Briefe
von Helena Roerich

1929 - 1939

Band II

1935

       16. Juli 1935

       Mit tiefer Ergriffenheit lese ich Ihren Brief mit dem Bericht über die feierliche Gründung der Gesellschaft. Damit ist eine weitere schöne Bewegung als Bollwerk gegen die Finsternis errichtet worden. Ich weiß, wieviel Bestrebung Ihres Herzens und selbstaufopfernde Arbeit Sie für die Gründung dieses reinen Lichtkerns im Namen siegreicher Kultur aufbringen mußten. Allen voran gelten daher Ihnen meine innigen Grüße und die Freude meines Herzens zu diesem Festtag Ihrer Errungenschaft. Übermitteln Sie bitte auch dem Vorstand und allen Mitbegründern der Gesellschaft, die sich diesem wohltätigen Ziele widmen, meine herzlichen Grüße und die besten Wünsche. ”Möge dieses Bollwerk sich festigen und mutig, leuchtend und freudvoll seine Kräfte für den Pfad des Dienstes am Allgemeinwohl aufwenden.”

       Auch über das Echo auf die erhabene Idee des Friedensbanners war ich freudvoll gerührt. Deshalb möchte ich Sie fragen, ob es Ihnen möglich wäre, in Ihrer Gesellschaft ein ständiges Komitee zur Förderung des Paktes und Banners des Friedens einzurichten? Es müßte sich den bereits bestehenden Gruppen anschließen, um so Solidarität und Eintracht im Wirken zu erlangen. Denken Sie bitte darüber nach.

       Ihre Schutzvorkehrungen für die Gesellschaft gegen das Eindringen unerwünschter Mitglieder sind von äußerstem Nutzen. Es ist in der Tat wichtig, sich von Anfang an gegen die schädlichen Elemente abzuschirmen. Versuchen Sie nicht, Ihre Tätigkeit zu sehr auszuweiten. Vorerst muß der Kern der Gesellschaft gebildet und Harmonie erlangt werden. Eine große Anzahl wäre keine Gewähr für Erfolg.

       Ich habe für Ihre Freude, sich mit flammenden Herzen zu vereinen, volles Verständnis. Ich kannte diese erhabene Freude und kenne sie auch heute noch. Doch Jahre der Erfahrung haben mich Zurückhaltung gelehrt, vor allem denen gegenüber, die der Lehre gerade erst nähertreten. Zu Beginn marschieren wir alle wie brennende Fackeln, aber später beginnt sich durch Einwirkung der unfehlbaren okkulten Gesetze unser wahres Wesen immer mehr zu offenbaren, und bestimmte Wesenszüge, die wir gar nicht zu haben glauben, kommen zum Vorschein - Eigenschaften, die andernfalls vielleicht bis zur nächsten Inkarnation verborgen geblieben wären. Der große LEHRER sagt in den ”Briefen der Mahatmas“: ”Wie das Wasser die Hitze des ätzenden Kalkes entwickelt, so versetzt die Lehre jede in ihm (dem Aspiranten) schlummernde ungeahnte Möglichkeit in heftige Tätigkeit.”

       Und nun zu Ihren Fragen:

       Man muß bedenken, daß die Großen Lehrer, die Mahatmas oder die Weißen Brüder, in der ganzen Zeitspanne Ihrer Leben Bodhisattvas waren. Mahâ-Chohan oder der Große Herrscher ist der Titel des Herrschers der Schambhala. Die mit dieser Ernennung verbundenen Pflichten werden abwechselnd von den Weißen Brüdern übernommen, je nach ihren individuellen Aufgaben. Die Sieben Chohane entsprechen den Sieben Kumaras der ”Geheimlehre“, aber esoterisch gesehen, gibt es ihrer acht. Alle diese Sieben Kumaras waren die Herrscher des Feuers, die die Menschheit mit Vernunft begabten.

       Nun zu den Brüdern der Finsternis. Diesen begegnet man in der Menschheit selbst. Sie sind sehr zahlreich, und das ist nicht verwunderlich, denn ihr Weg ist der Weg der Befriedigung der niederen Leidenschaften. Der Prozentsatz wahrer Schaffender des Lichts ist sehr gering; gleichfalls ist der Prozentsatz der ”Leuchtkäfer“ nicht groß, von denen die meisten in ihrer Unwissenheit und Lauheit oder durch Nichtwidersetzung gegen das Böse zum Nutzen der Brüder der Finsternis arbeiten. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie geschickt diese Geister hohen Grades unter den Brüdern der Finsternis sind und bewußt Zwiespalt schaffen. Es heißt, daß sie sich gerne an jene heranmachen, die sich der Lehre des Lichts nähern und dem Allgemeinwohl dienenden Gesellschaften anschließen, aber in der Hingabe und Überzeugung noch nicht gefestigt sind. Sie spielen auf ihren Wogen, flüstern ihnen Zweifel ein und stiften so Verwirrung und Verderb. Das ist der Grund, warum geraten wird gegenüber den neuen, unerfahrenen Seelen, die an die Lehre herantreten, Vorsicht walten zu lassen. Die Brüder der Finsternis erfreuen sich auf Kosten des Herzens eines ausgezeichnet entwickelten Intellekts, durch den sie sehr fein wirken. Wahrhaftig, nur die gröbsten Geister stürzten sich auf die niederen Bewußtseine.

       ”Werden die Menschen hier von Teufeln bedroht, so wird der ERZENGEL vom Satan selbst angesprochen! Belästigen Teufel kleine Brüder, so bedrängt Satan selbst Einsiedler.” (Feurige Welt II, § 30)

       Und im I. Band der ”Blätter des Gartens MORYA“ § 316 lesen wir: ”Ich kenne dich, der du an Meiner Türe kratzest. Auf den Schultern eines Gastes hoffst zu einzudringen in Mein Haus. Ich kenne dich! Du wurdest raffiniert und findig, sogar findiger als viele von den Meinen. Du hast die Ordensspangen angelegt, die Kleidung dir zurecht gerichtet. Du hast dir alle Meine Worte angeeignet. Ich höre, du sprichst sogar schon über FREUDE. Doch hier will Ich dir Halt gebieten. Erdreiste dich nur nicht, Freude der Liebe auszusprechen! Denn deine Freude liegt im Haß. Doch hinter dem Haß lauert des Zweifels widerlicher Schatten. Und Zweifel eignet für den Schild sich nicht. Ich werde alle deine Pfeile mit Meinem Schild auffangen. Doch solltest du dich widerspenstig zeigen, will Ich dir einen einz’gen Pfeil mit einem Lächeln senden.”

       Bewahren wir uns daher vor allen Schwankenden.

* * *

       Sie fragen, wann die Brüder der Finsternis in Erscheinung traten. Genaugenommen erschienen sie gleichzeitig mit den Brüdern des Lichts, als sich ein Funke des Intellekts sowie des bewußten, d. h. des freien Willens im Menschen regte. Mit dem ersten Schimmer der Unterscheidung kommt auch die erste Vorstellung von Gut und Böse, und bereits diese wird den Menschen bewußt lenken. Aber ein völlig organisiertes Lager der Brüder der Finsternis wurde in Atlantis wirksam, in der vierten Rasse. Ihre große Schlacht gegen die Söhne des Lichts endete mit dem Sieg der letzteren und dem Untergang von Atlantis.

       Den Söhnen des Lichts steht der ERZENGEL MICHAEL vor. Sein Widersacher aus dem Lager der Finsternis ist Satan (der zwar noch den Namen Luzifer trägt, aber das Recht darauf vorher verwirkte). Er gehörte einst zu den großen Kumaras, ausgestattet mit dem Licht der Vernunft, die den Erdbewohnern ermangelte. Lesen sie bitte in diesem Zusammenhang die ”Legende vom Luzifer“ in dem Büchlein ”Auf östlichen Kreuzwegen“ von Josephine Saint-Hilaire (Legenden und Prophezeiungen Asiens, New York, Frederik S. Stokes Company, 1930). Diese Legende beruht auf einer großen Wahrheit. Somit kämpft der Fürst der Welt um seine nackte Existenz. Das vorausgesagte große Harmagedon unserer Rasse ist in vollem Gang. Und wieder kämpft ERZENGEL MICHAEL mit seiner strahlenden Heerschar gegen Luzifer. Gewiß, der Sieg ist immer mit den Kräften des Lichts, aber schreckliche Kataklysmen sind unvermeidlich. Aus diesem Grunde sind die Bollwerke des Lichts so überaus wichtig - sie können in der sich nahenden bedrohlichen Zeit allen Schaffenden Schutz gewähren. Obwohl der entscheidende Moment nahe ist, so werden dennoch viele Kinder bis dahin noch alt werden. So liegt das Schicksal der Welt in den Händen der Menschheit. Der Planet kann nur gerettet werden, wenn es eine Auferstehung des Geistes gibt - nur wenn das Bewußtsein von den Trugbildern der Vergangenheit befreit und auf den Aufbau der Neuen Welt gerichtet wird, auf Grund neuen Verstehens der Zusammenarbeit und des Wissens. Da ich dieses Thema bereits behandelte, will ich einen meiner Briefe zitieren, der Ihnen von Nutzen sein könnte: - Jeder große LEHRER, der vom Ende der Welt sprach, konnte damit nicht die Vollendung der Evolution unseres Planeten gemeint haben. Würde diese nämlich den natürlichen Entwicklungslauf nehmen, dann müßte der Planet seine siebente und letzte Runde beginnen, und seine Menschheit würde mit allen ihren Subrassen in die siebente Rasse aufsteigen, so daß es bei der Krönung solch einer Evolution kein Jüngstes Gericht geben könnte. Denn nach dieser Zeit hätten die Menschheit und der Planet den Zustand der höheren Welten erreicht, wo es weder Unvollkommenheit noch bewußten Widerstand gegen das Gute von seiten des Bösen gibt.

       Gewiß, die Großen Lehrer wußten vom schweren Karma der Menschheit und des Planeten. Sie wußten von der drohenden Gefahr und meinten daher das nahende Scheiden der Rasse, das immer von fürchterlichen kosmischen Kataklysmen begleitet wird und durch die strenge Auslese der guten Saatkörner das Endgericht erkennen läßt. Da die großen Lehrer Eingeweihte waren, wußten Sie, daß diese Katastrophe das Jüngste Gericht werden könnte, infolge des schrecklichen geistigen Verfalls der menschlichen Rasse. Es ist durchaus möglich, laß es nicht genügend Gegenkräfte oder, besser gesagt, freiwerdende Energien geben könnte, um den Planeten vor der endgültigen Explosion zu retten. Für diese Explosion bietet der Fürst der Welt alle seine Anstrengungen auf, da er weiß, daß für ihn eine gereinigte, mit neuen feurigen Strahlen oder Energien durchdrungene Atmosphäre der Erde unerträglich wäre und seine weitere Anwesenheit hier unmöglich machte. Daher ist er bemüht, den Planeten zu sprengen, um ”auf dem Wrack davonzusegeln”.

       Denken Sie daran, daß in der Lehre genau gesagt ist, daß der Geist des Menschen zum Sprenger des Planeten werden kann! Es wird auch erwähnt, daß die Zahl der Entlader der Energien sehr klein ist und daß auf Ihnen die ganze Last zur Erhaltung des Gleichgewichts des Planeten ruht. Ein starker Geist kann ein ganzes Gebiet vor Erdbeben bewahren. So entsandten in früheren Zeiten die Großen Lehrer ihre fortgeschrittenen Schüler an Stellen, die durch Erdbeben bedroht waren.

       Viele naive Menschen glauben, daß die Finsteren nur durch Böses wirken, sei es durch Korruption oder durch Verbrechen gleich welcher Art. Wie unrecht haben sie! Nur die groben und relativ unbedeutenden finsteren Kräfte wirken auf diese Weise. Weit gefährlicher sind jene, die sich in die Maske der Lehre des Lichts kleiden.

       Unwissenheit und Mangel an Gefühlswissen treiben viele in die Arme der Finsteren und berauben sie für lange Zeit, wenn nicht für immer, der heilsamen Einwirkung und Anziehung des Strahles des großen Bollwerks des Lichts. Harmagedon ist schrecklich - die finsteren Kräfte ringen um ihre nackte Existenz. Verzweiflung vereint sie, und macht sie im Bemühen, ihr Ziel zu erreichen, so beharrlich. Der Fürst der Welt hat viele begabte Mitarbeiter - bewußte und unbewußte -, und es ist töricht zu glauben, daß sie nicht schlau und sehr spitzfindig wären. Sie sind sogar äußerst listig und erfinderisch, und ihr Wirken paßt sich ganz dem Niveau ihrer Opfer an. Aber sie alle üben keine Toleranz und sind ohne Herzenswärme. So verwoben mit Licht ist die Finsternis auf unserer Erde.

       Die Fangstricke der Finsternis werden von geschickten Händen gesponnen.

       Viel Schreckliches wird in der Welt verübt; viele abscheuliche Zaubereien breiten sich über die ganze Welt aus. Die dichten Bevölkerungszentren werden von den finsteren Kräften für sich als Zentren gewählt. Und ihre beste Waffe ist die unwissende Masse. Darum ist die Einigkeit der Weißen und der ihnen nahestehenden Kräfte so wichtig! Aber letztere werden so leicht gräulich und füllen die Reihen jener, von denen in der Apokalypse gesagt ist: ”Weil du lau bist und weder kalt noch heiß, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.” Nur die Macht der Hingabe und das Bestreben, der Großen Hierarchie des Lichtes zu dienen, kann vor den ausgelegten Netzen des Fürsten der Welt schützen.

       Ja, die Welle des Bösen überschwemmt die Erde, und die ganze Anstrengung der selbstlosen Arbeiter des Lichts ist nötig, um das sinkende Schiff der Menschheit zu retten! Daher ist es so äußerst wichtig, Funken des Lichts auszusenden, aber gleichzeitig darauf zu achten, daß diese nicht von jenen aufgefangen werden, die ihrer nicht wert sind, denn das setzt den ganzen Bau in Brand. Die menschliche Seele ist grundlos! Und die schrecklichste Geißel der Seele ist falscher Ehrgeiz; wahrlich, es gibt weder einen ärgeren noch gemeineren Feind. Wird dieser Viper nicht sogleich Einhalt geboten, kann sie zur Riesenschlange werden. Ehrgeiz ist eine brennende Geisel für die stärksten Herzen und eine schreckliche Marter, die sich der Mensch selbst zufügt.

       Daher heiße ich Sie mit Ihrem schönen Werk nochmals willkommen. Bewahren Sie trotz Schwierigkeiten die höhere Freude der Errungenschaft. Diese Freude der Errungenschaft muß in sich selbst und in anderen gepflegt werden. Das ist das Wichtigste, denn sie allein birgt das Pfand der Rettung der Menschheit, das Pfand für das Nahen der Neuen Welt! Große geistig Schaffende und Helden werden gebraucht! Schaffen Sie somit Helden! Dies war das Gebot des Abschieds eines der Höchsten Geister beim Verlassen unseres Planeten. Laßt uns Heldinnen und geistig Schaffende werden, womit wir den kürzesten Pfad bis zum freudvollen Treffen wählen.

       Die Freude der Zukunft ist geboten, aber in der Tat, die Zeit des Ausharrens an der Schwelle ist immer mühsam.

       22. Juli 1935

       Die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK ist auf keinen Fall für die Kleinmütigen, und daher sollten nur gut erprobte Seelen in dieser Gruppe aufgenommen werden - es ist die Qualität und nicht die Quantität, die zählt. Wenn es hier einen Mangel an gestählten Herzen gibt, so ist es besser, nicht zu beginnen. Man sollte die LEHRE DES LICHTS nicht profanieren, und außerdem sind wir keine Missionare. In der LEHRE heißt es, daß jeder, der gewaltsam angelockt wird, zu einem ”Mühlstein um den Hals” wird. Wir suchen freie Seelen, frei von jeder Furcht. ”Die Lehre ist kein Honiglecken und kein silberner Tand. Die Lehre ist eine reiche Silbermine”. Die Bücher der Lehre werden sich verbreiten, und was noch wichtiger ist, sie werden in die rechten Hände gelangen. So viele Seelen suchen das LICHT und die neuen Werte inmitten des Chaos der verschmähten und entwürdigten erhabenen Begriffe. Aus allen Teilen der Welt kommen Anfragen und Bitten nach mehr Kenntnis darüber, wie sie sich dem Heer des LICHTS anschließen könnten. Aus diesem Grunde tragen wir so freudvoll unsere Lampe.

       Sie schreiben über Vorsicht, doch wer kennt ihre Notwendigkeit besser als ich? Ich kenne jedoch auch den Mut, die schöpferische Kühnheit und vor allem die große Ausgeglichenheit. Daher sollte sich Vorsicht weder in Furcht kehren, die der Verfolgung entstammt, noch sollte Kühnheit in sinnlose Prahlerei ausarten. Infolge meiner eigentlichen Natur ziehe ich Kühnheit vor; denn ich glaube an das weise Sprichwort: ”Gott ist mit den Tapferen” - und auch an ein anderes, mehr prosaisches: ”Wer die Wölfe fürchtet, sollte nicht in den Wald gehen, um Pilze aufzulesen”. So wollen wir sagen, daß Vorsicht mit Kühnheit verbunden und in weiser Entsprechung mit den Umständen und Bedingungen angewendet werden muß. Aber die Funken des LICHTS, die das neue Bewußtsein entflammen, sollten in den Raum gesendet werden, denn wo bliebe andererseits das führende Prinzip? Ohne Funken des Lichts wird alles in Finsternis und Verderb versinken.

       Ich weiß, daß Auszüge aus meinem Brief alle Arten von Kommentaren auslösen, doch was tut es? Das von bestimmten Typen ausgehende Lob kann nur in Erniedrigung und Beschmutzung enden; ich würde es daher vorziehen, von ihnen angegriffen zu werden. Eine alte Weisheit besagt: ”Nenne mir deine Feinde, und ich sage dir, wer du bist”. Und in der LEHRE heißt es: ”Ohne Verleumdung hätte die ”dankbare“ Menschheit die lebendigsten Erscheinungen begraben”. Wir sollten hier die Weisheit Christi hinzufügen: ”Kein Prophet ist angesehen in seiner Vaterstadt, bei seiner Verwandtschaft und in seinem Hause” (Mark. 6, 4). Diese Wahrheit ist zu allen Zeiten und bei allen Völkern von allen verfolgten Wohltätern der Menschheit ausgesprochen worden, und sie wird leider genauso hart bleiben, solange die Menschheit die Feuertaufe des Geistes durchmacht. So fürchte ich Verfluchung nicht und kaum jemand, der sich der LEHRE und der Evolution des Geistes wirklich hingibt, fürchtet sie. Daher werde ich meiner Überzeugung nie entsagen: Ich glaube an das Unerschütterliche Göttliche Prinzip, das in jedem menschlichen Wesen wohnt, und ich glaube an die Geburt Christi in der menschlichen Seele auf ihrem Weg zur Vervollkommnung. Darüber hinaus kennt jeder gebildete Mensch die Bedeutung des Ausdrucks Krestos oder Kristos (Christus) und weiß, daß er dem heidnischen Vokabular entliehen ist. Ich schrieb kürzlich einem meiner Mitarbeiter über die Bedeutung dieses Ausdrucks und möchte es für Sie wiederholen. Krestos war die einem Neophyten gegebene Bezeichnung, der sich als Kandidat für den Grad eines Hierophanten der Prüfung unterzog. Nachdem ein Jünger alle Leiden durchgemacht und alle Prüfungen bestanden hatte, wurde er im letzten Einweihungsritual nach der Mysteriensprache zu einem Christus, ”einem Geläuterten“, gesalbt. Seine vergängliche Persönlichkeit verschmolz mit seiner unvergänglichen Individualität, und er wurde zu einem unsterblichen Ego. Für die ersten Christen war das Wort Christos oder Christus gleichbedeutend mit unserem höheren Ich. Daß Christus der Erlöser der Sünden ist, sollte in diesem Sinn verstanden werden. So vollzieht sich die Erlösung von persönlichen Sünden durch die Seele, den ewigen Begleiter und Boten ”Christus“, in der langen Kette irdischer Leben unseres individuellen Egos. ”Der gekreuzigte Christus“ ist in jedem menschlichen Wesen gegenwärtig, das nach Erlangung eines bestimmten Entwicklungsgrades hinabsteigen muß in die Hölle, gefallen durch die gesetzwidrigen Taten des niederen Ego, und dann in den höheren oder normalen Zustand der Seele zurückkehren muß. Mit anderen Worten, die Göttliche Liebe muß das Herz des Menschen erreichen, ihn besiegen und erneuern, bevor er fähig wird, die Ungeheuerlichkeit seiner Übertretung des Göttlichen Gesetzes zu erkennen und die Sünden gegen sich selbst zu vergeben. Diese Vergebung kann nur durch eine völlige Verschmelzung und Vereinigung mit dem höheren Ego oder dem Göttlichen Gesetz der Liebe erreicht werden.

       Im Christentum bekenne ich mich zum Glauben der ersten Kirchenväter und verehre besonders den großen Origenes und den Heiligen Antonius. Ich träume von einem neuen ökumenischen Konzil, das zurückkehren könnte zu den reinen Grundlagen des ersten Jahrhunderts des Christentums. In dem wundervollen Buch ”Dobrotolubye“ (Die Liebe zum Guten) kann man herrliche Gedanken finden. Man stößt darin auf ein Lob den Feinden! Denn niemand als sie kann so gut unsere verborgenen Fähigkeiten und Eigenschaften erwecken; und so wurden sie die ”Ätzer Christi“ genannt, weil in alten Zeiten viele Krankheiten durch Ätzen weggebrannt wurden.

       Es ist ausgezeichnet, daß Sie vorhaben, die LEHRE im Leben anzuwenden. Wahrlich, ebenso wie der Glaube ohne Werke tot ist, so ist die LEHRE ohne Anwendung im Leben nutzlos.

       Ich verstehe, was Sie in Ihrem Brief meinen und was Sie gerne erfahren möchten. Doch ich muß Sie warnen, da ich jeder Art von Sentimentalität abhold bin sowie den rosigen Versprechungen über die leichten Errungenschaften, die in späteren okkulten Schriften so reichlich zu finden sind. Gerade sie rufen so viele laue, halbe Bestrebungen hervor, die zu nichts führen. Das Leben lehrte mich, wie gefährlich alle Versprechungen sowie die Ermutigung zu unmöglichen Hoffnungen sind, wie unheilvoll sie sein und wieviel Verrat sie verursachen können. Daher liebe ich es nicht, die Wirklichkeit zu verschleiern, wenn ich sehe, daß der Geist bereit ist, sie anzunehmen. Eher würde ich schweigen, als jemanden mit rosigen Versprechungen einzulullen.

       Und wie kann man Versprechungen wecken, wenn der gute Schlüssel zu allen Errungenschaften im Menschen selbst liegt und ohne seine Mitwirkung niemand etwas für ihn tun kann? Der HÖCHSTE LEHRER kann ihn nur zu einem bestimmten Zeitpunkt helfen, wenn der Geist bereit ist, sein Herz dem Ruf zu öffnen und seine schlummernden göttlichen Kräfte in die Tat umzusetzen. Jedoch Stärkung dieser Kräfte ist nur möglich, wenn der Jünger seine Anstrengungen, sein Inneres zu vervollkommnen und umzugestalten, stetig verstärkt. In allem ist Mitarbeit eine unvermeidliche Bedingung! Daher sollten Sie allen Neulingen aufzeigen, daß es endlose Grade der Jüngerschaft und zur Annäherung des Lichts gibt und jeder nur die Stufe einnehmen kann, die seinen früheren Aufspeicherungen entspricht; ebenso kann er die Leiter nur durch sein eigenes intensives derzeitiges Streben ersteigen.

       Aber der PFAD des DIENENS ist noch schwerer, denn das ist der Pfad der Heldentat, der völlige Selbstlosigkeit erfordert. Sie denken vielleicht, daß unser Leben leicht sei; würden Sie jedoch die Wirklichkeit kennen, spräche Ihr Herz anders. Um die ganze Last der mühsamen Verantwortung und sich häufenden Schwierigkeiten zu tragen, stärke ich mich jeden Tag durch Freude und Bereitschaft für das Schwerste. In der Tat, in der Selbstlosigkeit liegt Schönheit. Und die Welt bedarf heute in der bedrohlichen Zeit des Harmagedons mehr denn je der geistig Schaffenden und Helden.

