Bruderschaft

 

[1938]

 

Teil II

 

[Das Überirdische]

 

Band 2 (§§ 433 - 955)

 

 

       433. Urusvati* weiß, dass selbst Große Tatmenschen bei jeder Verkörperung unterschiedliche Eigenschaften offenbaren. Wenn man eine ganze Reihe von Verkörperungen betrachtet, kann man sich von der Perlenkette der Aufspeicherungen überzeugen. Dabei ist besonders lehrreich, zu erkennen, wie unterschiedlich die Reihenfolgen sind. Man darf nicht annehmen, dass die Eigenschaften sich irdischem Verständnis gemäß aufspeichern und jede Verkörperung eine Fortsetzung der vorangegangenen ist – das Gesetz der Evolution ist in seinen Entwürfen sehr viel ausgedehnter. Von den überirdischen Höhen ist besser zu sehen, wie der Geist sich vervollkommnen muss. Es besteht kein Widerspruch darin, dass ein Geist neue Facetten der überirdischen Ordnung gemäß erhält.

       Doch nicht nur bei den Verkörperungen ergeben sich verschiedene Aufspeicherungen, sogar während eines einzigen irdischen Lebens kann man einen Wechsel der Bestrebungen und Wünsche beobachten. Dies kann aufgrund von Involution erfolgen, dann fällt der Mensch in Primitivität und Stumpfsinn.

      Nun jedoch spreche Ich nicht von solchen finsteren Erscheinungen, sondern möchte im Gegenteil hervorheben, wieviel ein Mensch im Verlauf eines einzigen irdischen Lebens anzusammeln vermag. Man kann unbegrenzt lernen. Der Impuls des wachsenden Bewusstseins wird eingeben, auf welch vielfältige Weise man suchen kann. Und bei einem solchen Suchen helfen Wir.

       Wir lenken die Aufmerksamkeit auf ein neues Buch. Wir inspirieren nützliche Wendungen von Gesprächen. Wir senden Gedanken über neue Entdeckungen. Wir verhüten unmerklich schädliche Irrtümer. Es bereitet Freude, Hilfe unbemerkt zu erweisen.

      Wir schätzen es, wenn die Kämpfer mutig die Schläge der Finsternis abwehren. Mögen die Menschen sich hin und wieder daran erinnern, wie sie in der Feinstofflichen Welt belehrt wurden. Wie sich ihnen lichte Wesen näherten und das Wachstum des Bewusstseins diesen Lehrern erlaubte, heranzutreten. Genau dasselbe geschieht auch im irdischen Leben.

       Der Denker vertraute manchmal seinen Schülern an, dass er zwei Leben in sich spüre: Ein lichtes und ein anderes, dunkles, doch dass das lichte sich als Führer in die Höheren Welten erweist. Das lichte Leben sei immer wach: „Ruft es, und es wird antworten!“

 

       434. Urusvati kennt den herrschenden Irrtum, dass die Kräfte des Bösen auf dem irdischen Plan mächtiger in Erscheinung treten würden als die guten Kräfte. Dieser Irrtum beruht auf einer Beobachtung nur vom irdischen Standpunkt aus. In der Tat rauben die finsteren Kräfte das Ektoplasma* und stimmen nicht mit dem Gesetz des Weltalls überein.

       Die Menschen sagen nicht selten, die finsteren Gebilde würden klarer in Erscheinung treten als die verschwommenen Gestaltungen der lichten Wesen. Doch auch diese Beurteilung ist nur vom irdischen Plan aus richtig. Die Kraft liegt nicht in der äußerlichen Deutlichkeit, sondern in der Macht der Energie, die jedoch unsichtbar ist. Dennoch sind die irdischen Beobachtungen nicht bedeutungslos.

       Die Bewohner der niederen Schichten leben tatsächlich von den irdischen Ausstrahlungen. Sie werden zur Erde hingezogen und versuchen, ihr Tun fortzusetzen, anders gesagt, Böses zu schaffen. Man braucht ihnen das Böse nicht erst beizubringen, denn sie haben es auf der Erde gelernt und setzen es intuitiv fort, weil das Gute ihnen fade zu sein scheint. Man braucht nicht zu erwarten, dass für eine böse Tat irgendwelche Hierophanten[1] des Bösen erforderlich seien. Auf der Erde ist selbst der kleinste düstere Bewohner in der Lage, genügend Böses zu vollbringen, und ihm nähern sich feinstoffliche Wesenheiten, die das ganze Ergötzen an bösem Tun kennen.

       Wenden wir uns jedoch den Lichten Kräften zu. Wir haben bereits gesagt, wie behutsam Sie die uranfängliche Energie gebrauchen und wie Sie das Gesetz des Weltalls beachten. Sie wissen, dass jede ungesetzliche Verschwendung von Energie sich auf das gesamte Weltengebäude auswirkt. Sie arbeiten für die Erhaltung des Gleichgewichts.

      Kann man diese erhabene Arbeit mit den nichtigen Angriffen des Bösen vergleichen?! Wer kann behaupten, der Planet könne auch ohne die Energie des Lichts bestehen? Wer entschließt sich, den trüben Schein böser Wesen mit dem Leuchten der höheren Sphären zu vergleichen? Vergessen wir jedoch nicht, dass die Menschen solcher Ermahnungen bedürfen.

       Der Denker rief mitunter aus: „Bürger, euer Auge ist nicht nach gewöhnlicher Art konstruiert, es ist bösem Tun zugewandt, und eure Ohren sind gespannt, etwas Böses zu hören!“

 

       435. Urusvati weiß, dass die Entzündung der Schleimhäute im Begriff ist, zu einer Geißel der Menschheit zu werden. Die vergiftete Atmosphäre greift die Gewebe an. Es ist unvorstellbar, wie vielfältig die Anzeichen dieser Krankheit des Jahrhunderts sind!

      Die Menschen versuchen, die festgestellten Symptome früheren Krankheitsarten zuzuschreiben, ohne die ganze Besonderheit dieser Epidemie zu verstehen. Oftmals tritt sie mit scheinbar harmlosen Anzeichen in Erscheinung, ohne dass die Hände des Arztes Ursache und Entwicklung der Krankheit bestimmen könnten. Daher ist es von Nutzen, dass die Ärzte den menschlichen Organismus mit allen wissenschaftlichen Methoden erforschen.

       Niemand vermag zu sagen, wann die Entzündung in eine Schädigung des Gewebes mit all ihren verschiedenartigen Folgen übergeht. Es kann sein, dass die Entzündung nachlässt und verschwindet, doch auch diesen Prozess muss man verfolgen. Man kann auf sehr einfache, nicht zersetzende Speisen verweisen, doch die Ernährung muss so gestaltet sein, dass der Organismus daraus genügend Lebenskraft erhält.

       Das Erscheinungsbild der Krankheit selbst kann äußerst verschiedenartig sein, andere Organe können direkte oder indirekte Schmerzen verursachen. Die Entzündung der Schleimhäute ist mit dem Nervensystem verbunden und kann daher reflektorische Schmerzen verursachen.

      Deshalb ist die allseitige Erforschung des gesamten Organismus so notwendig. Nicht selten kann man bemerken, dass eine bösartige Verletzung durch Schmerzen in einem entgegengesetzten Teil des Körpers erkennbar wird. Überhaupt üben die Schleimhäute bei den verschiedensten Funktionen des gesamten Organismus eine Mittlerfunktion aus, und sie nehmen als erste die Sättigung der umgebenden Atmosphäre auf. Also muss man, selbst wenn kein gefährlicher Prozess stattfindet, dennoch Aufmerksamkeit und Behutsamkeit walten lassen.

       Vergessen wir nicht, dass diese Epidemie schon vor langer Zeit vorausgesehen wurde. Wenn Wir von Harmagedon* sprachen, hatten Wir keineswegs nur Krieg im Blick, sondern sämtliche unheilvollen Folgen der Verwirrung der Menschheit. Man darf nicht in Verzagtheit verfallen, denn in einem solchen niedergeschlagenen Zustand öffnet sich der Mensch allerlei Giftigem. Es ist jedoch weise zu wissen, dass Epidemien mit Harmagedon einhergehen.

      Man darf sich nicht nur auf die bekannten Krankheitsformen begrenzen, sondern muss bereit sein für äußerst komplizierte und ungewöhnliche Symptome. Mögen die Ärzte, selbst wenn nur teilweise, die neue Krankheit anerkennen, die überall zutage getreten ist.

       Der Denker sprach: „Wird sich etwa ein derart dünkelhafter Mensch finden, der annimmt, bereits alle Erscheinungen der Natur erforscht zu haben?“

 

       436. Urusvati weiß, dass Heilungen mittels Schwingungen überaus individuell verlaufen. Bei der Vielzahl der existierenden Schwingungen ist es unmöglich, ihren Einsatz zu verordnen; notwendig ist der Weg des Experimentes auf der Grundlage dreier Hilfsmittel: Das eine ist Hellsehen, das zweite das Lebenspendel und das dritte die Führung des Patienten unter Hypnose. Nur mit diesen Hilfsmitteln ist es möglich, die erforderlichen Schwingungen herauszufinden. Die Therapie selbst kann mittels eines elektrischen Apparates durchgeführt werden; möglich ist jedoch auch, Schwingungen durch Bestreichen mit den Händen zu erzeugen.

       Ich verwende einen besonderen Apparat, den Urusvati gesehen hat, für den jedoch besondere, den Ärzten unzugängliche Bedingungen erforderlich sind. Daraus darf man aber nicht schließen, dass die Anwendung von Schwingungen unmöglich sei. Unter allen Bedingungen sind bei dem Arzt nur besondere Auffassungsgabe und Beweglichkeit gefordert. Er kann bemerken, wann es notwendig ist, einen wechselnden Strom anzuwenden, und dann muss er rasch das Ergänzende finden. Er muss auch verstehen, wann ein kühlender und wann ein sehr heißer Strom anzuwenden ist. Man darf in der Auswahl der Ströme nicht fehlgehen, anderenfalls werden unerwünschte Folgen eintreten.

       Ebenfalls muss man im Blick haben, dass es bei der Epidemie, von der wir sprachen, sehr schnell auftretende Symptome geben kann; man muss in der Lage sein, sie zu beobachten. Auch darf man bei unzureichender Erfahrung keine starken Schwingungen anwenden. Jede neue Anwendung muss man unbedingt an kleinen, ungefährlichen Erkrankungen erproben. Auch muss man erproben, welche der drei vorgenannten Hilfsmittel wir anwenden. Sie werden doch individuell angewendet und aufgenommen.

       Urusvati hat Unsere Schwingungen oftmals verspürt. Sie weiß, wie vielfältig sie sind, und auch die Zeitdauer ihrer Anwendung ist verschieden. Sie können sehr angenehm, manchmal aber auch schwer erträglich sein. Bei vollem Vertrauen können sie verstärkt werden.

       Der Denker sprach: „Vertrauen ist die sicherste Waffe. Wo aber befindet sich die Grenze des Vertrauens? Der Mensch weiß, dass Vertrauen grenzenlos ist.“

 

       437. Urusvati weiß, dass manche Unserer im voraus gegebenen Hinweise sich in wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen bereits verwirklichen. In weitem Maß erreicht Unser Gedanke die Wissenschaftler. Sie legen sich jedoch keine Rechenschaft darüber ab, weshalb sie gerade in der angegebenen Richtung zu forschen beginnen. Man darf sie nicht damit verdrießen, dass Gedanken eingeflößt werden können. Sie erkennen nicht, dass Ideen vom einen zum anderen übergehen.

      Man darf einem Menschen nichts aufdrängen, wenn er annimmt, er selbst sei der Anfang und die Vollendung. Selbst wenn ihr bemerkt, dass jemand offen eure Ideen benutzt, widersprecht ihm nicht; möge alles Nützliche auf allen Feldern wachsen.

       Nur eines kann man bedauern, nämlich wenn vereinzelte Ideen nur Splitter eines vorherbestimmten Ganzen ergeben. Doch auch in diesem Fall sagen Wir: Möge jedes Korn wachsen, das für die Menschheit von Nutzen ist. Mögen auch alle Freunde sich an die Aussaat von Ideen gewöhnen, ohne miteinander in Wettstreit zu treten und sich gegenseitig zu verletzen. Man muss sich über jede Ernte freuen.

       Wir wissen zur Genüge, dass die Ideen nicht uns gehören, sondern dass wir nur Überbringer dieser räumlichen Gaben sind. Es ist nicht möglich, sich zu erinnern, wer die Grundlage eines Gedankens gelegt hat. Selbst auf den irdischen Wegen ist eine solche Suche unmöglich. Was aber soll man dann erst über die höheren Welten sagen, die Unversiegbare Quelle der Gedanken!

       Gleichfalls können wir lernen, uns zu freuen, wenn wir erkennen, dass wir uns in einer Kette der Zusammenarbeit befinden. Es wird dort keine Niedergeschlagenheit geben, wo man die unzertrennliche Verbindung mit dem Allerhöchsten erkennt. Die Menschen können nämlich diese Verbindung aufrechterhalten und den Schauer des Guten aufnehmen.

       Mögen die Freunde sich gemeinsam mit Uns darüber freuen, dass irgendwo schon ein Zweig der Erkenntnis gedeiht. Selbst wenn der Gärtner dieses Zweiges uns nicht vertraut erscheint, wollen wir auch in ihm seine allerbeste Seite finden. So werden wir nichts fortstoßen, was ein Keim der Evolution sein kann.

       Genau das gleiche sagte der Denker: „Selbst wenn der größte Verneiner ein Wort der Wahrheit sagt, werden wir auch ihm zuhören.“

 

       438. Urusvati weiß, dass jede Unserer Weisungen einen Zugang eröffnet. Es gibt aber keine Weisung, deren Ausführung keine Arbeit erforderte. Es gibt viele Lügengeschichten über Unseren unerhörten Luxus, doch wenig wird über Arbeit gesprochen. Wenn wir uns die angespannteste menschliche Arbeit vorstellen und diese in Unbegrenztheit erweitern, werden wir die Qualität aller überirdischen Arbeit verstehen.

       Es ist der Menschheit anzuraten, die Anspannung der Arbeit zu verdreifachen. Gerade in den Tagen des Harmagedon ist ein solcher Rat äußerst lebensnotwendig. Jeder kann bei seiner Arbeit bleiben, doch möge er sie vermehren. Allein ein solches Bemühen um Anspannung und Qualität der Arbeit kann bis zu einem gewissen Grad die Verwirrung der Menschheit ausgleichen. Wer in sich die Kraft findet, sogar inmitten der Wirrnis zu arbeiten, stellt in seinem Umkreis bereits Gleichgewicht her. Dieses ist besonders unerlässlich, wenn ganze Völker dem Wahnsinn verfallen.

       Mögen die Menschen nicht über weltweite Arbeiten selbst in Zeiten des Kampfes spotten. Wir mühen Uns nicht für heute und nicht für die Erde, sondern für den harten Kampf. Glaubt jedoch nicht, dass solche Maximen bereits von allen verinnerlicht worden wären. Man kann sich davon überzeugen, wie irrig die verständlichsten Weisungen ausgelegt werden. Man muss die lebenswichtigsten Mittel anwenden, welche die Lage erleichtern können.

       Man wird fragen: „Was sollen wir tun?“ Antwortet: „Arbeiten wie niemals zuvor. Möge jeder sein bestes tun, selbst wenn es nur die alltäglichste Arbeit ist.“

       Man wird fragen: „Wäre es nicht besser, sich gedanklich zu konzentrieren?“ Doch dieser herrliche Zustand kann infolge räumlicher Ströme und Wirbel gestört werden. Überdies ist das Volk nicht in der Lage zu denken und schwankt wie Schilfrohr im Wirbelwind. Bei solchen Wirbelwinden muss man sich jedoch fest an etwas Dauerhaftes klammern, und dieses Dauerhafte wird im Bewusstsein des Volkes die Arbeit sein. Ein Lehrer muss seine Zöglinge zur Arbeit erziehen und die beste Qualität loben. Zu einer solchen Vervollkommnung wird auch Wachstum des Denkens hinzukommen.

       Der Denker liebte es, auf Wasserträgerinnen hinzuweisen. Er sprach: „Sie wissen nicht, wessen Durst sie stillen werden.“

 

       439. Urusvati weiß, wie oft es nötig ist, selbst die klarsten Unserer Weisungen zu erklären. So wurde gefragt: Darf ein Schüler die Energie des Lehrers verschlingen? Jemand fand hierin bereits einen Widerspruch zu der Weisung über das Gespräch mit dem Lehrer. Kann man aber nicht verstehen, dass das Verschlingen von Energie mit einem Gespräch nichts gemein hat? Das Gespräch schließt keine Bitte in sich ein, es erweitert nur das Bewusstsein; jede Erweiterung ist aber schon ein Anwachsen der Energie.

       Ein Gespräch verschlingt nicht nur die Energie des Lehrers nicht, sondern fördert im Gegenteil eine Stärkung der Aura, die für den Schüler segensreich ist. Doch manche können nicht verstehen, dass ein Schüler den Lehrer nicht mit Bitten belasten darf. Der Schüler weiß hinreichend, dass alles, was möglich ist, auch geschehen wird. Er versteht, in welcher Anspannung der Lehrer sich befindet, wenn Er unermüdlich Seine Energie sendet.

       Jemand nimmt an, dass ein Gespräch allein in Bitten bestehe. Vielleicht haben einzelne angenommene Gebete die Völker daran gewöhnt, von der Gottheit nur irdisches Wohl zu fordern. Dieser Irrtum erstreckt sich auch auf die gesamte Schülerschaft. Die Menschen hören auf, nach Erleuchtung zu streben, und halten den Verkehr mit dem Höchsten nur um der Vermehrung ihrer irdischen Güter willen ab.

      So muss man erklären, dass die Lehre des Lebens keine Widersprüche enthalten kann. Mögen die, die nicht verstehen, fragen und sich davon überzeugen, dass die Lehre das Leben in allen seinen Bereichen kennt. Möge man sich daran erinnern, dass der ergebene Schüler mit dem Lehrer in einem einzigen Energiestrom verkehrt.

       Der Denker wies darauf hin, wie sehr die Menschen ihre Kräfte vermehren könnten, wenn sie sich in einen einzigen Energiestrom vertieften.

 

       440. Urusvati kennt die Selbstrechtfertigung der Menschen, nach der sie wegen der irdischen Angelegenheiten keine Zeit für den Höheren Verkehr finden können. Vergleichen wir jedoch die wichtigsten irdischen Angelegenheiten mit den Funken der geringsten Erleuchtung. Betrachten wir sie aus einer Entfernung von mehreren Jahrzehnten, und wir werden finden, dass die irdischen Angelegenheiten verwischt und im Nebel versunken sind, während die Erleuchtung deutlich geblieben und sogar klar zu einer herrlichen Verwirklichung herangewachsen ist. Ein solcher Vergleich zwischen den irdischen Angelegenheiten und einer Erleuchtung kann anzeigen, wo die wahren Werte liegen.

       Wir wollen uns nicht bezaubern lassen und denken, die Menschen würden diese Werte leicht verstehen, obwohl jeder Mensch in seinem Herzen einen herrlichen Augenblick des Höheren Verkehrs bewahrt. Doch wie sehr wird sich dieses Gefühl verstärken, wenn er Freunde hat, denen er sein höheres Gefühl anvertrauen kann. Daraus kann gleichsam ein Megaphon werden, und inmitten der allgemeinen Bestrebungen wird die umgebende Atmosphäre gereinigt. So werden die Menschen verstehen, welche Angelegenheiten die besten sind. Mögen sie auch das Gleichgewicht zwischen irdischer Arbeit und den Blitzen der Erleuchtung finden.

       Es besteht kein Widerspruch zwischen den Weisungen über angespannte Arbeit und augenblickliche Erleuchtung. Jeder, der die blitzartige Erleuchtung kennt, versteht, dass sie zeitlos ist und nicht auf verstandesmäßigem Wege, sondern durch das Gefühl erlangt wird, das bei würdevoller Arbeit von hoher Qualität erblüht. Die einfache Wahrheit, dass Arbeit Gebet ist, ist den Menschen nicht immer zugänglich; deshalb kann man eine gute Tat vollbringen, indem man diese Wahrheit immer wieder bekräftigt.

       Möge ein Lehrer mehrere Handwerke beherrschen, um inmitten geistiger Übungen auch zur höchsten Qualität der Meisterschaft inspirieren zu können.

       Der Denker beharrte darauf, dass die Schüler sich irgendein Handwerk auswählten und es verstanden, darin Vervollkommnung zu finden.

 

       441. Urusvati weiß, wie notwendig es ist, jedes Unverständnis zu unterbinden. Wir haben an Pranayama* erinnert, gleichzeitig aber auch auf die natürlichen Wege des Aufstiegs hingewiesen. Liegt darin nicht ein Widerspruch? Erklären wir also: Wir lehnen Pranayama nicht ab und weisen sogar auf seine Nützlichkeit hin. In manchen Fällen wird Pranayama wie eine Medizin für den Organismus wirken.

       Wir raten jedoch immer zu einer leichten Form vom Pranayama. Für Uns ist die Atmung ein wichtiger Prozess, doch in allem wird ein natürliches Pranayama die allerbeste Lösung sein. Die Menschen sollten sich nicht nur zu bestimmten Zeiten der Reinigung des Atems widmen. Ihrer bedürfen sie im Lauf des Tages mehrfach. Daher ist es heilsam, vor der Aussprache bedeutsamer Worte einige Male frisches Prana* einzuatmen. Ein solches natürliches Pranayama entspricht der heutigen Lage der Dinge.

       Man kann sagen, dass Redner sich dieser Methode oft bedienen. Doch sie handeln selten bewusst; indessen verwandelt gerade Bewusstheit jeden Atemzug. Auf diese Weise wird der Widersprechende verstehen, dass Wir eine bestimmte Eigenschaft des Pranayama ausdrücklich bestätigen, quälende Anwendungsarten aus alter Zeit aber überprüft werden müssen.

       Desgleichen müssen auch die Ansichten über das Kastenwesen erneuert werden. Irgendwann im fernen Altertum wurden solche Beschränkungen weise vorgesehen, doch die Evolution hat inzwischen viele Umläufe vollzogen, und heute wird es weise sein, die Lebensbedingungen neu zu bewerten. Möge vorurteilsvolles Denken kein Hindernis sein.

       Der Denker lehrte, dass auf der Erde kein Zustand von Sklaverei herrschen dürfe, anderenfalls wäre die Natur des Menschen nicht göttlich.

 

       442. Urusvati weiß, dass jedes Ereignis sich als Glied einer langen Kette von Ursachen und Wirkungen erweist. Gewöhnlich wird unter dem Begriff Ereignis etwas vom irdischen Standpunkt aus Wichtiges verstanden, doch jede Alltagserscheinung unterliegt genau demselben Gesetz. Wer vermag zu entscheiden, wo sich die Entstehung großer Ereignisse vollzieht?

       Ein erweitertes Bewusstsein hilft, rückblickend die Quellen von Ereignissen festzustellen. Ein solches Gefühlswissen muss man erwerben, um den Weg der Ereignisse nicht mittels Vorurteilen, sondern mit einem raschen Gefühl zu erfassen. Es ist nicht möglich, dass die Menschen lange über die Entstehung jeder Daseinserscheinung nachdenken, doch den Lebensweg muss man erkennen. Nur eine solche Erkenntnis der Quellen verleiht auch eine natürliche Vorausschau.

       Solche Glieder einer bereits geschmiedeten Kette muss man vorherzusehen lernen. Ich spreche nicht von Hellsicht, die nur wenigen zugänglich ist, sondern habe eine natürliche Vorausschau im Blick, die sich auf nahe wie ferne Ursachen gründet. Möge man jedoch nicht denken, dass diese natürliche Vorausschau leicht zu erlangen ist. Klar leuchtet das erweiterte Bewusstsein, und diese Leuchte erlaubt es, zurück- wie vorauszuschauen. Der durchschrittene Weg ist bereits durch viele Merkmale bekannt, der zukünftige jedoch kann völlig unbekannte Umrisse aufweisen, und wie soll der Wanderer sich in ihnen zurechtfinden?

       Wir haben nicht nur einmal von dem natürlichen Gefühlswissen gesprochen; möge der Verkehr mit Uns einen solchen natürliche Fortschritt unterstützen. In einer solchen Bewegung möge auch verstanden werden, dass manche Alltagserscheinungen weitaus bedeutsamer als sogenannte Weltereignisse sind.

       Der Denker wies darauf hin, dass jeder Mensch ein Antreiber der bemerkenswertesten Ereignisse ist, doch solche Momente selten erkennt.

 

       443. Urusvati kennt nicht nur kosmische Freude, sondern auch kosmische Trauer und kosmische Unruhe. Der Kosmos lebt, und die Bekundungen seines Lebens werden sich auch in irdischen Gefühlen widerspiegeln. Man kann persönliche Erlebnisse empfinden, man kann durch irdische Erschütterungen beunruhigt werden, doch darüber hinaus sind kosmischen Empfindungen unvermeidlich. Sie stehen nicht in Bezug zum menschlichen Leben, mögen weder Erdbeben noch die übrigen Nöte des Planeten ankündigen und wirken sich dennoch auf ein feinfühliges Herz aus.

       Gewöhnlich verstehen die Menschen nicht, dass ihre uranfängliche Energie unbegrenzt ist. Mit irdischen Worten sind überirdische Erlebnisse nicht wiederzugeben, doch sie besitzen alle Eigenschaften des menschlichen Mikrokosmos. Das bedeutet, man kann auch vom Makrokosmos sagen, dass er sich freut oder traurig ist. Es ist kein Fehler, den kosmischen Gedanken als etwas Fühlendes zu verstehen. Und ein feinfühliges irdisches Herz schwingt gemeinsam mit der großen Ebbe und Flut der kosmischen Energie.

       Unzweifelhaft ist diese Energie nur eine einzige, doch ihre Erscheinungen sind derart verschiedenartig, dass der menschliche Verstand versucht, jeder ihrer Eigenschaften eine besondere Bezeichnung zu geben. Man kann sich vorstellen, wieviel Irrtümer aus solchen eigenmächtigen Auftrennungen der einen Energie entstehen.

       Es ist völlig richtig, dass einzelne Eigenschaften der Energie zufällig in Erscheinung treten. Natürlich ist diese Zufälligkeit relativ, denn im Kosmos kann es keinen Zufall geben. So kann man nicht selten den Atem des Kosmos fühlen. Die Menschen haben seit alters her den Rhythmus des Atems gesucht und dabei versucht, sich dem Großen Atem zu nähern.

       Ein Lehrer muss darlegen, dass es dreierlei Gefühle geben kann: persönliche, planetare und kosmische.

       Der Denker sah in allem Einheit und Dreiheit.

 

       444. Urusvati weiß, dass die uranfängliche Energie umso stärker in Erscheinung tritt, je bewusster sie aufgenommen wird. Dieser Umstand war die Grundlage dafür, sie als Lebensenergie oder göttliche Energie zu bezeichnen. Der Mensch kann mittels der uranfänglichen Energie handeln, wenn sie für ihn unbestreitbar ist. Die Menschen können diese Kraft fühlen, wenn sie sie lieben.

      Ein mitfühlender Arzt wird einem Kranken die von ihm am meisten begehrte Speise verordnen; genau das Gleiche geschieht, wenn für den Erfolg eines Experiments die am meisten bevorzugte Materie festgelegt wird. Selbst der einfachste Mensch fühlt in seinem Inneren, was ihm besonders nahesteht. Es lassen sich bemerkenswerte Experimente durchführen, in denen die für einen Organismus geeigneten Substanzen verglichen werden. Man kann sich davon überzeugen, dass der Mensch selbst erfühlt, was für ihn am nützlichsten ist, doch muss man alles Fremde entfernen, anderenfalls werden Trinker behaupten, dass ihnen nur Wein nützlich sei.

       Zur Erkenntnis der Neigungen eines Menschen muss man sich manchmal der Hypnose bedienen. Der Mensch wird nicht nur von für ihn nützlichen Lebensmitteln sprechen, sondern auch Mineralien, Metalle und Pflanzen nennen, derer er am meisten bedarf. Dabei tritt eine verblüffende, unwiederholbare Individualität zutage. Es wird sichtbar, dass der Mensch die unterschiedlichsten Dinge nennt, die sich auf den ersten Blick gegenseitig auszuschließen scheinen, doch bei feinsten chemischen Untersuchungen wird man sehen können, dass sich gewisse Verbindungen als nützlich erweisen.

       Überhaupt muss man das grundlegende Prinzip der Individualität erkennen, besonders in der gegenwärtigen Zeit. Die Menschen sind bestrebt, alles gleichzumachen und zu verallgemeinern, doch die Natur zeigt in jeder Erscheinung Individualität. Wenn man die Freigebigkeit dieses Grundprinzips versteht, kann man leicht über den natürlichen Fortschritt nachdenken. Man sollte in allem den Wert der Individualität anerkennen.

       Alle, die sich gegen die Bedingtheit der menschlichen Aufteilungen auflehnen, sollten gleichzeitig auch das Gesetz der Individualität anerkennen. Es gibt keine Erscheinung auf der Erde, die nicht eine prägnante Individualität aufweist. Wir haben vom Ektoplasma gesprochen, das jedem Menschen eigen ist, doch jedes Auftreten von Ektoplasma wird individueller Natur sein. Dasselbe lässt sich auch von der Absonderung des feinstofflichen Körpers sagen. Alle existierenden, gewaltsamen Verfahren werden eher hinderlich sein, da gewöhnlich keine Vorschrift die Individualität beachtet. Umso mehr schätzen Wir es, wenn der Mensch auf individuelle Weise an einen Gegenstand herantritt.

       Der Denker sprach: „Jeder Mensch hat seinen eigenen, unvergleichlichen Weg.“

 

       445. Urusvati kennt die Unbegrenztheit aller gedanklichen Manifestationen, dazu zählt auch der freie Wille. Die Menschen können den freien Willen sogar kosmischen Erscheinungen entgegensetzen. Es darf nicht erstaunen, wenn sogar ein Gesetz durch Anstrengungen des freien Willens ins Wanken gebracht wird, daher rührt die Vielzahl karmischen Unglücks. Die Menschen rufen stärkste Erschütterungen hervor, statt dem kosmischen Weg zu folgen. Man darf nicht annehmen, dass die Hartnäckigkeit des freien Willens die Harmonie des Kosmos nicht berühren würde. Sie verletzt nicht nur, sondern ertönt verstärkt in allen Sphären.

       Die Weisen des Altertums versuchten, den Menschen mit Erzählungen über Helden ins Gewissen zu reden, die mit fernen Welten zu sprechen vermochten, doch von den Erzählungen sind nur Märchen geblieben. Auch zur heutigen Zeit, die als das energetische Zeitalter bezeichnet wird, messen die Menschen der Macht des Gedankens wie früher keine Bedeutung bei. Es ist erfreulich, wenn man an den Universitäten beginnt, an der Gedankenübertragung zu arbeiten, doch leider laufen diese Forschungen auf einige mechanische Verfahren hinaus; diese können der Menschheit aber keine Aufklärung über die Bedeutung des Gedankens als einer äußerst feinstofflichen Energie vermitteln.

       Die Erkenntnis des Gedankens muss auch zur Disziplin des freien Willens führen. Man muss verstehen, dass die ganzen planetarischen Ereignisse von der Raserei des ungezügelten freien Willens abhängen. Jetzt durchlebt die Erde das Harmagedon, doch auch in dieser Katastrophe ist der freie Wille von Bedeutung. Nichtirdische Kräfte können ohne langandauernde Mitwirkung der Menschheit eine solche Katastrophe nicht herbeiführen.

       Ich bitte, der Epidemie des psychischen Wahnsinns Aufmerksamkeit zu schenken. Man darf das Geschehen nicht einzelnen Personen zuschreiben, sondern muss erkennen, dass es die Völker sind, welche die weltweiten Erschütterungen fördern. Man sollte nicht annehmen, dass die Ereignisse von selbst entstehen und wieder vergingen. Vielleicht geht heute die vor etwa zweitausend Jahren ausgestreute Saat auf – so sorgfältig bewahrt der Raum die Manifestation des Gedankens auf.

       Der Denker wies darauf hin, dass die Menschen ihre Umstände verstehen könnten, wenn sie in die uralten Archive schauen würden.

 

       446. Urusvati weiß, dass der freie Wille sogar in der Feinstofflichen Welt in Erscheinung tritt. Nur in den höheren Sphären befindet er sich in Harmonie mit den höheren Formen der psychischen Energie – so ergibt sich wahre Zusammenarbeit. In den niederen und mittleren Sphären hingegen ist häufig ein Zweikampf wahrnehmbar; die dort Lebenden wollen die Zweckmäßigkeit der Daseinsgesetze nicht anerkennen.

      Besonders beklagenswert anzusehen ist, wie solche Bewohner einer Verkörperung zu entgehen versuchen. Sie wissen genau, dass sie bei ihrer karmischen Last in der Feinstofflichen Welt keine weiteren Fortschritte machen können; dennoch ziehen sie sogar eine gewisse Verwirrung vor, nur um keinen neuen Erdenweg auf sich nehmen zu müssen.

       Wir nennen ihren Zustand Verwirrung, er könnte aber auch als Qual bezeichnet werden. Niemand quält sie, doch selbst in den niederen Schichten ist die Unmöglichkeit weiteren Fortschritts spürbar. Ein solcher Widerstand des freien Willens beweist, dass während des irdischen Weges das Bewusstseins nicht erweitert wurde und keine Neigung bestand, den Kosmos zu verstehen. Überdies gab es natürlich keine Liebe zur Hierarchie. Diesen Umstand muss man gut verstehen. Die Menschen sprechen viel von Liebe und Ergebenheit, ohne ihnen aber Ausdruck zu verleihen.

       Die Menschen sprechen oft vom Lehrer, wenden jedoch keine Mühe auf, um eine feste Verbindung zu knüpfen. Wir sagen nicht, dass die Menschen dem Lehrer zur Last fallen sollen. Im Gegenteil raten Wir zu weitgehend selbständiger Tätigkeit, doch muss im Inneren des Herzens die Ampel[2] der Liebe glimmen. Erst dann wird sich auch das antwortende Feuer entzünden. Erklärt es, wie ihr wollt, und sei es als elektrischen Strom, doch der Strom wahrer Liebe wird eine feste Leitung sein. Auch echtes Vertrauen erwächst nur aus Liebe.

       Der Denker glaubte fest daran, dass die Liebe eine göttliche Gabe sei.

 

       447. Urusvati weiß, dass für den Höheren Verkehr Ruhe notwendig ist. Für einige Erscheinungen ist es erforderlich, Wasser in starke Bewegung zu versetzen, doch wenn jemand die Tiefe eines Brunnens erforschen will, muss die Wasseroberfläche ruhig und das Wasser selbst sauber sein.

       Oft verstehen die Menschen nicht, welche Art von Ruhe inmitten der Wirren der Welt möglich sein soll. Doch Wir haben die Ruhe des Bewusstseins im Sinn, die, wenn man sie erst erreicht hat, nicht mehr gestört werden kann. Der Mensch kann durch die äußeren Zentren in Unruhe versetzt werden, er kann sich in Worten empören, doch sein Bewusstsein bleibt klar.

      Es ist nicht leicht, diesen Zustand zu erlangen, und er wird sich nicht durch mechanische Methoden einstellen. Die äußere Flamme kann man mit Rhythmen unterdrücken, doch Unerschütterlichkeit des Bewusstseins erwächst aus der Verbindung mit dem Höchsten.

       Man muss jeden Funken des Bewusstseins hüten, um ihn herum toben Wirbel der Raserei. Es treten solche Verführer auf, wie die Menschen sie sich gar nicht vorstellen können. Sie ertragen keine Klarheit des Bewusstseins. Für sie ist jedes erweiterte Bewusstsein ein Hindernis auf ihrem dunklen Weg. Soll man jedoch bedauern, dass ein erweitertes Bewusstsein zur Zielscheibe für finsteren Wesen wird? Im Gegenteil, man kann sich nur darüber freuen, dass die Wesen der Dunkelheit über ein klares Bewusstsein stolpern.

       Wer einmal die Ruhe eines erweiterten Bewusstseins erfahren hat, kann sich die kosmischen Stürme vorstellen, die aber das Weltengebäude nicht zu zerstören vermögen. Mögen diese Worte an Unsere Ruhe erinnern, die auf langer Erfahrung gründet; dabei ist auch Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung. Sie stärkt jeden Fortschritt.

       Hört ihr: Ich spreche von Zusammenarbeit! Jede Verletzung der Zusammenarbeit dient der Finsternis. Hört ihr: Jeder Dienst an der Finsternis bedeutet Zerstörung! So denkt an Unsere Türme, wo der Herd der Zusammenarbeit brennt.

       Der Denker sprach: „Jeder Mensch ist von Zusammenarbeit umgeben.“

 

       448. Urusvati weiß, dass der Turm Tschung ein Mittelpunkt der drei Welten ist. Eine solche Einheit ist möglich, weil sich einige Lehrer im irdischen Körper befinden, das feinstoffliche Wesen jedoch abtrennen können; andere halten sich im feinstofflichen Körper auf, können sich aber leicht der grobstofflichen Welt nähern.

      Man kann verstehen, wie notwendig es ist, die Harmonie der Schwingungen zu beachten, damit eine solche Einheit zustande kommen kann. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie notwendig es ist, die gesamte umgebende Atmosphäre zu bewahren, damit nichts Fremdes die Verwirrung der Ströme verstärken kann.

       Die Menschen streben danach, Unsere Türme zu finden, sie verstehen aber nicht, dass ihr Eindringen eine Katastrophe auslösen kann. Man muss unter den gewöhnlichen irdischen Bedingungen Einheit bewahren, um Unserer Einheit wenigstens annähernd nahezukommen. Mögen die Menschen sich in dem Wissen freuen, dass irgendwo eine Art Leiter der Welten existiert. Schon dieses Bewusstsein wird eine Brücke zum Fortschritt sein.

       Ein unfähiger Prediger könnte dazu raten, die höhere Einheit außer acht zu lassen. Eine solche Botschaft wird aber für die irdische Ebene nicht nützlich sein. Jede Begrenzung ist wie eine verschlossene Tür und wie der Entzug frischer Luft. Sogar im dürftigsten Alltagsleben träumen die Menschen von einer Erweiterung ihrer Möglichkeiten, doch können sie leben, ohne die Augen zu den Sternen erhoben und ohne ein einziges Mal über die Unbegrenztheit nachgedacht zu haben?

      Mag der unfähige Prediger die Vorzüge höherer Errungenschaften für sich allein in Anspruch nehmen; es wird jedoch der Tag kommen, da man ihn fragen wird, mit welchem Recht er seine Nächsten des Traumes vom Allerschönsten beraubt hat.

      Wenn die Menschen schon von den Feinstofflichen Welten wissen, werden sie unausweichlich über höhere Grenzen nachdenken. Niemand kann die Menschen dessen berauben, was sie bereits vorausfühlen. Es ist nicht klug zu versuchen, die Tür zu schließen, wenn der Schlüssel zu ihr sich schon in den Händen des Gastes befindet.

       Der Denker wies darauf hin, dass der Mensch die göttliche Welt erkennen muss.

 

       449. Urusvati kennt einige Apparate, die Wir zur Konzentration auszusendender Ströme verwenden. Überhaupt kann man Apparate überall anwenden, wo sie helfen können, die psychische Energie* zu bewahren. Man kann auch ohne Unterstützung vorgehen, doch sollte überall das Prinzip der Wirtschaftlichkeit beachtet werden. Überdies gibt es derart angespannte Momente, in denen es unerlässlich ist, sehr rasch einen anderen Energiestrom entgegenzustellen. Die Menschen spüren mitunter solche Anspannungen, können aber nur selten erkennen, woher die Hauptwellen kommen.

       Wir weisen immer wieder auf Einigkeit als Grundlage der Zusammenarbeit hin, doch manchmal könnt ihr bemerken, dass Wir besonders auf Einigkeit bestehen, wofür es viele Gründe gibt. So kann es sein, dass Uneinigkeit droht; doch kein geringerer Grund liegt darin, dass eine bewusst vereinte Energie erforderlich ist. Wenn eine Spinne angreift, ist Aufmerksamkeit nötig. Ein schlauer Skorpion erfordert vereinigte Anstrengungen.

       Oft verlieren die Menschen das Gleichgewicht, wenn sie von einer Gefahr hören. Indem sie eine einzige Gefahr fürchten, rufen sie selbst zehn andere hervor. Mit einiger Erfahrung werden sie jedoch verstehen, dass Gefahr vor allem Gleichgewicht erfordert.

      Wenn man Wanderer vor Gefahren warnt, verhalten sich nur wenige vernünftig. Ein ängstlicher Wanderer wird alle möglichen Gefahren aufzählen und sich selbst noch nie dagewesene Schwierigkeiten suggerieren. Ein echter Kämpfer jedoch sammelt all seine Kräfte, um alle möglichen Hindernisse zu überwinden. Er weiß, dass Gefahr von unten, von oben und von allen Seiten kommen kann, doch das ängstigt ihn nicht. Im Gegenteil, die Anspannung aller Kräfte erfüllt ihn mit Freude.

       Ein erhabenes Gefühl ist die Freude der Bereitschaft! Dieses strahlende Gefühl ist unbegrenzt, erleuchtet die ganze Aura und vermehrt die körperlichen Kräfte. Stark ist die Mutter, die ihr Kind rettet. Ebenso stark ist derjenige, der bereit ist, alle Hindernisse zu überwinden. Zu einer solchen vollen Bereitschaft ist die Vereinigung bestimmter Energien erforderlich. Auch über solche außerordentlichen Vereinigungen sprechen Wir, doch die Menschen lieben Hinweise auf außergewöhnliche Gefahren nicht. Möge das Gefühl voller Bereitschaft von den ersten Jahren an anerzogen werden; es wird den Sieg über die Selbstsucht bedeuten.

       Der Denker unternahm lange Reisen mit Seinen Schülern. Er fragte sie, ob sie die beste Waffe mitgenommen hätten. Unschlüssig, was Er meine, fragten sie: „Welche Waffe?“ Er aber antwortete: „Die für eine Reise geeignetste: volle Bereitschaft.“

 

       450. Urusvati weiß, dass alte Sprichwörter oft als wissenschaftliche Aussagen gegeben wurden. Erst mit der Zeit verloren sie die innere Bedeutung und wurden als äußerliche, kurze Formeln wiederholt. So heißt es zum Beispiel: „Der Schlaf ist dem Tod ähnlich“, und niemand denkt daran, dass sich darin eine große Wahrheit verbirgt. Der sogenannte Tod führt den Menschen nämlich in die Feinstoffliche Welt, doch auch jeder Schlaf stellt eine Berührung mit ihr dar.

       Man kann viele Stadien eines solchen Zustandes nennen, doch in jedem von ihnen schließt der Mensch sich an die Feinstoffliche Welt an. Einige senden ihren feinstofflichen Körper auf weite Reisen, während andere die Bereiche der Feinstofflichen Welt nur leicht berühren.

      Die Ärzte bemerken richtig, dass Schlaf Erholung bedeutet. Der Schüler sollte wissen, dass jeder Anschluss an die Feinstoffliche Welt schon Erholung für den physischen Körper darstellt. Auf diese Weise haben die Ärzte Recht, wenn sie die äußere Bedeutung des Schlafes bestimmen. Doch dieser äußere erklärt nicht den inneren, weitaus wichtigeren Sinn. Mögen die Menschen sich merken, dass jeder Schlaf sie an die Feinstoffliche Welt anschließt, jene Welt, an die sie nicht glauben wollen.

       Offenkundige physische Manifestationen werden für Gaunerstücke von Medien gehalten, doch wollen Wir jetzt nicht auf Phänomene verweisen, sondern auf einen natürlichen, jedem Menschen vertrauten Zustand. Wenn die Menschen den Gedanken von der Bestimmung des Schlafes annehmen, werden sie viele Einzelheiten bemerken.

       In ihren Überlegungen über die Bedeutung des Schlafes verfallen manche solchen Irrtümern, dass sie annehmen, Schlaf könne unnötig sein. Bei einigen Krankheiten schwindet der Schlaf, doch ist ein solcher Zustand qualvoll und schädlich. Richtig ist, dass der Schlaf auf den Höhen bedeutend verkürzt, aber nicht ganz aufgegeben wird.

       Die Menschen sollten verstehen, dass bei Besuchen in der Feinstofflichen Welt Begegnungen mit den feinstofflichen Körpern von noch lebenden Personen stattfinden können. Oft denken die Menschen, geträumt zu haben, doch in Wirklichkeit trafen sie mit den feinstofflichen Körpern Lebender zusammen. Dabei kann man feststellen, dass diese Begegnungen bereits unter dem Zeichen eines Verständnisses für die Bedingungen in der Feinstofflichen Welt vor sich gehen.

      So können höchst unbeherrschte Menschen sich dort in einem Meinungsaustausch als vernünftig und äußerst angenehm erweisen. Im irdischen Leben werden sie niemals zugestehen, ein solches weitgefasstes Urteilsvermögen zu besitzen. Sie bewahren bestenfalls kleine Splitter der Begegnungen in ihrem Gedächtnis, nehmen jedoch in ihrem Wesen ein neues Verständnis der Dinge mit. Solche aus der Feinstofflichen Welt mitgenommenen Lektionen bringen in verschiedenen Lebenssituationen großen Nutzen.

       Solche Erwerbungen könnten jedoch bedeutend verstärkt werden, wenn die Menschen sich beim Schlafengehen bewusst machen würden, dass sie die große Feinstoffliche Welt berühren werden. Mögen die Menschen wenigstens äußerlich diesen alltäglichen Anschluss erkennen, dann würde die Feinstoffliche Welt sich zu nähern beginnen.

      Nicht selten wundert sich ein Mensch, im Schlaf Lebende wie Verstorbene gesehen zu haben, doch liegt darin nichts Verblüffendes, denn der feinstoffliche Körper kann, unabhängig von Zeit und Raum, auf die andere Ebene vordringen. So raten Wir, den Schlaf in eine auserlesene Reise in höhere Gebiete zu verwandeln, wobei man jedoch seiner feinstofflichen Energie keinen Zwang antun darf. Der Mensch bewahrt die in der Feinstofflichen Welt angetroffenen Erscheinungen nur selten im Gedächtnis. Auch wenn der beschriebene Zustand auf natürliche Weise verläuft, denkt trotzdem daran, dass ihr während des Schlafes die Feinstoffliche Welt berührt.

       Der Denker sprach: „Es ist uns gegeben, in jeder Nacht herrliche Wege zu gehen.“

 

       451. Urusvati weiß, dass die Menschen verschiedene mechanische Maßnahmen zur Bewahrung des Gedächtnisses ergreifen. Sie haben dazu eine besondere Wissenschaft erfunden: die Mnemonik[3]. Sie haben das Gedächtnis in viele verschiedene Arten eingeteilt und schlagen vor, viel auswendig zu lernen, um die Stärke der Gehirnmuskeln zu entwickeln. Doch sie vergessen das Wichtigste, das das Bewusstsein des Menschen verwandelt:

      Sie vergessen, dass die unablässige Erinnerung an das Allerliebste sich als das sicherste Mittel erweist. Es besteht keine Notwendigkeit, dass unbedeutende Fakten das Bewusstsein belasten; vor allem nötig ist, das Allerwichtigste im Gedächtnis zu bewahren, das der Mensch sich als führenden Begriff erwählt hat.

       Wenn der Mensch lernt, beständig an sein Endziel zu denken, wird er auch die beste Art von Gedächtnis erlangen, das Wir synthetisch nennen. Eine solche Konzentration verfeinert und schärft auch die Nervenzentren.

       Dieser Rat scheint sehr einfach zu sein, man braucht sich also nur zu konzentrieren; man muss allerdings vor allem imstande sein auszuwählen, auf wen oder was man sich konzentrieren will.

      Man kann Unsere Schwester nennen, die unerschütterlich das Gedenken an das Allerliebste in sich trägt; das bedeutet, dass eine solche Errungenschaft auch inmitten der irdischen Wirren möglich ist. Mögen die Menschen daran denken, dass ein sicherer Anker das Schiff selbst im Sturm zu retten vermag. Niemand zwingt zu solcher Konzentration, die menschliche Natur selbst lenkt zu dem zuverlässigsten Mittel.

       Der Denker dachte unablässig an die von Ihm erwählte Muse[4]. Er verbarg es nicht, dass Er in Tagen der Erschütterung dank Jener feststand, die Ihm Stütze war.

 

       452. Urusvati weiß, dass jeder Herantretende viele Bewohner der Feinstofflichen Welt mit sich führt; dies ist keine Besessenheit*, sondern nur der Gleichklang der Auren. Natürlich drängen Bewohner der Feinstofflichen Welt sich ohnehin schon um uns herum, doch jedes Herantreten eines anderen zieht auch sein ganzes Gefolge mit heran. Es ist nicht wünschenswert, dass diese neuen Gäste beginnen, sich mit den gewöhnlichen Bewohnern zu streiten; vielmehr ist es besonders segensreich, wenn alles in einen übereinstimmenden Chor zusammenfließt. Jede solche Verstärkung zieht sogleich auch hohe Besucher an.

       Wir wollen das Gesagte nicht als ein neues Märchen auffassen, sondern lieber Unser wissenschaftliches Verständnis auf diese unbezweifelbaren Fakten anwenden. Möge der Beweis vom Gegenteil her erfolgen: Es wird doch niemand beweisen können, dass alle Angaben über die Feinstoffliche Welt unmöglich seien. Möge man neue Beweise suchen, bevor man all das im Verlauf von Jahrtausenden angesammelte Wissen umstürzt.

       Wir erwarten keinen blinden Glauben und nehmen daher die Herausforderung beliebiger Verneiner bereitwillig an, doch bitten Wir sie, wissenschaftlich vorzugehen. Ohne wissenschaftliche Beweise unbegründet zu verneinen ist unmöglich. Mögen die Verneiner lernen, solche Tatsachen beizubringen, welche die Unmöglichkeit Unserer Informationen über die Feinstoffliche Welt aufzeigen. Möge dieser Disput jedoch nicht an den Streit über die Bewohnbarkeit der fernen Welten erinnern.

       Es ist nicht überzeugend, wenn die Widersprechenden sagen, dass nach ihrer Meinung allein die Erde bewohnt sei. Niemand wird sich mit derart platten Behauptungen begnügen. Im Gegenteil kann jeder, der die Bewohntheit oder Erfülltheit des Raumes annimmt, zur Unterstützung physikalische Gesetze anführen. Es erfordert nicht viel Arbeit, die Anwesenheit von Mikroorganismen zu beweisen, und von ihnen lässt sich ein Faden zum Makrokosmos ziehen.

      Glaubt nicht, ein solcher Vergleich sei primitiv; überlegt zuvor, wie viele Menschen noch nie durch ein Mikroskop oder Teleskop geblickt haben. Lasst uns dies nicht armen Landbewohnern vorwerfen, berücksichtigen wir lieber die Auserwählten der Völker. Man kann sich nur wundern, wieviel Unwissenheit sich in den städtischen Türmen und auf den Märkten findet. Diese Menschenansammlungen sind als Pflanzstätten der Unwissenheit zu bezeichnen. Man soll lieber ein Gespräch mit einem Landbewohner führen und an dem verderblichen, unwissenden Urteil der Städter vorübergehen. So mögen die Verneiner wissenschaftliche Beweise sammeln.

       Der Denker schlug den Mitbürgern vor, für jede Entscheidung eine wissenschaftliche Grundlage zu finden.

 

       453. Urusvati weiß, dass die Menschen ständig ganzheitliche, unteilbare Begriffe aufspalten; eine solche Gewaltanwendung zeugt von Unwissenheit. Der Begriff der Evolution wird in einen materialistischen und einen idealistischen Teil zerlegt; doch darf man den erhabenen Begriff der Evolution derart entstellen und ihn so seiner Anwendbarkeit auf das Leben berauben?

       Hört ihr Unser Bedauern, wenn die Einheit verletzt wird? Mag sich ein Arzt den Menschen auch nur aus Muskeln oder nur aus Nerven bestehend vorstellen – existieren kann ein solcher Organismus nicht. Kann man sich also die Evolution nur als materialistisch oder nur als idealistisch vorstellen? Weder das eine noch das andere wäre lebensfähig. Allein die volle Evolution sämtlicher Begriffe vermag das Leben zu verwandeln.

      Wir nennen das nicht Synthese, denn Synthese setzt die Verbindung einiger Teile voraus; im Fall der Evolution gibt es aber keine mechanische Verbindung – Muskeln und Nerven der Evolution stellen einen einzigen Organismus dar. Es ist widernatürlich sich vorzustellen, ein Organismus könne um einen seiner bewegenden Teile beraubt leben.

      Daher kann man in der Geschichte der Menschheit verfolgen, dass sogar die Blütezeiten von Staaten und Völkern nicht von langer Dauer waren. Solange die Harmonie aller Grundlagen der Evolution nicht gefunden wird, wird die Menschheit hinken.

       Lasst uns auch prüfen, ob die Begriffe des Materialismus und des Idealismus richtig verstanden werden. Wir finden, dass beide falsch ausgelegt werden. Wenn die Menschen wissen, dass Materie auch Geist und jeder Zustand beider nur die Offenbarung ein und derselben uranfänglichen Energie ist, so wird jeder Versuch einer Aufspaltung dieser Einheit nur eine Verstümmelung sein. In den Händen Unwissender erscheint die Materie als ein bedingter Begriff. Auf dieselbe Weise ist auch der Begriff des Idealismus in den Händen von Toren ein nichtssagendes Banner.

       Möge die große Evolution nicht geschmälert werden; möge man alle Wissenschaften herbeirufen, um zu begründeten Urteilen zu gelangen. Nur bei Anwendung wissenschaftlicher Methoden werden die Menschen die Bedeutung der Evolution anerkennen.

       Der Denker sprach: „Bürger, warum habt ihr ein Bein hochgebunden? Für einen langen Weg taugt ihr so nicht.“

 

       454. Urusvati weiß, dass jede menschliche Handlung zum Bösen gewendet werden kann. Wenn die Ärzte des Altertums eine Heilung ausführten, fügten sie hinzu: „Möge dieses Gute nicht in Böses verkehrt werden.“ So lassen sich viele Beispiele dafür anführen, wie aus besten Absichten Elend entstand. So kann ein Bauer, dem befohlen wurde, nur an seine Bewaffnung zu denken, nicht hinreichend an seinen Acker und die Aussaat denken.

      Der Lehrer muss erläutern, dass auch das Gute viele Stufen hat. Ein Mensch strebt nicht zum Guten, wenn er mit seinem Handeln Böses erzeugen kann. Was aber tun, um auch vergleichsweise geringfügig Böses zu vermeiden? Erneut kommen wir zum Gefühlswissen.

       Wir wissen, dass die Finsteren das beste Vorhaben bis zu einem gewissen Grad entstellen können. Wir sind darüber nicht betrübt, dass irgendwo das von uns vollbrachte Gute entstellt wird. Wir wägen ab, wann das Gute die beste Ernte einbringen wird, und weinen nicht, wenn es irgendwo entstellt wird. Nur in der Angemessenheit* kann man die Rechtfertigung für eine Handlung finden.

       Vergessen wir nicht, dass die Finsternis selbst das hellste Feuer zu verdecken vermag, doch geht die Sonne nur deshalb unter, um wieder aufzugehen. So vermittelt jede kosmische Erscheinung einen Begriff von der menschlichen Arbeit. Man darf nicht meinen, dass das Ende naht, denn es gibt kein Ende; Freude erwächst aus der Unbegrenztheit.

       Der Denker tröstete die Schüler damit, dass Freude unbegrenzt ist.

 

       455. Urusvati weiß, wie viele Missverständnisse um den Begriff „augenblickliche Erleuchtung“ herum entstanden sind. Die Menschen bilden sich oft ein, bereits erleuchtet worden zu sein, wenn sie eine vorübergehende Begeisterung empfunden haben. Man kann sich auch eine augenblickliche Erleuchtung vorstellen, doch wird sie auf langwierige innere Arbeit gegründet sein. Diese Arbeit kann als Erbe der Vergangenheit sogar unbewusst sein, und dennoch geht sie vor sich und ermöglicht erst die Erleuchtung.

       Unter Erleuchtung ist kein zufälliges Aufflammen zu verstehen, sondern eine ganze Stufe des Bewusstseins. Die Menschen verstehen oft nicht, dass eine solche Stufe unerwartet eintreten kann, gleichsam als Folge eines zufälligen Ereignisses. In der Tat kann ein äußeres Ereignis den Anstoß zur Öffnung des „Lotus“[5] geben, die Blüte selbst jedoch ruhte bereits in der Tiefe des Bewusstseins.

      Der „Lotus“ wird durch viel Arbeit aufgezogen, doch oftmals bemerken die Menschen nicht, wie sie den herrlichen Garten bestellen. Erst nach einer eifrigen Aussaat kann die Erleuchtung aufblitzen. Ohne Ursachen wird es auch keine Wirkungen geben.

       Desgleichen wird oft nicht verstanden, was Feierlichkeit ist. Man mag denken, dass ein solcher erhabener Zustand zufällig eintritt. Nein, er gestaltet sich als Folge langen Nachdenkens; wenn er jedoch erstarkt, erweist der Mensch sich als auf einer festen Stufe stehend. Wir schätzen nicht das ephemere[6] Aufflammen, sondern das unverlöschliche Brennen.

       Der Denker lehrte, dass jedem Menschen eine Öllampe verliehen ist.

 

       456. Urusvati weiß, dass die psychische Energie den Zug der Vögel lenkt, ebenso wie sie zu menschlichen Vereinigungen beiträgt; man muss aber an die Erziehung des Willens erinnern, die das beste Hilfsmittel für Erleuchtung ist. Wie eine wegweisende Fackel lodert die Erleuchtung auf und beleuchtet den Weg, doch wie soll man den Willen erziehen? Vielleicht mittels Konzentration oder Pranayama? Jedes Mittel wird seinen Nutzen haben, doch der stärkste Wille wird in den Lehrstunden des Lebens geformt.

       Man darf nicht irgendwelche außergewöhnlichen Ereignisse erwarten, um den Willen zu üben. Möge er an den gewöhnlichsten Alltagserscheinungen wachsen. So erstarkt ein völlig unerschütterlicher Wille. Es ist schlecht, wenn ein Mensch sich die Eigenschaft des Willens einredet, er muss innerlich durch einen psychischen Impuls aufgespeichert werden. Bei jeder Arbeit üben wir uns in der Stärkung des Willens. Bei jeder Begegnung offenbaren die Menschen das Niveau ihres Willens.

       Das Denken des Menschen fließt dem Befehl des Willens gemäß, und dieses Gefühl soll Tore eröffnen, aber keine Sklaverei sein. Die echte Erziehung des Willens beginnt mit dem ersten Erwachen des Bewusstseins. Schon von jungen Jahren an spürt der Mensch den Vorzug eines disziplinierten Willens. Nicht alle sind in der Lage, einen ungezügelten Willen leicht zu bezwingen. Das Chaos wird nur durch die Erkenntnis besiegt, dass diese grobe Materie verwandelt werden muss. Viele Verkörperungen muss man jedoch durchschreiten, um selbständig die Notwendigkeit der Überwindung des Chaos zu verstehen.

       Solange dem Menschen die Erfahrung fehlt, möge er den Rat über den Willen anhören. Er wird verstehen, wie der Wille gestärkt oder gezügelt werden muss. Er wird verstehen, dass der Wille ihm hilft, den Nächsten nicht zu kränken. Der Wille wird eingeben, wann man Hilfe erweisen kann. Über den Kanal des Willens wird auch Unsere Führung eilen. Der Wille ist wie ein Reiniger, wenn er auf das Gute gerichtet ist.

       Der Denker zeigte des öfteren auf vorüberziehende Vögel und sprach: „Welch herrliche Kraft führt diese Wanderer!“

 

       457. Urusvati weiß, dass die Stimme des Bewusstseins mitunter die kleine Stimme genannt wird. Diese Bezeichnung entspricht jedoch nicht ihrem Wesen. Ebenso nennt man sie die unhörbare Stimme, was auch nicht richtig ist. Man nennt sie auch die Stimme der Tiefe, eine solche Definition ist schon näherliegend. Warum jedoch das einfachste vermeiden, nämlich „die Stimme des Bewusstseins“? So kann man leichter verstehen, dass ein solcher Befehl des Bewusstseins sowohl eine Erleuchtung als auch eine Zusammenarbeit mit der Überirdischen Welt darstellt.

       Man sollte wissen, dass das Bewusstsein nicht von außen unterdrückt, sondern von allen Energien des Raumes genährt wird. Unsere Führung kann kein Zwang sein, sie kann aber die besten Kräfte des Bewusstseins nähren. Wer die Bedeutung der Zusammenarbeit versteht, kann erkennen, wie man ohne Zwang helfen kann.

       Was tut der Mensch, wenn die Stimme seines Bewusstseins zu erklingen beginnt? Gewöhnlich müht er sich mit allen Kräften, sie zu ersticken. Man kann bestätigen, dass die Menschen die Stimme des Bewusstseins als etwas überaus Beunruhigendes vertreiben. Kann der Mensch jedoch erfolgreich voranschreiten, solange er seine Gabe nicht erkennt?

       Oftmals fürchtet man das sogenannte Gewissen. Es ist üblich zu denken, es spreche nur nach schlechten Taten. Welch ein Irrtum! Das Gewissen oder Bewusstsein ruft zum Guten auf. Doch der Mensch ist, während er ein Verbrechen begeht, nervlich sehr angespannt und kann so auf der Hut sein, dass die Stimme des Bewusstseins für ihn erklingt.

      Man darf nicht meinen, Zusammenarbeit bestünde in gegenseitiger Verurteilung. Könnten die Menschen die Warnungen hören, würden sie viele Gefahren vermeiden. Die Stimme des Bewusstseins ist weder klein noch unhörbar noch stolz über ihre Unabhängigkeit. Wahre Zusammenarbeit achtet nicht darauf, woher der Erfolg kommt, feinfühlig und dankbar nimmt sie die Gabe des Guten an.

       Der Denker nahm diese Gaben als Nahrung für den Geist entgegen.

 

       458. Urusvati weiß, wie unbeständig und falsch die Menschen die neuesten Erfindungen nutzen. So sind viele neue Filme in Gebrauch gekommen, die für Aufnahmen feinstofflicher Wesenheiten überaus geeignet sind, doch kaum jemand versucht, solche neuen Möglichkeiten anzuwenden. Mitunter kann sehen, dass die Ergebnisse alter Aufnahmen sogar besser waren. Seinerzeit wandte man unzweifelhaft mehr Anstrengungen und Geduld auf als heute. Überdies verfielen die Forscher nicht so schnell der Enttäuschung.

       Es ist nicht möglich, für alle feinstofflichen Experimente alle kosmischen Bedingungen vorauszusehen. Man kann aber darauf hinweisen, dass der Chemismus starker Sonnenstrahlen ungünstig ist; ebensowenig förderlich sind Orkane und Bodenschwankungen. Stille und gleichmäßiges Licht sind besonders hilfreich, desgleichen können die Harmonie der Anwesenden und Klänge von Musik unterstützen, doch alle diese Bedingungen sind primitiv.

      Überdies gibt es unzweifelhaft viele feinstoffliche Einflüsse, nützliche wie entgegenwirkende. Man sollte wissen, dass unter den feinstofflichen Wesen keine einheitlichen Ansichten herrschen. Sie können über die Nützlichkeit bestimmter Manifestationen uneins sein und Gegenwirkungen veranlassen. Ebenso kann es feindliche Versuche geben, eine Mitteilung zu unterbinden, doch Geduld und Streben überwinden dies.

       Wir wollen auch nicht vergessen, dass die Teilnahme von Frauen den feinstofflichen Versuchen besonderen Erfolg verleiht. Man kann feststellen, dass das Gleiche auch bei Filmaufnahmen geschieht. Wenn eine Frau körperlich oder feinstofflich teilnimmt, gelingen die Aufnahmen gut.

      Wir haben bereits über die Teilnahme von Frauen an allen wissenschaftlichen Experimenten gesprochen. Die Alchimisten des Altertums verstanden den vollen Wert der weiblichen Mitarbeit, den heutzutage jedoch viele Wissenschaftler in Abrede stellen. So tritt indirekte weibliche Mitarbeit an die Stelle der direkten, und dennoch zieht das Wesen der Dinge selbst die Frau hinzu, und sie legt Hand an die neuen Entdeckungen.

       Es ist daher unerlässlich, die Lage der Frau zu verändern. Neben Gleichgewicht und Gleichberechtigung muss man auch die Feinheit der weiblichen Natur verstehen. Es wäre bedauerlich, die Frau an der Stelle von Soldaten oder bei einer Arbeit sehen zu müssen, die grobe Kraft erfordert. Wenn wir uns von der Anwesenheit kostbarer feinstofflicher Energie überzeugen, müssen wir sie um der Zweckmäßigkeit willen auch anzuwenden verstehen. So gelangen wir erneut zur wahren Zusammenarbeit.

       Wir müssen für jede Fähigkeit den ihr gebührenden Platz finden. Die Epoche der Mutter der Welt* bedeutet keine Rückkehr zum Zeitalter der Amazonen. Es steht eine weitaus größere, erhabenere und feinere Aufgabe bevor. Man kann beobachten, dass Maschinen in den Händen von Frauen weniger ermüden und Pflanzen langsamer welken.

      Natürlich spreche Ich nicht von allen Frauen, sondern von denen, die Ausdruck der feinsten Energie sind. Sämtliche derartigen Fähigkeiten sind dem Zeitalter der Mutter der Welt angemessen. Der Bereich der ärztlichen Tätigkeit wird zu solchen Fähigkeiten in Beziehung stehen.

       Noch eine weitere Eigenschaft ist der Frau eigen: Sie ist die Trägerin des höchsten Grades der Hingabe. Die höchsten Wahrheiten treten dank der Frau ins Leben. Die Wirklichkeit selbst bestätigt diese Aussage. Die Frau kann dabei helfen, dass die Entdeckungen in rechter Weise Anwendung finden.

       Der Denker wandte sich Seiner Muse zu und wollte damit Seiner Verehrung der feinsten Kräfte Ausdruck verleihen.

 

       459. Urusvati weiß, wie sehr die Menschen es vorziehen, zu den fernen Welten zu streben, statt sich um die Situation auf der Erde zu kümmern. Die Ursache ist klar: Die fernen Welten sind für die Erdbewohnern ohne Verantwortung, die Verpflichtungen für das grobstoffliche Leben aber werfen viele Sorgen auf. Niemand oder fast niemand möchte verstehen, dass die Realität der fernen Welten sich nur demjenigen eröffnet, der die irdischen Bedingungen überwindet.

       Ohne Erkenntnis der irdischen Bestimmung ist es unmöglich, in überirdische Räume vorzustoßen. Nur durch irdische Vervollkommnung erweisen wir uns als gute Wanderer in die fernen Welten. Wenn wir also vom Überirdischen sprechen, müssen wir vor allem mit unserem irdischen Zustand einverstanden sein. Wiederum betone Ich, dass diejenigen, die nicht fähig sind, über das Irdische nachzudenken, nicht in rechter Weise zum Überirdischen streben können.

       Glaubt nicht, dass selbst die Leser der gesandten Testamente diese auch im Leben anzuwenden in der Lage sind. Doch lasst uns deswegen nicht betrübt sein; jeder, der viele irdische Wege durchschritten hat, weiß, wie sich seine Erfahrung angesammelt hat. Er, der sich vieles zu eigen gemacht hat, wird sich Irrenden gegenüber barmherzig verhalten.

