Online-Kurs

 

Der Weg des Schülers

 

Nikolaus Roerich "Perle des Suchens"

Gewidmet den vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Schülern des Agni Yoga

 

1. Voraussetzungen 

 

Dieser Kurs wendet sich an diejenigen, die den Weg der Schülerschaft betreten, sich der Bruderschaft von Schambhala annähern, einem Meister nachfolgen und mit der Zeit auf höhere Stufen der Hierarchie aufsteigen wollen.

 

Wir setzen das notwendige Grundlagenwissen voraus. Dieses ergibt sich aus den Büchern des Agni Yoga, den 36 Heften „Einführung in Agni Yoga“ (siehe www.lebendige-ethik-schule.de/hefte.htm) und den Kursen „Experiment Unsterblichkeit“, „Einführung in Agni Yoga“ und „Die 10 Grundpfeiler der Praxis des Agni Yoga“ (Videos siehe www.lebendige-ethik-schule.de/webtv.htm, Texte der Videos siehe www.lebendige-ethik-schule.de/tvtexte.htm).

 

 

2. Hintreten vor den Lehrer

 

Der erste Schritt auf dem Weg des Schülers und der Schlüssel zum Aufstieg ist das Hintreten vor den Lehrer (Hier 176; FW III, 138). Du kannst kein Schüler sein, wenn Du nicht zur Schule gehst und dort regelmäßig Deinen Lehrer triffst. Ohne Führung durch einen Lehrer gibt es keinen Fortschritt auf dem Geistigen Pfad.

 

Stell' Dir vor, Dein Lehrer lebte physisch inkarniert in Fußentfernung in Deiner Nachbarschaft. Wenn Du sein Schüler bist, ist es Dein natürliches Bestreben, ihn so oft wie möglich aufzusuchen. Du liebst ihn ja! Du hast Sehnsucht nach seiner Gegenwart, nach seinen Worten und Weisungen, nach der heiligen Atmosphäre seiner  Wohnstätte!

 

An Deinem bisherigen, normalen, alltäglichen Lebens ändert sich kaum etwas: Du kannst Deinen Partner und Deine Kinder nicht verlassen. Du musst weiter für den Lebensunterhalt arbeiten. Zeit für Treffen mit dem Lehrer musst Du also normalerweise am Morgen vor und am Abend nach dem Arbeitstag, ggf. kurz am Mittag, sowie in den Ferien finden.

 

 

3. Lehrer finden

 

Wie Du Deinen Lehrer finden kannst, ist in Heft 5 „Hierarchie“ der „Einführung in Agni Yoga“ (www.lebendige-ethik-schule.de/hefte.htm) beschrieben.

 

Wenn Du Deinen persönlichen Lehrer noch nicht gefunden hast, kannst Du zunächst vor einen der Großen Heiligen (Franz von Assisi, Sergius von Radonesch, Katerina von Siena. Teresa von Avila, Mahatma Gandhi, Helena Roerich, Nikolaus Roerich) oder vor die Bruderschaft von Schambhala insgesamt hintreten.

 

Wenn Du auf dem Weg des Schülers fortschreitest, wird Dein Lehrer sich zu gegebener Zeit zu erkennen geben. Vertraue auf den Grundsatz: „Ist der Schüler bereit, erscheint der Lehrer.“ (HR I/2, 135, 222; II/2, 318, 404)

 

 

4. Hintreten im Geist

 

Leider kann kaum einer von Euch damit rechnen, dass sein Lehrer, oder überhaupt ein wirklicher geistiger Lehrer, in der Nachbarschaft wohnt oder auch nur in dieser Zeit auf Erden inkarniert ist. Deshalb muss der Schüler lernen, sich im Geist zu seinem Lehrer zu begeben.