       Dennoch rufe ich niemanden auf, und Sie sollten nicht die geistig Unreifen rufen, denn übermäßige Last ist nicht von Nutzen. Mächtiges Stählen des Geistes und des Herzens ist nötig, denn jeder Tag bringt uns alle möglichen Versuchungen. Die Anstrengung und Spannung eines Lastenträgers der Neuen Welt ist ungeheuerlich. Er leistet sein Werk auf drei Ebenen: durch seine Energien entspannt er die umgebende Atmosphäre, oft in seiner Nähe zerstörende Erdbeben verhindernd, er trägt die Lasten dessen, womit er betraut wurde. Nur sehr starke Geister können den PFAD des DIENENS betreten. Daher sollte man niemals durch rosiges Versprechen anlocken oder verführen.

       Gewiß, auch das gründliche Studium der BÜCHER DER LEHRE wird durch Bewußtseinserweiterung unbestritten Nutzen bringen und so eine Möglichkeit für neue Flüge des Geistes bieten. Aber es ist unmöglich, augenblicklich feurige Errungenschaften sowie feurige Umwandlung der Zentren zu erhoffen, wenn die LEHRE nur sprunghaft angewendet wird. Die okkulten Gesetze sind genau und unfehlbar. Die genaueste Entsprechung herrscht im Bereich des Okkulten. Neulinge sollten vor einem weiteren okkulten Gesetz gewarnt werden, das von H. P. Blawatsky im dritten Band der ”Geheimlehre“ in der Abhandlung ”Eine Warnung“ so schön beschrieben ist.

       Das kommende Jahr 1936, das esoterisch bereits begonnen hat, wird die Grundlagen für viele bedeutsame Ereignisse legen. Doch sehr wenige werden ihre Bedeutung verstehen. Denken Sie doch daran, daß alles auf UNERFORSCHLICHEN WEGEN geschieht; und darin liegt die große Weisheit, andernfalls würden die finsteren Kräfte die besten Möglichkeiten zunichte machen. So bewahrheitet sich das Sprichwort: ”Der Mensch denkt und Gott lenkt” ganz besonders bei entscheidenden Ereignissen.

       Ich glaube, daß es für Sie eine große Aufgabe wäre, für die Verteidigung der LEHRE einzutreten. Es gibt so viele Gelegenheiten, wo man ein gutes Wort anbringen kann, ohne eine besondere Veranlassung zu suchen oder eine ungewöhnliche Rede zu schwingen. Ein rechtes Wort zur rechten Zeit führt oft zu großen Taten oder verhütet unheilvolle Folgen.

       Und so sorgen Sie sich nicht zu sehr. Streben Sie mit Ihrem ganzen Herzen zur LEHRE, und vieles wird vereinfacht und klar werden. Jedes helle Vorhaben entsteht auf unerwartete Weise.

       Freilich, die Vulkane toben, und viel Finsternis umgibt uns, aber jene, die sich dem DIENST AM ALLGEMEINWOHL widmen, brauchen nicht beunruhigt zu sein. In Elend fallen immer die Lauen, die die Wege nur halb beschreiten und halbe Maßnahmen lieben. Wir irren nicht mit dem Ausspruch, daß die Gefahr der Welt in halben Maßnahmen und in Unkenntnis des Bösen besteht. Wir leben wahrlich wie zu Zeiten Atlantis! Nur sollte man jetzt keine Arche, sondern ein Flugzeug bereithalten. Doch das beste Flugzeug sind die Schwingen des Geistes.

       Treten Sie mutig die Wache an, und der starke Glaube an die FUHRENDE HAND wird Sie über den Abgrund tragen. Mut, Mut und wieder Mut - das ist der heutige Sinnspruch. Das Gefieder der Furcht zieht uns hinab, die Schwingen des Mutes hingegen tragen uns über den Abgrund. So laßt uns erfüllt sein von der Schönheit des Mutes und der Kraft des Glaubens an die leuchtende Zukunft. Ich sende Ihnen Freude, aber eine besondere Freude, die Freude über Schwierigkeiten. Wenn wir es lernen, uns vor Schwierigkeiten nicht zu fürchten, werden wir dem Tragen der Heldentat näherkommen.

       30. Juli 1935

       Die Erklärung über die Monade ist richtig. So heißt es in der ”Geheimlehre“, daß die Monade oder Jiva, an sich nicht Geist genannt werden kann: sie ist ein Strahl, ein Atom des Absoluten oder vielmehr der Absolutheit …, da sie zur bedingten und verhältnismäßigen Endlichkeit keine Beziehung hat, auf unserem Plane unbewußt. Daher benötigt die Monade, abgesehen von dem Material, das für ihre zukünftige menschliche Form notwendig ist, (a) ein geistiges Modell oder Vorbild für dieses Material, um sich darein zu gestalten; und (b) ein intellektuelles Bewußtsein, um ihre Entwicklung und ihren Fortschritt zu leiten. Keines von beiden besitzt die homogene Monade noch die empfindungslose, wenn auch lebendige Materie. Der Adam von Staub braucht die Seele des Lebens, auf daß sie ihm eingeblasen werde: Die zwei mittleren Prinzipien, die da sind: das fühlende Leben des vernunftlosen Tieres und die menschliche Seele; denn das erste ist vernunftlos ohne die letztere …”. So ”wird die Monade zu einem persönlichen Ego, wenn sie inkarniert, und etwas bleibt von dieser inkarnierten Persönlichkeit durch Manas zurück, wenn dieser vollkommen genug ist, Budhi zu assimilieren” (H. P. Blawatsky ”Die Geheimlehre“, übersetzt von Helena Roerich, Riga, Uguns, 1937). So wird die Individualität allmählich aufgebaut, kann aber auf der Erde nur teilweise zum Ausdruck kommen.

       Weiteres aus der ”Geheimlehre“: ”Metaphysisch gesprochen, ist es natürlich eine Sinnwidrigkeit von ”Entwicklung“ einer Monade zu sprechen oder zu sagen, daß sie zum ”Menschen“ wird … Grundsätzlich kann eine Monade weder vorwärtsschreiten noch sich entwickeln oder auch nur durch die wechselnden Zustände, durch die sie hindurchgeht, affiziert werden. Sie ist nicht von dieser Welt oder Ebene und kann nur einem unzerstörbaren Stern göttlichen Lichtes und Feuers verglichen werden, der auf unserer Erde herabgeworfen ist als Rettungsplanke für die Persönlichkeiten, in denen sie wohnt. Es ist Sache der letzteren, sich an sie zu klammern; und, also teilnehmend an ihrer göttlichen Natur, Unsterblichkeit zu erlangen. Sich selbst überlassen, wird sich die Monade an niemanden klammern, sondern wie die ”Planke“ zu einer anderen Inkarnation fortgetrieben werden von dem rastlosen Strome der Evolution.”

       Es ist auch ratsam, den § 275 im Buche AGNI YOGA abermals zu lesen.

       Und nun bezüglich Göttlicher Liebe - was kann sie anders sein als das Große Prinzip oder der Beginn der Anziehung oder Verwandtschaft oder dasselbe Fohat in seiner Differentiation als Göttliche Liebe, die elektrische Kraft der Affinität und Sympathie, allegorisch geoffenbart in dem Versuch, den reinen Geist, der ein von dem Einen oder Absoluten untrennbarer Strahl ist, mit der Seele zu vereinen. Diese zwei bilden im Menschen die Monade, seinem Wesen nach hingegen ist es die erste Verbindung zwischen dem ewig Bedingungslosen und Offenbarten.

       Es beglückt mich, Ihnen mitteilen zu können, daß mir über Ihr Buch die schönsten Berichte zugehen. Es ist so erfreulich zu hören, nachdem ich Ihr Buch gelesen habe, daß junge Seelen nach Ihrer Führung trachten.

       Arbeiten Sie freudvoll, und bringen Sie den suchenden Seelen Licht.

       30. August 1935

       Vor einigen Tagen erhielt ich Ihren Brief und wäre natürlich sehr froh, Ihnen helfen zu können. Aber ich halte es für meine Pflicht, Ihnen zu sagen, daß ich vielen Behauptungen in den von Ihnen erwähnten Büchern nicht zustimmen kann, ich halte sie sogar für gefährlich. Wir begegnen im Leben Menschen mit verschiedenen Bewußtseinshöhen, und wir müssen jenen folgen, die unserer eigenen geistigen und intellektuellen Entwicklung am meisten entsprechen. Sollten Sie daher meine Worte verletzen, so sagen Sie es, wir wollen trotzdem einander gut bleiben, aber jeder seinem Pfade folgen.

       Ich bin mit der Doktrin der Liberalkatholischen Kirche nicht vertraut und kann daher weder dafür noch dagegen sprechen. Was Donow betrifft, so habe ich über ihn gehört und habe auch sein gutes Büchlein ”Drei Grundlagen des Lebens“ (Peter Donow, Riga, Gudkov, 1931) gelesen. Jedoch muß ich Ihrer Bemerkung widersprechen und feststellen, daß es nur eine Hierarchie des Lichts gibt, und zwar jene im Transhimalaja. Genauso wie das Licht die Finsternis besiegt, so bekämpft die Hierarchie des Lichts jene der Finsternis. Letztere ist sehr stark, denn sie hat viele Anhänger.

       Nicht einer auf der Erde in gewohnten irdischen Verhältnissen lebender Lehrer kann mit den großen Meistern des Himalaja verglichen werden. Diese Meister sind in ihrer geistigen Errungenschaft so erhaben, daß sie nicht mehr die Last armseligen irdischen Daseins und eine persönlich gelenkte Führerschaft sowie die Berührung mit der Masse auf sich nehmen können. Dies wäre eine unproduktive Kraftvergeudung. Ihre Aufgaben sind derart planetar-kosmischer Natur, daß Sie nur einen Teil Ihrer Kräfte dafür aufwenden können, bestimmte Einheiten der Menschheit Ihre Führung anzuvertrauen; und so beauftragen Sie Ihre engsten Vertrauten und Schüler zur Übermittlung der geistigen Lehre. Gegenwärtig konzentrieren sich Ihre Hauptkräfte auf die gigantische Schlacht gegen die zerstörerischen finsteren Kräfte in der Feinstofflichen Welt und auf der Erde, um den Zusammenprall der Völker bis zu einer bestimmten Frist aufzuhalten und die unterirdischen Feuer zu unterdrücken, die unseren Planeten zu sprengen drohen. Wahrlich, furchtbar ist die Anspannung Ihrer Kräfte für die Rettung der Erde, weil die Menschheit in ihrem Wahnsinn überall Sprengstoff anhäuft. Wegen der so geringen Zahl von Mitarbeitern auf der Erde haben daher diese selbstlosen Beschützer der undankbaren und unwissenden Menschheit die unglaubliche Last, zerstörerische Energien zu entladen, auf sich genommen.

       Sie schreiben, daß Sie Wissen, Wissen und immer mehr Wissen erlangen möchten! Ich nehme an, Sie meinen geistiges Wissen. Wenn Sie zu dem einen erwähnten Bildnis der Hierarchie des Lichts feurig und beständig bestrebt sind, wird es Ihnen zuteil. Und der Grad dieses Wissens wird gänzlich von den Aufspeicherungen in Ihrem Kelch aus früheren Leben sowie von der Kraft und Inbrunst Ihres Strebens in diesem Leben abhängen.

       Wenn Sie vorwärtskommen wollen, müssen Sie beständig und inbrünstig mit Ihrem Herzen an das Eine Erwählte Bildnis denken. Auch wenn Sie Selbstzucht üben wollen, wählen Sie eine oder zwei Ihrer schlechtesten Eigenschaften oder Gewohnheiten und versuchen Sie, sie los zu werden. Diese Zucht scheint sehr einfach, aber in Wirklichkeit ist sie äußerst schwierig durchzuhalten; sie ist bisher sicherlich die wirksamste Methode.

       Sie sagen, daß die Weisungen im AGNI YOGA so verstreut sind, daß man sie schwer in ein System einordnen kann. Dazu aber möchte ich Ihnen sagen, daß dies die Lehre des Lebens in der Gesamtheit darstellt, und die Weisungen sind den Schülern vor allem an Beispielen aus dem Leben, wo die Umstände verursacht werden und auftauchen, gegeben worden. Auf diese Weise kann man sich die Lehre weit leichter zu eigen machen. In der Tat, die ganze Natur lehrt uns, daß sich ein vollkommener Organismus sogleich als Ganzheit entwickelt und nicht ein Teil nach dem anderen. Daher ist die Lehre des Lebens so aufgebaut, daß es dem Bewußtsein auf jeder neuen Stufe möglich ist, die größtmögliche Peripherie zu erfassen und so ins Leben einzudringen, ohne sich aus ihm zurückzuziehen.

       Besitzen Sie die ersten Bücher ”Blätter des Gartens MORYA I und II“? Sie stellen die Einführung in die AGNI YOGA-Serie dar, behandeln dem Wesen nach wirklich die meisten Lebensfragen und seine Aspekte im einzelnen, die in den nächsten Bänden der Lehre von verschiedenen Gesichtspunkten aus erläutert werden.

       Sie haben recht, je reiner die Leitung, um so leichter ist es für die Kräfte des Lichts, durch sie zu wirken - wirklich, Läuterung der Seele ist wesentlich. Es heißt, daß geläuterte psychische Energie ein Allheilmittel gegen alle Krankheiten ist.

       3. September 1935

       Ihre Feststellung ist richtig: gerade das Raumfeuer wird, wenn erkannt, in psychische Energie umgewandelt. Die sogenannten Prinzipien in uns (mit Ausnahme des physischen Körpers und des ätherischen Doppelgängers, die nach dem Tode zerfallen) sind nur Aspekte oder Zustände unseres Bewußtseins. Alle Unterteilungen (Geist, Seele, höheres und niederes Manas) sind in Wirklichkeit nur verschiedene Eigenschaften derselben fundamentalen Energie des Feuers, des Lebens oder des Bewußtseins - ihr höchster Aspekt ist psychische Energie. Um die Feurige Welt - die Welt der höheren Geistigkeit - zu erreichen, müssen wir daher die Feuer unserer Nervenzentren umwandeln oder bis zum siebenten Zustand vergeistigen. So ist die Feurige Welt die Welt vergeistigter Gefühle und geläuterten Bewußtseins. Wahrlich, nicht ein menschliches Gefühl geht verloren; es besteht in seinem feinstofflichen Zustand weiter in der Feurigen Welt und entspricht den höheren Anziehungen und Schwingungen. Der ganze Kosmos ist auf dem siebenfältigen Prinzip aufgebaut; daher birgt jede Energie, jede Erscheinung eine siebenfältige Spannung und Verfeinerung in sich.

       Und nun über die MUTTER DER WELT. Jeder Begriff sollte nach seinen verschiedenen Aspekten betrachtet werden. Jedes kosmische Prinzip oder jede Erscheinung hat adäquate Widerspiegelungen oder Verkörperungen auf der Erde. So ist die MUTTER DER WELT in ihrem kosmischen Aspekt Mulaprakriti, das Eine, Allumfassende, Allerfassende. In der irdischen Widerspiegelung jedoch ist Sie der Große Geist des Weiblichen Prinzips. Hinter jeder Erscheinung, jedem Aspekt und jedem Symbol steht die große Individualität. So hat jede hohe Individualität ihre eigenen Vertreter oder Verkörperungen, die ihr strahlenmäßig am nächsten stehen. Manchmal erscheint sie persönlich in solchen Verkörperungen. Daher der Begriff Avatara. So muß z. B. der hohe Geist, der sich in Isis, Ishtar und anderen Persönlichkeiten inkarnierte, durchaus nicht der Geist der MUTTER DER WELT gewesen sein, aber er war durchdrungen von Ihrem Strahl und daher verschmolz in den späteren Legenden das Bildnis der Isis tatsächlich mit dem Bildnis der Großen MUTTER DER WELT.

       Ja, die jetzt von unserem Planeten zu durchlaufende Zeit ist sehr ernst und äußerst angespannt. Die immer häufiger auftretenden Erdbeben haben die die Erde umgebende Atmosphäre vergiftet, und man kann erneute Ausbrüche von Wahnsinn im menschlichen Bewußtsein erwarten. Deshalb ist es so wichtig, die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK zu verbreiten. Es ist ausgezeichnet, daß Sie verschiedene Zeichen gewahren - Sie sollten sie notieren.

       Ich stimme Ihnen darin nicht bei, daß Redegewandtheit das Wichtigste sei. Sie ist nur eine gute Hilfe, das ist alles. Am wichtigsten ist die Qualität unserer Aura. Oft hinterläßt ein redegewandter Sprecher nur einen flüchtigen Eindruck, wenn die geistige Spannung seiner Aura unbedeutend ist; wohingegen zwei oder drei aus dem Herzen eines Trägers einer leuchtenden Aura gesprochene Worte einen Menschen, der mit ihm in Berührung kommt, verwandeln können. Folglich kommt die Haupteinwirkung nicht von den Worten, sondern vielmehr von der Qualität und Spannung unseres inneren Feuers. Die Anwesenheit solch einer feurigen Aura in einer großen und zusammengewürfelten Versammlung bringt einen wohltuenden Akkord. Es kann vorkommen, daß ein Durchschnittsredner irgendwie seine Zuhörer einzeln entfacht und dies sich selbst zuschreibt; in Wirklichkeit aber befanden sich in der Menge vielleicht eine oder zwei äußerst harmonische Auren, die durch ihre mächtige Schwingung eine für die Aufnahme günstige Atmosphäre schufen. Arhip Iwanowitsch Kuinji, der Lehrer von N. K., besaß die Gabe der Rede nicht. Mit Mühe und durch Pausen unterbrochen, brachte er nur einige Sätze hervor, aber durch die Kraft seines inneren Feuers erzielte er mit diesen wenigen Worten einen ungeheuren Eindruck. Kraft seines mächtigen Geistes wirkten diese unzusammenhängenden Worte wie die schweren Schläge des Hammers eines Bildhauers, der aus den Steinblöcken Funken schlägt!

       5. September 1935

       Man darf sich durch Unstimmigkeiten unter den Vertretern der verschiedenen religiös-philosophischen Systemen nicht verwirren lassen; denn aus der Gegensätzlichkeit der Meinungen fliegen Funken der Wahrheit! Allerdings würde ich Ihnen raten, sich mehr mit dem östlichen Denken zu befassen - viele Fragen werden sich dann lösen. Die Schwierigkeit liegt darin, daß der westliche Intellekt kaum, wenn überhaupt, Widersprüchliches hinnehmen kann, vom Osten hingegen diese Billigung geradezu als Grundlage seiner philosophischen Systeme erachtet wird, angefangen bei der Kosmogonie und Kosmologie bis zum Moralkodex und zur Ethik. Wer aber nur den formlosen Aspekt im höchsten Stadium der Erleuchtung verehrt, erklärt: ”Wahrlich, Formlosigkeit und Form sind eins. Brahman (die höchste Realität) und Maja (Illusion) sind eins!”

       Sehr wichtig ist es auch, zu erklären, was Samadhi oder die höchste geistige Erleuchtung ist. Über diesen Zustand ist von Leuten, die ihn nie oder nur in seiner primitivsten Form erlebt haben, viel geschrieben worden. Aber für Samadhi gibt es genauso viele Abstufungen, als es Bewußtseinsgrade und Runden geistiger Vervollkommnung gibt. Der erlangte Grad der Erleuchtung entspricht immer unseren geistigen Aufspeicherungen. Daher sollte der Unterschied dieser Stufen gründlich klargelegt werden. Könnte uns Samadhi Allwissenheit verleihen, dann wäre der Gedanke der Unbegrenztheit in Frage gestellt. Wie gesagt, wird das in Samadhi versunkene Bewußtsein entsprechend seinen individuellen Aufspeicherungen und der ihm zugänglichen Sphären erleuchtet und kann auch nur einen Teil dieser Erlebnisse auf den physischen Plan herübernehmen. Denn der physische Organismus ist unfähig, sich für lange Zeit den höchsten Schwingungen anzupassen und sie ohne verderbliche Wirkungen ins Gehirn einzuprägen. Die Wissenschaft hat die zerstörerische Wirkung abweichender Schwingungen bereits bewiesen. So bewahrt ein aus Samadhi zurückkehrender Mensch bestimmte Erinnerungen, aber das besagt noch nicht, daß er allwissend wäre und von nun an in das Wesen der Geschehnisse eindringen könnte. Er erlebte einen bestimmten Zustand der Ekstase oder eine höhere Gefühlsspannung, oder er gewann Einblick in das Wesen dieser oder jener Erscheinung. So mag er zur Wahrnehmung ewigen Seins gelangt sein oder die höchste Liebe erfahren haben, die Schönheit des Seins, die Einheit aller Wesenheiten oder sein Vorhandensein in allem und Vereinigung mit allen und allem; nichtsdestoweniger wird er im irdischen Sinn des Wortes nie allwissend werden Wahrnehmungen in Samadhi sind verschiedener Natur; vielleicht kann sich der eine oder andere dem Noumenou der Dinge nähern, aber wenn er auf die Erde zurückkehrt, muß er ihre Wirkungen nach irdischen Methoden studieren. Es ist wirklich äußerst schwer, das Unsagbare in Worte zu kleiden. ”Über alle Samadhi regiert der Gedanke. Je höher, um so mächtiger. Je feuriger ein Gedanke, um so mächtiger ist die Wirkung. Wahrhaftig, der Gedanke ist allgewaltig und unbegrenzt.” Darüber hinaus ist der Zustand von Samadhi auf unserem Planeten nur einem hohen Archaten zugänglich, der in völlig anderen Verhältnissen lebt. Auch Vivekananda erreichte kein vollkommenes Samadhi. Da er dafür physisch noch nicht ausreichend vorbereitet war, zeitigte der Grad von Samadhi, in den er versank, ein trauriges Ergebnis. Sein irdischer Tod war die Folge dieses vorzeitig erzwungenen Erlebnisses.

       Der menschliche Organismus ist in unserer Planetenrunde von solcher Wahrnehmung weit entfernt, und es bedarf daher langwieriger Vorbereitung, nicht nur für diese Art von Erscheinungen, sondern auch für solche weniger feuriger Art. Die unbeherrschten feinsten Schwingungen der Kundalini-Kräfte können einen Körper, der für ihre Aufnahme weder geübt noch gestählt ist, vernichten. Denken wir daran, daß der sogenannte ”Yogi“ Ramacharaka (ein Amerikaner namens Atkinson), obwohl er sich zu den Schülern Vivekanandas zählte, sicherlich kein Yogi war. Daher seine unbedachte Schilderung mechanischer Methoden - ohne Hinweis auf die Gefahr solcher Gewaltmaßnahmen.

       Zur Zeit werden Tausende von Büchern auf den Weltmarkt geworfen, die von leichten, mechanischen Methoden der Entwicklung der verborgenen psychischen Kräfte handeln. In Wahrheit aber arbeiten diese unwissenden und verantwortungslosen Schreiber mit den Kräften der Finsternis zusammen. Letztere wünschen nichts mehr, als im Menschen bestimmte Zentren zu öffnen, um ihn in die Gewalt zu bekommen und ans irdische Leben zu binden, um ihre finsteren Pläne zu verwirklichen. In der Tat, sie bemühen sich, dadurch um die Erde eine durch sehr minderwertige Emanation vergiftete Atmosphäre zu schaffen, die für ihr Vorhaben erforderlich ist.