       Man darf nicht vergessen, dass wir uns bei jedem irdischen Inerscheinungtreten in Bezug auf bestimmte Fähigkeiten vervollkommnen, während viele andere Aufspeicherungen gewissermaßen im Zustand der Vergessenheit bleiben. Daher wundern sich die Menschen nicht selten, wenn sie sehen, dass jemand sich in bestimmter Hinsicht erfolgreich entwickelt und in anderer schläft. Nur in der Feinstofflichen Welt flammen auch die früheren Aufspeicherungen auf, allerdings die Fehler ebenfalls.

       So sagte der Denker oftmals, um jemanden zu rechtfertigen: „Wissen wir, was in seinem Busen ruht?“

 

       460. Urusvati weiß, dass die Überfüllung des Raumes gefährliche Folgen zeitigen kann. Fassen wir diese Ermahnung rein wissenschaftlich auf. Man sollte wissen, dass sogar die Überschneidung von Radiowellen räumliche Verwirrung schafft. Noch größere Unruhe entsteht jedoch aus unmittelbaren menschlichen Ausrufen.

       Psychiater sollten ihre Aufmerksamkeit auf psychische Epidemien lenken. Es muss erforscht werden, bei welchen psychischen Massenerscheinungen entsprechende Wirkungen auftreten. Man darf die Entstehung psychischer Epidemien nicht nur der Besessenheit zuschreiben. Doch kann natürlich ein räumlich vergifteter Organismus leicht auch Besessenheit aufnehmen.

       Achtet auf das Wort „vergiftet“, es bringt das Wesen der Epidemie besonders gut zum Ausdruck. Die Ärzte müssen verstehen, wie der Chemismus zustande kommt, der sich auf den Zustand des Organismus auswirkt. Dabei ist besonders wichtig zu studieren, welche Massenbewegungen diese Erkrankung am meisten begünstigen.

       Man kann erkennen, dass nicht selten größte Explosionen weniger gefährlich sind als sogenannte Gärungen. Vergessen wir nicht, dass es Zeiten geben kann, die schlimmer sind als Krieg. Wenn Wir daran erinnern, haben Wir die Vergiftung des Raumes im Blick. Bei jeder Gärung werden Gase gebildet, doch menschliche Verwirrung kann ein sehr starkes Gift erzeugen, und niemand denkt daran, dass die Menschen selbst die Zerstörung erzeugen.

       Die Zeit, als man von einer abstrakten Psychologie sprach, ist vorüber; jetzt hat man begriffen, dass sie das realste Laboratorium ist, in dem Gifte hergestellt werden. Es könnten darin jedoch ebenso gut auch wohltuende Heilmittel geschaffen werden. Man muss nur das Denken für etwas Gutes verwenden.

       Der Denker drängte die Bürger: Macht euch zu guten Menschen, dann wird das Buttern[7] des Lebens zu einem Allheilmittel.

 

       461. Urusvati weiß, dass die Qualität einer Tat von der Begeisterung des Handelnden abhängt. Jetzt muss man darüber nachdenken, ob eine wissenschaftliche Definition der Eigenschaft der Begeisterung gefunden worden ist. Wir sprechen nicht von Wunsch, Anstrengung oder Eingebung, sondern möchten den Sinn der Begeisterung bestätigen.

       Wir wissen, dass sie sich in der Aura widerspiegelt und diese entflammt, doch die Wissenschaftler können noch nicht verstehen, welche Nervenzentren bei Ausbrüchen von Begeisterung am meisten tätig sind. Diese erhabene Anspannung kann bei jeder Arbeit aufkommen. Die Alten nannten diesen Zustand „Göttlichen Gruß“, er allein kann jeder Arbeit das Leuchten der Vervollkommnung verleihen.

       Man könnte sagen, dass ein solches Streben nach Vervollkommnung nur für höheres Schaffen auf allen Gebieten charakteristisch sei, was jedoch eine relative Definition ist. Wir bestätigen, dass jede Arbeit von einer Begeisterung getragen werden sollte, die zur Vervollkommnung führt. Meister jedes beliebigen Handwerkes wissen, dass sogar die alltägliche Arbeit auf beständige Vervollkommnung hin ausgerichtet sein kann. Sprecht mit den besten Handwerksmeistern, und sie werden euch bestätigen, dass die Qualität der Arbeit kontinuierlich erhöht werden kann. Genau dasselbe sagen Wir auch von Unseren Arbeiten: Nehmt Uns die Begeisterung, und alle Arbeitsrhythmen werden gestört.

       Urusvati weiß, wie eine solche Störung des Rhythmus zum Ausdruck kommt. Es ist gar nicht erforderlich, dass irgendwelche finsteren Kräfte sich einmischen; es genügt, dass der Strahl eines Gesprächspartners sich als disharmonisch erweist, und der Rhythmus wird gestört. Es ist nicht leicht, den Rhythmus wieder aufzubauen, dafür man muss eine besondere Tätigkeit bestimmter Zentren hervorrufen. Doch eine solche eilige Einwirkung kann auch physische Folgen haben.

      So gelangen wir erneut zu der Feststellung, dass die Zeit gekommen ist, um die Tätigkeit der Nervenzentren zu studieren. Die Reflexologie[8] hat den Anstoß zu weiterer Forschung gegeben, doch ohne ein Verständnis der psychischen Energie werden die notwendigen Schlussfolgerungen nicht gezogen werden können.

       Der Denker riet, jegliche Störungen von Rhythmen wahrzunehmen und im Gedächtnis zu bewahren, welche körperlichen Symptome sie hervorrufen.

 

       462. Urusvati weiß, wie schmerzhaft sich disharmonische Ströme auswirken. Auch mit der selbständigen Wiederherstellung des Gleichgewichts sind viele schmerzhafte Empfindungen verbunden. Man kann daran erinnern, wie Unser Bruder K.[9] litt, als Er die Einwirkung boshafter und unwissender Sendungen verspürte. Er hätte diese Einflüsse in geringerem Maße empfunden, wenn die räumlichen Ströme zu der Zeit nicht ebenfalls schwer gewesen wären.

       Wir haben bereits über die Epidemie der Entzündung der Schleimhäute gesprochen; auch diese Erscheinung muss der Einwirkung von Strömen zugeschrieben werden, die allerdings durch die irdische Verwirrung verstärkt werden. Wir sprechen dieses Wort aus, um auf die Hauptursache hinzuweisen.

       Es ist nicht leicht, das Gleichgewicht wiederherzustellen, wenn von allen Seiten verderbliche Schauer gesandt werden. Die Heilung erfordert vor allem Ruhe, die jedoch mitunter nicht erreichbar ist. Unser Bruder litt langanhaltend, weil selbst unter den günstigsten Bedingungen die Ruhe nicht unverzüglich wiederhergestellt werden konnte.

       Wir kennen diese Anstürme irdischer Wirrnis. Jeder von Uns hat irgendwann einmal solche Anspannungen erfahren. Sogar gewöhnliche Ströme erweisen sich unter solchen Bedingungen als übermäßig, und Wir halten solche Schwingungen, die Schaden bringen können, sogar nach Möglichkeit zurück.

      Man darf sich nicht wundern, dass es in einer solchen Zeit keine gesättigten Offenbarungen geben kann. Der Organismus muss geschont werden. Wir können den Rat geben: Ermüdet euch nicht, und wenn ihr eine Anwandlung von Schläfrigkeit verspürt, erlegt euch keinen Zwang auf.

       Ein heftiger Zusammenprall von Strömen muss sich auf feinfühlige Organismen auswirken. Früher ging man in die Wüste, um der irdischen Wirrnis zu entgehen, doch jetzt haben die Menschen sogar den Luftraum erobert, und die Ströme spannen sich an. Wenn Wir daher von Überfüllung des Raumes sprechen, haben Wir nichts Abstraktes im Blick, sondern die irdische Realität.

       Der Denker sprach von der unsichtbaren Schlacht.

 

       463. Urusvati weiß, wie trübe das Leben ohne Lehrer ist. Die Menschen fassen dies in eigentümlicher Weise auf. Verneiner bemühen sich sehr, den Lehrer zu bestätigen. Jeder Verneiner wird für seine eigenen Anhänger zu einem Lehrer und bestätigt somit diesen Begriff, Und sogar die Gegner des Lehrertums schaffen denselben Begriff. Lasst uns nicht darauf bestehen, dass alle Menschen identisch denken, doch möge jeder auf seine Weise zu denselben Lebensgrundlagen gelangen.

       Auch wisst ihr, dass das Leben ohne einen Helden wie tot ist. Fragt alle Bewohner der Erde: Hat es je eine Zeit gegeben, wo sie nicht das anziehende Bild eines Helden vor Augen hatten? Jedes Schulkind wird anerkennen, dass es von Kindheit an in seinem Herzen einen Auserwählten liebevoll gehegt hat. Leuchtende Taten haben die besten Impulse hervorgebracht. Sie werden auch eingestehen, dass niemand sie die Verehrung des Helden lehrte, sondern diese Eigenschaft von allein in ihnen wuchs.

       Die Grundlagen des Daseins bilden sich nämlich selbständig, sie treten aus der Schatzkammer des „Kelches“ zum Vorschein. Lange lebten sie im Inneren als Lehrstunden aus der Feinstofflichen Welt. Nicht selten vermögen die Menschen diese Vermächtnisse gar nicht in Worte zu fassen, dennoch sind sie lebendig und verwandeln zur bestimmten Stunde das Leben.

       Werdet nicht müde, immer wieder von dem Lehrer und dem Helden zu sprechen, beide Begriffe sind ihrem Wesen nach ein und dasselbe. Sie führen zum Erfolg. Sie helfen, die Schwere des Lebens durchzustehen. Sie sind eine Quelle des Mutes.

       Der Denker sprach: „Der Lehrer ist der beste Hoplit[10]. Seine Rüstung rostet nicht und nutzt sich nicht ab. Ein ganzes Heer kann die Flucht ergreifen, doch der Lehrer wird nicht weichen; wir wollen Ihm den Kranz des Helden verleihen!“

 

       464. Urusvati weiß, dass räumliche Ströme die Erde in unterschiedlichen Rhythmen erreichen, so schaffen kosmische Schwingungen besondere Muster. Man darf daher nicht denken, die überirdischen Chemismen näherten sich gleich einer ungeheuren Wolke, welche die Erde wie in Nebel einhüllt. Eher ließen sich die Rhythmen der Chemismen mit Mustern im Sand vergleichen, die durch die Schwingungen von Tönen entstehen. Dadurch wird auch erklärt, weshalb die Menschen die Chemismen nicht gleichmäßig strömend wahrnehmen, sondern intervallartig; durch diesen Umstand wird die Erforschung der räumlichen Chemismen erschwert.

       Natürlich können die Wellen irdischer Gase gute Beispiele abgeben. Oftmals leiden Menschen durch Gase, während andere in der Nähe keinen Schaden verspüren. Überdies wird jede räumliche Welle in Abhängigkeit vom Zustand der Nervenzentren verschieden aufgenommen. Beispielsweise können angespannte Zentren solche Wellen geradezu anziehen, denn die Anspannung erzeugt doch einen Magneten eigener Art.

       Wenn Wir von der Notwendigkeit der Ruhe sprechen, bestehen Wir auf Zweckmäßigkeit. Stellen wir uns vor, welche verdoppelten Chemismen ein Mensch anzieht, dessen Gleichgewicht gestört ist, und wie er zu einem Zentrum unsichtbaren Zusammenstöße wird. Bis zu einem gewissen Grad können Wir natürlich mit Unseren Schwingungen zu Hilfe kommen, doch darf nicht vergessen werden, dass hereinbrechende Chemismen sehr stark sein können und mächtige Einwirkungen erfordern. Für den Menschen wird es nicht leicht sein, zu einem Objekt zu werden, um das herum eine Schlacht von Wirbeln tobt.

      Daher raten Wir oft dazu, nicht übermäßig betrübt zu sein. Den Menschen mag es erscheinen, als habe sich etwas nicht Wiedergutzumachendes vollzogen, doch in Wirklichkeit handelte es sich nur um eine vorüberziehende dunkle Wolke. So ist jede Unserer Weisungen ein medizinischer Rat.

       Der Denker sprach: „Womit nur sollen wir unseren Unsichtbaren Ärzten danken?“

 

       465. Urusvati weiß, dass wahre Hingabe im Herzen geboren wird, nicht im Verstand. Überdies darf dieses herzliche Bestreben nicht als etwas Abstraktes aufgefasst werden, sondern als Realität. Wie aber kann man dem Bewusstsein einprägen, dass Hingabe an das Gute die Grundlage des Lebens darstellt? Der Mensch muss erkennen, dass das Gute nicht nur für die Welt, sondern auch für ihn persönlich nützlich ist.

       Mögen die Menschen sich verschiedener Abweichungen vom Guten erinnern und die Gründe suchen. Sie werden dabei vor allem entdecken, dass die Abweichler nicht an eine ununterbrochene Fortdauer des Lebens glauben. Sie hoffen, dass ihre finsteren Taten zusammen mit ihnen sterben. Sie fürchten den Tod sehr, und in ihrer Angst suchen sie das irdische Leben zu verlängern.

      Doch wenn sie in die Feinstoffliche Welt blickten, würden sie den Nutzen des Guten schätzen lernen. Sie sagen: „Wozu diese Gespenster einer Feinstofflichen Welt? Wir bezahlen lieber die Wissenschaftler, damit sie unser Leben hier verlängern, wo wir uns in Feiern und Ausschweifungen stürzen können.“

       Die Erscheinung finsterer Abweichler beunruhigt diejenigen, die dem Guten zugeneigt sind. Immer wieder kann man hören, dass die Menschen nicht wissen, wie man mit solchen Abweichlern verfahren soll.

      Lasst uns aber betrachten, was der Mensch aus der Feinstofflichen Welt mitbringt. Er bringt ein dreifaches Erbe mit: Allem voran ein karmisches, sein eigenes Erbe; dann den Atavismus[11] der Vorfahren; und schließlich das in der Feinstofflichen Welt Angeeignete. Solche Aneignungen können sowohl lichter als auch finsterer Art sein. Man kann betrachten, wie ein Mensch sein Dasein gestaltet hat, doch wenn alle drei genannten Umstände finsterer Natur sind, wird auch eine Einwirkung vergeblich sein. Ebenso muss man die Ursachen erforschen, und es wird sichtbar werden, wie die Abweichler aus sich selbst kosmischen Unrat gemacht haben.

       Der Denker sprach: „Möge Zeus seine Blitze sammeln, um die Erde vom Unrat zu reinigen.“

 

       466. Urusvati weiß, wie oft selbst die einfachsten Unserer Weisungen entstellt werden. So haben Wir von der Notwendigkeit gesprochen, die Rüstung unserer Freunde behutsam zu prüfen und im Fall der Not fürsorglich zu helfen. Man sollte meinen, dass es sich um einen ganz einfachen Rat handelt, doch die Menschen leiten daraus eine Verurteilung des Nächsten ab. Wo sich aber der Wurm der Verurteilung eingenistet hat, darf man keine Ernte erwarten.

       Jetzt wollen wir den Unterschied zwischen Verurteilung und einem gerechten Urteil untersuchen. Jeder wird verstehen, dass es solche Verbrechen geben kann, die ein strenges Urteil unausweichlich machen; doch unter der alltäglichen Verurteilung ist ein oberflächlicher und schädlicher Begriff zu verstehen.

       Nicht selten versuchen die Menschen, mit der Verurteilung einen anderen zu zwingen, ihren Wünschen gemäß zu handeln. Sie wollen nicht verstehen, dass jeder Vogel sein eigenes Lied hat. Man kann den Vogel töten, ihn jedoch nicht zwingen, ihm fremde Klänge hervorzubringen.

       Es ist sehr betrüblich, sehen zu müssen, wie Menschen jemandem einen fremden Willen aufzwingen; doch noch trauriger ist es, wenn solche Übergriffe sich im Umkreis einer Lehre des Guten ereignen. Als Wir von einer fürsorglichen Haltung gegenüber der Rüstung der Nächsten sprachen, hatten Wir gerade eine äußerst sanfte Berührung im Sinn, aber keine geschwätzige Verurteilung. Es ist an der Zeit zu lernen, dass man die Atmosphäre nicht mit undurchdachten Verurteilungen verseuchen darf. Nah bei diesen liegt auch die Verleumdung. Jeder widernatürliche Zwang ist auch ein Hindernis für den Verkehr mit Uns.

       Wir sprachen von überirdischen Gefühlen und wissen, wie fein und geeignet für ferne Übertragungen sie sind. Darf man in einer solchen Feinstofflichen Wohnstatt Grobheit zulassen?! Möge auf der Freundlichkeit des Herzens gegenseitige Hilfe aufgebaut werden. Wenn die Menschen die Kraft der Freundlichkeit des Herzens verstehen, werden sie noch einen weiteren Weg zu Uns erkennen.

       Der Denker vermochte Freundlichkeit von Bosheit zu unterscheiden.

 

       467. Urusvati weiß, dass sich der freie Wille in den Höheren Sphären in Zusammenarbeit mit dem kosmischen Gedanken wandelt. Die Menschen verstehen diesen Prozess nur sehr schwer. Einige glauben, der freie Wille werde unterdrückt, andere nehmen an, er werde absorbiert. Die Auffassungen sind vielfältig, doch überaus selten kann man von einem Verständnis der Harmonie hören, in der die Macht des Denkens sich konsolidiert. Es kann dort weder Versklavung noch Zwang geben, sondern nur erfolgreiches Voranschreiten in Unbegrenztheit.

       Ebenso wenig erfassen die Menschen, dass der freie Wille auch in der Feinstofflichen Welt existiert. Sie möchten nicht anerkennen, dass die Feinstoffliche Welt wie die grobstoffliche ist, nur in einer anderen Dimension. Wer sich bereits im irdischen Leben Disziplin angeeignet und eine Vorstellung von Harmonie hat, vermag diese Errungenschaften in der Feinstofflichen Welt gleich nach dem Übergang anzuwenden. Ein solches Verständnis wird als „gesegnete Flügel“ bezeichnet, da es ein rasches Voranschreiten erlaubt.

       Doch nicht oft versehen die Menschen sich im irdischen Leben mit solchen Flügeln; gewöhnlich gehen sie mit einem ungezügelten Willen und unbefriedigten Wünschen hinüber. Die Menschen sammeln sich im irdischen Leben nicht, um über ihren weiteren Weg nachzudenken. Sie geben sich mit fremden Formeln zufrieden, die im Laufe der Zeit versteinern.

      Weder in der Familie noch an der Schule wird über das zukünftige Leben gesprochen, im Gegenteil, ein solches Gespräch würde als unzulässig erscheinen. Die Familienmitglieder halten es nicht für möglich, über den Übergang in die Feinstoffliche Welt zu sprechen, und an den Schulen würde ein solches Thema zur Entlassung des Lehrers führen. So ziehen die Menschen es infolge von Unwissenheit und Scheinheiligkeit vor, in Finsternis zu verbleiben.

       Es gibt nicht viele, die es verstehen, über die hohe Bestimmung des Menschen zu sprechen. Schon von den ersten irdischen Lebenstagen an muss der Mensch unter dem Druck des Daseins seine feinstofflichen Schimmer vergessen.

       Man kann sich leicht vorstellen, wie das Leben sich verwandeln würde, wenn es ein rechtes Verständnis der Aufgabe des Daseins gäbe. Man kann sich vorstellen, wie viele scheinbar unlösbare Probleme leicht zu lösen sein werden, wenn die Menschen verstehen, wonach sie streben müssen.

       Der Denker wies darauf hin, wie lange die Menschheit in Finsternis umherirren werde, statt den Sinn des Daseins zu erkennen.

 

       468. Urusvati weiß, dass man beim Studium der großen Lehren nicht nur ihren Inhalt im Blick haben muss, sondern auch die Sprache, in der sie gegeben wurden. Eine Lehre wird nicht ohne Grund in einer bestimmten Sprache gegeben. Man kann alle Lehren seit dem Altertum verfolgen und erkennen, dass die verwendete Sprache zeigt, welchem Volk es obliegt, die Stufe des Aufstiegs zu offenbaren.

       Mitunter wird angenommen, dass eine Lehre in derjenigen Sprache gegeben wird, die dem Empfänger am nächsten ist, doch eine solche Erklärung ist unzureichend. Man muss die Ursachen in ihrer ganzen Fülle betrachten. Nichts geschieht zufällig. Der Empfänger der Lehre ist nicht zufällig und die Sprache ist der Notwendigkeit entsprechend gewählt.

       Man kann sehen, dass die Lehren in verschiedenen Sprachen gegeben wurden, und diese Bedingung entsprach immer wichtigen Umständen, die auch weltweite Bedeutung hatten. So ist die Sprache, in der die jeweilige Lehre gegeben wird, ein Geschenk eigener Art an ein bestimmtes Volk. Denkt nicht, dass die Lehre dadurch ihre weltweite Bedeutung verlöre. Jede Wahrheit ist allgemeinmenschlich, doch hat jede Periode ihre Aufgabe und jedes Volk seine Verpflichtung.

       Es erfordert nicht wenig Zeit, den Kristall des Wesens eines Volkes zu formen. Bei Bevölkerungsreichtum ist es schwer zu erkennen, wo sich die wahre Natur des Volkes zeigt. Dem unerfahrenen Beobachter können sich oberflächliche Züge zeigen und das eigentliche Wesen überdecken. Daher raten Wir so sehr, Geduld und Beobachtungsgabe zu lernen, um nicht später leichtfertige Urteile bereuen zu müssen.

       Die Menschen haben sich daran gewöhnt, leichtfertig zu urteilen; sie hoffen, dass es nie zu spät ist, einen Entschluss zu ändern. Die Änderung einer Entscheidung ist jedoch dem Verrat sehr ähnlich, anders gesagt, einer Eigenschaft, die Uns besonders zuwider ist. Es darf dort keine Leichtfertigkeit herrschen, wo die Psychologie eines ganzen Volkes und die Bedeutung einer ganzen Epoche zu beurteilen ist.

       Man könnte einwenden: Es ist nicht leicht, bei strömenden Wellen auf den Grund eines Flusses zu blicken. Doch dafür werden die Lehren gegeben, welche die unterschiedlichsten Seiten des Daseins berühren; sie sind keine zufällige Sammlung von Redewendungen, sondern ein Mosaik des gesamten Lebens. Möge der Wanderer wählen, auf welchen Steinen der Fluss zu überqueren ist.

       Der Denker sprach: „Es gibt im Fluss viele Furten. Muse, hilf, sie zu finden!“

 

       469. Urusvati weiß, dass eine Vorstellung durch Eindrücke der Wirklichkeit entsteht. Wenn ein Mensch Beobachtungsgabe und Beweglichkeit in sich entwickelt, sammelt er in seinem „Kelch“ Lebensschätze an, die seine zukünftige Existenz verwandeln werden.

       Vergessen wir jedoch nicht, dass man unter Vorstellung auch noch andere Erscheinungen verstehen kann. Der Mensch kann auch die Wirklichkeit der Feinstofflichen Welt abbilden, die in einem bestimmten Moment vor ihm ersteht. Dies halten die Menschen jedoch überhaupt nicht für möglich. Sie vergessen die endlose Vielfalt der Feinstofflichen Welt. Diese Welt beeinflusst den Menschen ständig, und beeindruckbare Organismen vermögen, ihrer Entwicklung entsprechend, vieles wahrzunehmen, was in den überirdischen Sphären geschaffen wurde.

       Die Menschen sollten allerdings solche Wahrnehmungen nicht allein ihrer eigenen Fähigkeit zuschreiben, denn es kann dabei unsichtbare Helfer geben. Auf diese Weise kann die Vorstellung ein überaus vielschichtiges Zusammentreffen vieler Bedingungen sein.

      Ihr wisst bereits, wie wichtig die Entwicklung der Vorstellungskraft im irdischen Leben ist. Viele verstehen gar nicht, was Vorstellung ist. Sie geben zu, dass in ihnen keinerlei Bilder auftauchen. Sie sagen, dass nur Künstler Phantasie besäßen, anständige Bürger jedoch sich solcher Leichtfertigkeiten zu enthalten hätten.

       Sie verstehen nicht, dass Vorstellung ein zum Schönen geöffnetes Fenster ist, welches das Leben vervollkommnet. Wenn endlich die Wissenschaft die Menschheit zu einem gesunden Urteil führt, kann man auch das Wissen auf eine neue Grundlage stellen.

       Jede Erscheinung unterliegt der wissenschaftlichen Erforschung, doch wenn selbst der Wissenschaftler ohne Vorstellungsvermögen ist, wie wird er dann wissenschaftliche Apparate nutzen können?

       Wir stellen fest, dass das gesamte Alltagsleben aus einer Reihe höchst bemerkenswerter wissenschaftlicher Fakten besteht, doch man muss sie auch erkennen. Es ist gut, dass man die Einwirkung von Mikroorganismen verstanden hat, doch die psychischen Erscheinungen wurden vergessen, die in machtvoller Weise rettend oder zerstörend sein können. Man muss diesen Aspekt des Lebens auf wissenschaftlicher Grundlage verstehen. Unsere Türme gründen allein auf der Erkenntnis der Natur.

       Der Denker wusste, dass Evolution möglich ist, wenn Erkenntnis Allgemeingut wird und die Festung einer klaren Vorstellung auf wissenschaftlicher Grundlage errichtet wird.

 

       470. Urusvati kennt die wissenschaftliche Bedeutung sogenannter Talismane[12]. Wir sprachen bereits über die Magnetisierung von Gegenständen, die unter gün-stigen Bedingungen lange wirksam sein kann. Für einige ist dennoch die Frage des Schicksals von Talismanen unklar geblieben, die in unwürdige Hände fallen. Der Talisman in unwürdiger Hand verliert seine Kraft, so wie ein Magnet seine Macht unter ungünstigen Bedingungen verliert.

       Viele Menschen wurden wegen Talismanen gefoltert und verbrannt, doch heute hat die Wissenschaft die Magnetisierung von Gegenständen festgestellt. Die Menschen möchten wissen, welches Magnetisierungsverfahren das beste ist.

      Diese Einwirkung ist individuell: Jemand führt mit Bestreichungen des Gegenstandes aus, ein anderer legt ihn nachts unter das Kopfkissen, einer trägt ihn an seinem Herzen, ein anderer berührt ihn nur und ein weiterer sieht ihn nur an. Eine Magnetisierung kann auch auf Entfernung erfolgen, doch muss man dazu den Gegenstand kennen, um ihn sich deutlich vorstellen zu können.

       Ebenso notwendig ist es, dass der Gegenstand in ein und derselben Umgebung verbleibt und ihn niemand mit bloßer Hand berührt. Material, das nicht elektrisch leitend ist, wird zu diesem Zweck nützlich sein. Grenzt das nicht schon an Zauberei? Nein, solche Hinweise stellen nur die einfachste wissenschaftliche Prophylaxe[13] dar. Für solche Experimente reicht die Geduld selten aus, doch die Übertragung von Energie ist eines der mächtigsten Anzeichen. Bei solchen Versuchen kann man beurteilen, wie phänomenal die Beherrschung von Energie ist.

       Grundsätzlich betrachtet ist diese Gabe gar nicht phänomenal, es hängt aber vieles von den umgebenden Bedingungen ab. Leider sind die Menschen überhaupt nicht in der Lage, mit den umgebenden Bedingungen fertigzuwerden. Von hundert Familien können sich höchstens fünf einer harmonischen Situation rühmen. Bei den häuslichen Reibungen geht viel Energie verloren! Die Vervollkommnung des häuslichen Lebens muss Zweckmäßigkeit lehren.

       Jeder Mensch, der über einen Vorrat an psychischer Energie verfügt, muss sorgsam behütet werden, doch die Menschheit denkt noch nicht einmal darüber nach. Wenn Rutengänger[14] so sehr geschätzt werden, müssen auch alle Besitzer einer besonderen psychischen Energie geschützt werden. Jede Pflanze besitzt irgendeine heilsame Eigenschaft, deren Anwendung jedoch gefunden werden muss. Dasselbe kann man von jeder individuellen Energie sagen,

       Pflanzenmixturen können überaus komplexe Wirkungen entfalten. Was ist dann von der Mixtur menschlicher Energien zu sagen, werden ihre Kombinationen etwa auch erforscht? Für eine Eheschließung verlangt man ein medizinisches Attest; die Zeit wird kommen, dass dafür auch psychische Energie gefordert werden wird, und dadurch wird das Problem der Disharmonie gelöst.

       Der Denker sprach: „Weshalb hängen die Menschen sich einen Mühlstein um den Hals, wenn es doch besser wäre, sich um Flügel zu bemühen?“

 

       471. Urusvati kennt die Stufen der Zusammenarbeit. Die Menschen ziehen die niederen Stufen vor, denn dort gibt es weniger Verantwortung; Eifer braucht nur in relativem Maß gezeigt zu werden und man muss sich nicht anstrengen, um die Findigkeit anzuspannen.

       Die höheren Stufen aber sind den Menschen beschwerlich. Dort muss man selbständig auftreten. Man muss in der Lage sein, ein einziges Wort des Führers zu erkennen. Man muss den Mut finden, viele Pfeile auf seinem Schild zu empfangen – so gilt: Je höher, desto schwerer.

      Überdies kann der Mensch nicht wissen, wie und wo seine psychische Energie wirkt. Nicht selten mag es den Anschein haben, als sei nichts erreicht worden, indessen vollzieht sich dank seiner psychischen Energie bereits vieles.

       Der Mensch kann seinen gesamten Gesichtskreis nicht überblicken; er kann nicht alle Ströme der psychischen Energie finden, die in Vereinigung mit der Energie des Lehrers segensreich wirken. Möge der hingebungsvolle Mitarbeiter seine psychische Energie dem Führer zur Verfügung stellen.

      Man sollte über die Wege des Führers nicht nachsinnen. Solche Wege können überaus komplex sein. Man kann unmöglich zur Zeit der Schlacht damit beginnen, Überlegungen über die Gedanken des Führers anzustellen; man kann nur seine ganze Bestrebung anspannen, um das Beste zu tun. So muss man auf den höheren Stufen der Zusammenarbeit lernen, dass die Energie in viel weiterem Maße genutzt werden kann, als man denken könnte.

       Bei Uns gibt es das Beispiel eines großen Heerführers, der einen Sieg errungen hatte, es aber nicht erkennen konnte. Ihm schien es, als seien seine Streitkräfte geschlagen, doch aus der Entfernung konnte er nicht sehen, dass der Feind vernichtet war.

       Der Denker sprach: „Hört zu, hört aufmerksam zu! Könnt ihr wissen, wo eure Kraft wirkt? Der vom Schicksal bestimmte Sieg kann bereits stattgefunden haben, doch euer Auge vermag es nicht zu erfassen.“

 

       472. Urusvati weiß, dass der Mensch die Grenze zwischen dem persönlichen und dem allgemeinen Wohl mitunter nicht erkennen kann. Der Verstand flüstert, dass das persönliche dem Gemeinwohl entgegengesetzt sei, doch das Herz sagt etwas anderes. Bei Disharmonie kann es einen Widerspruch zwischen dem persönlichen und dem Gemeinwohl geben, doch kann man sich einen Punkt vorstellen, an dem das allgemeine zum persönlichen Wohl wird. Eine solche Harmonie erfordert auch den Zusammenklang aller umgebenden Bedingungen.

       Jemand wird sagen, ein solcher Zustand sei im irdischen Leben unerreichbar. Kann man jedoch ermessen, was möglich ist und was nicht? Eine solche willkürliche Trennung entspricht nur dem kurzen, vorüberfließenden Augenblick, ist aber nicht für die Zukunft brauchbar. Im Verlauf eines einzigen menschlichen Lebens lässt sich beobachten, wie heftig die Daseinsbedingungen sich ändern, was soll man da von Jahrhunderten sagen?

       Natürlich werden diejenigen, welche die Widerrede lieben, finden, dass in vielerlei Hinsicht der menschliche Charakter sich wenig ändere; Beobachter mit mehr Wissbegier werden jedoch erkennen, wie die Psychologie des Menschen sich verändert, und in einer solchen Beweglichkeit ist die Gewähr künftiger Erfolge verborgen. Irgendwann werden die Menschen zu der Schlussfolgerung gelangen, dass das Wohl eines ist und nicht in persönliches und allgemeines Wohl getrennt werden kann.

       Viel Unverständnis ruft auch die sogenannte Zementierung des Raumes* hervor. Die Menschen stellen sich vor, dass persönliche Gedanken Selbstsucht seien. Können jedoch gute Gedanken in einem finsteren Ausbruch von Selbstsucht enthalten sein? Gewiss, wenn ein Mensch um etwas für die Menschheit Verderbenbringendes betet, wäre ein solches Gebet nur eine Verschmutzung des Raumes. Doch jeder gute Gedanke dient sowohl dem persönlichen als auch dem allgemeinen Wohl. Mit solchen Gedanken muss man den Raum zementieren.

       Der Denker sprach: „Möge jeder einen Gedanken finden, der sowohl für ihn selbst als auch für die Menschheit nützlich ist, denn dann wird sein „Ich“ dem Herzen der Menschheit gleich.“

 

       473. Urusvati weiß, dass die Dauer des Aufenthalts in der Feinstofflichen Welt von vielen Gründen abhängt. Unter den karmischen Bedingungen muss man zwei Umstände beachten: Gewöhnlich sagt man, dass karmische Fristen nicht verändert werden, doch tatsächlich befindet sich alles in Bewegung und unter den Rädern des Lebens kann es verschiedene Umstände geben. Einer von ihnen ist die eifrige Teilnahme an Erkenntnisarbeit. Es kann Experimente geben, die man unmöglich unterbrechen darf, und in einem solchen Fall muss man das Gesetz des größeren Nutzens anwenden. Auch kann ein derart starker Wunsch herrschen, den Erdbewohnern zu helfen, dass ein solches Bestreben die Aufenthaltsdauer verlängert.

       Wie ihr seht, wird in beiden Fällen Selbstlosigkeit geschätzt. Es ist nicht leicht, den Erdbewohnern zu helfen, da sie solche Hilfe fürchten. Sie sind fähig, bei der ersten Erscheinung in Ohnmacht zu fallen. Auch Experimente in der Feinstofflichen Welt erfordern große Disziplin, und einige Zustände sind nicht leicht.

       Mitunter kann man sich davon überzeugen, dass einige Bewohner lange in der Feinstofflichen Welt verbleiben. Man darf sie nicht verdächtigen, dass sie sich dem Dienst entzögen. Sie arbeiten dort in einer solchen Weise, wie es auf der Erde nicht möglich wäre. Das Gesetz lebt und beurteilt gerecht die wahren Absichten. So streben einige so rasch wie möglich zur erneuten Verkörperung, was eine wertvolle Heldentat darstellt, doch hat auch bestrebte Arbeit in der Feinstofflichen Welt ihre Gründe.

       Man kann sich vorstellen, wie notwendig manche Tatmenschen in der Feinstofflichen Welt sind. Überdies dürfen einige von ihnen ihre Erkenntnisse nicht vorzeitig zur Erde bringen, können das Wissen aber mit gutem Nutzen in der Feinstofflichen Welt anwenden. Sie können mithelfen, dass die feinstofflichen Sphären nicht mit Hässlichkeiten überladen werden. Auf der Erde werden die Fähigkeiten eines Menschen nur selten gerecht beurteilt, doch in der Feinstofflichen Welt ist ein solches Urteil immer zweckentsprechend.

       Der Denker wusste, dass wahre Begabungen immer geschätzt werden, wenn nicht auf der Erde, so doch in der Überirdischen Welt.

 

       474. Urusvati weiß, dass ein langes irdisches Leben als solches keine besondere Bedeutung hat. Doch kann es, außer Atavismus, drei Gründe geben, die das Leben auf der Erde verlängern können: Erstens, wenn ein Mensch eine bestimmte Arbeit beenden möchte, die von Nutzen für die Allgemeinheit ist; zweitens, wenn ein Mensch danach strebt, jemandem oder einer Sache zu helfen; drittens, was nicht weniger bedeutsam ist, wenn ein Mensch Ereignisse bezeugen kann, die bisher unrichtig beleuchtet wurden. Doch bei allen drei Gründe ist bewusstes, unwiderstehliches Streben erforderlich.

       In diesem Fall dürfen keine zersetzenden Umstände beteiligt sein, an deren erster Stelle die Angst steht. Es kann kein eifriges Streben geben, wenn es von Angst verwässert wird. Man kann auf chemischem Wege verfolgen, wie sehr Angst Leben vernichtet. Natürlich zersetzen auch Bosheit, Neid und alle übrigen finsteren Gewohnheiten die Energie; daher kann ein Mensch nicht allein mit Worten beteuern, dass er voller Selbstlosigkeit sei. Man kann sich Selbstlosigkeit nicht einreden, wenn sie nicht in der Tiefe des „Kelches“ angelegt ist. Die Menschen versichern, dass sie nichts fürchten, zittern jedoch beim ersten Anlass.

       Möge an den Schulen Tapferkeit erprobt werden. Man kann sich ein ganzes Schulfach vorstellen, bei dem die Schüler beantworten müssen, wie sie bei verschiedenen Gefahren vorgehen würden. Man darf nicht fordern, dass die Kinder sogleich Findigkeit offenbaren, doch kann man sie durch ständigen Unterricht in Lebenserkenntnis zu mutigen Entscheidungen führen. Ein solcher Wettkampf in Findigkeit ist eine gute Übung für das Gehirn. Später werden die Schüler verstehen, wie die besten Tatmenschen zum höchsten Streben gelangt sind.

       Der Denker forderte, dass Seine Schüler sich wenigstens an einem Tag der Woche dem Marathon der Findigkeit widmeten. Er wusste, dass diese Rüstung im Leben oft gebraucht wird.

 

       475. Urusvati weiß, dass mitunter sogar größte Tatmenschen in Geistesschwäche endeten. Dafür kann man historische Beispiele anführen. Die Menschen können überhaupt nicht verstehen, dass ein großer Geist sich irgendwie verflüchtigen kann. Die Ärzte schreiben eine solche Erscheinung gewissen Krankheiten oder einer übermäßigen Erschöpfung unter dem Druck ungewöhnlicher Arbeit zu, doch wie immer vergisst man dabei den Hauptgrund.

       Ein Tatmensch, der sich besonders verausgabt, ist ungeheuren Angriffen ausgesetzt. Man sollte nicht denken, dass solche zahllosen bösen Pfeile keinen Schaden anrichten. Sie fügen nicht nur psychische Verwundungen zu, sondern rufen unerträgliche Schwingungen hervor, indem sie die Aura durchschneiden. Bei Verteidigungsschlägen vollzieht sich eine heftige Schlacht, doch ihr Zentrum bleibt (…)[15] wie in einem Wirbelsturm.

       Wir raten bei solchen Angriffen, nach Möglichkeit den Wohnort zu wechseln. Es mag unwahrscheinlich erscheinen, doch feindliche Sendungen können den neuen Ort nicht so bald erobern. So hätte auch bei den historischen Beispielen vieles anders werden können, wenn die Tatmenschen ihren Aufenthaltsort rasch gewechselt hätten.

      Es ist jedoch nicht leicht, den Ort zu wechseln und die Schlacht für das Gemeinwohl zu verlassen. Niemand erweckt gern den Anschein, zurückzuweichen und dem Feind einen Triumph zu verschaffen. Und von den Umgebenden wird niemand die Weisheit der Entscheidung verstehen, sondern alle werden den Betreffenden der Feigheit bezichtigen. So wurde Apollonius von Tyana* nicht nur einmal des Verrates und der Unbeständigkeit beschuldigt, als er die Notwendigkeit verspürte, in fernen Ländern neue Kräfte zu sammeln.

       Der Denker sprach: „Perikles[16], der große Vater des Volkes, wurde mit vergifteten Pfeilen beschossen. Er hatte sich nicht mit einem Schild bedeckt, obwohl der Schild ein unerlässlicher Teil der Rüstung ist.“

 

       476. Urusvati weiß, dass man nur mit einer klaren Vorstellung vom zukünftigen Leben die irdische Existenz verklären kann. Einige fürchten die Zukunft und schwächen sich dadurch selbst; andere verstehen die Feinstoffliche Welt nur gedanklich und schaffen dadurch falsche Bilder; dritte schließlich benehmen sich wie wahrhaftige Leichname und denken an nichts anderes als an die Marktpreise. Doch niemand versteht, dass sogar ein Alter von Jahrhunderten nur einen Augenblick in der Unbegrenztheit darstellt.

       Das Denken über die Zukunft erfolgt auf dreierlei Art: Die erste ist, dass ein Mensch seine Gedanken in Worte zu fassen vermag; die zweite Denkweise ist äußerlich schon nicht mehr auszudrücken, sondern gleicht den Wellen des Ozeans. Der Mensch wird von solchen Fluten erschüttert, und ihm scheint es, als ob er ein von den Wellen fortgetragenes Bild vergesse. Die dritte Denkweise schließlich ist die tiefgründigste, weder in Worten noch in Bildern auszudrücken, und nur die psychische Energie und das Sonnengeflecht erinnern an das, was sich vollzogen hat.

       So möge der Mensch sich die Zukunft auf dreierlei Weise vorstellen. Eine solche Vorstellung ist wie das Auswerfen eines Ankers: Das Schiff wird an einem sicheren Anker herangezogen. Auf die gleiche Weise richtet ein kluger Denker sich auf das gewünschte Ziel aus. Der Weise weiß, worin er sich zum größten Nutzen ausdrücken kann. Nur ein Dummkopf kann von vergänglichem Flitter träumen. Sogar jene, die in der Vergangenheit hohe Stellungen einnahmen, werden sich nicht von Äußerlichkeiten hinreißen lassen, sondern an die Größe der Arbeit denken.

       Man muss lernen, so an die Zukunft zu denken, als ob man sich vorbereitet, unverzüglich auf eine ferne Reise zu gehen, und gleichzeitig muss man verstehen, zur Gänze den irdischen Aufgaben zu entsprechen; dies wird ein zweckmäßiges Gleichgewicht sein.

       Viele Male haben Wir an die Zweckmäßigkeit erinnert, und man muss sich daran gewöhnen, dass diese Eigenschaft in allen Lebensbereichen erforderlich ist. Wir mahnen sie erneut an, da Wir wissen, wie falsch sie von den Menschen verstanden wird. Sie nehmen an, Zweckmäßigkeit müsse nur in gewissen besonderen Fällen angewendet werden. Es muss jedoch nicht nur einmal wiederholt werden, dass jede Daseinserscheinung die Wirkung vieler Ursachen ist.

       Die Unterscheidung in geringe und große Taten ist illusorisch. Ihre Bewertung erweist sich nicht jetzt, doch der Weise erinnert sich an die Meilensteine seines Weges und wendet sie zweckentsprechend auf das zukünftige Leben an. Er weiß, dass das Gute unerschöpflich, das Böse aber endlich ist.

      Ihr habt bemerkt, dass Wir mitunter eine böse Erscheinung nicht durchbohren; dafür gibt es zwei Gründe: Erstens muss man manchmal die Tactica adversa* anwenden, und zweitens ist das Böse ohnehin endlich. Die Übeltäter können sich nicht unendlich vom Bösen nähren; und man kann sich vorstellen, welchen abstoßenden Anblick Missetäter bieten, die sich selbst verschlingen; Ich spreche hier von irdischen Handlungen.

       Der Denker bewegte die Schüler dazu, sich auf das Gute zu gründen. Er sprach: „Das Gute ist unerschöpflich, das Böse dagegen begrenzt.“

 

       477. Urusvati weiß, dass der Begriff der Lehrerschaft in den Menschen von frühen Jahren an entwickelt werden muss. Jeder Mensch ist in der Lage, irgendjemanden irgendetwas zu lehren, und er sollte auch fähig sein, dies zu tun. Wir heißen es gut, wenn Schulkinder ihre jüngeren Mitschüler unterrichten.

       Es ist nicht leicht, die beste Unterrichtsmethode auszuwählen; sie wird individueller Natur sein, und der Lehrer sollte spüren, wie man am besten an das Bewusstsein eines Schülers herantritt. Ohne Übungen wird man unmöglich eine überzeugende Vermittlung von Tatsachen erreichen. Nur Unwissende meinen, es sei ausreichend, Informationen einfach vorzulesen, um sie den Schülern einzuflößen.

       Man kann nur erstaunt sein, dass die eigentliche Kunst des Lehrens keine Aufmerksamkeit erweckt. Doch jeder kann sich erinnern, wie unterschiedlich die Unterrichtsinhalte im Verlauf der Schulzeit aufgenommen wurden. Dies hängt nicht allein von den Fähigkeiten des Schülers ab, sondern hauptsächlich von der Überzeugungskraft des Lehrers.

       So möge die Lehrtätigkeit inmitten breitester Schichten Anwendung finden. Möge der Lehrer selbst dafür Sorge tragen, dass seine Würde auf einer hohen Stufe steht. Gedanken über die Großen Lehrer entwickeln sich leichter, wenn der Begriff der Lehrerschaft ganz klar erfasst wird.

       Lehrerschaft muss frei von Eigennutz sein. Der Lehrer vermittelt das von ihm angesammelte Wissen, ohne es jedoch als sein eigenes auszugeben. Er sollte das Geschenk des Wissens aufnehmen, um es mit derselben Bereitschaft den folgenden Generationen zu übergeben.

      Die Arbeit eines Lehrers muss nicht nur materiell entlohnt werden, sondern auch durch allgemeine Hochschätzung. Die Lehrerschaft stellt eine der höchsten Rangstufen im Staat dar. Nicht der Lehrer, sondern das Lehren eröffnet dem Volk immer die höchste Kultur. So möge nicht persönlicher Vorteil, sondern der Dienst am Gemeinwohl zur Lehrtätigkeit führen.

       Ein solches Verständnis des Dienstes tritt nicht plötzlich ein, sondern muss anerzogen werden. Möge sich daher schon jedes Schulkind als Lehrer im Verhältnis zu Jüngeren empfinden. Mögen von älteren Schülern geleitet Unterrichtsstunden eingerichtet werden, damit jeder seine Erkenntnisse vermitteln kann.

       Einen solchen Dienst darf man nicht als langweilige Last ansehen; möge im Gegenteil jeder lernen, freudig weiterzugeben, denn nur aus einem solchen Geben erwächst wahre Freude.

       Der Denker lehrte: „Jeder vermag seinem Nächsten zu dienen; jeder vermag abzugeben, selbst wenn er keinen einzigen Gegenstand besitzt. Wie ruhmreich ist die Gabe, die nicht erschöpft werden kann!“

 

       478. Urusvati weiß, dass der Mensch fähig sein sollte, nicht nur aufwärtszuschauen, sondern auch in seine eigenen Tiefen zu blicken. Das zweite ist nicht leichter als das erste. In der Tiefe des „Kelches“ ruht eine alte Giftschlange, die durch jede falsche Bewegung geweckt werden kann: Sie füllt einen mit Bösem, raubt die Kräfte und überdeckt gute Absichten. Mit großer Anstrengung kann der Mensch sich von dem alten Gefährten befreien.

       Er kann in beharrlichem Bemühen die eine Eigenschaft entwickeln, die den Winkelzügen der Giftschlange widerstehen kann. Bei Herzensreinheit spürt der Mensch das Maß, nach dessen Überschreiten die Herrschaft der Giftschlange eintritt. Indem er diese Grenze spürt, schiebt der Mensch eine geplante Tat zunächst auf, und dann treten weitere Zeichen ein. Die Hauptsache ist, sich zweifelhafter Handlungen zu enthalten. Diese Grenze kann der Mensch wahrnehmen und so vermeiden, die Giftschlange zu wecken. Es ist besser, in seinen Handlungen wählerisch zu sein, als später eine Tat zu bereuen.

       Wir haben von zweifelhaften Handlungen gesprochen; man muss sich dieser Definition gegenüber sehr vorsichtig verhalten. Ein nachlässiger Mensch sieht aufgrund seiner Faulheit die Mehrzahl der Taten als zweifelhaft an. Er lauscht nicht der Stimme des Herzens, sondern versteckt sich hinter Heuchelei, um sich nicht anstrengen zu müssen.

      Jeder kennt solche Heuchler, die große Worte aussprechen, hinter denen sich jedoch Faulheit und Selbstsucht verbergen. Man kann sich die ganze Tiefe der Hinterlist nicht vorstellen, die unter den Windungen der Giftschlange lebt. Zu wahrer Arbeit taugen solche Heuchler nicht. Über sie wurde vor langem gesagt, dass es sich nicht lohnt, erhabene Worte auszusprechen, wenn die Wahrheit nicht im Herzen lebt.

       Ein altes Märchen erzählt von einer Giftschlange, die sich von menschlichem Blut ernährt: Ein Symbol, das auf die erwachte Giftschlange hinweist, die sich wahrhaftig vom menschlichen Blut nährt. Lasst uns nicht vergessen, dass alte Symbole eine wissenschaftliche Grundlage haben; so vernichten blutsaugende Giftschlange ihre Opfer.

       Eine andere Erzählung spricht von einem versteinerten Drachen, der durch ein kleines Steinchen erwachte, das ein törichter Mensch auf ihn warf. Wahrlich, vom kleinsten Steinchen kann die Giftschlange erwachen.

       Der Denker sprach: „Schreitet vorsichtig voran, es kann sein, dass wir inmitten schlafender Schlangen wandeln.“

 

       479. Urusvati weiß, dass sogar die kleinste Handlung mit vielen umgebenden Bedingungen verknüpft ist; dasselbe liegt auch großen Taten zugrunde. Die Menschen verstehen kaum, dass eine psychische Einwirkung von vielen Bedingungen abhängt. Besonders bei ärztlichen Einwirkungen wollen sie dies nicht anerkennen.

       Die Menschen vernachlässigen die Krankheiten. Nicht genug dessen umgeben sie die Kranken mit den widerwärtigsten Einflüssen und fordern dann unverzügliche Heilung. Doch für solche heilenden Einwirkungen müssen entsprechende Bedingungen geschaffen werden. Ein sogenanntes Wunder kann unter feindseligen Bedingungen nicht hervorgebracht werden. Die Menschen sind bereit, den Arzt mit Drohungen und voller Übelwollen herbeizurufen.

       Sie machen sich keine Vorstellung davon, dass sogar eine mächtige Energie verdorben und unterbunden werden kann. Nicht selten rufen sie den Arzt und flüstern hinter seinem Rücken Worte des Misstrauens. Mögen die Wissenschaftler erforschen, wieviel Prozent Heilungen bei Vertrauen zum Arzt erreicht werden und wie viele Verschlimmerungen der Krankheiten bei einer misstrauischen Einstellung eintreten.

       Wir haben nicht nur einmal wiederholt, dass jede Tat von Wohlwollen begleitet werden muss. Selbst die gewohnte häusliche Arbeit wird wohltuende Folgen haben, wenn sie mit guten Gedanken ausgeführt wird. Viele gute Handlungen sind durch Gereiztheit und ungute Gedanken zunichte gemacht worden.

       Der Denker bewegte die Schüler besonders dazu, ihre guten Absichten nicht verderben zu lassen.

 

       480. Urusvati weiß, wie sehr Wir jedes Aufkommen von Bösem bedauern. Man wird sagen: Warum sich bekümmern, ist es nicht besser, die Ausbreitung des Bösen zu unterbinden? So sprechen die Unvernünftigen, die sich nicht vorstellen, wie vorsichtig man dem Bösen Einhalt gebieten muss. Nur ein Arzt, der viele Krankheiten aufmerksam studiert hat, weiß, wie notwendig es ist, verschiedene Bedingungen in Betracht zu ziehen, nicht allein im Organismus selbst, sondern auch in der Umgebung.

       Man kann das Böse auch mit einigen Formen von Krebs vergleichen. Der Arzt versteht, dass der Krebs einiger Organe unheilbar ist. Der Arzt weiß auch, dass man für eine Operation den allerbesten Moment auswählen und den Organismus auf eine solche Erschütterung vorbereiten muss. Genau das gleiche, doch in höherem Grad, wird bei einem psychischen Kampf sichtbar. Die Menschen selbst machen sich nicht bewusst, dass in ihnen ein böses Ungeheuer entstanden ist; im Gegenteil versucht jeder Infizierte, sein Leiden zu verheimlichen.

       Kann man jedoch in das Wesen eines Menschen eingreifen, wenn er sich auf jede Weise einer solchen Hilfe widersetzt? Richtig wird gesagt: „Untersucht jede Sache genau.“ Sind aber viele zu einer solchen Untersuchung bereit? Die Menschen lieben es nicht nur nicht, über das nachzudenken, was in ihrem Inneren vorgeht, sondern begegnen auch jedem Versuch feindselig, ihr Denken auf ihr inneres Wesen zu lenken. Die Lehren sagen, dass für den Fortschritt guter Wille notwendig ist. So ist auch die Zustimmung des Leidenden selbst nötig, um das Böse ausmerzen zu können.

       Deshalb bedauern Wir die Bildung eines bösen Ungeheuers, denn Wir sehen vorher, welch komplizierte Schlacht bevorsteht. Es ist unmöglich, mit einem einzigen Schlag des Schwertes alle Köpfe der Hydra[17] abzuschlagen. Es wurde gesagt, dass jeder ihrer Blutstropfen neue Sprösslinge hervorbringt, was bedeutet: Man muss Maßnahmen solcher Art ergreifen, dass das Ungeheuer des Hungertodes stirbt. Man muss seine Ernährung unterbinden, und es wird verschwinden, indem es sich in eine Prise Asche verwandelt. Eine solche Vernichtung erfordert jedoch Zeit und günstige Bedingungen. Die Menschen können zu solchen Bedingungen leicht beitragen.

       Der Denker sprach: „Alle sind wir Ärzte, jeder vermag irgendeine Heilung zu vollbringen.“

 

       481. Urusvati weiß, dass das Weltengebäude einen Monolithen[18] darstellt, der durch die uranfängliche Energie zusammengeschweißt wird. Ein Philosoph des Altertums stellte die Behauptung auf, dass die Himmelsfeste gesättigter sei als die Erdfeste. Man mag dieser Definition nicht völlig zustimmen, obwohl sie der Wahrheit nahekommt.

       Die Menschen sind selbst in einem gewöhnlichen Gespräch nicht in der Lage, die Welten gänzlich voneinander abzugrenzen. Wenn sie über die Feinstoffliche Welt sprechen, führen sie Beispiele aus der irdischen Welt an. Wenn sie jedoch die grobstoffliche Welt zu erhöhen suchen, vergleichen sie diese mit der Feinstofflichen Welt. Es ist wahrhaftig nicht möglich, eine Grenze zwischen den drei Welten zu ziehen. Man muss diese Grundlage in der menschlichen Vorstellung festigen. Niemand vermag sich auf die grobstoffliche Welt zu begrenzen, noch nicht einmal die Verneiner sind in der Lage, Empfindungen aus sich zu verbannen, die nicht von dieser Welt sind.

       Die Menschen denken sich viele Ausdrücke unrichtig aus. Sie sprechen von einer Jenseitigen Welt und spalten damit den Monolithen der Einheit. Doch kann man sich überhaupt etwas Jenseitiges vorstellen? Auf diese Weise werden wir zu Charon zurückkehren, der [die Toten] zum anderen Ufer des Styx[19] übersetzte. In einer primitiven Denkweise ersannen die Menschen Symbole des Übergangs in eine andere Welt; Symbole sind jedoch schädlich, weil sie sich durch ihren Farbenreichtum dem Bewusstsein so fest einprägen, dass sie nicht leicht entfernt und durch etwas ersetzt werden können, das der Wahrheit näher kommt.

       Wie ihr bereits bemerkt habt, vermeiden Wir Symbole, doch existieren ganze Schulen, die auf Symbolik gegründet sind. Man kann sich davon überzeugen, dass die alten Symbole nicht mehr in der Lage sind, der Entwicklung des Weltverständnisses zu entsprechen. Alles lebt, alles ist in Bewegung, und die uranfängliche Energie selbst offenbart früher nicht erkennbare Eigenschaften. Die Menschen sollten ihr Bewusstsein nicht mit abgenutzten Vorstellungen fesseln.

       Der Denker sprach: „Wollen wir wirklich in den Vorstellungen unserer Großväter sprechen?“

 

       482. Urusvati weiß, dass ein falsch verstandener Symbolismus der Vorstellung über Uns nicht wenig geschadet hat. Die symbolischen Strahlen, die Unsere Tätigkeit gleichsam begrenzten, haben die Idee der Einheit bereits zerschlagen. Jeder mag sein bevorzugtes Arbeitsgebiet haben, doch kann man unmöglich sagen, Er handele nur auf einem einzigen Strahl.

       Überdies sind selbst die Benennungen dieser Strahlen vollkommen willkürlich. Ihr wisst, auf welchem Wege diese Bezeichnungen entstanden sind. Ihr wisst auch, wie sie in die Literatur eingedrungen sind und viele verwirrt haben. Es ist nicht möglich, solche Entstellungen zu unterbinden, doch werden sie sich mit der Zeit abnutzen und einer besseren Definition Platz machen.

       Die Strahlen existieren, doch jeder von ihnen ist mit psychischer Energie ausgerüstet und kann daher in seinen Möglichkeiten gar nicht begrenzt werden. Anderenfalls könnte man zu einem solchen Unsinn gelangen, dass es zwar gestattet sei, einen Menschen zu retten, man dabei aber nur den linken, nicht den rechten Arm ergreifen dürfe. Man kann sich bis zu solchen Erdichtungen versteigen, dass sich statt einer Erweiterung eine Verringerung der Möglichkeiten ergibt.

       Die Menschen sind mitunter fähig, ihr Bewusstsein um eines Zieles willen, das ihnen gut erscheint, in ein undurchdringliches Labyrinth hinein zu treiben. Mögen diese Zerteiler aber darüber nachdenken, ob sie damit Nutzen oder Schaden stiften. Schmälerungen und begrenzende Erdichtungen sind nicht nützlich. Die genauesten Lehren litten unter vielerlei Auslegungen, welche die Wahrheit spalteten. Wir wünschen, dass Unsere Arbeit in ihrer Ganzheit und Einheit verstanden wird. Allein dabei wird die Zusammenarbeit vorstellbar, die der Bruderschaft zugrunde liegt.

       Der Denker wies darauf hin, dass die Wahrheit nicht leichtfertig in Teile zerlegt werden darf. Er sprach: „Eine Idee zu spalten ist das gleiche, wie einen lebendigen Organismus zu zerlegen.“

 

       483. Urusvati weiß, dass jede Verkündung der Wahrheit ihre Feinde haben muss. Das Chaos kämpft mit dem Offenbarten. Über diesen Kampf darf man nicht betrübt sein. Er ist nicht nur natürlich, sondern auch nützlich. Stellen wir uns vor, dass eine Verkündung keine Feinde hat: Sie wird dermaßen unbedeutend sein, dass sie niemanden zu überzeugen vermag. Feinde stellen Prüfsteine dar und bestimmen selbst durch ihre Wut die Bedeutung der Verkündung.

       Gerade durch Feinde erwächst viel neue Energie. Ein bedeutender Regent sagte: „Heute bin ich viel stärker geworden, denn es offenbarte sich mir ein wütender Feind.“ Man muss Feinde als Stufen des Aufstiegs ansehen. Jedem von Uns erwuchsen solche Gedanken im Verlauf langer Leben.

       Wo sind die Beschreibungen der Bruderschaft? Vor allem in den Beschreibungen Unserer Erlebnisse. Wir teilen Unsere Sorgen, denn durch diese Arbeiten schöpfen Wir Kraft für den zukünftigen Aufbau. Das Wesentliche liegt nicht in Zeremonien, sondern in Arbeit. Es wäre erniedrigend, riefen Wir nicht auch zur Arbeit auf, die Unser ganzes Dasein erfüllt. Das Leben der Bruderschaft ist überirdisches Leben, denn es ist auf das Denken gegründet. Was könnte denn überirdischer sein als der Gedanke?

       Die Menschen könnten ihr grobstoffliches Leben überirdisch gestalten, sie bräuchten nur den Gedanken zur Grundlage ihrer Existenz zu machen. Die Lehre kann auch als Verkündung des Gedankens bezeichnet werden. Groß ist der Festtag eines Menschen, der sich an das Denken gewöhnt hat.

      Und Uns ist es leicht, dort zu antworten, wo der Gedanke arbeitet. Man darf nicht meinen, die Antwort käme gewohnter Form. Wie oft erfolgt die Antwort in der Entwicklung des Denkens selbst: Ein Buch wird wie von selbst aufgeschlagen und Saiten erklingen. Die Zeichen werden umso verschiedenartiger sein, je weiter das Feld des Denkens ist.

       Der Denker sprach: „Wo ist denn jene Finsternis, in die das Licht des Gedankens nicht eindringen könnte? Die Blumen des Denkens sind schöner als alle irdischen Blumen.“

 

       484. Urusvati weiß, dass einige Länder über einen Niedergang der Geburtenrate beunruhigt sind. Dabei ist besonders bezeichnend, dass die Lebensbedingungen in diesen Ländern sogar besser sind als in anderen, wo die Geburtenrate sich erhöht. Diese Erscheinung hat viele irdische Ursachen, doch die Menschen können ihre Aufmerksamkeit nicht auf das Hauptsächliche lenken: Niemand mag sich vorstellen, dass die Bewohner der Feinstofflichen Welt sich in gewissen Ländern gar nicht verkörpern wollen. Natürlich können verstärkte karmische Umstände herrschen, die dazu zwingen, in einem bestimmten Volk aufzutreten, doch neben solchen Bedingungen kann auch der freie Wille wirksam sein.

       Die Bewohner der Feinstofflichen Welt wissen nicht viel mehr als die Erdbewohner, doch in gewisser Hinsicht können sie die Zukunft erkennen und sich deswegen auf die besten Bedingungen einstellen. Kaum jemand wird eine schwelende Brandstätte betreten wollen. Wozu sollte ein Mensch fremdes Karma* mittragen, wenn er sich zu verstärkter Tätigkeit anschicken kann? Er kann sich einem starken Volk anschließen und so an großen Entscheidungen teilhaben. Er spürt, wo es Wachstum und wo Niedergang gibt.

       Keine Aufgabe kann allein nach irdischen Erwägungen gelöst werden. Wenn die Menschen bereits über das Überirdische nachgedacht hätten, würden sie die Lösung der schwierigsten Probleme finden. Doch trotz großer wissenschaftlicher Errungenschaften sind die Menschen in der Erkenntnis der überirdischen Aufgaben weit zurückgeblieben. Es ist unmöglich, die Situation des Menschengeschlechts zu erörtern, wenn man in den irdischen Grenzen verbleibt. Man darf sich nicht phantastischen Träumen hingeben, es ist vielmehr an der Zeit, über die Vergangenheit und die Zukunft nachzudenken.

      Niemand hat eine ernsthafte Einstellung zu dem wichtigsten Umstand: Die Bewohner der Feinstofflichen Welt wollen nicht an überlebte Orte kommen, und niemand zwingt sie, sich ein überaus schlechtes Los zu wählen, wenn ihr Karma es nicht erfordert. Es ist unvorstellbar, dass die Menschen nicht damit beginnen, Beobachtungen des gesamten Daseins anzustellen. Sie könnten der künftigen Generation überaus notwendige Aufzeichnungen hinterlassen.

       Der Denker sprach: „Wir denken nicht für uns, sondern für die unbekannten Erben.“

 

       485. Urusvati weiß, dass es den Menschen besonders schwerfällt, die Begriffe des freien Willens und der Führung miteinander zu vereinen. Die einen schreien von der Beseitigung des Führers, die anderen gegen den freien Willen, doch das Leben selbst zeigt, dass nur Gleichgewicht Fortschritt hervorbringt.

       Inmitten des gewöhnlichen Lebens kann man sehen, wie harmonisch beide Begriffe miteinander leben können. Der Lehrer stellt eine Aufgabe und fügt hinzu: „Wende dein Können an, um sie möglichst gut zu lösen.“ Diese einfache Erklärung zeigt die vollständige Lösung, wie friedlich die beiden Begriffe gedeihen können. Die Führung entwickelt nur den freien Willen, und diesem wird im Laufe seiner Entwicklung die Zweckmäßigkeit der Führung bewusst. Dieser Frage muss sich jeder immer wieder zuwenden.

       Die Menschen haben sich gewissermaßen in zwei unversöhnliche Lager geteilt: Die Freunde des freien Willens bezeichnen die Anhänger eines Lehrers als rückschrittlich, und die einer Führung Folgenden nennen die Freunde des freien Willens Zerstörer. Solcherart ist das Missverständnis, das die Menschen nur der besten Möglichkeiten beraubt. Man muss Umstände suchen, die es erlauben, die Extreme mit einem gemeinsamen Dach zu überspannen. Es ist leicht, sich das Leben in der Unbegrenztheit vorzustellen, unter diesem Dach vereinen sich viele Begriffe miteinander. Man wird Maßstäbe finden, welche die Nichtigkeit eigenwilliger Aufteilungen zeigen.

       Es ist nötig, dass der echte Lehrer den freien Willen anspornt und der vernünftige Schüler, gerade indem er seinen freien Willen anspannt, die Bedeutung des Lehrers schätzt.

      Ihr könnt bemerken, wie oft Wir zur Gegenüberstellung von Lehrerschaft und freiem Willen zurückkehren. Die Menschen bedürfen jedoch in besonderem Maße des Ausgleichs dieser untrennbaren Begriffe. Eine bessere Zukunft hängt von der Harmonie der Gegensätze ab. Wer aber diese rettende Bedingung nicht verstehen will, wird viel Leid auf sich nehmen müssen.

      Der Lehrer kann den Starrsinn des Schülers nicht verwandeln, wenn dieser keine Anstrengungen des guten Willens aufwendet. Doch ein guter Wille ist auch ein freier Wille.

       Der Denker wies darauf hin, dass das Gute, die Freiheit und die Schönheit unter einem gemeinsamen Dach leben.

 

       486. Urusvati weiß, dass eine willkürliche Benennung die Richtung eines Gedankens stört und verzerrt. So habt ihr von einem „elektrischen Architekten“[20] gelesen, den ein Wissenschaftler im Menschen gefunden haben will. Der Begriff des Architekten wurde in einigen philosophischen Schulen verwendet und hat seine Bedeutung, doch darf man in diesem Zusammenhang unmöglich von Elektrizität sprechen. Die Menschen haben sich eines einzigen Aspektes der uranfänglichen Energie bemächtigt und benutzen dieses Wort rücksichtslos als endgültige Definition.

       Wenn die Wissenschaftler nichts von der uranfänglichen Energie wissen, könnten sie von einer bestimmten, besonderen Energie sprechen; man darf aber die erhabene Grundlage nicht mit dem Wort Elektrizität eingrenzen. Es unerträglich, dass der Wissenschaftler seine Aufmerksamkeit nicht auf die besondere Eigenschaft der festgestellten Energie gerichtet hat. Es ist allzu primitiv, diese Erscheinung auf elektrische Eigenschaften zurückzuführen. Die Beobachtung selbst ist lobenswert, doch die Bezeichnung führt zu neuen Irrtümern.

       Man kann sich vorstellen, dass ängstliche Forscher sich hinter gewohnten materiellen Begriffen zu verbergen suchen. Sie möchten sich damit vor unwissenden Beschuldigungen schützen, ziehen aber gerade dadurch die Verurteilung künftiger Generationen auf sich. Mögen sie abwägen, was mehr Achtung gebietet: Den Spott Unwissender über sich ergehen zu lassen oder sich den Verurteilungen künftiger Generationen auszusetzen.

       Vergessen wir nicht, dass ähnliche Erscheinungen auf allen Lebensgebieten vorkommen. Die Menschen suchen vereinigende Begriffe herabzusetzen und sie durch ausgedachte Wörter zu ersetzen, die keine Bedeutung haben. Man muss diesen Prozess aufmerksam verfolgen; ihm liegt Feigheit zugrunde.

