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SENDEREIHE

 

„EINFÜHRUNG  IN  AGNI  YOGA“

 

 

 

SENDUNG  5

 

Die Hierarchie

 

 

Meine Damen und Herren,

 

willkommen zu Sendung 5 unserer Reihe „Einführung in Agni Yoga“! In Sendung 4 hatten wir über das Evolutionsgesetz gesprochen. Aus diesem Gesetz folgt das Prinzip der Hierarchie.

 

Ich möchte einleitend noch einmal daran erinnern, dass es nicht irgendwelches privates Wissen ist, das wir hier vorstellen. Vielmehr sind unsere Sendungen eine Zusammenfassung und äußerste Komprimierung der wichtigsten Themen der 15 Bücher des Agni Yoga.

 

 

1. Leben im gesamten Universum

 

Wir hatten in der letzten Sendung schon gesagt: Alles im Universum, vom winzigsten Atom bis zur gewaltigsten Sonne, lebt, ist beseelt und von einem mehr oder weniger hohen Bewusstsein erfüllt.

 

Das bedeutet: Überall im Universum, auch außerhalb der Erde, gibt es Leben, auf dem kleinsten Meteoriten ebenso wie auf den Myriaden von größeren Himmelskörpern.

 

Sie lächeln heute nachsichtig über den Glauben des Mittelalters, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums, um den sich alles andere dreht. Die Vorstellung, im unendlichen Weltall gebe es nur auf der Erde Leben, ist aber ebenso kindisch und egozentrisch.

 

Die Suche der Wissenschaftler nach außerirdischem Leben muss erheblich ausgeweitet werden. Man darf sie nicht auf Lebensformen nach Art der irdischen beschränken. Der Satz: „Auf diesem oder jenem Planeten könnte es früher Wasser und damit Leben gegeben haben“ zeigt die Unzulänglichkeit des heutigen Denkens: Es kann doch fremdartige (geistigere) Lebewesen geben, die gar kein Wasser benötigen!

 

2. Evolution im gesamten Universum

 

Evolution ist ein universelles Prinzip. Es ist nicht auf die Erde beschränkt.

 

Wenn es überall im Universum Leben gibt, heißt das: Im gesamten Universum, nicht nur auf der Erde, gibt es Evolution. Überall entwickeln sich niedrigere zu immer höheren Lebensformen.

 

 

3. Mensch nicht das höchste Wesen

 

Wenn es überall Evolution gibt, ist es erneut kindisch und egozentrisch, anzunehmen, ausgerechnet der Mensch sei das höchste Wesen, das der Kosmos auf all den Milliarden und Abermilliarden von Himmelskörpern hervorgebracht hat. Nichts als Selbstgefälligkeit berechtigt zu dieser Annahme.

 

Wenn Sie sich die Zustände auf unserem Planeten unvoreingenommen ansehen, all die Ungerechtigkeit, Gewalt und Selbstsucht, kommen Sie im Gegenteil unweigerlich zu einem anderen Schluss: Die Menschheit steht noch auf einer ziemlich niedrigen Entwicklungsstufe! Die technische Entwicklung ist weiter fortgeschritten als der Mensch selbst. Es stehen uns Möglichkeiten zur Verfügung, für deren Nutzung wir ethisch noch gar nicht reif sind. Es wäre schlimm um das Universum bestellt, wenn ausgerechnet die irdische Menschheit der Gipfelpunkt und das Vorbild für alle anderen Existenzen wäre.

 

Laut Agni Yoga bleibt die Menschheit sogar hinter der allgemeinen Entwicklung zurück. Sie hat die Stufe noch gar nicht erreicht, die in diesem Zeitalter eigentlich für die Erde vorgesehen ist.

 

Also müssen wir feststellen: Wie es niedrigere Lebewesen gibt als den Menschen (Pflanzen, Tiere), so gibt es auch höhere. Schon die Bibel spricht in der Schöpfungsgeschichte (1. Moses 6, 1-4) von Besuchen höherer Wesen auf der Erde.

 

4. Die höheren Stufen

 

Die Evolution entwickelt höhere Lebensformen natürlich und fließend aus den niedrigeren. So ist es auch beim Menschen. Es formt sich schon der Neue Mensch. Die ersten Wesen der nächsten Stufe leben bereits unter uns.

