Bruderschaft

 

[1938]

 

Teil II

 

[Das Überirdische]

 

Band 1 (§§ 1 - 432)

 

 

       Freund, kann man sich über das Überirdische unterhalten, wenn die energetische Grundlage des Daseins nicht erkannt wird? Viele verstehen überhaupt nicht, was mit diesen Worten gesagt wird; andere nehmen an, dass sie die Bedeutung der Grundenergie kennen, aber über diese nicht wirklich nachdenken können. Ihr aber wisst, dass es notwendig ist, den Gedanken an die Idee der Energie zu üben, bis das Gefühl von ihr genauso real wird, wie das Gefühl über jeden beliebigen irdischen Gegenstand. Wir sprechen über Gefühl, denn Wissen allein kann sich nicht dem Verständnis der Energie nähern.

       Wenn der Mensch zulässt, dass es im Grunde genommen nur eine einzige Energie gibt, wird das für den Fortschritt noch nicht ausreichend sein. Man muss lernen, sich alle unzähligen Qualitäten dieser Energie vorzustellen.

       Die gewohnte Begrenztheit des Denkens versucht, die Eigenschaften der Energie zu begrenzen, und verhindert auf diese Weise die Weite des Verstehens. Erhabenes Denken erlaubt es, die schädliche Begrenzung zu vermeiden. Es ist allerdings nicht leicht für den Menschen, das herrliche Niveau hohen Denkens inmitten des alltäglichen Elends zu errichten. Nur wenige sind vorbereitet zu verstehen, dass genau diese Schwierigkeiten dem erhabenen Denken helfen sollen.

       Nur Zweckmäßigkeit wird dem Nachdenken über die Qualitäten der Grundenergie helfen, diese Qualitäten können widersprüchlich erscheinen. So kann der Blinde ihm unbekannte Erscheinungen nicht erfassen; jeder aber, der über das Überirdische nachdenken möchte, muss es verstehen, die zahlreichen Eigenschaften der Grundenergie zu erfassen.

       Jene haben Recht, welche sich das Überirdische als etwas unvergleichlich Höheres vorstellen. „Wie unten, so auch oben“ – möge dieser alte Ausspruch wegweisend zur Erkenntnis der Überirdischen Kräfte sein.

 

 

 

Bruderschaft

 

Teil II

 

Das Innere Leben

 

       1. Urusvati* kennt den Turm Tschung. Urusvati weiß, wie sehr der Turm äußerlich einem natürlichen Felsen gleicht. Es ist nicht schwer, den Zugang zum Turm zu unterbinden. Ein kleiner Erdrutsch kann das Bauwerk unten verdecken. Ein kleiner Damm kann den Strom in einen See verwandeln. So kann man unverzüglich die ganze Gegend verwandeln, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Die Leute könnten lächeln und annehmen, dass ausgesandte Expeditionen früher oder später in alle Schluchten vordringen werden. Doch vergessen wir nicht, dass bis zur Verwandlung der Gegend die Kraft des Gedankens jede Karawane hinwegführen wird. Ebenso werden chemische Einwirkungen Neugierigen den Zugang verwehren – so schützen Wir die Bruderschaft.

       Die vollkommensten Flugzeuge können Unseren Ort nicht ermitteln. Die in den umliegenden Höhlen lebenden Einsiedler stellen unermüdliche Wächter dar. Wanderer können erzählen, wie bisweilen ein Sadhu*, den sie trafen, ihnen beharrlich zu einem bestimmten Weg riet und sie vor den Gefahren einer anderen Richtung warnte. Der Sadhu selbst ist nicht weitergegangen, doch es war ihm geboten worden, den Wanderern nicht die Richtung zu weisen. Die Sadhus wissen von der Geschützten Stätte und verstehen das Geheimnis zu wahren. Sie selbst sind mitunter fast Räuber, doch vor dem heiligen Geheimnis sind sie zuverlässige Wächter. So darf man die Annahme nicht herabsetzen, dass eine Unverletzliche Wohnstätte existieren kann.

       Urusvati erinnerte sich an die Konturen der Zugänge zu Uns und auch des Lichts aus dem Turm. Sie hat Mitarbeiter gesehen, die nützliche Pflanzen sammelten. Vieler Einzelheiten erinnerte sich Unsere Schwester. Solche Marksteine sind unvergesslich, sie verleihen Mut auf allen Wegen. Auch Unsere tiefgelegenen Archive hat Unsere Schwester gesehen. Man muss die gesammelten Materialien des Wissens sehen, um zu verstehen, wie sich die Arbeit der Gemeinschaft gestaltet. Man muss den Gesang hören, um das Leben Unseres Aschrams zu verstehen.

       So werden Wir von Unserem Leben und Unseren Arbeiten sprechen.

 

       2. Urusvati hat viele Unserer Apparate gesehen. Dem Aussehen nach unterscheiden sie sich wenig von bestehenden gleichartigen, doch ihr Gebrauch unterscheidet sich, denn es wird ihnen psychische Energie* hinzugefügt. Bereits seit langem ist bekannt, dass gewisse Apparate nur im Beisein eines bestimmten Menschen funktionieren können. Jetzt gibt es viele solcher Leute, die ganze komplizierte Apparate durch sich selbst ersetzen können. Auf diese Weise wird die Menschheit mit der Kraft vertraut, die ihr innewohnt.

       Bei Uns jedoch ist bereits vor langer Zeit das Prinzip angenommen worden, dass jeder Apparat verstärkt werden kann, nämlich durch den Menschen. Man kann eine Verwandlung des gesamten Lebens erreichen, allein durch die Zulassung der Erkenntnis der uranfänglichen Energie. Über Zeitalter hinweg haben Wir Uns mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass die Konzentration der Energie auf jedes beliebige Gebiet gerichtet werden kann. Die Energie vereinigt, wie ein Blitz, bei ihrer Entladung die angesammelten Kräfte. Auf dasselbe Prinzip sind die als magisch bezeichneten Erscheinungen gegründet. In Wirklichkeit führt eine solche Bezeichnung nur in die Irre. Man kann jede beliebige elektrische Maschine einen magischen Apparat nennen. Ihr selbst habt, als ihr Levitation und Bewegung von Gegenständen durchgeführt habt, dies nicht durch Magie getan, sondern nur, indem ihr eurer Energie keinen Widerstand entgegengesetzt habt. Ihr habt die aufgenommene, offenbarte Energie in Tätigkeit versetzt, und sie hat sich mit der kosmischen Energie vereinigt.

       Man kann Unsere Spiegel nicht als magisch bezeichnen. Sie fördern nur die Arbeit Unserer Energie. Vieles kann zur Verstärkung der Wirksamkeit der Energie verwendet werden. Starke Magnete können kaum als magisch bezeichnet werden, doch ihre Wirkung ist bemerkenswert. Der feinstoffliche Körper und alle ihn betreffenden Experimente werden der Wissenschaft angehören, jedoch keineswegs der Magie. So muss man den Aberglauben beseitigen, der mit dem unverstandenen Terminus Magie verbunden ist.

       Der Mensch fürchtet sich beständig vor allem Geheimnisvollen, wobei er vergessen hat, dass sich der Schlüssel zum Sesam[1] in ihm selbst befindet. Man muss sich von allen störenden Umständen befreien, die für jeden Menschen individuell sind. Unser Fortschritt hängt vom freien Willen ab, der auf das Gute gerichtet ist. Die Kraft des Guten zwingt sogar Maschinen, nicht für sich, sondern für die Menschheit zu arbeiten. Derart wirken Unsere Apparate unter Unserer Beteiligung.

       Die Menschen mögen lachen, doch Ideen regieren die Welt. Diese Worte sind im Statut der Bruderschaft eingetragen.

 

       3. Urusvati hat einen Teil Unserer Archive gesehen. Kunstdenkmäler sind nach Epochen gesammelt. Doch diese Sammlungen sind kein Museum nach herkömmlichem Verständnis. Diese Gegenstände dienen als Reservoir aufgespeicherter Auren. Die schöpferischen Ausstrahlungen der früheren Besitzer bleiben weit länger auf den Gegenständen erhalten, als angenommen wird. Wenn es gelingt, eine Reihe von Gegenständen zu sammeln, die in derselben Zeit und mit demselben Streben hergestellt wurden, kann man tatsächlich die Ausstrahlungen einer Epoche erhalten. Auf diese Weise kann man den wahren Sinn bestimmter Epochen studieren. Für die Psychologie ist eine solche Möglichkeit außerordentlich wichtig. Außerdem befinden sich unter den Brüdern auch ehemalige Besitzer mancher Gegenstände. Manchmal wird ein Gegenstand zur Erfüllung eines bestimmten Auftrages in die Welt gesandt. Zudem wird ein Gegenstand mit der Eigenschaft eines Magneten an einem bestimmten Ort vergraben.

       Mögen die Unwissenden nicht über die Archive der Bruderschaft spotten. Möge der Egoismus der Unwissenheit sich Unsere Archive ruhig als Schätze von Geizhälsen vorstellen. In Wahrheit erweist sich jedes Objekt als ein notwendiger Apparat. Die Objekte können wichtigen Beobachtungen dienen. Es ist wertvoll, das Verhältnis der alten Auren zu den gegenwärtigen Ausstrahlungen zu beobachten. Es ergibt sich bisweilen geradezu ein Kampf der Objekte oder eine wechselseitige Freundschaft.

       Wir beobachten nicht nur mittels des geistigen Sehvermögens, sondern überprüfen auch mittels Unserer Apparate. Viele Experimente mit alten Gegenständen werden von Uns durchgeführt. Es handelt sich hierbei nicht um die sogenannte Psychometrie[2], sondern um die Wissenschaft der Ausstrahlungen. Ebenso wie ihr die Nützlichkeit von Früchten und Pflanzen beobachten könnt, vergleichen Wir die Sprache der Dinge gemäß ihren Ausstrahlungen. So kann man beobachten, dass nur ein geringer Teil heiliger Gegenstände schöne Ausstrahlungen besitzt. Allzu oft werden sie aus Eigennutz hergestellt und fallen in noch habsüchtigere Hände.

       Ebenso aufschlussreich ist die Sammlung von Erfindungen. Die psychische Energie, welche die Erfindung schafft, drückt ihr ihren Stempel auf. Solche inneren Beschaffenheiten begleiten schwer oder wohltuend die Entdeckungen. Mögen die Hände der Erfinder rein sein!

       Wir beobachten die Erfinder aufmerksam. Wir freuen Uns, doch noch öfter sorgen Wir Uns. So ist Unser Turm offen für alles Neue. Es ist besonders erfreulich, wenn ein ausgesandter Gedanke von einem würdigen Schaffenden aufgenommen wird.

 

       4. Urusvati weiß, wie schwierig die Gedankenübertragung auf Entfernung ist. Viele Umstände können sie beeinflussen. Der menschliche Organismus ist wie ein siedender Kessel und der Raum wie ein leuchtender Diskuswerfer. Man muss sich nicht nur selbst beherrschen, sondern auch die chemischen Einwirkungen in Betracht ziehen, die in ihrem Zusammenstoßen auch einen starken Willen unterbinden können.

       Wir erhalten oft Vorwürfe: Warum werden die Gedankensendungen bisweilen eingestellt? Unsere Freunde legen sich keine Rechenschaft darüber ab, dass Wir während solcher Unterbrechungen nicht Uns, sondern sie schonen. Man muss die räumliche Spannung spüren können und die Freunde schützen, die sich unter irdischen Bedingungen befinden.

       Man sollte nicht denken, dass die Beachtung äußerer Formen bereits vollständige Ergebnisse bringt. Das Wichtigste verbleibt in der Tiefe des Bewusstseins. Ein unreiner Diener kann keine reine Tätigkeit ausführen. Ein noch so bestätigtes Ritual befreit den Diener nicht von einer unreinen Denkweise. So irren viele, wenn sie annehmen, dass äußere Rituale auch innere Abscheulichkeit verdecken könnten.

       Der Gedanke des Lehrers muss viele Hindernisse im Raum überwinden. Ich bestätige, dass jede Tat mit der Denkweise des Lehrers in Einklang stehen muss: Eine solche Hilfe wird wahre Zusammenarbeit sein.

       Wir besitzen auch Apparate, die Gedankenübertragung auf Entfernung unterstützen. Die Menschen würden staunen, wenn sie sähen, dass einige Apparate ihnen bekannt sind, aber eine vollkommen andere Anwendung haben.

       Die Anwendung der psychischen Energie verwandelt die einfachsten Motoren.

 

       5. Urusvati hat Uns sowohl im grobstofflichen als auch im feinstofflichen Körper gesehen. Nur wer solche Empfindungen erlebt hat, kann die mit ihnen verbundene Spannung beurteilen. Nicht selten geben Wir nur das Gesicht oder die Hände zu erkennen, um keine Erschütterungen zu verursachen. So kann man sich der Schreibenden Hand erinnern, doch auch eine solche Erscheinung war bereits spürbar. Schwingungen können nicht verborgen werden. Umso mehr muss man allerhöchste Vorsicht walten lassen.

       Nicht ohne Grund sprechen Wir ständig von Vorsicht. Die Menschen verstehen die Bedeutung dieser Eigenschaft überhaupt nicht. Wie viele verderbliche Krankheiten entstehen durch unzureichende gegenseitige Vorsicht. Doch umso mehr ist sie dort erforderlich, wo der Unterschied der Schwingungen gewaltig ist. Es sind Scharfsicht und gegenseitige Rücksicht erforderlich, um keinen Schaden zu verursachen.

       Bei Unseren irdischen Reisen haben Wir öfters Aufträge durch eine dritte Person übergeben lassen, die das Wesen des Auftrages nicht kannte und nur formal handelte.

      Die Offenbarung Unseres Schildes wird ebenfalls von verschiedenen Vorsichtsmaßnahmen begleitet. Die Bedeutung einer solchen Fürsorge wird schwer verstanden. Die Menschen können nicht alle Gründe erfassen, die Uns zwingen, sehr vorsichtig zu sein. Aus Unwissenheit wollen die Menschen die stärksten Offenbarungen erhalten, ohne an die Folgen zu denken.

       Ebenso wenig wollen die Menschen den Unterschied zwischen der Stärke der Schwingung eines gewöhnlichen feinstofflichen Körpers und Unserer Schwingung verstehen. Nicht selten haben die Menschen Materialisationen gesehen, ohne besondere Erschütterungen zu erfahren, doch Unsere Schwingungen sind von einer anderen Spannung. Alles ist relativ, und gegenüber Rhythmus und Schwingungen muss man eine ernsthafte Haltung einnehmen.

       Heute habt ihr über die von Pflanzen empfundene Angst gesprochen. Wenn schon in Pflanzen eine derart entwickelte Schwingung vorhanden ist, muss sie im Menschen unermesslich stärker sein.

      Vergessen wir nicht, dass Unsere Schwingung von diejenigen, die sie erfahren haben, niemals vergessen wird. In ihr ist Freude, doch auch eine solche Anspannung, dass nicht jedes Herz sie aushalten kann.

 

       6. Urusvati kann die von Uns gesandten heilsamen Schwingungen bezeugen. Diese Rhythmen sind vielfältig. Nicht alle können sie erkennen. Der eine vermutet ein Erdbeben, der andere argwöhnt ein Fieberschaudern, ein weiterer schreibt sie seiner eigenen Unruhe zu, und vor allem denkt man, dass einem etwas einfach nur so schien. Nichtsdestoweniger ist auf verschiedenen Kontinenten des öfteren Unsere heilsame Fürsorge spürbar. Die Menschen erhalten Unterstützung und spüren eine unerwartete Genesung, verstehen jedoch nicht, woher diese Hilfe kam. Wir sprechen nicht über Dankbarkeit, Wir bedürfen ihrer nicht. Doch eine bewusste Annahme der Hilfe steigert die nützlichen Wirkungen. Jede Verneinung und jeder Spott paralysieren sogar starke Schwingungen. Wir eilen zu Hilfe. Wir eilen, Gutes beizutragen, doch empfängt man Uns oft?

       Unwissende behaupten, dass Wir Revolutionen und Aufruhr einleiten würden. Doch oftmals haben Wir versucht, gerade Mord und Zerstörung vorzubeugen und abzuwenden. Bruder Rakoczi selbst zeigte ein höchstes Maß an Menschenliebe und wurde von denen abgelehnt, um die Er besorgt war. Es sind Aufzeichnungen verblieben, die bereits allgemein bekannt sind, doch gewisse Lügner nennen Ihn den Vater der französischen Revolution.

       Ebenso wenig verstehen die Menschen Unseren Aufruf an Königin Viktoria, doch die Geschichte selbst hat gezeigt, wie Recht Wir hatten. Unsere Warnung wurde abgelehnt. Es ist jedoch Unsere Pflicht, die Völker zu warnen. Auch Unsere Warnung an Moskau wurde nicht verstanden. Die Menschen werden sich nicht so bald besinnen und die Tatsachen vergleichen. Man kann viele historische Fakten aus dem Leben verschiedener Länder anführen. Man kann an Napoleon, an das Erscheinen eines Ratgebers bei der Annahme der amerikanischen Verfassung, an die Offenbarung in Schweden und an die Weisung an Spanien erinnern.

       Mögen die Menschen sich erinnern, dass bereits vor zehn Jahren auf die Zerstörung Spaniens hingewiesen wurde. Es wurde ein Zeichen der Rettung gegeben, doch wie gewöhnlich wurde es nicht angenommen. Wir eilen überallhin zu Hilfe. Wir freuen Uns, wenn sie angenommen wird. Wir sorgen Uns zu sehen, welches Schicksal die Völker vorziehen.

 

       7. Urusvati kennt Unsere Stimmen, sowohl ertönend als auch still. Man kann sich über einen solchen Unterschied bei der Übertragung wundern. Doch es gibt viele Ursachen jenseits der irdischen Bedingungen.

       Oft raten Wir dazu, Einigkeit zu bewahren. Eine solche Weisung ist keine moralische Belehrung. Uneinigkeit ist dem widerwärtigsten Missklang ähnlich. Nichts verletzt den Raum so sehr wie Dissonanz. Doch wenn die Menschen von boshafter Uneinigkeit erfüllt sind, ergeben sich sofort zerstörerische Verwüstungen im Raum. Solche Menschen schaden nicht nur sich selbst, sondern schaffen auch ein räumliches Karma*, in das sie viele ihnen Ähnliche mit hineinziehen. Es ist entsetzlich, mit einem solchen neugeschaffenen Chaos zu kämpfen.

       Menschen, die Uneinigkeit hereintragen, werden Urheber des Chaos genannt. Schwerwiegend sind die Auswirkungen solcher boshaften Lästerer. Wir sind gezwungen, ständig mit ihnen zu kämpfen. Man darf sich nicht wundern, dass ein solcher Kampf gewöhnlich härter ist als der Zusammenstoß mit manchen räumlichen Strömen. Überall, wo man dem freien Willen des Menschen begegnen muss, findet ein besonderer Energieaufwand statt. Die Macht des freien Willens ist groß, sie gleicht den mächtigsten Energien. Die Menschen können in ihrer Bosheit die Zerstörung von Schichten der Astralwelt erreichen. Wie viele Anstrengungen erfahrener Weber sind erforderlich, um diese Wunden des Raumes zu heilen!

       Wir müssen gegen die Uneinigkeit kämpfen. Nicht durch Odengesang mit Harfen, sondern durch Arbeit und Kampf. Nicht viele werden zur Bruderschaft streben, wenn sie von Arbeit im Schweiße des Angesichts hören.

 

       8. Urusvati hat Tropfen Unseres Schweißes gesehen. Urusvati weiß, welch ein schmerzhafter Zustand durch räumliche Spannung entsteht. Doch anders ist Arbeit auf weite Entfernungen nicht möglich. Jede Zusammenarbeit hilft. Nicht ohne Grund sprechen Wir von Zusammenarbeit. Es handelt sich dabei nicht nur um eine moralische Vorschrift, im Gegenteil, ein solcher Rat ist eine weitere Voraussetzung für den Erfolg der Arbeit.

       Wenn sich die Menschen nur bewusst würden, an welcher sichtbaren und unsichtbaren Zusammenarbeit sie teilnehmen können! Wenn die Menschen nur begriffen, wie sehr sie ihre Kräfte durch eine Zusammenarbeit mit der Bruderschaft vermehren könnten. Wenn sie doch nur über Zusammenarbeit nachdächten, die in jedem Augenblick offenbart werden kann. Die Menschen nähern sich nicht nur der Bruderschaft nicht in Gedanken an, sie halten Gedanken an die Bruderschaft sogar für lächerlich.

       Jeder kann seine Kraft in jedem Augenblick aufbieten; man muss sich nur vorstellen, dass auf den Höhen ständig an der Hilfe für die Menschheit gearbeitet wird. Ein einziger solcher Gedanke bewirkt bereits einen Zustrom von Energie. Er treibt das Bewusstsein zum Dienst an der Menschheit. Er gibt ein, dass Liebe zur Menschheit möglich ist. Unter irdischen Bedingungen ist es oft schwer, sich die Möglichkeit einer solchen Liebe vorzustellen.

      Doch möge der Gedanke an die Existenz der Bruderschaft helfen, das Herz zu öffnen. Dann wird sich Zusammenarbeit nicht als Pflicht, sondern als Freude erweisen. Und sowohl Schweißtropfen als auch heilige Schmerzen werden die Krönung der Erkenntnis sein. Lasst uns diese Worte nicht als etwas Abstraktes nehmen, denn eine solche Verneinung verschließt das beste Gefäß: das Herz. Jeder Tropfen Schweiß von der Arbeit und jeder Schmerz um die Menschheit leben im Herzen.

       Ruhm dem Herzen, das aufgenommen hat!

 

       9. Urusvati war in Unseren Laboratorien. Urusvati hat eine der Formeln der Atomenergie gesehen. Das äußere Gedächtnis vermochte sie nicht zu bewahren, doch der innere Speicher hat sie aufgenommen. „Atomistische Atome!“ rief Unser Bruder bei der Spaltung des Atoms aus. Wie die Ähren bis zur Frist der Ernte reifen, so müssen auch diese Errungenschaften bis zur Stunde der Übergabe gehütet werden. Es ist ebenso schwer zu entdecken, wie bis zur Frist zu bewahren. Unbesonnenheit möchte das Wissen verstreuen wie Hagel auf die Felder. Der Unbesonnenheit ist es gleichgültig, welche Ungeheuer aus ungezügelten Leidenschaften erwachsen können. Die Frist zu verstehen, wird bereits eine Stufe zur Bruderschaft sein.

       Die nordischen Tundren und die Wüste Gobi bewahren Schätze, doch darf man sich mit ihrer Übergabe beeilen? Nur ein hohes Niveau des Bewusstseins eines Volkes kann über solche Kostbarkeiten verfügen. Wenn man die Spirale der Evolution kennt, darf man Diamanten nicht unter Wagenräder werfen. Sogar einer erprobten Geduld fällt es manchmal schwer, das Herannahen einer erfolgreichen Karawane zu erwarten. „Vielleicht ist die Zeit schon gekommen?“, so schlägt das Herz. Doch die Erfahrung des Verstandes flüstert: „Es ist noch zu früh.“ Der Wettstreit des Herzens mit dem Verstand bietet den erschütterndsten Anblick. Glücklich, wer das Gebot des Herzens deutet.

       Viele Formeln sind vorbereitet. Die Strahlen aus dem Turm Tschung leuchten, wenn das Bewusstsein der Wissenschaftler mit den Fristen übereinstimmt. Doch in ihrer Naivität verstehen die Menschen die Harmonie der Fristen nicht. Sie möchten überall ihre Unordentlichkeit und ihre Verantwortungslosigkeit aufdrängen. Es bedeutet ihnen wenig, wenn etwas sich nicht vollzieht, wenn sogar ein großer Gedanke sich zerschlägt! Zudem fordern sie, dass alles sich nach ihren eigenen Maßstäben vollzieht. Sie bezeichnen Erfolg als Unglück und freuen sich über Unheil. Das Kleine erscheint ihnen groß, das Große aber nichtig.

       Die exakten Erkenntnisse aus Unseren Laboratorien werden nicht angenommen, da die Formeln in ungewöhnlichen Bezeichnungen ausgedrückt werden. Doch weshalb sollten Wir uralte Bezeichnungen entstellen, auch wenn sie jetzt vergessen sind? Wenn einige Formeln aus Atlantis* übriggeblieben sind, dürfen sie unmöglich durch heutige wissenschaftliche Begriffe begrenzt werden. Die zusammenfassende und die zergliedernde Wissenschaft haben sich voneinander getrennt. Umso schwerer ist es, die Harmonie zu finden, die in der Bruderschaft wachsen kann.

 

       10. Urusvati kennt Unsere Sprache. Doch Wir müssen auch die Mundarten aller Völker kennen. Ständig kommen Zweifel auf, in welcher Sprache man Gedanken senden sollte, um die beste Übermittlung zu erreichen. Jeder sendet in seiner eigenen Sprache. Nämlich in der Sprache, in der er denkt. Es wäre ein Fehler, Gedanken in einer fremden Mundart zu senden, in der Annahme, dies sei bequemer für die Person, welcher der Gedanke gesandt wird. Eine solche fremdartige Wiedergabe schwächt nur die Kraft der Sendung. Wenn die Menschen sich dazu zwingen, in einer fremden Sprache zu denken, werden sie die inneren Bilder hervorrufen, die mit dem Volk jener Mundart verbunden sind. Dadurch stören sie die Klarheit ihres eigenen Denkens. Ich rate dazu, Gedanken nicht nur in seiner Muttersprache zu senden, sondern dies auch in der einfachsten und gewohntesten Umgebung zu tun. Vertraute Gegenstände werden weniger als alles andere die Aufmerksamkeit erschweren. Selbst die Ausstrahlungen solcher Dinge werden keine Gereiztheit hervorrufen.

       Wir führen die Gedankenübertragung in einem fast leeren Zimmer durch. Die Wände sind in blauer oder grüner Farbe gestrichen, wobei das letztere für viele Individuen besonders günstig ist. Ebenso geben Wir einem passenden Sessel den Vorzug, damit die Wirbelsäule sich in aufrechter Haltung befinde. Der Sessel soll den Körper nicht in der einen oder anderen Weise stören. Ebenso wenig darf das Licht die Augen reizen. Besser ist es, eine Lichtquelle hinter sich zu haben. Gewaltsame Anspannung darf es nicht geben, sondern nur völlige Sammlung. Manchmal kann man eine Darstellung derjenigen Person vor sich stehen haben, zu der die Sendungen gehen. Doch es ist besser, ein solches Bild gedanklich vor sich zu haben. Ruhe und die Harmonie von Musik begleiten nicht selten die Gedankensendung.

       Erinnert euch dieser Bedingungen, wenn ihr euch Uns bei Gedankensendungen vorstellt.

 

       11. Urusvati hegt den großen Wunsch, den Menschen mehr Kenntnisse zu vermitteln, doch das Gefühlswissen zeigt die Grenze der Möglichkeiten auf. Das Erkennen dieser Grenze ist für viele ein Stolperstein. Großes Unglück ist gerade aus der Nichtbeachtung dieser Grenze entstanden. Es ist unmöglich, mit irdischen Worten zu bestimmen, wo sich die angemessene* Grenzlinie verbirgt. Ein erweitertes Bewusstsein kann eingeben, wo der Schaden beginnt.

      Ihr wisst selbst, wie oft Menschen eine Antwort fordern, die sie gar nicht aufnehmen können. Sie sagen: „Sagt es uns schnell, und wir entscheiden, was wir annehmen und was wir ablehnen.“ Sie möchten gern Stäbchenziehen spielen und sich nur die Kleinigkeiten herausgreifen, die ihnen angenehm sind. Doch es interessiert sie nicht, ob etwa der gesamte Aufbau zusammenbricht. Sogar Kinder wissen, dass man das Ganze nicht zerstören darf. Doch die Erwachsenen bewerfen einander mit Bomben und wundern sich sehr, wenn die eigene Bombe sie verstümmelt. Sie lieben es, Unseren Vergleich vom Bumerang zu wiederholen, sehen aber nicht die Folgen ihrer eigenen Schläge.

       Die Menschen lieben es, Uns zu bezichtigen, vieles zu verneinen. Sie versteigen sich zu einer solchen Lüge und Lästerung zu sagen, Wir lehnten Christus ab. Kann man eine solche Lästerung glauben? Nichtsdestoweniger sind viele Diener der Finsternis bereit, auch eine solche Verleumdung zu säen, nur um Uneinigkeit zu verursachen. Jeder aber, der den Aufbau und die Zusammensetzung der Bruderschaft kennt, ist über die Unwissenheit einer solchen Verleumdung entsetzt. Gewöhnlich ist Verleumdung Unwissenheit, doch selbst erwachsene Menschen verschmähen es nicht, eine offenkundige Lüge zu wiederholen.

      Man kann viele Verleumdungen der Bruderschaft anführen. Man kann darauf hinweisen, dass die Brüder für finstere Kräfte gehalten wurden. Man kann aufzählen, wie die entsetzlichsten Katastrophen der Bruderschaft zugeschrieben wurden. Wir wurden der Bedrohung und der Gewalt beschuldigt. Besonders beharrlich damit waren jene, die Unser Wort nicht hören wollen. Schämt euch, Ungläubige! Schämt euch, Unwissende! Schämt euch, ihr Überträger von Uneinigkeit!

       Mögen sie sich wenn auch selten fragen: „Irre ich mich nicht?“ Doch die Unwissenden können sich nicht irren, da sie in ihren Fehlern leben und ihnen daher schon nicht mehr verfallen können. Gegenwärtig möge diese Seite der Bruderschaft sich denen ins Gedächtnis einprägen, die im Herzen entflammt sind. Jeder kann doch wenigstens ein Körnchen der Wahrheit feststellen.

 

       12. Urusvati kann von dem besonderen Gefühl erzählen, das bei Flügen im feinstofflichen Körper zu den fernen Welten auftritt. Es ist schwer, mit irdischen Worten von den feinsten Empfindungen jenseits der Grenzen der irdischen Sphäre zu sprechen. Doch man muss solche Flüge kennenlernen, damit das Bewusstsein die überirdischen Empfindungen aufnehmen kann. Bei den Brüdern ereignen sich solche fernen Flüge oft. Die Menschen streben gleichfalls nach den höheren Sphären, doch leider lassen sie die Tätigkeit des feinstofflichen Körpers noch nicht vollständig zu. Im allgemeinen gelingen viele Experimente, doch nur unter schwierigsten Umständen.

       Es wird so viel von den Strahlen gesprochen, die einen Menschen unsichtbar machen. Eine kommende Stufe wird die Erfindung eines kleinen Apparates sein, den man ständig bei sich haben kann und der den Träger unsichtbar macht. Doch danach verbleibt noch Unsere Stufe der Unsichtbarkeit, wenn Wir bestimmte Strahlen aus dem Raum heranziehen, die für die Unsichtbarkeit nötig sind. Etwas Ähnliches ist es, wenn einzelne Teile des Körpers dematerialisiert werden. Vor kurzem habt ihr davon gehört.

      So muss man für viele Erscheinungen einen beweglichen feinstofflichen Körper besitzen. Flüge in die fernen Welten erfordern unbedingt Beweglichkeit des feinstofflichen Körpers, der durch seine Anspannung Feurigkeit erreicht. Nur über viele Verkörperungen hinweg und durch unaufhörliches Streben wird eine solche Möglichkeit erlangt. Man kann diese Beweglichkeit nicht gewaltsam erwerben.

       Unsere Schwestern machen bei solchen Flügen besonders gute Fortschritte. Die Synthese des weiblichen Wesens unterstützt die Flüge. Vergessen wir nicht, dass solche Flüge mitunter lange andauern, aber in der Bruderschaft versteht man, den zurückgelassenen Körper zu schützen.

       Lethargie ist oft nichts anderes als ein weiter Flug, doch man weiß mit solchen Naturen nicht richtig umzugehen. Ihre „Krankheit“ hätte man im Altertum für heilig gehalten und die dabei erlebten Empfindungen in Erfahrung gebracht. Wir besitzen viele Aufzeichnungen über solche Erfahrungen. Eifrig verzeichnen Wir jedes Gefühl, weil es in der Unbegrenztheit unzählige Beobachtungen gibt. Es bleibt noch zu bemerken, dass Radiowellen und ein Übermaß an Elektrizität häufig die Beobachtungen stören.

 

       13. Urusvati kann die Namen von Mitgliedern der Bruderschaft nennen; doch sie wird es nicht tun, da sie abwägen wird, ob eine solche Bekanntgabe angemessen wäre. Bereits sieben Namen sind in aller Munde, doch wo ist der Nutzen dessen? Notwendig sind Taten, keine Namen. Wenn Wir daher Seiten des persönlichen Lebens der Brüder streifen, werden Wir von Taten sprechen, jedoch keine Namen nennen. Die Menschen streiten nicht über Taten, sondern vor allem über Namen. Die Offenbarung eines Namens bewirkte, dass Unser Bruder bei einem irdischen Aufenthalt gezwungen war, sich scheinbar begraben zu lassen, um Seine Handlungsfreiheit zu bewahren. Wir mussten ständig die Namen ändern, um keine Neugier zu erregen. Wir mussten Uns eilends verbergen, damit die Sache des Guten keinen Schaden erleide. Eine der ersten Bedingungen der Bruderschaft ist es, das Wesen der Tat über alles zu stellen.

       Es gibt zwei Arten des Denkens. Der eine Gedanke erwächst aus dem Gefühl, anders gesagt, aus dem Herzen, und der andere aus dem Kopf in der Nachbarschaft des Verstandes. Selbstaufopferung erwächst aus dem Herzen. Auf diesen Gedanken ist die Bruderschaft gegründet. So lebt auch Unsere Zusammenarbeit aus dem Herzen.

       Wenn Wir von Einigkeit sprechen, setzen Wir voraus, dass das Herz lebendig ist. Die widerwärtigste Erscheinung ist vorgetäuschte Einigkeit. Viele haben davon geträumt, sich der Bruderschaft zu nähern, doch gerade durch Heuchelei wurden sie abtrünnig. Heuchelei kann in Unsere Wohnstätte nicht eintreten. Es ist unmöglich, auf heuchlerische Weise am Großen Dienst teilzunehmen.

       Die Menschen verstehen nicht, wie man sich mit gegenseitigem Gedankenlesen begnügen kann, doch bei Uns ist ein solcher Zustand völlig natürlich und dient nur der Vereinfachung der Beziehungen. So ersetzt ein Gedanke oft einen ganzen Wortwechsel. Sogar im gewöhnlichen Alltag verstehen Menschen, die schon lange miteinander leben, die Gedanken ihrer Gefährten. Doch bei gewissen Übungen kann man ohne jeglichen Apparat die Gedanken von Mitarbeitern verstehen. Wir sprechen allein über dasjenige, was bei Uns üblich ist und in die Tat umgesetzt wird.

       Mögen die zu Uns Strebenden die Arbeit verstehen, die sich auf dem Boden des Empfindens des Herzens entwickelt.

 

       14. Urusvati, vermagst du auch nur eine Schwester der Bruderschaft, auch nur einen Bruder zu nennen, die im irdischen Leben nicht Marter und Verfolgung ausgesetzt waren? Wahrhaftig, man kann keine nennen. Jede Heldentat ist mit Verfolgungen verbunden. Der Zweikampf mit der Finsternis ist unvermeidlich, und die Wellen des Chaos müssen über dem mutigen Kämpfer zusammenschlagen. Doch auch solche Prüfsteine zeugen nur von der Unbesiegbarkeit des Geistes. Sie wurden verbrannt, gekreuzigt, enthauptet, erwürgt, durch Raubtiere getötet, in die Sklaverei verkauft, vergiftet oder in Kerker gesperrt – mit einem Wort, sie erlitten alle Qualen, um ihre Stärke zu erproben.

       Man darf nicht meinen, dass die Erweiterung des Bewusstseins ohne Kämpfe erreicht wird. Jeder, der gemeinsam mit Uns dienen will, weiß, dass er dem Druck der Finsternis standhalten muss. Mit Worten sind alle dazu bereit, doch der Tat wünscht jeder oder fast jeder nach Möglichkeit zu entgehen. Er wird nicht darüber nachgedacht haben, dass jede solche Abweichung nur eine Verlängerung des Pfades bedeutet.

       Irdische Güter sind offensichtlich, doch unsichtbar in Wolken sind die Überirdischen Welten. Jede Erfahrung der Annäherung an die Feinstoffliche Welt kann die Vorstellung von der Unbegrenztheit erleichtern. Sogar gewöhnliche Menschen sind in Träumen gleichzeitig in verschiedenen Teilen der Erde sichtbar. Es liegt nichts Unmögliches darin, dass der feinstoffliche Körper gleichzeitig an weit voneinander entfernten Orten in Erscheinung treten kann. Das Studium der menschlichen Eigenschaften weist die Richtung und erweitert das Bewusstsein. Die Menschen werden auf natürliche Weise an Unser Ufer stoßen. Boote wie früher werden nicht notwendig sein. Möge Santana* sie zu den neuen Pfaden führen, die an jenem Ufer auf sie warten.

       Es gibt viele, die warten; mögen sie vor allem von den Schwierigkeiten des Pfades hören. Mögen sie sich den Kampf mit der Finsternis klar vor Augen halten. Mögen sie nicht davon träumen, ihm auszuweichen. Der Pfad zur Freude kann nicht leicht sein.

       Freude wird herrschen. Wir sprechen von der Freude, doch jetzt lasst uns in der ganzen Rüstung des Geistes auftreten.

 

       15. Urusvati geriet in großes Erstaunen, als sie Unsere Anspannung bei Sendungen von Ideen auf weite Entfernungen sah. Wahrhaftig, Wir sind erfüllt von Elektrizität, um die uranfängliche Kraft zu vermehren. Wir verwenden auch eigentümliche elektrische Apparate, um eine besondere Atmosphäre zu schaffen, die Gedankensendungen unterstützt. Ihr bemerkt, dass in der Nähe von Elektrizitätswerken gesteigerte psychische Wahrnehmungen möglich sind. Eine Übersättigung der Atmosphäre mit Elektrizität kann jedoch feurige Krankheiten hervorrufen. Überall ist die rechte Harmonie notwendig.

       Beachtet, dass Ich von Anspannung bei der Sendung von Ideen gesprochen habe. Der an einen bestimmten Ort an eine bestimmte Person gesandte Gedanke erfordert nicht eine solche Anspannung wie eine räumliche Sendung. Sie trifft auf viele entschiedene Gegenwirkungen. Im Umkreis solcher Sendungen brodelt eine wahre Schlacht, und daher ist eine Rüstung aus elektrischen Wirbeln erforderlich.

       Man darf nicht vergessen, dass solche Wirbel verfeinerte Seelen in ihre Bahn ziehen, und diese können eine starke Erschöpfung erfahren, da ihre Energie sich magnetisch dem allgemeinen Strom anschließt. Wenn ihr eine unerklärliche Anspannung und Erschöpfung der Kräfte spürt, überlegt, ob ihr nicht an räumlichen Sendungen teilnehmt.

       Sogar in der Zeit der größten weltweiten Verwirrung senden Wir Gedanken, die dem Wunsch der Mehrheit der Menschheit widersprechen. Die Menschen können nicht verstehen, dass Wahnsinn nicht durch Wahnsinn geheilt werden kann. Sie streben danach, die Zerstörung zu wiederholen, die schon mehrmals die Erde heimgesucht hat. Nach Möglichkeit erhalten Wir das Gleichgewicht, doch die Summe des freien Willens ist imstande, die segensreichen Weisungen zu überwinden.

       Urusvati wird nicht vergessen, wie Wir Uns in Anspannung verwandeln. Möge die Menschheit nach Heilung verlangen, denn ohne ihr Einverständnis kann man sie nicht gesund machen.

 

       16. Urusvati kennt drei Unserer Zustände in der Bruderschaft. Jeder von ihnen hat seine Eigenheiten. Den grobstofflichen Zustand darf man nicht als irdisch bezeichnen. Er ist derart verfeinert, dass man ihn kaum für gewöhnlich halten kann. Der feinstoffliche Zustand hat sich so sehr der irdischen Atmosphäre assimiliert, dass er sich wesentlich von den üblichen Hüllen der Feinstofflichen Welt unterscheidet. Schließlich erweist sich der dritte Zustand, der sich zwischen dem grobstofflichen und dem feinstofflichen befindet, bereits als ein noch nie dagewesenes Phänomen.

       Auf diese Weise sind alle drei Zustände dermaßen ungewöhnlich, dass sie eine vollkommen außergewöhnliche Atmosphäre schaffen, die für irdische Lungen und Herzen nicht leicht ist. Die Menschen müssen sich an sie gewöhnen, sonst bekommen sie im besten Fall Herzklopfen. Dies ist keine Magie, sondern die natürliche Spannung der Atmosphäre Unserer Wohnstätte.

       Jedes irdische Haus hat seine eigene Atmosphäre. Es ist begreiflich, dass die Atmosphäre umso gesättigter ist, je mehr Arbeit geleistet wird. In der Bruderschaft, wo jeder die größte Anspannung bekundet, wo es so viele mächtige Apparate gibt und wo so viele verschiedene Experimente gleichzeitig stattfinden, muss eine gesättigte Atmosphäre herrschen. Vergessen wir auch die Magazine mit chemischen Substanzen und die Heilpflanzen nicht. Die Emanationen, die von ihnen ausgehen, sind äußerst stark. Den Aromen kann man ausweichen, den Emanationen aber nicht.

       Wenn es möglich ist, räumliche Ideen zu senden, so muss am Ort ihrer Absendung auch große Harmonie herrschen.

       Ein Lama spricht vom Aufenthaltsort großer Rischis*. Jeder beschreibt Schambhala* auf seine Weise. Die Erzählung über die Schätze ist richtig, da es verschiedene Schätze gibt. Die Legende von den über die ganze Welt verstreuten Kriegern entbehrt nicht der Grundlage. Es gibt viele Tore und Spiegel. Die Legende von der Ausgabe von Passierscheinen für Schambhala durch den Taschi Lama[3] ist symbolisch. Das Auftreten gleichartiger Symbole in verschiedenen Teilen der Welt zeigt bereits, wie sehr die Wahrheit sich verbreitet hat. Sogar das alte Mexiko wusste vom Heiligen Berg, wo auserwählte Menschen wohnen. Es ist nicht verwunderlich, dass alle Völker Asiens eine Erinnerung an die Heiligen Berge bewahren. Die Beschreibung des Ortes entspricht annähernd der Wirklichkeit, doch der Ungerufene wird ihn nicht erreichen.

       Die Mehrheit der Menschen strebt danach, Uns zu finden. Es ist richtig, solche Reisenden zurückzuhalten. Vor allem ist es notwendig, Uns nicht geographisch, sondern im Geist zu finden.

      Ihr wisst, was man von Uns erwartet. Nicht genug, dass man es erwartet, man fordert es sogar. Dabei zerreißen Klagen die letzten Fäden. Die Menschen kommen nicht auf den Gedanken, dass ihre Klagen die ohnedies gesättigte Atmosphäre weiter anspannen. Natürlich schreiben sie Uns nach ihrem eigenen Ermessen sogar Fehler zu. Wir könnten weder reden noch schreiben.

      Die Menschen verstehen die Unangemessenheit ihres Benehmens nicht. Haltet dies nicht für Unzufriedenheit. Wir können nur bedauern, wenn Wir sehen, dass die Energie keinem Nutzen zugeführt wird. Statt zu klagen ist es besser, miteinander zu reden. Ein herzliches Gespräch geht besser als alles andere in die Harmonie Unserer Gemeinschaft ein. Wenn Hilfe erwiesen werden kann, wird sie nicht auf sich warten lassen; darin besteht die Schönheit des geistigen Schaffens.

       Klar erkennbar arbeiten Wir an der Hilfe für die Leidenden, doch man darf die Tore nicht mit Fäusten niederreißen. Es ist gesagt: „Das Reich Gottes wird im Sturm genommen“ – aber im Geist. So möge man an die Bruderschaft denken. Möge man nicht vergessen, wo die wahren Tore sind.

 

       17. Urusvati hat nicht vergessen, dass Wir in Unseren Archiven Modelle von Städten und anderen historischen Stätten besitzen. Offensichtlich müssen solche Modelle auch eine innere Bedeutung haben. Sie dienen als eine Art von Teraphimen* zur Herstellung einer Verbindung von Stätten des Altertums mit neuen Aufgaben. Dort nämlich werden Gedenkgegenstände verwahrt, die von Zeit zu Zeit als Magnete für geplante Taten in die Welt gesandt werden.

       Es hat eine große Bedeutung, wenn Unsere Boten die vorgeschriebenen Orte nacheinander aufsuchen. Manchmal legen sie bestimmte Gegenstände aus, doch andere Orte passieren sie nur und festigen auf diese Weise die Aura des Ortes. Die Menschen schenken solchen Pilgerfahrten keine Aufmerksamkeit, doch das Auge des Historikers könnte feststellen, dass solche Reisen periodisch stattfinden. Mit der Zeit kann man sich davon überzeugen, dass alle diese geweihten Orte sich in der Geschichte der Völker als besonders wichtig erwiesen haben.

       Niemand kann bezweifeln, dass es außer den Bewohnern des Bollwerks der Bruderschaft auf der Erde noch weitere Personen gibt, die Unseren Auftrag tragen. Man kann durch die Jahrhunderte hindurch verfolgen, wie in verschiedenen Ländern Personen auftraten, die viel Ähnlichkeit bei ihren Aufgaben und den Methoden der Ausführung besaßen. Gewöhnlich verhalten sich die Menschen ihnen gegenüber misstrauisch und feindselig, da sie etwas spüren, was in Worten nicht ausgedrückt werden kann.

       So kann man in Unseren Archiven sehen, dass auf Landkarten bestimmte Grenzen eingetragen sind, die den heutigen nicht entsprechen. Wie Funken sind die ausgelegten Magnete bezeichnet. Man muss nur manchmal einige Jahre warten, um sich von der Bedeutung solcher Auslegungen zu überzeugen.

 

       18. Urusvati nimmt im feinstofflichen Körper ständig an Unserer Hilfe für die Menschheit teil. Unsere Mitarbeiter erweisen mit ihren Flügen im feinstofflichen Körper den Menschen so viel Nutzen, dass keine Annalen es zu fassen vermögen.

      Man muss daran denken: Wir zeigen Uns selten auf sogenannten spiritistischen Séancen. Wir halten solche Versammlungen aufgrund der disharmonischen Auren der Anwesenden für schädlich. Fast keiner dieser Zirkel wurde den Auren entsprechend zusammengesetzt. Man kann sich vorstellen, welche Wesen sich bei einer nicht zusammenpassenden Stimmung zeigen und materialisieren können! Man hat bereits die Aufmerksamkeit auf die Unsinnigkeit der erhaltenen Antworten gerichtet, doch ein solcher offensichtlicher Umstand beweist nur, mit welchen Wesen diese unvernünftigen Kreise zu tun haben.

       Unsere Offenbarungen und Unsere Hilfe sind vollkommen andere. Wir retten Menschen, die dessen würdig sind, in der Minute der Gefahr. Mit leichten Berührungen lenken Wir die Aufmerksamkeit der Suchenden. Wir verhüten eine Entscheidung, die nicht nützlich wäre. Wir helfen, Gutes zu schaffen und arbeiten daran mit. Man muss verstehen, dass Unsere Arbeit dem Wissen geweiht ist. Wir helfen jedem nützlichen Arbeiter. Wir sind nicht durch konventionelle Unterschiede der Rassen und Klassen eingeengt. Wir beobachten angestrengt, wo ein Strahl selbstloser Heldentat aufblitzt. Unser Tempel ist ein Tempel des Wissens. Wir tragen alles Höchste in ihn hinein und bewahren dort sorgfältig die Bestätigungen der Zukunft.

       Verliert das unmittelbare Gespräch mit Uns nicht. Möge es die höchste Äußerung eures Wesens werden. Lasst nicht zu, dass ein solches Gespräch zur formalen Ableistung einer Pflicht wird. Niemals wird Zwang eine feste Stufe sein. Selbst die Arbeit im feinstofflichen Körper soll eine natürliche Äußerung des freien Willens sein. Versucht nicht, jemanden zu einer solchen Arbeit zu zwingen. Möge der Wunsch danach im Bewusstsein entstehen. Es ist schwer zu beurteilen, wie der Wunsch nach Arbeit für die Menschheit entstehen kann. Jeder kann seinen eigenen Weg finden. Wir helfen auf einem solchen Weg.

 

       19. Urusvati ist Indien und Tibet für den Schutz der Bruderschaft dankbar. Wahrhaftig, man kann dankbar sein, wenn der Begriff der Bruderschaft so behutsam geschützt wird. Gewöhnlich werden noch nicht einmal Gespräche über die Bruderschaft unterstützt. Die Namen werden nicht ausgesprochen, und man wird eher die Bruderschaft verleugnen, als sie zu verraten. Selbst die Überlieferungen über die Bruderschaft werden zusammen mit den heiligen Schriften verwahrt. Die westliche Neugierde wird vom Osten nicht verstanden. Lasst uns prüfen, weswegen der Westen danach trachtet, von der Bruderschaft zu erfahren.

       Will der Westen etwa die Bruderschaft im Leben nachahmen? Entschließt sich der Westen etwa, die Testamente der Bruderschaft zu hüten? Will der Westen etwa seine Erkenntnis vertiefen? Einstweilen ist er nur neugierig und sucht nur nach einem Anlass zur Verurteilung. Auf dem Weg der Verurteilung werden Wir keine Hilfe leisten.

       Stellen wir uns eine Militärexpedition vor, welche die Bruderschaft entdeckt. Sogar ohne Vorstellungsvermögen zu besitzen, kann man sich ausmalen, wohin eine solche Entdeckung führen wird! Man kann sich die Verfluchungen und Exkommunikationen vorstellen, die dann erfolgen. Die Kreuzigung währt bis zum heutigen Tag! So wird man im Westen auch niemals das Wesen Unserer Hierarchie verstehen. Der Begriff Obrigkeit führt nicht zur Hierarchie. Wir haben das Testament festgesetzt: Macht als Opfer. Wer von den Führern der Gegenwart reicht an ein solches Testament heran?

       Auch den Zustand des Ostens kennen Wir ausgezeichnet, doch angesichts dieser seiner Lage muss man umso mehr seine Verehrung Unserer Wohnstätte hervorheben.

       Lasst uns nicht vergessen, dass viele Aschrams in den Himalaja übersiedeln mussten, da die Atmosphäre der anderen Orte unerträglich geworden war. Auch der letzte ägyptische Aschram war gezwungen, in den Himalaja überzusiedeln, da jedermann die Ereignisse in Ägypten selbst und den angrenzenden Gebieten offensichtlich wurden. Rechtzeitig zum Harmagedon* mussten alle Aschrams um Unsere Wohnstätte im Himalaja versammelt werden.

      Man muss verstehen, dass Wir zur Zeit Unsere Wohnstätte nicht verlassen, sondern weit entfernte Orte nur im feinstofflichen Körper aufsuchen. So wird die Aufzeichnung über das Innere Leben Unserer Wohnstätte vervollständigt.

 

       20. Urusvati unterscheidet feinfühlig fördernde und hindernde Ströme. Man kann sich vorstellen, welchen Einfluss die Massen ausüben, wenn sie von ein und derselben Stimmung ergriffen sind. Eines Tages wird man Experimente unter Beteiligung der Massen durchführen. Die Ergebnisse werden zeigen, auf welch weite Entfernung die Energie der Massen wirkt. Auch in Unserer Wohnstätte macht sich der Zustand weit entfernter Massen deutlich bemerkbar. Nicht ohne Grund sprechen Wir wiederholt von der Notwendigkeit einer vom Guten bestimmten Einigkeit. Selbst rein physiologische Experimente zeitigen verschiedene Ergebnisse. In Bezug auf die menschlichen Einwirkungen muss man verstehen, dass empfindliche Apparate ihre Schwingungen sogar bei der Annäherung eines einzigen Menschen ändern. Das bedeutet, dass die verwirrte, rasende Aura der Massen die wertvollsten Experimente stören kann. Daher rührt Unser Blutschweiß.

       Wir müssen nicht nur die Psychologie weit entfernter Massen regeln, sondern auch Unsere wissenschaftlichen Forschungen schützen. Archimedes[4] schützte seine Formeln gegen sichtbare Barbaren, doch um wieviel schwerer ist es, wissenschaftliche Schätze vor unsichtbaren, wutentbrannten Zerstörern zu behüten. Doch nicht nur zerstörerische Feinde bedrohen, sondern auch wohlwollende Menschen schaffen des öfteren zersetzende Bedingungen. Dann sind Wir bereit zu bitten, Unsere Formeln nicht zu verletzen. Es gibt viele Methoden einer solchen Verletzung, doch ihre Wurzel ist der Zweifel in all seinen Abarten.

       Stellt euch Unsere Wohnstätte vor, wo jeder Laut bereits die Harmonie der Schwingungen durchdringt. Wir haben Unsere Laboratorien hinreichend isoliert, die psychische Energie aber kann nicht abgeriegelt werden. Unsere Mitarbeiter, die nächsten wie die entfernten, sollten sich klar machen, durch welche Verfassung sie Uns helfen können. Der Große Dienst wird immer ein gemeinschaftlicher Dienst sein. Jeder, der sich Uns auch nur einmal genähert hat, hat bereits die Verantwortung übernommen, Unsere Arbeiten nicht zu behindern.

       In Unseren Türmen gibt es viele Stockwerke. Ständig finden viele Forschungen statt. Wer wäre denn so leichtfertig zu wagen, die angesammelten Energien in Unordnung zu bringen? Der Rückschlag kann entsetzlich sein, und niemand vermag ihn abzuwenden, wenn die grundlegenden Energien in Tätigkeit versetzt werden. Daher warnen Wir so besorgt davor, unliebsame Erschütterungen hervorzurufen.

 

       21. Urusvati bewahrt eine Erleuchtung aus der Kindheit, dass irgendwo der Lehrer des Lichts lebt. Nur die Erinnerung an die Wirklichkeit kann im kindlichen Bewusstsein eine solche deutliche Vorstellung hervorrufen. Wir freuen Uns zu sehen, dass Unsere Mitarbeiter von ihren ersten bewussten Stunden an bereits eine Vorstellung dessen in sich tragen, was sie früher gesehen haben. Ein verwirrter Geist hat auch verwirrte Vorstellungen, doch ein von vielen Errungenschaften erleuchteter Geist bewahrt eine klare Erinnerung.

       Das durch niemanden ermutigte kleine Mädchen wird aus seinem eigenen Bewusstsein heraus zu der ihm bestimmten Heldentat hingelenkt. Selbst deutliche Belehrungen können nicht oft in der neuen Hülle bewahrt werden. Doch wenn ein Wanderer sich in Unserem Auftrag auf den Weg macht und wenn er auch früher schon mit der Bruderschaft in Berührung gekommen ist, erfährt er bereits vom Kindesalter an Erleuchtung. Er sieht die Banner des Lichts. Wir nähern Uns ihm in verschiedener Gestalt, er vernimmt silberhelle Klänge, und sein silberner Faden ist zu Uns aufgespannt.

       Die Wanderin des Lichts schreitet unermüdlich voran, trotz der schlechten Verhältnisse der Kindheit. Nachdem sie sich innerlich gestärkt hat, wird ihr schließlich eine Vision zuteil, die sie zur Heldentat geleitet. Wir freuen Uns, wenn eine solche Heldentat nicht mit Worten, sondern mit flammendem Herzen angenommen wird. Ein solches Entflammen kündigt sowohl Erleuchtung als auch heilige Schmerzen an. Doch nur in der Annahme des Leides wird auch der Keim weiser Freude gebildet. Zu ihr kann man ohne Leid nicht gelangen. Doch allein in Unserer Nähe wird auch die Freude geboren.

       Urusvati ist freiwillig in die Welt gegangen. Schon bei früheren Berührungen mit der Bruderschaft wurde das Wort über das Feuer beschlossen, das in den Tagen des Harmagedon erschallen sollte. Es ist keine leichte Zeit! Es ist kein leichtes Wort, und die Bestätigung der Bruderschaft ist nicht leicht, wenn alle Kräfte der Finsternis zu Felde ziehen. Doch Wir heißen willkommen und freuen Uns, dass die Heldentat sich erhebt.

       Glaubt nicht, Unser inneres Leben sei selbstzufrieden, im Gegenteil, das Antlitz des Menschen wird von der Menschheit geschmiedet. Jeder silberne Faden erklingt wie eine Saite der Unbegrenztheit.

 

       22. Urusvati kann die äußerst hohe Bedeutung des Herzens bestätigen. Nach dem Wirken aller übrigen Zentren tritt die Bedeutung des Herzens hervor. Sogar Kundalini erweist sich im Vergleich mit dem Herzen als irdisch. Die Bedeutung des Herzens wird nicht verstanden. Man hält es für den Mittelpunkt des Lebens, doch eine solche Definition ist unzureichend. Das Herz ist die Brücke zwischen den Welten. Dort, wo die Berührung der drei Welten besonders offen zutage tritt, wird die Bedeutung des Herzens tief empfunden.

       In Unserer Wohnstätte besteht die Verehrung des Herzens. Bei Uns kommen Persönlichkeiten zusammen, die durch viele Jahrhunderte getrennt sind; es scheint, dass ihre Psychologie sehr unterschiedlich sein müsste, verändern sich doch in einem Abstand von drei Generationen die Denkmethoden völlig, doch bei Unserer Zusammenarbeit lässt sich das nicht beobachten. Eine der Hauptursachen dafür ist das erweiterte Bewusstsein, doch auch das allein ist noch zu wenig; die Mitwirkung des Herzzentrums ist erforderlich. Nur das Herz vermag die durch viele Jahrhunderte getrennten Bewusstseine zu vereinen. Das Herz ist als Grundlage für alle feinsten Tätigkeiten erforderlich.

       Wenn die Gedankenübertragung auf Entfernung von den Menschen angenommen worden ist, wird man die Bedingungen erklären müssen, die solche feinstofflichen Tätigkeiten leiten. Man wird sagen, es sei Harmonie notwendig, doch das legt noch nicht genau fest, welches Zentrum beteiligt ist. Das Herz ist auch bei der Gedankenübertragung auf Entfernung die wesentliche treibende Kraft.

       Stimmt eure Herzen, wenn ihr Gedanken sendet, denkt aber daran, dass einem angespannten Herzen ein feuriger Brand droht. Nur wer einen solchen, mit Worten nicht auszudrückenden Brand erlitten hat, kann von dessen unsagbarer Gefahr wissen. Diese Qual besteht in den größten heiligen Schmerzen. Sie entstehen aus der Unausgeglichenheit der Welten. Daraus entstehen auch verschiedene Herzerkrankungen. Der Mensch will nicht um seinen Mittelpunkt besorgt sein, der in allen Welten sein feuriges Korn bewahrt.

       Ihr habt gehört, dass man das innere Feuer gewaltsam zum Durchbruch nach außen hervorrufen kann. Eine solche Operation ist vollkommen möglich, doch sehr gefährlich, denn ein solches Feuer kann mit dem räumlichen Feuer in Berührung kommen und verderbliche Wirkungen schaffen.

       Die Bedeutung des Herzens ist umso erhabener, als es in Zukunft viele Apparate unnötig machen wird. Tatsächlich wird es in der neuen Epoche Menschen geben, welche die kompliziertesten Apparate durch sich selbst ersetzen werden. Jetzt erfindet man noch Roboter, doch nach dem Fieber des mechanistischen Denkens wird man seine Aufmerksamkeit wieder den Kräften des Menschen zuwenden.

       In Unserer Wohnstätte sind die Forschungen daraufhin ausgerichtet, den Menschen vom Joch der Maschinen zu befreien. Bei diesem Prozess ist es notwendig, das Herz zu erziehen. Man muss verstehen, der Stimme des Herzens Gehör zu schenken. Diejenigen, die Uns des Egoismus bezichtigen, mögen sich der namenlosen Werke erinnern.

 

       23. Urusvati hat oftmals Unsere Heilbehandlung durch Schwingungen erfahren.[5] Es beginnt die Zeit, in der die Medizin verwandelt werden wird, und zusammen mit physischen Medikamenten wird man Schwingungen und Suggestion* anwenden. Auf diese Weise werden die bekannten, außerordentlich hohen Dosen von Medikamenten verringert werden, da nur ein kleiner physischer Impuls erforderlich sein wird; die übrige Gesundung wird von Schwingungen und Suggestion abhängen.