       Zweifellos ist einfaches rhythmisches Atmen an und für sich ganz wohltuend. Die Menschen haben aber nicht nur verlernt, die frische Luft zu nutzen, sondern auch das richtige Atmen, das die wirkliche Grundlage unserer Gesundheit ist. Das von den Hatha Yogis geübte Pranayama hat den Zweck, mittels Anhalten des Atems und Drehbewegungen oder Gymnastik bestimmte Zentren zu erwecken und ihnen verstärkten Blutstrom zuzuführen, um eine gesteigerte Zentrentätigkeit zu erwirken. Doch läßt sich gut vorstellen, wie schädlich es für einen Menschen sein kann, die im Organismus für einen bestimmten Zweck befindlichen Zentren, vor allem wenn sie schwach oder gar krank sind, zu wecken; denn dadurch wird ihr kranker Zustand sicherlich nur noch verstärkt. Dies erklärt die vielen unheilvollen Fälle unter jenen, die unter unwissenden und verantwortungslosen Lehrern Pranayama üben. Das sichere Öffnen der Zentren kann nur unter Führung eines Großen Lehrers geschehen, der den wahren Zustand jedes einzelnen Organismus in seiner Gesamtheit wahrnimmt und weiß, was erlaubt ist, und wann und wie es angewendet werden kann. Bedenken wir, daß gerade bei der Umwandlung der Zentren eine ungeheure Spannung und verstärkte Blutzufuhr einsetzt. Der Lehrer muß es verstehen, diese Spannung zu einer weniger gefährlichen Stelle zu leiten und den Blutandrang abzuwenden, um allgemeinen Zentrenbrand oder gar den feurigen Tod zu verhindern. Glauben Sie mir, der Lehrer wird keinen Augenblick zögern, wenn ein Schüler für solche Umwandlungen bereit ist; er wird alles unternehmen, was für die Lebensbedingungen des Organismus notwendig ist.

       Über den Schaden mechanischer Übungen und die Gefahr der Entstehung von Mediumismus habe ich meinen Brieffreunden bereits ausführlich geschrieben. Um wahre Jüngerschaft zu erlangen, ist es nötig, die Kraft des Geistes zu bestätigen und die Wahrheit zu erkennen, um nicht durch alle möglichen Tricks, die einem Medium zugänglich sind, verführt zu werden.

       Aus meinen Ausführungen über Samadhi ersehen Sie, wie relativ Erleuchtungen sind. Der Begriff Unbegrenztheit gewährt die Möglichkeit, absolutes Wissen zu erlangen, und darin liegt die ganze Größe - das ist Leben. Jedes Manwantara, jede Runde hat ihre Wahrheit, und der Menschheit wird jener Teil des Wissens gegeben, den sie in dieser Runde fassen kann. Für die Archate allerdings kann es in bezug auf die fundamentalen Prinzipien keinen Widerspruch geben, aber auch sie lernen ständig und vertiefen ihr Wissen. Kann man sich letzte Erkenntnis vorstellen? Das käme sicherlich der Vernichtung gleich! In der Tat, was würde mit unserem Bewußtsein geschehen, dessen Wesen ewige Bewegung und Wahrnehmung zugrunde liegt? Unbegrenztheit ist Leben, unbegrenzt sind die Wahrnehmungen und Möglichkeiten. In der Freude am Unermeßlichen und an der unfaßbaren Größe möchte ich meine Erklärungen beenden.

       Und nun über die Stimme der Stille oder die Stimme des Unsichtbaren Lehrers. Sicherlich, diese Stimme muß nicht nur die Stimme unseres Ichs sein, sondern sie kann auch die Stimme des Lehrers sein; denn diese Wahrnehmungen sind beinahe unlösbar miteinander verbunden. Könnte man die Stimme des Lehrers vernehmen, solange unser höheres Ich sich in einem ”schlummernden“ Zustand befindet? Bei wahrer geistiger Entwicklung (also nicht bei Mediumismus) ist unser höheres Ich tatsächlich für die Stimme des Unsichtbaren Lehrers empfänglich. Vernehmen wir daher die Stimme des Lehrers, so vernehmen wir auch die Stimme unseres höheren Ichs.

       Seien Sie nicht betrübt und denken Sie daran, daß ”im Reich des Geistes alles möglich ist”. Erinnern Sie sich der Parabel über Dgul Nor in der Lehre? Wird diese Formel einmal gänzlich erkannt, dann kann der Mystizismus, der Sie so anzieht, nicht verlorengehen. Wahrlich, wir leben in der Unbegrenztheit, und man sollte die Bedeutung dieses majestätischen Begriffs nie außer acht lassen. Vertrauen Sie daher mehr Ihrem Herzen; es ist immer und in allem der einzige Maßstab.

       Bezüglich Frau Kryjanovsky möchte ich Ihnen mitteilen, daß die besten Seiten in ihren Büchern automatisch geschrieben und nach den Visionen ihrer blinden Schwester zusammengestellt wurden. Ein Freund ihrer Familie sagte es mir. Außerdem kannte sie zweifellos viele okkulte Schriften und gewiß las sie auch die Werke von H. P. Blawatsky, denn in ihrer Buchserie über ”Magie“ stößt man auf eine Stelle aus der ”Geheimlehre“. Aber es ist durchaus möglich, daß dieser Passus einer Reisebeschreibung von H. P. Blawatsky entlehnt wurde. Zu Ende des letzten Jahrhunderts nahmen in der westlichen Literatur, vor allem in der englischen, die sogenannten okkulten Novellen einen beachtlichen Platz ein, und nicht selten zeugten sie von beträchtlicher geistiger Aufklärung ihrer Autoren. Neben bemerkenswerten Seiten findet man allerdings in den Novellen von Kryjanovsky einen Großteil Plattheiten. Nichtsdestoweniger ziehe ich ihre Reihe über ”Magie“ vielen derzeitigen Novellen vor, denn Bücher dieser Art beleben immer die Vorstellung des Lesers, heben ihn über den grauen Alltag hinaus und inspirieren ihn für das Ungewöhnliche und Schöne.

       Bestimmte Schreiber versuchen irrtümlich aus Rama, diesem reinsten Arier, einem Avatar von Vishnu und Helden des herrlichen Epos Ramayana, einen Kelten und westlichen Eingeweihten zu machen. Den Zyklus von Rama gibt es zweifellos, denn Rama ist ein Avatar von Vishnu, und folglich nähren die Energien seines Geistes das Bewußtsein der Menschheit für eine bestimmte Periode oder Runde.

       St. Yves d’Alveidre war ein Psychiker und ein Medium; gegen Ende seines Lebens geriet er derart unter den Einfluß seines astralen Lehrers, daß seine Bücher weit mehr von Fehlern durchzogen sind als die Bücher anderer Autoren okkulter Novellen. Sein Agarta und der oberste Pontifex stellen sicherlich seine eigene Auffassung von der großen Schambhala und ihrem Herrscher dar. Es ist amüsant zu sehen, wie er bestehende exoterische Legenden mit okkulten Ausschmückungen sowie den Mitteilungen, die er von seinem astralen Personifikator empfing, verflicht. Er wurde ein Opfer verantwortungsloser astraler Vermittler. Der für eine Geheimsprache gegebene Name Vatan klingt für einen Orientalen sehr seltsam. Nach einer bestimmten Vision vermittelte ihm ein eingeweihter Brahmane dieses Wort, aber auf arabisch, urdisch und persisch bedeutet Vatan Vaterland. Offensichtlich mißverstand St. Yves d’Alveidre seinen Gesprächspartner, der ihm einfach von seiner Muttersprache erzählen wollte.

       Ich las seine Biographie, und es ist offensichtlich, daß er kein schlechter Mensch war, aber sein mediumistisches Wesen und sein Interesse am Spiritismus schwächten seinen ohnehin schwachen Organismus noch mehr, und so verlor er das geistige Gleichgewicht.

       Um Ihnen zu zeigen, wie sehr der erhabene Begriff des Bollwerks der Großen Bruderschaft in seinen verschiedenen Aspekten das Bewußtsein und Leben mancher Völker durchdringt, möchte ich Ihnen über eine gegenwärtig bestehende Gesellschaft im fernen Osten berichten. Diese Gesellschaft hat viele Mitglieder, und wie mir bekannt ist, nimmt sie auch Fremde auf. Sie hat ihr geheimes Heer, das mit einer militärischen Organisation natürlich nichts zu tun hat. Jedoch hält sie sich streng an die festgesetzten hierarchischen Prinzipien. Der Haupt-Treffpunkt dieser Gesellschaft, die sich der ”Außergewöhnliche Moment“ nennt befindet sich in einem der lokalen ”heiligen Berge“. Jetzt bereitet sich dieses heilige Heer für einen ”Außergewöhnlichen Moment“ vor, und darunter ist in weitestem Maße das zu verstehen, was im geistigen Sinn zur Zeit das Wichtigste ist. Nach dieser Lehre befindet sich die Welt gegenwärtig in einer Krise, nach der ihre geistige Erneuerung, oder besser Neugeburt, erwartet wird. So nehmen alle Arten von Konferenzen, Konflikten, alle Anziehungen und Abstoßungen äußerst zu. Die Menschheit leidet unter Geburtswehen, aber ”die Zeit wird kommen, wo sich die himmlischen Tore öffnen und die irdische Welt zur himmlischen Welt zurückfinden wird”. Sechs Stadien, sechs Stufen führen zu diesem Moment: 1. Die erste Periode - Anzeichen über das Ende des Großen Krieges. 2. Die zweite Periode - Anzeichen des politischen und ökonomischen Mißerfolgs infolge allgemein unrichtiger Einstellung. 3. Die erste Periode von Kataklysmen (kurzfristig) - nie dagewesene Umwälzungen in der ganzen Welt. 4. Die zweite Periode von Kataklysmen (kurzfristig) - Das Erscheinen himmlischer Kräfte in der Arena. 5. Die erste Periode des Aufbaus - die erleuchtete Herrschaft des himmlischen Herrschers in der Welt - Staatsform gekennzeichnet vom Monismus des religiösen Kultes und der Staatsaffären. Dies wird eine Hegemonie des Lichts über die Welt sein, ausgestrahlt vom himmlischen Herrscher durch die Errichtung von unzerstörbaren Machtinstitutionen, die in dieser Zeit wirken werden. Dieses erleuchtete Reich wird durch eine besondere Form zum Ausdruck kommen … 6. Die zweite Periode des Aufbaus - das Nahen von göttlich inspirierten Regenten: Vertretern der Wissenschaft, der Technik, etc. Nach Feststellung der Mitglieder dieser Gesellschaft befindet sich die Welt gegenwärtig im zweiten der oben erwähnten Stadien. Die Propheten dieser Bewegung sprechen von der neuen Welt als dem Reich des Geistes in direkter Verbindung des Menschen mit den Göttern, das, so sagen sie, ein irdisches Leben ohne Krankheit und Mühsal verheißt: ein erleuchtetes Leben durch das Licht der Wahrheit, des Guten, der Schönheit, Freude und Liebe; ein vom Himmlischen Herrscher gelenktes Leben nach dem Grundsatz der Gerechtigkeit. Das bemerkenswerte dabei ist, daß dieser Große Plan, wie sie sagen, bereits viele tausend Jahre vor der Zentralen Welt des Hauptquartiers der Großen Götter auf dem Heiligen Berg beschlossen wurde, dort wo die Götter sich versammeln, und seine irdische Projektion ist der Berg dieses Bereichs. Sie können also sehen, wie ein großer Gedanke von allen Völkern refraktiert wird, und unvermeidlich teilt jedes von ihnen die Hauptrolle seinem Volk und Land zu.

* * *

       Beschuldigen Sie T. nicht, er kannte Rußland wirklich nicht. Die abgezielten Verdrehungen über Rußland werden selbst heute noch von Ausländern aufrechterhalten und enthüllen nur ihre Unwissenheit. Für die meisten Ausländer war und ist Rußland ein Land des Vandalismus, aller Arten von Verletzungen und Lizenzen, und vor allem tiefer Unwissenheit. Selbst die besten Gemüter meinen, Rußland habe seit der Zeit Iwan des Schrecklichen wenig Fortschritte gemacht. Zivilisation hat den Begriff Kultur verdrängt, und viele können nicht verstehen, daß man ein zivilisierter Wilder sein kann. Die Menschen haben vergessen, daß sich die Schätze der Kultur in Jahrhunderten sammeln, Zivilisation hingegen kann in einer Dekade erreicht werden.

       Es ist wahr, daß es unter den Archaten keine Uneinigkeit geben kann; denn die Wahrheit, die sie kennen, ist die Wahrheit, die dem Geist zugänglich ist, der seine Selbstvervollkommnung nicht nur für die Erde, sondern auch für die höchsten Planeten unseres Sonnensystems vollendete.

       In den ”Briefen der Mahatmas“ an A. P. Sinnett heißt es über Buddha, daß sein Geist seine irdischen Inkarnationen so erfolgreich durchschritt, daß er auf dem höchsten Planeten unseres Sonnensystems inkarnieren wird, aber erst in der siebenten Runde und ihrer letzten Rasse. Unbegrenzt ist das Leben und unbegrenzt sind die Errungenschaften und Möglichkeiten. Und so möchte ich diesen Brief beenden, mich der Unermeßlichen und Unaussprechlichen Größe erfreuend.

       24. September 1935

       Es ist sehr wichtig, auf den Unterschied zwischen Mediumismus und wahrer geistiger Entwicklung hinzuweisen. Mit den Büchern über die verschiedenen Hatha Yoga-Übungen ist viel Schaden angerichtet worden. Welche Unwissenheit, zu wähnen, daß das Höchste und Feinste durch rein mechanische Methoden erlangt werden kann! Sie haben völlig recht, wenn Sie sagen, daß die Menschen, bestrebt nach geistiger Entwicklung (was für sie oft nur Erlangung psychischer Kräfte bedeutet), vergessen, daß diese Entwicklung ohne aktiven Dienst am Allgemeinwohl einseitig und unbeständig ist. Unsere inneren Feuer werden nur im Umgang mit den Menschen entfacht. Nur so können wir uns prüfen und werden imstande sein, die Klinge unseres Geistes zu schärfen und zu stählen. Unzweifelhaft wichtig ist eine gewisse Absonderung und zeitweilige Zurückziehung für die Erneuerung unserer Kräfte. Dauernde Abgeschiedenheit jedoch wird unseren Kräften niemals jene Spannung verleihen, die allein ihre Verfeinerung ermöglicht. Viele Feststellungen in der Lehre bestätigen das. So zum Beispiel § 114 im II. Band der ”Blätter des Gartens MORYA“, der besagt: ”… Christus, Buddha und ihre engsten Mitarbeiter wandten keine magischen Formeln an, sondern wirkten und schufen in völliger Vereinigung mit dem Geist. Deshalb müssen während des kommenden Evolutionsabschnittes die früheren, künstlichen Methoden unterlassen werden … Mechanische Yoga-Übungen sind für die Erneuerung der Welt unbrauchbar.”

       Und weiter heißt es im § 130 desselben Buches: ”… Oftmals mußten Heilige auf die Erde zurückkehren, weil sie durch ihre Verzückung auf die Menge zuviel einwirkten, anstatt sie mit dem Aufbau des Lebens vertraut zu machen … Wir sind entschieden gegen Klöster, da sie eine Antithese zum Leben darstellen … In der Tat, durch das Leben kann man erlangen …”

       Gleicherweise heißt es im Buch AGNI YOGA § 161: ”… Raja Yoga, Gnana Yoga, Bhakti Yoga entfernen sich alle von der sie umgebenden Wirklichkeit und eignen sich daher nicht für die Evolution der Zukunft.”

       Im § 163 desselben Buches heißt es: ”Dieser zur höchsten Einheit führende Yoga (Agni Yoga) legt die Verpflichtung auf, das ganze Leben in Übereinstimmung mit einer äußerlich unmerklichen Disziplin aufzubauen …”, das heißt, indem wir aufbauen und schaffen, sollten wir gewisse Vorsicht walten lassen und die gewiesene Lebensordnung zur Gesunderhaltung befolgen. Wenn wir daher die Leben der Großen Lehrer der Menschheit studieren, so werden wir finden, daß keiner von ihnen sich vom Leben zurückzog, sondern alle ihre Kräfte geistig und physisch in den Dienst für das Allgemeinwohl stellten. Laßt uns daher in allem diesen großen Vorbildern in erhabener Errungenschaft von Selbstlosigkeit folgen. Die Krone der Selbstlosigkeit ist herrlich!

       Sie könnten Ihren Fragestellern folgende Gegenfrage stellen: ”Dient das Wissen über den Grad der geistigen Höhe von Christus und Buddha Ihrer geistigen Entwicklung?” Dazu könnten Sie auch aus dem Buch ”Blätter des Gartens MORYA“, II. Band, den § 310 zitieren: ”Man wird euch fragen: ”Wer steht höher, Christus oder Buddha?” Antwortet, daß man die entfernten Welten nicht messen kann. Wir können nur durch ihre Strahlung entzückt werden …”. Wahrlich, verglichen mit uns Erdbewohnern sind Christus und Buddha in der Tat ferne Sterne des Geistes. Denken wir daran, daß sie, und auch der Herrscher Maitreya, von der Venus kamen im Advent der Bildung des physischen Menschen, daher sind sie unsere Göttlichen Vorväter und Meister.

       Nun über St. Yves d’Alveidre. Er war ein typischer Psychiker, der sich dem Spiritismus zuwandte und unter dem Einfluß astraler Personifikatoren geriet. Seine Bücher sind ein Sammelsurium von falschen Fragmenten der Wahrheit und Irrtümern.

       Sicherlich, jenen, die mit dem östlichen Denken nicht vertraut sind und die an die LEBENDIGE ETHIK zum ersten Male herantreten, kann nur so viel gegeben werden, als ihr Bewußtsein zu fassen fähig ist. Es heißt im Buch AGNI YOGA § 37: ”… Wir dürfen das Denken eines Menschen nicht unterbrechen, sondern müssen durch Nähren des Nervensystems neues Blut einflößen. Ein Wort der Erwiderung soll kein Sargnagel sein, sondern der Strahl eines Arztes. Eine aufgeschobene Antwort mag in Form eines Rates erteilt werden.”

       Menschen zu enttäuschen oder ihren Standpunkt zu erschüttern, ist nur zulässig, wenn dabei äußerste Vorsicht geübt wird. Wir können dies durch allmähliches Einstreuen von Bruchteilen neuer Gedanken tun, durch einen allmählichen Vorgang der Bewußtseinserweiterung; aber es ist gefährlich, Bestehendes plötzlich niederzureißen. Sind Sie gewiß, daß für manche Menschen Bücher, wie die Novellen von Kryjanovsky oder die Phantasien von St. Yves d’Alveidre, inspirierend sein können, so daß eine scharfe Kritik solcher Bücher die entfachte Flamme ihres Geistes erlöschen könnte? Nur starke Geister, unberührt von irdischen Dingen, können mit der Wahrheit in all ihrer überirdischen Schönheit konfrontiert werden. Aber es ist unstatthaft, die Augen mit Gewalt zu öffnen.

       Und nun zu etwas anderem. Wird Suggestion gewaltsam angewandt, um daraus eigenen Nutzen zu ziehen, so bedeutet das nicht nur Einmischung in das Karma, sondern ist einfach verbrecherisch. Wenn wir hingegen inspirieren und im Menschen sein feines Wesen ansprechen und erhabene Gedanken hervorrufen oder ihn vom Laster abhalten können, dann ist solch eine Tat allerdings von Nutzen.

       Wenn wir, indem wir Gutes tun, einen bestimmten Teil des Karma auf uns nehmen, so belastet solch ein Karma sicherlich nicht unseren geistigen Fortschritt. Nur der Archat weiß, wo und wann er nicht helfen darf; wir hingegen sollten die helfende Hand ausstrecken, wann immer unser Herz dies gebietet. Indem wir dies tun, müssen wir jedoch immer das Gesetz der Vergleichbarkeit sowie die Zweckmäßigkeit beachten und daran denken, daß geistige Hilfe die höchste ist.

       Es gibt Leute, die meinen, sie müßten alles abgeben und fallen damit anderen zur Last! Solchen Menschen können wir mit den Worten der Lehre sagen: ”Wer sagte, daß man sinnlos abgeben soll, der Wahnsinn bleibt dennoch bestehen”. Man muß jedoch helfen, denn wer weiß, wann wir eine Schuld abtragen! Wenn wir daher die Hilfe versagen, könnten wir damit den Anteil unserer Schuld vergrößern. Es ist ein großer Irrtum, unseren Nächsten aus Angst, unser Karma zu belasten, die Hilfe zu verwehren. Wird dies nicht eine Tat großer Selbstsucht sein? Allerdings muß man auch zu unterscheiden wissen, da man oft jemandem hilft, der es nicht verdient, hingegen einem, der sich wirklich in Not befindet, die Hilfe versagt. Auch hier wird nur das Herz der einzige Richter sein. Wird daher eine in unserer Macht liegende Hilfe gefordert, sollten wir sie leisten.

       Vor allem sollten wir daran denken, daß unser Karma hauptsächlich durch Gedanken geschaffen, gewogen und erleichtert wird. Genaugenommen weben der Gedanke und der innere Antrieb unsere Aura, jenes Magnetfeld, das Möglichkeiten entweder anzieht oder abweist. In der Tat - das Motiv des Gedankens -, dieser entscheidende Faktor unseres Karma, wird oft von jenen, die über Karma sprechen, außer acht gelassen. Aber wäre es anders, könnte der magische Kreis von Ursachen und Wirkungen nicht durchbrochen werden. Denn alles ist Karma und alles wird von Karma aufrechterhalten. Vollenden wir jedoch eine Karmarunde für einen bestimmten Zyklus, so beginnen wir eine neue Runde auf anderen Ebenen und Welten und so fort in Unbegrenztheit. Wenn von Vollendung von Karma gesprochen wird, so heißt das, daß Karma nur für einen bestimmten Zyklus unseres Planeten etc. zu Ende ging. So spricht man vom Ende des Karma eines Menschen auf unserem Planeten, wenn er sein inneres Wesen derart geläutert und seine Energien so weit umgewandelt hat, daß ihm ein weiteres physisches Verweilen auf der Erde nichts mehr bieten kann; genaugesagt, alle Elemente oder Energien, die sein Wesen formen, haben jenen Vervollkommnungsgrad erlangt, der auf diesem Planeten möglich ist. Solch ein Geist bleibt, je nach seiner Aufgabe, entweder in den die Erde umgebenden höheren Sphären oder steigt auf in höhere Welten. Daher ist der Gedanke die primäre Ursache und die Krone der Schöpfung. Gedanken regieren die Welt, folglich regieren sie Karma.

* * *

       Seien Sie nicht unglücklich, weil Sie für Ihren Lebensunterhalt so viel Zeit aufwenden müssen! Wir alle müssen unser Brot verdienen. In der Tat, alles sollte mit menschlichen Händen und Füßen vollführt werden, ohne sich vom Leben zurückzuziehen. Darin liegt große Schönheit. Ist die in Behaglichkeit und Wohlstand geleistete Arbeit von großem Wert? Und hört man über solche Arbeit viel? Nein, alle großen Denker schufen unter mühsamsten Umständen. Die durch Leichtigkeit und im Überfluß geleistete Arbeit kann nicht zu der für die Zentren notwendigen Spannung führen.

       Wahrlich, materieller Wohlstand und Behaglichkeit sind unsere gefährlichsten Feinde. Nichts löscht das innere Feuer so schnell aus wie Sorglosigkeit um das Morgen. Wir kennen diese Sorglosigkeit nicht und wir arbeiten bis zur äußersten Grenze der Erfordernisse und Möglichkeiten. Jedoch, im schwierigen Augenblick, wenn alle unsere Kräfte gespannt sind, wenn wir unsere ganze Findigkeit aufgewendet haben, dann kommt Hilfe - aber im letzten Moment -, so ist das Gesetz. Alle irdischen Lasten sind für das Wachstum des Geistes notwendig. So blühen die schönsten Blumen der Freude entlang dornigen Pfaden. Es werden sich zeitgerecht neue Umstände ergeben, und die Aufgaben werden sich erweitern. Vielleicht werden wir uns dann nicht mehr um den Lebensunterhalt mühen, aber es werden neue Probleme an uns herangetragen, weit kompliziertere und schwierigere. Aber wohnt das Bildnis des Lehrers in unserem Herzen, wie können wir uns da um Morgen sorgen? Was vom menschlichen Standpunkt her als schlimm erachtet wird, erweist sich oft als unsere Rettung und als Stufe für neue Möglichkeiten. Wahrlich, wenn wir selbstlos dienen, wird ohne Kenntnis des Lehrers nicht ein Haar von unserem Haupte fallen. Selbstloser Dienst, aufrichtige Hingabe und Dankbarkeit weben einen starken Faden, auf dem uns alles Notwendige zugeführt wird.

       So wollen wir den unvermeidlichen Prüfungen mutig ins Auge sehen und den Geist durch Verbindung mit den Suchern des Lichts nähren. Ereignisse reifen heran, man kann viele Veränderungen erwarten. Aber dienen wir dem großen Licht, so kann die vernichtendste Welle uns nur emportragen. Daher laßt uns in vollem Vertrauen zur Führenden Hand das lichtbringende Werk verrichten.