 

Wesen, die den göttlichen Geist in einem höheren Maße verkörpern als wir Durchschnittsmenschen, sind z.B.: „Gottessöhne“ wie Buddha, Jesus und Morya, die großen geistigen Führer und Weltlehrer wie Moses, Krischna, Zarathustra, Elias, Konfuzius, Lao-tse, Pythagoras, Platon, Apollonius von Tyana, Paulus, Seneca und Mohammed, die Heiligen, Märtyrer und Glaubenskämpfer aller Zeiten und Kulturen, wie z. B. Franz von Assisi, Benedikt, Dominikus, Katharina von Siena, Teresa von Avila, Hildegard von Bingen, Gerhard Tersteegen, Dietrich Bonhoeffer, Milarepa, Ramakrishna, Vivekananda, Sri Aurobindo, Tolstoi, Don Bosco, Mahatma Gandhi, Mutter Teresa und unzählige andere mehr.

 

Auf anderen Planeten gibt es noch weit höhere Lebewesen, so groß, dass wir uns noch nicht einmal eine Vorstellung von ihnen machen können: Herrscher von Planeten, Sonnensystemen, Galaxien und Universen. Es heißt ironisch, dass auf der Venus das Gras intelligenter ist als der Mensch.

 

Es ist unrealistisch, oberhalb des Menschen gar nichts, und naturwidrig, dort nur Gott anzusiedeln: Einen so großen Sprung macht die Entwicklung nicht. Es ist eine bessere Vorstellung, Zwischenstufen, Mittler zwischen Mensch und Gott anzuerkennen, wie es das Mittelalter mit seiner Hierarchie der Heiligen und Engel getan hat.

 

Die tatsächliche Existenz dieser höherstehenden Wesen ist die erste wissenschaftliche Grundlage jeder Religion.

 

 

5. Verbindung mit den höheren Stufen

 

Wenn es höhere Evolutionsstufen, weiterentwickelte Wesen gibt, sollten Sie nicht annehmen, dass die Menschheit abseits und getrennt von ihnen lebt. Die Natur macht keine Sprünge. Auf der Erde leben die verschiedenen Stufen, Minerale und Pflanzen, Tiere und Menschen, nebeneinander her und stehen in vielfältiger Verbindung miteinander.

 

Die niederen Stufen suchen die höheren, soweit sie es vermögen: so die Tiere ihren Herren, den Menschen. Nichts ist natürlicher, als dass auch der Mensch seinen Herren und Meister sucht. Diese Sehnsucht ist der Beweggrund für jede Religion.

 

Vertrauen Sie darauf: Die Evolution gibt jeder Gattung, den Menschen nicht anders als den Tieren und allen anderen, die Möglichkeit, ihren Herren zu finden und sich seiner Führung zu unterstellen. Für Ihren Hund, für Ihr Pferd sind Sie ein Gott! Diese Tiere bemühen sich, sich Ihnen anzunähern, und freuen sich, Ihnen dienstbar sein zu können. Es entspricht ganz der Ordnung der Natur, dass auch Sie Ihren Gott suchen und finden.

 

Es wäre widersinnig zu glauben, die Evolution habe ausgerechnet hinter dem Menschen eine unübersteigbare Barriere aufgerichtet, die jede Berührung mit den nächsthöheren Stufen ausschließt.

 

Die tatsächliche Verbindung jedenfalls der feinfühligeren Menschen mit den höheren Stufen ist die zweite wissenschaftliche Grundlage jeder Religion.

 

 

6. Leitung durch die höheren Stufen

 

Wir Menschen helfen den Wesen, die auf der evolutionären Leiter unter uns stehen, unseren jüngeren Brüdern, den Tieren, freundschaftlich und mitleidig voran - soweit sie uns nahestehen und sich leiten lassen. Wir bilden sie aus und nutzen sie für unsere höheren Zwecke als Mitarbeiter, z.B. als Last- und Reitpferde, als Spür-, Hirten- und Blindenhunde. Dadurch fördern wir ihre Entwicklung.