 

Das ist einer der großen Fortschritte, die Agni Yoga der Menschheit bringt: Du kannst Dir die Reise nach Indien ersparen. Du kannst lernen, wie Helena Roerich mit einem Wesen der jenseitigen Welt, mit Deinem nicht inkarnierten Lehrer, auf rein geistigem Weg ein wirkliches Gespräch zu führen.

 

Agni Yoga sagt: Der Lehrer verfolgt den Fortschritt des Yogi. Das Zeichen seines Fortschritts wird die Fähigkeit sein, die Stimme des unsichtbaren Lehrers zu vernehmen. (AY 174, 181, 185) 

 

Wie das im Einzelnen vor sich geht, ist in dem Video „Meditation“ der Sendereihe „Die 10 Grundpfeiler der Praxis des Agni Yoga“ beschrieben (siehe www.lebendige-ethik-schule.de/webtv.htm oder Text des Videos bei www.lebendige-ethik-schule.de/tvtexte.htm).

 

Je mehr Du Dich in dieser Praxis übst, desto klarer wirst Du die Stimme Deines Lehrers und seine Weisungen im Geist vernehmen.

 

 

5. Warum Hintreten?

 

Du trittst vor den Lehrer hin, weil er allein den Plan für Deine persönliche Ausbildung, Deinen persönlichen Dienst am Allgemeinwohl, Deine persönliche Mission auf Erden, Deinen Platz in der Hierarchie und die Ablösung Deines Karma kennt.

 

Von ihm kannst Du erfahren, was Du an jedem neuen Tag tun musst, um einen weiteren Schritt auf dem Geistigen Pfad zu gehen, einen weiteren Stein zum Aufbau der Neuen Welt beizutragen und Deine irdischen Verpflichtungen zu erfüllen.

 

 

6. Rhythmus

 

Du solltest den Lehrer nicht nur nach Lust und Laune aufsuchen, sondern täglich oder wöchentlich zu bestimmten Zeiten, also einen heilsamen Rhythmus einführen.

 

Auch der Lehrer muss sich auf Dich einstellen: Wenn Du Dich an einigen Tagen mehrfach dringend an ihn wendest und dann monatelang gar nichts mehr von Dir hören lässt, kannst Du nicht erwarten, dass eine natürliche Verbindung zustande kommt.

 

 

7. Reinigung des Alltags

 

Du wirst sehen, wie allein nur das regelmäßige Hintreten vor den Lehrer - auch wenn kein Gespräch zustande kommt und Du noch keine Botschaft empfängst oder Eingebung erhältst - eine reinigende Wirkung auf Dein gesamtes irdisches Leben hat:

 

Notwendigerweise wird das alltägliche Leben in gewisser Weise zu einer Vorbereitung auf die Stunde zu Füßen des Lehrers, denn Du wirst die eine oder andere schlechte Gewohnheit bekämpfen müssen, ohne dass der Lehrer auch nur ein Wort zu Dir spricht:

 

Du wirst ja wohl nicht belastet durch einen übervollen Magen oder nach Knoblauch, Alkohol, Zigaretten oder Schweiß riechend vor einen der Herren der Erde treten wollen. Du kannst Dich nicht an einen großen Weisen wenden, um spirituelle Belehrung zu erhalten, wenn Du Deine Gedanken nicht jedenfalls für diese eine Stunde von Deinen weltlichen Projekten, Vergnügungen, Sorgen, Nöten und Schwierigkeiten abwenden kannst.

 

Das Hintreten vor den Lehrer erfordert also eine gewisse Reinigung. Und die Stunde zu Füßen des Lehrers ist - auch wenn sonst nichts geschieht - eine Zeit der Erhebung, wie der Besuch eines Konzertsaales oder einer Kirche, die reinigende Wirkung hat.

 

Dieses Erlebnis strahlt auf Dein Alltagsleben zurück: Du merkst, welche Heiligkeit trotz allem in dieser heillosen Welt möglich ist. Du wirst bestrebt sein, möglichst viel von dieser erhabenen Stimmung mit in Deinen Alltag hinüberzuretten und sie dort möglichst lange zu bewahren. Du wirst bestrebt sein, Dein irdisches Leben und das Deiner Umgebung, so weit möglich, diesem Beispiel eines höheren Lebens anzupassen.