       1. Oktober 1935

       Ich vernahm Ihren Ruf und bin bereit, darauf zu antworten, soweit es in meiner Macht steht. Geistige Hilfe ist wirklich die höchste, und ich werde mich glücklich schätzen, wenn ich Ihnen solche Hilfe gewähren kann. Eine bestimmte Bewußtseinsvereinigung jedoch und Verbindung auf mentaler Ebene sind äußerst wichtig. Wie es in der Lehre heißt: ”… Man stelle sich zwei Gesprächspartner der ungefähr gleichen Bewußtseinsstufe vor, die einander trotzdem nicht verstehen. Vielleicht fehlen in ihrem Bewußtsein nur einige kleine Glieder, doch dieser kleine Unterschied veranlaßt die Zahnräder des Denkens, sich verschieden zu drehen, so daß sich ganz andere Hebel in Bewegung setzen …” (Gemeinschaft, § 171).

       So erwarte ich Ihre Fragen, denn ohne Fragen kann es keine Antwort geben. Sie schreiben ”Nachdem ich auf meinem Pfad eine schwere geistige Enttäuschung erlebte, habe ich den Willen und den Glauben verloren. Nichtsdestoweniger will ich auf den Lehrer warten!” Aber wenn Sie warten, so heißt das doch, daß Sie Hoffnung haben; daher ist der Glaube noch nicht verloren, und das ist äußerst wichtig. So lassen Sie uns gemeinsam über Ihre Enttäuschung hinwegkommen; mögen Sie sich in der Aufspeicherung der großen Lebenserfahrung wandeln - in der Esse, in der unser geistiges Wesen gehegt und gestärkt wird. Weder theoretisches Wissen noch Philosophie kann Ihnen Geistigkeit verleihen. Den KELCH AMRITA können wir nur durch Leeren des Giftbechers mit all seinen Illusionen speichern.

       Und so möchte ich Sie bitten, für alle Enttäuschungen einen klaren Standpunkt einzunehmen. Kann einem die Zerstörung von Illusionen erschrecken? Jede geschwundene Illusion ist eine weitere Stufe des Wissens. Wahres Wissen ist streng, wie der geistige Pfad, und nur der geistig Starke kann hoffen, sich dem Pfad beschleunigter geistiger Entwicklung zu nähern. Darüber hinaus kann dieser Pfad nie behaglich sein, da nur Leiden und persönliche Anspannung unsere Energien umwandeln können und das nötige Gleichgewicht verleihen. Aber gesegnet ist, wessen Herz im Entzücken heldenhafter Errungenschaft entflammt ist; überirdische Freude harrt seiner. Entfachen Sie daher alle Feuer Ihres Herzens, und Entzücken des Geistes wird Ihnen zuteil.

       1. Oktober 1935

       Sie haben recht, derzeit ist es äußerst wichtig, an Heldentaten zu denken. Das russische Wort ”podwig“ (Heldentat) ist schwer zu übersetzen. Es bedeutet große heldenhafte Tat mit geistiger Errungenschaft. Die Menschen sollten Heldentat im täglichen Leben verstehen. Ohne Heldentat ist das Leben unbedeutend. Und wie ausdrucksvoll ist das russische Wort ”podwig“ - in der Tat, es gibt kein Äquivalent in einer anderen europäischen Sprache. In diesem Wort liegt der ganze Sinn, die ganze Eigenheit der Bestrebung zur selbstlosen Heldentat, in die Zukunft, in die Evolution!

       Ich bin glücklich, über Ihr Buch so viele gute Berichte zu hören. Ich weiß, es wird sicherlich allen, die es lesen, Freude bereiten. Das einzige Hindernis ist, daß unsere russischen Leser so arm sind! Aber nichts möge Sie beunruhigen, schreiten Sie voran in Ihrer nützlichen Tätigkeit!

* * *

       Wußten Sie, daß es im Jahre 1935 einige Mond- und Sonnenverdunkelungen gab? So gab es in der zweiten Juni- und in der ersten Julihälfte drei Verdunkelungen, und eine weitere Sonnenfinsternis ist im Dezember zu erwarten, zur Weihnachtszeit. Verfinsterungen haben immer kosmische Störungen zur Folge und alle Arten von Wahnsinn in der Welt. Dies erklärt meinen schlechten Gesundheitszustand in diesem ganzen Jahr, obwohl auch andere schwerwiegende Gründe dafür vorliegen. Der Menschen wahres Wesen offenbart sich jetzt überall, und dies könnte die Reinigung des Raumes genannt werden. Kennt man allerdings das okkulte Gesetz, in Übereinstimmung dessen sich unser innerstes Wesen offenbart, sobald wir an die Lehre herantreten und der Aura des Großen Lehrers näherkommen, sowie die ganze ansteckende Gefahr von Besessenheit, besonders in Fällen veranlagten Mediumismus, sollte man wirklich nicht erstaunt sein. Nichtsdestoweniger schmerzt es sehr, wahrzunehmen, wie unter der Hand des Besitzergreifers die Blume des Geistes welkt und schrecklicher Verrat in das Herz des Aufbaus des Lichts eindringt. Aber wir werden auch das überleben.

       Das Jahr 1936 ist in vielen Prophezeiungen als das Jahr der persönlichen Schlacht zwischen dem Erzengel Michael und dem Drachen erwähnt worden. So wohnen trotz allem Mut und Freude an einer neuen Schlacht für das Licht in unserem Herzen. Ohne Schwierigkeiten kann man keine Heldentat vollbringen. Ich liebe die Aussprüche - des großen tibetischen Weisen Milarepa, der große Strenge übte. Fragten ihn die Menschen, ob es ihm nicht leid wäre, ein solch hartes Leben gegen sich selbst zu führen, sagte er, daß wir alle dem Tode unterliegen und er es vorziehe, im Verfolgen eines schönen Zieles zu sterben.

       Wahrlich, würden nur hundert Menschen die Weisheit dieser Regel erkennen und sie im Leben anwenden, die Welt könnte in kürzester Zeit verwandelt werden. So wollen wir uns bis zum letzten Tropfen unseres Blutes, bis zum letzten Atemzug für das Licht einsetzen.

       Und auch Sie sollten sich durch nichts beunruhigen lassen. Sehen Sie mit flammender Freude den Nutzen jeder Möglichkeit, zur Reinigung und Verbesserung des menschlichen Denkens Ihren Beitrag zu leisten.

       1. Oktober 1935

       Viele Wunder vollziehen sich in unserem Leben, viele Bestätigungen erhalten wir. Daher kann uns auch der finsterste Verrat und Versuch, unsere Werke zu zerstören, nicht ängstigen. Die Jahre 1934 und vor allem 1935 mit seinen sieben Mond- und Sonnenfinsternissen gesellten sich ganz unerwartet zur Anzahl finsterer Zeichen. So hat Verrat sich in das Herz leuchtenden Aufbaus eingeschlichen und versuchte zu zerstören, was durch reines Streben und mit flammendem Geist aufgebaut wurde. Der Feind machte sich die Abwesenheit N. K.’s zunutze und stieß ihm den Dolch in den Rücken. Nun ist die Maske gefallen, und die wahren Gesichter sind enthüllt. Allerdings sollten wir nicht erstaunt sein, da wir das unabänderliche okkulte Gesetz kennen, nach dem, wenn wir uns der Lehre des Lichts nähern und den Großen Lehrern zuwenden, unser ganzes inneres Wesen mit besonderer Stärke hervortritt. Gleicherweise wissen wir, wie leicht man der Gefahr der Besessenheit unterliegen kann, wenn man sich in finsteres Denken und Unaufrichtigkeit verstrickt, vor allem, wenn man durch Mediumismus belastet ist. Und doch schmerzt das Herz, wenn nach vierzehn Jahren enger Zusammenarbeit solches zutage tritt. Zu Beginn unseres Werkes erhielten wir allerdings viele Warnungen und Andeutungen über Verrat, der nach Beförderung bestimmter Menschen verübt werden kann. Die Beförderung fand statt, und ihr Geist fehlte. Ehrgeiz und Eigennutz sind furchtbare Geißeln, sie lassen selbst Riesen in den Abgrund stürzen.

       Und so leeren wir den Giftkelch, gereicht aus den Händen unserer früheren Mitarbeiter. Aber trotz allem leben Stärke und Mut in unserem Herzen, denn was ist Heldentat ohne Verrat? Das Symbol Jesus ist ewig und unvermeidlich zugegen beim Vollbringen großer Heldentaten. Aber nach Golgotha erfolgt die Auferstehung und das große Entzücken des Geistes. Darauf ist in allen Mysterien hingewiesen; so lodert auch in unserem Herzen Freude. Wir kennen die Große Bürgschaft des Bollwerks des Lichts, wir schätzen die Zeichen des Vertrauens, und wir kennen den siegreichen Schild. Unser Geist kann durch keinen Kampf erschreckt werden; wir haben ihn sogar lieben gelernt, denn was sonst kann den Geist derart stählen, unsere Fähigkeiten erproben und die größte Erfahrung für die Krone der Vollendung verleihen? Und so laßt uns erneut sprechen: ”Gesegnet seien die Hindernisse, durch sie wachsen wir.”

       Auch der weisen Worte Nietzsches gedenken wir: ”Du gehst über sie hinaus aber je höher du steigst, um so kleiner sieht dich das Auge des Neides. Am meisten aber wird der Fliegende gehaßt.” Ja, zur Zeit erheben sich die Menschen vor allem gegen alles Erhabene und gegen das Gesetz der Hierarchie. Nur die Könige des Geistes wissen um die ganze Größe und Unabänderlichkeit dieses kosmischen Gesetzes, die Mehrheit jedoch steht dagegen auf. In der Tat, die Verfeinerung des Geistes zeigt sich gerade in seiner Fähigkeit, erhabene Werte zu achten.

       Und so treten wir mutig und freudvoll in den neuen Kampf für das Licht des neuen Bewußtseins in der kommenden Zeit, in vollem Vertrauen auf den vorausgesagten Endsieg.

* * *

       Mit Freude erhielt ich die wunderbare Botschaft Ihres Herzens, in der Sie Ihre Ergebenheit zum Großen Lehrer zum Ausdruck bringen. Wahrlich, Hingebung ist eine Eigenschaft, die nur Königen des Geistes eigen ist. Es ist offensichtlich, daß Sie diese seltenste der Eigenschaften aus Ihrer Vergangenheit mitbringen. Wo anders als im Osten, und vielleicht im gesegneten Indien, könnte man den Keim dieser höchsten Eigenschaft suchen?! Alle geistigen Errungenschaften Indiens, seine geistige Erziehung und die verfeinerte Ethik beruhen auf dieser grundlegenden Eigenschaft. Die ganze Literatur Indiens ist durchdrungen vom Geist des Heldentums und der Hingabe. Nirgendwo sind die Bande zwischen Guru und Schüler verständlicher, heiliger und offenbarer als in Indien. Selbst beim derzeitigen Niedergang des Landes ist diese Achtung in den Herzen der Menschen bewahrt worden und sie verleiht der dem indischen Geist eigenen Kultur einen untilgbaren Antrieb. Seien Sie daher gesegnet, wenn Ihr Herz in diesem großen Gefühl wonnevollen Anflugs schwingt. Wahrlich, die Feuer der Dankbarkeit und Hingabe erheben sich über alle anderen Anerbieten.

       Ich möchte mit Worten aus der LEHRE schließen: ”Schwimmer, wenn ihr alles euch Mögliche tut, wohin kann die vernichtendste Welle euch tragen? Sie kann euch nur emportragen.” So werden wir unter dem Schild der Hierarchie des Lichtes vorwärtsschreiten.

       8. Oktober 1935

       Hier die Antwort auf Ihre Fragen:

       1. Das nichtverzehrende Feuer, der brennende Busch von Moses, ist das sogenannte himmlische Feuer, das nur offenbar werden kann, wenn es mit einer Aura bestimmter Spannung in Berührung kommt. N. K. und ich waren auf unserer Reise durch Tibet Zeugen solchen Feuers. Dieses feurige Phänomen ereignete sich einmal spät am Abend ganz plötzlich in unserem Zelt. Mein Mann schlief bereits. Ich trat an mein Bett, streckte die Hand aus, um die Decke zurückzuschlagen, und plötzlich erhob sich eine Säule, oder besser ein Feuer, von wundervoller silber-purpur-rosa Flamme. Ich begriff nicht sofort, was vor sich ging, und in einem Aufschrei ”Feuer, Feuer” versuchte ich, es mit meinen Händen zu ersticken. Aber das Feuer ließ sich weder löschen noch verbrannten die Feuerzungen meine Hände, ich spürte nur eine angenehme belebende Wärme. Meine Stimme vernehmend, erwachte mein Mann und erblickte mich im Hintergrund dieser Flamme. Der ganze Zwischenfall währte nicht länger als eine Viertelminute, vielleicht noch kürzer, und ebenso plötzlich wie die Flamme erschien, verschwand sie. Nach dieser Erscheinung sah ich die Kristalle von Materia Lucida und Spiralen sowie die Funken des Fohat. Dieses letzte Erlebnis machte sich jedoch in einem leichten Versengen der Zentren bemerkbar.

       2. Das siebente Prinzip ist das Element der Synthese, aber es ist nicht das höhere Ich des Menschen. Das höhere Ich besteht aus drei Prinzipien; dem siebenten, dem sechsten und dem fünften. Ich füge eine kurze Notiz bei, die ich für einen meiner Mitarbeiter aufschrieb. Vielleicht ist sie Ihnen von Nutzen.

       3. Der Mond ist unsere Mutter - er nahm an der Bildung der Erde teil und an der Besiedlung mit menschlichen Wesen. Die Mond-Monaden oder Pitris, die Vorfahren, wie sie die Inder nennen, inkarnierten in unserer menschlichen Gattung. Der Mond wird vor der siebenten Runde unseres Planeten verschwinden oder sich auflösen.

       4. Beinahe alle Wissenschaften stammen aus Indien. Ägypten, Griechenland und das alte Chaldäa entlehnten ihr Wissen aus Indien. Ebenso kamen Osiris, Hermes und Orpheus aus dem Osten; auch Pythagoras empfing seine Einweihung in Indien.

       5. Zwischen dem feinstofflichen und dem physischen Körper besteht völlige Übereinstimmung. Daher hat jedes physische Zentrum eine Entsprechung im feinstofflichen Körper. Folglich bestehen die astralen Gefühle und Zentren genauso wie die physischen, aber in ihrer feinstofflichen Strahlung. Aber man sollte sie nicht getrennt betrachten, weil ihre Einheit eine genaue Entsprechung offenbart. Die äußere Welt ist nur der Widerschein der inneren. Und genauso wie die äußeren Gefühle und Energien offenbar werden, wenn die notwendigen Bedingungen gegeben sind, so treten auch die inneren, geistigen Energien in Erscheinung, wenn die astralen oder geistigen Bedingungen auf der inneren Ebene geschaffen werden.

       6. Wenn Christus Kranke läuterte und heilte, empfand er immer einen Kraftverlust. Erinnern Sie sich, als eine kranke Frau aus der Menge den Saum Seines Gewandes berührte, verspürte Er augenblicklich einen Kräfteschwund. Wenn ein großer Geist heilt, so übermittelt er, jedesmal, wenn ihn jemand berührt, einen Teil seiner Kraft. Wie groß auch der Vorrat an psychischer Energie sein mag - er kann zeitweilig erschöpft werden. Diese Augenblicke der Erschöpfung sind voller Gefahr, weil das Sperrnetz der Aura, beraubt der Ausstrahlungen, die unsere Zentren nähren, beschädigt wird und ansteckende Mikroben an der schwächsten Stelle des Organismus eindringen können. Dies erklärt, warum Agni Yoga so viele Hinweise über die Erhaltung des Sperrnetzes gibt. Ein Schüler, der einen bestimmten Grad von Yoga erlangt hat, kann sich nicht unbegrenzt in der verseuchten Atmosphäre der Städte aufhalten; er muß sie öfter verlassen, um mehr oder weniger in der Natur zurückgezogen zu leben.

       Christus sowie auch Buddha und alle anderen Großen Lehrer gingen oft in die Wüste.

       Auch in den ”Briefen der Mahatmas“ wird von einer ernsten Krankheit des Mahatma Kuthumi gesprochen, nachdem er mit den Auren der Menschen zur Zeit der Gründung der Theosophischen Gesellschaft in Indien in Berührung kam. Er mußte sich für einige Wochen in völlige Abgeschiedenheit begeben. So ist jede Bewußtseinsebene, jede Daseinsebene bestimmten Gesetzen unterworfen, deren Verletzung Folgen nach sich zieht.

* * *

       Wenn Sie wollen, könnten Sie erwähnen, daß die Lehre über die Wiederverkörperung erst 553 n. Chr. beim Zweiten Konzil in Konstantinopel widerrufen wurde. So wurde die Lehre über die Präexistenz der Seele und die wiederholte Rückkehr zur Erde erst im sechsten Jahrhundert n. Chr. durch das offizielle Christentum als Ketzerei erklärt. Bis dahin glaubten vor allem jene Kirchenväter an sie, die der Gnostik nahestanden.

* * *

       Und jetzt eine Mitteilung für Sie, mit der ich von einem Fall über Rückerinnerung an früheres Leben berichten möchte. Es geschah in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Das Ereignis wurde von einem Verwandten der Beteiligten niedergeschrieben. Eine Gutsbesitzerin, die mit ihrem Gatten und ihrem Sohn in der Provinz Pskow lebte, besuchte zu den Weihnachtsfeiertagen ein ihren Freunden gehörendes entferntes Gut. An einem herrlichen sonnigen Morgen traten sie die Reise an und hofften, vor Dunkelheit einzutreffen. Aber kurz nach Mittag änderte sich das Wetter; es begann zu stürmen, und heftiger Schneefall setzte ein. Die Sicht wurde schlecht, und innerhalb einer halben Stunde war die Straße unter den dichten Schneemassen völlig verschwunden. Es war bereits dunkel, aber kein Zeichen des Gutshofes zu sehen, obwohl sie normalerweise längst hätten eintreffen müssen. Die Straße war holprig, und der Wagen drohte umzukippen. Es war offensichtlich, daß sie den Weg verfehlten. Aber es wäre unweise gewesen anzuhalten und den Wetterumschlag abzuwarten, denn der Sturm wurde immer heftiger und heftiger und die Pferde sowie der Wagen wären unter dem starken Schneefall begraben worden. Man entschloß sich daher, die Reise fortzusetzen und vertraute auf den Instinkt der Pferde, den Weg zu finden. Es war, als hätten die klugen Tiere den Augenblick der Freiheit verstanden und auch was sie erwartete. Sie erhoben ihre Köpfe, schnaubten und beschleunigten ihren Trab. In einer Entfernung von einer Stunde oder weniger hörte man Hundegebell, bald sah man einige Lichter, und der Wagen erreichte die Steinmauern eines großen Gutes. Ein Diener, der das Bellen der Hunde vernahm, trat mit einer Laterne in der Hand aus dem Haus. Als man ihn fragte, wem das Gut gehöre, nannte er den Namen der Besitzer, fügte aber hinzu, daß die Herrschaften verreist seien. Die Reisenden erkannten, daß sie in die entgegengesetzte Richtung abgekommen waren. Da es bereits spät war, beschloß man, auf dem Gut zu bleiben. Sie riefen nach dem Hausmeister und baten um Einlaß, um hier zu übernachten. Aber als die Dame dem Wagen entstieg und im trüben Licht der Laterne des Dieners das Haus erblickte, begann sie zu zittern und erklärte mit Entsetzen: ”Nie wird mein Fuß die Schwelle dieses Hauses betreten. Hier geschahen fürchterliche Dinge!” Sie bat ihren Gatten, diesen unheilvollen Platz unverzüglich zu verlassen. Der Gatte und der Sohn waren über alle Maßen erstaunt und schrieben ihre Nervosität der Übermüdung zu. Sie bemühten sich, sie zu beruhigen und zu überzeugen, daß sie sich irrt, da niemand von ihnen je in diesem Gebiet gewesen war. Aber die Dame bestand darauf, dieses Gebiet zu verlassen. Und um ihre Ahnung zu begründen, erklärte sie, daß sie sowohl die Lage der Zimmer als auch ihre Einrichtung beschreiben kann: ”In einem kreisrunden roten Gastzimmer befindet sich an der Wand über dem Tisch ein großes Bildnis einer Frau in weißem Gewand mit Blumen in der Hand - und das ist mein Bildnis … ich war hier so schrecklich unglücklich, so schrecklich unglücklich!” Der Gatte und der Sohn gingen, begleitet vom Hausdiener, natürlich sofort los, um diese Behauptung zu prüfen. Sie kehrten sehr erschüttert zurück, denn die Beschreibung stimmte. Sie bestanden nicht länger darauf, in dem unheilvollen Haus zu bleiben, und da der Sturm nachließ und der Mond zu scheinen begann, erbaten sie eine Führung, um nach Hause geleitet zu werden.

       Solche Erinnerungen sind im Osten sehr häufig. Die Zeitungen berichten von diesen Fällen, die durch zahlreiche Zeugen erhärtet werden. Wir kennen eine örtliche Familie, deren Mitglied, ein fünfjähriger Junge, behauptet, nicht der Sohn seiner Eltern zu sein und früher als Mönch in einem Kloster gelebt zu haben. Er läuft oft von zu Hause weg und sucht dieses Kloster. Manchmal unternimmt er weite Reisen, bevor seine Eltern seine Abwesenheit bemerken. Ständig macht er sich auf nach Klein-Tibet.

       11. Oktober 1935

       1. In Wirklichkeit kann sich der Mensch nicht völlig vom Karma befreien, denn Karma bedeutet Leben. Aber die Vollendung einer Karmarunde, von welcher Dauer immer, hängt vom geistigen Wachstum und auch von der auf einem bestimmten Planeten übernommenen Aufgabe ab. Das heißt, nachdem wir ein gewisses Wissen der Lehre erlangt haben, und nach einer Zwischenzeit (um nicht zu sagen ”Urlaub”) müssen wir mit dem nächsthöheren Grad beginnen und unbegrenzt so weiter. Diese ”Urlaube“ sind jene Erholungszeiten, wo es weder ”Tränen noch Wehklagen“ gibt. Aber kein Urlaub dauert ewig, wenngleich er sich auf Tausende von Jahren erstrecken mag; es gibt keine ”ewige“ Ruhe.

       2. Im Kosmos gibt es eine dauernde Geburt und Auflösung von Welten. Oft sind die sich auflösenden Welten von der Vollendung ihrer Evolution noch weit entfernt, und darin liegen viele Gründe ihrer Zerstörung. Einer der beklagenswertesten Gründe ist das Erstarren des menschlichen Geistes der Planetenbewohner. Und unsere Erde ist vor Vollendung der ihr bestimmten Evolution von solcher Zerstörung bedroht. Die Verbrechen der Menschen und die Erstarrung ihres Geistes haben solch unheilvolle Ausstrahlungen um unseren Planeten geschaffen, daß die rettenden Strahlen ihn nicht erreichen können. Unser Planet kann durch eine riesige Explosion sein Ende finden. Der Tag des Jüngsten Gerichts ist nicht weit entfernt, und vielleicht werden viele Kinder diesen Tag erleben. Aus diesem Grund ist die”Lehre des Lebens“ so beschleunigt gegeben worden und traten auf der Erde so viele ungewöhnliche Zeichen in Erscheinung. Aber die Menschen sind blind und taub!

       Es ist wichtig, daß der menschliche Geist erwacht. Wahrlich, das Schicksal des Planeten liegt in den Händen der Menschheit! Wenn die Auferstehung des Geistes innerhalb der nächsten kurzen Dekaden erfolgt, kann die Katastrophe noch teilweise vermieden werden, wie zu Zeiten Lemuriens und Atlantis; andernfalls werden wir auf einen anderen Planeten übersiedeln müssen. Aber nach dem Gesetz der Entsprechung werden den meisten Menschen die höheren, bereits bewohnten Planeten nicht zugänglich sein. Sie werden sich einer neuen, noch nicht bewohnten Welt anpassen müssen. Und wie viele Tausende, ja Millionen von Jahren werden verstreichen, bevor die geeigneten neuen Formen und Körper für eine neue Welt ausgearbeitet werden können! Nur außergewöhnliche Gruppen der irdischen Menschheit können auf höheren Planeten aufsteigen, um ihre Evolution in neuen, schöneren Verhältnissen fortzusetzen.

