AGNI YOGA WEB TV
SENDEREIHE
„GEISTIGE ÜBUNGEN DES AGNI YOGA“
SENDUNG 3
Übung „Unverletzlichkeit“
Liebe Agni Yogis,
wir hatten in der letzten Sendung über die
Übung „Verwandlung in ein geistiges Wesen“ schon gesagt: Die Zeit der
Einführung ist vorbei. Die Grundlagen sind gelegt. Wir machen uns jetzt
gemeinsam auf den Weg.
Was ist unser Ziel? Wir wollen das
unermessliche Potential unserer Ewigen Individualität erschließen!
Wir wollen größer werden! Wir wollen die
Geistwesen der 6. Rasse schaffen, die dem alten Menschen weit überlegen sind!
Wir wollen die Kraft unserer Seele (die
psychische Energie) stärken. Wir wollen unsere inneren, geistigen Sinne
schärfen!
Führen wir uns noch einmal einige der
höheren Möglichkeiten vor Augen, die unserem geistigen Wesen in die Wiege
gelegt sind und die wir entwickeln müssen:
Ein nicht-materielles Wesen ist nicht an die
Beschränkungen von Materie, Zeit und Raum gebunden. Es kann durch Wände und
geschlossene Türen gehen. Es kann wie mit
Röntgenstrahlen durch feste Gegenstände hindurchsehen und in geschlossenen
Büchern lesen. Es kann levitieren, also sich wie der hl. Joseph von Copertino
und andere Heilige über den Boden erheben, wie Jesus auf dem Wasser wandeln,
wie ein Yogi auf dem Wasser sitzen (Nikolaus Roerich „Lotus“), durch
Feuer schreiten und sogar fliegen (Nikolaus
Roerich „Higher than Mountains“). Es ist immun gegen
Krankheiten. Es beherrscht Telekinese, das heißt, es kann
wie Gegenstände allein mit seiner geistigen Kraft bewegen. Es kann wie eine
Sendestation Gedanken übertragen und wie ein Radio Gedanken empfangen und
verstehen. Es kann fremde Sprachen verstehen und sich wie der hl. Franz von
Assisi mit Tieren verständigen (Nikolaus Roerich „Franz von
Assisi“). Es
kann wie Jesus mit seiner geistigen Kraft heilen, unmittelbar die Wahrheit
erkennen und wie ein Prophet die Zukunft voraussagen.
Agni Yoga – und damit unsere Schule –
bietet einen vollständigen Plan dafür, wie Ihr diese höheren Fertigkeiten nach
und nach ausbilden könnt. Das ist natürlich ein langer
Weg über viele Inkarnationen hinweg. Wir versprechen Euch nicht, dass Ihr noch
in diesem Leben fliegen lernt. Wenn Ihr aber systematisch Schritt für Schritt
voranschreitet und täglich übt, werdet Ihr schon bald die ersten Ergebnisse
sehen.
*****
Unser Ausbildungsplan sieht vor: Wenn
Deine Seele größer werden soll, musst Du damit beginnen, Unverletzlichkeit zu
erlangen.
Unverletzlich zu werden ist der erste
Schritt, um den alten, sterblichen Menschen abzuschütteln. Die
Unverletzlichkeit seiner Seele ist die wichtigste Eigenschaft des Menschen der
Zukunft. Auf ihr gründen alle weiteren Errungenschaften.
Aus Unverletzlichkeit werden
Unverwundbarkeit und Unbesiegbarkeit. Aus Unverwundbarkeit und Unbesiegbarkeit
ergeben sich Furchtlosigkeit und Freiheit. Auf Furchtlosigkeit und Freiheit
beruhen Deine Überlegenheit und Deine Größe.
Unsterblich und unverletzlich – so bist Du
wie ein Gott!
Solange alle möglichen Einflüsse oder
Menschen Dich noch verletzen können, ist Deine Verwandlung in ein ewig lebendes
Geistwesen nicht abgeschlossen, denn das wird ja von materiellen Einwirkungen
gar nicht berührt.
*****
Wir sprechen natürlich
von der Unverletzlichkeit Deiner Seele, Deiner Ewigen Individualität.