      Die Homöopathie hat bis zu einem gewissen Grad den Verlauf der Medizin der Zukunft vorausgesehen. Natürlich können gegenwärtig nur diejenigen Homöopathen erfolgreich sein, die über ein hohes Maß an psychischer Energie verfügen. Es mag sein, dass sie nicht einmal wissen, worin der Erfolg ihrer Behandlung besteht, doch allmählich hören sie von der Harmonie der inneren und äußeren Einwirkungen, dann wird ein neues Heilverfahren beginnen. Jetzt, unter den von Unwissenheit bestimmten Bedingungen, entschließen sich die Ärzte nicht, wenigstens sich selbst einzugestehen, dass in hohem Maße ihre psychische Energie wirkt. Sie sind bereit, den Erfolg den schwächsten Medikamenten zuzuschreiben, und vergessen dabei ihren eigenen mächtigen Einfluss.

       Nur wenige richten ihre Aufmerksamkeit auf die Schwingungen, die bestimmt bei gewissen Schmerzen beginnen zu wirken beginnen. Gleichfalls bemerken sie nicht, dass nach Abklingen der Schmerzen auch die Schwingungen verstummen, die gerade erst die Bettstelle erbeben ließen. Bei Uns ist besonders die Heilung durch Schwingungen entwickelt, die auf weite Entfernungen hin wirken kann, wenn der Kranke diese feinstofflichen Einwirkungen aufnimmt. Die freiwillige Aufnahme ist unerlässlich, andernfalls brechen sich die Ströme und es folgt Unheil.

       Wir müssen auch in Unserer Wohnstätte des öfteren Schwingungen anwenden, besonders, wenn es für den feinstofflich-grobstofflichen Zwischenzustand[6] notwendig ist. Nicht zufällig sind Wir so um diesen feinstofflich-grobstofflichen Zustand besorgt. Dieses seit langem vom Schicksal bestimmte Problem erfordert ein besonders fürsorgliches Verhalten.

 

       24. Urusvati versteht die Wechselbeziehung zwischen Schlafen und Wachen. Für die einen ist der Schlaf der Gegensatz zum Wachen, doch für Uns ist der Schlaf die Fortsetzung der Arbeit in einem anderen Zustand. Es ist unmöglich, den Schlaf auf andere Weise richtig zu verstehen. Man darf auf keinen Fall die Lebensnotwendigkeit des Schlafes verneinen. Bestimmte Bedingungen können die Dauer des Schlafes verkürzen, aber nicht seine Notwendigkeit ausschließen. Auf den Höhen kann man sich mit vier Stunden Schlaf begnügen, doch dies ist erst ab einer bestimmten Höhe möglich.

       Glaubt nicht, wenn jemand versichert, er benötige keinen Schlaf. Ausgenommen die schreckliche Krankheit der Schlaflosigkeit fassen die Menschen den Schlaf als Teil des Daseins auf. Jeder Schlafzustand nähert den Menschen der Feinstofflichen Welt an. Es kann verschiedene Grade der Bewusstheit während des Schlafes geben, doch diese Klarheit des Bewusstseins muss man entwickeln. Der Mensch muss sich immer wieder sagen, dass, wenn er in den Schlaf sinkt, er sich zur Arbeit begibt. Wenn sein freier Wille sich dieses Axiom aneignet, wird es ihm umso leichter werden, seine Kräfte in der Feinstofflichen Welt anzuwenden. Mögen die Menschen nicht befürchten, dass auf diese Weise die Erholung verloren ginge. Sie bleibt in vollem Maß erhalten, denn in der Feinstofflichen Welt werden auch feinstoffliche Qualitäten angewendet, die nicht ermüden.

       Weitaus schlimmer ist es, wenn ein Mensch von irdischen Leidenschaften ergriffen in Schlaf fällt, ohne auch nur an irgendwelche Höheren Welten zu denken. Dann irrt dieser Mensch, statt mit lichtvoller Arbeit und Erkenntnis befasst zu sein, in dunklen Schichten umher, und man kann sich vorstellen, welche Begegnungen ihn dann ermüden werden! Möge das Einschlafen zu einem bewussten Übergang in die Höhere Welt werden. Der freie Wille wird einen wie Flügel emportragen. So spreche Ich über den Schlaf, um zu zeigen, dass auch Uns in Unserer Wohnstätte Schlaf eigener Art nicht fremd ist, der eine Übertragung des Bewusstseins in die Höheren Welten darstellt.

       Urusvati versteht es richtig, dass Wir die Äußerung des freien Willens nicht behindern, in ihr liegt Stärke.

 

       25. Urusvati hat vielen erklärt, warum man Uns die Weltregierung nennt. Wahrhaftig, jeder Mensch spürt in unterschiedlichem Maß, dass sich irgendwo der Mittelpunkt des Wissens befindet. Dort, wo das Wissen ist, ist auch die Macht. Nicht ohne Grund träumen die einen von Uns, während andere Uns hassen und Unsere Wohnstätte vernichten möchten.

       Bei Weltereignissen können Beobachter etwas feststellen, das oberhalb der menschlichen Logik steht. Oftmals haben sogar Ergebene Uns Verzögerung und Indifferenz vorgeworfen, doch diese eiligen Ankläger haben selbst nur einen Sektor der Ereignisse gesehen. Sie konnten die Ursachen und Wirkungen nicht erkennen. Sie konnten die Nebenumstände nicht vergleichen. Sie konnten nicht vorhersehen, wann gerade der entscheidende Schlag geführt werden musste. Wer ist imstande, den Großen Plan und die zu ihm führenden Stufen zu erkennen?

       Ihrem teilweisen Verständnis gemäß setzen die Menschen ihre eigenen Maßnahmen durch, doch Unsere Schüler unterbinden nie gewaltsam eine Entscheidung des Lehrers. Sie verstehen, wie ihr eigener freier Wille mit Unserer Entscheidung in Einklang zu bringen ist. Man muss ein großes Gleichgewicht besitzen, um das Vernünftige Unserer Führung anzuerkennen und nicht seinen eigenen freien Willen zu verstümmeln. Wir sind sehr um ein solches Gleichgewicht besorgt. Die besten Volksführer besaßen ein solches Gleichgewicht, und umso leichter war es, ihnen Unsere Entscheidung zu übermitteln.

       Der „Grüne Lorbeer“[7], von dem ihr oft gesprochen habt, vermochte Führerschaft mit Feinfühligkeit gegenüber den Ratschlägen der Bruderschaft zu vereinen. Die Weisungen von Saint Germain* nahm er in vollem Vertrauen auf, und darin bestand sein Erfolg. Vielleicht ist Saint Germain auch gekommen, um einen künftigen Führer vorzubereiten.

       Auf der ganzen Erde lassen sich die Marksteine Unserer Führung feststellen. Einige hohe Persönlichkeiten haben sie angenommen, doch bedauernswerte Parodien von Monarchen verwarfen Unsere Ratschläge und führten ihre Länder dadurch ins Elend. Doch auch solche Zustände wenden Wir zum Guten. Der Gedanke von der Tactica adversa* ist euch bekannt.

       Man kann daran erinnern, dass vor dem großen Krieg[8] ein bestimmter überheblicher Monarch Unsere Warnung erhalten hatte, doch er zog es vor, den Thron einzubüßen und missachtete Unsere Weisung[9]. Ebenso hörte ein anderes Staatsoberhaupt Unseren Gesandten nicht an und zog es vor, sein Land in Unruhen zu stürzen[10].

       Man darf nicht sagen, dass in alten Zeiten Weisungen häufiger gegeben worden seien; auch heute gibt es ihrer viele, doch wie ehedem ist das menschliche Ohr taub.

       Wir stehen auf der Wacht für die Welt.

 

       26. Urusvati hat Freunde oft vor Angriffen der finsteren Kräfte gewarnt. Solche Warnungen sind überall notwendig. Man sollte nicht denken, dass die Finsteren ihre Zerstörungen einstellen werden. Verwesung ist ihre Nahrung. Mord ist ihr Handwerk. Anschläge auf Geist und Körper sind ihre Freude. Man darf nicht annehmen, sie würden nicht versuchen, auch hinter die bestverteidigten Grenzen zu dringen. Sie ziehen es eher vor, zugrunde zu gehen, als von ihrer zersetzenden Arbeit zu lassen.

       Manche Leichtgläubige meinen, mechanisches Rezitieren der Höchsten Namen schütze sie bereits vor finsteren Angriffen. Doch nicht Mechanik, sondern das reine Feuer des Herzens allein vermag einen sicheren Schild zu schaffen.

       Die Winkelzüge der Finsteren sind verschiedenartig. Neben gröbsten Anschlägen kann es die raffiniertesten Berührungen geben, die auf die schwächste Stelle einwirken. Das Hineintragen von Zweifel ist das Lieblingsverfahren der Finsteren bei ihrer Annäherung. Der Zweifelnde ist bereits wehrlos. Man sollte meinen, ein solches Axiom sei ausreichend bekannt, doch wie viele sind gerade an diesem Gift zugrunde gegangen!

       Ich meine, dass insbesondere viele Gegner der Wahrheit von solchen Einflüsterern hervorgebracht werden. Die offenkundigen Wahnsinnigen sind nicht so gefährlich wie die kleinen Hinterlistigen. Neue Arten von Giften werden erfunden, warum also nicht mit neuen Arten von Hinterlist auftreten? An eine solche Überlegung über die finsteren Angriffe solltet ihr euch erinnern, wenn ihr euch das Innere Leben der Bruderschaft vorstellt. Wir sind ständig auf der Wacht. Es vergeht keine Stunde, in der man nicht irgendwo die ausgeklügeltsten Angriffe der Finsteren verhindern muss.

       Glaubt nicht, dass sie nur Unsere Nachfolger angreifen. Sie versuchen überall, jeden guten Aufbau zu zerstören. Nach dem Gesetz der Schwingungen erfassen sie ausgezeichnet, wo der ihnen verhassten Keim des Guten ist. Man braucht ihnen keine Allwissenheit zuschreiben, doch sie wittern, wo ihre Antipoden sind. Unsere Arbeit wird durch den Verlust von Energie für die Unterbindung der Vorhaben der Finsteren belastet. Sie wissen zwar, dass sie letzten Endes nicht mit Uns kämpfen können, träumen aber davon, die in den Raum gesandte Energie aufzusaugen. Wenn Wir daher auf Einigkeit und Vertrauen hinweisen, rufen Wir dadurch zum schnellstmöglichen Sieg auf.

       Viele Zeichen fliegen zu Uns. Niemand stellt sich vor, wieviel Zwietracht in der Welt herrscht! Die Menschen haben vergessen, dass jedes Land aus vielen Herzen besteht. Ihr Schmerz ist Unser Schmerz.

 

       27. Urusvati hat die Legende über den Aufbau eines Tempels durch Djins* gehört. Jede Sage enthält einen Teil Wahrheit. Ebenso wahr sind historische Angaben über alle Arten von Verrat, die den Aufbau begleiten. Es wird gesagt, dass Verrat der Schatten des Aufbaus ist. Der Schatten zeigt die Höhe des Bauwerkes an. Wir wurden durch alle Arten von Verrat geprüft. Man hat Uns durch alle Arten von Hinterlist versucht. Es wird gesagt: Um die Liebe zur Menschheit zu erhöhen, muss man ihre Abgründe durchschreiten. Wer aber wird genügend Geduld in sich finden, um in sämtliche Abgründe zu blicken und dabei den Glauben an den Aufstieg der Menschheit nicht zu verlieren? Unsere Wohnstätte offenbart sich als ein Bollwerk solcher Geduld. Und wer bei Uns war, von Uns gehört hat und in seinem Herzen Unsere Berührung trägt, besitzt bereits die Rüstung der Geduld. Wir schätzen diese Eigenschaft, sie gehört zur Unbegrenztheit.

       Die Menschen müssen in sich eine Vorstellung von der Unbegrenztheit finden, sonst werden auch Unsere Türme unzugänglich bleiben. Der Mensch muss sich in der Zeit von Leid und Elend Uns zuwenden. Ohne es selbst zu wissen, erfährt der Mensch Unsere Fürsorge, wenn sein Herz nicht versteinert ist. Sogar sehr Unerfahrene werden zum Aufbau zugelassen, wenn sie eine löwenartige Verfassung bewahren und die Hierarchie anerkennen. Mögen diese Arbeiter überzeugt sein, dass von ihrem Arbeitstisch aus ein unsichtbarer Faden zu Uns gespannt ist. Mögen solche Mitarbeiter ihre Kraft aus dem Bewusstsein der Existenz der Bruderschaft schöpfen.

      Unsichtbar helfen Wir ihnen. Wir finden die für sie notwendigen Bücher. Wir vereinen ihre Gedanken in der Hoffnung auf die fernen Welten. Wir festigen ihr Vertrauen. Wir finden für sie ein liebendes Herz. Mögen nur alle Schlangen und Skorpione vertrieben werden. So macht ihr euch mit einer wichtigen Seite Unseres Lebens bekannt.

       Ihr könnt euch vorstellen, wie Wir uns über jeden arbeitsamen Menschen freuen, den wir finden, der des Vertrauens würdig ist. Solche bestrebten Geister fürchten sich nicht, sich in Prüfungen zu befinden. Nur Hinterlistige fürchten, dass ein Lichtstrahl in die gewundenen Tiefen ihres Inneren eindringen könnte. Geöffnete Herzen bilden einen herrlichen Halsschmuck für die Höheren Welten.

       Ein Lehrer sagt sich nicht von seinen Pflichten los. Sein ganzer Tag ist von Pflichterfüllung erfüllt. Wem diese Worte schrecklich erscheinen, möge nicht an die Bruderschaft denken.

 

       28. Urusvati war von Unseren Blumen entzückt. Wir haben in der Tat eine Vervollkommnung mancher Arten erreicht. Bedeutsam war dabei vor allem die psychische Energie, welche die Entwicklung der Pflanzen fördert. Mit ihr zusammen gießen Wir mit sodahaltigem Wasser und wirken auf diese Weise sowohl von der äußeren als auch von der inneren Seite. Mittels der psychischen Energie kann man in weitem Maß Einfluss nehmen. Doch es ist notwendig, dies systematisch zu tun und dabei nicht zu vergessen, dass viel Zeit und Geduld erforderlich sind. Im allgemeinen verderben die Menschen viele erfolgreich begonnene Experimente durch Mangel an Geduld. Bei Uns sind zudem die Ausstrahlungen harmonisiert, und daher kann jeder den anderen mit einem gleichwirkenden Willen ersetzen.

       Die Menschen können nicht verstehen, wie sehr solche Forschungen für sie selbst nützlich sind. Die psychische Energie bedarf des Austausches. Wenn man sie Menschen zusendet, kann dies Erschöpfung hervorrufen, doch die Berührung mit der Pflanzenwelt wird keinen Rückschlag verursachen. Auch möge man nicht vergessen, dass Wir eine äußerst enge Zusammenarbeit mit der Feinstofflichen Welt pflegen, und dieses Reservoir kann die Energie leicht erneuern.

       Vielen fällt es schwer, sich vorzustellen, wie Wesen der drei Zustandsebenen zusammenarbeiten können, doch in Wirklichkeit ist das nicht kompliziert. Feinstoffliche Mitarbeiter sind oft sichtbar, denn dafür ist noch nicht einmal Ektoplasma* erforderlich; es werden vielmehr gewisse chemische Zusammensetzungen angewendet, die auf eine Verdichtung der Materie hinwirken. Sogar während des letzten Krieges[11] hat man viele Visionen bemerkt, doch ohne zu erkennen, dass die Ursache in gewissen chemischen Mithelfern liegt. Oft kann etwas, das für die grobstoffliche Welt zersetzend ist, für die Feinstoffliche Welt in gegenteiliger Weise dienlich sein, so verschieden sind die Bedingungen.

       Urusvati war erstaunt, dass auf Unseren Höhen Blumen tiefgelegener Gebiete existieren können. Man darf nicht meinen, eine solche Akklimatisation könne rasch vonstattengehen. Urusvati hat ihren tibetischen Bekannten im Blumenbeet gesehen. Wir halten auch im Inneren der Räume viele Pflanzen. Für viele Versuche ist die lebendige Substanz lebender Pflanzen notwendig. So raten Wir dazu, sich des öfteren mit Pflanzen zu unterhalten. Solche Ströme sind der Feinstofflichen Welt sehr nahe. Ich bestätige, dass Wir Unsere Kraft allem Existierenden zusenden. Auf diese Weise entsteht jene organische Einigkeit, auf der Wir so oft beharren.

 

       29. Urusvati schätzt Unsere Hilfe. Wer etwas schätzt, geht auch behutsam damit um. Jede wahre Zusammenarbeit erfordert vor allem Behutsamkeit. Man darf mit der Hierarchischen Zusammenarbeit nicht nach seiner zufälligen Stimmung verfahren. Aus Hochachtung muss man der Stimme eines Älteren Bruders aufmerksames Gehör schenken. Sogar jene, die sich aus Unwissenheit Unsere Bruderschaft nicht vorstellen können, können dennoch die Existenz überirdischer Stimmen begreifen.

      Wer sich Unsere Bruderschaft vorstellen kann, sollte sich gegenüber Unserer Wohnstätte entsprechend verhalten; er sollte verstehen, dass jedes leichtsinnige Schwanken den Gedankenfluss des Lehrers stören muss. Jedes unwürdige Wort entstellt irgendetwas. Jeder zerrissene Faden dreht sich zu einer Schlinge. Dies ist nicht als Einschüchterung gemeint, sondern als Wunsch nach besseren Errungenschaften.

       Es ist richtig, sich der uralten Weisheit Indiens zu erinnern, in der die Pflicht gerade der Bestimmung des Menschen entsprach. In seiner tiefsten Wurzel ist das Konzept der Pflicht ein und dasselbe, und es wirkt entsprechend in seinen Verästelungen. Uns ist der Begriff des Lehrers heilig. Jeder von Uns hat einen Lehrer, und auf dieser Leiter gibt es unzählige Sprossen. Auch an der Spitze eines Planeten zu stehen, bedeutet keine Vollendung. Es kann keine Vollendung geben, und darin liegt Freude.

      Wenn man die unsagbaren Namen der höchsten Herrscher nennen wollte, würde dies großen Schaden nach sich ziehen. Ein solcher Verrat könnte doch gewaltige Wirkungen haben. Es könnte sichtbare und unsichtbare Ausbrüche geben, umso mehr muss man sich eine behutsame Einstellung gegenüber der Hierarchie angewöhnen.

       Es hat eine Zeit gegeben, in der man es verstand, sich dem Begriff des Höchsten gegenüber besser zu verhalten, doch heute wird der Große Dienst nicht verstanden. Es scheint, dass sich die Feinstoffliche Welt annähert und dass Wir viel zu viel erwähnt werden, doch der finstere Abgrund wird nicht kleiner. Sogar der Begriff des Lehrers selbst steht in Zweifel. Nicht nur einmal habt ihr gehört, dass Menschen, die genug über Uns wissen, unanständig über die Bruderschaft gesprochen haben; in solchen Äußerungen ist Zerstörung enthalten.

       Man will Uns die Art und Weise der Hilfe vorschreiben, doch ein solcher Zwang bewirkt eine Brechung der Ströme. Ein sparsamer Hausherr bedauert jede Verschwendung. Große Freude wäre bereits eingetreten, wenn diejenigen, die von der Hierarchie wissen, ihre Öllampen freiwillig dargebracht hätten.

       Freiwilligkeit ist Unsere antreibende Kraft.

 

       30. Urusvati ist mit vielen Lichterscheinungen vertraut. Solche Wetterleuchten werden als geistige Scharfsicht bezeichnet. Für sich allein bedeuten die Lichterscheinungen nichts Besonderes, doch sie sind wie Banner auf dem Weg zu Uns. Ein schwaches Nordlicht wird von den Menschen nicht bemerkt; ebenso ist auch ein erstes Aufflammen des Geistes vielen nicht offensichtlich.

       Man kann verfolgen, wie aus kleinen Lichtpunkten Flammen auflodern, die bis zu einem regenbogenartigen Leuchten anwachsen. So kann auch um Menschen herum eine herrliche Aura aufflammen. Diese Lichterscheinungen sind in Unserer Wohnstätte besonders gut erkennbar. Seit alten Zeiten wird dieses Licht gesammelt und kann auf Wunsch hell erstrahlen. In Legenden werden Menschen erwähnt, die in der Lage sind, ein blendendes Licht um sich herum hervorzurufen; so kann man sich auf Wunsch mit der feurigen Kraft umgeben.

       Die Menschen müssen sich an die Möglichkeit solcher Erscheinungen gewöhnen. Schon jetzt können manche Leute Auren unterscheiden, doch andere reiben sich die Augen und denken, dass mit ihrem Sehvermögen etwas nicht in Ordnung sei. Oft erweckt ein Leuchten mitten am Tag den Eindruck von Verschwommenheit, so verschiedenartig sind die Wahrnehmungen des Leuchtens. Bei Uns ist diese Eigenschaft so weit verstärkt, dass man bei seinem eigenen Licht lesen kann.

       Man muss sich vorstellen, wie das Konzept der Finsternis allmählich schwindet, da alles Umgebende erfüllt ist von Feuern, Strahlen, Lichtsäulen und Myriaden von leuchtenden Punkten. Eine solche Umgebung ist bei geöffneten und bei geschlossenen Augen gleich wahrnehmbar. Die Finsternis schwindet nämlich. Nur in den niederen Schichten der Feinstofflichen Welt herrscht ein Zustand des Halbdunkels, denn deren Bewohner verstehen es nicht, an das Licht zu denken. Sogar eine solche Erscheinung hängt vom Denken ab. Denken schafft Licht. Ein Denker sendet nämlich den Befehl aus: Es werde Licht! So werden Wahrheiten gelehrt, doch die Menschen halten sie für Märchen.

       Nur im Geist und in der Erfahrung kann man die höchst natürlichen Gesetze erfassen. Es ist nicht leicht, die Widerstände der Umgebung zu überwinden. Unsere Wohnstätte ist so stark, weil es in ihr keine Zersetzung gibt. Der Wille Aller fließt zu einem einzigen mächtigen Strom zusammen. Der Dynamo der Einigkeit vermehrt alle Energien. Nicht Magie, sondern der geläuterte Wille sendet den Befehl in die Welt hinaus: Es werde Licht!

       Man muss Unsere Wohnstätte als einen Triumph der Einigkeit betrachten.

 

       31. Urusvati versteht die Ursache der Langlebigkeit Unserer Gestalten richtig. Die Verbindung mit der Feinstofflichen Welt verleiht eine besondere Qualität, die zur Feinstofflichen Welt gehört. So verändert sich die Gestalt nicht, es sei denn auf ausdrücklichen Wunsch. Der Gedanke schafft Formen in der Feinstofflichen Welt. Man kann aus den Tiefen der Zeitalter beliebige Formen hervorrufen und sie verdichten, wenn genügend Vorstellungskraft vorhanden ist. Doch gibt es neben den Bedingungen der Feinstofflichen Welt in Unserer Wohnstätte noch die Erscheinung der Einigkeit. Eine solche Bedingung kann in allen Einzelheiten des Daseins hilfreich sein. Sie schafft eine heilsame Atmosphäre und schmiedet ein dauerhaftes Bewusstsein.

       Ihr habt gehört, dass Unsere Brüder durch Berührungen mit der irdischen Disharmonie erkrankten. Nicht nur einmal haben Sie unter der lang andauernden Uneinigkeit unter den Menschen gelitten. Daher suchen Wir selten Städte auf. Diese Auftritte sind mit außergewöhnlichen Umständen verbunden und dauern nicht lange an. Dabei verweilen Wir in ein und derselben Stadt nur äußerst kurze Zeit. Es lassen sich in der Natur Orte finden, an denen die Ströme der Zersetzung nicht allzu stark sind. Sowohl in Frankreich als auch in England gibt es in der Nähe von Städten gelegene Wälder, die genügend Ozon enthalten, das für Uns unentbehrlich ist. Man darf sich nicht wundern, dass sogar Unsere aufgespeicherte Energie Ozon benötigt. Man soll nicht denken, dass Wir nicht stark genug wären, um die Fluida der Massen auszuhalten. In Wahrheit können Wir die Energie bis zu einer gewaltigen Anspannung konzentrieren, doch in allem bedarf es der Angemessenheit und Behutsamkeit.

       Ihr habt gelesen, wie belastend die Auren mancher Semindare[12] für Unseren Bruder waren. Natürlich hätte Er sie mit einer einzigen Entladung von Energie zurückschlagen können, doch eine solche Tötung war nicht Teil des Auftrags Unseres Bruders. So ist es eben in vielen Fällen notwendig, sich angemessen zu verhalten und den Strahl auf den höchstmöglichen Nutzen zu richten. Eine solche Angemessenheit bestimmt die Vorschriften der Bruderschaft. Den Ansturm der Finsternis zurückzuhalten, jene zu schützen, die ihre eigenen Kräfte nutzen und alle möglichen Verhältnisse zum Heil anzuwenden, dies ist die Erfüllung Unserer Satzung.

 

       32. Urusvati hat die Existenz eines bestimmten Stoffes vorausgeahnt, der das Gleichgewicht und die Langlebigkeit des Organismus bewahrt. Ich werde die vollständige Zusammensetzung dieses Stoffes nicht nennen, da er für den grobstofflichen Zustand zerstörerisch sein kann. Starke Radioaktivität entspricht dem feinstofflichen Zustand, kann aber den grobstofflichen Körper zersetzen. Unter irdischen Bedingungen kann sogar Baldrian zu stark sein; daher muss man verstehen, die Wechselbeziehungen verschiedener Stoffe zu unterscheiden.

      Zum Beispiel wurde bei dem bekannten Experiment Meines Freundes ein äußerst starkes Gift angewandt, das für jeden Menschen tödlich gewesen wäre. Da der Körper Meines Freundes jedoch dem feinstofflichen Zustand bereits nahe war, war die Wirkung eines Giftes nützlich. Man könnte viele Beispiele nennen, bei denen die Wirkung eines Giftes nicht zum Tod führte. Man kann den Grund dafür in einem besonderen Zustand des Organismus suchen.

       Bei Menschen ist oft ein besonderer physiologischer Zustand zu bemerken, wenn sie, ohne es zu wissen, die Feinstoffliche Welt berühren. Besonders bemerkenswert ist, dass solche Menschen von den verschiedenen Welten oft gar nichts wissen. Irgendwo in der Tiefe des Bewusstseins ist eine Möglichkeit verborgen, die aber nicht in Worte gefasst werden kann. So wenden Wir oft die Tactica adversa an, um das menschliche Bewusstsein zu wecken. Dabei ist es notwendig, das Geschehen bis zum Absurden zu führen, anders können die Schlafenden nicht erwachen. Bei weltweiten Ereignissen ist dieselbe Taktik unerlässlich. Es ist unmöglich, die Lage der Dinge in ihrem natürlichen Fluss aufzuzeigen.

       Ihr habt oft bedauert, dass die große Prägnanz des menschlichen Charakters früherer Epochen verlorengegangen ist. Man muss anerkennen, dass dies der Wahrheit entspricht. Wir sehen, wie sehr die psychische Energie nach und nach verkümmert. Sie wird nicht zur Tätigkeit aufgerufen und schläft ein, wobei sie ihre Feurigkeit einbüßt. Es gibt keine Reibung, die das Feuer hervorruft. Dadurch bleibt Unsere Wohnstätte fernliegend, und jede Erwähnung von ihr klingt abstrakt. Wir bedauern das nicht. Ich bestätige, dass gerade die Schlacht die Kraft der Bruderschaft zeigt. Groß ist die Schlacht in den Tagen des Harmagedon!

       Wir legen das Ohr an die Erde, und dort wächst die Anspannung.

 

       33. Urusvati freut sich, wenn sie bei jemandem eine Erweiterung des Bewusstseins bemerkt. Man kann sich wahrhaftig freuen, wenn der ganzen Welt ein solches Geschenk dargebracht wird. Man darf die Erweiterung des Bewusstseins nicht als eine persönliche Bereicherung ansehen, in jeder solcher Läuterung ist auch das Allgemeinwohl mit inbegriffen. Die Welt begrüßt jedes Aufblitzen von Erweiterung des Bewusstseins: Das ist ein wahrer Festtag!

       In einigen Mysterien wurde die Erweiterung des Bewusstseins mit dem Erwachen des Frühlings gleichgesetzt. Niemand vermag den gesamten Wachstumsprozess von Gräsern zu verfolgen, doch jedes Herz erfreut sich der Frühlingsblumen. Ebenso unmöglich ist es, die Einzelheiten der Erweiterung des Bewusstseins wahrzunehmen, die Verwandlung des Menschen ist jedoch offensichtlich. Der Verwandelte selbst weiß gar nicht, wann seine Erneuerung begonnen hat. Er kann nicht sagen, auf welche Weise sein neues Bewusstsein gewachsen ist. Nicht selten wird ein Mensch die unbedeutendsten Vorfälle nennen und außergewöhnliche Begebenheiten übersehen, die auf ihn eingewirkt haben.

       Nicht zufällig sind die drei- und siebenjährigen Fristen genannt worden; allein über solche Perioden hinweg kann man eine Veränderung des Bewusstseins bemerken. Doch Wir und die Uns Nahestehenden, die einen Auftrag erfüllen, können auch kürzere Fristen des Wachstums des Bewusstseins feststellen. Ein Gärtner kennt sein Blumenbeet selbst am besten, und so verfolgen auch Wir aufmerksam jede Aufspeicherung von Bewusstsein bei denen, die Uns nahe stehen. Es gibt viele Gründe für eine solche Beobachtung.

       Man kann bestätigen, dass jede gute Annäherung an Uns im Verlauf mehrerer Jahrhunderte nicht folgenlos bleiben wird. Wir verstehen es, dankbar zu sein – diese Eigenschaft wird in Unserer Wohnstätte als unerlässlich angesehen. Jede Bestätigung der Bruderschaft bringt ihre gute Ernte ein. Jede Unterstützung Unserer Arbeit wird geschätzt. Keine wohlmeinende Erwähnung der Bruderschaft wird vergessen. In Unseren Aschrams werden Aufzeichnungen solcher guten Taten verwahrt. Wir lieben es, jedes Lächeln des Guten zu vermerken. Und Unsere Schüler verstehen es ebenso, sich eines liebevollen Wortes über die Bruderschaft zu erfreuen. Niemand kann diese lichtvolle Freude gewaltsam lehren. Niemand kann Dankbarkeit anordnen. Nur ein erweitertes Bewusstsein zeigt an, wann man des Guten noch mehr tun kann.

       Die Menschen sprechen gar nicht gern über das Bewusstsein. Denn jede Verbesserung ist ihnen lästig. Sind es viele, die nach der Schule die Suche nach Erkenntnis fortsetzen? Man muss das gesamte Leben verwandeln, damit Erkenntnis zu einem beständigen Bedürfnis wird. Wir freuen Uns über jedes Erwachen des Bewusstseins und bezeichnen als Zeichen des Erfolges den Wunsch, über die Bruderschaft nachzudenken; selbst wenn es nur darüber wäre, wie man sich der Bruderschaft zuwenden und ihr anschließen kann.

 

       34. Urusvati ist bestrebt, jede Stunde nützlich zu verwenden; ein solcher Entschluss bildet sich in Unserer Wohnstätte heraus, in der man die Stunden nicht zählt. Kann man angesichts der Länge des Lebens nach Stunden streben? Bei Uns gibt es keine irdischen Stunden, da die Arbeit sich nicht nach künstlichen Maßeinheiten aufteilen lässt. Außerdem ergehen von allen Enden der Erde her so viele Anrufe und Hilfsgesuche an Uns, dass die Tätigkeiten unmöglich nach Stunden eingeteilt werden können. Wir müssen das Bewusstsein in einer solchen Anspannung halten, dass Wir jede Sekunde bereit sind, den Willen an den Bestimmungsort zu senden.

       Zweifellos wird man Uns beschuldigen, Hilfe an Unwürdige oder in unzureichendem Ausmaß zu senden. Die Menschen urteilen nach alltäglichen Maßstäben und können nicht auf Ursachen und Wirkungen schauen. Ich spreche nicht nur von der Angespanntheit der Arbeit, sondern auch von der Scharfsicht, die es ermöglicht, augenblicklich abzuwägen und zu entscheiden, wann welche Handlung die nützlichste ist. Jede Bitte um Hilfe trägt die Ausstrahlung der Vergangenheit und den Wohlgeruch der Zukunft mit sich. Man muss solche Harmonien in seinem Bewusstsein vereinen und den Sinn der Disharmonie verstehen. Man darf nicht jemanden unterstützen, der zum Bösen bereit ist, muss aber dort Hilfe leisten, wo ein Mensch leidet. Oft sind Gegensätze unvereinbar, und nur die Kenntnis der Vergangenheit hilft, das Gleichgewicht zu finden.

      Gleichzeitig wird keine Bitte an Uns zurückgewiesen. Bringt der Mensch doch in der Minute des Ersuchens bereits sein Bekenntnis zum Ausdruck, und eine solche Realität lebt schon im Raum. Wir werden an der Stimme des Bittenden nicht vorübergehen. Wir werden kein Flehen abweisen, doch Wir werden alle heilsamen Dinge sammeln, um in zweckmäßiger Weise zu helfen. In diesem Konzept ist eine besondere Scharfsicht enthalten.

       Wir sind immerfort tätig und müssen in eigener Verantwortung entscheiden, wo die Hilfe notwendiger und dringender ist. Unsere Schwester hat sich in weit zurückliegender Zeit die Fähigkeit angeeignet, jederzeit zu der Arbeit zu streben, die am nützlichsten ist. Eine solche Eigenschaft kann nicht schnell erworben werden. Man muss sie in verschiedenen Umständen bestätigen, damit sie zu einer Quelle der Freude wird. Diese Quelle vermittelt Befreiung von Gereiztheit. Der Gedanke an Arbeit in Unbegrenztheit verleiht auch ein Streben ohne Folgen[13]. Es wird keinen Gedanken über die Vergangenheit geben, und im Flug nach vorn werden die Folgen des Gewesenen beseitigt. So verleiht der interplanetare Wirbel Lebensmut und stört die Freude des erweiterten Bewusstseins nicht.

 

       35. Urusvati erinnert sich vieler Wechsel ihres langen Lebens. Diese Erinnerungen belasten das Bewusstsein nicht, sondern bereichern es nur. Eine rechte Einstellung zu früheren Leben ist sehr selten. Gewöhnlich begeistern sie nicht für die Zukunft, sondern ketten an die Überreste der Vergangenheit. Daher kann man den Menschen nur selten eine Kenntnis ihrer vergangenen Leben ermöglichen. Vieles wird vom gegenwärtigen Bewusstsein nicht aufgenommen. Die Menschen können überhaupt nicht verstehen, warum sich berühmte und arbeitsreiche Inkarnationen abwechseln. Das Trugbild eines Königs oder einer Königin hindert zu erkennen, welche Vervollkommnungen noch nötig sind. Die irdische Denkweise begreift nicht, wie sehr eine Verkörperung voller Arbeit das Bewusstsein über alle Machthaber der Welt erhöhen kann. Umso wertvoller ist es, wenn schon im irdischen Zustand ein Verständnis für den Aufstieg des Geistes reift.

       Viele, die von irgendeiner eigenen berühmten Verkörperung erfahren haben, verfallen in Stolz. Noch schlimmer ist es, wenn Menschen sich aus unechten Chroniken nie dagewesene Charakterzüge herauslesen, sie nachzuahmen beginnen und damit nur ihren Pfad verdunkeln. Jeder alte Geist hat irgendwann auch einmal berühmte Verkörperungen durchlebt. Auf diese Weise entsteht die Fähigkeit, die Massen zu führen, doch unter vielen Eigenschaften wird eine solche Fähigkeit nicht die erste sein.

      Die Verfolgten lernen mehr als die Verfolger. Alle Gebiete mühsamer Arbeit sind voller Entdeckungen. Prüfsteine sind an allen Wegkreuzungen verstreut. Ich erinnere daran, weil auch Wir über alle Prüfsteine hinweggeschritten sind. Wir haben den Schmerz vergessen und Leiden sind in Freude verwandelt worden. Selbst Unsere Peiniger kämpfen irgendwo und steigen durch Arbeit auf. Unsere Wohnstätte könnte nicht existieren, wenn Wir es Uns einfallen ließen, Unseren Peinigern zu drohen. Der Verlauf des Karmagesetzes ist unabänderlich.

       Wir erinnern Uns Unserer Inkarnationen. Wir müssen Uns ihrer nicht Unseretwegen erinnern, sondern um aller Begegnungen willen, die Wir beschlossen haben, nicht zu vergessen. Das Erscheinen eines Wanderers auf den irdischen Pfaden bringt sogar verschiedenartige Menschen einander näher. Das Erwarten der Fristen, die Freude der Begegnung, die Trauer des Abschieds – kein menschliches Gefühl geht verloren. Wer gemeinsam sich gefreut oder getrauert hat, wird das über lange Zeitalter hinweg nicht vergessen.

       Urusvati erinnert sich vieler Begegnungen. Das Gefühl, das durch sie erzeugt wird, bleibt über Jahrtausende hinweg lebendig. Eine solche Erinnerung an ein Gefühl kann eine Erweiterung des Bewusstseins schaffen. Die Feuer des Gefühls entflammen in voller Unverletzlichkeit. Irdische Worte bringen sie nicht zum Ausdruck, das Herz jedoch schlägt ebenso wie Jahrtausende zuvor. Auch heute wird, genauso wie damals in der Wüste, der Regenbogen über Christus leuchten. Auch die Freude über Hellas lebt. So geht auch der nordische Glaubenskämpfer[14] nahe vorbei. Ebenso gibt es viele Begegnungen sowohl in der Feinstofflichen Welt als auch in dem Land, in dem Wir jetzt gerade sprechen.

       Inmitten des inneren Lebens der Bruderschaft darf man dieses lebendige Gefühl nicht vergessen. Die Wohnstätte des Wissens kann ohne Gefühl nicht leben. Ein Gedanke des Wissens wird auch ein Gedanke des höchsten Gefühls sein. Ohne dieses wird es weder Märtyrer noch Glaubenskämpfer noch Sieger geben.

       Wir besitzen sowohl künstlerische Darstellungen als auch Teraphime, die einer Verstärkung der Hilfe dienlich sind.

 

       36. Urusvati versteht die Bedeutung der Ruhe, die für das Handeln unentbehrlich ist. Es gibt viele Erklärungen für diese Eigenschaft. Die einen nehmen an, dass es ohne Willensanstrengung keine Ruhe geben könne. Andere sehen Ruhe als einen angeborenen Charakterzug an, und dritte sagen: Ein schiefer Anfang wird auch ein krummes Ende ergeben. Das Offenbaren von Ruhe sei von der Arbeitsmethode abhängig. Alle diese Bemerkungen enthalten einen Teil Wahrheit. Oft vergisst man jedoch gerade das Grundlegendste, nämlich die Erfahrung. Auch ein junger, unerfahrener Seemann gerät in Aufregung, wenn er ein Schiff betritt, doch nach zehn Seefahrten überrascht er die Umgebung durch seine Ruhe.

       Unsere Taten sind voller Ruhe. Wie erfahrene Seefahrer kennen Wir die unzähligen Stürme und die Mittel für den Kampf mit ihnen. Das Chaos und die Finsternis zu überwinden ist die gewöhnlichste Unserer Offenbarungen. Keine unverhoffte Schlacht, sondern Tätigkeit ist der Inhalt eines jeden Tages.

       Zu Recht nehmt ihr an, dass durch die Verlängerung einer Linie eine andere verkürzt wird[15]; ein solches Vorgehen muss jedoch mit bewusster Ruhe verbunden sein. Sie wird nicht unempfindlich von Narkotika, sondern muss im Gegenteil die vernünftige und erfahrene Anwendung zweckdienlicher Kräfte sein. Über Ruhe ist vieles gesagt worden, und nicht selten wird sie beschrieben, als sei sie ein erstarrter Eisblock. Was für ein Irrtum!

       Ebenso wird auch der Begriff des Nirwana* verleumdet. Die Ruhe der Handlung ist die höchste Anspannung, das Leuchten des Blitzes und das schützende Schwert. Ruhe ist weder Schlaf noch ein Grab, denn aus ihr wird die schöpferische Idee geboren. So möge man daran denken, dass Unsere Wohnstätte voller Ruhe ist. Die Offenbarung einer solchen Anspannung ist unsichtbar, denn der Mensch versteht eine solche Anspannung nicht. Unzählige Erfahrungen zeigen, dass man lächeln, arbeiten und Energie aufspeichern kann – nämlich in solcher Ruhe.

 

       37. Urusvati trägt Furchtlosigkeit in ihrem Herzen. Wir können bestätigen, dass diese Eigenschaft durch Vertrauen und lange Erfahrung aufgespeichert wird. Upasika[16] hat ein Beispiel völliger Furchtlosigkeit im Leben gegeben. Unter allen Umständen war sie mutig, und Furcht schlich sich bei ihr nicht ein. Ein sehr weit zurückliegendes Leben Upasikas war voller Möglichkeiten für Angst. Es ist traurig zu sehen, wie verschiedene Verfolgungen zustande kamen, ihr Name wurde verleumdet, Mittel waren nicht vorhanden und von überall her drohten Ankläger. Wahrhaftig, ein Prüfstein der Furchtlosigkeit! Solche Beispiele können aus mehreren Jahrhunderten aufgezeigt werden. Jeder von Uns hatte nicht nur einmal Gelegenheit, Furchtlosigkeit zu zeigen.

       Man sollte nicht denken, dass Wir im irdischen Leben vor allen Angriffen der Finsternis geschützt seien. Wer einen irdischen Auftrag ausführt, befindet sich auch unter irdischen Bedingungen. Gewöhnlich denken die Menschen, dass Wir Uns immerwährend in Gefahrlosigkeit befänden, und machen Uns so zu Wesen, die es gar nicht gibt. Wir können verhältnismäßig viel überwinden, doch die Schlacht ist eine echte Schlacht. Wir bleiben Sieger, denn die Hierarchie des Lichts kann von der Finsternis nicht überwältigt werden.

       Wenn eine Unserer Schwestern ausruft: „Entsetzlich!“, so zeigt sie keine Furcht, sondern weiß nur die Anspannung zu schätzen.

       Wir sind Wanderer in den fernen Welten; dort kann man viele Lehrstunden in Furchtlosigkeit nehmen. Die fremden Bedingungen der Planeten und die ungewohnte Atmosphäre können das Herz des Besuchers beeinflussen. Unsere Schwester Urusvati kennt die Empfindung bei fernen Flügen. Sie kennt das besonders schwere Gefühl bei der Rückkehr des feinstofflichen Körpers, es können doch immer Komplikationen auftreten. Und viel Mut ist bei einem solchen Experiment erforderlich. Man muss sich bei Uns die Skizzen ferner Flüge ansehen, um den Grad der Kühnheit zu erkennen.

       Bei den irdischen Menschen ist das Streben zu Flügen erwacht. Einige erinnern sich ihrer kühnen Träume, andere fliegen wie Vögel fort, doch gerade das Streben nach oben drückt diesem Jahrhundert seinen Stempel auf. Schon vor langem wurden eiserne Vögel angekündigt[17], und eine solche Feststellung bestätigt die Neue Epoche.

 

       38. Urusvati hütet den Gedanken von der Mutter der Welt*. Die Frauenbewegung hat eine besondere Bedeutung für die allernächste Zukunft. Man darf diese Bewegung nicht als Behauptung einer Vorrangstellung ansehen, sondern als Herstellung von Gerechtigkeit. Vieles ist über Angemessenheit und Gleichgewicht gesagt worden; gerade für die Erkenntnis dieses Prinzips muss man das volle Recht der Frau stärken. Man sollte nicht denken, dass diese Maßnahme nur zum Nutzen der Frau ist; sie wird zum weltweiten Gleichgewicht beitragen und ist dadurch für die Harmonie der Evolution unabdingbar.

       Wir arbeiten daran, Maßnahmen zur Herstellung des Gleichgewichts einzuführen, doch bei dieser Arbeit treten besonders viele Widerstände hervor. In verschiedenen Völkern sind Züge ein und desselben überlebten Atavismus[18] vermengt. Daher darf man nicht nach Nationalitäten urteilen und muss sich unverzüglich in das Spinngewebe der verwickelten persönlichen Verhältnisse vertiefen. Leider hilft selbst die Frau nicht immer in dieser Situation. Umso mehr schätzen Wir die Arbeit Unserer Schwestern. Sie vernachlässigen die ihrem Herzen so teuren fernen Flüge, besuchen eifrig Familien am Herd und führen unermüdlich Gespräche, die bisweilen überaus belastend und traurig sind.

       Möge Unsere Schwester sich ins Gedächtnis zurückrufen, wie oft sie im feinstofflichen Körper mit unbekannten Frauen gesprochen hat. Wie oft war sie Zeugin von Streit und Unverständnis, doch die Tat der Aufklärung zögert nicht. Ganze große Völker streben nach Wissen. Mit dem Wissen wird auch das volle Recht eintreten.

      Wir können ein Diagramm der Frauenbewegung aufzeigen, und das Resultat ist überaus tröstlich. Man darf nicht routinemäßig denken. Die Welt ist jetzt aus dem gewöhnlichen Rahmen herausgetreten. Das Schiff hat den Kurs verloren, doch dafür beschleunigt ein Wirbelwind die Bewegung.

       Wir sind am Steuer, aber auch die anderen Seefahrer müssen mithelfen. Der Schrecken des Harmagedon kann durch einen Erfolg abgelöst werden. Man muss allerdings das Harmagedon erkennen und den Sinn der Hierarchie verstehen. Die Rolle der Frau in der Weltwirtschaft wird gestärkt, nie zuvor wurden so viele Frauen zu hohen Ämtern herangezogen. Unsere Ratschläge dringen auf weiten Gebieten durch.

 

       39. Urusvati hat Mitleid mit den Menschen, welche die Bruderschaft ablehnen. Wir bedauern jeden, der sich selbst des Wissens um das Bollwerk der Erde beraubt. Wenn ein Mensch das unerschütterliche Bewusstsein in seinem Herzen bewahrt, dass irgendwo Arbeit zum Wohl der Menschheit geleistet wird, schließt er sich dadurch bereits an dieses rettende Denken an. Mag dies zunächst ein Traum sein, mag es nur manchmal aufblitzen wie das Strahlen eines Wetterleuchtens, so zeugt doch jedes Wetterleuchten bereits von einer im Inneren verborgenen Energie. Der Mensch darf sich nicht gegen die Verwirklichung der Wahrheit erheben.

       Jeder, der das Wort „Bruder“ ausspricht, errichtet schon eine Brücke in die Zukunft.

       Die Menschen sollten sich vor Augen halten, dass jede Anerkennung ebenso wie jede Schmähung der Bruderschaft bis zu Uns vordringt. Wie die Welle eines Stromes über die ganze Erde fliegt, so erreicht auch der Klang des Wortes „Bruderschaft“ Unsere Wohnstätte. Vergesst nicht, dass das Wort „Bruderschaft“ von Uns gehört wird; es zieht wie ein Magnet alles mit ihm Zusammenklingende zu sich heran.

      Umso mehr kann man die Schmäher der Bruderschaft bedauern. Sie wollen nicht begreifen, an welche Macht sie rühren. In ihrem bösen Unglauben sagen sie: „Die Bruderschaft existiert nicht.“ Wenn man ihnen aber vorschlägt, ihre Behauptung zu beweisen, werden sie wiederholen, dass sie die Bruderschaft nicht gesehen hätten. Sie haben jedoch sehr vieles auf diesem Planeten nicht gesehen; bedeutet das etwa, dass all dies nicht existiert? Die Schmäher können das Nichtvorhandensein der Bruderschaft nicht beweisen, deshalb sind sie so gereizt bei jeder Erwähnung Unserer Wohnstätte.

       Es wäre sehr wünschenswert, die Schmäher tiefgehender zu befragen und sie nicht in ihrem Anfall von Lästerung zu belassen. Der Wahrheit entsprechend ist gesagt worden: „Man hat sich nicht nur für böse Worte, sondern auch für nicht ausgesprochene gute Worte zu verantworten.“ Viele Aussprüche aus ferner Zeit unterweisen die Menschheit mittels einfachster Wahrheiten, doch sie sind auch für die heutige Zeit neu. So lasst uns sehr behutsam mit dem Begriff der Bruderschaft umgehen. Lasst uns nicht vergessen, dass feinfühlige Apparate jedes Wort über die Bruderschaft verzeichnen.

       Lasst uns nicht zu denen zählen, die absichtlich oder unabsichtlich Verrat begehen. Es ist eine besondere Krankheit der Lästerung, wenn ein Verzweifelnder die Höchsten Kräfte durch Schmähungen zu einer Antwort aufzurufen sucht. Doch dies ist eine Krankheit. Man darf ihr nicht die unwissenden und bösartigen Schmäher hinzurechnen. Sie verzweifeln nicht, sondern ergötzen sich an der Zerstörung der besten Träume der Menschheit. Sie können von der Bruderschaft keine Zeichen erhalten. Keine schönen Gedanken steigern ihre Kreativität, daher bedauern Wir alle, welche die Bruderschaft ablehnen.

 

       40. Urusvati nimmt in ihrem Herzen alles wahr, was in der Welt vor sich geht. Alle Handlungen lassen sich in herzliche und herzlose einteilen. Eine solche Einteilung muss man besonders jetzt der Menschheit in Erinnerung bringen. Herzliche Wahrnehmungen können sich vereinigen, ungeachtet vieler Unterschiede. Herzlosigkeit jedoch bedeutet eine Vereinigung von finsteren Kräften. Unter ihnen wird man keine Mitarbeiter der Bruderschaft finden. Erinnert man sich all der Wege Unserer Mitbrüder, so wird man nicht eine einzige herzlose Handlung finden. Die Erscheinung des flammenden Herzens führte Sie auf den Scheiterhaufen, ans Kreuz und zu allen Martern, die von boshaften Unwissenden ersonnen wurden.

       Wir haben Uns nicht vom Leben entfernt. Wenn Wir Uns zeigten, unterschieden Wir Uns nicht von den übrigen Einwohnern. Ihr selbst könnt bezeugen, dass D. K.[19] sich nicht von den Lamas unterschied, als Er zu einer Begegnung mit euch erschien. Urusvati hat das Ungewöhnliche sofort gespürt, doch die äußere Erscheinung hätte ebenso dem Klostervorsteher zugeschrieben werden können.

      So zeigen auch alle Mitbrüder und Mitarbeiter äußerlich ein gewöhnliches irdisches Aussehen. Doch bei aller Herkömmlichkeit des Aussehens schimmert die Herzlichkeit aus jedem Blick und jedem Lächeln hindurch. Mag kann diese Eigenschaft der Herzlichkeit auch mit einem anderen, mehr wissenschaftlichen Namen bezeichnen, doch Wir möchten einen mehr menschlichen Blick auf Unsere Wohnstätte herstellen.

       In Büchern kann man einige unserer Titel finden, die sehr feierlich sind. Man kann von Manus und Bodhisattvas lesen, doch vergessen wir nicht, dass einige Völker solcher Titel bedürfen. Wir sind Diener des Lichts und verehren die Hierarchie. Der erste Ruf wird der nach Vervollkommnung sein, doch nicht nach wohlanständigen Titeln. Das Wort „wohlanständige Titel“ darf nicht im irdischen Sinne verstanden werden, wo die Menschen alle Arten von Rängen und Auszeichnungen so sehr lieben. Wir dienen der unbegrenzten Hierarchie. Wir fassen Führerschaft nicht als Auszeichnung auf, sondern als unanfechtbare Notwendigkeit. Eine solche Verantwortlichkeit möge allen menschlichen Gemeinschaften zugrunde gelegt werden.

       Wir messen Titeln keine Bedeutung bei, da Wir im Wechsel der Leben eine Vielzahl von Titeln in den verschiedensten Sprachen getragen haben. Viele Namen sind vollständig aus dem Gedächtnis der Menschheit ausgelöscht worden. Wer vermag die prachtvollen Gebieter von Atlantis zu nennen? Nur in den Sümpfen von Tsaidam[20] kann man bisweilen eine Luftspiegelung glänzender, ehemaliger Städte sehen. Urusvati erinnert sich dieser Bauten und des Großen Stieres[21].

      Ruft euch ins Gedächtnis, dass Wir bei Unseren Inkarnationen die Erinnerung an die bedeutendsten Ereignisse bewahrt und sie in den Archiven der Bruderschaft festgehalten haben. Wer sich eine Vorstellung von Unserem inneren Leben bilden will, möge nicht müßig sein und sich mit den vielen Einzelheiten vertraut machen, aus denen das Statut Unserer Wohnstätte besteht.

 

       41. Urusvati kann feindlichen Strömen widerstehen. Diese Fähigkeit tritt nicht ohne Grund und ohne Aufspeicherungen klar hervor. Vor allem muss man die Überirdische Welt kennen, ohne sich von der Erde zu entfernen. Die Ströme können auf verschiedenste Art in Erscheinung treten. Es kann psychische Einflüsse oder ungewöhnliche Erkrankungen geben, und schließlich können alltägliche Komplikationen auftreten, die eine weise Entscheidung erfordern. So muss man Unterscheidung in allen Bereichen lernen.

       Man muss verstehen, wie räumliche Ströme die Psychologie ganzer Völker beeinflussen. Wie Ströme neue Arten von Krankheiten hervorrufen und wie höchst betrübliche Lebenserscheinungen auch die Folge feindlicher Ströme sein werden. Beim Unterscheiden der Ströme darf man nicht scheinheilig, abergläubisch oder feige werden.

      Jedes Schwanken liefert den Menschen schon der Gewalt des Wirbels des Chaos aus. Wir begrüßen besonders ein Gleichgewicht, das im irdischen Leben durch vielfältige Erfahrung erworben wurde. In dieser fortschreitenden Bewegung wird einen selbst Karma nicht einholen. Ein Denken, das die Wechselbeziehung der Welten begriffen hat, schöpft aus ihnen bereits seine Macht.

       Jeder Mitarbeiter der Bruderschaft tritt in enge Berührung mit der Feinstofflichen Welt. Wir verfügen in dieser Welt über ganze Festungen. Ihr kennt bereits deren Namen und habt schon von einem wundersamen Baum[22] sowie von aus Gedanken geschaffenen Bauwerken gehört. Man muss besonders klar diese Verhältnisse erkennen, wenn man sich nach Dokyud* begeben will. Der Gedanke, der nicht durch Zweifel behindert wird, führt zu Unseren Überirdischen Wohnstätten. Die Wohnstätte im Himalaja steht in ständigem Verkehr[23] mit den Wohnstätten in der Feinstofflichen Welt, und die irdische Schlacht dröhnt und donnert auch in der Feinstofflichen Welt. Die Menschen wollen diese Wechselbeziehung nicht verstehen, daher scheint Harmagedon ihnen nur ein irdischer Konflikt der Völker zu sein. Das hauptsächliche Gebiet des Harmagedon bleibt unverstanden. Wie aber kann man an etwas teilnehmen, wenn nur ein kleiner Teil dessen bekannt ist, was vor sich geht?

       Wir bekräftigen, dass die Schlacht in der Feinstofflichen Welt bei weitem heftiger tobt als auf der Erde. Tatsächlich hallt ein Großteil der räumlichen Schlacht auch auf der Erde wider. Oft versucht die Erde[24], die Menschen vor der drohenden Gefahr zu warnen, doch vergeblich. Einer Unserer Brüder sagte: „Lasst Uns nochmals zu den Menschen sprechen; doch es ist schwer, zu Tauben zu sprechen“. So wird die Warnung ein Wort der Gerechtigkeit und des Mitleids sein.

       Ihr habt des öfteren eine unverständliche Schläfrigkeit bemerkt. Sie zeugt von einer Teilnahme der Energie an irdischen, weit entfernten Erfordernissen, oder von einer Zusammenarbeit mit Kräften der Feinstofflichen Welt. Man muss die Belange des Organismus aufmerksam verfolgen. Man darf nicht an Zufall denken, wenn sich etwas Bedeutungsvolles vollzieht. So kann man aus Unwissenheit sogar Unsere Rufe unbeachtet lassen. Große Freude herrscht jedoch, wenn nicht nur die Bruderschaft, sondern auch die Verbindung mit der Feinstofflichen Welt erkannt wird.

 

       42. Urusvati hat in schöner Weise Musikalität in sich ausgebildet. Diese Eigenschaft erweist sich als Folge von viel Arbeit im Leben. Gemäß dem Vermächtnis Platons[25] darf Musikalität nicht nur im engeren Sinne der Musik aufgefasst werden, sondern als Teilhabe an allen harmonischen Künsten. In Musik, Gesang, Poesie, Malerei, Bildhauerei, Baukunst, Sprechkunst und schließlich in allen Erscheinungen des Klanges wird Musikalität zum Ausdruck gebracht.

       Nach der Offenbarung von Hellas’ vollzog sich der Dienst an allen Musen[26]. Die Tragödie, Tänze und alle rhythmischen Bewegungen dienten der Harmonie des Kosmos. Viel spricht man von Schönheit, doch wenig versteht man die Bedeutung der Harmonie. Schönheit ist ein erhebender Begriff. Jede Darbringung an die Schönheit wird bereits ein Opfer für das Gleichgewicht des Kosmos sein. Jeder, der Musikalität zum Ausdruck bringt, opfert nicht für sich selbst, nicht für andere und nicht für die Menschheit, sondern für den Kosmos.

       Die Vollkommenheit des Gedankens ist ein Ausdruck schöner Musikalität. Der höchste Rhythmus wird auch die beste Prophylaxe sein. Ebenso wird er eine reine Brücke zu den Höheren Welten sein. So verwirklichen Wir in Unserer Gemeinschaft die Schönheit.

       Urusvati hat bemerkt, dass die Sphärenmusik aus rhythmischer Harmonie besteht. Gerade diese Eigenschaft bringt der Menschheit Inspiration. Die Menschen denken gewöhnlich nicht über solche Quellen der Inspiration nach, doch wenn sie es täten, würden sie Unsere Arbeit sehr erleichtern.

       Ihr wisst auch von besonderen Musikinstrumenten, die es bei Uns gibt. Urusvati hat sie gehört. Die verfeinerte Tonleiter und den Rhythmus der Schwester O. kann man als höchsten Wohlklang anerkennen. Nicht nur einmal hat ein solcher Gesang der Befriedung der Welt gedient. Sogar die Diener der Finsternis weichen vor der Harmonie des Gesangs zurück. Man muss alle Kräfte erkennen, die zur Entfaltung von Musikalität führen.

       Ein Gefühl des Herzens wird nicht durch Worte, sondern durch deren Klang verspürt. In Harmonie gibt es keine Gereiztheit. Schadenfreude kann dort nicht existieren, wo der Geist sich erhebt. Nicht zufällig wurden im Altertum epische Vermächtnisse gesungen, nicht allein zur mechanischen Einprägung, sondern auch zur Inspiration. So sind Rhythmus und Harmonie auch der Grund dafür, dass Wir nicht ermüden.

       Musikalität muss man von den ersten Lebenstagen an zur Entfaltung bringen.

 

       43. Urusvati war in allen Leben zu den Höhen bestrebt – „Bergvogel“, so sprachen die Ärzte –, doch nicht aus Krankheitsgründen, sondern aufgrund der inneren Suche nach den Herrlichen Bergen. In diesen Flügen kommt eine ungewöhnliche Hingabe zur Bruderschaft zum Ausdruck. Jeder Berg erinnerte auch an Unsere Höhen. Jede Heldentat zeugt bereits von den Wegen zu Uns.

       Selbst die Luft der Berge ist nicht nur wohltuend für manche Herzen, sondern erinnert auch an die Höhen oberhalb zehntausend Fuß – so treffen geistige und körperliche Bedürfnisse in der Höhe zusammen. Die Elemente Feuer und Luft reinigen den Raum nicht nur physisch, sondern auch innerlich. Wissende Herzen streben in die Höhe, denn das Wissen spricht zu ihnen von der heilsamen Sphäre. Überdies wird doch jeder, der die Bruderschaft liebgewonnen hat, von überall her zu Uns streben.

       Wir streben gleichfalls zu Sphären, in denen Wir schon gewesen sind. Wir teilen Unseren Geist in viele Teile. Wir senden Unsere Pfeile über Boten und Stellvertreter. Es gibt auch Stellvertreter, denen Wir sogar in fernen Welten leitende Aufgaben anvertrauen. Eine solche Stellvertretung ist mit irdischen Worten schwer zu erklären. Der Mensch ist nicht imstande, alle Eigenschaften des Geistes zu erfassen. Sogar auf der Erde kennt man Besitzergreifung, und gewöhnlich in schlechtem Sinne. Man weiß auch von Doppelgängern, fasst dies jedoch wie Besessenheit* auf. Die Geschichte weiß aber von Menschen, die in allen Existenzen unzertrennlich miteinander verbunden waren. Lasst uns diese Eigenheit in die Unbegrenztheit erweitern, dann wird vieles möglich werden.