 

Nach dem uralten Prinzip „wie unten, so oben“ können Sie sicher sein: Unsere eigenen Älteren Brüder, die über uns auf der Evolutionsleiter stehen, handeln ebenso: Sie betrachten uns Menschen und unsere Anstrengungen teils mit lächelnden, teils mit weinenden Augen, aber immer wohlwollend. Sie greifen helfend ein und fördern die Entwicklung derjenigen, die guten Willens sind, sooft Sie können und das Gesetz es erlaubt.

 

Hohe Meister wie Jesus oder Buddha stehen der Menschheit auf ihrem Weg zu den Höhen bei wie Eltern ihren Kindern. Sie sind aber auch ständig auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern, die Sie für Ihre höheren Zwecke ebenso einsetzen können, wie wir die Tiere.

 

Was für eine wunderbare Gewissheit: Es gibt sie tatsächlich, die Tröster und Schutzengel, an die Sie sich vertrauensvoll wenden können und die Ihre Entwicklung überwachen. Sie müssen sich nur Ihrer Führung anvertrauen, dann gehen Sie den richtigen Weg.

 

 

7. Jakobsleiter: Geistige Hierarchie

 

Aus dem, was wir bisher gesehen haben, folgt: Die Evolution bringt eine geistige Hierarchie hervor, die nicht nur der Esoterik, sondern auch den orthodoxen Kirchen seit Jahrtausenden bekannt ist. Ihr biblisches Symbol ist die Jakobsleiter (1. Mos 28, 10 ff).

 

Diese Leiter besteht aus einer ununterbrochenen aufsteigenden Kette der Seelen: Sie beginnt ganz unten bei kleinen Seelen, die in Mineralien, Pflanzen und Tieren inkarnieren. Sie erreicht den Menschen und verläuft weiter über immer größere Seelen, die als Mahatmas, Engel und Erzengel, Lenker von Planeten, Sonnensystemen, Galaxien und Universen in Erscheinung treten. Sie reicht bis hin zu jenem höchsten Wesen, das Gott genannt wird - das aber so unendlich weit von uns entfernt ist, dass wir es noch nicht erkennen können und nicht versuchen sollten, uns ein Bild von Ihm zu machen.

 

Jeder von uns hat seinen Platz in dieser Ordnung. Jeder ist mit einem Kettenglied verbunden, das auf der Leiter über ihm steht. An jedem hängt ein Kettenglied, das unter ihm steht. Jeder ist auf der aufsteigenden Linie der Schüler eines Höheren und auf der absteigenden Linie der Lehrer eines Niedrigeren.

 

Wer in dieser Kette steht, nimmt den von ganz oben herunter vermittelten göttlichen Willen auf, gibt ihn nach unten weiter und stellt seine Verwirklichung sicher.

 

Wer sich außerhalb der Kette stellt, nicht mehr gehorcht, den höheren Willen nicht nach unten weitergibt, ihn auf seiner Stufe blockiert und statt dessen selbstsüchtige Ziele verfolgt, verliert den Anschluss an den Fortschritt der Evolution und schadet sich und denen, die an ihn angeschlossen sind.

 

Die Stufen dieser Leiter erklimmen wir Schritt für Schritt (wir hatten in der letzten Sendung schon gesagt: Der Mensch ist auf dem Weg zu Gott!) - oder wir fallen herab wie Luzifer, der schon bis zum Engelsfürsten aufgestiegen war, um auf dieser Höhe erneut dem Irdischen, Materiellen zu erliegen (vgl. Mt 25, 41; 2. Petr 2, 4; Jud 6; Offb 12, 5).

 

Hierarchie ist ein grundlegendes Prinzip, das im ganzen Universum gilt. Überall führt oben und folgt unten nach, sonst herrscht das Chaos. Hierarchie und Unbegrenztheit sind die beiden Grundpfeiler, auf denen die Neue Welt ruht. Lehrer, Schüler und Nachfolge sind zentrale Institutionen nicht nur des Agni Yoga, sondern aller Religionen.

 

 

8. Wissenschaftlicher Gottesbegriff

 

Wir hatten schon gesagt: Agni Yoga ist eine Synthese von Wissenschaft und Religion. Auf der Grundlage des Prinzips der Hierarchie können wir uns eine Vorstellung von Gott machen, die sowohl den Wissenschaftler als auch den Mystiker zufrieden stellt:

 

Alles Große ist einfach zu verstehen. Das gilt auch für Gott:

 

Er ist nichts anderes als das Ende der Leiter, die Spitze der Hierarchie. Er ist der Gipfelpunkt, in dem in der Unbegrenztheit alle Linien zusammenlaufen, zu dem alles hinstrebt und von dem alles ausgeht: die Spitze der Pyramide der Evolution. Bei Gott ist alles eins, in Ihm sind alle Gegensätze aufgehoben.