Unverletzlich ist nicht der Körper, sondern der Geist.
Die Verteidigung des Körpers ist eine
Sache physischer Übungen, zum Beispiel Abhärtung oder Kampfkunst. Die
Unverletzlichkeit Deines wahren Höheren Ich wird durch geistige Übungen
erlangt.
*****
Ich möchte noch erwähnen: Was wir hier und
in den anderen Sendungen über Geistige Übungen vorstellen, ist keine Theorie,
sondern eine Praxis, die sich in jahrtausendelanger Erprobung bewährt hat und
heute vom Agni Yoga in zeitgemäßer Form dargeboten wird.
Ihr seht hier nur Übungen, die ich selbst
schon lange praktiziere.
Unverletzlichkeit – ein Potential
Du fragst: „Ich habe gelernt: Ein
Unsterblicher ist unverletzlich, weil er ewig lebt und damit nichts und niemand
ihm etwas anhaben kann. Wenn also mein wahres, Höheres Selbst schon
unverletzlich ist, warum wollt ihr mir heute beibringen, wie ich diese Eigenschaft
erst noch mühsam erwerben muss?“
Die Antwort lautet: Unverletzlichkeit ist
ein Potential. In Dir liegt die Möglichkeit, unverletzlich zu werden. Ob Du
verletzlich oder unverletzlich bist, hängt allein von Dir selbst ab!
Es gilt der uralte Grundsatz:
Werde,
der Du bist!
Das bedeutet: Ein gigantisches Potential
ist in Dir angelegt, aber Du musst es erschließen.
Dein Körper ist als materielles Wesen der
größeren Zahl und Kraft der anderen unterlegen und daher immer verletzlich.
Deine Ewige Individualität als Geistwesen kannst Du aber unverletzlich machen.
Abschnitt
I: Grundlagen
Nikolaus
Roerich „Glory of the Himalayas“
1. Was ist eine Verletzung der Seele?
Bei Deinem Körper ist klar, was eine
Verletzung ist: Eine Wunde, die andere oder die Du Dir selbst aus
Ungeschicklichkeit zufügst, eine Krankheit, eine Schwäche oder eine
Einschränkung seiner Funktionen. Der Körper signalisiert einen solchen Schaden
durch Schmerz.
Bei Deinem geistigen Wesen, Deiner Ewigen
Individualität ist nicht so deutlich, was eine Verletzung überhaupt bedeutet.
Sehen wir uns einige Beispiele an.
*****
Was verletzt Dich? In erster Linie sind es
tatsächlich die lieben Mitmenschen: Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte,
Nachbarn, Arbeitskollegen, Vorgesetzte, Untergebene, Kunden. Sie sorgen für
Ärger, Enttäuschung und sogar Angriffe in Fülle. Gerade diejenigen, die uns am
nächsten stehen, bereiten uns oft den meisten Kummer.
Es gibt Verletzungen Deines Stolzes,
Deiner Würde oder Deiner Eitelkeit, auch Stimmungen, die Dir zu schaffen
machen.
Äußere Ereignisse wie Krieg, Not, Armut,
Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unwetter und vieles andere mehr gefährden Deinen
Seelenfrieden.
Schließlich ist da Deine eigene
Unvollkommenheit: Hoffnungen werden enttäuscht, Erwartungen erfüllen sich
nicht, Vorhaben scheitern, bereits Errichtetes zerfällt oder wird zerstört,
gute Vorsätze zerschlagen sich. Du suchst die Schuld bei Dir und fühlst Dich
minderwertig.
*****
Allgemein können wir sagen: Wenn Du Dein
Gleichgewicht, Deine innere Ruhe, den überlegenen Standpunkt oberhalb aller
Verhältnisse verlierst, wenn Du Dich herunterziehen lässt, ist Deine Seele im
wahren Sinne des Wortes „niedergeschlagen“.
Dein geistiges Wesen ist verletzt, wenn es
Schaden genommen hat, wenn es krank oder schwach wird, wenn seine (geistige)
Kraft, die psychische Energie sinkt, wenn seine Funktionen beeinträchtigt sind,
wenn es sich nicht in seinem normalen, gesunden Zustand befindet. Deine Seele
signalisiert eine solche Schwäche durch Leid.