       Vergessen wir nicht, wie verschiedenartig die Verhältnisse der Feinstofflichen Welt und des Lebens in den fernen Welten sind. Vom irdischen Standpunkt aus ist das Leben auf manchen Planeten schwerlich als Leben zu bezeichnen, doch der Gedanke pflanzt sich in Keimen fort, und eine solche Grundlage nennen Wir Leben.

      Unter den ersten Anpflanzungen erheben sich die strahlenden Säulen eines Führers. Er kann Unser Mitbruder und Stellvertreter sein. Wenn Wir nämlich in die nächste Sphäre hinüberwechseln wollen, kann der Stellvertreter als Vorläufer[27] auftreten. So existieren sowohl in den fernen Welten als auch auf der Erde Unsere Boten, Vorläufer und Stellvertreter. Es lässt sich ein ganzes Netz von Beziehungen wahrnehmen, und irdische Mitarbeiter können spüren, dass in den fernen Welten ihre Mitbrüder arbeiten!

       Heiliges Wort Bruderschaft! Möge es beim Anblick und beim Gedanken an die Gebirgshöhen leben. Wir verehren die Hierarchie im unbegrenzten Raum.

       Mögen auch alle irdischen Wanderer lernen, dass Wir sie auf allen Wegen zu Uns erwarten.

 

       44. Urusvati trägt Feurigkeit in sich. Worin besteht diese kostbare Eigenschaft? Eine gewisse Feurigkeit ist in jedem Menschen vorhanden, doch es gibt besonders feurige Naturen, die mühelos mit den fernen Welten verkehren können. Die Menschen verstehen unter Feurigkeit gewöhnlich die Neigung zu Zorn, Gereiztheit und Jähzorn. Doch diese Eigenschaften erweisen sich als rein irdisch. In solchen Äußerungsformen darf man wahre Feurigkeit nicht suchen. Hingegen ist sie am Verkehr mit der Unsichtbaren Welt und an der Mitwirkung an Unseren Aufträgen erkennbar.

       Dabei darf man Feurigkeit nicht mit Mediumismus in Verbindung bringen. Im Gegenteil, bei einer feurigen Natur sind die Schleimhäute trocken und es wird kein Ektoplasma abgesondert. Einzigartig steht das Besondere der Feurigkeit da. Feurige Menschen empfinden keine Angst und fürchten die Erscheinungen der Feinstofflichen Welt nicht.

       Üblicherweise fürchten die Menschen jede solche Erscheinung, und darin besteht ihre Entfremdung von der Feinstofflichen Welt. Doch ohne eine solche natürliche Verbindung kann es keine Verklärung des Lebens geben. Wir beeilen uns, den Menschen mit allen Mitteln Furchtlosigkeit einzugeben. Wir versuchen, ihnen den Schaden der Furcht und die Sinnlosigkeit des Schreckens einzuflüstern.

      Seit alters her jedoch haben sich die Menschen daran gewöhnt, den sogenannten Tod zu fürchten. Man schüchterte die Menschen mit der Hölle ein und verschwieg gleichzeitig die Bedeutung der Vervollkommnung. Es ist unmöglich, vom Menschen Kühnheit zu verlangen, wenn er nicht weiß, warum er auf der Erde ist und wohin er sich als Befreiter wenden soll. Wir beauftragen Unsere Mitarbeiter, den Menschen so oft wie möglich die erhabene Ewigkeit und die ununterbrochene Fortdauer des Lebens zu wiederholen.

       Wir verlassen die Erde freiwillig nicht. Wir haben das irdische Leben bewusst angenommen. Wir könnten weit weg sein, haben es jedoch vorgezogen, bei den Leidenden zu bleiben. Unsere Wacht wäre nicht standhaft, wenn Wir der Furcht verfallen könnten. Doch als Ärzte wissen Wir, welche Verheerungen Angst im menschlichen Organismus hervorruft. Die irdischen Ärzte sollten die besonderen, von Furcht verursachten Krankheiten feststellen. Mögen sie einige Zeit in Unserer Anspannung verweilen und darüber nachdenken, wie überaus schädlich Furcht ist.

       Glaubt nicht, dass Feurigkeit von allein herbeigeflogen käme; man muss sie in vielen Leben entwickeln.

 

       45. Urusvati hat die irdischen Irrtümer von Gefahrlosigkeit und Wohlversorgtheit überwunden. Weder das eine noch das andere existiert unter irdischen Bedingungen. Doch ein solches finsteres Trugbild hat die Mehrheit der Menschen verführt. Sie haben sich eingebildet, solche Türme zu errichten, in denen es möglich ist, sich in völliger Gefahrlosigkeit zu verbergen. Sie haben davon geträumt, solche Schätze ansammeln zu können, durch die sie sicher versorgt sind, und dabei vergessen, dass man allein außerhalb der irdischen Bedingungen zu solchen Festungen gelangen kann.

      Man könnte denken: Wollen Wir etwa die Menschheit in Verzweiflung stürzen? Man muss sich vorstellen, dass Unverwundbarkeit allein jenseits der Grenzen aller Gefahren verwirklicht wird. Erst wenn wir die Nutzlosigkeit irdischer Schätze erkannt haben, werden wir in den Besitz von nicht abnehmendem Reichtum gelangen.

      Fassen wir diese Weisungen nicht als abstrakte Moralpredigten auf. Nur vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet kann man sich davon überzeugen, dass das Erkennen des irdischen Wesens der Menschheit Freiheit des Gewissens und Vervollkommnung ermöglicht.

       Glaubt nicht, dass die Menschheit nach Millionen von Jahren ihrer Existenz die Grundlagen des Daseins erkannt hätte – ganz und gar nicht. Vielleicht kann es gerade jetzt, da die Regale unter der Vielzahl von Büchern zusammenbrechen, geschehen, dass Habgier und Trugbilder die Menschheit in besonderer Weise überwältigen. Wir sind darum besorgt, dass die Menschen das Trügerische der irdischen Verhältnisse erkennen.

       Keiner der Lehrer hat der Menschheit Selbstsucht und Habgiert übergeben. Diese Vipern sind nicht vom Licht geboren worden. Es existieren schwarze Bruderschaften, in denen Lehren über alle schändlichen Eigenschaften der Zerstörung, des Zerfalls und der Uneinigkeit verbreitet werden.

       Man muss sich in die Vorstellung hineindenken, welch eine ununterbrochene Schlacht Wir gegen die finsteren Kräfte führen. Die Menschen denken nicht daran, dass sie von erfahrenen Zerstörern umgeben sind. Niemand wiederholt beharrlich, dass man sich an das Bollwerk des Guten wenden muss. Wir erhielten Kunde, dass sich eine Verschwörung gegen den Aufbau bildet; Wir eilen, sie zu verhindern, doch ihr wisst selbst, wieweit man Uns zuhört. Das bedeutet, dass wiederum die Tactica adversa angewendet werden muss.

       Wir freuen Uns über jedes Verstehen der Wahrheit.

 

       46. Urusvati hat sich die Macht gleichmäßigen Leuchtens angeeignet. Vor langem haben Wir von der Untauglichkeit flackernder Lampen gesprochen. Ein solches Flackern rührt entweder von Mangel an Öl oder von einem fehlerhaften Zustand der Lampe her. Bei einer Verbesserung der Lampe wird sich allmählich ein gleichmäßiges Leuchten ergeben, und alle werden für das gleichmäßige Licht dankbar sein. Ebenso ist es bei der menschlichen Vervollkommnung; nach Abstürzen und Aufschwüngen wird sich ein mächtiger Glanz einstellen, und dann nimmt die Hilfe für die Menschheit zu. Wir begrüßen die Stufe gleichmäßigen Leuchtens, denn auf ihr können Wir zusammenarbeiten.

      Man kann sich Unsere Wohnstätte unmöglich von Dissonanz erfüllt vorstellen. Sogar die Masse ist stark, wenn sie sich in einer mächtigen Konsonanz vereinigt. So muss man bei der Zusammenarbeit das Denken disziplinieren.

      Bei Gedankensendungen gibt es viele Missverständnisse. Die Menschen geraten in Erstaunen, selbst wenn sie Gedankenschaffen für möglich halten, weil sie keine sofortigen Folgen sehen. Sie vergessen jedoch, dass die Folgen unsichtbar an unerwarteten Orten eintreten können. Sie verlieren aus dem Blick, dass die Gedankenenergie über den besten Kanal wirkt. Solche unerwarteten Folgen ergeben sich ständig.

      Ihre Ursache ist undiszipliniertes Denken. Die Menschen meinen, nur einen einzigen Gedanken ausgesandt zu haben, doch in Wirklichkeit haben sie es zuwege gebracht, Hunderte von höchst unerwarteten Sendungen zu verstreuen, und deren Ergebnis wird ebenso unvermutet sein. Viel Schädliches erwächst aus den Gedankenflöhen, die unverhofft Menschen anspringen und beißen. Wenig Aufmerksamkeit wird auf die Kanäle der Verbreitung von Gedanken gerichtet.

       Wir erachten die Erhaltung des reinen Denkens für überaus wichtig. Sie ist bei gleichmäßigem Leuchten möglich. Ein Gedanke wird gesendet bei Fähigkeit zu vollständiger Konzentration. Es gibt besondere Apparate, die helfen, das Denken zu konzentrieren. Sie sind bei Sendungen auf weite Entfernungen nützlich. Seid nicht erstaunt, dass solche Apparate sich als Verbindung verschiedener Legierungen erweisen. Die Legierung galt seit alten Zeiten als eine besondere Wissenschaft und wurde „Chor der Metalle“ genannt.

 

       47. Urusvati wahrt Angemessenheit. Aus dieser Eigenschaft erwachsen sowohl Verehrung der Hierarchie als auch Erkenntnis der Menschen. Wir wahren Angemessenheit. Ein altes Sprichwort lautet: „Die Last eines Elefanten erdrückt einen Esel.“ Es gibt viele Beispiele dafür, dass Egoismus die Erkenntnis der Angemessenheit verhindert. Doch ohne Vergleichen kann es auch keine Gerechtigkeit geben. Wir waren nicht nur einmal betrübt zu sehen, wie werdende Denker den Faden des Verkehrs durch Eigendünkel zerrissen haben. Doch jeder sollte sich daran erinnern, dass auch hohe Tatmenschen das Unterscheiden und die Angemessenheit gelernt haben.

       Jeder Lehrer war in Seinen vergangenen Leben der Notwendigkeit ausgesetzt zu entscheiden, ob Er sich in die fernen Welten zurückziehen oder auf der leidgeprüften Erde bleiben wollte. Es ist keine geringe Angemessenheit für eine solche Entscheidung erforderlich, und jeder bestätigte seine Wahl, das Leid der Unglücklichen zu teilen. Wir gestatten Uns Flüge nur, um Erkenntnis zu gewinnen. Nur in seltenen Fällen erlauben Wir längere Aufenthalte auf anderen Planeten. Doch auch solche Aufenthalte sind keine Loslösung, sondern im Gegenteil wie ein Garn, das mehrere Fäden vereinigt. So ist die Bruderschaft unzerstörbar, weil sie auf Angemessenheit und Hingabe gegründet ist.

       Die Menschen können Uns nachahmen, da jeder die Grundlagen der Bruderschaft im Leben zu bekunden vermag. Nur finstere Verneiner beharren auf der völligen Unanwendbarkeit des Bruderschaftsprinzips auf der Erde. In Büchern habt ihr über Erbauer von Planeten und Führer von Völkern gelesen. Jeder sollte sich freuen, dass in seiner Zeit, hier auf der Erde Lehrer existieren, zu denen der Weg nicht verwehrt ist. Jeder sollte eine Quelle der Begeisterung darin finden, dass er in Verkehr mit einem Führer treten kann.

       Doch erinnern wir uns nochmals der Angemessenheit. Ohne sie kann man sich die verzerrteste Vorstellung von der Bruderschaft und der Wechselbeziehung zwischen Lehrer und Schüler bilden. Gewöhnlich lieben die Menschen es nicht, als Schüler bezeichnet zu werden, doch Wir bleiben auch für Uns selbst bei dieser ehrenvollen Bezeichnung. Jeder Lehrer muss auch ein Schüler bleiben, darin liegt hohe Angemessenheit.

       Ihr seid zu Recht entrüstet, wenn man sich in unzulässigen Worten über den Lehrer äußert. So etwas bedeutet, dass auch das Denken weit entfernt von Angemessenheit ist. Wundert euch nicht, dass Wir dieses Wort so oft wiederholen, doch ein solcher Begriff wird von den Menschen besonders oft entstellt. Wir bestätigen Angemessenheit als eine der Grundlagen Unseres Inneren Lebens.

 

       48. Urusvati steht in ständigem Verkehr mit Uns. Es ist nicht leicht, die Ströme angespannter Energien zu empfangen, während man im physischen Körper und im irdischen Dasein verbleibt. Wir erachten eine solche Kongruenz als besondere Errungenschaft. Man muss imstande sein, sich den Eigenheiten der feinstofflichen Energien anzupassen.

      Bei Träumen können sich die Menschen davon überzeugen, dass für inhaltsreichste Traumgeschehnisse keine Zeit erforderlich ist. Augenblicklich lassen sich die kompliziertesten Handlungen verstehen und lange Gespräche führen. Solche Eigenheiten feinster Wahrnehmungen sind auch für den Verkehr mit Uns charakteristisch.

       Der Mensch versteht komplizierte Sendungen, sogar ohne zu wissen, in welcher Sprache sie gegeben wurden. Der Gedanke erreicht die entsprechenden Zentren und offenbart das Wesen des Gespräches. Auf diese Weise kommuniziert man auch im feinstofflichen Körper. Doch auch zu einer solchen Wahrnehmung muss man sich erziehen. Man kann dies nicht ohne Erweiterung des Bewusstseins verstehen. Viele Fragen müssen ohne irdische Begrenzungen verstanden werden. Oft haben die Menschen nur ein einziges Detail bemerkt und es dann zu einem unabänderlichen Gesetz erhoben.

       Die Zentren des Menschen werden überaus relativ begriffen. Die Bezeichnungen selbst wechselten in den verschiedenen Sprachen im Lauf der Jahrtausende. Einige mögen den „Kelch“ als „himmlische Achse“ bezeichnen, doch dadurch ändert sich seine Bestimmung nicht. Andere sprechen von der Einwirkung der Mutter der Welt, doch Shakti[28] beinhaltet seinem Wesen nach bereits die große Bedeutung der uranfänglichen Energie.

      Zudem vergisst man die kollektive Tätigkeit der Zentren, die überaus individuell ist. Natürlich, ebenso individuell ist auch die Transmutation der Zentren im feinstofflichen und im feurigen Körper. Sie bewahren ihr Wesen in allen Körpern, doch ihre Entwicklung hängt davon ab, wie man das irdische Dasein durchschreitet.

       Die Muskeln sind scheinbar genügend studiert worden, doch ihre Funktion hängt vom Charakter des Menschen ab. Jedes Glied des Körpers wirkt individuell. Die Art des Gehens hängt vom psychischen Zustand ab, und dadurch werden auch die Muskeln in einem Zusammenspiel eigener Art arbeiten.

       Die Relativität eines Urteils äußert sich besonders prägnant im Urteil über die feinstofflichen Energien. Es ist unmöglich, eine bestimmte Anzahl von Blütenblättern des „Lotus“[29] festzusetzen. Zudem wird sich jedes Blatt vom anderen unterscheiden. Lasst uns die Vielgestaltigkeit des Weltenaufbaus nicht begrenzen. Die unerwartetsten Wachstumsschritte des Gewebes und Verzweigungen der Nerven verleihen dem Organismus einen unverhofften Reichtum. Jede Beobachtung ist wertvoll, doch seien wir mit Verallgemeinerungen sehr vorsichtig.

       Wir haben vieles erfolgreich erforscht, doch gerade die Erkenntnis hat Uns Vorsicht im Ausdruck gelehrt. Dagegen beeilt sich jeder Neophyt[30], das ihm zu Ohren Gekommene hinauszuschreien, ohne sich um die Folgen zu kümmern; doch mit der Erkenntnis stellt sich auch Angemessenheit ein.

       Wir sind darum besorgt, wie das Verstehen des Weltengebäudes besser und leichter fassbar zu vermitteln wäre. Vor allem muss man sich von den veralteten Zergliederungen lösen.

 

       49. Urusvati hat Unsere Sammler von Arzneikräutern beobachtet. Einige von ihnen wissen, dass sie mit einem bestimmten, wichtigen Ziel arbeiten, doch die Mehrheit sammelt ohne jedes Verständnis. Sie liefern die gesammelten Pflanzen am vereinbarten Ort ab. Jemand holt sie ab und bezahlt sie. Manchmal sind es chinesische Kaufleute, aber auch das offene Auftreten eines Sarten[31] oder Hindus beunruhigt die kleinen Arbeiter nicht im geringsten.

       Es ist unmöglich, die hohe Bedeutung von Arzneipflanzen mit kurzen Worten auch nur anzudeuten. Unweigerlich würde sich ein Gerücht verbreiten und die Gefahr einer Invasion entstehen. Wenn es auch nicht schwer ist, sich vor Expeditionen zu schützen, so ist es weitaus schwerer, die Aufmerksamkeit der ortsansässigen Leute nicht auf sich zu ziehen. Sie bewahren viele Überlieferungen und sind bereit, sie auf die Wirklichkeit anzuwenden. Ihre Vorstellungskraft ist dermaßen entwickelt, ihr Hör- und Sehvermögen derart scharf, dass sie vieles bemerken können, was für andere unsichtbar ist. Sie kennen das Leben in den Bergen und können dort Spuren finden, wo andere gar nicht daran denken, zu suchen.

       Doch die ortsansässigen Leute verstehen auch die Bedeutung der Geschützten Stätte – so entsteht eine Schutzmauer. Sie ist unerlässlich, da für Unsere Apparate Verkehr mit den Städten nötig ist. Mitunter erwerben seltsame Käufer gewisse Dinge, deren Zweck ihnen selbst unbekannt ist. Solche Käufe gehen über Nepal. Ich erzähle dieses, da keine Gefahr besteht, dass auch diese Wege gefunden werden. Viele Märchen ranken sich um Unsere Wohnstätte.

       Man darf nicht annehmen, dass viele Jahrhunderte die Menschen nicht gelehrt hätten, auf Unseren Rat zu hören. Man vergesse nicht, dass Wir zu verschiedenen Zeiten in den Ländern des Westens aufgetreten sind. Wir hatten sogar, neben den östlichen Aschrams, auch Unsere Zufluchtstätten in westlichen Städten: In Lyon, in Nürnberg, in der Umgebung von London und St. Petersburg sowie in Italien. So mussten Wir neben den östlichen und ägyptischen Aschrams auch über Bollwerke in einigen großen Städten verfügen. Man darf nicht vergessen, dass der Kampf mit den Kräften der Finsternis die Notwendigkeit vieler Vorkehrungen hervorrief.

       So kann man eine nicht geringe Anzahl von Aufgaben verfolgen, die der Menschheit zu verschiedenen Zeiten übermittelt wurden. Die Homöopathie ist den Menschen als Mittel übergeben worden, um sie von der Gefahr ungeheuer hoher Giftdosen zu befreien.

      Vor langem gab es den Traum von einer Weltsprache. Nur auf diese Weise kann man die Reinheit aller Sprachen bewahren. Jeder möge die eigene und die Weltsprache kennen, so kann man die beste Form für den menschlichen Verkehr finden. Die Menschen verstehen nicht, dass eine Verstümmelung der Sprache ein Verbrechen ist, da viele ihrer Klangwurzeln eine tiefe Bedeutung haben. So bahnen Wir den Weg.

 

       50. Urusvati hat gefragt, wie die finanziellen Mittel Unserer Gemeinschaft zustande kommen. Vergessen wir nicht, dass viele Flüsse überaus goldhaltig sind und sowohl Silber als auch Saphire in den Bergen nicht selten vorkommen. Man möge ebenso wenig vergessen, dass Wir viele verborgene Schätze kennen. Erinnert ihr euch, wie die Pfund Sterling in London angeflogen kamen? Oft ist Unterstützung für Menschen erforderlich. So wird das Irdische mit dem Überirdischen verbunden. Desgleichen ist es nötig, ständig mit der Feinstofflichen Welt zusammenzuarbeiten. Man muss die ganze Verschiedenartigkeit der feinstofflichen Schichten verstehen, um zu erkennen, wie komplex die Arbeit in Unserer Wohnstätte ist.

       Vor allem muss man auf der Erde helfen, doch dieselbe Hilfe ist auch in der Feinstofflichen Welt nötig. Eine Angstepidemie eigener Art erschüttert die Feinstoffliche Welt. Außer den Schlachten sind dort wirkliche Krankheiten im Entstehen begriffen. Die Menschen auf der Erde haben sich besonders daran gewöhnt, jegliche Ansteckung zu fürchten. Sie bringen diese Befürchtungen mit in die Feinstoffliche Welt. Dort wird der Gedanke der Angst tätig. Wollen die Menschen tatsächlich nicht anerkennen, dass sie alle ihre irdischen Vorurteile mit in die Feinstoffliche Welt hinübertragen? Wenn es auf der Erde schon nicht leicht ist, sich von aller Art verderblicher Auswüchse zu befreien, so ist dies in der Feinstofflichen Welt umso schwerer. Dort kristallisieren sich alle irdischen Aufspeicherungen. Ich meine, dass sich die Lage des Planeten um vieles verbessern würde, wenn die in die Feinstoffliche Welt hinübergetragene Last von besserer Qualität wäre. Ein Gedanke, nur ein einziger Gedanke kann bereits eine Vielzahl von Mikroben vernichten.

       Man stelle sich vor, wie viele Gegenwirkungen jeden treffen, der nützliche Gedanken aussendet. Urusvati hat heute viele Unserer höchst angespannten Ströme erfahren. Ein solcher Wechsel der Ströme zeigt, welche Findigkeit bekundet werden muss. Es ringt doch jeder Strom mit einem Widerstand. So erfordern die unaufschiebbaren Entscheidungen auch eine Abwehr von überaus gerissenen Zerstörern.

       Urusvati hat Uns während der ganzen Nacht geholfen und sogar Zeit gefunden, in der Heimat zu verweilen.

 

       51. Urusvati hat sich immer beeilt, ihren Aufenthalt in der Feinstofflichen Welt abzukürzen. Ein solches Bestreben zeigt Hingabe an die unmittelbare Arbeit unter den Leidenden. Wenn die auf der Erde lebenden Menschen sich nach ihrer Herzlichkeit oder Herzlosigkeit einteilen lassen, so existiert desgleichen eine Einteilung in solche, die danach streben, lange in der Feinstofflichen Welt zu verweilen, und solche, die zur Vervollkommnung durch Inkarnation eilen.

       Wir fühlen mit den Eilenden, ganz ungeachtet der Paradoxität von Eile in der Unbegrenztheit. Wir heißen jede Vervollkommnung gut, da in ihr das Allgemeinwohl angelegt ist. Wir haben Uns dem Großen Dienst geweiht und rufen alle zu ihm auf, die um die unbekannten Leidenden Sorge tragen können.

       Gerade auf der Vorstellung über die Unbekannten gründet sich Unser Bollwerk. Eine solche unzählbare Menge von Unbekannten, die der Fürsorge bedürfen, gibt es sowohl auf der Erde als auch in der Feinstofflichen Welt. Möge man Unsere Wohnstätte als Großen Dienst bezeichnen.

       Wir alle sind zur rechten Zeit auf die Erde geeilt und haben die allerschwierigsten Aufgaben gewählt. Solche Umstände bewirkten eine Stählung und lehrten, Verfolgungen zu verachten. Die Bestätigung der Wahrheit wird immer von der Lüge verfolgt werden. Niemand sollte annehmen, dass solche Verfolgungen nur irgendwelchen außergewöhnlichen Menschen beschieden seien. Jeder Prophet der Wahrheit muss den Ansturm der Lüge erfahren. Solche Berührungen mit dem Chaos sind unausweichlich.

       Ihr habt bemerkt, wie Völker Schambhala in den Norden verlegt haben. Schließlich besteht bei den Samojeden und Kamtschadalen[32] die Überlieferung von einem wunderbaren Land jenseits von Mitternacht. Die Gründe für eine solche Verlegung sind unterschiedlich. Der eine will den Ort Unserer Wohnstätte verbergen. Ein anderer hat die Verantwortung bei der Berührung mit etwas Schwierigem von sich fortgeschoben. Ein weiterer hat seinen Nachbarn eines besonderen Wohlergehens verdächtigt. Doch im Wesentlichen ergibt sich, dass alle Völker von dem Geschützten Land wissen und sich selbst für unwürdig halten, dieses in ihren eigenen Grenzen zu haben.

       Wir besitzen eine umfangreiche Sammlung von Literatur zu diesem Thema. Es ist unmöglich aufzuzählen, wie viele legendäre Helden mit Unserer Wohnstätte verbunden sind. Ihr wisst von Ghesar Khan[33]und von Johannes Presbyter[34]. Möge jeder die Grenze zwischen Wahrheit und Volksphantasie verstehen. Unsere Wohnstätte kann nicht über lange Zeitalter hinweg bestehen, ohne ihre Ausstrahlungen dem Volksgedächtnis eingeprägt zu haben. Ebenso muss man sich daran erinnern, dass man Uns in der Feinstofflichen Welt besser kennt als auf der Erde. Von dorther kommen die undeutlichen Erinnerungen, auf die sich die Eile derjenigen gründet, die die Bedeutung des Großen Dienstes verstanden haben.

 

       52. Urusvati hat es vermocht, wirklichkeitsgerechte Beziehungen zur Feinstofflichen Welt zu bewahren. Ich werde erläutern, weshalb wir sie als wirklichkeitsgerecht bezeichnen. Üblicherweise verneinen die Menschen die Existenz der Feinstofflichen Welt gänzlich, und mit einer solchen Lüge lästern sie bereits. Andere treten, obwohl sie die Feinstoffliche Welt anerkennen, unter Vorurteilen an sie heran. Eine solche hässliche Einstellung unterscheidet sich bisweilen wenig von Lästerung. Es ist nicht schwer zu verstehen, wie schädlich sich eine solche Einstellung im kosmischen Sinne auswirkt. Beide Irrtümer vergiften die Atmosphäre und stoßen dasjenige zurück, was in Zusammenarbeit mit dem irdischen Dasein stehen sollte.

       Man kann unmöglich die Annäherung der Feinstofflichen Welt erwarten, wenn sie von der Erde aus verneint, verdammt und gefürchtet wird. Eine wirklichkeitsgerechte Einstellung nimmt die Feinstoffliche Welt ruhig, ehrlich und wohlwollend an. Der Magnet des Wohlwollens wirkt in allen Welten. Wie kann man denn das verneinen, was ebenso wie wir selbst existiert!

       Man muss nicht nur die Unsterblichkeit des Geistes anerkennen, sondern auch lernen, an alle Erscheinungen der Unbegrenztheit heranzugehen. Die Feinstoffliche Welt kann sich in klarer Weise nähern, wenn man sie nicht vertreibt.

      Es gibt zwei Arten von Mut. So kann man die Verwegensten, im irdischen Sinne Tapferen antreffen, die bei der Erwähnung von Gespenstern erzittern. Doch wahrer Mut fürchtet keinerlei Gespenster. Sie können sich in der entsetzlichsten Art und Weise zeigen, doch ein erfahrener Beobachter weiß, dass sie dort keinen Schaden anrichten können, wo Mut lebt.

       In vielen Inkarnationen erarbeitet man sich eine wirklichkeitsgerechte Einstellung zu allen astralen Erscheinungen. Man könnte fragen, ob verschiedene feinstoffliche Wesenheiten sich Unserer Wohnstätte nähern. Natürlich können sie sich nähern, jedoch keinen Einfluss ausüben. Jeder irdische Ort ist von feinstofflichen Wesenheiten erfüllt. Die Frage ist nur, inwieweit sie in das irdische Leben eingreifen.

       Der Lehrer muss vor allem die Zusammenarbeit zwischen den Welten erklären. Man kann die Bewohner der Erde unmöglich in dem Irrtum über ihre Isoliertheit belassen. Man muss, bevor es zu spät ist, das Wissen über die enge Zusammenarbeit der Welten vermitteln. Wir werden nicht auf Bezeichnungen beharren, die verschiedenen Bewohnern der Feinstofflichen Welt verliehen worden sind. In verschiedenen Lehren sind den Überirdischen Boten feierliche oder einschüchternde Namen gegeben worden.

       Wir kämpfen nicht mit Namen und vergeuden keine Energie damit, die vielen Schichten der Feinstofflichen Welt zu erwähnen. Diese ganze Vielfalt mag für die menschliche Phantasie notwendig sein, wenn sie sich nur entwickelten würde. So begrüßen Wir eine wirklichkeitsgerechte Einstellung zur Feinstofflichen Welt. Ihr Abglanz ist in der ganzen Welt zu finden. Unsere Wohnstätte wird für all diejenigen näher sein, die es vermochten, eine der Wirklichkeit entsprechende Einstellung zu den Erscheinungen der Feinstofflichen Welt zu finden.

 

       53. Urusvati ist sich der Bedeutung der Volkskunst tief bewusst. Wir richten das Denken auf Unsere bevorzugte Kooperative und auf die Volkskunst. Es ist an der Zeit zu verstehen, dass Volkskunst eine begeisterte Bestätigung der Würde ist. Neben allen Arbeiten finden Wir die Zeit, um vielfältiges künstlerisches Schaffen zu inspirieren. Nicht nur die Künstler, die sich der Kunst gewidmet haben, sondern das gesamte Volk muss seine Gedanken dem künstlerischen Schaffen zuwenden. Möge der Alltag durch die Hände der Familie künstlerisch gestaltet werden. Möge die freie Zeit mit künstlerischem Tun erfüllt werden und möge das Volk singen. In Chören ist die erhabene Kraft der Harmonie enthalten.

       Die Schulen müssen unbedingt in allen Künsten unterrichten. Man darf dies nicht gewaltsam einführen, ist doch jeder Anfänger bereits fähig, die Schönheit der Offenbarung der Kunst zu spüren. Es ist ein Fehler, wenn nur eine bestimmte Klasse von Künstlern sich daran macht, künstlerisch tätig zu sein, und ihre Früchte mechanisch vervielfältigt werden. Eine solche Mechanisierung hilft dem Volk nicht. Jeder sollte versuchen, dem künstlerischen Schaffen zu dienen. Möge das Volk den Sport des künstlerischen Schaffens lieben lernen, denn der Marathon des künstlerischen Schaffens ist unvergleichlich bedeutender als der Marathon der Läufer.

       Man wird fragen, wie Wir Unsere Wohnstätte verschönern. Wahrhaftig, Wir verschönern sie. Jeder von Uns war einmal ein Künstler. Man kann aus dem „Kelch“ der Aufspeicherung einen beliebigen Vorrat künstlerischen Schaffens in sich hervorrufen und ihn in den verschiedenen Gebieten der Kunst ausdrücken. Wenn die Menschen lernten, ihre vergangenen Leben in vernünftiger Weise zu erkennen, könnten sie jeden Nutzen aus der früheren Erfahrung ziehen. Doch die Menschen sind nicht imstande, einen vernünftigen Gebrauch von ihren Errungenschaften zu machen. Eine solche einfache Wahrheit erfordert einen qualvollen Prozess der Aneignung.

       So ist es unmöglich zu beschreiben, wie man mittels des Gedankens künstlerisch schaffen kann. Die Menschen denken nicht, dass Saiten unter den Strömen des Denkens erklingen können. Sie glauben nicht, dass kalte Farben sich unter dem Druck des Denkens zu harmonischen Gestaltungen sammeln können. Indessen wissen die Menschen, welche Zeichnungen der Rhythmus im Sand schafft. Die Menschen betrachten mit Freude Frostblumen. Die Menschen wundern sich nicht, wenn Saiten unter fernen Rhythmen erklingen. Doch das Denken bringt die stärksten Rhythmen hervor, und in solchen Schwingungen kann man künstlerisch schaffen.

       Haltet Uns nicht für Magier und Zauberer, wenn ihr von Spiegeln hört; dieselbe Konzentration des Denkens fixiert die Bilder. So muss man vor allem das Denken ausbilden.

 

       54. Urusvati hat sich die Eigenschaft Augenblicklichkeit angeeignet. Diese Eigenschaft wird leichthin ausgesprochen, doch selten im Leben angewendet. Es ist leicht auszurufen: „Der Gedanken ist augenblicklich!“, schwer jedoch, sich eine solche Augenblicklichkeit anzueignen. Im Wirbel der Ereignisse senden Wir manchmal nur ein einziges Wort, aus dem man den ganzen Sinn feststellen muss. Für die Mehrheit blitzt ein solches Wort ohne Folgen auf, doch ein erweitertes Bewusstsein erfasst scharfsichtig jedes Zeichen.

      Es gibt viele Gründe für eine solche Kürze. Manchmal ist ein Wirbel dermaßen angespannt, dass jeder Laut bereits das Mögliche überschreitet. Mitunter wollen derart viele Ohren diese Sendungen auffangen, dass es unzulässig ist, die ungebetenen Zuhörer zu informieren. In einer ruhigen Stunde ist es möglich, eine gesonderte, unerreichbare Leitung zu errichten. Während einer wirbelartigen Schlacht jedoch können sogar die besten Ströme gestört werden, und ihre übermäßige Spannung kann für den Empfänger verderblich sein.

       Gemeinsam mit der Fähigkeit zur Augenblicklichkeit hat Urusvati sich auch den Sinn für Echtheit angeeignet. Unsere Stimmen sind an ihrem Timbre[35] erkennbar. Eine Uns nahestehende Person täuscht sich nicht in Unseren Stimmen. Doch außer der klanglichen Wahrnehmung existiert noch der Sinn für Echtheit. Eine solche Empfindung trügt niemals. Ein Kind spürt unfehlbar die Schritte von Mutter und Vater. Um wieviel tiefer fühlt dann das Herz die Sendung des Lehrers!

       Unwissende sagen, dass es Irrtümer geben, dass jemand die Stimme des Lehrers nachahmen könne. Ein erweitertes Bewusstsein kann nicht irren, da das Gefühl keine Fehler macht. Im Wirbel der Anspannung kann es ein Beben geben, doch dann kann man noch einmal fragen. Besonders erschwerend ist, dass die Menschen sich die räumlichen Schlachten nicht vorstellen. Doch im irdischen Zustand ist es schwer, sich eine Schlacht inmitten der Unbegrenztheit vorzustellen.

       Sogar die Stimme der Stille wird falsch verstanden. Ungeachtet dessen prägt sie sich dem Bewusstsein ein oder, genauer gesagt, erklingt im Bewusstsein. Jeder aufgenommene Gedanke widerhallt schwingend. Ebenso beginnt der Empfänger des öfteren, einen Gedanken zu wiederholen. Dieser Prozess hat einen bestimmten Namen: Einprägen des Gedankens. Ihr wisst, wie notwendig es ist, das Empfangene mehrmals zu wiederholen, damit es nicht verfliegt. Die geringste äußere Erschütterung vernichtet das Empfangene. Dies ereignet sich sogar bei einem erweiterten Bewusstsein.

       Die Verwunderung darüber, dass die Bewohner der Feinstofflichen Welt nicht über die räumliche Schlacht sprechen, ist vollkommen berechtigt. Die Höheren schonen die Erde. Die Niederen wissen nichts von der Schlacht. Ebenso ist es auf der Erde: Obwohl einige Kriege stattfinden, wissen doch manche Bewohner nichts von ihnen oder belegen sie mit anderen Bezeichnungen. Auch in der Feinstofflichen Welt gibt es Verwirrungen und Zerstörungen, doch die niederen Massen begreifen ihre Ursachen nicht. Die niederen Schichten sind zahlreicher als die höheren. Zudem erreichen die Verwirrungen nicht die „Gesegneten Gefilde“, von denen ihr wisst. Daher bleiben die Glaubenskämpfer nicht dort, sondern streben zur Tätigkeit im Großen Dienst.

      Wahrlich, im Himmel ist es wie auf der Erde.

 

       55. Urusvati versteht es, Freude zu bringen. Eine solche Fähigkeit ist in der Disziplin des Willens enthalten. Nicht durch Dinge, sondern aus Überzeugung heraus erwächst das Bewusstsein der Freude. Es kann keinen Zustand geben, der sich nicht in Freude wandeln ließe. Wenn Wir wiederholt von Freude sprechen, rufen Wir sie herbei als eine erhabene Realität. Man kann sich Unsere Wohnstätte nicht ohne Freude vorstellen. Die angespanntesten Kämpfe sind mit Freude gesättigt; ohne sie wird es keine Tätigkeit geben. Doch wenn man sich über die Bedeutung und den Wert der Freude Klarheit verschafft hat, wird dies die Lösung einer bedeutenden physiologische Grundlage sein.

       Unwissende verbinden die Empfindung von Freude mit einer gesunden Verdauung oder mit Erfolg im Leben. Freude lebt jedoch jenseits von Gesundheit und Erfolg. Sie kann selbst inmitten von Krankheit und unter Beschimpfungen bestehen. Ein solches Gefühl wird nicht nur während vieler Lebenswechsel entwickelt, sondern auch bei einem weisen Aufenthalt in der Feinstofflichen Welt.

       Die Menschen überlasten sich mit Dingen, die nicht nur auf der Erde, sondern auch in der Feinstofflichen Welt unnötig sind. Jedes unnötige Ding wird bereits eine schwere Last sein. Doch ebenso unerträglich ist ein unvernünftiges Schaffen in der Feinstofflichen Welt. Man kann dort so viel Unheil anrichten, dass man hiervon in allen Leben verfolgt wird. Freude kann sich unmöglich entwickeln, wenn man viele schmutzige Schwänze hinter sich herschleppt. Freude gibt es über die Zukunft, doch sie kann nicht in der Vergangenheit leben.

       Man muss verstehen, dass Wir Freude als etwas Schöpferisches und Begeisterndes zu erläutern suchen. Freude wird ein zuverlässiger Magnet sein. Wir wollen, dass die Menschen verstehen, wo ihr Allheilmittel liegt. In Freude können sie ein besseres Höheres Gespräch führen. In Freude werden sie unerschütterliche Mitarbeiter finden. Sie wünschen, dass es der Welt in Freude gut ergeht.

       Wir können bestätigen, dass Niedergeschlagenheit die Schwelle Unserer Wohnstätte nicht überschreiten wird, denn dort lebt Freude. Mögen die Menschen sich daran erinnern, dass niemand sie ihrer Freude berauben kann. Sogar ein Apparat arbeitet besser, wenn wir ihn freudig benutzen. Entschieden alles kann berichtigt und verbessert werden, und nichts kann den Pfad der Vervollkommnung versperren.

       Für Uns ist es ein Festtag, wenn Wir sehen, dass Unsere Mitarbeiter den Schild der Freude erkannt haben.

 

       56. Urusvati versteht die Bedeutung ärztlicher Vorsicht. Wir bleiben stets Ärzte im wahrsten Sinn. Wir müssen mit ärztlicher Zielsetzung an die Menschen herantreten. Wir begegnen unentwegt Kranken und müssen vor allem für Gleichgewicht sorgen. Die Menschen suchen Uns besonders dann, wenn ihr Elend bereits begonnen hat. Man muss nicht nur Maßnahmen zur Erhellung des Bewusstseins ergreifen, sondern auch die Krankheiten heilen.

       Die Menschen verstehen nicht, dass Wir mit ihnen wie mit gefährlichen Kranken umgehen müssen. Wenn Wir euch zu Vorsicht raten, bedeutet dies nicht, dass Wir euch für unvorsichtig halten. Im Gegenteil, Wir lenken nur die Aufmerksamkeit darauf, dass sich jemand in einer nie dagewesenen Anspannung befindet und besondere Vorsicht erforderlich ist. Wenn ihr euch in der Stellung eines Arztes fühlt, werdet ihr dem Ziel viel näherkommen.

       Besonders heutzutage sind die Menschen angespannt und bedürfen einer weisen Einflussnahme. Oft wird man genötigt sein, ihnen in Einzelheiten beizupflichten, um das Wichtigste zu bewahren. Man wird Mut zusprechen müssen, um von Angst zu befreien. So sollte ein Lehrer des Lebens sich die gesamte Methode eines weisen Arztes zu eigen machen.

      Nicht selten kann einer Erkrankung mit einem einfachen Wort der Ermutigung Einhalt geboten werden. Lasst uns nicht analysieren, wo und wann die Krankheit begonnen hat. Vor allem verurteilt ein Arzt nicht, sondern sieht den besten Weg voraus, um die Zersetzung zu unterbinden. In jeder Krankheit kommt Zersetzung zum Ausdruck. So muss man auch bei menschlichen Irrtümern Heilmittel anwenden.

       Vor kurzem habt ihr von einer Besessenheit gehört; ein fast hoffnungsloser Fall, da die Kranke es leid geworden war zu kämpfen und zu einem Opfer des Besitzergreifers wurde. Durch den persönlichen Magneten kann man die Entwicklung des Entsetzlichen zum Stillstand bringen, auf schriftlichem Weg jedoch ist es bereits unmöglich, Einfluss auszuüben.

      Desgleichen begünstigen auch die Umgebenden eine Verstärkung der Krankheit. Gewöhnlich muss man solche Besessenen vor allem an einen neuen Ort bringen und die gesamte Umgebung erneuern. Die Menschen verstehen nicht, wie sehr die Umgebung die Entwicklung mancher Krankheiten fördert. So muss man sich daran gewöhnen, die Stellung eines Arztes einzunehmen. Unser inneres Leben ist voller ärztlicher Tätigkeit.

 

       57. Urusvati sagt mit Uns gemeinsam: Versteht es, gut zu sein. In diesem einen Wort ist eine ganze Weltanschauung enthalten. Man kann keinen ähnlichen Begriff anzuführen, der so entstellt wurde. Von tatenloser Scheinheiligkeit bis zu unverhüllter Grausamkeit findet alles seinen Platz unter der Maske des Guten. Man muss es wahrhaft verstehen, auf eine Art gut zu sein, die nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere nützlich ist.

       Wir senden Gedanken über das Gute, über die Arbeit und über die Tat. Es kann nichts Gutes ohne die Tat geben. Das Gute wird nicht herrschen, wo es keine Arbeit gibt. Das Gute wird nicht herrschen, wenn man sich dem Bösen nicht widersetzt. Das Gute wird nicht herrschen, wenn wir nicht die Verantwortung übernehmen, das Böse zu unterscheiden.

      Erkennen wir die Verwesung und versäumen wir nicht, Licht zu bringen. Schön ist die Redewendung, dass durch Beitragen von Licht die Finsternis zerstreut wird. Doch man muss Licht beitragen, und eine solche Tat wird bereits voller Selbstaufopferung sein. Licht erleuchtet auch furchterregende Ungeheuer; natürlich werden sie sich auflösen, doch es wird Augenblicke geben, in denen sie sich mit dem abscheulichsten Gesicht zeigen. Solche Augenblicke muss jeder Lichtträger durchmachen. Er darf seine Schritte nicht verlangsamen und muss dem Ungeheuer kühn ins Gesicht sehen. Es wird jedoch kein vollständiges Lossagen von der Furcht sein, wenn der Lichtträger die Augen in der Hoffnung abwendet, dass das Licht das Ungeheuer auflöst. Nicht nur das Licht, sondern auch die uranfängliche Energie wird den Schlag versetzen, der die Finsternis vernichtet.

       Ihr habt bereits gehört, dass Wir den Pfeil erst im letzten Moment senden. Dies muss man verstehen und wissen, wo sich die letzte Grenzlinie befindet. Für alle Entscheidungen muss man die Verantwortung auf sich nehmen. Die Menschen weichen ihr mit aller Kraft aus, und genau dadurch sind solche Kämpfer unzuverlässig. Wir erproben jeden Mitarbeiter, doch wenige sind es, die eine solche Aufgabe freudig annehmen. Man weicht aus und versucht, sich zu verstecken, wenn die Stunde der Offenbarung kommt. Möge sich erweisen, wer gut und wer böse ist. Möge sich erweisen, wer zur Tat bereit ist und wer das träge Halbdunkel vorzieht, von dem es nicht weit bis zur Finsternis ist.

       Unsere Wohnstätte ist überaus friedliebend, doch bereit zum Kampf für das Gute. Wir haben Kenntnis davon, wann die finsteren Verräter neue Angriffe beginnen werden. Doch für jedes Zurückwerfen muss man die beste Stunde auswählen.

      Erneut kommen wir zu den karmischen Gesetzen. Jede Handlung hängt von etwas Vergangenem ab, und die Wirkung wird inmitten nebensächlicher Umstände ihren Verlauf nehmen. Es ist unerlässlich, diese zu erkennen und seine Taten demgemäß aufzubauen. Ich spreche davon, weil viele annehmen, Wir könnten das Karmagesetz missachten.

       Es bedarf vieler Bedingungen, um die Wirkungen zu vermehren oder zu verringern. So stehen Wir unablässig auf der Wacht, damit das Gute keinen Schaden erleidet.

 

       58. Urusvati lehnt sich gegen jegliche Quälerei auf. Dies geschieht nicht infolge von Nervenschwäche, sondern aus der angeborenen Erkenntnis heraus, dass im Namen der Menschenwürde Quälerei nicht zugelassen werden darf.

       Es gibt viele Arten von Quälerei in Bezug auf Menschen und Tiere. Man muss daran denken, dass das Karma der Peiniger überaus schwer ist. Die Einführung gesetzlich legitimierter Quälereien kann nicht sämtliche vollbrachten Ungerechtigkeiten rechtfertigen! Man muss das wilde Bewusstsein erhellen, damit die Zweibeiner begreifen, was man tun darf und was nicht. Ein erfahrener Arzt erkundigt sich vor allem nach dem Befinden des Kranken. Diese Stimmung ist wichtiger als Medikamente. Doch welches Befinden kann denn auf der Erde herrschen, wo niemand vor den verschiedensten Quälereien geschützt ist?

       Das Befinden kann die kompliziertesten Fragen des Staates entscheiden. Es muss jedoch die Unverletzlichkeit der Persönlichkeit gewahrt werden. Doch wird die Würde etwa gewahrt? Trösten wir uns nicht mit der Unparteilichkeit der Gerichte, denn sie wird von gröbster Willkür mit Füßen getreten.

      Es ist leicht, über Sadismus zu sprechen, doch entsetzlich zu sehen, dass dieser unvorstellbare Wahnsinn nicht unterbunden wird. Man könnte meinen, dass jene grundlegende Eigenschaft des Menschen, über die Wir sprechen, nicht verstanden wird. Es gibt so viele sowohl kleinere als auch entsetzliche Quäler auf der ganzen Welt! Das bewusste Peinigen des Nächsten unterscheidet sich nicht von den wildesten Epochen. Man kann sich an die Massen in den römischen Zirkusarenen erinnern, doch können sich die heutigen Massen etwa eines würdigen Verhaltens rühmen? Hat denn die Veränderung der Kleidung das Bewusstsein beeinflusst? Man muss an diesen Zustand erinnern, um zu wissen, womit Wir in Unserer Wohnstätte zu kämpfen genötigt sind.

       Es existiert eine Gesellschaft zum Schutz der Tiere, doch keine zum Schutz des Menschen. Mögen die Hartherzigen nicht wagen, sich als barmherzig auszugeben. Es ist schwer, Hartherzigkeit von Grund auf zu ändern. Wir unternehmen gewaltige Anstrengungen, indem Wir stärkste Gedanken aufbieten, doch sie dringen oft nicht in die versteinerten Herzen ein.

       Man kann die Macht des Sonnenaufgangs spüren und das Sonnenprana aufspeichern, es erfordert jedoch eine unermessliche Geduld, um mit der Quälerei zu kämpfen. Fortwährend stehen vor Uns Beispiele raffiniertester Quälerei, gerade als ob die Menschen sich verabredet hätten, das Karma des Planeten zu erschweren. So sind nicht nur Krieg und Unruhen, sondern auch die Schule und die Familie von niederträchtigen Quälereien erfüllt. Man muss verstehen, wieviel Qual und Wehklagen Unsere Wohnstätte erreichen. Man muss allen helfen.

 

       59. Urusvati erkennt mit Hilfe des Gefühlswissens übermenschliche Handlungen. Betrachten wir die Arten der menschlichen Handlungen. Es kann Handlungen des freien Willens geben, sodann karmische Handlungen und schließlich Handlungen unter dem Einfluss von Besessenheit. Doch außer diesen kann es noch eine besondere Art von Handlungen geben, die nicht unter die aufgezeigten Arten fällt. Wir nennen sie übermenschlich.

      Auserwählte Menschen führen Unsere Aufträge aus. Sie bieten ihre besten Fähigkeiten auf, und dennoch kommen solche Handlungen nicht aus dem freien Willen und noch weniger aus Besessenheit. Ebenso wenig kann man sie als karmisch bezeichnen, weil in ihnen altes Karma erledigt oder neues angelegt werden kann. Angesichts all dieser Vergleiche kann man zu der Schlussfolgerung gelangen, dass solche Handlungen ein besonderer Ausdruck von Kräften sind, die Oben gesandt wurden. Solche Handlungen wurden im Altertum als heilig bezeichnet, da man in ihnen etwas nicht Irdisches verspürte.

       Das Erkennen solcher Taten kann im Gefühlswissen enthalten sein. Es ist schwierig, sie menschlichen Gesetzen gemäß einzuteilen, doch ein erweitertes Bewusstsein kann ihre Gegenwart spüren. Auch hassen die höheren Ränge der feindlichen Kräfte in besonderer Weise die Träger solcher Aufträge. Die Finsteren können deren Aufgaben nicht erkennen; sie können auch das Ausmaß solcher Aufträge nicht bestimmen, umso mehr geraten sie in Wut.

       Es lassen sich aus der Geschichte viele Beispiele von Personen anführen, die mit Unseren Aufträgen betraut waren. Solche Aufgaben sind von vielfältiger Art. Manchmal übergeben Wir nur eine einzelne Tat zur Ausführung, doch zuweilen zieht der Auftrag sich über den Verlauf eines ganzen Lebens hin. Wir übernehmen Bürgschaften für die Auserwählten. Jedes Mitglied der Gemeinschaft schlägt eine vielfach beobachtete Person vor und nimmt sie unter seine Obhut. Dafür benötigen Wir langandauernde Erprobungen, die sich über mehrere Leben hinziehen.

       Man muss davon überzeugt sein können, dass das Wesen des Auftrags ausgeführt werden wird. Wir berücksichtigen nicht die Einzelheiten, da örtliche Bedingungen neue Erscheinungen bringen können. Auch bestehen Wir auch nicht auf untergeordneten Fristen, da Uns das Wesen der Offenbarung wichtig ist. Wo Erfolg und wo Misserfolg eingetreten ist, können nur Wir entscheiden. Die Ansichten über Ursachen und Folgen bringen viele Komplikationen. So oft richten Wir Unsere Aufmerksamkeit in die Zukunft, um unzeitige Schlussfolgerungen zu verhindern.

       Es könnte gefragt werden, warum Wir nicht bereits früher den Begriff der übermenschlichen Handlungen in den Vordergrund gerückt haben. Man darf jedoch nicht ausführlich über solche Aufträge sprechen, da anderenfalls die Mehrheit der Menschen in Dünkel verfallen und ihre eigenmächtigen Handlungen mit irgendwelchen Aufträgen verschleiern würde. Viele verstehen die Einteilung in die vier Arten von Handlungen überhaupt nicht, doch wenn das Gefühlswissen einem diese Grenzen nicht eingibt, wird kein Verstand sie bestimmen.

       Einige haben „Die Geschichte von dem Stückchen Brot“ gern gelesen, doch für andere war sie eine überaus langweilige Erzählung. So wird vielen auch eine Betrachtung über menschliche Handlungen langweilig erscheinen. Doch lasst Uns an die Bürgschaften denken, die mit den übermenschlichen Taten verbunden sind. Mögen die Menschen Uns helfen, ihnen zu helfen.

 

       60. Urusvati kann bestätigen, wie leer ein Leben ohne Verkehr mit Uns für denjenigen ist, der sich der Bruderschaft angeschlossen hat. Oft muss man die Unterstützung spüren können und eine Entscheidung mit den Grundlagen vergleichen, die durch lange Erfahrung erprobt wurden. Die Lehre selbst wird lebendig, wenn sie mit der bestehenden Quelle verbunden ist.

      Kalt und dunkel ist es, wenn man einsam zwischen den feindlichen Lagern einherschreitet. Natürlich vertreibt auch die Feinstoffliche Welt die Einsamkeit, doch unermesslich ermutigend ist es, Unsere Wohnstätte zu erkennen. Nicht dort in der Unbegrenztheit, sondern hier ist das Bollwerk offenbart. Doch sogar diejenigen, die den genauen Ort der Wohnstätte nicht kennen, können sich in ihre Richtung wenden. Das Streben des Denkens wird diese Richtung weisen.

       Wenn ein Künstler Unsere Wohnstätte auch nur annähernd darstellen würde, könnte eine solche Vorstellung jemand anderem als Teraphim dienen. Der beste Teraphim ist jedoch das menschliche Herz. Von Herz zu Herz entwickelt sich ein mächtiger Magnet. Eine solche Anziehung ist sogar physisch stark. Die Hinziehung zu Unserem Herzen kann so stark sein, dass es unmöglich wird, sie zurückzuhalten. Sie wird „Feuriger Streitwagen“ genannt. Solche feurigen Empfindungen erfordern eine große Harmonie, andernfalls verwandeln sie sich in einen chaotischen Wirbel.

       Wer Uns kennt ist davon überzeugt, dass er nicht abgewiesen wird. Seine Gedanken sind bekannt, und groß ist die Erleichterung, wenn es nichts zu verbergen gibt. Er weiß, dass jeder gute Gedanke die Verbindung mit Uns festigt. Und ohne in Worte gefasste Äußerungen, nur mit einem tiefen Erbeben des Herzens erreicht Uns die gute Sendung. Aus Unerfahrenheit kann es noch unnötige Appelle geben, doch Harmonie und Hingabe stellen eine wahre Zusammenarbeit her. Wir freuen Uns, wenn die Stufe wahrer Zusammenarbeit erreicht wird, dann wird bereits das geringste Zeichen verstanden. Eine weise Kürze der Äußerungen wird geschätzt, und man kann sagen: Unsere Freude ist eure Freude.

       Solange die Menschen von Magie, Hexenkunst und Zauberei träumen, sind sie nicht die Unsrigen. Für die Hohe Wohnstätte ist nur das Herz notwendig. Wenn es ein leidendes Herz ist, wird es ein zuverlässiges Herz werden. Das schöne Herz muss auf der Erde leiden. Ein Fisch kann nicht ohne Wasser leben; ein Adler kann sich ohne Freiheit nicht freuen. Wir möchten Unseren Freunden Einfachheit eingeben, denn die Kompliziertheit des Lebens ist bereits in Schaden ausgeartet. Es ist notwendig, über gewisse Enthüllungen Schweigen zu bewahren. Bei Uns liegen viele Formeln bereit, doch ist es noch zu früh, die Wissenschaftler mit ihnen zu inspirieren. Allzu nah beieinander liegen eine gute Bestimmung und eine schadenbringende Anwendung.

       Mögen die Menschen, die Uns kennengelernt haben, versuchen, dieses Wissen auszulöschen. Sogar die verräterischen Abtrünnigen empfangen unheilbare Wunden. Wir werden nicht über die Folgen sprechen, denn jemand könnte dies als Drohung ansehen. Jeder Weber grämt sich über einen zerrissenen Faden und freut sich über festes Garn – so ist es auch im menschlichen Geist.

 

       61. Urusvati wird sich nicht entziehen und sich nicht fürchten, in der Zeit der Schlacht mit Uns zu sein. Viele erschrecken allein schon bei der Erwähnung einer Schlacht. Andere geraten angesichts der langen Dauer des Kampfes in Verwirrung. Dritte schließlich verfallen in endgültiges Entsetzen, wenn sie erfahren, dass die Schlacht ohne Ende ist. Die Menschen lieben es, bei Unbegrenztheit Endlichkeit zu haben.

       Man könnte lächeln, wenn man das Entsetzen der Menschen sieht, die sich für Kenner des Okkultismus halten. Leicht fällt es ihnen, Traktate zu schreiben, doch erblassen sie beim Wort über die Schlacht. Sehr weit von Tätigkeit entfernt sind viele, die so wichtigtuerisch und aufgeblasen von ihrer eigenen Einweihung sprechen. Wie soll man sie dazu aufrufen, den Kampf für das Gute liebzugewinnen! Es gibt keine Worte, die einen Feigling in einen Tapferen verwandeln könnten. Nur die Gefahr kann den Anstoß dazu geben, zur Tat zu streben. Gerade der Feigling muss sich der Gefahr stellen. Die Menschen flehen oft darum, sie vor Gefahr zu bewahren, doch für ihr Wachstum ist Gefahr unerlässlich.

       Ebenso kann die Endlosigkeit der Schlacht einige unwissende Menschen verwirren. Es ist unmöglich, zu Unvorbereiteten von der Unbegrenztheit der Schlacht zu sprechen. Mögen sie lieber bei dem Begriff von Sieg bleiben, den sie fassen können. Bei einem solchen Verständnis von Sieg schwebt über ihnen natürlich auch das Trugbild der Niederlage. Bei einer Schlacht in Unbegrenztheit kennen Wir keine Niederlage.

       Wir werden die finsteren Hierophanten[36] nicht herabsetzen, denn sie sind keine geringen Gegner. Ihre Mittel sind raffiniert und sie kennen die Unbegrenztheit. Doch Wir wissen etwas, das jenseits ihres Wissens liegt. Sie verstehen, dass etwas für sie Unzugängliches existiert. Gewaltig ist ihre Wut über diese Begrenzung, doch so ist das Gesetz. Es ist erstaunlich zu verfolgen, mit welch niederträchtigen Methoden sie die Menschen anziehen! Das bedeutet, dass man sich auf unwandelbare Werte stützen muss, nicht auf ephemere[37] irdische Vorstellungen.

       Man könnte Uns fragen, ob Wir während der Schlacht in Erschöpfung geraten. Ein solcher Ausdruck ist unanwendbar; es wäre zutreffender, nach dem Grad der Anspannung zu fragen – sie ist groß. Wenn Schwester Urusvati das Fallen Unserer Schweißtropfen gehört hat, kann man sich die Anspannung aller Energien vorstellen. Wenn die Haare in einem elektrischen Wirbel zu Berge stehen, kann man sich Unsere Anspannung vorstellen! Wir verbergen nicht, dass die Schlacht Momente allerhöchster Anspannung mit sich bringt.

      Wenn sich jemand fürchtet, möge er sich dem Kampf für das Gute nicht nähern. Wenn jemand menschliches Urteil fürchtet, möge er nicht über die Ethik nachdenken. Wenn jemand um sein irdisches Leben zittert, möge er dahingehen, um in der Finsternis vollkommen zu verfaulen. Man kann bemerken, dass ein Feigling schneller als ein Tapferer zugrunde geht. Man kann sich davon überzeugen, dass der, der den Tod fürchtet, ihn herbeiruft.

      So kann man an allen Erscheinungen sehen, dass es nützlich ist, ein Bewusstsein für das Gute zu entwickeln. Wir wollen nicht länger bei den Epidemien der Furcht verweilen, denn wenn Wir über die Bruderschaft sprechen, kann Furcht keinen Platz haben.

 

       62. Urusvati zeigt sich im feinstofflichen Körper gewöhnlich mit einem hellenischen violetten Gewand bekleidet. Lasst uns den Grund dafür betrachten. Die Farbe des Gewandes entspricht gewöhnlich der Farbe der Aura, doch das Gewand selbst wird einer besonders vertrauten Epoche entlehnt. So bleibt auch in der Feinstofflichen Welt die Schönheit der Beschaffenheit der Kleidung unbestreitbar deutlich bewahrt. So ziehen wir auch in der Welt der Gedanken gewöhnlich unsere früheren Kleider an. Menschen, die keine Erinnerung an die Vergangenheit bewahren, geraten in der Feinstofflichen Welt oft in Schwierigkeiten. Sie erinnern sich an einzelne Bekleidungsteile verschiedener Epochen, und daraus ergibt sich die vielfältigste Vermischung. Sie spüren die Notwendigkeit, sich unverzüglich ein Gewand zu schaffen, doch ihre undisziplinierte Vorstellungskraft zeigt ihnen nur irgendwelche Bekleidungsfetzen. Wenn sie in der Umgebung verschiedene Gewänder sehen, beginnen die Neuangekommenen, eilig gedanklich umherzuirren, und jeder Gedankenstoß trägt ihnen einen unerwarteten Gegenstand herbei.