       Wie lange will der Mensch fortfahren, den einheitlichen Körper des Weltgebäudes in Splitter zu zerschlagen? Natürlich kann man auch einzelne Grashalme untersuchen, darf aber nicht vergessen, welchem großen Organismus sie angehören. Man darf nicht vereinzelte Erscheinungen untersuchen und dabei außer acht lassen, dass sie nur Glieder einer einzigen Kette sind. Wer der Synthese entbehrt, möge das Leben des Weltgebäudes gar nicht erst berühren.

       Der Denker lehrte die Schönheit der Einheit, aus der Ströme von Energie fließen.

 

       487. Urusvati weiß, dass die Erziehung des Denkens Schritt für Schritt erfolgen muss. Jeder kann sich den entsetzlichen Zustand vorstellen, wenn ein Mensch mit bösen Absichten Gedankenkraft erlangt. Daher muss ethische Bildung der Lehre über das Denken vorangehen. Man darf sich keinesfalls auf äußere Verfahren zur Erkenntnis der Kraft des Gedankens beschränken, anderenfalls werden wir böse Zauberer schaffen.

       Vor langer Zeit trafen die Lehren Vorsorge, dass ein böser Mensch nicht zu Yogaübungen nicht zugelassen wurde. Als sich später die Sitten vergröberten, traten Menschen auf, die sich einige äußere Methoden angeeignet hatten, ohne sich vorher um eine Reinigung ihres Bewusstseins bemüht zu haben. Natürlich bedarf auch die Reinigung des Bewusstseins einer Konzentration der Gedanken, doch verläuft ein solches Denken innerlich und ohne äußere Voraussetzungen.

       Die Menschen verstehen nur wenig, dass man eine saubere Angelegenheit nicht mit schmutzigen Händen übernehmen darf. Man sollte meinen, dass eine solche Bedingung für jeden verständlich ist, doch wird sie im Leben nur selten angewendet. Die Menschen überlegen gar nicht, ob ihre Hände schmutzig sind, und können deshalb äußerst schädliche Chemismen schaffen. Sie verstecken sich hinter laut tönenden Bezeichnungen, verbergen jedoch in ihrem Inneren niedere Absichten. Wieviel Missbrauch wird getrieben! Äußerst besonnene Maßnahmen sind erforderlich, damit Machtmöglichkeiten nicht in die Hände von Verbrechern fallen.

      Denkt darüber nach, wie sehr auch Unsere Mühen verdunkelt werden, wenn sich Menschen einmischen, die sich einige Yogamethoden mit schlechten Beweggründen angeeignet haben.

       Der Denker verfügte: „Lasst uns zuerst das Gute verstehen und senden wir es dann gedanklich in die Welt.“

 

       488. Urusvati weiß, dass besondere Vorgehensweisen erforderlich sind, um das Konzept des Guten einzuführen. Für viele Konzepte könnte man ganze Schulfächer einrichten, doch wenn man Gespräche über das Gute ankündigt, versuchen die Schüler, ihnen auszuweichen. Man muss das Gute unbemerkt lehren, indem man es in alle Themen einfließen lässt.

       Es könnte gesagt werden, dass das Konzept des Guten gar nicht existiere, dass etwas für den einen gut, für einen anderen aber böse sei. So sprechen jene, die oberflächlich urteilen und es nicht verstehen, in die Tiefe der Dinge zu blicken. Unzweifelhaft kann jeder seine Zeichen auf der Oberfläche setzen, er wird dabei aber nicht die Tiefe berühren. Im übrigen ist das Konzept des Guten seinem Wesen nach unwandelbar. Das Herz aber zeigt auf, wo das Wesen des Guten liegt.

       Man kann sehen, wie sogar ein verbrecherischer Wille sich plötzlich auflöst, wenn er unerwartet das Wesen des Guten erblickt. Die Menschen bezeichnen eine solche Verwandlung als Wunder, doch liegt überhaupt kein Wunder darin, dass ein Mensch die Saiten einer Vina[21] streift und von ihrem Klang bezaubert ist.

      Jeder Mensch berührt unerwartet verschiedene Chemismen. Die einen betäuben, andere aber erleuchten ihn. So darf man nicht behaupten, dem Menschen sei etwas nicht erreichbar. Man kann sagen, dass er im gegebenen Moment ein bestimmtes Wissen nicht zu erfassen vermag, doch schon im nächsten Augenblick kann ein Chemismus des Guten zur Erkenntnis verhelfen.

       Feinfühlige Menschen wissen, wie schnell Chemismen wechseln. Man kann nicht sagen, chemische Wellen dauerten einen ganzen Tag lang an. Selbst innerhalb kurzer Zeiträume kann man spürbare Wechsel wahrnehmen, nicht nur psychische, sondern sogar auch physiologische.

      So spürt der Mensch nicht selten rasche Wechsel von Hitze und Kälte. Er kann einen Wechsel von Gerüchen bemerken und auch vorübergehende Schmerzen. Er kann eine Verzögerung oder eine Offenbarung des Denkens wahrnehmen. Er kann Schwankungen seiner Wahrnehmungsfähigkeit feststellen. Chemische Wellen werden von vielen Erscheinungen von Freude oder Schwermut begleitet. Der Lehrer muss in der Lage sein, die Studierenden auf eine bewusste Wahrnehmung der vielen Erscheinungen im Laboratorium des Lebens vorzubereiten.

       Der Denker lehrte: „Wir müssen ständig die Gegenwart der Göttlichen Kraft um uns herum spüren. Mitunter bindet sie uns, nicht selten verleiht sie aber auch Flügel. Die Erhabenheit der Welt umhüllt uns mit herrlichen Decken.“

 

       489. Urusvati weiß, welche unabhängige und tiefgründige Arbeit im menschlichen Bewusstsein vonstattengeht. Ich will dies anhand einer alten Parabel erklären:

      Es lebte ein hochgeachteter Lehrer, der nicht allein nützliche Wissenschaften lehrte, sondern auch seinen Schülern auf vielerlei Weise half. Zu seinen Vorzügen zählte auch äußerste Scharfsicht. Die Schüler waren davon überzeugt, dass er ihnen immer zu Hilfe kommen werde, sogar ohne ihr Bitten.

       Eines Tages sagte der Lehrer zu dem am nächsten stehenden Schüler: „Lass uns hören, was dein inneres Wesen spricht.“ Und dann fügte er lächelnd hinzu: „Es spricht: ‚Hilf!‘“ Der Schüler geriet in Verlegenheit und begann zu versichern, er habe dem Lehrer niemals mit Bitten Verdruss bereiten wollen. Der Lehrer beruhigte ihn und erklärte: „Mein Freund, ich bin überzeugt, dass weder dein Herz noch dein Gehirn um Hilfe gebeten haben. Sie wissen, dass meine Hilfe rechtzeitig kommen wird; doch die Tiefe des Bewusstseins richtet die Stimme an den Lehrer in dem einen Ruf: Hilf!“

       „Lass Dich durch diesen Schrei Deines Wesens nicht verwirren, in ihm ist eine Verbindung eigener Art zur Hierarchie enthalten. Du hast doch nicht um Reichtum oder um Ehren gebeten. Dein inneres Wesen sagt mit dem Wort ‚Hilfe‘: ‚Belehre mich!‘ Du hast keine Bedingungen gestellt, sondern wolltest nur sagen: ‚Tue es so, wie es am besten ist‘. Du bist bereits überzeugt, dass alles zum Guten bereitet wird. Auch wenn du einmal den Weg zum Guten nicht sofort erkennst, bist du dennoch überzeugt, dass die besten Maßnahmen ergriffen worden sind.“

       „Du hast vom dreifältigen Denken gehört. Ihm entsprechen das Gehirn, das Herz und das Bewusstsein. Das Gehirn ist vernünftig, das Herz feinfühlig und das Bewusstsein weise. Das Bewusstsein spricht: `Hilf, lehre mich'. Auch mein Bewusstsein sagt genau dasselbe, und mein Führer spricht genau dieselben Worte; sie stellen keine Belastung dar. Die Hand streckt sich nach oben und weiß, dass bei einem gefährlichen Aufstieg die helfende Hand entgegengestreckt werden wird. Es ist nicht unsere Sache zu beurteilen, wo der gefährlichste Aufstieg ist.“

       Dies ist die Parabel, und der Denker kannte sie. Er fügte hinzu: „Es liegt eine besondere Schönheit darin, dass unser Bewusstsein ein Hort der Weisheit ist.“

 

       490. Urusvati kennt den Fehler der zeitgenössischen Philosophen, die den Menschen vom Universum loslösen. Ihr Mensch erscheint zwar als denkendes Wesen, doch ohne Vergangenheit und Zukunft, und damit hat er keine Verbindung mit dem Weltall. Ein solches Denken ist nicht in der Lage, eine Zukunftsprognose anzustellen, weshalb die zeitgenössische Philosophie so weit vom Leben abgelöst ist.

       Man darf sich den Menschen nicht so vorstellen, als befände er sich in einer Wüste, wo er den Weg nicht kennt. Der Mensch versteht, dass ihm ähnliche Geschöpfe existieren, von denen er nicht weiß, woher sie kommen und wohin sie verschwinden. Ist es etwa möglich, das Denken an eine begrenzte Existenz zu gewöhnen? Eine solche Vorstellung wird vor allem langweilig sein.

       Es ist notwendig, eine solche Lehre zu überprüfen, die sich als schädlicher als der begrenzte Materialismus erweist; aus diesem kann sich noch ein Fortschritt entwickeln, doch der abstrakte Mensch vermag nicht den Weg der Evolution zu betreten. Es ist nicht erstaunlich, dass viele zeitgenössische Philosophen abseits des Lebens stehen, doch sollten die Denker sich vor allem den Problemen des Daseins zuwenden, in denen der Mensch einen entsprechenden Platz einnimmt.

      Es ist nicht nützlich, Teile eines gesunden Organismus abzuschneiden. Man sollte sich über jedes auf die Einheit des Weltalls gerichtete Denken freuen. Man kann bedauern, dass die Wissenschaftler der angewandten Wissenschaften keine Verbindung zu den Denkern zu knüpfen vermögen. Erneut sehen Wir tote Abgrenzungen und die Fehler des Hasses.

       Es wird gesagt: Bei der gegenwärtigen Entwicklung der Wissenschaften ist es unmöglich, ein Mensch von enzyklopädischem Wissen zu sein. Es spricht aber niemand von Allwissen, doch Hochschätzung des Wissens ist möglich, so können die Menschen sich von Verneinungen befreien. In jedem Gegenstand befindet sich etwas, das Beachtung verdient. Ein wahrer Denker vermag diesen Funken der Wahrheit zu erkennen. Ein Denker wird sich auch allen Etappen des Fortschritts gegenüber gerecht verhalten.

       Gewöhnlich wenden die Menschen sich vor allem den Endphasen von Entdeckungen zu und verwerfen achtlos alle vorangegangenen Aufspeicherungen, worin sich die größte Ungerechtigkeit zeigt. Unter den Vorbereitungsprozessen gibt es unzweifelhaft viele noch nicht abgeschlossene Entdeckungen; verfolgt man deren Denkwege, kann man große Schätze finden. Die Menschen ziehen es jedoch vor, sich allem Vorbereitenden gegenüber hochmütig zu verhalten; auf diese Weise gehen viele bereits ertastete Errungenschaften verloren. Auch in solchen Fällen ist jene Hochschätzung anzuwenden, von der Wir gesprochen haben.

       Meine Worte dürfen nicht nur auf mechanische Entdeckungen bezogen werden, sondern müssen ebenso auf die Geisteswissenschaften angewendet werden. Die Hauptsache ist, das Denken von Vorurteilen zu befreien, die sehr verschiedenfarbig sind.

       Der Denker sprach: „Seht nur diesen wichtigtuerischen Freidenker, wie er rasch auf die andere Straßenseite geht, nur um nicht inmitten von Arbeitern gesehen zu werden. Gerade erst hat er eine Rede über die Liebe zum Volk gehalten.“

 

       491. Urusvati weiß, dass man ohne überirdisches Empfinden das Leben nicht verwandeln kann. Ohne Vorstellungsvermögen kann keine Arbeit auf eine höhere Stufe geführt werden. Achtet auf das treffende Wort „Vorstellungsvermögen“. Es ist keine Erdichtung und kein hinterlistiger Winkelzug, sondern das Auffinden höherer Bilder, die Realisierung hoher Begriffe. Vorstellungsvermögen ist immer real und wahr. Man kann sich nicht vorstellen, wo diese Wahrheit wohnt, doch sie existiert.

       Glaubt nicht, dass echte Vorstellungskraft im Bösen möglich wäre, erforderlich ist gutes Bestreben. Alles Böse schafft verzerrte Formen. Ein Kaleidoskop erfordert harmonische Bewegungen, und so bedarf die Betrachtung höherer Bilder eines offenen Herzens. Jede Verdunkelung führt zu entstellten Vorstellungen. So sind wiederum die physischen Gesetze mit den psychischen Grundlagen verbunden.

       Selbst die höchsten Errungenschaften müssen hier (…) begonnen werden, oftmals inmitten größter Not. Nicht selten sinnen Reiche darüber nach, warum Opfer ihnen so leicht gemacht werden. Sie nehmen an, dass ein Opfer nur geldlicher Art sein könne, vergessen jedoch, dass ihnen ein herrlicher Auftrag anvertraut ist: Geld mit hohen Aufgaben zu verbinden; doch dafür bedarf es des Vorstellungsvermögens. Gibt es viele, die danach streben, diese Eigenschaft in sich zu steigern?

       Der Denker lehrte: „Jedem Menschen ist es gegeben, in die Göttlichen Paläste zu blicken, doch möge man das Auge daran gewöhnen, den strahlenden Glanz des Himmels zu schauen und das gesamte Leben des Raumes zu erkennen; wem der Himmel leer erscheint, der hat ein leeres Herz.“

 

       492. Urusvati weiß, dass Hingabe nur von Wert ist, wenn sie in vollem Maß erwiesen wird; und zwar in einem solchen Maß, dass der Mensch sie nicht noch stärker bezeigen könnte. Dann wird ein mächtiger, wohltätiger Chemismus geschaffen, der über weite Entfernungen hinweg heilsam ist. Jede Halbheit in der Hingabe jedoch muss in den Bereich der Hinterlist verwiesen werden.

       Der Mensch belügt sich selbst und andere, auf diese Weise schafft er todbringende Gifte. Er sollte sagen: „Ich gebe mich hin, auch wenn es mir nicht von Vorteil ist.“ Doch um welche Missgestalt von Hingabe wird es sich handeln, wenn die Menschen ausrufen: „Wir wollen uns hingeben, es wird uns großen Vorteil einbringen!“ Niemand zweifelt daran, dass jede eigennützige Hingabe eine ganz andere Bezeichnung verdient.

       Unsere Bruderschaft ist auf gegenseitige Hingabe gegründet. Wir wissen, dass es keine Umstände geben kann, welche die Hingabe zu erschüttern vermögen. Man könnte sagen, dass eine solche Hingabe durch langwährende Zusammenarbeit erreicht wird. Das ist richtig, doch in vielem arbeiten die Menschen zusammen, ohne dass die Hingabe erstarken würde. So muss man Hingabe von den kleinsten Dingen an erproben; sie zeigt auf, wie behutsam man miteinander umgehen muss, ohne Komplikationen zu schaffen.

       Hingabe ist keine Knechtung, sondern das Lächeln des Verstehens und des Mitgefühls. Denkt über dieses herrliche Wort nach, es drückt eine Harmonie aus, die auf dem Zusammenklang von Gefühlen gründet. Jeder Mensch träumt von Mitgefühl, doch oft fordert er dies nur für sich selbst und vergisst, dass gerade dieser Begriff Gegenseitigkeit voraussetzt. In diesem Missverständnis verbirgt sich viel Unglück.

       Der Denker sprach: „Der Mensch fordert Mitgefühl, doch wo ist sein erwiderndes Gefühl? Er hält sich selbst für die unglücklichste Person auf Erden, hat er aber das Unglück der anderen gemessen?“

 

       493. Urusvati weiß, dass die Menschen das Gefühl der Einsamkeit besonders fürchten. Sie ist keine Angst, sondern eine besondere bedrückende Empfindung. Sie ist völlig natürlich für einen Menschen, der nichts von der Feinstofflichen Welt und der ununterbrochenen Fortdauer des Lebens weiß. Doch mitunter tritt genau dasselbe Gefühl auch bei denjenigen auf, welche die Grundlagen des Daseins kennen. Die Ursachen einer solchen unüberwindlichen Empfindung sollen aufgezeigt werden.

       Man kann annehmen, dass unliebsame Wesenheiten Einfluss nehmen oder Vorahnungen einen solchen erdrückenden Zustand hervorrufen können; doch außer solchen unzweifelhaft möglichen Ursachen können auch kosmische Einwirkungen auftreten. Der Chemismus schwerer Ströme kann den Menschen einhüllen und gleichsam einen Zustand der Isolierung schaffen, in dem der Mensch Einsamkeit empfindet.

      Jedem aber ist ein Allheilmittel gegeben. Er kann jede beliebige Einwirkung zerstreuen, indem er sich gedanklich an seine Freunde wendet. Der Mensch hat nicht nur auf der Erde Freunde, er kann auch aus der Feinstofflichen Welt viele wahre Mitarbeiter herbeirufen.

       Überdies kann er Uns kennen, und eine solche Hinwendung wird nicht vergebens sein. Sie kann eine Antwort in unerwarteter Form hervorrufen, doch der bedrückende Chemismus wird sich zerstreuen.

      Viele wissenschaftliche Entdeckungen stehen bevor, gleichwohl wird die Erkenntnis der Grundlagen des Daseins die Grundbedingung sein. So habt ihr bemerkt, dass die Gedankenübertragung auf Entfernung im wissenschaftlichen Bereich wenig vorankommt, weil es nicht genügend überirdische Gefühle und Anerkennung der Daseinsgrundlagen gibt.

       Der Denker bedauerte Menschen, die nicht nur das Leben, sondern auch den Gedanken verkürzen.

 

       494. Urusvati weiß, dass die Menschen zur Zeit einer Gefahr die rettendsten Ratschläge vergessen. Selbst eine eingebildete Gefahr beraubt die Menschen des zweckentsprechenden Denkens. Bei verschiedenen Völkern gibt es äußerst lehrreiche Erzählungen, in denen ein Hausherr seine Nächsten lehrt, wie sie sich im Brandfalle zu verhalten haben; doch wenn der Brand eintritt, handeln alle entgegengesetzt.

       An den Schulen Spartas gewöhnte man die Schüler an alle möglichen Gefahren, um Findigkeit zu entwickeln. Auch heute wäre es notwendig, so vorzugehen, da die Gefahren um ein Vielfaches zugenommen haben.

      Besonders befremdlich ist es, Menschen zu sehen, die Gefahren erfinden, die gar nicht existieren. Hierbei sind sie gar nicht um die weltweiten Gefahren bekümmert, sie zittern viel mehr um ihr eigenes Dasein. Niemand kann ihnen vermitteln, dass die weltweiten Nöte ihren häuslichen Herd hinwegfegen werden. Sie werden niemals zustimmen, dass die Gefahren für den Planeten weitaus größer sind als die für ihr Haus.

       Selbst eine Erörterung der weltweiten Gefahren wird nicht gern gesehen. Dafür sollen irgendwelche Amtspriester zuständig sein. Wenn jedoch die Epoche eintritt, in der die allumfassende Zweckmäßigkeit verstanden wird, werden die Menschen Ratschläge sammeln können, wie den äußerst komplizierten Missgeschicken zu begegnen ist.

      Möge man an den Schulen auf mögliche Gefahren vorbereiten, dieses Wissen darf das Menschengeschlecht aber nicht der Lebensfreude berauben. Jedes durchschrittene Leben kann davon erzählen, dass gerade in Gefahr Freude entstehen kann.

       Der Denker wusste, dass Freude in allen Gefahren geboren wird.

 

       495. Urusvati weiß, dass die Abgabe von psychischer Energie und ihre Erschütterung ihrem Wesen nach verschieden, in ihren Merkmalen jedoch ähnlich sind. Die Menschen verstehen nicht, dass die Entzündung der Schleimhäute mit einer Abgabe von psychischer Energie verbunden ist. Eine solche verstärkte Abgabe erfolgt auch bei einer Steigerung der Denktätigkeit.

       Drüsen und Körpergewebe werden ganz individuell in Mitleidenschaft gezogen. Sendungen von Energie auf Entfernung rufen auch eine Anspannung der Drüsen hervor, besonders dann, wenn die kosmischen Ströme ungünstig sind. Eine Erschütterung der psychischen Energie jedoch kann auch ohne Anspannung der Denkenergie vonstattengehen. Ethische Erschütterungen, Kummer sowie unerwartete Schläge oder Erfolge können die Energie unterbrechen.

       Wenn die Weltereignisse bedrohlich sind, können ganze Epidemien auftreten, die man jedoch unterschiedlich benennen wird; man wird sie Herzerkrankungen, Erkältungen oder Magenkrankheiten zuschreiben, ohne die wahre Ursache beim Namen zu nennen. Man stellt eine Zunahme von Nervenerkrankungen fest, doch berührt letztlich jede Krankheit das Nervensystem.

      Die Behandlung sollte sowohl körperlich als auch geistig erfolgen. Notwendig ist ein ruhiges Streben nach erhabenen Dingen. Man muss sich in ruhiger Weise den Ausspruch Salomons[22] wiederholen: „Auch das wird vorübergehen.“ Wenn diese Autosuggestion unzureichend ist, kann man auch eine Suggestion* von außen durchführen.

       Nützliche Medikamente kennt ihr bereits: Nux vomica[23], Arsenicum[24], Ferrum[25] und, natürlich, den alten Freund Baldrian. Bei Kräfteverfall: Moschus*. Warme Bäder sind immer nützlich. Das übrige hängt von der örtlichen Erkrankung ab. So kann man in den verschiedenen Phasen psychischer Anspannung helfend eingreifen.

       Die Menschen sollten nicht annehmen, eine solche Epidemie verdiene keine Aufmerksamkeit; im Gegenteil kann sich alles, was mit den Nervenzentren verbunden ist, schnell ausbreiten. Unkenntnis der Ursachen wird immer zu schlechten Folgen führen. Wenn man dann auch noch alle möglichen Selbstvergiftungen hinzufügt, ergibt sich ein trauriges Bild.

       Man wird sagen: „Ihr jagt uns schon wieder Schrecken ein!“ Doch dann ist jeder ärztliche Rat eine Einschüchterung. Wenn Wir eine Gefahr heraufziehen sehen, müssen Wir auch davor warnen.

       Jemand wird über das Streben erhabenen Dingen spotten; für ihn ist die Musik wie sämtliche Kunst nur Müßiggang. Er kennt das Wort „Ekstase“ nicht; für ihn ist sie ein schädliches Vorurteil.

       Der Denker kannte solche Spötter. Er sprach: „Der Staat muss unverbesserliche Unwissende vertreiben. Mögen sie sich irgendeine Insel suchen. Das Meer allerdings wird einen solchen Hort der Dummheit verschlingen. Die Gesetze der Natur kann man nur bis zu einem bestimmten Grad verletzen.“

 

       496. Urusvati weiß, dass jeder, der falsch handelt, sich vor allem damit rechtfertigt, dass man ihn nicht verstanden habe. Je mehr ihr die menschlichen Beweggründe kennt, desto mehr wird man euch des Unverständnisses beschuldigen. Man kann bemerken, wie sehr die Menschen versuchen, ihre eigene Schuld anderen zuzuschieben. Wir wollen jedoch nicht alle Arten menschlicher Verstellung vermerken, sonst entstünde kein Buch, sondern eine ganze Bibliothek.

       Es ist verwunderlich, dass die Menschen erst dann nach Hilfe suchen, wenn es bereits keine Rettung mehr gibt. Man könnte vielleicht meinen, sie handelten so aus Schüchternheit oder Zaghaftigkeit, doch hat dies leider einen anderen Grund: Die Menschen haben kein Vertrauen, sie denken noch nicht einmal über jenen Mittelpunkt nach, von dem Hilfe kommen kann. Erst wenn die Not sie an der Kehle packt, sind sie bereit, sich an die vergessenen Türme zu erinnern. Nicht nur Ungebildete handeln derart unüberlegt, selbst sehr belesene Menschen verfahren mit erhabenen Dingen in unwürdiger Weise.

       Die Psyche der Menschen wird unverständlich, wenn sie nicht in der Lage sind zu unterscheiden, wo das Nützliche und wo das Schädliche liegt. Vergessen wir nicht: Sie sind mitunter in einem solchen Maß von ungeordneten Wünschen aller Art erfüllt, dass sie noch nicht einmal unterscheiden können, wo ihre Tat ist und wo ihr Wunsch.

       Der Denker wies die Schüler immer wieder an, die Truhe ihrer Wünsche in Ordnung zu halten.

 

       497. Urusvati weiß, dass die führende innere Stimme sich nicht immer in wörtlichen Formeln äußert. Oft verbleibt sie im Bereich des Impulses. Auf diese Weise erweist sich das führende Prinzip als eine Stimmgabel, die einen übereinstimmenden Klang hervorruft.[26] Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass solche Zusammenklänge in den verschiedensten Bereichen in Erscheinung treten. Die Stimmgabel ruft auf und begeistert, doch die örtlichen Bedingungen und vorausgegangene Überlegungen schaffen die Formel der Tat.

       Der Mensch ist es nicht gewohnt, der tief verborgenen Stimme zu lauschen. Er nennt sie Stimme der Stille und verschließt sie in der Tiefe des Bewusstseins. Kann er aber so all die Vorzüge eines solchen Impulses nutzen?

       Ein kleiner Junge war traurig, dass er sein Spiegelbild im Brunnen nicht sehen konnte, weil sein Bruder Steine hineinwarf. Davon können viele erzählen, weil ihre Nächsten beständig ihr Bewusstsein verdunkeln. In der Tat ist für alle Beobachtungen und Schlussfolgerungen Ruhe des Bewusstseins erforderlich, anderenfalls wird das Bild verzerrt. Eine solche Ruhe bedeutet jedoch keinen Verzicht auf Tätigkeit; man kann im Gegenteil an allen besten Lebensbereichen teilnehmen, während gleichzeitig die Oberfläche des Bewusstseins ruhig bleibt. So geschieht es, wenn der Mensch seinen zukünftigen Weg kennt.

       Der Denker sprach: „Stellen wir uns ein Mühlrad vor. Es empfängt die Wasserkraft von oben und arbeitet für die Herstellung menschlicher Nahrung. Es weiß nicht, wer sich mit dieser Nahrung sättigen wird. Es weiß nicht, wer das Korn zum Mahlen brachte. Es weiß nichts von all den Bestandteilen des Wassers, doch um es herum fließt viel Energie. Die Lehre darf die Augen nicht vor der Unermüdlichkeit der Arbeit verschließen, denn die segensreiche Welle fließt ununterbrochen.“

 

       498. Urusvati weiß, dass die Menschen besonders zu allem Verbotenen streben.

      Eine Erzählung spricht von einem gewissen Regenten, der eine Aufklärung bringende, nützliche Maßnahme ins Leben einzuführen gedachte, doch überall auf Widerstand stieß. Eines Tages wandte er sich an einen weisen Ratgeber, der ihn daraufhin fragte: „Hast du versucht, deinen Vorschlag mit allen möglichen Maßnahmen zu verwirklichen?“ Nachdem er eine bestätigende Antwort erhalten hatte, sprach der Ratgeber: „Dann ist es notwendig, ein Gesetz zu erlassen, das gerade deine Maßnahmen verbietet. Du wirst sehen, wie die Menschen zu dem Verbotenen streben, und wenn das Gesetz streng ist, wird der Wunsch, es zu übertreten, umso stärker in Erscheinung treten.“

       Glaubt nicht, dass dieses alte Gleichnis heute keine Bedeutung hätte. Man kann aufzeigen, wie ganze Bewegungen allein dank Verboten erstarkt sind und sich gereinigt haben. Auf der ganzen Welt kann man sehen, dass eine Art Tactica adversa sich als der beste Weg erweist. Man kann sich wundern, weshalb die Menschheit ein verworrenes Labyrinth durchschreiten muss, wenn es doch viel einfachere Wege gibt. Doch die Spirale der Evolution ist kompliziert. Sie erfordert sogar zeitweiligen Niedergang, um dann eine desto höher führende Wendung zu nehmen.

       Uns sind diese irdischen Eigenheiten bekannt und Wir nehmen sie als unausweichlich hin. So müssen auch überirdische Gedanken die komplizierten menschlichen Wege gehen. Man muss viel Geduld besitzen, um zu beobachten, wie die Wanderer bergan klettern, anstatt den kürzesten Weg zu nehmen.

      Dabei muss man wissen, dass man unmöglich in der Mitte des Stromes ein Hindernis aufstellen kann. Man darf nur leicht berühren, doch so behutsam, dass der Gehende es nicht bemerkt, damit er nicht aufschrickt und stolpert. Selbst die am besten gemeinte Berührung muss in voller Behutsamkeit erfolgen. Dies muss man im irdischen Leben mitten in der alltäglichen Arbeit lernen.

       Der Denker sprach: „Wir müssen es erfühlen, wo wir Hilfe erweisen können; je unmerklicher dies geschieht, desto vollkommener wird sie sein.“

 

       499. Urusvati kennt die hohe Bedeutung der Tatbereitschaft. Wir haben von Hingabe, Zweckmäßigkeit und Aufnahmevermögen gesprochen, doch für all diese Bekundungen ist wahre Bereitschaft erforderlich. Man muss diese Eigenschaft im Gedächtnis behalten, da sie schwer zu erreichen ist.

       Die Menschen bilden sich ein, zur Tat bereit zu sein, doch in letzter Stunde werden sie von unterschiedlichsten Zweifeln und Selbstmitleid überwältigt. Indessen erfordert gerade Bereitschaft ein Anwachsen der Energie. Ein laufender Mensch fällt vor einem Sprung nicht in Kraftlosigkeit, sondern nimmt im Gegenteil einen Anlauf, um die größtmögliche Energie zu sammeln. Dieses Beispiel lasst uns auf jede Tat anwenden.

       Mögen die Menschen anhand historischer Beispiele lernen, wie viele strahlendste Taten durch Zweifel zunichte gemacht wurden, die in letzter Stunde auftraten. Vergessen wir nicht, dass die niederen Kräfte des Menschen jegliche Tätigkeit hassen, desto mehr wird eine nützliche Tat immer den Schlägen der finsteren Kräfte ausgesetzt sein. Sie wählen den letzten Moment, um Tapferkeit zu stoppen.

       Der Lehrer muss nachdrücklich darauf hinweisen, dass Tapferkeit in Harmonie mit Bereitschaft wachsen muss. Man kann sich eine tote Tapferkeit vorstellen, die niemals bereit ist und dafür Rechtfertigung in den unwürdigsten Lebensumständen findet.

       So behaltet im Gedächtnis, dass die besten Kräfte mit euch sein werden, wenn ihr Bereitschaft in vollem Maß bekundet.

       Der Denker sprach: „Lasst uns Tag und Nacht bereit sein, dann schwindet auch die Finsternis.“

 

       500. Urusvati kennt den unstillbaren Tatendurst. Dieses Bestreben kann man unmöglich durch künstliche Maßnahmen eingeben. Es muss sich in der Tiefe des Bewusstseins als Folge vieler Leben bilden. Man muss solche Errungenschaften besonders hüten. Das erwähnte Tun ist nicht nur für den Handelnden selbst nützlich, sondern schafft auch eine Atmosphäre, die andere zu gesunder Arbeit anregt.

       Zu Ehren der Arbeit sind majestätische Hymnen und erhebende Traktate verfasst worden. Das alles ist richtig und geschieht für das Wohl. Stellt euch einen Arbeiter vor, der auf Lebenszeit an eine unveränderliche Werkbank gefesselt ist. Man hört, dass im Altertum Ruderer an Schiffe angekettet waren und Sklaven Räder an Ketten hinter sich her schleppten. Heute sind Ketten unangebracht, doch an ihrer Stelle hat man viel festere Fesseln erfunden.

       Die Hymnen der Arbeit können anders klingen, wenn sie jeden Tag an ein und derselben Werkbank gesungen werden. Viele solcher Arbeiter sind sogar des Fortschritts beraubt. In derselben Eintönigkeit verläuft auch die Erholungszeit, wenn sie nicht gerade in dem Grauen der Trunkenheit zum Ausdruck kommt.

      Es ist leicht gesagt, dass die Menschen sich nicht betäuben sollen, man muss ihnen auch höherführende Wege aufzeigen. Sie werden sich die ununterbrochene Fortdauer des Lebens aneignen und die überirdischen Chemismen erkennen. Sie werden von der Gedankenkraft und den besten Vorstellungen erfahren; doch müssen sie noch etwas erhalten, was sie lehrt, die Qualität der Arbeit zu erhöhen: Jedem Menschen muss ein Handwerk gegeben werden. In der Handarbeit erkennt der Mensch die ewige Vervollkommnung.

       In jeder Lage kann der Mensch irgendein Handwerk ausüben. Durch dieses Handwerk bewahrt der Mensch sich Jugendlichkeit des Denkens. Es verwandelt das Haus in einen Herd der Schönheit. Wieviel Unabhängigkeit schafft ein freies Handwerk! Die Menschen lieben Beispiele; in verschiedenen Jahrhunderten kann man die Entwicklung eines freien Handwerks beobachten. Dabei werden auch die Hymnen der Arbeit klangvoller gesungen und es entstehen viele nützliche Verbesserungen.

       Wir haben davon gesprochen, dass der Rhythmus der Arbeit ein Yoga eigener Art ist. Bei jedem Yoga sind Bestrebung und Begeisterung notwendig. Diese Blumen wachsen im Garten des Handwerks. Indem er das Handwerk liebgewinnt, lernt der Mensch auch jede andere Arbeit lieben, und desto näher wird er auch Uns sein.

       Der Denker lehrte, dass jene Arbeit zur Vervollkommnung führt, die Schönheit in sich birgt.

 

       501. Urusvati weiß, wie oft die Menschen sich beklagen, dass Vervollkommnung allerlei Arten von Unglück über sie hereinbrechen lässt – ein ungeheurer Irrtum. Man kann sicher sein, dass ein Mensch, der sich tatsächlich vervollkommnet, niemals einen solchen Unsinn sagen wird. Er weiß, dass bei einer Verfeinerung des Fühlens vieles wahrnehmbarer wird, und überdies wird er sich nicht wundern, dass ihm anvertraut ist, an der Schlacht um das Wohl der Welt teilzunehmen.

       Kann diese Schlacht etwa als Unglück bezeichnet werden? Nur ein Feigling kann meinen, tödliche Verwesung sei besser als lebenschaffende Bewegung. Oft aber kann man Dienern der Furcht begegnen, die ein tödliches Dahinsiechen vorziehen. Sie sammeln Beispiele aus dem Leben von Glaubenskämpfern, die ihrer Auslegung nach ein einfaches Leben geführt haben, ohne sich mit Klügelei wichtigzutun. Doch sie vergessen, dass das Denken solcher Einsiedler mitunter kosmische Macht besaß.

       Wer kann denn die Kraft des Gedankens ermessen? Wer kann nachprüfen, ob die kraftlosen Worte, die diesen Denkern zugeschrieben werden, glaubwürdig sind? Nach nur einem Jahrhundert haben die Leute die Aussprüche hervorragender Menschen völlig entstellt, was soll man da erst von Jahrtausenden sagen? Dabei ist es schwer festzustellen, wer mehr entstellt hat: die Freunde oder die Feinde. Nicht selten haben sogenannte Freunde aus persönlichen Beweggründen den grundlegenden Sinn verzerrt. Vergessen wir nicht, dass auch die Abschreiber ihren Teil beigetragen haben. Ihr wisst selbst, wie groß die Zahl der Druckfehler ist! Und so war es in allen Jahrhunderten.

       Der Denker sprach: „Ich möchte wissen, in welcher Form meine Schriften weiterleben werden.“

 

       502. Urusvati weiß, dass der Begriff des Fassungsvermögens klar festgelegt werden muss. Viele meinen, Fassungsvermögen sei das Hinnehmen entgegengesetzter Argumente. Indessen bedeutet Fassungsvermögen das Verstehen der Beweggründe. Man kann mitfühlend die Gründe verstehen, die einen Gesprächspartner leiten, doch es wäre unzulässig, sogleich seine eigenen, lange durchdachten Überzeugungen aufzugeben.

       Fassungsvermögen hat Ähnlichkeit mit Mitleid. Man kann sehen, wie Gegenspieler in Irrtümer verfallen und gegen ihren eigenen Nutzen handeln. Doch wie behutsam muss man vorgehen, um sie zu überzeugen! Überdies muss man sich des alten Sprichwortes erinnern: „Über Geschmack soll man nicht streiten.“ Man kann die karmischen Ursachen eines solchen Geschmacks erkennen. Man kann die Spuren des Atavismus sehen, doch es ist unmöglich, die Aufschichtungen von Neigungen schnell auszumerzen.

       Denkt nicht, dass Wir auf klar hervortretende Gewohnheiten hinweisen, welche die Menschen beherrschen. Im vorliegenden Fall spreche Ich von Geschmack, der weit tiefer liegt als Gewohnheiten. Ebenso schwer ist es, den Geschmack eines Menschen in Frage zu stellen, der sich von dem seiner Umgebenden unterscheidet, jedoch in sich nichts Abstoßendes enthält. Man kann auf die Disharmonie hinweisen, doch nicht jedes Ohr ist fähig, diese wahrzunehmen.

       Der Denker lehrte: „Versteht es, das Herz so sehr zu erweitern, dass es fremden Schmerz zu fassen vermag, dann werdet ihr auch ein tröstendes Wort finden.“

 

       503. Urusvati weiß, dass Wohnungen, die der psychischen Energie des Menschen beraubt sind, rasch verfallen. Wir haben bereits darüber gesprochen, wie verschieden Maschinen in Abhängigkeit von den sie bedienenden Hände arbeiten.

      Jetzt kann man auf ein ganz leicht durchzuführendes Experiment hinweisen: Stellt euch drei gleich gebaute Häuser vor. Dann bleibt das eine leer stehen, das zweite wird von disharmonischen Menschen bezogen und das dritte dient einer harmonischen Familie als Wohnung. Es ist aufschlussreich zu beobachten, wie verschieden das Baumaterial auf die unterschiedlichen Bedingungen reagiert.

      So kann man auch bei Staaten bemerken, wie unterschiedlich die Energien der Regierenden wirken. Man darf dies nicht allein auf Experimente in Fabriken beziehen. Der Erfolg eines ganzen Staates hängt von der Qualität der psychischen Energie seines Führers ab.

       Es sind weniger Bildung und Erfahrung als vielmehr die aufgespeicherte Energie, welche die schwersten Umstände überwinden kann. Oft verstehen die Menschen nicht, wie jemand ohne Übereinstimmung mit den herrschenden Bräuchen erfolgreich regieren kann. Möge man aber den Arzt fragen, ob die psychische Energie dieser Person nicht eine besondere Qualität in sich trägt. Der Arzt muss natürlich eine Vorstellung von der psychischen Energie haben, um auf ihre Besonderheit hinweisen zu können.

       Für Experimente mit psychischer Energie sind keinerlei ungewöhnliche Bedingungen erforderlich. Die uranfängliche Energie fließt überall, und sie sollte in allen Lebenserscheinungen beobachtet werden. Man kann sagen: Je einfacher die Art der Beobachtung ist, desto wertvoller wird das Experiment sein.

      Nützlich ist es jedoch, eine besondere Eigenschaft dieser Energie festzustellen. Ihr wisst bereits, dass die Abgabe von psychischer Energie sich auf die Drüsen auswirkt. Wir beobachten eine sehr scharf ausgeprägte Reaktion der Drüsen, wenn die Energie zu verschiedenen Völkern in verschiedene Länder gesandt wird. Eine solche Erscheinung wird durch die Unterschiede der Psychologie der Völker erklärt. Die Energie kann nicht überall in harmonischer Weise aufgenommen werden, und es erfolgen sogar Gegenschläge. Gerade diese aber tragen zu einer Entzündung der Drüsen bei.

       Seid in der Lage zu verstehen, dass sogar nicht besonders feindliche Menschen ein so eigentümliches Bewusstsein haben können, dass eine Energiesendung nicht aufgenommen werden kann. Daher erachten Wir Energiesendungen als ein großes Opfer. Die Menschheit wird allerdings nicht so bald verstehen, von welcher Art Opfer Wir sprechen.

       Der Denker lehrte: „Denkt nicht, euer Gedanke wäre überall ein erwünschter Gast. Euer bester Gedanke wird euch viel Kummer einbringen. Gleich einem Bettler wird er auf den Türschwellen verharren müssen, Verletzungen erfahren und bei seiner Rückkehr euer Herz verwunden. Seid darüber nicht betrübt, denn das ist unausweichlich.

 

       504. Urusvati weiß, dass die Hierarchie sogar Geringes in Kostbares verwandelt. Es scheint, dass ein solcher Hinweis vor allem geistige Kostbarkeiten im Blick hat, doch die Menschen streben derart zu materiellen Gütern, dass sie auch in einem solchen geistigen Hinweis noch etwas Physisches suchen.

       Überhaupt wäre es aufschlussreich zu sehen, ob viele Anhänger der Hierarchie verbleiben, wenn Wir sagen, dass die Hierarchie sich nur um geistige Kostbarkeiten kümmert. Man kann beobachten, wie die Menschen bestrebt sind, jede Andeutung zu erkennen, die, ihrer Meinung nach, das irdische Wohlergehen berührt. Lasst uns diese Menschen nicht allzu sehr anklagen, da die Mehrheit von ihnen Not leidet. Doch begegnen einem auch sehr wohlhabende Menschen, die zur Hierarchie streben, um ihre irdischen Güter zu vermehren. Sie können nicht verstehen, dass zwar auch irdische Güter auf dem Pfad empfangen werden, jedoch dann nicht, wenn man ihretwegen strebt.

       Lenkt eure Aufmerksamkeit auf jene Menschen, die sich wegen irdischer Güter nähern; sie sind das klarste Beispiel dafür, wie sehr eine geistige Lehre entstellt werden kann. Indessen vermag bereits der geringste Kontakt mit der Hierarchie viele Lebensprobleme zu lösen. Man darf aber höhere Erkenntnis nicht für ein Linsengericht[27] verkaufen.

       Oftmals waren Wir darüber bekümmert, dass dem Streben die Suche nach irdischen Gütern zugrunde lag; gerade dann gehen sie verloren. Allein bei Erkenntnis von Opferbereitschaft kann der Schatz der Welt gefunden werden. Solche Beispiele sind notwendig, denn die Menschen gehen dem Einfachsten oft aus dem Weg.

       Der Denker bat seine Schüler, wenigstens für einige Tage nicht an irdische Güter zu denken. So könne sich klares Denken bilden.

 

       505. Urusvati weiß, dass Wir irdische Erfolge mitunter betrauern. Über sogenannte irdische Not kann man sich dagegen freuen. Irdischer Erfolg oder Misserfolg erlangen aus Sicht der überirdischen Existenz eine völlig andere Bedeutung. In der Feinstofflichen Welt vergisst man irdisches Unglück, doch klar erinnert man sich der Folgen solcher Erschütterungen.

       Ein verfeinerter Geist wünscht sich auf der Erde Kämpfe und Fortschritte. Für ihn sind jegliche Erschütterungen und Schmerzen nur Impulse für Errungenschaften. Die verfeinerte Natur sucht kein Wohlergehen, weil sie nach Vervollkommnung strebt.

       Es ist falsch zu meinen, dass auf der Erde Leiden geboten sei: Vervollkommnung ist geboten, doch disharmonische Bedingungen können verschiedene Schmerzen verursachen. Wie aus einer zu engen Höhle kämpft der Mensch sich zum fernen Licht durch. Wie viele Schrammen und Wunden fügen ihm die scharfen Felsen zu! Welche glitschigen Aufstiege stehen bevor, und es gibt nichts, woran er sich klammern kann, wenn in ihm keine Vorstellung von der Hierarchie lebt. Wo Gefahr droht, eilen Wir zu Hilfe. Nicht selten droht sie gerade bei irdischen Erfolgen.

       Der Maßstab für Erfolg und Misserfolg ist eigenartig. Die irdische Umgebung ist allzu nah und hindert, die Folgen zu bedenken. Ohne überirdische Betrachtung ist es unmöglich, über irdisches Gleichgewicht zu urteilen. Ihr wisst, wie vielfältig Unsere Hilfe zu sein pflegt. Manchmal halten die Menschen sie für ein Unglück, weil sie die Folgen noch nicht verstehen können. So ist es auch jetzt: Viele vermögen nicht zu fassen, was vor sich geht, doch um das Kostbarste zu retten, muss man gewisse Gründe preisgeben.

       Später wird man nicht mehr wissen, warum diese Worte gesprochen wurden, und sogar den Begriff des Harmagedon wieder vergessen. Doch ihr wisst, in welch einer angespannten Stunde Wir sprechen. Allein der überirdische Maßstab vermag Gleichgewicht zu verleihen.

       Als der Denker sah, dass die Mitbürger sich zum Krieg rüsteten, sprach Er: „Freunde, denkt nur an die Heimat!“

 

       506. Urusvati möge wissen, dass die Menschheit auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgreich sein wird, doch muss gerade dieses Axiom auch verstanden werden. Die Wissenschaftler haben das Recht, sich für Kulturträger zu halten, doch unterscheiden wir viele Arten von Wissenschaftlern, unter denen sich nur wenige finden, welche die Bedeutung des zukünftigen Wissens anerkennen.

       Wir wollen die Wissenschaft nicht in eine materialistische und eine idealistische, in eine überirdische und eine irdische einteilen; möge nur die hauptsächliche Grundlage des Fortschritts offenbart werden: Die psychische Energie muss auf den verschiedensten Lebensgebieten Anwendung finden. Erkenntnis wird nicht vorwärtsgerichtet sein, wenn sie nicht von der uranfänglichen Kraft beflügelt ist.

      So kann man fleißige Wissenschaftler sehen, die bedeutsames Material sammeln, ohne es jedoch zu einer herrlichen Entdeckung zusammenfügen zu können. Auf der anderen Seite kann man Wissenschaftler finden, die sogar mit geringen Mitteln Erfolg haben und nützliche Neuerungen hervorbringen. Sie sind fähig, die psychische Energie anzuwenden, ob bewusst oder unbewusst, jedenfalls lehnen sie sich nicht gegen sie auf.

       Stellt eine Liste hervorragender Wissenschaftler zusammen, die bereits mit feinstofflichen Energien arbeiten, und ihr werdet sehen, dass es in verschiedenen Ländern eine Bewegung gibt, die jedoch ohne Einigkeit ist. Die Wissenschaftler nähern sich dem Verständnis der psychischen Energie jeweils auf ihre eigene Weise. Man muss sich wundern, wie sie versuchen, ihr verschiedene Bezeichnungen zu geben; gerade so, als ob irgendeine Kraft sie zwingen würde, von der einfachsten Lösung abzuweichen.

      Stellt euch indessen vor, wie sehr die voneinander getrennt verlaufenden Versuche sich gegenseitig verstärken könnten. Das würde auch lehren, die Forschungen der Mitbrüder zu achten. Von einer solchen Achtung ist allerdings nichts zu sehen.

       Ein mutiger Beobachter wird unweigerlich die feinfühligsten Mitarbeiter um sich sammeln. Man darf ihn nicht einer ungenügenden Spezialisierung beschuldigen, denn die psychische Energie erfordert weitgefasste Beobachtungen.

      Man muss Informationen aus alten Zeiten sammeln. Solche Aufzeichnungen dürfen nicht als Erdichtungen bezeichnet werden. Das unvoreingenommene Auge wird im Gegenteil viele wissenschaftliche Hinweise finden.

      Es versteht, dass für ganze Epochen das Überirdische und das Irdische keine Gegensätze waren. Die psychische Energie wird nur dann anziehend sein, wenn sie als Verbindung aller Welten verstanden wird. Die Wissenschaft der Zukunft wird sich als Quelle der erhabensten Lösungen erweisen.

       Der Denker lehrte seine Anhänger, dass Wissenschaft schön sein muss und dann unbegrenzt sein wird.

 

       507. Urusvati weiß, dass der Begriff der Intuition Fehldeutungen ausgesetzt ist. Sogar jene, die sie anerkennen, verhalten sich ihr gegenüber nicht behutsam. Man stellt sich vor, dass irgendetwas gewisse Menschen in Begeisterung versetzt, ohne dass von deren Seite eine Teilnahme erforderlich wäre. Etwas fällt vom Himmel und macht die Menschen scharfsichtig. Niemand überlegt, welche Aufspeicherungen bei diesen Menschen vorhanden sein und welche Anspannungen sie erfahren müssen.

       Man muss für euch nicht wiederholen, welche feinsten zwischenräumlichen Verbindungen bestehen, doch müsst ihr oft Menschen mahnen, der Intuition gegenüber behutsam zu sein. Niemand stellt sich vor, wie gering die Zahl jener ist, bei denen diese Eigenschaft bereits entwickelt ist. Dabei kann sie nur teilweise auf bestimmte Bereiche hin ausgerichtet werden:

      Wenn jemand nur in Bezug auf seine Verwandten Vorahnungen hegen, physische Erscheinungen vorhersagen oder etwas Beliebiges über sich selbst erkennen kann, bedeutet dies noch nicht, dass ein solcher Mensch auch mit anderen Ereignissen zu schwingen vermag. Daher darf man von den Menschen nur das erwarten, was sie in einem bestimmten Moment zu geben vermögen.

       Es ist ein großer Fehler, Menschen zu etwas zu zwingen, was sie in einem gegebenen Moment nicht erfühlen können. Das Meer feinster Schwingungen ist unerschöpflich, es kann von einem einzigen Menschen nicht erfasst werden. Man muss wissen, dass Intuition auch ein Verstehen des Zustandes der Nahestehenden erfordert. Nur bei gegenseitiger Behutsamkeit wird die innere Stimme gereinigt.

       Man kann die innere Stimme so weit verstärken, dass sie nicht mehr verstummt, doch bei der Unordnung der irdischen Schwingungen raten Wir nicht dazu, die grobstofflichen Bedingungen in einem solchen Maße zu überwinden. Stellt euch einen Menschen in der irdischen Wirklichkeit vor, der ununterbrochen seiner inneren Stimme lauscht: Er wird einem Radiohörer gleichen, der all seine Arbeit liegengelassen hat, nur um auf von außen Kommendes zu hören; ohne Schlaf und Nahrung wird er sterben.

       So möge die innere Stimme erklingen, wenn sie von einer gleichklingenden Schwingung berührt wird. Auf diese Weise wird der Mensch den irdischen Pfad nicht verlassen, gleichwohl aber an die Höchste Welt angeschlossen sein, und das Gleichgewicht wird nicht gestört.

       Die Lehrer aller Zeiten lehrten, dass der irdische Weg unter irdischen Bedingungen verlaufen muss. Man kann nur zeitweilig von den irdischen Aufgaben abgehen, um dann um so nutzbringender der Menschheit zu Hilfe zu eilen.

       Mögen die Menschen lernen, alle ihnen anvertrauten Schätze zu hüten, unter ihnen vor allem die psychische Energie. Man darf nicht denken, weil sie uranfänglich sei, bedürfe sie keines Schutzes. Jede kosmische Substanz erfordert Harmonie, die auch die Ökonomie des Weltalls ist.

       Der Denker bestätigte: „Bewahrt Harmonie, denn man kann sie wie ein äußerst feines Gefäß zerschlagen.“

 

       508. Urusvati weiß, dass Wir Tatmenschen ausbilden, die unbeugsam, willensstark und arbeitsam sind. Es lassen sich jedoch aus der großen Menge nicht oft Menschen finden, die schon zur Aufnahme bereit sind. Man muss ganze Generationen abwarten, bis die Zahl neuer Mitarbeiter zunimmt. Sie sind durch die verschiedensten irdischen Bedingungen voneinander getrennt. Oftmals erkennen sie einander nicht, und ihre Kräfte können sich nicht vereinen. Überdies sind sie schon von klein auf Gegenstand von Verfolgung und Spott. Sie gleichen den sie Umgebenden nicht, und ihre Fähigkeiten erzeugen Neid.

       Man darf sich nicht wundern, dass ihr Leben nicht leicht ist. Sie sind wie Vögel in einem Käfig, und selbst wenn der Käfig golden ist, wird er dennoch ein Kerker sein. Doch mögen diese Kühnen nicht in Verzweiflung fallen. Wir nehmen jeden ihrer Schritte wahr und wenden viele Gefahren von ihnen ab. Möge jedoch jeder, der den Impuls des Dienstes in sich spürt, behutsam voranschreiten. Beim Großen Dienst muss jede Unbesonnenheit ausgeschlossen sein.

       Ich sage den Tatmenschen: Tragt keine Verwirrung in euch; selbst wenn ihr unsicher seid, fallt nicht in Verwirrung, sondern vergleicht die euch vorgesetzten Erwägungen streng mit der Wahrheit. Denkt daran, dass Verwirrung ein Wurm der Zersetzung ist. Wir haben viel über den Zweifel gesprochen, doch versteht es auch die Schwingungen der Verwirrung zu erkennen.

       Für Kurzsichtige liegen Furcht, Zweifel und Verwirrung in demselben Korb, doch Weitsichtige müssen die verschiedenen Schwingungen dieser Eigenschaften unterscheiden. Einige meinen, Verwirrung sei eine Form der Bescheidenheit, doch haben beide nichts miteinander gemein. Verwirrung stellt eine Trübung der Gefühle dar; doch gerade Tatmenschen müssen klare und aufmerksame Gefühle haben. Nur bei einer solchen Wachsamkeit wird der Tatmensch eine Giftschlange bemerken.

       Mögen sich in jedem beliebigen Land Tatmenschen entwickeln, die im vollen Sinn des Wortes tätig sind. So wünschen Wir, dass das Überirdische im vollen Maße mit den irdischen Arbeiten verbunden wird.

       Der Denker wurde nicht müde, darauf hinzuweisen, dass ein Tatmensch ein Diener der höheren Gesetze sein muss.

 

       509. Urusvati weiß, dass jedes Korn Wahrheit wohlwollend aufgenommen werden muss. Es ist gleichgültig, woher die Wahrheit kommt. Sie kann in einer beliebigen Sprache ausgedrückt werden. Sie kann in die Gewänder eines jeden Jahrhunderts gekleidet sein. Sie kann in den unterschiedlichen Umständen verkündet werden.

      Es gibt weder eine alte noch eine neue Wahrheit. Wer kann sich dafür verbürgen, dass eine bestimmte Wahrheit nicht bereits auf einem verschwundenen Kontinent verkündet wurde? Die einen Verkünder zeichneten sich durch eine hohe Gelehrsamkeit aus, andere waren sogar Analphabeten und dennoch Säer der Wahrheit.

       Weshalb erinnern Wir an all dies? Es treten Menschen auf, die sich der Wahrheit bemächtigen und versichern, allein über sie könne die Wahrheit offenbart werden. Es ist jedoch an der Zeit, daran zu erinnern, dass der Weg der Wahrheit breit ist. Ihr Hauptwidersacher ist die Unduldsamkeit. Glauben jene Usurpatoren etwa, dass ihr Gebäude feststeht? Je mehr Duldsamkeit und Wohlwollen herrschen, desto fester ist die Grundlage. Jeder Schritt der Wahrheit ist auf das Gemeinwohl gerichtet, und dieses wird auch der Maßstab sein.

       Man wird fragen: „Wo ist denn die Liebe, die Stütze der Welt?“ Kann aber das Gemeinwohl etwa ohne Liebe existieren? Überhaupt möge weniger Verurteilung, sondern mehr Aufmerksamkeit herrschen. Lasst uns sehen, in welchen Gewändern die Wahrheit in verschiedenen Jahrhunderten in Erscheinung trat. Einmal nackt, doch dann auch in prunkvollem Gewand. Leider wird die nackte Wahrheit nicht immer angenommen. Wir sagen dies, damit die Tatmenschen die Wahrheit in weitem Maß verstehen.

      Wohlwollen muss man erziehen, damit es seine Aufrichtigkeit bewahrt. Bei der irdischen Verwirrung ist es schwer, echtes Wohlwollen zu finden, doch ohne es kann man noch nicht einmal eine einfache Belehrung aufnehmen. Daher ist das Gesagte nichts Abstraktes, sondern eine höchst lebenswichtige Realität.

       Der Denker lehrte: „Der Erfolgreiche zeichnet sich durch Wohlwollen aus.“

 

       510. Urusvati weiß: Je komplizierter die Umstände sind, desto mehr ist Ruhe notwendig. Nehmt dies nicht als eine Moralpredigt, sondern als einen ärztlichen Rat. Man kann sich gar nicht vorstellen, in welchem Maß komplizierte Ströme den Organismus schädigen können, daher sind Autosuggestion und Ruhe so nützlich.

       Mit Gereiztheit vergiften die Menschen sich selbst und ihre ganze Umgebung; dies ist bekannt, und Imperil* wird bereits in vielen Büchern erwähnt, gleichwohl schenken die Menschen dem keine Beachtung. Überdies versichern sie im Zustand der Gereiztheit, völlig ruhig zu sein. Seien wir ehrlich uns selbst gegenüber. Vergessen wir auch nicht, dass ein Augenblick des Schweigens eine Welle der Verwirrung zu beruhigen vermag.

       Mögen die Ärzte die Menschen untersuchen, während sie sich in Verwirrung und Gereiztheit befinden. Sie werden die Wurzeln ihrer künftigen Krankheiten finden. Die Beobachter werden erstaunt sein, wie bei Trübung der Harmonie Keime aller möglicher Erkrankungen in Erscheinung treten. In Ruhe bleiben sie verborgen und können nicht erkannt werden, doch bei finsteren Einwirkungen treten sie zutage.

      Früher riet der Arzt dem Kranken vor einer Untersuchung, zur Ruhe zu kommen, doch heute wird der Arzt einen solchen Zustand nicht aufschlussreich finden. Es ist natürlich nicht leicht, einen Kranken im Zustand der Verwirrung zu untersuchen. Dazu ist volle Beobachtungsfähigkeit erforderlich, und es wird lehrreich sein zu sehen, wie allerlei finstere Kräfte benachbarte, bereits beschädigte Organe erregen.

       So vermehren sich in allem Existierenden die negativen Eigenschaften, wenn etwas sie hervorruft. An etwas Böses zu denken, wird bereits Schaden verursachen.

       Der Denker bat: „Seid eure eigenen Ärzte. Das Heilwasser des Guten wird ein ausgezeichnetes Mittel sein.“

 

       511. Urusvati kennt die vielen Eigenschaften der psychischen Energie. Ihr Wesen bleibt unverändert, doch um dieses Korn herum können überaus verschiedenartige Eigenschaften gelagert sein. So wäre die Einwirkung der Zusammensetzung des Blutes zu nennen. Zur Zeit widmet man den rassischen Unterschieden viel Aufmerksamkeit. Diese Unterschiede lassen sich jedoch nicht nur bei der Zusammensetzung des Blutes feststellen, sondern auch bei den Eigenheiten der psychischen Energie.

       Die Menschen können die Wirkung des Denkens einiger Völker stärker spüren, während sie in anderen Fällen kalt bleiben. Neben Atavismus und karmischen Ursachen kann man die Grundlage dafür auch in der Zusammensetzung des Blutes suchen, die auf die psychische Energie einwirkt. Man kann unmöglich aufzählen, wie viele Verbindungen zwischen den Menschen bestehen. Es müsste das Menschengeschlecht beschämen, dass es seine Verbindungen und Eigenschaften nicht studiert. Die Psychologie muss sich mit allen Wissenschaftsgebieten befassen, die das künftige irdische Leben zu erhellen vermögen.

       Der Gedanke findet unter den anerkannten Wissenschaften noch keinen Platz, doch die Psychologie kann zu einem einzigartigen Bollwerk der Erforschung des Gedankens, anders gesagt, der psychischen Energie werden. Jetzt ist es besonders notwendig, diese Fragen auf einen wissenschaftlichen Grund zu stellen. Dafür jedoch ist die Zusammenarbeit einer ganzen Reihe von Wissenschaftlern erforderlich, die über verschiedene Laboratorien verfügen.

       Ist es nicht beschämend, dass sich die Wissenschaften bis auf den heutigen Tag in verschiedene Lager aufteilen, die keine Verbindung miteinander haben? So ergibt es sich, dass die einen Wissenschaften als glaubwürdig erachtet werden, während andere unter Zweifel stehen. Natürlich beruht ein solcher Zweifel auf Unwissenheit und Vorurteil.

       Man kann sich nicht vorstellen, wie stark Vorurteile sind! Dies muss man von den Palästen bis zu den Hütten unablässig wiederholen, und wahrscheinlich gibt es die stärksten Vorurteile in den Palästen. So muss man immer wieder von der Bestimmung der Wissenschaft sprechen.

       Der Denker lehrte: „Versteht es, der Wissenschaft die Tür zu öffnen. Es wäre beschämend, wenn sie in Lumpen in der Kälte bleiben müsste. Hört ihr, wie das Wissen anklopft?!“

 

       512. Urusvati weiß, dass überirdische Explosionen alle irdischen übertreffen. Niemand hört sie mit dem irdischen Ohr, doch kann nur ein geöffnetes Verständnis die ganze Anspannung spüren, die von ihnen erzeugt wird.

       Viele nehmen an, dass Personen, die irdische Macht besitzen, die überirdische Schlacht in besonderem Maße spüren müssten, doch das pflegt in Wirklichkeit nicht so zu sein. Irdische Machthaber sind gewöhnlich weit von einem Anschluss an die überirdische Welt entfernt; es gibt aber andere Gesandte, welche die Bürde dieser Welt tragen. In viel höherem Maße können sie als irdische Häupter bezeichnet werden, denn sie ertragen eine hohe überirdische Anziehung.

       Die Menschen wissen nicht, auf welchen Säulen und treibenden Kräften das Gleichgewicht ruht. Doch die Zerstörer wissen, woher die psychische Energie kommt. Ihre Geschosse fliegen um die Auserwählten herum. Die Menschen schenken solchen Über-Schlachten keine Aufmerksamkeit. Noch existieren keine Apparate, die wie ein Seismograph[28] überirdische Anspannungen feststellen könnten.

       Man kann sich vorstellen, welche psychischen Wirbelstürme die Grenzen der Feste[29] überschreiten und sich mit höheren Energien vereinigen. Eine solche besondere Zeit weist auch besondere Zeichen auf. Doch die Menschen bleiben weiter in den irdischen Maßstäben und gleichen sich den Heuschrecken an. Der Lehrer rät, als irdischen Schild Ruhe zu bewahren.

       Der Denker sprach: „Sie schützen uns auf allen Wegen, und der offenbarte Schild steigt von Oben herab. Mögen wir auch einen Schild gegen irdische Pfeile besitzen.“

 

       513. Urusvati weiß, dass Wir Furcht und Argwohn nicht gutheißen und diese Eigenschaften der Unwissenheit zuschreiben. Zur gleichen Zeit bestehen Wir auf Wachsamkeit und Vorsicht, diese Eigenschaften gehören zu Erleuchtung. Für unkluge Menschen ist es nicht leicht, die Grenze zwischen den verschiedenen Gefühlen zu finden. Argwohn nennen sie Vorsicht und Wachsamkeit halten sie für Angst; auf diese Weise werden die besten Eigenschaften zu schändlichen herabgesetzt. Doch der Vernünftige versteht, wo auf Einsicht gegründete Vorsicht unerlässlich ist.

       Wenn die Welt in Wirrnis erschaudert, wird der Unvorsichtige ein Dummkopf sein. Der Vernünftige wägt alle Ursachen ab und erkennt die Entstehung von Schäden. Er tut dies nicht aus Furcht, sondern aus mutiger Entschlossenheit. Er belässt die Giftschlange nicht auf der Schwelle, denn die Entstehung von Bösem zeitigt giftige Früchte. Er sagt nicht: „Es lohnt sich nicht, seine Aufmerksamkeit auf einen kleinen Skorpion zu richten“, denn aus einem kleinen erwächst ein tödlicher Biss. Der Vernünftige versteht besonders gut, dass es solche kosmischen Anspannungen geben kann, dass die ganze Aufmerksamkeit auf die Lage des Planeten gelenkt werden muss.

       Ihr habt bemerkt, dass die gewohnte Beschäftigung mitunter von höheren Sorgen verdrängt wird; solche Sorgen sind meist nicht in Worte zu fassen, doch das Bewusstsein spürt, wie angespannt der Raum ist. Es kann zu Erkrankungen kommen, denn der Organismus nimmt Ströme von starker Anspannung auf. In solchen Stunden darf man nicht sagen: „Schenkt dem keine Beachtung“, im Gegenteil muss jede Wachsamkeit begrüßt, jegliche Furcht aber missbilligt werden.

       Wir sprechen vom Irdischen und vom Überirdischen, denn es fällt uns, die Wir ständig auf der Wacht stehen, nicht schwer sagen, dass Wir Unsere Wachsamkeit noch verstärken. Glücklicherweise ist diese Eigenschaft unerschöpflich. Auch ihr zögert nicht zu wiederholen, dass in einer Stunde höchster Anspannung auch höchste Wachsamkeit gezeigt werden muss. Nicht Furcht nötigt euch zu einer solchen Bestätigung, sondern der Wunsch, bestmöglich zu dienen. Aus einem solchen Wunsch entstehen Helden. Wir haben von den Eigenschaften eines Helden gesprochen, zum Glück kann ein Held auf jedem beliebigen Platz im Leben stehen.

       Der Denker sprach zu Seinen Schülern: „Fühlt euch als Helden und erspürt, welche Heldentat ihr heute vollbringen könnt.“

 

       514. Urusvati weiß, dass die psychische Energie genau erforscht werden wird. Zur Zeit nehmen die Menschen nur primitive Formen ihrer Gegenwart wahr, doch die nahe Zukunft wird zeigen, dass alle wissenschaftlichen Errungenschaften mit der psychischen Energie verbunden sind. Dabei wird man zwei Aspekte unterscheiden: einen willkürlichen und einen unwillkürlichen; der letztere wird die besondere kosmische Bedeutung der uranfänglichen Energie offenbaren.

       Die Menschen verstehen bereits die Bedeutung des Gedankens und versuchen, ihn anzuwenden. Auch Willenssendungen werden schon zu einem Axiom. Weitaus geheimnisvoller aber bleibt die Frage der unwillkürlichen Offenbarung der Energie. Bis heute erkennen die Menschen in keiner Weise an, dass das Ausströmen der Energie räumliche Bedeutung haben kann. Man kann jedoch beobachten, dass manche Tatmenschen Kraft ausstrahlen, ohne es selbst zu wissen, und eine solche Macht wird sich über weite Entfernungen hinweg ergießen.

       Warum wissen diese Tatmenschen nicht, wenn sie zu einer vielleicht großen Sache beitragen? Sie arbeiten mit dem Willen des Kosmos zusammen. Sie können eine solche Zusammenarbeit nicht vermeiden, so wie eine gleichgestimmte Saite auf eine große Macht erklingt. Solche Tatmenschen verstärken die planetaren Ströme, und es muss natürlich erforscht werden, ob sie dies als Retter oder Zerstörer der Menschheit tun.

       Ohne Mühe lassen sich die verblüffendsten Erscheinungen beobachten, die im Umkreis mancher Tatmenschen auftreten; die Menschen verstehen es aber noch nicht, an solche Erscheinungen heranzugehen, sie haben noch nicht einmal Bezeichnungen für die verschiedenen Wahrnehmungen. Mögen sie ihre Aufmerksamkeit auf die Berührung des Irdischen mit dem Überirdischen lenken. Mögen sie aufmerksam beobachten, wie es sich für freie Wissenschaftler gehört.