       Die Große Bruderschaft unternimmt außerordentliche Anstrengungen, um den Planeten vor einem vorzeitigen Untergang zu retten. Aber das unterirdische Feuer ist sehr aktiv, und die Kräfte, die entladen werden können, um die gefährlichen Energien zu neutralisieren, sind spärlich! Im Kosmos gibt es natürlich keine unvernünftige Vernichtung; alles hat tiefgründige Ursachen. Im Kosmos herrscht große Zweckmäßigkeit; alles was untauglich ist für eine weitere Evolution, wird als kosmischer Abfall verbuttert. Da der Mensch über einen freien Willen verfügt, bestimmt er sein Schicksal, aber er türmt weiterhin eifrig Haufen von Kehricht auf, der ihn verschlingt, wenn nicht rechtzeitig eine Erneuerung seines Geistes erfolgt.

       3. Es ist nützlich, bestimmte Hinweise für ein neues Schulprogramm zu geben. Das Bewußtsein sollte schon von Kindheit an erzogen werden, um die Lebenseinheit, die Einheit des Kosmos zu erkennen. Möge unser Planet nicht eine abgesonderte Welt werden, sondern vielmehr seinen Platz auf dem großen Pfad in die Unbegrenztheit bewahren. Wir müssen unseren Platz in der Unbegrenztheit erkennen, ebenso unsere Abhängigkeit von der Gesamtheit des Lebens im Kosmos - und je früher, desto besser. Erinnern Sie sich der Worte der LEHRE: ”Wahrlich, eine Feder aus dem Flügel eines Vogels ruft Donner in den fernen Welten hervor” (Gemeinschaft, § 180). Wir müssen unsere furchtbare Abhängigkeit und Wechselbeziehung mit allen im Leben sehr heftig erkennen. Hinfort wird sich der Sinn für die große Verantwortung für jeden Gedanken, jedes Wort und jede Tat einstellen. Ursache und Wirkung wirken ständig und unbegrenzt.

       Eines Tages wird die Menschheit den Punkt des Bewußtseins erreichen, wo sie erkennt, daß sie sich in einem riesigen universellen Laboratorium befindet und dessen Widerschein ist. Wahrlich, Einheit muß im kosmischen Maßstab verstanden werden.

       Ebenso ist es von Nutzen, sein Denken in die Zukunft zu richten. Dies allein wird dem Bewußtsein großen Auftrieb verleihen und wird es vom Staub von gestern befreien.

       4. Imperil ist die von den Großen Lehrern gegebene Bezeichnung für das Gift der Gereiztheit. Aber in den östlichen Sprachen gibt es für dieses Gift ein völlig anderes Wort. Die Sprache des Senzar umfaßt die aus allen bestehenden Sprachen entnommenen besten Ausdrücke. In dieser Sprache werden viele Wörter mit lateinischer Wurzel benutzt. Auch das Wort Imperil hat eine lateinische Wurzel. Es gibt einige Wörter, die zu keiner uns bekannten Sprache Verbindung haben. Oft drückt ein einfaches Wort eine komplette Idee oder Tat aus.

       5. Niemand, auch die größten Geistwesen nicht, besitzt völlige Allmacht. Sie alle unterliegen den kosmischen Gesetzen, daher können Sie Ihr großes Wissen und Ihre Macht nur anwenden, wenn die kosmischen Bedingungen es gestatten. Jedes ohne triftigen Grund vollbrachte ”Wunder“ wird von den Archaten als Zwang angesehen. Es heißt, daß auch ein Archat durch Mißbrauch von ”Wundern“ fallen kann.

       Gewiß, die zur Zeit Christi bestehenden Verhältnisse (genauso wie die gegenwärtigen) waren selten für ein sogenanntes Wunder geeignet. Daher konnte Christus auch nicht immer alle heilen, die um Hilfe baten. Im Evangelium des Matthäus (13:58) heißt es: ”Wegen ihres Unglaubens wirkte er dort nur wenige Wunder.” Daher wird das, was verlangt wird, nur jenen gegeben, die es fassen können. In allem ist Zusammenarbeit und Mitarbeit erforderlich.

       6. Ich möchte Sie bitten, die Arbeit noch mehr als Erziehungsfaktor des Geistes hervorzuheben. Weisen Sie darauf hin, daß in jeder Arbeit die Qualität das wichtigste ist. Erwähnen Sie auch die absolute Notwendigkeit der geistigen Arbeit, denn wie der Schweiß der physischen Arbeit den Boden nährt, so wird der Schweiß der geistigen Arbeit von den Strahlen der Sonne in Prana umgewandelt und spendet allem Vorhandenen Leben. Wird die Bedeutung der geistigen Arbeit erkannt, wird sich die gebührende Achtung gegenüber allen Denkern, Wissenschaftlern und anderen Schöpfern wieder einstellen.

       Nur durch geistige Arbeit kann das Bewußtsein erweitert werden. Dadurch werden wir mit den fernen Welten sowie dem ganzen Kosmos verbunden und wenden uns der Freude unbegrenzter Vervollkommnung zu. Genau gesagt, wir sollten in uns die Freude endloser Vervollkommnung pflegen.

       Ihr Kapitel über das Streben zum Guten. Es wäre nützlich, dieses Streben noch mehr an den Begriff Heldentat heranzubringen, mit dem Hinweis, daß dieser Begriff der einzige Sinn des Lebens ist. In den BÜCHERN DER LEHRE ist über Heldentat viel ausgesagt. In der Tat, nur Heldentat kann unseren Geist nähren und die Evolution beschleunigen. Über Heldentat und Heldentum muß in den Schulen eingehend gelehrt werden. ”Kinder mögen sich Helden nennen und an sich die Eigenschaften bemerkenswerter Menschen erproben. Sie mögen Bücher mit klaren Erzählungen lesen, in denen die Gesichter mühsamer Arbeit und des Willens ohne einen Anstrich geschildert werden. Auch für medizinische Zwecke ist dieser tapfere Ruf des Lebens unentbehrlich. Solches Material muß ohne Verzögerung gegeben werden.” (Gemeinschaft, § 234)

       Verwenden Sie öfter die Aussprüche aus den Büchern der Lehre, sie werden dem Buch Neuheit verleihen.

       7. Es ist falsch zu meinen, daß der nächste Große Lehrer im Fleische erscheinen und unter uns predigen wird, wie Buddha und Christus es taten. Jede Epoche erfordert ihre eigene Offenbarung. Daher ist der Typ vom Lehrer, der mit einer Gruppe von Jüngern von Ort zu Ort zog, in Vergessenheit geraten. Einige Ältere Brüder werden für besondere Zwecke den physischen Körper verwenden, aber nicht dafür, um in der Masse aufzutreten.

       Ich schrieb über dieses Thema bereits, und daher möchte ich Ihnen aus meinen früheren Briefen zitieren: ”Der Große Advent kann sich nicht auf gewöhnliche Art offenbaren und im physischen Körper vollziehen. Man sollte verstehen, daß die Großen Herrscher diese oder jenes Bildnis annehmen und bewahren, entsprechend den Nöten der Welt. Ist es so schwer, sich vorzustellen, daß eine Große Individualität keinen physischen Körper braucht, um sich uns zu offenbaren? Darüber hinaus zeigen die Fakten der Vergangenheit, an Beispielen in modernen Zeiten, mit welch Befremden die Erscheinung Großer Geister von den unwissenden Menschen aufgenommen wird. Bestenfalls gab man Ihnen das Epitheton Scharlatan oder Spion oder beides. Die Menschen schreiben gewöhnlich ihre Laster anderen zu. Es wäre sehr lehrreich, die historischen Fakten aus dem Leben des Saint-Germain, des Abgesandten der Weißen Bruderschaft, zu lesen.

       Denken wir auch an H. P. Blawatsky und alle Erscheinungen der Mahatmas. Wie skeptisch und spöttisch sind ihre Botschaften und Offenbarungen oft aufgenommen worden! Aber wie ich bereits geschrieben habe, selbst wenn Christus selber jetzt erschiene, könnte er der Verfolgung nicht entrinnen oder gar dem Gefängnis. Man muß erkennen, daß die Höchsten Individualitäten jetzt inmitten des chaotischen Denkens und der Schwingungen entarteter Massen nicht erscheinen können. Die Großen Herrscher befolgen in allem das große Gesetz der Zweckmäßigkeit. Bitte erkennen Sie, daß in Hinsicht auf das derzeitige Niveau der Menschheit, der Advent des Höchsten Egos in einer physischen Form völlig unmöglich ist und sich für die ganze Evolution verheerend auswirken würde. Die Große Individualität wird unsichtbar sichtbar herrschen, und herrscht bereits, gekleidet in den Strahlen des mächtigen, aber unsichtbaren Laboratoriums …” Bald, sehr bald werden diese Strahlen auf das Erwachen des menschlichen Geistes gerichtet werden.

       Nach den ältesten Überlieferungen kämpft der Herrscher der Schambhala mit den Fürsten der Finsternis (Satan) selbst. Diese Schlacht findet vor allem in den feinstofflichen Sphären statt, hier hingegen wirkt der Herrscher der Schambhala durch seine irdischen Krieger. Was Ihn Selbst betrifft, so kann Er nur in ganz seltenen Fällen gesehen werden. Da Er in feuriger Gestalt erscheint, wäre dies für alle verheerend, denn Seine Aura ist mit außergewöhnlicher Kraft geladen. Der Advent und das Jüngste Gericht, die unseren Planeten erwarten, sind im Evangelium des Matthaus (24:27 - 39) ganz genau beschrieben. Aber Sie werden ausreichend Zeit haben, vor diesem Ereignis alt zu werden, doch Teilkatastrophen können früher eintreten.”

       Wir sind Zeugen einer großen Welterneuerung. Neue Gesetze sind in die Tafeln der Ewigkeit bereits eingeschrieben, aber die große Offenbarung wird noch nicht angenommen. Wehe denen, die den Geist ablehnen und es vorziehen, in Unwissenheit, Schwäche und sittlichem Morast zu vegetieren! Die Neue Zeit kommt im Bewußtsein menschlicher Würde, im strengen Verstehen von Pflicht und Verantwortung des einzelnen gegenüber der Menschheit und dem ganzen Kosmos. Immer und in allem muß der Tagesbefehl Zusammenarbeit lauten!

       15 Oktober 1935

       Vielleicht haben auch Sie schon manchmal bemerkt, daß die Tore der Möglichkeiten oft sehr eng sind. Gewiß, in vielen Fällen liegt die Schwierigkeit nicht so sehr an der Knappheit der Mittel, als im Umfang des Schaffens, das aus dem Bewußtsein der Mitarbeiter erwächst. Ja überall mangelt es an Menschen. Was wir brauchen, ist ein Zuwachs von Arbeitern, die keinen mutigen Einsatz scheuen.

       Mögen die ”Leuchtkäfer“ glühen, sofern sie nicht in den Netzen unwürdiger Jäger und solcher, die das Werk verraten, gefangen werden. Das Aussprechen erhabener Worte ist eine Sache, aber sie im Leben anzuwenden, ist etwas ganz anderes; gewöhnlich fallen diese zwei Handlungen nicht zusammen. Darüber hinaus liebe ich es nicht, wenn jemand beteuert, daß er bereit ist, sein Leben für die Lehre hinzugeben! In den meisten Fällen ist dies fast immer die größte Lüge.

       In meinem ganzen Leben bin ich nur zwei oder drei Menschen begegnet, die wirklich bereit waren, alles zu opfern; aber sie enthielten sich der Beteuerungen - sie handelten. Andere kamen und spendeten, weil sie im Überfluß schwelgten, oder wegen des vernommenen Vorteils, daß jede Gabe hundertfach vergolten wird. Aber wenn dieses erwartete ”Hundertfache“ nicht eintraf oder aus eigener Schuld sich verzögerte, wurden sie die ärgsten Feinde und Verräter des Werkes. Oft würden sie sich bis zur letzten Grenze abwenden. Es gab auch solche, die bereit waren, eben die Hälfte zu opfern, selbst wenn die Ereignisse den ganzen Einsatz forderten. Aber kann man von halben Entschlüssen Erfolg erwarten? Kann man von einer halben Dosis Medizin Heilung erwarten? Selbstverständlich war in diesem Fall auch der Erfolg nur halb. Das Bemerkenswerte aber ist, daß die aus kleinlicher Furcht zurückgehaltene zweite Hälfte durch Karma oder unerwartete Umstände verlorenging. Es gibt noch eine dritte, ganz überwiegende Art von Menschen, die meinen, daß ihr Herantreten an die Lehre ihrerseits bereits die höchste Gunst darstellt. In ihrer Eitelkeit glauben sie, daß die Mahatmas jedem, der sich nähert oder Ihre Lehre liest, seine Aufwartung machen sollten Nein, so ist es nicht! Die Großen Lehrer freuen sich und spenden nur jenen Hilfe, die aufrichtig bestrebt sind. Sie bemitleiden die Flatterhaften, denn Sie wissen, daß diese Schmetterlinge für Jahrhunderte Mühsale auf sich nehmen müssen, bevor sie hoffen können, sich dem Bollwerk des Lichts zu nähern.

       Für solche Menschen wäre es sehr nützlich, folgende Seiten der LEHRE zu lesen: ”Mancher wird fragen: ”Sind Wachsamkeit, Entsprechung, Beweglichkeit und Hingabe schwierig?” Hier fühle ich, daß ich alle diese Bedingungen erfüllen kann; wollt ihr mich nicht auf die ferne Reise in die Gemeinschaft mitnehmen?” Hat aber dieser eilige Wanderer auch an eine unerläßliche Bedingung bei den von ihm erwähnten Eigenschaften gedacht? Standhaftigkeit wurde vergessen. Kleine flackernde Feuer enthalten nur für einen Augenblick alle Eigenschaften der Flamme, doch die Finsternis verschluckt sie so schnell wie ein Kohlenbecken eine Schneeflocke. Man kann einem vereinzelten Augenblick der Annahme nicht trauen; nur durch mühsame Arbeit und Hindernisse gestählte Standhaftigkeit gibt die Möglichkeit einer vertrauenswürdigen Annahme.

       Ein wahrer Musiker denkt nicht an jeden tonhervorbringenden Finger, nur der Schüler überlegt, welchen Finger er benutzen soll. Der wahre Mitarbeiter denkt über die gezielte Durchführung der Qualität der Arbeit nicht nach. Die Sphärenmusik vermischt sich mit dem Lied der erfolgreichen Arbeit. Denkt daran, Standhaftigkeit gleicht einer feurigen Leiter.” (Gemeinschaft, § 153)

       ”Jemand beschließt: ”Ich will die feurige Leiter ersteigen”. Tue es, jedem steht der Pfad offen. Doch denke daran, wenn dich Furcht überkommt, verschmelzen die Stufen zur flüssigen Flamme. Wohin willst du gehen, wenn du die Qualität der Arbeit nicht beherrscht? Wenn Wir sagen, daß es gut ist, auf Zedernwurzeln zu schlafen, kann der Anhänger den Rat leicht befolgen. Schlafen ist leicht, zumal geraten wird wie. Doch wenn es heißt, die ständige Wache zu übernehmen, werden die Stufen brennend heiß. Eines muß wiederholt werden - leicht ist es nicht, die Leiter zu erklimmen.

       Arm ist der Führer, der wirkliche Gefahr verheimlicht. Man kann diese nur mit Hilfe vollkommenen Wissens besiegen.

       Ich sehe, dort nähert sich ein anderer Unvernünftiger - er ist noch unvollkommener. Er tadelt: ”Wozu ist eine feierliche Prophezeiung nütze?” Wir wollen ihm antworten: ”Die Feierlichkeit einer Vorwarnung steht im Verhältnis zu deinem unwürdigen Gepiepse bei Gefahr. O du Zweibeiner, wie oft hast du bei der ersten Schwierigkeit dein Gesicht verloren? Wir sahen dich schwärzer als Kohle, und deine Verneinung umgibt dich mit üblem Geruch. Schlecht ergeht es dir, wenn du deine Stufen verbrennst und nun vom Abgrund her Almosen erflehst.”

       Es erscheint ein neuer Fragesteller: ”Wie läßt sich die Lehre mit Wissenschaft in Einklang bringen?” Wenn Wissenschaft authentisches Wissen lehrt, dann ist die Lehre Wissenschaft. Welchen Zweck kann Wissenschaft erreichen, wenn sie mit Vorurteilen aufgebläht ist? Wer sich durch Feierlichkeit der Bestätigung beunruhigen läßt, betrachtet Wissenschaft von seiner gewöhnlichen Höhle aus. Wer an die Gemeinschaft denkt, den können die dahinkriechenden Reptilien nicht gefährden.

       Ich sage euch, daß Ich die ganze Schwierigkeit des Aufbaues kenne. Ich verberge nicht, wie weit die Steine getragen werden müssen und weiß, wie groß die Trockenheit ist! Gerade diese Erkenntnis, gerade die Unzahl der Sterne verleiht die Bestätigung der feurigen Stufen!” (Gemeinschaft, § 154)

       Schwierig ist der Pfad wahrer Jüngerschaft. Wirklich, es ist weder das Schulwissen noch die Philosophie, geschweige denn Zwang durch Magie, die uns Geistigkeit verleihen können. Nur durch Lebenserfahrung, durch das Leeren des Giftbechers aller Lebensillusionen, durch Bewahren innigster Bestrebung zum Dienst am Allgemeinwohl können wir den KELCH AMRITA füllen.

* * *

       Ich war betrübt, zu lesen, daß es noch jemanden gibt, der mediumistische Veranlagung bewundert und sie als Errungenschaft bezeichnet. In der LEHRE, und im Osten im allgemeinen, wird dieser Zustand eher als Unglück bezeichnet; ich habe über die Einzelheiten dieser Gefahr bereits berichtet. Entsinnen Sie sich der Ausführungen über Mediumismus im Buch ”Agni Yoga“, § 228: ”… Medien gleichen ruderlosen Booten … Ein Medium ist nichts anderes als eine Herberge für entkörperte Lügner.” Wirklich, nicht jede Art von Hellsehen weist auf die Umwandlung der Zentren hin. Wirklich, hohe Hellsichtigkeit hat nichts mit Mediumismus zu tun. Allein der wahre Charakter der von Frau X. beschriebenen Visionen weist auf eine Verbindung mit den niederen Astralebenen hin. Echtes Hellsehen ist von Schönheit, Größe und Einfachheit begleitet, aber nicht von einem Haufen von Plunder. Auch die Umgebung, in der ihre Fähigkeiten sich entfalten, weist darauf hin, daß wir es genau mit Mediumismus und nicht mit geöffneten Zentren zu tun haben. Glauben sie mir, geöffnete Zentren sind in der Tat rar, und die Großen Herrscher, die die Evolution der Menschheit überwachen, hüten von früher Kindheit an sorgfältig jene Individualitäten, die sich das Recht erworben haben, geöffnete Zentren zu besitzen. Sie werden von Ihnen in eine günstige Umgebung gebracht, wo sie sich besser entwickeln und ihre Talente entfalten können. Aber die Großen Lehrer werden sich nie einer Person nahen, die inmitten der Ausdünstung von Alkohol wohnt und sich mit bezahlter Wahrsagerei befaßt. Dies wäre eine abscheuliche Profanierung des heiligen Wissens und der verborgenen Errungenschaften des Geistes.

       Die einzige Hilfe, die man Frau X. leisten kann, ist daher der Rat, alle Bücher über Magie beiseite zu legen und von Wahrsagerei abzulassen. Möge sie mehr arbeiten und die Bücher der Lehre lesen, aus denen sie viel Aufklärung schöpfen kann. Aber vor allem muß sie sich geistig läutern - sie sollte sich davor hüten, auf die Rufe aus der Astralwelt zu hören, dafür aber ihre Aufmerksamkeit und das Herz dem erwählten Bildnis des Lehrers schenken.

       Der Große Lehrer befindet sich gegenwärtig in einem Zustand, in dem er niemandem erscheint. Dieser Zustand könnte mit der Spannung eines Dynamo von ungeheurer Kraft verglichen werden. Aber Seine Hilfe kann auf völlig unerwartete Weise kommen, ”durch menschliche Hände und Füße”. In der Astralwelt gibt es eine Menge Personifikatoren und gute Schauspieler, dies muß man bedenken. Frau X. möge ”Die Stimme der Stille“ von H. P. Blawatsky lesen. Darin wird auf die Gefahren der astralen Welt ganz klar hingewiesen.

       Die Große Lehre des Lichts hat daher das richtige Wachstum des menschlichen Geistes im Auge, aber nicht die Entwicklung mediumistischer Fähigkeiten, die zu nichts führen können, sondern das Wachstum des Geistes nur hemmen sowie zerstörerisch wirken. Und da in den Grundlagen wahrer Evolution oder des Fortschritts nichts Mechanisches eingebaut werden kann, rate ich Frau X. nochmals, alle Bücher, die sich mit der Entwicklung von Hellsehen u. dgl. befassen, beiseite zu legen. In naher Zukunft, wenn die Menschheit im Verstehen der noch verborgenen Gesetze der feinen Energien vorangeschritten ist, wird es Gelegenheit geben, Medien für bestimmte wissenschaftliche Forschungen einzusetzen. Allerdings werden solche Medien ein sehr reines Leben führen müssen, und es werden Methoden gefunden werden, sie und auch jene, die mit ihnen in Berührung kommen, zu schützen. Aber ein derzeitiger Kontakt mit einem Medium kann für jene, die eine unstete Aura besitzen und in seiner Umgebung weilen, eine Gefahr bedeuten.

       Erklären sie ihr, wie schädlich die Konzentration auf ein bestimmtes Zentrum, wie sie in Büchern verantwortungsloser Autoren beschrieben wird, ist. Diese Konzentration erregt dieses Zentrum auf Kosten aller anderen und bringt so das ganze Schema ihrer Polarisation in Unordnung. Dieser Vorgang ist für die Schwingungen natürlich unheilvoll, da er das Gleichgewicht des hergestellten Schwingungsschemas stört. Denken Sie daran, was in der Lehre über die Arbeit des Lehrers mit dem Schüler bezüglich der Zentren und aller sieben Runden von Hellsehen und Hellhören gesagt ist. Der Lehrer überwacht den Zustand des Organismus des Schülers sorgsam und würde nie ein Zentrum auf Kosten eines anderen öffnen. Richtige Entwicklung kann sich nur in Harmonie und im Gleichgewicht vollziehen.

       Und nun über automatisches Schreiben. Dies muß ebenfalls als ein bestimmter Besessenheitsgrad betrachtet werden, denn beim automatischen Schreiben gibt es gewöhnlich einen äußeren Einfluß auf das physische Zentrum der Hand und auch auf das des Gehirns, was sehr schädlich ist und wenn oft geübt, in Paralyse enden kann.

       Ich habe nie automatisch geschrieben, aber ich hatte Gelegenheit, dieses Phänomen in Amerika zu beobachten, wo es weit verbreitet ist. Der Vorgang ist sehr unterschiedlich: Die einen behaupten, daß sie nicht wissen, was sie mit ihrer Hand schreiben, andere hingegen sagen, daß jedes Wort in ihr Gehirn klar eingeprägt wird. Manche schreiben sehr schnell und leidenschaftlich, andere sehr ruhig und jedes Wort sorgfältig. Es gibt auch solche, die plötzlich die Sprache wechseln, oder solche, die ohne jedwede technische Kenntnis und unfähig, einen einfachen Gegenstand zu zeichnen, plötzlich vollständige Bilder zeichnen. Es gibt auch Fälle, wo Menschen von rechts nach links schreiben, in einer ihnen unbekannten Sprache. Dies alles entspringt natürlich nicht dem Unterbewußtsein, sondern kommt offensichtlich durch äußere Beeinflussung. Und die Grade der sogenannten ”Schutzgeister“ oder Führer, die Kontakt suchen und führen wollen, variieren sicherlich sehr in der feinstofflichen Welt. Durch jene, die harmlos und freundlich zu uns sind, können wir unerwartet eine feindliche Kraft herbeiziehen - von keinem geringen Kaliber! Daher rate ich, solange keine gefestigte Herzensbindung mit dem Lehrer besteht, das automatische Schreiben zu unterlassen. Wir wissen nie, wer uns als Werkzeug verwenden will! Und außerdem können wir eine Kraft anziehen, die zu beherrschen wir nicht imstande sind. Daher möge jeder ernsthaft darüber nachdenken, bevor er unbekannten Kräften den Weg ebnet. Ist jemand dem Lehrer treu ergeben, welchen Nutzen bietet dann seine eventuelle Begabung zum automatischen Schreiben? Für einen Schreiber ist die Lehre ein unerschöpflicher Born von Themen.