 

 

8. Bewerbung um Aufnahme als Probeschüler

 

Der nächste Schritt auf dem Weg des Schülers besteht darin, Dich förmlich darum zu bewerben, als persönlicher Schüler eines Lehrers angenommen zu werden.

 

Es ist zwar richtig, dass ein jeder seinen Lehrer hat: In Gestalt seines Schutzengels, seines geistigen Vaters, des nächsthöheren Gliedes in der Kette der Hierarchie, an das er angebunden ist.

 

Diese Beziehung ist aber zunächst unbewusst und später auf gelegentliche Fragen oder Bitten um Hilfe beschränkt. Ein echtes Lehrer-/Schülerverhältnis im eigentlichen Sinne kommt nicht von selbst zustande.

 

Ein Schüler im esoterischen Sinn ist ein Mitglied einer Gemeinschaft, die aus dem Lehrer und den Mitschülern besteht. Annahme als Schüler bedeutet also gleichzeitig Aufnahme in die Gemeinschaft.

 

Ein Schüler im wahren Sinn kannst Du nur sein, wenn ein Lehrer Dich in eine solche Gemeinschaft, in seine Schule aufgenommen hat. Das war zu allen Zeiten so: Wenn Du ein Schüler Platons sein wolltest, musstest Du in die Akademie eintreten, ein Schüler Franz von Assisis musste in sein Kloster, ein Schüler Buddhas in seinen Aschram, ein Schüler Jesu in den Kreis der Jünger aufgenommen werden.

 

Heute ist es nicht anders, nur dass die Aufnahme in den meisten Fällen nicht mehr physisch, sondern im Geist erfolgt. Es geht ja dabei ohnehin um die überzeitliche Gemeinschaft, zu der Du gehören willst, deren Mitglieder natürlich nicht alle zur selben Zeit wie Du inkarniert sind.

 

 

9. Selbstprüfung

 

Die Bewerbung um Aufnahme als Schüler, selbst nur zur Probe, ist ein großer Schritt. Lies‘ wieder einmal in den Mahatma-Briefen: Dort ist beschrieben, dass die meisten Bewerbungen mangels Eignung des Kandidaten abgelehnt werden müssen.

 

Du musst also sehr genau überlegen, ob Du schon reif bist für diesen Schritt. Prüfe Dich besser selbst, bevor der Lehrer Dich prüft!

 

Deine Selbstprüfung muss sich vor allem darauf beziehen, ob Du imstande bist, Dich mitten in Deinem materiellen, alltäglichen irdischen Leben an das Gesetz des Schülers, die 10 Grundpfeiler der Praxis des Agni Yoga zu halten. Es liegt auf der Hand: Wer die Regel des Aschrams nicht einzuhalten vermag (und zwar nicht nur im Aschram selbst, sondern auch während der Zeit, in der er in die materielle Welt entsandt ist), kann nicht in eine Gemeinschaft aufgenommen werden, die sich selbst unter dieses Gesetz gestellt hat.

 

Es wird also weise sein, wenn Du, bevor Du mit Deinem Antrag an einen Lehrer herantrittst, zunächst für Dich selbst eine Probezeit ansetzt, in der Du versuchst, nach der Regel zu leben. Wenn das gelingt, kannst Du Dich bewerben.

 

Das bedeutet allerdings nicht, dass Du dann ohne weiteres aufgenommen wirst. Es gibt noch viele andere Gesichtspunkte, die der Lehrer zu berücksichtigen hat, vor allem Dein Karma und Deine innere Reife. Die Einhaltung der Regel ist nur eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung, um an- und aufgenommen zu werden.