Der
ideale Zustand Deiner Ewigen Individualität ist ein Zustand von hoher
Schwingung.
Das ist der Zustand
in dem sie sich befindet, wenn Du die Übung „Erhebung“ durchgeführt hast. Der
geistige Teil Deines Wesens wird verletzt, wenn seine Schwingung abfällt, wenn
er aus dem Zustand „Erhebung“ abstürzt.
2. Verletzung durch eigene Gedanken und
Gefühle
Wodurch werden Verletzungen der Seele
verursacht? Sind es wirklich die äußeren Ereignisse,
die Dich verletzen?
Nein! Erkenne: Alle Verletzungen Deiner geistigen Wesens beruhen auf Deinen eigenen Gedanken
und Gefühlen! Du bist nicht verletzt, Du fühlst Dich verletzt!
Merke Dir unbedingt:
Nichts verletzt Dich. Niemand verletzt
Dich. Du selbst verletzt Dich – mit Deinen eigenen Gedanken und Gefühlen!
Die materiellen Umstände (das Verhalten
der Mitmenschen, ein Schicksalsschlag) sind nur der äußere Anlass für Gedanken
und Gefühle. In denselben Verhältnissen leidet der eine noch, während der
andere sich schon freuen kann.
Auch Du kannst lernen, überlegen zu
lächeln, was immer Dir zustößt, und dadurch unverletzlich zu werden.
Das bedeutet: Nicht auf die materiellen
Verhältnisse kommt es an, sondern darauf, wie Du Dich zu ihnen stellst, mit
welchen Gedanken und Gefühlen Du ihnen begegnest. Deine Gedanken und Gefühle
kannst Du beherrschen, die äußeren Bedingungen nicht.
*****
Wir hatten schon gesagt: Ein Unsterblicher
ist unverletzlich, weil er ewig lebt und damit nichts und niemand ihm etwas
anhaben kann. Heute gehen wir einen Schritt weiter:
Diese Erkenntnis des Verstandes genügt
allein nicht, um wirklich unverletzlich zu werden. Auf dieser Stufe denkst Du
nur, Du seiest unverletzlich. Das heißt aber noch lange nicht, dass Du
tatsächlich unverletzlich bist.
Es ist von höchster Wichtigkeit, dass Du
erkennst:
Unverletzlich sein heißt: Du fühlst Dich
nicht mehr verletzt, was immer Dir zustößt.
Unverletzlich bist Du, wenn Du Dich
freust, was auch immer mit Dir geschieht!
Freude
an der Heldentat ist ein herrlicher Schild. Ihr wisst bereits, dass durch
Freude und Vertrauen Abgründe überschritten werden. Nicht nur der Mut, sondern
besonders die Freude macht euch unverwundbar. (FW II, 110)
3. Unverletzlichkeit – ein Zustand des
Bewusstseins
Wir hatten schon gesagt und finden heute
erneut bestätigt: Das Bewusstsein ist die eigentliche Realität (Sendung „Die
Bedeutung des Bewusstseins“). Das bedeutet in unserem Zusammenhang:
Wenn Du Dich nicht verletzt fühlst, was
immer geschieht, bist Du auch nicht verletzt.
Es gibt höhere und niedrigere
Bewusstseinszustände. Zum Beispiel Erhebung und Lebensfreude sowie Zweifel und
Niedergeschlagenheit.
Ein hohes Bewusstsein, das den Standpunkt
der Ewigkeit einnimmt und alle Widrigkeiten als Gelegenheiten für den geistigen
Aufstieg versteht, freut sich über das, was ein weniger entwickeltes
Bewusstsein als Verletzung empfindet.
Wir erkennen:
Unverletzlichkeit ist ein Zustand des
Bewusstseins.
Über den Zustand Deines Bewusstseins aber
bestimmt niemand anders als Du selbst. Es liegt allein in Deiner Hand, ob Du
erhaben oder niedergedrückt bist.