       Nur Geistigkeit und Heldentat führen uns zu den erhabensten Errungenschaften - jenen eines Archaten. Könnte Frau X. auf den rechten Pfad gelangen, so wäre sie wirklich in der Lage, den Menschen zu helfen. Aber in ihrem gegenwärtigen Zustand kann sie nur das Tor zu den niederen Sphären der feinstofflichen Welt öffnen und unglückliche Opfer durch Besessenheit gefährden. Es gibt nichts, was trügerischer wäre als Visionen aus der feinstofflichen Welt. Wahrlich, halbes Wissen und Teilwahrheit sind weit gefährlicher als völlige Unwissenheit. Seien Sie geduldig, aber lassen Sie sich nicht durch Medien verleiten und betrachten Sie sie vor allem nicht als privilegierte Wesen!

       Ich will eine Seite aus ”Die okkulte Anatomie des Menschen“ von Manly P. Hall, einem begabten amerikanischen Interpreten okkulten Wissens, anführen: ”Es wird wahrscheinlich weise sein, den Unterschied zwischen einem Medium und einem Hellseher zu beschreiben. Eine Durchschnittsperson sieht hier keinen Unterschied, aber für den Mystiker sind diese zwei Phasen geistigen Sehens durch eine ganze Spanne menschlicher Evolution getrennt.

       Ein Hellseher ist, wer die Rückenmark-Schlange (Kundalini) in das Gehirn erheben konnte und sich durch sein Wachstum so das Recht erwarb, die unsichtbaren Welten mit dem dritten Auge oder der Zirbeldrüse wahrzunehmen. Dieses Organ des Bewußtseins, das vor Millionen von Jahren den Menschen mit den unsichtbaren Welten verband, wurde zu Zeiten Lemuriens geschlossen, als sich die objektiven Sinne zu entwickeln begannen. Der Okkultist hingegen kann durch den vorher erwähnten Entwicklungsvorgang dieses Auge wieder erschließen und damit die unsichtbaren Welten erforschen. Hellseher werden nicht geboren, sie werden gemacht. Medien werden nicht gemacht, sie werden geboren. Ein Hellseher kann man nur nach Jahren werden, manchmal durch Selbstvorbereitung in mehreren Leben; auf der anderen Seite kann das Medium … in wenigen Tagen Resultate erzielen. (Aber es muß hinzugefügt werden, daß das Medium mit nur beschränkter Fähigkeit in den niederen Sphären der überirdischen Welt arbeiten kann.)

       Automatisches Schreiben wird erreicht, wenn man es der ätherischen Hand einer außenstehenden Intelligenz gestattet, zeitweilig die physische Hand eines Mediums zu beherrschen. Dies aber wäre nicht möglich, wenn das Medium nicht seinen eigenen ätherischen Arm, den Doppelgänger, entfernte; denn zwei Dinge können nicht gleichzeitig den gleichen Platz einnehmen (auf ihrer besonderen Ebene). Der Vorgang zeitweiligen Entfernens der Lebenskräfte aus dem physischen Arm ist sehr gefährlich, er endet oft mit Lähmung. Mediumismus ist widernatürlich, Hellsichtigkeit hingegen das Ergebnis natürlichen Wachstums und Entfaltens der geistigen Natur. Hunderte von Medien entfallen auf einen Hellseher, denn Hellseher kann man nur werden durch Selbstbeherrschung und Aufwendung ungeheurer Kraft, wogegen der Schwache, der ein anfälliges und nervöses Individuum ist, das beste Medium abgibt. Der Hellseher entfaltet sein Inneres, indem er nützliches Wissen aufnimmt; die erste Weisung für ein Medium hingegen lautet, sich geistig zu entleeren. Mediumismus verhindert die richtige Evolution und muß als Rückschritt angesehen werden.”

       Daher ist es der größte Irrtum, mediumistische Fähigkeiten für geistige Errungenschaften zu halten. Wahrlich, sie sind der Antipode der Geistigkeit. Geistigkeit birgt die höchste Triade, die in Medien überhaupt nicht vorhanden ist. Schmälern Sie den größten Wert der Welt nicht. Geistigkeit wird immer von Ausgeglichenheit und angeborener Weisheit begleitet.

       Bemühen Sie sich, die Erscheinungen des Mediumismus, der heute so verbreitet ist, zu erkennen. In der Tat, niederer Psychismus unterscheidet sich von Mediumismus kaum und stellt ebenfalls keine geringe Gefahr dar. Aus diesem Grunde ist es so wichtig, alle Anstrengungen zu machen und die Menschen zur wahren Geistigkeit zu führen sowie ihren Charakter im Lebenskampf zu stählen.

       Ohne Läuterung des Charakters sowie Läuterung des Herzens in völliger Selbstlosigkeit ist es unmöglich, sich dem Bollwerk des Lichts zu nähern und wahres Wissen zu erlangen. Aber dies alles gilt wiederum nur für jene, die stark im Geiste sind. Für die Schwachen ist es bereits von großem Nutzen, wenn sie die BÜCHER DER LEHRE lesen, wenn sie eine gewisse Herzenswärme oder eine höhere Schwingung verspüren, die sie, wenn wiederholt geübt, festigt, wesentlich läutert und ihre Aura stärkt.

       ”Man muß stets dessen eingedenk sein, daß Unsere Lehre sich weder jemandem aufzwängt noch die Annäherung oder den freien Abgang verwehrt. Sie wird in weitem Maße gegeben und legt keine Verbote auf. Gewiß, Warnungen werden gegeben, aber keine Drohungen ausgesprochen, und es ist jedem überlassen, nach eigenem Willen zu handeln. Da das Heilige nur jenen gegeben wird, die durch viele Jahre und in vielen Schwierigkeiten ihre Hingabe an die Grundsätze der Lehre bewiesen haben, sind Verbote und Beschränkungen nicht nötig. Allen ist gegeben - nehmt soviel ihr könnt! Aber natürlich, wenig wird genommen, denn die Menschen haben es noch nicht gelernt, das Höchste anzunehmen.”

       Ich erachte den ”Ruf“ als ein äußerst nützliches Buch und als ebenso wichtig wie die anderen Bücher. Es behandelt in kurzen Aussprüchen das, was in anderen Büchern erweitert und in analysierter Form oder von anderen Standpunkten her erläutert wird. Im ganzen Aufbau darf nicht ein Stein fehlen. Das erste Buch ist der Grundstein!

       Ein gewisser Wissenschaftler spricht von den Irrtümern in den Büchern von H. P. Blawatsky. Ich möchte ihn gerne fragen, ob er die Irrtümer in den Büchern früherer und gegenwärtiger Wissenschaftler ebenso genau erwog. In der ”Geheimlehre“ gibt es viele Seiten von Hinweisen auf widersprüchliche Meinungen und Beschlüsse der Wissenschaftler sowie ihre aufgeblähten Theorien und Hypothesen. Und für die Person, die die Worte der Wissenschaft wörtlich nachspricht, möchte ich sagen: ”Seien Sie kein Papagei!” Prüfen Sie es selbst, und wenn Sie Gelegenheit haben, vergleichen Sie es mit der wahren Lehre, aber es ist nicht ratsam, etwas in den Raum zu werfen, was man nicht bewußt prüfte. Gleicherweise sind die Worte Soloviews nicht überzeugend. Fassen wir das Wort Nichtvorhandensein im Sinne der Inder auf, d. h. als absolutes Sein, dann wird es für den beschränkten menschlichen Verstand jedoch unfaßbar sein, das gebe ich zu. Wird es aber buchstäblich aufgefaßt, so wird es entstellt und ist einer denkenden Person unwürdig. Sie mögen meine Kritik hart finden, aber ich glaube, die Menschen sollten für die Worte, die sie aussprechen und zitieren, verantwortlich gemacht werden. Es ist letztlich an der Zeit, für das gesprochene Wort die Verantwortung zu übernehmen. An jedem Wort kann das Schicksal eines Menschen hängen.

       Ich sende Ihnen Mut und Kraft, denn vermehren sich die Freunde, sind die Feinde nicht weit. Aber ein Krieger des Lichts heißt den Widerstand willkommen. Stählen Sie daher Ihren Geist und schärfen Sie das Unterscheidungsvermögen.

       17. Oktober 1935

       In der Tat, Gott ist der höchste Aspekt der Liebe, und der ganze Bestand des Universums basiert auf Liebe und nichts anderem! Aber wie häßlich und gotteslästerlich wird diese Liebe verstanden! Wahrlich, der Begriff Liebe ist unserer gegenwärtigen Menschheit sehr fremd. In diesen höchsten kosmischen Begriff impfen die Menschen ihren Kannibalismus ein, oder zerstörerische Gedanken. Und deshalb ist es so schwierig und sogar schändlich, das Wort Liebe auszusprechen. Dieses Wort wurde auf den Lippen vieler Zweibeiner zur größten Profanierung.

       Ich kann Ihnen nicht beistimmen, daß niemand an etwas schuld wäre. Wirklich nicht, alle sind an allem schuld. Denn das ganze Universum ist eine endlose Kette von Ursachen und Wirkungen; wie könnten wir, Teilchen des Universums, von diesem kosmischen Gesetz ausgenommen sein? Die Vorbestimmung, von der Sie sprechen, gibt es, und sie wird nur verwirklicht, weil sie die Wirkung einer Ursache ist. So kann ich auch der Behauptung nicht beistimmen, daß die Menschen nach dem Tod und Hinübergehen in die feinstoffliche Welt augenblicklich ihre Zufriedenheit, Glückseligkeit und den Sinn, den sie auf Erden suchten, finden. Dies widerspräche dem erwähnten grundlegenden kosmischen Gesetz. Unzweifelhaft werden jene, die aufrichtig nach dem Sinn des irdischen Daseins suchen und nach den höchsten Idealen streben, sie dort finden - in völliger Entsprechung ihres Strebens und ihres Denkens. Es gibt keine gerechtere Richtschnur als jene, die der Mensch in sich trägt; denn seine eigene Aura, die aus Energien, Motiven und Gedanken gewoben wird, ist dieser gerechte Maßstab. Gerade diese Energien tragen seinen Geist auf jene Ebene, die er selbst schuf.

       Die feinstoffliche oder astrale Welt ist die Welt der Wirkungen; daher werden sich jene Gedanken und Bestrebungen, die auf de, Erde keine Anwendung fanden, dort auswirken, weil dort der innere Mensch mit all seinen Gefühlen und Bestrebungen lebt und wirkt. Aber kann man erwarten, daß ein ins Verbrechen abgesunkener Mensch, der über eine tierische Mentalität verfügt, dort Glückseligkeit und Zufriedenheit finden könnte? Insofern eine Wirkung die exakte Entfaltung einer Ursache ist - wie könnte ein böswilliger Mörder, ein Schänder, oder ein Törichter in den höheren Sphären, die für ihn infolge der feinen Schwingungen unerträglich wären, einen behaglichen Zustand verspüren? Dies wäre für ihn nicht nur unerträglich, sondern die unmittelbare Nähe eines Wesens aus den höheren Sphären verursacht einem solchen, wie er einer ist, unbeschreibliche Qualen; darüber hinaus wird er durch die Berührung mit den höheren Energien aufgelöst. Im gesamten Universum herrschen große Zweckmäßigkeit und genaue Schwingungseinheit. In der Tat, wir leben in einem riesigen Laboratorium, und wir selbst sind die Brennöfen. So kann man sich leicht vorstellen, wie die Energien oder chemischen Bestandteile, die in unsere Aura eingehen, auf unsere Umgebung wirken, und umgekehrt wir die uns umgebenden Energien aufnehmen oder abwehren. In allem und überall gibt es Wechselwirkung. Die Welt beruht auf dem Prinzip des Gleichgewichts, und dieses Gesetz zieht sich wie ein Faden durch alle früheren Lehren. Sobald der Mensch das Gleichgewicht erlangt hat, wird er frei von der Anziehung der Erde und ist imstande, bewußt und gleichzeitig auf drei Ebenen zu wirken - auf der irdischen, feinstofflichen und geistigen oder mentalen. Mit solch erweitertem Dasein, mit solch einem erleuchteten Bewußtsein erhält das Leben Sinn, Schönheit und eigene freudvolle Weisheit. Erweitertes Bewußtsein weist uns den Pfad der Evolution, den Pfad der Zukunft, und unser Gemüt bekennt sich dankbar zur Größe und Weisheit des Einen Gesetzes der Liebe, das auf der Erde als das Gesetz von Karma zum Ausdruck kommt. Ich sehe den Einspruch vieler Menschen über eine solche Erklärung von Karma voraus. Daher möchte ich sagen, daß jede Gewalt, die gegen die Gesetze des Universums verstößt, unvermeidlich Explosionen und Zerstörungen hervorrufen muß.

       Blicken wir zurück, so werden wir die dem Niedergang der alten Welt zugrunde liegende Ursache finden. In der Tat, in einigen Ländern vollzog sich das Ersticken des Denkens und des Geistes, das alle Arten von Wahnsinn hervorbrachte. Die lange eingedämmte Flut brach durch und schwemmte alles hinweg, was ihr in den Weg kam. Daher ist niemand und nichts imstande, dem Gedanken Einhalt zu gebieten - dieser feurigen Energie und der Krone des Universums. Ja, in allen Ländern hat im Bewußtsein der Massen ein großer Umschwung eingesetzt, aber viele Menschen können oder wollen das nicht zugeben und hoffen, zum früheren unverantwortlichen Leben zurückzukehren - in der Tat unverantwortlich, und diese verheerende Krankheit hat sich beinahe überallhin verbreitet. Glauben Sie nicht, meine Liebe, daß ich die kürzlichen Ereignisse rechtfertige und die ganze sich daraus ergebende Zerstörung oder das unwissende nivellierende Prinzip gutheiße. Vor allem ist das Prinzip der Gleichmacherei widernatürlich, denn es widerspricht allen kosmischen Gesetzen. Sein selbst beruht auf unbegrenzter Verschiedenartigkeit. Die gesamte Natur besteht in Vielfalt und ringt nach Lebendigkeit und Schönheit. Daher können wir sagen: Einförmigkeit ist Tod, und Vielfalt ist Leben. Darüber hinaus herrscht im ganzen Kosmos das Gesetz der Hierarchie - genau gesagt, Unterordnung des Niederen unter das Höhere. Was könnte ohne das Höhere Prinzip Bestand haben? Worauf gründet Evolution? Die Vielfältigkeit der Formen und Erscheinungen, zusammen mit der Einheit der feurigen Substanz, das Ringen nach Harmonie und Erlangen von Vervollkommnung sowie das führende hierarchische Prinzip sind die Grundlagen des Seins. Die Natur selbst ist unser Boden, unser größter Lehrmeister sowie Gesetzgeber.

       Und nun über Vorherbestimmung (Prädestination). Wir können das Ewige nicht vom Vergänglichen trennen. Ewigkeit ist das Warp, auf dem das ganze Blendwerk der offenbarten und vergänglichen Welt gewoben wird. Aus dieser Vergänglichkeit und gleichzeitig endlosen Bewegung wird in unserem Bewußtsein der Begriff Ewigkeit gewoben.

       Demzufolge besteht Prädestination sowohl für das Ewige als auch für das Vergängliche. Aber für das Ewige äußert sich Prädestination wirklich in der Ewigkeit seiner Bewegung; für das Vergängliche hingegen besteht es in seinen ewigen Wechselphasen, die durch neue Ursachen und Wirkungen ständig geweckt oder geschaffen werden, die dann wieder zu Ursachen werden und so fort bis ins Unbegrenzte. Mit anderen Worten, Prädestination ist ein Ergebnis einer zugrunde liegenden Ursache.

       Unser höheres feuriges Wesen ist ewig und unveränderlich, aber das Bewußtsein (oder die Seele), das von den sich um das fundamentale Korn sammelnden Energien aufgebaut wird, wächst und ändert sich. Daher ist das feurige Geisteskorn der ewige Träger ständig wechselnder Formen und Ausdrücke. Verschiedene Sphären und Welten durchschreitend, schafft es ständig Ursachen und Wirkungen, die zu einer bestimmten Form von Prädestination oder Schicksal gestaltet werden.

       Mittlerweile informieren prophetische Träume die Menschheit am besten von allem über die Zukunft. So ist die Landkarte der Welt lange im voraus festgelegt, so daß man sie in prophetischen Träumen wirklich wahrnehmen kann. Ich entsinne mich, wie ich zu Beginn des Krieges die Landkarte Europas und Asiens genau so gesehen habe, wie sie jetzt ist. Aber es wird bereits ein neues durch die alte Welt verursachtes Schicksal vorbereitet. Was unser Vaterland betrifft, so wollen wir nicht beunruhigt sein. Sicher ist, daß nicht die verschiedenen Parteien es retten werden, sondern die Hunderte und Tausende von Iwans. Und diese Iwans werden ein neues Licht fordern, neue geistige Nahrung und jene Lehren, die durch Verstand und Logik berechtigt sind. Folglich müssen die Gewänder der neuen geistigen Führer wirklich schneeweiß sein, und sie werden den großen geistig Schaffenden der Menschheit folgen müssen und nicht die Großen Bildnisse in einem Zerrspiegel von Unwissenheit und Habsucht entstellen. Mit großer geistiger Befriedigung las ich das Buch ”Dobrotolubye“ und das Werk Origenes ”Über die Elemente“. Abgesehen von den von späteren Eiferern durchgeführten zahlreichen Änderungen, ist es erstaunlich, wie sehr sich unsere derzeitigen Kirchenväter von den ursprünglichen reinen Bündnissen der Christenheit entfernten! Denken Sie daran, daß erst im 6. Jahrhundert n. Chr. am Zweiten Konzil in Konstantinopel die Lehre der Wiedergeburt abgeschafft wurde! So häuften sich Behauptungen habsüchtiger und kleinlicher Gemüter und wurden zu Dogmen für die nachfolgenden Generationen, die es nicht mehr wagten, frei zu denken. Diese Magier und Zauberer verwandelten für Zeitalter die Behauptungen schwankender, beschränkter Gemüter in unabänderliche Grundsätze, bis zu Göttlichen Offenbarungen.

       Über die Wiederverkörperung gibt es in den Evangelien so viele Bestätigungen mit Christi eigenen Worten. Die Kirchenväter begingen eine große Sünde, indem sie aus dem Bewußtsein der ihnen anvertrauten Herden dieses Gesetz der Höchsten Gerechtigkeit beseitigten. Aber auch uns trifft keine geringe Schuld, wenn wir uns durch passives Verhalten dem Bösen nicht widersetzen.

       So sind wir alle schuldig, sowohl für uns als auch für andere, denn wir können uns von den anderen Menschen und vom Kosmos nicht absondern. Wahrhaftig, der Kosmos ist in uns und wir sind in ihm. Denn nur durch die Erkenntnis dieser Einheit ist es uns möglich, uns diesem Sein einzugliedern. Die grundlegenden Fragen über den Sinn unseres Seins sind seit langem gelöst, aber die Menschen wollen das nicht annehmen, denn niemand will für jeden Gedanken, jedes Wort und jede Tat Verantwortung übernehmen. Und solange wir diese Verantwortung für die eigene Vervollkommnung, für die Erde und die uns umgebenden Sphären nicht übernehmen, werden wir zur Erde zurückkehren. Nach Erlangung unserer irdischen Vervollkommnung werden wir in den herrlichen Glanz mannigfaltiger Schönheit der fernen Welten eingehen, wir werden die nächste Stufe unserer Evolution auf der Leiter unbegrenzter Vervollkommnung betreten.

       Ganz richtig schreiben Sie: ”Gibt es Gerechtigkeit, solange wir keine Liebe besitzen?” In der Tat, Gerechtigkeit ohne höheres Wissen, das dem Menschen mit der Bekundung der Göttlichen Liebe verliehen wird, ist nur ein Zerrbild. Wahrhaftig, je näher zu Gott, um so weniger Verurteilungen. Aber wir dürfen nicht ins andere Extrem verfallen - sich nicht dem Bösen zu widersetzen. Nichtwidersetzung gegen das Böse verursacht mehr Schaden als aus Unwissenheit im Eifer des Gesetzes begangene Ungerechtigkeit; denn in letzterem Fall werden die Opfer Ausgleich, d. h. Gerechtigkeit erfahren, wenn nicht im irdischen Leben, dann in der feinstofflichen Welt, wo geerntet wird. Aber wer vermag jene Sphären zu erwägen, in denen Böses infolge Nichtwidersetzung oder Kleinmütigkeit kurzsichtig und stillschweigend geduldet wird? Die Kräfte des Bösen sind aktiv, halten in ihren Unternehmungen zusammen und sind ihrer Wirkung heftig. Aber die ”Leuchtkäfer“, die sogenannten ”Lauen“, können sich nicht einigen, denn sie befassen sich zu sehr damit, einander zu vernichten. So offenbart sich das Ende unserer fünften Rasse, doch die kommende Runde der sechsten Rasse wird zu einem erneuerten Bewußtsein führen.

       Ihr Gedanke über einen steten Rat der Weltpatriarchate kommt unserem alten Traum von einem Kulturrat sehr nahe. Aber für jedes absterbende Bewußtsein wäre dieser Gedanke sicherlich eine Utopie. Wahrlich, dieser Rat oder die Liga der Kultur wird in der kommenden Rasse, in der die Geistigkeit erwacht, verwirklicht werden. Es treten jetzt bereits einige Vorboten der sechsten Rasse auf der Erde in Erscheinung. Wirklich, ihre erleuchteten Ideen zementieren den Raum für künftige Inkarnationen auf der Erde. Sie sind es, die alle reinen Bewegungen schaffen, verteidigen und die Horden der Finsternis bekämpfen. Nebenbei gesagt, glaube ich an die Zukunft Südamerikas, denn sein Potential ist groß, und in der Esse des Kampfes werden seine Länder Kraft erringen und ihren erhabenen Pfad finden Waren sie nicht die Ersten, die die Idee des Friedensbanners sowie den Pakt für den Schutz der Schätze menschlicher Genien förderten? Sie erkannten die große erzieherische Bedeutung des Paktes und des Friedensbanners für den Aufstieg der Generationen, deren Bewußtsein von Kindheit an vorbereitet werden muß, um die unersetzlichen Werte der Schätze menschlicher Schaffenskraft zu begreifen. Nur mit solch einem Verstehen und mit der Sorge um die höheren Begriffe und Werte können wir das Tier in uns und damit die Grobheit, die diesem Zustand eigen ist, besiegen.

 

  4. November 1935

       Ich war sehr traurig, daß der von Ihnen erwähnte Lehrer nicht jene Duldsamkeit und Weitsicht aufbringt, die solch einem großen Geist ziemt und von seinen Schülern erwartet wird. Ich erwähne das, weil mir zu Ohren gekommen ist, daß dieser Lehrer seinen Schülern verbietet, die Übersetzungen der Bücher der AGNI YOGA-Serie zu lesen und ihnen überhaupt untersagt, über die BÜCHER DER LEBENDIGEN ETHIK etwas zu schreiben. Ebenso seltsam ist seine unsinnige Bemerkung, daß das Buch AGNI YOGA gefährlich sei! Ich möchte wissen, welche Gefahr dieser Lehrer und auch ein anderer, der früher davon sprach, in diesem Buche sehen? Es scheint, daß diese Lehrer ihre Intoleranz noch nicht ablegten; vielleicht war auch ein gewisser Neid dabei. Aber laßt sie ziehen. Jeder wählt und baut seinen eigenen Pfad. Und nur die Zeit, der große Läuterer, wird zeigen, wer recht hat.