 

 

10. Annahme als Probeschüler

 

Wenn Du bereit bist, wird der Lehrer Dich als seinen persönlichen Schüler annehmen - zunächst natürlich nur zur Probe.

 

Die regelmäßige Probezeit beträgt sieben Jahre. Das mag Dir zunächst als eine lange Zeit erscheinen. Bedenke aber, dass Deine Stellung als Schüler nicht auf Dein derzeitiges, kurzes Erdenleben beschränkt ist, sondern grundsätzlich zeitlich unbegrenzt über viele Leben sowohl auf der materiellen Ebene als auch nach dem Tod des Körpers in der Jenseitigen Welt gilt. Als Vorstufe für eine derart lange dauernde Verbindung sind sieben Jahre Prüfung nicht viel.

 

Es liegt allein in der Hand des Lehrers, die Probezeit zu verlängern oder zu verkürzen.

 

 

11. Verklärung des Lebens

 

Mit Deiner Annahme als Schüler ändert sich Dein Leben innerlich vollkommen. Diese geistige Realität muss hinfort Deine gesamte irdische Existenz bestimmen. Dein Lebensziel ist es jetzt, in diesem irdischen Leben endgültig als persönlicher Schüler angenommen zu werden. Alles andere muss diesem großen Ziel dienen oder hinter es zurücktreten.

 

Als Beispiel steht uns Milarepa vor Augen, der sich vornahm, in einem Leben die Buddhaschaft zu erlangen, und dieses Ziel tatsächlich erreichte. (Siehe das lesenswerte Buch von W. Y. Evans-Wentz, Tibet’s Great Yogi Milarepa, 2. Aufl. London 1958, bzw. deutsche Übersetzung (nicht ganz vollständig): Milarepa, Tibets Großer Yogi, Bern 1978.)

 

An Deinem äußeren, alltäglichen Leben ändert sich äußerlich zunächst wenig. Du gehst weiterhin Deinen weltlichen Verpflichtungen nach. Aber der geistige Rahmen Deines irdischen Lebens hat sich dadurch vollkommen verändert, dass Du jetzt ein anderes Ziel anstrebst als bisher.

 

 

12. Eintritt in den Aschram des Lehrers

 

Als Schüler, selbst nur zur Probe, musst Du in den Aschram des Lehrers eintreten und als Mitglied in die dortige Gemeinschaft aufgenommen werden, die aus dem Lehrer und den Mitschülern besteht.

 

Ihr bildet ab heute eine geistige Familie. Der Lehrer ist Dein geistiger Vater, Deine Mitschüler sind Deine geistigen Brüder und Schwestern.

 

Du nimmst ab heute am Leben des Aschrams teil, vor allem an der Ausbildung und dem Dienst am Allgemeinwohl.

 

Erst mit dem Eintritt in den Aschram des Lehrers werden Deine Stellung als Meisterschüler und Dein Betreten des Geistigen Pfades von einem abstrakten Hirngespinst aus einer Sonntagspredigt zu konkreter Lebenswirklichkeit. Du nimmst jetzt in allen, noch den kleinsten Einzelheiten am Leben des Lehrers und an den heilsamen Gewohnheiten der Gemeinschaft teil. Du bist damit in die Hierarchie eingegliedert.

 

Man muss klar sehen: Die meisten Jünger der Esoterik machen vielleicht in der Theorie, nicht aber in der Praxis Fortschritte, weil sie den entscheidenden Schritt, den Eintritt in den Aschram des Lehrers, scheuen.

 

Auch dieser erfolgt in den allermeisten Fällen auf geistigem Wege, weil es zur Zeit keine physischen Aschrams der Bruderschaft auf Erden gibt. Du wirst zum Mönch eines Inneren Klosters. Der Tempel ist in Deinem Herzen.

