nicht erstaunt sein, dass dem sehr strengen Karma Yoga nicht immer der Vorzug gegeben worden ist. Mitunter hat man ihn unter dem Eindruck der Größe und des Lächelns anderer Errungenschaften vergessen. Wir wissen, dass der Karma Yoga solche ungestümen Errungenschaften wie der Bhakti Yoga nicht zu geben vermag, doch wird intensive Arbeit der Rettungsanker des Planeten sein. Möge auch der Purpur des Raja Yoga majestätisch und das hellblaue Strahlen des Bhakti Yoga herrlich sein, doch nicht weniger herrlich sind das Dunkelblau und das Violett des Karma Yoga. Er hat gewissermaßen etwas von dem Purpur und ebenso eine Verdichtung des hellblauen Strahlens empfangen. Intensive Arbeit ist sowohl majestätisch erhaben als auch voller Liebe. So lasst uns in der Flamme des Yoga, der Agni Yoga genannt wird, die Farben der intensiven Arbeit erblicken.

   Es ist notwendig, dass der Mensch die Schönheit des Blühens der Arbeit tiefgreifend erkennt. Möge er auf die Arbeit nicht als etwas blicken, das ihm das tägliche Brot sichert, sondern die Rettung des Planeten. Gerade bewusste, intensive Arbeit schafft heilsame Emanationen, die in der Lage sind, mit den vergifteten niederen Schichten der Atmosphäre zu kämpfen.

   Wir beobachten die intensiv Arbeitenden. Unter ihnen treten wahre Karma Yogis in Erscheinung, doch können sie sich oftmals nicht als solche bezeichnen, da sie dieses Wort noch nie gehört haben. Unser Freund Iwan Hunderttausender[28] weiß nichts von diesem Wort, doch er kennt die Arbeit.

   Der Denker lehrte: „Keine Geschichtsschreibung vermag die wahren Arbeiter aufzuzählen. Ihr Verzeichnis wird jenseits der Wolken geführt.“

 

   559. Urusvati weiß, dass jeder Yoga eine tiefgreifende Disziplin erfordert. Daran muss erinnert werden, da einige meinen, verschiedene Yogaformen bedürften keiner tiefgreifenden Disziplin. Sie meinen, es gäbe leichte und schwere Yogaformen, und träumen

[Russisches Original. Seite 514.]


 

von der allerleichtesten. Die innere Disziplin aller Yogaformen ist jedoch ein und dieselbe.

   Die Anspannung der uranfänglichen Energie muss mächtig sein. Sie bildet Immunität, die bei geöffneten Zentren so sehr notwendig ist. Irgendjemand bezeichnete den Yogi einmal als einen Menschen mit abgezogener Haut. Zwar ist dies ein grober Vergleich, doch entbehrt er nicht der Wahrheit. In der Tat, wenn der Yogi sich keine Immunität erarbeiten würde, ertrüge er die Berührungen mit den räumlichen Strömen nicht. Urusvati weiß, dass einige Ströme schmerzhafte, quälend beunruhigende und sogar stechende Empfindungen vermitteln. Man kann sich vorstellen, was ohne die Bildung von Immunität geschähe!

   Nun wird jemand lachen, wenn Wir sagen, dass der Hauptfaktor beim Erringen von Immunität gutes Denken ist. Wer die Kraft guter Gedanken nicht anerkennt, kann kein Yogi werden. Gutes Denken ist der beste Pförtner beim Eintritt in die Feinstoffliche Welt.

   Wie viele Menschen halten sich selbst für Yogis, sind aber voller Bosheit! Die Menschen nehmen an, dass eine plötzliche Erleuchtung durch ihre eigene Kraft sie über alle Hindernisse hinwegführe. Erleuchtung kann plötzlich eintreten, doch ist dafür eine große innere Anspannung erforderlich. Einen solchen Zustand muss man ansammeln. Nicht das Kreuzen der Beine, sondern die Konzentration guten Denkens bringt rasche Hilfe. Die freiwillige, täglich geübte Disziplin des Denkens zeitigt die besten Folgen.

   Wir kehren wiederholt zum Begriff der Freiwilligkeit zurück. Sie ist die erste Bedingung der Disziplin. Die geringste Vorstellung von Zwang vernichtet alle Errungenschaften. Ein Lehrer nötigt grundsätzlich nicht, und auch der Mensch soll sich nicht Zwang auferlegen. Die Disziplin des Guten ist Freude, die sich selbst erzeugt. Welch unzerstörbare Immunität wird durch Freude geschaffen! Und die Ruhe eines Yogi rührt nicht von verschlossener Unerschütterlichkeit her, sondern von innerer flammender Freude: Dies ist der Weg der Disziplin. Man wird sagen: Wie einfach! Doch wissen sie nicht, dass Freude eine besondere Art der Weisheit ist.

   Der Denker lehrte: „Wer Freude gelernt hat, hat den Weg der Weisheit betreten.“

 

   560. Urusvati weiß, dass die psychische Energie sogar auf geringfügige atmosphärische Erscheinungen reagiert. Darüber hinaus ist diese Energie selbst überaus individuell ausgeprägt.

[Russisches Original. Seite 515.]


 

Ihre Eigenschaften zu erkennen ist umso schwerer, als es noch nicht einmal eine Nomenklatur zur Bezeichnung ihrer Erscheinungen gibt. Es lässt sich verfolgen, dass die psychische Energie auf alles antwortet, was einen Tatmenschen berührt.

   Man kann die unzusammenhängendsten, chaotischsten Wörter vernehmen, die einem als sinnlos erscheinen mögen, doch wird jedes von ihnen mit einer direkten oder indirekten Beziehung ausgesprochen. Der Tatmensch selbst vermag seinen Apparat nicht zu verschließen, um gleichzeitig herantretenden fernen Rufen Einhalt zu gebieten, doch fühlt er, wenn etwas eine besondere Bedeutung besitzt. Nicht selten ist es schwierig zu bestimmen, wann das Gehörte besonders starke Bedeutung trägt, doch die Mitteilungen werden im Archiv des Bewusstseins zusammengesetzt. Mit der Zeit tauchen sie aus der Tiefe des Bewusstseins an die Oberfläche auf und bestätigen das Geschehen.

   So beobachten Wir all die unzähligen Eigenschaften der psychischen Energie. Es ist unmöglich, sie einem einfachen Gesetz zu unterwerfen, doch liegt in der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen dieser Energie ein besonderer Zauber. Die Freigebigkeit des Kosmos kommt in allen unwiederholbaren Erscheinungen zum Ausdruck, die der menschliche Verstand niemals erfassen wird. Dies hindert jedoch nicht daran, die Energie zu erforschen. Sie ist wie ein nie endendes Buch der Natur. Daher rufen Wir die gesamte Menschheit zur gemeinschaftlichen Erforschung der uranfänglichen Energie auf.

   Der Denker sah bereits voraus, dass der Mensch die Natur überwinden kann, wenn er versteht, durch welches Tor man in diesen Kampf hinausgehen muss.

 

   561. Urusvati weiß, dass ein Führer den freien Willen des Schülers nicht zwingen darf, die Führung jedoch gleichzeitig fortgesetzt werden muss. Diese Aufgabe ist selbst für einen erfahrenen Führer schwierig. Man kann sehen, dass ebensolche Schwierigkeiten in jedem Alltagsleben bestehen.

   Keine ausgeklügelte Methode, sondern das Klopfen des Herzens vermag die Konsonanz zu finden, die wiederum den Weg zur Vervollkommnung des freien Willens findet. Er kann erzogen werden, doch welche sanften Berührungen sind erforderlich, um ihn nicht zu reizen. Der Lehrer muss wissen, dass der Wille den kostbarsten offenbarten Sieg darstellt. Allein der Wille schmiedet die Annäherung an den Weg der Evolution. Man darf diese sich über

[Russisches Original. Seite 516.]


 

den Verlauf vieler Existenzen entfaltende Blume nicht zertreten. Möge die äußerst verfeinerte Fürsorge um bei der Aufklärung des Willens, ja gerade des Willens bezeigt werden.

   Ich bestätige, dass nicht allein Bildung, sondern Aufklärung notwendig ist, wenn die Führung einen solchen empfindlichen Apparat berührt, wie es der Wille ist, denn er ist mit der psychischen Energie verbunden. Er ist geradezu die Offenbarung des Vorwärtsstrebens. Er schwingt unaufhörlich und muss sich entwickeln. Verlust des Willens bedeutet Zersetzung. Ohne Willen kann man unmöglich den Wellen des Chaos begegnen.

   Der Denker half Seinen Schülern, den Willen an den alltäglichsten Gegenständen anzuspannen. Er sprach: „Ein Bogen darf nicht ohne Übung bleiben, da er anderenfalls austrocknen und brechen wird.“

 

   562. Urusvati weiß, dass in den Chroniken mystischer Bruderschaften der Antike von vielen Hindernissen erzählt wird, die den Eingeweihten auf ihrem Weg begegneten. Anhand dieser Aufzeichnungen kann man sehen, dass die Bruderschaften ein umfangreiches Wissen über die Gesetze des Daseins besaßen. Die Lehrer solcher Bruderschaften setzten die Eintretenden vorher von der Unausweichlichkeit finsterer Angriffe in Kenntnis. Ängste durften die Brüder nicht verwirren; im Gegenteil, sie wussten, dass in dem Maß des Aufstiegs auch die Angriffe stärker würden.

   Viele Ratschläge wurden gegeben, wie Verwirrung und Zweifel zu vermeiden sind. Es existierte sogar eine feierliche Hymne, die in Zeiten besonderer Bedrückung zu singen war. Freude musste zum Ausdruck gebracht werden, wenn Ungerechtigkeit sich gegen die Brüder richtete. Es wurde auch darauf hingewiesen, welches Mitgefühl die Bedrängten umgeben musste, und man musste sie als Empfänger von Ehrenzeichen begrüßen.

   Auf eine weitere Bedingung wurde jedoch nicht hingewiesen: Gerade über Reichtum und Geld äußern sich die Chroniken in keiner Weise. Die Ursache ist einfach: Jeder in die Gemeinschaft Eintretende verzichtete auf persönliches Eigentum. Wenn er Geld besaß, legte er dies offen, und alle wurden Hüter dieses gemeinschaftlichen Besitzes. Eine solche, auf vollstem Vertrauen gegründete Vereinigung konnte nur bei hohem Denken bestehen.

   Man darf sich nicht wundern, dass solche Gemeinschaften existieren konnten. Vom heutigen Standpunkt aus müssten sie eine unsinnige Organisation darstellen, doch in den alten Zeiten, als die Menschen

[Russisches Original. Seite 517.]


 

keine eisernen Flügel hatten, verfügte man mitunter über Flügel des Lichts. Die Menschen erkennen nicht an, dass ihre Ahnen Aufschwünge des Denkens gehabt haben könnten, die sie zu herrlicher Selbstaufopferung führten. Doch hat die Erde auch solche Bewohner gehabt, die in der Lage waren, an das Allgemeinwohl zu denken.