 

Wenden Sie keine irdischen Maßstäbe an. Machen Sie sich kein menschenähnliches Bild von Ihm. Seien Sie keine Ochsen, die sich ihren Gott als einen besonders großen Ochsen vorstellen. Je mehr Sie sich Ihm auf der Leiter der Hierarchie annähern, desto mehr werden Sie Ihn erkennen können.

 

 

9. Nachfolge

 

Bleiben wir niemals abstrakt. Hierarchie wird praktisch und zu dem bestimmenden Begriff Ihres alltäglichen Lebens durch die Nachfolge. Das bedeutet: Wenn Sie aufsteigen wollen, müssen Sie Ihren Lehrer – das nächsthöhere Kettenglied – finden und ihm auf dem Weg nachfolgen, den er Ihnen voranschreitet. Wer vorankommen will, richtet sich zweckmäßigerweise nach denen, die bereits auf einer höheren Stufe stehen.

 

Es ist ein natürliches Bestreben jeder Kreatur, einen Größeren nachzuahmen. Das gilt nicht nur für uns Menschen, sondern z.B. auch für die Graugänse, die hinter Konrad Lorenz herwatscheln. Jedes Kind hat seinen Helden. Das sind heute leider Fußballspieler oder Popstars. Sorgen wir dafür, dass in Zukunft wieder Heilige (wie z.B. Mahatma Gandhi) diesen Platz einnehmen.

 

Es ist ein natürlicher Weg, durch Annäherung an einen Größeren zu wachsen: Tennisspieler lernen von Boris Becker, Klavierspieler von Arthur Rubinstein, usw.

 

Es ist auch am leichtesten und erfolgversprechendsten, wenn Sie nicht auf eigene Faust losziehen, sondern den erprobten Weg gehen, auf dem ein anderer die nächsthöhere Stufe bereits erreicht hat.

 

 

10. Den Meistern folgen

 

Die Religionen haben Jesus, Buddha und Mohammed derart vergöttert, dass der normale Mensch keine Verbindung mehr zu Ihnen findet. Dabei wird übersehen, dass diese Meister einen Weg gewiesen haben. Der Erfolg Ihrer Mission hängt davon ab, dass Sie Jünger finden, die sich Ihnen anschließen. Wenn das nicht geschieht, waren alle Ihre Leiden und Opfer umsonst!

 

Die Großen Meister wollen nicht verehrt werden. Sie wollen, dass man Ihnen nachfolgt! Jesus sprach: „Willst du vollkommen sein, so komm und folge mir nach!“

 

Wenn Sie ein „Christ“ sein wollen, heißt das: Sie müssen „wie Christus“ sein - also Ihn nachahmen und Ihm dadurch mehr und mehr gleich werden – wie dies z.B. Franz von Assisi vorgelebt hat.

 

Die Misere der Kirchen und auch der Esoterik liegt in zweierlei: Einerseits gibt es keine wirklichen Lebenslehrer mehr, denen man sich anvertrauen und nachfolgen kann, sondern nur noch intellektuelle Theoretiker, die bloß viele Worte machen. Andererseits wollen die Anhänger lieber den bequemen Weg abstrakter Verehrung als den schweren, aber lebendigen der Nachfolge gehen: Welcher Erwachsene will heute schon ein Schüler sein?

 

 

11. Nachahmung

 

Man kann den Begriff „Nachfolge“ nicht konkret genug ausfüllen: Er bezieht sich auf alle großen und kleinen Dinge des ganz alltäglichen Lebens:

 

Wenn Ihr Lehrer früh morgens aufsteht, um sein Gebet zu verrichten und zu meditieren, sollten Sie sich dieser Praxis anschließen. Wenn er nur wenig und einfach isst, sollten Sie Ihn nachahmen. Wenn er kleineren Seelen stets geduldig und liebevoll, wenn nötig aber auch mit Strenge begegnet, ist es zu Ihrem eigenen Nutzen, wenn Sie sich ebenfalls darin üben.