 

 

13. Unterwerfung unter die Regel des Aschrams

 

Als Mitglied des Aschrams musst Du Dich der hier geltenden Regel, dem Gesetz des Schülers unterwerfen:

 

Die 10 Grundpfeiler der Praxis des Agni Yoga bilden ab sofort den Rahmen, innerhalb dessen Dein Leben sich abspielt. Wiederholen wir noch einmal ganz kurz die einzelnen Pfeiler:

 

1. Das Bewusstsein der hohen Würde, ein Meisterschüler zu sein, bildet sich im Aschram und muss nach dem Abstieg im irdischen Leben verteidigt werden. Du lernst, auf der materiellen Ebene mit der Haltung eines geistigen Schülers aufzutreten.

 

2. und 3. Die Regeln zu Tagesordnung und Ernährung werden von selbst eingehalten durch Deine Teilnahme am Leben im Aschram: Du triffst den Lehrer am Morgen, am Mittag und am Abend. Du studierst und meditierst, wirst unterrichtet und erhältst Aufträge und Aufgaben. Du musst mit der Art (kein Fleisch, kein Alkohol) und dem (geringen) Maß der Nahrung vorlieb nehmen, die in einem Tempel üblich sind.

 

4. Du musst dem Lehrer vollkommenen Gehorsam entgegenbringen. Seine Mühe ist vergeblich, und er wird dich nicht als Schüler behalten, wenn Du nicht tust, was er Dir sagt. Der Schüler muss den Weisungen des Lehrers alles andere unterordnen. Es hat keinen Sinn, dass Du Dich um die Annahme als Schüler bewirbst, wenn Du nicht gewillt bist, die Weisungen des Lehrers auszuführen.

 

5. Das Leben in zwei Welten wird ebenfalls von selbst realisiert, wenn Du den Tag im Aschram beginnst, tagsüber mit Aufträgen in die materielle Welt hinabsteigst und abends wieder in das Heiligtum zurückkehrst.

 

6. Selbstlosigkeit übst Du auf natürliche Weise durch Dein Leben in der Gemeinschaft. Deine erfahreneren Mitschüler werden Dir Deinen Egoismus schon austreiben!

 

7. Die Höhere Verbindung, das Gespräch mit dem Lehrer wird zu einem selbstverständlichen Teil Deines Lebens: Du triffst ihn am Morgen, am Mittag und am Abend.

 

8., 9. und 10. Dienst und Ausbildung sind die wesentlichen Bestandteile Deines neuen Lebens als Schüler. Du erhältst an jedem Tag einen Auftrag für den Dienst am Allgemeinwohl und Aufgaben für Deine persönliche Ausbildung.

 

Natürlich musst Du Dich nicht nur im Aschram, sondern auch dann, wenn Du Dich auf der materiellen Ebene aufhältst, an diese Regel halten, z. B. was die Ernährung, die Selbstlosigkeit und den Dienst angeht.

 

Du siehst, wie der Eintritt in den Aschram des Lehrers Dein Leben vollständig verändert.

 

 

14. Kein Zwang  

 

Du darfst die Unterwerfung unter die Regel des Schülers nicht als Zwang empfinden. Dann hätte der Eintritt in den Aschram keinen Wert. Dann würdest Du Deinem Wesen nach nicht hierher gehören.

 

Du lebst im Haus Deines Vaters, Deines wahren, geistigen, ewigen „Vaters im Himmel“. Sprich wie der zwölfjährige Jesus im Tempel: „Wisset ihr nicht, dass ich sein muss in dem, das meines Vaters ist?“ (Luk 2, 49) So, wie Dein geliebter Vater lebt, willst Du auch leben. Es ist das höchste Glück, ihm nahe zu sein!

 

Es wird Dir eine Gelegenheit geboten, ein höheres Leben zu führen, in einer höheren Kultur zu leben. „Kultur ist eine Ordensregel“ sagt Wittgenstein. Er bringt damit zum Ausdruck, dass die Errichtung einer höheren Kultur immer bedeutet, sich höheren Gesetzen zu unterwerfen - oder, anders gesagt: höhere Ideale aufzustellen, die unser Leben bestimmen.