   Der Denker schlug den Mitbürgern vor: „Wenn ihr die Heldentat vergessen habt, lasst uns auf den Friedhof gehen. Mögen die Sarkophage eurer Ahnen euch an die Kühnheit erinnern, in der das Leben für das Vaterland hingegeben wurde. Die Nekropolis[29] erweist sich mitunter als lebendiger als die Akropolis[30].“

 

   563. Urusvati weiß, dass nur ein geringer Teil der Menschheit der Auffassung ist, nach dem Abtreten von der Erde folge nichts. Mit diesen Menschen kann man nicht über die Feinstoffliche Welt sprechen; sie würden die Erinnerung daran nicht ertragen. Ihr Bewusstsein kann die Wirklichkeit der Feinstofflichen Welt nicht aufnehmen und festhalten. Es ist nicht möglich, ihnen mit Worten die ununterbrochene Fortdauer des Lebens nahezubringen. Allein aufgrund eigener Erfahrung werden sie schrittweise das Wesen der Dinge erkennen und ihr Bewusstsein vertiefen lernen.

   Solche Verneiner kann man unter jenen Menschen finden, die sich als praktische Realisten bezeichnen. Natürlich werden auch diese beiden Begriffe in falscher Weise verwendet. Sie sollten auf die Wirklichkeit bezogen werden, doch nur Verneinung zu äußern ist Unwissenheit. Ebenso vorsichtig muss man an die Mehrheit der Menschen herantreten, die die überirdische Existenz auf ihre jeweils eigene Weise deutet. Diese Menschen stellen sich die Feinstoffliche Welt abhängig von den Traditionen ihrer Religion sehr unterschiedlich vor. Und die Feinstoffliche Welt ist in der Tat derart vielfältig aufgebaut, dass jede Vorstellung von ihr eine gewisse Grundlage haben wird. Daher darf man die Menschen nicht von ihrer Auffassung abzubringen versuchen und ihnen sagen, ihre Vorstellung finde in der Wirklichkeit keinen Platz. Beim Gedankenschaffen können sich die ungewöhnlichsten Verbindungen ergeben. Das Wesen der Feinstofflichen Welt erweist sich in der menschlichen Vorstellung wie von Spinngeweben bedeckt.

   Mögen auch die Bewohner der Feinstofflichen Welt die Schönheit des Aufstiegs durch Erfahrung lieben lernen. Man kann die Menschen nicht zwingen, die Schönheit zu verstehen, wenn ihr Auge die Wirklichkeit nicht zu erkennen vermag. Worum man sich jedoch bemühen muss,

[Russisches Original. Seite 518.]


 

ist, dass die Menschen die ununterbrochene Fortdauer des Lebens verstehen, diese Wahrheit als unbestreitbar aufnehmen und den Weg des Aufstiegs lieben lernen. Lasst uns nicht darüber streiten, wie man sich dieser Erkenntnis auf bessere Weise nähert. Möge man jedoch daran denken, dass jeder Wanderer sich der Wahrheit nähern kann, wenn er es will. So mögen die Menschen dies wollen, und nichts Irdisches wird diesen Wunsch behindern können.

   Der Denker sprach: „Der Wille zum Guten wird den Sieg ermöglichen. Steinmetz und Baumeister, beide errichten sie den Tempel.“

 

   564. Urusvati weiß, dass religiöser Streit besonders heftig ist. Man darf sich nicht in einen Streit über Religionen einmischen. Man muss das Gute schaffen, und die Menschen mögen einander nicht mehr im Namen des barmherzigen Gottes abschlachten.

   Eine Lehre ist gut, wenn sie sich in würdigen Händen befindet. Dies lässt sich auf alle menschlichen Einrichtungen anwenden. Es wurde vor langem festgestellt, dass die Lebensverhältnisse von der Ehrenhaftigkeit der Regenten abhängen. Man muss alle Duldsamkeit bekunden, um sich nicht in benachbarte Religionen einzumischen.

   In vorsichtiger Weise kann man bei der Bildung mit allen Religionen bekannt machen, doch muss dieser Lehrgegenstand weise unterrichtet werden. Wir haben von dem Schaden gesprochen, der durch Zwang entsteht. Erinnert euch, dass Zwang eine Vergiftung des Bewusstseins darstellt. Jeder hat die Freiheit, seine Grundlagen zum Ausdruck zu bringen. Möge er dies aus sich selbst heraus tun und für sich selbst, um nicht in den Verdacht zu geraten, jemand anderen von seinem Weg abbringen zu wollen.

   Es ist schwer, Anerkennung auszusprechen und keinen Zwang auszuüben. Nur ein verfeinertes Bewusstsein wird eingeben, wo sich die herrliche Grenze befindet, innerhalb derer sich das Streben zum freien Dienst offenbart. Die Menschen fürchten dieses Wort, da es Verpflichtung mit einschließt. Tapfer muss man alles annehmen, was mit der auf das Gemeinwohl ausgerichteten Pflicht verbunden ist.

   Der Denker lehrte: „Hört ihr den Lärm auf dem Platz? Erneut stürzt man die alten Götter, um den Olymp mit neuen zu bevölkern.“

 

   565. Urusvati weiß, dass Liebe zur Menschheit Liebe zum Heimatland nicht ausschließt. Man kann dem Irrtum begegnen, ein einzelnes Volk gehe in der

[Russisches Original. Seite 519.]


 

Menschheit auf. Einige bilden sich ein, ein solcher Irrtum sei Zeichen eines weitgefassten Denkens. Wir haben hinreichend oft von der Menschheit als ganzer gesprochen und ihr Aufmerksamkeit gewidmet. So ist es umso angebrachter, auch über den Begriff der Heimat, des Vaterlandes zu sprechen.

   Nicht ohne Grund wird ein Mensch in einem bestimmten Land geboren und gehört einem bestimmten Volk an. Karmische Bedingungen lenken den Menschen an einen bestimmten Ort. Vor der Verkörperung erkennt der Mensch die Ursachen seiner Bestimmung und stimmt sich auf diese ein. Jede Verkörperung erfolgt freiwillig. Es kann eine Abneigung bestehen, zur Erde zurückzukehren, doch wird dies schließlich unausweichlich und im letzten Moment auch zu einem freiwilligen Schritt.

   Die Berührung mit verschiedenen Völkern schafft eine besondere Nähe oder Entfremdung, doch gewichtige Gründe lenken den Ankömmling zu einem bestimmten Volk. Wenn man dies alles weiß, kann man die Anziehung eines Menschen zu seinem Heimatland verstehen. Beim Dienst an der Menschheit wird unzweifelhaft ein großer Teil dem Heimatland zukommen.

   Man darf nicht denken, dass eine besondere Liebe zum Heimatland ein beschränktes und unvollkommenes Gefühl sei. Man kann die Unvollkommenheit der Taten für das Vaterland sehen, dennoch wird die ihm zugewandte Bestrebung nicht nachlassen. Karma führt den Menschen nicht allein an einen bestimmten Ort, sondern auch zu einer bestimmten Aufgabe, die einem bestimmten Volk dienen soll.

   Die Menschen lehnen nicht selten ihr Heimatland aufgrund verschiedener nebensächlicher Umstände ab. Sie kennen das Wesen der Dinge nicht und erfüllen auch nicht ihre karmische Aufgabe. Nicht selten geben sie ein altes zynisches Sprichwort von sich: „Wo es mir gut geht, dort ist meine Heimat.“ In diesem Zynismus liegt ein großer Irrtum. Wahrlich, derjenige vermag der Menschheit besser zu helfen, der es im gleichzeitigen Blick auf sein Vaterland tut. In Zwietracht geht die menschliche Würde verloren. Unter dem Trugbild eines allgemeinen Verständnisses verlieren die Menschen jegliches Verständnis. Dies bedeutet, man muss sich den Grundlagen, den wirklich wissenschaftlichen Grundlagen zuwenden. Die Erkenntnis der Karmagesetze wird auch die Bestimmungen des Menschen lehren.

   Aus dem Gesagten folgt nicht, dass ein heimatverbundener Mensch befangen und unglücklich wäre. Flügel vermögen ihn über die ganze Welt zu tragen. Er wird die ganze Menschheit lieben, aber auch wissen, was dem Heimatland dient.

[Russisches Original. Seite 520.]


 

   In der Lehre des Lebens muss in klarer Weise von der Bestimmung des Menschen gesprochen werden. Auf dem Weg liegen eine Menge Hindernisse und Wirren. Kaum jemand wird als Reaktionär gelten wollen. Im Wunsch nach Verallgemeinerungen ist der Mensch bereit, sich um die Völker des gesamten Planeten zu kümmern und dabei die Erfordernisse seines eigenen Heimatlandes zu vergessen. Möge der Mensch daran erinnert werden, wo seine besten Kräfte angewendet werden müssen.

   Der Denker strebte danach, ein der Wahrheit entsprechendes Verstehen der Heimat zu entwickeln. Er sprach: „Bürger, dient dem Vaterland und macht euch bewusst, dass ihr hierhergekommen seid, um eine große Aufgabe zu erfüllen.“

 

   566. Urusvati weiß, dass jeder von Uns beim Streben zum Überirdischen das Irdische nicht missachtet hat. Ist es möglich, die Erde zu missachten, die doch die Menschheit ernährt und auf der sich Heldentaten der Vervollkommnung vollziehen? Der Mensch versteht die Kostbarkeit der Erde, legt sie jedoch oftmals falsch aus.

   Ihr habt feststellen können, dass jeder von Uns für das Irdische gearbeitet hat, sogar jene, die ein Klosterleben bevorzugten, sich nicht zu einem Einsiedlerleben verurteilt haben. Sie setzten ihr Schaffen fort und trugen ihre Werke zum Nutzen der Menschheit bei. Sie waren nicht mit Gold behangen, verkehrten jedoch mit den weltlichen Menschen und hinterließen mit ihrem Tun ein Andenken als Friedensstifter und Baumeister des Lebens.

   Wir verurteilen die Einsiedler nicht, die mit der Kraft ihres Denkens große Hilfe erwiesen haben. Lasst uns sehen, wie diese selbstlosen Streiter des Geistes die psychischen Kräfte zu beherrschen vermochten. Sie reinigten ihr geistiges Wesen in einer solchen Weise, dass sie die Menschheit überholten. Doch Unsere Arbeit besteht in unmittelbarer Hilfe für die Menschen.

   Unser inneres Leben ist mit dem einen Wort definierbar: „Wir helfen“, und diese Arbeit ist sehr mühsam, da die Menschen sich wirklicher Hilfe auf jede erdenkliche Weise erwehren. Sie bitten um Hilfe, doch wenn sie sich zu gestalten beginnt, unterstützen die Menschen sie nicht nur nicht, sondern rüsten sich geradezu gegen sie.

   Nicht nur einmal haben Wir die Menschen davor gewarnt, die Hilfe zu behindern. Doch die Menschen urteilen nach sich selbst, und jedes weitergefasste Verstehen schreckt sie bereits. Auf solche Weise erfahren Wir selten Zusammenarbeit, doch ist sie kostbar, da die Erde

[Russisches Original. Seite 521.]


 

ein äußerst großes Maß an Bestrebungen mit menschlichen Händen und Füßen erfordert. So führt das Überirdische dazu, an das Irdische zu denken.