Unverletzlichkeit
liegt im Herzen. (Herz 582)
4. Zustand des Bewusstseins selbst
bestimmen
Um Unverletzlichkeit zu erlangen, musst Du
einen Zustand des Bewusstseins herstellen, in dem Deine Ewige Individualität
gar nicht berührt wird von all dem, was Deine vergängliche Persönlichkeit
(physischer Körper, Gefühlskörper, Gedankenkörper) als Verletzung empfindet.
Wissenschaftlich ausgedrückt: Du versetzt
Dich in einen Zustand höherer Schwingung, in dem Deine Seele auf niedrige
Schwingungen gar nicht anspricht, für sie nicht mehr empfänglich, gegen sie
immun ist.
*****
Da Du den Schwingungszustand Deiner Seele
selbst bestimmen kannst, bleibt es dabei: Im Gegensatz zu Deinem Körper kannst
Du Dein höheres Wesen unverletzlich machen, wie auch immer die äußeren Umstände
aussehen mögen, in die es Dich verschlagen hat.
Wenn Deine Seele gleichwohl verletzt ist –
das heißt: sich verletzt fühlt! – liegt das allein an Dir. Es liegt dann eine
Schwäche vor, die Du überwinden musst.
5. Verantwortung
Zum Schluss des ersten Abschnitts noch ein
wichtiger Punkt: Wenn Du Deine Gedanken und Gefühle, Deinen Seelenzustand
selbst bestimmen kannst, heißt das gleichzeitig:
Du allein, nichts und niemand sonst, ist
verantwortlich, wenn es zu einer Verletzung Deiner Ewigen Individualität kommt.
Sei nicht kindisch! Schimpfe nicht „böser
Tisch“, wenn Du Dich stößt!
Lass Dich nicht von Psychotherapeuten aufs
Glatteis führen, die damit zu „heilen“ versuchen, dass sie noch einem
60-Jährigen weismachen, die Schuld für sein verpfuschtes Leben liege nicht bei
ihm, sondern bei seinen Eltern und ihrer verfehlten Erziehung.
*****
Übernimm endlich die Verantwortung für
Dein Leben und Deinen Gemütszustand! Hör auf, die Umstände oder andere Menschen
anzuklagen mit Gedanken oder Worten wie:
„Du bist schuld, wenn ich leide, weil Du
dies oder jenes sagst. Du machst mich unglücklich, weil Du dies oder jenes
tust. Ich bin enttäuscht, weil dies oder jenes geschieht oder nicht geschieht.“
Dieses falsche Denken, das sich fast jeden
Tag in unser Bewusstsein einschleicht, muss enden! Niemand trägt die
Verantwortung für eine Verletzung Deiner Seele – außer Du selbst.
Abschnitt
II: Praxis
Was kannst, was
musst Du tun, um Dich unangreifbar zu machen? Wie sieht die Übung
„Unverletzlichkeit“ genau aus?
1. Bewusstseinszustand „Unverletzlichkeit“
herstellen
Nikolaus
Roerich „River in the Himalayas – Santana“
Wir hatten schon mehrfach darüber
gesprochen (Sendungen „Das Geheimnis der Unsterblichkeit“ und „Übung
Erhebung“), wie Du einen erhabenen Zustand des Bewusstseins herstellen kannst,
in dem Du unverletzlich bist:
*****
Wenn Du die Musik der großen Meister
hörst, zum Beispiel Beethoven, Bruckner oder Mozart, spürst Du die Größe, die
Macht und die Unverwundbarkeit Deines wahren, ewigen Wesens mit einer
Gewissheit, die höher ist als alle Vernunft.
In diesem Geisteszustand kann tatsächlich
nichts und niemand Dir etwas anhaben. Du stehst souverän wie ein König über den
unbedeutenden irdischen Dingen. Du lächelst überlegen über die kleinen
Pfeilspitzen, die man auf Dich abfeuert.
*****
Wenn Du Dein Bewusstsein aus Deinem
vergänglichen Körper herausziehst und in Deine Seele verlegst, wenn Du Dich
selbst und die Umstände, in denen Du Dich befindest, von dort oben mit den
Augen Deiner Ewigen Individualität betrachtest – dann kann nichts von dem Dich
verletzen, was Deine sterbliche Persönlichkeit in Aufruhr zu bringen pflegt.