 

Wir sprechen in späteren Sendungen noch über die Einzelheiten. An dieser Stelle ist zunächst nur wichtig, zu erkennen: Der Geistige Pfad, der Aufstieg auf der Leiter der Hierarchie auf immer höhere Stufen, ist eigentlich ganz einfach; er erfordert vor allem wenig Wissen und theoretische Belehrungen: Sie müssen nur einen Lehrer suchen und nachahmen, was er Ihnen vorlebt.

 

 

12. Lehrer

 

Kommen wir zum Schluss zu dem Punkt, der beim Thema „Hierarchie“ aus praktischer Sicht der entscheidende ist:

 

Der Westen muss das östliche Konzept von Lehrer und Schüler, Guru und Chela, übernehmen. Sie müssen Ihren Lehrer finden und sein Schüler werden. Anders gibt es keinen Fortschritt auf Ihrem geistigen Weg.

 

Jede Kunst, jede Fertigkeit beruht auf einem Lehrer-/Schülerverhältnis: Niemand kommt ernsthaft auf die Idee, ohne Lehrer zu einem guten Klavier- oder Tennisspieler zu werden. Wenn ein jeder nur durch seine eigene persönliche Erfahrung lernen würde, wären wir heute noch auf dem Niveau der Steinzeit.

 

Alles esoterische Wissen bleibt abstrakt und fruchtlos, wenn Sie sich nicht in die Kette der Hierarchie einreihen und im täglichen Leben einem Lehrer nachfolgen.

 

Der Lehrer ist Ihr persönlicher Anschluss an die Hierarchie. Er ist Ihr wahrer, geistiger Vater, das Oberhaupt der geistigen Familie, zu der Sie gehören. Ihr Dasein bleibt unvollständig, wenn Sie Ihren Vater nicht kennen!

 

 

13. Lehrer finden

 

Jetzt fragen Sie: „Wie finde ich meinen Lehrer?“

 

Damit kommen wir zu einer ersten, großen Hürde auf dem Geistigen Pfad, an der viele bereits scheitern: Den Lehrer finden ist keine Kleinigkeit. Es ist dies auch ein so intimer Vorgang, dass man darüber öffentlich nur eingeschränkt sprechen kann. Folgendes kann man immerhin sagen:

 

Das geistige Gesetz lautet: „Ist der Schüler bereit, erscheint der Lehrer.“ Der Schüler muss also auf dem Weg zu dem großen Ideal, das der Lehrer verkörpert und vorlebt, hohes und starkes Streben entfaltet haben und ein gutes Stück vorangekommen sein.

 

Das bedeutet: Wenn Sie ein Christ sind, befolgen Sie die Gebote und gehen Sie den Weg, den der höchste christliche Lehrer – Jesus – in der Bibel niederlegt hat. Entsprechend finden Hindus oder Mohammedaner die nötigen Weisungen in der Bhagavad Gita oder im Koran. Wer ein Agni Yogi werden will, muss zunächst die Schriften des Agni Yoga studieren und im Leben anwenden.

 

Vertrauen Sie darauf, dass Sie unter Höherer Beobachtung stehen, sobald Sie sich auf den Weg machen. Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Lehrer Ihnen in demselben Maß entgegenkommt, wie Sie sich auf ihn zu bewegen. Vertrauen Sie darauf, dass er nicht zögern wird, sich Ihnen zu erkennen zu geben, sobald Sie und die Zeit dafür reif sind.

 

Entwickeln Sie Ihre Intuition. Lesen Sie die Lebensbeschreibungen der Helden und Heiligen aller Völker und aller Zeiten: Mit wem von ihnen fühlen Sie sich geistig verwandt? Mit wem könnten Sie früher einmal zusammengelebt haben? Wer spricht zu Ihnen wie ein Vater zu seinem Sohn?

 

 

14. Geistiger Lehrer

 

Ihre Suche muss sich nicht auf einen heute lebenden Lehrer richten. Sie können sich auch durch einen Franz von Assisi oder Mahatma Gandhi, eine Teresa von Avila oder Katharina von Siena führen lassen, die nicht mehr physisch auf der Erde weilen: Der Geist, dem sie selbst gefolgt sind, spricht aus ihrem Leben, ihren Worten, Taten und Schriften in einer so deutlichen Sprache, dass auch Sie ihm folgen können.