   Der Denker forderte als großer Philosoph, dass die Schüler tätige Bürger würden.

 

   567. Urusvati weiß von Magnetstürmen, die auf das Selbstgefühl von Menschen und Tieren sowie auf alles Existierende einwirken. Doch über solche Einwirkungen hinaus befindet der Mensch sich unter dem Einfluss psychischer Stürme. Man muss anerkennen, dass solche psychischen Stürme neben den räumlichen Strömen existieren. Diese Ströme können überaus schwer sein und ihre Wirkung wird durch die psychischen Stürme noch verstärkt.

   Magnetstürme vollziehen sich außerhalb menschlicher Ursachen, doch die Entstehung psychischer Stürme wird gerade durch menschlichen Wahnsinn verursacht. Während gewaltiger Kriege und Erschütterungen lässt sich beobachten, wie sehr nicht nur Krankheiten, sondern auch Zustände psychischen Ungleichgewichtes zunehmen.

   Es erstaunt Uns, dass die Ärzte gerade in Kriegszeiten keine Beobachtungen vornehmen. Sie werden sagen, in solchen Zeiten sei vorrangig die chirurgische Arbeit gefordert, lassen jedoch ihrer Aufmerksamkeit entgehen, dass auch psychiatrische Ärzte notwendig sind. Sie beachten die ungewöhnlichen Umstände nicht, die sich niemals zuvor derart verdichtet haben, wie es jetzt geschieht.

   Fasst das Gesagte nicht als eine Philosophie des Harmagedon auf. Die Anzahl und die Anspannung der Zusammenstöße nehmen derart zu, dass heilsame Einflussnahmen erforderlich sind. Lasst uns nicht verzagen, denn auch solche weltweiten Schrecken werden der Reinigung dienen. Dennoch sollten wir wissen, dass das innere Leben angespannt ist.

   Der Denker sah voraus, dass bei dem zahlenmäßigen Anwachsen der Menschheit die sichtbaren wie die unsichtbaren Gefahren sich vermehren würden.

 

   568. Urusvati weiß, dass ein unentwickeltes Vorstellungsvermögen dem Vervollkommnungsprozess überaus schadet. Unter Vorstellungsvermögen verstehen die Menschen etwas Unwirkliches, doch

[Russisches Original. Seite 522.]


 

dient ein richtig entwickeltes Vorstellungsvermögen tatsächlich der Erweiterung des Bewusstseins. Es fördert die Aufnahmefähigkeit und Beweglichkeit des Denkens.

   Wenn den Menschen irgendeine Mitteilung zu Ohren gekommen ist, unterstellen sie gewöhnlich ihr eigenes, egoistisches Verständnis. Sie erfassen den Sinn nicht und ersetzen ihn durch ihre illusionären Auslegungen. Doch bei ungeordnetem Vorstellungsvermögen werden auch die Deutungen der Mitteilungen und Geschehnisse entsprechend begrenzt sein.

   Die Menschen nehmen an, Vorstellungsvermögen sei ein gewisser Zustand, der sie von der Wirklichkeit wegführe, indes erlaubt ei entwickeltes Vorstellungsvermögen, die Wirklichkeit in umfassender Weise aufmerksam zu beobachten. Vergessen wir nicht, dass Vorstellungsvermögen eine Aufspeicherung von Erfahrungen vergangener Leben darstellt. Bei auf Erfahrung gegründeter, aufmerksamer Beobachtung kann es keine Trugbilder geben.

   Ein Mensch mit breit angelegter Bildung sollte auch über ein weitgefasstes Vorstellungsvermögen verfügen. Für ihn verringert sich das Unmögliche, und es tut sich ihm ein weites Blickfeld alles Möglichen auf. Es ist unbegründet, mit Vorstellungsvermögen begabte Menschen als Träumer zu bezeichnen. Der Traum eines erleuchteten Geistes wird reale Vorschau sein. Über die Bedeutung des Vorstellungsvermögens muss man zu einer klaren Übereinkunft gelangen. Dies ist im Jahrhundert der Umgestaltung der Welt und der Neueinschätzung der Werte unausweichlich. Man muss die bedingte Bedeutung vieler Begriffe überprüfen, da die Menschen andernfalls zwischen Phantomen umherirren werden. Möge echtes Wissen zum Überirdischen führen. Bei der Überprüfung des Daseins muss man mutig sein.

   Der Denker lehrte: „Es mag sein, dass Staub in unsere Augen gelangt ist; dann lasst uns das Haus vom Staub reinigen.“

 

   569. Urusvati weiß, dass Freude das Bewundern von hervorragender Qualität ist. Man kann an der Erhabenheit der Natur Freude haben; man kann an einer selbstaufopfernden Heldentat Freude haben; man kann an der hohen Qualität von Erzeugnissen Freude haben; man kann an der guten Konstruktion von Maschinen Freude haben. Freude haben kann man an allem, worin sich höhere Qualität offenbart. Eine solche Begeisterung wird eine der am wenigsten egoistischen Empfindungen sein.

   Den Menschen ist die herrliche Gabe verliehen, nicht nur in allem schöpferisch tätig sein zu können, sondern sich auch der Qualität zu erfreuen. Der Reiche wie der Arme, der Herrscher wie der Bettler, alle haben die Fähigkeit zur Begeisterung, und diese

[Russisches Original. Seite 523.]


 

Freude bildet eine Art heilsamer Kuppel über die vielgeplagte Erde.

   Die Menschen entsetzen sich ganz zurecht über die Menge an Abscheulichkeiten, welche die Erde vergiften. Sie fragen, womit man diese Eitergeschwüre der Menschheit bedecken könnte. Eine der sichersten Maßnahmen dafür wird die Freude sein. Sie ist das beste Gegengift, physisch als auch psychisch. Glücklicherweise ist niemand der Fähigkeit zur Freude beraubt.

   Hell leuchtet die Freude über hohe Qualität. Nicht Selbstsucht, sondern das Allgemeinwohl wird in dem Augenblick geboren, wenn Freude entsteht. Wir leben durch diese Freude. Die Natur und die schöpferische Tätigkeit verleihen eine unerschöpfliche Freude, anderenfalls würde eine entsetzliche Schlacht alles mit Finsternis überziehen. Man fragt nach Unserem inneren Leben: Es besteht nicht allein aus Arbeit, sondern auch aus Freude.

   Der Denker kannte die heilsame Eigenschaft der Freude. Er lehrte: „Selbst der letzte Sklave ist nicht der Freude über das Weltall beraubt.“

 

   570. Urusvati weiß, dass ein verzögertes Karma zehnfach verstärkt wirkt. Der Mensch muss verstehen, wie sehr er die karmischen Folgen fördert. Er muss erkennen, wie wenig nützlich es ist, sich gedanklich in die Vergangenheit zu versenken. Besser, viel besser ist es, an kommende Taten zu denken. Mögen sie vollkommen sein, und möge dazu der stärkste Wunsch aufgebracht werden. Inmitten der Gedanken über eine bessere Zukunft wird ein bedeutender Teil von Karma überwunden.

   Die sogenannte Reue wird jedoch falsch ausgelegt. Sie wird als eine Art Trauer über das Vergangene verstanden, doch verhindert der Mensch damit sein eigenes Vorankommen. Ist es nicht besser, Unvollkommenheit durch etwas Vollkommeneres zu ersetzen? Ihr müsst oftmals andere Menschen davon überzeugen, dass es notwendig ist, an die Zukunft zu denken. Möge das Schiff in den Bestimmungshafen streben und nicht auf der Suche nach verlorener Ladung auf dem Ozean umherirren. Sie liegt bereits auf tiefem Meeresgrund, und das Schiff kann mit nutzloser Suche nur die Frist versäumen. Besser ist es, das Schiff verliert einen Teil seiner Ladung, als dass es nicht rechtzeitig den Zielhafen erreicht, wo es eine neue Bestimmung erfährt.

   Aus dem Leben lassen sich viele Beispiele anführen, in denen das Streben in die Zukunft

[Russisches Original. Seite 524.]


 

die besten Früchte zeitigte. Dieses Streben ist nicht nur auf der Erde, sondern auch in der Feinstofflichen Welt nützlich. Wenn wir über das Überirdische nachdenken, möge gleichzeitig auch das Streben in die Zukunft in uns erwachen. So werden wir die richtige Einstellung zum Karmagesetz entfalten.

   Der Denker sorgte sich darum, dass Seine Schüler zu einem wahren Urteil über das sogenannte Schicksal gelangten. Er sprach: „Die Moiren[31] werden euch nicht ergreifen, wenn ihr schnell seid und ihnen zuvorkommt.“

 

   571. Urusvati weiß, worin der Unterschied zwischen Heldentat und wohlüberlegter Vernunft besteht. Eine Heldentat kann schön, erhaben, feierlich, weise und siegreich sein, doch niemand wird sie als Entscheidung wohlüberlegter Vernunft definieren.

   Wenn Jeanne d'Arc[32] sich an die Ältesten ihres Dorfes gewandt und ihnen von Heldentat geredet hätte, so hätten diese sie für unbesonnen und gar für unvernünftig gehalten. Wahrlich, Heldentat ist unvernünftig, da sie nicht auf vernünftiger Überlegung beruht, sondern auf Gefühlswissen.

   Für eine Vielzahl von Menschen existiert die Heldentat überhaupt nicht. Höhere Ethik endet bei ihnen bei wohlüberlegter Vernunft. Für sie ist die gesamte Weltanschauung durch wohlüberlegte Vernunft begrenzt. Dank dessen sind sie fähig, einem Nächsten die Hilfe zu verweigern, fähig, dem Heimatland zu schaden, fähig, die Menschheit zu verraten und bereit, bei all ihren Verbrechen das tote Wort der wohlüberlegten Vernunft zu wiederholen.

   Doch legt Unser Verhältnis zur wohlüberlegten Vernunft nicht falsch aus. Dieses Wort besteht aus guten Begriffen. Das Wohl ist immer gut und weise Vernunft nützlich. Doch die Alltagskommentatoren bringen es zuwege, für gute Begriffe eine nahezu schändliche Anwendung zu finden. Wenn sie könnten, würden sie das Wort Heldentat vernichten, derart ist es ihrer Psychologie zuwider.

   Dies ist nun ein weiterer Aspekt Unseres inneren Lebens. Wir können bestätigen, dass jeder von Uns an Heldentaten beteiligt war. Einige Heldentaten blieben durch die Geschichte bewahrt, eine größere Zahl jedoch wurde nicht niedergeschrieben. Der Tatmensch selbst sollte sein Gedächtnis mit der Suche danach, was nun gut war, auch gar nicht martern. Das Wort der wohlüberlegten Vernunft verwenden Wir jedoch nicht. Wir können rechtzeitig auf Vorsicht und Besonnenheit hinweisen, doch je tiefgründiger eine Tat ihrer Bedeutung nach ist, desto mehr freuen Wir Uns. Wir vermerken jede Heldentat. Sie schafft ein Glied in der Kette der Evolution.

   Ein Lehrer muss in seinem Unterricht die Unterschiede zwischen vielen Begriffen aufzeigen, da die Schüler

[Russisches Original. Seite 525.]