       Der Denker lehrte: „Wir wollen nicht vergessen, dass jeder von uns höhere Erscheinungen zu sehen vermag, doch möge er sie vor allem in seinem Geist zulassen.“

 

       515. Urusvati weiß, dass Evolution freiwillig sein muss. In den Kreis der Evolution darf keinerlei Zwang eintreten. Die Menschen wollen nicht wissen, dass sich dieser Grundsatz auf alle Arten von Evolution bezieht. Jede, selbst die kleinste Evolution ist mit der großen kosmischen Evolution verbunden.

       Mögen die Urheber von Kriegen darüber nachdenken, in welchen Abgrund sie den Planeten stürzen. Selbst wenn ein Krieg nur einige Länder erfasst, bringt er dem ganzen Planeten Zersetzung. Niemand denkt darüber nach, dass Krieg eine Krankheit des Planeten darstellt. Man kann verfolgen, welche Vervollkommnungen des Lebens durch frühere Kriege unterbunden wurden. Doch wo sich eine gesunde und erfolgreiche Entwicklung vollziehen kann, sind Krämpfe nicht erforderlich.

       Die Empfindung von Schmerz erfüllt den Raum. Explosionen erschüttern die Laboratorien, in denen für die Gesundung der Völker gearbeitet wird. Mögen die Menschen darüber nachdenken: Zerstören sie nicht etwas Unwiederbringliches, vielleicht in Jahrhunderten von den Großen Weisen Aufgebautes? Es ist leicht, zu zerstören, doch man pflegt nicht in kosmischem Ausmaß zu denken. Es ist an der Zeit, darzustellen, welcher Schaden in der Feinstofflichen Welt entsteht. Zeigt vertieftes Verstehen der Verbindung der beiden Welten.

       Wir haben gesagt, dass Evolution freiwillig sein muss, versteht dies in jeglicher Hinsicht. Evolution muss nicht nur frei von Zwang, sondern auch ganz von gutem Willen erfüllt sein. Manche meinen, Evolution werde nur von höheren Kräften geschaffen und menschliche Teilnahme sei zwecklos. Dieser Irrtum zeitigt eine Fülle verderblicher Folgen. Die Menschen müssen Mitarbeiter der Evolution sein.

       Die Menschen müssen den guten Willen anspannen, um auch ihre angesammelten Kräfte dem Strom der höheren Energien hinzuzufügen. Der Mensch kann gegenüber der Vervollkommnung des Lebens nicht teilnahmslos sein. Als Hüter der Vervollkommnung muss er auf der Wacht stehen.

       Man muss verstehen, dass Verdammungen und Verurteilungen eine schlechte Waffe sind. Man kann sehen, wie sich das Karma der Völker gestaltet. Jene, die viele Verdammungen ausgesprochen haben, sammeln eine schwere, dunkle Wolke über sich.

      Evolution ist die Verwirklichung des Guten. Möge jeder Mensch darüber nachdenken, was er für das Allerbeste hält. Mag er anfangs auch noch fehlgehen und Exzesse der Selbstsucht für das Gute halten, doch wenn er seine Betrachtung vertieft, wird er schließlich in sich die Funken des Gemeinwohls finden.

       Wir wollen keine komplizierten Bezeichnungen und Betrachtungen fordern, die Evolution ist harmonisch und einfach in der Schönheit ihrer Zweckmäßigkeit. So lasst uns für das Gemeinwohl arbeiten, in dem Wissen, dass jeder aufrichtige Wunsch des Guten bereits ein wirklicher Beitrag ist, und lasst uns dabei Wohlwollen lernen.

       Der Denker sprach: „Wenn wir sämtliche bitteren Kräuter sammeln, wird auch unsere Suppe sehr bitter schmecken.“

 

       516. Urusvati weiß, dass jegliche Achtlosigkeit höheren Erscheinungen gegenüber unzulässig ist. Man sollte meinen, dass dieser Hinweis völlig klar ist, doch ruft er Fehldeutungen hervor. Die Menschen streiten darüber, was eine höhere Erscheinung ist. Sie möchten beweisen, dass solche Erscheinungen derart selten sind, dass man ihnen im irdischen Leben unmöglich begegnen kann. Auf diese Weise befreien sich die Schlauköpfe von der Suche nach höheren Erscheinungen inmitten des menschlichen Daseins.

       Doch die Weisen wissen, dass höhere Erscheinungen gerade inmitten der irdischen Existenz auftreten können. Sie verstehen, dass sich jeder Mensch in einem Augenblick von Begeisterung schon in einem überirdischen Zustand befindet. Er vermag nämlich solche Empfindungen zu verspüren, die an etwas Höherem teilhaben. Ein jeder solcher Zustand stellt eine überirdische Wahrnehmung dar. Er macht den Menschen hellsichtig und hellhörig, nur muss er diese natürlichen Eigenschaften auch erkennen.

       Einige Denker nehmen an, dass ein ständiges Teilhaftigwerden von höheren Erscheinungen höher stehe als eine einzelne besondere Erschütterung. Es wäre zu wünschen, dass die Menschen lernen, ihren Organismus für einen beständigen Verkehr zu verfeinern. Doch auch eine einzige starke Erscheinung würde ihnen zeigen, wie unbegrenzt die Höhere Macht sein kann.

       Das Gefühl gespannter Aufmerksamkeit verfeinert den Organismus, doch muss man auch die Anspannung erfahren, die vor den feurigen Toren entsteht; erst dann wird der Mensch mutig. Weisheit ist mutig, denn sie ist auf Erfahrung gegründet. Niemand vermag für sich selbst zu bürgen, solange er nicht vor die Feurigen Kräfte gestellt wird. So muss man für die Möglichkeit höherer Erscheinungen offen sein und solche Offenbarungen lieben lernen. Jede Achtlosigkeit wird bereits ein Zurückweichen in die Finsternis sein.

       Der Denker schlug vor, seinen Mut bei jeder gewöhnlichen Erscheinung zu erproben. Er sprach: „Wer es versteht, tapfer die häuslichen Sorgen zu lösen, wird auch vor dem vernichtendsten Angriff nicht erschrecken.“

 

       517. Urusvati weiß, dass Ruhe ein relativer Begriff ist. Wir weisen auf die Unerlässlichkeit hin, Ruhe zu bewahren, wissen jedoch, dass dies selbst bei gutem Willen nur bis zu einem bestimmten Grad erreicht werden kann. Doch wenn ein Mensch sich die Notwendigkeit der Ruhe immer wieder vor Augen hält, erlangt er sie jedenfalls in einem gewissen Maß.

       Wir wollen den Menschen nicht vorwerfen, dass sie die gesundheitliche Bedeutung der Ruhe nicht begreifen. Unter Ruhe verstehen sie mitunter völlige Untätigkeit und Gedankenlosigkeit, doch muss Ruhe als Harmonie des Denkens erkannt werden. Einsiedler könnten gefragt werden, wie sie Gleichgewicht erreichen. Sie werden erklären, dass der Gedanke an die Zweckmäßigkeit des Weltalls der beste Weg zur Ruhe ist.

       Die Menschen können feststellen, in welch weitem Maße sich zurückliegende Sorgen nach einigen Jahren als nichtig erweisen – so erkennen wir einen Prüfstein. Dabei erweist sich, dass viele prachtvolle Ereignisse ihre ganze Bedeutung verloren haben, kleine Wendungen jedoch Bedeutung erlangen können. Sie werden im Gedächtnis der Menschheit bewahrt, denn das Bewusstsein hat seine eigenen, tiefgründigen Maßstäbe.

       Ein Arzt bestätigte, dass er in einigen Fällen düsterer Verzweiflung eine entgegengesetzte Taktik angewendet hat. Wenn der Kranke beteuerte, dass alle gegen ihn seien, fügte der Arzt hinzu: „Vergessen Sie nicht die Möglichkeit von Erdbeben; bei einer solchen Katastrophe werden sämtliche menschlichen Winkelzüge nichtig.“

      So muss man auch über die Ruhe Betrachtungen anstellen. Es kann sowohl ewige Ruhe als auch ewige Unruhe geben. Unmöglich ist es jedoch, bei ständiger Unruhe voranzuschreiten, und Begeisterung kann nicht zu dem herabsteigen, der von ihr ergriffen ist.

       Der Denker sprach: „Ein unruhiger Mensch gleicht einem Sack voller Nussschalen.“

 

       518. Urusvati kennt die innere Bedeutung irdischer Erfolge und Misserfolge. Über kurze Fristen hinweg kann man aufschlussreiche karmische Erscheinungen beobachten. Man kann sehen, wie mitunter eine einzige kleine Handlung den Kelch zum Überlaufen brachte. Man kann sehen, wie ein Misserfolg sich als das beste Tor zum Sieg erwies. Man kann sehen, wie verlogene Pracht sich in Armut verwandelte.

       Man kann alle möglichen lebendigen Erscheinungen beobachten, und nur das Studium der Vergangenheit kann eine gewisse Aufklärung über die Ursachen geben. Doch wer die meisten Ursachen kennt, vermag auch über höhere Gerechtigkeit zu urteilen. Oftmals bezeichnen die Menschen als Unglück, was nur eine unausweichliche, schon vor langer Zeit erzeugte Wirkung ist.

       Eine Erscheinung auf der Erde stellt eine Offenbarung nicht nur irdischer, sondern auch überirdischer Ursachen dar. Vergessen wir nicht, dass die von den Menschen durch ihre Taten geschaffenen Verflechtungen in der Feinstofflichen Welt fortdauern. Natürlich könnte vieles in der Feinstofflichen Welt abgeschlossen werden, doch erfolgt eine solche Lösung nicht oft.

      Die Bewohner der Feinstofflichen Welt sind imstande, den gesamten Aufenthalt damit zu vergeuden, dass sie sich mit den auf Erden geschaffenen Wirkungen beschäftigen. Ihnen fehlt die Entschlusskraft, den vergangenen Irrtümern ein Ende zu setzen und eilig ihr Bewusstsein zu erneuern. Indessen gewährt die Feinstoffliche Welt viele Möglichkeiten zu einer solchen Erneuerung. Man kann die erhabensten Unterweisungen erhalten, doch werden diese überirdischer Natur sein. Mögen die Menschen lernen, die überirdischen Belehrungen im irdischen Leben anzuwenden.

       Der Denker verfügte: „Mögen die Menschen das Leben aus der Überirdischen Quelle bereichern.“

 

       519. Urusvati weiß, dass das Irdische und das Überirdische als eine untrennbare Wirklichkeit verstanden werden müssen. Die Menschen behindern ein solches Verständnis sehr. Die einen setzen das Irdische herab, andere schmähen das Überirdische.

       Wir senden einen Gedanken über die Harmonie dieser Prinzipien, doch ist es schwer zu erklären, dass Weitsicht und Kurzsicht Eigenschaften darstellen und man nicht einer von beiden den Vorzug geben kann. Der Weitsichtige verliert nahegelegene Gegenstände aus dem Blick, während der Kurzsichtige nicht die Schönheit der Ferne zu erkennen vermag. Man muss aber anerkennen, dass beide Eigenschaften ihren Vorzug besitzen. Ebenso wenig wollen wir das Irdische zum Ruhme des Überirdischen herabsetzen. Die Ganzheit des Weltalls stellt Schönheit dar, und der Mensch muss die ganze Schöpfung lieben lernen, nur dann vermag er seine Bestimmung zu erfüllen.

       Oftmals brüsten Yogis sich mit ihren Errungenschaften, vergessen aber, dass ein in Harmonie tätiger Arbeiter nicht geringer ist als sie.

      Es muss auch noch von dem Streben nach einem langen Leben gesprochen werden. Wenn es nicht durch eine besondere Aufgabe hervorgerufen wird, kann es sogar im Widerspruch zum Gesetz der Natur stehen. Alle natürlichen Erscheinungen müssen in Harmonie verlaufen, und der Mensch muss den Bedingungen der Welt aufmerksam Gehör schenken; so wird er verstehen, was ein natürlicher Yoga ist, nämlich eine wahre Verbindung mit dem Höchsten.

       Wir haben hinreichend über die drei Welten gesprochen, die klar erkannt werden müssen. Es ist keine Evolution zu erwarten, wenn die Grundlagen des Daseins nicht anerkannt werden. Es kann dann Krämpfe, es kann Zerstörungen geben, bei denen Elemente der Evolution vernichtet werden; so lasst uns auf das Stöhnen des Raumes hören.

       Der Denker sprach: „Lauscht aufmerksam, ob euer Ohr nicht das Stöhnen des Raumes auffasst!“

 

       520. Urusvati weiß, wie ungestüm die irdischen Ereignisse sich bisweilen bilden, sogar außerhalb menschlicher Erwägungen. Man sollte darüber nachdenken: Kann es ein, dass solche Prozesse sich allein auf der Erde vollziehen? Sie bezeugen, dass etwas Überirdisches in Erscheinung tritt.

       Wahrlich, man kann sich von dem Vorhandensein einer überirdischen Tätigkeit überzeugen, wenn man das Geschehen auf der Erde beobachtet. Doch die Menschen neigen dazu, die Ereignisse für zufällige Verkettungen von Elementen zu halten. Sie möchten die Gegenwart einer Überirdischen Vernunft nicht zulassen, obwohl bereits die Weisheit des Altertums die Erhabene Vernunft – den Nous[30] – kannte.

      Ein solches Denken erlaubte, die irdischen Ereignisse in ein Gleichgewicht zu bringen; heute jedoch ist die Philosophie, ungeachtet der Erfolge der Wissenschaft, in bedeutendem Maß zurückgeblieben; auf diese Weise hat sie viel Elend erzeugt und die Menschen können keine vernünftige Lösung finden.

       Man kann daran erinnern, dass ein gewisser Regent sich vor einer Entscheidung in die Einsamkeit zurückzog, um wenigstens für einen Tag ohne den Druck der alltäglichen Plagen zu sein. Man kann das Denken auf eine spruchreife Frage konzentrieren, doch besser noch entlässt man es in die Überirdische Welt; es wird durch die Macht der Überirdischer Kraft gestärkt zurückkehren.

       Möge der Mensch lernen, sich an die Überirdische Welt zu wenden. Die irdischen Ereignisse beweisen jedoch, dass die Menschen den Verkehr mit der Quelle der Macht nicht wünschen. Das große Maß an Unglück stürzt die Massen in Verzweiflung, doch selbst im Elend sind die Menschen nicht gewillt, Hilfe anzunehmen.

       Der Denker wies oft darauf hin: „Gebt euch nicht der Verzweiflung hin, so lehnt ihr nur die Höhere Hilfe ab.“

 

       521. Urusvati weiß, wie verfeinert überirdische Energien sind. Selbst mächtige Ströme können durch irdische Einwirkungen unterbrochen werden. Es fällt den Menschen schwer, solche Vorgänge wahrzunehmen, doch ihr selbst habt erfahren, wie irdische Bewegungen heilende Ströme unterbinden können.

       Von Uns gesandte Gedanken können leicht durch verschiedenen menschlichen Lärm unterbrochen werden. Von fern kommende Sendungen werden leicht durch irdische Überlegungen verdrängt. Das alles bedeutet, dass im Erdkreis alle Anziehungen nach dem irdischen Gesetz wirken. Man muss verstehen, dass für die Aufnahme Unserer Wellen der Organismus verfeinert werden muss, vor allem durch gedankliche Verfeinerung.

      Vor langem wurde von der Erweiterung des Bewusstseins gesprochen, doch auch dieser Begriff wird falsch ausgelegt. Nicht selten wird angenommen, eine Erweiterung des Bewusstseins bestehe darin, alles zuzulassen, doch dann würde sich das Bewusstsein in einen Gasthof verwandeln! Echte Erweiterung des Bewusstseins vermehrt die Aufnahmefähigkeit und die Erkenntnis. Nur das Denken kann diese Läuterung unterstützen, und für den Verkehr mit Uns muss man fähig sein, zu denken.

       Wer nicht fähig ist, zu denken, gerät in einen Wald von Widersprüchen, statt einen allgemeinen Sinn zu finden. Nur durch große Unermüdlichkeit kann man die Grenzen irdischer Anziehungen durchbrechen. Allein der freie Wille kann zu einem weiten Verständnis der überirdischen Besonderheiten hinführen.

       Vor kurzem haben Wir von der Untrennbarkeit des Irdischen und des Überirdischen gesprochen; erscheint es jetzt als Widerspruch, wenn Wir von überirdischen Besonderheiten sprechen? Es ist jedoch kein Widerspruch, wenn es sich auf dem Gipfel anders atmen lässt als am Fuß des Berges. Einige fürchten die Luft der Höhen, so wie einige Gedanken an das Überirdische fürchten. Diese Furcht kann so groß sein, dass sie das Gehirn paralysiert.

       Ihr kennt Menschen, die nicht an das Überirdische denken können. Die Psychiater sollten solche einseitigen Individuen studieren; bei ihnen arbeiten gewisse Gehirnzentren nicht. Für die Entwicklung der Vorstellungskraft ist lange Erfahrung unter dem Wechsel verschiedener Zustände notwendig. Eine rechte Entwicklung der Vorstellungskraft bewahrt vor Angst.

       Die Weltweisen werden euch das Gegenteil sagen; ihrer Meinung nach ist Phantasie Illusion und sollte gemäß dem Gesetz des Verstandes ausgetrieben werden. Doch richtiger ist es, nicht nach dem Gesetz des Verstandes zu leben, sondern nach dem Gesetz der Vernunft. Der Nous des Altertums erlaubt es, die Überirdische Welt anzuerkennen.

       Der Denker ehrte die Vernunft als einen Weg zum Überirdischen.

 

       522. Urusvati kennt die Freude über die Universelle Gerechtigkeit. Die Bezeichnungen für dieses Gesetz bei den Völkern sind vielfältig. Jedes Volk nannte es auf seine Weise: Karma, Moira, Fatum, Kismet, so verstanden die Menschen das Schicksal. Die einen spürten es freudig, andere schwermütig, doch niemand verneinte die Existenz eines Gesetzes, das im gesamten Kosmos in Erscheinung tritt. Die Vernunft dieses Antreibers weist darauf hin, wie wohlgestaltet das Weltengebäude ist.

       Einzelne Religionen versuchten, den tiefen Sinn der Kosmischen Gerechtigkeit zu beseitigen, fielen dadurch jedoch selbst in bitterste Verirrung. Man kann beobachten wie jene, die sich gegen die Wahrheit erhoben, ihre Bedeutung verloren; gleichzeitig aber sieht man, dass diejenigen erfolgreich waren, welche die Offenbarung des kosmischen Gesetzes verehrten.

       Betrachten wir die Geschichte der Völker und einzelner Tatmenschen und überzeugen wir uns davon, dass die Universelle Gerechtigkeit schön ist. Wir wollen nicht auf Hinweise auf Rache eingehen, denn einen solchen Zwang kennt dieses Gesetzes nicht. Im Gegenteil, Zweckmäßigkeit entspringt aus Karma und glänzt auf der Waage des Gleichgewichts. Erneut nehmen wir die Binde von den Augen der Themis[31] ab. Gerechtigkeit muss klarsehend und weitblickend sein.

       Wir wollen die kosmischen Ereignisse nicht fürchten, sondern würdig als Wirkung eines erhabenen Gesetzes annehmen. Bei aufmerksamer Einstellung können wir uns davon überzeugen, dass Wirkungen ihre Ursachen haben.

       Der Denker überzeugte die Mitbürger, aufmerksam zu beobachten, um imstande zu sein, die Ursachen des gegenwärtigen Geschehens zu finden.

 

       523. Urusvati weiß, wie hoch Wir geistigen Fortschritt schätzen. Er muss sowohl die Absage an Selbstsucht als auch die Kenntnis der irdischen Bedingungen einschließen. Ein Mensch, der allem Irdischen entsagt, kann kein rechter Richter sein, und wer sich in irdische Begierden versenkt, kann sich nicht zu einer Schau des Gerechten erheben.

       Selten jedoch ist eine Vereinigung dieser beiden Bedingungen zu finden. Die Menschen nehmen an, dass sie einander widersprechen. Sie bemerken nicht, in welch weitem Maß geistiger Fortschritt gerade im Leben erreicht werden kann.

       Die Klöster wurden zur Unterstützung schwacher Geister gegründet, doch die Starken verstanden es, auch aus dem Kloster heraus ihre Lehre weit zu verbreiten. Sie konnten niemals lange in der Wüste verbleiben; wenn sie ihr geistiges Gefäß angefüllt hatten, verspürten sie das Bedürfnis, zu den Menschen zurückzukehren. So überbrachten sie nicht nur geistige Hilfe, sondern erwarben auch selbst Kenntnis des Lebens. Diese letztere Bedingung wird gemeinhin nicht verstanden, da die Menschen nichts vom Gleichgewicht wissen.

       Als Beispiel lässt sich Unsere Bruderschaft anführen. Ohne das Verstehen der irdischen Bedingungen könnte sie nicht existieren. Wer die irdischen Bedingungen ablehnt, beraubt sich selbst der Barmherzigkeit und des Mitleids. Ohne diese Eigenschaften ist geistiger Fortschritt aber nicht möglich. Die Lehre von einer erneuerten Welt kann nicht inmitten von Hartherzigkeit leben. Die Geisteswissenschaften können sich dort nicht entwickeln, wo das Herz schweigt.

       Der Denker empfahl seinen Schülern, den menschlichen Blick verstehen zu lernen.

 

       524. Urusvati weiß, dass eine ungeordnete Menschenmenge besonders gefährliche Ausstrahlungen erzeugt. Eine von einem einzigen Streben ergriffene Menge verursacht geringeren Schaden als die Offenbarung von Unordnung. Sobald die Wissenschaftler in der Lage sind, die menschliche Aura auf wissenschaftliche Weise zu erforschen, werden sie sich davon überzeugen, welche todbringenden Chemismen bei ungeordneten Strömen erzeugt werden.

       Man sollte nicht denken, eine allgemeine Übereinstimmung einer Menschenmenge sei leicht möglich. Jede Menge besteht aus unterschiedlichen Antrieben. Neue giftige Chemismen werden gerade infolge vereinzelter Bestrebungen erzeugt. Auf diesen Umstand sollten die Wissenschaftler ihre Aufmerksamkeit richten.

       Niemals zuvor kamen solche Menschenmassen zusammen wie heutzutage. Die Geschichte kennt solche gigantischen Städte nicht, wie es sie jetzt gibt. Rom erreichte in der Periode des Niedergangs zehn Millionen Einwohner, doch trug diese Zusammenrottung nur zu seinem Zerfall bei, so wie es auch heute ist. Es gibt zahlenmäßige Höchstgrenzen, nach deren Überschreitung der Leviathan[32] zu verfaulen beginnt.

       Es wurden viele Hinweise gegeben, damit die Menschen sich außerhalb der Städte ansiedeln, doch alle Ratschläge wurden missachtet und die Menschen vergiften sich in ihren Babylons selbst. Man kann bereits sehen, wie die Ereignisse den vor langem aufgezeigten Verlauf nehmen. Es ist unmöglich, einen logischen Prozess anzuhalten, er ist in Gang gekommen und muss wachsen.

      Die Frage ist nur, wer das Segensreiche dieser Umwandlung zu sehen vermag und wer darin den Untergang eines neuen Atlantis* erblickt. Freude über eine Verwandlung kann die besten Formen des Gemeinschaftslebens schaffen, doch gibt es viele, die zu einer solcher Freude bereit sind?

       Der Denker wies darauf hin, dass die Menschen die höchsten Freuden nicht kennen.

 

       525. Urusvati weiß, dass der Mensch die Gesundheit in dreierlei Hinsicht wahren muss: Erstens, seine eigene Gesundheit, dann die Gesundheit des Planeten, und schließlich die Gesundheit des Überirdischen. Das letztere ist keine Übertreibung, denn die Erdbewohner müssen sich darüber Rechenschaft ablegen, dass sie sich nicht in die Harmonie der Überirdischen Welt einmischen dürfen. Auch die Gesundheit des Planeten hängt von der weisen Nutzung seiner Kräfte ab. Die kleinen menschlichen Organismen stellen mächtige Batterien dar und beherrschen wirklich die nächstgelegenen irdischen Schichten. Und seine eigene Gesundheit muss der Mensch nicht nur um seiner selbst, sondern auch um seiner Nächsten willen hüten. Allein das erfolgreiche Verstehen der drei Aspekte der Gesundheit kann wahren Fortschritt hervorbringen.

       Wenn Ich von Gesundheit spreche, habe Ich natürlich nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Gesundheit im Blick. Anhand der Geschichte der Menschheit kann man sich davon überzeugen, dass die Evolution sich glänzend vollzog, wenn beide Bedingungen in Harmonie waren. Man kann sehen, dass sich in Hellas die Gesundheit der Athleten mit der Weisheit der Philosophen vereinte, und der Staat entwickelte sich erfolgreich.

       Doch lassen sich Länder nennen, in denen Sport zu einem Kult geworden ist und die Bedeutung des Geistes unterdrückt hat. Man kann sich davon überzeugen, wozu ein solches Ungleichgewicht führt, doch auch die Gesundheit des Geistes ist weder Scheinheiligkeit noch Heuchelei. Wir müssen darauf hinweisen, wie sehr erhabenes Wissen und aufrichtiger Dienst am Gemeinwohl die Pfeiler der Gesundheit des Geistes bilden.

       Man darf nicht empfehlen, das Leben zu verlassen, denn die natürlichste Form der Gesundheit des Geistes wird in der Esse des Lebens geschmiedet. Auch die körperliche Gesundheit muss vernünftig verstanden werden: Man muss den Schatz des Lebens hüten, doch er darf einen nicht von Selbstaufopferung abbringen. Es ist unmöglich, Gleichgewicht unter den alltäglichen Gegensätzlichkeiten zu finden, doch der gesunde Geist wird seine weise Lösung ausdrücken.

       Der Mensch vermag einen gefährlichen Strom zu durchqueren, um einen Nächsten zu retten, ohne sich dabei ein tödliches Fieber zuzuziehen, wenn er von den Flügeln des Geistes getragen wird. Der Mensch kann zu einem Wächter des Planeten werden, wenn Geist und Körper sich im Gleichgewicht befinden. Der Mensch kann nur dann reine Gedanken in die Überirdischen Welten senden, wenn er von einem gesunden Geist geleitet wird.

       Der Denker fragte: „Meint ihr nicht, dass wir allen Musen mit unserem Denken helfen können?“

 

       526. Urusvati weiß, wie oft bei Gedankensendungen nur vereinzelte Wörter ankommen. Dafür gibt es einige Gründe, vor allem, dass nicht alle Wörter mit der gleichen Kraft gesendet wurden. Überdies können kreuzende Ströme auftreten, welche die Mitteilung unterbrechen und sogar fremde Mitteilungen herantragen können. Solche Ströme können die Ursache für Schlaflosigkeit sein.

       Wenn die Menschen begreifen könnten, welche Stürme in ihrer Umgebung toben, wären sie bei allen ihren Taten von Vorsicht erfüllt. Sie gestehen jedoch noch nicht einmal zu, dass von ihnen gehörte Worte auch räumliche Bedeutung haben können. Solch Erschütterungen lassen sich besonders zu Zeiten irdischer Kriege bemerken. Dies allein sollte daran erinnern, in welchem Maß irdische und überirdische Zusammenstöße miteinander verbunden sind.

      Man muss sich dem inneren Gehör gegenüber sehr behutsam verhalten. Es können Anspannungen auftreten, welche die Ärzte irdischen Ursachen zuschreiben würden, doch sie vergessen, dass die überirdischen Ursachen hundertfach überwiegen. Die Menschen nehmen an, der blaue Himmel sei leer, die Wissenschaft weiß aber bereits von der Anfüllung des Raumes. Ist dieses Axiom denn so schwer zu verstehen?

       Ihr habt Rufe des Entsetzens gehört, mitunter aber auch Ausrufe von Freude. Schreckensschreie werden häufiger herangetragen, denn die Menschen lassen die stärkste Energie in diese Ausdrücke fließen, eine schwächere jedoch in solche der Freude. Jetzt, da ein unerhörtes Maß an Gräueln die Erde verfinstert, kann man Ausstrahlungen der Kräfte der Verzweiflung beobachten.

      Die Wissenschaftler können zu folgender Schlussfolgerung gelangen: Wenn ein Schrei des Entsetzens so weit in den Raum eindringt, bedeutet dies, dass er von einer mächtigen Energie gesandt wurde und höchst wahrnehmbare Strahlen ausstrahlt. Es ist richtig zu denken, dass jedes menschliche Wort seine Aura besitzt und den Raum auf weite Entfernung hin durchbohrt.

       Desgleichen kann man an Tagen der Unordnung unvernünftige Menschen sehen, die ihr Leben fortsetzen, als sei nichts geschehen. Man darf sich über eine solche Unvernunft nicht wundern, denn sie ist, als ob ein Mensch bei einer Feuersbrunst zu tanzen beginnt. Es ist aber auch nicht vernünftig, in Verzweiflung zu fallen, und Wir raten zur Ruhe; diese Ruhe ist jedoch voller Bewusstheit des Geschehens. Der Weise versteht, welche Taten zur Zeit weltweiter Erschütterung angebracht sind.

       Ihr könnt bemerken, dass Wir an Tagen besonderer Anspannung das Wort „Harmagedon“ nicht aussprechen – die Papageien haben sich seiner bemächtigt. In allen Tonlagen plappern sie bedeutsame Worte und tanzen gleichzeitig auf einem Vulkan.

       Wir rufen: „Feuer, Feuer!“, doch nur wenige verstehen, um welches Feuer es geht und welche Anspannung in der Welt herrscht.

       Der Denker lehrte: „Auch wenn jeder Augenblick die Zerstörung eines Himmelskörpers mit sich bringt, kann es solche Anspannungen geben, dass nur ein harmonischer Chor eine Katastrophe zu verhindern vermag.“

 

       527. Urusvati weiß, dass Nirwana* eine äußerst hohe harmonische Anspannung von Energie darstellt. Paranirwana stellt eine noch höhere Anspannung dar. Die Menschen nehmen an, das Nirwana sei ihnen unerreichbar, und für Samadhi* sei eine langandauernde, körperliche und geistige Übung erforderlich. Vergessen wir jedoch nicht, dass der menschliche Organismus ein vollkommener Mikrokosmos ist, in dem alle möglichen Erscheinungen bis in die Unbegrenztheit enthalten sind.

       Jeder Mensch kann Empfindungen von Nirwana und Samadhi andeutungsweise wahrnehmen. Solche Andeutungen gehen jedoch so schnell vorüber, dass das irdische Bewusstsein sie nicht festzuhalten vermag. Dem Menschen mag es scheinen, als ob er grundlos das Bewusstsein verliere, von einem unerklärlichen Feuer entflammt werde oder ihm das Körpergewicht schwinde.

      Es gibt viele Erscheinungen, die nur von einem erweiterten Bewusstsein bemerkt werden, und allein besonders Auserwählte können erkennen, was vor sich geht. Unter den vielen wissenschaftlichen Errungenschaften wurde bisher die Bestätigung nicht ausgesprochen, dass jeder Mensch höherer Empfindungen teilhaftig werden kann, dafür jedoch den Geist rein erhalten muss.

       Wer aber vermag geistige Reinigung zu erreichen? Man wird sagen: „Dazu muss man ein Denker wie Anaxagoras[33], Platon[34] oder Pythagoras[35] sein.“ Doch außer durch Denker ist die Welt auch von Führern wie Perikles oder Akbar* bewegt worden. Sie hinterließen die Erinnerung an blühende Epochen. Neben Seelengröße und Barmherzigkeit verwirklichten sie auch Standhaftigkeit, indem sie den Weg zur Rettung des Volkes wählten. Jeder kennt den Schuhmacher [Jakob] Boehme* und den Chemiker [Thomas] Vaughan[36]. Es wurden in allen Jahrhunderten viele Beispiele offenbart, damit die Menschen verstehen, dass geistige Reinigung unter jeglichen Umständen erreichbar ist.

       Auch heute gibt es auf der Erde Mitarbeiter der Evolution. Es mag sein, dass die Menschen sie nicht unterscheiden, denn die Menge hat mit den Händen schwer erarbeitete Errungenschaften noch nie erkannt. Auf der Erde sind sowohl die Hände als auch die Füße Mitarbeiter des Geistes. Die Träger der Evolution unterscheiden sich nicht durch königliche Kleidung; also kennt man sie nicht, und nur die Ergebnisse der Geschichte reinigen ihren Weg. Mögen die Menschen sich darüber freuen, dass auf der Erde immer Auserwählte wandeln, um so hoffnungsfreudiger wird der Glaube an den Aufbau der Neuen Welt sein.

       Selbst als der Denker der Sklaverei überantwortet wurde, sagte Er: „Welch herrlicher Beweis für die Mannigfaltigkeit der menschlichen Wege!“

 

       528. Urusvati weiß, dass man aus einer Vielzahl von Blumen sowohl eine schöne als auch eine hässliche Girlande flechten kann, was ganz von der Zusammenstellung abhängt. So lehren Wir auch, mit jedem seinem Bewusstsein gemäß zu sprechen. Wir wollen nicht den Gesprächspartner herabsetzen, sondern sehen nur viele irdische Besonderheiten voraus. Sogar die Sprachen sind unterschiedlich, umso mehr unterscheidet sich die Erkenntnis.

       In jedem Depot kann man einen äußerst wertvollen Gegenstand finden. Für einen solchen Fund muss man viele Dinge untersuchen. Vielleicht muss man sich staubig und schmutzig machen und Beleidigungen und Lästerungen anhören, doch nach all diesem kann man kostbares Wissen finden.

       Um dem Bewusstsein entsprechend zu sprechen, muss man vor allem dem Gesprächspartner zuhören, seine Ausstrahlungen wahrnehmen und seine Absicht verstehen. Vergessen wir nicht, dass die Menschen sich in zahllose Besonderheiten aufteilen und die rettende Synthese schon nicht mehr in Betracht ziehen. Die Menschen träumen mitunter von einer physischen Weltsprache, vergessen jedoch, dass man vorher über gegenseitiges geistiges Verstehen nachdenken muss.

       Unter den Menschen hat sich eine besondere Art von Predigern herausgebildet, welche die Denkweise ihrer Zuhörer nicht berücksichtigen. Aus einer solchen Überheblichkeit erwächst nicht wiedergutzumachender Schaden. Diese ärmlichen Prediger verstehen die Bedürfnisse der Zuhörer nicht und befehlen zu glauben; wobei sie vergessen, dass Glaube eine Folge von Wissen ist. Doch ihnen selbst fehlt nicht nur ein solches Wissen, sondern sie haben auch keinen Magnetismus. Ich spreche nicht nur von Predigern, sondern auch von Schullehrern.

      Eine einfache Weisung über ein Gespräch gemäß dem Bewusstsein des Zuhörers ruft viele Missdeutungen hervor. Es ist bedauerlich, doch man muss sagen, dass die Menschen nicht selten ihrem eigenen Bewusstsein entsprechend zu reden beginnen, was vor allem durch die Unfähigkeit zuzuhören geschieht.

       Freunde! Lernt zuzuhören, desto leichter werdet ihr den Gesprächspartner erreichen. Natürlich ist es für ein erweitertes Bewusstsein leicht, die Eigenheiten eines Gesprächspartners zu verstehen, doch ist eine solche Stufe des Voraussehens selten anzutreffen, und deshalb wendet die gewöhnlichen menschlichen Maßnahmen an. Gegenseitige Achtung wohnt in der Nachbarschaft des Mitleids.

       Der Denker lehrte, Blumengirlanden zu flechten: „Wer eine schöne Zusammenstellung von Blumen gefunden hat, wird auch eine nützliche Zusammenstellung von Menschen finden.“

 

       529. Urusvati weiß, wie groß die Freude ist, in der Zukunft leben zu können, ein solches Leben kann evolutionär genannt werden. Dabei muss man lernen, die Vergangenheit nicht zu schmälern und zu verstehen, dass die Gegenwart nicht existiert: Entweder etwas war oder es wird sein.

       Es ist nicht leicht, sich in die Zukunft als eine Realität zu versetzen. Die Menschen sind nicht in der Lage, an die Zukunft zu denken, denn sie fürchten sie. Sie haben Angst, dass die Zukunft ohne sie eintreten könnte. Sie wollen nicht über die ununterbrochene Fortdauer des Lebens nachdenken und verstehen nicht, wie sie mit der Feinstofflichen Welt zusammenarbeiten können.

      Auf diese Weise trennen sie sich selbst von der Zukunft ab; sie wollen die Vergangenheit nicht erkennen und beharren auf einer Gegenwart, die nicht existiert. So bleibt ihnen gar nichts und es entsteht die gefährlichste Situation. Dabei könnten die Menschen so leicht an der Zukunft teilnehmen, besonders heute, da die Biologie große Fortschritte gemacht hat.

       Wir freuen Uns besonders, wenn Wir die Fähigkeit bemerken, sich in die Zukunft zu versetzen. Ein solches Bestreben gleicht dem Auswerfen eines Ankers, der es erlaubt, sich dem rettenden Ufer zu nähern. Das Fundament der Bruderschaft ruht auf dem Streben in die Zukunft. Die Ereignisse müssen planmäßig eintreten. Man muss die Architektur des Weltengebäudes verstehen, um sich mit der Unbegrenztheit vertraut zu machen.

      Es ist unmöglich, in Unbegrenztheit zu verfallen, und die grenzenlose Zukunft erlaubt auch, eine nützliche Arbeit zu finden. Versucht, euch ein irdisches Leben ohne Vergangenheit und Zukunft vorzustellen: Was für ein langweiliges Leben ergäbe sich, wie auf einer kleinen Insel inmitten des Ozeans. Natürlich bleibt den Menschen noch der Blick nach oben, wenn sie denn so weitsichtig wären.

       Der Denker bedauerte jene, die sich nicht über die Zukunft freuen können und nicht in der Lage sind, emporzuschauen.

 

       530. Urusvati weiß von dem Auftreten neuer Krankheiten. Ihre Grundlage ist eine Entzündung der Drüsen, sie sind überaus verschiedenartig. Die Drüsen sondern Sekrete in größerer oder geringerer Menge ab. Die Drüsen selbst können sich vergrößern oder bis zum Absterben schrumpfen.

       Die Menschen könnten einander lehrreiche Einzelheiten mitteilen, tun dies aber nicht und fördern damit die Entwicklung einer Epidemie. Man kann feststellen, dass Puls und Temperatur sehr stark schwanken; auch können Schmerzen in den Nervenzentren auftreten. Eine derartige Krankheit hängt nicht von den betroffenen Menschen selbst ab, es wirken räumliche Chemismen auf sie ein, woraus sich ein Teufelskreis ergibt.

       Die Menschen verstärken mit ihren Gedanken die Wirkungen der räumlichen Chemismen, doch der Chemismus trifft wie ein Bumerang denjenigen, der ihn geschaffen hat; so entsteht eine gefährliche Epidemie. Die Ärzte suchen sie mit alten Namen zu benennen und bemerken die neuen Symptome nicht. Natürlich wirkt der Chemismus auf die schwachen Organe ein, daher ergeben sich verschiedenartige Symptome.

       Man kann sagen, dass die Menschheit sich selbst vergiftet, und die feineren Organismen können am meisten leiden. So treten bei überaus gefährlichen Entwicklungen neue Krankheiten in Erscheinung. Leider hat die Geschichte diese Übereinstimmungen nicht festgestellt.

       Bei Uns werden aufschlussreiche Tabellen zusammengestellt, die zeigen, dass die Menschheit sich selbst geißelt.

       Der Denker unterhielt sich immer wieder mit Ärzten und fragte sie, ob sie die Wellen der Epidemien bemerken können.

 

       53l. Urusvati weiß, dass Wir die neue Epidemie „gelbe Krankheit“ nennen, denn sie ruft eine gallenfarbige Pigmentierung nicht allein der Ausscheidungen, sondern auch auf allen Schleimhäuten hervor. Diese Krankheit darf sich nicht verbreiten. So muss man eine ruhige Verfassung wahren, doch dieser Begriff bedarf der Erklärung.

       Man darf eine schlechte Verfassung nicht nur einer Magenverstimmung oder einer Erkältung zuschreiben. Mögen die Menschen verstehen, dass man die Ursache in den Nervenzentren suchen muss, die von verschiedenen räumlichen Chemismen Impulse erhalten. Es wird eine Zeit kommen, da die Ärzte in der Lage sein werden zu unterscheiden, welches der Zentren betroffen ist, doch bis jetzt stellen sie lediglich Behauptungen über angeblich schlechte Nerven auf und kurieren sie mit Narkotika.

       Es ist bereits an der Zeit, zur Erkenntnis der Bedeutung des Nervensystems zu kommen. Es ist ein Mittler zum Überirdischen Bereich. Es geht nicht darum, dass ein Mensch schlechte Nerven hat, sondern darum, welche Chemismen es gibt und auf welche Zentren sie einwirken. So erhält die Wissenschaft für künftige Wissenschaftler die höchsten Gebiete. Man kann feststellen, dass die psychische Energie des Raumes erforscht werden kann und dass das irdische Leben sich unter den Augen einer einzigen Generation vervollkommnen kann.

       Der Denker lehrte: „Nicht nur ein Wassertropfen enthält eine ganze Welt, sondern jedes Luftteilchen ist bereits ein ganzer Mikrokosmos.“

 

       532. Urusvati weiß, dass Wir in allem zu einem der Wirklichkeit entsprechenden, wissenschaftlichen Denken raten. Selbst die höchste Inspiration muss durch wissenschaftliche Beobachtung gefestigt werden. Man darf nicht meinen, eine solche Herangehensweise setze irgendetwas herab. Man darf nicht vergessen, dass viele herrliche Ideen durch ein aus der Luft gegriffenes Verständnis zerfallen. Ein solcher unbegründeter Glaube muss durch das Licht der Erkenntnis ersetzt werden.

       Selbst in den besten Religionen bemühten deren Diener sich, auch Wissenschaftler zu werden, um dadurch umso leichter eine Grundlage für ihre Überzeugungen zu finden. Vergessen wir jedoch nicht, dass Erkenntnis frei von Vorurteilen sein muss. Es gibt nicht wenige Wissenschaftler, die aus sich Scheinheilige gemacht und damit nur die herrliche Freiheit der Wissenschaft untergraben haben. Das Überirdische sollte weite Möglichkeiten zu wissenschaftlichen Beobachtungen bieten. Ihr seht selbst, wie gebunden das heutige menschliche Denken ist.

       Man kann sich davon überzeugen, dass sogar im Altertum hervorragende Geister sich nicht fürchteten, über den lebendigen Raum nachzudenken. Mitunter bevölkerten sie ihn unter dem Druck der Menge in etwas eigentümlicher Weise, gleichwohl war der Flug ihrer Gedanken weit.

      Wir sind sowohl den materiellen als auch den ideellen Erkenntnisweg gegangen, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass beide Formen des Denkens in ihrem höchsten Ausdruck zur Einheit führen. Man darf nicht unterstellen, Wir wollten Unsere eigene Überzeugung aufzwingen. Wir wollen nur die Ketten fortnehmen, die den Schritt der Menschheit erschweren.

       Der Denker lehrte: „Lasst die Fesseln hinter der Schwelle, denn sie stören beim Gespräch über die Freiheit des Denkens.“

 

       533. Urusvati weiß, dass unter Beachtung bestimmter Bedingungen eine Blutübertragung mitunter zulässig ist. Das ist ein physischer Vorgang, doch kann es auch eine psychische wechselseitige Übertragung von psychischer Energie geben. Die Ärzte werden noch nicht so bald zu einer wissenschaftlich durchgeführten Übertragung von psychischer Energie gelangen, doch vollzieht sie sich auch ganz von allein bei der Berührung von Ausstrahlungen.

       Die Übertragung von psychischer Energie wird in Zukunft zu einem ganz gewöhnlichen Studiengegenstand werden. Man kann die Harmonie der Menschheit durch eine Verteilung der uranfänglichen Energie unterstützen. Wenn man ohne Schaden eine beachtliche Menge Blut abgeben kann, ist es auch möglich, einen Vorrat an psychischer Energie zu teilen. Beim Blut müssen rassische Voraussetzungen und der physische Zustand der Organismen berücksichtigt werden, doch für den Austausch von psychischer Energie bedarf es noch feinerer Bedingungen. Es ist unerlässlich, dass der Energiekoeffizient harmonisch ist, und diese Bedingung kann man auf wissenschaftlichem Weg erreichen. So werden beispielsweise beim Ausatmen gewisse Substanzen der Energie abgesondert, die man auf einem Metallspiegel auffangen kann.

       Man muss gerechterweise anerkennen, dass bei den Alten der Brauch herrschte, den Zustand der Energie anhand der Spuren zu beobachten, die beim Ausatmen auf einer Metallplatte hinterlassen werden. Die Legierung, von der Wir bereits sprachen, wurde im Altertum besonders geschätzt, doch unsere heutigen Wissenschaftler widmen den antiken Lehren keine Aufmerksamkeit.

      So haben sie auch die jüngst erfolgte Annäherung des Mars nicht von der psychischen Seite untersucht. Die Menschen sprachen wiederholt vom Nahen eines Krieges, dachten jedoch nicht daran, den Zustand des menschlichen Gehirns zu beobachten, der vom Chemismus des Mars vergiftet wurde.

       Man muss bedauern, dass die Menschen die Angaben der Natur nicht nutzen. Seit langem wissen sie von Sonnen- und Mondfinsternis, führen aber keine psychologischen Beobachtungen durch.

       Der Denker lehrte: „Versäumt keinen Augenblick, in dem die Natur ihre Offenbarungen gibt.“

 

       534. Urusvati weiß, dass Vampirismus im Gegensatz zu einer rechten, harmonischen wechselseitigen Übertragung von Energie steht. Man darf nicht vergessen, dass Vampirismus weit verbreitet und die Wissenschaft nicht imstande ist, ihn zu bekämpfen. Es ist unmöglich, dort mechanische Maßnahmen anzuwenden, wo der Begriff der uranfänglichen Energie herabgesetzt wird.

       Unkundige Menschen verstehen überhaupt nicht, wo die Grenze zwischen Vampirismus und einer wohltätigen Übertragung von Energie liegt. Sie urteilen nach sich selbst und nehmen an, jede wechselseitige Übertragung sei bereits ein egoistischer Akt; sie können sich jedoch nicht vorstellen, dass es in manchen Fällen unerlässlich ist, eine besondere Energie zu offenbaren. Ein solches Opfer wird durchaus nicht für einen selbst, sondern für das Gemeinwohl erbracht.

       Man darf sich nicht wundern, dass eine verfeinerte Energie ihre unersetzlichen Eigenschaften besitzt. Das Inerscheinungtreten der uranfänglichen Energie ist ebenso vielfältig wie alle kosmischen Erscheinungen. Für unvorbereitete Augen erscheint die gesamte Natur einförmig zu sein, doch das Denken hilft, die unzählbaren Gaben des Weltalls zu unterscheiden. Lasst uns nicht mit jenen streiten, die ein wissenschaftliches Herangehen an kosmische Erscheinungen nicht anerkennen.

       Es ist erstaunlich, dass der Mensch gewöhnlich der Erkenntnis der für ihn nützlichsten Daseinsgesetze widerspricht. In diesen Kämpfen kann man die ewige Schlacht des Chaos mit dem Offenbarten bemerken; ihr solltet daher nicht betrübt sein, wenn die einfachsten Grundlagen von den Menschen so schwer aufgenommen werden.

       Der Denker redete Streitsüchtigen mitunter ins Gewissen und wies darauf hin, dass das Einfachste besonders schwer anzunehmen ist.

 

       535. Urusvati weiß, dass die Absonderung von psychischer Energie wie ein leichter Dunst oder sogar ein Lichtschimmer sichtbar sein kann. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ein unerfahrenes Auge diese Erscheinungen nicht zu bemerken vermag. In der Regel können die Menschen nicht erklären, weshalb viele psychische Erscheinungen in unerwarteten Situationen sichtbar sind, sich indessen bei angespannter Erwartung nicht zeigen. Doch mögen die Menschen im Sinn behalten, wie viele äußere Energien sie umgeben und auf sie einwirken.

       Wir können Uns an viele Fälle erinnern, da die Menschen die offenkundigsten Zeichen nicht anerkannten und sie auf die egoistischste Weise zu erklären suchten. Der Grund für solche Irrtümer liegt darin, dass die Menschen nicht an äußere Einwirkungen denken, und wenn sie es doch tun, dann nur im Sinne einer Gewaltanwendung. Zusammenarbeit ist bei einer solchen Denkweise völlig ausgeschlossen.

       Jede gute Zusammenarbeit ist wertvoll, doch besonders kostbar ist psychische Zusammenarbeit. Bis zum heutigen Tag hat man der tiefen Bedeutung einer solchen Zusammenarbeit keine Beachtung geschenkt. In gewissen philosophischen Versammlungen war es üblich, sich in tiefe Konzentration zu versenken, doch dieser Brauch lief auf ein bedingtes, abstraktes Denken hinaus, woraus sich keine gedankliche Zusammenarbeit ergab.

       Viele Redner können indessen bezeugen, dass ihre Rede mitunter besonders überzeugend und klar war, gerade so, als ob irgendeine mächtige Energie auf sie einwirkte. Natürlich kann es überirdische Einflüsse, doch außerdem auch gedankliche Einwirkungen von Mitarbeitern und Zuhörern geben.

       Redner können auch bestätigen, dass bisweilen ganze Unterbrechungen ihres Gedankenflusses eintraten, ihnen die Worte entfielen und eine bereits einstudierte Rede sich verflüchtigte; auch das war die Einwirkung des ungeordneten Denkens der Menge war. Wir haben jedoch keine Kunde davon, dass Wissenschaftler solche Einwirkungen untersucht hätten. Wenn schon der Einfluss des Denkens nicht erforscht wird, muss man sich dann wundern, dass überirdische Einwirkungen nicht anerkannt werden?

       Der Denker lehrte: „Lasst uns nicht vergessen, dass wir unsichtbare Freunde und Feinde haben.“

 

       536. Urusvati weiß, dass jede menschliche Berührung bereits einen magnetischen Vorgang darstellt. Einige Menschen haben aufgrund dessen auf den Händedruck verzichtet, doch tritt nun eine Zeit heran, da die Wissenschaft die gesunden Bedingungen von Einreibungen erläutern sollte. Bis zum heutigen Tag lenkte man die Aufmerksamkeit auf mechanische Massagen, und die Medizin verordnete Arzneien zur Einreibung. Die Menschen schreiben solchen Einwirkungen eine große Bedeutung zu, und sie haben auch die tiefe Bedeutung solcher Einreibungen der Haut unter allen Heilmaßnahmen richtig verstanden, das Wichtigste aber wurde übersehen: Niemand hat sich darum gekümmert, wer denn die Einreibung durchführt. Indessen ist diese Bedingung weitaus bedeutsamer als die Einreibung selbst.

       Man muss verstehen, dass die psychische Energie nur bei einer harmonischen Verbindung heilsam wirken kann. Bemerkt, dass bei gleichartigen Erkrankungen Einreibungen überaus verschieden wirken. In vielen Fällen wirkt eine leichte Berührung mit der Hand eines harmonischen Menschen als beste Arznei. Offensichtlich ist jedoch auch, dass sich selbst bei bester mechanischer Massage ein unzweifelhafter Schaden einstellen kann. Nicht nur die Ärzte, sondern auch die Pflegepersonen müssen in Bezug auf die Qualität ihrer psychischen Energie geprüft werden. Es ist nicht nur Vertrauen zum Arzt notwendig, sondern auch seine heilsame Energie.

       Die Anwendung solcher Voruntersuchungen wird es ermöglichen, die Volksgesundheit zu heben. Dabei darf man nicht unterstellen, eine unharmonische sei eine schlechte Energie. Sie kann nur der Energie des Patienten nicht entsprechen, der Schaden jedoch wird nicht gering sein.

       Der Denker bestand darauf, dass die Menschen lernen, die Bedeutung der Harmonie zu verstehen, anderenfalls würden Hunde sich in einer besseren Lage befinden.

 

       537. Urusvati weiß, wie verschiedenartig die Eigenschaften der psychischen Energie sind. Sie lassen sich durch Erforschung von Ausstrahlungen und Schwingungen studieren. Eine solche Erforschung kann jedoch erst in Zukunft bei Vervollkommnung der Apparate durchgeführt werden.

      Es gibt aber noch ein weiteres Verfahren, das angewandt werden kann. Wir sprachen bereits über die Magnetisierung von Wasser. Ihr habt selbst beobachtet, in welchem Maße Wasser die Eigenschaften der psychischen Energie des Menschen annimmt und welch kurze Zeit dafür nur erforderlich ist.

       Man kann beobachten, wie individuell Wasser die Einwirkung der Energie aufzeigt, wenn man es in der Nähe des Kopfes aufstellt. Gleichfalls kann man feststellen, welche mineralischen Zusätze die Beobachtungen am meisten unterstützen. Eisenhaltige Wässer sind gut geeignet, schwefelhaltige dagegen versprechen keinen Erfolg.

       Im Altertum wurden solche Versuche oft durchgeführt. Mitunter brachte man auf der Wasseroberfläche einige Tropfen eines Baumöls auf, in der Annahme, dass es die Konzentration von Strömen fördere. Man achtete auch auf die Gefäße und zog kupferne vor, aber keine aus Ton. Die Gefäßwände mussten poliert sein, und ein solches Gefäß wurde nicht im häuslichen Alltag verwendet, man hielt es mit einem kupfernen Deckel geschlossen. Solche Gegenstände zeigten, wie wohlüberlegt die Alten vorgingen.

       Sie werden sicherlich auch noch andere Verfahren angewandt haben, um unterschiedliche Zustände der Energie zu bemerken. Überdies bezeichneten die Alten ihre Beobachtungen als Wahrsagen, wodurch diese in den Augen von Skeptikern ihre wissenschaftliche Bedeutung verloren. Ein denkender Geist ist immer wieder offen, um der Menschheit zu zeigen, wie unerschütterlich die Grundlagen sind. Man kann darüber lächeln, wie sehr die Menschen sich mit bedingten Bezeichnungen zufriedengeben; das Wesen bleibt jedoch unverändert, und unter den Bräuchen des Altertums lassen sich wissenschaftliche Errungenschaften finden.

       Der Denker lehrte: „Glaubt nicht, eure Ahnen seien Dummköpfe gewesen. Ihr habt viele ihrer Errungenschaften vergessen.“

 

       538. Urusvati kennt die Übertragung von Gefühlen auf Entfernung. Eine solche Erfahrung bestätigt umso mehr das Vorhandensein der Energie, die den gesamten Raum sättigt. Vergessen wir nicht, dass Teraphime* auf einer solchen Übertragung beruhen. Man muss nicht unbedingt ein bestimmtes Bild besitzen, wenn die Energie durch einen Willensbefehl gesandt wird. Jeglicher Teraphim stellt nur ein Hilfsmittel für die Übertragung dar, doch ein starker Wille bedarf solcher Hilfsmittel nicht.

      Man muss daran erinnern, dass die Übertragung von Gefühlen im Leben ebenso oft vonstattengeht wie Gedankenübertragung, doch achten die Menschen nicht darauf. Die Übertragung von Gefühlen kann bewusst und absichtlich, aber auch unbewusst erfolgen; die unbewussten Übertragungen sind häufiger als die bewussten, und viele schmerzhafte Empfindungen und Stimmungen sind Folgen solcher Übertragungen.

       Es ist bereits vorhersehbar, dass die Menschheit der Zukunft das gewaltige Gebiet des Gedankens ordnen wird. Selbst der Gesetzgeber muss in Betracht ziehen, wie sehr das Leben von starken Energien durchdrungen wird. Man sollte nicht denken, dass man diese Sphäre irgendwie vermeiden kann, sie ist viel materieller als die körperliche Hülle.

       Die Lehre des Lebens muss vor allem darauf hinweisen, wo sich der Mittelpunkt des menschlichen Daseins befindet. Man darf nicht in dem Irrtum verbleiben, nur einige Hexenmeister und Zauberer beherrschten die Kräfte der Natur. Jeder Mensch befindet sich in Berührung mit der Macht der Energie, will aber diesen Vorzug nicht erkennen. Man könnte eine Reihe von Büchern über Fragen des Geheimwissens verfassen, doch wären diese so lange nutzlos, wie der Mensch noch nicht von dem Gedanken an seine Möglichkeiten erleuchtet ist.

       Alle Ratschläge, selbst die dringendsten, werden die Menschen wie eine interessante Geschichte gelangweilt lesen. Sie denken nicht darüber nach, dass das Geschriebene ihnen zur unverzüglichen Anwendung übergeben worden ist.

       Der Denker trieb die Mitbürger an, die unsichtbare, doch fühlbare Welt zu erkennen.

 

       539. Urusvati kennt die vielen Warnungen und Unterweisungen, die der Menschheit gesandt worden sind. Vergleicht den Sinn der Lehren des Pythagoras mit den Briefen des Priesterkönigs Johann[37], mit den Taten Saint Germains* und den Mahatma-Briefen, und ihr werdet überall die Sorge um die Gesundung der Menschheit finden.

       Mögen die Unterweisungen auch in verschiedenen Sprachen gegeben worden sein und Züge der zeitgenössischen Epoche tragen, so ist es doch aufschlussreich, die Grundlagen dieser Botschaften zu verfolgen. Die Menschen halten solche Schriften mitunter für gefälscht; springt es aber nicht ins Auge, dass ein einziger Gedanke über verschiedene Jahrhunderte hinweg gelebt hat? Viele Botschaften werden bestimmten Personen zugeschrieben, doch in noch größerer Zahl existieren anonyme Schriften. Man kann sehen, wie sie sich in verschiedenen Ländern verbreiteten und ihre Anhänger hatten. Man muss diese umfangreiche Literatur studieren, denn sie wurde noch nicht gesammelt und ihrem inneren Sinn gemäß verglichen.

       Oftmals beklagen sich die Menschen, keine Führung zu haben; nehmt doch aber nur die Handschriften und Druckwerke aus den Regalen der Bibliotheken, um euch davon zu überzeugen, welche Vielzahl unbekannter Autoren an der Evolution der Menschheit gearbeitet hat. Vergessen wir nicht, dass einige dieser Tatmenschen mehrere Pseudonyme verwandten. Daher darf man die Arbeiten nicht nach Autoren sammeln, sondern nach ihrem inneren Wert.

       Wir legen keinen Wert auf Unsere Namen, denn im Verlauf eines langen Lebens wechseln die Namen allzu oft. Wir schätzen den Sinngehalt der Arbeit, messen jedoch der Frage keine Bedeutung bei, ob der Name im ersten oder im zehnten Regal zu finden ist. Vergessen wir auch nicht, wie viele Handschriften von den Händen unverhohlener Neider vernichtet wurden.

       Der Denker sprach: „Können wir davon überzeugt sein, dass unsere Schriften unter unseren Namen bewahrt werden? Lasst uns darüber gar nicht nachdenken, denn ein solches Denken ist nur Zeitverschwendung.“

 

       540. Urusvati weiß, wie viele nützliche Aufzeichnungen man außerhalb der staatlichen Bibliotheken in Familienarchiven finden kann. Es ist ein großer Irrtum zu meinen, staatliche Bibliotheken könnten sämtliches in Handschriften hinterlassene Material erschöpfend aufführen. Ein ebensolcher Irrtum ist es anzunehmen, die ungeheure Menge gedruckter Bücher decke die wichtigsten Lebensfragen ab. Im Gegenteil lässt sich bestätigen, dass die wichtigsten Aufzeichnungen unveröffentlicht blieben oder in privaten Kellern verderben.

       Erschreckend ist der Gedanke, dass eine Vielzahl unersetzlicher menschlicher Errungenschaften zugrunde geht. Man muss damit beginnen, die Privatarchive zu bewahren, auch wenn dies nicht einfach sein wird.

       Man darf nicht voraussetzen, dass die Archive bekannter Leute immer besonders interessant seien, äußerst bemerkenswerte Aufzeichnungen können sich auch bei unbekannten Bürgern befinden. Sie können von sehr aufschlussreichen Erscheinungen zeugen; sie können Bestätigungen alter Generationen vernehmen lassen, die von den Nachkommen nicht wieder aufgegriffen wurden. Niemandem kam es in den Sinn, solche Aufzeichnungen zu drucken.

       Viele Chroniken sind auch in Klöstern und verschiedenen Kongregationen verschwunden. Eine sehr große Zahl ist bereits verdorben, doch vieles liegt noch im Staub vergraben. Die Menschen sollten nicht sagen, sie hätten über verschiedene Fragen keine Kenntnis, sondern erkennen, wieviel sorgsam Aufgezeichnetes in dunklen Verliesen ruht. Möge jeder aufmerken, wenn er von Aufzeichnungen erfährt, die jemand verwahrt. Viele strahlende Gedanken wurden aus Bescheidenheit oder Trägheit begraben. So finden sich auch in Bibliotheken Bündel von noch nicht untersuchten Handschriften.

       Der Denker förderte den Wunsch Seiner Schüler, Familienaufzeichnungen zu bewahren.

 

       541. Urusvati weiß, mit welcher Mühe die Auswertung von Familienarchiven verbunden ist. Höchst bedeutsames Wissen kann nachlässig und die bekanntesten Namen können verfremdet, in Form von Initialen oder als Decknamen erwähnt sein. Schließlich kann die gesamte Darstellung in einem verfremdeten Stil verfasst sein. Das letztere ist nicht selten aus Furcht vor Verfolgung geschehen; deshalb enthalten manche Archive, auch solche, die als erforscht gelten, in Wirklichkeit vieles Unbemerkte.

       Solche Archive, wie die von Choiseul[38], Goethe[39] und Stroganow[40] enthalten viele nützliche Informationen. Solche Tatsachen sind besonders aufschlussreich für das Innere Leben Unserer Bruderschaft. Man muss der Gräfin d‘Adhémar[41] für das Hinterlassen von Aufzeichnungen dankbar sein, ohne die viele Seiten der Tätigkeit Saint Germains nicht bekannt geworden wären.

      Jemand wird sich dennoch erstaunt zeigen, wozu denn die Aufzeichnungen der Gräfin d‘Adhémar nötig seien, wenn Wir doch alles viel vollständiger erklären könnten. Doch die Menschen schätzen Aussagen ihrer Zeitgenossen, und solche Aufzeichnungen stellen in den Augen der Menschheit einen viel zuverlässigeren Beweis dar als Unsere anonymen Mitteilungen.

       Desgleichen muss man auch arabische und iranische Aufzeichnungen studieren, in denen sich Zeugnisse Reisender finden lassen; so kann man verstehen, weshalb Wir so oft von Zusammenarbeit sprechen. Eine Erzählung, die in verschiedenen Jahrhunderten von historischen Persönlichkeiten wiederholt wird, stellt ein überaus reales Zeugnis dar.

       Es ist erstaunlich, wie Informationen über die Bruderschaft in unerwartete Länder vordrangen. Man kann sie in Irland, Norwegen und Spanien finden, wohin Seefahrer aus dem Osten sie trugen. Mögen die Forscher sich nicht ihre eigenen Wege abschneiden. Funde können sich ganz unerwartet einstellen.

       Der Denker lehrte, nicht zu verzweifeln: „Suchende, ihr könnt die Grenze der Entdeckungen nicht kennen.“

 

       542. Urusvati weiß, dass die Hauptgrundlage Unseres Inneren Lebens die Übung des Denkens ist. Es irrt sich, wer annimmt, ab einem bestimmten Niveau könne das Denken nicht mehr entwickelt werden. Das Denken muss von Beginn an erzogen und fortan ständig weiterentwickelt werden. Des Mitleids wert sind jene, die meinen, das Leben läge in irgendwelchen untätigen Prozessionen; Arbeit ist in allem, so auch in dem Streben des Denkens.

       Wir bedauern jene, die der Auffassung sind, für sie sei Denken nicht erforderlich. Ein überaus großer Teil der Menschheit denkt überhaupt nicht. Die ungeordneten Fetzen verwirrter Geister dürfen nicht für Denken gehalten werden. Sie entstehen aus dem Chaos und schmelzen ebenso schnell wie Schneeflocken bei Tauwetter. Viele empfinden eine dem Denken gewidmete Existenz als außerordentlich langweilig.

       Ihr möchtet von Unserem Inneren Leben erfahren. Selbst wenn Ströme die mannigfaltigsten irdischen Ereignisse herantragen, finden Wir dennoch auch inmitten solcher Wirren Zeit, um nachzudenken. Gedankenformen zu schaffen, bedarf keiner langen Zeit, und ihre Klarheit wird durch beständige Übung erreicht. Für solche Übungen der Vervollkommnung braucht es keine bestimmte Verfassung. Wenn das Wesen dem Gemeinwohl zustrebt, wird auch jede Phase des Denkens in diese Richtung eingestimmt.

       Das Streben kann streng, freudig, beständig bedauernd oder mitleidig sein, dies wird gleichsam der Schlüssel des Denkens sein; die Klarheit der Gedankenform aber hängt von dem Vorrat an psychischer Energie ab.

       Einige nehmen an, bei Uns müsse man sich um diesen Vorrat keine Sorgen machen; Dummköpfe verstehen nicht, dass die Harmonie der Energie wohl gehütet werden muss. Der eine kann den Vorrat an psychischer Energie etwas langsamer wiederherstellen, der andere kann dies schneller erreichen, und einem weiteren genügt es, die Augen zu schließen und tief durchzuatmen, um einen erlittenen Verlust wieder auszugleichen. Auch Wir müssen Unseren Vorrat wieder auffüllen, dies zu leugnen wäre unwissenschaftlich.

       Mitunter erhaltet ihr keine rasche Antwort; in dieser Stunde können besonders dringende Ereignisse vonstattengehen, vielleicht aber auch ein Anfüllen des Vorrats an psychischer Energie. Lasst uns über alles auf menschliche Weise nachdenken, und wir werden nicht fehlgehen. Der Mikrokosmos versteht den Zustand des Makrokosmos. Auch über Unser Inneres Leben denkt auf menschliche Weise. Bewahrt bei allen Überlegungen die Schönheit der Gedankenform und versteht es, die Form der Arbeit für das Gemeinwohl zu lieben.

       Der Denker sprach: „Wenn wir mit allen Kräften lieben könnten, wären wir erfolgreich.“

 

       543. Urusvati weiß, dass ein Zustand voller Wachsamkeit ebenfalls eine der Grundlagen Unseres Inneren Lebens ist. Glaubt nicht, eine solche Wache sei etwas Übernatürliches. Menschen zeichnen sich nicht selten durch eine besondere Empfindsamkeit aus. Sie haben einen feinfühligen, wachsamen Schlaf und nehmen Beben der Luft wahr. Dies geht ohne jede lange Vorbereitung vonstatten; die psychische Energie arbeitet selbständig, wenn sie nicht von äußeren Bedingungen belastet ist. Doch wenn die Energie schon bei einer ihr gegenüber unbewussten Einstellung arbeitet, wie sehr offenbart sie sich erst bei bewusster und bestrebter Arbeit an ihr. Fügt noch die lange Dauer Unserer Existenz hinzu, und ihr könnt euch vorstellen, wie viele Eigenschaften sich verbessern.

       Die Menschen behaupten, ständige angespannte Wache müsse etwas Unerträgliches sein, doch diese Befürchtung ist unbegründet. Ein beliebiger Tatmensch, der diese Fähigkeit besitzt, hält eine solche Mühe nicht für unerträglich. Er ist dermaßen an sie gewöhnt, dass er ohne sie nicht leben kann.

       Ebenso kann uns auch eine hohe, in vernünftiger Weise entwickelte Feinfühligkeit nicht belasten. Sie wird ganz natürlich, besonders wenn auch der Schlaf sehr kurz wird. Besser wäre es, einen solchen Schlaf als Ausruhen zu bezeichnen.