       Genau das gleiche geschieht mit gedanklichen Bauwerken, und letzten Endes muss man alle diese hässlichen Auftürmungen[38] vernichten. Nicht ohne Grund raten Wir dazu, im Leben das Denken anzuspannen und das Gefühl der Harmonie zu verstehen. Entschieden jede geistige Aufspeicherung wird in der Feinstofflichen Welt von Nutzen sein. Wir lieben einfache Gewänder, die nicht bei der Arbeit stören. Es ist besser, wenn jeder im Leben die für ihn geeignetste Bekleidung festlegt, sie wird ihm in der Feinstofflichen Welt nützlich sein. Es ist sehr bedauerlich, wenn man auch dort eine ungeeignete irdische Kleidung trägt. Gewiss, der Führer klärt über Hässlichkeit und Ungeeignetheit auf, doch einige sind derart stumpfsinnig, dass sie nicht einmal den Sinn der Ratschläge verstehen. Es kommt hinzu, dass solche Bewohner nur mit Worten kommunizieren möchten und keinen gedanklichen Verkehr durchzuführen verstehen.

       Die niederen Schichten der Feinstofflichen Welt offenbaren viel Hässlichkeit. Es ist unabdingbar, die Erde von ihr zu reinigen. Wenn Ich also von der Kraft der Schönheit spreche, habe Ich nicht nur die Erde im Sinn, sondern auch die Feinstoffliche Welt. Wir leben zur Hälfte in der Feinstofflichen Welt. Viele Unserer Nächsten befinden sich im feinstofflichen Körper. Man kann sich vorstellen, welche Vielfalt das innere Leben Unserer Wohnstätte aufweist, wo das irdische Äußere mit den Überirdischen Welten in Berührung kommt – hell sind das Aufflammen des Feuers und die Strahlen!

 

       63. Urusvati ist fähig, den Wert alles Existierenden anzuerkennen. Jede Erscheinung ist bereits die Folge von Gedankenarbeit. Selbst wenn die Erscheinung in Involution verfiele, bliebe dennoch irgendwo in ihr ein Funke der höchsten Energie verborgen. Gewöhnlich lieben es die Menschen, eine Sache gänzlich zu verwerfen, wenn auch nur ein einziger Teil ihrem Verständnis nicht entspricht. So verfährt ein unkluger oder unerfahrener Hausherr, doch die Erkenntnis wird ihn jede schöpferische Kraft schätzen lehren, befände sie sich auch in der unpassendsten Hülle. Sogar Djins können einen Tempel erbauen. Sie verstehen zwar das Wesen des Bauwerkes nicht, doch die ihnen innewohnende Kraft kann einen ausgezeichneten Maurer abgeben.

       In jeder Legende ist ein Teil Wahrheit enthalten. Man erzählt von dem unterirdischen Volk Agartha* – ein solches Volk gibt es nicht. Die Grundlage dieser Sage hat sich jedoch im Umkreis Unserer Wohnstätte gebildet. Die unterirdischen Gänge existieren nicht in jenem Ausmaß, wie in der Legende angegeben, doch Wir verfügen trotzdem über genügend ausgedehnte unterirdische Gänge. In anderen Sagen wird von Weißwasser und dem Himmlischen Jerusalem erzählt – beide Sagen haben eine Beziehung zu Unserer Wohnstätte.

      Es wäre unvernünftig, alle Sagen abzulehnen, ohne sich in ihren Sinn zu vertiefen. Jede von ihnen bewahrt einen äußerst genauen Hinweis, der oftmals bewusst verschleiert worden ist. Nicht selten schützen Wir selbst den Sinn einer Legende, da andernfalls die Erkenntnisfähigkeit der ortsansässigen Leute vieles enthüllen könnte. Ebenso ist es manchmal erforderlich, in strenger Weise zu verhindern, dass bestimmte Grenzen überschritten werden. So muss man in allem eine genaue Einschätzung der Lage vornehmen.

      Wir werden nicht jede Lage präzise feststellen, denn die Mitarbeiter müssen verstehen, wie sehr alles von den dringlichsten Entschlüssen erfüllt ist. Mögen sie sich vor Augen halten, welch große Anzahl von Berichten in Unserer Wohnstätte zusammenströmt! Jeder erfordert eine unverzügliche Entscheidung. Dabei dürfen Wir die irdischen Beteiligten nicht erschrecken und müssen überall den anwendbaren Funken Energie finden. Vergessen wir nicht, dass viele nützliche Helfer wiederholte Erinnerungen benötigen und eine Belehrung nicht auf den ersten Rat hin aufnehmen. Dies entwickelt die Geduld sehr. Gereiztheit ist doch nichts anderes als Willensschwäche. Eine nebelhafte Denkweise liebt Wiederholung, doch die Ereignisse drängen.

       Wir legen das höchste Maß von Behutsamkeit an, um nicht zuzulassen, dass die Mitarbeiter sich unnötiger Gefahr aussetzen. Man kann sich jedoch vorstellen, wie schwer es manchmal ist, einen Menschen zu schützen. Er selbst stürzt dem Schlag entgegen und entrüstet sich dann über die Führende Hand. Dermaßen gesättigt ist Unsere Atmosphäre. Allein die Zusammenarbeit mit der Feinstofflichen Welt gestattet es Uns, die Möglichkeiten zu erweitern.

 

       64. Urusvati achtet die Fristen. Seid nicht erstaunt, dass Wir zum Gegenstand der Fristen zurückkehren. Er ist für Unser Inneres Leben allzu wichtig. Man könnte den Menschen viele Fristen mitteilen, doch die Mehrheit könnte sie nicht zu ihrem Nutzen aufnehmen.

      Insbesondere ist die Selbstsucht ein Hindernis, die den Menschen dazu veranlasst, alle Mitteilungen auf sich selbst zu beziehen. Man kann den Tag eines bedeutenden Ereignisses aufzeigen, doch der Mensch wacht auf seiner gewohnten Schlafstatt auf und fragt gereizt: „Wo ist es denn nun, das besondere Ereignis?“ Gewöhnlich geben die Menschen nicht zu, dass Ereignisse sich nicht nach ihrem Plan vollziehen.

      Gereiztheit und Unverständnis sind nur hinderliche Grundlagen, und Uns sind solche Splitter nicht nützlich, da ihre Beseitigung Energie verschlingt. Wenn die Menschen doch nur die Energie schonen würden, die gerade ihrem Nutzen dient.  

       Ebenso ist es schädlich, neidisch zu sein, wenn man von dem Fortschritt eines anderen hört. Man kann erfahren, dass jemand Unsere Wohnstätte nur wegen eines einzigen Dienstes erreicht hat, den er einem Unserer Brüder erwiesen hat[39]. Jeder wird denken, dass er ebenfalls bereit sei, einen Dienst zu erweisen, doch hat er vergessen, dass ein solcher Dienst nur die letzte Perle in einer ganzen Kette von Selbstaufopferung war. Auch geben die Menschen nur schwer zu, dass ein Mensch von scheinbar gewöhnlichem Äußeren in seinem Herzen viele Aufspeicherungen bergen kann. Über viele Leben hinweg leuchten die Feuer des Hohen Dienstes hell, und wer könnte denn über den Fortschritt des Herzens urteilen?

       Die Menschen lieben es ganz und gar nicht, dass sich in ihrer Nähe etwas Besonderes zeigt. So wird vieles verworfen, was für Unsere Arbeit von Nutzen sein könnte.

       Auch Wir haben mit den gewöhnlichsten Antlitzen auftreten müssen. Wir mussten sogar konventionelle Titel tragen, um auf diese Weise leichter in überaus abgeschlossene und verirrte Kreise eindringen zu können.

       Wir sind ständig darum bemüht, dass sich jede Einflussnahme fristgemäß vollzieht. Wenn Unsere Widersacher die Welt in Verwirrung und sogar in Krieg hineinziehen, müssen Wir Vorsorge dafür treffen, dass die Wirkungen der Ereignisse sich für den Fortschritt der Völker als nützlich erweisen. Daher nennt man Uns die Weltregierung. Die Menschen fürchten solche Bezeichnungen, beten jedoch selbst gern zum Höchsten Begriff und sind bereit, Seine Hand zu ergreifen. Wenn wir uns den Höchsten Begriff und einen lebendigen Glauben an Ihn vorstellen, warum kann man sich dann nicht auch eine Weltregierung vorstellen? So kann man auch dem Höchsten Begriff der Hierarchie Verehrung erweisen.

       Die Fristen sind angegeben; mögen die Menschen sie mit voller Behutsamkeit annehmen.

 

       65. Urusvati hat nicht nur einmal fremde Schmerzen auf sich genommen. Eine solche Eigenschaft wird zu einem Teil des Großen Dienstes. Anfangs ist sie überaus schwer, doch später wird eine solche Übernahme und Selbstaufopferung gleichsam zur zweiten Natur. Die Ärzte sollten nicht nur die Übertragung von Empfindungsfähigkeit, sondern auch die Übergabe ganzer Krankheiten mit allen Symptomen erforschen. Dabei können solche Symptome sehr kompliziert sein. Kann sich doch die Krankheit aus verschiedenen Quellen gleichzeitig verstärken. Zudem kann die Übernahme eines Schmerzes sich noch durch eine persönliche Veranlagung verstärken. Zunächst bleibt die Übernahme von Krankheiten auf Nahestehende beschränkt, doch später weitet sich eine solche Selbstaufopferung auf sehr weite Entfernungen hin aus.

       Man wundere sich nicht, dass Unsere umfangreichen Beziehungen auch vielfältige Schmerzen mit sich bringen, der Mensch jedoch gewöhnt sich an jeden beliebigen Zustand. Wenn Wir daher zur Vorsicht raten, sehen Wir auch die Möglichkeit einer Ausweitung der Schmerzen voraus. Indessen bedürfte die Menschheit normalerweise keiner Schmerzen. Ein solcher naturwidriger Zustand ist die Widerspiegelung eines fehlgerichteten Lebens.

       Mitunter möchte man die Menschen bitten: Belastet Unsere Arbeit nicht mit solchen Sendungen. Fallt Unseren Mitarbeitern nicht zur Last, indem ihr ihnen sowohl physische als auch geistige Schmerzen aufbürdet. Die Mehrheit der Menschen ruft bei Krankheit laut um Hilfe, während sie sich tags zuvor die Komplikationen selbst geschaffen hat. Man kann die Ärzte nur bitten, sich in die Ursachen der Erkrankungen zu vertiefen, um sie gleich von Anfang an zu unterbinden. Viele Krankheiten sind nicht nur physisch, sondern auch geistig ansteckend. Man kann sehen, dass die letztere Ansteckung häufiger als die erstere ist, und gerade dadurch verstärkt sich die Übergabe eines Schmerzes.

       Man kann von besonderen Schmerzen bei bemerkenswerten Persönlichkeiten lesen; es handelt sich dabei nicht nur um sogenannte heilige Schmerzen, sondern auch um eine Übernahme fremden Leidens auf sich selbst. In Bezug auf Unsere Wohnstätte lässt sich sagen, dass es dort keine Krankheiten gibt, Leid jedoch zur Genüge. Dies ist bei der Fürsorge für die Menschheit unvermeidlich.

 

       66. Urusvati hat richtig bemerkt, dass bei der Mehrheit der zu Uns Strebenden das Interesse nachlässt, wenn sie von Unseren Arbeiten erfahren. Doch Wir locken niemanden an. Ein zuverlässiger Mitarbeiter wird nur derjenige sein, der auf karmische Weise an den Großen Dienst herangeführt wird. Man kann Liebe zur Arbeit nicht erzwingen. Jeder Zwang auf diesem Gebiet erzeugt nur Widerwillen. Der Anklopfende sollte angehört werden, doch wird es nicht weise sein, Marktbummler zu sammeln. Jeder hat beobachten können, dass Freunde sich auf besonderen Wegen nähern. Weder geburtsrechtliche noch rassische Begriffe haben hier eine Bedeutung.

       Besonders muss man verstehen, dass Wir keine Quantität erwarten – und Wir selbst sind auch nicht zahlreich. Doch eine solche enge Zusammenarbeit ist besonders und kostbar. Kann doch jenseits irdischer Zusammenarbeit die Teilnahme der Feinstofflichen Welt herbeigerufen werden. Für gewisse Einflussnahmen sind solche Mitarbeiter sehr nützlich.

      Sie haben nichts mit jenen Hüllen gemein, die auf spiritistischen Séancen erscheinen und die Kräfte der Teilnehmer aussaugen. Mit solchen Hüllen kann man unmöglich irgendetwas Nützliches aufbauen. Gewiss bietet bisweilen ein harmonischer Zusammenklang der Anwesenden die Möglichkeit, dass auch ein höherentwickelter Geist herantritt, doch eine solche Harmonie ist sehr selten und erfordert große Gewöhnung aneinander.

      Unsere Zusammenarbeit mit den höheren Sphären der Feinstofflichen Welt hat eine andere Aufgabe. Flammarion[40] ist Uns nützlich, und Marconi[41] wird es sein, denn sie können die Kräfte der Feinstofflichen Welt in besonnener Weise nutzen; und sie konnten auf der Erde arbeiten und verstanden den Dienst. Die Bewohner der höchsten Sphären können sich leicht materialisieren, ebenso wie Erdbewohner höchster Auslese leicht die Feinstoffliche Welt aufsuchen können.

       Urusvati hat erneut vom Kummer der Schwester O. gehört. Man darf wahrhaftig nicht in Entsetzen geraten, wenn der irdische Zerfall nie dagewesene Ausmaße erreicht. Solche Prozesse am Ende des Kali Yuga* können nicht durch einen Erlass aus der Welt geschafft werden. Sie müssen überwunden werden, und der durch ihre Wirbel an die Oberfläche gebrachte Schmutz muss sich einem Umarbeitungsprozess unterziehen. Es ist nicht leicht, wenn so viel Schmutz unschädlich gemacht werden muss. Möge die Spreu vom Weizen getrennt werden! Wir bestätigen, dass die Sorge um jedes Korn groß ist.

       Das Auftreten untauglicher Elemente ist zur Endzeit eines Yuga sehr weitreichend. Das wütendste Harmagedon ist wie eine Reinigung vom Schmutz. Der Fürst der Erde sieht es jedoch anders; er schätzt den Schmutz und hofft, ihn zu vermehren. Es gibt Hausherren, die ihr Haus nicht gern reinigen, und so enden die Aufspeicherungen oft in einer Feuersbrunst.

       Wer also die Arbeit fürchtet, möge Unsere Existenz vergessen.

 

       67. Urusvati weiß genau, dass man Unsere Freunde nicht nach irdischen Maßstäben erkennen kann. Die Verstreuung Unserer Mitarbeiter lässt sich nicht mit dem irdischen Verständnis verbinden. Sie können sich in den unterschiedlichsten, ja sogar einander entgegengesetzten Lagern befinden. In Kämpfen können sie auf beiden Seiten auftreten. Es ist unmöglich, dem irdischen Bewusstsein den Grund für solche Widersprüche zu erklären, doch Unsere Wohnstätte handelt nicht nach irdischen Gesetzen.

      Ein erweitertes Bewusstsein vermag zu begreifen, dass es Verbindungen jenseits unserer grobstofflichen Gesetzmäßigkeiten gibt. Ist es denn so schwer vorstellbar, dass Unsere Freunde sich in verschiedenen Teilen der Welt befinden und in der örtlichen Mundart dem menschlichen Wahnsinn Einhalt gebieten können? Ohne einander kennen zu müssen, sind sie dennoch für ein und dasselbe Allgemeinwohl tätig.

       Oftmals haben Unsere Freunde darum gebeten, ihnen ein gemeinsames Zeichen zu geben, an dem sie einander erkennen können. Doch solche Versuche sind unschön geendet. Sie haben vor allem verschiedene Verräter gefördert. So haben Wir aufgehört, an äußere Unterscheidungsmerkmale zu denken, und nur im engsten Kreis gestatten Wir das Zeichen Unserer Wohnstätte. So ist es unmöglich, selbst in dieser einen Beziehung irdische Bedingungen zuzulassen. Das Herz kann auch jenseits irdischer Begrenzungen etwas erspüren. Der Gedanke an Uns kann ganz in der Tiefe des Herzens brennen.

       Unser Mitarbeiter wird sich selbst nicht als eingeweiht bezeichnen und sich keiner Ausnahmestellung brüsten. Unsere Maßstäbe liegen jenseits aller irdischen Grade. Selbst wenn Unsere Freunde genötigt sein sollten, irdische Auszeichnungen anzunehmen, kennen sie deren Wert.

       Einmal erschien Unser Bruder bei einer Regierungsstelle, bedeckt mit Auszeichnungen, und sein Freund sagte lächelnd: „Schwer sind die irdischen Auszeichnungen!“ Unser Bruder aber erwiderte: „Dem Schlüsselmeister sind die Schlüssel auch nicht leicht.“ So muss man irdische Auszeichnungen annehmen.

       Sollte es etwa unmöglich sein, dass Wir höchste weltliche Stellungen einnehmen?! Wir lassen dies jedoch nur manchmal als ein besonderes Opfer zu. Man muss die überirdischen Möglichkeiten in weitem Maße verstehen. Bei Uns ist man sehr betrübt, wenn es notwendig wird, einen Bruder oder eine Schwester auf eine irdische Reise gehen zu lassen. Wer versteht ein solches Opfer? Wer ist bemüht, sich, gegenüber einer ungewöhnlichen Erscheinung behutsam zu verhalten? Gleicht eine solche Reise nicht dem Tragen eines Kreuzes? Den Menschen wurden herrliche Symbole gegeben, doch selten dringt jemand in ihre Bedeutung ein.

 

       68. Urusvati verspürt sogar weit entfernte Erdbeben und atmosphärischen Druck. Unwissende werden sagen: Wozu solche krankhaften Wahrnehmungen, wenn sie die Erdbeben doch nicht verhindern können? Diese Bemerkungen gleichen vielen anderen Aufständen gegen das Wissen, wenn an bestimmten wissenschaftlichen Entdeckungen Zweifel geäußert werden. Wer kann behaupten, dass Erkenntnisse über die Schwingungen des Planeten nicht zum Wissen beitragen?

      Leider werden feinfühlige Organismen nicht erforscht, und dadurch geht die Möglichkeit zu wissenschaftlichen Beobachtungen verloren. Ein Jahrhundert später werden die Menschen gern über versäumte Erscheinungen klagen, doch vor deren Angesicht verschließen sie sich durch Zweifel. Feinstoffliche Wahrnehmungen gehen indessen mit einem erweiterten Bewusstsein und der Wissenschaft von den Schwingungen einher. Beide Themen sind voll tiefer Bedeutung und liegen der Umgestaltung des Lebens zugrunde.

       Ebenso lassen sich beim Verkehr mit Uns viele Besonderheiten beobachten. Bisweilen erfolgt Unsere Antwort unverzüglich, so schnell, dass es kaum gelingt, die Frage zu beenden. Doch es kommt auch vor, dass eine Antwort für eine längere Zeit zurückgehalten wird. Dies kann man mit dem Zustand der Atmosphäre oder Unserer Beschäftigung erklären. Es kann eine Vielzahl von Bedingungen geben, und man muss sie beobachten.

      So wollen wir auch nicht vergessen, dass eine Verzögerung der Antwort nicht selten von der Bemühung abhängt, die Nachricht vor unbefugten Zuhörern zu schützen. Ein solcher Umstand ist bedeutungsvoll, da man eine Gedankensendung abfangen kann. Daher raten Wir, sowohl mit Worten als auch mit Gedanken äußerst vorsichtig umzugehen.

      Man kann eine ganze Wissenschaft begründen, die sich mit dem Studium der Verbreitung der Energie von Worten und Gedanken befasst. In Abhängigkeit von diesen menschlichen Erzeugnissen besteht auch ein Einfluss auf die Pflanzenwelt und andere planetare Verhältnisse. Bei Uns werden Experimente mit Schwingungen durchgeführt, und Unser Bruder V.[42] ist ganz mit ihnen beschäftigt. Viele Wissenschaftler sollten ihm für seine Hilfe danken.

       Bei Uns herrscht Freude, wenn eine solche Saat gute Keime hervorbringt.

 

       69. Urusvati weiß von Uns Nahestehenden, die in die fernen Welten abgereist sind. Unwissende könnten diese Reisen in übelwollender Weise auslegen, nur wenige können solche Flüge als besondere Missionen verstehen. Es ist nicht leicht, sich vorzustellen, dass zwischen den Welten ein gedanklicher Verkehr stattfinden kann.

      Es fällt den Menschen nicht leicht, sich von dem irdischen Bollwerk zu lösen und anzuerkennen, dass sich alles Wesentliche nicht auf der Erde, sondern dort befindet, wo die von den Menschen sogenannte Leere ist. Man muss sich von Grund auf verwandeln, um zu verstehen, dass irdische Schönheit nur deshalb als schön erscheint, weil die Menschen die überirdische Schönheit nicht kennen. Vieles wird auf der Erde in verzerrter Weise verstanden. Die Menschen sind bereit sich vorzustellen, dass zwischen den Welten eine ebensolche Feindschaft besteht wie auf der Erde.

       Die Menschen geben nicht zu, dass das Haupt der Bruderschaft in eine ferne Welt abreisen kann. Ebenso wenig verstehen sie, weshalb manche hingebungsvollen und gebildeten irdischen Tatmenschen ihre Mitbrüder verlassen können. Nur die irdischen Begrenzungen erlauben es nicht, eine Gemeinschaft auf mehrere Welten zu erweitern. Ebenso ist es nicht leicht sich vorzustellen, dass die Bewohner in neuen Körpern in unterschiedlichen Umgebungen das Korn eines klaren irdischen Bewusstseins bewahren können. Die uranfängliche Energie ist indessen überall dieselbe; eine solche Verbindung ist dauerhafter als alle existierenden Substanzen.

       Nicht nur über die fernen Welten herrscht bei den Menschen Unverständnis, sondern auch auf der Erde wird vieles falsch verstanden. Ihr wisst zum Beispiel, dass der Panchen Rinpoche[43] Pässe für Schambhala ausgibt. Es scheint, als hätte eine solche Tradition keinen Sinn, doch nicht für Schambhala wird der Pass ausgegeben, sondern über Schambhala. Seit alten Zeiten existierte eine Art Erinnerung an Schambhala, die denjenigen Menschen gegeben wurde, welche die Fähigkeit hatten, in diese Richtung zu denken. Später wurde der Sinn entstellt, und man kam zu irgendwelchen unsinnigen Pässen.

      Ebenso verstehen viele zu Recht nicht, weshalb unwissende Lamas als Beschützer Unserer Bruderschaft gelten können. Doch zum einen sind hier außergewöhnliche Lamas gemeint, und zum anderen wird Schambhala von ihnen trotz allem als ein heiliger Schatz gehütet.

 

       70. Urusvati ist zu Recht entrüstet über die Unwahrheiten, die man über Uns schreibt. Wenn man tatsächlich alle erfundenen Geschichten über Uns in einem Buch zusammenstellen wollte, erhielte man eine noch nie dagewesene Sammlung von Lügen. Symbolische Ausdrücke, durch die Jahrhunderte entstanden, haben sich zu wirklichkeitsfremden Auftürmungen über irgendwelche Schätze verwandelt, auf denen die Herrscher von Schambhala thronen. Unter den ausgeschmückten Erzählungen aus Tibet ist schwer festzustellen, wie die entsetzlichsten Übertreibungen angewachsen sind, doch dort wollte das Volk beschönigend den Ort des Weltmittelpunktes hinstellen.

      Die Kämpfer von Schambhala sind unüberwindlich und unzählbar. Der Führer vernichtet alles Böse und errichtet die Herrschaft des Guten – so denkt der Osten und bewahrt im Herzen die Sage über den Sieg des Lichts. Jede Ausschmückung zum Ruhm des Lichts ist verzeihlich, doch der Westen denkt entgegengesetzt. Er möchte alles aufdecken und die Hülle so lange herunterziehen, bis er zu nichts anderem als einer verunstalteten Herabsetzung gelangt.

       Richtet eure Aufmerksamkeit darauf, wie man im Westen über die Weiße Bruderschaft spricht. Die Mitglieder der Bruderschaft sitzen im Restaurant, denken sich Erschütterungen der ökonomischen Grundlagen aus, schneiden auf, irren sich, führen andere in die Irre, sind nicht in der Lage, Menschen richtig auszuwählen, ziehen in Aufstände und Kriege herein, denken über Verschwörungen nach, stürzen Dynastien, mischen sich unentwegt in das ruhige Leben der Familien ein, fügen der Kirche Schaden zu und verstehen es nicht, die alten Überlieferungen zu wahren – mit einem Wort, man kann alle möglichen unverzeihlichen Verbrechen aufzählen, und das Finsterste davon wird Uns zugeschrieben. Dabei wollen wir nicht vergessen, dass alle diese Beschuldigungen von Leuten vorgebracht werden, die sich mit ganz aufgeblasenen Worten über die Weiße Bruderschaft äußern.

       So kann man hören, dass Bruder R.[44] in den Karpaten lebt, doch das wäre ebenso richtig, wie dass Ich in London wohne. Bruder R. ist unzweifelhaft in den Karpaten gewesen, ebenso wie Ich mich in London aufgehalten habe, doch man darf die Menschen nicht irrezuführen, indem man Uns einen solchen ständigen Wohnsitz zuschreibt. Ebenso wenig darf man denken, Bruder K.[45] lebe in Deutschland, auch wenn einige seinen Wohnsitz gern auf die Gegend um Nürnberg begrenzen möchten. Es lassen sich viele Beispiele anführen, wie die Menschen willkürlich über Uns verfügen und sich dabei selbst im besten Fall als eingeweiht und im schlechtesten als Mahachohans[46] bezeichnen.

       Unwissende füllen Bücher mit Mitteilungen über die Verbreitung unseres Einflusses, doch geben sie Unsere Anweisungen wider, als seien es persönliche Wünsche. So kann man sich vorstellen, wie sehr Unser Leben durch solche Hirngespinste verkompliziert wird. Um Uns dann vollends zu diskreditieren, werden irgendwelche Portraits in Umlauf gesetzt und Versammlungen veranstaltet, auf denen die verräterischsten Persönlichkeiten sich nicht schämen, Fremden etwas von unglaubhaften Visionen vorzuflüstern.

       Natürlich existieren besondere Vereinigungen, die auf jede Art von Zerstörungen ausgerichtet sind. Von ihnen sprechen Wir nicht, ihre Herkunft ist völlig klar. Wir möchten die Aufmerksamkeit auf das Verhalten jener lenken, die ständig von der Weißen Bruderschaft sprechen und sie gleichzeitig beschimpfen.

 

       71. Urusvati bemerkt die Veränderung der Ströme bei Gesprächen mit Uns. Man muss erläutern, dass eine solche Erscheinung nicht auf Unserem Einfluss beruht, sondern auf räumlichen Strömen, die durch den Kontakt mit Unseren Strömen in Schwingung versetzt werden. Dies muss man bemerken, da man anderenfalls Unserem Strom eine Qualität zuschreiben könnte, die ihm gar nicht eigen ist. Der Lehrer ist immer darum besorgt, dass der Verkehr mit Ihm nicht belastend ist.

       Das Auftreten störender Ströme kann von der Stimmung der Anwesenden abhängen. Überhaupt sollte man jede aufkommende Stimmung beobachten. Oft legen sich nicht einmal die Teilnehmer Rechenschaft darüber ab, in welchem Zustand sie sich befinden. Wir haben Menschen beobachten müssen, die ganz offen ihre Stimmung bestritten haben. Aus vielerlei Gründen können die Menschen sich nicht auf ihren Zustand konzentrieren. Sie befinden sich derart unter dem Einfluss der äußeren Maja*, dass es ihnen scheint, als sagten sie die Wahrheit[47], während sie sich im Gegenteil selbst belügen.

       Unsere Wohnstätte vertieft vor allem das Bewusstsein, um jegliche Einwirkung von Maja zu vertreiben. Eine solche Erkenntnis ist nicht leicht zu erlangen, doch dafür befreit sie von den Ansammlungen falscher Empfindungen. Die Arbeitsfähigkeit wächst, wenn man sich von der Last der Zweifel befreit, die durch störende Ströme hervorgerufen werden.

      Jede Brechung von Strömen führt zu einer Art elektrischen Entladung. Nur ein verfeinertes Bewusstsein unterscheidet solche Entladungen von Krankheitsempfindungen. Wie oft kann man eine plötzliche Temperaturerhöhung, Schüttelfrost, stechende Schmerzen und Muskelkontraktionen beobachten. So können Entladungen gebrochener Ströme wirken, doch wer solche Erscheinungen kennt, wird nicht den Beginn irgendeiner Erkrankung vermuten.

 

       72. Urusvati kennt Unsere Zusammenkünfte zur Konzentration des Willens. Der Wille eines jeden von Uns ist genügend diszipliniert; es treten jedoch Erscheinungen auf, die eine gemeinsame Konzentration erfordern, und dann raten Wir allen Nächsten zur Ruhe. Wir wissen, dass ein solcher Rat schwer zu befolgen ist, doch ist Ruhe mitunter besonders notwendig. Jede Verwirrung in den Auren der Nächsten schadet dem gemeinsamen Zustand der Konzentration.

       Man wird sagen: Welche Ruhe kann es geben, wenn die Welt erschaudert? Gerade wenn die Welt sich in einer besonderen Anspannung befindet, ist eine ungewöhnliche Ruhe erforderlich. Die Probleme lassen sich dann schon nicht mehr mit den gewöhnlichen Mitteln lösen. So ist es notwendig, aus tief verborgenen Reserven die gesamte uranfängliche Energie hervorzurufen. Man muss die völlige Unverletzlichkeit hervorrufen, auf der Ruhe gründet. Es gibt jedoch viel irdische Ungeduld; sie bohrt sich Pfeilen gleich in die Konzentration. Beginnt, diese Pfeile zu entfernen, und ihr werdet eure Aufmerksamkeit vom Wichtigsten ablenken. In der entscheidenden Zeit wird es das Wichtigste sein, sich Unserer Konzentration anzuschließen.

       Mitunter sagen wir: Seid zu Uns mit aller Kraft bestrebt. Für Unwissende wird ein solcher Ruf unsinnig sein, doch die Wissenden verstehen, wieviel Dringlichkeit in ihm liegt. Es ist nicht leicht, sich auf einen einzigen Gegenstand zu konzentrieren. Über viele Jahre hinweg arbeiten die Menschen daran, diese Eigenschaft in sich zu entwickeln, doch in einer Stunde höchster Anspannung kann eine kleine Fliege das Streben stören. Wir haben alle einmal solche Übungen durchschritten. Ihr Erfolg hängt nicht von besonderen Fähigkeiten ab, sondern vom angespannten Wünschen.

      Jeder möge versuchen, zu seinem Lehrer zu streben, doch so zu streben, dass er dabei alles ihn Umgebende vergisst. Tag oder Nacht, warm oder kalt, schnell oder langsam zu vergessen – das alles liegt in der Macht des Menschen. Und eine solche Bestrebung ist Uns entschieden nützlich, denn sie schafft Ströme im Raum, die zusammen mit Unseren Strömen streben. Stellt euch vor, welch mächtige Entladungen erzeugt werden, wenn man solche Gedanken in mehreren Ländern aussendet.

       Wir sagen den Menschen: bittet nicht, Wir wissen, was ihr benötigt; denn die Menschen verstehen es nicht, sich auf das Wichtigste zu konzentrieren, und solche Bitten sind nur hinderlich. So tun Wir alles, was möglich ist, und die Menschen mögen Uns nur ihren guten Willen senden. Wir beklagen Uns nicht über jene, die sich in der Auswahl ihrer Wünsche verlieren, sondern raten nur zu einer einfachen Methode, um aus dem irdischen Labyrinth herauszukommen, und die besteht im Streben des Herzens zu Uns.

      Möge es eine schweigende Bestrebung sein. Möge das Herz das Zeichen geben. Wir haben alle solche Bestrebungen durchschritten und können sagen: Je stärker sie sind, desto besser. Eine solche Bestrebung bildet eine Verdickung des Blutes, und eine solche Eigenschaft kann wohltuend sein kann, wenn sie auf Ruhe gegründet ist. Wenn aber eine solche Ruhe nicht gefunden wird, muss man sie durch den Willen aufbauen.

       Jeder Mensch kann zugeben, dass sich die Ereignisse seines Lebens nicht so gestaltet haben, wie er es vermutet hatte. Oft kann man Spuren Höchster Einwirkung finden. Wenn man diese Einwirkungen mit selbständiger Tätigkeit verbindet, wird man Harmonie erreichen.

       Der Mensch fragt: Seid Ihr immer bei uns? Wir können es immer sein, wenn ihr es nur wünscht. Wir erzählen euch von vielen Zügen Unseres inneren Lebens. Wir selbst haben alle Hindernisse durchschritten, und wenn Wir uns zum Schlafen legten, wussten Wir nicht, ob Wir am nächsten Morgen erwachen würden. Jeder von Uns hat es gelernt, unerschütterlich den Pfad des Lehrers zu gehen.

       In den schwersten Tagen spricht der Lehrer: Haltet euch für glücklicher als viele andere. Seien wir dankbar.

 

       73. Urusvati versteht es, die Hüllen der Maja zu erkennen. Wenn Wir von Hüllen sprechen, bedeutet dies, dass es etwas Verhülltes gibt. Dieses Verborgene ist die uranfängliche Energie. Weise ist derjenige, der in den verschiedenen Schöpfungen erkennen kann, wo die ewige, unzerstörbare Grundlage lebt. Ohne ein solches Erkennen wird sich alles als Maja erweisen, als Trugbild ohne Grundlage.

      Es ist unmöglich, nur unter Trugbildern zu leben. Gerade die Grundlage des ewigen Lebens erfordert die Erkenntnis, wo sich jenes Dauerhafte befindet, an das sich ein müder Wanderer anlehnen kann. Unvermeidlich wird der Mensch zu der Suche nach der ewigen Grundlage kommen. Der Gedanke an seine Unzerstörbarkeit kann den Menschen zur Tat inspirieren. Ein solches Streben zur Tat ist ein Zeichen von Gesundheit.

       Man könnte fragen, unter welchen Bedingungen es für Uns leichter ist, den Menschen zu helfen. Natürlich bei Tätigkeit. Wir können den um Hilfe Bittenden sagen: „Seid tätig, denn in einem solchen Zustand ist es für Uns leichter, zu helfen.“ Sogar eine wenig erfolgreiche Tätigkeit ist besser als Untätigkeit. Wir können Unsere Energie derjenigen Energie hinzufügen, die von euch gezeigt wird. Man darf sich nicht darüber wundern, dass eine gleichartige Substanz sich leicht mit einer ähnlichen vereint. Wenn Wir daher Unsere Energie anwenden wollen, suchen Wir danach, wo Wir sie auf eine nützlichere Weise hinzufügen können. Nicht um den Menschen aufzuwecken, senden Wir Energie, sondern zur Verstärkung bereits angespannter Kräfte. Ein Mensch, der geschlafen hat und plötzlich aufgeweckt wird, kann die törichtesten Handlungen begehen. Man darf die Schlafenden nicht unerwartet in Unruhe versetzen, doch wenn ein Mensch sich in bewusst wachem Zustand befindet, können Wir ihm helfen.

       So wird man euch auch jetzt noch fragen: „Was tun?“ Antwortet: „Handeln, denn in dieser Bewegung wird auch Unsere Hilfe kommen.“ So bitten Wir und Unsere Brüder: „Seid tätig! Entwicklung ist notwendig, die Verfeinerung der uranfänglichen Energie ist notwendig, sonst werden die Hüllen der Maja alle Zugänge fest verschließen.“

       Wir raten oft zu Tätigkeit. Wenn ihr den Freunden schreibt, ratet ihnen, tätig zu sein. Jetzt sind die Kräfte der Natur angespannt. Wer davonläuft, stürzt, doch wer widersteht, findet neue Kraft. Wir helfen dem Kühnen, und in Unserer Wohnstätte ist man tätig. Eine neue Anspannung wird nicht Erschöpfung bedeuten, sondern Erneuerung.

 

       74. Urusvati ist zu Recht über noch bestehende Relikte betrübt. Die ewig lebendige Weisheit ist eine Sache, doch eine andere der verschlissene Plunder, der den Fortschritt erschwert. Auf allen Lebensgebieten kann man schädliche Relikte wahrnehmen. Sie nisten unter dem Purpur[48], unter der Toga und unter verschiedenen Ornaten. Sie sind dermaßen von dem ursprünglichen Sinn abgewichen, dass man sich noch nicht einmal vorstellen kann, auf welche Weise unsinnige Konventionen einstmals erhabene Symbole zum Ausdruck bringen konnten. Diese höchst befremdlichen Zeremonien hatten im fernen Altertum eine besondere Bedeutung, die gewöhnlich ganz verlorengegangen ist.

      Staatsoberhäupter vereinigten dereinst auch höchste geistliche Ämter auf sich. Später standen sie an der Spitze von Vereinigungen, die ein höheres Ziel verfolgten. Mit der Zeit ging diese Mission verloren, und die Staatsoberhäupter waren nur noch Diener unbedeutender und schädlicher Institutionen. Solche Beispiele lassen sich aus vielen Gebieten anführen.

      Besonders betrüblich jedoch ist, dass einige Fragmente von Zeremonien übriggeblieben sind, die ihre innere Bedeutung bewahrt haben. In den Händen Unwissender bringen solche Fragmente aber nur Schaden hervor. So sorgen Wir entweder für eine Reinigung oder eine Beseitigung solcher Fragmente von Zeremonien, die nur das Bewusstsein trüben.

       Man sagt über Uns, dass Wir Gegner von Zeremonien seien. Das ist unwahr, da einige Zeremonien hohe Schwingungen hervorrufen und die Gefühle läutern können. Wir haben viel über Rhythmus gesprochen, und keiner von Uns wird Rhythmen missbilligen, die zu Harmonie führen. Ihr habt gerade einen schönen Gesang gehört, er kann herrliche Tore öffnen. Unterscheidet daher äußerst umsichtig, wo es unsinnige Relikte und wo es eine Stufe der Schönheit gibt.

       Der Lehrer muss in Erinnerung rufen, dass Rhythmus einen Einfluss auf das gesamte Nervensystem ausüben kann. Umso gefährlicher sind die Fragmente alter Zeremonien, die sich bis in unsere Zeit hinein erhalten haben und nur das Bewusstsein verwirren. Worte, die in verschiedenen geistlichen Diensten verwendet wurden, sind einst in die Beschwörungen von finsteren Geistern eingegangen, doch heute werden sie ohne Sinn und sogar in fehlerhafter Skandierung[49] ausgesprochen. Solche lautlichen Umstellungen können jedoch eine andere Bedeutung haben; daher muss man die alten Quellen studieren und anhand ihrer den Staub des Veralteten entfernen. Wir sprechen nicht von Zerstörung, sondern von einer Läuterung des Denkens.

       Bei Uns herrscht große Traurigkeit, wenn Schwingungen gestört werden und sich statt eines Aufbaus Zerstörung ergibt.

 

       75. Urusvati versteht den Schaden der Rachsucht. Ein solches Konzept kann sich nur unter irdischen Beschränkungen entwickeln. Stellt euch Unser Leben mit seinem Wissen über frühere Existenzen vor, dann wird ein solches Konzept wie Rachsucht vollkommen unmöglich sein. In jedem Leben gibt es viele Anlässe zu Rachsucht. Wenn man sie aber über viele Leben aufsummiert, ergibt sich eine lange schwarze Schleppe, und mit einem solchen Anhängsel wird man nicht weit kommen.

       Achtet darauf, wie sehr jene Menschen sich schaden, die sich selbst auf eine einzige irdische Existenz begrenzen! In den verschiedensten Bereichen errichten sich die Menschen Schranken. Wenn Wir die Menschen in die Zukunft lenken, begreifen sie überhaupt nicht, wie man an eine solche Denkweise herangehen soll. Der eine meint, er sei für immer an einen einzigen Ort gebunden; ein anderer redet sich ein, dass er bei einer einzigen Arbeit bleiben solle; ein dritter ist überzeugt, dass er eine Umstellung nicht ertragen könne; ein vierter meint, dass er an der erstbesten Krankheit zugrunde gehen müsse:

      So denkt sich ein jeder seine Fesseln aus, ohne zu wissen, dass er bereits in den vergangenen Leben alle Arten der Existenz erfahren hat. Ein solches bedingtes Leben auf Erden bei völliger Unwissenheit über die Vergangenheit gibt keine Möglichkeit, an die Zukunft zu denken.

       Die Menschen verlassen die Erde, ohne daran zu denken, dass sie dorthin zurückkehren müssen. Wenn sie sich jedoch wenigstens teilweise der Vergangenheit erinnern und lernen würden, an die Zukunft zu denken, würden sie sich vor vielen Irrtümern bewahren.

       Nicht die Furcht vor der Hölle, sondern der Wunsch nach Vervollkommnung führt die Menschen zu einer Verbesserung des Lebens.

       Wir leben in der Zukunft, Wir kennen die Vergangenheit, Wir fürchten die Unbegrenztheit nicht und erwarten jeden Fortschritt. Die Zukunft ersteht vor uns als eine erhabene Wirklichkeit. Nur eine feine, verschlossene Tür trennt uns von der Zukunft, die sich bereits durch jeden unserer Atemzüge formt.

      Wenn das Bewusstsein in die Zukunft übertragen wurde, kann man dann noch rachsüchtig sein? Man darf nicht einmal Zeit für ein solches Eintauchen (…)[50] finden. Die Menschen sollten von dem unabänderlichen Gesetz wissen und sich nicht mit ihrem menschlichen Bewusstsein in das Karmagesetz einmischen. So lernen wir fliegen, nicht nur im feinstofflichen Körper, sondern auch im Bewusstsein. Verstehen wir, dass jeder Augenblick bereits Vergangenheit ist, doch Uns ist die Zukunft gegeben. So raten Wir jedem, der Unsere Wohnstätte liebt.

 

       76. Urusvati versteht das ihr Anvertraute zu bewahren. Es ist nicht leicht, das Gleichgewicht zwischen Bewahrung und Verbreitung zu finden. Anfänger eilen, alles Erfahrene zu enthüllen, ohne über die Folgen nachzudenken. Viel Elend ist durch solche unüberlegten Enthüllungen entstanden, doch die Erfahrung schmiedet die Maße der Vernunft. Nur mit der Zeit lassen sich die wahren Wege der Verbreitung finden.

      Der Weg ist schwer, wenn man verstehen muss, wieviel der Gesprächspartner überhaupt fassen kann. Wir schätzen es, wenn das Allheilmittel im rechten Maß verabreicht wird, nicht mehr und nicht weniger. Man kann an Fälle erinnern, als nach langwährenden Gesprächen eine Frage gestellt wurde, die das völlige Nichtverstehen des Zuhörers bewies. Ebenso aber kann großer Schaden die Folge sein. Gleichzeitig raten Wir, dass die Bücher der Lehre auf die Kreuzwege gelegt werden mögen, auf dass sie selbst ihr Schicksal finden. So verweisen wir auf die besonderen Wege der Verbreitung.

       Es können solche Wanderer vorüberziehen, denen das Buch nicht gegeben wurde, deren Herz jedoch ebenso für die Wahrheit brennt. Die äußere Erscheinung steht einem richtigen Urteil oft im Wege. Der eine ist allzu gut gekleidet, der andere zu zerlumpt – viele nichtige Überlegungen behindern nützliche Begegnungen.

       Unter den umherziehenden Sadhus kann es widerwärtige Individuen geben, doch es finden sich auch bedeutende und wissende. Ein weiser Beobachter wird dem Zufälligen keine Bedeutung beimessen. So muss man in allem das Wesen verstehen. Man kann Uns nahestehende Personen treffen, ohne sie zu erkennen.

      Oft bedauern Wir, dass eine nützliche Sendung nicht erkannt wird. Das Gesetz des freien Willens erlaubt jedoch nicht, zu insistieren. So weist auch die Verbreitung der Lehre ihre besonderen Wege auf. Im Altertum sagte man: Eile mit Weile – ein solches behutsames Gleichgewicht wird auch mit der Sendung der Bücher der Lehre verbunden sein. Über Jahrhunderte hinweg kann man sehen, wie die von Uns gegebene Lehre verbreitet werden sollte.

       Den Volksmassen beginnen die Schuppen von den Augen zu fallen.

 

       77. Urusvati weiß, dass jede mechanische Erscheinung einen kleinen Teil der Unsichtbaren Welt eröffnet. Ihr habt von Filmen gesprochen, die etwas für die Augen Unsichtbares aufnehmen, während sie manchmal Teile des physischen Körpers nicht aufnehmen; letzteres ist durchaus möglich. Ausstrahlungen lassen sich manchmal mit den gewöhnlichsten Filmen aufnehmen. Starke Ausstrahlungen der uranfänglichen Energie können einen Menschen ganz oder teilweise verhüllen.

      Natürlich könnten Skeptiker fragen: „Warum gelingen solche phänomenalen Aufnahmen vergleichsweise selten?“ Dafür gibt es viele Gründe, vor allem die Abhängigkeit von der uranfänglichen Energie und letztendlich mangelnde Aufmerksamkeit bezüglich der Filme. Es gibt eine große Anzahl sogenannter verdorbener Filme. Niemand unterzieht sich der Mühe, diese misslungenen Aufnahmen genau anzusehen.

       Wenn man sich mit photographischen Experimenten beschäftigen will, erwartet man unverzügliche Resultate. Sofortige Folgen kann es indessen nur in Ausnahmefällen geben, wenn die Menschen sich bewusst oder unbewusst vorbereitet haben – ohne Ursache geschieht gar nichts.

       Bei Uns werden viele Experimente mit Filmen durchgeführt. Man kann richtigerweise sagen, dass die neuesten Filme für die Experimente geeignet sind. Erfinder helfen bei den Fragen betreffend die Unsichtbare Welt. Außer den mit Apparaten gemachten Aufnahmen lassen sich auch Aufzeichnungen erlangen, indem man einen Film in der Hand hält oder ihn nachts unter das Kopfkissen legt.

       Mit allen Mitteln sollte man die Fakten über die Unsichtbare Welt durchdrücken. Im Erfassen dieser Wahrheit liegt der Erfolg der Evolution, und danach wird auch die Erkenntnis der feinstofflichen Energien folgen. Wenn Wir von der Sichtbarkeit vieler Erscheinungen sprechen, halten die Menschen dies dennoch für ein Märchen. Solche Menschen kann man unmöglich in Unsere Wohnstätte führen. Vor allem werden sie sich nämlich zu Tode erschrecken. Alle feinstofflichen Merkmale werden ihnen als nie dagewesen und unzugänglich erscheinen.

       Unsere Apparate sind Telegraphenempfängern ähnlich, jedoch für feinere Schwingungen. Bei einer solchen Anspannung ist eine Verdichtung von Prana* erforderlich. Die Seufzer Unserer Ozonatoren könnten für das Atmen lebender Wesen gehalten werden. Unsere Beleuchtung kann hell brennen, etwa in der Art von Neonröhren. Solche mechanischen Einrichtungen können durch die Erkenntnis der Unsichtbaren Welt verstärkt werden.

 

       78. Urusvati hat Explosionen schwarzer Geschosse gesehen. Was bedeutet das? Muss man diesen Anblick als etwas Symbolisches oder als eine Erscheinung echter Geschosse verstehen? Bedauerlicherweise muss man die Existenz solcher unheilvoller Geschosse auch in der Feinstofflichen Welt anerkennen. Durch sie breitet sich ein giftiges Gas aus, welches das braune, die Erde vergiftende Gas noch verstärkt.

       Die finsteren Kräfte wenden äußerst zerstörerische Mittel an, um die irdische Atmosphäre zu durchdringen und tödliche Gefahr zu senden. Sie ziehen aber die Gesetze des Universums nicht in Betracht und hoffen, über das Erzeugen von Verwirrung ihren Sieg zu erringen. Sie sind nicht nur gefährliche, sondern auch törichte Gegner, weil sie das Gleichgewicht des Planeten nicht schonen. Wer die furchtbaren Explosionen schwarzer Geschosse gesehen hat, kann verstehen, welche Gegenwirkung notwendig ist, um die schädlichen Folgen zu beseitigen.

       Urusvati weiß, wie sehr sich solche Schlachten auch auf die Gesundheit auswirken. Außer giftigen Ausdünstungen entsteht eine Art elektrischer Entladung, die erschüttert wie ein Erdbeben. Es ergeben sich Symptome genau wie bei den stärksten Erschütterungen. Viele Menschen spüren sie, verstehen jedoch ihre Ursache nicht. Bei starken Menschen treten höchst unerwartete Schmerzen auf, doch da sie sich rasch wieder legen, denkt man nicht weiter darüber nach. Der Organismus indessen wird zerrüttet und zeigt viele Erkrankungen. So toben die finsteren Kräfte über die Menschheit hinweg.

       Ihr könnt euch vorstellen, wieviel Energie aufgewendet wird, um solche Versuche der Finsternis zu vereiteln! Wir haben gesagt, dass Wir auf der Wacht stehen, doch nicht zur Beobachtung, sondern um der Schlacht willen. Die Menschen können mithelfen, doch es fällt ihnen gar nicht ein, dass jeder sein Denken und seine Kraft für das Allgemeinwohl einsetzen kann.

       Wer die schwarzen Geschosse gesehen und das räumliche Stöhnen vernommen hat, wird seine Pflicht gegenüber der Menschheit nicht mehr vergessen.

 

       79. Urusvati hat die schwerste Erscheinung berührt: Die Empfindung absoluter Finsternis. Sie ist furchtbar, da die Verdichtung von Traurigkeit einer Erstickung gleicht. Woher kommt eine solche schädliche Finsternis? Ist sie vielleicht nicht mehr als eine geistige Vorausschau, die, wie das Gefühlswissen, den Organismus in die Empfindung von irgendetwas Künftigem versenkt? In Wirklichkeit ist sie viel gefährlicher; sie stellt gleichsam die Fluida der Zersetzung des Planeten dar.[51]

      Umso verständlicher ist die unaussprechliche Wehmut der Erdbewohner, wenn sie mit ihr in Berührung kommen. Ein Unterschied besteht nur darin, dass viele solche Berührungen unbewusst empfinden. Wenige jedoch haben die vernichtendste Finsternis gesehen. Natürlich müssen diese sie besonders schwer fühlen. Es kann sehr schmerzhafte Empfindungen geben, sogar ein Aufflammen von Zentren, wenn man in der irdischen Hülle genötigt ist, in Berührung mit der absoluten Finsternis zu kommen.

       Wir kennen diese Berührung. Es ist unmöglich, dass sie keinen Einfluss auf die psychische Energie hat. Umso notwendiger ist ein Vorrat an Prana, um den Ansturm der giftigen Stoffe abzuwenden. Die Berührung mit der Finsternis gleicht einer Berührung mit einem verwesenden Leichnam. Wenn ein besonderer Druck der Finsternis zu erwarten ist, verstärken Wir besonders die Lebenskräfte. Personen, die unter Unserer Aufsicht stehen, erhalten einen besonderen Vorrat an Kräften, um dem Ansturm der Finsternis standzuhalten.

       Für viele wird die Erzählung über die Finsternis ein Lügenmärchen sein, doch sogar Skeptiker kennen tödliche Gase, die aus dem Erdboden entweichen. Wenn wir diese Erwägung erweitern, kommen wir zum höchsten Grad, der absoluten Finsternis. Wir haben sie Urusvati gezeigt, damit sie als lebende Zeugin bestätigen kann, dass sie das Gefühl tödlicher Wehmut bei der Berührung mit diesem Feind des Planeten gesehen und empfunden hat. Genau das gleiche Gefühl ist bei Wesen vorhanden, die von einer Riesenschlange überfallen werden.

       Man darf nicht meinen, dass die Finsternis nur einzelne Personen berührt, sie entfaltet eine breite Wirkung: Von einer schlechten Stimmung bis zu einer gefährlichen Krankheit gibt es überall Spuren giftiger Einwirkungen. Wenn von oben schwarze Geschosse herabfallen und von unten Finsternis aufsteigt, ist die Lage der Menschheit, so scheint es, hoffnungslos; doch die Weisen sagen: „Denkt nicht an die gegenwärtige Lage, denkt lieber über Vorwärtsschreiten nach.“

 

       80. Urusvati hat die Hymnen der Natur vernommen; so nennen Wir die Harmonien, die bei der Überwältigung der Finsternis entstehen. Sie sind beinahe das gleiche wie die Sphärenmusik, gehören aber mehr der Erde an als den höheren Räumen. Die Menschen verwerfen jede Andeutung über die höhere Harmonie. Ertönt sie dennoch, gestehen die Menschen sich eher ein Klingen in den Ohren ein.

       Viele, die sich selbst für Okkultisten halten, verschließen sich fest vor natürlichen Wahrnehmungen. Die Mehrzahl der Bücher führt sie in die Irre, indem sie ihnen irgendwelche Formeln vorschreibt, die irgendwann einmal für ganz andere Zwecke aufgestellt wurden. Oft ziehen Wir es vor, neue Menschen zu treffen, die nicht mit unanwendbaren Formeln vollgestopft sind. So hören gewöhnlich jene die Sphärenmusik oder die Hymnen der Natur, die ein in Liebe angespanntes Herz haben. Wer Formeln über das Herz, über Liebe oder über Mitleid verlangt, öffnet sein Ohr für die höheren Harmonien nicht.

       Glaubt nicht, dass wir die Bücher und die Arbeit derjenigen verwerfen, die den Weltenaufbau erkannt haben – ganz und gar nicht. Wir bedauern nur, dass solche Erkenntnisse ungeschickt im Leben angewendet werden. Unsere Anhänger ähneln nicht denen, die sich der Unterhaltungskunst widmen.

      Wer sich Unserer Wohnstätte anschließen will, möge öfter mit Hilfe des Herzens Zwiesprache halten und Uns über das Herz jedenfalls wortlose Rufe zusenden. Manchmal werden solche Rufe als gedankenlos bezeichnet, da sie sich bereits ohne Gedanken über das Gefühl ausgedrückt haben. Die Grenze zwischen Denken und Fühlen ist sehr gewunden, und dennoch versteht ihr solche Grenzen, die wie die Facetten eines einzigen Edelsteins sind. Nur das Licht vermag solche Facetten darzustellen, und das Licht des Herzens wird auch eine solche Offenbarung eines Edelsteins sein.

       Man könnte annehmen, dies alles sei sehr kompliziert, tatsächlich jedoch lässt es sich in vier Worte kleiden: „Ich liebe Dich, Herrscher!“ Das ist auch die Leitung zu Uns. Eine solche Leitung ist bei weitem stärker als die Bitte: „Hilf mir, Herrscher!“. Wir wissen selbst, wann geholfen werden kann, doch leicht fliegt die Hilfe auf den Schwingen der Liebe. Sie entgeht den widrigsten Hindernissen.

       Lasst uns einander lieben.

 

       81. Urusvati hat Recht, wenn sie Liebe zur Bewegung verwirklicht. Ohne Liebe kann man die Notwendigkeit der Bewegung nicht verstehen. Man kann Unterweisungen über das Gesetz der Weltenbewegung hören; man kann verstehen, dass die geringste Unterbrechung der Bewegung den gesamten Weltenaufbau stören würde, aber ohne Liebe ist es unmöglich, das Prinzip der Bewegung im eigenen Leben anzuwenden. Eine solche Bewegung ist kein Gedränge auf dem Markt und keine Hast auf öffentlichem Platz, sondern der Nerv des schöpferischen Lebens, der das Bewusstsein zur Vervollkommnung vorantreibt.

       Ein Müßiggänger versteht nicht, von welcher Bewegung Wir sprechen, denn er verlegt sich auf Untätigkeit und zieht es vor, dass die kosmische Bewegung ihn wie ein lebloses Sandkörnchen rollt. Es ist wahr, wir alle sind noch kleiner als Sandkörnchen angesichts der Unbegrenztheit, doch jede Bewegung unseres Bewusstseins ist bereits eine große Zusammenarbeit. Es ist nicht leicht, den Menschen Liebe zur Bewegung einzuflößen, doch mögen sie verstehen, dass Wir in Unserer Arbeit die Bewegung des Weltalls offenbaren.

       Urusvati hat Recht, wenn sie auf Einigkeit besteht. Wir nennen Einigkeit eine heilkräftige Tinktur; sie offenbart sich als Harmonie der Bewegung, doch man kann Einigkeit nicht befehlen. Durch keinerlei Zwang kann man schöpferische Einigkeit herstellen. Die Menschen blicken auf den Rat zur Einigkeit wie auf Ketten. Sie ziehen es vor, die zerstörerischen Kräfte der Elemente hervorzurufen; sie ziehen es vor, eher erdrückt zu werden, als eine Anstrengung für Zusammenarbeit zu unternehmen. Wir werden nicht müde, von Einigkeit zu sprechen und die Unvernünftigen zu bemitleiden, die sich ihre eigene Zerstörung vorbereiten. Ist es etwa nicht klar gesagt worden? Lernt die Menschheit etwa nur durch bittere Folgen?

       So soll von Uns der Rat zu Bewegung und Einigkeit ergehen.

       Unsere Gemeinschaft ruht auf diesen Prinzipien.

 

       82. Urusvati weiß, wie unerwartet bedeutende Erscheinungen eintreten. Hier hat sie gerade eine Schicht der Feinstofflichen Welt gesehen; nicht im feinstofflichen, sondern im physischen Körper, mit geöffneten Augen und in völligem Wachzustand. Sie hat gesehen, wie angefüllt die Feinstoffliche Welt ist; zugleich konnte sie sich über die Massen wundern, die ohne Arbeit umherirren.

      Natürlich wurde jene Schicht der Feinstofflichen Welt gezeigt, die Uns großen Kummer bereitet. In ihr wurden zeitgenössische Kleider gezeigt, die auch die irdische Denkweise verstärken. Die Leute, kleine Stadtbewohner, drängen sich ebenso zusammen wie auf dem Platz einer heutigen Stadt. Es betrübt Uns sehr, dass diese Menge am wenigsten der Evolution zugänglich ist.

       Es lässt sich weiterhin beobachten, dass ihre Denkweise dermaßen egozentrisch ist, dass sie nicht über die Grenzen ihres eigenen Kreises hinaus streben. So entsteht ein Gedränge, doch keine Bewegung; sie stecken sich gegenseitig an und verstehen es nicht, nach oben zu blicken, ganz so wie auf der Erde. Doch die Beobachterin kann sagen, wie erstaunlich angefüllt diese Schichten sind.

       Man darf nicht oft eine Beobachtung der Feinstofflichen Welt mit geöffneten Augen zulassen. Ein solches Experiment kann eine Anspannung des Organismus hervorrufen und ist schädlich für das Sehvermögen. Doch zum Gedenken an den Feiertag des Sergius* wollten Wir eine klare Vision zeigen. Nur im Schlaf und im feinstofflichen Körper kann man leicht die Feinstoffliche Welt berühren. Mögen sich aber auch im irdischen Körper die unsichtbaren Bilder einprägen.

       Wir sehen die Feinstoffliche Welt mit geöffneten Augen. Es ist nicht leicht, eine solche Erleuchtung zu erlangen. Wir beherrschen mehrere Arten der Erleuchtung, doch diejenige mit geöffneten Augen ist die schwierigste. Urusvati kann mit offenen Augen jene Visionen der Feinstofflichen Welt sehen, die gleichsam wünschen, zugänglich zu werden; heute jedoch sprechen Wir vom Versenken des Blickes in die Feinstoffliche Welt, ohne an ihr teilzunehmen, einfach so, als ob man auf eine Straße der Feinstofflichen Welt geriete. Jenes offensichtliche Leben muss man sich bisweilen ins Gedächtnis zurückrufen, um dann umso stärker über diese Schichten hinaus zu streben.

 

       83. Urusvati versteht die Einheitlichkeit der Gesetze in allen Welten. Gewöhnlich hegt man die Vorstellung, die Gesetze der physischen Welt seien im geistigen Sinne nicht anwendbar. Doch jedes Lebensbeispiel erinnert daran, dass das Wesen eines Gesetzes unwandelbar ist. So legt ein Mensch, der einen Gipfel besteigt, vorher jede Last ab, da sie ihm dort unerträglich wird.