 

sie anderenfalls sinnlos wiederholen wie es gewisse Vögel tun. Die Verschmutzung der menschlichen Rede ist ein gesellschaftliches Verbrechen.

   Der Denker lehrte: „Wohlüberlegte Vernunft überlasst den Händlern, lernt ihr die Taten der Helden lieben.“

 

   572. Urusvati weiß und hat gehört, „dass Ajita[33] das Panzerhemd angelegt hat“. Ziemt es einem Friedensstifter, in eine Kriegsrüstung zu steigen? Wir haben hinreichend über das Heil des Friedens gesprochen. Wir haben den Schutz der menschlichen Werke bekräftigt. Wir haben auf die Schrecken des Brudermordes hingewiesen, doch sprachen Wir auch über die Würde des Heimatlandes. So ordnete der ergebenste Friedensstifter an, dass erst alle Maßnahmen zur Erhaltung des Friedens ergriffen werden müssten. Dann aber sandte er ein Kriegsheer, um die Landesgrenzen seines Volkes zu verteidigen. Vor den Menschen steht nach wie vor die ungelöste Aufgabe, wie ein Friedensstifter ein Heer in den Kampf entsenden kann. Diese Aufgabe fällt dem Menschen schwer, wenn er falsche Werte zugrunde legt. Der Mensch muss die Verteidigung und Rettung des Vaterlandes anerkennen, dabei aber einer Unterjochung anderer entsagen. Möge der Mensch in seinem Herzen abwägen, wieweit Verteidigung geht und wo Unterjochung beginnt.

   Nun muss noch über den Panzer gesprochen werden. Wir besitzen keinen Panzer aus Stahl, da ein Panzer aus psychischer Energie weitaus sicherer ist. Man kann sich mit einem unsichtbaren, undurchdringlichen Panzer umgeben. Manchmal haben Menschen die Unverwundbarkeit einiger Helden bemerkt. Ein starker Wille muss sich anspannen, um den Körper außer Gefahr zu bringen.

   Der Denker lehrte die Jungen: „Mitunter ist die sicherste Rüstung eine unsichtbare. Lernt es, euch selbst zu befehlen, einen solchen Panzer zu offenbaren. Er wird sich jedoch nur bilden, wenn ihr für das Allgemeinwohl kämpft.“

 

   573. Urusvati weiß, dass Feinfühligkeit anerzogen werden muss. Wenn Wir von einem hellhörigen Ohr sprechen, nehmen einige an, es handele sich um das physische Gehör. Ebenso meinen andere, Feinfühligkeit sei eine natürliche Eigenschaft, weshalb es zwecklos sei zu versuchen, sie anzuerziehen. Natürlich ist Feinfühligkeit eine angeborene Eigenschaft, doch hängt sie von der Reinheit des Bewusstseins ab. Selbst in den günstigsten Fällen muss sie entwickelt oder, besser gesagt, aus der Tiefe

[Russisches Original. Seite 526.]


 

des Bewusstseins hervorgerufen werden.

   Vor allem muss der Wunsch vorhanden sein, Feinfühligkeit hervorzurufen. Man muss sich eine angespannte psychische Aufmerksamkeit aneignen. Glauben wir nicht, dies sei leicht. Jeder wird in sich ganz individuelle Hindernisse finden. Den einen hindert Trägheit, den anderen Misstrauen, einen dritten das Gedränge des Lebens. Jeden hindert irgendetwas, doch die Willenskraft überwindet alles.

   Man darf auch nicht in Vorurteil verfallen, da der Mensch sonst etwas zu fühlen meint, was nicht sein kann. In ehrlicher Weise muss man das psychische Gehör vertiefen und Empfindungen auch der Wahrheit entsprechend bemerken. So können Erdbeben und kosmische Perturbationen eine ausgezeichnete Schulung der Feinsinnigkeit vermitteln.

   Desgleichen stellt auch die Wahrnehmung fremder Auren ein weites Beobachtungsfeld dar. Inmitten alltäglichster Lebensumstände kann man dieselben Möglichkeiten wie in den höchsten Laboratorien finden. Möge der Mensch alle Möglichkeiten zur Anwendung kommen lassen, denn jeder befindet sich unter kosmischem Einfluss.

   Der Denker lehrte: „Die überirdischen Welten senden uns feinste Gefühlsempfindungen. Lernen wir, sie aufzunehmen.“

 

   574. Urusvati weiß, dass die Verbreitung falschen Wissens eine besonders schädliche Form der Unwissenheit darstellt. Wie aber soll man mit den Schulbüchern verfahren, die derart viele Irrtümer enthalten? Die Geisteswissenschaften und die Naturwissenschaften sind in Bewegung und streben zu neuen, hervorragenden Errungenschaften. Ist es da gerecht, dass die junge Generation statt bester Errungenschaften überholte, armselige Irrtümer erhält? Durch solche falschen Kenntnisse wird viel Verwirrung in die jungen Bewusstseine getragen.

   Wenn man die Lehrbücher nicht rechtzeitig berichtigt hat, muss der Lehrer die Schüler mündlich vor den Fehlern der Vergangenheit warnen. Ist es nicht beschämend, dass die Irrtümer beibehalten und die jungen Bewusstseine damit belastet werden? So verhält es sich auch mit den Erkenntnissen über das Überirdische.

   Lasst uns nicht in Verlegenheit geraten, wenn alte Texte nicht verstanden oder unrichtig übersetzt wurden. Einige Sprachen besitzen viele Termini[34], die in bestimmtem Zusammenhang verstanden werden müssen. Für das heutige Verständnis haben sie eine der Wahrheit nicht entsprechende Bedeutung, doch werden die Wissenschaftler sich nach und nach in diesem Labyrinth zurechtfinden, und die Jungen müssen als erste die richtigen

[Russisches Original. Seite 527.]


 

Kenntnisse erhalten.

   Die Wissenschaftler müssen die Grundlagen der Wahrheit bestätigen, selbst wenn sie bisherige Theorien umstoßen. Weise wird es sein, wenn die Geisteswissenschaften richtige Übersetzungen alter Texte vorlegen. Es ist erstaunlich, dass die Menschen viel über Berichtigungen sprechen, die Lehrbücher jedoch voller Irrtümer belassen. Ihr wisst, dass es für überirdische Erkenntnisse einer besonderen Ehrlichkeit bedarf.

   Der Denker sprach: „Wenn die Menschen über irdische Gegebenheiten eine ehrliche Aussage abgeben müssen, um wieviel aufrichtiger muss man dann an das Überirdische herantreten!“

 

   575. Urusvati weiß, dass Zeit im irdischen Sinne in der Überirdischen Welt nicht existiert. Es gibt Fristen, die auf unausweichliche Folgen gegründet sind. Unter den zuverlässigsten Fällen plötzlicher Erleuchtung ist kein Hinweis auf das Vorhandensein irdischer Zeit zu finden. Ihr wisst bereits, dass überirdische Fristen dadurch charakterisiert sind, dass sie bei nebensächlichen irdischen Ereignissen scheinbar zufällig hinzutreten. Dieser Hinweis zeigt nur, dass die Überirdischen Welten den Verlauf der Ereignisse voraussehen, ohne aber auf die sogenannte Zeit einzugehen. Ein feinfühliges Bewusstsein kann die Anzeichen der hinzutretenden Ereignisse bemerken, im Gedächtnis behalten und durch sie auch das übrige klar erkennen.

   Der Mensch kann auch in seinem eigenen irdischen Leben klar erkennen, dass Zeit gewissermaßen zu schwinden vermag. So kennt er keine Zeit, wenn er etwas sehr Wichtigem zustrebt. In der Überirdischen Welt herrscht jedoch gerade eine solche Anspannung vor. Wir können Uns in die Arbeit vertiefen und dabei die Zeit vernachlässigen. Nicht ohne Grund ist gesagt worden, dass bestrebte, konzentrierte Arbeit zu einem langen Leben verhilft. Sie lässt Harmonie entstehen. Sie erlaubt, überirdisches Wissen klar zu erkennen. Sie verleiht das Wissen über die logische und chemische Bedeutung der Ereignisse. Man muss es immer im Gedächtnis haben, dass jede Erscheinung von einem bestimmten Chemismus begleitet und unterstützt wird.

   Dies ist ein weiterer Aspekt Unseres inneren Lebens. Wir sind bestrebt, mit der Überirdischen Welt in Harmonie zu stehen. Auf die Zeit als solche legen Wir keinen Wert. Das Wesen der Ereignisse, ihr Verlauf und ihre Koordinierung besitzen hingegen ungewöhnliche Bedeutung. In zugänglicher Form teilen Wir die Bedeutung der Ereignisse mit. Man muss in allem

[Russisches Original. Seite 528.]


 

das Wesenhafte erfühlen, da sich darin auch die Fähigkeit zu derjenigen Ruhe verbirgt, von der Wir bereits gesprochen haben.

   Der Denker lehrte: „Strebt dem Wesen der Dinge zu, in ihm wird die Gerechtigkeit des Weltalls offenbar.“

 

   576. Urusvati weiß, dass der Zustand plötzlicher Erleuchtung bei den Ägyptern als „heiliger Schlaf“ und bei den Griechen als „göttliche Heimsuchung“ bezeichnet wurde; auch in Babylon kannte man die „Berührung durch einen unsichtbaren Fremden“. Jedes Volk wollte auf seine Weise die Besonderheit, ja Außerordentlichkeit der plötzlichen Erleuchtung hervorheben, die eintritt, wenn der irdische Mensch die überirdischen Bereiche berührt.

   Die Menschen ältester Zeiten kannten diesen Zustand besser als die heutigen Menschen. Sie lebten in der Natur und waren nicht durch todbringende Fluida vergiftet. Dies ist jedoch hinreichend bekannt, hier möchte Ich über etwas anderes sprechen. Unsere Zeitgenossen schätzen die Suggestion zu Recht und beginnen, sie mit Nutzen in der medizinischen Therapie und anderen Bereichen anzuwenden. Doch für Suggestion ist die Mitwirkung einer anderen Person erforderlich. Auch wenn es sich um eine sehr hochstehende Persönlichkeit handelt, wird sie dennoch gewisse individuelle Eigenheiten miteinbringen.

   In der Zukunft muss man zur unmittelbaren Erleuchtung zurückkehren. Sogar die Delphischen Orakel mussten besondere Dämpfe einatmen, was für sie deshalb notwendig war, weil die Ankömmlinge ihre uranfängliche Energie außerordentlich belasteten. Die Evolution hat jedoch vorgesehen, dass die Menschen Erleuchtung allein durch ein reines Bewusstsein erreichen sollen. Eine solche Bestrebung des Denkens gewährt eine Erleuchtung in ihrer natürlichen Bedeutung.

   Dies ist wiederum ein Hinweis über Unser inneres Leben. Nach Abschluss vieler Lebenserfahrungen wenden Wir Uns der natürlichsten Anwendung Unserer Energien zu. Die Synthese ist nicht einfach, doch führt sie zur natürlichsten Lösung.

   Der Denker lehrte: „Möge jeder versuchen, in sich die einfachste Lösung zu finden. Die Freunde werden nicht helfen können, wenn der Mensch aus eigener Kraft vor die Überirdische Erhabenheit hintreten muss.“

[Russisches Original. Seite 529.]