*****
Bei der Übung „Erhebung“ hatten wir
gelernt, unsere Seele in einen Zustand der Reinheit, Macht und Freude zu
versetzen – unabhängig von den äußeren Umständen.
*****
Denselben Effekt erreichst Du, wenn Du in
der Meditation vor Deinen Lehrer hintrittst: Die heilige Atmosphäre seines
Aschrams und seine hohe Gegenwart erheben Dein Gemüt, schirmen Dich ab und
machen Dein inneres Wesen unerreichbar für alles Materielle, Niedrige.
Übertragen
wir unser Bewusstsein völlig in den Bereich, in dem es weder Furcht noch
Niedergeschlagenheit gibt, dann sind wir unverletzlich durch das Schlechte. (FW
II, 72)
Es ist von höchster Wichtigkeit, dass Du
erkennst:
Diese Erhebung ist keine Einbildung. Sie
ist eine Erfahrung!
Sie ist eine geistige Realität, nämlich
ein Zustand Deiner Seele. In diesem einen Moment bist Du – Dein wahres Ich –
wirklich groß, mächtig und unverletzlich.
*****
Diesen Zustand, in dem die Seele ihre
Macht und Größe spürt, kann man weiter nicht mit Worten
beschreiben. Du musst ihn einmal selbst erleben: Da trampelt
jemand auf Dir herum, auf Deinem Körper, Deinem Stolz oder Deiner Würde – aber
Deine Ewige Individualität ist nicht berührt und bewahrt ihre Erhabenheit.
*****
Die wissenschaftliche Realität dieser
Erfahrung zeigt sich an ihrer Wiederholbarkeit: Wenn Du diesen Zustand einmal
erlangt hast, kannst Du ihn immer wieder herstellen.
*****
Hier stoßen wir erneut auf einen der
Kernpunkte des Agni Yoga: Die äußeren Umstände sind bedeutungslos. Wichtig ist
allein die geistige Haltung, die Du ihnen gegenüber einnimmst.
Natürlich benötigst Du für eine solche
Haltung Wissen des Verstandes: Zum Beispiel musst Du das Gesetz der
Wiedergeburt und den Sinn von Leiden und Hindernissen kennen, anderenfalls
kannst Du Dich nicht über scheinbares Unglück freuen.
Diese intellektuelle Erkenntnis allein
genügt aber nicht. Du musst weitergehen: Forme und erziehe Deine Ewige
Individualität so, dass sie unter keinen Umständen mehr leidet und tatsächlich
in allen Verhältnissen ihr überlegenes Lächeln bewahrt.
Wie sieht eine solche Erziehung aus?
2. Meditation am Morgen
Du musst zunächst in der morgendlichen
Meditation den Zustand des Bewusstseins „Unverletzlichkeit“ herstellen. Du
stellst Dich zu Beginn des Tages auf den höheren Standpunkt der Ewigkeit,
Deiner Seele. Dort oben bist Du von den Ereignissen unten in der materiellen
Welt nicht betroffen.
Diese Erhebung ist mehr als
intellektuelles Wissen. Sie ist ein Zustand des Bewusstseins, eine geistige
Realität!
Diesen Bewusstseinszustand legst Du an wie
eine feste Rüstung, an der im Lauf des Tages alle Angriffe abprallen.
3. Meditation am Abend
Wenn Dich im Lauf des Tages etwas
verletzt, stelle das Gefühl bis zum Abend zurück. Überwinde es in der in abendlichen Meditation. Beende den Tag nicht in einem
niedergeschlagenen Geisteszustand! Richte Dich wieder auf! Stelle den Zustand
der Erhebung wieder her!
Zu Füßen des Lehrers erkennst,
mehr noch: spürst Du, dass Dein wahres Ich gar nicht betroffen ist.
Deine geistige Rüstung hat in den Kämpfen
des irdischen Lebens die eine oder andere Delle mitbekommen, die Du am Abend
ausbessern musst.
4. Meditation im Lauf des Tages
Bisher liefen unsere Übungen darauf
hinaus, in den Meditationen am Morgen, am Mittag und am Abend einen erhabenen
Seelenzustand herzustellen. Dabei bleibt es. Jedenfalls in diesen Zeiten
befindest Du Dich in einer hohen Schwingung.