      Ist es nicht genauso in der geistigen Welt? Ein Mensch, der von großer Höhe hinunterstürzt, nimmt beim Fall an Geschwindigkeit zu. Ist es nicht genauso in der geistigen Welt? Es ist unmöglich, einen Fall aus großer Höhe aufzuhalten. Sogar die weichste Unterlage wird für den Fallenden tödlich sein. Ist es nicht genauso in der geistigen Welt? So kann man alle Grundlagen der Welten miteinander vergleichen und zu der Gewissheit von der Einheit der Gesetze gelangen. Mit einem solchen Maßstab muss man an die Feinstoffliche Welt herantreten.

       Einzelne Reaktionen[52] werden weniger sichtbar sein als in der grobstofflichen Welt, doch stattdessen werden einige andere stärker hervortreten. In den niederen Schichten nimmt jede Lüsternheit noch zu, doch dafür verstärken sich in den höheren Sphären die besten Eigenschaften. Das Gefühl der Pflicht wächst, und das äußert sich in besonderer Weise bei der Wiederverkörperung:

      Ein hoher Geist widersetzt sich dem natürlichen Daseinswechsel nicht. Er freut sich sogar über die Möglichkeit, einen neuen Aspekt seines Lebens zu vervollkommnen. Er hilft sogar mit, schwere Aufgaben zu finden, um an ihnen das erneuerte Bewusstsein zu erproben. Jeder hohe Geist strebt auf einen schweren Weg, doch der Schwache bewahrt seine feige Faulheit.

       Zu Uns kommt man nur auf schweren Wegen. Man kann nicht einen einzigen Bruder, nicht eine einzige Schwester nennen, die keine schweren Wege durchschritten hätten. Jeder hätte seinen Weg erleichtern können, tat es aber aufgrund der Dringlichkeit des Aufstiegs nicht. Man kann sich die Atmosphäre vorstellen, die durch solche Anstrengungen komprimiert wird!

       Niemand, der nicht daran gewöhnt ist, kann solche Schwingungen ertragen. Doch außer der Kraft der Schwingungen erstrahlt auch klar die Einheitlichkeit der Anspannung. Wahrhaftig, sie offenbart sich in einer einzigen Richtung. Es herrscht völlige Einmütigkeit, und die Vielfarbigkeit der Ausstrahlungen bildet einen herrlichen Regenbogen – derart erfüllt ist die Atmosphäre Unserer Wohnstätte.

 

       84. Urusvati weiß, wie sehr der Mensch ununterbrochen von der uranfänglichen Energie geführt wird. Von großen Heldentaten bis zu gewöhnlichen Alltagserscheinungen befinden die Menschen sich unter der Einwirkung der uranfänglichen Energie.

      Sie hat derart viele Bezeichnungen erhalten, dass sie in den Augen der Menschheit ihre Einheit verloren hat. Es ist an der Zeit, wieder zu ihrer grundlegenden Bedeutung zurückzukehren; daher ist es besser, nicht einen der früheren Begriffe zu verwenden, sondern sich auf den einfachsten und ausdrucksvollsten zu konzentrieren, den der uranfänglichen Energie. Das Wichtigste ist, dass die Menschen sich dazu erziehen, ihre Gegenwart zu spüren; dann wird auch Zusammenarbeit mit ihr offenbart werden.

       Man sollte sich nicht wundern, wenn Wir von Zusammenarbeit mit einer Energie sprechen, die in uns selbst liegt. Wie kann man mit sich selbst zusammenarbeiten? Vergessen wir jedoch nicht, dass die uranfängliche Energie in allem Existierenden ausgegossen ist und dass unser Funke dieser Energie mit den höheren Strömen ein und derselben Macht zusammenarbeiten muss. So werden wir die Höhere Führung, von der so viel gesprochen wird, besser verstehen.

      In der Tat, es gibt ebenso Beschützer wie Verführer. Jeder Inkarnierte hat sowohl Freunde als auch Feinde um sich herum. Die vergangenen Leben sammeln um den Menschen herum unweigerlich viele Sorgen und Hass an. Wenn ein Mensch Hilfe herbeiruft, spürt er, dass sich um ihn herum etwas Reales befinden muss. Und, in der Tat, er irrt sich nicht. Doch wenn er auch noch die Gegenwart der uranfänglichen Energie erkennen würde, wäre sein Anruf noch wirksamer.

       Wir möchten jede Art von guter Zusammenarbeit herstellen. Wir wären hoch erfreut zu sehen, dass die Menschen sich ihrem zuverlässigsten Führer zuwenden. Die uranfängliche Energie zeigt dem Menschen nämlich das Maß des Erlaubten an. Er vernimmt die Stimme des Gewissens, doch die Energie gibt den Anstoß zu dieser Stimme. Jeder Impuls ist eine Folge der Energie.

      Doch wir können solche Folgen entwickeln, indem wir sie anerkennen. Eine solche Anerkennung ist wie das Hervorrufen von Kräften. Unter den Zeremonien der alten Mysterien kann man die Beschwörung von Kräften finden. Das darf man nicht nur als eine Abschirmung gegenüber finsteren Kräften verstehen, sondern gerade als einen Aufruf derjenigen Kräfte, die in der Tiefe des Organismus verborgen sind. So kann jeder seine Kräfte vervollkommnen, indem er sie anerkennt.

 

       85. Urusvati fühlt den Magnetismus der Dinge. Eine solche Fähigkeit ergibt sich durch die Synthese vieler feinstofflicher Empfindungen. Lasst uns nicht von einer Darstellung der Geschichte jedes einzelnen Gegenstandes sprechen, da allzu viele Aufschichtungen Hinweise aus verschiedenen Zeiten mit einbringen könnten. Außerdem wäre es nicht dienlich, wenn die Menschen bei jeder Berührung eines Gegenstandes gleich einen ganzen Bericht von dessen Leben geben würden. Es ist wichtig, das Wesen der Dinge erfassen und deren Harmonie spüren zu können; besonders wichtig ist dies für das tägliche Leben, um ungünstigen Dingen ausweichen zu können.

       Viele Gegenstände erfahren im Lauf ihrer Existenz ungünstige Nachbarschaften, die auf sie einwirken. Sogar Gegenstände aus neuester Produktion bewahren die Ausstrahlungen ihres Herstellers. Es ist unmöglich, sich in solche Einzelheiten der Dinge zu vertiefen, doch die uranfängliche Energie sollte rechtzeitig über das Wesen der Dinge, die sie umgeben, informieren. Man sollte keine Gegenstände in seiner Nähe belassen, die eine bedrückende Empfindung verursachen.

       Der Magnetismus der Dinge zeigt sich auch bei Ringen, die ihr Aussehen verändern. Ich erinnere an einen Ring, dessen Farbe sich in Abhängigkeit von den Ereignissen änderte. Der Magnetismus des Wassers ist euch bekannt, doch der Magnetismus einiger Metalle zeigt sich schwerer.

      So hatten Wir einen Ring Urusvatis zu Uns genommen, um ihn zu magnetisieren. Lasst uns solche Gegenstände nicht als verzaubert bezeichnen, sie sind nur mit der uranfänglichen Energie der Person in Harmonie gebracht worden, die sie trägt. Nicht der Ring hat die Ereignisse angezeigt, sondern die uranfängliche Energie seines Besitzers. Reines Silber schwingt mit der uranfänglichen Energie. Der Ring Urusvatis wurde jeweils rot, schwarz oder gelb, in Abhängigkeit von den vor sich gehenden Ereignissen. Wir führen ein solches Experiment durch, da Wir in besonderer Weise die Ausstrahlungen der uranfänglichen Energie untersuchen.

      Verbindungen mit der Feinstofflichen Welt helfen sehr. Die drei grundlegenden Welten werden bisweilen mit den drei Meeresströmungen verglichen. Ein erfahrener Seefahrer schenkt dem zur Oberfläche geschwemmten Schaum keine Beachtung. Er fürchtet keine mittleren Wogen und sieht einen Sturm anhand der Tiefenströmung voraus.

      So wollen wir uns nicht vor dem Schaum des Grobstofflichen ängstigen. Wenden wir unsere Aufmerksamkeit den feinstofflichen Erscheinungen zu und verstehen wir das Wesen anhand der feurigen Zeichen. Die uranfängliche Energie ist doch feurige Substanz.

      Wir sind tatsächlich Brüder und Schwestern durch das Feuer. Wenn ihr daher an Uns denkt, umgebt Unsere Antlitze mit Feuer. Und Wir werden euch am feurigen Korn erkennen.

 

       86. Urusvati kennt die Bedeutung großer Anspannung. Wir sagen: Wendet euch Uns zu. Man muss jedoch darüber nachdenken, wie man sich Uns zuwenden soll. Man kann sagen: Mit ganzem Denken und ganzem Herzen. Es ist leicht, das zu sagen, doch schwer, es zu tun.

      Sich mit ganzem Herzen zuzuwenden bedeutet, liebzugewinnen. Dort, wo wahre Liebe herrscht, ist kein Platz für Zweifel. Sogar wenn etwas unklar ist, wird der Liebende nicht verurteilen. Dort, wo Verurteilung aufkommen konnte, herrschte keine vollständige Liebe.

       In Tagen großer Erschütterungen kann es keine halbherzigen Gefühle geben. Man muss sich derart zusammenschließen, dass es nicht den kleinsten Riss gibt. Die feindlichen Kräfte nisten in solchen Rissen. Gift zersetzt zerrissene Hüllen. Unsere Waffe liegt in vollkommener Liebe. Mögen alle Unsere Freunde diese sichere Rüstung anlegen. Man darf sich nicht damit trösten, dass ein kleiner Splitter nicht gefährlich sei; schon der kleinste kann unheilvolle Geschwüre verursachen. In Unserem angespannten Leben sind Risse mangelnden Vertrauens sehr empfindlich spürbar.

       Und besonders oft raten Wir dazu, die Gesundheit zu wahren. Lassen Wir es etwa zu, dass Unsere Mitarbeiter unbedacht sind? Überhaupt nicht, Wir sehen die Angriffe der Finsteren voraus. Sie bemühen sich besonders eifrig, das Leben der hellen Arbeiter zu verkürzen. Sie nutzen jede Schwächung des Organismus aus, um die schwache Stelle zu treffen.

      Man darf den Gedanken nicht zulassen, dass Unsere Hilfe erschüttert werden könnte. Jeder unsichere Schritt kann den Fuß verrenken. Wir können beschützen, wenn die Menschen selbst Uns die Möglichkeit dazu geben. Nicht selten durchtrennt ein unwürdiger Gedanke den Faden. Oft senden die Menschen sehr schädliche Gedanken aus, selbst ohne es zu bemerken. Doch in Stunden großer Erschütterungen muss man es verstehen, sich mit ganzem Herzen dem Lehrer anzuschließen, ja sogar zum Lehrer zu gehen, wissend, dass Er keinen Augenblick versäumen wird zu helfen.

      Glaube ist unanfechtbares Wissen. Erachtet das Bezeigen von Vertrauen als Mittel zum Erfolg. Gewöhnlich entsteht Misstrauen aus einer unzureichenden Vorstellung von Unseren Arbeiten. Man muss jede Lage den weltweiten Verhältnissen gegenüberstellen. Ebenso muss man anerkennen, wie viele menschliche Fehler die Hilfe verkomplizieren. Die Menschen vernichten die besten Möglichkeiten.

      Wir weisen auf die Unabdingbarkeit der Einigkeit hin, doch noch nicht einmal drei Menschen können diese Bitte erfüllen. Wenn sie doch wenigstens im Angesicht der Gefahr zur Einigkeit eilen würden, wenn schon nicht mit dem Herzen, so doch zumindest mit dem Verstand! So muss man in Tagen großer Erschütterungen denken.

 

       87. Urusvati weiß, wie eifrig Wir Uns mit Astrochemie befassen. Die interplanetaren chemischen Einwirkungen stellen die Wissenschaft der Zukunft dar. Gleich unter welcher Bezeichnung wird diesem Gegenstand an den Lehrinstituten große Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es wäre richtig, ein solches Fach „Psychochemie“ zu nennen, da nicht nur Himmelskörper, sondern alles Existierende starke Chemismen ausstrahlen. Es ist bereits an der Zeit, die Aufmerksamkeit auf solche Wechselwirkungen zu richten, nicht nur unter dem Gesichtspunkt des sogenannten Magnetismus, sondern gerade unter dem der chemischen Reaktionen.

       Jeder Händedruck erzeugt bereits einen gewissen Chemismus. Es werden nicht nur physische Infektionen übertragen, sondern auch psychochemische Substanzen erzeugt. Die Menschen verneinen nicht nur solche Einwirkungen, sondern geben noch nicht einmal zu, dass alle interplanetaren Räume von starken chemischen Strahlungen erfüllt sind. Man spricht viel von der Spektralanalyse, doch die damit zusammenhängenden Schlussfolgerungen bleiben in den Grenzen der Abstraktion. Indessen üben sie einen überaus bedeutenden Einfluss auf das irdische Leben aus. Würde man wenigstens teilweise anerkennen, dass alle Körper Ausstrahlungen aufweisen, wäre der nächste Schritt das Anerkennen des Chemismus solcher Ausstrahlungen. Vom Kleinen kann man zum Großen gelangen, und so auch zu den interplanetaren Einwirkungen.

       Wir befassen Uns in größtem Eifer mit dieser Psychochemie. Die Feinstoffliche Welt unterstützt solche Forschungen, denn sie ist voll von feinstofflichstem Chemismus. Eine solche Eigenschaft unterstützt den fernen Verkehr, und es ergibt sich eine Art feinfühliger Unterscheidung.

      Jeder Mensch kann mit solchen Versuchen beginnen und dabei verfolgen, warum er Anziehung oder Abstoßung bei verschiedenen Gegenständen empfindet. Geduldiges Beobachten wird dazu verhelfen, ein ganzes System solcher Erscheinungen zu entdecken. Später wird man auch in Chemielaboratorien mit entsprechenden Experimenten beginnen. Unterdessen wird man verstehen können, weshalb sogar reine Zusammensetzungen eine Art von unterschiedlichen Eigenschaften aufweisen können. Sie saugen nämlich psychochemische Einflüsse auf. So lasst uns mit allem Existierenden umsichtig sein, ohne aber an Effizienz zu verlieren.

 

       88. Urusvati ist empört, wenn sie von dem Krieg hört, über den auch Schwester O.[53] sich so entsetzt, und Wir alle sind betrübt über die Bekundungen der menschlichen Rohheit. Die roheste Äußerung des freien Willens ist der Krieg. Die Menschen wollen nicht darüber nachdenken, welche Ströme sie hervorrufen und welche Bedeutung dieser Massenmord hat! Die alten Testamente haben zu Recht darauf hingewiesen, dass derjenige, der das Schwert erhebt, durch das Schwert umkommen wird[54].

       Das Karma des Angreifers ist von dem des Verteidigers verschieden. Man kann zeigen, wie sehr alle Angreifer sich den schwersten Folgen aussetzen, und in der Feinstofflichen Welt ist ihre Situation nicht leicht. Die Menschen trösten sich gewöhnlich damit, dass große Sieger das Karma im Verlauf eines irdischen Lebens nicht zu spüren bekommen. Karma tritt jedoch nicht sofort hervor. Es nähert sich auf besonderen Wegen. Und schließlich: Setzt sich das Leben etwa nicht ohne Unterbrechung fort? Die Weisen verstehen ihre irdischen Leben als eine einzige Perlenkette.

       Nun lasst uns die Angreifer daran erinnern, dass sie ihr Karma nicht allein durch Mord erschweren, sondern auch durch die Verunreinigung der Atmosphäre, die bei jedem Krieg stattfindet. Eine solche Vergiftung der Erde und der Sphären bleibt lange Zeit bestehen.

       Ihr, die ihr gewaltsam in das Land eures Nachbarn einfallt – hat euch etwa niemand jemals gesagt, welche Folgen euer Brudermord hervorrufen wird?

       Unsere Wohnstätte ist Zeuge vieler Kriege gewesen. Wir können sagen, wie sehr dieses Übel in völlig unerwarteten Formen anwächst. Die Menschen wissen, dass Schüsse Regen hervorrufen, werden aber giftige Gase nicht die entsetzlich-sten Erscheinungen auslösen? So kann man sich vorstellen, wie betrübt Wir darüber sind, diese roheste Erscheinung des freien Willens sehen zu müssen. Dieser Wille wurde jedoch als höchste Gabe verliehen.

 

       89. Urusvati versteht die Bedeutung des Schweigens. Doch welcher Art sollte dieses Schweigen sein? Die Menschen sind der Auffassung, dass das Nichtaussprechen eines Lautes bereits Schweigen sei. Doch um wahre Macht zu entfalten, muss das Schweigen das gesamte Wesen ergreifen und erfüllen, dann wird sich ein Verkehr mit der höheren Welt einstellen und ein Anwachsen der Energie erfolgen. Wir kennen diese Stunden des Zustroms von Energie. Man kann bestätigen, dass ein solches Schweigen höchste Anspannung darstellt.

       Man muss sich diese Fähigkeit anerziehen, jeder erlangt sie allmählich. Man kann in verschiedenen Leben verfolgen, wie die Erkenntnis dieser Energie angesammelt wird. Der Mensch kann aus jedem beliebigen Zustand heraus damit beginnen, seine Möglichkeiten zu vertiefen. Je eher er an eine Vermehrung seiner Erkenntnisse herangeht, desto besser.

       Wenn in Unserem Turm Schweigen herrscht, bedeutet das, dass eine besondere Anspannung besteht. Der Verkehr mit der höheren Welt stellt ein Schöpfen neuer Kräfte dar. Sowohl Wir als auch alles Existierende bedürfen einer solchen Ansammlung. Es wäre falsch anzunehmen, dass Wir keiner Erneuerung der Energie bedürften.

      Ich zeige Uns von der menschlichen Seite, um so das Band mit der Menschheit stärker zu festigen. Wir wünschen keineswegs, Uns als über den Wolken schwebende Wesen darzustellen, im Gegenteil, Wir möchten den Menschen nahestehende Arbeiter sein. So möge sich Nähe bilden, die eine Schwelle zur Zusammenarbeit sein kann, die besonders notwendig ist.

 

       90. Urusvati hat erfahren, dass eine Brechung des Sehvermögens dazu beitragen kann, frühere Verkörperungen zu sehen. Man könnte meinen, die Fähigkeit zu einer solchen Konzentration des Sehvermögens sei jedem Menschen eigen, doch zwei Bedingungen machen dies zu einer Ausnahmeerfahrung im irdischen Körper: Erforderlich ist eine besondere, natürliche Anspannung der psychischen Energie, und ebenso unerlässlich ist eine außerordentliche Anspannung der Sehnerven. Wie sich in einem Kaleidoskop aus einzelnen Teilchen ganze Bilder gestalten, so formen sich aus der Tiefe der Ausstrahlungen Bilder des Vergangenen.

       Ich bestätige, dass dieses Experiment im irdischen Körper schwer durchzuführen ist. Wir lassen es nur selten zu, da es das Sehvermögen beeinträchtigt. So kann man im irdischen Körper viel Bemerkenswertes sehen, doch die Lebensbedingungen erlauben es oft nicht, diese natürlichen Möglichkeiten anzuwenden. Sogar bei Uns müssen jene, die sich im physischen Körper aufhalten, vorsichtig solche Anspannungen berücksichtigen. Die Menschen werden wahrscheinlich nicht verstehen, weshalb sogar in Unserer Wohnstätte die irdischen Gesetze Anwendung finden müssen. Für die Menschen ist entweder alles möglich oder alles unmöglich. Sie wollen nicht verstehen, dass die Gesetze des Weltalls geachtet werden müssen.

       Viele Male haben die Menschen sich erst an Uns erinnert, als eine Tat bereits vollbracht war, oder sie machten Uns Vorwürfe, wenn etwas noch gar nicht vollendet war. Wir möchten nach Möglichkeit eine größere Anzahl von Bedingungen schaffen, die einen natürlichen Verkehr mit Uns unterstützen. Früher sprachen Wir nicht darüber, wie leicht man mit Uns verkehren kann, doch heute halten Wir es für notwendig, die Menschen daran zu erinnern, dass Wir bereit sind, dort zu helfen, wo die Bedingungen für einen solchen Verkehr gegeben sind. In den vorausgegangenen Büchern sind viele Bedingungen für eine Harmonisierung des menschlichen Bewusstseins aufgezeigt worden. Jene, die sich die Lehre aufmerksam aneignen, können den Weg des Verkehrs mit Uns leicht verstehen.

       Wir sind keine Wahrsager, Wir sind keine Rächer und Wir sind keine Bedrücker, sondern Wir sind Weber von Flügeln, Wir sind Schmiede von Panzern und Wir sind Führer des Denkens. Man muss jedoch verstehen, dass eine vielschichtige Energie einer behutsamen Handhabung bedarf. Durch ganz falsch angewendete Berührungen kann man großes Unheil verursachen. Wir haben an das Beispiel erinnert, wie leicht man frühere Verkörperungen sehen kann, doch darunter kann das Sehvermögen leiden. Ebenso muss auch beim Verkehr mit Uns die Macht des Herzens angewandt werden, aber kein Zwang, sondern eine ganz natürliche Bestrebung, die dem ganzen Leben zugrunde liegen muss.

 

       91. Urusvati kennt das Maß der Bestrebung. Dieses Maß muss man im Bewusstsein verwirklichen. Es ist unmöglich, es mittels des Verstandes zu befehlen. Nur mit den Augen des Herzens kann man erkennen, ob nicht irgendeine Möglichkeit bleibt, die Bestrebung noch mehr zu steigern. Man kann sich über jede Bestrebung freuen, die in vollem Maß erfolgt. Ein solches volles Maß erzeugt Sphärenmusik. Eine besondere Harmonisierung entsteht, wenn alle Saiten des Herzens erklingen. Versteht solche Vergleiche nicht als Symbole; schon vor langem haben Wir von den Augen des Herzens gesprochen. Der Mensch sieht nämlich mit ihnen und hört mit den Ohren des Herzens. Wie könnten wir ohne diese Organe existieren!?

       In Unserer Wohnstätte verwenden Wir besondere Apparate, welche die Tätigkeit des Herzens erweitern. Wir würden Uns freuen, könnten Wir sie zu breiter Verwendung übergeben, doch menschliche Hände würden damit nur Herzschmerz schaffen. Man darf derartige Apparate nicht ohne entsprechende Gedanken anwenden, sonst überlasten sie nur das Herz. Zudem müssen die umgebenden Verhältnisse beachtet werden.

      Ihr wisst, wie leicht es ist, sich mit Uns in Verbindung zu setzen, wenn die Feuer des Herzens entflammt sind und der Geist in Begeisterung jubelt. Daher sagen Wir: Hütet euch vor Gereiztheit und Furcht. Diese kleinen Auftürmungen entfernen euch nicht nur von Uns, sondern belasten Uns zudem. Sucht im Naheliegenden, sucht im Kleinen, sucht im Alltäglichen. Wir sprechen von den Pfaden, die in die fernen Welten führen sollen. Das Kleine ist für solche Vorbereitungen untauglich.

       Man kann Beispiele des Anschlusses an die Bruderschaft nennen. In den verschiedenen Jahrhunderten kann man ein hohes Maß an Begeisterung sehen. Wenn die Bruderschaft den Auftrag sendet, ein großes Opfer zu bringen, kann das ohne Begeisterung eintreten? Das Maß der Bestrebung wird von der Begeisterung geschaffen. Wir fördern ein solches erhabenes Fortschreiten. Mögen nicht Lumpen und Staub den herrlichen Pfad beschmutzen. Lasst uns nicht über die Einzelheiten des Pfades in Zweifel geraten. Sogar reißende Ströme kann man auf einem Regenbogen des Lichts überschreiten. Doch der Regenbogen kommt nach dem Sturm. So wollen wir uns den höchsten Grad der Bestrebung einprägen.

       Keine menschliche Verwirrung, keine Lästerung wird den Pfad des herrlichen Opfers beschmutzen.

 

       92. Urusvati weiß, dass Zusammenarbeit mit Uns Großer Dienst und Verehrung der Hierarchie ist. So viel Zersplitterung hat die Welt erfüllt, dass man mit allen Mitteln eine Vereinigung der Begriffe finden muss. Wir werden mit vielen Namen in verschiedenen Sprachen benannt. Auch Unsere Arbeit wird von den Menschen unterschiedlich aufgefasst. Man darf unmöglich eine noch weitergehende Aufteilung zulassen. Nicht eine einzige Lehre ist geblieben, die nicht durch Falschauslegung gespalten worden wäre. Sogar die Lehre, die vor weniger als einem Jahrhundert gegeben wurde, ist bereits in viele sich gegenseitig bekämpfende Gruppen zerfallen.[55] Daher ist es notwendig, die Begriffe zu vereinigen.

       Der uranfänglichen Energie sind viele Namen gegeben worden. Es ist unmöglich, sich nicht darüber zu wundern, wie die Menschen über ein und dasselbe streiten. So schlagen Wir vor, alle zufälligen Bezeichnungen zu vergessen und sich der uranfänglichen Energie zuzuwenden. Eine solche Zusammenfassung sollte die Wissenschaft nicht kränken, denn sie versteht, dass sich unter verschiedenen Aspekten die eine grundlegende Energie verbirgt. Genau das gleiche wollen wir auf Unsere Namen beziehen. Möge nur der Begriff „Bruderschaft“ übrigbleiben, und es wird nicht mehr nötig sein, sich den vielsprachigen Bezeichnungen zuzuwenden.

       In jeder Periode gibt es Jahrhunderte der Zersplitterung und darauf eine Epoche der Vereinigung. So muss man sich auf das Folgende vorbereiten. Diese Weisung sollte nicht als Rat zur Übung im Sammeln von Begriffen aufgefasst werden, sondern als dringende Hilfe für die Zusammenführung der geteilten Menschheit; dabei werden auch die Richtung des Großen Dienstes und die Annahme der Hierarchie verständlich werden. Dies wird von den Menschen nur unklar verstanden.

       Mit Recht gebt ihr das Buch über die Hierarchie sehr wählerisch heraus. Viele ertragen das Konzept der freien Annahme einer solchen Hierarchie nicht. Man darf nichts erzwingen, wenn das Bewusstsein verdunkelt ist, nur der freie Wille wird irgendwann auf den Weg zur Großen Einheit führen. Auf diese Weise kann man sehen, worauf Unser inneres Leben gerichtet ist. Denkt über die Einheit von allem nach, gerade an Tagen entsetzlicher Uneinigkeit.

 

       93. Urusvati hat seit langem erahnt, wer der Gründer der Bruderschaft ist. Man kann eine lange Reihe von Leben und von Aufenthalten in der Feinstofflichen Welt verfolgen, doch bei all ihrer Verschiedenartigkeit muss man immer eine einzige grundlegende Aufgabe des Daseins feststellen. Desgleichen kann man sehen, wie irdische Tempel und Festungen eingestürzt sind, während die Ideen, die sie geschaffen haben, nicht vergehen. Sie nähren nicht nur ganze Geschlechter, sondern erblühen sogar nach Jahrhunderten herrlich in einem neuen Verständnis. Wir messen Schwankungen des Bodens keine Bedeutung bei, wohl wissend, dass das Wesen unerschütterlich ist.

       Man kann eine Reihe von Inkarnationen miteinander vergleichen und sich über die Verschiedenartigkeit ihrer äußeren Form wundern: Herrscher, duldender geistiger Lehrer, Held, Einsiedler, Führer von Völkern, weiser Regent, Mönch, Philosoph und schließlich, in der Feinstofflichen Welt, Arzt und Heiler irdischer Völker. Es wäre zu langwierig, alle vergangenen Leben aufzuzählen, doch immer waltete derselbe Dienst und dieselbe Verfolgung.

      Beim Dienst in der Feinstofflichen Welt herrschte mehr Ruhe, da man sich dort in einem bestimmten Kreis bewegen konnte, in dem die Energie nicht ziellos verschlungen wurde. Auf der Erde indessen ist der Dienst bedrückend, weil weniger eine aktive als eine verteidigende Energie erforderlich ist. Man muss sich im Verlauf der Jahrhunderte daran gewöhnen, die Energie nur dort auszugeben, wo sie nützlich sein kann. Erinnert euch jedoch daran, dass jede auf das Wohl hin ausgesandte Energie Wirkung zeigt.

       Wir haben die Ruinen ehemals heiliger Stätten aufsuchen müssen, die Wir selbst einst errichtet hatten; es gibt ihrer viele in Ägypten, in Griechenland und auf der ganzen Erde. Doch Wir wissen, dass die Mauern ihren Dienst erfüllt haben und jetzt nicht mehr gebraucht werden. Ungeachtet dessen gilt: Das Wesen bleibt und verliert seine Frische nicht – so sprechen Wir, die Wir viel erfahren und gesehen haben. Die Menschen begreifen oft das Verhältnis von Vergangenheit und Zukunft nicht. Unsere Wohnstätte bewahrt so viele Beispiele des Großen Dienstes, dass man bezeugen kann, wie lebendig alle erbrachten Opfer sind.

       Inmitten Unserer Arbeiten vergessen Wir alle jene nicht, die ein herrliches Opfer dargebracht haben.

 

       94. Urusvati weiß genau, dass es am schwersten ist, die Ströme des freien menschlichen Willens in Übereinstimmung zu bringen. Es hat noch keine Kataklysmen[56] gegeben, welche die Aufmerksamkeit der Menschheit auf das Wesen dessen gelenkt hätten, was sie geschaffen haben. Erinnern wir uns daran, dass zu Zeiten vergangener großer Kataklysmen die Überlebenden sich keine Mühe gegeben haben, über die Ursachen des Geschehens nachzudenken. Sie hielten sich für unschuldige Opfer irgendeines grausamen Schicksals. Sie verbesserten ihr Bewusstsein nicht, und anstelle einer Läuterung begannen sie in ihrem wahnsinnigen Willen neue Schlachten.

       Die Ströme des Willens prallen heftig aufeinander, und eine undisziplinierte Denkweise erfüllt den Raum mit den zerstörerischsten Explosionen. Wahrscheinlich werden die Unwissenden erneut sagen, dass Wir drohen und einschüchtern. Doch mögen sie sich den Gesetzestafeln der Geschichte zuwenden. Mögen sie die Katastrophen der Menschheit studieren. Nicht vom Himmel sind diese Katastrophen ausgegangen, sondern von den menschlichen Herden. Die Menschen verfolgen ausgerechnet ihre Retter, was man mit einem Musikanten vergleichen kann, der alle Saiten noch kurz vor dem Auftritt zerreißt.

       Es ist nicht zu vermeiden, dass Wir der Grausamkeit bezichtigt werden, wenn Wir an die natürlichen Wirkungen von Unwissenheit und Wahnsinn erinnern. Es fehlen die irdischen Worte, um die Menschen nachdrücklich genug davor zu warnen, sich ins Verderben zu stürzen, den ganzen Planeten zugrunde zu richten und den Raum zu verschmutzen. Eine über Jahrhunderte hinweg angesammelte Geduld ist erforderlich, um der Menschheit Rettung zu bringen, wohl wissend, wie sehr sie abgelehnt und gekreuzigt werden wird. An jedem Tag und zu jeder Stunde beschimpft man Uns irgendwo und weist die helfende Hand zurück.

       Man kann sich vorstellen, welche Ströme eines wahnsinnigen Willens jegliche auf das Wohl gerichtete Bewegung überschwemmen! Warum über ferne Hierophanten des Bösen nachdenken, wenn die Menschen, während sie angeblich das Böse bekämpfen, es selbst bis zum Äußersten vermehren; so ist die Lage der Erde. Die undankbaren Söhne der Erde eilen, eine Katastrophe herbeizuführen, und jede Warnung wird als Beleidigung aufgefasst. So hat die Welt die Wahrheit über Golgatha[57] aufgezeichnet.

       So muss man auch diese Seite Unseres Inneren Lebens kennen. Nehmt sie zur Kenntnis und arbeitet, indem ihr Verständnis für die Wirklichkeit offenbart.

 

       95. Urusvati kennt die irdische Stickigkeit. So bezeichnen Wir einen Zustand der Atmosphäre, wenn bei Anspannung des unterirdischen Feuers und menschlichem Wahnsinn schwere räumliche Ströme eine unerträgliche Depression schaffen. Wir kennen solche Perioden. Die Menschen versuchen, eine solche Lage mit Sonnenflecken oder dem Vorüberziehen von Kometen zu erklären, doch derartige äußere Bedingungen können nicht so viel unerträglichen Druck schaffen. Selbst das unterirdische Feuer ist nicht imstande, ohne Mitwirkung des Menschen den ganzen Planeten so weitgehend einzukesseln.

       Die Menschen spüren Depression, ein nervlicher Wahnsinn bemächtigt sich ihrer, doch sie können nicht sagen, worin die Ursache liegt. Viele verweisen auf Massenepidemien oder auf neue Krankheitsformen, erkennen jedoch nicht ihr eigenes Verhalten als den Hauptgrund an. Auf diese Weise entwickelt sich die irdische Stickigkeit. Feinfühlige Herzen durchleben sie in besonders schwerer Weise. Sogar physische Stickigkeit und Depression des Herzens werden verspürt. Man kann zu einer besonderen Behutsamkeit im Umgang mit dem Herzen raten.

      Eines lässt sich zum Trost sagen: Ein solcher Druck kann nicht lange anhalten. Er kann sich unter einem Zustrom von Prana auflösen oder Kataklysmen nach sich ziehen. Doch mitunter ist sogar ein Kataklysma besser als tödliche Stickigkeit.

       Wir kennen diese Stickigkeit.

 

       96. Urusvati kennt die Bedeutung der Synthese. Eine Verneinung dieser Grundlage zerstört oft die nützlichsten Taten. Das Verstehen des Sinns Unserer Wohnstätte leidet unter willkürlicher Abgrenzung. Die einen halten Uns für Einsiedler am Kailas, andere sehen Uns als Wesenheiten der Feinstofflichen Welt an – solche Unterteilungen zerstören die Synthese Unseres Daseins.

       Die Menschen wollen die logischsten Argumente nicht annehmen, die ihre Annahmen erweitern sollen, doch auf diese Weise wird gerade der Sinn Unserer Existenz untergraben. Wenn Unser Zentrum als Verbindung zwischen den Welten fungiert, müssen in ihm die Bedingungen sowohl der physischen als auch der Feinstofflichen Welt zum Ausdruck kommen. Eine solche einfache Überlegung kann jedoch nur derjenige begreifen, der die Erhabenheit der Synthese versteht.

       Man kann die ganze Menschheit entsprechend der Anerkennung der Synthese einteilen. Es finden sich viele, die den Nutzen der Synthese heftig verneinen, doch sie kennen die Geschichte der Menschheit nicht. Gab es etwa keine Epochen blühender Entwicklung und zeitweiliger Erkenntnis der Synthese? So hat sich jede Zusammenarbeit der Zentren als eine Erweiterung der Erkenntnis erwiesen.

       Glaubt nicht, dass begrenzte Spezialisierung über den Ruhm einer Epoche entscheiden kann. Nur eine wohlwollende, zusammenfassende Synthese wird den Anstoß zu einer neuen Fortentwicklung des Bewusstseins geben.

       So wollen wir nicht vergessen, dass Beschränkung einem Verstehen Unserer Bruderschaft im Wege stehen kann.

 

       97. Urusvati kennt das Gleichgewicht zwischen Harmonie und Evolution. Unwissenheit stellt diese verwandten Begriffe oft in einen Gegensatz zueinander. Wahrhaftig, kann Evolution unharmonisch sein? Kann es Harmonie ohne Evolution geben? Die Menschen jedoch möchten Harmonie als etwas Unbewegliches und Tatenloses sehen. Die Menschen wünschen, dass Harmonie ihre Verantwortungslosigkeit verschleiern möge. Wenn die Welt erbebt, ziehen die Menschen es vor, in süßem Vergessen dazusitzen und einen solchen tödlichen Zustand mit dem erhabenen Wort „Harmonie“ zu bezeichnen.

       Die starken Akkorde der Harmonie sind jedoch überaus angespannt, und indem sie anwachsen, nähern sie sich der Evolution. Ebenso liegt das Wohl der Evolution in ihrer stetigen Steigerung der Bewegung. Herrlich ist das Bewusstsein, dass die Welt in schneller Bewegung ununterbrochen evolviert. In einem statischen Zustand kann es keine Evolution geben. Doch die Menschen blicken nicht in die Zukunft und sinnen insgeheim über einen nicht existierenden Zustand der Unbeweglichkeit nach. Die Evolution ist herrlich, da sie in ihrer Spirale in ewigem Aufstieg voranschreitet. Noch nicht einmal die Krämpfe des Chaos werden den Aufstieg der Spirale anhalten.

       Nicht immer können die Menschen im irdischen Zustand das nützliche Wachstum wahrnehmen. Jedes Wachstum erfolgt unter Qualen, bei Blitz und Wirbelwind. Nur ein vollkommenes Bewusstsein kann im Sturm das Aufblitzen der Wahrheit erkennen. Und jeder aufsteigende Denker muss seine Erkenntnis der Wahrheit im irdischen Leben in die Tat umsetzen. Ohne eigene Anwendung im Leben kann ein Mensch nicht als Denker bezeichnet werden. Der Gedanke ist Leben, und das Leben wird durch den Gedanken bewegt.

      So versteht ihr die beiden Grundlagen Unseres Daseins. Wir leben in Harmonie für die Evolution. Wir müssen evolvieren, da wir uns anderenfalls in Mumien verwandeln.

       Man muss die Bewegung der Evolution liebgewinnen; in ihr ist Ewigkeit begriffen.

       98. Urusvati lebt den Auftrag: Heldentat und Mut! Beide Begriffe sollten über die Bestätigung von Beispielen von Helden anerzogen werden. Man muss an Helden erinnern, die übermenschliche Aufgaben bewältigt haben. Dabei muss man die ganze Kompliziertheit der sie umgebenden Verhältnisse verstehen. Die Geschichtschroniken berichten nicht davon, wie sehr sie aus Nah und Fern bedroht waren. Die Menschen nehmen an, dass heldenhafte Handlungen plötzlich und ohne lange Vorbereitung aufkommen können, doch in Wirklichkeit sehen wir, dass viele Gedanken Gestalt annehmen müssen, ehe sich der Entschluss zu einer selbstaufopfernden Tat bildet.

       Die kühnsten Helden könnten von Visionen aus der Kindheit, von Träumen und von rufenden und befehlenden Stimmen erzählen. Von frühester Kindheit an formten sich Gedanken, auf welche die Antwort erst sehr viel später kam. Der Held konnte berichten, wie sehr eine bestimmte Kraft seinen Handlungen die Richtung gegeben hat. Der Held konnte unerwartete Worte aussprechen, deren Bedeutung er erst mit der Zeit verstand. So erfüllt Unser Einfluss viele Tatmenschen und stärkt ihren Mut. Man sollte dankbar sein für Unsere beständige Sorge um die Formung von Helden.

       Unsere Wohnstätte ist ein Zentrum kühnster Entscheidungen. Dabei muss man große Geduld bekunden, um den freien Willen mit dem Konzept der Aufgabe in Übereinstimmung zu bringen. So könnte man Uns wegen Unserer Geduld als Prüfsteine bezeichnen.

       Man sollte nicht denken, dass alle potentiellen Helden das vom Schicksal bestimmte Ziel erreichen, denn nicht selten widersetzt sich der freie Wille einer Entscheidung. Doch wenn die Menschen verstehen, wie sehr Wir bemüht sind, ihre erfolgreiche Entwicklung zu unterstützen, werden sie darüber nachdenken, wie nützlich es ist, mit Uns zusammenzuarbeiten. Heldentat und Mut werden dann als die höchste Freude entflammen.

 

       99. Urusvati sagt mit Uns gemeinsam: „Das gegenwärtige Jahrhundert ist das Jahrhundert des Gedankens.“ In der Tat, erst im gegenwärtigen Jahrhundert begann man zu verstehen, dass der Gedanke Energie ist. Kein Denker vergangener Zeiten enthüllte den Sinn des Gedankens als Beweger der Welt. Zur Anerkennung der Mechanik des Gedankens waren erst das Wissen über Mechanik allgemein und viele andere Entdeckungen erforderlich.

       Es ist richtig, dass Platon die Kraft des Gedankens kannte, doch er bestätigte nur die Macht der Ideen. Doch bis zur festgelegten Frist durfte man den Massen das Wissen über die Mechanik des Gedankens nicht übergeben. Erst jetzt beginnen einige Forscher zu verstehen, wie viele Eigenschaften des Gedankens man erkennen kann. Für solche einfachen Beobachtungen waren viele Jahrhunderte erforderlich, und nun erst kann man darauf hinweisen, dass der Gedanke ein mechanischer Beweger ist.

       Doch um wieviel schneller könnte das Wissen über den Gedanken weit in das Bewusstsein der Massen eindringen, wenn die Menschen Unsere Existenz verstehen könnten! Die mächtigsten Gedankenströme fliegen aus Unserer Wohnstätte. Man kann die Gedankenübertragung auf Entfernung aus einer Starken Quelle leicht verstehen.

      Indessen richten die Menschen, die sich mit Gedankenübertragung befassen, ihre Aufmerksamkeit wenig auf ihren eigenen geistigen Zustand. Erneut kann man an die alte Wahrheit von der Notwendigkeit erinnern, vor einem Experiment die Hände zu reinigen. Es ist anzuraten, dass Beobachter vor Experimenten ihre Aufmerksamkeit auf ihren eigenen harmonischen Zustand richten. Bei fehlender Übereinstimmung des eigenen Zustandes mit dem Vorhaben kann man unmöglich eine gute Entwicklung des Experiments erwarten. Auf eine solche Weise kann man nur das erste Stadium einer Übertragung erreichen, doch wünschenswert wäre es, mit der Entwicklung der Gedankenübertragung auf weite Entfernung rascher voranzukommen.

       Man sollte natürlich jenen Wissenschaftlern dankbar sein, die Vorurteile überwinden und die Menschen veranlassen, über ihr Vermögen nachzudenken. Wir senden ununterbrochen Gedanken, auf dass sie wie Pfeile das Bewusstsein der Menschheit erwecken. Mögen die Menschen spüren, wie viele Boten bei ihnen anklopfen.

 

       100. Urusvati erinnert sich, dass bereits vor zehn Jahren auf die Ereignisse in Spanien im voraus hingewiesen und auch die Jahre anderer großer Ereignisse genannt wurden. Man könnte fragen: Warum konnten die einen Ereignisse lange im voraus vorhergesagt werden, während andere, noch größere unerwähnt blieben? Eine solche Frage hat vom irdischen Standpunkt aus unzweifelhaft ihre Berechtigung. Doch man müsste auch mit einer Frage entgegnen:

      Warum können die einen Ereignisse für wichtiger als andere gehalten werden? Vergessen wir nicht, dass außer den irdischen auch noch überirdische Maßstäbe existieren. Ereignisse können das menschliche Urteil erschüttern und gleichzeitig keinerlei Spuren auf den Tafeln der Geschichte hinterlassen. Andererseits können Ereignisse eintreten, die nur von lokaler Bedeutung zu sein scheinen, in Wirklichkeit jedoch einen Wendepunkt des Weltgeschehens darstellen. Solche Konflikte zwischen irdischen und überirdischen Urteilen können eine Verwirrung der Geister verursachen.

       Uns sind nicht wenige Beschuldigungen zu Ohren gekommen, dass Wir absichtlich die wichtigsten Ereignisse verheimlicht und nur auf zweitrangige hingewiesen hätten. Darauf sagen Wir: Kleingläubige, woher habt ihr eure Gewichte, um die Weltereignisse zuverlässig abwägen zu können? Könnt ihr etwa ein Urteil über die Wechselbeziehungen der Völker auf euch nehmen, welche die Wirkungen ihres Karma erfüllen? Sogar über einzelne Personen sollte man vorsichtig urteilen.

       Oft erweist sich ein Führer der Anerkennung nicht wert, die er zu Lebzeiten erreicht hatte. Erst die Folgeerscheinungen können zeigen, welche Ernte die Saat des Führers eingebracht hat. Sehen kann man nur den heutigen Tag, doch den künftigen Tag muss man spüren. So erweisen sich die Weltereignisse als ein Mosaik, das man nur von den Bergen aus überschauen kann.

       Inmitten von Sturm und Verwirrung vollendet sich das Karma und erfüllen sich die Fristen. Ein Land, das gestern noch ein Riese war, kann morgen ein Zwerg sein. Die Menschen mögen sich über ein solches Schicksal wundern, doch Wir sehen die Kette der Ursachen.

       Man muss lernen, das Große vom Kleinen zu unterscheiden.

 

       101. Urusvati versteht die Bedeutung von lebenden Leichnamen. Üblicherweise ruft diese Erscheinung viel Unverständnis hervor. Die Menschen sehen, dass Personen, die als lebende Leichname bezeichnet werden, weiterhin auf der Erde wandeln, und so entstehen Zweifel an der Richtigkeit des gegebenen Hinweises. Doch warum sollte man einen Begriff nur durch äußere, physische Erscheinungen begrenzen? Unser Apparat weist auf Tod hin, und ein solcher Hinweis ist um vieles wichtiger als der physische Augenschein.

       Selbst in höchsten Ämtern können Wir einige lebende Leichname benennen; jeder von ihnen trägt auch eine physische Krankheit in sich, doch diese ist nur eine Nebenursache. Die Hauptsache besteht darin, dass der feinstoffliche Körper dabei ist, auszutreten, und niemals wieder in den physischen eintreten wird.

      Solche Puppen können nicht mehr selbständig schaffen. Sie befinden sich am Gängelband von anderen, ohne es selbst zu bemerken. Sie sind fest mit der Erde verbunden und denken mit Grauen an den Tod. Sie spüren, dass sie dem irdischen Leben nicht mehr vollständig angehören.

      Gewöhnlich handelt es sich um sogenannte Materialisten, denn sie fürchten selbst die Andeutung einer Fortsetzung des Lebens im feinstofflichen Körper. Vielleicht fürchten sie auch, einen Blick auf ihre eigenen Taten zu werfen. Jedenfalls kann man solche lebenden Leichname erkennen und als leere Hüllen verstehen.

      Ich weiß, dass solche Puppen überaus gereizt reagieren, würde man sie beim Namen nennen. Wir werden dies nicht tun, da ihr auch so wisst, von wem Ich spreche. Ebenso wisst ihr, wen Wir als leeren Ort bezeichnen.

       Lasst uns nicht nach irdischen Maßstäben urteilen, schauen wir lieber in die Zukunft. Viele Handlungen kann man als Wahnsinn bezeichnen, doch bei der Kompliziertheit der Beziehungen können sowohl Djins als auch Wahnsinnige nicht unverzüglich vernichtet werden. Wir befinden uns in den Wogen der Weltereignisse, und es ist unmöglich, Knoten zu zerschlagen, wenn dadurch eine Katastrophe ausgelöst werden kann. Die Menschen schlagen Uns nicht selten vor, bestimmte Verhältnisse zu beenden, ohne aber zu ahnen, dass die Enden solcher Fäden sich für sie in ein Fangnetz verwandeln können.

       Wir haben viele Sorgen, Ich wiederhole dies, da die Menschen Uns für rotwangige Prediger halten, die mit Harfen auf Wolken sitzen.

       Möge die Beschreibung Unserer Sorgen und Arbeiten erhalten bleiben.

 

       102. Urusvati fühlt die Wechselbeziehung der Welten. Ihre Grenzen sind indessen gewöhnlich nicht erkennbar. Die Welten teilen sich in viele Zustände auf und gehen sogar ineinander über. Nur das Gefühlswissen vermag die Grenzen solcher Unterteilungen zu verstehen; noch schwieriger jedoch ist es, die Evolution der Welten zu erkennen. Wenn alles durch Bewegung lebt, kann der Zustand der Welten nicht bewegungslos sein.

       Wir haben bereits über den verdichteten Astralkörper* gesprochen, andererseits begreift die physische Welt die Energie des Gedankens und verändert auf diese Weise erheblich das Wesen des physischen Körpers. Das heißt, zwischen der Feinstofflichen und der physischen Welt entstehen fast vor den Augen der Menschheit neue Daseinszustände. Auf diese Weise beginnen sich auch zwischen der Feinstofflichen und der Feurigen Welt neue Daseinsformen zu bilden. Diese Bindeglieder schaffen eine Zugkraft nach oben. Niemand kann daran zweifeln, dass in Unbegrenztheit ein solches grenzenloses Anwachsen möglich ist.

       Wenn wir uns den größten Glaubenskämpfer auf der Erde vorstellen, wird Er natürlich in der Feinstofflichen Welt erst recht eine einzigartige Macht darstellen. Die Berührung mit dem gereinigten Feuer des Raumes wird Ihn in die Feurige Welt ziehen. Und es gibt keinerlei Grenzen, die den Aufstieg eines von Zweifeln freien Geistes behindern könnten.

       Zweifel ist wie ein Riss in einem Luftballon. In Unbegrenztheit befindet sich alles in Bewegung. Ich sage dies deshalb, um daran zu erinnern, dass die natürliche Bestimmung des Menschen nach oben gerichtet ist. Aber Zweifel sind nichts anderes als durchlöcherte Taschen, in ihnen kann man keine Diamanten aufbewahren.

       Kehren wir zu Unserer Wohnstätte zurück. In ihr gibt es keinen Zweifel. Die Zugkraft nach oben ist gewaltig. Es erfordert nicht geringe Anstrengungen, um die Verbindung mit der Erde nicht zu verlieren. Die irdischen Ketten wurden freiwillig und bewusst angelegt.

      Die Opferbereitschaft erwächst aus Liebe; und die Erfahrung früherer Leben hat die Liebe zu den Leidenden entstehen lassen. Die Erfahrung entzündet entweder die Liebe oder verschärft den Hass. Doch wer wird der erste sein, der am Pfahl des Hasses brennt? Wird das nicht gerade der Hassende selbst sein?

       Liebe muss weise und tatkräftig sein. Bei einem solchen Verständnis kann man aber leicht stolpern oder in Scheinheiligkeit verfallen. Allein Arbeit zum Nutzen der Welt wird Gleichgewicht verleihen. Arbeit wird sowohl Freude als auch das Verstehen der Unbegrenztheit vermitteln. Sie führt zur Erkenntnis der Bewegung der Welten.

       Man wird fragen: Worin besteht das beste Pranayama*? Wie lässt sich der beste Rhythmus herausbilden? Wie wird der Wurm der Verzagtheit besiegt? Durch Arbeit. Allein bei der Arbeit bildet sich der Zauber der Vervollkommnung. Bei der Arbeit wird auch die Feurige Taufe* erfolgen.

 

       103. Urusvati kennt die Stunde der Dringlichkeit. Es ist nicht leicht, Dringlichkeit mit Harmonie, Mäßigung mit Unaufhaltsamkeit zu verbinden. Es lassen sich viele scheinbare Gegensätze nennen, doch das Leben findet für alles einen Platz. Wir müssen nur die Tat als höchste Grundlage verwirklichen, dann wird das Gefühlswissen den Rhythmus der Arbeit anzeigen. Die Welt jagt unaufhaltsam voran, und das Tempo der Arbeit muss mit diesem Rennen in die Unbegrenztheit Schritt halten.

       Wir haben bereits von der Zugkraft nach oben gesprochen, doch es kann auch einen ewigen Fall in den Abgrund geben. Nur Arbeit kann jene Qualität liefern, die als Rettungsring dienen wird. Man muss die Qualität des gesamten Lebens lieben. Der geringste Verlust an Qualität drückt alle vorwärtsschreitenden Bewegungen nieder. So bedauert ihr zu Recht jene Völker, welche die hohe Qualität des gesamten Lebens vergessen haben. Lasst uns jedoch nicht verzweifeln, wenn das Potential des Herzens groß ist. Die Stunde der Dringlichkeit hilft, denn sie spannt alle Kräfte des Menschen an.

       Glaubt nicht, dass Unsere Wohnstätte nicht auf die Stunde der Dringlichkeit achtete. Eine solche Dringlichkeit zeigt sich nicht nur in einer einzigen Beziehung. Sie geht in ganze Gruppen ein und kann anhand der gemeinsamen Spannung bestimmt werden. So kann man auch jetzt sehen, wie sehr das Wesen der Ereignisse voraneilt. Die Menschen versuchen, diese Dringlichkeit nicht zu bemerken, doch solche Versuche ähneln dem Taumeln von Blinden.

       Zeigen wir Verständnis für die Stunde der Dringlichkeit.

 

       104. Urusvati wahrt selbst in der Stunde der Gefahr Feierlichkeit. Nur wenige verstehen die Kraft eines solchen Schildes. Inmitten tobender Ströme steht unerschütterlich der Fels unverbrüchlicher Feierlichkeit. Man kann jede den Menschen umgebende Macht wissenschaftlich erforschen. Der Mensch selbst kann jede beliebige Kraft in sich hervorrufen und sich aus ihr einen undurchdringlichen Panzer schmieden. Ebenso muss man verstehen, dass Feierlichkeit die beste Brücke zu Uns ist. Unsere Hilfe fliegt schnell über den Kanal der Feierlichkeit, überaus langsam jedoch auf dem Weg der Furcht und der Niedergeschlagenheit.

       Man möge wissen, dass Wir in der Stunde der Gefahr hellblaue Strahlen der Hilfe senden. So hatten Pandits[58] ein Erdbeben vorausgesagt, doch vollzog es sich dann nur in geringem Ausmaß. Jemand wird von einem Fehler der Pandits sprechen, doch er weiß nichts von den Maßnahmen, die Wir ergriffen haben. So suchen die Menschen oft die Ereignisse irgendwo weit entfernt, während sie sich hinter ihrem Rücken vollziehen. Doch der weiße Schwan der Feierlichkeit fliegt auf direktem Wege.

       Lasst uns nicht vergessen, dass jede Hilfe angenommen werden muss. Wenn Wir auf Einigkeit als Mittel zum Erfolg hinweisen, ist ein solcher Rat rein wissenschaftlich. Für Uns ist eine bestimmte Spannung der Energie notwendig, die nur bei Einigkeit der Beteiligten aufrechtzuerhalten ist. Jede Bresche zerreißt das wertvolle Gewebe. Wer nimmt es auf sich, zu beurteilen, ob es leicht ist, das zerrissene Gewebe wiederherzustellen? Die Menschen wollen über solche einfachen Fragen nicht nachdenken und sind bereit, ihr eigenes Wohlergehen der Gefahr auszusetzen. Wer entscheidet denn, welche Nichtbeachtung eines Ratschlages sich als unheilvoll erweisen kann?

       Wir lenken des öfteren die Aufmerksamkeit der Menschen auf Uns, um auf diese Weise leichter einen Kontakt herzustellen. Doch der freie Wille ermöglicht es ihnen nicht, der Stimme der Bruderschaft Gehör zu schenken.

 

       105. Urusvati spürt, wie weit die irdische Saat bei wahrer Zusammenarbeit reichen kann! Niemand weiß, wie weit ein menschlicher Gedanke in unversehrtem Zustand übertragen werden kann. Niemand kann gänzlich erfassen, welcher Auftrag ihm aus der Feinstofflichen Welt anvertraut worden ist. Jedem aber ist ein Körnchen des Guten verliehen worden, damit er um dieses herum seine irdische Erfahrung formt. Die Menschen denken jedoch nicht über diese Teilchen des Guten nach, denn sie wollen keine Vorstellung von jenen Höheren Welten hegen, denen die wunderbaren Wellen des Guten entspringen.

       Wenn die Menschen sich dieser ihnen anvertrauter Körnchen des Guten erinnern würden, würden viele Erscheinungen des Bösen von allein vernichtet werden. Wir senden den Menschen Gedanken über das ihnen in Auftrag gegebene Gute, doch solche Sendungen werden oftmals nicht nur nicht angenommen, sondern sogar unter Aufbegehren abgelehnt. Ein solches Aufbegehren erwächst aus dem Unwillen, sich der Welten zu erinnern, wo das irdische Leben bloß ein kleines Staubkörnchen ist.

       Die Menschen lieben es nicht, sich vorzustellen, dass ihre prunkvollen irdischen Auftürmungen vor dem gedanklichen Schaffen in den Höheren Welten verblassen. Aus einem solchen irdischen Egoismus erwächst auch die Ablehnung der Zusammenarbeit. Indessen ist die Erkenntnis weiter Bereiche ohne Zusammenarbeit bereits nicht mehr möglich. Es ist unerlässlich, die Höheren Welten zu erkennen. Es ist unerlässlich, damit zu beginnen, über sie nachzudenken.

      Bei einem solchen Denken wird man sich auch wieder an die in Auftrag gegebenen Körnchen des Guten erinnern. In der Stunde vor Sonnenaufgang wird man sich daran erinnern, dass man den Auftrag erhalten hat, einen feinstofflichen und herrlichen Aufbau auf die Erde zu bringen. Es wird doch jedem, der sich auf eine Verkörperung vorbereitet, seinen Fähigkeiten entsprechend ein Auftrag zur Verwirklichung des Guten mitgegeben. Im Wirbelwind des freien Willens kann der Mensch diesen kostbaren Auftrag zurückweisen, doch irgendwann wird er zurückkehren, um die verstreuten Samenkörner wieder aufzulesen.

       Unter Unseren Arbeiten ist jene besonders schwierig, die Menschen an ihre Bestimmung zu erinnern. Die Menschen bezeichnen Uns sogar als Unsichtbare Regierung, möchten jedoch nicht einmal den einfachsten Rat befolgen. Wie viele Ratschläge werden verworfen und der Verspottung ausgesetzt. So handeln jene, die Uns als Heilige und Weise verehren.

 

       106. Urusvati weiß, dass unter den feinstofflichen Wahrnehmungen eine der schwierigsten das Hellhören ist. Zu viele Bedingungen mischen sich in ein solches Hören ein. Es ist sehr aufschlussreich, dass starke Stimmen oder Gedanken durch einen einzigen Laut gefärbt werden können. Der Gedanke vermag zu erklingen. Dieser Umstand wird von den Menschen nicht begriffen. Ebenso schwer fällt es ihnen zu lernen, dass dasjenige Wort erklingen wird, auf das gedanklich die Betonung gesetzt wurde.

       In einer Zeit schwerer Ströme wird auch eine Gedankensendung unangenehmen und unerwarteten Einflüssen ausgesetzt sein. Gerade jetzt führen wir Unser Gespräch unter äußerst schwierigen Bedingungen. Im Altertum hat man bereits bemerkt, dass belastende kosmische Perioden sehr lange andauern können. Heute jedoch werden, ungeachtet der Erfolge der Wissenschaft, solche kosmischen Bedingungen nicht anerkannt, und es bleiben nur noch Streitgespräche über die Einflüsse der Sonnenflecken und verschämte Andeutungen über die Einwirkungen des Mondes. Letzteres wird dem Bereich der Zauberei zugerechnet. Und nur wenige Wissenschaftler wagen es, an den Einfluss des Mondes auf den irdischen Alltag zu erinnern. Ängstlich rufen sie sich die vergessene Lehre des Ostens ins Gedächtnis zurück, in der bereits auf die Bedeutung des Mondes hingewiesen wurde.

       In den Puranas[59] kann man viele wissenschaftliche Hinweise finden. Urusvati hat schon vor einigen Jahren von Uns über die Bedeutung des Jahres zweiundvierzig[60] gehört. Heute findet diese Frist ein breites Interesse. Das Ende des Kali Yuga muss man bemerken, denn mit ihm sind viele kosmische Ereignisse verbunden. Aus mehreren Gründen ist diese Frist verschleiert worden, und nur wenige haben erraten, dass die gigantischen Zahlen als Symbole hinterlassen wurden. Auch die Hinweise über Vischnu, den Avatar Krischna[61], sind symbolisch. Ihr versteht sehr gut, um welchen Begriff sich diese Hinweise drehen.

      Schon heute kann jeder eine ungewöhnliche Auftürmung von Ereignissen bemerken. Ein solches Harmagedon ist vor langer Zeit vorhergesagt worden. Die Besonderheiten des Endes des Kali Yuga wurden in den Puranas beschrieben, doch sogar scharfsichtige Geister haben ihre Aufmerksamkeit nicht auf diese klaren Hinweise gerichtet.

       Die Ungewöhnlichkeit der Ereignisse beunruhigt die Menschheit wenig. Übrigens ist die Verwirrung der Geister vor langer Zeit vorhergesagt worden. Die Bekanntgabe einer solchen wichtigen Frist trägt auch in Unsere Wohnstätte einen besonders verstärkten Rhythmus hinein.