 

   577. Urusvati weiß, dass in der Unwiederholbarkeit der Erscheinungen und der Individualität der Ereignisse eine besondere Schönheit des Weltalls liegt. Sogar ein einfacher Hirte vermag die Besonderheiten seiner Herde klar zu unterscheiden, doch die Städter büßen die Eigenschaft der Individualität ein. Im gesamten Leben werden Massenrezepte angewendet, die die Begeisterung für die Freigebigkeit der Natur trüben.

   Auch Uns fragt man nach solchen Rezepten, ohne verstehen zu wollen, wie verschieden alle Erscheinungen sind. Man kann auf eine allgemeine Richtung hinweisen, doch die weiteren Einzelheiten werden individuell ausgeprägt sein. Die Menschen möchten Kenntnis von Unseren Apparaten erhalten, doch wären sie sehr überrascht zu erfahren, dass viele von ihnen aus miteinander sympathisierenden Metallplatten bestehen. Viele Platten bestehen aus einem reinen Metall, andere jedoch aus verschiedenen Legierungen. Es gibt auch mineralische Platten und sogar einige aus gewissen Baumarten. Sowohl für die Sendung als auch für den Empfang existiert eine ganze Reihe von Anwendungsverfahren. Alle Naturreiche können die besten Mittler sein, doch die jeweilige Anwendung gestaltet sich überaus individuell.

   Unsere Hilfsmittel wurden nicht in Eile ausgewählt, sondern in langwährenden Versuchen. Es könnte gesagt werden, dass Wir genügend Zeit gehabt hätten, die Eigenschaften der Natur zu studieren. In verschiedenen Jahrhunderten, unter verschiedenen Klima- und sonstigen Bedingungen sind diese Erkenntnisse gesammelt worden. Allem voran erstarkte der Wunsch nach Wissen, und dann bildete sich die Überzeugung, dass Beobachtungen unter den verschiedensten Bedingungen durchgeführt werden müssen. Ein gestählter Wille verhalf dazu, Wissen aus der Überirdischen Welt herüberzutragen. Und es gestaltete sich das Bewusstsein, dass Zeit in der Unbegrenztheit ohne Bedeutung ist. Trotz vieler Misserfolge kamen keine Zweifel auf. Eine entwickelte Beobachtungsfähigkeit beschleunigte die Wahrnehmung, und auf solchem Weg der Erfahrung erkannten Wir auch Freunde und Feinde.

   Glaubt nicht, dass die Experimente und Beobachtungen leicht seien. Wenn ein Versuch von hundert gelingt, wird dies ein Erfolg sein. Wir beklagen Misserfolge nicht, da jeder von ihnen Uns noch mehr gelehrt hat, wie der Erfolg zu erreichen ist. Man kann es nur bedauern, wenn jemand etwas noch am selben Tag zu beherrschen sucht. Zeit zu verlieren ist nicht notwendig, doch ihretwegen zu weinen ist auch nicht richtig. Sich selbst zu beobachten ist notwendig, doch man darf sich nicht selbst zum Zentrum des Weltalls machen. Man kann immer und in allem einen Erfolg finden, und nur in diesem Bemühen erstarkt

[Russisches Original. Seite 530.]


 

der Wille.

   Ihr versteht, dass man nicht allen vorschreiben darf, in einem eisernen Bett zu schlafen oder eine Lithiumplatte unter der Hand liegen zu haben. Rosen und Äpfel werden nicht für alle nützlich sein, doch wird es Menschen geben, für die diese Gaben der Natur nützlich sind. Achtet auf die Anzeichen von Folgen. Ihr wisst von verschiedenen Überempfindlichkeiten, ihre groben Formen verblüffen bereits durch ihre Offensichtlichkeit, doch das gesamte Dasein ist voller Überempfindlichkeit. Man muss fühlen können, was gerade einwirkt und wie es das tut. Die Vernünftigkeit solcher Beobachtungen wird ein würdiges Herangehen an Yoga sein.

   Der Denker lehrte: „Man sagt, einige Himmelsbewohner seien allmächtig. Nun denn, sammeln wir unsere Kräfte! Vielleicht wird auch für uns ein Platz im Himmel bereitet sein. Doch diese Leiter ist lang!“

 

   578. Urusvati weiß, dass der Gedanke an die Ewigkeit keine düstere Erinnerung an den Tod ist. Eine Biene fliegt in ein Wohnhaus, und der Mensch versucht, sie wieder in die Freiheit zu entlassen. So spricht man auch vom Flug in die Freiheit. Verhält es sich beim Menschen nicht genauso? Hier befindet er sich in Unfreiheit, dort aber in Freiheit, was bedeutet, dass die Freude dort ist. Doch der Gedanke an die Ewigkeit verleiht auch Freude im Hier und Jetzt. Wer über die Bedeutung des Lebens als einem Flug über die irdischen Hindernisse hinweg nachdenkt, vermag sich zu freuen.

   Unwissende meinen, dass erhabenes Denken ein Symbol für Traurigkeit und Langeweile sei, doch ein Mensch, der sich um Erkenntnis bemüht, wird voller Lebensfreude sein. Selbst wenn er sich seiner Fehler in der Vergangenheit erinnert, wird er sich freuen, da er versteht, dass die Erkenntnis der Fehler bereits der rechte Weg zur Überwindung der Irrtümer ist.

   Jemand wird sich darüber wundern, wie man in schwierigen Tagen über Freude sprechen könne. Doch Freude stellt die Flügel zur Überquerung eines Abgrunds dar. Gelangt ein Mensch an eine reißende, undurchquerbare Strömung, kann er nicht zurückkehren, sondern muss darüber hinwegfliegen, um eine gefährliche Grenze hinter sich zu lassen. Es ist ein Glück, dass der Mensch die Flügel der Freude immer bei sich hat. Die Schönheit des Weltalls hilft, aus der Tiefe des Bewusstseins alle Freude hervorzurufen. Dies ist eine weitere Seite Unseres inneren Lebens.

   Der Denker wies auf die Sterne als Funken der Freude.

[Russisches Original. Seite 531.]


 

   579. Urusvati weiß, dass es dem Menschen überaus schwerfällt, mit seinem eigenen Denken zurechtzukommen. Durch Willensanstrengung kann er einen äußeren Gedanken zurückwerfen, doch dies bedeutet noch nicht, dass es ihm gelungen wäre, sein Bewusstsein von der Wurzel jenes Gedankens zu befreien. Es vollzieht sich ein tiefgründiger psychischer Prozess. Man kann der Auffassung sein, das Denken habe sich bereits verändert, doch der kleinste äußere Anstoß zeigt, dass die Schlange in der Tiefe lebt und bereit ist zu erwachen.

   Das beste Beispiel bieten die Meeresströmungen. Was hat die Oberflächenströmung gemein mit der Tiefenströmung, wo sich ein Ungeheuer regt, das sich niemals an der Oberfläche zeigt? Genau dasselbe vollzieht sich auch im menschlichen Denken. Da spricht man von der Willenskraft, die dem Denken gebieten könne. Doch Wir fragen: Von welchem Denken ist die Rede? Der Mensch kann bestätigen, dass er sich von einem bestimmten Gedanken befreit hat, wenn er überzeugt sein kann, ihn mit der Wurzel entfernt zu haben. Es ist jedoch nicht leicht, über die Tiefe des Bewusstseins eine Bestätigung abzugeben.

   Man kann beobachten, welch flüchtige Begleitumstände einen Gedanken hervorrufen können. Ton, Farbe oder ein zufälliger Umstand vermögen eine deutliche Wiederbelebung eines längst vertriebenen Gedankens zu bewirken. Der Mensch weiß, dass es nicht nützlich ist, zu vergangenen Irrtümern zurückzukehren, und dennoch irrt er um die überflüssige Asche herum.

   Der Mensch muss lernen, viele Denkschichten zu unterscheiden. Er darf nicht leichtfertig anhand einer äußeren Denkschicht urteilen, die einem wütenden Orkan ausgesetzt ist. Möge der Mensch sich an vielen Erscheinungen erproben. Nicht selten scheint es ihm, dass er an etwas Bestimmtes nicht mehr denke, doch ist er in Wirklichkeit gerade tief in diesen Gedanken versunken. Eine Lehre über das Denken muss dessen verschiedene Arten aufzeigen.

   Der Denker bestand darauf, dass Seine Schüler sich in den verschiedenen Denkschichten erprobten: „Ein unsichtbarer Drache vermag sich eines Menschen zu bemächtigen.“

 

   580. Urusvati weiß, dass viele die Existenz Unserer Bruderschaft um keinen Preis zugestehen. Würden sie Uns begegnen, verhielten sie sich skeptisch. Ihr Skeptizismus kennt keine Grenzen. Auf der einen Seite berührt er die Unwissenheit, auf der anderen die Lüge. Ein Skeptiker wird keinen Abgrund überqueren. Doch gibt es

[Russisches Original. Seite 532.]


 

auch andere, die wenigstens Unsere Existenz im feinstofflichen Körper für möglich halten.

   Man darf sich einer solchen Überzeugung nicht widersetzen, wichtig ist, dass die Existenz von Ideen zugestanden wird. Man darf nicht auf einer bestimmten Form beharren, sind Uns doch die Mitarbeiter aus der Feinstofflichen Welt nahe. Solcherart befinden sich jene, die auch nur Teilzugeständnisse machen, doch schon auf dem Weg der Wahrheit. In Geduld muss man die Teilchen der Wahrheit zulassen, ihnen lässt sich auch alles Übrige hinzufügen.

   Viel schlimmer sind Buchstabengelehrte, die entweder alles ihrer Verstandesüberlegung gemäß fordern oder gar nichts anerkennen. Besonders in der Sphäre der feinstofflichen Energien muss man jede Hypothese anzunehmen bereit sein. Nicht selten sind Wir über Prediger bekümmert, die mehr Menschen von der Wahrheit abbringen als zu ihr hinziehen. Man muss all seine Beobachtungsgabe anspannen, um zu erkennen, wie groß die Aufnahmefähigkeit des Gesprächspartners ist. Hierbei dürfen wir nicht vergessen, dass ein besonders wütender Verneiner sich augenblicklich in einen Anhänger verwandeln kann. Eine solche angespannte Verneinung wird manchmal als Öffnung eines Geschwürs bezeichnet. Doch wenn ihr jemandem begegnet, der Unsere Existenz leugnet, rate Ich, nicht beharrlich zu sein: Mögen die Früchte erst völlig reif werden.

   Der Denker sprach: „Man darf das menschliche Bewusstsein unmöglich zwingen. Wer nicht aufnehmen will, möge erst heranwachsen.“

 

   581. Urusvati weiß, dass Unsere Freunde den sogenannten Okkultisten nicht ähneln. Diese Menschen bezeichnen sich als Geheimwissende, behalten jedoch viele Eigenschaften bei, die allein Unwissenden gemäß sind. Sie sind bösartig, missgünstig, grob, neidisch und sehr unduldsam. In Büchern des Geheimwissens werden solche schändlichen Eigenschaften jedoch nicht zugelassen.