       Wir lassen den feinstofflichen Körper nicht immer ziehen, um die Bewusstheit nicht einzubüßen. Wenn Wir in die Feinstoffliche Welt hinauszugehen wünschen, übernimmt ein Freund die Wache; dabei passt Er auch auf den Körper auf, um keine unerwünschten Ströme zuzulassen. So seht ihr, dass die Wache bei Vorhandensein bestimmter Apparate eine unabdingbare Bedingung Unseres Inneren Lebens ist.

       Der Denker lehrte: „Möge jeder versuchen, Feinfühligkeit in sich zu entwickeln, so kann er hundertfach erfolgreicher sein.“

 

       544. Urusvati weiß, dass einige Aspekte Unseres Inneren Lebens einer Fehldeutung ausgesetzt sind. So sagt man, Wir erwiesen jenen einen Vorzug, die Uns in vergangenen Leben begegnet sind. Aus Unwissenheit halten die Menschen dies für ungerecht, doch sie selbst bevorzugen als Mitarbeiter jene, von denen sie überzeugt sein können.

       Sie wünschen, dass nur erprobte Mitarbeiter sie umgeben. Niemand wird eine solche Auswahl als ungerecht bezeichnen – dies ist ein menschlicher Aspekt. Vergessen wir überdies die Harmonie nicht, die für Mitarbeit unerlässlich ist. Es ist nicht wenig Zeit erforderlich, um die Nervenzentren zu harmonisieren. Wir benötigen übereinstimmende Bestrebungen, um die Energie nach Möglichkeit nicht zwecklos zu verausgaben. Wer aber vermag besser zur gemeinsamen Arbeit beizutragen als eine Persönlichkeit, die irgendwann einmal bereits an ihr teilgenommen hat? Es ist klar, dass Wir bevollmächtigte Tatmenschen aus jenen auswählen, die bereits für das Gemeinwohl gearbeitet haben.

       Wir helfen jenen, die einen besonderen Auftrag haben. Dies ist vollkommen gerecht, da sich um solche Gesandte herum eine Vielzahl schwerer Ströme verdichtet. Viele möchten von diesen Tatmenschen verschont bleiben, und wenn sie es könnten, würden sie auch Uns vernichten. Man darf jedoch nicht sagen, Wir würden Uns nur auf diese alten Freunde beschränken: Die Eingänge zur Zusammenarbeit sind geöffnet, doch nur erprobte Tatmenschen können verstehen, was Vertrauen bedeutet, absolutes Vertrauen bis zum Schluss, ungeachtet der Umstände. Solche Bedingungen der Zusammenarbeit werden weder aufgezwungen noch befohlen, sondern durch Erfahrung erkannt. Desgleichen zeigt auch nur Erfahrung auf, worin Unsere Hilfe besteht. Kurzsichtige erkennen sie nicht, da sie nach sich selbst, ihrem eigenen Horizont gemäß urteilen.

       Der Denker bestätigte: „Die höhere Hilfe ist so herrlich, dass nur ein hoher Geist ihre Schönheit versteht.“

 

       545. Urusvati weiß, dass manche einem derartigen Irrtum verfallen, Uns sogar der Selbstsucht zu verdächtigen. Ein solcher Irrtum beruht darauf, dass Wir, nach den Worten der Ankläger, nur dort helfen würden, wo es für Uns von Vorteil sei. Überdies erwiesen Wir solchen Menschen keine Hilfe, die sie zu erhalten wünschten; und schließlich würden Wir nicht in derjenigen Weise helfen, wie die Menschen es sich vorstellen. Derartige Beschuldigungen werden nicht selten laut ausgesprochen, noch öfter aber gedanklich zum Ausdruck gebracht.

       Die Menschen wollen nicht begreifen, dass Hilfe nur auf der Grundlage der kosmischen und karmischen Gesetze möglich ist. Ebenso wenig wollen die Menschen anerkennen, dass eine harmonische Vereinigung ein bedeutendes Maß an Zeit sowie beiderseitiges Bestreben erfordert. Die Menschen schreien nach Hilfe, ohne sich die Mühe zu geben, ihr den Weg zu bereiten. Bei Krankheiten wendet man sich gewöhnlich erst dann an Uns, wenn der Organismus bereits in nicht wiedergutzumachender Weise geschädigt ist.

       Man muss alle diese heimlichen und öffentlichen Beschuldigungen gegen Uns grausame Faulpelze hören, die keinen Teil Ihrer unerschöpflichen Energie abgeben wollten. So flüstern auch Menschen, die von Uns wissen; sie haben von Zweckmäßigkeit und Angemessenheit gehört, doch sind diese Begriffe für sie abstrakt geblieben. Mitunter verursachen jene, die nichts von Uns wissen, weniger Schaden als diejenigen, die in unverantwortlicher Weise den Raum verseuchen.

       Die Lehre zeigt ausreichend auf, wie besonnen die Energie verteilt werden muss. Sie darf nicht so verwendet werden, dass es einer Vielzahl von Verhältnissen schadet. So hat Unser Inneres Leben viele Aspekte, die bei besonnener menschlicher Mitarbeit verbessert werden können.

       Der Denker bat Seine Schüler, zweckentsprechend vorzugehen: „Lernt es, den Pfeil in die Mitte des Zieles zu schießen.“

 

       546. Urusvati weiß, dass das Innere Leben von Tatmenschen auf viele Disziplinen gegründet ist. Selbsttätigkeit, Tapferkeit, Zweckmäßigkeit, Unermüdlichkeit, Barmherzigkeit, Verehrung der Hierarchie und viele andere Disziplinen werden mit Fleiß und bewusst entwickelt. Man kann sich kein vernünftiges Leben vorstellen, wenn es nicht vor ungeordneten Erscheinungen bewahrt wird.

       Tatmenschen wissen, dass sie jede Disziplin freiwillig angenommen haben, und sie bedauern keine ihnen auferlegte Arbeit. Sie verstehen, dass selbständige Tätigkeit bis zum äußersten Grad entwickelt werden muss. Bevor er sich an den Führer wendet, wird sich jeder Tatmensch fragen, ob er nicht noch etwas selbständig vollbringen kann.

       So können auch alle übrigen Disziplinen in beliebigen Lebensbedingungen entwickelt werden. Die Menschen können dies nicht verstehen, denn sie stellen sich Tatmenschen als herrschaftlich und reich vor und begreifen nicht, dass Wir sämtliche Schwierigkeiten des Lebens durchschreiten und in ihnen erstarken. Nur wenige sind einverstanden, die Fülle des irdischen Aufenthalts zu erfahren, denn in vielerlei Hinsicht überwiegen die durch menschliche Unwissenheit hervorgerufenen Kümmernisse. Tatmenschen aber wissen, dass jede Disziplin für die Fortentwicklung unerlässlich ist. Es ist besser, die volle Bürde auf sich zu nehmen, als auf demselben Weg hin und her zu laufen.

      In der Lehre ist die Aufgabe der Tatmenschen klar aufgezeigt worden, und jeder kann entscheiden, welche Disziplin ihm unerlässlich ist. Unser Inneres Leben ist voll strenger Disziplin.

       Der Denker bestand darauf, dass die Schüler die Disziplin liebgewannen, ohne die man sich nicht in seinem Handeln stärken kann.

 

       547. Urusvati weiß, dass alles in der Welt einzigartig ist. Das Gesetz ist ein und dasselbe, doch seine Einwirkungen auf die Materie rufen unzählbare Konstellationen hervor. Die Menschheit teilt sich in zwei bestimmte Typen ein: Die einen fühlen diesen einzigartigen Reichtum des Kosmos, für die anderen ist alles unbeweglich, gleichförmig und besitzt weder Bedeutung noch Schönheit. Unter den Menschen der letzteren Art werdet ihr die Egoisten finden, die sich selbst höher als alle großen Erscheinungen der Natur stellen.

       Doch gewisse Apparate, wie auch Wir sie verwenden, zeigen die unaussprechliche Mannigfaltigkeit der Energie und der Substanz der Materie auf. Das Lebenspendel gehört zu diesen Apparaten. Es kann verwendet werden, um die Eigenschaften der psychischen Energie aufzuzeigen, für die Erforschung des Erdbodens und für Gedankenübertragung. Bei dem letzteren Versuch kann man sehen, dass der Gedanke schlagartig auf die psychische Energie einwirkt und mit großer Schnelligkeit arbeitet. Einige nehmen an, das Pendel bringe ihre eigenen Gedanken zum Ausdruck, was davon kommen kann, dass gesandte Gedanken sich bereits im Bewusstsein widerspiegeln; in jedem Fall aber zeigt eine solche Übertragung, wie ein Gedanke sich in physische Energie umwandelt und bedeutsame, vielfältige Messwerte ergibt.

       Manche Apparate erfordern die Übertragung jedes Buchstaben und bedürfen der Teilnahme mehrerer Personen, womit sie einem physikalischen Telegraphen ähneln. Doch Wir sprechen nun von gedanklicher Übertragung, so kann man sich ein Urteil über den Prozess der Formung des Denkens bilden. Die Erscheinung der Vielfalt kann man anhand der Messwerte der psychischen Energie erkennen. Nur ein feinfühliges Auge kann die Messwerte höchst individueller Eigenschaften voneinander unterscheiden.

       Der Denker wies bereits in Seinen Aufzeichnungen auf die unzählbaren Besonderheiten der menschlichen Seelen hin.

 

       548. Urusvati weiß, dass Grausamkeit, Grobheit, Heuchelei und Lüge den Fortschritt der Menschheit behindern. Die Wissenschaft, stolz auf ihre Errungenschaften und Erfolge, verhilft nicht dazu, Menschlichkeit zu finden. Die Kunst erhebt das Bewusstsein nicht; das bedeutet: mit der Welt steht es schlecht.

       Die Gesellschaftswissenschaften weisen auf die Grundlagen des Fortschrittes hin, und nirgends sind Lobpreisungen der vier genannten Laster zu finden. In allen Hinweisen wird ein und derselbe Aufstieg des menschlichen Bewusstseins hervorgehoben. Die extremsten Lehren preisen die Lüge nicht. Doch weder Wissenschaft noch Kunst noch Religion haben die Untugenden ausgemerzt, die den Menschen fesseln.

       Man muss daran erinnern, dass sowohl Wissenschaft als auch Kunst und Religion die primitivsten Erscheinungen sogar gefördert haben. Selbst gewisse philosophische Gesellschaften erörtern höhere Dinge und geben sich unmittelbar danach den schändlichsten Lastern hin. Man muss die Wurzel der gesellschaftlichen Krankheit anschauen. Nur eine Gesundung des inneren Lebens wird dazu verhelfen, auch die gesellschaftlichen Erscheinungen auf eine höhere Stufe zu heben.

      So ist, neben wissenschaftlicher Erkenntnis und der kurzen von der Kunst vermittelten Begeisterung, Mut notwendig, um das innere Leben zu verbessern. Mut entwickelt auch Geduld. Ein Mensch, der seiner Natur nach geduldig ist, wird mutig und ausdauernd sein.

       Wir müssen dem Chaos das Beste entgegenstellen, was in uns lebt. Nur durch eine solche selbständige Tätigkeit vermag man unaufhörlich aufzusteigen. Die Menschen fürchten das Wort „Sittlichkeit“, sprechen aber gern von Sitten, geradezu als ob diese beiden Begriffe nicht ein und dieselbe Wurzel hätten. Der Charakter ändert sich aber nicht ohne die Einwirkung des gesamten inneren Lebens.

       Der Denker lehrte: „Die Sitten der Völker gestalten die Geschichte der Menschheit. Mögen diese Feuer hell leuchten!“

 

       549. Urusvati kennt die Sympathien und Antipathien, die in menschlichen Beziehungen aufkommen. Oft können die Menschen nicht einmal die Ursache solcher wachsender Gefühle erkennen. Über karmische und physische Ursachen hinaus muss es auch noch etwas geben, das eine Grenze zwischen den Menschen errichtet. Diese Grenze existiert, und nichts anderes als die psychische Energie stellt die Ursache dar.

       Man kann feststellen, dass Menschen mit wenig psychischer Energie jene zu hassen beginnen, die sie in höherem Maße besitzen. Die Menschen kennen dieses Gesetz nicht und suchen die Ursachen des Hasses in allen möglichen Bedingungen. Auch Neid beruht in den meisten Fällen darauf, dass anderen ihre psychische Energie geneidet wird.

       Man kann unterschiedliche Menschentypen beobachten. Neben Rassen- und Klassenunterschieden muss man noch ein universelles Phänomen erkennen. Der Unterschied in den Eigenschaften der psychischen Energie liegt wie ein Schwert zwischen den Menschen. Die Menschen erkennen die Ursache nicht an, die in ihnen Hass und Neid entstehen lässt. Sie könnten die Ursache auch gar nicht erklären, denn dieser Menschentyp weiß gewöhnlich überhaupt nichts von der psychischen Energie. Für sie ist diese Energie ein leerer, abstrakter Begriff. Doch ist auf sie in besonderem Maß die Bezeichnung „bettelarm“ anwendbar.

       Jeder Neider, Verleumder und Hasser ist vor allem eines: bettelarm. Er hat sich selbst höherer Aufspeicherungen beraubt. Auch in der Vergangenheit hat er sich nicht darum bemüht, die Grundlagen des Daseins zu erkennen. Mit Schmerzen beobachten Wir, wie solche Bettelarmen sowohl sich selbst als auch anderen Schaden zufügen. Und es ist unmöglich, ihnen Erleichterung zu verschaffen, da ihnen jeder Gebende bereits verhasst ist.

       Der Denker kannte solche unversöhnlichen Neider. Er sagte von ihnen: „Seht, wie die Last des Hasses ihren Rücken gekrümmt hat.“

 

       550. Urusvati weiß, dass Besitzergreifer vor allem einen großen Vorrat an psychischer Energie nicht ertragen. Sie prallen wie Pfeile von diesem festen Schild ab. Umso stärker wird ihre Bosheit sein, und Besessene handeln dann im Hass sogar gegen ihren eigenen Nutzen. Man kann oft beobachten, wie Besessene allem gesunden Menschenverstand zuwider handeln, nur um Böses auszuspeien.

       Man muss verstehen, wie viele solcher Übeltaten es gibt, die vollbracht werden, um den unsichtbaren Übeltäter zu befriedigen. Die Menschen nennen sie Dämonen, doch einfacher ist es, sie als Abschaum zu bezeichnen. Man darf nicht meinen, für Besessenheit bedürfe es irgendwelcher mächtiger Dämonen. Jeder irdische Verbrecher wird unweigerlich danach streben, ein Besitzergreifer zu werden, um dadurch seinen nicht überwundenen Hass zu nähren.

       Man muss anerkennen, dass nicht allein Kleinmütige, sondern auch alle, die sich dem Zweifel hingeben, leicht zur Beute von Besitzergreifern werden. Bei einer solchen Erkrankung weiß der Mensch selbst nicht, was er tut, und Außenstehende sind über die rasche Veränderung der Persönlichkeit erstaunt. Es wird jedoch eine Zeit kommen, da wissenschaftliche Apparate die Spaltung der Persönlichkeit solcher gefährlicher Kranken aufzeigen werden. Viele historische Ereignisse haben sich unter dem Einfluss von Besessenheit abgespielt – vergessen wir das nicht.

       Der Denker sprach: „Manchmal scheint es, als würden anstelle der Archonten[42] irgendwelche Gespenster reden, die bluthaltige Nahrung lieben.“

 

       551. Urusvati weiß, dass einige radikale Tatmenschen in rückschrittlicher Weise leben. Das bedeutet, dass sie keine Tatmenschen, sondern vorübergehende Schädlinge sind. Das persönliche Vorbild ist gefordert, wie in der Verbreitung der Höheren Wahrheit, so auch in jeder beliebigen Alltagssituation.

       Wir können die Begriffe Geduld, Tapferkeit oder Barmherzigkeit aussprechen, wenn wir selbst die Kühnheit besitzen, diese Eigenschaften zu bekunden.

      Wir können in der Vergangenheit nachforschen, ob wir Helden oder Dulder gewesen sein könnten. Erst dann können wir diese Grundlagen des irdischen Daseins bestätigen. Doch darf man sich bei den Nachforschungen in der Vergangenheit nicht allein auf irgendwelche großen, für das ganze Volk vollbrachten Taten beschränken. Man kann herrliche Beweise auch inmitten des Alltagslebens finden; an jedem Tag können wir das innere Chaos überwinden und das wilde Tier zähmen. Man muss jede herausragende Tat schätzen. Nicht nur eine Heldentat für das Volk, sondern auch eine äußerlich unmerkliche Errungenschaft kann dazu dienen, eine höhere Stufe zu ersteigen.

       Ich habe bereits davon gesprochen, dass es schwer ist zu beurteilen, wo die Grenze zwischen großen und kleinen Taten liegt. Wahrlich, eine sogenannte kleine Tat kann die hervorragendsten Samenkörner legen. Wir wissen, wovon Wir sprechen. Die Menschen nennen solche Fortentwicklungen Prüfungen, doch ist es nicht besser, sie als Vervollkommnungen zu bezeichnen? Warum über Prüfungen jammern, wenn man über Vervollkommnung und Erfolg jubeln kann!

       Der Denker bewegte Seine Schüler dazu, an jedem Tag jedenfalls in einer Angelegenheit erfolgreich zu sein.

 

       552. Urusvati weiß, dass der Keim einer Krankheit von größerer Bedeutung ist als die Folgen. Wir warnen vor dem Keim, da es später schon nicht mehr möglich ist zu helfen; der Keim jedoch lässt sich durch gedankliche Heilmaßnahmen sehr gut beeinflussen; Ich spreche hier von psychischen und von körperlichen Erkrankungen. Besonders nützlich ist es, wenn mehrere Gedanken in derselben Richtung vereinigt sind. Nicht selten vermutet der Erkrankte noch nicht einmal die Möglichkeit einer Erkrankung. Nützlich ist, wenn sein Bewusstsein offen ist und er sich den wohltätigen Sendungen nicht widersetzt. Daher ist es so notwendig, auf räumliche Sendungen zu hören.

       Man darf nicht der Scheinheiligkeit verfallen und sich etwas vorstellen, was nicht existiert, doch möge das Bewusstsein gleichwohl auf der Wacht stehen. Es ist traurig, zu beobachten, wie die Menschen sich der Möglichkeit einer Hilfe erst dann erinnern, wenn sie bereits nutzlos ist. Es gibt viele Beispiele, da Menschen hätten geheilt werden können, ihr Bewusstsein sich jedoch widersetzte und die helfende Hand zurückstieß.

       Bisweilen unterstützen die Menschen unbewusst nützliche Einflussnahmen, selbst wenn sie mit den Gesetzen der psychischen Energie wenig vertraut sind. Wir freuen Uns, wenn ein Mensch auf den richtigen Weg gelangt, selbst wenn dies unbewusst geschieht. Solchen unbewusst vorgehenden Menschen gegenüber muss man sich sehr behutsam verhalten; man kann sie leicht dazu bringen, sich abzuwenden, doch eine sanfte freundschaftliche Berührung kann ihre versiegelte Schatzkammer öffnen. Dazu bedarf es nicht nur der Geduld, sondern auch einer großen Nachsicht. Diese Eigenschaft ist in allem hilfreich, auch bei gedanklicher Heilung. Ein guter Arzt weiß, wie man sich um einen Kranken kümmern und ihm helfen muss.

       Der Denker brachte die Ärzte dazu, zu verstehen, dass ihr Herz und ihr Wille die besten Arzneien darstellen.

 

       553. Urusvati weiß, dass die Eigenschaft der Nachsicht falsch ausgelegt wird; man versteht sie entweder als Hochmut oder als Gewährenlassen. So wie diese beiden Begriffe etwas Schändliches darstellen, wird auch der Begriff der Nachsicht nicht in einer guten Bedeutung verwendet. Wir aber verwenden ihn, um eine der Eigenschaften der Menschlichkeit zu bezeichnen. Im Gemeinschaftsleben erweist sie sich als gegenseitig. Das gesamte irdische Leben besteht aus einer Aufeinanderfolge von Nachsicht und Mitleid. Die Menschen bekunden diese wohltätigen Eigenschaften mitunter bewusst, doch öfter erweisen sie Nachsicht aus Gutmütigkeit, ohne ihrem Lächeln eine besondere Bedeutung beizumessen.

       Im Alltag weiß irgendjemand immer mehr als andere, doch aus Menschlichkeit wird er sich damit nicht wichtigtun und den anderen ihre Unwissenheit vorwerfen. Er wird im Gegenteil alle Mühe aufwenden, um sein Wissen auf menschlichem Wege einzubringen. Bereits vor langem haben Wir gesagt, dass Gespräche dem Bewusstsein des anderen entsprechend erfolgen müssen; solche Gespräche kann man als menschlich bezeichnen.

       Man fragt Uns nach Unserem inneren Leben: Es ist menschlich und auf große Geduld gegründet. Unterstellt Uns keinen Hochmut, wenn Ich von großer Geduld spreche. Sie muss groß, erprobt und auf Menschenliebe gegründet sein.

       Es ist nicht möglich, Geduld im Alltagsleben leicht zu erreichen. Die Angefülltheit des Raumes unterstützt die Aneignung von Geduld nicht. Viele Ströme behindern die Menschen, die von ihnen noch nicht einmal eine Vorstellung haben. Wir wissen, wie schwer das irdische Leben ist. Es irrt sich, wer das Leben aus Unwissenheit für leicht hält. Doch dieser Übergangszustand ist weise eingerichtet, um die Klinge des Geistes wahrhaft zu stählen! Das Geisteskorn ist unwandelbar, doch es ist in ein Gewand gehüllt, das der Mensch selbst webt. Das Weben dieses Gewandes ist nicht leicht.

      Wenn man dies weiß, kann man Samenkörner der Menschlichkeit aussäen. Man darf sie nicht mit einem bestimmten Vorsatz ausstreuen, denn dieser Garten wird um der höheren Schönheit willen geschaffen.

      So zählen Wir die Grundlagen Unseres Inneren Lebens auf. Wenn in jemandem der Wunsch und die Festigkeit lebt, sie anzuwenden, möge er es tun.

      Je angespannter die Stunde, desto größer ist der Verdienst der vollbrachten Tat. Wir verheimlichen die Komplexität der Lebensgrundlagen nicht, und in diesem gegenseitigen Vertrauen erstarkt die Menschlichkeit.

       Der Denker verstand, wie viele Hindernisse auf dem Weg des Menschen liegen. Wenn ein Zusammenstoß erfolgte, flüsterte Er: „Umgehe diesen Stein!“

 

       554. Urusvati weiß, dass der Mensch ein Behältnis alles Existierenden darstellt. Von den Keimen sämtlicher Krankheiten bis zu den höchsten transzendentalen Möglichkeiten vermag er alles in sich hervorzurufen. Durch eigene Zulassung kann er jede beliebige Krankheit hervorrufen, doch er kann sich auch auf natürliche Weise an die Höchsten Kräfte anschließen. Der Mensch muss nur seine Untrennbarkeit vom Weltall verstehen. Unglück tritt ein, wenn die Menschen ihre Möglichkeiten vergessen. Sie tun dies jedoch allzu oft, weshalb auch die Zahl der Nöte allzu groß ist.

       Keine Spezialwissenschaft kann die Erkenntnis der Bestimmung des Menschen ersetzen. Das Bindeglied der Welten ist der Mensch. Diese seine Bestimmung darf er nicht vergessen. Sein Los auf allen Gebieten der Arbeit ist groß. Er darf den ihm verliehenen Gaben nicht ausweichen, anderenfalls wird er zu einer Quelle von Elend. Besonders in den Tagen des Harmagedon sollte der Mensch über das Wesen seines hiesigen Aufenthaltes nachdenken. Er darf sich nicht von den vorbestimmten Möglichkeiten ausschließen.

       Keine äußere Religion wird den Menschen retten, wenn er sich durch äußere Bedingtheiten selber eingrenzt. Das Auftreten kosmischer Phänomene darf nicht vergessen werden. Mögen die Wissenschaftler hinter die Grenze des Zufalls blicken. Möge jemand die Verbindung zwischen den Stimmungen der Menschen und physischen Phänomenen aufzeigen. Möge die Wissenschaft sich eine Auffassung von feinstofflichen Konstellationen und Wechselbeziehungen bilden. Wir werden es nicht erzwingen, sondern bringen nur den Wunsch zum Ausdruck, dass die Wissenschaft das Wesen des Menschen in weiterem Maß erhellen möge.

       Der Denker wusste, dass die Zeit kommen wird, da die Wissenschaft über die irdische Existenz hinaus blicken wird.

 

       555. Urusvati weiß, dass die meisten Menschen zur Gedankenübertragung auf Entfernung vollkommen unfähig sind. Sie stellen sich noch nicht einmal vor, was gedankliche Konzentration bedeutet, und ihre Gedanken gleichen Schmetterlingen um ein Feuer herum. Sie wollen sich nicht vorstellen, dass ein Denken, das durch die alltäglichen kleinen Gedanken zerschlagen wird, sich als Kakophonie[43] erweist.

      Sie wären äußerst empört, wenn ein Telegraphist in eine Mitteilung seine eigenen Worte einfügen würde. Sie wären entrüstet, wenn jemand mitten im Spiel eines Virtuosen die Saiten berühren würde. Aus der Sicht der Zuhörer wäre dies unzulässig. Wenn aber Gedanken durch irgendjemandes unsinnige Ausrufe unterbrochen werden, wird dies nicht verurteilt, denn man versteht noch nicht einmal die Bedeutung des Gedankens überhaupt. Man muss aber anerkennen, dass der Gedanke das grundlegende Wesen des Daseins darstellt.

       Man wird sagen, für Gedankenkonzentration seien irgendwelche besonderen Schulen notwendig. Keineswegs. Jeder Mensch vermag sich in der Gedankenkonzentration zu üben, indem er mit den einfachsten Gegenständen beginnt. Wenn man sich selbst dazu veranlasst, klar zu denken, wenn auch nur eine Viertelstunde am Tag, wird dies bereits gute Folgen zeitigen.

       Vergessen wir überdies nicht, dass jeder Gedanke von irgendjemandem gehört wird. Ist es nicht beschämend, zottiges Denken in den Raum gelangen zu lassen? Wir sind sehr betrübt, wenn Uns anstelle klarer Gedanken irgendwelche groben Fetzen erreichen. Sogar dann, wenn jemand Uns anruft, geraten irgendwelche Bruchstücke selbst in den Namen. Man muss den Empfänger schonen und versuchen, kurz, klar und ohne überflüssige Beifügungen zu senden. Ihr selbst entscheidet, was für euch das Wichtigste ist, und werdet die geeignetste Ausdrucksweise finden.

       Der Denker lehrte: „Wenn ihr das Erhabenste kurz ausdrücken könnt, so tut es.“

 

       556. Urusvati weiß, dass den Atlantiern die Luftfahrt bekannt war. Ist es nicht seltsam, dass diese Errungenschaft nach dem Untergang von Atlantis verschwand? Es hätten doch einige übriggebliebene Atlantier vom Geheimnis des Fliegens wissen können. Doch stattdessen blitzten in den Chroniken nur kurze Aufzeichnungen über Luftschiffe auf, und später wurden diese Enthüllungen für lange Zeit vergessen. Die geringe Kenntnis über Salomon und sein fliegendes Schiff blieb im Bereich der Märchen, ebenso wie auch das Märchen vom fliegenden Teppich. Die Menschheit hat bereits mehrmals von Flügeln geträumt, doch die Suche danach dauerte Jahrtausende.

       Warum sollte die Menschheit eines solchen Vorzuges für lange Zeit beraubt sein? Doch nicht nur eine einzige Errungenschaft wurde vergessen, als ob sie uns entrissen worden wäre. Es konnte nicht anders sein, da die Menschen ihre grundlegende Bestimmung vergessen haben.

       Man darf sich nicht wundern, dass auch heute viele Entdeckungen sich verzögern. So kann man erfahren, dass notwendige Aufzeichnungen verschwinden und schon bereite Enthüllungen hinausgeschoben werden.

       Die Menschen sind bereit, verschiedenen Märchen Glauben zu schenken, bemerken jedoch die Wirklichkeit nicht. Der Fortschritt hat seine Höhen und Tiefen. Es ist an der Zeit, die Aufmerksamkeit auf die Wellen der menschlichen Errungenschaften zu lenken. Richtig sagt man, dass die Geschichte nur fragmentarische Informationen überliefert hat, doch auch diese kurzen Andeutungen helfen einem tiefschürfenden Forscher.

       Dem Denker war das Alter der Erde und des Menschen bekannt. Er bestätigte, dass der Planet viele Katastrophen durchlebt hat. Und Er war es auch, der von Atlantis schrieb, was die Menschen jedoch lange für ein Märchen hielten. Die beste Wirklichkeit ist für die Unwissenden – ein Märchen.

 

       557.[44] Urusvati weiß, dass der feinstoffliche Körper durch gute Taten genährt wird. Viele fassen dies als ein Paradoxon oder eine Absurdität auf. Für sie existiert der feinstoffliche Körper nicht und ist der Begriff der guten Taten überaus relativ. In Wirklichkeit jedoch erstarkt der feinstoffliche Körper durch alles Hohe, und deshalb sind gute Gedanken und Taten so nützlich.

       Auch die Kunst trägt Augenblicke höchster Freude herbei, eine solche Kost ist für den feinstofflichen Körper äußerst nahrhaft. Wenn alte Redewendungen von Ernährung durch Luft sprachen, hatten sie die Einwirkung guter Konstellationen auf den feinstofflichen Körper im Sinn.

       Einige meinen, der feinstoffliche Körper sei unzerstörbar und irdische Einwirkungen könnten ihm keinen Schaden zufügen, doch diese Auffassung hat keine Grundlage. Der feinstoffliche Körper ist trotz allem ein stofflicher Körper. Er kann erkranken, erstarken oder sich sogar zersetzen. Er hat sein eigenes Leben, und manchmal befindet er sich noch nicht einmal in Übereinstimmung mit dem grobstofflichen Körper. Inmitten verschiedener Einwirkungen kann gerade der feinstoffliche Körper früher reagieren als der grobstoffliche.

       Wir sprachen von sogenannten lebenden Leichnamen. Sie sind im feinstofflichen Körper bereits gestorben, während der grobstoffliche noch lebt. In solchen Fällen befindet sich die psychische Energie in einem unnormalen Zustand. Sie tritt mit dem feinstofflichen Körper nahezu aus, doch wenn die physische Arbeit des Herzens weitergeht, bleibt auch die Energie mit der sich zersetzenden Hülle verbunden.

       Man muss verstehen, dass solche Organismen nicht fortschreitend schaffen können und auf einer schiefen Ebene hinabgleiten. Wir nennen solche Organismen leere Hüllen. Man darf sie jedoch nicht mit Besessenheit verwechseln, die bei Schwächung des feinstofflichen Körpers eintreten kann, der sich wahrlich durch hohe Taten nährt.

       Der Denker beharrte darauf, dass der Mensch sein Herz durch Musik erneuern müsse. Die Musik wurde als die alle Musen umfassende Sphäre verstanden.

 

       558. Urusvati weiß, wie vielfarbig der Agni Yoga ist. Ein aufmerksames Auge kann viele Farbabstufungen der Flamme unterscheiden. Die umgebenden Bedingungen beeinflussen die Farbe der Flamme. Ebenso trat zu verschiedenen Zeiten eine besondere Notwendigkeit für einen Yoga auf. Man kann die Erhabenheit des Raja Yoga sehen, das Strahlen des Bhakti Yoga feststellen und die Anspannung des Gnana Yoga erkennen, doch lässt sich auch die überragende Notwendigkeit des leuchtenden Karma Yoga finden. Arbeit ist in den Tagen der Wirrnis der Menschheit unabdingbar. So werden wir inmitten der verschiedenen Farben des Agni Yoga den Stamm des Karma Yoga finden; auf dieser Grundlage wird die Menschheit Rechtfertigung finden.

       Lasst uns nicht erstaunt sein, dass dem strengen Karma Yoga nicht immer der Vorzug gegeben wurde. Mitunter hat man ihn unter dem Eindruck der Größe und des Lächelns anderer Errungenschaften gleichsam vergessen. Wir wissen, dass der Karma Yoga solche ungestümen Errungenschaften wie der Bhakti Yoga nicht zu geben vermag, doch wird Arbeit der Rettungsanker des Planeten sein.

      Möge auch der Purpur des Raja Yoga erhaben und das himmelblaue Strahlen des Bhakti Yoga herrlich sein, nicht weniger herrlich sind die dunkelblaue und die violette Farbe des Karma Yoga. Er hat gewissermaßen etwas von dem Purpur empfangen und ebenso das himmelblaue Strahlen verkörpert. Arbeit ist sowohl erhaben als auch voller Liebe. So lasst uns in der Flamme des Yoga, der Agni Yoga genannt wird, die Farben der Arbeit erblicken.

       Es ist notwendig, dass der Mensch die Schönheit des Blühens der Arbeit tiefgreifend erkennt. Möge er die Arbeit nicht als etwas ansehen, das ihm das tägliche Brot sichert, sondern als die Rettung des Planeten. Bewusste Arbeit schafft nämlich eine heilsame Emanation, welche die vergifteten niederen Schichten der Atmosphäre bekämpfen kann.

       Wir beobachten die Arbeitenden. Unter ihnen treten wahre Karma Yogis in Erscheinung, doch können sie sich oftmals nicht so bezeichnen, da sie dieses Wort noch nie gehört haben. Unser Freund Iwan Hunderttausender[45] kennt dieses Wort nicht, doch er kennt die Arbeit.

       Der Denker lehrte: „Keine Geschichtsschreibung vermag die wahren Arbeiter aufzuzählen, ihr Verzeichnis wird jenseits der Wolken geführt.“

 

       559. Urusvati weiß, dass jeder Yoga eine tiefgreifende Disziplin erfordert. Das muss man sich merken, denn einige meinen, verschiedene Yogaformen bedürften keiner tiefgreifenden Disziplin; sie meinen, es gäbe leichte und schwere Yogaformen, und träumen von der allerleichtesten. Die innere Disziplin aller Yogaformen ist jedoch ein und dieselbe.

       Die Anspannung der uranfänglichen Energie muss mächtig sein. Sie bildet Immunität, die bei geöffneten Zentren so sehr notwendig ist. Irgendjemand bezeichnete den Yogi einmal als einen Menschen mit abgezogener Haut; ein grober Vergleich, der jedoch nicht der Wahrheit entbehrt. In der Tat, wenn der Yogi sich keine Immunität erarbeiten würde, ertrüge er die Berührungen mit räumlichen Strömen nicht. Urusvati weiß, dass einige Ströme schmerzhafte, kratzende und sogar stechende Empfindungen verursachen. Man kann sich vorstellen, was ohne die Bildung von Immunität geschähe!

       Nun wird jemand lachen, wenn Wir sagen, dass der Hauptfaktor beim Erwerb von Immunität gutes Denken ist. Wer die Kraft guter Gedanken nicht anerkennt, kann kein Yogi werden; sie sind der beste Pförtner beim Eintritt in die Feinstoffliche Welt.

       Wie viele Menschen halten sich selbst für Yogis, sind aber voller Bosheit! Die Menschen nehmen an, dass eine plötzliche Erleuchtung durch ihre Kraft sie über alle Hindernisse hinwegführe. Erleuchtung kann plötzlich eintreten, doch ist dafür eine große innere Anspannung erforderlich. Einen solchen Zustand muss man ansammeln. Nicht das Kreuzen der Beine, sondern die Konzentration guten Denkens bringt rasche Hilfe. Die freiwillige, täglich geübte Disziplin des Denkens zeitigt die besten Folgen.

       Wir kehren wiederholt zum Begriff der Freiwilligkeit zurück. Sie ist die erste Bedingung der Disziplin. Die geringste Vorstellung von Zwang vernichtet alle Errungenschaften. Nicht nur zwingt ein Lehrer nicht, auch der Mensch soll sich nicht selbst zwingen. Disziplin des Guten ist Freude, die sich selbst erzeugt. Welch unzerstörbare Immunität wird durch Freude geschaffen! Und die Ruhe eines Yogi rührt nicht von zurückgezogener Aufregungslosigkeit her, sondern von innerer flammender Freude: Dies ist der Weg der Disziplin. Man wird sagen: Wie einfach! Doch wissen sie nicht, dass Freude eine besondere Weisheit ist.

       Der Denker lehrte: „Wer Freude gelernt hat, hat den Weg der Weisheit betreten.“

 

       560. Urusvati weiß, dass die psychische Energie sogar auf geringfügige atmosphärische Erscheinungen reagiert; darüber hinaus ist diese Energie höchst individuell. Ihre Eigenschaften zu erkennen ist umso schwerer, als es noch nicht einmal eine Nomenklatur zur Bezeichnung ihrer Erscheinungen gibt. Es lässt sich verfolgen, dass die psychische Energie auf alles antwortet, was einen Tatmenschen berührt.

       Man kann die unzusammenhängendsten, chaotischsten Wörter vernehmen, die sinnlos erscheinen mögen, doch wird jedes von ihnen mit einer direkten oder indirekten Beziehung ausgesprochen. Der Tatmensch selbst vermag seinen Apparat nicht zu verschließen, um gleichzeitig herantretende ferne Rufe zu unterbinden, doch fühlt er, wenn etwas eine besondere Bedeutung besitzt.

      Nicht selten ist es schwierig zu bestimmen, wann das Gehörte eine besonders starke Bedeutung besitzt, doch die Mitteilungen werden im Speicher des Bewusstseins zusammengesetzt. Mit der Zeit tauchen sie aus der Tiefe des Bewusstseins auf und bestätigen das Geschehen.

       So beobachten Wir all die unzähligen Eigenschaften der psychischen Energie. Es ist unmöglich, sie einem einfachen Gesetz zu unterwerfen, doch liegt in der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen dieser Energie ein besonderer Zauber. Die Freigebigkeit des Kosmos kommt in allen einzigartigen Erscheinungen zum Ausdruck, die der menschliche Verstand niemals erfassen wird. Dies hindert jedoch nicht daran, die Energie zu erforschen. Sie ist wie ein nie endendes Buch der Natur. Daher rufen Wir die gesamte Menschheit zur kollektiven Erforschung der uranfänglichen Energie auf.

       Der Denker sah bereits voraus, dass der Mensch die Natur überwinden kann, wenn er versteht, durch welches Tor man in diesen Kampf hinausgehen muss.

 

       561. Urusvati weiß, dass der Führer den freien Willen des Schülers nicht zwingen kann, die Führung jedoch gleichzeitig fortgesetzt werden muss. Diese Aufgabe ist selbst für einen erfahrenen Führer schwierig. Man kann sehen, dass ebensolche Schwierigkeiten sich in jedem Alltagsleben finden.

       Keine ausgeklügelte Methode, wohl aber das Klopfen des Herzens kann die Konsonanz finden, die wiederum den Weg zur Vervollkommnung des freien Willens findet. Er kann erzogen werden, doch welche zarten Berührungen sind erforderlich, um ihn nicht zu reizen. Der Lehrer muss wissen, dass der Wille den kostbarsten offenbarten Sieg darstellt. Nur der Wille schmiedet die Annäherung an den Weg der Evolution. Man darf diese Blume nicht zertreten, die im Verlauf vieler Existenzen erblüht. Möge eine äußerst verfeinerte Fürsorge bei der Aufklärung des Willens, ja gerade des Willens bezeigt werden.

       Ich bestätige, dass nicht allein Bildung, sondern auch Aufklärung notwendig ist, wenn die Führung einen solchen empfindlichen Apparat wie den Willen berührt, der mit der psychischen Energie verbunden ist. Er ist gleichsam die Offenbarung des Vorwärtsstrebens. Er schwingt unaufhörlich und muss sich entwickeln. Verlust des Willens bedeutet Zersetzung. Ohne Willen kann man unmöglich den Wellen des Chaos entgegentreten.

       Der Denker half den Schülern, den Willen an den alltäglichsten Dingen anzuspannen. Er sprach: „Ein Bogen darf nicht ohne Benutzung bleiben, da er sonst austrocknen und brechen wird.“

 

       562. Urusvati weiß, dass in den Chroniken mystischer Bruderschaften der Antike von vielen Hindernissen erzählt wird, die den Eingeweihten auf ihrem Weg begegneten. Aus diesen Aufzeichnungen kann man ersehen, dass die Bruderschaften ein umfangreiches Wissen über die Gesetze des Daseins besaßen. Die Lehrer solcher Bruderschaften warnten die Eintretenden vor der Unausweichlichkeit finsterer Angriffe. Ängste durften die Brüder nicht verwirren, sie wussten im Gegenteil, dass in dem Maß des Aufstiegs auch die Angriffe stärker werden.

       Viele Ratschläge wurden gegeben, wie Verwirrung und Zweifel zu vermeiden sind. Es existierte sogar eine feierliche Hymne, die in Zeiten besonderer Bedrückung zu singen war. Freude musste zum Ausdruck gebracht werden, wenn Ungerechtigkeit über die Brüder hereinbrach. Es wurde auch darauf hingewiesen, welches Mitgefühl die Bedrängten umgeben und dass man sie wie Empfänger von Ehrenzeichen begrüßen müsse.

       Auf eine weitere Bedingung wurde jedoch nicht hingewiesen: Gerade über Reichtum und Geld äußern sich die Chroniken überhaupt nicht. Die Ursache ist einfach: Jeder in die Gemeinschaft Eintretende verzichtete auf persönliches Eigentum. Wenn er Geld besaß, legte er dies offen und wurde zum Hüter dieses gemeinschaftlichen Besitzes ernannt. Eine solche, auf vollstes Vertrauen gegründete Vereinigung konnte nur bei hohem Denken bestehen.

       Man darf sich nicht wundern, dass solche Gemeinschaften leben konnten. Vom heutigen Standpunkt aus müssten sie als unsinnig escheinen, doch in den alten Zeiten, als die Menschen keine eisernen Flügel hatten, verfügten sie mitunter über Flügel des Lichts. Die Menschen erkennen nicht an, dass ihre Ahnen Aufschwünge des Denkens haben konnten, die sie zu herrlicher Selbstverleugnung führten. Doch hat die Erde auch solche Bewohner gehabt, und sie waren in der Lage, an das Allgemeinwohl zu denken.

       Der Denker schlug den Mitbürgern vor: „Wenn ihr die Heldentat vergessen habt, lasst uns auf den Friedhof gehen. Mögen die Sarkophage eurer Ahnen euch an die Kühnheit gemahnen, in der das Leben für das Vaterland hingegeben wurde. Die Nekropolis[46] erweist sich mitunter als lebendiger als die Akropolis[47].“

 

       563. Urusvati weiß, dass nur ein geringer Teil der Menschheit annimmt, dass es nach dem Abtreten von der Erde gar nichts mehr gibt. Mit diesen Menschen sollte man nicht über die Feinstoffliche Welt sprechen. Sie würden die Erinnerung nicht ertragen. Ihr Bewusstsein kann die Wirklichkeit der Feinstofflichen Welt nicht aufnehmen und festhalten. Es ist nicht möglich, ihnen mit Worten die ununterbrochene Fortdauer des Lebens nahezubringen. Allein aufgrund persönlicher Erfahrung werden sie schrittweise das Wesen der Dinge erkennen und lernen, ihr Bewusstsein zu vertiefen.

       Solche Verneiner kann man unter jenen Menschen finden, die man praktische Realisten nennt. Natürlich werden auch diese beiden Begriffe in falscher Weise verwendet. Sie sollten auf die Wirklichkeit bezogen werden, doch unbegründete Verneinung ist Unwissenheit.

      Ebenso vorsichtig muss man an die Mehrheit der Menschen herantreten, die die überirdische Existenz auf ihre eigene Weise deutet. Sie stellen sich die Feinstoffliche Welt abhängig von den Traditionen ihrer Religionen unterschiedlich vor. Und die Feinstoffliche Welt ist derart mannigfaltig, dass jede Vorstellung von ihr eine gewisse Grundlage hat. Daher darf man die Menschen nicht von ihrer Auffassung abzubringen versuchen und ihnen sagen, ihre Vorstellung finde in der Wirklichkeit keinen Platz. Beim Gedankenschaffen können sich die ungewöhnlichsten Kreationen ergeben. Das Wesen der Feinstofflichen Welt erscheint, als ob es von einem Spinngewebe menschlicher Vorstellung bedeckt sei.

       Mögen auch die Bewohner der Feinstofflichen Welt die Schönheit des Aufstiegs durch Erfahrung lieben lernen. Man kann die Menschen nicht zwingen, die Schönheit zu erkennen, wenn ihr Auge die Wirklichkeit noch nicht zu verstehen vermag. Worum man sich jedoch bemühen muss, ist, dass die Menschen die ununterbrochene Fortdauer des Lebens verstehen, diese Wahrheit als unabänderlich annehmen und den Weg des Aufstiegs lieben lernen. Lasst uns nicht darüber streiten, wie man sich dieser Erkenntnis am besten Weise nähert; möge man jedoch im Gedächtnis behalten, dass jeder Wanderer sich der Wahrheit nähert, wenn er es wünscht. So mögen die Menschen dies wollen, und nichts Irdisches wird diesen Wunsch behindern können.

       Der Denker sprach: „Der Wille zum Guten wird den Sieg bringen. Der Steinmetz und der Architekt, beide errichten sie den Tempel.“

 

       564. Urusvati weiß, dass religiöser Streit besonders heftig ist. Man darf sich nicht in einen Streit über Religionen einmischen. Man muss Gutes schaffen, und die Menschen mögen einander nicht im Namen des Barmherzigen Gottes abschlachten.

       Eine Lehre ist gut, wenn sie sich in würdigen Händen befindet. Dies lässt sich auf alle menschlichen Einrichtungen anwenden. Es wurde vor langem festgestellt, dass die Lebensform von der Ehrenhaftigkeit der Regenten abhängt. Man muss seine ganze Toleranz aufwenden, um sich nicht in benachbarte Religionen einzumischen.

       Man kann das Bekanntmachen mit allen Religionen vorsichtig in die Bildung einführen, doch muss dieser Gegenstand weise unterrichtet werden. Wir haben von dem Schaden gesprochen, der durch Zwang entsteht. Erinnert euch, dass Zwang eine Vergiftung des Bewusstseins darstellt. Ein jeder ist frei, seine Grundsätze zum Ausdruck zu bringen. Möge er dies aus sich selbst heraus und für sich selbst tun, um nicht in den Verdacht zu geraten, jemand anderen verführen zu wollen.

       Es ist schwer, anzuerkennen und nicht zu zwingen. Nur ein verfeinertes Bewusstsein wird eingeben, wo sich die herrliche Grenze befindet, innerhalb derer das Streben zum freien Dienst liegt. Die Menschen fürchten dieses Wort, denn es enthält eine Verpflichtung. Tapfer muss man alles annehmen, was mit der Pflicht verbunden ist, für das Gemeinwohl tätig zu werden.

       Der Denker lehrte: „Hört ihr den Lärm auf dem Platz? Erneut stürzt man die alten Götter, um den Olymp mit neuen zu bevölkern.“

 

       565. Urusvati weiß, dass Liebe zur Menschheit Liebe zum Heimatland nicht ausschließt. Man kann dem Irrtum begegnen, ein einzelnes Volk gehe in der Menschheit auf. Einige bilden sich ein, eine solche Deutung sei Zeichen eines weitgefassten Denkens. Wir haben hinreichend oft von der Menschheit als ganzer gesprochen und die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt; so ist es umso angebrachter, jetzt über den Begriff des Vaterlandes zu sprechen.

       Nicht ohne Grund wird ein Mensch in einem bestimmten Land geboren und gehört einem bestimmten Volk an. Karmische Bedingungen lenken den Menschen an einen bestimmten Ort. Vor der Verkörperung erkennt der Mensch die Ursachen seiner Bestimmung und stimmt ihr zu. Jede Verkörperung erfolgt freiwillig. Es kann eine Abneigung gegen die Rückkehr zur Erde bestehen, doch wird diese schließlich unausweichlich und geschieht im letzten Moment freiwillig.

       Die Berührung mit verschiedenen Völkern schafft eine besondere Nähe oder Entfremdung, doch gewichtige Gründe lenken den Ankömmling zu einem bestimmten Volk. Wenn man dies alles weiß, kann man die Anziehung eines Menschen zu seinem Vaterland verstehen. Beim Dienst an der Menschheit wird unzweifelhaft ein großer Teil dem Heimatland zukommen.

       Man darf nicht denken, die besondere Liebe zur Heimat sei ein beschränktes und unvollkommenes Gefühl. Man kann die Unvollkommenheit der Angelegenheiten in der Heimat erkennen, dennoch wird die ihr zugewandte Bestrebung nicht nachlassen. Karma führt den Menschen nicht allein an einen bestimmten Ort, sondern auch zu einer bestimmten Aufgabe, die einem bestimmten Volk dient.

       Die Menschen lehnen nicht selten ihr Heimatland aufgrund verschiedener nebensächlicher Umstände ab. Sie kennen das Wesen der Dinge nicht und erfüllen auch ihre karmische Aufgabe nicht. Nicht selten geben sie ein altes zynisches Sprichwort von sich: „Wo es mir gut geht, dort ist meine Heimat.“ In diesem Zynismus liegt ein großer Irrtum. Wahrlich, derjenige vermag der Menschheit besser zu helfen, der dies wegen seines Vaterlandes tut.

      In Verwirrung geht die menschliche Würde verloren. Unter dem Trugbild eines allgemeinen Verständnisses verlieren die Menschen jegliches Verständnis. Dies bedeutet, man muss sich den Grundlagen, wirklich den wissenschaftlichen Grundlagen zuwenden. Die Erkenntnis der Karmagesetze wird lehren, die Bestimmungen des Menschen zu erkennen.

       Daraus folgt nicht, dass ein heimatverbundener Mensch gebunden oder unglücklich wäre. Flügel können ihn über die ganze Welt tragen. Er wird die ganze Menschheit lieben, aber auch wissen, was dem Heimatland dient.

       In der Lehre des Lebens muss in klarer Weise von der Bestimmung des Menschen gesprochen werden. Auf dem Weg liegen eine Menge Hindernisse und Wirren. Kaum jemand wird als Reaktionär gelten wollen. Im Wunsch nach Zusammenfassung ist der Mensch bereit, sich um die Bevölkerung des gesamten Planeten zu kümmern und dabei die Erfordernisse seines eigenen Heimatlandes zu vergessen. Möge der Mensch daran erinnert werden, wo seine besten Kräfte angewendet werden müssen.

       Der Denker strebte danach, ein wahres Verständnis des Vaterlandes zu entwickeln. Er sprach: „Bürger, dient der Heimat und wisset, dass ihr hierher gekommen seid, um eine große Pflicht zu erfüllen.“

 

       566. Urusvati weiß, dass jeder von Uns zum Überirdischen strebte, dabei aber das Irdische nicht vernachlässigt hat. Ist es möglich, die Erde zu vernachlässigen, die doch die Menschheit ernährt und auf der sich Heldentaten der Vervollkommnung vollziehen? Der Mensch versteht die Kostbarkeit der Erde, legt sie jedoch oftmals falsch aus.

       Ihr konntet feststellen, dass jeder von Uns für das Irdische gearbeitet hat; sogar jene, die ein Klosterleben bevorzugten, haben sich nicht zu einem Einsiedlerleben verurteilt. Sie setzten den Aufbau fort und trugen ihre Arbeit zum Nutzen der Menschheit bei. Sie waren nicht mit Gold behangen, sondern verkehrten mit den weltlichen Menschen und hinterließen ein Andenken als Friedensstifter und Erbauer.

       Wir verurteilen die Einsiedler nicht, die mit der Kraft ihres Denkens große Hilfe erwiesen haben. Lasst uns sehen, wie diese Glaubenskämpfer es verstanden, die psychischen Kräfte zu beherrschen. Sie reinigten ihr geistiges Wesen in einer solchen Weise, dass sie die Menschheit überholten. Doch Unsere Arbeit besteht in unmittelbarer Hilfe für die Menschen.

       Unser Inneres Leben ist mit einem Wort zu definieren: „Wir helfen“. Diese Arbeit ist sehr mühsam, denn die Menschen weisen wirkliche Hilfe auf jede erdenkliche Weise ab. Sie bitten um Hilfe, doch wenn sie sich zu gestalten beginnt, unterstützen die Menschen sie nicht nur nicht, sondern wehren sich nahezu gegen sie.

       Nicht nur einmal haben Wir die Menschen davor gewarnt, die Hilfe zu behindern. Doch sie urteilen nach sich selbst, und jedes weitergefasste Verstehen schreckt sie bereits. So erfahren Wir selten Zusammenarbeit; diese ist aber kostbar, denn die Erde erfordert das äußerste Streben mit menschlichen Händen und Füßen. So zwingt das Überirdische dazu, an das Irdische zu denken.

       Als großer Philosoph forderte der Denker, dass die Schüler tätige Bürger werden sollten.

 

       567. Urusvati kennt Magnetstürme, die auf das Selbstgefühl von Menschen und Tieren sowie auf alles Existierende einwirken. Doch über solche Einwirkungen hinaus befindet der Mensch sich unter dem Einfluss psychischer Stürme. Man muss anerkennen, dass solche psychischen Stürme neben den räumlichen Strömen existieren. Diese Ströme können überaus schwer sein, und ihre Einwirkung wird durch die psychischen Stürme noch verstärkt.

       Magnetstürme vollziehen sich ohne menschliche Teilnahme, doch psychische Stürme entstehen gerade aufgrund menschlichen Wahnsinns. Während gewaltiger Kriege und Erschütterungen lässt sich beobachten, wie sehr nicht nur Krankheiten, sondern auch psychisches Ungleichgewicht zunehmen.

       Es erstaunt Uns, dass die Ärzte gerade in Kriegszeiten keine Beobachtungen vornehmen. Sie sagen, in solchen Zeiten sei vorrangig die chirurgische Arbeit gefordert, verlieren aber aus dem Blick, dass auch psychiatrische Ärzte notwendig sind. Sie beachten die ungewöhnlichen Umstände nicht, die sich niemals zuvor derart verdichtet haben, wie es jetzt geschieht.

       Fasst das Gesagte nicht als eine Philosophie des Harmagedon auf; die vorhandenen Zusammenstöße sind aber so angespannt, dass eine heilsame Einwirkung erforderlich ist. Lasst uns nicht verzagen, denn auch solche weltweiten Schrecken tragen zur Reinigung bei. Dennoch sollten wir wissen, dass das innere Leben angespannt ist.

       Der Denker sah voraus, dass mit dem zahlenmäßigen Anwachsen der Menschheit die sichtbaren wie die unsichtbaren Gefahren zunehmen würden.

 

       568. Urusvati weiß, dass ein unentwickeltes Vorstellungsvermögen der Vervollkommnung überaus schadet. Unter Vorstellung verstehen die Menschen etwas Unwahres, doch in Wirklichkeit dient ein richtig entwickeltes Vorstellungsvermögen der Erweiterung des Bewusstseins. Es fördert die Aufnahmefähigkeit und Beweglichkeit des Denkens.

       Wenn den Menschen irgendeine Mitteilung zu Ohren kommt, unterschieben sie gewöhnlich ihr eigenes, egoistisches Verständnis. Sie erfassen weniger den Sinn, sondern ersetzen ihn durch ihre eigenen illusionären Auslegungen. Doch bei einem unvollkommenen Vorstellungsvermögen werden auch die Auslegungen begrenzt sein.

       Die Menschen meinen, Vorstellung sei ein gewisser Zustand, der sie von der Wirklichkeit wegführt; indessen erlaubt ein entwickeltes Vorstellungsvermögen, die Wirklichkeit in umfassender Weise zu erkennen. Vergessen wir nicht, dass Vorstellungsvermögen die Aufspeicherung von Erfahrungen vergangener Leben ist. Bei einem auf Erfahrung gegründeten Studium kann es keine Trugbilder geben.

       Ein umfassend gebildeter Mensch sollte auch über eine weite Vorstellung verfügen. Für ihn verringert sich das Unmögliche, und es tut sich ihm ein weites Blickfeld alles Möglichen auf. Zu Unrecht nennt man mit Vorstellungsvermögen begabte Menschen Träumer. Der Traum eines erleuchteten Geistes ist eine reale Vorausschau.

      Über die Bedeutung der Vorstellung muss man zu einer klaren Übereinkunft gelangen. Dies ist im Jahrhundert der Umgestaltung der Welt und der Neueinschätzung der Werte besonders notwendig. Man muss die bedingte Bedeutung vieler Begriffe überprüfen, sonst werden die Menschen zwischen Trugbildern umherirren. Möge wahres Wissen die Menschen zum Überirdischen hinziehen. Bei der Überprüfung des Daseins muss man mutig sein.

       Der Denker lehrte: „Vielleicht sind unsere Augen durch Staub getrübt, lasst uns unser Haus von ihm reinigen.“

 

       569. Urusvati kennt die Freude der Bewunderung von hervorragender Qualität. Man kann die Erhabenheit der Natur bewundern; man kann eine selbstlose Heldentat bewundern; man kann die hohe Qualität von Erzeugnissen bewundern; man kann die gute Konstruktion von Maschinen bewundern; man alles bewundern, in dem sich höhere Qualität offenbart. Ein solches Entzücken ist eine der am wenigsten egoistischen Empfindungen.

       Den Menschen ist die herrliche Gabe verliehen, nicht nur zu schaffen, sondern auch Qualität zu bewundern. Der Reiche wie der Arme, der Herrscher wie der Bettler können sich in gleicher Weise entzücken, und diese Freude bildet eine Art heilsamer Kuppel über die vielgeplagte Erde.

       Die Menschen entsetzen sich zu Recht über die Menge an Abscheulichkeiten, welche die Erde vergiften. Sie fragen, womit man diese Geschwüre der Menschheit bedecken kann. Eines der sichersten Mittel ist Freude. Sie ist das beste Gegengift, sowohl physisch als auch psychisch. Glücklicherweise ist niemand der Fähigkeit zur Freude beraubt.

       Hell leuchtet die Freude über hohe Qualität. Nicht Selbstsucht, sondern das Allgemeinwohl wird in dem Augenblick geboren, in dem Freude entsteht. Wir leben durch diese Freude. Die Natur und schöpferische Tätigkeit verleihen eine unerschöpfliche Freude, anderenfalls würde die entsetzliche Schlacht alles mit Finsternis überziehen. Man fragt nach Unserem Inneren Leben: Es besteht nicht nur aus Arbeit, sondern auch aus Freude.

       Der Denker kannte die heilsame Eigenschaft der Freude. Er lehrte: „Selbst der letzte Sklave ist nicht der Freude über das Weltall beraubt.“

 

       570. Urusvati weiß, dass verzögertes Karma verzehnfacht wirkt. Der Mensch muss verstehen, wie sehr er selbst die karmischen Folgen fördern kann. Er muss erkennen, wie wenig nützlich es ist, sich gedanklich in die Vergangenheit zu versenken. Besser, viel besser ist es, an zukünftige Taten zu denken. Mögen sie vollkommen sein, und möge dazu der stärkste Wunsch aufgebracht werden. Unter Gedanken über eine bessere Zukunft wird ein bedeutender Teil von Karma überwunden.

       Die sogenannte Reue wird jedoch falsch ausgelegt. Sie wird als eine Art Trauer über das Vergangene verstanden, doch auf diese Weise beraubt sich der Mensch des Fortschritts. Ist es nicht besser, Unvollkommenheit durch etwas Vollkommeneres zu ersetzen? Oft müsst ihr den Menschen zureden, an die Zukunft zu denken.

      Möge das Schiff in den Bestimmungshafen streben und nicht auf der Suche nach verlorener Ladung auf dem Ozean umherirren. Sie liegt bereits tief auf dem Meeresgrund, und das Schiff kann mit nutzloser Suche nur die Frist versäumen. Besser ist es, das Schiff verliert einen Teil seiner Ladung, als dass es zu spät den Hafen erreicht, wo es eine neue Bestimmung erfährt.

       Man kann viele Beispiele aus dem Leben anführen, in denen Streben in die Zukunft die besten Früchte zeitigte. Dieses Streben ist sowohl auf der Erde als auch in der Feinstofflichen Welt nützlich. Wenn wir über das Überirdische nachdenken, möge gleichzeitig auch das Streben in die Zukunft in uns erwachen. So werden wir uns dem großen Karmagesetz gegenüber richtig verhalten.

       Der Denker sorgte sich darum, dass Seine Schüler das sogenannte Schicksal richtig beurteilten. Er sprach: „Moira[48] wird euch nicht ergreifen, wenn ihr schnell seid und ihr zuvorkommt.“

 

       571. Urusvati kennt den Unterschied zwischen Heldentat und wohlüberlegter Vernunft. Eine Heldentat kann herrlich, erhaben, feierlich, weise und überraschend sein, doch niemand wird sie als das Ergebnis wohlüberlegter Vernunft definieren.

       Wenn Jeanne d'Arc[49] sich an die Ältesten ihres Dorfes gewandt und von Heldentat gesprochen hätte, hätten diese sie für unvernünftig oder gar unüberlegt gehalten. Wahrlich, Heldentat ist unüberlegt, denn sie wird nicht aufgrund von Überlegung, sondern aufgrund von Gefühlswissen vollbracht.

       Es gibt eine Menge Menschen, für die Heldentat überhaupt nicht existiert. Höhere Moral endet für sie bei wohlüberlegter Vernunft. Für sie ist die gesamte Weltanschauung durch wohlüberlegte Vernunft begrenzt. Ihretwegen sind sie fähig, einem Nächsten Hilfe zu verweigern, dem Vaterland zu schaden, die Menschheit zu verraten und bei all ihren Verbrechen bereit, das tote Wort zu wiederholen: wohlüberlegte Vernunft.

       Doch legt Unser Verhältnis zur wohlüberlegten Vernunft nicht falsch aus. Dieses Wort besteht aus guten Begriffen: Das Wohl ist immer gut und weise Vernunft ist nützlich. Doch die Alltagsinterpreten bringen es zuwege, für gute Begriffe eine nahezu schändliche Anwendung zu finden. Wenn sie könnten, würden sie das Wort Heldentat vernichten, derart ist es ihrer Psychologie zuwider.

       Hier ist ein weiterer Aspekt Unseres Inneren Lebens. Wir können bestätigen, dass jeder von Uns an Heldentaten beteiligt war, von denen einige durch die Geschichte bewahrt, eine größere Zahl jedoch nicht vermerkt wurden. Der Tatmensch selbst sollte sein Gedächtnis nicht mit den Versuchen beschweren, die gut waren. Das Wort „wohlüberlegte Vernunft“ verwenden Wir jedoch nicht. Wir können zu Vorsicht und Umsicht mahnen, je tiefgründiger aber eine Tat ihrer Bedeutung nach ist, desto mehr freuen Wir Uns. Wir vermerken jede Heldentat. Sie schafft ein Glied in der Kette der Evolution.

       Ein Lehrer muss den Unterschied zwischen vielen Begriffen lehren, sonst werden die Schüler sie sinnlos wiederholen wie es gewisse Vögel tun. Die Verschmutzung der menschlichen Rede ist ein gesellschaftliches Verbrechen.

       Der Denker sprach: „Überlasst die wohlüberlegte Vernunft den Händlern, lernt ihr die Taten der Helden lieben.“

 

       572. Urusvati weiß und hat gehört, „dass Ajita[50] das Panzerhemd angezogen hat“. Ziemt es einem Friedensstifter, eine Kriegsrüstung anzulegen? Wir haben hinreichend über das Heil des Friedens gesprochen. Wir haben den Schutz der menschlichen Werke bekräftigt. Wir haben auf die Schrecken des Brudermordes hingewiesen, doch sprachen Wir auch über die Würde des Vaterlandes.

      So ordnete der ergebenste Friedensstifter an, alle Maßnahmen zur Erhaltung des Friedens zu ergreifen. Gleichwohl entsandte er ein Heer, um die Landesgrenzen seines Volkes zu verteidigen.

      Vor den Menschen steht noch immer eine ungelöste Aufgabe: Wie kann ein Friedensstifter ein Heer in den Kampf senden? Diese Aufgabe fällt dem Menschen schwer, wenn er die falschen Werte zugrunde legt. Der Mensch muss die Rettung und Verteidigung des Vaterlandes anerkennen, auf Unterjochung aber verzichten. Möge der Mensch in seinem Herzen abwägen, wo Verteidigung und wo Unterjochung ist.

       Nun müssen wir noch über den Panzer sprechen. Wir besitzen keine Panzer aus Stahl, da ein Panzer aus psychischer Energie weitaus sicherer ist. Man kann sich mit einem undurchdringlichen unsichtbaren Panzer umgeben. Manchmal haben Menschen die Unverwundbarkeit einiger Helden bemerkt. Ein starker Wille muss sich aufraffen, um den Körper außer Gefahr zu bringen.

       Der Denker lehrte die Jungen: „Mitunter ist die sicherste Rüstung eine unsichtbare. Lernt es, euch selbst zu befehlen, einen solchen Panzer zu offenbaren; er wird sich jedoch nur bilden, wenn ihr für das Allgemeinwohl kämpft.“

 

       573. Urusvati weiß, dass Feinfühligkeit anerzogen werden muss. Wenn Wir von einem feinen Ohr sprechen, nehmen einige an, es handele sich um das physische Gehör. Ebenso meinen andere, Feinfühligkeit sei eine natürliche Eigenschaft, weshalb es zwecklos sei zu versuchen, sie zu entwickeln. Natürlich ist Feinfühligkeit eine angeborene Eigenschaft, doch hängt sie von der Reinheit des Bewusstseins ab. Selbst in den günstigsten Fällen muss man sie entwickeln oder, besser gesagt, aus der Tiefe des Bewusstseins hervorrufen.

       Vor allem muss der Wunsch bestehen, Feinfühligkeit hervorzurufen. Man muss sich psychische Wachsamkeit aneignen. Glauben wir nicht, dies sei leicht. Ein jeder findet in sich ganz individuelle Hindernisse: Den einen hindert Trägheit, den anderen Misstrauen, einen dritten das Durcheinander des Lebens. Jeden hindert irgendetwas, doch Willenskraft überwindet alles.

       Man darf auch nicht in Vorurteil verfallen, sonst fühlt der Mensch etwas, was nicht sein kann. In ehrlicher Weise muss man das psychische Gehör vertiefen und Empfindungen der Wahrheit entsprechend vermerken. So können Erdbeben und andere kosmische Perturbationen[51] eine ausgezeichnete Schulung der Feinfühligkeit ermöglichen.

       Desgleichen stellt auch die Wahrnehmung fremder Auren ein weites Beobachtungsfeld dar. Inmitten der alltäglichsten Lebensumstände kann man dieselben Möglichkeiten für das Schärfen der Feinfühligkeit finden wie in den höchsten Laboratorien. Möge der Mensch alle Möglichkeiten anwenden, denn jeder befindet sich unter kosmischem Einfluss.

       Der Denker lehrte: „Die überirdischen Welten senden uns feinste Gefühlsempfindungen; lernen wir, sie aufzunehmen.“

 

       574. Urusvati weiß, dass die Verbreitung falscher Informationen eine besonders schädliche Form der Unwissenheit darstellt. Wie aber soll man mit Schulbüchern verfahren, die derart viele Irrtümer enthalten? Die Geistes- und die Naturwissenschaften sind in Bewegung und streben zu neuen, erprobten Errungenschaften. Ist es da gerecht, dass die junge Generation nicht die besten Errungenschaften erhält, sondern veraltete, armselige Irrtümer? Durch solche falschen Informationen wird viel Verwirrung in die jungen Bewusstseine getragen.