       Die Menschen klagen: „Damit kann ich nichts anfangen.“ Doch eine solche Stimmung resultiert aus dem Wechsel des Rhythmus. Das innere Bewusstsein hat das Zukünftige schon aufgenommen, die mechanische Routine hängt aber noch an den Formen des Kali Yuga. Bei einer solchen Spaltung des Bewusstseins der Menschen verstärkt sich bei Uns der Rhythmus der Arbeit. Über der Erde hängen alle möglichen Erschütterungen. Karma arbeitet verstärkt. Man muss sich daran erinnern, dass Karma-Dev[62] nicht auch nur eine Stunde verliert. So spannt diese Macht sich vor dem Wechsel des Yuga an. Dessen wollen wir uns bewusst und ganz von Mut erfüllt sein.

 

       107. Urusvati weiß, dass die meisten Krankheiten durch Suggestion entstehen. Es wird viel über Autosuggestion gesprochen, doch weniger Aufmerksamkeit widmet man der Suggestion auf Entfernung. Mittels des Gedankens kann man auf Entfernung heilen, doch ebenso kann man Krankheiten auf Entfernung hervorrufen. Ein solcher Umstand wird zukünftig erforscht werden, doch jetzt geben nur wenige zu, dass es möglich ist, eine Krankheit mittels eines Gedankens aus der Ferne zu verursachen. Hierbei ist besonders bemerkenswert, dass der Gedanke direkt oder indirekt sein kann, doch die Pfeile dringen in die Zellen ein, die anfällig für eine Erkrankung sind.

      Der sogenannte böse Blick hat eine uralte Begründung. Ein solcher Gedanke war vielleicht nicht darauf ausgerichtet, eine bestimmtes Krankheitsgefühl hervorzurufen, doch die Energie des Bösen trifft den Organismus an seiner schwächsten Stelle oder beraubt ihn seines Selbstschutzes.

       Es ist lehrreich zu beobachten, dass ein Gedanke nicht nur äußere Krankheitssymptome schaffen, sondern auch schlafende Krankheitskeime veranlassen kann, zu erwachen und das Werk der Zerstörung zu beginnen. Ist das etwa kein Beweis der Gedankenenergie? Eine Unzahl solcher Gedankensendungen irrt auf der Erde umher.

       Die Ärzte nehmen an, dass Infektionen allein auf mechanischem Weg übertragen werden, vergessen jedoch die hauptsächliche treibende Kraft solcher Infektionen. So sollte die Wissenschaft des Gedankens als überaus vielseitig aufgefasst werden. Radiowellen können sich gegenseitig stören, und Gedankensendungen können unerwartete Verwirrungen hervorrufen. Die Menschen bemerken sie nicht, doch dadurch ist noch nicht erwiesen, dass solche Erscheinungen nicht existieren. Es existiert vieles, was noch nicht bemerkt wird.

       Jetzt könnt ihr euch vorstellen, wie kompliziert Unsere Arbeit ist, wenn Wir nicht nur die Verstärkung von Gedankensendungen fördern, sondern auch vielen bösen Verbreitern von Seuchen Einhalt gebieten müssen. Wir können beobachten, wie sehr die Menschen selbst gefährliche irdische Krankheiten erzeugen. Im wahrsten Sinne des Wortes verhexen sie sich gegenseitig. Solche Einwirkungen wurden ehemals der Zauberei zugeschrieben, doch von solchen Hexenmeistern des Gedankens gibt es mehr, als man denkt.

       Gerade jetzt entwickeln sich einige ungewöhnliche Krankheiten. Die Menschen bemerken sie nur mit Mühe und wollen nicht über ihre Ursache nachdenken. Man könnte sagen, dass aus Sicht des Spießbürgers nichts Neues geschieht. Man darf jedoch nicht vergessen, dass gerade jetzt viele kondensierte Energien in das Alltagsleben eingehen, und dadurch erhält das menschliche Denken neue Impulse.

       Viel Neues sollte der Mensch erfassen, gerade über sich selbst.

 

       108. Urusvati hat einen Höheren Strahl gesehen, der von einer Vielzahl von Augen erfüllt war. Auch eine solche Evolution muss man sehen. Man muss sich ihrer Realität vergewissern. Ein besonderer Strahl ist erforderlich, um solche räumlichen Formen sichtbar werden zu lassen, die Wir als Prototypen der Schöpfung bezeichnen. Die Spuren großen Gedankenschaffens sind in den Schichten des Akascha* fixiert. Man kann sich davon überzeugen, wie sehr der Raum von allen Arten der Schöpfung der Großen Baumeister erfüllt ist. Im Strom mächtiger Gedanken wird eine Vielzahl von Formen geboren.

       Betrachten wir diese Werkstatt der Augen. Sie sind sowohl im Ausmaß als auch im Ausdruck vielgestaltig. Manche sind flink und glänzend, andere sind halb geschlossen, wieder andere erinnern an östliche Blicke, weitere hingegen streben wie nördliche. Man kann sehen, wie der Gedanke unaufhaltsam aus den Schätzen des Akascha heraus schafft und die Bedürfnisse der Welten sättigt.

       Jetzt gerade blitzt ein Fischschwarm in seiner ganzen Vielgestaltigkeit in dem Höheren Strahl auf. Ein Gedanke muss ungewöhnlich deutlich sein, um solche harmonischen Formen zu schaffen. Jede nebelhafte Vorstellung schafft monströse Formen. Es ist sehr wichtig, wenigstens einmal einen Blick in die Schatzkammer des Akascha zu werfen. Eine solcher Anblick kann jedoch der irdischen Sehfähigkeit schaden, und so gehen Wir mit Unseren Mitarbeitern behutsam um.

      Doch bei den Aufzeichnungen über Unser inneres Leben möchten Wir aufführen, dass Unsere Schwester auch im irdischen Körper solche Schätze des Gedankenschaffens gesehen hat. Man darf solche Beobachtungen nicht oft wiederholen. Die Menschen verseuchen die niederen irdischen Schichten in einem solchen Ausmaß, dass viele Experimente für den Organismus gefährlich werden. So kann Unser hellblauer Höherer Strahl viele äußerst feinstoffliche Erscheinungen sichtbar werden lassen, doch kann er nur selten offenbart werden.

       Urusvati hat gesehen, wie dieser Höhere Strahl sich in einem Zweikampf mit Ausbrüchen von Feuer befand. Doch nur im äußersten Fall kann man einen solchen starken Höheren Strahl weltweit anwenden.

       Erinnern wir uns auch daran, dass ihr Unsere Abbilder auf einer polierten Holztafel gesehen habt. Dies geschah auf derselben Grundlage wie bei der Television, doch ihr habt dies bereits vor siebzehn Jahren gesehen. Man muss solche Erscheinungen notieren, denn später wird man sie mit nachfolgenden wissenschaftlichen Entdeckungen vergleichen können. Es wird vieles in die Welt geworfen, lange bevor es erkannt wird.

 

       109. Urusvati weiß, wie behutsam man sich gegenüber der psychischen Energie verhalten muss. Wie kann denn der Mensch sein Verhältnis gegenüber der uranfänglichen, alles durchdringenden Energie ermessen? Wird er sich nicht stolz als Hüter dieser unermesslichen, unbegrenzten Kraft emporheben? Nichtsdestoweniger wacht der Mensch über die uranfängliche Kraft. Es sind ihm Kriterien anvertraut, und er weiß genau, wann er dem von oben verliehenen Segen Gewalt antut.

       Jemand hat den Missbrauch der uranfänglichen Energie mit den Kräften des Alkohols verglichen, der in kleinen Dosen bei Krankheiten wohltuend und bei Missbrauch zerstörerisch ist. So kann auch die psychische Energie segensreich, aber auch zerstörerisch sein. Nur ein erweitertes Bewusstsein versteht, in welchem Maß man aus der Quelle der Energie schöpfen kann, ohne die Harmonie zu stören. Die Menschen meinen, die herrliche Energie unbegrenzt nutzen zu können, doch sie vergessen die Gesetze des Aufbaus, die Möglichkeiten gewähren, gleichzeitig aber auch Grenzen setzen.

       Der Gesegnete[63] selbst gebot den Mittelweg, auf dem man wahre Behutsamkeit gegenüber der uranfänglichen Energie offenbart. Unsere Wohnstätte lebt nach dem Gesetz des Mittelweges. Jeder, der an Unsere Wohnstätte zu denken wünscht, muss sich fragen, ob er die Schönheit des Mittelweges versteht. Niemals werden Zerstörung und Hässlichkeit in den Bereich des Mittelweges eingehen. Das Fundament ruht auf dem Besten und auf den Besten für das Beste. So führt der Mittelweg die Besten auf dem besten Arbeitsfeld. Gerade Arbeit wird die Grenzen der Harmonie nicht überschreiten und sich so der Grundlage der Feinstofflichen Welt nähern.

       Urusvati hat die Massen in der Feinstofflichen Welt gesehen. Nicht in diesen Schichten wohnen Jene, von denen Wir sprechen. Man muss aber die verschiedenen Schichten kennen. Man muss verstehen, wovon die Erde umgeben ist, so kann man rascher begreifen, weshalb Wir in einem ständigen Kampf stehen.

 

       110. Urusvati weiß, dass derjenige, der schon im irdischen Leben zur Erkenntnis der Zeichen der drei Welten strebt, sich der Fülle des Daseins nähert. Wo aber soll man die Funken der Feurigen Welt suchen? Können sie etwa im irdischen Staub verstreut sein? Die Funken der Feurigen Welt finden sich gerade in jeder irdischen Erscheinung. Umso mehr muss man alles Umgebende klar erkennen.

       Man muss lernen, sich verfrühter Schlussfolgerungen zu enthalten, die einen schädlichen Einfluss ausüben können. Man muss den Schaden unsinniger Verurteilungen verstehen; anderenfalls kann man einem vor dem Ertrinken geretteten Menschen ähneln, der zuallererst beginnt, sich über seine verdorbene Kleidung zu beschweren. Oft haben wir Menschen gerettet und erhielten nur Klagen über dabei beschädigte Kleider. Nicht selten ist ein Leben um den Preis des kleinen Fingers gerettet worden, über den es jedoch mehr Gerede gab, als über das ganze Leben.

       Vergessen wir die Zeichen nicht, die von fern aus der Feurigen Welt kommen, doch vernachlässigen wir die Hilfe nicht und erinnern wir beharrlich daran, dass alle Kostbarkeiten der drei Welten zu hüten sind.

       Urusvati hat das in einigen Schichten der Feinstofflichen Welt herrschende Bewusstsein richtig verspürt. Hoffnungslose Traurigkeit bedrückt sie nämlich, und die Ursache liegt allein in dem Unvermögen, zu denken und Vorstellungen zu entwickeln. Niemand lehrt die Fähigkeit, in allen Disziplinen des Wissens zu denken. Niemand sorgt sich um die Entwicklung der Vorstellungskraft, doch ohne diese Flügel ist es unmöglich, sich in höhere Schichten zu erheben. Man muss sich indessen davon überzeugen, wie schön der Aufstieg dorthin ist, wo das Denken in einem geläuterten Zustand herrscht. Dort wird der Gedanke zum Gefühl, und das irdische Herz kann diese schöpferische Glückseligkeit empfinden.

       Lasst uns keinen Augenblick versäumen, um auch schon im irdischen Leben die Fülle des Daseins zu verspüren. Man kann einen solchen Zustand als Begeisterung oder Vergeistigung bezeichnen, doch die Bedeutung eines solchen Zustandes verklärt das ganze Leben.

       Sucht daher jedes kleinste Zeichen im Herzen und bewahrt im Gedächtnis, dass die Freunde auf den fernen Bergen sich um euch sorgen und für euch arbeiten.

 

       111. Urusvati weiß, wie vielgestaltig der Große Dienst ist. Gewöhnlich wird er gar nicht verstanden, doch sofern man ihn für möglich hält, stellt man ihn sich als eine Art klösterlicher Einförmigkeit vor. Indessen muss der Große Dienst auf alle irdischen Erfordernisse eingehen, und dafür muss der Dienende die Lebensbedingungen kennen. Er darf den Unwissenden nicht kränken, muss den Verzweifelnden behutsam überzeugen und verschiedene Arbeitsgebiete verstehen, um dort fördern zu können. So muss der Dienst überall Nutzen bringen, und der Diener des Guten wird auch ein bedeutsames Wort finden, um in eine lichte Zukunft zu weisen.

       Lasst uns nicht denken, eine solche Zukunft sei lediglich Maja. Besonders jetzt, an der Schwelle des Wechsels des Yuga, müssen wir alle verstehen, dass die lichtvollste Zukunft möglich ist und dass nur das vom Menschen verursachte Böse den raschen Beginn der lichtvollen Epoche verhindern kann.

      Man wird fragen: Wie kann man die Gefahr der Existenzbedrohung des gesamten Planeten mit der Möglichkeit einer lichtvollen Epoche vereinbaren? Den Menschen ist die volle Möglichkeit gegeben, in eine glückliche Epoche großer Entdeckungen einzutreten. Doch wenn der freie Wille sie von einer Fortentwicklung fernhält, können sie eine Katastrophe beliebigen Ausmaßes schaffen. So können die Menschen sich nicht beklagen, dass ihnen ihr herrliches Los nicht aufgezeigt worden sei. Nur böser Wille kann die Völker zu einem planetaren Kataklysma treiben. Es ist unmöglich, die freie Wahl zu ermessen, die von zahllosen Möglichkeiten erfüllt ist, doch die Menschen sinnen am allerwenigsten darüber nach, wie man die verliehene Freiheit anwenden kann.

       Wir beobachten erstaunliche Kontraste der Denkweise. Wissenschaftler schicken sich an, die Zukunft aufzubauen, und bemerken die Keulen der Wilden über ihnen nicht. So sendet Unsere Wohnstätte unaufhörlich Warnungen aus, doch die Menschen wischen sie beiseite und wollen die Gefahr nicht bemerken. Möge irgendjemand ruhig die Unvernünftigen retten, wenn er nur nicht ihre illusorischen Aufbauten stört.

      Jetzt ist eine schwere Zeit, da die Menschen die Zerstörungen und Kriege nicht bemerken, die in der Feinstofflichen Welt Verwirrungen verursachen.

 

       112. Urusvati weiß, wie fest der Schild des Bewusstseins der Rechtschaffenheit ist. Unerlässlich sind nicht allein Vertrauen und Glaube, sondern ebenso ein unerschütterliches Bewusstsein der Rechtschaffenheit.

       Woraus konnten Glaubenskämpfer und Märtyrer ihre Unerschütterlichkeit schöpfen? Gerade aus dem Bewusstsein ihrer Rechtschaffenheit. Sie konnten beliebige Beschimpfungen erleiden, und ihr Geist jubelte nur. So ruht auch das Leben in Unserer Wohnstätte auf der Grundlage der Rechtschaffenheit aller Arbeiten.

       Man sollte nicht denken, Wir seien so weit von der Erde entfernt, dass Uns keine irdische Verwirrung erreichen kann. Doch jeder irdische Sturm stößt an die Festung der Rechtschaffenheit. Zum Großen Dienst gehört die unüberwindliche Festigkeit des Bewusstseins der Rechtschaffenheit. Die Menschen verlieren den Boden unter ihren Füßen nämlich dadurch, dass sie das Bewusstsein der Rechtschaffenheit verlieren. Man kann sich unmöglich bewegen, ohne festen Boden unter sich zu spüren. Der Geist aber muss sich auf eine nicht geringere Festigkeit des Bewusstseins stützen.

       Menschen, die viele Gefahren durchschritten haben, können bezeugen, dass nur das volle Bewusstsein der Rechtschaffenheit sie über den Abgrund geführt hat. Möge jeder sich solcher Momente der Gefahr erinnern und sich vergegenwärtigen, was gerade ihn gerettet hat.

      Wir sind natürlich jederzeit bereit, eine helfende Hand auszustrecken, doch für eine solche Handreichung ist volles Vertrauen erforderlich. Es wird jedoch nur dort erblühen, wo das Bewusstsein der Rechtschaffenheit vorhanden ist. Wir bestehen auf diesem Bewusstsein, da dann auch die Zusammenarbeit leichter wird. Die ausgesandte Energie erreicht das Ziel, und es entstehen keine krankmachenden Erschütterungen.

      Mögen die Menschen sich des festen Schildes der Rechtschaffenheit erinnern.

 

       113. Urusvati hat bei ihren Flügen in die fernen Welten die Besonderheiten dieses Daseinszustands gespürt. Es könnte seltsam erscheinen, dass auf der Grundlage der Einheit der Welten derart viele Unterschiede existieren, und dies sogar bei Erscheinungen, die rein äußerlich an irdische erinnern. Ebenso überraschend ist ihre innere Besonderheit.

      Die Farben erinnern bisweilen fast an irdische Farbtöne, doch ihr Wesen ist vollkommen andersartig. Die Gewässer sind in ihrer Tiefe und Durchsichtigkeit nicht mit den Meeren auf der Erde zu vergleichen. Selbst die Atmosphäre ist gleichsam regenbogenfarbig. Doch diese Regenbogenfarbigkeit gleicht nicht dem irdischen Regenbogen. Die Fische fliegen, doch ihre Farben sind einzigartig gegenüber den irdischen. Das Gefieder der Vögel ist in seinen Farben dem der prachtvollsten Vögel der Erde ganz unähnlich. Die Bewohner erinnern an irdische, beeindrucken jedoch gleichzeitig durch ihr äußerst feinstoffliches Gewebe. Alle Klänge erinnern fast an den schönsten irdischen Gesang, doch die Bedeutung der Stimmen ist eine andere. Solche Unterschiede erstaunen das irdische Bewusstsein. Man muss sich an die weite Mannigfaltigkeit erst gewöhnen.

       Wohl dem, der schon im grobstofflichen Körper bereit ist, die Vielfalt der Welten wahrzunehmen. Glaubt nicht, eine solche Wahrnehmung sei leicht. Man muss viele Erfahrungen gesammelt haben, um die Wirklichkeit annehmen zu können. In dem Begriff „annehmen“ ist der Sinn der Evolution enthalten.

       Man kann gelehrten, scheinbar gebildeten Menschen begegnen, welche die Möglichkeit der Existenz verschiedenartiger Welten nicht annehmen können. Aus diesem Grund gestehen sie auch die Existenz der Feinstofflichen Welt nicht zu, doch feinstoffliche Wahrnehmungen gestatten keinen Zwang.

       Wer die Vorstellung von der Feinstofflichen Welt von sich weist, bereitet sich selbst für den dortigen Aufenthalt eine armselige Hütte. Man muss in sich die Fähigkeit entwickeln, in weitem Umfang anzunehmen, ohne sie kann man nicht im feinstofflichen Körper fliegen. Ein zaghafter feinstofflicher Körper wird beim Austreten aus dem physischen ziellos umherschweifen und mit Schrecken um sich blicken. Es ist nicht leicht, frei in die Feinstoffliche Welt einzutreten, um furchtlos zu beobachten und zu lernen. Die Massen in der Feinstofflichen Welt sind ebenso voller Besonderheiten wie das Leben in den fernen Welten. Die leuchtende Materie ähnelt den irdischen Hüllen nicht. So muss man inmitten unzähliger Verschiedenartigkeiten das Verstehen der Einheit offenbaren.

       Unsere Wohnstätte kann als Beispiel der Vielfalt in der Einheit dienen.

 

       114. Urusvati kennt außer den sogenannten heiligen Schmerzen auch noch weitere schmerzhafte Empfindungen, deren Herkunft unbekannt ist. Man muss ihre Ursache im Verkehr mit der Feinstofflichen Welt suchen. Der grobstoffliche Körper kann Stöße erhalten und schmerzhafte Einwirkungen spüren. In gleicher Weise kann auch der feinstoffliche Körper der Einwirkung verschiedener Kräfte ausgesetzt sein und sie in der Folge seinem grobstofflichen Körper übertragen. Ein beträchtlicher Teil nervlicher Empfindungen kann auf Reflexe der Feinstofflichen Welt zurückzuführen sein.

       Man darf nicht meinen, man würde beim Durchgehen der verschiedenen Schichten der Feinstofflichen Welt keine schmerzhaften Empfindungen verspüren; sie sind wie Stichwunden, die sich als Schmerzen in den Nervenzentren auswirken.

       Dort hat Urusvati falsche Lehrer und deren Anhänger gesehen. Auch solche Begegnungen können in der Feinstofflichen Welt stattfinden, man muss ihre Wirklichkeit kennen, so unangenehm sie auch sind. Solche Erscheinungen lehren Vorsicht und vermitteln die Erkenntnis der verschiedenen Typen des Daseins. Nur wer durch Erfahrung klug geworden ist, beeilt sich nicht mit Schlussfolgerungen, sondern vermerkt im „Kelch“ der Aufspeicherungen eine neue Erscheinung.

       Wir haben seinerzeit bei Experimenten mit dem grobstofflichen und dem feinstofflichen Körper viel gelernt. Wir haben beobachtet, im „Kelch“ der Aufspeicherungen die einzelnen Erscheinungen zusammengefügt und Uns dabei über ihre Verschiedenartigkeit gewundert. Gerade von dieser Methode sprechen Wir zu den Mitarbeitern. Besonders schädlich ist es, Gesetze zu verkünden, wenn man gerade erst Einsicht in den millionsten Teil der Erscheinungen genommen hat, die diese Gesetze begründen. Glaubt nicht, dass Ich aus Bescheidenheit spreche, Ich tue es nur aus der Erkenntnis der Größe des Weltalls.

 

       115. Urusvati erinnert sich, wie sich durch eine einzige Berührung ihrer Hand die Stimmung eines Menschen geändert hat. Man kann bemerken, dass auch Wir, wenn Wir Gedankensendungen durchführen, diese dadurch begleiten, dass Wir die linke Hand heben. Tatsächlich kann man bisweilen auch einen eher niederen Magnetismus hinzufügen, der sich an den Fingerspitzen befindet. Man muss aber grobe Magnetisierung von der Verstärkung einer Gedankensendung unterscheiden.

       Bei Uns kann man oft sehen, wie die einen Sendungen im Stehen mit erhobener Hand erfolgen, andere hingegen eine ruhige Position in einem Sessel erfordern. Dabei werden die Hände entweder vor der Brust gekreuzt oder auf die Knie gelegt, um ein Abfließen des Magnetismus zu sperren. Solche unterschiedlichen Haltungen des Körpers zeigen, wie sehr die psychische Energie sich mit den übrigen Körperfunktionen verbindet. Heute gewinnen solche Hinweise eine besondere Bedeutung, da man beginnt, Gedankensendungen zu erforschen, ohne aber die Begleitumstände zu beobachten. Im Osten richtet man die Aufmerksamkeit nicht nur auf die physische Haltung, sondern auch auf die vielen umgebenden Bedingungen.

       In alten Aufzeichnungen finden sich viele symbolische Ausdrücke, deren Sinn jedoch heute verlorengegangen ist. Vielleicht hatte der uralte Brauch der mündlichen Überlieferung einen tiefen Sinn. Die Lehre wurde einer vertrauenswürdigen Person übermittelt und bedurfte keiner symbolischen Verschlüsselungen.

      Indessen können konventionelle (…) Aufzeichnungen verhängnisvolle Irrtümer schaffen. Dunkle Wolken der Unwissenheit können Bruchteile des Übermittelten verbergen. Eine vorsätzliche, böse Behauptung ist imstande, sogar das Offensichtlichste zu verzerren. Man kann sich vorstellen, welche Anstrengungen erforderlich sind, um das Denken auf den Weg der vernünftigen Beseitigung aller schändlichen Entstellungen zu lenken.

      Man kann sehen, dass viele nicht verstehen, wie sehr sie ihre Kräfte in dem Wunsch vergeuden, die Stimmung von Nahestehenden zu verderben. Eines Tages wird ein Anschlag auf die Stimmung verurteilt werden. Die Beschädigung eines Musikinstrumentes wird verurteilt, doch um wieviel mehr sollte die Stimmung des Menschen geschützt werden. Man kann eine zerschlagene Stimmung nicht wiederherstellen.

 

       116. Urusvati kennt die Beziehung zwischen Schlacht und Aufbau. Vom irdischen Gesichtspunkt aus scheinen Schlacht und Aufbau Gegensätze zu sein. Doch Wir sagen: Aufbau bedeutet Zerstreuung der Finsternis. Das bedeutet: Anstelle eines Gegensatzes ergibt sich eine Verbindung. Oft beschuldigt man Uns, dass Wir mit der Schlacht Schrecken einflößten und Unsere Schlacht fast ohne Ende sei.

       Die Menschen behaupten, Aufbau sei friedvoll, die Schlacht hingegen mörderisch. Ist aber ein Aufbau ohne Gestaltung der Elemente und ohne tapfere Überwindung von Hindernissen vorstellbar? So ist auch Unsere Schlacht eine Überwindung des Chaos. Wenn es keine solche Verteidigung gibt, werden die Wogen des Chaos alle Errungenschaften überschwemmen. Man muss fest übereinstimmen in der Erkenntnis der Schlacht und des Aufbaus als wirksame Prinzipien des Daseins.

       Wenn Wir also von Bewegung sprechen, haben Wir gerade diese Überwindung der Finsternis im Blick. Wir sprechen von der Unerlässlichkeit, die Schlacht nicht als ein brudermörderisches Gemetzel, sondern als eine herrliche Verteidigung der gesamten offenbarten Welt lieben zu lernen. Es ist unmöglich, in scheinbarer Ruhe zu verharren, wenn das Chaos tobt. Man kann an einen alten Sinnspruch erinnern, nach dem zum Verständnis der Welt einige Erdbeben durchlebt werden müssen. Allein an den Grenzen des Daseins kann man auch den Flug in die Unbegrenztheit spüren.

       Viele werden das Gesagte nicht verstehen; für sie ist die Schlacht ein Gegensatz zum Aufbau. Es ist unmöglich, gegenüber der Masse von der unbegrenzten Schlacht zu sprechen. Nur einige wahre Forscher werden feststellen, wie sehr ihre kühnen Experimente einer Schlacht ähneln. Alte Darstellungen Lichtvoller Geister haben diese unweigerlich mit einer Bewaffnung ausgestattet. Doch auch jeder Wissenschaftler tritt an seine Untersuchungen in der Rüstung des Wissens heran.

       Wir besitzen physische und geistige Rüstungen. Unseren Nachfolgern raten Wir, sich eine Rüstung zuzulegen, die sie vor den Schlägen des Chaos schützt. Wir wollen Unsere Worte über die Rüstung nicht als ein Symbol nehmen; verstehen wir sie im Gegenteil als eine Verteidigung, die von unserem Bewusstsein geschaffen wird. Man kann die Festung stärken, wenn die Brücke zum Turm Tschung fest ist.

 

       117. Urusvati kennt den Begriff des Sieges. Wenn Wir den Aufbau unter dem Schutz des Kampfes beginnen, verstehen Wir die Verwirklichung des Sieges. Möge die Saite des Sieges erklingen. Mögen die Zeichen des Fortschritts wahrgenommen werden, denn in Unbegrenztheit kann es keine Niederlage geben. Nehmt auch Unseren Ruf als lebenswichtigen Rat an.

       Urusvati hat sich richtig an die Leitung zur Bruderschaft erinnert. Allein entlang dieser Leitung kann man eine Vorstellung von der Verschiedenartigkeit der Nebenumstände gewinnen. Unsere Bruderschaft stellt ein Laboratorium sämtlicher Lebensbereiche dar. Auf der ganzen Erde setzt sich eine Lehre durch, die neue Erkenntnisse über die feinstofflichen Energien einführt. So erfolgen auch Unsere Siege unter feinstofflichen Bedingungen.

       Bisweilen ist eine Reihe von Jahren erforderlich, um auch mit irdischen Augen die Umrisse des richtigen Weges zu erkennen. Man wird bemerken, wie sorgsam die Umstände vorgesehen wurden, und einige schätzen das Maß der Enthüllung. So lernt von Unserer Geduld. Möge die unerschütterliche Bestrebung der Bruderschaft als Beispiel bei allem Tun dienen.

       Unser Inneres Leben enthält eine feinstoffliche Widerspiegelung der irdischen Wege in all ihrer Mannigfaltigkeit; deshalb raten Wir zu einem schnellen und beweglichen Geist. Die Alten sprachen von der Wahrscheinlichkeit alles Unwahrscheinlichen, so lehrte man die Erweiterung des Bewusstseins. Sie haben mehrfach das Märchen vom unbeweglichen Feldherrn wiederholt, der von einem Hügel aus die Niederlage eines Teiles seines Heeres sah, sich aber nicht umzuwenden vermochte, um dessen eigentlichen Sieg zu sehen.

 

       118. Urusvati weiß, dass den Völkern vieles über die Bruderschaft und die Feinstoffliche Welt überbracht worden ist. Wir besitzen Aufzeichnungen über sämtliche Mitteilungen. Vergleicht man alle Aussagen miteinander, kommen viele Fakten zutage, die in ihrer Gesamtheit ein aufschlussreiches Bild der Feinstofflichen Welt vermitteln. Diese Nachrichten wurden absichtlich verstreut. Man kann sie im Gedächtnis verschiedener Völker finden.

       Bei Uns waren niemals Gewalt und Zwang oder komplizierte Darstellungen gestattet. Das menschliche Bewusstsein muss gleich einer Biene von überall her Kenntnisse sammeln, um frei und freiwillig seine Weltsicht aus ihnen zu bilden. Nur eine solche mühevolle Ernte wird die Selbstvervollkommnung voranbringen.

       Viele erwarten ein ganzes System der Weltanschauung. Solche Menschen möchten wie Blinde geführt werden, doch Unsere alte Methode besagt: „Erkenne dich selbst!“ Wir sind bereit, freigebig Funken des Weltmosaiks auszuteilen, doch sein Bild muss sich der Mensch selbst fertigen.

       Die Menschen beklagen, dass sie keine Nachrichten über die Feinstoffliche Welt finden, dabei sind viele ausgestreut worden, man muss nur seine Aufmerksamkeit den Bücherregalen zuwenden. Man sollte nicht annehmen, dass sämtliche historischen Legenden zur Täuschung erdacht wurden. Jeder von Uns ist im Verlaufe zahlreicher Leben auch selbst im feinstofflichen Körper aufgetreten und hat viele Erscheinungen gesehen.

       Sollte es etwa möglich sein, wenn Ich in der Eigenschaft eines Arztes aus der Feinstofflichen Welt heraus aufgetreten bin, dass diese heilsamen Auftritte nur zum Zwecke eines Betruges ausgeführt wurden? Wir können auf viele Bände mit Aufzeichnungen von Erscheinungen verweisen, die von irdischen Menschen bezeugt wurden. Man sollte die verschiedenen Beobachtungen veröffentlichen, damit die unerwartetsten Zeugen über alles Ungewöhnliche erzählen können, das sie erfahren haben.

       Es kann nicht sein, dass alle Menschen, die so unterschiedlich in ihrem Glauben sind, lügen. Auch über die Bruderschaft sind viele Nachrichten ausgesandt worden, möge der Wanderer sie nur sammeln. Auch heute sind Unsere Worte nur für wenige, doch sie wurden ausgesprochen und aufgeschrieben.

 

       119. Urusvati spürt richtig die Verwirrung der Ströme. Wir sind angespannt, um das Gleichgewicht zu erhalten. Während solcher Verwirrungen muss man den Apparat der psychischen Energie besonders schonen. Es kann sich ein gewisses Abschweifen des Organismus oder eine belastende innere Überfüllung bemerkbar machen. Ich rate, in solchen Stunden weniger zu essen, was jedoch nur ein relativer Rat ist. Die psychische Energie kann in ihren Bewegungen einem stürmischen Meer gleichen.

       Bei einer Störung des Gleichgewichts erfährt die Energie übermäßige Zu- und Abflüsse. Sie kann zur Hilfe eines anderen abfließen, doch eine große Frage ist, wie sie aufgenommen wird, denn es können Rückschläge erfolgen, die äußerst schädlich sind. Bei Zuflüssen der Energie ist von Bedeutung, woher diese Wellen anrollen. Mitunter können sie von so belastender Beschaffenheit sein, dass sie eine gefährliche Beklemmung im Bereich des „Kelches“ hervorrufen. Eine besondere Anspannung ergibt sich, wenn räumliche Ströme durch den freien Willen verstärkt werden. Solche Anstürme können eine Art Knäuel verdichteter Energie bilden. Ein fremder Impuls kann eine zweischneidige Wirkung haben.

       Wir kommen nicht umhin, solche Stürme wahrzunehmen, die das über Jahrhunderte geflochtene Gewebe grob zerreißen. Lasst uns die Gefahr, die durch den freien Willen der Menschheit erhöht wird, nicht unterschätzen. Er ist die höchste Gabe, kann den Menschen aber auch in große Gefahren hineinziehen. Es ist unmöglich, die Menschen zu überzeugen, einander nicht zu schaden, doch man kann fortfahren, für das Gleichgewicht zu kämpfen.

       Wir befinden Uns nicht nur im Turm, doch Urusvati hat schon manchmal Unsere angespannten Ausrufe und eiligen Weisungen gehört. So stellt euch vor, welche Anspannung um Unseren Turm herum besteht, wenn die Wogen der Energie im Raum tosen!

 

       120. Urusvati kennt die Bedeutung des Momentes zwischen Schlafen und Wachen. Dieser Augenblick wird Diamant des Bewusstseins genannt. Im Verlauf dieses Übergangszustandes des Bewusstseins gehört der Mensch gleichermaßen der grobstofflichen und der feinstofflichen Welt an. Wenn die Menschen sich dieser Erleuchtung gegenüber bewusst verhalten würden, würde das die Erforschung der psychischen Energie bedeutend erleichtern.

       Für die Erkenntnis dieses heiligen Momentes ist keine geheime Einweihung erforderlich. Jedem ist die Möglichkeit gegeben, beider Welten teilhaftig zu sein, wenn nur nicht ein unglückseliger freier Wille den Menschen zu einer tödlichen Verneinung treiben würde. Wir lieben das Wort „Tod“ und alles, was von ihm abgeleitet wird, nicht. Doch alle unwissenden Verneiner können als tot bezeichnet werden.

       Es wird richtig bemerkt, dass für die Erkenntnis des diamantenen Augenblicks eine besondere Schwingung erforderlich ist. Doch auch eine solche Schwingung wird durch reines Streben erzeugt. Für ein solches Streben bedarf es aber der bewussten Erkenntnis. Es ist keine Magie und keine Zauberei, den herrlichen Augenblick zu spüren. Wenn der Mensch Eindrücke aus der feinstofflichen in die grobstoffliche Welt hinüberträgt, ist er fähig, auch die Feurigen Tore zu erahnen.

       Wir verstärken und vertiefen diese diamantenen Augenblicke durch ein klares Verständnis ihrer Bedeutung. Sie sind doch so kurz, dass keine Anspannung der Kräfte erforderlich ist. Es kann langandauernden Verkehr mit der Feinstofflichen Welt geben, doch die Beherrschung beider Welten ist kurz. Wir sprechen jetzt nicht von Unserer Leitung und weltweiter Kommunikation. Meine Worte kommen nicht aus der Feinstofflichen Welt, vielmehr handelt es sich um eine Übertragung auf Entfernung. Jetzt sprechen Wir über den Besuch der Feinstofflichen Welt, wenn der feinstoffliche Körper in den grobstofflichen zurückkehrt. Unsere Gespräche gehören dem Bereich der Gedankenübertragung auf Entfernung an, doch jenen zwischenweltlichen Augenblick gibt es bei jedem Menschen, man muss ihn nur erkennen.

       Wenn Urusvati sieht, was in Unserem Turm vor sich geht, handelt es sich um eine besondere Art der sogenannten Television, und die Gespräche entsprechen einer telegraphischen Direktverbindung. Diese Hohe Leitung kann nicht jedem eröffnet werden. Es kann nicht jedem der Verkehr mit Uns eröffnen werden.

      Jetzt aber sprechen Wir von etwas anderem, nämlich von dem diamantenen Augenblick, der zwischen Schlaf und Wachen bei der Rückkehr des feinstofflichen Körpers in den grobstofflichen bemerkt werden kann. Jede Erinnerung an die Feinstoffliche Welt wird für die Evolution der Menschheit sehr nützlich sein. Sogar das Gemahnen an die niederen Schichten wird eine angebrachte Warnung sein. Das Denken der Menschheit bewegt sich in Richtung der Erkenntnis der Welten. Selbst das wütendste Harmagedon kann diese vom Schicksal bestimmte Erkenntnis nicht hindern.

       Einige Menschen suchen alle Welten als materiell zu bezeichnen, und letztendlich ist die Geistmaterie überall dieselbe. Sogar der Turm Tschung besteht aus Materie. Wir wollen uns aber nicht mit Nomenklatur[64] belasten. Die Zeichen der drei Welten werden offenbar, und der Erdenmensch vermag sogar die Funken der Feurigen Welt zu sehen.

 

       121. Urusvati weiß, wie beharrlich Wir der Menschheit die ihr vorbestimmten Entdeckungen eingeben – erinnern wir uns an die Luftschifffahrt. Nach den Flugschiffen der Atlantier schien eine solche Eroberung der Luft für lange Zeit unterbrochen zu sein, doch der Gedanke an Flüge durfte nicht verschwinden. So kamen viele Legenden über Luftschiffe, eiserne Vögel und fliegende Teppiche auf. Salomon[65] nutzte bereits einen Flugapparat. Schließlich legte Unser geliebter Leonardo[66] die Grundlage für die wissenschaftliche Luftschifffahrt. So kann man in verschiedenen Wissensbereichen feststellen, wie sich Ideen durch Anstöße von außen von poetischen Legenden zu wissenschaftlichen Berechnungen entwickelten.

       Man kann an die Mythen von Ikarus[67] oder Simon Magus[68] zurückdenken. Solche Hinweise können auch an Flüge in die Feinstoffliche Welt erinnern. So wird der Mensch dereinst die Fähigkeit zur Levitation wieder in sich hervorrufen, doch dafür muss er vor allem die psychische Energie erkennen. Ähnliche Vorhersagen lassen sich auch auf verschiedenen anderen Gebieten verfolgen. Wir versäumen nicht, die Menschen an diese Möglichkeiten zu erinnern, die an ihre Tür klopfen und die Evolution beschleunigen können.

       Vergessen wir nicht, dass die heutigen Berechnungen sehr unvollkommen sind, denn in ihnen wurden einige Faktoren vergessen. Bis auf den heutigen Tag stellt man die uranfängliche Energie und viele Ströme stärkster chemischer Verbindungen nicht in Rechnung. Die Wissenschaftler beachten Unseren Ratschlägen selten. Man kann sehen, dass viele Entdeckungen scheinbar als Folge irgendwelcher Zufälle erfolgten – doch gab es dabei nicht ein Flüstern aus dem Turm Tschung?

       Oft sind Wir gezwungen, einen Hinweis nicht einem Spezialisten, sondern einem aufnahmefähigeren Schaffenden aus einem anderen Arbeitsgebiet zu geben. Die Ehefrauen und Schwestern von Erfindern können erzählen, wie sie diese nicht selten durch Gefühlswissen zu einer vom Schicksal bestimmten Entdeckung gelenkt haben.

       Unermüdlich werden Wir immer wieder von den dringlichsten Bedürfnissen der Menschheit sprechen.

 

       122. Urusvati erinnert sich, wie beharrlich Wir für die Erhaltung des Schönen sorgen. Bereits in Voraussicht des Harmagedon haben Wir damit begonnen, Ratschläge über die besten Verfahren zum Schutz der Weltschätze zu verbreiten. Wir wissen, dass die finsteren Kräfte alle Anstrengungen unternehmen, um die Verwirklichung dieses dringenden Erlasses zu verhindern. Die Finsteren verstehen nur zu gut, welch mächtige Emanationen Kunstgegenständen ausstrahlen. Inmitten finsterer Anstürme können solche Emanationen die beste Waffe sein.

       Die Kräfte der Finsternis streben danach, Kunstgegenstände entweder zu vernichten oder zumindest die Aufmerksamkeit der Menschheit von ihnen abzulenken. Man muss daran erinnern, dass ein zurückgewiesenes, der Aufmerksamkeit beraubtes Kunstwerk seine segensreiche Energie nicht ausstrahlen kann. Zwischen einem kühlen Betrachter oder Hörer und einem verschlossenen Werk wird es keine lebendige Verbindung geben. Die Umsetzung des Denkens in ein schöpferisches Werk hat einen sehr tiefen Sinn, anders gesagt: sie erweist sich als ein anziehender Magnet und Sammler von Energie. So lebt jedes Kunstwerk und unterstützt den Austausch und die Ansammlung von Energie.

       Inmitten des Harmagedon könnt ihr euch davon überzeugen, welch starke Wirkung Kunstwerke ausüben. Die ganze Epoche ist von jener Unruhe um die kostbaren Werke geprägt. Unsere Archive sind voll von vielen Gegenständen, welche die Menschen für verloren halten. Vielleicht werden einige von ihnen schließlich den Völkern zurückgegeben werden, die sie nicht zu schützen vermochten.

       Wir haben viele Kunstwerke gerettet. Wir sahen, wie die Finsteren sich darauf verlegten, solche heilsamen Bedingungen zu erschweren. Aus den höchsten Sphären wissen Wir jedoch, wann man der Menschheit helfen muss. In der Feinstofflichen Welt ist diese Vorausbestimmung schon seit langem bekannt. Wir verhehlen die Notwendigkeit eiliger Maßnahmen nicht, da im Laufe des Harmagedon die Absicht besteht, alle Energien der Menschheit zu zersetzen. Dies erhoffen sich die Finsteren, doch Wir wissen, was ihnen entgegenzusetzen ist. So bemerkt, in welche Richtung Unsere Sorge geht.

 

       123. Urusvati bemerkt, wie sehr kosmische Ströme nicht nur auf die Weltereignisse, sondern auch auf das Leben einzelner Menschen einwirken. Man kann besondere Erkrankungen und ganze Epidemien sehen, die nicht mit den gewöhnlichen Ursachen erklärbar sind. Man kann sehen, dass die Menschen anfällig werden für Erkältungen und unerwartete Nervenschmerzen. Schon die Behandlung solcher besonderer Beeinträchtigungen des Organismus erfordert ungewöhnliche Maßnahmen.

      Man kann bestätigen, dass sich auch die psychische Energie während solcher Perioden in einem ungewöhnlichen Zustand befindet. Das Sperrnetz* wallt auf, lodert auf und kann dann äußere Einflüsse durchlassen. Wir warnen die Menschen rechtzeitig, damit sie sich an solchen Tagen besonders vorsehen. Wir wollen nicht sagen, dass sich dann die Gefahr verstärkt, die Anfälligkeit jedoch wird spürbar. Vergessen wir aber nicht, dass die finsteren Kräfte solche Stunden gern ausnutzen. Man muss nicht nur die äußere Gesundheit, sondern auch das nervliche Gleichgewicht schonen.

       Überhaupt sollte man sich in besonnener Weise gegenüber der Existenz der finsteren Kräfte verhalten. Sie zu leugnen ist Unwissenheit, doch genauso wird es schädlich sein, bei ihrer Erwähnung in Angst zu geraten.

       Urusvati hat ihre von abscheulich bis schön reichenden Gesichter gesehen. Sie verstehen es, sich mit einem strahlenden Glanz zu umgeben und verschiedene Vorteile in Aussicht zu stellen.

       Man wird fragen: Können die Hierophanten des Bösen sich Unseren Türmen nähern? Natürlich können sie es, obwohl diese Annäherung für sie schmerzhaft ist. Ihre Wut reißt sie weit fort. Wir sind bisweilen genötigt, Uns starker Entladungen zu bedienen, um ungebetene Besucher zurückzuschlagen. Mit solchen Entladungen schlagen Wir die Finsteren, die sich Unseren Brüdern nähern.

       Man kann an besondere Ströme erinnern, die ihr nachts gespürt habt. Sie können gleichermaßen heilsam und beschützend sein. Das Streben zu Uns kann solche Ströme verstärken. Fremde Einflüsse können Risse im Sperrnetz verursachen, doch Unsere Ströme eilen zu Hilfe.

 

       124. Urusvati hat Unser Schutzgewebe gesehen. Wir verbreiten unsichtbare Ströme dieses lichttragenden Gewebes. Es verhindert finstere Angriffe. Es beschützt Dokyud, wo sich Unsere Mitarbeiter vor der Übernahme einer neuen Arbeit erholen.

       Man muss verstehen, dass Unsere Strahlen und Ströme besonders wohltuend sind, wenn sie bewusst aufgenommen werden. Man kann sagen, dass der Nutzen Unserer Einwirkungen sich hundertfach verstärkt, wenn sie im Herzen aufgenommen werden.

       Die Menschen klagen und schmachten, weil sie die Realität Unserer Sendungen nicht anerkennen. Ständig kann man von Leiden und Einsamkeit hören, doch keine Unserer Botschaften wird angenommen und erweckt allenfalls ein unflätiges Urteil. Sogar Unsere offenkundigsten Erscheinungen werden vergessen und auf alltägliche Weise erklärt. Doch jede Bestrebung zu Uns erzeugt bereits Keime des Guten, man muss es nur Uns überlassen, die besten Wege auszuwählen.

       Urusvati bemerkt sogar kurze Offenbarungen des Schutzgewebes, doch viele richten ihre Aufmerksamkeit noch nicht einmal auf länger auftretende Zeichen. Wie soll man solchen Menschen Einzelheiten Unseres Inneren Lebens anvertrauen! Statt Erkenntnis werden sie nur Vorwände zu neuen Verneinungen finden.

      So müssen Wir und alle wahren Mitarbeiter klar unterscheiden, was man mit Nutzen sagen kann. Man wird nicht zur Lehre aufrufen, denn das ungeöffnete Herz vermag nicht zu erkennen, worin der Nutzen besteht und wo die Schönheit liegt. Ein klares Verstehen der Lehre erfordert ein offenes Herz. Möge man sich öfter an Uns wenden und den Gedanken an Unsere Wohnstätte lieben lernen.

 

       125. Urusvati weiß, wie Wir das Gefühl der Feierlichkeit schätzen. Feierlichkeit verleiht nämlich dem Streben nach oben Festigkeit. Dieses Gefühl erblüht besonders an den Gedenktagen der Großen Helden.

       Besonders bedeutsam ist, dass die Menschheit Unsere Brüder unter verschiedenen Namen verehrt. Man kann ganze Bücher über die Verehrung Unserer Bruderschaft zusammenstellen. Die Menschen nehmen an, dass ihr Held nichts mit Uns gemein hätte. Aber waren denn die höchst verehrten, man kann sagen vergötterten Giganten der Menschheit nicht die Begründer Unserer Bruderschaft?

       Vergessen wir nicht, dass Sie unter einem besonderen Strahl auf der Erde erschienen, weswegen Ihre Geburt sich mit manchen Legenden verband. Wir werden diesen Sagen nicht widersprechen, sie erhöhen die Feierlichkeit und verhelfen dazu, die Großen Charaktere anzunehmen. Wir korrigieren auch nicht die herkömmlich festgelegten Termine der Feiertage. Von Unserer Seite senden Wir gute Gedanken zu den Feiertagen der Menschheit. Man darf die Feierlichkeit nicht stören, wenn man weiß, welche Heldentat mit den Gedenktagen verbunden ist.

       Die Menschen kennen nicht einen Bruchteil der Bedeutung der Heldentaten der Großen Lehrer. Sie haben aus den herrlichsten Opfertaten etwas Alltägliches und Eigennütziges gemacht. Doch selbst bei dieser Herabsetzung bewahren die Menschen noch einen kleinen Teil Feierlichkeit. Helfen wir in aller Geduld dabei mit, wenigstens einen Keim des herrlichen Gefühls der Feierlichkeit zu bewahren. Es führt zu den fernen Welten. Es verklärt das Leben und schafft Helden. So wollen wir Gedenktage mit irgendeiner ungewöhnlichen Heldentat begleiten.

       Dienst offenbart sich in Heldentat, und er ist in jedem Zustand der Menschheit möglich. Die Offenbarung einer Heldentat ist Unsere Freude. Wir zeigen den Weg, doch gehen muss man ihn mit menschlichen Füßen – so lautet das vom Großen Retter gegebene Gesetz.

       Eine offenbarte Heldentat wird in Unseren Archiven verzeichnet. Unwissende suchen die Wirklichkeit in ein Trugbild zu verwandeln, doch glücklicherweise bewahren Wir die Beweise der Heldentaten. So lasst uns einer ungewöhnlichen Heldentat einen großen Tag weihen.

 

       126. Urusvati ermutigt die Mitarbeiter mit Recht, aus den Büchern der Lehre das herauszuschreiben, was die uranfängliche Energie betrifft. Man muss die Teile des Mosaiks zu einem ganzen Buch zusammenstellen. Dabei lasst uns nicht vergessen, dass einige Personen flüstern, dass die Bücher der Lehre immer wieder über ein und dasselbe sprechen.

      Unwissende, welche die Bücher unaufmerksam lesen, sehen nicht, dass bei jeder Annäherung an einen Gegenstand eine neue Einzelheit eingeführt wird. Man muss die Auszüge fortlaufend machen, nur dann wird man die Wendungen der Spirale der Mitteilungen bemerken. Möge man die Anziehungskraft der Aneinanderreihung von Ratschlägen und Hinweisen finden, bei einer solchen sorgfältigen Arbeit kann man Unsere Methoden beobachten.

       Wir weisen vor allem auf Möglichkeiten hin, ohne jedoch in das Karma einzugreifen. Welcher Art aber wird das Ehrgefühl eines Forschers sein, der Unsere Worte wiederholt, ohne sie auf seine Arbeit anzuwenden?! Das Bewusstsein bereichert sich nur beim Prozess des Denkens. Mechanische Wiederholung führt nicht zu einer neuen Synthese. Man beobachte, wie Wir das Denken führen, ohne die selbständige Tätigkeit zu verletzen. Wir weisen den Weg, doch jede Wendung des Pfades muss selbst erkannt werden.

       Unser Inneres Leben ist durch bestimmte Methoden bedingt, die auf unabänderlichen Gesetzen gründen. Unsere Wohnstätte kann nur durch die Erfüllung der Gesetze der Evolution existieren. Ihr habt bemerkt, dass Wissenschaftler in völlig unerwarteter Weise bestätigt haben, was die Lehre vorausgesagt hatte. Zusätzlich zur Verbreitung der Lehre kann man darauf hinweisen, dass Wissenschaftler oft scheinbar zufällige Impulse erhalten. Unsere Gedankensendungen fliegen durch die ganze Welt. Wir geizen nicht mit der Aussaat in den Raum. Der Raum ist voll verschiedener Ideen. Irgendjemand hat diesen Zustand als „Verdauung der Unbegrenztheit“ bezeichnet.

       Besonders muss man sorgfältige Arbeit lieben lernen, denn nur dabei kann man sich mit den Methoden der Bruderschaft vertraut machen.

 

       127. Urusvati erinnert sich, wie bei der ersten Begegnung mit Uns die übrigen Passanten sich gleichsam zerstreuten. Die Annahme, dass dies eine Folge Unseres Gedankenbefehls war, ist richtig. Nun aber sagen Wir, dass wegen des nie dagewesenen Drucks keine einzige Mitteilung gegeben werden kann. Man kann diese beiden Beispiele einander gegenüberstellen, um die Einwirkung des Harmagedon zu verstehen.

       So könnte man fragen: Können sich denn im Verlauf von zwei Jahrzehnten so starke kosmische Anspannungen entwickeln? Solche Fragen beweisen nur, wie wenig die Bedeutung des Harmagedon verstanden wird. Jeder, der von dem nahen Ende des Kali Yuga weiß, sollte anerkennen, dass ein solches Ereignis nicht ohne weltweite Erschütterungen vonstattengehen kann. Die Kräfte, die im Dunklen Zeitalter besondere Macht innehaben, werden um ihr Bestehen kämpfen. Sie ziehen eine allgemeine Katastrophe ihrem Rückzug vor.

       Wir müssen Unsere Kräfte der Lage des Planeten anpassen. Bei einer derartigen Anspannung kann schon der kleinste übermäßige Machtaufwand das Gleichgewicht verletzen.

       Die Menschen wollen gewöhnlich Angemessenheit und Zweckmäßigkeit nicht verstehen. Sie meinen, Unsere Macht könne jeden beliebigen Widerstand brechen, ohne das kosmische Gleichgewicht zu berücksichtigen. Diese einfache Überlegung wiederholen Wir den Menschen immer wieder, da anderenfalls selbst die Belesenen unter ihnen in Verzweiflung verfallen würden. Sie rufen aus: Wenn vor zehn Jahren etwas möglich war, warum findet es heute keinen Platz mehr? Dies bedeutet, dass sie die kosmische Bewegung nicht verstehen. Nicht ohne Grund rufen Wir zu Mut und Geduld auf.

       Wir senden Mitteilungen über die Frist des Endes des Kali Yuga, und die Mehrheit der Menschen horcht auf. In den Puranas sind viele sichtbare Einzelheiten solcher weltweiter Ereignisse benannt, doch auf die wesentlichen Bedingungen konnte in den alten Aufzeichnungen nicht hingewiesen werden. Unerwähnt blieben die Anspannung der räumlichen Ströme und die Suche der besten Menschen im Bereich der uranfänglichen Energie. Diese beiden Bedingungen offenbaren sich jetzt besonders klar. Umso klarer wird daher die Bedeutung des nahenden Endes des Kali Yuga.

 

       128. Urusvati ist mehrmals von allzu gefährlichen Flügen abgehalten worden. Der Lehrer muss vor zu gewagten Erforschungen schützen. Die höheren Sphären sind glühend heiß wie die Sonne und die niederen Schichten für ein hohes Bewusstsein belastend, doch man kann unmöglich alle Schichten bis hin zur Verbrennung des feinstofflichen Körpers durchfliegen. Die Trennung der Schichten der Feinstofflichen Welt wird gerade durch das Bewusstsein gekennzeichnet. Der Übergang zu einer höheren Schicht muss allmählich erfolgen. Zur Wahrung des Gleichgewichtes sind einem Führer gegeben, die ähnlich wie Ärzte lehren, wie der Übergang in vernünftiger Weise vollzogen werden kann. Jegliche Störung des Gleichgewichts in der Feinstofflichen Welt erzeugt eine Erschütterung.

       So wahren auch Wir das Gleichgewicht in Unserer Wohnstätte. Dies ist besonders notwendig an der Grenze zwischen der grobstofflichen und der feinstofflichen Welt, die bei Uns so klar zum Ausdruck kommt.

       Es fällt den Menschen nicht leicht zu verstehen, wie sehr sie in der Feinstofflichen Welt ein Wissen benötigen, das sie sich auf der Erde aneignen müssen. Und nicht nur Wissen, sondern auch Empfänglichkeit und Fassungsvermögen. Sobald die Menschen sich diese beiden Eigenschaften abverlangen, werden sie gerade dadurch offen für Wahrnehmung. Diese Offenheit führt zu den Feurigen Toren.

       Eine solche Stufe der Schülerschaft ist nicht schwer für jene, welche die Existenz der Bruderschaft erkannt und angenommen haben. In der schwersten Minute schützt und warnt der Führer, doch er tut dies erst im allerletzten Moment.

       Urusvati erinnert sich an einen schweren Aufstieg an glatter Wand im Schnee. Die Hand des Lehrers streckte sich entgegen, um zu unterstützen. Urusvati zweifelte nicht und überwand die Schwierigkeit.

       Anhand dieses Beispiels kann man die Mitarbeiter daran erinnern, wie schwer der Aufstieg vor sich geht. Man muss darüber nachdenken, wie sehr sich auch andere Mitbrüder abgemüht haben.

       Es kann keinen Aufstieg ohne Mühe geben.

 

       129. Urusvati möchte Flüge zu fernen Welten mit Flügen in höhere Sphären der Feinstofflichen Welt bis hin zu dem feurigen Bereich miteinander vergleichen. Grundsätzlich gehen beide Flüge im feinstofflichen Körper vonstatten, jedoch auf verschiedenen Ebenen. Gefahren kann es bei beiden Flügen geben. Bei der Annäherung an ferne Welten kann eine Veränderung des Drucks wahrgenommen werden. Lasst uns außerdem nicht vergessen, was Schwester I. widerfahren ist. Ein solches Ereignis drohte den Verbindungsfadens zu zerreißen.[69] Noch größere Gefahren können bei einem eigenmächtigen Flug in die feurigen Sphären auftreten. Der feinstoffliche Körper kann verbrennen, wenn er nicht schon durch eine langsame Annäherung vorbereitet ist.

       Man darf nicht vergessen, dass der feinstoffliche Körper auch in einem hochentwickelten Zustand dennoch ein materieller Körper und daher, wenn auch höheren, so doch materiellen Gesetzen unterworfen ist.

       Feurige Erscheinungen sind in der irdischen Welt selten, da sie bis zu einem gewissen Grad Löcher in die irdischen Schichten brennen. Sie wirken nicht nur auf menschliche Herzen ein, sondern verwandeln auch alle Sphären, mit denen sie in Berührung kommen. Eine solche augenblickliche Verwandlung kann jedoch eine Erschütterung hervorrufen. Sie wird außergewöhnlich sein, und bei keinem grobstofflichen Wesen wäre mehr Gleichgewicht anzutreffen. Anders gesagt, das feurige Schwert würde seine grobstoffliche Scheide durchbrennen.

       Wir können nur selten mit der Feurigen Welt in Berührung treten. Gewöhnlich erfolgt der Verkehr über die entsprechenden Sphären der Feinstofflichen Welt; auf diese Weise wird überall das Gesetz der Zweckmäßigkeit beachtet. Bei einer Erweiterung des Bewusstseins wird man dieses Gesetz umso bewusster anwenden. Die grobstoffliche Welt umgibt Unsere Wohnstätte, und Wir tragen die Verantwortung dafür, das Gleichgewicht nicht zu verletzen.

       Unser Bruder V.[70] hat nicht vergessen, dass er mitten in einer Stadt eine Explosion zuließ. Man darf jedoch nicht gestatten, dass sich ein Unglück ereignet. So muss man auch bei Flügen die Zweckmäßigkeit beachten. Es ist nicht von Nutzen, zu verbrennen, bevor die Feurigen Tore sich öffnen. Wir sind für jegliches Karma verantwortlich, das wir berühren.

       Möge das Streben zu den Höchsten Sphären ein herrlicher Aufstieg sein.

 

       130. Urusvati weiß, welche Gefahren auch Uns umgeben. Unwissende Menschen nehmen an, Wir könnten in der gesamten Unbegrenztheit keinerlei Gefahren erleben! Natürlich sind Wir in Bezug auf die irdischen Bedingungen durch Unser Wissen hinreichend geschützt. Doch alles ist relativ, und wenn der Gedanke in die Unbegrenztheit strebt, gelten ganz andere Maßstäbe.

      Man muss unter allen Bedingungen ein heldenhaftes Gefühl bewahren. Allein mit diesem Maßstab kann man auch den Fortschritt in die Zukunft verstehen. Wir teilen Helden in unbewusste und entschiedene ein. Jene, die wissen, wofür sie arbeiten und leiden, werden bereits entschiedene Helden sein. Sie fürchten keine Gefahren, auch wenn sie deren wahre Ausmaße kennen. Inmitten räumlicher Ströme, inmitten bösen Willens, inmitten des Grauens leben die tapferen Helden, mühen sich und schaffen. Die Helden wissen, dass ihr irdisches Leben in jedem Augenblick abbrechen kann, doch dieses Wissen vermindert ihre Anspannung nicht. Sie wissen, dass sie ihre Heldentat unter beliebigen Umständen fortsetzen werden. Nichts hindert ihren Willen, sich in allen Sphären zu behaupten.

       Der Unterschied zwischen unbewussten und entschiedenen Helden ist groß. Die ersteren können hell entflammen, doch dann auch wieder zurückweichen; bewusste Helden jedoch werden nicht zurückweichen, sondern ihren Weg fortsetzen, wobei sie alle über Jahrhunderte angesammelten räumlichen Erkenntnisse in sich tragen. Sie können Wissen in Gefühl umwandeln und ihr Herz damit füllen. Dort, wo das Herz bis zum Rand gefüllt ist, vollzieht sich der Flug in die Zukunft. Das strenge Wissen um die Gefahren verleiht dem Helden nur Freude.

       Ich sage das, um auf die feste Grundlage Unseres Inneren Lebens hinzuweisen. Beispiele von Heldentum kann man in früheren Leben Unserer Brüder sehen. Wird Unser Leben denn für euch keine zwar schwere, aber herrliche Rüstung sein?

 

       131. Urusvati versteht die Schönheit der Zusammenarbeit mit der Feinstofflichen Welt. Wenn sich jemand einen solchen Verkehr als wie mit einer Totenwelt vorstellt, zeigt er damit nur sein Unwissen. Wir arbeiten beständig mit dieser lebendigen Welt. Wir werden besonders dadurch gestärkt, dass die Eigenschaften Unserer Mitbrüder aus der Feinstofflichen Welt eine besondere Erweiterung des Bewusstseins ermöglichen.