   Es ist erstaunlich, dass die Menschen gute Bücher lesen und sich dennoch nicht von ihren niederen Gewohnheiten zu trennen vermögen. Die Lehre des Guten setzt jedoch voraus, dass der Leser, wenn auch erst auf unterer Stufe, das Gelehrte anwendet – doch ist es im Leben oft genau umgekehrt: Ein Leser kann Tränen des Entzückens vergießen und unmittelbar danach etwas Schändliches vollbringen. Es kommt hinzu, dass die sogenannten Geheimwissenden es lieben, mit dieser Bezeichnung zu prahlen.

[Russisches Original. Seite 533.]


 

   Lenkt eure Aufmerksamkeit auf die echten Freunde der Vervollkommnung. Sie werden niemandem ihre Überzeugung aufzwingen. Sie meiden Einweihungstitel. Sie wissen vorzüglich, wann es nützlich ist, sogar über bemerkenswerteste Begegnungen zu schweigen. Zudem sind sie gut und bereit, Hilfe zu erweisen. So wird die erste Aufgabe echten Geheimwissens sein, den Menschen zum Guten zu führen. In einem solchen Zustand wird er auch, einem Magneten gleich, das Gute anziehen. Ebenso macht Geheimwissen Ruhe zur Pflicht. In solcher Harmonie ist der Mensch in der Lage, feinstoffliche Schwingungen zu empfangen, die sein Bewusstsein reinigen.

   Unsere Freunde werden nicht hochmütig und wichtigtuerisch sein, da Einfachheit ihr Leitbild ist. Wir schätzen jedes hohe Bestreben; es führt nicht nur mit Uns zusammen, sondern trägt auch zur Gesundung des Planeten bei. Hingegen bekümmern Wir Uns über verlogenes Geheimwissen. Selbst dieses Wort gefällt Uns nicht, da jede Wissenschaft bereits Geheimwissen ist. Gestern drangen wir in ein bestimmtes Geheimnis noch nicht ein, doch heute haben wir es erreicht. Dies ist der natürlichste Evolutionsprozess, und es ist nichts daran, dessen man sich rühmen könnte.

   Der Denker sprach: „Haltet euch nicht für Denker, und bezeichnet euch auch nicht als solche, denn jeder Mensch soll denken.“

 

   582. Urusvati weiß, dass das menschliche Denken sich oft um eine vorherbestimmte Entdeckung herum im Kreise dreht und nicht weiß, wie dieser Kreis aufzubrechen ist. Die Menschen studieren die Radiowellen, ohne sich jedoch vorzustellen, dass genau dieselbe Methode auf die Gedankenwellen anwendbar ist. Die Wissenschaftler wissen von Magnetstürmen, ohne aber dieselben Überlegungen auf psychische Stürme anzuwenden. Die Menschen studieren das Nervensystem, denken jedoch nicht an feinstoffliche Energien. Mitunter liegt das Gefundene genau an dem Tor zum Vorherbestimmten, doch der letzte Hebel wurde nicht in Bewegung gesetzt. Wer keine Erweiterung des Bewusstseins wünscht, wird sich lange in einem Kreis ohne Ausweg drehen.

   Wir lieben ein gewisses Volk, da es weniger als andere in einem engbegrenzten Kreis befangen ist. Urusvati versteht es richtig, dass die Suche nach Gerechtigkeit und das Bestreben zu dienen einem Volk Beweglichkeit verleiht. Ein solches Volk nähert sich bereits dem Fortschritt. Mag man es auch wegen vieler Unvollkommenheiten verurteilen, doch sind in solchen Unvollkommenheiten

[Russisches Original. Seite 534.]


 

Möglichkeiten enthalten. Es gibt nichts Schlimmeres als einen vollkommen runden Ball, der in einem geschlossenen Kreis läuft.

   Ein Volk lernt durch schwere Leiden. In der Geschichte der Menschheit hat es in ruhigen Perioden keine Erfolge gegeben. Jedes Siegervolk besitzt auch Beweglichkeit. Das Denken eines solchen Volkes ist offen für neue, mutige Entdeckungen. Ein harter Alltag lenkt das Volk in die Zukunft. Es ist eine Freude, dort zu helfen, wo auch inmitten von Elend das Streben zum Dienen wächst.

   Der Denker sorgte sich um die Bewegung des Volkes: „Möge man Bewegung lernen, so wird auch der Rhythmus leichter zu finden sein.“

 

   583. Urusvati weiß, dass ein potentieller Verräter sich besonders entrüstet, wenn man in seiner Gegenwart von Verrat spricht. Ein herangereifter Verräter ist sehr aufgebracht, wenn man von der Verhinderung des Verbrechens spricht. Doch in den Lehren aller Völker sind erschütternde Beispiele von Verrat aufgeführt worden. Dies ist nicht geschehen, um zu drohen, sondern um bemerkenswerte Beispiele von Unwissenheit zu geben.

   Der weise Menschenfreund sagte zu Seinem Verräter: „Was du tun willst, das tue gleich!“ Vom Gesichtspunkt der Überirdischen Welt her ist diese Aussage sehr weise; das Geschwür ist bereits reif, und so mögen nun auch die Folgen zutage treten.

   Wir wollen auch an ein allgemein bekanntes Beispiel aus Indien erinnern. Es hatte den Anschein, als verehrten die Schüler Ramakrishnas ihren Lehrer, doch hielt sie dieses nicht davon ab, ihn insgeheim mit hässlicher Absicht zu beobachten. Ramakrishna gab sich ganz im Dienen hin. Er litt unter der übermäßigen Abgabe von psychischer Energie. Durch seine extreme Selbstaufopferung ging er vorzeitig. Das gleiche geschah mit seinem Schüler Vivekananda. Ramakrishna war von Natur aus ein Yogi. Er war ein Tatmensch des höchsten Wohls. Man darf nicht sagen, dass er kein vollkommener Yogi gewesen sei.

   Ihr wisst andererseits, dass es Sadhus* gibt, die des Morgens Pranayama üben und am Abend einen Menschen töten. Ihr Bewusstsein setzt die Verfahren, die dem Guten dienen sollten, nur herab.

   So wollen wir uns vor dem großen wie dem kleinen Guten verneigen. Lasst uns nicht wie

[Russisches Original. Seite 535.]


 

die Geldverleiher abwägen, sondern uns freuen, wenn wir dem Guten und Wohlwollen begegnen. Gerade diese sind in den Tagen der Anspannung notwendig. Die Lehre droht nicht, sondern warnt aus Fürsorge. Mögen jene, die zu keinem Dienst bereit sind, sich wenigstens der Verleumdung enthalten.

   Der Denker bat die Mitbürger: „Wenn jemand nicht zur Verteidigung des Vaterlandes hinausziehen kann, möge er sich nicht mit Verleumdungen belasten.“

 

   584. Urusvati weiß, wie schwer es ist, mit jenen umzugehen, die versichern, das Unsichtbare existiere für sie überhaupt nicht. Sie vollziehen ihre Schlussfolgerungen ähnlich wie ihre Vorväter, die vor den Erfindungen von Mikroskop und Teleskop lebten. Keinerlei Analogie vermochte sie zu überzeugen. Sie bezeichnen sich selbst als Realisten, Materialisten und Skeptiker, alle übrigen nennen sie Idealisten und verurteilen sie aufgrund vorgefasster Meinungen.

   In der Tat verhält es sich jedoch umgekehrt. Solche Realisten sind echte Idealisten, da sie an eine Idee glauben, die sie sich selbst ausgedacht haben. Indessen erweisen sich jene, die man allgemein als Idealisten bezeichnet, als wahre Realisten. Sie wollen lernen, und ihr Wissen beruht auf Beobachtungen. Sie lassen weder Aberglauben noch Vorurteile zu, da sie von der Unerschöpflichkeit der Erscheinungen der Natur wissen. Sie bürgen nur für zuverlässige Zeugnisse. Man kann gerade sie als Materialisten bezeichnen, da sie die Eigenschaften der Materie bestätigen.

   Darf man sich denn im Namen von Beschränktheit und Unwissen als Materialist bezeichnen? Man kommt nicht umhin, sich allerorten davon zu überzeugen, wie groß die Zahl unwissender und durch ihre Unwissenheit streitsüchtiger und uneinsichtiger Menschen ist. Tröstet euch nicht damit, dass einige ehrenhafte und wissensdurstige Beobachter mit den Wissenschaften des höheren Realismus beschäftigt sind. Ihre Zahl ist gering, und sie gleichen den frühen Christen, die genötigt waren, sich in Katakomben zu verbergen. Solche Forscher sind achtenswert, doch es schaden ihnen im besonderen Maße die verlogenen Buchstabengelehrten. Es schaden auch jene, die nicht begreifen können, warum ihnen ein gewisses Verständnisvermögen unerreichbar ist. Sie sind fähig, alles Existierende, außer sich selbst, zu verurteilen.

   Der Denker wies auf einen Hund und sprach: „Er sieht vieles, was uns nicht sichtbar ist, doch kann der Mensch nicht schlechter sein als ein Hund.“

[Russisches Original. Seite 536.]


 

   585. Urusvati weiß, dass Verletzung der Disziplin die besten Vorhaben zugrunde richten kann. Glaubt nicht, ein solcher Wurm sei leicht wahrzunehmen. Selbst beste Mitarbeiter fallen oft in einen solchen ungeordneten Zustand.

   Über Disziplin zu sprechen ist nahezu unmöglich. In vielen Fällen sind die Menschen bereits bei der geringsten Andeutung auf ihr zerstörerisches Verhalten tief gekränkt. Leichter ist es, über Unordnung zu sprechen, da die Menschen diesem Begriff keine so tiefgehende Bedeutung beimessen. Verletzung von Disziplin ist jedoch Disharmonie, anders gesagt, ein äußerst schädlicher Zustand.

   Die Menschen können die nützlichsten Bücher lesen, doch irgendein äußerer Umstand kann eine überaus disharmonische Kakophonie auslösen. Menschliche Vereinigungen befinden sich in der Gefahr, durch unbedachte Erscheinungen von Unordnung zu scheitern. Selten stimmen die Menschen zu, dass sie an einem solchen Schaden schuld sind. Ihnen scheint es, als seien sie für das Wohl tätig, doch verhindern sie tatsächlich die besten, tiefgründigen Entwicklungen. Die Menschen sind fortwährend der Auffassung, Disziplin sei ihr ureigenstes Anliegen, doch welche Disziplin ist es denn, wenn die Menschen eine nützliche Entwicklung zerstören?

   Harmonie ist nicht augenblicklich herzustellen; man muss alle auf den Dienst an der Harmonie gerichteten Bemühungen hüten. Harmonie gleicht einem scheuen Vogel, den man schwerlich wieder herbeilocken kann, wenn er erst einmal verscheucht ist. Gleichfalls muss man darüber nachdenken, wie sehr Disharmonie den Führern schadet. Daran wird oft überhaupt nicht gedacht.