 

Die Regel des Aschrams ist eine seit Jahrtausenden praktizierte Ordnung; ein erprobter Weg, der Dich sicher auf der Leiter der Hierarchie weiter nach oben führt und geistig wachsen lässt.

 

 

15. Dein Glück - Eine Woche bei Helena Roerich im Kulutal -  

 

Damit das Leben in Gegenwart des Lehrers, in seinem Aschram für Dich anschaulich, handgreiflich wird, ein Beispiel:

 

Helena Roerich hat die letzten etwa 20 Jahre ihres Lebens abseits von der Welt im Himalaya, in der Nähe der Mahatmas, im Kulutal verbracht.

 

Von dort aus hat sie die Mitarbeiter und Agni Yoga-Gruppen in Amerika und Europa brieflich geführt. Schon der Empfang eines solchen Briefes aus ihrer Hand war ein Privileg, um das man beneidet wurde.

 

Noch größer war die Ehre, Helena Roerich für einige Wochen oder gar Monate im Kulutal besuchen zu dürfen. Sie wurde nur den ganz wenigen zuteil, die dafür reif waren. Auch hier gab es kleine Eifersüchteleien: Wer steht ihr am nächsten? Warum darf er/sie hin, ich aber nicht?

 

Nun stelle Dir vor, Du wirst zugelassen, einige Zeit mit dieser großen Lehrerin zu verbringen. Werden das nicht die schönsten und bedeutsamsten Tage Deines Lebens sein?

 

Du wirst Dich ganz natürlich und selbstverständlich den Bräuchen an diesem Ort anpassen: Du wirst morgens früh mit Helena Roerich aufstehen, zusammen mit ihr einige körperliche Übungen machen, die Bruderschaft anrufen, meditieren und die Lehre lesen.

 

Du wirst ganz natürlich und selbstverständlich ihr Leben in allen Einzelheiten nachahmen, z. B. was das Essen und die Aufteilung des Tages angeht - das bringt schon das Zusammenleben mit ihr notwendig mit sich.

 

Du wirst stolz und glücklich sein, wenn Du an ihrem Großen Werk mitwirken, ihr Arbeit abnehmen kannst und von ihr Aufträge zur Ausführung erhältst (z. B. Briefe schreiben oder Übersetzungen anfertigen).

 

Du wirst geradezu begierig sein, von ihr Belehrungen darüber zu erhalten, wie Du Dich vervollkommnen kannst, welche die nächsten Schritte auf Deinem persönlichen Geistigen Pfad sind. Du wirst in ihrer Gegenwart, unter ihrer Aufsicht, die sich von selbst aus dem Zusammenleben ergibt, fleißig üben, gewissenhaft diese Aufgaben bewältigen, die sie Dir jeden Tag neu gibt - weil Du spürst, wie Du daran jeden Tag ein Stückchen wächst.

 

Grobes, unwürdiges Verhalten verbietet sich von selbst in ihrer Gegenwart. Du wirst also allein dadurch erhoben, dass Du mit ihr in der erhabenen Atmosphäre ihrer Welt zusammenlebst und Dir dort gewisse Dinge einfach nicht mehr erlauben kannst.

 

Es gibt im Kulutal, an diesem heiligen Ort, keinen Tabak, keinen Alkohol, kein Fleisch und keine Schokolade. Wenn Du also die Lust auf diese oder ähnliche Gifte noch nicht abgelegt hast, wirst Du ihre Wohnstätte verlassen (weil Du Dich schämst, heimlich durch die Hintertür) und ein paar Kilometer bis ins nächste Dorf gehen müssen, wo Du sie beschaffen kannst. Du musst aus dem Heiligtum fliehen und die Nähe zum Lehrer aufgeben, wenn Du diesen (oder anderen) Lastern frönen willst.