       Da ich des öfteren Briefe erhalte in denen Menschen fragen, welchem gegenwärtigen geistigen Lehrer sie folgen sollen und ob es möglich wäre, daß Anhänger, sagen wir von Peter Donow oder Krishnamurti sich der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK anschließen könnten, so meine ich, daß es von Nutzen wäre, Ihnen meine Antwort an einen dieser Fragesteller zu zitieren:

       ”Wahrlich, die Wege sind verschieden: der eine ist leichter und länger, der andere schwieriger, aber kürzer. Freiheit des Glaubens ist die erste Regel jeder wahren Lehre. Spricht daher eine Lehre von der Verbesserung des Lebens und der Selbstvervollkommnung, so ist alles gut und schön - möge jede solche Lehre ihre Anhänger haben. Aber warum sollten sie gewaltsam auf die eigene Stufe gezogen werden? Wenn sogar schöne Blumen nach ihren okkulten Eigenschaften ausgewählt und gepflanzt werden sollten, weil sie andernfalls einander vernichten; wenn sogar ein bunter Blumenstrauß, ohne diese Kenntnis, explosiv werden und in unseren Händen Krankheiten auslösen kann; wie viel mehr sollte dies bei Menschen beachtet werden! Und wie vorsichtig sollten sie vorgehen, wenn sie sich der Lehre nähern und Gruppen bilden!

       Geistige Einheit bedeutet vor allem Duldung vieler und verschiedener Bewußtseinsgrade, zwingt aber niemandem etwas auf. Der Wunsch nach jeglicher Einebnung ist bereits ein solches Aufdrängen. In allem sollte man das Beispiel der Natur zugrunde legen, denn die Natur umfaßt alles, führt aber nur Verwandtes zusammen - Harmonisches. Laßt uns daher diese Lebensäußerung in ihrer ganzen Vielfältigkeit annehmen, denn darin liegt die ganze Kraft und Schönheit. Unsere wahre Stute enthüllt daher, was unserem Herzen am nächsten steht. Die Zeit wird kommen, wo unser Geist die nächste Stufe anzeigt. Mein Rat ist, keine künstliche Nivellierung herbeizuführen, sondern wohlwollende Duldsamkeit zu üben und aufrichtig dem zu folgen, was einem nahesteht.”

       Und nun möchte ich Ihre Fragen beantworten:

       1. Auf der Astralebene gibt es viele, die die Großen Lehrer nachahmen, und diese unverantwortlichen Geister führen viele Neophyten in die Irre. Auch muß man daran denken, daß die Großen Lehrer weder zu Spiritismus aufmuntern noch zu Magie, sondern stets auf die Gefahr solcher Praktiken hinweisen. Es gibt zur Zeit so viele Menschen, die inbrünstig, und ich möchte sagen, sogar selbstaufopfernd, in den Fängen der Finsteren arbeiten und oft bewußt oder unbewußt die schwärzeste Magie anwenden. Aus den BÜCHERN DER LEBENDIGEN ETHIK können Sie entnehmen, wie die Lehrer vor Magie warnen und welch harte Ausdrücke sie gegen Mediumismus und alle gewaltsamen mechanischen Mittel zum Öffnen der Zentren anwenden, die von den unverantwortlichen pseudo-okkulten Schulen empfohlen werden. Wo das Wort des Großen Lehrers ertönt, kann es keine mechanischen Mittel oder magische Formeln geben.

       Kann der Magie dort Raum gegeben werden, wo man nicht die Umwandlung des inneren Menschen im Auge hat? Alle Lehren des Lichts befassen sich ausschließlich mit dem inneren Menschen, dessen Sphäre das Gedankenreich und das Herz ist.

       2. Die Versuche Ihres Freundes, Sie von allen Formen und Ritualen abzuhalten, sind unberechtigt; denn ist die Ausübung von rhythmischer Gymnastik, Tanz und Gesang nicht ebenfalls Ritual oder Zeremonie eigener Art? Die Menschen lieben es, dem gleichen Ding verschiedene Namen zu geben. Unbestritten, je höher das Bewußtsein, desto weniger bedarf es der irdischen Symbole: jedoch können wir nicht alle Formen gänzlich aufgeben; denn das Leben offenbart sich durch Formen, und eine Form löst die andere ab. Primär sind wir selbst Träger der Form, und in jeder Schöpfung, jeder Erscheinung und Tat sind wir durch die Form gebunden. Wir sollten daher nicht versuchen, Formen zu beseitigen, sondern sie lieber erneuern und vervollkommnen, sie den Forderungen der Zeit anpassen.

       Und so haben Sie völlig recht, wenn Sie sagen, daß es vor allem in den Religionsformen Rituale gibt und daß sie niemals aufgegeben werden, sondern daß eine Form die andere ablösen soll. Indem wir Gott im Geist verehren, können wir nichtsdestoweniger im Herzen den Wunsch hegen, ihm die besten Ausdrucksformen unseres erhabenen Strebens darzubringen. Und werden diese Bestrebungen sich nicht in schönen und angepaßten Schöpfungen sowie Erscheinungen des menschlichen Geistes ausdrücken? Sicherlich, in Zukunft wird jede Form nach dem feurigen Wesen bewertet werden, das sie verkörpert. Seien Sie daher nicht beunruhigt und offenbaren Sie sich in der Art, wie es Ihnen Ihr Herz gebietet. Die Schönheit des Seins liegt in der Vielfalt seiner Erscheinungen. Laßt uns hoffen, daß jede neue Form schöner ist als die frühere.

       3. Und weiter, man sollte daran denken, daß viele Personen behaupten, Schüler der Mahatmas zu sein; aber die Zahl echter Schüler ist gering. Ein Großer Lehrer wurde einst gefragt, ob er viele vertraute Schüler habe und er antwortete: ”Weniger als die Zahl der Finger einer Hand.”

       In der Tat, wie können sich die Meister, die für die Welt Wache halten und den größten kosmischen Kampf führen, mit der Aufnahme einer großen Schülerzahl belasten? Bedenken Sie den gegenwärtigen Bewußtseinszustand der Menschheit - dies würde eine unproduktive Vergeudung kostbarster Energie bedeuten, die für die Erhaltung des Gleichgewichts unseres Planeten so notwendig ist. Es gibt viele, die die Bücher der Lehre der Weißen Bruderschaft lesen, dem gewiesenen Pfad geistig folgen und sich dabei schon als Schüler dieses oder jenes von ihnen erwählten Großen Lehrers wähnen. Zum Teil haben sie recht, denn sind sie beständig bestrebt und bemühen sie sich vor allem, die Lehre im Leben anzuwenden, werden sie früher oder später, in diesem oder einem anderen Leben, den Pfad echter Jüngerschaft betreten. Aber fragen Sie sich selbst aufrichtig und ernsthaft - sind Ihnen viele solcher Schüler begegnet, die im Leben auch nur teilweise die Grundsätze der LEBENDIGEN ETHIK befolgen, wie sie es aus den Büchern der Lehre erfahren haben? Und kann man ohne völlige Anwendung der Lehre, oder besser gesagt, ohne selbstlose Heldentat im Leben eine engere Annäherung erhoffen? Denken Sie an die Last eines Lehrers, der die Verantwortung für seine Schüler übernimmt! Ich kann Ihnen sagen, daß die Last schrecklich ist! Wer mit den okkulten Gesetzen nicht vertraut ist, kann sich das Ausmaß dieser Spannung gar nicht vorstellen!

       Allerdings sollte man nicht die Visionen der Psychiker als Hellsehen bezeichnen. Denn ”in diesen Visionen gibt es viel bewußte und noch mehr unbewußte Täuschung … undisziplinierter Psychiker. Das Gebiet des Psychismus ist so komplex, so furchtbar, und es birgt für ”irregeführte Adepten“ viele Überraschungen …” Wie es in der Lehre heißt: ”… Ohne die Höhere Führung kann man in dieser Sphäre nicht sicher sein.” Nur ein Schüler, der von den Großen Lehrern geführt wird, kann die Visionen unterscheiden. Um zu sehen und richtig zu begreifen, muß man das niedere Manas beherrschen lernen und darf seine Einmischung nicht zulassen. Es gibt viele Beispiele von Visionen, wo das höhere Manas die Wahrheit offenbarte, aber das Gefühl der Selbstsucht seinen niederen Aspekt hervorkehrte. Durch das Einmischen wurde nicht nur viel Eigenes beigemengt, sondern der ganze Sinn der offenbarten Wahrheit entstellt.

       Ich möchte eine Seite aus der LEHRE anführen: ”Einem feurigen Geist wird die Fähigkeit verliehen, feine Energien wahrzunehmen. Nur das feurige Bewußtsein ist imstande, einen Strom feiner Energien zu leiten. Daher müssen die Berichte mit großer Unterscheidungskraft sehr genau geprüft werden. Weil die Menschen meinen, das Höchste auf niederer Ebene sehen zu können, sind die Bildnisse der Herrscher so entstellt worden. In der Tat, die Menschen meinen, das Höhere sollte dem Niederen dienen, aber sie erkennen nicht, daß nur das Verstehen des Dienens einem das Recht verleiht, ein offenbartes Glied der Kette zu werden. So ist es das entstellte Verstehen der Sendungen das Ergebnisse zeitigt, die den Raum verseuchen …

       Daher wollen Wir vor den Entstellungen und falschen Mitteilungen warnen. Aber was enthüllt ein Medium oder ein mit Imperil vergifteter Empfänger? Daher ist es notwendig, das profane menschliche Wirken zu läutern und diese Mitteilungen in Zukunft zu vernichten. In der feurigen Welt kann nur das feurige Bewußtsein ein wahrer Empfänger Unserer Sendungen sein.

       Man wird fragen, warum Wir den falschen Quellen nicht Einhalt gebieten; warum Wir nicht jene entlarven, die die Sendungen entstellen? Würde man den Strom, in dessen Kielwasser die Menschheit voranschreitet, gewaltsam aufhalten, dann würde Fanatismus sich in Brutalität verwandeln. So fließt der üble freie Wille wie Lava und verschlingt auch jene, die sich gegen das Gute auflehnen, wie die Geschichte beweist. Gewaltmaßnahmen können für die Menschheit gewiß keinen rechtschaffenen Pfad bahnen. So können die feinen Energien nur von einem feurigen Bewußtsein aufgenommen werden. Daher ist Duldsamkeit wahrhaftig das Los des feurigen Bewußtseins. Allerdings sollte man immer läutern, wo immer es Anhäufungen von Unflätigkeit gibt, und das Los des feurigen Bewußtseins ist es, die Mitteilungen des Raumes zu läutern. Unter den angehäuften Seiten menschlicher Schriften wird man jene verderblichen Mitteilungen beachten müssen, die die Gehirne selbst gutgesinnter Menschen trübten. So sollte man auf dem Pfad zur Feurigen Welt die große Bedeutung der Wahrnehmungsfähigkeit höherer Energien und feinstofflicher Sendungen verstehen.” (Feurige Welt III)

       4. Der ganze Osten glaubt an das Kommen des Herrschers Maitreya, aber einige wissen, daß der Herrscher Maitreya jetzt in der Gestalt des Herrschers der Schambhala weilt. Sicher, Sein Kommen darf nicht als Erscheinung im Fleische verstanden werden, nach irdischen Bedingungen unter den Erdbewohnern. Die Lehre des Herrschers Maitreya wird sich über die ganze Welt verbreiten und das Neue Zeitalter, das Zeitalter des Erwachens des Geistes, verkünden, das auch das Zeitalter der Frau genannt wird.

       Es befremdet zu hören, daß manche Menschen meinen, die Großen Lehrer wären wegen der BÜCHER DES AGNI YOGA in zwei Lager gespalten. Diese Meinung ist eine armselige irdische Vorstellung, denn die Lehrer, die der Hierarchie des Lichts angehören, können nie in zwei Lager aufgespalten sein. Dies ist nur der schwarzen Bruderschaft eigen, wogegen der Beschluß der Hierarchie des Lichts immer monolithisch ist. Daher besiegt auch das Licht die Finsternis.

       Es ist wahr, die Beschäftigung mit Okkultismus auf die Art, wie sie die meisten verstehen - in der Durchführung mechanischer Übungen - ist sehr gefährlich. Aber der Pfad des Lichts, der Pfad selbstlosen Dienstes zum Wohle der Menschheit, Bereitschaft des Geistes, unablässige Bestrebung nach Vervollkommnung des inneren Menschen sowie treue Hingabe an das erwählte Ideal - dieser Pfad hat, obwohl er sehr schwierig ist, seine geistigen Freuden. Auf der letzten Stufe leert der Lichtträger unvermeidlich den Giftbecher, den Kelch des Verrats durch die Nahestehenden. So war es und so wird es sein. Je heller das Licht, um so dichter die Finsternis. Darüber hinaus hat jeder Lichtträger seinen Judas oder Devadatta - sei es ein treuloser König, wie im Falle St. Germain, oder die Coulombs und Soloviews im Falle Blawatsky. In der Geschichte jedes Lichtträgers gibt es eine unheilvolle Seite finsteren Verrats.

       5. Jedes aufrichtige Anklopfen des Herzens wird gehört werden. Klopfen Sie daher an und seien Sie nicht niedergeschlagen, wenn die Antwort nicht sofort erfolgt. Die Antwort kommt immer unerwartet und meistens nicht in der Weise, wie von uns erhofft; dafür gibt es viele Gründe. Seien Sie daher wachsam und lernen Sie erkennen. Vervollkommnen Sie sich.

       Ich heiße Ihren Wunsch, Ihre Freunde in die Lehre einzuweihen, willkommen. Wir nennen sie die LEHRE DER LEBENDIGEN ETHIK, denn unter dieser Bezeichnung nehmen sie die Menschen eher an. Infolge unverantwortlicher Interpreten der östlichen Lehren bringen die meisten Leser das Wort Yoga leider mit magischem oder schädlichem Fakirismus in Zusammenhang.

       16. November 1935

       Es wurde der Rat erteilt, das Buch mit folgenden Worten zu beenden: ”Geschrieben an der Schwelle vorbestimmter Frist.” Sie können auch andeuten, daß die Neue Zeit naht, um die alte abzulösen und daß an dem Vorgang dieses Wechsels alle kosmischen Kräfte teilnehmen werden. Selbst bei geringer Voraussicht müßte der Mensch gewahren, wie sehr die Welt erbebt, wie alle Sphären in Vorbereitung für den räumlichen und irdischen Kampf angespannt sind. Selbst ein geringes Bewußtsein sollte den Aufbau erkennen, dem die Welt sich zuwendet. Selbst jene, die nicht gewillt sind zu verstehen, daß das Karma, das alle Pfade zu einer großen Erneuerung führt, unvermeidlich ist. Man kann sich wirklich nur wundern, wie sehr die Menschheit in selbst geschaffenen Illusionen verharrt.

       ”Sicher, Weitsichtige sprechen vom Nahen des Weltenendes. Sie sprechen davon so, wie es ihnen in der Elementarschule gelehrt worden ist. Sie sind zu unbedeutend, um dafür getadelt zu werden, denn ihre Köpfe sind von Kindheit an mit den verderblichen Ideen vollgepfropft worden. Sie fühlen aber dennoch ein gewisses Ende von etwas. Obwohl nur trübe vernommen, erahnt ihr Geist dennoch eine Veränderung. Man nennt sie falsche Propheten, doch solch ein Urteil ist nicht gerecht, denn sie fühlen auf ihre Art das Ende einer veralteten Welt. Nur sind sie unfähig, die äußeren Zeichen zu erkennen. In der Tat, die Stunde ist nahe, wo nutzlose Hüllen fallen und die Welt des Lichts beginnt, sich in Freude zu verwandeln. Der wichtigste Vorgang kann sich sichtbar-unsichtbar vollziehen.”

       ”Werden Vorwarnungen gegeben, dann ist es leichter Ereignisse zu erkennen. Es ist bereits etwas geboren worden, aber die Menge ist mit Vergnügungen befaßt. Eine Explosion wird bereits vorbereitet, doch die Menge eilt auf die Rennbahnen. Alte Propheten wußten von vielen Veränderungen, die den Geschichtsschreibern nun klar erscheinen. Aber ihre Zeitgenossen vermochten jene, die vorausschauend waren, nur zu steinigen. Ist es nicht auch heute so?” (Feurige Welt III)

       Und jetzt zu Ihren Fragen. Ich möchte gerne einige Beifügungen geben zur siebenfältigen Konstitution des Menschen:

       1. Der physische Körper.

       2. Der Ätherkörper oder ätherische Doppelgänger (manchmal der niedere Astralkörper genannt). Viele der Phänomene bei spiritistischen Sitzungen geschehen mit Hilfe des ätherischen Doppelgängers des Mediums.

       3. Prana - das Lebensprinzip, untrennbar von allen Erscheinungen des Kosmos.

       4. Kama - die Tierseele (oder der höhere Astralkörper), durch den der Wunsch in zwei Aspekten zum Ausdruck kommt:

       a) Kama-Manus, niederer Verstand oder Intellekt,

       b) Kama-Rupa - Form (die niedere subjektive Form von mentalen und physischen Wünschen und Gedanken, oder der Denker in Tätigkeit).

       5. Manas - das Selbstbewußtsein oder der Denker (höhere Intelligenz).

       6. Budhi - Geistigkeit, die Geistseele, zum Unterschied zur menschlichen Tierseele; der Leiter durch den Atma sich offenbart.

       7. Atma - Geist, feuriges Element oder Energie, die sich im ganzen Kosmos ausbreitet.

       Doch jetzt, nachdem wir diese siebenfältige Unterteilung kennen, wollen wir die Praxis verallgemeinern, denn es ist immer notwendig zu verallgemeinern. Weisen Sie daher darauf hin, daß die sogenannten Prinzipien in uns (mit Ausnahme des physischen Körpers und des ätherischen Doppelgängers, die sich nach dem Tod auflösen) genaugenommen nur Aspekte oder Zustände unseres Bewußtseins sind. In der Tat, alle Unterteilungen in Geist, Seele, Manas - höheres und niederes, sind in Wirklichkeit nur verschiedene Eigenschaften ein und derselben Grundenergie, nämlich des Feuers, des Lebens oder des Bewußtseins, deren höchster Aspekt die psychische Energie ist. Um eine höhere Geistigkeit, also die Feurige Welt zu erlangen, müssen wir daher die Feuer unserer Nervenzentren bis zu ihrem siebenten Zustand umwandeln und vergeistigen. So ist die Feurige Welt die Welt vergeistigter Gefühle und geläuterten Bewußtseins. Nicht ein einziges menschliches Gefühl schwindet, es bleibt in der Feurigen Welt in seinem vergeistigen oder verfeinerten Zustand erhalten, es entspricht den höheren Anziehungen und Schwingungen. Der ganze Kosmos ist auf der siebenfältigen Grundlage aufgebaut; daher enthält jede Energie, jede Erscheinung in sich eine siebenfältige Abstufung der Spannung und Verfeinerung.

       Und jetzt zu der Frage, die Sie so sehr interessiert - die Planetenkette des Mondes: Wie ich Ihnen bereits geschrieben habe, muß man unter Planetenkette einen bestimmten Planeten in verschiedenen Phasen seiner Entwicklung, begleitet von seinen unsichtbaren Sphären, verstehen. Alles in der Natur entwickelt sich nach dem ewigen Gesetz des siebenfältigen Prinzips. Daher hat jeder Planet, ähnlich wie beim Menschen, seine sieben Prinzipien oder sieben Sphären. Von diesen sieben Sphären sind die niedersten und materiellsten (in der irdischen Kette ist es unsere Erde) unserer Kenntnis völlig zugänglich, die anderen sechs hingegen liegen außerhalb ihrer und sind für das physische Auge unsichtbar. Und jede solcher Weltenketten ist eine sogenannte Verkörperung oder das Produkt (Kind-Nachkommenschaft) einer anderen, niederen und toten Kette. Diese sieben Sphären entsprechen den Prinzipien des Menschen. So ist unsere irdische Kette eine Verkörperung oder ein Abkömmling der älteren Mondkette.

Grafik aus der Geheimlhre:

Fig. 1 MONDKETTE            Fig. 2 ERDKETTE

globus

       ”Wenn eine Planetenkette in ihrer letzten Runde ist, so sendet ihre Kugel A, bevor sie schließlich abstirbt, ihre gesamte Energie und ihre Prinzipien in ein neutrales Zentrum latenter Kraft, in ein Layazentrum, und beseelt damit einen neuen Kern von undifferenzierter Substanz oder Materie, d. h. ruft ihn zu Aktivität und gibt ihm Leben … Man stelle sich die sechs Mitgloben des Mondes vor - Äonen früher, bevor der erste von unseren sieben Globen evolvierte - genau in derselben gegenseitigen Lage, wie sie die Mitgloben unserer Kette jetzt in bezug auf unsere Erde einnehmen.

       Es wird nunmehr leicht sein, sich weiter vorzustellen, daß Kugel A der Mondkette Kugel A der Erdkette beseelt und - stirbt; daß die nächste Kugel B der neuen Kette zusendet (der Erdkette); daß dann der Mond (unser Satellit) in die niedrigste Kugel unserer Planetenkette - Kugel D, unsere Erde - all sein Leben, seine Energie und seine Kräfte ausströmt …

       Der Mond ist unleugbar der Satellit unserer Erde; aber das entkräftet nicht die Theorie, daß er der Erde alles bis auf seinen Leichnam gegeben hat …; und nachdem er (der Mond) sie in ein neues Zentrum übertragen hat, tatsächlich ein toter Planet wird, in dem seit der Geburt unseres Globus die Rotation nahezu aufgehört hat.”

       ”Warum sollen Venus und Merkur keine Trabanten haben, und wodurch wurden sie, wenn sie existieren, gebildet? Die Astronomen wissen es nicht, weil, sagen wir, die Wissenschaft nur einen Schlüssel besitzt, um die Geheimnisse der Natur zu erschließen - den Schlüssel der Materie, während die okkulte Philosophie sieben Schlüssel hat und das erklärt, was die Wissenschaft zu sehen verfehlt. Merkur und Venus haben keine Satelliten, aber sie hatten ”Eltern“, genauso wie die Erde.

       Beide sind viel älter als die Erde, und bevor diese ihre siebente Runde erreicht, wird ihre Mutter, der Mond, sich in dünne Luft aufgelöst haben, wie es mit den Trabanten der anderen Planeten geschehen oder auch nicht geschehen ist - je nachdem, da es Planeten gibt, die mehrere Trabanten haben - wieder ein Rätsel, das kein Ödipus der Astronomie gelöst hat.

       Der Mond ist jetzt der erkaltete, übriggebliebene Rest, der Schatten, der dem neuen Körper nachgezogen wird, in den seine lebendigen Kräfte und Prinzipien übergeleitet wurden. Er ist verdammt, durch lange Zeitalter immer die Erde zu verfolgen, von seinem Sproß angezogen zu werden und ihn anzuziehen. Beständig vampirisiert von seinem Kind (der Erde), rächt er sich dadurch an ihm, daß er es durch und durch mit dem verderblichen unsichtbaren und vergifteten Einfluß durchtränkt, der von der okkulten Seite seiner Natur ausstrahlt. Denn er ist ein toter, aber doch ein lebender Körper. Die Teilchen seines zerfallenden Körpers sind voll aktiven und destruktiven Lebens, obwohl der Körper, den sie gebildet hatten, seelenlos und leblos ist. Daher sind seine Ausstrahlungen - gleichzeitig wohltätig und verderbenbringend - ein Umstand, der seine Parallele auf der Erde darin findet, daß Gras und Pflanzen nirgends saftiger und üppiger sind, als auf Gräbern, während zu gleicher Zeit die Grabfeld- oder Leichenausdünstungen tödlich wirken … Die Natur und Eigenschaften des Mondes waren einem jeden Okkultisten bekannt, aber dem Physiker sind sie ein verschlossenes Buch geblieben.”

       ”Zum Nutzen jener, die die Lehre von den siebenfältigen Weltenketten im solaren Kosmos nicht gelesen oder nicht klar verstanden haben, sei die Lehre im folgenden kurz zusammengestellt

       1. Alles im metaphysischen sowohl wie im physischen Universum ist siebenfach. Daher werden jedem siderischen Körper, jedem Planeten, sei er sichtbar oder unsichtbar, sechs begleitende Globen zugeschrieben. Die Evolution des Lebens schreitet auf diesen sieben Globen oder Körpern voran, vom ersten bis zum siebenten, in sieben Runden oder Zyklen.