Der nächste Schritt lautet: Du musst
lernen, eine eintretende Schwäche sofort zu überwinden. Du kannst auch im Lauf
des irdischen Tages sogleich eine kurze „Auszeit“ nehmen, einen Moment der
Erhebung und Meditation einlegen, sobald Du Dich verletzt fühlst.
*****
Eine solche kurze „Notfall-Meditation“
gelingt umso besser, je treuer, zuverlässiger und erfolgreicher Du morgens und
abends meditierst. Erst wenn es Dir zu den „normalen“ Meditationszeiten sicher
gelingt, Deine innere Ruhe zu finden, kannst Du an die viel schwierigere Übung
herangehen, Dich mitten im irdischen Treiben innerhalb weniger Minuten oder
Sekunden nach einem Niederschlag sogleich wieder aufzurichten.
*****
Diese Praxis erfordert ständige
Wachsamkeit, eine Übung, über die wir in einer der folgenden Sendungen noch im
Einzelnen sprechen werden. Du solltest den geringsten Angriff auf Deinen
Seelenfrieden sofort abwehren, damit eine größere Wunde gar nicht entstehen
kann.
Bade nicht in Selbstmitleid, gib Dich
einem negativen Gefühl nicht hin, sondern bekämpfe es sofort!
Nach
jedem Absturz musst Du sofort wieder aufstehen!
Das große Ziel lautet: Immer einen
erhabenen Zustand Deiner Ewigen Individualität bewahren. Keinen länger
andauernden Abfall der Schwingung zulassen.
Bleibe
wie der Lotus unberührt von allem, was sich Dir nähert!
Das ist eine ewige Übung, die nie endet.
In schwachen Momenten fühlt sich Deine Seele irrtümlich immer wieder einmal
verletzt, obwohl sie eigentlich ihrem Wesen nach unverletzlich ist. Diese
Schwäche musst Du immer wieder neu überwinden.
*****
Freue Dich auf jeden neuen Tag! Er bietet
Dir viele Gelegenheiten, Deinen Geist mit dieser Übung zu stärken.
Nutze jede, gerade auch die kleinste
Gelegenheit, um größer zu werden: An der Kasse im Supermarkt, auf dem Amt, am
Arbeitsplatz, in der Familie. Ständig kannst Du trainieren, Dich durch nichts
aus der Fassung bringen zu lassen.
5. Zuflucht suchen
Nikolaus
Roerich „Morgenstern“
Ein wunderbares buddhistisches Mantram,
das sinngemäß in § 201 des Buches Gemeinschaft angesprochen wird, lautet:
Ich
nehme Zuflucht bei der Lehre, bei dem Lehrer und bei der Gemeinschaft.
Dies ist die wichtigste geistige Übung,
ein Allheilmittel gegen alle Arten von Verletzungen: Verlasse für einen Moment
im Geist die materielle Sphäre. Nimm einen Kurzurlaub vom Alltag.
Verlege Dein Bewusstsein in Deine Ewige
Individualität. Erlaube Deiner Seele, ihre Heimat, die geistige Welt
aufzusuchen. Sie begibt sich dort unter die Obhut der höheren Mächte, kehrt im
Aschram ein und tritt vor den Lehrer hin. In dieser heiligen Atmosphäre von
hoher Schwingung kann wirklich nichts und niemand ihr
etwas anhaben.
Über
das Herz kann man sein Bewusstsein der Hierarchischen Kette entlang übergeben,
womit man sich unverwundbar macht und seine Kraft
vermehrt. (Herz 582)
In Gegenwart des Lehrers können
persönliche Empfindlichkeiten gar nicht auftauchen. Hier geht es um die
kosmischen Ziele der Hierarchie! Hier tritt die Sorge um das Wohlbefinden
Deines kleinen, unbedeutenden sterblichen Egos vollkommen zurück.
Das
Mittelalter hat diese Zuflucht unter den Schutz Höherer Wesen sehr schön mit
dem Symbol der Schutzmantelmadonna ausgedrückt: Die Himmelskönigin breitet
ihren Mantel schützend über die Menschen aus, die ihr nahestehen.