       Wenn Lehrbücher nicht rechtzeitig berichtigt wurden, muss der Lehrer die Schüler mündlich vor den Fehlern der Vergangenheit warnen. Ist es nicht beschämend, dass die Irrtümer beibehalten und junge Bewusstseine damit belastet werden? So verhält es sich auch mit den Erkenntnissen über das Überirdische.

       Lasst uns nicht in Verwirrung geraten, wenn alte Texte nicht verstanden oder unrichtig übersetzt wurden. Einige Sprachen besitzen viele konventionelle Termini[52]. Für das heutige Verständnis haben sie eine der Wahrheit nicht entsprechende Bedeutung, doch werden die Wissenschaftler sich nach und nach in diesem Labyrinth zurechtfinden, und die Jungen müssen als erste die richtigen Kenntnisse erhalten.

       Die Wissenschaftler müssen die Grundlagen der Wahrheit bestätigen, selbst wenn sie bisherige Theorien umstoßen. Weise wird es sein, wenn die Geisteswissenschaften richtige Übersetzungen der alten Texte erhalten. Es ist erstaunlich, dass die Menschen viel über verschiedene Berichtigungen sprechen, tatsächlich aber die Lehrbücher voller Irrtümer belassen. Ihr wisst, dass es für überirdische Erkenntnisse einer besonderen Ehrlichkeit bedarf.

       Der Denker sprach: „Wenn die Menschen das Irdische ehrlich bestätigen müssen, um wieviel aufrichtiger muss man sich dann dem Überirdischen zuwenden.“

 

       575. Urusvati weiß, dass in der Überirdischen Welt Zeit im irdischen Sinne nicht existiert. Es gibt Fristen, die auf unausweichliche Wirkungen gegründet sind. Unter den zuverlässigsten Fällen von Erleuchtung ist kein Hinweis auf irdische Zeit zu finden. Ihr wisst bereits, dass überirdische Fristen durch irgendwelche benachbarten Nebenumstände charakterisiert werden. Dieser Hinweis zeigt nur, dass die Überirdischen Welten den Lauf der Ereignisse voraussehen, ohne auf die sogenannte Zeit einzugehen. Ein feinfühliges Bewusstsein kann sich die Fakten der Nebenumstände merken und anhand dieser auch das übrige erkennen.

       Der Mensch kann auch in seinem irdischen Leben erkennen, dass Zeit nicht existiert. So kennt er keine Zeit, wenn er etwas sehr Wichtigem zustrebt. In der Überirdischen Welt herrscht jedoch gerade eine solche Anspannung vor. Wir können Uns in Arbeit vertiefen und dabei die Zeit vergessen.

      Nicht ohne Grund ist gesagt worden, dass bestrebte, konzentrierte Arbeit zu einem langen Leben verhilft. Sie lässt Harmonie entstehen. Sie verhilft zu Erleuchtung über überirdische Erkenntnis. Sie erkennt die Ereignisse in ihrer logischen und chemischen Bedeutung. Man muss immer im Gedächtnis haben, dass zu jeder Erscheinung ein Chemismus beiträgt.

       Dies ist ein weiterer Aspekt Unseres Inneren Lebens. Wir sind bestrebt, mit der Überirdischen Welt in Harmonie zu stehen. Auf Zeit als solche legen Wir keinen Wert. Allein das Wesen der Ereignisse, ihr Verlauf und ihre Koordinierung sind von Bedeutung. In zugänglicher Form teilen Wir die Bedeutung der Ereignisse mit. Man muss in allem das Wesen erfühlen, darin verbirgt sich auch die Fähigkeit zur Ruhe, von der Wir bereits gesprochen haben.

       Der Denker lehrte: „Strebt dem Wesen der Dinge zu, in ihm wird die Gerechtigkeit des Weltalls offenbar.“

 

       576. Urusvati weiß, dass der Zustand der Erleuchtung von den Ägyptern als „heiliger Schlaf“ und den Griechen als „göttliche Heimsuchung“ bezeichnet wurde; auch die Babylonier kannten die „Berührung durch einen Unsichtbaren Außerirdischen“. Jedes Volk wollte auf seine Weise die Besonderheit, ja Außerordentlichkeit der Erleuchtung hervorheben, bei der ein irdischer Mensch die überirdischen Bereiche berührt.

       Die Menschen ältester Zeiten kannten diesen Zustand besser als die heutigen. Sie lebten in der Natur und waren nicht durch todbringende Fluida vergiftet. Dies ist jedoch hinreichend bekannt, Ich möchte über etwas anderes sprechen:

      Unsere Zeitgenossen schätzen zu Recht die Hypnose und beginnen, sie bei der Heilung und in anderen Bereichen mit Nutzen anzuwenden. Doch für Suggestion ist die Mitwirkung einer anderen Person erforderlich; auch wenn es sich um eine sehr hochstehende Persönlichkeit handelt, wird sie dennoch gewisse individuelle Eigenheiten mit einbringen.

       In Zukunft muss man zur unmittelbaren Erleuchtung zurückkehren. Sogar das Delphische Orakel musste besondere Dämpfe einatmen; das war notwendig, weil die Ankömmlinge seine uranfängliche Energie außerordentlich belasteten. Die Evolution hat jedoch vorgesehen, dass die Menschen Erleuchtung allein durch ein reines Bewusstsein erlangen können. Eine solche Bestrebung des Denkens ermöglicht Erleuchtung in ihrer natürlichen Bedeutung.

       Dies ist ein weiterer Hinweis auf Unser Inneres Leben. Nach vielen Lebenserfahrungen wenden Wir Uns der natürlichsten Anwendung Unserer Energien zu. Die Synthese ist nicht einfach, doch sie führt zur natürlichsten Lösung.

       Der Denker lehrte: „Möge jeder versuchen, die einfachste Lösung in sich selbst zu finden. Die Freunde werden nicht helfen können, wenn der Mensch aus eigener Kraft vor die Überirdische Erhabenheit hintreten muss.“

 

       577. Urusvati weiß, dass die besondere Schönheit des Weltalls in der Einmaligkeit der Erscheinungen und der Individualität der Ereignisse liegt. Sogar ein einfacher Hirte vermag die Besonderheiten seiner Herde zu unterscheiden, doch Städter verlieren die Fähigkeit zur Individualisierung sehr leicht. Im gesamten Leben werden Massenrezepte angewendet, die die Begeisterung für die Freigebigkeit der Natur trüben.

       Auch Uns fragt man nach solchen Rezepten, ohne verstehen zu wollen, wie verschieden alle Erscheinungen sind. Man kann die allgemeine Richtung aufzeigen, die weiteren Einzelheiten aber sind individuell.

      Die Menschen möchten Kenntnis von Unseren Apparaten erhalten, doch wären sie sehr überrascht zu erfahren, dass viele von ihnen aus miteinander sympathisierenden Metallplatten bestehen. Viele Platten bestehen aus einem reinen Metall, andere jedoch aus verschiedenen Legierungen. Es gibt auch mineralische Platten und sogar einige aus gewissen Baumarten. Sowohl für die Sendung als auch für den Empfang existiert eine ganze Reihe von Anwendungsverfahren. Alle Naturreiche können die besten Leiter sein, doch ihre Anwendung ist überaus individuell.[53]

       Unsere Hilfsmittel werden nicht in Eile ausgewählt, sondern in langwährenden Versuchen. Man kann sagen, dass Wir genügend Zeit hatten, um die Eigenschaften der Natur zu studieren. In verschiedenen Jahrhunderten, unter verschiedenen Klima- und sonstigen Bedingungen sind diese Erkenntnisse gesammelt worden. Allem voran erstarkte der Wunsch nach Wissen, dann bildete sich die Überzeugung, dass Beobachtungen unter den verschiedensten Bedingungen durchgeführt werden müssen. Ein gestählter Wille ermöglichte es, Wissen aus der Überirdischen Welt herüberzutragen. Es wuchs das Bewusstsein, dass Zeit in der Unbegrenztheit ohne Bedeutung ist. Die zahlreichen Misserfolge ließen keine Zweifel aufkommen. Eine entwickelte Beobachtungsfähigkeit beschleunigte die Wahrnehmung, und auf solchem Weg der Erfahrung erkannten Wir auch Freunde und Feinde.

       Glaubt nicht, dass die Experimente und Beobachtungen leicht seien. Wenn eines von hundert gelingt, ist das ein Erfolg. Wir beklagen Misserfolge nicht, weil jeder von ihnen Uns mehr gelehrt hat als ein Erfolg. Man kann es nur bedauern, wenn jemand etwas noch am selben Tag zu beherrschen sucht. Zeit zu verlieren ist nicht notwendig, doch aufgewendete Zeit zu bedauern, ist auch nicht richtig. Sich selbst zu beobachten ist notwendig, man darf sich aber nicht zum Zentrum des Weltalls machen. Man kann immer und in allem einen Erfolg finden, nur in diesem Bemühen erstarkt der Wille.

       Ihr versteht, dass man nicht allen vorschreiben darf, in einem eisernen Bett zu schlafen oder eine Lithiumplatte zur Hand zu haben. Rosen und Äpfel sind Gaben der Natur, die nicht für alle, aber für einige Menschen nützlich sind. Achtet auf die Anzeichen der Wirkungen.

      Ihr kennt verschiedene Idiosynkrasien[54]; die gröbsten von ihnen verblüffen durch ihre Offensichtlichkeit, doch das gesamte Dasein ist voll von Idiosynkrasien. Man muss fühlen können, was auf welche Weise einwirkt. Die Vernünftigkeit solcher Beobachtungen wird ein würdiges Praktizieren von Yoga sein.

       Der Denker lehrte: „Man sagt, einige Himmelsbewohner seien allmächtig. Nun denn, sammeln wir unsere Kräfte! Vielleicht wird auch für uns ein Platz im Himmel bereitet sein. Doch diese Leiter ist lang!“

 

       578. Urusvati weiß, dass der Gedanke an die Ewigkeit keine düstere Mahnung an den Tod ist. Eine Biene fliegt in ein Wohnhaus, und der Mensch versucht, sie wieder in die Freiheit zu entlassen. So sagt man: in die Freiheit entlassen, möge sie in die Freiheit fliegen. Geht nicht dasselbe auch beim Menschen vor sich? Hier befindet er sich in Unfreiheit, dort aber in Freiheit, was bedeutet, dass die Freude dort ist. Doch der Gedanke an die Ewigkeit verleiht auch Freude im Hier und Jetzt. Wer über die Bedeutung des Lebens als einem Flug über die irdischen Hindernisse hinweg nachdenkt, vermag sich zu freuen.

       Unwissende nehmen an, erhabenes Denken sei ein Symbol für Traurigkeit und Langeweile, doch ein Mensch, der der Erkenntnis teilhaftig wird, ist voller Lebensfreude. Selbst wenn er sich seiner Fehler in der Vergangenheit erinnert, wird er sich freuen, denn er versteht, dass die Erkenntnis der Fehler bereits der rechte Weg zur Überwindung der Irrtümer ist.

       Jemand wundert sich: Kann man in schwierigen Zeiten über Freude sprechen? Doch Freude ist die Flügel für das Überfliegen des Abgrunds. Gelangt ein Mensch an eine undurchquerbare Strömung, kann er nicht zurückkehren, sondern muss über sie hinwegfliegen, um eine gefährliche Grenze hinter sich zu lassen. Es ist ein Glück, dass der Mensch die Flügel der Freude immer bei sich hat. Die Schönheit des Weltenaufbaus hilft, aus der Tiefe des Bewusstseins alle Funken der Freude hervorzurufen. Dies ist eine weitere Seite Unseres Inneren Lebens.

       Der Denker verwies auf die Sterne wie auf Funken der Freude.

 

       579. Urusvati weiß, dass es dem Menschen besonders schwerfällt, mit seinem eigenen Denken zurechtzukommen. Durch Willensanstrengung kann er einen äußeren Gedanken zurückdrängen, doch das bedeutet noch nicht, dass es ihm gelungen wäre, sein Bewusstsein von der Wurzel jenes Gedankens zu befreien; es vollzieht sich ein tiefgründiger psychischer Prozess. Man kann meinen, das Denken habe sich bereits verändert, doch die kleinste äußere Erinnerung zeigt, dass die Schlange in der Tiefe lebt und bereit ist, zu erwachen.

       Das beste Beispiel bieten die Meeresströmungen. Was hat die Oberflächenströmung mit der in der Tiefe gemein, wo sich ein Ungeheuer regt, das sich niemals an der Oberfläche zeigt? Genau dasselbe geschieht auch im menschlichen Denken. Da spricht man von der Willenskraft, die das Denken beherrschen könne. Doch Wir fragen: Von welchem Denken ist die Rede? Der Mensch kann bestätigen, dass er sich von einem bestimmten Gedanken befreit hat, wenn er überzeugt ist, ihn mit der Wurzel ausgemerzt zu haben. Es ist jedoch nicht leicht, über die Tiefe des Bewusstseins eine Bestätigung abzugeben.

       Man kann beobachten, welch flüchtige Umstände einen Gedanken hervorrufen. Ton, Farbe oder eine zufällige Situation vermögen eine deutliche Wiederbelebung eines längst vertriebenen Gedankens zu bewirken. Der Mensch weiß, dass es nicht nützlich ist, zu vergangenen Irrtümern zurückzukehren, und dennoch irrt er um die überflüssige Asche herum.

       Der Mensch muss lernen, viele Schichten des Denkens zu unterscheiden. Er darf nicht leichtfertig anhand einer oberflächlichen Denkschicht urteilen, die einem wütenden Orkan ausgesetzt ist. Möge der Mensch sich an vielen Erscheinungen erproben. Nicht selten scheint es ihm, dass er an etwas Bestimmtes nicht mehr denkt, doch in Wirklichkeit ist er gerade in diesen Gedanken tief versunken. Eine Lehre über das Denken muss dessen verschiedene Arten aufzeigen.

       Der Denker bestand darauf, dass Seine Schüler sich in den verschiedenen Denkschichten erprobten: „Ein unsichtbarer Drache vermag sich eines Menschen zu bemächtigen.“

 

       580. Urusvati weiß, dass viele die Existenz Unserer Bruderschaft niemals zugestehen werden. Wenn sie Uns begegneten, würden sie sich skeptisch verhalten. Skeptizismus kennt keine Grenzen. Auf der einen Seite berührt er die Unwissenheit, auf der anderen die Lüge. Ein Skeptiker kann keinen Abgrund überqueren. Doch gibt es auch andere, die Unsere Existenz im feinstofflichen Körper für möglich halten.

       Man sollte diese Überzeugung nicht bekämpfen; die Hauptsache ist, dass die Existenz von Ideen zugestanden wird. Man darf nicht auf einer bestimmten Form beharren, es sind Uns doch auch Mitarbeiter aus der Feinstofflichen Welt nahe. Solcherart befinden sich jene, die jedenfalls einen Teil des Ganzen zugestehen, schon im Bereich der Wahrheit. Man muss man das Teilchen Wahrheit geduldig zulassen, ihm kann man auch das Übrige hinzufügen.

       Am schlimmsten sind Buchstabengelehrte, die entweder alles ihrem Verständnis gemäß fordern oder gar nichts anerkennen. Besonders in der Sphäre der feinstofflichen Energien muss man jede Möglichkeit anzunehmen bereit sein. Nicht selten sind Wir über Prediger bekümmert, die mehr von der Wahrheit abwenden als zu ihr hinziehen.

      Man muss seine ganze Beobachtungsfähigkeit anspannen, um zu erkennen, auf welcher Stufe der Aufnahmefähigkeit sich ein Gesprächspartner befindet. Dabei wollen wir nicht vergessen, dass ein besonders wütender Verneiner sich augenblicklich in einen Anhänger verwandeln kann. Eine solche angespannte Verneinung wird manchmal als das Aufbrechen eines Geschwürs bezeichnet. Doch wenn ihr jemandem begegnet, der Unsere Existenz leugnet, rate Ich, nicht zu beharren: Mögen die Früchte reifen.

       Der Denker sprach: „Man darf das menschliche Bewusstsein unmöglich zwingen. Wer nicht aufnehmen will, möge erst heranwachsen.“

 

       581. Urusvati weiß, dass Unsere Freunde nicht einigen sogenannten Okkultisten ähneln. Diese Menschen bezeichnen sich als Geheimwissende, behalten jedoch viele Eigenschaften bei, die allein Unwissenden gemäß sind. Sie sind bösartig, übelwollend, grob, neidisch und höchst unduldsam. In Büchern des Geheimwissens werden solche schändlichen Eigenschaften jedoch nicht zugelassen.

       Man muss sich wundern, dass die Menschen gute Bücher lesen und sich dennoch nicht von ihren niederen Gewohnheiten zu trennen vermögen. Die Lehre des Guten setzt jedoch voraus, dass der Leser das Gelehrte jedenfalls in einem geringen Maße anwendet. Im Leben ist es aber oft umgekehrt: Ein Leser kann Tränen des Entzückens vergießen und unmittelbar danach etwas Schändliches vollbringen. Hinzu kommt, dass die sogenannten Geheimwissenden es lieben, mit dieser Bezeichnung zu prahlen.

       Lenkt eure Aufmerksamkeit auf die wirklichen Freunde der Vervollkommnung. Sie werden niemandem ihre Überzeugung aufzwingen. Sie meiden Einweihungstitel. Sie wissen sehr gut, wann es nützlich ist, selbst über die bemerkenswertesten Begegnungen zu schweigen; zudem sind sie gut und bereit, Hilfe zu leisten.

      So ist es die erste Aufgabe echten Geheimwissens, den Menschen zum Guten zu führen. In einem solchen Zustand wird er auch wie ein Magnet Gutes anziehen. Ebenso gebietet das Geheimwissen Ruhe. In solcher Harmonie kann der Mensch feinstoffliche Schwingungen auffangen, die sein Bewusstsein reinigen.

       Unsere Freunde sind nicht hochmütig und wichtigtuerisch, denn ihr Ideal ist Einfachheit. Wir schätzen jedes hohe Bestreben; es führt nicht nur mit Uns zusammen, sondern lässt auch den Planeten gesunden.

      Wir sind betrübt über verlogenes Geheimwissen. Selbst dieses Wort liegt Uns fern, denn jede Wissenschaft ist bereits Geheimwissen. Gestern sind wir in ein bestimmtes Geheimnis noch nicht eingedrungen, doch heute haben wir es erreicht. Das ist der natürlichste Evolutionsprozess und nichts, dessen man sich brüsten sollte.

       Der Denker sprach: „Haltet euch nicht für Denker und nennt euch auch nicht so, denn jeder Mensch soll denken.“

 

       582. Urusvati weiß, dass das menschliche Denken oft um eine vorherbestimmte Entdeckung herumirrt und nicht versteht, wie dieser Kreis aufzubrechen ist. Die Menschen studieren Radiowellen, ohne sich vorzustellen, dass dieselbe Methode auf Gedankenwellen anwendbar ist. Die Wissenschaftler kennen Magnetstürme, ohne aber dieselben Überlegungen auf psychische Stürme anzuwenden. Die Menschen studieren das Nervensystem, denken jedoch nicht an feinstoffliche Energien. Mitunter liegt das Gefundene genau am Tor zum Vorherbestimmten, doch der letzte Hebel bleibt unangewendet. Wer sich nicht der Erweiterung des Bewusstseins annähern will, wird sich lange in einem Kreis ohne Ausweg drehen.

       Wir lieben ein gewisses Volk, da es weniger als andere in einem engbegrenzten Kreis eingeschlossen ist. Urusvati versteht es richtig, dass die Suche nach Gerechtigkeit und das Bestreben zu dienen einem Volk Beweglichkeit verleiht. Ein solches Volk nähert sich bereits dem Fortschritt. Mag man es auch wegen vieler Unvollkommenheiten verurteilen, so sind doch in solchen Unvollkommenheiten Möglichkeiten enthalten. Es gibt nichts Schlimmeres als einen vollkommen runden Ball, der in einem geschlossenen Kreis läuft.

       Ein Volk lernt durch Unglück. In der Geschichte der Menschheit hat es in ruhigen Perioden keine Erfolge gegeben. Jedes Siegervolk besitzt auch Beweglichkeit. Das Denken eines solchen Volkes ist offen für neue, mutige Entdeckungen. Die Härte des Alltags lenkt das Volk in die Zukunft. Es ist eine Freude, dort zu helfen, wo auch inmitten von Elend das Streben zum Dienen wächst.

       Der Denker sorgte sich um die Bewegung des Volkes: „Möge man in Bewegung lernen, so wird auch der Rhythmus leichter zu finden sein.“

 

       583. Urusvati weiß, dass ein potentieller Verräter sich besonders entrüstet, wenn man in seiner Gegenwart von Verrat spricht. Ein herangereifter Verräter ist sehr ärgerlich, wenn man von der Vereitlung des Verbrechens spricht. Doch in den Lehren aller Völker sind erschütternde Beispiele von Verrat aufgeführt. Dies ist nicht geschehen, um zu drohen, sondern um bemerkenswerte Zeugnisse für Unwissenheit zu geben.

       Ein weiser Menschenfreund sagte zu Seinem Verräter: „Was du im Schilde führst, das tue gleich!“[55] Vom Gesichtspunkt der Überirdischen Welt ist dieser Spruch sehr weise; das Geschwür ist bereits reif, mögen die Folgen zutage treten.

       Wir wollen auch an ein allgemein bekanntes Beispiel aus dem Leben Indiens erinnern. Es hatte den Anschein, als verehrten die Schüler Ramakrishnas[56] ihren Lehrer, doch das hielt sie nicht davon ab, ihn insgeheim in hässlicher Absicht zu beobachten. Ramakrishna gab sich ganz dem Dienst hin. Er litt unter der übermäßigen Abgabe von psychischer Energie. Aufgrund dieser Selbstaufopferung ging er vorzeitig.[57] Das gleiche geschah mit seinem Schüler Vivekananda. Ramakrishna war von Natur aus ein Yogi. Er war ein Tatmensch des höchsten Wohls. Man darf nicht sagen, dass er kein vollkommener Yogi gewesen sei.

       Andererseits wisst ihr, dass es Sadhus* gibt, die des Morgens Pranayama ausüben, am Abend aber einen Menschen töten. Ihr Bewusstsein setzt die Verfahren, die dem Guten dienen sollten, nur herab.

       So wollen wir uns vor dem Guten verneigen, sowohl vor dem großen als auch vor dem kleinen. Lasst uns nicht wie Geldverleiher abwägen, sondern uns freuen, wenn wir dem Guten und Wohlwollen begegnen. Gerade diese sind in Tagen der Anspannung notwendig. Die Lehre droht nicht, sondern warnt aus Fürsorge. Mögen jene, die zu keinem Dienst bereit sind, sich wenigstens böser Worte enthalten.

       Der Denker bat die Mitbürger: „Wenn jemand nicht zur Verteidigung des Vaterlandes ausziehen kann, möge er sich nicht mit bösen Worten belasten.“

 

       584. Urusvati weiß, wie schwer es ist, mit jenen umzugehen, die versichern, das Unsichtbare existiere für sie überhaupt nicht. Sie glauben dasselbe wie ihre Vorväter, die vor der Zeit von Mikroskop und Teleskop lebten; keinerlei Analogie kann sie überzeugen. Sie bezeichnen sich selbst als Realisten, Materialisten und Skeptiker, alle übrigen nennen sie Idealisten und verurteilen sie wegen ihrer Vorurteile.

       Tatsächlich verhält es sich umgekehrt: Diese Realisten sind echte Idealisten, denn sie glauben an eine Idee, die sie sich selbst ausgedacht haben. Indessen erweisen sich jene, die sie als Idealisten bezeichnen, als die wahren Realisten. Sie wollen lernen, und ihr Wissen beruht auf Beobachtungen. Sie lassen weder Aberglauben noch Vorurteile zu, denn sie wissen von der Unerschöpflichkeit der Erscheinungen der Natur. Sie verbürgen sich nur für zuverlässige Zeugnisse. Man kann sie als Materialisten bezeichnen, weil sie die Eigenschaften der Materie bestätigen.

       Darf man sich denn im Namen von Beschränktheit und Unwissenheit als Materialist bezeichnen? Ihr kommt nicht umhin, euch überall davon zu überzeugen, wie groß die Zahl unwissender und durch ihre Unwissenheit streitsüchtiger Menschen ist.

      Tröstet euch nicht damit, dass einige ehrenhafte und wissensdurstige Beobachter mit den Wissenschaften des höheren Realismus beschäftigt sind; ihre Zahl ist gering und gleich den frühen Christen sind sie genötigt, sich in Katakomben zu verbergen. Solche Forscher sind achtenswert, doch schaden ihnen in besonderem Maße die verlogenen Buchstabengelehrten. Es schaden auch jene, die nicht begreifen können, warum ihnen gewisse Vorstellungen nicht zugänglich sind. Sie sind fähig, alles Existierende, außer sich selbst, zu verurteilen.

       Der Denker wies auf einen Hund und sprach: „Er sieht vieles, was uns nicht sichtbar ist, doch sollte der Mensch nicht schlechter sein als ein Hund.“

 

       585. Urusvati weiß, dass Verletzung der Disziplin die besten Vorhaben verdirbt. Glaubt nicht, ein solcher Wurm sei leicht erkennbar, selbst die besten Mitarbeiter fallen oft in einen solchen ungeordneten Zustand.

       Über Disziplin zu sprechen ist unmöglich. In vielen Fällen sind die Menschen bei der geringsten Andeutung auf ihr zerstörerisches Verhalten tief gekränkt. Leichter ist es, über Unordnung zu sprechen, denn die Menschen messen diesem Begriff nicht seine wahre Bedeutung bei. Verletzung der Disziplin ist jedoch Disharmonie, anders gesagt, äußerst schädliche Unordnung.

       Die Menschen können die nützlichsten Bücher lesen, doch irgendein äußerer Umstand kann eine überaus disharmonische Kakophonie auslösen. Menschliche Vereinigungen befinden sich in Gefahr, durch unbedachte Offenbarungen von Unordnung zu scheitern.

      Selten geben die Menschen zu, dass sie selbst an einer solchen Schädlingstätigkeit schuld sind. Ihnen scheint es, dass sie für das Wohl wirken, doch tatsächlich verhindern sie die Ausführung der besten, tiefgründigen Aufträge. Die Menschen nehmen ständig an, Disziplin sei ihr ureigenstes Anliegen, doch welche Disziplin ist es denn, wenn sie einen nützlichen Aufbau zerstören?

       Harmonie ist nicht augenblicklich herzustellen; man muss alle Bemühungen hüten, die auf den Dienst an der Harmonie gerichtet sind. Harmonie gleicht einem scheuen Vogel, den man schwer wieder herbeilocken kann (…). Auch muss man darüber nachdenken, wie sehr Disharmonie den Führern schadet; daran wird oft überhaupt nicht gedacht.

       Der Denker warnte: „Tragt keinen Schaden herbei, weder gedanklich noch durch Taten, denn es ist leicht, ein kostbares Gefäß zu zerschlagen. Haltet euch oft die Notwendigkeit wahrer Harmonie vor Augen.“

 

       586. Urusvati weiß, dass es leichter ist, den Drachen auf der Schwelle zu sehen, als ein Rudel von Chamäleons und Würmern. Wer aber sagt, welche Erscheinung gefährlicher ist? Kleine Chamäleons kommen mit einer Vielzahl von Verdächtigungen und hinterlistigen Andeutungen herangekrochen. Seht wie sie flüstern: „Wir kennen das Wesen des Agni Yoga nicht, vielleicht bietet er es nur leere Worte und Verführung zum Irrtum? Wäre es nicht besser, das Wesen in einem ganz bestimmten Wort auszudrücken, das wir dann abwägen und verurteilen könnten?“ – Möge es so sein:

       Agni Yoga ist Dienst am Guten. Versteht diese Begriffsbestimmung in ihrer vollen Bedeutung. Lernt es, dem Guten zu dienen. Lernt die Hingabe an den Großen Dienst kennen. Findet flammende Kräfte, die euch helfen, Tapferkeit auf allen schweren Wegen zu offenbaren. Versteht, weshalb diese Wege schwer sind. Versteht es, die Feuer eurer Natur in natürlicher Weise anzunehmen. Versteht all die großen Erscheinungen des Weltalls. Ermüdet nicht durch die tägliche Arbeit, die wie ein großes Pranayama ist. Helft allen Suchenden auf allen Wegen.

       Erkennt die Erhabenheit des Gedankens, der in der Unbegrenztheit lebt. Bewahrt euch und andere vor Angst. Vertieft eure Erkenntnis, denn Unwissenheit ist ein schweres Vergehen. Lächelt den Jungen zu, denn für sie baut ihr Brücken und Wege. Verordnet euch selbst die schwerste Arbeit und gebt allen ein Beispiel. So enthüllt ihr die ganze Bedeutung des Dienstes am Guten. Fürchtet die Einflüsterungen der Chamäleons nicht, sie sind verschiedenfarbig und werden euer Schatten sein. Möge dieser Schatten lang sein. So konzentriert euch auf die natürlichen Errungenschaften.

       Der Denker lehrte: „Allein das Natürliche wird eine strahlende Zukunft schaffen.“

 

       587. Urusvati weiß, wie schadenbringend eine ungeordnete Tätigkeit der psychischen Energie ist. Es ist bekannt, dass die Gedankenenergie im Raume lebt und niemand die Grenze ihrer Ausbreitung kennt. Doch die Mehrzahl der irdischen Gedanken ist schwach und energielos, weshalb sie sich im Raum leichter auflösen als konzentrierte Gedanken.

       Nun stellt euch vor, dass die Menschheit in ihrem gegenwärtigen Zustand die Möglichkeit prägnanten Denkens erhielte, das im Raum leben kann. Es ist unmöglich vorstellbar, welch gefährliche und zerstörerische Verwirrung der Energie sich ergäbe! Die Menschheit muss sich reinigen und für die gute Qualität ihres Denkens bürgen, dann kann man die Fristen der Evolution näher heranrücken.

       Oft hört ihr Klagen über ein Misslingen von Gedankenübertragungen, doch diese Klagen sind eine Beschwerde über das gerechte Prinzip des Räumlichen Gleichgewichts. Wer sich darüber beklagt, möge die Qualität seiner Gedanken überprüfen. Es werden sich sicherlich solche von schlechter Qualität finden.

      Lasst uns auch nicht vergessen, dass der Mensch verschiedene Schichten des Denkens besitzt. Er wird nichts dagegen haben, wenn einige seiner Gedanken Gemeingut werden, doch viele Absichten wünscht er geheim zu halten. Bei Ungeordnetheit des Denkens wird der Raum mit höchst unzulässigen Gedanken gesättigt. So muss der Mensch sich um Reinheit seines Denkens bemühen, das wird eine Tat zum Wohl der Menschheit sein.

       Der Denker bat darum, dass der Mensch, einatmend wie ausatmend, rein bleibe.

 

       588. Urusvati kennt den tiefen Sinn des alten Sprichwortes: „Sucht die Unsichtbaren Freunde“. Das Erscheinen von Freunden aus der Höheren Welt wird eine feste Bürgschaft sein. Mitunter kennt ihr Sie, doch meistens sind sie anonym, und nur die Freude des Bewusstseins zeigt Ihre Nähe an. Versucht nicht, Ihre Namen zu erfahren. Seit langem haben Sie irdischer Beinamen entsagt. Wie die Zeit für Sie nicht existiert, so haben auch irdische Auszeichnungen für diese Großen Geister ihre Bedeutung verloren.

       Möge die Zahl solcher Beschützer groß sein. Sie schätzen jedes lichte Bestreben, und nichts wird Ihre Gunst ablenken, wenn Sie davon überzeugt sind, dass eine Heldentat vollbracht wird. Sie helfen dort, wo das Vertrauen fest ist. Möge der Segen der Unsichtbaren Freunde mit euch sein.

       Ein Wanderer erhält eine Weisung und erwartet die angekündigten Zeichen, doch der Weg ist lang, und die Zeichen gleichen nicht den vorausgesagten. Ist es möglich, dass ein Irrtum vorliegt? Befindet der Wanderer sich etwa nicht auf dem richtigen Weg? Schon ist Zweifel eingedrungen, der die Kräfte raubt und den Mut abtötet. Doch dann blitzte das vorangekündigte Zeichen auf, und der Wanderer ist erstaunt: „Ist die Frist etwa bereits angebrochen?“ Schade, dass der Mut gelitten hat.

       Doch wollen Wir nicht allein von Überirdischen Freunden sprechen. Auch auf der Erde gibt es Unsichtbare Freunde. Man muss Ihnen einen Gruß senden. Sie pflegen tätiger zu sein als manche bekannten Freunde. Versteht es, diesen irdischen Mitarbeitern ein Lächeln zu senden.

       Der Denker sprach: „Nicht nur sichtbare Freunde helfen, sondern mehr noch die Unsichtbaren. Sorgen wir uns nicht um eine Begegnung mit Ihnen auf der Erde, doch senden wir Ihnen den Gruß unseres Herzens.“

 

       589. Urusvati weiß, dass die Evolution Zeiten extremer Anspannung durchlaufen kann. Es existiert die irrtümliche Annahme, dass Evolution unwandelbar sei und ihr Gesetz in absoluter Weise wirke. Doch wir wissen, dass alles in individueller Weise lebt und sich bewegt. Das bedeutet, dass eine besondere Koordinierung und Disziplin herrschen müssen, damit die Harmonie nicht verletzt wird.

       Es gibt eine Logik der Evolution; diese höhere Logik setzt das Gesetz in Bewegung, wenn die Harmonie klar hervortritt und im Fundament des Lebens angelegt ist. Besonders schwer sind die Jahre weltweiter Umgestaltung. Die Menschen müssen in klarem Verständnis den Weg der Vervollkommnung erkennen, wofür die Körnchen der Wahrheit die Menge des Volkes erreichen müssen.

       Man kann sich leicht vorstellen, wie viele Samenkörner bei einem solchen Aussaatprozess verlorengehen; und nicht nur verlorengehen, sondern auch entstellt werden. Zusammenstöße sind dort unausweichlich, wo die Wahrheit falsch ausgelegt wird. Die Völker erheben sich gegen alles Menschliche, und gleichzeitig wagen sie nicht, das Überirdische zu erfassen. Die Folgen eines solchen Widerspruchs laufen auf sinnlosen Brudermord hinaus. Man darf nicht denken, die Evolution erfordere solche grausamen Erscheinungen. Man muss weinen, wenn man sieht, wie die Menschheit sich selbst ein entsetzliches Jammertal erwählt.

       Wir sind erstaunt, wenn die Menschen ungeachtet vieler Errungenschaften die niedrigsten Lösungen vorziehen. Solche Verwirrungen treten am Vortag großer kosmischer Fristen in Erscheinung. Wenn ihr diese Lage kennt, könnt ihr das Geschehen in vernünftiger Weise betrachten.

       Der Denker lehrte: „Neben den uns bekannten Gesetzen existieren auch solche, die der menschliche Verstand nicht zu erfassen vermag.“

 

       590. Urusvati weiß, dass nur durch die Erfahrung früherer Existenzen jene Eigenschaft aufgespeichert wird, die man Kultiviertheit nennt. Ein wahres Verstehen von Zusammenarbeit, Entflammtheit des Denkens, erhabene Tätigkeit, Verfeinerung der Aufnahmefähigkeit und Liebe zur Schönheit sind Eigenschaften, von denen jede sich nur durch beharrliches Streben bilden kann. Die Menschen können nicht glauben, dass augenblickliche Erleuchtung unverzüglich die höhere Natur des Menschen schaffen kann. Erleuchtung vermag eine Schatzkammer zu öffnen, doch wenn sie leer ist, wird es auch keine Folgen geben.

       Ihr wisst, dass die Menschen sehr einig sind, wenn vor ihnen keine verantwortungsvolle Arbeit zu sehen ist, doch wenn aufgezeigte Fristen sich nähern, findet sich auch Anlass zur Zwietracht. Man kann sich wundern, dass die Menschen zwar nützliche Bücher lesen, aber in Finsternis versinken, wenn sich eine Möglichkeit bietet, das Gelesene anzuwenden. Wahrlich, nichts Erhabenes berührt sie. Die Menschen haben hinreichend von Harmagedon gehört, doch wenn es eintritt, halten sie es für ein zufälliges Unglück, das man hätte vermeiden können.

       Mögen Unwissende so urteilen, doch warum fallen auch vernünftige Menschen so leicht in Verwirrung? Sie legen sich keine Rechenschaft darüber ab, wieviel Schaden sie sich selbst und ihrer Umgebung damit zufügen.

       Sind die Menschen denn tatsächlich so furchtsam, dass schon das Gespenst einer ernsten Stunde sie in Feiglinge verwandelt und sie auf ihrer Flucht alles von ihnen Geschaffene umstürzen? Wahrlich, schon inmitten süßen Wohlergehens trägt der Mensch eine Maske, in Gefahr aber setzt er eine abscheuliche Grimasse auf. Doch, liebe Menschen, ihr lebt in ständiger Gefahr von oben wie von unten. In jeder Stunde kann euer Wohlergehen zusammenstürzen.

       Der Denker sprach: „Die Menschen teilen sich in zwei Arten. In der einen herrscht das Göttliche Prinzip vor, doch die andere ist im Irdischen versunken. Wir wissen nicht, wie man später das Göttliche Prinzip nennen wird, doch diese Einteilung der Menschheit wird immer bestehen bleiben.“

 

       591. Urusvati weiß, dass die Erkenntnis der Wechselbeziehungen zur Erkenntnis des Überirdischen führt. Vor nicht langer Zeit irrten die Menschen zwischen blindem Glauben und blinder Verneinung hin und her. Diese Verwirrung ist aus ebenfalls blinder Angst vor dem Unbekannten entstanden. Kinder fürchten sich mitunter, etwas Bestimmtes anzublicken, und verschließen lieber ihre Augen mit den Händen, nur um die Wirklichkeit nicht zu sehen. Genauso versichern auch Erwachsene, dass man jenseits einer vermuteten Grenze nichts mehr wissen könne. Doch gibt es etwa ein Verbot von Wissen?

       Nehmen wir an, dass ein Wilder sich irgendwelche der Wahrheit nicht entsprechende Götter vorstellt, der heutige Mensch dagegen versucht, alles Existierende grundsätzlich zu leugnen. Es fragt sich, wer von beiden mehr Recht hat. Eines ist jedoch klar: In beiden Fällen regiert die Angst. Der Wilde meißelt ein furchterregendes Idol heraus und ängstigt sich vor dessen Grausamkeit; doch der Verneiner ist von derselben Angst ergriffen, ohne dies anzuerkennen. Erinnern wir uns einer alten Erzählung:

       In einem lauten, von vielen Menschen bewohnten Haus herrschte ständig Streit. Eines Tages kam ein Einsiedler, brachte zwei völlig ähnliche Schatullen und stellte sie behutsam in einen Winkel. Er sagte: „Die eine enthält ein Heilmittel, doch die andere ist mit einem äußerst tödlichen Gift gefüllt. Verwahrt sie, bis ich wiederkomme, doch denkt daran, dass der geringste Lärm die entsetzlichste Zerstörung verursachen kann.“ Der Einsiedler ging fort, und im Hause begann friedvolle Stille zu herrschen. Ich frage euch: Welche Schatulle hat diese Verwandlung bewirkt? Aufgrund eurer Kenntnis der gewöhnlichen menschlichen Natur könnt ihr die Antwort geben. Genau dieselben Ängste gibt es auch in der gegenwärtigen Zeit.

       Das Ende der Erzählung besteht darin, dass ein kleiner Junge in Abwesenheit der Erwachsenen die Schatullen öffnete und sich beide als leer erwiesen. Doch ebenfalls aus Furcht bekannte der Junge seine Entdeckung nicht. Zieht daraus nicht die falsche Schlussfolgerung, der Junge könnte die Hauptsache nicht bemerkt haben. So möge die Wissenschaft frei von Furcht sogar das Unsichtbare untersuchen.

       Der Denker sprach: „Ich weiß nicht, wie man später eine göttliche Wissenschaft nennen wird, doch es wird sie geben. Das Überirdische wird sichtbar und das irdische Leben dadurch überirdisch werden.“

 

       592. Urusvati weiß, dass der finsterste Aberglaube derjenige der Verneiner ist. Sie lehnen natürliche Erkenntnis ab. Sie tun der Wissenschaft Zwang an, indem sie sie eigenmächtig begrenzen. Sie handeln ohne Beweise, denn ihre verlogenen Überzeugungen entbehren jeder Grundlage. Sie bezeichnen sich als Wissenschaftler, vergessen dabei jedoch das Prinzip der Wissenschaft. Sie bezeichnen alle anderen als Fanatiker, versinken aber gerade selbst in Fanatismus. Sie beharren auf der Unbewohntheit der Welten, können ihre Schlussfolgerungen jedoch nicht beweisen. Unter dem Einfluss von Aberglauben schreitet die Wissenschaft auf einem lügnerischen Weg.

       Die Abergläubischen wollen nicht bemerken, dass wahre Wissenschaftler das Bewusstsein voranbringen. Die energetischen Grundlagen sind ihnen verhasst, denn nur auf diesem Laboratoriums-Weg werden die Menschen sich einem Verständnis des Überirdischen annähern. Die Abergläubischen fürchten besonders solche unbestreitbaren Beweise. Für sie soll der Raum leer sein, nur damit sie ihre pauschalen Verneinungen darin ausspeien können.

       Die Entdeckung der psychischen Energie ist für sie unzulässig. Gedankenenergie ist für sie ein leeres Wort. In ihrem Starrsinn merken sie nicht, dass sie zu bösen Rückschrittlern werden. Wahnsinnige, könnt ihr denn die Menschen daran hindern, in unbegrenzter Freiheit zu denken?

       Nur in einer Hinsicht kann man den Abergläubischen dankbar sein, nämlich dass sie den Amboss bilden, auf dem der flammende Hammer die Klinge der Wahrheit schmiedet. Die Abergläubischen sind empört über den Vergleich mit dem Amboss; sie möchten der Hammer sein, doch ein solcher Hammer schmiedet Evolution, die auf freie Erkenntnis gegründet ist.

       Aberglaube ist die allergrößte Schande der Menschheit. Abergläubische sind überdies auch immer hochmütig; diese Eigenschaft nistet immer bei Unwissenden.

       Wir sprechen vom Überirdischen, denn die Menschheit bedarf seiner Erkenntnis. Wir möchten, dass das Überirdische auf wissenschaftlichem Wege erkannt wird, dem Weg der Beobachtung und Erforschung. Für eine solche Errungenschaften muss der Mensch das Bewusstsein vertiefen und das Denken heben. Dem freien Denken sind die Abergläubischen nicht gefährlich, doch wollen wir ihre bösen Versuche auch nicht unterschätzen. Über die freie Erkenntnis sagen sie: „Dein Leben ist mein Tod.“

       Der Denker sprach: „Wer kann denn das Denken begrenzen? Er wäre nicht nur unwissend, sondern auch wahnsinnig.“

 

       593. Urusvati kennt noch weitere Feinde der Evolution, nämlich die gleichgültigen Zweibeiner. Wenn Wir die Abergläubischen mit einem Amboss verglichen haben, womit dann die Gleichgültigen? Vielleicht am besten mit Leichnamen? Ein Philosoph lehrte, dass Gleichgültigkeit der Seelenlosigkeit gleichkommt. Er hatte recht, denn das Bewusstsein der Gleichgültigen steht derart niedrig, dass es der Evolution nicht zu dienen vermag.

       Leider ist die Zahl der Gleichgültigen groß. Sie tragen nicht nur zum Untergang des Planeten bei, sondern stellen auch für die Feinstoffliche Welt die schwerste Belastung dar. Sie gehen ohne vergeistigte Wünsche hinüber und wissen nicht, wie sie sich den Bedingungen der Feinstofflichen Welt anpassen sollen. Sie bedürfen einer besonderen Fürsorge, doch die beste Führung bricht sich an ihrer stumpfsinnigen Gedankenlosigkeit.

      Sie bringen die engen Grenzen des irdischen Daseins mit sich, das aber die erhabene Sphäre der Feinstoffliche Welt keinesfalls belasten darf. Sie hegen keine Bestrebungen und haben keine Vorstellung von der Bedeutung der Kraft des Gedankens. Sie bringen ihr irdisches Dahinvegetieren mit in die herrliche Wohnstätte. Sie sind nicht in der Lage, aus ihre mächtigen Aufgaben Nutzen zu ziehen.

       Es ist kaum vorstellbar, welch ein hässliches Schauspiel diese Zweibeiner bieten! Nicht einmal für eine Gewandung vermögen sie zu sorgen. Sie fühlen sich zu keinen Führern hingezogen und irren im Nebel der Dunkelheit umher. Auf der Erde stellen sie das Hauptübel dar. Wir nennen sie Herde des Elends. Wie es in verwesenden Leichnamen von Würmern wimmelt, so tragen diese Zweibeiner Keime weltweiten Elends in sich.

       Der Denker kannte sie und litt gerade unter ihnen besonders. Er sprach: „Es ist schwer, sich unter verwesenden Leichnamen aufzuhalten.“

 

       594. Urusvati kennt die tiefe Bedeutung des Schweigens. Es wurde bemerkt, dass gewisse große Feldherren, Regenten und Führer sich nach einem wichtigen Befehl in Schweigen vertieften. Die Menschen schrieben dieses Schweigen einer Ermüdung oder Niedergeschlagenheit zu, doch tatsächlich vollzog sich ein wichtiger psychologischer Prozess: Der Regent begleitete seinen Befehl gedanklich bei dessen Ausführung.

       Man muss verstehen, dass ein gedanklicher Befehl durch eine Konzentration des Willens verstärkt und auch der vernünftigste Befehl durch Unterbinden der Energie geschwächt werden kann. Es lassen sich historische Beispiele anführen, da Entscheidungen durch nichtige Umstände zunichtegemacht wurden.

       Weises Schweigen wird seit alters her von verschiedenen Völkern geschätzt. Die wichtigsten Taten erfolgten in Schweigen, nicht unter dem ungezügelten Geschrei der Massen. Wir haben bereits darüber gesprochen, wie schwer Harmonie zu erreichen ist; sie verliert ihre Macht durch unordentliche Ströme, die durch einen undisziplinierten Willen hervorgerufen werden. Zur Zeit krankt die Welt an dieser Epidemie, die entsetzlicher als Krieg ist – so bilden sich Zeiten, die schlimmer sind als Krieg.

       Die Menschen erkennen dies nicht an, denn sie bemerken die Abgründe von Heuchelei und Lüge nicht. Von psychischen Erscheinungen wollen sie nichts wissen. Sie bekämpfen alle wahrhaft friedlichen Ideen. So kann man sich großer Gelübde des Schweigens erinnern.

       Tatmenschen sollten spüren, wann ihr Denken an das Gute Früchte tragen kann. Nur ein erweitertes Bewusstsein vermag die Stunde der wahren Frist einzugeben. Unsichtbare Freunde versuchen nicht selten, einen nützlichen Gedanken zu senden, doch bei dem Geschrei der Massen ist diese Leitung nicht erreichbar.

       Der Denker sprach oft: „Wer ruft mich? Die Sprache eines Freundes ist jedoch nicht immer zu verstehen. Wer stört?“

 

       595. Urusvati weiß, dass Schadenfreude eine schlechte Eigenschaft ist. Man kann traurig oder entrüstet sein, doch Schadenfreude ist unter der Würde des Menschen. Überdies überträgt Schadenfreude einen Teil des Karma desjenigen, dem die Schadenfreude gilt, und bürdet es uns selbst auf – das muss man sich merken. Die Grenze zwischen Schadenfreude und Verleumdung ist doch sehr fein. Jeder, der Schadenfreude hegt, wird dereinst in dasselbe Verhältnis geraten. Die Menschen können sich irren, Verbrechen begehen und Verurteilung verdienen, aber keine Schadenfreude.

       Die Analyse von Qualitäten und Eigenschaften führt zum Yoga. Betrachtungen über gute und schlechte Eigenschaften werden eine Annäherung an den Zugang, den Fortschritt sein. Wir weisen oft auf würdige Eigenschaften hin, denn so geben Wir Andeutungen über Unser Inneres Leben.

       Man sollte nicht denken, ab einem bestimmten Grad geistiger Entwicklung müsse man sich nicht mehr um eine Verbesserung seiner Eigenschaften bemühen. Jede Stufe erfordert die Anpassung aller Eigenschaften. Man muss sich unermüdlich überprüfen. Zu einer solchen Selbstprüfung muss man Liebe entwickeln. Seine Rüstung zu kontrollieren, ist ein Zeichen der Bereitschaft zum Kampf.

      Auf das Symbol der Schlacht wurde in den ältesten Lehren immer wieder hingewiesen. Inmitten der Schlacht werden Worte der Weisheit ausgesprochen. Vergessen wir nicht, dass die Einheit von Weisheit und Mut eine starke Gewähr des Erfolges ist.

       Inmitten unserer Lebenserfahrungen erkennen wir, weshalb Kampf und Bestrebung wie der Strom des Lebens weitergehen.

       Der Denker lehrte: „Blickt auf die Wellen des Stromes, ihr Muster ist vielschichtig, doch sie streben voran. Nichts hält sie auf. So möge auch die menschliche Seele eilen.“

 

       596. Urusvati weiß, dass jeder menschliche Umgang Wirkungen für alle Beteiligten zeitigt. Man muss dies allen Menschen wiederholt sagen, denn die Mehrheit versteht überhaupt nicht, wovon die Rede ist; selbst Gebildete meinen, es werde irgendeine wichtige Tat vorgeschlagen, der gewohnte Alltag aber sei von dem Gesagten nicht berührt. Man muss unterstreichen, dass Wir von jeder Handlung sprechen, unabhängig von ihrem Ausmaß.

       Man könnte fragen: „Kann der häusliche Alltag etwa eine tiefe Bedeutung haben?“ Gerade er! Unaufhörlich wird von Unglücklichen gesprochen, die unschuldig leiden, doch betrachten wir die Wurzeln ihrer Lebensweise, werden wir dort eine Vielzahl von Ursachen finden, die das Unglück hervorgerufen haben. Es kann direkte und indirekte Ursachen geben. Ein Mensch kann zwar durch die Schuld eines anderen leiden, doch irgendeine Verbindung der Wirkungen muss es geben.

       Erzeugt die einfache familiäre Lebensweise etwa nicht eine Vielzahl von Wirkungen? Die Familie ist vergessen und dient oftmals als ärgste Brutstätte von Feindschaft. Können solche Ausgeburten spurlos bleiben? Überdies sind sie gewöhnlich an einen bestimmten Ort gebunden und verstärken so die Vermehrung dieser verderblichen Bakterien. Solche menschlichen Brutstätten stellen gefährliche Feinde des menschlichen Glücks dar.

      Wir wollen auch die Einrichtungen nicht vergessen, in denen viele Menschen zusammenkommen und wo Menschenhass nistet. So sollten die Menschen sich ihrer Pflicht erinnern und den Raum nicht verseuchen. Wir besitzen Apparate, welche die Verseuchung des Raumes anzeigen.

       Die Regierenden rufen zur Lösung der Weltprobleme auf, doch die Zwistigkeiten sind gar nicht durch erfolglose Anordnungen begründet, sondern durch die alltägliche Lebensweise der Völker.

       Der Denker sprach: „Nicht die Archonten erklären einen Krieg, sondern jeder Bürger verbirgt ihn in seinem eigenen Haus.“

 

       597. Urusvati weiß, wie unaufhörlich die Arbeit in den Tiefen des Bewusstseins vor sich geht und wie selten die Menschen diese bemerken. Ein feinfühliger Mensch erfasst diese inneren Rufe, die ihm bei bestimmten Ereignissen helfen. Wissenschaftler suchen dies als Intuition oder Unterbewusstsein zu bezeichnen. Sie fürchten sich, diesen Prozess als Arbeit des Bewusstseins zu benennen. Wenn man geheimnisvolle Grenzen zwischen Überbewusstsein und Unterbewusstsein zieht, wo bleibt da das Bewusstsein? Dem Herzen gleich arbeitet das Bewusstsein Tag und Nacht, doch das Herz ist ein irdisches Geschick, während das Bewusstsein ein Organ der drei Welten ist. Die Aufspeicherungen des Bewusstseins folgen einem in alle Hüllen nach.

       Wir nennen das Bewusstsein unterirdisches Feuer. Es gibt viele Analogien zwischen diesen Phänomenen. Feuer ist für das Gleichgewicht des Planeten unerlässlich, doch kann dasselbe Feuer neben wohltuenden Erscheinungen auch zerstörende hervorrufen.

       Lässt sich das gleiche nicht auch vom Bewusstsein sagen? Es bewegt den Menschen zur Vervollkommnung, doch kann es in einem ungeordneten Zustand Explosionen verursachen. Ein umnebelter Mensch ist zu beliebigen Verbrechen bereit; er verliert das Gleichgewicht und die feurige Natur des Bewusstseins erzeugt Explosionen.

       Nach seinen durch Unausgeglichenheit ausgelösten Vergehen versucht der Mensch vergebens, die vernichteten Bewusstseinsteilchen wieder zu sammeln; doch manchmal muss man beginnen, neue Aufspeicherungen anzuhäufen. Als welch schwarze Last legen sich in der Feinstofflichen Welt die Schlacken eines verbrannten Bewusstseins auf den Menschen! Man könnte wie ein Dichter solche belasteten Wanderer beschreiben, die mühsam einen Berg zu erklimmen versuchen. Jeder denkt: „Warum habe ich mir nur diese Last aufgebürdet?“ Man bräuchte aber nur der Stimme des Bewusstseins zu lauschen, und die Last würde leicht werden. Überdies könnten auch Wir dann leichter helfen.

      Uns bereitet es große Freude, jedem in seinem Bereich zu helfen. Doch oft fliegt die beste Sendung unangenommen zurück. Wir haben große Archive mit nicht angenommenen Sendungen, ähnlich wie sich auf der Post nicht angekommene Briefe häufen. Einige Unserer Korrespondenten könnten allerdings umsichtiger sein. Wozu sich in Zweifel und Gereiztheit hüllen? Wenn Wir vom Überirdischen sprechen, muss man eigentlich aufmerksam zuhören und jedes Wort auffangen.

       Unser Inneres Leben ist voller psychologischer Momente, wenn jedes feinfühlige Verhalten Uns gegenüber Unsere Dankbarkeit hervorruft. Urusvati hat nicht nur einmal diese Worte der Dankbarkeit gehört. Wenn Wir zu noch größerer Ruhe aufrufen, bedeutet dies, dass Wir Anspannung voraussehen und man die Tage behutsam durchleben muss. Niemandem fällt es schwer, aus dem Gleichgewicht zu geraten, doch was für eine Lösung wird das sein? Man muss nicht nur den Verstand anspannen, sondern auch der Stimme des Bewusstseins aufmerksam Gehör schenken.

       Der Denker sprach: „Mein armer Verstand, wohin wirst du gehen ohne den herrlichen Führer, ohne die Seele?“

 

       598. Urusvati weiß, weshalb einige Unserer Mitteilungen vor der Frist nicht einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden dürfen. Die Menschen erkennen nur die Wirkungen an, wollen aber über die Ursachen nicht nachdenken. Sie geraten sogar noch in Zorn, wenn man ihnen die zugrundeliegenden Ursachen aufzeigt. Sie geben nicht zu, dass die mitgeteilte Ursache gerade diese bestimmte Wirkung hervorbringen kann.

       Sie sagen: „Was haben die Ereignisse, unter denen wir leiden, mit Ursachen zu tun, die doch dem gegenwärtigen Geschehen in keiner Weise ähnlich sind?“ So sprechen jene, denen es nicht gelungen ist, ihr Vorstellungsvermögen zu entwickeln, und die daher ihre Aufnahmefähigkeit nicht erweitert haben. Solche Menschen können die wahren Ursachen falsch deuten und, indem sie in Gereiztheit verfallen, nur Böses erzeugen.

       Man muss alle Beweggründe vermeiden, die das Böse verstärken können, das ohnehin schon in den menschlichen Siedlungen wuchert. So müssen viele Voraussagen behutsam in solchen Grenzen gehalten werden, wo sie weder Misstrauen noch Schmähung hervorrufen.

      Das gleiche gilt für Unterweisungen, die aus einer unbekannten Quelle kommen. Anfangs können solche Worte scheinbar wohltätig wirken, doch später können sie zerstörerisch werden. Ein standfester Mensch kann alle Erscheinungen erforschen, doch wenn er schwankt, kann Schaden entstehen. Erneut gelangen wir zur Gegenüberstellung von Ursache und Wirkung.

       So ist es nicht leicht zu lernen, dass eine scheinbar kleine Ursache die Quelle von großen Katastrophen sein kann. Daher muss man in der Lage sein, sich vorzustellen, wie ein kleines Bächlein sich in einen stürmischen Strom verwandelt.

       Der Denker sprach: „Mögen die olympischen Götter mich lehren, den Ursprung der Ereignisse zu finden.“

 

       599. Urusvati weiß von Abtrünnigen. Jede Lehre hat ihre Abtrünnigen gehabt. Es ist aufschlussreich zu beobachten, aus welch niedrigen Beweggründen sich wütende Abtrünnigkeit gebildet hat. Die Geschichte gibt dafür genügend Beispiele, doch hat es in Wirklichkeit weitaus mehr solcher für die Menschheit erniedrigenden Erscheinungen gegeben.

       Wir erinnern an ein solches schändliches Tun allein aus dem Wunsch heraus, ihm gegenüber die richtige Haltung herzustellen. So mancher ist überaus bekümmert, wenn er von Abtrünnigen hört, doch darf man ihnen keine allzu große Bedeutung beimessen. Sie erweisen sich als eine eigene Art von Resonatoren, und ihre Energie verleiht der Bewegung eine besondere Anspannung. Viele können ihre Energie nicht ohne Antithese anspannen. Es ist dasselbe erforderlich, auf das Wir hingewiesen haben, als wir über den Amboss sprachen.

       Es ist erstaunlich, dass es nicht nur Verneiner, sondern auch noch Abtrünnige gibt, wobei die letzteren noch stärker als die Verneiner sind. Man muss aber den komplizierten Prozess der Abtrünnigkeit verfolgen, um zu verstehen, wie große Ideen in niedrigen Bewusstseinen umgeformt werden.

      Das Beste, was ein solcher Abtrünniger tun kann, ist, sein Vorhaben zu beschleunigen. Das Schicksal des Abtrünnigen ist nicht beneidenswert. Die Geschichte bestätigt dies. Die übrigen sollten jedoch keine Zeit damit vergeuden, den Abtrünnigen umzustimmen, denn ein Geschwür muss mit einer Krisis enden; darum lasst uns eine solche Erscheinung in Ruhe betrachten.

       Der Denker kannte die Abtrünnigen unter Seinen Schülern. Er selbst schlug ihnen vor, möglichst bald zu gehen.

 

       600. Urusvati kennt die Eigenschaften derjenigen, die an der Erkenntnis der Überirdischen Welt teilnehmen. Sie sind fest von der Realität dieser Welt überzeugt. Sie wissen, dass sie unaufhörlich lernen müssen. Ihnen ist bewusst, dass jede menschliche Handlung entsprechende Bewohner der Überirdischen Welt herbeiruft.

       Manche verstehen gar nicht, wie tief sich diese Eigenschaften in der menschlichen Natur einprägen müssen. Die Menschen sind bereit, von der Realität der unsichtbaren Welten zu plappern, bemühen sich jedoch noch nicht einmal, sich die Erhabenheit der Unbegrenztheit vorzustellen und über sie nachzudenken. Keineswegs möchten sie ständig lernen, und der ehrenvolle Titel „Schüler“ erscheint ihnen als schmachvoll. Sie nehmen auch nicht die Wahrheit an, dass jede ihrer Überlegungen eine Vielzahl unsichtbarer Wesenheiten herbeiruft, die manchmal förderlich sind, öfter jedoch Schaden bringen.

       Ebenso wenig erkennen die Menschen wissenschaftliche Analogien an; der Hinweis, dass der Raum von Mikroorganismen ganz erfüllt ist, sagt ihnen gar nichts. Sie ziehen auch keine Schlüsse daraus, dass die Wissenschaft täglich irgendeine neue Entdeckung beiträgt. Diese Entdeckungen sind nicht zur Verneinung gedacht, sondern zur Anwendung und Verwirklichung. Menschen, die die Wirklichkeit nicht anerkennen, berauben sich selbst der erhabensten Freude.

       Der Denker sprach: „Wo ist die Schule, welche die Menschen Freude lehrt?“

 

       601. Urusvati kennt Unsere ständige Fürsorge um jede Art von Selbstverleugnung. Der Strom dieser Fürsorge umfasst auch benachbarte Erscheinungen. Dieser Umstand wird selten in Betracht gezogen. Mit Verwunderung stellt man fest, dass einige, Uns gar nicht nahestehende Erscheinungen unter Unserem Schutz stehen. Seht jedoch genau hin und erkennt, dass sich nicht weit davon entfernt selbstverleugnende Tatmenschen befinden.

       Wahrlich, die Eigenschaft der Selbstverleugnung ist auch für die Feinstoffliche Welt nützlich; sie wird im irdischen Leben entwickelt, doch Früchte trägt sie in der Überirdischen Welt. Durch diese Heldentat lernen die irdischen Tatmenschen, sich nicht an ihre Werke zu binden. Man muss anerkennen, dass die Bindung an die eigenen Werke in der Feinstofflichen Welt eine starke Belastung ist. Ein Wesen, das in seine Werke verschiedener Jahrhunderte versunken ist, verliert die Fähigkeit zu neuer Konzentration, die für feinfühlige Erkenntnisse so notwendig ist.

       Wenn sich ein Bewohner der Feinstofflichen Welt an die Weltsicht seiner vergangenen Existenzen fesselt, hindert er sich daran, ein neues Weltverständnis zu erlangen. In der Ekstase der Selbstverleugnung lösen die Menschen sich leichter von den Banden des Fleisches. Wir schätzen solche Aufschwünge des Geistes hoch.

       Achtet ebenso auf die Kämpfer gegen Ungerechtigkeit; in der Feinstofflichen Welt werden sie eine Fülle neuer Möglichkeiten haben. Heuchler sagen, Ungerechtigkeit sei ein relativer Begriff. Entgegnet ihnen, dass Ungerechtigkeit in jedem einzelnen Fall eine unverkennbare Erscheinung ist und dass ein feinfühliges Herz die Grenze der Ungerechtigkeit ausgezeichnet wahrnimmt.

       Der Kampf gegen Ungerechtigkeit ist eine reine Erscheinung, frei von Selbstsucht. Und ihr, Unsere Freunde, helft den Kämpfern gegen Ungerechtigkeit; dabei handelt ihr gemeinsam mit Uns, und jede harmonisierte Tat bedeutet doch bereits die Entstehung von Macht.

       Das heute Gesagte ist eine Seite Unseres Inneren Lebens. Die Fürsorge um selbstverleugnende Tatmenschen und die Hilfe für Streiter gegen Ungerechtigkeit erweist sich als Unsere Lieblingsbeschäftigung. Diese beiden Arten von Tatmenschen sind besonderen Angriffen der Finsternis ausgesetzt. Viele von ihnen ertragen diesen Kampf nicht, da sie Gewohnheiten haben, die sie schwächen.

       Mitunter bitten Wir um den höchsten Grad des Vertrauens, der eine rettende Ruhe schafft. Ein Kämpfer sollte ruhig sein, denn er kennt die Makellosigkeit seiner Ziele. Er kennt die böswilligen Absichten der Finsteren und weiß, dass die der Kampf unausweichlich ist. Doch möge er auch wissen, dass starke Freunde bei ihm sind. Möge er dies in ganzer Unerschütterlichkeit wissen. Jedes Schwanken seinerseits fügt dem Freund Schmerz zu. Denkt über diesen Schmerz nach und erinnert euch der Schweißtropfen.

       Der Denker sprach: „Lernt es, euer Denken mit den Überirdischen Welten zu vereinigen.“

 

       602. Urusvati weiß, dass Erholung aus Wechsel der Arbeit besteht. Doch lasst uns inmitten der verschiedenen Arbeiten jene gedankliche Arbeit nicht vergessen, welche die Vorstellungskraft entwickelt. Wir selbst sind ständiger gedanklicher Übung nicht enthoben. Ein oberflächlicher Beobachter könnte manchmal denken, Wir befänden uns im Schlaf, wenn Wir mitten in der Arbeit die Augen schließen und das Denken im Reich der Phantasie wandern lassen. Dieser Augenblick hat große Bedeutung, denn die vorgestellten Formen werden Realität werden. Wir vermögen nicht zu entscheiden, wann diese Realisierung eintreten wird, doch sie wird sein und der Menschheit helfen.

       Glaubt nicht, dass diese gedankliche Arbeit nur besonderen Wesen obliege. Jeder kann seine Vorstellungskraft entwickeln, doch auch hierbei muss man eine wichtige Bedingung beachten. Es ist gut, wenn ein Mensch schöne Vorstellungen hegt; wenn er jedoch Hässlichkeit erzeugt, wird unermesslicher Schaden entstehen. Daher muss man in schöner Weise denken. Die Natur vermittelt uns dazu ausgezeichnete Bilder; wenn aber jemand nicht imstande ist, die Natur zu betrachten, möge er sich in Kunstwerke vertiefen, in denen Künstler eine Synthese ihrer Beobachtungen zum Ausdruck gebracht haben.

       Versteht es auch, euch auf die besten Werke zu konzentrieren, da ihr anderenfalls auf Hässliches, ja sogar Synthetisches stoßen werdet!

       Wir bemühen Uns, den Künstlern zu helfen. Nicht selten geraten sie unter den Einfluss von unsichtbaren Spöttern, die sich über jede Hässlichkeit freuen. Studiert die Kunst verschiedener Epochen. Mögen die Menschen verstehen, wie sehr das künstlerische Schaffen in Blütezeiten auf Synthese beruhte.

       Der Denker zeigte Begeisterung angesichts von genialen Skulpturen und sprach: „Im irdischen Leben haben wir solche vollkommenen Formen nicht angetroffen, doch hat der Bildhauer sie sie sich vorgestellt und für die Zukunft verkörpert.“

 

       603. Urusvati weiß, dass der wichtigste Erfolg der Medizin in einer rechten Prophylaxe besteht. Es ist erstaunlich, dass man bei der Prophylaxe bis heute nur die physische Seite im Blick gehabt und die psychische vollkommen ignoriert hat. Doch wissen alle, dass gerade diese Seite wesentliche Bedeutung für den Erhalt der Gesundheit hat. Bekannt sind Erb-, Infektions- und Berufskrankheiten; in all diesen Fällen ist psychische Einwirkung unerlässlich, welche die Entwicklung einer Krankheit verhindern kann.

       Nur rechtzeitige Hilfe mittels Suggestion kann den Keim einer Krankheit in seiner Entwicklung aufhalten oder sogar paralysieren. Lasst uns nicht hoffen, die Menschen könnten dafür Autosuggestion anwenden. Nur außergewöhnliche Organismen sind in der Lage, selbst die ersten Andeutungen einer Erkrankung zu spüren und mit ihrem Willen deren Entwicklung zu verhindern. Für die Mehrheit der Menschen ist eine von außen kommende Suggestion unerlässlich, doch nur in wissenschaftlicher Weise und unter staatlicher Aufsicht darf eine solche Einimpfung von Gesundheit vorgenommen werden.

       Es müssen besondere Institute geschaffen werden, in denen ein ganzes Heer von Ärzten in der Wissenschaft der Suggestion ausgebildet wird. Dabei muss man streng auf die moralische Seite achten, denn anderenfalls kann Suggestion zu einem Verbrechen ausarten. Doch werden so oder anders solche Einrichtungen Wirklichkeit werden. Die Menschen werden verstehen, dass selbst die besten sanitären Verhältnisse das Problem der Heilung noch nicht lösen werden. Die Hauptepidemie droht von der psychischen Seite.