 

Aber meinst Du wirklich, Du könntest Dich Helena Roerich bei der Rückkehr wieder nähern, nach Bier oder Zigaretten riechend, mit einer von weltlichen Begierden gesättigten Aura? Das ist einfach undenkbar. Du würdest es nicht wagen, wenn Du einen Funken von Feingefühl bewahrt hast, ihre Wohnstätte derart zu beschmutzen. Und sie würde es auch nicht zulassen - aber nicht, um Dich zu disziplinieren oder gar zu strafen, sondern zu ihrem eigenen und des heiligen Ortes Schutz.

 

Du siehst: Es gibt keinerlei Zwang! Vielmehr ergeben sich aus der Natur der Sache des Zusammenlebens von selbst gewisse unabänderliche Notwendigkeiten.

 

Dieses höchste Glück kannst Du schon jetzt als geistige Realität erfahren, wenn Du dem Konzept des Inneren Klosters folgst. Du kannst Dein normales, alltägliches irdisches Leben so einrichten, dass Du morgens vor dem weltlichen Tag im Geist Deinen Lehrer aufsuchst und Aufträge zur Ausführung auf der Erde sowie Aufgaben für Deine persönliche Weiterentwicklung entgegennimmst, mittags kurz hereinschaust, um Dich zu vergewissern, wo Deine wahre Heimat ist, und abends wieder zu ihm zurückkehrst und über die Ausführung Rechenschaft ablegst.

 

Die Unwissenden, die die vollkommene Realität der geistigen Welt nicht kennen, werden sagen: Das ist alles nur Einbildung. Wenn Du aber mit dieser Praxis beginnst, wirst Du bald erfahren, welche vollkommen reale Wirkungen sie hat: Sie verklärt tatsächlich Dein Leben (an dem sich äußerlich kaum etwas ändert) und beschert Dir die höchste Freude, die Du Dir vorstellen kannst.

 

Du wirst von selbst, ohne Zwang, nicht um Dich zu disziplinieren, sondern um nicht aus diesem erhabenen Geisteszustand herauszufallen, alles unterlassen, was den Lehrer enttäuscht und das Zusammenleben mit ihm unmöglich macht. Du selbst zerstörst Dein eigenes Glück, wenn Du Dich aus dem Aschram, aus der Gegenwart des Lehrers entfernst.

 

Spätestens nach dem Tod in der Feinstofflichen Welt kannst Du „tatsächlich“ mit Helena Roerich oder einem anderen Lehrer in seinem Aschram zusammenleben - wenn Du Dich in Deinem derzeitigen irdischen Leben so auf dieses hohe Ziel vorbereitest, dass Du reif bist, zugelassen zu werden. Und die beste Vorbereitung ist zweifellos, schon jetzt auf Erden zu üben, in diesem Himmel zu leben.

 

 

16. Reinigung

 

Der Probeschüler kommt im Aschram, um einen hässlichen Ausdruck für einen hässlichen Sachverhalt zu verwenden, „völlig versaut“ an. Er ist durch seine bisherigen weltlichen Gewohnheiten tatsächlich im spirituellen Sinne beschmutzt. Seine Ausstrahlungen stinken und verpesten die reine Luft an diesem heiligen Ort.

 

Es ist also zunächst eine gründliche Reinigung erforderlich. Diese erfolgt auf ganz natürlichem Weg durch die Teilnahme an einem höheren, reineren Leben. Allein der Aufenthalt an einem heiligen Ort, das Zusammenleben mit spirituell gesinnten Seelenverwandten, das regelmäßige Hintreten vor einen Lehrer und die Beachtung der 10 Grundpfeiler der Praxis des Agni Yoga bewirken schon eine Läuterung, ohne dass Du zunächst mehr tun musst, als in der Gemeinschaft mit den anderen zusammenzuleben.

 

Das war seit allen Zeiten das Geheimnis der Klöster: Das Leben nach höheren Grundätzen an einem heiligen Ort heiligt.