Schutz und Sicherheit wirst Du nicht in
der materiellen, sondern nur in der geistigen Welt finden.
Wenn
die Verbindung mit dem Herrscher fest ist, kann man Berge versetzen. Das
Streben zur Hierarchie schafft jene Kultur, von der so viel gesprochen wird.
Tot sind jene, die meinen, sie könnten mittels irdischer Maja Festungen
errichten. Das ist ebenso töricht, wie wenn Kinder davon träumen, eine Festung
aus Schlamm zu errichten! Wahrlich, allein die Welt des Geistes ist wirklich
stark, denn sie ist unzerstörbar und unbesiegbar. (Hier
146)
Ein fester Anschluss an die Hierarchie
macht Dich immun gegen Verletzungen.
Wessen
Bewusstsein an die Höhere Welt angeschlossen ist, der ist standhaft und
unbezwingbar; sein Geist hat die unzerstörbare und in die Unbegrenztheit
reichende Freiheit erlangt. (AUM 204)
Abschnitt
III: Beispiele für die Heilung von Verletzungen
Lassen wir alles, was wir bisher
besprochen haben, konkret werden. Sehen wir uns einige Beispiele aus dem
alltäglichen Leben an. Wie hilft, welchen Rat gibt der Seelenarzt, um
Verletzungen der Seele vorzubeugen oder sie zu heilen – durch eine Änderung des
Bewusstseins, der Gedanken und Gefühle?
Wie verwirklichen wir die wunderbare
Verheißung:
Wer
schön denkt, wird nicht leiden! (Br I, 160)
1. Tod
Dürer
„Tod“
Eine der schwersten Verletzungen der
Seele, die wir verspüren, ist der Tod eines geliebten Menschen. Was sagt der
Seelenarzt in einem solchen Fall?
Zunächst muss er auf die Grundlagen des
Daseins hinweisen: Der Geliebte ist unsterblich, seine Existenz wurde gar nicht
vernichtet. Er ist in eine höhere, bessere Welt übergegangen. Wenn er ein
Seelenverwandter ist, wirst Du ihn bald – spätestens im Jenseits – wiedersehen.
Nichts kann Seelen trennen, die durch Liebe verbunden
sind. (ALH I, 122)
Der Seelenarzt wird den Leidenden zu der
Erkenntnis führen: Du trauerst im Grunde gar nicht um den Verstorbenen, dem es
jetzt besser geht als zuvor. Du trauerst um Dich selbst, um den Verlust, den Du
erlitten hast. Du erfüllst Dich mit Selbstmitleid. Das ist eigentlich ein
egoistisches Gefühl.
2. Demütigungen
Tintoretto
„Kreuzigung“
Vielfältig sind die seelischen
Verletzungen, die wir aufgrund des Verhaltens anderer Menschen erleiden müssen:
Wir werden gequält, betrogen und enttäuscht, unser Vertrauen wird missbraucht,
wir werden wie Jesus falsch angeklagt, verspottet, gedemütigt, gefoltert und
gekreuzigt.
Der Seelenarzt sagt dazu: Denke nach!
Fühle nach! Kann Dein ewiges Wesen wirklich durch
derlei grobes Verhalten berührt werden?
*****
Menschen, die auf der Leiter der
Hierarchie höher stehen als Du, werden Dich niemals verletzen. Sie werden
allenfalls versuchen, Dich liebevoll auf Fehlverhalten hinzuweisen. Wenn Du das
als Herabwürdigung, als Demütigung Deines Stolzes empfindest, liegt der Irrtum
bei Dir!
*****
Menschen, die auf der hierarchischen
Leiter unter Dir stehen, können in der Tat grob mit Dir verfahren.
In
diesem Fall ist es aber gerade Deine Aufgabe, über derartigen Angriffen zu
stehen und – nach dem Beispiel von Jesus – Deine Größe und Deine Würde gerade
auch gegenüber den schrecklichsten Attacken zu behaupten.
Wenn Du Dich dennoch verletzt fühlst
(obwohl Dein höheres Selbst unverletzlich ist), zeigt das eine Schwäche Deiner
Ewigen Individualität an, die Du überwinden musst.