      Wer sich im grobstofflichen Zustand befindet, ist in der Lage, die eine Seite der Erscheinungen zu erkennen, doch die Klarheit Unserer Wissenschaft ergibt sich durch die Aufnahme des Wissens der Feinstofflichen Welt. Man darf sich nicht durch den Horizont einer rein physischen Sichtweise begrenzen. Es kommt die Zeit, da die Menschen ihr Leben durch natürliche Mittel zu bereichern vermögen, doch dafür muss man zugeben, dass überall Leben vorhanden ist.

       Man könnte fragen: Verursacht die Zusammenarbeit mit nicht verkörperten und Wesen im verdichteten Astralkörper keine Schwierigkeiten? Nicht im geringsten. Die Zusammenarbeit erfolgt auf der Ebene des vereinten Bewusstseins. Solche Arbeiter gleichen sich annähernd in ihrem Denken, und eine solche Vereinigung bildet eine wahre Gemeinschaft.

       Es ist richtig, dass eine Gemeinschaft von Völkern die Krone der Errungenschaft bildet, doch das erfordert ein vereintes und verfeinertes Bewusstsein. Zahlreiche Bedingungen müssen vorher erfüllt sein, um die Vereinigung der Bewusstseine und Zusammenarbeit zu erreichen. Nur in den höheren Schichten der Feinstofflichen Welt beginnt man zu verstehen, worin die erfolgversprechende Kraft besteht, doch erneut zur Erde zurückgekehrt, vergessen die Menschen den Wert der Gegenseitigkeit. Desgleichen vergessen sie Unsere Existenz, obwohl sie doch dieses Wissen in der Feinstofflichen Welt hatten. Sie haben Unsere Mitbrüder getroffen und die Bedeutung Dokyuds verstanden.

       Indessen rücken die Fristen näher: Entweder verstehen die Menschen, was ihnen bestimmt ist, oder sie ziehen eine Katastrophe vor.

 

       132. Urusvati erinnert sich an ihren Besuch in Dokyud. Es ist natürlich eine große Freude, zur Heldentat strebende Kinder zu sehen. Genauso bemerkenswert ist die Beobachtung, wie wenig sich jene der grobstofflichen Welt wieder nähern können, die noch nicht alle Aufspeicherungen aus der grobstofflichen Welt umgearbeitet haben. Diese Annäherung ruft eine Anspannung des feinstofflichen Körpers hervor. Dieser Prozess äußert sich auch in einer Absonderung eigentümlichen Schweißes, mit dem allerdings auch Lebenskraft entweicht. So muss der Führer darauf achten, dass der innere Zustand dem Impuls zum Dienst entspricht.

       Vor nicht langer Zeit hat Urusvati einen Ort besucht, wo solche Menschen versammelt sind, welche die Erde hochbetagt verlassen haben. Man kann bestätigen, dass es leicht ist, mit Kindern und Hochbetagten zu arbeiten, die in der irdischen Hülle ihre Aufgabe erfüllt haben. Am schwersten ist es mit Menschen mittleren Alters. In ihnen befinden sich viele unausgedrückte Auftürmungen, viel Unzufriedenheit, Unwillen, die Hierarchie anzuerkennen, verworrene Wünsche und Feindseligkeit gegenüber allem Existierenden.

       Bei denen, die ein langes Leben verbracht haben, kann man eine Wesensstruktur finden, die hilft, die Hierarchie zu erkennen. Wesen aus den Höchsten Sphären werden in der Feinstofflichen Welt nicht immer wahrgenommen. Obwohl ihr Erscheinen deutlicher ist als in der irdischen Welt, finden sich auch in der Feinstofflichen Welt Verneiner. Die Unwissenden werden im Verlauf ihres irdischen Lebens derart unbeweglich, dass sie ihre Verneinung auch in die mittleren Schichten der Feinstofflichen Welt mit hinübertragen. Diesen Umstand muss man im Gedächtnis behalten, um für die Lehrerschaft in der Feinstofflichen Welt vorbereitet zu sein.

       Urusvati hat jene gesehen, die zu den Lehrern eilen. Jetzt wollen Wir daran erinnern, dass Unsere Mitbrüder verschiedene Schichten der Feinstofflichen Welt aufgesucht haben. Auch für Uns war es in den niederen Schichten nicht leicht. Bruder K.[71] erkrankte, als er einen irdischen Auftrag erfüllte, doch die niederen (…) Schichten sind nicht weniger schwer zu ertragen. Urusvati kennt diese Last und Erstickung.

      Es ist besser, alle Schwierigkeiten des Heldentums zu kennen, als sich nur Hymnen in den Wolken vorzustellen. Wir betonen besonders die schwere Seite. Zum einen, um die Wahrheit nicht zu verbergen; zum anderen versteht ein Mensch, wenn er die Freude der Heldentat erfährt, dass selbst die größten Schwierigkeiten im Vergleich mit der Erhabenheit der Erleuchtung nichtig sind.

      Sogar ein kleiner Junge, den Urusvati gesehen hat, strebte zur Heldentat. Ein solcher Arbeiter wird auf allen Gebieten Freude finden.

 

       133. Urusvati weiß, wie schwer es manchmal ist, Versammlungen verkörperter Menschen aufzusuchen, sogar ein Besuch in der Feinstofflichen Welt ist leichter. Doch auch Wir alle erkennen an, dass für eine Einwirkung auf den irdischen Plan mehr Energie erforderlich ist als bei Verkehr mit der Feinstofflichen Welt. Dort, wo die Gedankenenergie in Bedingungen gestellt wird, in denen sie unmittelbar wirken kann, ist es leichter, sich mit ihr zu verbinden. Doch unter irdischen Bedingungen ist das Denken derart verworren, dass eine Sendung eine verstärkte Anspannung erfordert.

       Urusvati weiß auch, dass die Anwesenheit auf irdischen Versammlungen für den unsichtbaren Teilnehmer sehr ermüdend ist. Eine solche Anwesenheit kommt oft vor, und die Menschen können den unsichtbaren Gesprächspartner spüren. Nicht selten fühlen sie, dass jemand sie etwas fragt oder ihnen antwortet. Die Erscheinung ist derart klar, dass die Menschen bei ihrem Nachbarn zurückfragen und annehmen, von ihm etwas physisch Hörbares vernommen zu haben. Man kann historische Episoden anführen, bei denen Staatsmänner klare Stimmen und Warnungen gehört haben. Leider haben die meisten von ihnen dieser Hilfe keine Beachtung geschenkt.

       Nicht nur einmal haben Wir Napoleon gewarnt, und er hat solche Stimmen bestätigt, trotzdem jedoch seinen Irrweg fortgesetzt. Seit alters her halten Wir es für Unsere Pflicht, jene Schaffenden zu warnen, welche die Evolution in eine ungünstige Verwicklung hineinziehen können.

       Urusvati hat vor kurzem einige militärische Versammlungen besucht; die Teilnehmer spürten, dass sie ihre Befürchtungen äußern mussten, doch niemand ahnte, wem gegenüber er sich bekannte. Auf diesem Wege reift nicht selten eine Entscheidung heran, welche anderenfalls unausgesprochen geblieben wäre. Eine solche Einflussnahme nennen Wir „unhörbare Überzeugung“.

 

       134. Urusvati besitzt Wissen über Teraphime. Man könnte fragen: Widerspricht der Sinn eines Teraphims nicht der Macht des Gedankens? Wenn die stärkste Erscheinung der Gedanke ist, wozu dann ein Gegenstand, auf dem Gedanken konzentriert werden? Man kann bestätigen, dass für starke Gedankensendungen Teraphime nicht notwendig sind, doch sie können Kraft der Sendung sparen. So sollte jede Energie vernünftig verausgabt werden. Ein Gegenstand, auf dem Energie angesammelt wird, ist bereits ein Multiplikator von Energie. Solche Gegenstände bewahren die Aufschichtungen von Gedanken und können nach und nach verstärkt werden. Seit alters her hat man Teraphime für etwas Heiliges gehalten, doch heute ist dies auch ein wissenschaftlicher Begriff geworden.

       Wir haben zahlreiche Teraphime, welche die Sendung von Hilfe an Unsere Nächsten erleichtern. Man muss verstehen, dass solche Gedankenaufschichtungen heilkräftig sein können. Sie helfen auch bei Sendungen von Schwingungen. Alle nützlichen Maßnahmen müssen in Betracht gezogen werden.

       Als ein bedeutsamer Teraphim der Bruderschaft erweist sich ein Stein aus den fernen Welten[72]. Es ist schon viel über diesen Stein geschrieben worden. Ein Teil von ihm macht seinen Weg als Bote durch die ganze Welt und taucht in den Händen Auserwählter auf. Die Menschen haben den Stein „Gral“ genannt und ihm noch viele andere Namen gegeben. Überlieferungen aus allen Jahrhunderten bewahren Teilchen des Wissens von der Bedeutung des Steines, doch die hauptsächliche Bedeutung ist nicht erwähnt.

      Der Stein beinhaltet einen gewissen Stoff, der die Bewahrung von Schwingungen aus den fernen Welten ermöglicht. So dient auch ein Teilchen des Steines der Vereinigung mit der Bruderschaft. Auf diese Weise ergibt sich wiederum eine wissenschaftliche, chemische Grundlage für einen Umstand, der in die Geschichte der Menschheit eingegangen ist. Wir betonen besonders diese Wissenschaftlichkeit, da Unwissende bereit sind, alles Existierende in das Dunkel der Vorurteile zu stürzen. Urusvati kennt diesen Stein Unserer Wohnstätte. Wir bewahren ihn in einer besonderen Räumlichkeit auf, um so die Erhaltung der Schwingungen zu fördern.

       Man muss bemerken, dass Meteore keiner Erforschung in Bezug auf Schwingungen unterzogen werden. Einige von ihnen enthalten Teile bemerkenswerter Metalle. Sie sind nur klein, trotzdem können sie beobachtet werden. Es darf nur der Verstand des Forschers nicht durch alte Methoden begrenzt sein.

       Man könnte nach den Umständen des Auffindens des Steines fragen. Der Ort seines Auftretens lag nämlich dort, wo Schambhala gegründet wurde, womit er die chemische Bedeutung der Wohnstätte verstärkte. Man kann viele Erscheinungen beschreiben, die um diese Sendung aus den fernen Welten herum eingetreten sind. Ihr wisst bereits von einigen Hütern von Teilchen des Steines. Auch könnt ihr bestätigen, auf welche Weise der Stein eintrifft. Ihr könnt darüber staunen, wie unterschiedlich die Länder und Helden sind, die mit dem Stein verbunden sind. Durch diese Sage gestärkt und begeistert vollbrachten sie viele Heldentaten.

       Wütende Widersacher der Bruderschaft haben ebenfalls von dem Stein gehört, und diese Saga ist ihnen besonders verhasst. Sie kennen das Wesen seiner Erscheinung nicht und toben in Furcht.

       Mögen zuverlässige Personen das Wort über den Stein bewahren.

 

       135. Urusvati weiß, dass der Gedanke an das Schöne zum Lehrer führt. Selbst in Stunden höchster Verwirrung schaffen Gedanken an das Schöne die beste Brücke zur Bruderschaft. Wie zu einer heilsamen Medizin kann man nämlich dazu raten, es zu verstehen, das Denken auf etwas Schönes zu richten. Die Menschen verstehen nicht, welch mächtiges Mittel ihnen gegeben ist. Sie ziehen es vor zu klagen, sich zu entrüsten und zu weinen, ohne zu verstehen, dass solche Wege nur die besten Leitungen behindern.

       Zum besseren Verständnis lässt sich das Beispiel von Upasika anführen. Auch in den schwersten Minuten war sie zu Uns bestrebt. Eine solche Willenskraft schuf eine mächtige Schwingung. Nichts und niemand konnte sie dazu veranlassen, auch nur indirekt den Lehrer zu verurteilen. Selbst offenes Unglück konnte sie nicht dazu führen, die Bruderschaft zu vergessen. Sogar bei einem Schiffsuntergang bewahrte sie fest den Gedanken an die Bruderschaft, und eine solche Entschlossenheit verstärkte die heilige Schwingung.

       Auch Urusvati weiß, dass ein Gespräch oder ein Gedanke an Uns die heilige Schwingung näherbringt. So kennen auch Wir die Macht erhabenen Denkens. Wir versammeln Uns, um gemeinsam über das Schönste nachzudenken. Dabei geben Wir uns nicht ein einziges Bild vor, sondern jeder wählt das Schönste, das ihm nahe ist. So ergibt sich eine Symphonie, die der Sphärenmusik nahekommt. Diese Akkorde klingen wie Siegesposaunen; sie enthalten eine derart große Harmonie, dass schon sie zu hören das Herz zur Freude erhebt.

       Inmitten der schwersten Konflikte erinnert euch des Schönen. Wie ein Allheilmittel kann das Schöne das Herz des Arbeiters stärken. Haltet euch vor Augen, dass Ich nicht nur euch dazu rate, sondern dass auch in Unserer Wohnstätte eine solche Sendung des Heils angewendet wird. Jeder hat seine Gefahren und Sorgen, doch ist es eine Freude zu wissen, dass der Schutzschild ein gemeinsamer ist.

 

       136. Urusvati kennt die Teilnahme an irdischen Schlachten im feinstofflichen Körper. Es könnte erstaunlich scheinen, dass eine scharfe Waffe[73] den feinstofflichen Körper nicht verletzt. Dabei wird sie doch gegen alles Existierende verwendet. Der Grund liegt darin, dass eine scharfe Waffe bewusst und unter Mitwirkung des freien Willens angewendet wird, während es in einer Schlacht nicht möglich ist, eine bewusste Handlung gegen einen unsichtbaren feinstofflichen Körper ausführen. Hieran kann man sehen, wie wesentlich es ist, dass eine Tat bewusst erfolgt.

       Auf alten Bildern kann man des öfteren räumliche Helfer in Schlachten sehen. Urusvati kann bezeugen, wie schnell und unverwundbar sie zwischen den Kämpfenden hindurchflog. Ihr könnt euch vorstellen, wie oft Wir an menschlichen Konflikten teilnehmen. Wenn Wir auch durch menschliche Waffen unverwundbar sind, so kann es doch räumliche Geschosse geben, die von den Hierophanten der Finsternis gelenkt werden.

      Solche unsichtbaren Schlachten sind kein Märchen. Eine Sache ist es, einen Strahl von Unserem Turm aus zu senden, doch eine ganz andere ist ein Flug zu einem Zweikampf im Raum. Die Menschen glauben nicht an solche Zweikämpfe. Doch auch im irdischen Zustand kann man fliegen, und Flüge im feinstofflichen Körper sind bereits hinreichend bezeugt.

       Sowohl in irdischen als auch in feinstofflichen Schlachten hat die Fähigkeit, zu Uns zu streben, entscheidende Bedeutung. Man kann nur endlos wiederholen, dass das Streben zu Uns einen festen Schild darstellt. Die Hilfe kann unermesslich verstärkt werden, wenn weder Unzufriedenheit noch Klagen noch Niedergeschlagenheit oder Misstrauen herrschen. Ihr Menschen, gebt den Unsichtbaren Helfern Gelegenheit, euch die helfende Hand zu reichen! Wie viele ließen ihre lichten Flügel ob des menschlichen Misstrauens hängen!

       Wenn Bewusstheit sogar eine spitze Waffe verstärkt, zieht lichtes Bestreben Hilfe an. Dies alles sind keine Moralpredigten, sondern wissenschaftliche Hinweise. Ein selbstloser Flug stellt bereits eine Tat des Glaubens und des Gefühlswissens dar. Urusvati strebt freiwillig in die Schlacht. Sie rät dazu, Kräfte für den Sieg zu sammeln. Man kann des öfteren an Schlachten teilnehmen. So schätzen Wir jedes Streben, dem Licht zu helfen.

       Scheinheilige werden heuchlerisch sagen: „Ist es denn an uns Kleinen, dem großen Licht zu helfen?“ Doch schon vor langer Zeit wurde gesagt: „Möge jeder Atemzug ein Lob des Herrn sein“.

       In einem Wort des Guten wird auch die helfende Tat geboren.

 

       137. Urusvati erinnert sich, mit welch einem freundlichen Schein ein Hierophant des Bösen auftreten kann. Gleichfalls kann man daran erinnern, dass die finsteren Wesen ständig versuchen, die von Uns gesandten Strahlen zu berühren, ähnlich wie es beim Abfangen von telegraphischen Mitteilungen geschieht. So lassen sich viele Versuche der Finsteren beschreiben.

       Auch darf man den Glanz der Ausstrahlungen nicht vergessen, mit denen sie sich zu umgeben verstehen. Für einen Anfänger als Beobachter kann die Tatsache eines solchen Leuchtens verwirrend sein, doch wenn man das Strahlen der Energie kennt, kann es keinen Zweifel mehr geben, umso weniger, als viele der Finsteren die Kraft des Strahlens nicht erreichen können. Außerdem können ihre Ausstrahlungen nicht jene Schwingung vermitteln, die den menschlichen Körper erbeben lassen kann.

       Wir haben schon eine Reihe von Orten genannt, an denen sich die Finsteren versammeln. Wir werden sie nicht von neuem aufzählen, da das nur wenigen helfen würde. Wenn Wir Baltimore oder New York nennen würden, wäre dies nicht die vollständige Adresse. Selbst die Nennung der Straße oder die Beschreibung des Hauses würden nicht dazu verhelfen, das finstere Nest zu finden. Es lässt sich erraten, dass sogar deren Versammlungshaus ein ganz alltägliches Aussehen hat; keine Darstellungen Satans, sondern kirchliche Gegenstände werden dort in Fülle vorhanden sein. Nur wer mit dem Herzen erkennt, spürt, wo sich die verschlagenen Wesen aufhalten.

      Vergessen wir nicht ihre Gewandtheit und ihren Eifer, denn viele der besten Tatmenschen stehen ihnen in der Eigenschaft des Eifers nach. So ertragen die Finsteren Schmerz und zerstören (…) Leben, nur um an der Zersetzung teilnehmen zu können.

       Viele Unserer Energien müssen für den Widerstand gegen die finsteren Winkelzüge aufgewendet werden. Bei Uns gilt es als ein besonderer Sieg, wenn ein Hierophant des Bösen zurückweichen muss.

 

       138. Urusvati weiß, dass Wir niemals die Vergangenheit bedauern. Kostbar ist das Streben in die Zukunft. Eine besondere Energie wird angezogen, wenn der Gedanke in der Zukunft lebt. Die glänzendste Vergangenheit ist nicht mit den Möglichkeiten der Zukunft vergleichbar. Die Wissenschaft bestätigt, wie heilkräftig der Gedanke an die Zukunft und wieviel Gift in der Klage über die Vergangenheit verborgen ist.

       Wir schlagen vor, die Vergangenheit zu kennen, doch unser Herz muss vom Streben in die Zukunft erfüllt sein. Möge sich durch solches Denken die Fähigkeit entwickeln, die besten Möglichkeiten der Menschheit zu erkennen.

       Glaubt nicht, dass der Verzicht auf das sich Versenken in die Vergangenheit leicht sei. Man muss viel Wissen erwerben, um die Spirale der Evolution zu erkennen, die unablässig vorwärtsstrebt.

      Die Menschen richten ihre Aufmerksamkeit gewöhnlich auf den gestrigen Tag und denken nicht daran, dass jeder Morgen neues Wissen bringt. Unter jeder Art menschlicher Verhältnisse ist der kommende Tag bereits voller neuer Aufspeicherungen. Die Nacht bringt den Verkehr mit der Feinstofflichen Welt und eine Erneuerung der Energie. Auch wenn die Menschen sich nicht an ihre nächtlichen Erwerbungen erinnern, spüren sie doch am Morgen einen Zustrom von Kräften. Wissenschaftler erklären dies auf beschränkte, materielle Weise, doch erfahrenere Beobachter erkennen andere Ursachen.

       Ich spreche jetzt von dem Vorrang jener, die es verstehen, jeden Morgen als den Beginn einer neuen Erfahrung zu begrüßen. Gerade die Hymne des Pythagoras[74] bei Sonnenaufgang war ein Gruß an den Beginn neuer Erkenntnis. Bei einem solchen Höhenflug des Denkens kann es kein Bedauern der Vergangenheit geben.

       Der Gedanke an die Freiheit der Kräfte des Geistes kann schöpferische Freude bringen. Wir bedauern die Vergangenheit nicht.

 

       139. Urusvati weiß, dass viele entscheidende Augenblicke in Schweigen verlaufen. Wahrhaftig, zuerst der Wirbelwind, dann Donner und Blitz, doch die Grundlage ist Schweigen. Wenn Ich euch vorschlage, euch in Schweigen zu vereinen, so vollzieht sich in dem Augenblick irgendwo etwas Bedeutsames. Eine solche Konzentration in Schweigen sammelt eine besondere Energie, die in ihrem Potential sogar mächtiger ist als donnernde Worte. Wenige erkennen das Schweigen als Teil der Tat. Bisweilen versinkt Unsere gesamte Wohnstätte in tiefes Schweigen, und das bedeutet, dass etwas Besonderes vor sich geht.

       Oftmals haben die Menschen gefühlt, dass es ihnen vor einer bestrebten Tat notwendig war, eine Zeitlang in Schweigen zu verharren. So bewahrt der erfahrene Redner einen Moment des Schweigens und füllt sich mit einem tiefen Seufzer, bevor er das entscheidende Wort spricht. Einige verstehen die Bedeutung eines solchen Schöpfens von Prana, doch andere tun dies vollkommen unbewusst.

      Die Stärkung der Macht des psychischen Fundamentes wächst aus dem Bewusstsein. Wir freuen Uns, wenn Wir erfahren, dass ein großes Ereignis bewusst gestaltet wurde. So ist ein Strom des Strebens imstande, den Äckern der Menschheit Nutzen zu bringen.

       Es könnte sein, dass sich gerade jetzt ein Ereignis von großer Bedeutung vollzieht, doch die Menschen verstehen das Wesen dessen nicht, was vorgeht. Erst später werden die Chronisten bemerken, wie folgerichtig die Ereignisse sich vollzogen haben.

 

       140. Urusvati weiß, dass viele meinen, Unsere Aufträge gingen über ihre Kräfte. Natürlich legen diese Menschen einen durchschnittlichen Lebensmaßstab an. Sie zögern, ein unerschütterliches Streben in sich zu entfalten. Zudem begrenzen sie sich durch ein gespenstisches Trugbild der Gegenwart.

      Indessen ist die sogenannte Gegenwart nur die Zeitspanne zwischen dem gesehenen Blitz und dem gehörten Donner. Der Blitz ist schon vorbei und der Donner kommt unvermeidlich, was also könnte der relative Zeitraum zwischen den verbundenen Erscheinungen bedeuten? So verwirrt die Gegenwart die Menschen nur, da sie bloß ein Trugbild darstellt.

       Wenn die Menschen die Bedeutung dessen verstehen, was sich bereits vollzogen hat, werden sie auch die unabänderlichen Folgen einschätzen – eine solche Zukunft ist eine Realität.

       Wir geben keine unausführbaren Aufträge. Wir wissen, wie sehr die Kräfte des Menschen einer realen Zukunft dienen können. Wir warten nur darauf, bis der Bote ganz vom höchsten Grad der Bestrebung erfüllt ist. Bei einer solchen Anspannung wird unser Magnet tätig und bildet einen festen Panzer. Für einen weiten Weg taugt furchtsames Schwanken jedoch nicht. Jeder kann in seinem Herzen selbst erkennen, ob in ihm der höchste Grad des Strebens handelt oder ob er sich nur in quälender Angst dahinschleppt.

       Möge der Mensch sich daran erinnern, wie viele Gefahren er vermied, als er mit ganzem Herzen vorwärtsstrebte. Wie viele verschlossene Tore erwiesen sich nur als ein leichter Vorhang; so kann man die Realität der Zukunft anerkennen, wenn Beharrlichkeit zu ihr führt. Mögen die Menschen sich erinnern, wieviel ihnen mit Unserer Hilfe gelang und wie sie diese als Berührung einer Führenden Hand spürten. Manche schüttelten sie ab wie eine lästige Fliege, es gab aber auch solche, die sie in Dankbarkeit annahmen.

      Stark ist der Mensch, der von Dankbarkeit erfüllt ist! Vieles kann man solchen Flügeln hinzugeben. Solche Menschen fürchten Unsere Aufträge nicht. Sie wissen, wie sehr belastet Wir selbst sind und Uns dennoch freuen, in den Herrlichen Garten zu gehen.

 

       141. Urusvati kennt das Maß der Entschlossenheit, das zur Erfüllung Unserer Aufträge notwendig ist. Nicht bereite Personen bedauern die vielen Dinge, die sie aufgeben müssen. Einige beklagen sich, dass sie sich körperlich aus dem Bereich Unserer Türme entfernen müssen, doch sie vergessen, dass die geistige Verbindung unverletzt bleibt und die Entfernung keine Bedeutung hat.

       Derjenige aber, der das erforderliche Maß der Entschlossenheit kennt, wird nichts Vergangenes beklagen, wenn ihm der Weg in die Zukunft gewiesen ist. Nicht nur Bereitschaft, sondern vor allem Entschlossenheit ist erforderlich. Ihr versteht den Unterschied zwischen diesen beiden Wörtern. Wir lehren, Entschlossenheit zu entwickeln, damit keinerlei irdische Umstände ihr Maß beeinflussen können. Nicht selten hat ein nichtiger irdischer Gegenstand nicht nur auf das Schicksal eines einzelnen Menschen, sondern auch auf das eines ganzen Volkes eingewirkt. Es ist beschämend, wenn ein von Menschenhand geschaffener Gegenstand den Weg zur Heldentat versperren kann.

       Wir lehren die Menschen, das Zeitliche zu überwinden, das die erhabene Unbegrenztheit verdeckt. So verweisen Wir auf die überirdischen Sphären, um den Denkhorizont zu erweitern. Wenn die Menschen sich daran gewöhnt haben, an die Höheren Welten zu denken, können sie nicht länger den Vorrang des Irdischen behaupten. Bei einer solchen Denkweise werden die Menschen leichter Entschlossenheit, die Offenbarung von Heldentat und die Erfüllung Unserer Aufträge in sich finden. Sie werden nicht länger über irdische Schwierigkeiten nachsinnen, da sich viele Aufgaben allein mit einem höheren Maß an Begeisterung lösen lassen.

      Man muss von Unserer Hilfe derart überzeugt sein, dass der Magnet des Vertrauens die unüberwindbarste Energie herbeizieht. Unser Inneres Leben ist von dem Streben erfüllt, zu helfen.

 

       142. Urusvati weiß, wie aufmerksam man sich gegenüber Unseren Hinweisen verhalten muss. Die Menschen sind geneigt, sogar kosmische Gegebenheiten auf sich selbst zu beziehen. Natürlich erweist sich eine verfeinerte Aufmerksamkeit als Folge großer Hingabe. Aus Liebe und Hingabe erwächst die Fähigkeit, den Worten des Lehrers Gehör zu schenken. Mit den Jahren kann man sich davon überzeugen, wie rechtzeitig alle Unsere Hinweise gegeben wurden. Oft nennen Wir zur Erinnerung nur ein Land, eine Stadt oder einen Namen, doch wenn man diese Angaben miteinander vergleicht, kann man eine ganze Kette von Ereignissen erhalten.

      Harmagedon hat im Jahr 31 begonnen, und nun wird auf das Jahr 42[75] hingewiesen, in dem die nächste Stufe weltweiter Entscheidungen eintreten wird. Das Jahr 42 haben Wir schon genannt, was umso bemerkenswerter ist, als man genau dieses Jahr schon in den Massen hört. Um jeden Hinweis herum entwickelt sich ein ganzes Epos von Ereignissen von weltweiter Bedeutung.

       Erinnern wir uns, mit welch kurzen Worten über China gesprochen wurde, und zwar nicht nur über das Schicksal eines einzelnen Volkes, sondern über Ereignisse, die viele Länder betreffen. Nur ein feinhöriges Ohr kann die schnell bezeichneten Namen erfassen. Bisweilen verändern Wir einen Namen ein wenig, um Mithören zu vermeiden. Wenn dann aber dieser Name im Leben auftaucht, wird das Gefühlswissen sofort die Aufmerksamkeit auf ihn lenken. Die Technik der Vorhersehung wird in Zukunft eine bedeutende Wissenschaft darstellen, doch kann sie erst gegeben werden, wenn das menschliche Denken gesundet.

       Zu Recht bedauert ihr die Vernachlässigung der Geisteswissenschaften; nur eine besonnene Zusammenarbeit aller Wissenschaften verleiht das Verständnis von der Einheit des Wissens.

      Jeder Fanatismus dagegen ist Zersetzung. Man muss verstehen, dass Fanatismus Unwissenheit ist. Er beruht auf Verneinung und Verurteilung. So kann man sehen, womit Wir kämpfen müssen. Die Menschen aber sparen in der Beziehung zu Uns nicht mit Verurteilungen. Nicht nur Fanatiker, sondern sogar Denker versuchen, Unsere Belehrungen zu berichtigen. Erinnern wir uns jenes Schriftstellers, der vorschlug, Unsere Aufträge zu begrenzen, ohne sich überhaupt die Mühe gemacht zu haben, Unseren Rat ganz durchzulesen.

      Man kann viele nennen, die versuchten, die Tätigkeit der Bruderschaft zu behindern. In der Folge haben einige der ungerechten Verurteiler bereut, doch der angerichtete Schaden muss überwunden werden. Solche zu überwindenden Geschwüre bilden das schwerste irdische Los. Die gegenwärtigen schweren Tage sind nichts anderes als das Überwinden unzähliger Aufspeicherungen.

      Lasst uns aufmerksam auf das Stöhnen der Erde hören.

 

       143. Urusvati kennt viele physische Einwirkungen auf die psychische Energie. Wir haben auf die räumlichen Ströme hingewiesen, die den gesamten Organismus des Menschen beeinflussen. Doch außer dieser Erscheinung kann man sehen, wie sehr jede physische Energie die Anspannung aller Zentren erhöht. So unterstützt beispielsweise eine starke Elektrisierung die erste Stufe der Gedankenübertragung auf Entfernung. In Amerika kann man sich hiervon überzeugen, doch die Experimentatoren denken nicht daran, welche Energie ihre Versuche fördert. Bei zunehmender Entwicklung spürt die psychische Energie solche umgebenden Umstände nicht, doch am Anfang der Experimente ist diese Einwirkung durchaus wahrnehmbar. Jede Anspannung entwickelt bereits unsere Kraft.

       Ein Wissenschaftler erklärte, er könne besonders angespannt denken, wenn er vor einem Kaminfeuer sitze. Ein anderer fand, dass kochendes Wasser ihn beeinflusse. Ein dritter konnte berichten, dass die erfolgreichsten Lösungen während eines Gewitters kamen. Man kann viele Zeugnisse dafür anführen, wie sehr sogar die alltäglichste Anspannung eine Kräftigung des Denkens bewirkt.

      Bleibt nur zu beobachten, was genau die Energie unterstützt oder niederdrückt. Wir haben gerade diese Beobachtungsgabe entwickelt. Man kann sie auf alle Lebenserscheinungen anwenden. Die Kraft des Gedankens, die durch natürliche Bedingungen vermehrt wird, wirkt auf weiteste Entfernungen.

       Wir haben schon davon gesprochen, dass die Erscheinung des Bumerangs diejenigen zurückschlägt, die sich gegen die Bruderschaft auflehnen. Unwissende werden darauf bestehen, Wir seien rachsüchtig, doch es geht allein um sogenannte Entladungen von Energie. Wer eine geladene Leydener Flasche[76] berührt, erhält einen Funken, doch wäre er töricht, von Rache oder Bosheit der Flasche zu sprechen. Man muss sich einfach den Lebenserscheinungen gegenüber aufmerksam verhalten und zugeben, dass in den fernen Welten und sogar auf der Erde etwas Unsichtbares existieren kann.

 

       144. Urusvati kann ein ganzes Schema von Behandlungen mit Schwingungen auf Entfernung erkennen. Diese Behandlungsweise wird mit der Zeit in den medizinischen Alltag eingehen, doch heute erregt sie nur den Zorn der Ärzte. Wir schenken Einwirkungen durch Schwingungen besondere Aufmerksamkeit, die sehr viel häufiger angewendet werden, als es die Menschen annehmen. Dabei muss man daran erinnern, dass die Folgen solcher Einwirkungen viel stärker sind, wenn sie bewusst aufgenommen werden.

       Indessen ruft, von wenigen Ausnahmen abgesehen, diese von Uns geübte Behandlungsweise keine sichtbare Aufmerksamkeit hervor. Die Menschen sind bereit, die Schwingungen mit den unsinnigsten Vermutungen zu erklären. Sie stellen jedes kleine Symptom von Unpässlichkeit fest, starke Empfindungen von Schwingungen vernachlässigen sie dagegen. Manches Mal erzittern sie unter den Strömen der Strahlen, doch erforschen sie gleich die Ursache. Überhaupt lehnen sie die Möglichkeit der Übertragung von Schwingungen auf Entfernung ab. Noch nicht einmal der drahtlose Telegraph veranlasst die Menschen, sich Parallelen auf vielen anderen Gebieten vorzustellen.

       Urusvati kann bezeugen, wie oft Schwingungseinwirkungen auf verschiedene Zentren erzeugt werden und wie schnell Schmerzen aufhören. Es ist nicht vorstellbar, dass diese verschiedenartigen Schwingungen nur im Patienten selbst entstehen, es ist auch eine äußere Einwirkung notwendig.

       Wir bestätigen, dass unter den menschlichen Erfindungen auch solche Behandlungen mittels Schwingungen sein werden. Eine Vielzahl von Leiden, wie auch Neuralgien und psychische Erkrankungen, werden dadurch heilbar sein. Krebs in seinen ersten Stadien überwinden Wir mittels solcher Schwingungen, Steine können aufgelöst und die Drüsen wieder zu ihrer normalen Tätigkeit hingeführt werden. Auch einige Hauterkrankungen werden leicht geheilt.

       Man könnte fragen: Steigert eine bewusste Aufnahme den Erfolg der Behandlung? Sehr sogar, um mehr als die Hälfte, denn die bewusste Aufnahme versetzt die gesamte psychische Energie des Organismus in Tätigkeit, und dieser Verbündete ist immer unerlässlich.

 

       145. Urusvati weiß, dass oftmals unbekannte Namen, Ortsbezeichnungen und fremdsprachliche Wörter aus den Tiefen des Bewusstseins auftauchen. Die Wissenschaftler nennen dies das Unterbewusstsein, doch sie vergessen, dass sich räumliche Mitteilungen im „Kelch“ der Menschen ablagern und in das Gehirn übergehen, wenn sie durch einen Impuls von neuem auftauchen.

       Worin besteht jener Impuls? Oftmals ist es ein Strahl von Uns, der die Oberfläche des „Kelches“ entflammt und dadurch entsprechendes, verborgenes Wissen hervorruft. Darum muss man sehr aufmerksam auf ein solches Aufblitzen von Wissen achten. Es ist ähnlich wie Hellhören, doch Wir senden den Strahl, der es aus den Tiefen des Bewusstseins hervorruft. Im Leben eines jeden Tages muss man erkennen, wie rechtzeitig solche Benachrichtigungen gesandt werden.

       Die Menschen behaupten, selten höhere Weisungen zu erhalten. Diese heftige Äußerung ist ungerecht. Wir geben viel, aufgenommen wird aber nur wenig. Daher muss man die Menschen daran erinnern, dass sie das Auftauchen unerwarteter Wörter in ihrem Bewusstsein besser verfolgen müssen. Man darf solche Botschaften nicht vertreiben, sondern muss sie sorgfältig in seiner Umgebung anwenden. Viele der nützlichsten Gaben blitzen auf wie geflügelte Schmetterlinge, doch die Menschen wischen sie nur beiseite.

       Wir werden nicht müde, nützliche Mitteilungen auszustreuen, doch Wir raten, sich ihnen gegenüber aufmerksam zu verhalten. In der Feinstofflichen Welt werden solche Mitteilungen nützlich sein. Dort ist es besonders wichtig, zu verstehen, räumliche Gedanken aufzufangen.

 

       146. Urusvati besitzt Aufzeichnungen über einige Tage des Großen Wanderers[77]. Sie hat Sein Antlitz in ihrem Gedächtnis bewahrt. Der Große Wanderer wählte die ungestüme Heldentat in einer erstaunlichen Vollendung. In ihrer Verehrung schätzen die Menschen nur unzureichend, dass Er sich dem Volk zuwandte und die Grundlage für die Hochschätzung der Frau legte.

      In sämtlichen alten Apokryphen[78] sind einzelne Seiner Wesenszüge zu finden, die von echten Verehrern festgehalten wurden. Es wäre ein Fehler, die sogenannten Apokryphen zu verwerfen. Wer kann denn behaupten, dass sie falsch seien? Sie mögen lückenhaft und zu unterschiedlichen Zeiten verfasst sein, doch beruhen sie alle auf Überlieferung unter Freunden. Diese Qualität wird ebenfalls wenig gewürdigt.

      Es scheint, als müssten Feinde verleumden, doch das herrliche Antlitz des Großen Wanderers blieb leuchtend. Alle Irrtümer der Nachfolger konnten den Großen Wanderer nicht antasten. So können wir uns dem höchsten Antlitz nähern, und niemandem ist es verwehrt, Ihn in würdiger Weise nachzuahmen.

       Man muss hervorheben, dass Er den wesentlichen Teil Seiner Lehre im feinstofflichen Körper gegeben hat, und diese Vollendung entsprach gänzlich der strahlenden Wahrheit, die er verkündete.

      Weise übergab Er dem Volk das einfache Wort von den Lebensgrundlagen. Nur einer kleinen Zahl jedoch konnten Unterweisungen über die Feinstoffliche Welt anvertraut werden, denn die Lehre wurde, wie üblich, mündlich übergeben. Auch in den Apokryphen fanden die letzten Belehrungen keinen Niederschlag, da sie sich auf die Gedankenkräfte bezogen und vom Volke nicht verstanden werden konnten. Ein Lehrer weiß, was durch Unverstand in Schaden verwandelt werden kann.

       Das Auftreten im feinstofflichen Körper bildete den abschließenden Teil der Heldentat. Ohne jede Ruhepause wurde die Lehre fortgesetzt. An kleinen Andeutungen kann man sehen, dass sogar die wahren Schüler angesichts einer solch mächtigen Erscheinung erbebten. In einer der Apokryphen wird an welche erinnert, die tot oder bewusstlos umfielen; sowohl das eine als auch das andere war möglich. Doch die hauptsächliche Offenbarung hatte eine erstaunliche Folge: Die Lehre blieb und keine Entstellung vermochte sie zu verdunkeln.

       Es ist unschädlich, dass die Menschen um dieses herrliche Antlitz herum ihre plumpen Beigaben aufgetürmt haben. Die existierenden Darstellungen kommen dem Großen Wanderer selbst nicht nahe. Man wird fragen: Warum wird Sein Bild nicht richtiggestellt? Doch fast alle Darstellungen weisen keine Ähnlichkeit auf. Es gibt auch einen Grund dafür: Die der Wirklichkeit am nächsten kommenden Darstellungen wurden nicht weit verbreitet. Die Menschen bevorzugen in der Regel das Bild, das von ihnen selbst geschaffen wurde.

      Ebenso wenig haben die Menschen auch die Lebensverhältnisse des Großen Wanderers erkannt. Sie glaubten nicht, dass Er hart arbeitete und mehr als ein Handwerk beherrschte. In Seinem Land kann man von Seiner Hand gefertigte Töpferwaren finden. Diese stellen heilsame Talismane[79] dar. Aber wer weiß von diesen guten Zeichen? Entlang des Weges des Großen Wanderers gibt es viele gute Zeichen.

 

       147. Urusvati erinnert sich an die auffallenden Züge des Großen Wanderers: die Augen, die Stirn und die leuchtenden, dunkelblonden Haare. Diese Züge waren unter der ortsansässigen Bevölkerung derart ungewöhnlich, dass sie unsinniges Geschwätz hervorriefen. Man muss aber daran denken, dass die Menschen versuchen, alles Auffallende bis zur Unsinnigkeit zu entstellen.

       Wenig weiß die Geschichte über die Mutter des Großen Wanderers, die nicht minder groß war als der Sohn. Die Mutter war von hoher Herkunft und verband in sich Feinheit und Erhabenheit des Geistes. Sie nahm den besten Weg, um das Kind in Sicherheit zu bringen[80]. Sie legte im Sohn die ersten höheren Gedanken an und war immer die Stütze seiner Heldentat. Sie sprach mehrere Sprachen und erleichterte dem Sohn damit den Weg. Sie behinderte Seine weiten Wanderungen nicht nur nicht, sondern trug alles Notwendige zusammen, um sie zu erleichtern. In der Kindheit sang Sie Ihm ein Wiegenlied, in dem sie die ganze wunderbare Zukunft voraussah.

      Sie richtete Seine Aufmerksamkeit auf das Volk und wusste, dass es die Schätze der Lehre bewahren konnte. Sie verstand die Erhabenheit Seiner Vollendung und ermutigte sogar die Männer, die in Kleinmut und Verleugnung verfallen waren. Sie war bereit, die gleiche Heldentat zu durchleben, und der Sohn vertraute Ihr Seinen Entschluss an, der durch die Testamente der Lehrer bestärkt wurde.

      Gerade die Mutter kannte das Geheimnis der Wanderungen. Man muss nicht die örtlichen Lebensgewohnheiten kennen, um die Grundlage des Lebens der Großen Mutter zu verstehen. Denn nicht Gewohnheiten, sondern die Verwirklichung der Zukunft führte den Willen der Mutter. Wahrhaftig, es ist wenig über Sie bekannt, doch wenn Ich vom Großen Wanderer spreche, ist es vor allem notwendig, von Jener zu erzählen, die Ihn, nach außen hin unsichtbar, zu den Höhen führte.

 

       148. Urusvati wird nicht vergessen, über die Sphärenmusik zu schreiben, die sie heute gehört hat. In ihr kamen die Grundlage des Künftigen, Erhabenheit und Wehmut zum Ausdruck. Der Aufbau ist groß, doch tief ist auch die Wehmut, dass sich Erfolg unter Verausgabung des Kostbarsten einstellt.

       Es soll nicht vergessen werden, dass Wir bereit sind, Teile Unserer Aura abzureißen, um die Finsternis zu vernichten. Wir sind zum Opfer bereit, doch die Wehmut gründet darin, dass Wir sehen, wieviel Kraft beim Widerstand gegen die Finsternis vergeudet werden muss. Möge jene Symphonie als Symbol erklingen.

 

       149. Urusvati erinnert sich an den Großen Wanderer. In der arabischen Wüste war er einsam, doch fand Er im Zelt eines Scheichs Freunde und Helfer. Oft aber blieb Er allein. Man sollte nicht glauben, dass Seine Wanderschaft immer in reichen Karawanen verlief. Vergessen wir auch nicht, dass jeder, der sich in eine irdische Hülle gekleidet hat, den Bedingungen der grobstofflichen Welt unterworfen ist. Dieser Umstand entschwindet dem Blick gewöhnlich, und man nimmt an, dass Unsere Brüder sich unter irgendwelchen unnatürlichen Bedingungen befänden, wenn Sie in die Welt gehen. Das Natürliche ist ein Zustand, der von Gesetzen beschränkt wird. Jeder von Uns weiß das und wählt bewusst Seinen Weg.

       Es ist nicht unmöglich, dass der Wanderer auf seinem Weg auch Finstere antrifft. Glaubt nicht, dass das, was über die Begegnung des Großen Wanderers mit dem Fürsten der Finsternis gesagt wurde[81], Erfindung oder Symbol sei. Urusvati kann bestätigen, dass sie nicht nur einmal verschiedene finstere Wesen bis hin zu dem Hierophanten des Bösen gesehen hat.

      Worin könnte der Unterschied zwischen solchen Angriffen und dem gewöhnlichen Druck der Finsternis bestehen? Der Unterschied ist groß, doch Unsere Brüder fürchten solche Angriffe nicht und können daher auch keinen Schaden dabei nehmen. So sah der Große Wanderer nicht selten entsetzliche Antlitze, ohne aber in Furcht zu geraten.

       Viele verstehen nicht, weshalb es einem solchen hohen Geist nicht erspart blieb, unvollkommene, finstere Wesen sehen zu müssen. Doch die Kraft des Magneten zieht auch die Finsteren an. Sie träumen davon, auf irgendeine Weise doch noch Verwirrung und Schaden stiften zu können. Schon der geringste Zweifel verhindert, dass man auf dem Wasser oder durch das Feuer gehen oder sich in die Luft erheben kann. Ich erinnere daran, weil der Große Wanderer erfolgreich auf dem Wasser zu gehen wie auch sich in die Luft zu erheben vermochte. Die Hauptbedingung bestand darin, dass es in Ihm keinerlei Zweifel gab. Er schritt unerschütterlich voran, denn Er war im Herzen zur Heldentat entschlossen.

      Die Heldentat war zwar schon vorherbestimmt, doch musste Er sie mit ganzem Herzen, ohne Zweifel und ohne Bedauern annehmen. Ein solches unbeugsames Streben wurde von niemandem in Seiner Umgebung, außer von Seiner Mutter unterstützt. Doch Ihre Führung entschädigte den Großen Wanderer für alle schweren Leiden. Man muss sich diese Züge des Großen Wanderers merken, um von der Größe Seiner Heldentat durchdrungen zu werden.

 

       150. Urusvati weiß, dass der Große Wanderer das menschliche Bewusstsein zum Allerhöchsten lenkte. Er verstand, dass die Menschen noch nicht entsprechend dem Mittelweg zu denken vermochten. Selbst wenn ein Mensch also versuchte, das Unsagbare auszusprechen, ermöglichte Er ihm lieber, sich dem Allerhöchsten zuzuwenden, als das Denken zu senken. Man muss verstehen, dass der Große Wanderer das Volk lehrte, im Herzen zu beten, auf dem Berg, auf dem Gipfel der Begeisterung.

       Es ist unmöglich, die ganze Tiefe der Predigten des Großen Wanderers zu erfassen, denn Er gab in den einfachsten Worten Belehrungen über alles im Leben Wesentliche. Gerade in der Einfachheit lag der Wert Seiner Heldentat. Diese Einfachheit war nicht des Volkes wegen erdacht worden, sondern die Schönheit lag darin, dass das Allerhöchste in den allereinfachsten Worten ausgedrückt wurde. Man muss unaufhörlich das Komplizierte zum Einfachen hin wandeln. Allein in Einfachheit kommt das Gute zum Ausdruck – so war das Werk des Großen Wanderers.

       Auch in der Feinstofflichen Welt ist Sein Glanz groß; Er liebt es, in die niederen Schichten hinabzusteigen, damit das Prana Seiner Aura die finsteren Sphären reinigt. Glaubt nicht, dass Ihm, gerade Ihm ein solcher Abstieg leichtfiele. Umso mehr können Seine heilsamen Berührungen der Geschwüre des Leidens als Beispiel dienen.

       Bei Uns ist es üblich, die niederen Sphären der Feinstofflichen Welt aufzusuchen. Die Offenbarung des Herzens vermag viele zu erretten.

 

       151. Urusvati weiß, dass jeder Große Lehrer mit dem Heilen und der Kunst vertraut ist. Auch der Große Wanderer zeichnete sich besonders durch diese Fähigkeiten aus. Nur in einigen Apokryphen kann man lückenhafte Hinweise auf Seine Ratschläge für Heilungen finden. Man darf jedoch nicht denken, dass einige aufgezählte Wunder bereits Seine ganze Wirksamkeit erschöpfend beschrieben. Es wurde eine Vielzahl Heilungen vollbracht.

      Sie teilen sich in zwei Arten: Entweder kamen Menschen mit dem Wunsch nach Heilung zu Ihm oder Er berührte selbst dort, wo Er den Keim einer Krankheit sah. Nicht selten wusste ein Mensch gar nicht, warum der Vorübergehende ihn anrührte. Solche Taten stellten die wahre Freigebigkeit des Großen Geistes dar, der gleich einem unermüdlichen Sämann Körner des Guten ausstreute.

       Genauso selten kann man in den Apokryphen Worte über die Schönheit finden, dennoch sind sie ausgesprochen worden. Der Lehrer lenkte die Aufmerksamkeit auf die Schönheit der Blumen und das Strahlen der Sonne. Auch regte der Lehrer zum Chorgesang an, da er ein äußerst wirksames Mittel zur Erzeugung harmonischer Schwingungen ist. Der Lehrer bestand aber nicht auf diesem zusätzlichen Aspekt der Musik und des Gesangs. Er rief nur zur Freude und zur Begeisterung auf.

       Unter den Schülern und Nachfolgern gab es viel Kummer und alltägliche Not. Der Lehrer half vor allem durch Erhebung des Geistes. Erst wenn das Gleichgewicht wieder hergestellt war, begann Er, die Lage zu erörtern. Dabei verurteilte Er nie Vergangenes, sondern strebte in die Zukunft. Der Lehrer sah die Zukunft klar, enthüllte sie jedoch nur dem Bewusstsein der Schüler gemäß. Der Lehrer fand ein strenges Wort dort, wo das Bewusstsein tot war: So vollendete der Heiler und Schöpfer Seinen Weg.

 

       152. Urusvati hat sowohl die erhabene Sphärenmusik als auch das Knirschen des Chaos gehört. Aus dieser Wirrnis und diesem Wehklagen gestalten die Großen Lehrer eine harmonische Symphonie. Nur wer beide Extreme gehört hat, ist fähig, den Zeitraum dieser Evolution zu beurteilen. Nur Unwissende nehmen an, dass die himmlischen Harfen gleich auf den ersten Wunsch hin erklingen. Doch vom Abgrund des Chaos bis zur Harmonie des Himmels ist es ein schwerer Weg. Daher werden die Großen Lehrer auch große Arbeiter sein.

       Die Menschen möchten die Lehrer in ihren eigenen Kleidern sehen. Wenn ein Lehrer sich nur in irgendeiner Hinsicht von ihrer eigenwilligen Vorstellung unterscheidet, kommen nicht geringe Zweifel auf. Der Fordernde glaubt nicht, dass sein Anspruch auf Unwissenheit gründet, und kann sich nicht vorstellen, dass das von ihm erdachte Antlitz banal sein könnte. In der Mehrzahl der Fälle sind die Darstellungen der Großen Lehrer geschmacklos. Die Menschen wünschen, dass ein Lehrer sich auch äußerlich von den Anwesenden unterscheidet. In einem solchen Fall hätten die Anwesenden den Großen Wanderer nicht erkannt.

       Er lehnte es nicht ab, Festversammlungen zu besuchen, und unterhielt sich dort über alltägliche Notwendigkeiten. Nur wenige bemerkten, wie viele weise Ratschläge mit einem Lächeln und einer Ermutigung gegeben wurden. Und Sein Lächeln war wundervoll. Diese Herzlichkeit wurde sogar von Seinen Schülern nicht immer geschätzt. Es geschah, dass sie den Lehrer verurteilten, wenn Er, ihrer Meinung nach, einem unbedeutenden Menschen allzu große Aufmerksamkeit zuteilwerden ließ. Indessen öffneten sich unter einem solchen Lächeln herrliche Gefäße.

      Ebenso gab es Verurteilungen wegen Seiner Gespräche mit Frauen, doch ist Seine Lehre gerade von Frauen bewahrt worden. Desgleichen verurteilte man die Anwesenheit sogenannter Heiden, wobei man vergaß, dass der Lehrer zu den Menschen und nicht einer einzelnen Sekte wegen gekommen war.

      Ich erinnere an solche Verurteilungen, weil sie das Antlitz des Großen Wanderers noch menschlicher gestaltet haben. Wäre Er nicht in dieser Weise mit dem Leben in Berührung gekommen und hätte Er dabei nicht gelitten, hätte Seine Heldentat ihre Größe verloren. Niemand kam auf den Gedanken, welche Leiden Ihm die Berührungen mit den verschiedenen ungeordneten Ausstrahlungen verursachten.

       Der Gedanke von der Heldentat verließ den Großen Wanderer niemals. Verurteilungen, die Ihm zu Ohren kamen, bestärkten Ihn nur in der Ausführung der Heldentat. Derart verfolgte der Große Lehrer Seinen ungestümen Weg. Wir erinnern gern an solche Beispiele.

 

       153. Urusvati weiß aus den Apokryphen, dass die Menschen aus dem Großen Wanderer einen Volkshelden machen wollten. Solche Wünsche kamen nicht selten infolge des Verhaltens der Großen Lehrer zum Ausdruck, was jedoch ein bedauerliches Missverständnis war. Natürlich ist ein Großer Lehrer auch ein Held und Führer, doch viele Bewusstseine können die wahre Bedeutung dieser Begriffe nicht erfassen, und so werden Dornenkronen geflochten.

       Urusvati hat die Stimme des Großen Wanderers vernommen, doch konnte sie einem Führer von Massen gehören? Gerade die Massen führten mit ihrem Geschrei den Großen Wanderer in besonderes Leid hinein. Die Massen, ein und dieselben Massen schrien von Seinem Königtum und eilten dann zu Seiner Hinrichtung. So förderten sie auf ihre eigene Weise die Erfüllung der Prophezeiungen.

       Man kann sich unmöglich vorstellen, welches Karma sich auf diese Menge von Wahnsinnigen gelegt hat! Mögen heute viele der Ereignisse gedenken, die auf die Schultern vieler Generationen gelegt worden sind. Dies ist keine Bestrafung, sondern die Folge eines wahnsinnig gewordenen freien Willens. Wenn Ich dringend dazu rate, sich unvernünftiger Worte und Gedanken zu enthalten, bitte Ich damit auch, über die Zukunft nachzudenken.

       Der Lehrer hätte den Weg der Heldentat auch ohne das Gebrüll der Menge gehen können, doch selbst die von Ihm Geheilten erfüllten den Raum mit Drohungen und Verfluchungen. Solche Offenbarungen des freien Willens kann man mit vielen Namen belegen, und dennoch bleibt es der freie Wille. Es ist richtig, den freien Willen als die höchste Gabe anzusehen, doch wie vernünftig muss man diesen kostbaren Schatz nutzen!

      Wir bewahren in Unseren Verstecken viele Gegenstände, die mit dem Leben des Großen Wanderers verbunden sind. Man kann darüber erstaunt sein, in welchem Maße sich Seine Ausstrahlungen über den Verlauf vieler Jahrhunderte hinweg erhalten haben. Dieses Merkmal ist der zuverlässigste Anzeiger für das Ausmaß der uranfänglichen Energie. Eine solche Aufschichtung erfolgt nicht nur, wenn die Hand oder der Atem bewusst Kraft aussenden, sondern auch, wenn jede unwillkürliche Berührung eine unauslöschliche Energie aufschichtet.

       So gedenkt der ungewöhnlichen uranfänglichen Macht des Großen Wanderers.

 

       154. Urusvati weiß, dass die Großen Lehrer mit Tieren sprechen können. Das Beispiel des Großen Wanderers ist auch in dieser Hinsicht erstaunlich. Man muss jedoch einen solchen Verkehr mit dem Tierreich vernünftig verstehen. Die Menschen können Tierlaute nicht verwenden und sie dennoch verstehen. Die psychische Energie kann unmittelbar mit derselben Energie im Tier Verbindung aufnehmen und Verstehen erreichen.

       Vor allem ist das Fehlen von Furcht und Zorn auf beiden Seiten unerlässlich. Ebenso notwendig ist es, von aufrichtigem Wohlwollen erfüllt zu sein, man darf dabei aber nicht lügen. Viele Feiglinge sind von ihrem Mut überzeugt und die Bösesten verstellen sich als gut, doch dann gibt es keinen Weg. Die natürlichste Verbindung zwischen den Welten ist verlorengegangen, da die Lebewesen das gegenseitige Vertrauen eingebüßt haben. Heute spricht man wie von einer seltenen Erscheinung, wenn zwei Tiere verschiedener Gattung zusammenleben können. Auch die Menschen nähern sich den Tieren nur mit Zweifeln. Woher also soll da gegenseitiges Verstehen erwachsen?

       Hätte man jedoch sehen können, wie der Große Lehrer mit Tieren und Vögeln sprach, so hätte man sich von der Existenz einer lebendigen Verbindung zwischen den Welten überzeugen können. Er konnte einen Vogel zu sich auf die Hand rufen und ihn in eine bestimmte Richtung senden. Er konnte ein beliebiges Tier beruhigen, nicht durch einen Zuruf, sondern durch Einflößen von Ruhe. In alten Überlieferungen wird davon gesprochen, dass kranke Tiere zum Lehrer kamen, um geheilt zu werden. Man kann viele solcher Beispiele anführen, und der Lehrer besaß das Recht, die Tiere als Seine kleinen Brüder zu bezeichnen. Doch in diesem freien Umgang existierten weder gezwungene Absichtlichkeit noch Sklaverei, sondern Zusammenarbeit.

 

       155. Urusvati weiß, wie lange Tiere sich an die Ausstrahlungen ihres Herrn erinnern. Wenn man dies im Alltag beobachten kann, um wieviel mächtiger wird sich dann die Ausstrahlung eines Großen Lehrers aufschichten! Dabei kann man feststellen, dass die Lehrer einerseits Magnete auslegen, andererseits jedoch Ihre persönlichen Sachen vernichten, um mit Vorbedacht hergestellte Ausstrahlungen nicht in den Händen Unwissender zurückzulassen.

       In der Geschichte kann man sehen, wie Gegenstände, die den Lehrern gehört hatten, in alle Winde zerstreut wurden. So blieben beispielsweise Gemälde von Saint Germain unter verschiedenen Namen in vier Ländern zurück: in Frankreich, England, Deutschland und den Niederlanden. Einige verblieben in der Familie van Loo[82], doch die Mehrzahl wurde durch den Urheber vernichtet.

       Das gleiche Schicksal ereilte die Gegenstände, die sich in der Umgebung des Großen Wanderers befunden hatten. Ich spreche von den Gegenständen in Seiner Umgebung, da Er sie nicht für Sein eigen hielt. Ein solcher Verzicht auf Eigentum kam ganz natürlich zum Ausdruck, denn Er schritt ungestüm voran.

       Es kam nicht wenig Verwunderung unter den Schülern auf, als Er mit ihnen zusammen den Lebensunterhalt durch Arbeit beschaffen wollte. Gerade dieser Grundsatz wurde auch von anderen Unserer Brüder angewandt. Einer von ihnen, ein früherer Herrscher, liebte es, zu Beginn des Mahles zu sagen: „Offenbar habe ich mir mein Brot durch Arbeit verdient“. Einige der eifrigsten Schüler fielen gerade wegen einer solchen ständigen Arbeit ab. Ihr kennt ein solches Beispiel auch aus dem Norden.

       Man muss daher die Verteilung der Magneten, die der Große Wanderer zurückgelassen hat, gut verstehen. Es sind ihrer nicht viele, doch die Orte, wo sie sich befinden, sind bemerkenswert. Er beauftragte Schüler, solche Magnete in weit entfernte Länder zu tragen. Man muss sich ins Gedächtnis rufen, wie weit Seine Boten vorgedrungen sind. Die Menschen kannten sie nicht, spürten aber dennoch die Bedeutung dieser Abgesandten und hassten sie, wie sie über alles ihnen Unverständliche in Wut geraten.

 

       156. Urusvati weiß, dass der Große Wanderer die Menschen Seiner Umgebung nur mit Seinem Blick zum Allerhöchsten lenkte. Der Lehrer sagte: „Brüder, ihr findet entschieden für alles bemerkenswert viel Zeit, doch für das Allerhöchste erübrigt ihr nur kurze Augenblicke. Wenn ihr dem Allerhöchsten nur so viel Zeit widmen würdet, wie ihr für Mahlzeiten vergeudet, wäret ihr bereits Lehrer.“ So lehrte Er in lebendiger Weise den Nutzen der Hinwendung zum Allerhöchsten.

       Auch sagte Er: „Wenn ihr euch von ganzem Herzen hinwendet, werdet ihr gleichsam ein starkes Band fühlen, das euch mit dem Großen Herzen verbindet.“

       Ebenso sagte Er: „Stört einen anderen nicht, wenn ihr seht, dass er im Gebet versunken ist. Man kann einen Menschen verletzen, man kann ihm durch unvernünftige Einmischung das Herz zerreißen.“

       Auch sagte Er: „Versteht es, Sauberkeit zu offenbaren und spült nach jeder Mahlzeit den Mund. Berauscht euch nicht, denn im Wahnsinn ist ein Mensch schlimmer als das letzte Tier.“

       Ebenso sagte Er: „Esst kein Fleisch, wenn die Möglichkeit besteht, es zu vermeiden.“

       So kann man in den Apokryphen viele Andeutungen über alle Aspekte des Lebens finden. Außer den bereits gefundenen Apokryphen kann man auch noch weitere entdecken. Wir werden über die Zeiten, in denen die Aufzeichnungen niedergeschrieben wurden, nicht urteilen, denn sie sind nicht nur einmal umgeschrieben und übersetzt worden.