 

Die Verbindung zum Lehrer ist eine überzeitliche und geistige und damit nicht an die Grenzen von Materie, Raum und Zeit gebunden. Wenn Sie Ihr Herz öffnen, ist der Lehrer immer bei Ihnen, selbst wenn sein Körper den physischen Plan schon vor Jahrhunderten verlassen hat. Das Leben vieler Heiliger, z.B. Katharina von Siena, Johanna von Orléans oder Margareta Maria Alacoque beweist, dass geistige Führung aus dem Jenseits möglich ist.

 

Agni Yoga sagt: Um für die Neue Zeit gerüstet zu sein, müssen wir die Fähigkeit erwerben, die Stimme des unsichtbaren Lehrers zu vernehmen!

 

In der heutigen Zeit hat uns dies Helena Roerich vorgemacht: Sie hat die Schriften des Agni Yoga auf rein geistigem Weg, durch Übermittlung der Gedanken ihres Lehrers empfangen. Ihre Tagebücher zeugen davon, dass sie nahezu täglich ein wirkliches, geistiges Gespräch mit ihrem entfernten, nicht inkarnierten Meister geführt hat.

 

 

15. Nicht zu hoch greifen

 

Greifen Sie nicht zu hoch: Sie müssen des erwählten Lehrers würdig sein. Streben Sie also keinem unerreichbaren Ideal nach, sondern halten Sie sich an die nächsthöhere Stufe.

 

Deshalb ist die Heiligenverehrung viel angemessener als der Glaube, jeder einzelne könne sich ohne weiteres direkt an Gott wenden. Wie unten, so oben: Kein Anfänger auf dem Klavier oder als Tennisspieler würde es wagen, seine Bitte um Annahme als Schüler sogleich an höchste Meister wie Arthur Rubinstein oder Steffi Graf zu richten. Er muss sich vielmehr über viele Zwischenstufen, über Vermittler der hohen Kunst, über den Schüler eines Schülers eines Schülers des großen Meisters, langsam und mühsam hochdienen, bis er der höchsten Weihen - das heißt, der persönlichen Führung durch einen Mahatma - würdig geworden ist.

 

Für den Lehrer ist der Schüler eine Bürde und eine große Verantwortung. Die hohen Meister müssen daher eine strenge Auswahl treffen und haben immer nur sehr wenige Schüler, meist nur eine Handvoll. Bewerben Sie sich also nicht so hoch oben, dass Sie keine Chance auf Annahme haben.

 

Machen Sie sich auch keine unerfüllbaren Vorstellungen vom Lehrer: Er ist kein Erlöser, der Ihnen alle Mühen und Sorgen abnimmt. Ein Lehrer ist jemand, der Ihnen ein Beispiel und den besten Rat gibt; jemand, der den kürzesten und besten Pfad aufzeigt.

 

 

16. Wahre Lehrer von falschen unterscheiden

 

Eine Unzahl selbsternannter „spiritueller Lehrer“ bevölkert heute die Esoterikszene. Viele Hirten suchen eine Herde – dabei sollte es eigentlich umgekehrt sein.

 

Sie müssen daher lernen, wahre von falschen Lehrern zu unterscheiden. Wenn Sie einem falschen Führer folgen, geraten Sie in die Irre. Alle Ihre Mühe wird vergeblich, ja sogar schädlich sein.

 

Die entscheidende Frage ist: Weist er einen Weg? Ist es ein hoher Weg, oder spricht er das niedere Selbst an? Geht er selbst den Weg, den er weist?

 

Ein Vorbild kann nur sein, wer nicht nur abstrakte Grundsätze, sondern vor allem ihre Anwendung im Leben lehrt und vorlebt.

 

Wer den freien Willen der Schüler nicht respektiert oder versucht, mit seiner Lehre Geld zu verdienen, wird kein echter Meister sein.

 

 

Damit sind wir am Ende der heutigen Sendung. Alles weitere zu der Frage, wie man seinen Lehrer findet, muss dem persönlichen Gespräch vorbehalten bleiben.

 

 

 

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