       Ihr wisst, wie sehr die Kriminalität ansteigt. Man kann sie unmöglich mit Pülverchen und Spritzen überwinden, nötig sind wissenschaftlich fundierte Einwirkungen des Willens. Selbst einige Geißeln der Menschheit wie Krebs bedürfen einer rechtzeitigen psychischen Prophylaxe.

       Der Denker lehrte: „Verehrt Hygieia[58], Sie kann euch lehren, wie man die Gesundheit des Volkes verbessern kann.“

 

       604. Urusvati kennt Unsere Freude, wenn Wir einem würdigen Tatmenschen helfen und einen guten Rat geben können. Doch müssen zwei Erschwernisse genannt werden, die oft auftreten.

      Die erste liegt darin, dass die Menschen jeden Rat gern auf ihre eigene Weise verdrehen. Achtet darauf, dass auch der einfachste Rat dem Verständnis des Empfängers gemäß ausgelegt werden kann. Es wurde zwar gesagt, man solle dem Bewusstsein des anderen gemäß sprechen, doch ist dies nicht leicht. Das Bewusstsein stellt sich mitunter als ein einziges Konglomerat dar, und ein Teil des Ratschlages entspricht dem Verständnis des Empfängers, der andere jedoch wird nicht angewandt – daher muss man die Folgen eines Ratschlages überwachen. Die Menschen sind individuell. Wahrlich, sie folgen keinem Gesetz, selbst dem klarsten nicht.

       So wollen die Menschen nicht anerkennen, dass der Gedanke und das Wort einen mächtigen Sender darstellen; darin besteht die zweite Erschwernis. Einige nehmen zwar an, dass das Wort, als ein Ton, schon eine gewisse räumliche Ausbreitung erfahren kann, doch die Energie des Tons des Gedankens wird nicht zugegeben. Kann man einen Menschen davon überzeugen, dass jeder von ihm hervorgebrachte Ton Zuhörer hat und der Gedanke als feinstoffliche Erscheinung in viel weiterem Umkreis aufgefangen wird als ein Wort? Wem sollte dies denn wichtig sein, wenn die Existenz der unsichtbaren Welten kaum angenommen wird!

      Man muss darauf hinweisen, dass gewisse Gedanken verborgen werden können, doch für einen solchen Erfolg muss man den feinstofflichen Zustand verstehen. Denkt daran, wie viele Ratschläge verzerrt oder vorzeitig ausgeplaudert werden können.

       Der Denker sprach: „Der Hirte Theokles versicherte, er sei bis auf die Höhe des Olymp[59] vorgedrungen und habe dort nichts gefunden. Vielleicht nahm er an, eine zum Gelage gedeckte Tafel vorzufinden, an der man ihm berauschenden Nektar und eine besonders große Scheibe Ambrosia[60] reichen würde.“

 

       605. Urusvati weiß, dass Wir alles gutheißen, was im Menschen das Gefühl von echtem Rhythmus erweckt. Das Gefühl für Rhythmus ist angeboren, aber die Unordnung des Chaos unterdrückt es. Wenn die Menschen rhythmisch handeln, sind sie größtenteils noch weit davon entfernt, die große Bedeutung des Rhythmus zu verstehen. Mitunter wünscht ein Tatmensch seiner Entscheidung etwas Rhythmisches vorauszusenden; sein Instinkt gibt ihm dies richtig ein, und im Rhythmus sucht der Tatmensch Harmonie. Selbst ein schwacher Versuch zeitigt wohltuende Wirkungen.

       Wir haben die sehr einfachen Rhythmen Mahawan* und Chotawan* gegeben, doch kann man auch zu höchst komplizierten Rhythmen gelangen. Erinnern wir uns der ältesten Rhythmen des Sanskrit, Griechenlands und Roms, in denen wohldurchdachte Klänge zu finden sind. Im Altertum wusste man bereits von der Notwendigkeit, den Verkehr mit dem Kosmos zu suchen.

       In bestimmten Perioden irdischer Anspannung muss man intensiv über den Rhythmus nachdenken. Entsetzensschreie stürzen die Menschen in den Abgrund des Chaos. Glaubt nicht, Wir billigten Gelage in Zeiten der Pest. Wenn ein Hindu die Bhagavad Gita singt, handelt er weise, und diese Harmonie wirkt heilsam. Rhythmus stellt Flügel und eine Zementierung des Raumes* dar.

       Die Menschen suchen den Verkehr mit Uns, doch der erste Schlüssel dazu wird die Erkenntnis des inneren Rhythmus sein. Mit tauben Ohren kann man die beste Musik und den schönsten Gesang hören, ohne dass etwas im Herzen widerhallt. Ein feinfühliges Herz jedoch erbebt im Rhythmus der Harmonie. Der Mensch wird dadurch besser, mutiger und stärker, er macht sich zu einem würdigen Mitarbeiter des Irdischen wie des Überirdischen, und er erkennt die Freude.

       Erinnern wir uns daran, dass die Erde unter einer ungewöhnlichen Anspannung leidet. Kann man sich zur Zeit des Harmagedon dem Chaos anschließen? Denkt an diese Mahnung bei kleinen wie bei großen Taten. Der Mensch lernt Betrachtung nicht bei Wohlergehen, sondern im Kampf.

      Ist er aber ein Kämpfer, wenn er gleich in der ersten schweren Stunde den führenden Stern verliert? Wodurch unterscheidet er sich dann von dem letzten Gedankenlosen? Ein solcher Mensch denkt nicht über die Stunde der Entscheidung nach, und die erschreckendsten Erscheinungen sind für ihn purer Zufall. Doch der vernünftig Denkende schließt sich dann den kosmischen Rhythmen an und nimmt in dieser Rüstung tapfer den Kampf auf – dann ist er mit Uns.

       Der Denker sprach: „Musen, herrliche Musen, mit eurem harmonischen Chor verleiht ihr dem Menschen den rettenden Rhythmus.“

 

       606. Urusvati weiß, dass Wir oft über Kampf sprechen. Tatsächlich ist Kampf, als Überwindung des Chaos, immer herrlich. Für den Fortschritt gibt es keinen anderen Weg, doch auch dieser einfache Begriff erfährt die unterschiedlichsten Verdrehungen: Die Scheinheiligen erheben sich gegen ihn, indem sie ihre auf Tatenlosigkeit und Gedankenlosigkeit gegründete Welt preisen. Die Heuchler sagen, ihr Gezänk und ihre Raufereien seien auch Kampf. Schließlich stellen die Hinterlistigen die absurdesten Vergleiche an, um ihre eigenen bösen Vorhaben zu rechtfertigen.

       Tatsächlich muss man zum Verständnis des großen Kampfes angemessen urteilen können. Möge der Mensch all seine Messgeräte nehmen, um zu berechnen, wo das Kleine und wo das Große ist. Man muss in der Lage sein, das Kleine mit dem Großen zu verbinden. Möge eine einzelne Biene versuchen, ohne ihr Volk weiterzuexistieren.

      Ist es denn nicht aufschlussreich zu beobachten, wie kleine Quecksilberkügelchen einander anziehen und ein Ganzes bilden? Ähnlich verhält es sich mit verstreutem Sand, der sich unter der Einwirkung von Rhythmus in bestimmte Muster legt. Die Natur gibt Beispiele von Anziehung, und in diesen Aufspeicherungen drückt sich der Kampf gegen das Chaos aus. Auf die gleiche Weise muss man die weltweiten Ereignisse ansehen, anders kann man die großen Perioden der Geschichte nicht erkennen.

       Viele wertvolle Begriffe werden entstellt. Die Menschen verstehen die große Bedeutung der Liebe nicht, dieses universellen Magneten. Sie urteilen von sich selbst aus und unterschieben ihre egoistischen Deutungen. Sie begreifen Liebe als Zwang, womit sie jedoch nur die Flügel der herrlichen Liebe abhauen.

       Der Denker verwies auf die geflügelte Siegesgöttin und sprach: „Haltet eure Augen offen und rein, sonst werdet ihr nicht erkennen, wo das Licht ist.“

 

       607. Urusvati weiß, wie schwer die Menschen die sogenannte innere Tapferkeit verstehen. Es ist nicht leicht zu erklären, dass äußere Tapferkeit trügerisch sein kann. Ein Mensch kann sich als tapfer zeigen, dabei jedoch innerlich zittern. Man kann eine Vielzahl von Beispielen anführen, in denen gerade das Fehlen der inneren Tapferkeit zum Untergang führte. Doch verwechselt diese Eigenschaft nicht mit vielen ähnlichen.

      Die Menschen werden sagen: „Ihr sprecht wahrscheinlich von Ruhe“. Nicht ganz, denn Tapferkeit ist nur ein Aspekt der Ruhe. Auch Gleichgewicht ist nur ein Nachbar der Tapferkeit. Es ist schwer zu sagen, wie man innere Tapferkeit, als ständige Bereitschaft zu kühnem Denken und Handeln auffassen kann.

       Ein Mensch kann Freude empfinden, wenn nichts ihn hindert, eine schöne Tat zu vollbringen. Gewöhnlich stören viele Überlegungen schon beim Nachdenken über eine Heldentat. Möge der Mensch gedanklich Heldentaten vollbringen; aus ihnen bildet sich eine strahlende Aura. Wenn dieses Licht sich festigt, kann der Mensch seine Träume auch in die Tat umsetzen.

       Es wird nicht ohne Grund gesagt, dass jeder Traum irgendwann Wirklichkeit wird. Doch muss man einen großen Vorrat solcher kühner Vorhaben besitzen. Innere Tapferkeit verleiht die Möglichkeit, kühn zu streben, und dies sollte man nicht nur für die Überirdische Welt, sondern auch für die Erde lernen. Versteht es, dass alles für die Überirdische Welt Nützliche auch für die Erde nützlich ist.

      So muss man in Ruhe über die größten Heldentaten nachdenken. Vielleicht erinnert ihr euch dabei auch an etwas aus vergangenen Leben. Jeder hat eine Heldentat entweder bereits vollbracht oder von ihr geträumt. Eine Heldentat kann man unter jeglichen irdischen Umständen vollbringen.

       Der Denker sprach: „Ein Krieger ist nicht nur derjenige, der einen Helm trägt.“

 

       608. Urusvati weiß, dass ein großer Meister der Musik geboren werden müsste, der der Menschheit den Widerklang der Symphonien der Sphären vermittelt. Es kommt eine Zeit, da die Menschen der Symphonien des Raumes besonders bedürfen und die Harmonie der Klänge ein echtes Allheilmittel darstellt. Es kamen bereits mehrmals Botschafter des Klanges, doch gelang es ihnen nur in geringem Maße, das von ihnen in den feinstofflichen Sphären Gehörte festzuhalten.

       In Meinem Land erschien ein starkes Talent, das den Wert der Harmonie kannte, doch nahm er sich nicht in acht und ging, ohne die besten Errungenschaften übergeben zu haben. Wahrlich, Menschen, die eine gute Botschaft in sich bergen, müssen sich schützen. Sie befinden sich unter dem Druck zweier Arten von Anziehungskräften. Oftmals können sie Gefahren und dem Einfluss von einzelnen Personen ausgesetzt sein.

      Glaubt nicht, dass Wände über ihnen einstürzen müssten; nein, es können kleine Bemühungen entstehen, aus denen sich eine Vergiftung bildet. Diese Botschafter dürfen sich nicht verausgaben, indem sie im Leben verschwenderisch sind. Mögen sie verstehen, dass ihre Botschaft eine bedeutende ist und sie einen Kelch tragen, der unverschüttet zu den anderen gelangen muss.

      So verfolgen Wir aufmerksam solche Botschafter nicht nur auf der Erde, sondern auch in der Überirdischen Welt, wo sie die Symphonien der Sphären erlernen. Ein wenig bringen sie dann mit zur Erde, doch auch dies wird dem Fortschritt der Menschheit dienen.

       Urusvati hat die Sphärenmusik gehört; sie weiß, dass deren hauptsächliche Macht in der Harmonie und im Rhythmus liegt. Auf der Erde gibt es noch keine Instrumente, um die ganze Erhabenheit der Rufe des Raumes auszudrücken. Dies ist nun eine weitere Seite Unseres Inneren Lebens: Ohne Klänge würden Wir Uns langweilen, und Wir wundern Uns, dass einige Menschen ohne Musik auskommen.

       Der Denker lehrte: „Das Schöne hören und das Schöne betrachten bedeutet, besser zu werden.“

 

       609. Urusvati weiß, auf wie wunderbar und augenblicklich sich das Bewusstsein eines denkenden Menschen beim Übergang in die Überirdische Welt verwandelt. Klar tritt eine Vergrößerung der Bedeutung der einen Lebensereignisse und eine Verringerung der anderer hervor. Die wichtigsten Alltagserrungenschaften erweisen sich als nichtig, doch alles, was Selbstverleugnung und Dienst an der Menschheit enthält, erreicht strahlende Ausmaße.

       Freude lebte gerade in solchen Ausbrüchen, doch die vergänglichen irdischen Auszeichnungen verwandeln sich in Kehricht. Durch solche Aufschwünge des Gedankens erreicht der Mensch äußerste Grenzen, denen er vorher gar keine Bedeutung beigemessen hat. Doch gewöhnlich hat er kostbare Errungenschaften vergessen und ist in den Lärm des Marktes versunken. Haltet dies nicht für eine moralische Belehrung. Wir wollen nur an die Wirklichkeit erinnern, die auf den verschiedenen Stufen des Aufstieges Wandlungen unterworfen ist.

       Einige kehren nicht mehr zu prunkvollen Verkörperungen zurück, sondern stellen sich ihr irdisches Dasein lieber sehr bescheiden und schwer vor. Die stärksten Bestrebungen kamen in viel Arbeit und Mühen zum Ausdruck; so vollzieht sich eine Umbewertung der irdischen Aufenthalte.

      Auch ihr könnt bemerken, dass man sich mitunter an ganz kurze Begegnungen erinnert, in denen eine Schließung der Ströme erfolgen kann. Solche Funken können bedeutsam sein, und man erinnert sich ihrer mit Dankbarkeit. Wer kann denn behaupten, diese Begegnungen seien zufällig gewesen? Vielleicht war es ein alter Freund, der gekommen ist!

       Der Denker sprach: „Da ruft ihr 'Platon, Platon', doch vielleicht ist sein Name ein ganz anderer.“

 

       610. Urusvati kennt Unseren Erlass: „Seid gerecht!“ Aber von welcher Gerechtigkeit sprechen Wir? Die Menschen bringen es zuwege, viele „Gerechtigkeiten“ zu erfinden. Sie kennen eine persönliche Gerechtigkeit, eine Familien-, Sippen-, Stammes- und Rassengerechtigkeit. Sie verstecken sich hinter einer dienstlichen, schulischen und beruflichen Gerechtigkeit. Man kann alle Gerechtigkeiten der Leute gar nicht aufzählen! Vergessen hat man jedoch die menschliche Gerechtigkeit. Die Menschen urteilen aufgrund einer Vielzahl von Gesichtspunkten, doch der hauptsächliche – die weltumfassende Gerechtigkeit – wird nirgends eingenommen.

       Wir haben bereits von ungerechten Richtern als einer Schande der Menschheit gesprochen; man darf aber nicht allein von den Richtern, sondern muss von allen Zweibeinern sprechen, die in Lüge versunken sind. Jeder Mensch spricht jeden Tag Urteile aus. Er nimmt die Verantwortung auf sich, einen Pfeil der Lüge in den Raum zu schießen, denn gewöhnlich urteilt er bedingt und oft unwissend. Überdies ist der Mensch von Voreingenommenheit erfüllt und empfindet sogar Schadenfreude, wenn er Gift aussendet.

       Es gibt viele physische Gifte, doch noch mehr psychische. Kinder werden von den frühesten Jahren an vergiftet. Sie spüren die Böswilligkeit der Erwachsenen, und ihr Organismus wird bereits für die schlimmsten Krankheiten geöffnet.

      Man sollte nicht nur Maschinen und Roboter erfinden, sondern auch eine allmenschliche Gerechtigkeit. Wenn dies nicht geschieht, wohin wird der Mensch in der Überirdischen Welt gehen und was für eine Art Gespräch wird er mit Uns abhalten können? Wir werden aufgrund von Menschlichkeit urteilen, doch der Gesprächspartner wird sich auf seine engen Überzeugungen beschränken und annehmen, er spreche über Gerechtigkeit.

       An menschliche Gerechtigkeit muss man sich gewöhnen. Man muss sich selbst prüfen, ob sich nicht ein voreingenommenes Urteil eingeschlichen hat. Und man muss sich im Alltagsleben prüfen. Glaubt nicht, Gerechtigkeit habe etwas mit irgendwelchen staatlichen Einrichtungen zu tun: jeder ist ein Richter.

       Der Denker sprach: „Lernt Gerechtigkeit, denn an jedem Tag sprecht ihr Urteile aus.“

 

       611. Urusvati weiß, wie aufmerksam man auf augenblicklich aufkommende Gedanken und Gefühlen achten muss. Es ist nicht möglich, die Ursachen ihrer Entstehung zu verfolgen. Weder die Vergangenheit noch Zufälliges helfen zu erkennen, wie diese Einwirkungen sich gebildet haben; solche Gedanken sind jedoch überaus bedeutsam und auf das Allgemeinwohl gerichtet.

       Wir sollten uns natürlich in einem harmonischen Zustand befinden, um solche unerwarteten Boten zu empfangen. Möge jeder Mensch darüber nachdenken, wie er dem Gemeinwohl dienen kann. Jeder Erdbewohner sät und erntet nicht allein für sich, sondern auch für andere, ihm Unbekannte. Möge er darüber nachdenken, dass das von ihm aufgezogene Korn irgendjemandem Gutes bringt. Jeder solche Gedanke trägt zu allgemeinmenschlichem gegenseitigem Verständnis bei. Jede Arbeit bringt jemand anderem Hilfe, besonders wenn sie von guten Gedanken begleitet wird.

       Ein jeder kann an die ganze Menschheit denken. Viele bedingte Hindernisse werden durch diese guten Ströme ausgelöscht. Wir horchen auf gedankliche Sendungen. Wir freuen Uns, wenn Wir den Gedanken des Gemeinwohls vernehmen. Wir sind traurig, wenn Wir spüren, dass der gesandte Gedanke von Voreingenommenheit gefärbt ist. Man muss versuchen, solche abscheulichen Motive auszumerzen. Wie Schlangen winden sie sich um das Herz und ersticken es.

       Habt ihr nicht einmal bemerkt, wie eine plötzliche Atemnot auftrat? Kam vielleicht von irgendwoher ein erstickender Gedanke angeflogen? Lasst uns alle Zeichen sammeln, die zum Gemeinwohl und zu den Unbekannten Freunden führen.

       Der Denker lehrte: „Wir bauen dem Unbekannten Gott Opferaltäre; wollen wir nicht unsere Arbeiten den Unbekannten Freunden weihen?“

 

       612. Urusvati weiß, dass der Gesichtspunkt die Weltanschauung verändert. Nicht nur äußere Einwirkungen setzen Anschauungen in Bewegung, sondern auch viele Chemismen des menschlichen Organismus nehmen auf seelische Vorgänge Einfluss. Ein Anhalten des Atems oder seine Beschleunigung bringen Substanzen von großer Kraft hervor; durch sie entstehen psychische Stimmungen, der Blutdruck wird verändert, die Gehirntätigkeit verlangsamt oder beschleunigt, und sämtliche Gefühle empfangen abnorme Impulse; ein und dieselbe Sache kann sich freudig oder düster darstellen.

      Nicht nur die Atmung, sondern auch die Umgebungstemperatur wirkt auf den Zustand der psychischen Energie ein. Alles vibriert und bewegt sich, deshalb muss der Mensch bewusst das Gleichgewicht bewahren.

       Man muss das Volk mit den Grundlagen des psychischen Lebens bekannt machen. Wer dazu ein leicht verständliches Wort findet, wird eine große Tat vollbringen. Es ist die Zeit gekommen, da das Volk aufgeklärt werden muss. Dies kann man nur auf wissenschaftliche Weise tun, ohne Verurteilung und Verneinung. Lasst uns auf dem Feld des heutigen Tages ein neues Korn auslegen, dessen Ernte erprobt ist.

       Wir wollen nicht streiten, denn in einer wahren Wissenschaft werden nur unbestreitbare Erkenntnisse angeboten. Wenn jemand Realist sein möchte, möge er gewissenhaft Erkenntnis sammeln. Es ist ein schlechter Realist, der sich eine schwarze Brille aufsetzt und die Ohren zustopft. Was für eine Wirklichkeit wird er denn so erkennen? Sogar Offensichtliches wird für ihn verzerrt sein.

       Mögen die Wissenschaftler Bücher für das Volk vorbereiten und auf wissenschaftliche Weise über das Irdische und das Überirdische sprechen. Möge in den Laboratorien die Einheit des wissenschaftlichen Prinzips gezeigt werden. Wenn ein Tropfen flüssigen Goldes einen ganzen Kosmos darstellt, wie viele für jedermann zugängliche Experimente können dann angeboten werden!

       Das Jahrhundert des Volkes muss von wahrer Aufklärung gekennzeichnet sein. Dieses wird Großer Dienst sein, und jeder kann daran teilnehmen. Bei ungestümer Bewegung muss man weitgreifende Maßnahmen anwenden. Es gibt weder Altes noch Neues, sondern nur den ewigen Erkenntnisprozess.

      Man kann alte Überlieferungen studieren und sie hochschätzen, doch die Evolution ist mit solchen Schritten vorangekommen, dass man sie ins Gleichgewicht bringen muss. Die Evolutionskurve ermöglicht nie dagewesene Sprünge, von Steinzeitverhältnissen bis zu höchsten Erkenntnissen. Groß ist die Zeit und groß die Verantwortung! Wir wollen Gegensätze nicht fürchten. Kampf ist das Los des Fortschritts.

       Der Denker bat Seine Schüler, Kampf nicht zu fürchten: „Man muss verstehen, gedanklich zu fliegen.“

 

       613. Urusvati weiß, wie genau man Unsere Ratschläge anwenden muss. Ein Seefahrer, der alle Schiffstaue zwar aufzählen, aber nicht benutzen kann, wird beim ersten Sturm untergehen. Viele lesen Unsere Weisungen, wenden sie aber nicht im Leben an – daraus ergibt sich nur geringer Nutzen.

      Heuchler rechtfertigen sich damit, dass ihnen die Überirdische Welt nicht gezeigt worden sei. Sie sehen jedoch den ganzen Sternhimmel und ahnen bereits, dass es überall Leben eigener Art gibt. Schließlich arbeiten in vielen Ländern Gesellschaften für psychische Forschungen und versuchen, sich dem Überirdischen auf wissenschaftliche Weise zu nähern. Selten nur lässt sich beobachten, dass ein Mensch im Leben keine Berührung mit überirdischen Erscheinungen hatte.

       Die Wissenschaft hat bereits viele Analogien aufgestellt, die zur Erkenntnis der Feinstofflichen Welt beitragen. Man muss bekräftigen, dass wissenschaftliche Schlussfolgerungen den Errungenschaften der psychischen Forschungen nicht widersprechen. Man kann sehen, dass in nächster Zukunft die Wissenschaft der Menschheit eine vollständige Verbindung mit der realen Überirdischen Welt eröffnen wird. Viele Erdichtungen werden durch ein streng wissenschaftliches Herangehen zerstreut werden.

       Man kann sich davon überzeugen, dass schon jetzt eine vernünftige Überprüfung der alten Überlieferungen vorgenommen wird. Man erkennt, dass viele Agraphen[61] wichtiger sind als einige akzeptierte Texte. Wir erschüttern nicht, sondern stellen eine richtige Anschauung her. Man muss jede nachgewiesene Behauptung schätzen. Leichenhafte Enge des Denkens ist ein Zustand, den man nur als Tod bezeichnen kann. Wir senden Arbeiter der Wahrheit aus, die unermüdlich von den künftigen Schritten der Evolution künden.

       Der Denker lehrte: „Verehrt jene, die euch auf den richtigen Weg führen. Erst in der Zukunft werden diese Errungenschaften geschätzt werden, doch schon jetzt können wir spüren, wo der herrliche Weg liegt.“

 

       614. Urusvati weiß, wie beharrlich man das menschliche Denken befreien muss. Man darf sich nicht damit zufriedengeben, dass der Gedanke schon von seiner Natur her frei ist. Der Denkprozess ist vielmehr durch viele Vorurteile gebunden. Man verbrennt heute keine Hexen mehr, doch viele wissenschaftliche Bereiche hält man nahezu für Zauberei.

       Jeder kann eine Vielzahl von Menschen nennen, die sich für kultiviert halten, aber nicht imstande sind, ganze wissenschaftliche Errungenschaften anzuerkennen. Es können Bücher herausgegeben werden, neue Lehrstühle an Universitäten eingerichtet und glaubwürdig bestätigte Experimente durchgeführt werden, gewisse angesehene Repräsentanten des öffentlichen Lebens bleiben dennoch in ihren veralteten Vorurteilen stecken. Sie schämen sich nicht, sich Zyniker und leidenschaftliche Skeptiker zu nennen, wo es doch einfacher wäre, sich als Dummkopf zu bezeichnen. Es ist nicht schlimm, wenn irgendein Dummkopf die Wirklichkeit verneint, doch viele von ihnen nehmen Regierungspositionen ein und behindern den Aufklärungsprozess.

       Es ist unmöglich aufzuzählen, mit welchen Ketten das Volksdenken gebunden ist! Wundert euch nicht, dass sein psychisches Niveau sich wenig von dem des Mittelalters unterscheidet. Damals trachteten Unwissende Leonardo da Vinci[62] nach dem Leben, doch auch heute lässt sich gleiches beobachten. Ein Lehrer, der von der Disziplin des Denkens spricht, wird sich davon überzeugen, dass es noch unmöglich es ist, von den einfachsten Wahrheiten zu reden. Regierende und das höhere Lehrpersonal bringen es fertig, den Mund eines solchen Wagehalses zu schließen, der über die Freiheit des Denkens nachdenkt.

       Der Denker sprach: „An jedem von uns klirren schwere Ketten.“

 

       615. Urusvati weiß, wie behutsam man die Last auswählen muss, die der Überirdischen Welt angemessen ist. Ich will euch einige Zeilen aus dem Traktat „Über die große Grenze“ eines griechischen Philosophen vorlesen:

      „Stellt euch ein Schiff vor, das einen Sturm durchmacht. Der Steuermann gibt Befehl, sofort die Rettungsboote zu besteigen. Die Menschen zeigen Entsetzen, weil sie gehindert sind, ihre Wertsachen mit sich zu nehmen. Sie haben vorher nicht darüber nachgedacht, was das Bedeutsamste von ihrer Habe ist. Sie quälen sich und ergreifen die unnötigsten Dinge. Viele kommen um, weil sie nicht entscheiden können, was ihnen am nötigsten ist.

       Doch einer der Reisenden nimmt unverzüglich ein kleines Kästchen unter seinen Mantel, und es gelingt ihm, sich zu retten. Seit langem schon hatte er über das Wichtigste nachgedacht, denn er bereitete sich auf die Große Grenze vor. Die Lehre vom Überirdischen überzeugt aber jeden davon, dass man in der Lage sein muss, die Grenze mit einer würdigen Last zu überschreiten. Es ist zu spät, daran zu denken, wenn man das letzte Schiff bereits betreten hat.“

       Ich führe diese Zeilen an, um noch einmal daran zu erinnern, dass Denker seit alten Zeiten die Menschen dazu bewegten, das Dasein zu erkennen. Sie wussten, dass das herrliche ewige Leben voller Grenzen ist, die man würdig überschreiten muss. Diese Grenzen sind so zahlreich, dass man für immer lernen muss, sie zu überqueren. Doch Wir sehen, dass sogar Menschen, welche die Bücher lesen, sich diese nicht zu Herzen nehmen. Urteilt selbst: Kann man sich selbst für wissend halten und zum Schaden von Mitarbeitern verleumden? Ich sehe nicht, dass diese dünkelhaften Menschen die Grenze erkannt haben.

       Der Denker sprach: „Glücklicherweise brauchen wir für die wichtigste Last keine Träger.“

 

       616. Urusvati weiß, dass sich psychische Wechselbeziehungen weitaus leichter zwischen Menschen einstellen, die sich bereits in vergangenen Leben begegnet sind. Dies beweist die Stabilität der Energie und die Dauerhaftigkeit des einmal hergestellten Rhythmus. Doch die Menschen erkennen solche Begegnungen selten und geben vor allem nicht zu, dass ganze Gruppen von Verkörperten sich erneut an einem Ort zusammenfinden können. Dies ist jedoch völlig natürlich: Die einen streben danach, an einen vertrauten Ort zurückzukehren, andere werden von einem Magneten eigener Art dorthin gezogen.

       Ureinwohner erkennen einander oft, denn sie wissen von der Rückkehr zur Erde. Sie sagen: „Ich gehe fort, um mich zu erholen und dann wieder zurückzukehren.“ Natürlich wollen sie auf eine ihnen bekannte Erde zurückkehren. Doch auch bei entwickelten Bewusstseinen ist der Drang vorhanden, eine noch nicht beendete Arbeit fortzusetzen; daher begegnen sich oft frühere Mitarbeiter und Feinde. Der Magnet der Feindschaft ist sehr stark. Nur wenige verstehen, dass der Weg der Feindschaft nicht nützlich ist.

       Erklärte Feinde streben danach, schneller auf die Erde zurückzukehren, um ihre düsteren Vorhaben zu Ende zu bringen. Die überirdischen Führer erfahren mit solchen gehässigen Menschen große Erschwernisse. In anderer Hinsicht sind sie Überzeugungsversuchen zugänglich, doch Rache ist ihr wunder Punkt. Sie sind mit ihren Absichten sehr zudringlich und verstehen es, ihre früheren Gegner zu finden. Sie streben sogar danach, sich in derselben Familie zu verkörpern, um ihr Opfer leichter zu erreichen.

       Der früher hergestellte Rhythmus unterstützt die feindlichen Bemühungen. So beobachten Wir den Rhythmus der Freundschaft und der Feindschaft. Wir suchen die besten Worte, um vor den feindlichen Bemühungen dahingehend zu warnen, dass man sich nicht in deren Karma einmischt. Nur selten jedoch beachten die Menschen freundschaftliche Ratschläge.

       Der Denker sprach: „Ein und dieselbe Posaune verkündet Niederlage wie Sieg.“

 

       617. Urusvati weiß, dass die gewöhnlichste Erwägung den herrlichsten und feinsten Gedanken für immer vertreiben kann. Man wird sagen: „Kann das möglich sein? Und wie grob muss eine Kraft sein, die einen überirdischen Gedanken vertreibt?“ Darin liegt nur eine anschauliche Gegenüberstellung von Grobstofflichem und Überirdischem.

       Man kann erstaunt sein, wenn ein überirdischer Gast vor einer groben Berührung davonfliegt. Doch die Menschen schätzen überirdische Briefe wenig. Sie stellen sich nicht vor, wieviel Mühe die Überirdischen Freunde aufwenden müssen, um einen Gedanken durch die grobstofflichen Hüllen durchzustoßen. Die Überirdischen Freunde haben die besten atmosphärischen Bedingungen ausgesucht, damit nichts ihre Sendung störe. Sie haben auf die Stunde gewartet, in der die Irdischen frei von Gereiztheit ihr psychisches Ohr öffnen können. Anscheinend waren alle Bedingungen vorausbedacht und bewältigt, doch dann geht ein Marktschreier vorbei, und der feinste Gedanke wird vertrieben.

       Der Mensch wischt ihn beiseite wie eine aufdringliche Fliege. Er beklagt sich, dass irgendeine fantastische Geschichte sich in seinen Kopf eingeschlichen habe. Er denkt nicht darüber nach, dass ein Überirdischer Freund versucht hat, ihn vor Unglück zu bewahren. Er gesteht nicht zu, dass sich jemand darum bemüht, für ihn eine komplizierte Lebensaufgabe zu lösen. Ein im Alltagsleben befangener Geist kann keine Vorstellung über eine Zusammenarbeit jenseits der irdischen Grenzen bekunden.

       Es ist für die Überirdischen Freunde schwer, Briefe zur Erde zu senden, besonders wenn sie dringend sind. Zudem eilen böse Spötter, eine gute Botschaft zu verhindern. Sie versuchen, ihr zuvorzukommen, und der Mensch ist unglücklicherweise oft geneigt, die hinterlistige Stimme anzuhören. Das Bewusstsein eines Menschen ist selten derart erweitert und hochstehend, dass es die Qualität der Sendung unterscheiden könnte. Der Mensch ist in Alltagssorgen befangen und die Stimme der Stille bleibt ungehört. So ist es für die Überirdischen Freunde und Uns schwer, wenn es ein taubes Ohr gibt und Marktgeschwätz vorgezogen wird.

       Der Denker bat seine Schüler: „Seid Tag und Nacht auf der Wacht. Ihr kennt den Moment nicht, in dem eine überirdische Botschaft herbeifliegt. Werdet ihr sie etwa zurückweisen?“

 

       618. Urusvati weiß, dass jemand, der auf einem Turm steht, mehr sieht als derjenige, der im Keller sitzt. Muss man diese Binsenwahrheit wiederholen? Wenn Ich jedoch davon spreche, heißt dies, dass dafür eine Notwendigkeit besteht. Die Menschen unterscheiden nicht zwischen Turm und Keller. Trotz aller Offensichtlichkeit schenken sie der Stimme vom Turm keine Beachtung.

       In Tagen größter Anspannung denken die Menschen genauso wie zu gewöhnlichen Zeiten, doch stellt eine solche Denkweise eine verbrecherische Nachlässigkeit dar. Kommt es ihnen denn nicht in den Sinn, dass jedes Ereignis von einer ihm würdigen Denkweise begleitet werden muss?

       Menschen, die aus einem brennenden Haus laufen, kümmern sich nicht darum, wenn jemand sie zu einem vor ihnen liegenden, weitaus bedeutenderen Ziel drängt. Selten stellen sie sich die wahre Lage der Dinge vor, und daher klingen ihre Stimmen, als kämen sie aus einem dunklen Keller. Sie tanzen sogar in ihrem Keller, streiten sich und sind gereizt, so als ob es dafür die passende Zeit wäre.

       Die Menschen haben die erstaunliche Angewohnheit, alles durch ihre eigene Brille zu sehen, dabei sprechen sie so viel von objektivem Urteilen. Es ist Zeit, die Zivilisation um die Fähigkeit zu erweitern, die Ereignisse richtig einzuschätzen. Eine vernünftige Beurteilung hätte viele düstere Ereignisse abwenden können. Die Menschen haben von Harmagedon gehört, rechnen aber nicht mit seiner Wirklichkeit. Man muss entschieden die Binsenwahrheiten wiederholen, weil selbst die einfachsten Wahrheiten abgelehnt werden, und das mit welchem Eigendünkel! Genauso muss man wiederholt über Vertrauen sprechen, das vom Turm aus sichtbar ist!

       Der Denker sprach: „Selbst wenn ich auf das Dach meines Hauses steige, wird Pallas Athene von der Akropolis[63] aus noch unvergleichlich viel mehr sehen.“

 

       619. Urusvati weiß, wie herrlich die Ausstrahlung des Gefühls des Vertrauens ist. Aus den Felsen des Vertrauens setzt sich der Berg der Treue zusammen, der das Weltall verschönert. In dem Begriff „Treue“ vereinigen sich die besten Lebensgrundlagen: Liebe, Schönheit, Hingabe, Mut und Weisheit. Treue ist die Folge vieler vernünftig durchschrittener Existenzen. Antipoden der Treue sind Treulosigkeit und Verrat, anders gesagt, die größte Schande der Menschheit. Wenn Treue einen solchen Gegenspieler hat, ist sie wahrlich der Gipfel des Berges. Unter einem Antipoden muss man sich einen Verfolger vorstellen.

       Treue muss als ein großer Schatz gewertet werden. Die kosmische Gerechtigkeit belohnt Treue freigebig. Die Belohnung erfolgt zur gegebenen Zeit. Nur wenige können diese fristgemäße Belohnung verstehen. Um die Frist zu verstehen, muss man eine hohe Stufe des Vertrauens offenbaren. Für eine solche Stufe des Vertrauens werden Wir dankbar sein.

      Gegenseitige Dankbarkeit ist der Schlüssel zur Harmonie. Diese einfache Bestätigung erscheint vielen als unsinnig. In solchen Herzen leben weder Dankbarkeit noch Treue. Urusvati kennt die Kraft dieser Eigenschaften. Selbst bei großen Arbeiten erleuchten sie den Lebensweg. Es muss ein wildes Herz sein, das Vertrauen und Dankbarkeit nicht kennt.

       Die Schlauen auf dem Marktplatz grinsen und zählen auf, wie oft sie das Vertrauen eines anderen betrogen haben. Sie haben damit ihren Geldbeutel gefüllt und sich selbst einen schweren Buckel auferlegt. Es ist besser, dass ein Mensch betrogen wird, als dass er selbst der Betrüger ist. Die Eigenschaft des Vertrauens bewirkt viele Erfolge. Doch möge diese gesegnete Eigenschaft nicht auf irgendwelche ungewöhnlichen Zufälle warten, um sich zu offenbaren. Das alltägliche Leben gewährt die besten Möglichkeiten, um diese hervorragende Eigenschaft zu bekunden. So wird eine feste Verbindung mit Uns geschmiedet. In einem Moment kann man von der herrlichen purpurnen Ausstrahlung des Vertrauens erglänzen. Welch mächtiges Sperrnetz* entsteht!

      Nicht selten haben Wir von Freunden gesprochen, doch muss man dabei die wahren Freunde im Sinn haben. Es kann leichtfertige und unbesonnene Freunde geben, das eine wie das andere entsteht durch einen Mangel an Treue. Wenn wir etwas sehr schätzen, hüten wir es auch. So mögen der Fels des Vertrauens und der Berg der Treue unerschütterlich stehen.

       Der Denker sprach: „Ich gehe auf den Markt, wird mich dort jemand betrügen? Der Betrüger weiß nicht, dass er mir einen Passierschein zum besten Ufer des Styx[64] ausstellt.“

 

       620. Urusvati weiß, dass man zu allem Überirdischen eine natürliche Einstellung haben muss. Hört gut zu: Solange das Überirdische für euch etwas Verbotenes oder Außergewöhnliches darstellt, wird sich euer Bewusstsein nicht erweitern. Man kann bereits feststellen, dass einige, die sich dem Überirdischen zuwenden, das Gleichgewicht verlieren. Für sie schließen irdische Erwägungen jeglichen Verkehr mit dem Überirdischen aus.

       Man wird fragen: Wie soll man sich denn dem Überirdischen zuwenden, ohne dass die irdische Hülle dabei Schaden erleidet? Wird die Vermischung irdischer Emanationen mit feinstofflichen Energien für den gewöhnlichen Menschen nicht zerstörerisch wirken?

       Eine solche Beurteilung ist falsch. Das Irdische und das Überirdische sind durch feinste Bande miteinander verflochten. Man kann sich unmöglich vorstellen, dass diese Verbindungen gestört werden, eine solche Erschütterung würde den Untergang der Erde bedeuten. Man darf sich aber nicht einbilden, dass die Erkenntnis des Überirdischen nur außergewöhnlichen Organismen eigen sei. Jeder, der über das Überirdische nachzudenken beginnt, wird unweigerlich durch das Bewusstsein dieses herrlichen Aspektes des Lebens erleuchtet werden.

       Fragt jene, für die das Überirdische etwas Normales geworden ist. Sie werden sagen, dass sie bereits von klein auf über den herrlichen Himmel nachgedacht haben, über die Sterne und einen Unbekannten Lehrer, der irgendwo lebt. Solche Gedanken sind diesen Kindern zur Erde gebracht worden, denn in ihren Familien erhielten sie keine solchen Impulse; so begann der große Prozess der Harmonisierung der beiden Welten.

       Manche lösen sich ab dem siebten Lebensjahr von den Keimen der Bewusstseinserweiterung und versinken ab dem zweiten Siebenerzyklus in ihre niedere Natur. Doch andere vermögen den Verkehr mit dem Überirdischen zu bewahren, und dann nehmen die feinstofflichen Zeichen zu. Wo sich ein natürlicher Verkehr ausgebildet hatte, gab es keine gewaltsamen Übungen. Nur ein solcher natürlicher Verkehr wird der Evolution entsprechen.

       Der Denker sprach, als Er zu einem herrlichen Stern aufblickte: „Wenn unsere Wünsche in Erfüllung gehen, werde ich mich eines Tages auf jener herrlichen Welt wiederfinden können.“

 

       621. Urusvati weiß, dass einige Bewohner der Feinstofflichen Welt bewusst schwierige Verkörperungen auswählen. Ich spreche von jenen, deren Karma auch eine leichtere Existenz erlauben würde, doch ein verfeinertes Bewusstsein sagt ihnen, dass ein schwieriges Leben mehr wert ist als viele leichte. Überdies nehmen diese selbstlosen Wanderer gern einen Auftrag an, vor dem Kleinmütige sich eiligst drücken.

       Ihr habt an Narada[65], genannt der Streitsüchtige erinnert. Er hatte die nicht leichte Aufgabe, mit Hilfe von Streit ein vernünftiges Urteil hervorzurufen; auf diese Weise wurden viele schlummernde Bewusstseine aufgeweckt. Ebenfalls haben nicht wenige Geistesstarke die Aufgabe übernommen, die Menschen von veralteten Überbleibseln zu befreien. Man kann sich vorstellen, wie schwer das Leben solcher Reiniger war! Sie ertrugen wütende Angriffe, und erst die ferne Zukunft wird ihnen eine gerechte Wertschätzung zuteilwerden lassen. Doch viele solche Arbeiter haben ihren Namen nicht hinterlassen; in der Geschichte ist nur auf einige Bewegungen hingewiesen worden, die eine Erneuerung des Denkens gefördert haben.

       Man darf nun nicht meinen, es habe nur wenige solche Kämpfer gegeben. In verschiedenen Epochen erschienen Geistesstarke, die mit ihrem Leben vom rechten Weg des Fortschritts zeugten. Mögen die Freunde über solche Arbeiter nachdenken, die umso wertvoller sind, als sie ein nahezu sorgenfreies Leben hätten wählen können, sich aber für mühevolle Arbeit entschieden haben. Mögen diese Arbeiten Stufen eines lichten Aufstieges bilden.

       Der Denker legte den Schülern nahe, ein schwieriges Leben zu wählen: „Allein in mühevoller Arbeit werdet ihr erfolgreich voranschreiten.“

 

       622. Urusvati weiß, dass hohe, verfeinerte Einfachheit ein guter Weg zum Überirdischen ist. Einfachheit bedeutet Erkenntnis und erfolgreiches Voranschreiten. Luxus bedeutet Fäulnis und Zersetzung. Die Geschichte gibt dafür Beispiele in verschiedenen Epochen. Unermüdlich Schaffende sind einfach in ihrem Alltagsleben, doch nichtsdestoweniger beeinflussen sie die gesamte Umgebung.

       Jeder Tatmensch verbreitet ungewollt die Ausstrahlung seiner Bestrebungen, doch muss man lernen, ein weises Maß seiner Bedürfnisse zu finden. Fanatismus jeglicher Art ist nicht die richtige Lösung. Man darf niemanden mit Gewalt von der Notwendigkeit der Einfachheit im Leben zu überzeugen suchen. Sie muss zusammen mit dem Gefühl der Harmonie niedergehen.

       Man muss gut verstehen, dass es auch nicht nützlich ist, mit seiner Einfachheit zu prahlen. Sie muss sich ganz natürlich ergeben. Wir erinnern oft an die Natürlichkeit der Errungenschaften. Sie verleiht wahre Ruhe ohne Neid und ohne Nachahmung unsinniger Gewohnheiten.

      Mögen gewisse Völker annehmen, Luxus sei ihre Bestimmung, besser gesagt ihr Schandmal. Ein Leben voller Fäulnis kann nicht lange währen. Nicht selten konnte nur eine Generation das Einatmen einer solchen vergifteten Luft überleben. So wurden nicht Luxus, sondern Bestattungs-Katafalke[66] verwirklicht!

       Der Denker sprach: „Wenn das Gewand zerrissen und verschmutzt ist, ist das Einfachheit? Wenn die Worte grob und beschimpfend sind, ist das Einfachheit? Wenn ein Gedanke Böses und Hinterlist verbirgt, ist das Einfachheit?“

 

       623. Urusvati weiß, wie oft die Menschen nicht in der Lage sind, verwandte Begriffe miteinander zu verbinden. So erscheinen Beweglichkeit und Unerschütterlichkeit dem Erdbewohner als widersprüchlich. Sie halten Beweglichkeit für Schwanken und Unerschütterlichkeit für Erstarrung; daraus entsteht eine Art schwankender Baum, der einen Vorbeigehenden bedroht und dabei unerträglich knarrt. Die Gegenüberstellung von Beweglichkeit bei Unerschütterlichkeit oder Unerschütterlichkeit bei Beweglichkeit geht den Menschen nicht ein.

       Der Mensch muss sich in Beweglichkeit, in Bereitschaft zur Heldentat befinden, doch muss er sich auf den Stab der Unerschütterlichkeit stützen. Nur bei einer solchen Verbindung wird der Wanderer erfolgreich voranschreiten. Man darf nicht meinen, das Überirdische sei von unirdischen Gesetzen bestimmt; auch dort ist ein Stab erforderlich, und auch dort wird der Drang zur Heldentat empfunden. Nicht wenige überirdische Bewohner träumen von herrlichen Flügen und bedauern die Last, die sie behindert. Wahrlich, eine solche Last wird nicht nur durch himmelschreiende Verbrechen, sondern auch durch jede Art von Verwirrung und Schwanken angehäuft.

       Verwechselt Schwanken nicht mit Suchen, das eine fortschreitende Bewegung in sich birgt; eine solche Beweglichkeit nennen Wir edel. Und Unerschütterlichkeit bei der Erkenntnis der Grundlagen bezeichnen Wir als segensreich.

       Der Denker lehrte die Erkenntnis verwandter Begriffe. Er sprach: „Wir selbst sind es, die den erhabenen Leib des Daseins zerspalten.“

 

       624. Urusvati weiß, dass wütendste Verneinung neben begeisterter Anerkennung wohnt. Stellen wir uns einen Kreis in der Art des geschlossenen Ringes einer Schlange vor und nehmen wir an, der Kopf sei das Zeichen höchster Anerkennung. Wir sehen dann, wie die Anerkennung sich verringert und schließlich in Gleichgültigkeit übergeht, welche die Schwelle zur Verneinung bildet. Diese nimmt am Schwanz der Schlange zu und wird heftig und wütend; derart wütend, dass man den Verdacht hegen könnte, in ihr verberge sich Anerkennung. Es gibt viele Beispiele, da sich wütendste Verfolger in ergebenste Anhänger verwandelt haben.

       Man muss sich daher besonders vor Gleichgültigkeit, dem Urvater der Verneinung, hüten. Danach führt der schändliche Weg zu den niederträchtigsten Formen der Verneinung; doch in der Tiefe des Bewusstseins beginnt schon der Sturm, und die Polarität schafft eine Anspannung, in der bereits die Wahrheit erklingt. Das Chaos kämpft und zeigt sich stürmisch, doch die angespannte psychische Energie überwindet die Finsternis und es kann zu einer herrlichen Apotheose[67] kommen.

       Deshalb beobachtet, in welchem Stadium sich die Verneinung befindet. Möge sie auf dem Weg der Verfluchung voraneilen. In frühen Stadien wird sie noch nicht die Energie für eine Erleuchtung finden. Doch möge der Ausbruch eintreten, dann wird das Strahlen des Lichts eine Annäherung an die Wahrheit hervorrufen. Ein solches lebendiges Beispiel ist heute oft zu beobachten, denn die Erdbewohner haben sich anscheinend unversöhnlich entzweit und nur noch ein Ausbruch wird eine Verschiebung* bewirken.

       Der Denker sprach: „Leonidas verfolgt und beschimpft mich so sehr, dass ich allmählich denke, in ihm entstünde Freundschaft. Doch nein, ich irre mich, er ist noch nicht wütend genug.“

 

       625. Urusvati weiß, wie falsch das Chaos und der Kampf mit ihm verstanden werden. Der Begriff des Chaos wurde im fernen Altertum erkannt. Die klassischen Denker definierten das Chaos als grobe Materie, die sich nicht überwinden lässt. Später entstand die symbolische Darstellung des offenbarten Punktes im Kreis des Unoffenbarten. Die Definition und die Zeichnung sind richtig, und dennoch rufen sie Irrtümer hervor. Man könnte aus ihnen schließen, das Unoffenbarte oder Chaos und das Offenbarte seien völlig voneinander getrennt. So denken viele und beruhigen sich damit, dass sie ja außerhalb des Chaos lebten.[68]

       Tatsächlich ist aber jeder den Wirkungen des Chaos ausgesetzt, das wie eine Art Chemismus ins menschliche Herz eindringt. Man darf nicht sagen, dass nur niedere Organismen solche Einwirkungen erfahren. Alle befinden sich unter dem Druck dieses unsichtbaren Feindes. Der Unterschied besteht nur darin, dass niedere Organismen solche Einwirkungen leicht anziehen, ein hochstehendes Bewusstsein dagegen sich den unerbetenen Einflüssen widersetzt.

       Wir haben davon gesprochen, dass Grausamkeit, Grobheit und Unwissenheit Brutstätten des Chaos sind. Im Umkreis solcher Herde entstehen gefährliche Epidemien. Ihr könnt beobachten, wie sich in Kriegszeiten das Selbstbewusstsein der Menschen verändert. Die Tore geistiger Festigkeit sind geöffnet, und die Wellen des Chaos strömen ungehindert ein und vergiften den Organismus. Das Denken verändert sich, die Logik entschwindet und die Ehrenhaftigkeit verfällt. Einzelne Heldentaten versinken in den Wellen des Chaos. Die Menschheit hat einen verderbenbringenden Verbündeten herbeigerufen.

       Es ist bedauerlich, dass die Menschen nach Millionen von Jahren immer noch nicht verstehen, welche Gefahren sie aus dem Raum hervorrufen können! Doch selbst in den Tagen des Harmagedon kann man mit nützlicher Selbstvervollkommnung beginnen. Wenn die Energie nicht ausreicht, Boshaftigkeit, Grausamkeit und Grobheit zu vertreiben, kann man sie dennoch zügeln. Jeder kann an diesem Werk mitarbeiten. Die Anspannung ist sehr groß und es ist an der Zeit, die Leichtfertigkeit hinter sich zu lassen, denn sie stellt verhängnisvolle Unwissenheit dar.

       Der Denker lehrte: „Jeder kann seiner Unwissenheit den Krieg erklären. Ein solcher Krieg ist ehrenvoll, er ist die Gewähr des Erfolges und eine Verteidigung des Vaterlandes.“

 

       626. Urusvati weiß, dass einige Menschen zu behaupten suchen, Wir existierten überhaupt nicht. Solche Menschen sind von einer derartigen Wut erfüllt, dass man den Verdacht hegen könnte, sie wollten sich selbst davon überzeugen. Keinerlei Argumente wirken auf sie. Personen, die Uns begegnet sind, bezeichnen sie als Lügner und behaupten, sie hätten unter Hypnose gestanden.

       Die wissenschaftlichen Analogien des drahtlosen Telegraphen und der Television überzeugen die Verneiner nicht. Die Menschen glauben, was sie wollen. Keinerlei Fakten überzeugen sie. Sie erklären, sie seien bereit zu glauben, wenn sie sich persönlich vergewissern könnten, doch wenn die Bestätigung eintritt, sagen sie, es sei nur Schein. Dafür lassen sich Beispiele anführen.

      Ich bestätige, dass solche Verneiner Kräften dienen, von denen sie gar keine Vorstellung haben. Weshalb behaupten sie, was sie nicht wissen? Mögen sie doch beweisen, dass Unsere Existenz unmöglich ist.

       Kann denn ein gewissenhafter Forscher behaupten, in seinem Bereich sei alles entdeckt und erklärt? Nur ein dummer, konventioneller Geist wagt zu behaupten, ihm sei alles bekannt. Jede neue Entdeckung ist nur ein weiterer Zugang zum Unbekannten. Noch vor kurzem kannte man nur das Nordlicht, nun aber bemerkt man bereits das Himalayalicht. Doch niemand kann die Ursache dieses Lichtes aufzeigen. Man könnte von Energieanspannung oder von elektrischen Erscheinungen reden, doch diese Annahmen sind höchst undeutlich.

       Warum herrscht denn irgendwo jenseits des Mount Everest eine ungewöhnliche Energieanspannung? Warum ist eine solche Erscheinung mit verschiedenen Einwirkungen verbunden? Es können viele Fragen aufkommen, doch das Wesentliche bleibt bis heute ungeklärt. Möge jemand darüber nachdenken. Möge ebenfalls jemand Informationen über verschiedene seltsame Begegnungen sammeln; in der Literatur finden sich nicht wenige Erinnerungen daran.

       Der Denker sprach: „Viele unbekannte Feuer leuchten den Wanderern.“

 

       627. Urusvati weiß, dass der Mensch die feinstofflichen Energien nicht nur anerkennen, sondern auch mit ihnen zusammenwirken muss. Muss der Mensch etwa irgendein Gigant sein, um an eine solche Zusammenarbeit denken zu können? In einer gut konstruierten Maschine ist jedes Teilchen unersetzlich. Möge der Mensch des öfteren sich selbst als ein Teilchen des Weltalls vorstellen. Er ist wahrhaftig imstande, seine Energie dem großen Weltaufbau hinzufügen.

       Der Gedanke des Menschen ist die beste Energie, er kann sie unerschöpflich in das Gewölbe des Universums ausströmen. Wie eine Lichtsäule kann der Gedanke sich emporschwingen und sich an den großen Energetischen Apparat anschließen. Es ist die Pflicht des Menschen, seinen Besitz zu teilen, doch der beste Besitz ist seine Gedankenenergie. Diese Energie kann nämlich, wenn sie bewusst strebt, als eine wahre yogische Verbindung mit der Höheren Welt dienen. Oft haben Wir über die Bedeutung der Bewusstheit gesprochen, sie allein schafft Leben. Selbst Prana muss bewusst eingeatmet werden.

       Der Denker sprach: „Jeder von uns, der in den Schlaf geht, möge einen schönen Gedanken, einen Gruß an die Kräfte der Natur aussenden.“

 

       628. Urusvati weiß, dass ein Tatmensch einem fürsorglichen Gärtner gleichen sollte. Es ist nicht leicht, die schönsten und nützlichsten Pflanzen zu schützen, doch ebenso muss man verstehen, wie nützlich auch einige einfache Blumen sind. Unwissende könnten sie zertreten und für Unkraut halten. So muss man auch im gesamten Leben besonders die Bedeutung der kleinen, unscheinbaren Arbeiter erkennen, aus denen starke Mitarbeiter werden können. Man darf nicht über ihr geringes Wissen bekümmert sein, denn dafür sind sie in der Lage, Durchschnittswissen beiseitezulassen und zum Höchsten zu streben.

       Wir und die Uns Nahestehenden haben das Streben zum Kleinen, Einfachen und von Hinterlist nicht Berührten sehr entwickelt. Mag ihr Denken einen zunächst durch seine Primitivität betrüben, doch dafür fällt man nicht in einen Sumpf von Sophisterei[69]. So vermag auch Unser Volk vom Kleinen zum Hohen überzuspringen, ohne aber sich dieses Hohen zu brüsten. Selbst seine Glaubenskämpfer konnten nicht hochmütig werden. Sie verstanden, dass sogar die größte irdische Arbeit nur die Schwelle zum überirdischen Dasein ist.

       Sie kannten das Feuer und die leuchtende Flamme, doch ließen diese Zeichen sie nicht überheblich werden. Eine solche Einfachheit war weder Erniedrigung noch Demütigung, sondern das Leben des Herzens, das Leben der Selbstverleugnung. Sie erwarteten keine besondere Anerkennung, denn sie waren wahre Arbeiter. Sie verstanden zu reden und zu schweigen.

       Der Denker sprach: „Lasst uns schweigen und die Gedankenblitze löschen. Möge aus dem tiefen Inneren das Wichtigste, das Verborgenste aufsteigen.“

 

       629. Urusvati weiß, wie entschieden die Stimme aus den Tiefen unseres Bewusstseins erklingt. Klar ist, dass sich im Menschen zwei Arten psychischer Arbeit vollziehen. Die eine ist den grobstofflichen, irdischen Bedingungen unterworfen, während die andere sich bereits auf die Feinstoffliche Welt bezieht. Man kann sich davon überzeugen, dass das Ergebnis dieser zweiten Arbeit höher und grundlegender ist als das der ersteren.

       Nicht selten kommt aus den Tiefen des Bewusstseins eine Stimme auf, die eine irdische Entscheidung widerruft. Es ist sehr aufschlussreich, diese Zweikämpfe zu beobachten, die sich im Menschen selbst abspielen. „Erkenne dich selbst“ sagten die Philosophen, und sie hatten recht. Nur wer die Stimme aus den Tiefen des Bewusstseins anzuerkennen vermag, kann sich als auf dem Weg der Erkenntnis befindlich erachten. Es ist erstaunlich, wie durchdacht und unerschütterlich das Bewusstsein in seinen Tiefen tätig ist.

       Man könnte fragen: Wozu gibt es diese beiden einander oftmals entgegengesetzten Arten psychischer Arbeit überhaupt? Doch Wir antworten: Sie bestätigen nur den Unterschied zwischen den irdischen und den überirdischen Bedingungen. Natürlich ist das feinstoffliche Bewusstsein auch gerechter und weitsichtiger als das von Verwirrung und Angst bestimmte irdische.

       Glücklich ist, wer gelernt hat, der Stimme aus der Tiefe des Bewusstseins Gehör zu schenken. Er wird neue Mittel für den irdischen Kampf finden. Er wird mit guten und gerechten Augen um sich blicken. Er wird die richtige Bestimmung vieler Eigenschaften finden und Mut schöpfen. Mag man diese Stimme als Unterbewusstsein, klein oder groß bezeichnen, ist das nicht alles dasselbe?! Wesentlich jedoch ist, dass im Menschen eine große psychische Arbeit vor sich geht.

       Der Denker sprach: „Hört die ermutigende und warnende Stimme. Dieser Richter und Freund ist immer bei euch.“

 

       630. Urusvati weiß, wie unterschiedlich Unsere Antworten ankommen. Manchmal ist eine Frage noch nicht beendet, doch die Antwort ist bereits da. Ebenso geschieht es, dass eine Antwort erst nach einigen Tagen eintrifft, was nur die Lebendigkeit des Prozesses beweist. In den Fällen, in denen die Antwort die Frage überholt, erweist sich, dass auch die Frage selbst wegen des gesandten Gedankens aufgetaucht war.

       Stellt euch eine Vielzahl von Ursachen vor und denkt darüber nach, weshalb eine Antwort verzögert werden könnte. Es kann nicht nur eine Unentschiedenheit der gegebenen Umstände, sondern auch von außen kommende Ursachen geben, die eine Verzögerung bewirken, doch bei allem kann man die Lebendigkeit solcher Übertragungen beobachten.

       Nicht selten möchten die Menschen von solchen Umständen erfahren, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, doch eilige Angelegenheiten erlauben keine sofortige Änderung des Stromes (…). So wie ihr im Leben nicht selten sagt: „Wartet eine Weile“, so ist es im gesamten Dasein.

      Doch die Menschen sind Egoisten, wenn sie etwas nötig haben, und ziehen noch nicht einmal die kosmischen Bedingungen in Betracht. Man muss sich an Entsprechung gewöhnen und die Ausmaße Unserer Tätigkeit verstehen. Wir können Uns in eiliger Tätigkeit befinden, dann ist es unmöglich, den Strom zu unterbrechen. Jeder unterbrochene Strom gleicht einem zerbrochenen Pfeil.

       Der Denker lehrte die Notwendigkeit, fremde Arbeit zu achten. Er sprach: „Wie kann man den Fluss des Denkens kennen? Weise wird es sein abzuwarten, bis der Freund das angespannte Denken beendet hat.“

 

       631. Urusvati weiß, dass viele den Begriff Rhythmus einschränken. Ihrer Meinung nach kommt Rhythmus in Musik, Gesang, Tanz und Dichtung zum Ausdruck, doch sie vergessen den hauptsächlichen Rhythmus, der sich im gesamten Universum ergießt und das ganze Leben durchdringt. Angesichts dieses uranfänglichen Rhythmus erweisen sich unsere irdischen Erscheinungen als dürftig. Für eine ungeordnete Lebensweise ist bereits jede rhythmische Handlung heilsam, doch ist dies nur die Schwelle zum erhabenen Rhythmus des Weltalls.

       Mögen die Menschen darüber nachdenken, weshalb die einen Handlungen überzeugend sind, andere indessen die Saiten des Herzens nicht berühren. Wir antworten: Der innere Rhythmus wirkt überzeugend und bereitet die Anwesenden für eine Aufnahme des Gesagten und Getanen vor. Die Umgebenden folgen auf dem Fuße, wissen aber selbst nicht warum.

       Die Tätigkeit der großen Spirale ist eine der Ausdrucksformen des großen Rhythmus. Ein Leser Unserer Gespräche rief aus: „So wird das Wissen des Lebens fest eingeschraubt!“ Er hat diesen Vergleich richtig gezogen. Wenn man das System der Gespräche analysiert, findet man eine Spirale – sie ist der beste Zugang zu den Gesetzen des Lebens.

      Man kann keine Bestimmung abschließend definieren; ihre Erklärung ergibt sich nicht allein aus dem Gesagten, sondern auch aus dem Bewusstseinszustand des Gesprächspartners. Doch das Bewusstsein verändert sich, und es ist nützlich, ein neues Urteil zu vermitteln, damit die Empfangenden sich erneuern. So lässt sich der Rhythmus des Weltalls im gesamten Leben feststellen.

       Der Denker verstand es, das Bewusstsein des Rhythmus zu wecken: „Nicht in Tänzen, sondern im Pochen des Herzens haben wir das beste Beispiel des universellen Rhythmus.“

 

       632. Urusvati kennt den Unterschied zwischen den wirklichen und den augenscheinlichen Fristen. Das Beispiel des Arztes ist besonders aufschlussreich:

      Ein erfahrener Arzt versteht, dass eine Krankheit nicht vor ihrem Ausbruch entstanden ist, sondern früher. Er wird nach den eigentlichen Ursachen forschen und das gesamte Leben des Kranken erneuern.

      So verhält es sich auch mit der Frage der Fristen. Die Menschen zählen die Frist von da ab, wo das Ereignis für sie offensichtlich wurde. Doch es ist nicht der Beginn des Ereignisses, wenn selbst der Kurzsichtige sieht, was vor sich geht. Man kann davon überzeugt sein, dass die Entstehung des Ereignisses früher erfolgte. Weise ist es, gerade die Entstehung von Ereignissen zu erkennen, nur dann ist man in der Lage, ihre Entwicklung und Lösung zu beobachten.

       Die Entstehung der Ereignisse zu erforschen ist nicht nur um der Wahrheit willen nützlich, sondern auch, um sein Denken zu prüfen. Man muss sich von jeglicher Voreingenommenheit lösen können. Möge das Denken ruhig und frei sein, wie Wasser in einem sauberen Brunnen, bei dem man den ganzen Grund klar sehen kann. Ein solches ruhiges Denken ist allerdings nicht leicht zu erwerben. Der Mensch möchte seine eigene vorgefasste Lösung unterschieben oder doch wenigstens den Weg zum Urteil bestimmen.

       Genauso wichtig ist aber, karmische Wirkungen zu bemerken; dafür muss man die Geschichte der Völker kennen; allein durch solche dokumentarischen Vergleiche kann man zu einer gerechten Entscheidung gelangen. Man muss in der Lage sein, zu einem echten Wissenschaftler zu werden, dem eine wahre Schlussfolgerung wertvoll ist, auch wenn sie nicht seiner Auffassung entspricht. Man muss lernen, persönliche Ansichten um der Wahrheit willen aufzugeben.

       Darauf wies der Denker hin, als er sprach: „Nicht meine zerbrechliche Meinung, sondern der Marmor der Jahrhunderte bestätigt unsere Schlussfolgerungen.“

 

       633. Urusvati weiß, dass jede aus der Überirdischen Welt kommende Aufgabe unter den irdischen Bedingungen einen gewissen Schaden erleidet. Darüber darf man nicht bekümmert sein, denn der Unterschied zwischen den feinstofflichen und den irdischen Bedingungen ist erstaunlich; man möge sich vielmehr an Unsere Weisung erinnern: „Weiter als das Weite“. So mahnen Wir an die ursprünglichen Aufgaben, die in der Feinstofflichen Welt übertragen wurden.

       Jeder Bewohner der Feinstofflichen Welt erhält einen Auftrag, der seinen Fähigkeiten entspricht. Es werden nicht nur große Aufträge erteilt, sondern auch solche, die im Bereich des Alltagslebens erfüllt werden müssen, wo man auch einen bestimmten Nutzen beitragen kann. Doch nur wenige bewahren noch eine Erinnerung an solche Aufgaben, die auch das Karma erleichtern sollten.

       Oft bedauern die Menschen, dass sie etwas nicht ausführen können, und wissen selbst nicht, weshalb ihr Herz schmerzt. Sie versuchen, sich an etwas zu erinnern, doch im grobstofflichen Zustand flattert ein feinstofflicher Gedanke umher wie ein aufgeschreckter Vogel. Die Menschen können den richtigen Weg nicht fortsetzen, solange sie sich nicht der Überirdischen Welt zuwenden.

       Man sollte auch den im Volk aufgekommenen Erleuchtungen Aufmerksamkeit schenken. Sie können aus der tiefsten Quelle kommen. Ihr tut recht, wenn ihr Prophezeiungen aus dem Volk aufmerksam wahrnehmt. Man kann sich davon überzeugen, dass solche Hinweise innerhalb einer gewissen Frist in das Gerede des breiten Volkes eingehen werden.

      Man kann darüber staunen, weshalb die unterschiedlichsten Stimmen beginnen, ein und dasselbe zu bestätigen. Dabei werden überzeugende Fristen genannt. Es lässt sich hinzufügen, dass das Gesagte ebenso wahr ist wie die Angabe, dass unter dem Felsen des Ghum[70] eine Prophezeiung liegt. Man muss die Verbindungen des Irdischen mit dem Überirdischen genau beobachten.

       Der Denker sprach: „Seid imstande, die Stimme des Volkes zu verstehen, in ihr erklingt eine Überirdische Weisung.“

 

       634. Urusvati weiß, wo die Wahrheit liegt, eine solche Synthese ist ein ganzes Buch wert. In der Tat ist es nicht leicht, seine ganze irdische Hülle abzuwerfen und zu erkennen, wo die Wahrheit ist, die den Ereignissen zugrunde liegt; eine solche Prognose ist auch für die Überirdische Welt von Nutzen.

       Es ist ein Glück, wenn ein Mensch von seiner Aufgabe für das Gemeinwohl so sehr erfüllt ist, dass er in der Überirdischen Welt seine lichte Arbeit unverzüglich fortsetzen kann. Wundert euch nicht darüber, dass solche harmonische Weiterführung der Arbeit nicht leicht ist, denn in ihr vereinigen sich irdische und überirdische Bedingungen. Man braucht einen festen Willen, der keine Hindernisse kennt. Man braucht einen solchen Mut, dass noch nicht einmal im Schlaf Erholung erforderlich ist.

       Der Mensch kann alle Hindernisse überwinden, wenn ihm das Ziel der Reise klar ist. Es wird die Reise noch nicht einmal wahrnehmen, wenn er in der Ferne bereits das Licht sieht. Er wird die Schritte zu diesem Licht nicht zählen, denn es leuchtet bereits im Herzen des Arbeiters. So werden wir die Verbindung zum Überirdischen finden, möge sie den Menschen zur Freude führen. Möge der Mensch sich befehlen, so unbeugsam zu gehen, dass er bei seinem Flug neue Bedingungen gar nicht spürt.