   Der Denker warnte: „Tragt keinen Schaden herbei, weder gedanklich noch durch Taten, denn es ist leicht, ein kostbares Gefäß zu zerschlagen. Haltet euch oft die Notwendigkeit wahrer Harmonie vor Augen.“

 

   586. Urusvati weiß, dass es leichter ist, den Drachen auf der Schwelle zu sehen, als einen Schwarm von Chamäleons und Würmern. Wer aber sagt, welche Erscheinung gefährlicher ist? Kleine Chamäleons kriechen mit einer Vielzahl von Verdächtigungen und hinterlistigen Andeutungen herbei. So flüstern sie: „Wir kennen das Wesen des Agni Yoga nicht. Vielleicht sind es nur leere Worte und eine Verführung zum Irrtum? Wäre es nicht besser, sein Wesen in einem ganz bestimmten Wort auszudrücken, das wir dann abwägen und verurteilen könnten?“ – Möge es so sein:

   Agni Yoga ist Dienst am Guten. Versteht diese Begriffsbestimmung in ihrer vollen Bedeutung.

[Russisches Original. Seite 537.]


 

Lernt es, dem Guten zu dienen. Lernt die Hingabe an den Großen Dienst kennen. Findet flammende Kräfte, die euch helfen, Tapferkeit auf allen schweren Wegen zu offenbaren. Versteht, weshalb diese Wege schwer sind. Werdet fähig, die Feuer eurer Natur auch in natürlicher Weise anzunehmen. Versteht die ganze Größe des Weltalls. Glaubt nicht, die tägliche Arbeit, dieses erhabene Pranayama, könnte euch ermüden. Helft allen Suchenden, die euch auf euren Wegen begegnen.

   Begreift die Erhabenheit des Denkens, das in der Unbegrenztheit lebt. Bewahrt euch und andere vor Angst. Vertieft euch in das Streben nach Erkenntnis, denn Unwissenheit ist ein schweres Vergehen. Lächelt den Jungen zu, denn ihr seid es, die ihnen die Brücken und die Wege baut. Verordnet euch selbst die schwerste Arbeit und gebt allen ein Beispiel. So wird euch die ganze Bedeutung des Dienstes am Guten eröffnet. Fürchtet die Einflüsterungen der Chamäleons nicht, sie sind nun einmal verschiedenfarbig und werden euer Schatten sein. Möge dieser Schatten lang sein. So konzentriert euch auf die natürlichen Errungenschaften.

   Der Denker lehrte: „Allein das Natürliche wird eine strahlende Zukunft schaffen.“

 

   587. Urusvati weiß, wie schadenbringend eine ungeordnete Tätigkeit der psychischen Energie ist. Es ist bekannt, dass die Gedankenenergie im Raume lebt und niemand die Grenze ihrer Ausbreitung kennt. Doch die Mehrzahl der irdischen Gedanken ist schwach und energielos, so dass sie sich im Raum leichter auflösen als konzentrierte Gedanken.

   Nun stellt euch vor, dass die Menschheit in ihrem gegenwärtigen Zustand die Möglichkeit klaren Denkens erhielte, das dann auch im Raum dauerhaft lebte. Es ist unmöglich vorstellbar, welch gefährliche und zerstörerische Verwirrung der Energie sich ergäbe! Die Menschheit muss sich reinigen und für die gute Qualität ihres Denkens die Bürgschaft übernehmen, dann können auch die Fristen der Evolution näherkommen.

   Oft hört ihr Klagen über ein Misslingen von Gedankenübertragungen, doch stellen diese Klagen eine Beschwerde über das gerechte Prinzip des räumlichen Gleichgewichts dar. Wer sich darüber beklagt, möge die Qualität seiner Gedanken überprüfen; es werden sich sicherlich solche von schlechter Qualität finden. Lasst uns auch nicht vergessen, dass der Mensch verschiedene Denkschichten besitzt.

[Russisches Original. Seite 538.]


 

Er wird nichts dagegen haben, wenn einige seiner Gedanken öffentlich bekannt würden, doch hält er viele Gedanken lieber geheim. Bei Ungeordnetheit des Denkens wird der Raum mit höchst unzulässigen Gedanken gesättigt. So muss der Mensch sich um die Reinheit seines Denkens bemühen, was eine Tat zum Wohl der Menschheit darstellt.

   Der Denker bat darum, dass der Mensch, einatmend wie ausatmend, rein bleibe.

 

   588. Urusvati weiß, welches der tiefe Sinn des alten Sprichwortes ist: „Sucht die Unsichtbaren Freunde“. Freunde aus der Höheren Welt werden eine feste Bürgschaft sein. Mitunter kennt ihr Sie, doch meist ist Ihr Name unbekannt, und allein die Freude des Bewusstseins zeigt Ihre Nähe an. Versucht nicht, Ihre Namen zu erfahren. Seit langem haben Sie irdischen Beinamen entsagt. Wie die Zeit für Sie nicht existiert, haben auch irdische Auszeichnungen ihre Bedeutung für Sie verloren.

   Möge die Zahl solcher Beschützer groß sein. Sie schätzen jedes lichte Bestreben, und nichts wird Ihre Gunst ablenken, wenn Sie sich von einer vollbrachten Heldentat überzeugen können. Sie helfen dort, wo der Glaube fest ist. Möge der Segen der Unsichtbaren Freunde mit euch sein.

   Ein Wanderer erhält eine Weisung und erwartet die angekündigten Zeichen, doch der Weg ist lang, und die Zeichen gleichen nicht den vorausgesagten. Handelt es sich also um einen Irrtum? Befindet der Wanderer sich etwa nicht auf dem richtigen Pfad? Schon sind Zweifel eingedrungen, welche die Kräfte rauben und die Tapferkeit abtöten. Doch dann blitzte das vorangekündigte Zeichen auf, und der Wanderer sieht sich in äußerstes Erstaunen versetzt: „Ist die Frist etwa bereits angebrochen?“ Schade, dass die Tapferkeit nun gelitten hat.

   Doch wollen Wir nicht allein von den Überirdischen Freunden sprechen. Auch auf der Erde gibt es Unsichtbare Freunde. Man muss Ihnen einen Gruß senden. Sie pflegen tätiger zu sein als manche bekannten Freunde. Werdet fähig, diesen irdischen Mitarbeitern ein Lächeln zu senden.

   Der Denker sprach: „Nicht nur sichtbare Freunde helfen, sondern noch mehr die Unsichtbaren. Sorgen wir uns nicht um eine Begegnung mit Ihnen auf der Erde, doch senden wir Ihnen den Gruß unseres Herzens.“

[Russisches Original. Seite 539.]


 

   589. Urusvati weiß, dass die Evolution Zeiten extremer Anspannung durchlaufen kann. Es existiert die irrtümliche Annahme, dass Evolution ohne Schwankungen verlaufe und ihr Gesetz in absoluter Weise wirke. Doch Wir wissen, dass alles in individueller Weise lebt und sich bewegt. Dies bedeutet, dass eine besondere Koordinierung und Disziplin herrschen muss, damit der Zusammenhang nicht verletzt wird.

   Es gibt eine Logik der Evolution. Diese höhere Logik setzt das Gesetz in Bewegung, wenn Harmonie klar hervortritt und im Fundament des Lebens angelegt ist. Besonders schwer sind die Jahre weltweiter Umgestaltung. Die Menschen müssen in klarem Verständnis den Weg der Vervollkommnung erkennen, wofür die Körnchen der Wahrheit die Volksmehrheiten erreichen müssen.

   Man kann sich leicht vorstellen, wie viele Samenkörner in einem solchen Aussaatprozess verlorengehen; und nicht nur verlorengehen, sondern verdorben werden. Zusammenstöße sind dort unausweichlich, wo die Wahrheit entstellt wird. Die Völker erheben sich gegen alles Menschliche, und gleichzeitig wagen sie nicht, das Überirdische zu erfassen. Die Folgen einer solchen Uneinigkeit laufen auf sinnlosen Brudermord hinaus. Man darf nicht denken, die Evolution erfordere solche grausamen Erscheinungen. Man muss weinen, wenn man sieht, wie die Menschheit sich das entsetzliche Jammertal selbst erwählt.

   Wir sind erstaunt, wenn die Menschen ungeachtet vieler Errungenschaften dennoch die niedrigsten Lösungen vorziehen. Solche Verwirrungen treten am Vortag großer kosmischer Fristen in Erscheinung. Wenn ihr diese Lage kennt, seid ihr fähig, das Geschehen in vernünftiger Weise zu betrachten.

   Der Denker lehrte: „Neben den uns bekannten Gesetzen existieren auch solche, die der menschliche Verstand nicht zu erfassen vermag.“  

 

   590. Urusvati weiß, dass nur durch die Erfahrung früherer Existenzen jene Eigenschaft aufgespeichert wird, die man Kultiviertheit nennt. Ein wahres Verstehen der Zusammenarbeit, Entflammtheit des Denkens, geistige Höhe der Tätigkeit, Verfeinerung, Aufnahmefähigkeit, Liebe und Schönheit sind Eigenschaften, von denen jede sich allein durch beharrliches Streben bildet. Die Menschen können nicht glauben, dass augenblickliche Erleuchtung

[Russisches Original. Seite 540.]


 

unverzüglich die höhere Natur des Menschen schaffen kann. Erleuchtung vermag eine Schatzkammer zu öffnen, doch wenn sie leer ist, wird es auch keine Folgen geben.

   Ihr wisst, dass die Menschen sehr damit einverstanden sind, wenn sie keine verantwortungsvolle Arbeit vor sich sehen, doch wenn aufgezeigte Fristen sich nähern, finden sie auch Anlass zur Zwietracht. Man kann sich wundern, dass die Menschen zwar nützliche Bücher lesen, doch bei einer Möglichkeit, das Gelesene anzuwenden, sich in Finsternis versenken. Wahrlich, nichts Erhabenes berührt sie. Die Menschen haben hinreichend von Harmagedon gehört, doch wenn es eintritt, halten sie es für ein zufälliges Unglück, das einen nicht unbedingt hätte treffen müssen.

   Mögen Unwissende auch so urteilen, doch warum fallen denn auch vernünftige Menschen in Verwirrung? Sie legen sich keine Rechenschaft darüber ab, wieviel Schaden sie sich selbst und ihrer Umgebung damit zufügen.

   Sind die Menschen denn tatsächlich so furchtsam, dass sogar das Gespenst einer ernsten Stunde sie in Feiglinge verwandelt und sie in ihrem Lauf alles von ihnen selbst Geschaffene umstoßen? Wahrlich, schon inmitten süßen Wohlergehens trägt der Mensch eine Maske, doch in Gefahr setzt er eine abstoßende Grimasse auf. Doch, liebe Menschen, ihr lebt in ständiger Gefahr von oben wie von unten. In jeder Stunde kann euer Wohlergehen zusammenstürzen.

   Der Denker sprach: „Die Menschen teilen sich in zwei Arten. In der einen herrscht das Göttliche Prinzip vor, doch die andere ist im Irdischen versunken. Wir wissen nicht, wie man später das Göttliche Prinzip nennen wird, doch diese Einteilung der Menschheit wird auf immer bestehen bleiben.“

 

   591. Urusvati weiß, dass die Erkenntnis der Wechselbeziehungen zur Erkenntnis des Überirdischen führt. Vor nicht langer Zeit irrten die Menschen zwischen blindem Glauben und blinder Verneinung hin und her. Diese Verwirrung ist aus ebenfalls blinder Angst vor dem Unbekannten entstanden. Kinder fürchten sich mitunter, etwas Bestimmtes anzublicken, und verschließen lieber ihre Augen mit den Händen, nur um die Wirklichkeit nicht zu sehen. Genauso versichern auch Erwachsene, dass man jenseits einer vermuteten Grenze nichts mehr wissen könne. Gibt es aber ein Verbot von Wissen?