*****
Derjenige, der Dich verletzt hat ist
wahrscheinlich gar kein Seelenverwandter und steht Dir gar nicht nah. Einen
geistig Fremden, einen kleinen, niedrigen Unwissenden darfst Du aber gar nicht
so nahe an Dich herankommen lassen, dass er Dich verletzen kann
Du musst Dich von Menschen (und anderen
Wesen), die niedriger stehen, klar abgrenzen. Behandele sie wie kleine Kinder!
Führe sie mit Liebe und wenn nötig mit Strenge auf einen besseren Weg!
Diese Aufgabe kannst Du nicht erfüllen,
wenn Du selbst abstürzt: Du kannst andere nur emporführen, wenn Du oben stehst.
*****
Wenn Du es gar mit
Feinden zu tun hast, darfst Du erst recht nicht an Verletzung denken, sondern
musst den Kampf aufnehmen, um Dich zu verteidigen und das Böse zu besiegen.
Der
wütendste Angriff zerschellt am Felsen des unbesiegbaren Geistes. (AUM 6)
3. Die Verderbtheit der Welt
Picasso
„Guernica“
Manche von Euch leiden
geradezu am Zustand der Welt. Sie trauern über die Unwissenheit und
Grobheit, die überall herrscht, im öffentlichen wie im privaten Bereich, zu
einem Übermaß von Gewalt, Leid und Krieg und schließlich Zerstörung des
Planeten führt.
Der Seelenarzt rät:
Du
lebst unter Tigern, unter unwissenden Barbaren, in einer primitiven,
unzivilisierten Welt. Dieser Tatsache musst Du ins Gesicht sehen. (Briton Riviere „Daniel in der Löwengrube“)
Deine Aufgabe ist, die Verhältnisse zu
verbessern, Deine Umgebung zu erheben. Wenn Du Dich von den schrecklichen
Verhältnissen herunterziehen lässt, verfehlst Du Deine Mission.
4. Misserfolg
Viele schließlich quält Misserfolg.
Vorhaben, in die Du viel Kraft gesteckt hast, scheitern, Träume oder Wünsche
erfüllen sich nicht. Dann fühlst Du Dich schwach und unfähig.
Der Seelenarzt sagt dazu: Ändere Dein
Denken, dann überwindest Du das Leid! Hast Du wirklich alle
Deine Kräfte angespannt? Wenn Deine Fähigkeiten trotzdem nicht ausreichen,
suche Dir ein anderes Projekt, das besser zu Dir passt. Oder stärke Deine Kraft
und versuche es später noch einmal. Sollte dagegen die Zeit für die
Verwirklichung noch nicht reif sein, warte geduldig auf eine bessere
Gelegenheit.
Im Grunde beruht auch diese scheinbare
Verletzung auf einem selbstsüchtigen Gefühl: Du bist gekränkt, weil Deine
Erwartungen sich nicht erfüllen.
5. Verletzung – ein egoistisches Gefühl
Diese Beispiele mögen genügen. Sie zeigen
Dir den Weg, um auch alle anderen Verletzungen zu überwinden oder gar nicht
erst entstehen zu lassen: Du musst Deine Gedanken und Gefühle, Deine Haltung
gegenüber den Herausforderungen des Lebens ändern. Dann kannst Du unverletzlich
werden.
Am Ende der Sendung geben wir Dir einen
Merksatz zum Nachdenken mit auf den Weg:
Verletzung ist im Grunde ein egoistisches
Gefühl.
Es verschwindet, je mehr Dir bewusst wird: Angesichts der Mission Deiner Ewigen
Individualität ist das Wohlergehen Deiner vergänglichen Persönlichkeit
bedeutungslos.
6. Beherrschung der Gedanken und Gefühle
Wir stellen fest:
Letztlich geht es bei der Erlangung von
Unverletzlichkeit um die Beherrschung Deiner Gedanken und Gefühle.
Du bist unverletzlich, wenn Du das Gefühl,
verletzt zu sein, nicht aufkommen lässt oder sogleich wieder abstellst.
Dieses Thema werden wir in einer der
nächsten Sendungen aufgreifen und genauer betrachten.