       Das Märchen des Lebens ist groß, und jeder ist imstande, über die Strahlen der Himmelskörper nachzudenken, welche die Erde nach Millionen von Jahren erreichen. Beflügelt eine solche Berührung mit der Ewigkeit den Menschen etwa nicht? Schafft er sich denn keine Erneuerung des Denkens? Er kann die Wirklichkeit lieben lernen und in sich das Bewusstsein finden, welches ihm ermöglicht, das Überirdische wahrzunehmen, als wäre es hier. Die Lehre kann eine solche Wahrnehmung nicht vermitteln, solange der Mensch die Überirdische Welt nicht annehmen will.

       Der Denker sprach: „Lernen wir zu erkennen, wo die Wahrheit liegt. Sie existiert, auch wenn sie von vielen Hüllen bedeckt ist.“

 

       635. Urusvati weiß, dass Hass den schlimmsten Wahnsinn erzeugt. Glücklicherweise ist voll ausgebildeter Hass nicht oft anzutreffen. Bei Hass wachsen die Kräfte, und es offenbaren sich hinterlistige unsichtbare Gefährten. Ein solcher Wahnsinn kann überaus gefährlich werden, das Karma des Hasses aber ist entsetzlich. Solche Wahnsinnigen bleiben auch in der Überirdischen Welt wütende Hasser. Ein solches Karma kann höllisch genannt werden, dabei sind die Gedanken nur auf die Befriedigung des Bösen ausgerichtet.

       Der Mut eines Führers stumpft an der Bosheit solcher Wahnsinnigen ab. So ist es unmöglich, sie zur Vervollkommnung zurückzubringen. Doch die Erfolglosen handeln falsch und verlieren rasch ihre früheren Aufspeicherungen. Ein Hassender kann nicht im Evolutionsprozess bleiben. Und ihr könnt euch selbst vorstellen, dass der Weg eines aus der Evolution Ausgestoßenen entsetzlich genannt werden kann. Mögen die Menschen recht bald verstehen, dass Hass ein schlechter Führer ist.

       Hass ist unversöhnlich. Anhand dieser Eigenschaft kann man ihn von anderen Erscheinungen unterscheiden. Mitunter verwechselt man ihn mit Strenge. Die Menschen sprechen von wütenden Taten großer Verwandler, doch geschahen diese Taten in Wirklichkeit aus Strenge und waren von Hass weit entfernt. Wir wollen nicht über die Gründe dieser Strenge urteilen. Man kann sich den Abgrund von Unwissenheit und Feindseligkeit vorstellen, auf den jeder Verwandler des Lebens traf! Man kann sich nur wundern, dass ein großer Tatmensch nicht selbst in Hass verfällt, doch dies ist für große Tatmenschen nicht charakteristisch.

       Am Kriterium des Hasses lässt sich das Niveau eines Tatmenschen erkennen. Nur ein wertloser, dünkelhafter Mensch, der alles ihm Unbekannte verachtet, wird zum Opfer eines Strudels von Hass. Er wird aber nicht in einem einzigen Augenblick zu einem Hasser. Statt Tropfen heilsamen Arbeitsschweißes hat er viele Tropfen Imperil aufgehäuft. Ein strenger Verwandler grämt sich insgeheim über jede wütende Handlung, doch der Hassende frohlockt über jeder seiner Grausamkeiten.

       Evolution setzt voraus, dass Hass als eine Schande der Menschheit angesehen wird; dann werden viele Hindernisse verschwinden, die durch Unwissenheit errichtet wurden. Hass ist eine besondere Art von Unwissenheit. Ein aufgeklärter Mensch weiß, dass Hass seinen Fortschritt behindert.

       Glaubt nicht, ein Hassender sei ein Gigant des Bösen, es gibt auch kleine Hasser; doch auch sie tragen das Karma des Hasses, und dabei sind irdische Waagen unbrauchbar. Und weiß denn ein solcher Hassender, was er behindert und was er zu zerstören träumt? Viele Hassende wissen nicht, was sie hervorbringen wollen. Sie sind wie erbärmliche Steinchen in einem Strom, über die eine mächtige Strömung hinwegrast. Doch auch Steine können ein Hindernis bilden.

       Der Denker sprach: „Ich bitte das Schicksal, die Menschen vor dem Wahnsinn des Hasses zu bewahren.“

 

       636. Urusvati weiß, dass eine Vielzahl von Menschen mit falschem Denken in die Feinstoffliche Welt hinübergeht. Die einen gehen in Angst und Schrecken hinüber, andere in Bosheit und Gereiztheit, dritte in Gebundenheit an irdische Dinge und vierte bilden sich ein, jenseits der körperlichen Hülle sei nichts mehr.

       Viele nicht nützliche Gedanken fügen der feinstofflichen Existenz Schaden zu. Unter den nicht nützlichen Aufgaben gibt es auch solche, die dem Wesen nach gut, aber unanwendbar sind. So versprechen einige, sich im feinstofflichen Körper zu offenbaren; mit einem solchen Versprechen binden sie sich und enttäuschen diejenigen, denen sie das Versprechen gegeben haben.

      Der Mensch muss die Schwelle frei und zur Vervollkommnung bestrebt überschreiten. Vielleicht muss er zur Erfüllung seiner Aufgaben im feinstofflichen Körper erscheinen, möge eine solche Zulassung jedoch im Rahmen der übrigen Erfahrungen und Erkenntnisse natürlich vor sich gehen.

       Zudem kann der Mensch nicht im voraus wissen, wem er wann erscheinen kann. Es mag beispielsweise sein, dass die Schwingungen einer ins Auge gefassten Person sich nicht geändert, die einer anderen jedoch zugenommen haben; solche Veränderungen lassen sich nur von der Feinstofflichen Welt aus feststellen, und es wäre nicht weise, die Realität vorwegzunehmen. Möge alles natürlich und ohne Voreingenommenheit verlaufen.

      In voller Bereitschaft sein heißt nicht, sich durch vorgefasste Absichten zu binden. Es ist sehr gut möglich, dass jemand im feinstofflichen Körper erscheint, und so Menschen Nutzen bringt, doch wird dies kein furchterregendes Gespenst, sondern ein lichter Bote sein. Auf eine solche Erfahrung muss man sich vorbereiten und den Führer anerkennen.

       Der Denker sprach: „Wir benötigen keine schrecklichen Gespenster, doch möge ein lichter Bote anklopfen.“

 

       637. Urusvati weiß, dass der menschliche Organismus auf alles Umgebende weitaus mehr reagiert, als man gemeinhin denkt. Bis heute nehmen die Menschen an, dass sie in einer Art Leere leben, in der es keine Leitungen gibt. Selbst die Entdeckung der Radioübertragungen hat zu keiner neuen Weltanschauung geführt. Doch jetzt möchte Ich an einen überaus wesentlichen Umstand erinnern, nämlich die Übernahme eines fremden Schmerzes auf Entfernung.

       Ihr wisst bereits, dass Schmerzen unter Suggestion auf Anwesende übertragen werden können. Doch auch ohne Suggestion ist ein starker Wille in der Lage, Schmerzen anderer über allergrößte Entfernungen hinweg auf sich zu nehmen. Nicht selten denkt ein Mensch aus Gutherzigkeit, das Leiden eines anderen erleichtern zu wollen, und übernimmt die Krankheit selbst. Eine solche Übernahme von Krankheit kann keine physische Ansteckung sein, sondern ist ein psychischer Vorgang mit allen körperlichen Folgen.

       Es lässt sich eine Reihe von Beispielen solcher psychischen Übertragungen nennen. Sie beweisen, wie feinfühlig der menschliche Organismus ist und wie selten man solche feinen Erscheinungen beobachtet. Die Wissenschaft hilft den meisten Menschen wenig, denn selbst im besten Fall bleibt sie im engbegrenzten Kreis der Wissenschaftler. Es ist unerlässlich, die Schlussfolgerungen der Wissenschaft den breiten Massen zu übergeben. Lasst uns keine Popularisierung fürchten, denn viele neue Entdeckungen müssen Besitztum des Volkes werden.

       Der Denker sprach: „Ich sehe nicht, warum die Landbevölkerung weniger wissen sollte als die Städter.“

 

       638. Urusvati weiß, dass lebendige Erkenntnis immer erweiternd, nicht aber begrenzend ist. An diesem Merkmal kann man wahre Wissenschaft erkennen. Die Menschen möchten in allem die Materie sehen, und sie sind auch nicht weit von der Wahrheit entfernt, wenn sie die ganze Vielfalt der Eigenschaften der Materie einräumen. Das Wort „Materie“ selbst ist gut und mit dem erhabenen Begriff der Mutter verwandt. Jetzt, im Zeitalter der Mutter der Welt, muss man gegenüber allem, was an diese herrliche Grundlage gemahnt, besonders aufmerksam sein. Überdies muss man verstehen, dass der Begriff der Materie die unterschiedlichen Eigenschaften dieses gebärenden Stoffes in sich fasst.

      Es heißt, dass Materie kristallisierter Geist ist, doch man kann es auch umgekehrt sagen, denn alles, von den feinsten Energien angefangen, ist Materie. Wenn jemand sich gegen das energetische Prinzip auflehnt, ist dies ein ärmliches Urteil, denn damit verneint er gleichzeitig auch die Materie. Was bleibt einem solchen Unwissenden dann noch?

      Es ist an der Zeit, der Bezeichnung ihre wirkliche Bedeutung zurückzugeben. Wer sich als Materialist versteht, sollte die Materie in all ihren Arten verehren. Es ist unstatthaft, sich als Materialist zu bezeichnen und das Wesen der Materie zu leugnen.

       Wie herrlich ist es indessen, die Materie zu studieren und dem Evolutionsprozess gegenüberzustellen; nur ein solcher Weg ist wissenschaftlich. Doch muss man sagen, dass auch diese Definition Entstellungen ausgesetzt ist. Ein positiv ausgerichtetes Studium wird niemals etwas Begrenztes sein. Im Gegenteil, es muss ein Symbol ständiger Erkenntnisgewinnung sein.

      So denkt über die Bedeutung vieler Begriffe nach, und es wird euch klar werden, wie sehr Wir wünschen, dass man an alles von der wissenschaftlichen Seite herangeht. Für Uns widerspricht eine solche Grundlage der Freiheit des Forschers nicht, sondern sie weist nur auf die herrliche Materie hin, welche die Mutter selbst ist.

       Der Denker sprach: „Lernen wir, die Mutter zu verehren, dann werden wir auch das Wesen der Natur verstehen.“

 

       639. Urusvati weiß, dass man bei einem Besuch und beim Übergang in die Überirdische Welt in sich die freudigsten Erinnerungen wachrufen muss. Wir haben oft von dieser Brücke der Freude gesprochen, doch die Menschen hören selbst den besten Ratschlägen kaum zu. Einige sagen: „Unser Leben war düster und freudlos.“ Doch sie vergessen, dass jeder Mensch Augenblicke der Freude erlebt hat. Gerade diese muss man aus dem Archiv des „Kelches“ hervorrufen.

       Man darf nicht glauben, dass irgendwelche Siegesposaunen oder allgemeine Anerkennung durch das Volk erforderlich seien, reine Freude kommt auch im bedrängtesten Arbeitsleben zum Vorschein. Jeder vollbringt selbstverleugnende Handlungen. Man muss fähig sein, alles Beste zu sammeln. Der Mensch weiß selbst, ob er der Menschheit würdig war. Man muss solche Augenblicke vorbereiten, sie sind ein kostbares Gepäck, und dann kann die Brücke der Freude von einer Vielzahl heller Feuer erstrahlen. Jeder kann verstehen, dass ein solcher Hinweis auf das Beste im Leben auch das Leichteste sein wird.

       Man darf sein Denken nicht an düstere und schwere Erinnerungen fesseln, sonst werden sie einem das Leben wie Blutegel aussaugen. Die Misserfolge muss man vergessen, denn sie kommen im Leben jedes Tatmenschen vor. Weshalb einen unnötigen Schwanz von Schicksalsschlägen hinter sich herschleppen? Mögen sie nur karmische Zahlungen sein. Doch Freude ist die Gewähr des künftigen Erfolges. Der Führer kann dort besser helfen, wo die Funken der Freude erglühen. Dieser Seite Unseres Inneren Lebens kann jedem nahestehen.

       Der Denker sprach: „Man muss verstehen, alle Funken der Freude zu sammeln, dann kann man auch ohne das Boot des Charon auskommen.“

 

       640. Urusvati weiß, dass viele Unsere wiederholten Weisungen über Ruhe nicht verstehen. Ihr Irrtum geht so weit zu denken, Wir wiesen auf Untätigkeit hin. Wir sprechen jedoch niemals über Untätigkeit, und der Hinweis auf Ruhe hat die innere Ruhe im Sinn. Leider ist sie nur schwer zu erreichen. Mitunter nimmt ein Mensch an, er sei ruhig, doch in seinem Inneren rumort ein wahrer Vulkan. Ein solcher Zustand des Nervensystems kann eine extreme Erschöpfung hervorbringen.

       Ist es denn ein Widerspruch, wenn Wir von Scharfsicht und Wachsamkeit sprechen und gleichzeitig auf irgendeiner inneren Ruhe bestehen? In diesen Begriffen liegt jedoch kein Widerspruch, sondern voller Zusammenklang. Die Wacht wird erfolgreich sein, wenn sie mit Ruhe verbunden ist.

      So muss der Mensch verstehen, dass die Mehrzahl der Umstände, die seine Unruhe hervorbringen, bereits in die Vergangenheit entschwunden ist. Wir aber schlagen vor, in die Zukunft zu streben; bei einem solchen Streben wird der Mensch in feinen Zusammenklängen schwingen und braucht sich nicht zu beunruhigen.

       Nur von den Türmen aus kann man weit sehen und verstehen, wie wertvoll die Zukunft ist. Man kann von einer Notwendigkeit der Gegenwart lesen, und es existieren ganze Theorien darüber, dass man nur in der Gegenwart leben solle. Mögen diese Philosophen aber begreifen, dass die Gegenwart gar nicht existiert. Diese Mahnung muss immer wieder wiederholt werden, sonst werden die Menschen es nicht lieben, in der Zukunft zu leben.

       Der Denker sprach: „Wir können uns der Vergangenheit erinnern und uns auf die Zukunft vorbereiten, doch die Gegenwart ist unfassbar und unbegreiflich.“

 

       641. Urusvati weiß, wie unvorsichtig und geringschätzig die Menschen sich allem gegenüber verhalten, was die Überirdische Welt berührt. Ich spreche noch nicht einmal von den feinsten Berührungen, doch schon bei Materialisationen stellen sie so dumme Fragen, dass man sich wundert, wie gebildete Menschen keine vernünftigere Herangehensweise finden! Die Menschen versammeln sich scheinbar wegen einer ernsten Angelegenheit, doch in der Art ihres Herangehens kann man entweder Misstrauen oder unpassenden Spott sehen.

       Ihr wisst zur Genüge, wie vorsichtig Wir uns gegenüber sogenannten spiritistischen Sitzungen verhalten. Die Menschen verstehen nicht, dass sich außerhalb dieses Verkehrs im gesamten Leben eine Vielzahl von Berührungen mit dem Überirdischen vollzieht. In solchen Berührungen ist nichts Widernatürliches oder Erzwungenes. So kann jeder einen Verkehr mit einem weiten Bereich bemerken, der seine gesamte Weltsicht verwandeln kann.

       Ganz und gar nicht heißen Wir jene Psychopathen gut, die sich von ihren irdischen Verpflichtungen lösen und nur Verwirrung um sich herum verbreiten. Sie sprechen von höheren Harmonien und vergessen gleichzeitig, dass Harmonie zwischen der irdischen und der überirdischen Welt herrschen muss. Wenn die Psychopathen die irdischen Aufgaben für unter ihrer Würde erachten, erweisen sie sich nur als unwissend. Sie sind zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe auf die Erde gekommen. Sie sollten ihre Aufgabe lieben lernen. Während der Hingabe an eine irdische Arbeit können sie auch die Berührungen des Überirdischen wahrnehmen. Eine solche Verbindung wird auch ein natürliches Band zwischen den Welten sein.

       Nach komplizierten Überlegungen muss man wieder zum Einfachsten zurückkehren. Der Mensch kann die Evolution nicht machen. Er muss sich an sie anschließen. Er muss sich mit ihr harmonisieren. Erneut gelangen wir zum Rhythmus der Arbeit und verstehen, dass alle Traumtänzer das Leben nur belasten. In einer Zeit der angespannten Umgestaltung der Welt ist es besonders unzulässig, sich als Traumtänzer oder Scheinheiliger zu erweisen.

       Ihr mögt fragen: Ist in der Unbegrenztheit wirklich derart viel angespannte Arbeit nötig? Ist die Unbegrenztheit mit der Arbeit eines einzelnen Menschen vergleichbar? Zum Erstaunen vieler sage Ich: Sie ist vergleichbar. Ein Mensch ist ein lebendiges Teilchen der Menschheit, welche die stärkste Energie des Planeten darstellt. Der Herrscher des Planeten darf kein Traumtänzer sein, denn auf ihm lastet eine ungeheure Verantwortung. Und er kann vor ihr nirgendwohin entfliehen, es bleibt ihm nur, die Überirdische Welt zum Freund zu haben.

       Der Denker sprach: „Jeder hat eine Vielzahl von Freunden, doch sollte er sie lieben lernen. Es kann keine Freundschaft ohne Liebe geben.“

 

       642. Urusvati weiß, dass einige den Unterschied zwischen der Feinstofflichen und der Überirdischen Welt nicht verstehen. Ihnen scheint es, dass beide Begriffe in den Gesprächen abwechselnd gebraucht würden, nur um Wiederholungen zu vermeiden. Doch muss daran erinnert werden, dass die Feinstoffliche Welt ein bestimmter und eingrenzender Begriff ist, während im Begriff des Überirdischen nicht nur verschiedene Sphären, sondern auch die Gedankenenergie enthalten ist, derer sich sogar die Erdbewohner bedienen. So muss man unterstreichen, dass die Überirdische Welt vor allem eine Welt des Denkens ist; sie herrscht sowohl in der Feurigen als auch in der grobstofflichen Welt.

       Man muss verstehen, dass Wir die Charakteristik Unseres Lebens nicht zufällig mit der Überirdischen Welt verbinden. Mögen die Menschen sich an das Bewusstsein gewöhnen, dass die genaueste Definition des Inneren Lebens der Bruderschaft auf der Grundlage des Gedankenflusses erfolgt.

      So ist auch in jedem Leben der Gedanke der Prüfstein. Es wurde gesagt, dass der Mensch sich selbst erkennt, wenn er den Fluss seiner Gedanken verfolgt. Dieser Fluss ist vielfältig, verläuft ohne Unterbrechungen und ist selten harmonisch. Es ist nicht leicht, seine eigenen Gedankengänge zu verfolgen!

       Eine richtige Lebensbeschreibung muss weniger die äußeren Handlungen eines Tatmenschen vermerken, als vielmehr den Strom seines Denkens, nur so kann man das Wesen eines Menschen erforschen. Oftmals sehen Wir den betrüblichen Irrtum, dass sogar erfahrene Tatmenschen annehmen, sie hätten nur gedacht und seien daher für diese unsichtbaren Überlegungen nicht verantwortlich, die doch ihren Taten zugrunde liegen.

      Sie irren sich, wenn sie meinen, ein Gedanke bleibe ohne Wirkungen. Es ist schwer vorherzusehen, wann solche Wirkungen in Erscheinung treten werden, und es kann sein, dass dies gar nicht in der grobstofflichen Hülle geschieht. Eine Vielzahl karmischer Bedingungen kann auf eine Beschleunigung oder Verlangsamung von Fristen hinwirken, doch bedeutsam ist das Gesetz, dass jeder Gedanke eine Wirkung hat. Solche Prozesse beziehen sich gerechterweise auf die Überirdische Welt. Sie sind auf die psychische Energie, das heißt auf die uranfängliche Kraft gegründet, die alles Existierende erfüllt.

       Der Denker wies darauf hin: „Retten wir uns durch unsere Gedanken. Sie stellen sowohl unsere Segel als auch unseren Anker dar.“

 

       643. Urusvati kennt das geöffnete und das verschlossene Gedächtnis. Viele klagen: Warum muss es ein verschlossenes Gedächtnis geben? Doch sie stellen sich nicht das ganze Entsetzen vor, das entstünde, wenn die Menschen sich immer an ihre früheren Existenzen erinnern würde. Wahrlich, es ergäbe sich ein ganzer Chor von Dissonanzen, und bei einem solchen Chor wäre ein Vorankommen unmöglich. Weise ist das Gesetz, das alles aussondert, was der Vervollkommnung nicht dienlich ist.

       Unerfahrene Menschen bilden sich ein, sie könnten bei Kenntnis alles Vergangenen bessere Fortschritte machen, doch tatsächlich sind nur sehr wenige in der Lage, ihre früheren Beobachtungen nützlich anzuwenden. Überdies haben sie diese keineswegs verloren, sondern bewahren in ihrem Kelch lebendige Aufspeicherungen; und nicht selten gemahnt die Stimme der Stille an die Notwendigkeit, eine alte Erfahrung hervorzurufen und zu nutzen. So kann man das Gesetz über das verborgene Gedächtnis nur segnen.

       Hört zu, kann sich heute, im Zeitalter der Mechanisierung, ein Mensch in die Psychologie längst vergangener Zeiten vertiefen? Eine solche Teilnahme würde nur den Weg verstellen. Man kann die Kulturen des Altertums studieren, man kann die Lösung früherer Probleme in gerechter Weise schätzen, doch man darf sich nicht in die Haut der Urahnen zurückversetzen! Ein solches Eintauchen ist auch keineswegs notwendig. Jetzt haben wir ein Zeitalter erstaunlicher Entdeckungen, und der Mensch sollte sich nicht an die Vergangenheit, sondern an die Zukunft anpassen, um die psychische Energie vernünftig anzuwenden.

       Der Denker sagte voraus: „Es wird eine Zeit kommen, da die Menschen nicht nur fliegen, sondern auch zu den fernen Welten streben werden.“

 

       644. Urusvati weiß, wie wenig die Menschen die Erweiterung des Bewusstseins schätzen. Sie sind wie kleine Kinder, die für ein Stück Süßigkeit bereit sind, eine Lektion auswendig zu lernen, doch ohne Süßigkeiten sich noch nicht einmal das Wesentlichste aneignen mögen. Das gleiche lässt sich auch unter Erwachsenen beobachten: Für die Seligkeit des Paradieses sind sie bereit, irgendetwas durchzulesen, doch ohne Entgelt werden solche Tagelöhner sich nicht vervollkommnen. Für sie ist es ein unzureichender Trost, dass sie ein neues Bewusstsein erhalten. Sie sagen: „Was nutzt uns irgendein unbekanntes Bewusstsein; es wäre besser, der Tageslohn würde erhöht“. Auf diese Weise findet sich der Führer in der Lage eines Wohltäters, der Armenhäuser bauen lässt.

       Man kann sich gar nicht vorstellen, dass nur eine äußerst geringe Zahl Menschen sich der Vervollkommnung nicht für Lohn, sondern um der Erweiterung des Bewusstseins willen hingibt. Bemühe sich jeder, sich zu erinnern, ob ihm im Leben viele wahre Arbeiter der Erkenntnis begegnet sind. Doch dafür wird er viele finden, welche die Lehre des Lebens gelesen und dabei ihre eigenen Bedingungen für eine Entlohnung gestellt haben. Der eine erwartete das Bestechungsgeld nach drei, ein anderer nach sieben und ein dritter nach zehn Jahren.

       Es ist lehrreich, diese geheimen Abmachungen zu betrachten, die vom Führer erfüllt werden sollen. Hier hat der Mensch den Lohn selbst nach seinem Geschmack bestimmt, ohne die wahre Lage zu beachten. Seine Irrtümer und Vergehen zieht er nicht in Betracht, doch dafür steht der Führer unter dem ständigen Verdacht, den Lohn vielleicht zurückhalten zu wollen. Und was sei denn von der Aussage über die Überirdische Welt zu halten, wenn noch nicht einmal der irdische Lohn erhöht werde? Man kann an viele ähnliche irdische, geheime Überlegungen erinnern.

       Der Denker sprach: „Der Schild ist außen ganz blank geputzt, doch was verdeckt er?“

 

       645. Urusvati weiß, dass viele entrüstet sind, wenn Wir von ständigen Prüfungen sprechen. Das alte Sprichwort, dass die ganze Welt sich in Prüfung befindet, wird als Metapher aufgefasst, die unanwendbar ist. Prüfungen werden als leidige Bestrafung angesehen. Mögen die Menschen das Wort „Prüfung“ durch „Prüfstein“ ersetzen. Jeder weiß, wie notwendig ein solcher Stein bei vielen Experimenten ist.

       Eigentlich sollte es den Menschen leichtfallen, Vergleiche aus dem wissenschaftlichen Leben heranzuziehen und sie auf ihre eigenen psychischen Erlebnisse anzuwenden. Doch bei der ersten ungewohnten Erscheinung geraten die Menschen in Streit, ohne zu überlegen, dass sich eine nützliche Übung der angesammelten Kräfte vollzieht. So sagt man, einige Lehrer würden schwierige Situationen zulassen, damit der Mensch seine Findigkeit erproben und den besten Ausweg finden kann. Wir richten alle Aufmerksamkeit auf die menschlichen Erlebnisse, nur an ihnen kann man erkennen, wie vernünftig Erkenntnis angewendet wird.

       Ich denke, dass die Evolution von einer kleinen Minderheit vorangebracht wird. Wundert euch nicht, dass das gleiche Verhältnis auch zwischen dem Offenbarten und dem Chaos besteht. Nichtsdestoweniger schreitet die kosmische Evolution beständig voran. So muss man auch bei der Menschheit sehen, dass nur eine Minderheit bereit ist, die Umgestaltung des Lebens anzunehmen, doch diese Umgestaltung schreitet trotzdem voran. So kann man sagen, dass nur wenige bereit sind, dem Weg der Evolution zu folgen, doch ihr klares Bewusstsein gibt genügend Energie.

       Der Denker sprach: „Mögen nur wenige bleiben, denn Quantität ist unwesentlich.“

 

       646. Urusvati weiß, dass man Untrennbares nicht trennen darf. Dies muss man wiederholen, wenn vom Irdischen und vom Überirdischen die Rede ist. Aufgrund welchen unverständlichen Starrsinns trennen die Menschen zwei Begriffe voneinander, die ihrem Wesen nach verbunden sind? Ist denn irgendeine Handlung vorstellbar, die im benachbarten Bereich keinen Reflex hervorruft? Alles ist eins und untrennbar. Selbst die kleinste psychische Tat erzeugt eine physische Wirkung. Ebenso spiegelt sich jede physische Tat unausweichlich im psychischen Zustand wider.

       All das scheint einfach und logisch zu sein, es stößt nichts um, doch der gegenwärtige Zustand der Menschheit lässt diese grundlegende Wahrheit nicht zu. Man kann auch über eine kleine Schwelle stolpern. Als eine solche winzig kleine Schwelle erweist sich dieser Widerspruch, der ungeachtet wissenschaftlicher Beweise gezüchtet wird. Doch lässt sich erahnen, welchen finsteren Kräften eine solche Uneinigkeit nötig ist. Sie behindert die Verwandlung des Lebens. Die Menschen sind nicht abgeneigt, Erörterungen über ein neues Leben zu führen, doch die meisten solcher Erörterungen erfolgen ohne Übernahme von Verantwortung.

       Wenn die Menschen aus dem Theater, der Kirche oder wissenschaftlichen Versammlungen kommen, versenken sie sich sofort wieder in den Staub des Alltagslebens. Gerade erst haben sie Tränen des Entzückens vergossen und sich im Geist emporgeschwungen, um all dies gleich danach wieder zu vergessen.

      Einer Unserer Mitarbeiter führte ein lehrreiches Experiment durch. Er stellte sich nach einer sehr hochstehenden Vorstellung am Theaterausgang auf, ebenso an einem Kirchenausgang und nach dem Vortrag eines bekannten Wissenschaftlers. Ihr werdet erstaunt sein, dass von hundert Menschen nur acht von ihren Eindrücken erschüttert herauskamen. Die übrigen offenbarten bereits an den Türen ihr gewohntes Alltagsverhalten, und die erhabenste Tragödie glitt an ihren steinernen Herzen ab.

       Genau das gleiche kann man bei Gesprächen über das Überirdische beobachten, doch wie Wir sagten: Die Evolution wird von einer kleinen Minderheit vorangebracht. Bei all dem bleibt jedoch die bemerkenswerte Beobachtung übrig, dass die Überirdische Welt für die Menschen anscheinend gar nicht existiert. Sie wollen all die Erscheinungen nicht bemerken, die wie ein Regenbogen über dem Strudel des Alltagslebens strahlen. Wozu ein solcher Widerstand, wenn Wissbegier zu den unermesslichen überirdischen Bereichen führen könnte!

       Der Denker bat Seine Schüler: „Wenn ihr doch nur zum Sternenhimmel aufschauen würdet! Nur Schweine sind nicht imstande, den Kopf zu erheben.“

 

       647. Urusvati weiß, wie leicht es ist, nützliche Maßnahmen im Alltagsleben zu ergreifen. Es ist richtig, vor dem Schlafengehen Ruhe zu pflegen, doch die Menschen geben gerade zu dieser Zeit Streit und Zweifel Raum. Sie stellen sich nicht vor, dass sie damit sowohl ihrer Gesundheit als auch ihrem Auftritt in der Feinstofflichen Welt schaden. Jeder gelangt in die Sphäre, die seinem psychischen Zustand entspricht. Überdies kann ein Mensch, der in Streit und Gereiztheit einschläft, die wohltuende Wirkung des Schlafes nicht erfahren.

       Nicht ohne Grund wird schwangeren Frauen empfohlen, an Schönes zu denken und sich mit schönen Dinge zu umgeben; das gleiche muss man auch denen raten, die sich in den Schlaf begeben. Es ist nicht schwer, während der letzten Minuten die Gedanken auf etwas Erhabenes zu richten. Glaubt nicht, dies sei Heuchelei. Der Mensch sollte fähig sein, sein Denken zu lenken; selbst wenn er mit Missgeschick belastet ist, kann er sich einige Minuten der Erholung gönnen und einem schönen Traum zustreben.

      Das gleiche gilt auch für Gespräche bei Mahlzeiten. Erfahrene Menschen wissen, wie schädlich es ist, bei unangenehmen Unterhaltungen Speise zu sich zu nehmen. Jeder Arzt wird dies bestätigen. So kann man in allem eine psychische Prophylaxe durchführen; sie wird nützlicher sein als viele Vitamine.

       Es ist weise, die Freunde zu bitten, nicht in Verzweiflung zu geraten, denn in einem solchen Zustand öffnen sie allem möglichen Unheil die Türen. Es gibt besondere Krankheitsformen, die durch Kummer und Verzweiflung entstehen. Diese Krankheiten zu heilen ist schwierig, denn die angegriffenen Nerven bieten kein klar bestimmbares Bild und physische Arzneien können die Lage nur verschlimmern.

       Der Denker sprach: „Möge Aeskulap[71] nicht zürnen, wenn wir vor ihm die Musen rufen.“

 

       648. Urusvati weiß, dass die wissenschaftliche Forschung der nächsten Zukunft sich den Drüsen und ihrer Tätigkeit widmen sollte. Die Menschen haben zwar noch nicht einmal genügend Kenntnisse über die Tätigkeit des Herzens und der Nervenzentren, doch besteht die dringende Notwendigkeit, das Leben der Drüsen zu studieren. Noch vor kurzem brachte man ihnen dermaßen wenig Aufmerksamkeit entgegen, dass man sie eiligst entfernte, ohne sich zu fragen, weshalb denn der gesamte Organismus mit einem ganzen System von Drüsen versehen ist.

       Heute zeigt man bereits eine gewisse Vorsicht bei der Entfernung von Drüsen, doch ihre lebenswichtige Aufgabe ist nicht deutlich. Indessen haben die Drüsen eine überaus tiefe Bedeutung bei der Verbindung mit der Feinstofflichen Welt. Sämtliche Absonderungen der Drüsen können den Verkehr mit der Feinstofflichen Welt unterstützen. Wesen der Feinstofflichen Welt nutzen die Drüsenabsonderungen nicht nur für Materialisationen, sondern ernähren sich auch von Drüsensubstanzen. So werden die Wissenschaftler bei der Erforschung der Tätigkeit der Drüsen auf die Verbindung mit der Feinstofflichen Welt stoßen.

       Es ist nicht leicht, die Drüsenabsonderungen zu beobachten, denn sie sind vielfältig und unterliegen nicht den irdischen Maßstäben. Doch selbst die schwersten Aufgaben müssen gelöst werden. Man muss nicht nur Physiologen und Biologen, sondern auch Ärzte hinzuziehen. Solche Beobachtungen sollten nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch an Gesunden durchgeführt werden, die eine feinfühlige Natur besitzen.

      Man darf die Experimente, die den Verlauf einer bestimmten Krankheit verfolgen, nicht begrenzen. Solche Erscheinungen zeigen sich im ganzen Leben, und nur ein tiefgründiger Wissenschaftler vermag diese eigenartigen Erscheinungen zu schätzen. Darum streben Wir oft nach Erscheinungen mitten im Alltag. Wir sagen: „Wartet nicht auf irgendeine erstaunliche Offenbarung, sondern beobachtet aufmerksam den Alltag, der voller sogenannter Wunder ist.“

       Der Denker lehrte die Schüler, die Alltagserscheinungen zu beobachten. Er sagte: „Wir sind von den verblüffendsten Wundern umgeben, doch wollen wir sie nicht bemerken.“

 

       649. Urusvati weiß, wie falsch und schädlich das Urteil über eine vollständige Trennung der drei grundlegenden Welten ist. Es gibt viele Leitern und Brücken zwischen allen Sphären. Im grobstofflichen Zustand birgt der Mensch das Korn der Feurigen Welt und den feinstofflichen Körper in sich, den er oft spüren kann. Ist denn das eine Unteilbare vorstellbar, wenn wir unüberwindbare Hindernisse annehmen?

       Jede Verfeinerung der Gefühle und jede Erweiterung des Bewusstseins eröffnet eine neue Möglichkeit des Verkehrs. Das Weltall ist nicht schuld, wenn die Menschen nicht bemerken wollen, wie die Tür zum nächsten Gemach sich öffnet. Nicht nur in einer Minute höherer Ekstase, sondern auch mitten im Alltagsleben erfährt der Mensch feinstoffliche Berührungen. Doch anstatt sie lieben zu lernen, verscheucht er sie wie eine zudringliche Fliege.

       Auch die Feinstoffliche Welt berührt mit ihren (…) Schichten die Feurige Welt. Und im irdischen Zustand empfangen die Menschen mitunter einen feurigen Pfeil. Nicht ohne Grund steht jedem Menschen ein feuriges Korn zu. Dank seiner Anwesenheit töten die feurigen Pfeile nicht, sondern rufen eine angespannte Schwingung hervor.

       Man muss sich diese Wahrheiten aneignen, denn die meisten Menschen lassen sie nicht zu. Indessen wurde bereits in den anerkannten Glaubensrichtungen mit Nachdruck auf die grundlegenden Welten hingewiesen, und es wurden Möglichkeiten des Verkehrs mit ihnen angedeutet. Die Religionen sprechen über dasselbe, doch die Menschen verstehen dies als etwas Abstraktes und gestehen nicht zu, dass auch die Wissenschaft in ihrer Sprache über genau dies sprechen könnte. Dies ist die große Tragödie der Menschheit!

       Der Denker sprach: „Oh Mensch! Bist du so übermäßig begabt, dass du leicht deinen Besitz verschmähen kannst?“

 

       650. Urusvati weiß, dass eine aufrichtige Wohltat dem Karmagesetz nicht widerspricht. Es existiert eine fanatische Auffassung, nach der man einem Nächsten nicht helfen dürfe, um sich nicht in sein Karma einzumischen – welch ein schädlicher Irrtum. Die Fanatiker wollen sich nicht vorstellen, dass auch jeder, der hilft, im Rahmen von Karma handelt. Der Mensch sollte jede Hilfe leisten und dabei gar nicht an Karma denken.

       Hilfe beinhaltet kostbare Emanationen, doch muss die Wohltat natürlich aufrichtig sein, darin ist jeder sein eigener Richter. Wir schätzen Hilfe, wenn sie aus einem instinktiven Antrieb heraus geleistet wird. Der Mensch sollte gar nicht darüber nachdenken, warum er jemandem helfen kann. Viele lassen einen Wanderer in Not nicht im Stich, ohne zu überlegen, welch schöne Tat sie damit vollbringen. Und diese Einstellung ist richtig, denn Eigennutz macht sämtliche guten Wirkungen zunichte.

       Wenn Hilfe erwiesen wird, ist auch rechtzeitige Ermutigung von Bedeutung. Sie ist wertvoller als viele andere Arten von Hilfe. Wer ermutigt, übergibt einen Teil seiner Energie, und eine solche Abgabe aus dem besten Besitztum ist kostbar.

      Mögen alle, die über das Überirdische nachdenken wollen, vor allem die Freude des Helfens kennenlernen. Eine solche Freude ist herrlich, und sie kommt ganz gewiss nicht nur einigen Reichen zu. Ein Rat vermag einen Notleidenden zu erheben, und jeder kann von seinem Wissen abgeben. Bei einer solchen wohltätigen Anspannung gewinnt der Helfende neue Kraft und Findigkeit. Möge herzliche Hilfe gesegnet sein!

       Der Denker lehrte: „Lernt zu helfen, diese Wissenschaft ist gesegnet.“

 

       651. Urusvati weiß, dass die Betrachtung über das Überirdische von den bösesten Giftschlangen befreit, nämlich von Niedergeschlagenheit und Gekränktheit. Vor langem wurde bereits gesagt, wie hässlich der Garten der Gekränktheit ist. Finster ist der Keller der Niedergeschlagenheit, doch die Menschen lassen sich derart oft in dieses Verließ fallen, um Disteln zu pflanzen, dass man an das heilsamste Gegengift erinnern muss: erhabenes Denken an das Überirdische.

      Man darf die Flamme erhabenen Denkens nicht einmal für eine Stunde in sich löschen. Der größte Weise verliert seine Waffe, wenn er das Denken an die zukünftigen Häuser unterbricht. Er wird unbewaffnet sein, und vom Grund des „Kelches“ wird der Bodensatz aufsteigen.

       Man wird fragen: Stört das Denken an das Überirdische nicht die irdische Tätigkeit? Nein, möge dieses Denken den Menschen selbst in der Stunde angespanntester Tätigkeit begleiten. Bereits vor langem wurde gesagt, dass das Bildnis des Lehrers sich für immer einprägen sollte; so wird auch das tiefe Nachdenken über das Überirdische kein Hindernis, sondern eine lebendige Brücke zu künftiger Errungenschaft sein.

       Herrlich ist es, wenn jemand hohes Denken ständig in sich zu bewahren vermag. Möge dies keine bloße Überlegung sein, sondern gerade eine Betrachtung ohne Übertragung in irdische Worte. Ihr versteht, was Ich sagen will. Vor zwanzig Jahren war die Erkenntnis der Begriffe wohl noch nicht klar, doch der Grundstein war klar herausgearbeitet, und jetzt treten die Grundlagen des Weltverständnisses bereits verhältnismäßig deutlich hervor.

       Der Denker wies auf die Ähnlichkeit zwischen Gedankenarbeit und Bildhauerei hin.

 

       652. Urusvati weiß, dass Wir, Bildhauern gleich, die Grundlagen der Erweiterung des Bewusstseins herausmeißeln. Urusvati weiß auch, dass ein bedeutender Aufwand an Zeit erforderlich ist, um sich diese Grundlagen anzueignen. Man darf nicht nur hin und wieder einzelne Wörter aufschnappen. Man muss das gesamte Wachstum der Weisungen in seinem Bewusstsein bewahren.

       Ein unerfahrener Anhänger nimmt an, dass ein vereinzeltes Auflodern von Aufmerksamkeit bereits genügt. Ein ungeduldiger Anhänger ist bekümmert, wenn er von dem planmäßigen Anwachsen der Erkenntnis hört. Ein Selbstsüchtiger versteht nicht, wozu ein Führer notwendig sein soll. Ein Rhetoriker weiß nicht, mit welchen Worten man die Erweiterung des Bewusstseins zum Ausdruck bringen kann. Doch ihr habt sogar Weisungen über einen Verlauf von zwanzig Jahren hinweg erhalten. Ihr könnt die Aufnahmefähigkeit eures Bewusstseins damals und heute vergleichen.

       Bewusstsein ist nicht durch Worte definierbar; es führt die Gefühle, die ebenfalls nicht auszudrücken sind. Wenn Ich von Feierlichkeit spreche, werden jene dies nicht verstehen, die sie nicht empfinden können. Doch möge jeder Gedenktag von freudiger Feierlichkeit begleitet werden. Je schwerer ein Tag ist, desto feierlicher muss man ihn auffassen.

       Seit Unserem ersten Aufruf sind bereits viele Jahre vergangen, aber Zeichen wurden schon vor mehr als einem halben Jahrhundert gegeben – ist es nicht so, Urusvati? Und längst vergangene Zeichen standen wie ein Banner des Sieges da. Wenn man zu rasch vorangeht, hält das Herz nicht stand; die Erweiterung des Bewusstseins setzt aber vor allem voraus, dass das Herz nicht zerstört wird. Ein feinfühliges Herz muss beschützt werden. Es schlägt nicht für sich selbst, sondern für das Allgemeinwohl. Dieses Wort muss am Gedenktag[72] ausgesprochen werden.

       Ihr erinnert euch, welche Andeutungen vor zwanzig Jahren gegeben wurden. Jeder Begriff wurde vom Standpunkt der Feierlichkeit aus untersucht und erklärt. Wir scheuten Uns nicht, darauf hinzuweisen, dass selbst die höchsten Begriffe erforscht werden können. Wir haben darauf hingewiesen, dass für die Erweiterung des Bewusstseins auch die Wissenschaft notwendig ist. Wir haben Züge der Psychologie Unserer Bruderschaft hervorgehoben. Die Überirdischen Welten, Unsere Bruderschaft und die Erweiterung des Bewusstseins sind die Grundlagen der offenbarten Gespräche. Ein Buch über die Erweiterung des Bewusstseins wird auch ein Buch über das Überirdische und die Bruderschaft sein. Man kann unmöglich aufzeigen, wo die Grenze des Unteilbaren liegt.

       Mögen alle Freunde verstehen, wie sehr man den kostbaren Stein hüten muss. Mögen sie einen Bergkristall zum Gedenken an den Tag der Feierlichkeit auf ihren Arbeitstisch stellen. So lasst uns das Gedenken an die besten Daten bewahren.

       Der Denker sprach: „Lasst uns den Gedenktag mit einem weißen Stein feierlich begehen.“

 

       653. Urusvati weiß, dass viele veraltete Worte nicht mehr verwendet werden sollten. Sie haben nicht nur ihren ursprünglichen Sinn verloren, sondern führen auch die Menschen zu Irrtümern.

      Eines dieser Worte, das man unterlassen sollte, ist „Okkultismus“. Schon seine Geschichte zeigt, wie formelhaft er im Mittelalter aufkam. Besonders jetzt aber klingt er sinnlos. Die Wissenschaft erobert Schritt für Schritt neue Bereiche, und das Wort „Geheimwissens“ klingt bereits wie eine Provokation. Die Erkenntnis schreitet eilig voran und die Scheiterhaufen der Inquisition gehören bereits der Vergangenheit an.

       Zudem sind die sogenannten Okkultisten meistens lächerlich. Sie bilden sich irgendwelche geheimen Entdeckungen ein, doch bei dem ersten unverständlichen Geschehnis laufen sie ängstlich davon. Mögen echte, aufrichtige Forscher den Platz der hochnäsigen Okkultisten einnehmen. Möge auch der Bereich der feinstofflichen Energien von den Wissenschaftlern erforscht werden. Wenn man in den Mauern der Universitäten bereits beginnt, den feinstofflichen Energien Aufmerksamkeit zu schenken, sind keine Beinamen erforderlich, die nur Verwirrung stiften.

       Ebenso veraltet ist die Bezeichnung „Metaphysik“. Die gesamte Natur von den niedersten bis zu den höchsten Erscheinungen gehört dem Bereich der Physik an. Man darf unmöglich dort Gegensätze und Trennungen einführen, wo es nur eine einzige, unteilbare Grundlage gibt. Auch die Metaphysik hat sich während der Zeit der geheimen Alchimie ausgebildet. Damals waren die Forscher leider gezwungen, sich vor den Angriffen von Unwissenheit und Scheinheiligkeit zu verbergen. Heute besteht aber keine Notwendigkeit mehr, die Wissenschaft in den Keller zu verbannen.

       Der Denker sprach: „Arzt, eile dorthin, wo die Gesundheit in Gefahr ist. Warte nicht erst auf den Ruf, sondern eile schon selbst hin. Auch du, Erbauer von Brücken, baue sie dort, wo das Volk ihrer besonders bedarf.“

 

       654. Urusvati weiß, dass einige nicht verstehen, warum in einer neuen Lehre bereits seit langem Bekanntes zu finden ist. Das Neue besteht vor allem aus neuen Konstellationen von Elementen, unter denen auch bekannte sein werden. Man kann sich nur darüber freuen, wenn die Menschen eine ethische Grundlage finden, die bereits Fundament ihres Lebens war. Handelte es sich jedoch um echte Grundlagen oder nur um Geplapper? Wenn letzteres zutrifft, muss man diese Trugbilder in Wirklichkeit verwandeln. Nur dann kann man die neuen Konstellationen verstehen.

       Jeder hat die Sterne gesehen, doch hat er sie auch mit dem Konzept der Unbegrenztheit in Verbindung gebracht? Oft finden Wir, dass die Anschauung des Sternenhimmels sich heute nur wenig von den Vorstellungen der Alten unterscheidet. So werden auch sämtliche großen Chemismen ohne wirkliche Betrachtung über das Überirdische nicht ihre volle Bedeutung erhalten. Auch die Bedeutung des Gedankens wird ohne Verständnis der feinstofflichen Energien nicht erkannt werden. Natürlich, das Wort „Gedanke“ existiert seit langem, doch muss man über sein Wesen nachdenken.

       Man kann die wahre Bedeutung des Neuen nur verstehen, wenn man frühere Inhalte mit dem Neuerworbenen vergleicht. Wer wird darauf beharren, dass seine früheren Vorstellungen weiter gewesen seien als die neuen? Es ist nicht leicht, frühere Vorstellungen mit dem neuen Bewusstsein in Einklang zu bringen. Gewöhnlich vergisst der Mensch sein früheres Niveau; es scheint ihm, dass er bereits vieles wusste, was er tatsächlich noch gar nicht begriffen hatte. Es ist nützlich, über das neue Bewusstsein nachzudenken. Wir sagten, dass es mitunter lehrreich ist, einen längst vergessenen Ort zu besuchen, um zu spüren, wie wenig die alte Vorstellung den neuen Anschauungen entspricht.

       Der Denker sprach: „Torhüter, öffne schnell! Torhüter, ich kenne Dich nicht, doch ich weiß, weshalb dieses Tor geöffnet werden muss.“

 

       655. Urusvati weiß, dass über den Begriff „Vorstellung“ viel Unverständnis besteht. So sagt man: „Wenn Vorstellung für den Fortschritt so notwendig ist, wie verhält es sich dann mit bösen und hässlichen Vorstellungen?“ Man muss verstehen, dass ein solches Unverständnis seinen Sinn hat und man die Arten von Vorstellungen klar voneinander unterscheiden muss.

       Es ist nicht leicht, gegen eine böse Vorstellung zu kämpfen, denn sie ist oft sehr heftig. Helfen kann man nur, indem man eine solche Person zum Schönen hinlenkt. Nur auf diese Weise kann man eine böse Vorstellung überwinden, doch dies ist nicht leicht und erfordert viel Zeit.

      Eine böse Vorstellung entsteht durch die Kraft des Atavismus. Ihr wisst, dass Atavismus, ebenso wie Gewohnheiten, fest wurzelt. Der Mensch befindet sich unter dem Druck des Kollektivs und kann sich oft selbst nicht in irgendwelchen verworrenen geistigen Strömungen zurechtfinden. Ein solcher Mensch kann sich der Betrachtung über das Überirdische nicht nähern, denn man kann sich diesem Bereich nicht in Bosheit nähern.

       Wir haben viele Beobachtungen an starken Persönlichkeiten durchgeführt, die von einer bösen Vorstellung ergriffen waren. Sie verursachen viel Schaden, und oft ist ihre Vorstellung stärker als die von guten Menschen. Die Heilung solcher Personen ähnelt der Heilung von Alkoholikern, auch hier ist es schwer, Suggestion anzuwenden. Doch die Annäherung an das Schöne lässt das Eis des Bösen schmelzen. Mögen die Schöpfer des Schönen sich erinnern, welche Bedeutung ihr Schaffen hat. Ich denke, dass das Schöne ein Schild gegen das Böse ist.

       Der Denker sprach: „Möge ein jeder sich mit einem sicheren Schild versehen. Er wird ihn von den Musen empfangen.“

 

       656. Urusvati weiß, wie verschiedenartig die nächtliche psychische Tätigkeit ist. Grob gesagt wird sie mit Träumen bezeichnet, doch sie beinhaltet mehrere Lebensumstände. Es kann Reflexe geben, die von der Vorstellung bekundet werden; Erinnerungen, die aus der Tiefe des Bewusstseins aufsteigen; Einwirkungen aus der Feinstofflichen Welt; Eindrücke von Aufenthalten in den feinstofflichen Sphären; und schließlich kann es eine ferne Botschaft geben, die in Bildern ausgedrückt wird. Es kann viele Verbindungen überirdischer Bedingungen geben, weshalb das Leben im Schlaf wissenschaftlich erforscht werden muss.

       Es ist unmöglich, die ungewöhnlichen Möglichkeiten nicht zu nutzen, die sich bei Beobachtung des Traumes eröffnen. Einige Menschen behaupten, gar nicht zu träumen. Das ist falsch, denn sie erinnern sich des Geträumten nur nicht. Man muss die gesamte Menschheit in zwei Arten einteilen: Die einen können sich ihrer nächtlichen Tätigkeit erinnern, die anderen erinnern sich nicht nur nicht, sondern beharren sogar hartnäckig darauf, dass eine Tätigkeit im Traum überhaupt nicht möglich sei.

       Eine besondere Situation nehmen die sogenannten Mondsüchtigen ein. Sie bekunden ihre nächtlichen Tätigkeiten auf physische Weise, erinnern sich jedoch des Vorgefallenen überhaupt nicht. Sie haben eine ungesunde Natur, und Beobachtungen an ihnen lassen keine Schlussfolgerungen zu. Solche anomalen Tätigkeiten finden sozusagen zwischen den Welten statt und können nur vom Standpunkt der physischen Koordination von Interesse sein. Beobachtungen jedoch, die an Gesunden während des Schlafes durchgeführt werden, können zu unerlässlichen Schlussfolgerungen führen.

       Beim Studium der Überirdischen Welt lasst uns vor allem nicht die Erscheinungen des Schlafes vergessen. Die Wissenschaft sollte sich diesem Zustand gegenüber sehr aufmerksam verhalten, der der Feinstofflichen Welt am nächsten steht.

       Der Denker sprach: „Wir dürfen über Träume nicht in grober Weise sprechen. Ein feinstofflicher Zustand erfordert auch feinfühligste Aufmerksamkeit.“

 

       657. Urusvati weiß, wie sorgfältig die sogenannten elektromagnetischen Erscheinungen studiert werden müssen. Erst kürzlich sausten solche Stürme vorüber, doch wieder wurden keine Beobachtungen durchgeführt. Indessen ist es notwendig, nicht nur die atmosphärischen Erscheinungen zu beobachten, sondern auch ihre Einwirkungen auf den menschlichen Organismus.

       Selbstverständlich werden auch das Tier- und das Pflanzenreich lehrreiche Hinweise liefern. Überdies werden alle Gegner der energetischen Prinzipien wieder einmal beschämt werden. Es ist zu wenig, wenn man beschreibt, die Übertragungen von Radio, Telefon und Telegraph seien gestört worden: Das ist noch keine Beobachtung, sondern nur eine Feststellung grober Folgen.

       Mögen Ärzte, die in großen Krankenhäuser Beobachtungen anstellen, erzählen, welche verschiedene Anomalien der Mensch während solcher atmosphärischen Stürme zeigte. Sie verliefen lange genug, so dass man nicht leugnen kann, dass für Beobachtungen genügend Zeit gewesen wäre. Man hätte wenigstens Puls und Temperatur beobachten können. Man hätte feststellen können, wie der Organismus bei solchen ungewöhnlichen Bedingungen vibrierte. Es ist unzureichend, Veränderungen der Sonnenflecken zu bemerken. Und wer kann behaupten, dass nur diese Ausbrüche die Ursache der kosmischen Stürme waren? Vielleicht wirkte irgendeine Energie ein.

       Möge man die Quelle der kosmischen Energien nicht in irdischen Kräften suchen, der Mensch kann aber ihre Einwirkungen auf die gesamte Umgebung studieren. Solche Beobachtungen stellen bereits ein Erforschen des Überirdischen dar.

       Der Denker bat die Menschen schon vor langer Zeit, alle Naturerscheinungen zu beobachten: „Nicht nur besondere Wissenschaftler, sondern das gesamte Volk kann zu einem glaubwürdigen Beobachter werden.“

 

       658. Urusvati weiß, welche Gefahren entstehen, wenn Fragmente von Wissen in unzuverlässige Hände gelangen. Ich spreche von unzuverlässigen Händen, denn Unwissenheit ist nicht so schädlich wie Verrat.

       Man muss verstehen, welche Vorbereitung unerlässlich ist, um Erkenntnis in ein geordnetes System zu fassen. Manche Führer ließen die Vorbereitungszeit absichtlich lange dauern. Sie sagten: „Wenn ein Bewusstsein noch nicht bereit ist, möge man die Vorbereitung anstrengend gestalten, dann wird ein unreifes Bewusstsein davongehen.“

       Es ist richtig, wenn Wissen mit allen Maßnahmen geschützt wird. Auch wenn ein explosiver Stoff aufbewahrt wird, ergreifen die Menschen doch die allerbesten Schutzmaßnahmen. Dies tun sie nicht etwa, um ein Geheimnis zu wahren, sondern um eine Verwüstung zu vermeiden. So erweist sich auch Wissen in den Händen von Schädlingen als ein hochexplosiver Stoff.

       Wir achten immer auf das richtige Anwachsen des Wissens und raten dazu, ungeordnetes, chaotisches Denken zu vermeiden. Wenn jemand enttäuscht ist und geht, braucht man dem keine Aufmerksamkeit zu schenken; er ist noch nicht bereit, und es ist unmöglich, ihm einen richtigen Gedankengang gewaltsam einzubläuen. Doch selbst kleine Samenkörner des Wissens gehen nicht verloren, sondern werden eines Tages ihre Wirkung zeigen.

       Der Denker sprach, als man ihn nach etwas fragte, das noch nicht erkannt werden konnte: „Ein Jüngling bat einen Weisen, ihn die Staatsführung zu lehren. Der Weise sagte daraufhin: ’Gern, doch zunächst ernenne ich dich zum Regenten deines Herzens. Sobald du dieses Reich beherrschst, komm wieder zu mir’“.  

 

       659. Urusvati weiß, dass das Maß der Arbeit für das Gemeinwohl das Kriterium für die Beurteilung eines Tatmenschen ist. Um diese Wahrheit näher zu beschreiben, erinnern Wir an eine einfache Erzählung aus dem alten Indien:

       Am Rande eines Dorfes ließ sich ein unbekannter Mensch nieder. Der Fremde bemerkte, dass die Bauern schädliches Wasser aus einem trüben Kanal nutzten. So begann er, einen Brunnen zu graben. Der Ort war gut gewählt und eine unterirdische Quelle füllte das Wasserbecken. Böse Nachbarn aber flüsterten, statt Anerkennung zu zollen: „Der Fremde hat sich nicht für uns so abgearbeitet. Für sich hat er diese Quelle eröffnet!“

       Der Fremde sagte: „Wenn ihr so denkt, werde ich für mich selbst Wasser von weither holen.“ Da dachten sich die Nachbarn eine neue Verleumdung aus, nämlich dass das Wasser des Brunnens vergiftet oder verzaubert sei, um das ganze Dorf zu töten. Da verließ der Fremde diesen bösen Ort für immer.

       Die Leute mieden das Wasserbecken, doch das Vieh trank das herausfließende Wasser und begann, fett zu werden. Nach längerer Zeit trank ein von Durst geplagtes, krankes Mädchen aus dem Wasserbecken und genas rasch. Da vergaß die herangewachsene Generation die Lügengeschichten und entdeckte die Heilkraft der Quelle. Der verleumdete Fremde wurde zu einem Heiligen ernannt und um seine Person begannen sich Legenden zu ranken. Doch um sich von einem Vergifter in einen Heiligen zu verwandeln, brauchte es eine ganze Generation. Man kann sehen, wie das Volksgewissen über die Mühen für das Gemeinwohl urteilt.

       Der Denker kannte eine ähnliche Erzählung aus dem Leben Griechenlands, doch dort war statt von einem Brunnen vom Pflanzen eines Baumes die Rede. Jede Nation kennt ungerechte Richter und wahre Anerkennung durch das Volk.

 

       660. Urusvati weiß, dass Beobachtungsfähigkeit sich unter ständiger Bestrebung, Scharfsicht und Bereitschaft ausbildet. Als Wir von unaufhörlicher Wacht sprachen, nahmen einige an, die Rede sei von irgendetwas Ungewöhnlichem unter besonderen Umständen. Sie vermochten es nicht zu fassen, dass Beobachtungsfähigkeit eine überaus gewöhnliche Eigenschaft ist; zumindest sollte sie es sein. Der einfachste Aufbau erfordert hohe Beobachtungsfähigkeit. Man darf nicht denken, eine solche Eigenschaft bedürfe irgendeiner höheren Eingebung.

       Die Menschen lieben es, für jeden beliebigen Fehler eine Rechtfertigung zu finden. Sie sagen: „Heute bin ich zerstreut“, ohne jedoch über die Bedeutung eines solchen bedauernswerten Zustandes nachzudenken. Zerstreut zu sein bedeutet, äußerst zerstörerische Einflüsse in sich zuzulassen. Man kann unmöglich über das Überirdische nachdenken, wenn das Denken zerstreut ist. Einen zerstreuten Führer erwartet eine Niederlage. So ist Mut niemals zerstreut. Man spricht von der Klinge des Mutes, doch mit einer Handvoll Sand ist Mut nicht zu vergleichen.

       Beobachtungsfähigkeit muss man erlernen. Ohne Beobachtungsvermögen kann man sich keinerlei Wissen aneignen. Einem Zerstreuten können Wir kein Zeichen geben. So muss man gerade bei Gesprächen über das Überirdische die grundlegende Eigenschaft der Beobachtungsfähigkeit stärken. Man kann Menschen begegnen, die versichern, infolge von Ermüdung die Beobachtungsfähigkeit verloren zu haben.

       Der Denker sagte dazu: „Ein Vogel verlernt auch im Käfig das Fliegen nicht.“

 

       661. Urusvati weiß, dass eine Gedankenübertragung am besten von Menschen aufgenommen wird, mit denen bereits eine Grundschwingung hergestellt wurde. Sendungen werden auch von der Masse aufgenommen, wo die Schwingungen überhaupt nicht organisiert sind. Am schwersten ist es jedoch, in Verkehr mit einer kleinen Gruppe zu treten, die zwar durch ein gemeinsames Werk verbunden ist, in der aber keine Harmonie herrscht.

       Solche Gruppen können die Aufnahme vollkommen paralysieren. Dabei bilden sie sich ein, sie seien zu gemeinsamer Tätigkeit fest verbunden. Doch in Wirklichkeit erweisen sich solche Leute nicht selten als Heuchler. Diese Eigenschaft kann bei ihnen absichtlich, bewusst oder unbewusst vorhanden sein. Besonders schwierig ist es, wenn irgendeine einmütige Tätigkeit vermutet wird, stattdessen dagegen unsichtbare Pfeile gegenseitig die Herzen durchbohren.

       Kann man also vollen Erfolg erwarten, wenn die wichtigsten Tatmenschen sich über gegenseitige Vernichtung freuen? Man kann ihnen unmöglich beweisen, dass sie damit nur ihre eigene Vernichtung heraufbeschwören. Beispiele dafür lassen sich aus der Geschichte aller Völker und aus allen Jahrhunderten anführen; doch auch heute kann man, ungeachtet vieler Bücher der Lehre, denselben Mangel an Harmonie beobachten. Ein solcher ungeordneter Zustand ruft Wirkungen hervor, von denen die Teilnehmer nichts ahnen.

       Ein Mensch ist imstande, mit einer einzigen Handbewegung eine verderbliche Feuersbrunst auszulösen. Vielleicht wird er danach seine Unvorsichtigkeit bereuen, doch was nützt ein solches Bedauern dann noch? Es ist an der Zeit, sich von der veralteten Hinterlist zu lösen, die da flüstert: „Erst sündigen, dann bereuen“.[73]

       Der Denker sagte zu den Bürgern, die das Andenken des Perikles schmähten: „Missgestaltete Zwerge, ihr müsst Perikles in der Dunkelheit gesehen haben, wenn ihr ihn euch als eine ebensolche Missgeburt vorstellt, wie ihr selbst es seid!“

 

       662. Urusvati weiß, dass Biologie und Ethik untrennbar sind. Früher hat man dieses gefühlt, dann wieder vergessen, und nun beginnt man, sich wieder daran zu erinnern. Wir haben vom Gefühlswissen gesprochen; in diesem Begriff sind sowohl Biologie als auch Ethik enthalten. Biologie darf keine trockene Wissenschaft sein, sie schließt auch das Verstehen des psychischen Lebens mit ein. Gerade dieses muss erforscht werden, nur dann kann man über die Fülle der Lebensbedingungen sprechen.

       Einige Wissenschaftszweige erfordern eine Begrenzung, andere dagegen sind unbegrenzt, und darin liegt ihre Anziehungskraft. Der primitivste Materialist kann die wissenschaftliche Bedeutung der Biologie nicht leugnen, und auf diese Weise nimmt er an weitgefassten Erkenntnisaufgaben teil. Es ist unmöglich, Teile der Biologie herauszulösen, jeder ihrer Aspekte ist fest mit den nächstfolgenden verknüpft. Für unvoreingenommene Wissenschaftler besteht ein besonderer Reiz darin, dass dieser Bereich unbegrenzt ist. Wie viel Nebenfächer dienen der Wissenschaft vom Leben!

       Einer Unserer Freunde bezeichnete sich als Biologe, sagte aber, dass er gleichzeitig auch Psychologe bleibe. Eine solche richtige Definition ist allerdings selten anzutreffen. Der Biologe versucht, sich vom Leben abwenden und sich in seinem Laboratorium einzuschließen. Kann aber wahre Biologie ohne weitgefasste Beobachtungen im Leben existieren? Wir möchten allen Freunden sagen, dass sie sich nicht scheuen mögen, sich als Biologen zu bezeichnen. Die Menschen bedürfen allgemein anerkannter Bezeichnungen.

       Irgendjemand wird meinen, man sollte denjenigen, der über das Überirdische nachdenkt, besser als Astronomen bezeichnen, doch ist diese Überlegung unzutreffend. Bis zum heutigen Tag verneinen gewisse Astronomen die Bewohnbarkeit der Planeten, und auf diesem Wege sind Wir nicht bei ihnen. Doch die Biologie berührt leicht den Bereich der Ethik und es ergibt sich eine natürliche Zusammenarbeit. Deswegen haben Wir schon in den allerersten Gesprächen geraten, beobachten zu lernen. Freie Beobachtung führt zu wissenschaftlicher Erkenntnis.

       Viele meinen, der Begriff des Gefühlswissens setze den Wert des Wissens irgendwie herab, was wiederum ein Irrtum ist. Die besten Wissenschaftler erkennen das Element der Intuition an, und so treffen wir uns.

      Wir rüsten Unsere Freunde gleichsam für eine weite Reise aus. Sie können dabei allen möglichen Einwänden begegnen und müssen eine Antwort darauf bereithalten. Auf der einen Seite zerren Abergläubische sie auf den Scheiterhaufen, auf der anderen fordern Dienstgelehrten ein Diplom. Man braucht Standfestigkeit, die sich durch Wissen bildet. Hilfreich ist auch das Bewusstsein, dass es ferne Mitarbeiter gibt. Der Beobachter des Lebens ist nicht allein.

       Der Denker begriff die Bewohntheit der Planeten. Er sprach: „Ich möchte nicht dem Wahnsinn verfallen, mir einzubilden, nur die Erde sei bewohnt.“

 

       663. Urusvati weiß, wie nutzlos eine Auseinandersetzung mit voreingenommenen Gegnern ist. Man muss verstehen, wo die Grenze der nützlichen Verbreitung der Wahrheit liegt. Man darf unmöglich dort beharrlich sein, wo ein versteinertes Herz nichts aufzunehmen wünscht.

       Es ist schwer zu fühlen, wo die Aufnahmefähigkeit endet. Wiederum kann nur das Gefühlswissen zuflüstern: „Geh fort, hier kann es kein Verstehen geben.“ Man muss die richtige Erkenntnis hüten, dass es besser ist, zu wenig als zu viel zu sagen[74]. Einige werden darauf bestehen, dass das ihnen übergebene Wissen weitergegeben werden müsse. Damit haben sie recht, doch ihnen bleibt die Verantwortung zu entscheiden, an wen. Der Lehrer darf das Bewusstsein des Schülers nicht vorzeitig belasten.

       Möge alles zweckmäßig gestaltet werden. Dafür macht die Kinder bereits von frühem Alter an mit der Erhabenheit des Weltalls bekannt. Mögen den Kleinen Mikroskop und Teleskop gezeigt werden. Noch besser ist es, sie ins Observatorium zu führen; ein solches Schauspiel wird sich für immer einprägen und eine besondere Ausrichtung des Denkens hervorbringen.

      Man sollte nicht befürchten, die Kinder verstünden das Gezeigte nicht. Sie werden nicht nur etwas vor langen Zeiten Gesehenes wiedererkennen, sondern auch Freude erfahren. Auch darf man nicht fürchten, dass die Kleinen von dem Schauspiel erschüttert würden. Im Gegenteil, was ihre Weltanschauung erschüttern kann, ist das Schauspiel familiärer Streitigkeiten.

       Auch muss man das Konzept des Volkslehrers derart erheben, dass er eine der ersten Tatmenschen des Landes ist. Wir sind sehr betrübt, wenn Wir die Erniedrigung des Lehrers sehen müssen. Mögen in allen Ländern die Lehrer wahre Erzieher des Volkes sein. Sie sollten so viel geben, dass das Volk ihnen ein Leben voller Errungenschaften ermöglichen muss. Kann aber ein erniedrigter und in bedrängten Verhältnissen lebender Mensch vom Überirdischen sprechen, auf die Schönheit des Himmels weisen und das Bewusstsein seiner kleinen Zuhörer erweitern?

       Überdies sollte die Bekanntschaft mit dem Teleskop bereits vor dem Schulalter beginnen. Man darf den Kleinen die erhabensten Beobachtungen nicht vorenthalten. Natürlich, wenn wir den Zustand vieler ländlicher Gebiete sehen, ist der Rat bezüglich des Teleskops noc