 

 

17. Neue Identität: Schüler

 

Das Hauptziel des Agni Yoga ist die Verwandlung des Menschen von einem materiellen, vergänglichen in ein geistiges, unsterbliches Wesen.

 

Du gehst jetzt einen Schritt weiter und verwandelst Dich von einem Klempner, Arzt, Sportler oder Familienvater in einen geistigen Schüler.

 

Solange Du Dich im Aschram aufhältst (selbst wenn es „nur“ im Geist ist), ist es relativ leicht, eine Identität als Schüler zu begründen, weil Du inmitten von Schülern im Haus eines Lehrers lebst.

 

Die große Schwierigkeit ist, auch in der Welt, in Deinem normalen alltäglichen Leben diese Identität zu wahren. Unter der Menge der Ungeistigen bist Du als Meisterschüler ein Fremder. Du bist nur dann wahrhaftig ein Schüler der Bruderschaft, wenn Du nicht nur im Aschram, sondern auch in der Welt als ein solcher auftrittst.

 

Du brauchst Dich äußerlich nicht von den anderen zu unterscheiden. Aber Du musst unbedingt die Würde wahren, die mit Deiner neuen Stellung verbunden ist. Einem Schüler ist vieles verwehrt, was andere sich erlauben können. Du musst Dich so verhalten, dass Du am Abend in den Aschram zurückkehren und dem Lehrer wieder unter die Augen treten kannst

 

Es muss Dir den ganzen weltlichen Tag über bewusst bleiben, es muss Dein alles andere beherrschender Gedanke sein: Du wirst am Abend wieder vor den Toren des Aschram stehen und um Einlass bitten. Welch‘ eine Enttäuschung wäre es, wenn Du nicht eingelassen oder vom Lehrer nicht empfangen werden könntest, weil Du Dich beschmutzt, Deine Aufträge nicht erfüllt oder Dein Versprechen, die Regel einzuhalten, gebrochen hast!

 

So läuft Dein Tag auf dieses geistige Ziel hin, am Abend wieder in Deinem Himmel aufgenommen zu werden.

 

Möge der Mensch sich sicher merken, dass seine Festung nicht auf der Erde ist. Ebenso muss man daran denken, dass alle irdischen Arbeiten um der Rückkehr in die Überirdische Festung willen vollbracht werden. (Br II, 803)

 

 

18. Neuen Namen wählen

 

Um Deine neue Identität auszuformen, solltest Du Dir einen neuen Namen zulegen.

 

Dein bisheriger, bürgerlicher Name Max Müller oder Ida Schmidt bezeichnet Deine vergängliche Persönlichkeit, die es in wenigen Jahren schon nicht mehr geben wird. Deinem wahren, geistigen Ich, Deiner Ewigen Individualität, die Du ab jetzt sein willst, musst Du, allein um dem gewaltigen Unterschied zwischen beiden Rechnung zu tragen, einen anderen Namen geben.

 

Deshalb ist es zu allen Zeiten in Mönchsorden und anderen spirituellen Gemeinschaften Brauch, dass derjenige Schüler, der neu aufgenommen wird, zum Zeichen seiner neuen Würde einen esoterischen Namen erhält. Es ist wichtig, auch nach außen hin deutlich zu machen, dass Du jetzt ein anderer bist als zuvor.

 

Auch die Familie Roerich und ihre engsten Mitarbeiter in New York erhielten von den Mahatmas je eigene esoterische Namen: Nikolaus Roerich: Fujama, Helena Roerich: Urusvati, Jurij Roerich: Udraja, Swetoslaw Roerich: Ljumou, Maurice Lichtmann: Nuzija oder Awirach, Sinaida Lichtmann (Fosdick): Radna, Esther Lichtmann: Enta oder Ienta, Francis Grant: Modra, Louis Horch: Logwan, Nettie Horch: Poruma.

 

 

 

 

Der Kurs wird fortgesetzt

 

 

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