   Nehmen wir an, dass ein Wilder sich irgendwelche unwahrscheinlichen Götter vorstellte,

[Russisches Original. Seite 541.]


 

der heutige Mensch dagegen versucht, alles Existierende grundsätzlich zu leugnen. Es fragt sich, wer von beiden mehr Recht hat. Eines ist jedoch klar: In beiden Fällen regiert die Angst. Der Wilde konstruierte sich ein furchterregendes Götzenbild und ängstigt sich vor dessen Grausamkeit; doch der Verneiner ist von derselben Angst eingenommen, ohne dies bei sich anzuerkennen. Erinnern wir uns einer alten Erzählung.

   In einem von vielen Menschen bewohnten Haus herrschte ständig Streit. Eines Tages kam ein Einsiedler und brachte zwei völlig ähnliche Schatullen, die er in einen Winkel stellte. Er sagte: „Die eine enthält ein Heilmittel, doch die andere ist mit einem zerstörenden Gift gefüllt. Habt acht auf sie, bis ich wiederkomme, doch seid euch bewusst, dass der geringste Lärm die entsetzlichste Zerstörung verursachen kann.“ Der Einsiedler ging fort, und im Hause begann eine friedvolle Stille zu herrschen. Ich frage: Welche Schatulle hat diese Verwandlung bewirkt? Aufgrund eurer Kenntnis der gewöhnlichen menschlichen Natur vermögt ihr zu antworten. Genau dieselben Ängste herrschen auch in der gegenwärtigen Zeit.

   Das Ende der Erzählung besteht darin, dass ein kleiner Junge in Abwesenheit der Erwachsenen die Schatullen öffnete und sich beide als leer erwiesen. Doch ebenfalls aus Furcht bekannte der Junge seine Entdeckung nicht. Zieht daraus nicht die falsche Schlussfolgerung, der Junge könnte die Hauptsache nicht bemerkt haben. So möge die Wissenschaft frei von Furcht sogar das Unsichtbare erkennen.

   Der Denker sprach: „Ich weiß nicht, wie man später eine göttliche Wissenschaft nennen wird, doch es wird sie geben. Das Überirdische wird sichtbar und das irdische Leben dadurch überirdisch werden.“

 

   592. Urusvati weiß, dass der finsterste Aberglaube der Aberglaube der Verneiner ist. Sie lehnen den natürlichen Erkenntnisprozess ab. Sie taten der Wissenschaft Zwang an, indem sie sie eigenmächtig begrenzen. Sie handeln ohne Beweise, da ihre verlogenen Überzeugungen jeder Grundlage entbehren. Sie bezeichnen sich als Wissenschaftler, vergessen dabei jedoch das Prinzip der Wissenschaft. Sie bezeichnen alle anderen als Fanatiker, stecken aber gerade selbst tief im Fanatismus. Sie beharren auf der Unbewohntheit der Welten, können ihre Schlussfolgerungen jedoch nicht begründen. Unter dem Einfluss von Aberglauben schreitet die Wissenschaft auf einem von Lüge bestimmten Weg.

[Russisches Original. Seite 542.]


 

   Die Abergläubischen wollen nicht bemerken, dass wahre Wissenschaftler die Entwicklung des Bewusstseins voranbringen. Die energetischen Grundlagen sind den Abergläubischen verhasst, da die Menschen sich nur auf diesem experimentellen Weg einem Verständnis des Überirdischen annähern werden. Die Abergläubischen fürchten besonders solche unbestreitbaren Beweise. Für sie soll der Raum leer sein, nur damit sie ihre oberflächlichen Verneinungen darin ausspeien können.

   Die Entdeckung der psychischen Energie ist für sie unzulässig. Gedankenenergie ist für sie ein leeres Wort. In ihrem Starrsinn merken sie nicht, dass sie zu bösen Rückschrittlern werden. Wahnsinnige, könnt ihr denn die Menschen daran hindern, in unbegrenzter Freiheit zu denken?

   Nur in einer Sache kann man den Abergläubischen dankbar sein, nämlich, dass sie den Amboss bilden, auf dem der glühende Hammer die Klinge der Wahrheit schmiedet. Die Abergläubischen geraten bei dem Vergleich mit dem Amboss in Wut; sie möchten der Hammer sein, doch ein solcher Hammer schmiedet Evolution, die auf freie Erkenntnis gegründet ist.

   Die allergrößte Schande der Menschheit besteht im Aberglauben. Abergläubische sind überdies auch immer hochmütig; diese Eigenschaft befindet sich immer im Nest der Unwissenheit.

   Wir sprechen vom Überirdischen, da die Menschheit seiner Erkenntnis bedarf. Wir möchten, dass das Überirdische auf wissenschaftlichem Wege erkannt wird, dem Weg der Beobachtung und Erforschung. Für solche Errungenschaften muss der Mensch das Bewusstsein vertiefen und das Denken heben. Dem freien Denken sind die Abergläubischen nicht gefährlich, doch wollen wir ihre bösen Versuche nicht geringer darstellen, als sie sind. Über die freie Erkenntnisgewinnung sagen sie: „Dein Leben ist mein Tod.“

   Der Denker sprach: „Wer kann denn das Denken begrenzen? Er wäre nicht nur unwissend, sondern auch wahnsinnig.“

 

   593. Urusvati weiß von weiteren Feinden der Evolution, den gleichgültigen Zweibeinern. Wenn Wir die Abergläubischen mit einem Amboss verglichen haben, womit dann die Gleichgültigen? Vielleicht am besten mit Leichnamen? Ein Philosoph lehrte, dass Gleichgültigkeit der Seelenlosigkeit gleichkommt. Er hatte recht, da das Bewusstsein der Gleichgültigen derart niedrig entwickelt ist, dass es der Evolution nicht zu dienen vermag.

[Russisches Original. Seite 543.]


 

   Leider ist die Zahl der Gleichgültigen groß. Sie tragen nicht nur zum Verderb des Planeten bei, sondern stellen für die Feinstoffliche Welt die schwerste Belastung dar. Sie gehen ohne vergeistigte Wünsche hinüber und wissen nicht, wie sie sich den Bedingungen der Feinstofflichen Welt anpassen sollen. Sie bedürfen einer besonderen Fürsorge, da sich selbst die beste Führung an ihrer stumpfsinnigen Gedankenlosigkeit bricht. Sie übertragen die engen Grenzen des irdischen Daseins auf die Feinstoffliche Welt, obwohl diese Sphäre davon keineswegs belastet werden dürfte. Sie hegen keine Bestrebungen, und sie besitzen keinerlei Vorstellung von der Bedeutung des Denkens. Sie übertragen ihr irdisches Dahinvegetieren in eine herrliche Wohnstätte. Aus diesen mächtigen Möglichkeiten können sie keinen Nutzen ziehen.

   Es ist kaum vorstellbar, welch hässliches Schauspiel diese Zweibeiner bieten! Nicht einmal für eine entsprechende Gewandung vermögen sie zu sorgen. Sie streben zu keinen Führern und irren schleppend in dichter Finsternis umher. Auf der Erde stellen sie das Hauptübel dar. Wir nennen sie die Quelle des Elends. So wie es in verwesenden Leichnamen von Würmern wimmelt, tragen diese Zweibeiner die Keime weltweiten Elends in sich.

   Der Denker kannte sie und litt besonders unter ihnen. Er sprach: „Es ist schwer, sich unter verwesenden Leichnamen aufzuhalten.“

 

   594. Urusvati weiß von der tiefen Bedeutung des Schweigens. Es fällt auf, dass gewisse große Feldherren, Regenten und Führer sich vor einem wichtigen Befehl in Schweigen vertieften. Die Menschen schrieben dieses Schweigen einer Ermüdung oder Niedergeschlagenheit zu, doch tatsächlich vollzog sich ein wichtiger psychologischer Prozess. Der Regent begleitete seinen Befehl gedanklich bei der Durchführung.

   Man muss verstehen, dass ein gedanklicher Befehl durch eine Willenskonzentration verstärkt und auch der vernünftigste Befehl durch ein Abschneiden des Energiestromes in seiner Wirkung geschmälert werden kann. Es lassen sich historische Beispiele anführen, da Entscheidungen durch geringfügige Umstände zunichtewurden.

   Das weise Schweigen ist schon vor langer Zeit von den Völkern geschätzt worden. Die wichtigsten Taten erfolgten im Schweigen, nicht jedoch unter dem ungezügelten Geschrei der Massen. Wir haben bereits darüber gesprochen, wie schwer Harmonie erreichbar ist. Sie verliert ihre Macht

[Russisches Original. Seite 544.]


 

durch chaotische Ströme, die durch einen undisziplinierten Willen hervorgerufen werden. Zur Zeit ist die Welt krank an dieser Epidemie, die entsetzlicher als Krieg ist. So entstehen Zeiten, die schlimmer sind als Krieg.

   Die Menschen erkennen dies nicht an, da sie die Ursachen von Heuchelei und Lüge nicht wahrnehmen wollen. Von psychischen Erscheinungen wollen sie nichts wissen und stellen sich allen wahrhaft friedvollen Ideen feindlich entgegen. So kann man sich großer Gelübde des Schweigens erinnern.

   Die Tatmenschen sollten es spüren, wann ihr Denken an das Gute Früchte trägt. Allein ein erweitertes Bewusstsein vermag die Stunde der wahren Frist einzugeben. Unsichtbare Freunde versuchen nicht selten, einen nützlichen Gedanken zu senden, der aber unter dem Klagegeschrei der Massen nicht zugänglich ist.

   Der Denker sprach oft: „Wer ruft mich? Die Sprache eines Freundes ist jedoch nicht immer zu verstehen. Wer stört daher?“

 

   595. Urusvati weiß, dass Schadenfreude eine schlechte Eigenschaft ist. Man kann traurig sein, oder sich empören, doch Schadenfreude ist der Menschenwürde nicht gemäß. Überdies trägt Schadenfreude einen Teil des Karma desjenigen, über den wir Schadenfreude hegen, zu uns und erlegt es uns selbst auf – das muss man sich merken. Die Grenze zwischen Schadenfreude und Verletzung ist sehr fein. Jeder, der Schadenfreude hegt, wird dereinst in dieselbe Lage geraten. Die Menschen können sich irren, ein Verbrechen begehen und dadurch der Verurteilung wert werden, doch nicht der Schadenfreude.

   Die Analyse von guten und schlechten Eigenschaften führt zum Yoga. Betrachtungen über gute und schlechte Eigenschaften werden eine Annäherung an den Zugang, den Fortschritt sein. Wir weisen oft auf würdige Eigenschaften hin, da Wir dadurch Andeutungen auf Unser inneres Leben geben.