       Wir wollen außerdem nicht vergessen, dass die festgelegten Schriften zufällig aus den vielen Vorhandenen ausgewählt wurden. So muss man sich aufmerksam gegenüber allem verhalten, was uns aus den vergangenen Jahrhunderten überliefert wurde. Man darf auch nicht vergessen, dass in den ältesten Zeiten die Apokryphen nicht aufgeschrieben wurden und sie zu Zeiten gehörten, die von den Ereignissen nicht allzu weit entfernt waren. So wollen wir uns nicht ablehnend verhalten, denn auch heute noch finden sich Fragmente alter Schriften.

 

       157. Urusvati hat das Gefühl des Loslösens von der Erde erfahren. Dieses Gefühl wie auch die magnetische Anziehung (…) können nur diejenigen kennen, die es erfahren haben. Sie können verstehen, wie sehr ein Lehrer einer starken Anziehungskraft ausgesetzt sein kann. Er besitzt das Recht, sich von der Erde zu lösen, tut es aber nicht. Er erfährt dabei aber eine schwere Wehmut. Der Grad dieser Wehmut ist nicht mit Worten auszudrücken. Nur die Macht des Bewusstseins kann aus solchen niederdrückenden Anwandlungen herausführen.

       Auch muss man die Fähigkeit des Lehrers zur Teilung des Geistes* hervorheben. Wer diese Eigenschaft kennt, versteht, wie sich in solchen Augenblicken eine vollständige Entrückung bemerkbar macht. Gewöhnlich sind solche Augenblicke nur sehr kurz, doch bei Entwicklung der Teilbarkeit des Geistes* können sie überaus tief sein. Man kann sich vorstellen, welche Augenblicke der Entrückung der Große Wanderer erfahren hat! Dies ist kein Verlust des Bewusstseins, sondern vielmehr eine teilweise Entrückung, wenn die psychische Energie auf weite Entfernungen hin arbeitet.

       Die Offenbarung des Antlitzes des Großen Wanderers war an vielen Orten gleichzeitig bemerkbar. Die Menschen sahen Ihn völlig klar in der Wirklichkeit und im Traum.

       Für das Herz gibt es bei Teilung des Geistes viel Arbeit. Man kann sich vorstellen, wie gefährlich es ist, die Ruhe während solcher Entrückungen zu stören. Dieser Zustand ist fast mit einem Austritt des feinstofflichen Körpers zu vergleichen. Doch die Menschen rechnen nicht mit einer solchen Anspannung, und nicht selten entsteht dadurch Schaden.

 

       158. Urusvati weiß, was heilige Schmerzen sind. Die heutigen Ärzte bezeichnen diese Schmerzen als Neuralgie, Rheumatismus, Nervenkrampf und Entzündung der Nervenkanäle. Viele Definitionen werden ausgegeben, doch sogar ein irdischer Arzt wird etwas Außergewöhnliches entdecken. Wir definieren diese Erscheinung als das Pochen der psychischen Energie in Unbegrenztheit. Man kann bemerken, dass solche Schmerzen ohne sichtbaren Grund beginnen und ohne Folgen auch wieder verstummen. Sie sind von verschiedener Art, und es ist nicht vorhersehbar, welches Zentrum zu schmerzen beginnen wird.

       Jetzt kann man sich vorstellen, in welchem Maß die Großen Lehrer derartigen Anspannungen ausgesetzt sind! Es kann nicht anders sein, wenn die uranfängliche Energie an neue Sphären klopft. Sie strebt danach, dort aufzuatmen, wo die Schwingungen ihr entsprechen. Der freie Wille des Lehrers jedoch bindet diese Erscheinung zum Wohl der Menschheit an die Erde.

       Man muss verstehen, dass die Heilung solcher Schmerzen nur durch Schwingungen erfolgen kann. Wir senden Ströme, die nicht selten einen sehr starken Grad erreichen. Das Auftreten solcher Schmerzen hat den Großen Wanderer sehr gepeinigt. In solchen Stunden entfernte Er sich in die Wüste, um dort leichter die Schwingungen aufnehmen zu können. Niemand vermutete, dass der Große Wanderer solche Schmerzen erfahren könnte. Die Menschen nahmen an, der Lehrer müsse von allen irdischen Erscheinungen ausgenommen sein. Der Große Wanderer selbst verbarg nicht, wie sehr Er der Zusammenarbeit mit den Menschen bedurfte. Beständig wiederholte Er, dass entsprechend dem Vertrauen gegeben wird. So lehrte Er die Bedeutung der uranfänglichen Energie.

       Allein bei völligem Bewusstwerden der Energie kann man sie zur Tätigkeit rufen. Und nur bei gutem Willen wird sie dienlich sein. So kann man im Leben des Großen Wanderers die menschlichsten und die wissenschaftlichsten Verwirklichungen sehen.

 

       159. Urusvati ist in der Lage, die Züge des Großen Wanderers einem Künstler zu beschreiben, der die Gabe besitzt, menschliche Antlitze darzustellen. Wenigstens in allgemeinen Zügen kann man eine solche Darstellung festhalten. Erinnern wir uns nochmals Seiner Züge: hellblondes Haar, ziemlich lang und an den Enden etwas dunkler, leicht gewellt mit kleinen Windungen, doch die Locken sind deutlich. Die Stirn ist hell, weit und ohne Falten. Die Augenbrauen etwas dunkler als das Kopfhaar, doch nicht stark ausgeprägt; die Augen sind blau und an den Winkeln gehobenen, die Wimpern verleihen ihnen Tiefe. Die Wangenknochen leicht betont, die Nase nicht groß und einigermaßen weich, der Mund ist nicht groß, doch die Lippen gut gefüllt. Der Oberlippenbart ist nicht stark und lässt den Mund frei. Auch der Bart ist nicht lang und am Kinn leicht geteilt. Diese Züge erweckten Liebe zum Lehrer. Doch war es weniger deren Schönheit als deren Ausdruck, der den Lehrer in Erinnerung bleiben ließ.

       So sollte auch jeder, der sich zum Lehrer hinwendet, von Liebe erfüllt sein. Verehrung und Hochachtung können ohne Liebe nicht wirklich sein. Manche meinen, dass Liebe die Verehrung herabsetzen könne. Diese irrige Auffassung beruht auf einem Unverständnis des höchsten Gefühls. Nur der ist ein Schüler, der seinen Lehrer liebt. Jede Hinwendung hat als Grundlage entweder Liebe oder Furcht, doch Furcht ist dort nicht angebracht, wo man zum Licht strebt.

       Urusvati erinnert sich daran, wie sie eine Seefahrt auf einem Lotusblatt unternahm. Bei aller Zerbrechlichkeit eines solchen Bootes fühlte sie keinerlei Angst. Dies ist ein Symbol der Furchtlosigkeit beim Streben zum Lehrer. Nur die Liebe kann eine solche Furchtlosigkeit schaffen. Es ist äußerst notwendig, eine solche flammende Liebe in sich zu entwickeln. Sogar die Gesundheit wird bei diesem höchsten Gefühl gestärkt. Man kann unmöglich ohne das Band der Liebe all den Anstürmen des Chaos widerstehen.

       In der Erinnerung an das Antlitz des Lehrers kann man von Liebe durchdrungen werden. Dabei muss man daran erinnern, dass es gegenüber der Bruderschaft der Großen Lehrer keine ausschließliche Liebe geben darf. Der Schüler wird seinen persönlichen Lehrer haben, doch wird er sich auch den anderen Lehrern gegenüber liebevoll verhalten. Gerade der erwählte Lehrer wird ihm am nächsten sein, doch im Wissen um die Heldentaten der anderen Lehrer wird das Gefühl der Liebe innig sein.

 

       160. Urusvati weiß, dass der Große Wanderer die Gewohnheit hatte, verschiedene Zeichen in den Sand zu zeichnen, um sie dann wieder zu verwischen. Die Schüler fragten, warum der Lehrer diese Zeichen nicht auf etwas Beständigeres schreibe. Darauf zeichnete der Lehrer mehrere Zeichen in der Luft und sprach: „Dies hier ist das beständigste je offenbarte Statut. Nichts wird diese Zeichnungen auslöschen.“ So erläuterte der Lehrer die Kraft des Gedankens.

       Einige behaupteten, dass die räumlichen Zeichen wie Blitze leuchteten. Der Lehrer verneinte die Möglichkeit eines solchen Leuchtens nicht und sprach: „Es wird eine Zeit kommen, in der die Menschen erkennen werden, wie sie ihre Zeichnungen über weite Entfernungen hinweg übertragen können.“ Die Schüler konnten nicht verstehen, worüber zu ihnen gesprochen wurde.

       Desgleichen sagte der Lehrer: „Hütet euch vor schlechten Gedanken. Sie wenden sich auf euch zurück und lagern sich wie abscheulicher Aussatz auf euren Schultern ab. Gute Gedanken aber fahren in die Höhe und erheben euch. Man muss wissen, wie sehr der Mensch sowohl heilsames Licht als auch tödliche Finsternis in sich trägt.“

       Weiter sagte Er: „Wir trennen uns hier, können uns aber im Lichtgewand wiedertreffen. Kümmern wir uns nicht um den Markt, wenn uns doch im Reich des Lichts Gewänder nach Wunsch übergeben werden. Lasst uns nicht traurig über die Erde sein, wenn uns die besten Freunde freudig erwarten.“

       Weiter sagte Er: „Lasst uns jenes nicht bedauern, was sich schnell abnutzt, wenn doch schon ein dauerhaftes Kleid für uns bereitliegt.“

       Weiter sagte Er: „Ihr habt euch daran gewöhnt, den Tod zu fürchten, weil man euch nichts vom Übergang in eine bessere Welt erzählt hat.“

       Weiter sagte Er: „Man muss verstehen, dass gute Freunde auch dort zusammenarbeiten werden.“

       So lehrte der Große Wanderer beständig die Ewigkeit und die Kraft des Gedankens. Doch diese Testamente wurden nur von wenigen verstanden. Es ist unvorstellbar, wie gering die Zahl derer war, welche die Worte des Lehrers im Gedächtnis behielten! Dabei verstand Er es, kurz und einfach zu sprechen.

       Wir schätzen besonders die Fähigkeit, in kurzen Worten zu sprechen. Im Raum meißeln solche Hieroglyphen sehr deutliche Zeichen ein.

 

       161. Urusvati weiß, dass der Große Wanderer oft durch die Kräfte der Finsternis gestört wurde. Selbst in den Heiligen Schriften ist eine solche Bedrängung erwähnt. Man könnte fragen, auf welche Weise Ereignisse in den Heiligen Schriften niedergelegt werden konnten, die ohne Zeugen stattfanden. Der Große Wanderer muss also selbst davon berichtet haben – und so war es auch. Der Lehrer verheimlichte die Kämpfe nicht, die um Ihn herum stattfanden. Anhand des eigenen Beispiels bereitete Er die Schüler auf die ständige Schlacht vor. Er sprach: „Jeder Mensch befindet sich unausgesetzt in drei Schlachten. Er kann sich in völliger Ruhe wähnen, doch tatsächlich nimmt er an drei Schlachten gleichzeitig teil.

       Die erste ist diejenige zwischen dem freien Willen und Karma. Nichts kann den Menschen von der Teilnahme an den Zusammenstößen dieser beiden Prinzipien befreien.

       Die zweite Schlacht tobt im Umkreis des Menschen zwischen entkörperten Wesen des Guten und des Bösen. So wird der Mensch eine Beute der einen oder der anderen. Man kann sich unmöglich die Wut der Finsteren vorstellen, die sich des Menschen zu bemächtigen suchen.

       Die dritte Schlacht lärmt in Unendlichkeit im Raum zwischen den feinstofflichen Energien und den Wogen des Chaos. Die menschliche Vorstellungskraft kann solche Schlachten in der Unbegrenztheit nicht fassen. Zwar begreift der menschliche Verstand irdische Zusammenstöße, doch beim Blick in den blauen Himmel vermag er sich nicht vorzustellen, dass dort mächtige Kräfte und Wirbelwinde toben. Erst wenn er die irdischen Gefühle beherrscht, ist der Mensch fähig, über die unsichtbaren Welten nachzudenken. Man muss sich an solche Gedanken gewöhnen. Nur sie lassen den Menschen zu einem bewussten Teilnehmer an den unbegrenzten Kräften werden.“

       Denkt über euer beständiges Hintreten[83] vor das Antlitz der Unbegrenztheit nach. Die erhabensten Worte können das Allerhöchste nicht zum Ausdruck bringen. Und nur während kurzer Momente kann das Herz in der Begeisterung der Erkenntnis erzittern. Versteht es, solche Augenblicke im Gedächtnis zu bewahren, denn sie sind der Schlüssel zur Zukunft.

       Es ist unmöglich, die Fülle all der unzähligen Welten aufzunehmen, doch der Lehrer führt einen dorthin. Versteht es, Ihn mit Vertrauen zu verehren, denn ohne diese Brücke gibt es kein Durchkommen.

 

       162. Urusvati weiß, dass der Große Wanderer Umgang nicht nur mit Armen, sondern auch mit Reichen pflegte. Man kann sehen, dass Er nicht alle Reichen anwies, ihr Vermögen zu verteilen. Lag darin nicht ein Widerspruch? Keineswegs. Der Lehrer wies dort zum Verzicht auf Reichtum an, wo Er ein falsches Verhältnis zu den irdischen Schätzen sah.

       Er sprach zu einem Menschen von der Notwendigkeit, sich vom Reichtum zu befreien, wenn Er sah, dass die Schätze sich als Mühlstein am Hals eines im Geist Schwachen erwiesen. So sollte man auch die Einstellung des Lehrers zu irdischen Schätzen verstehen. Er lehnte sie nicht ab, da man etwas, was es auf der Erde gibt, nicht als nichtexistent ansehen darf. Doch ist es notwendig, eine vernünftige Einstellung zu allem Existierenden zu finden.

       Der Lehrer wünschte keineswegs, alle in ein und derselben Armut zu sehen. Der Lehrer gab im Gegenteil Ratschläge, wie man selbst bei geringem Einkommen reine Freude ohne Neid gegenüber dem Nachbarn empfinden könne.

       Der Lehrer konnte unter Armen und Reichen leben, und überall war Er gleichermaßen gut und von dem Wunsch zu helfen erfüllt. Manchmal bedurften sogar die Reichen noch mehr der Hilfe.

       Ebenso strebte der Lehrer danach zu helfen, wenn er Ungerechtigkeit sah. Der Lehrer vermochte es, Unterdrückte in Helden zu verwandeln. Der Lehrer verstand, dass jede Seiner Wohltaten verurteilt werden würde. Er sorgte sich selbst nicht um Anerkennung, vergaß in Seinen Ratschlägen jedoch nicht, auf die große Kraft der Dankbarkeit hinzuweisen. So wollen wir uns des wunderbaren Lebens erinnern, das so viele Herzen genährt hat.

 

       163. Urusvati weiß, dass die besten Lehren und die erstaunlichsten Heilungen des Großen Wanderers nicht festgehalten worden sind. Neben den Ansprachen an das Volk und die Schüler führte Er viele Gespräche unter vier Augen. Wer hätte solche bemerkenswerten Lehren aufschreiben können?

       Über den Wechsel der Leben sprach der Lehrer zum Volke nicht, da diese Wahrheit in Seinem Land nicht verstanden worden wäre. Selbst unter den Schülern machten sich nur wenige die Wiederverkörperung ganz zu eigen. Die Wiederverkörperung war bei einigen Sekten bekannt und wurde, ebenso wie heute, von vielen abgelehnt. Genau wie heute rief der Wechsel der Leben erbitterten Streit hervor.

       Der Lehrer sprach über strittige Themen lieber unter vier Augen, da Er sich dann dem jeweiligen Bewusstseinsniveau anpassen konnte. Es gab viele solcher Einzelgespräche. Manchmal betrafen sie elementare Themen, doch fanden auch Unterredungen mit überaus gebildeten Philosophen statt. Die einen kamen ängstlich zu nächtlicher Stunde, andere jedoch näherten sich entschlossen bei Tage. Er zeigte allen gegenüber große Geduld.

      Man kann sich vorstellen, wie ausgefüllt Seine Zeit im Verlauf dieses kurzen Lebens der Heldentat war. Die Schüler fragten sich oft erstaunt, wann Er Zeit zum Schlafen fand.

       Auch viele bemerkenswerte Heilungen gingen unmerklich vor sich. Die Menschen bemerkten Heilungen von Wahnsinn, Lähmungen, Blindheit und Taubheit. Solche Heilungen verblüfften die Menge aufgrund ihrer Offensichtlichkeit. Die Menge war in der Tat erschüttert, wenn Stumme zu sprechen begannen und Aussätzige rein wurden. Doch waren vom wissenschaftlichen Gesichtspunkt andere Wundertaten noch bemerkenswerter. Der Lehrer gebot inneren, zerstörerischen Prozessen durch die Kraft Seines Willens Einhalt. Die Menge und sogar Nahestehende konnten eine solche mächtige Einwirkung nicht wertschätzen. Sie zwang nicht nur abgestorbene Muskeln, sich zu bewegen, sondern konnte auch zerstörtes Gewebe wieder beleben. Es offenbarte sich eine solche Kraft des Gedankens, von welcher der Mensch nur träumen kann.

       Diese Einwirkung lässt sich schon nicht mehr als Suggestion bezeichnen. Sie sollte eher als Sieg über das Fleisch bezeichnet werden. Auch heute, da die Menschen begonnen haben, die Gedankenkraft zu erforschen, sollten sie sich der damaligen bemerkenswerten Siege des Gedankens erinnern. Möge Angemessenheit das Fundament sein, dann wird die Energie auf kürzestem Wege herbeistreben.

 

       164. Urusvati weiß, welche kosmischen Bedingungen den Übergang des Großen Wanderers in die Feinstoffliche Welt begleitet haben. Außer den bemerkten Erschütterungen gab es auch noch viele andere Erscheinungen. Ist es erstaunlich, dass ein irdisches Ereignis mit einem kosmischen verbunden ist? Überhaupt nicht, die Menschen sollten im Gegenteil bemerken, dass alle Ereignisse miteinander verbunden sind. Es ist unerlässlich, endlich die Einheit des Kosmos anzuerkennen.

      Viele Erscheinungen begleiten jede Stufe der Evolution. Die Menschen jedoch erweisen sich an solchen feierlichen Tagen als besonders starrsinnig. Sie erinnern an Reisende, die an ihrem Bestimmungsort angelangt sind und sich weigern, aus dem Wagen zu steigen.

      Genau das gleiche geschah während der Vollendung der Heldentat des Großen Wanderers; die Menschen wollten nicht aus ihren Reisewagen steigen, sie wollten die erstaunliche Erscheinung vor ihren Augen nicht sehen. Es geschah ein nie dagewesenes Unrecht, und niemand eilte, die Umgebung auf das entsetzliche Geschehen aufmerksam zu machen.

      Der Große Lehrer selbst besaß die Weisheit des Perikles[84], um von der Menge keine Gerechtigkeit zu erwarten. Er, der so viel gegeben hatte, spürte, dass die Angemessenheit verletzt war. Er warnte die Menschen nur davor, ihr Karma zu überlasten. So wusste der Lehrer, dass Sein Weg unvermeidlich war, und setzte daher Seine Lehrtätigkeit aus der Feinstofflichen Welt fort. Doch gerade diese Lehren wurden nirgends niedergeschrieben. So offenbarte sich ein weiteres Beispiel von Unrecht.

       In den Aufzeichnungen sind nur ganz kurze Andeutungen der Besuche des Lehrers aus der Feinstofflichen Welt zu finden. Noch nicht einmal die ergebenen Schüler fanden eine Möglichkeit, darauf hinzuweisen, dass die größten Eröffnungen vom Lehrer erst im Feinstofflichen Körper gegeben wurden. Ein solcher Hinweis wäre indessen außerordentlich wichtig für die ganze Welt gewesen. Der Lehrer bestand nicht darauf, denn Er sah, dass der Raum Seine Testamente besser hüten würde.

       So warnen wir auch jetzt vor kosmischen Spannungen, doch nur wenige hören zu. Wir weisen auf ungewöhnliche Erscheinungen hin, doch die Menschen halten sie für zufällig. So vollzieht sich ein Beispiel mangelnder Angemessenheit.

 

       165. Urusvati weiß, wie viele unterschiedliche Eigenschaften für die Vervollkommnung erforderlich sind. Manchmal ist diese Sammlung von Eigenschaften dem menschlichen Verstand schwer fassbar. Nehmen wir beispielsweise die Unbändigkeit des Josua[85], der ein zügelloses Volk führen musste. Er durfte sich nicht von schönen Aufgaben hinreißen lassen, sondern musste seinen Willen auf die Führerschaft konzentrieren, die nicht nur für ihn, sondern auch für das ganze Volk mit unaufhörlichen Gefahren verbunden war.

       Man kann sich einen Hirten vorstellen, der seine Herde durch ein Dickicht führen muss. Wie viele Zweige muss er abschlagen, um seinen Pfad fortsetzen zu können! Wie viele Steine muss er aus dem Weg räumen! Der Hirte hat die Aufgabe, seine Herde durch das Dunkel zu führen, doch viele wilde Tiere drohen und die Axt des Hirten ist nicht überflüssig – so ist der Weg des Führers. Er sammelt Kühnheit, Entschlossenheit, Streben und Selbstaufopferung an.

       Nun lasst uns den Weg eines anderen Geistesführers und Schöpfers betrachten, nach dessen Namen eine ganze Epoche der höchsten Errungenschaften benannt worden ist. Die Epoche des Perikles wurde eine der verfeinertsten Erscheinungen. Wissenschaft und Schöpfertum lagen dem Streben des Volkes zugrunde. Perikles kannte sowohl den Aufstieg als auch die Schläge des Schicksals. Um ihn sammelten sich die besten Geister. Diese Philosophen hinterließen der Menschheit eine ganze Epoche des Denkens. Unter den Freunden des Perikles kann man auch den Großen Wanderer nennen, der den unvergesslichen Zauber einer Epoche des Wissens und der Schönheit in sich aufnahm. Solche Grundlagen bestätigen auch die Selbstaufopferung und lenken zur Heldentat.

       Man kann bemerken, wie die besten Geister miteinander verbunden werden, um sich dann auf dem Feld der Arbeit zu treffen. Äußerst aufmerksam muss man die Aufspeicherung der verschiedenen Fähigkeiten betrachten, in dieser Aufeinanderfolge kann man die Züge der Weltarchitektur finden.

 

       166. Urusvati weiß, wie dürftig die Zeugnisse der Geschichte über die bedeutendsten Tatmenschen sind. Doch noch etwas anderes als nur menschliche Ungerechtigkeit trägt zu dieser Dürftigkeit der Nachrichten bei. Denkt ihr nicht, dass die großen Tatmenschen selbst solche Eintragungen in Papyrusrollen vermieden?

      Wahrhaftig, die Großen Lehrer wünschten keine Lebensbeschreibungen und vernichteten mitunter sogar Chroniken, die Sie betrafen. Man kann sehen, dass die Grundlagen Ihrer Lehren geblieben sind, die Lebensweise jedoch nicht festgehalten wurde. Auch heute geben Wir den Charakter der Lehre, brauchen aber nicht die kleinen Züge mit einzubringen, die alltäglich gedeutet werden würden.

       Wenden wir uns dem großen Philosophen Anaxagoras[86] zu. Die Grundlagen Seiner Lehre, die über viele Jahrhunderte hinweg etwas Neues darstellten, sind bekannt. Auch heute kann die Lehre von der Unzerstörbarkeit der Materie als grundlegendem Stoff nicht als veraltet angesehen werden. Ebenso könnte Seine Vorstellung von der Höchsten Vernunft auch von den modernsten Wissenschaftlern vorgebracht werden.

      Man kann sehen, wie wenig die Lebensbeschreibung des Philosophen Seinen Charakter als Mensch wiedergegeben hat. Indessen war Er ein bedeutender Repräsentant seiner Epoche. Er nahm die Verfeinerung des griechischen Denkens in sich auf. Er schätzte die Kunst, und oftmals half Er Perikles durch Seine Ratschläge. Auf diese Weise war Er der innere Hebel vieler Maßnahmen. Er besaß genügend Würde, um andere zu schützen und die Verbannung einem Verlust der Ehre vorzuziehen.

       Ich bestätige, dass man eine glänzende Würdigung Seines Schaffens geben könnte, doch Er wünschte nicht, dass vorübergehende Ereignisse festgehalten wurden. Schon damals fühlte Er im Inneren des Herzens Seine zukünftige Heldentat voraus. Viele Große Lehrer verbanden die Lehre mit Ihrem zukünftigen Weg. So kann man eine ganze Perlenkette kostbarer Leben erkennen. Man darf sich dabei nicht wundern, dass einige ihrer Glieder mehr ins Dunkel getaucht sind; solche Schwellen führten nur zu einer verstärkten inneren Aufspeicherung.

 

       167. Urusvati weiß, dass Verfolger den Großen Lehrern hinterherziehen wie Staub einem Reiter. Es ist überaus lehrreich, nicht nur die Anhänger eines Lehrers zu beobachten, sondern auch Seine Verfolger. Dabei lassen sich Wesen erkennen, die im Verlauf mehrerer Leben hartnäckig bemüht waren, dem Guten zu schaden, das durch eine Lehre überbracht wurde.

       Man wird fragen: Können die Verfolger des Guten in den Schichten der Feinstofflichen Welt sich denn nicht von der Vergeblichkeit ihrer düsteren Bemühungen überzeugen? Doch ihre Führer schlafen nicht. Man muss die uralten Überlieferungen über Dämonen verstehen, die mit ihren Flügeln das Licht vor den Schülern verbargen. Wahrhaftig, auch in den niedersten Schichten der Feinstofflichen Welt kann eine solche Verdeckung des Lichts erfolgen. Sie vollzieht sich ebenso auf der Erde. Die Verfolger der Lehre des Guten eilen nicht nur, bewusst zu schaden, sondern werden auch ungewollt zum starken Magneten der Lehre hingezogen und toben daher umso wütender.

       Beispiele solchen Wahnsinns lassen sich in verschiedenen Epochen beobachten. Vernünftige Menschen haben solche Verfolger des öfteren gefragt, was sie denn veranlasse, so grimmig und unnachgiebig die ihnen verhasste Lehre zu schmähen. Die Antwort war fast immer die gleiche. Sie bekräftigten, in ihrer Schmähung nicht aufhören zu können. Und ein solches Streben zeugt bereits von Besessenheit.

       Es ist üblich, Verräter als Judasse zu bezeichnen, als Symbol eines der wütendsten Verräter. Man muss betrachten, ob Judas nicht schon in vorhergegangenen Leben genau derselbe düstere Ausführer des Bösen war. Man muss darauf achten, wie in den besten Epochen Griechenlands die Giftschlangen des Verrats hervorgekrochen waren. Man könnte ihre Namen nennen, doch ist es nicht nützlich, Worte auszusprechen, die nur Verrat kennzeichnen. Man muss nur nachdrücklich klarstellen, dass jede große Lehre Verräter hat, hinter denen die Flügel der Dämonen aufragen.

       Urusvati hat vor kurzem gesehen, wie ein finsterer Hierophant sich zu nähern versuchte, doch Unsere feurigen Pfeile schlugen ihn zurück, und seine Hand empfing den Stempel eines Blitzes.

 

       168. Urusvati weiß, dass jede gute Handlung ein Teilchen des Chaos verwandelt, weshalb jedes gute Werk von Uns ein Verbrennen des Chaos genannt wird. Diese Metapher hat eine reale Grundlage. Im Ausbruch zum Guten, zum Licht, werden die besten Feuer entzündet, und diese offenbaren das Chaos in einem neuen, gereinigten Aspekt.

       Die Menschen denken bisweilen, dass Zusammenarbeit mit der Bruderschaft die Wut der Finsternis auf sie stürzt – was eine unrichtige Vermutung ist. Weitaus genauer muss man sagen, dass alles geschaffene Gute die Wut der Finsteren anzieht.

       Es werden sich wahrscheinlich Kleinmütige einfinden, die sagen: Wegen unseres Wohlergehens werden wir nichts Gutes schaffen. Groß ist die Zahl solcher Menschen, die sich vom Guten abgewandt haben. Sie haben ihr Herz vom Guten weggerissen. Sie haben ihre Feuer gelöscht und sind in Dämmerung versunken. Doch die Phantome der Dämmerung sind höchst widerwärtig. Wer das Gute fürchtet, versinkt im Chaos.

       Der Große Wanderer lehrte, das Gute zu lieben. Seine Lehre ist vielfach entstellt worden. Noch nicht einmal die einfachsten Worte der Lehre wurden bewahrt, und die Menschen verstanden es, die Wahrheit für ihre Handelsgeschäfte zu verdrehen. Die Vertreibung der Händler aus dem Tempel bleibt ein warnendes Symbol, doch muss der Tempel im Geist bestehen. Das heißt, das Krämertum muss im Geist ausgetrieben werden. Niemand wird den Tausch der Lebensgüter verbieten wollen, doch mögen die Händler ihr Geschäft im Licht der Feuer des Herzens verfolgen. So können die wichtigsten Lebensgrundlagen vom Glanz des Guten erhellt werden.

       Ich höre böses Gelächter. Das Chaos erzittert und hofft, dass seine Diener nicht zurückweichen. So zieht der Gedanke an das Gute auch den Krampf des Bösen herbei. Fürchten wir auch die entsetzlichste Grimasse des Bösen nicht, sondern vergrößern wir nur unseren Vorrat des Guten.

 

       169. Urusvati weiß, dass sowohl die Verbrenner als auch die Schöpfer des Chaos hier auf der Erde leben. Die Vernichtung des Chaos findet hier statt, und nicht in den überirdischen Sphären. Die Anhäufung des Chaos erfolgt ebenfalls hier. Es sind nicht Dämonen, sondern die Menschen, die sich bemühen, das Chaos zu vermehren und bis zur absoluten Finsternis zu führen. Urusvati hat das Gefühl dieser absoluten Finsternis verspürt. Die dabei auftretende Schwermut ist mit nichts zu vergleichen.

       Ein besonderer Fehler der Menschen besteht darin, dass sie glauben, das Offenbarte sei dem Chaos unzugänglich. Ein Fehler liegt auch in der Darstellung der Sphäre in einem Kreis[87], da eine solche symbolische Form die Menschen glauben macht, das Chaos könne nicht in die offenbarte Welt eindringen. Die Ströme des Chaos streben danach, das Gleichgewicht zu stören, so wie die Strahlen des Lichts es wiederherstellen.

      Die Finsternis versucht wie giftige Ströme das Streben des Gedankens zu behindern. Man muss diesen Hinweis sehr realistisch verstehen. Der Strom des Gedankens kann tatsächlich erschwert werden, und dann muss man die Energie verzehnfachen. Doch eine solche zusätzliche Anwendung übermäßiger Kraft bedrückt das Herz.

       Gerade der Große Wanderer lehrte die Notwendigkeit des Gleichgewichts. Man könnte fragen, ob Er auf die Kosmogonie hingewiesen habe. Er bestätigte nur die Existenz einer Vielzahl von Welten und lenkte das Denken auf das Allerhöchste. Eine solche Bestätigung war notwendig für das Volk, denn in der Folgezeit sahen die Menschen die kleine Erde als einzige Wohnstätte der Menschheit an. Auch heute versuchen viele noch, das Denken allein auf die Erde zu begrenzen. So rief der Lehrer zur Erkenntnis des großen Weltengebäudes auf.

       Die Erscheinung von Wesen der Feinstofflichen Welt bestätigte der Lehrer nicht nur einmal, besonders in Seinen letzten Gesprächen.

 

       170. Urusvati weiß, dass in Bezug auf Fragen der Kosmogonie und der Religion besondere Zweckentsprechung offenbart werden muss. Man sollte das Wort des Großen Wanderers schätzen, dass Er gekommen sei, um das frühere Gesetz zu erfüllen.

      Viele kamen mit der Frage zu Ihm, ob die Erde flach sei. Er antwortete: „Für euch ist sie eine Scheibe.“ So antwortete Er in allem dem Bewusstsein entsprechend. Man möge die Einfachheit und Feinheit Seiner Antworten studieren. Man muss im Gedächtnis behalten, dass es nach dem Vermächtnis der Bruderschaft vor allem notwendig ist, dem Bewusstsein entsprechend zu sprechen. Nur in den Gedanken konnte der Lehrer die Ketten der Vorurteile zerschlagen, doch Seine Worte entsprachen dem Bewusstsein Seiner Zuhörer.

       Unter Seinen Testamenten gab es überaus tiefgründige, doch die Zuhörer nahmen sie ihrem Niveau entsprechend auf. Das Los des Lehrers war in allen Jahrhunderten das gleiche; Er musste mit dem Niveau der Schüler Geduld und Mitleid haben. Unzählige Male musste Er dieselben Fragen berühren und durfte den Fragenden nicht verärgern, indem Er ihn daran erinnerte, dass die gestellte Frage schon vor Langem beantwortet worden war. Man möge sich das Niveau der Fragesteller vorstellen, dann kann man über die unerschöpfliche Geduld des Lehrers nur erstaunt sein.

       Es ist notwendig, viele Existenzen zu durchleben, um eine solche Geduld anzusammeln und zu verstehen, worin die Hilfe für die Menschheit besteht. So erwächst auch die Liebe zur Menschheit, nicht zu Einzelnen, sondern zur gesamten Menschheit, die doch den freien Willen besitzt. Man kann sich angesichts des Missbrauchs dieser höchsten Gabe vielfach quälen, doch desto mehr reift der Entschluss, den Irrenden zu helfen. So kann man sich das innere Leben des Lehrers vorstellen.

       Man muss die Freude an der Heldentat verstehen, die im Herzen desjenigen lebt, der zur Rettung der Menschheit gesandt wurde. Wir scheuen nicht davor zurück, diesen Dienst als Rettung der Menschheit zu bezeichnen.

 

       171. Urusvati weiß, dass die Menschen sich mit ihrem freien Willen ihre Existenz in der Feinstofflichen Welt schaffen. Wenn der Wille rein und tapfer ist, wenn die uranfängliche Energie keinen niederen Beweggründen unterworfen ist, kann der Übergang in die Feinstoffliche Welt leicht sein und man vermag die höheren Sphären zu erreichen.

      Wahrlich, der Mensch schafft sich sein Schicksal, so sprach auch der Große Wanderer. Er bestätigte, dass sich auf dem Weg in die höheren Sphären eine Vielzahl von Händen ausstrecken, um den Flug zu verhindern, doch der Wille und die uranfängliche Energie erlauben es nicht, den Strebenden aufzuhalten.

       Einen reinen Willen kann sich der Mensch unter allen Umständen anerziehen. Die psychische Energie kann bei allen Ereignissen bewahrt werden. Dem Menschen, ob klein oder groß, ist gleichermaßen der freie Wille verliehen. Jeder Mensch ist mit dieser höchsten Gabe ausgestattet, was heißt: Er hat es selbst in der Hand, sie anzunehmen oder den anvertrauten Schatz wie ein Sklave zu vergeuden. Jeder besitzt ausreichend psychische Energie, um den Flug in die Feinstoffliche Welt unerschrocken auszuführen. Vor allem aber muss man die Angst vor dem Unbekannten überwinden; anders gesagt, man muss versuchen, wenigstens teilweise die Feinstoffliche Welt zu erkennen.

       Jeder kann Informationen über die unsichtbare Welt finden. Sogar nicht übermäßig Bestrebte werden Hinweise auf die Existenz der Feinstofflichen Welt finden, wenn sie nur den freien Willen in diese Richtung schärfen. Doch die Menschen erschrecken bei dem Gedanken, dass sich ihr Heim nicht auf der Erde befindet, sondern irgendwo im Raum.

       Ein Lehrer muss das Denken der Schüler in Richtung der fernen Welten entwickeln.

 

       172. Urusvati weiß, wie tief sich Worte in ein Kinderherz einprägen. Besonders bis zum siebenten Lebensjahr ist es möglich, die Erinnerung an die Feinstoffliche Welt hervorzurufen. Kinder spüren, dass sie diese besondere Art des Lebens erfahren haben. Es ist nützlich, Kinder zu fragen, ob sie sich nicht an etwas Besonderes erinnern. Solche Berührungen werden Öffnung der Erinnerung genannt. Auch wenn die Erinnerung an die Vergangenheit mit den Jahren wieder abklingt, werden dennoch Funken einer herrlichen Existenz verbleiben.

       Der Große Wanderer liebte es, die Erinnerung zu öffnen. Er ließ die Kinder zu sich kommen und befragte sie nicht nur, sondern berührte sie auch mit der Hand, um die Klarheit der Erinnerung zu verstärken. Er liebte die Kinder nicht nur, sondern sah in ihnen den Fortschritt der Menschheit. Er tat recht, sich den Kindern zuzuwenden, als wären sie Erwachsene, denn in dem Moment, da die ferne Vergangenheit oder die Feinstoffliche Welt in der Erinnerung aufkommen, wird der Geist erwachsen.

      Niemals werden Kinder jemanden vergessen, der sich ihnen als Gleichgestellter näherte. Eine solche Erinnerung werden sie das ganze Leben über bewahren. Vielleicht haben die Kinder den Lehrer sogar besser im Gedächtnis bewahrt als die von Ihm Geheilten. So muss man sich vor Augen halten, dass die Kleinen diejenigen sind, die das Leben fortsetzen werden, und jeder sollte ihnen seine Erfahrungen mitteilen.

      Noch weiser wird es sein, die Erinnerung an die Feinstoffliche Welt zu wecken. Ein zutiefst geistiges Leben wird sich dort gestalten, wo die Funken der Existenz der Feinstofflichen Welt aufleuchten, und der Verkehr mit der unsichtbaren Welt wird leichter.

       Die Erscheinung des Lehrers im feinstofflichen Körper festigte die Schüler in der Erkenntnis der Realität der Unsichtbaren Welt. Nicht alle konnten die Existenz dieser Welt erfassen, doch das Fenster wurde jedenfalls einen Spaltbreit geöffnet.

 

       173. Urusvati weiß, dass die Menschen nicht aktiv warten können. Der Große Wanderer lehrte, frei von Gedanken zu warten, damit die Erwartung das ganze Wesen erfülle. Bei Anwendung eines solchen Maßes wird die Erwartung nicht von Gedanken eingegrenzt. Der Mensch weiß allzu gut, was er will, wonach er strebt und womit sein Bewusstsein verbunden ist. Aus dieser Quelle schöpfte der Große Wanderer Seine Unüberwindlichkeit.

       Nicht mittels des Verstandes, sondern durch das Herz wusste Er, wie schwer es ist, den Menschen ein neues Bewusstsein zu geben. Innerhalb der Grenzen des Verstandes lässt sich vieles leicht erkennen, doch das Herz lehrt, wie sehr die Menschen sich an ein veraltetes Bewusstsein klammern.

      Es wurde gesagt, dass man dem Bewusstsein entsprechend geben muss. Wie soll man aber vorgehen, wenn anstatt eines Bewusstseins ein schwankendes, zottiges Knäuel von lauter Tand zutage tritt? Der Lehrer musste ständig Binsenweisheiten wiederholen, darin lag Seine größte Tragödie während aller Jahrhunderte. Nur ein in vielen Leben gestähltes Bewusstsein überschreitet alle Schlaglöcher der menschlichen Pfade.

       Die Aufgabe eines Lehrers ist schwer, und umso schwerer, als die Hierarchie von den meisten falsch verstanden wird. Das alles wusste der Große Wanderer und eilte zur Vollendung Seiner Heldentat. Eine Heldentat vollendete sich im Verlauf eines Jahrhunderts, eine andere in wenigen Jahren. Auf welcher Waage wollte man solche Dienste wiegen?

       Die Gaben der Wahrheit sind mit irdischen Maßen nicht zu wiegen. Doch die Freude ist groß, dass solche Gaben vorkamen. Sie lehren die Menschheit das Streben zu einer Erneuerung des Bewusstseins in allen Jahrhunderten.

 

       174. Urusvati weiß, wie falsch symbolische Redewendungen ausgelegt werden. Man kann daran erinnern, dass die historischen Worte von dem Schlag auf die linke und die rechte Wange[88] zu vielen Irrtümern geführt haben. Tatsächlich wird das Gesagte sinnlos, wenn man es körperlich auffasst. Doch dieses Vermächtnis wurde mit einem geistigen Sinn gegeben. Bei innerem Gleichgewicht können die Versuche des Bösen nämlich keinen Schaden anrichten.[89] Der Große Wanderer selbst besaß menschliche Würde und wusste aus den Lehren Indiens, dass niemand den menschlichen Geist erschüttern kann.

       Wir erkennen es als eine besondere Errungenschaft an, wenn ein Mensch in Erfolg und Misserfolg unbeirrbar das erwählte Ziel verfolgt. Doch dafür ist es notwendig, ein Ziel zu erwählen und zu verstehen, dass es abseits davon keinen Fortschritt geben kann. Aus einer solchen Überzeugung bildet sich die Heldentat. Einige Heldentaten werden von jedem Menschen gefordert. Schon der Begriff „Heldentat“ sollte begrüßt werden, nicht jedoch in Schrecken versetzen.

       Der Große Wanderer lehrte über die Beschaffenheit der Heldentat: „Jeder, der die Qualität seiner Arbeit verbessert, vollbringt bereits eine Heldentat. Selbst wenn er dabei nur für sich arbeitet, kommt er nicht umhin, auch anderen damit Nutzen zu bringen. Arbeit an sich besitzt schon die Eigenschaft, dass durch sie irgendjemand einen Nutzen erfährt. Nicht nur auf der Erde erfreut man sich der Qualität der Arbeit, sondern auch in der Feinstofflichen Welt richtet man besondere Aufmerksamkeit auf die herrliche Arbeit.“

       Weiter sagte Er: „Nach der Art des Sonnenaufgangs beurteilt ihr den ganzen Tag. Ihr bemerkt, wenn der Morgen bewölkt oder klar, wenn die Sonne rot oder verschleiert ist. Ebenso kann man im Leben schon vom Kindesalter an die Entwicklung des menschlichen Wesens vorhersehen. Man kann beobachten, dass in ihm alles angelegt ist, was später zutage tritt. Wer von Kindheit an gerne arbeitet, wird auch ein Arbeiter bleiben.“

       Eine arbeitsame oder eine untätige Natur ist in den vorhergegangenen Leben angelegt worden. Viele befinden sich in der Feinstofflichen Welt, ohne die Freude an der Arbeit zu lernen. Ich bestätige, dass die Qualität der Arbeit auch den weiteren Aufstieg gestaltet. Es ist falsch zu glauben, dass nur Könige aufsteigen, Bauern aber absteigen. Qualität der Arbeit kann unter allen Umständen erreicht werden.

       Ebenso lehrte der Große Wanderer die Überlegenheit des Wissens über die Unwissenheit. Wissen ist die Folge großer Arbeit. Das Volk kann keinen Erfolg haben, wenn es nicht zur Erkenntnis eilt. Doch nur wenige sind in der Lage, dem Volk zu Erkenntnis zu verhelfen, und diesen Persönlichkeiten erweisen Wir Verehrung. Jeder von ihnen hat nicht nur das bereits Geschriebene durchgelesen, sondern auch schon Tropfen seiner eigenen Erkenntnis hinzugefügt. Diese Tropfen sind eine Gabe der Unbegrenztheit.

 

       175. Urusvati weiß, dass Aufklärung bringende Arbeit dem Spott und der Lästerung ausgesetzt ist. Ihr wisst dies sehr gut, doch Ich spreche erneut davon, da der Große Wanderer ständig gefragt wurde, aus welchem Grund gerade die besten Taten von den Menschen abgewiesen werden.

       Er bereitete die Schüler darauf vor, diesen Spott tapfer hinzunehmen. Er sprach: „Die Finsternis kämpft mit dem Licht; sie versucht, ihr Besitztum zu wahren. Wir geraten vor der Finsternis in Entsetzen, doch sie hasst uns. Ist es etwa möglich, das Licht mit der Finsternis auszusöhnen? Kann man denn der Finsternis dienen, wenn man sich als Lichtträger ansieht?“ So zeigte der Lehrer auf, dass man nicht diesen beiden Prinzipien gleichzeitig dienen kann. Er musste die Schüler darauf hinweisen, dass es jedem von ihnen obliege, den Dienst am Licht durch persönliche Heldentat zu verkörpern.

       Ein solcher Dienst kann nicht verstanden werden, wenn nicht auch die Zweckmäßigkeit erkannt wird. Doch dieser Begriff kann aufgenommen werden, wenn der Geist seine Bestimmung kennt. Tapferkeit und Weisheit erwachsen aus dem einen Begriff des Heils.

       Der Mensch trägt den Maßstab für das Wesen seiner Taten in sich selbst. Es ist unmöglich vorherzusagen, wie und wann die entscheidende Stunde heraufkommt, doch in unserem Herzen wissen wir, wann sich die Frist erfüllt. Nur Weisheit und Tapferkeit verhelfen dazu, die ganze Verantwortung für den Nutzen der ganzen Menschheit zu verstehen.

       Der Große Wanderer bewies, wie zweckentsprechend Er zur Heldentat schritt.

 

       176. Urusvati weiß, wie unerwartet sich das Mosaik des Lebens zusammenfügt, doch diese Unverhofftheit gibt es nur auf der irdischen Ebene. Oft spricht oder schreibt ein Mensch in einer bestimmten Absicht, von den Höheren Kräften wird er jedoch zu einem ganz anderen Ziel hin gelenkt. Der Mensch denkt, er würde in der von ihm gewünschten Richtung Erfolg haben, doch in Wirklichkeit gelingt ihm ein viel größerer Erfolg auf einem für ihn unerwarteten Gebiet. Er schreibt einer bestimmten Person, doch die Folgen ergeben sich von unverhoffter Seite.

       Nicht selten berücksichtigen Wir vielfältige Folgen einer einzigen Handlung. Zählten Wir alle Folgen auf, der Mensch könnte in Verwirrung geraten. Er würde versuchen, sich eingrenzen, und dadurch seine psychische Energie schwächen. Nur durch Erweiterung des Bewusstseins kann man einen weiten Horizont erlangen.

       Der Große Wanderer lehrte die Erweiterung des Bewusstseins. Wiederholt sagte Er: „Öffnet eure Augen und Ohren.“ Natürlich riet Er nicht nur Seiner Unterweisungen wegen, die Ohren zu öffnen, sondern wies darauf hin, welch ein vertieftes Verstehen man sich bei Erweiterung des Bewusstseins aneignen kann. Man kann ein Seil jedoch nicht durch ein Nadelöhr fädeln. Eine große Botschaft passt nicht in ein kleines Ohr.

       Man kann sich vorstellen, wie viele Seiner Unterweisungen nicht in die Ohren der Zuhörer eingingen! Vieles blieb nur lückenhaft im Gedächtnis. Der Zusammenhang ging verloren und damit auch der grundlegende Sinn. Ich sage nicht, dass der Sinn verkehrt wurde, die Schönheit des Wortes aber wurde ausgelöscht. So erfuhren die Gedanken vieler Großer Lehrer eine Entstellung.

       Auf den Gesetzestafeln des Raumes sind die Gedanken der Lehrer besser verwahrt worden. Wie segensreicher Tau senken sie sich hernieder auf jene, die sie aufnehmen können. In diesem Wissen haben die Lehrer sich nicht von den irdischen Entstellungen betrüben lassen. Das, was bestimmt ist, wird kommen, und das offene Herz wird es aufnehmen.

       Das menschliche Denken wächst ebenso im Raum. Jeder heldenhafte, selbstaufopfernde Gedanke ist bereits der Samen einer zukünftigen Welt. Nicht nur die Großen Lehrer, sondern jeder Denker im Kosmos kann ein Erbauer des Guten sein.

       Die Menschen wollen sich nicht in das Denken über die fernen Welten vertiefen. Indessen würden gerade solche Gedanken das Bewusstsein in bester Weise reinigen. Auf den räumlichen Pfaden gibt es weder Neid noch Feindseligkeit noch Grobheit.

       Der Große Lehrer richtete oftmals den Blick der Schüler auf die Sterne: „Es gibt viele Häuser und überall ist Leben.“ Er wünschte, dass die Schüler die Unbegrenztheit lieben lernten.

       Alle Unsere Schwestern und Brüder lieben die Zwiesprache mit den fernen Welten. Wenn Schwester Urusvati ihre Augen auf einen strahlenden Planeten richtet, erinnert sie sich ihres Fluges und erfreut sich der fernen Welten.

 

       177. Urusvati weiß, dass Phänomene nicht immer zustande kommen können. Außer kosmischen Ursachen und Einbrüchen verneinender Kräfte aus der Feinstofflichen Welt kann es auch Einwirkungen des sogenannten Unglaubens geben. Es ist schwer, eine Grenze zwischen Unglauben und Zweifel zu ziehen, denn diese beiden Giftschlangen stammen aus demselben Nest.

       Der Große Wanderer lehrte oft, dass entsprechend dem Glauben gegeben wird. Vergessen wir nicht, dass Christus manche Wunder wegen Unglaubens nicht vollbringen konnte, worauf man einige Hinweise finden kann. Heute würden Wissenschaftler das Wort „Unglauben“ durch „Ablehnung der Autorität“ ersetzen. Es ist gleichgültig, welche Ausdrücke verwendet werden, der Sinn ist derselbe. Die Unterbrechung des Energiestroms stört selbst die mächtigsten Sendungen.

       Diese physische Erscheinung lässt sich beobachten, angefangen bei den alltäglichsten Situationen. Wenn Wir vor Zweifel warnen, sprechen Wir von einem physischen Gesetz. Die Menschen können die stärkste Hilfe zurückweisen, da ihr freier Wille die günstigsten Umstände vernichten kann. Ein Mensch gerät in Zorn und stößt die Hand zurück, die ihn vor dem Fall bewahren will. Der Lehrer muss vor dem Schaden des Zweifels warnen.

       Man kann daran erinnern, dass Schüler an der Kraft des Lehrers zweifelten und unverzüglich einen Schlag erhielten, der dann Schicksal genannt wurde. Doch eine solche Definition ist nicht richtig. Welches Schicksal liegt denn darin, wenn der Mensch die heilsame Verbindung zerreißt!

       Es muss wahrhaft geschätzt werden, dass der Große Wanderer so offen die Grundlage des Glaubens als lebendige Ursache des Fortschritts bestätigte. Der Lehrer war von großem Wissen erfüllt und übergab es in einfachen Worten.

 

       178. Urusvati weiß, dass Verfolger sich manchmal in Mitarbeiter verwandeln. Man kann auf Beispiele verweisen, in denen gerade Verfolger zu Säulen der von ihnen verfolgten Lehre wurden.[90] Ein Lehrer beobachtet immer forschend Seine Verfolger. Ihre Kraft kann sich als so wesentlich erweisen, dass es nur eines einzigen Funkens bedarf, um das Feuer des Heils zu entfachen.

       Gewöhnlich entwickelt sich Zorn aus Unwissenheit. Der Große Wanderer sagte: „Wenn Hunde von ihrer Kette gelöst werden, stürzen sie sich auf den ersten, dem sie begegnen.“

      Der Lehrer merkte mehr als einmal an, welcher Nutzen aus der Bekehrung einiger Zweifler entstehen kann, doch ein anderes sei das Verhalten gegenüber Verrätern. Der Lehrer sprach: „Wenn ein Mensch schon als Hüter von Schätzen zugelassen wurde und sie dann stiehlt, kann ihm kein Vertrauen mehr geschenkt werden. Er hat sich dann selbst ein schweres Schicksal bereitet, das ihn manchmal schnell ereilt, doch besonders schwer ist es, wenn das, was bestimmt ist, auf sich warten lässt.“

       So bestimmte der Lehrer das Maß des Verrates. Er wusste von dem bevorstehenden Verrat und tröstete die Schüler, die den Verräter bereits verdächtigten. Das Wesen der Entwicklung des Zorns kann nicht unterbunden werden, der Strom muss sich ergießen. Doch schwer ist das Karma des Verräters! Es ist das schwerste unter den irdischen Verbrechen.

 

       179. Urusvati weiß, dass die Menschen den Abgang aus den irdischen Sphären in ferne Welten verurteilen. Sie bezeichnen ihn als Abtrünnigkeit oder sogar als Feigheit, da sie annehmen, dass alle mit der Erde zugrunde gehen müssten. Bei solchen Verurteilungen vergessen sie, dass es selbstaufopfernde Helden geben kann, die das kosmische Gleichgewicht herstellen. Sie erweisen sich damit auch als Retter der Menschheit, indem sie den überirdischen Weg verwirklichen.

       Wir nennen jenen ein Strebendes Licht, der eine Arbeit in einer fernen Welt unter ungewöhnlichen Bedingungen übernommen hat. Eine solche durchaus nicht leichte Aufgabe kann man als Heldentat bezeichnen. Nicht zufällig, sondern aufgrund langer und tiefgehender Überlegung entschied der Denker[91], Erkenntnis von einem neuen Planeten zur Erde zu bringen. Man darf Ihn nicht einen Abtrünnigen nennen, im Gegenteil, Er wusste, dass Ideen die Welt lenken und der Gedanke keine Grenzen kennt; auf diese Weise kam ein neuer Verkehr zustande.

       Neu an einem solchen Abgang in eine ferne Welt ist natürlich nicht der Umstand des Abgangs selbst, sondern neu sind die bewusste Beziehung und die Übernahme einer derart verantwortungsvollen Aufgabe. Die ferne Welt kann für den Lehrer nicht leicht sein, schon aufgrund der dortigen physischen Bedingungen, besonders bei Bewahrung der Zusammenarbeit mit der Bruderschaft.

       Die irdischen Strahlen können unter den gegebenen Umständen nicht leicht sein. Der Planet ist krank und das Gleichgewicht gestört. Bei gewöhnlichem irdischem Verkehr können alle möglichen Umstände Einfluss nehmen, doch noch viel unterschiedlicher ist die Atmosphäre einer fernen Welt.

       Der Lehrer hatte bereits lange über die fernen Welten nachgedacht. Er ließ sich in die Sklaverei geben, um so den irdischen Weg schneller beenden zu können. Er erfuhr das volle Maß der irdischen Anspannungen, und es gelang ihm, während Seines letzten irdischen Lebens umfangreiche Erfahrungen sammeln. Man kann bemerkenswerte Zeitgenossen nennen, mit denen Er verkehrte und gemeinsam das Denken stählte.

 

       180. Urusvati weiß, wie sehr die Menschen selbst höchste Offenbarungen herabzusetzen und zu begrenzen versuchen. Der Denker sprach: „Von den Himmeln aus wird eine heilsame Hülle über die Erde ausgebreitet, doch anstatt sich zu ihr zu erheben, wenden die Menschen alle Anstrengung auf, sie herunterzuziehen. Sie kommen nicht auf den Gedanken, dass im irdischen Schmutz selbst das Heilsamste seine Kraft verliert.“

       Einst kam ein Freund zum Denker und erzählte Ihm einen Traum. „Stell dir vor, ich träumte, dass ein Bekannter alle Dinge in meinem Hause umstellte. Es ist nur seltsam, dass dieser Mensch weit entfernt lebt.“ Der Denker antwortete: „Es mag sein, dass er gedanklich in dein Haus eindrang. Die Kraft des Gedankens nämlich vermag Gegenstände zu bewegen.“

       Ebenso fragte man den Denker, warum sich auf den Bergen so rasch Wolken bilden. Er sprach: „Außer den Kräften der Natur können dabei auch menschliche Gedanken eine Wirkung ausüben.“ So lehrte Er bei jeder Gelegenheit die Kraft des Gedankens. Viele konnten die jedem Menschen eigene Macht nicht verstehen, dennoch wurde das menschliche Denken bereichert.

       Als man den Denker fragte, warum Er in Seinen Schriften nichts von der Kraft des Gedankens erwähne, antwortete Er: „Es wird eine Zeit kommen, da die Menschheit zur Anerkennung auch dieser Wahrheit bereit sein wird, doch jede vorzeitige Übergabe würde nur zu einem Hindernis. Mögen die Menschen auf jeder Stufe der Leiter emporsteigen.“

 

       181. Urusvati weiß, wie wenig die Menschen den Vorteil der Zusammenarbeit anerkennen wollen. Der Denker lenkte die Menschen auf vielfältige Weise zu diesem rettenden Konzept hin. Er sprach: „Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Er kann nicht ohne Verkehr mit Gleichartigen leben. Er muss die allerwürdigste Form der Existenz anerkennen. Durch tierische Gewohnheiten wird er sich nicht vervollkommnen. Jeder Gedanke und jedes Wort sind bereits gemeinschaftliche Erscheinungen.“

       „Unflätige Reden und Schmähungen verseuchen die Atmosphäre und sind dem göttlichen Prinzip zuwider. Man kann den Körper der Sklaverei überantworten, doch nicht den Geist. Die Liebe zur Menschheit ist eine Folge der Entwicklung des Herzens und wird durch Denken erreicht. Weisheit kann nicht auf der Grundlage von Gedankenlosigkeit wachsen.“

       „Die Folgen von Zwietracht gleichen jenen einer schlimmen Krankheit und kommen erst allmählich zum Vorschein. Dummköpfe meinen, den Folgen entgangen zu sein, wenn sie am nächsten Tag vom Schlaf erwachen. Wer die Zusammenarbeit verletzt, sollte als ein Schädling am Gemeingut verurteilt werden; die Verbannung sei sein Los.“

       Ebenso lehrte Er: „Wenn ein Wanderer des Nachts an eure Tür klopft, so befragt ihr ihn und gebt ihm dann wahrscheinlich ein Nachtlager. Warum aber stoßt ihr in so harter Weise die Gedanken fort, die bei euch anklopfen? Ein Gast aus einem fernen Land wird immer willkommen geheißen, doch ein weiser Gedanke aus den fernen Welten wird vertrieben. Auf dem Markt sucht ihr nach Neuigkeiten, doch die Gesandten des Lichts lasst ihr auf der Schwelle warten.“

       „Mitbürger, ihr seid nicht gerecht. Für verfaulte Nahrung bezahlt ihr mit Gold, doch für die Nahrung der Seele ist es euch schon um ein Kupferstück leid. Jede Ungerechtigkeit ist bereits eine Zerstörung des Raumes.“

       „Mitbürger, wenn ihr aufhört, euch voreinander zu schämen, wendet euch vom gestirnten Himmel ab, denn er blickt vorwurfsvoll auf euch.“

       So waren die fernen Welten, der Gedanke und die Zusammenarbeit die bevorzugten Unterweisungen des Denkers.

 

       182. Urusvati weiß, wie schwer die Menschen sich Gefühlswissen aneignen. Das rührt von der Trennung des Gefühls vom Gedanken her, doch kann es ein Gefühl geben, das nicht auf der Grundlage des Gedankens ruht? Die Menschen vermischen den Prozess des Denkens mit der Blitzartigkeit des Gedankens. So lehrte der Denker.

       Er erkannte die Teilnahme des Gedankens am gesamten Weltaufbau an, doch diese einfache Bestätigung traf auf erbitterten Widerspruch. Als ob sie sich abgesprochen hätten, erkannten die Menschen die Kraft des Gedankens nicht an. Der Lehrer erlitt viel, gerade wegen der Lehre über den Gedanken.

       „Der Gedanke ist ein Blitz“, so sprach der Lehrer. „Ihr kennt seinen Entstehungsort nicht. Ihr könnt ihn nicht in Worte umsetzen. Der Gedanke schlägt im Bewusstsein ein, doch ohne Nachdenken kann er unoffenbart bleiben. Wie ein Samenkorn in einem Grab kann er ruhen, ohne zu wachsen. Es kann ein Jahrhundert dauern, bis der Same eines Gedankens aufkeimt. Solche vertrockneten Gedanken können dem Führer Verdruss bereiten, der rettende Zeichen in den Raum sendet.

       „Auf der Akademie muss vor allem die Kunst des Denkens studiert werden. Es ist notwendig, sich zu ständigem Denken zu erziehen und sich der Gedankenlosigkeit zu schämen. Merkt euch, dass Gedankenlosigkeit Chaos bedeutet. Es ist dem Menschen unmög