       2. Diese Globen (oder Sphären) werden durch einen Prozeß gebildet, den die Okkultisten die ”Wiedergeburt einer Planetenkette (oder Ringes)“ nennen. Wenn die siebente und letzte Runde eines solchen Ringes eingetreten ist, beginnt der höchste oder erste Globus, A, gefolgt von allen übrigen bis hinab zum letzten, statt in eine gewisse Periode der Ruhe - oder ”Verdunkelung“, wie in den früheren Runden - einzutreten, auszusterben. Die planetarische Auflösung (Pralaya) ist nahe und ihre Stunde hat geschlagen; jeder Globus hat sein Leben und seine Energie auf einen anderen Planeten zu übertragen

       3. Unsere Erde als die sichtbare Repräsentantin ihrer unsichtbaren höheren Mitgloben, ihrer ”Herren“ und ”Prinzipien“, hat, ebenso wie die anderen, durch sieben Runden zu leben. Während der ersten drei bildet und konsolidiert sie sich; während der vierten gewinnt sie Festigkeit und verhärtet; während der letzten drei kehrt sie stufenweise in ihre erste … Form zurück - sie wird sozusagen vergeistigt.

       4. Ihre Menschheit entwickelt sich vollständig erst in der vierten - unserer gegenwärtigen Runde. Bis zu diesem vierten Lebenszyklus wird sie nur in Ermangelung eines angemessenen Ausdruckes als ”Menschheit“ bezeichnet. Gleich der Raupe, die zur Puppe und zum Schmetterling wird, geht während der ersten Runde der Mensch, oder vielmehr das, was zum Menschen wird, durch alle Formen und Reiche, und während der zwei folgenden Runden durch alle menschlichen Gestalten hindurch. Angelangt auf unserer Erde mit dem Beginn der vierten Runde, ist in der gegenwärtigen Reihe von Lebenszyklen und Rassen der Mensch die erste Form, die auf der Erde erscheint, da ihm nur das Mineralreich und das Pflanzenreich vorausgehen - ja auch das letztere hat seine weitere Evolution durch den Menschen zu vollziehen und fortzusetzen … Während der drei zukünftigen Runden wird die Menschheit, wie der Globus (der Planet), auf dem sie lebt, immer dahin streben, ihre ursprüngliche Form wieder anzunehmen, die einer Dhyan Chohanischen Schar. Der Mensch strebt, ein Gott und dann Allgott zu werden, so wie jedes andere Atom im Weltall …

       5. Jeder Lebenszyklus auf Kugel D (unserer Erde) ist zusammengesetzt aus sieben Wurzelrassen. Sie beginnen mit der ätherischen und enden mit der geistigen, auf der doppelten Reihe der physischen und moralischen Evolution - vom Anfang der irdischen Runde an bis zu ihrem Schluß. (Die eine ist eine ”planetarische Runde“ von Kugel A bis Kugel G, der siebenten; die andere die ”Globusrunde“, oder die irdische Runde der sieben Rassen) …

       6. Die erste Wurzelrasse. Die ersten ”Menschen“ auf Erden (abgesehen von der Form) waren die Nachkommen der ”himmlischen Menschen“ mit Recht in der indischen Philosophie die ”Mondvorväter“ oder die Pitris genannt, deren es sieben Klassen oder Hierarchien gibt …”

       Bedenken Sie, daß: ”… jede Runde eine neue Entwicklung bewirkt und sogar einen vollständigen Wechsel in der intellektuellen, psychischen, geistigen und physischen Konstitution des Menschen; alle diese Prinzipien entwickeln sich nach einer ständig ansteigenden Stufenleiter …”

       ”… Es muß eine begrenzte Anzahl von Monaden sein, die sich entwickeln und zu immer größerem Manvantara heranwachsen, indem sie in jedem neuen Manvantara viele aufeinanderfolgende Persönlichkeiten oder Inkarnationen assimilieren … Somit sind die Scharen der mehr oder weniger vorgeschrittenen Monaden zwar fast unberechenbar, aber doch endlich, wie alles in diesem Kosmos der Differentiation und Endlichkeit.

       So ”war der Mond der vierte Globus (Sphäre in der Mondkette) der Reihe und auf demselben Wahrnehmungsplan wie unsere Erde …

       ”Ferner, wenn Globus A der neuen Kette fertig ist, dann inkarniert die erste Klasse oder Hierarchie der Monaden von der Mondkette auf ihm in dem niedersten Reich, und so weiter der Reihe nach. Das Resultat ist, daß nur die erste Klasse der Monaden den menschlichen Entwicklungszustand in der ersten Runde erreicht, während die zweite Klasse auf jedem Planeten (Globus-Sphäre), die später ankommt, nicht Zeit hat, diese Stufe zu erreichen. Somit erreichen die Monaden der Klasse 2 den Anfang der menschlichen Stufe erst in der zweiten Runde, und so fort bis hinauf zur Mitte der vierten Runde. Aber an diesem Punkt - und in dieser vierten Runde, in der der menschliche Zustand vollständig entwickelt wird - schließt sich das Tor zum Menschenreich; und von da an ist die Zahl der menschlichen Monaden, d. h. der Monaden auf der menschlichen Stufe der Entwicklung abgeschlossen. Denn die Monaden, die die menschliche Stufe bis zu diesem Augenblick nicht erreicht haben, werden sich wegen der Entwicklung der Menschheit selbst, so weit hinten finden, daß sie die menschliche Stufe erst am Schluß der siebenten und letzten Runde erreichen werden. Sie werden daher auf dieser Kette keine Menschen sein, sondern die Menschheit eines zukünftigen Manvantara bilden und dadurch belohnt werden, daß sie ”Menschen“ auf einer höheren Kette werden, wodurch sie ihre karmische Entschädigung erhalten …”

       ”Die monadische Schar kann ungefähr in drei Klassen eingeteilt werden:

       1. Die am meisten entwickelten Monaden - die Mondgötter oder ”Geister“ in Indien die Pitris genannt - deren Aufgabe es ist, in der ersten Runde den ganzen dreifachen Zyklus der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Reiche in ihren ätherischesten, fluidalsten und rudimentärsten Formen zu durchlaufen, um sich darein zu kleiden und sich der Natur der neugebildeten Kette zu assimilieren. Sie sind jene, die zuerst die menschliche Form erreichen - wenn von einer Form im Gebiet des nahezu Subjektiven die Rede sein kann - auf Kugel A in der ersten Runde. Sie sind es daher, die das menschliche Element während der zweiten und dritten Runde leiten und repräsentieren …

       2. Jene Monaden, die die menschliche Stufe zuerst während der dreieinhalb Runden erreichen und ”Menschen“ werden.

       3. Die Nachzügler; die Monaden, die sich verspätet haben und wegen karmischer Hindernisse die menschliche Stufe in diesem Zyklus (oder Runde) überhaupt nicht erreichen … Es ist einleuchtend, daß eine Monade weder vorwärtsschreiten noch sich entwickeln oder auch nur die Wechsel der Zustände, durch die sie hindurchgeht, affiziert werden kann. Sie ist nicht von dieser Welt oder diesem Plane und kann nur einem unzerstörbaren Stern göttlichen Lichts und Feuers verglichen werden, der auf unsere Erde herabgeworfen ist, als Rettungsplanke für die Persönlichkeiten, in denen er wohnt. Es ist Sache der letzteren, sich daran zu klammern und, teilnehmend an der göttlichen Natur, Unsterblichkeit zu erlangen. Sich selbst überlassen, wird sich die Monade an niemanden klammern, sondern, wie die Planke, von dem rastlosen Strom der Evolution zu einer anderen Inkarnation fortgetrieben werden.

       Nun wird die Evolution der äußeren Form oder des Körpers, um die astrale herum, durch die irdischen Kräfte bewirkt, ebenso wie es in den niederen Reichen der Fall ist; aber die Evolution des inneren oder wirklichen Menschen ist rein geistig. Es ist jetzt nicht mehr ein Durchgehen der unpersönlichen Monade durch viele und verschiedene Formen der Materie - begabt im besten Falle mit Instinkt und Bewußtsein auf einem ganz anderen Plane - wie im Falle der äußeren Evolution, sondern eine Reise der ”Pilgerseele“, durch verschiedene Zustände nicht nur der Materie, sondern des Selbstbewußtseins und der Selbstwahrnehmung, oder der Wahrnehmung aus bewußter Auffassung.

       Die Monade taucht aus ihrem Zustand geistiger und intellektueller Unbewußtheit empor; und, die beiden ersten Pläne - die dem Absoluten zu nahe sind, als daß sie irgendwelche Wechselbeziehung zu etwas auf einem niedrigerem Plane zuließen - überspringend, begibt sie sich direkt auf den Plan der Gedankentätigkeit. Aber es gibt im ganzen Universum keinen Plan mit einem breiteren Rand- und weiteren Tätigkeitsgebiet, mit solchen fast endlosen Abstufungen der perzeptiven und apperzeptiven Eigenschaften, als diesen Plan, der seinerseits wieder einen angemessenen kleineren Plan für jede ”Form“ hat, von der mineralischen Monade aufwärts bis zu der Zeit, da diese Monade durch Evolution zur göttlichen Monade erblüht. Aber alle diese Zeit hindurch ist sie doch ein und dieselbe Monade, deren Unterschiede nur in ihren Inkarnationen liegen, während ihrer beständig aufeinanderfolgenden Zyklen von teilweiser oder gänzlicher Verdunkelung des Geistes oder teilweiser oder gänzlicher Verdunkelung des Stoffes - zwei polaren Gegensätzen - je nachdem sie emporsteigt in die Gebiete innerlicher Spiritualität oder hinabsteigt in die Tiefen der Materialität.”

       ”Was sind, so mag gefragt werden, die ”Mond-Monaden“, von denen eben die Rede war? Die Beschreibung der sieben Klassen der Pitris wird später erfolgen, aber jetzt mögen einige allgemeine Erläuterungen gegeben werden. Es muß jedermann klar sein, daß sie Monaden sind, die, nachdem sie ihren Lebenszyklus auf der Mondkette, die niedriger ist als die Erdkette, beendeten, auf der letzteren inkarnierten. Hier hätten wir aber noch einige weitere Einzelheiten hinzuzufügen, obwohl sie zu nahe an verbotenes Gebiet angrenzen, als daß sie vollständig behandelt werden könnten. Das letzte Wort des Mysteriums wird nur Adepten mitgeteilt; es kann aber festgestellt werden, daß unser Satellit nur der grobe Körper seiner unsichtbaren Prinzipien ist. Wie wir sehen, daß es sieben Erden gibt, so gibt es auch sieben Monde, von denen nur der letzte sichtbar ist; dasselbe gilt von der Sonne, deren sichtbarer Körper eine Maja genannt wird, eine Reflexion, gerade so wie es der Körper des Menschen ist. ”Die wirkliche Sonne und der wirkliche Mond sind ebenso unsichtbar wie der wirkliche Mensch”, sagt ein okkulter Ausspruch.

       ”In Wirklichkeit ist der Mond nur in einer Hinsicht ein Satellit der Erde, nämlich insofern er physisch die Erde umläuft … So verblüffend die Behauptung erscheinen mag, ist sie doch nicht ohne Bestätigung seitens der Wissenschaft.

       Sie wird augenscheinlich gemacht durch die Gezeiten, durch die zyklischen Wechsel in vielen Krankheitsformen, die mit den Mondphasen zusammenfallen; sie kann verfolgt werden im Wachstum der Pflanzen, und sie ist sehr hervortretend in den Erscheinungen der menschlichen Empfängnis und Schwangerschaft. Die Bedeutung des Mondes und sein Einfluß auf die Erde wurden in jeder alten Religion anerkannt; insbesondere in der jüdischen, und wurde von vielen Beobachtern psychischer und physischer Phänomene bemerkt. Hingegen ist, soweit der Wissenschaft bekannt, die Einwirkung der Erde auf den Mond auf die physische Anziehung beschränkt, die ihn zum Durchlaufen seiner Bahn zwingt. Und sollte ein Gegner einwenden, daß diese Tatsache allein ein genügender Beweis dafür ist, daß der Mond wahrhaftig der Trabant der Erde auch auf anderen Wirkungsplänen sei, so kann man ihm mit der Frage entgegnen, ob eine Mutter, die immer um die Wiege ihres Kindes herumgeht, um über es Wache zu halten, ihrem Kinde untergeordnet und von ihm abhängig ist? Obwohl sie in einem Sinn sein Satellit ist, so ist sie doch sicherlich älter und vollständiger entwickelt als das Kind, das sie bewacht.

       Der Mond ist somit der, der die größte und wichtigste Rolle spielt, sowohl bei der Bildung der Erde selbst als auch bei ihrer Bevölkerung mit menschlichen Wesen. Die lunaren Monaden oder Pitris, die Vorfahren des Menschen, werden in Wirklichkeit zum Menschen selbst. Sie sind die Monaden, die in den Evolutionszyklus auf Kugel A eintreten und die, indem sie die Kette der Planeten (Globen-Sphären) umlaufen, die menschliche Form evolvieren, wie soeben gezeigt wurde … Diese Monaden oder göttlichen Funken sind somit die Mondvorfahren, die Pitris selbst; denn diese Mondgeister sind ”Menschen“ geworden, damit ihre Monaden einen höheren Plan der Tätigkeit sowie Selbstbewußtsein erlangen können, d. i. den Plan der Manasa-Putras, die die ”sinnlosen“ Schalen, die von den Pitris geschaffen und beseelt wurden, im letzten Teil der dritten Wurzelrasse (vierte Runde) mit ”Gemüt“ begabten.

       1. Sie werden als Manasa-Putras oder vernunftbegabt bezeichnet - die Söhne des Lichts oder Sonnen-Vorfahren. So verdankt unsere Menschheit ihnen ihre beschleunigte Evolution.

       2. ”Auf dieselbe Art werden die Monaden oder Egos der Menschen der siebten Runde unserer Erde, nachdem unsere eigenen Globen A, B, C, D etc. mit ihrer Lebensenergie fortgehend andere Layazentren beseelt und dadurch zum Leben gerufen haben, bestimmt, auf einem noch höheren Daseinsplane zu leben und zu handeln; und auf dieselbe Art werden die Erdvorfahren jene schaffen, die höher emporgelangen werden als sie selbst.”

       Und so habe ich mich gefreut, über Ihre Zeichen zu hören. Die Vision einer Kerzenflamme ist für das Entfachen der Zentren sehr charakteristisch. Manchmal kann man eine solche Flamme über einem leuchtenden Knoten sehen - als wären es dicke Fäden (Nerven). Die farbigen Sternchen weisen immer auf das Erwachen der Zentren hin.

       Auch das Auftreten von schillernd leuchtenden Zickzacks ist sehr charakteristisch. Ich habe sie im letzten Sommer oft gesehen und sie störten mich bei der Arbeit, da meine Arbeitsunterlagen von ihnen dicht besät waren. Sie weisen auf die Schlacht in der überirdischen Weit hin. Beobachten Sie weiter alles und schreiben Sie es auf. Man darf solche Beobachtungen an sich nicht vernachlässigen. Die Menschen büßten die Beobachtungsfähigkeit ein, doch es ist wichtig, sich zu kennen.

       18. November 1935

       Ich war sehr erfreut, Ihr feines Verstehen der Legende über den Schatz der Welt zu gewahren. Allerdings hat jedes Zeichen mehrere Bedeutungen. Dieser Schatz ist ein Fragment des im Bollwerk des Lichts behüteten Hauptkörpers. Das Übermitteln dieses Geschenks kennzeichnet seit undenklichen Zeiten die kommende Ära vorhergesagter Vereinigung und Macht in dem Lande, wo es in Erscheinung tritt. Alle großen Vereiniger und Gründer von Völkern haben es besessen. Der Osten ist besonders reich an Legenden über das Geschenk des Orions, und die Völker Asiens suchen es überall. Ossendowski, der Autor des Buches ”Tiere, Menschen und Götter“, hörte von diesen Legenden. Es gibt sie in verschiedenen Versionen, die mehr oder weniger richtig sind. So steht das weiße Pferd von Tibet und der Mongolei, Erdeni Mori, das Chintamani (den Schatz der Welt) trägt, ebenfalls mit diesem Ereignis in Zusammenhang. Die in dem Buch ”Auf östlichen Kreuzwegen“ berichtete Legende ist die Wahrheit. Gemäß der Legende bringt dieser Schatz ein besonderes Bündnis mit sich, das erfüllt werden muß. Der in der Legende erwähnte Schrein stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert, und man sagt, daß er aus Leder war, das aus dem Besitz Salomons selbst stammt. Auf diesem Leder sind viele alchemistische Symbole eingeschrieben. Der bekannte Rabbi Moses de Leon, der Verfasser des Zohar, hielt sich in der Zeit der Judenverfolgung in Spanien auf und suchte Schutz bei einer deutschen vornehmen Edelfrau. Sie gewährte ihm Zuflucht, und auch andere verfolgten Juden flohen auf ihre Güter. Als Zeichen der Dankbarkeit überreichte ihr der Rabbi einen Talisman sowie dieses kostbare Leder. Die Dame ließ daraus einen kleinen Schrein anfertigen und verwahrte darin den Talisman. Der Legende nach wird der Schatz, sobald sich eine neue Macht bildet, zum Bollwerk nach Schambhala zurückkehren.

       Das Jahr 1936 wurde in den Voraussagen aller alten Aufzeichnungen erwähnt, und die mit diesem Jahr zusammenfallenden Berechnungen der Ereignisse wurden in der Cheopspyramide gefunden. Aber wer versteht dieses Ereignis, das der Neuen Welt zugrunde liegt, und wer erkennt es? Kein Zweifel, vieles wird in diesem Jahr zu durchschreiten sein; nicht nur in den höheren überirdischen Sphären, sondern auch auf der Erde werden viele Zeichen in Erscheinung treten. Ich will Ihnen eine Seite aus der LEHRE anführen:

       ”Ein beachtenswertes Jahr rückt heran. Doch viele erfassen die Bedeutung des sich vollziehenden Geschehens nicht. Sogar jene, die vernommen haben, wünschten, das Geschehene möge sich nach ihrer Vorstellung gestalten. Gewöhnlich entsprechen Wünsche der Natur des Wünschenden, doch beobachtet das laufende Geschehen ohne Vorurteil. Richtet eure Aufmerksamkeit ernstlich und wissend darauf, daß ein großer Zeitpunkt bevorsteht. Tauben werden euch nicht nur einen Ölzweig bringen, sondern auch ein Eichen- und Lorbeerblatt. Ebenso sind Unsere selbstlosen Opfer keine Zufallserscheinung, sondern Schritte in die Zukunft. Wahrhaftig, unabänderlich sind die Fristen großen Wissens. Lernt schöpferisches Ringen liebgewinnen. Versteht es, euer Ohr an die Erde zu legen und euer Herz in großer Erwartung zu erleuchten. Mögen die Unwissenden Übel herbeiwünschen, dennoch weben die Fristen das Gewebe der Welt. Lernt unterscheiden, lernt dem Vorherbestimmten entgegenzufliegen. Es gibt viele Gewänder und Schleier, aber der Sinn ist der gleiche. Das vorausgesagte Jahr (1936) rückt heran. ”( FW III, §488.)

       ”Ernsthaft und spannungsgeladen, doch ebenso freudvoll sollte dieses Jahr auf Erden für jene verlaufen, die weise sind. Ich bestätige einen gewaltigen Energiewechsel, der auch die Schlafenden wecken kann. Der König der Herrlichkeit wird nicht physisch sichtbar erscheinen, doch die Weisen werden Seinen Schritt vernehmen. Laßt die Toten die Toten begraben, und erfreut euch an der Lebensgestaltung. Sagt den Freunden: Nehmt wahr und beobachtet scharf! ”( FW III, §490.)

       ”Gewisse scharfsinnige Menschen sprechen vom Nahen des Weltenende. Sie schildern es so, wie es ihnen in der Grundschule gelehrt worden ist. Sie sind zu unbedeutend, um dafür getadelt zu werden, denn ihre Köpfe sind von Kindheit an mit den verderblichsten Ideen vollgestopft worden. Und dennoch fühlen sie irgendein Ende. Obwohl nur unklar wahrgenommen, erahnt ihr Geist dennoch eine Veränderung.

       Man nennt sie falsche Propheten, doch solch ein Urteil ist nicht gerecht, denn sie fühlen auf ihre Art das Ende einer veralteten Welt; nur sind sie unfähig, die äußeren Zeichen zu erkennen. Wahrhaftig, die Stunde ist nahe, in der nutzlose Scheuklappen allmählich abfallen und die Welt des Lichts sich allmählich in Freude verwandeln wird. Die wichtigsten Vorgänge können sich sichtbar unsichtbar vollziehen.” ( FW III, §491.)

       ”Werden Vorwarnungen gegeben, dann ist es leichter, Ereignisse zu erkennen. Es wird bereits etwas geboren, aber die Menge ist mit Vergnügungen befaßt. Eine Explosion wird vorbereitet, doch die Menge eilt auf die Rennbahnen. Alte Propheten wußten von vielen Veränderungen, die den Geschichtsschreibern nun klar erscheinen. Aber ihre Zeitgenossen vermochten alle jene, die vorausschauend waren, nur zu steinigen. Ist es nicht auch heute so? ” ( FW III, §492.)

       Alle kosmischen Fristen, alle Gestirnskonstellationen nähern sich der Vollendung der großen Runde, und die Menschheit muß geistig auferstehen. Die feurigen Energien erreichen die Erde zur vorbestimmten Zeit, und wir dürfen große Veränderungen erwarten, die zum Erwachen des Geistes führen müssen. Das Ende des Reiches ”Luzifers“ naht. Die neue Rasse wird geboren.

       Gewiß, Salomon war entschieden eine historische Persönlichkeit; auch der Tempel Salomons ist keine Mythe.

       Die großen Inkarnationen der sieben Kumaras, oder der Söhne der Vernunft, der Söhne des Lichts, kann man in alten Zeiten unter den Eingeweihten aller Länder und Völker verfolgen, und später unter den größten Geistern in nicht allzufernen Zeiten. In der Evolution unseres Planeten verdanken wir diesen großen Geistwesen den Fortschritt unseres Bewußtseins. Sie inkarnierten in allen Rassen und Völkern an der Schwelle einer neuen Bewußtseinsverschiebung und jedem neuen Wendepunkt der Geschichte. Wahrlich, die großen Bildnisse der Vergangenheit stehen mit diesen Söhnen des Lichts in Zusammenhang. Luzifers Abfall begann mit Atlantis. Später konnte er in Ravana, dem Widersacher von Rama, dem Helden der epischen Dichtung Mahabharata, erkannt werden. Die Großen Geistwesen übernahmen unermüdlich die schwierigsten Lebensaufgaben, aber viele ihrer Zeitgenossen verstanden die Größe und Selbstlosigkeit dieser wahren Gottmenschen nur zum Teil. Kaum einer kann die ganze Bedeutung ihrer Schöpferkraft auf der irdischen Ebene und in den überirdischen Welten ermessen. Im Kosmos gibt es viele Geheimnisse, und wenn der Geist sie berührt, füllt sich das Herz gegenüber diesen Geistwesen, den Schöpfern unseres Bewußtseins, mit Begeisterung und unendlicher Dankbarkeit. In vielen Tausenden von Jahren, in selbstaufopferndem Dienst für das Wohl der Menschen entsagten sie der höchsten Freuden der Feurigen Welt und im Blutschweiß standen sie Wache, sie nahmen die Dornenkrone auf sich und leerten den von der Menschheit dargereichten Giftbecher, deren Wohltäter sie sind. Wenn der Schleier des Geheimnisses sich hebt, werden wegen der gegen diese Retter begangenen Verbrechen viele Herzen erbeben.

       Sie haben recht, das Studium der LEHRE DES LEBENS erfordert ein behutsames Vorgehen. Man sollte an die Unvorbereiteten sehr vorsichtig herantreten. In der Tat, nichts entwickelt sich so langsam wie das Bewußtsein. ”Man muß verstehen, daß das menschliche Bewußtsein sehr versteinert ist. Bietet ihm daher keine Nahrung, die es nicht aufnehmen kann. Bietet neben Schwierigerem auch Leichtes, sonst werden euch die Menschen nicht anhören. Die Briefe des Lehrers sind unbestritten verschieden, denn sie richten sich an verschiedene Bewußtseine. Dies ist kein Widerspruch, sondern einfach der beste Weg. Gewöhnt euch daher an, mit Bewußtseinen so behutsam wie mit Feuer umzugehen.”

       Wir müssen große Geduld üben, und nur durch behutsames Berühren können wir den Menschen eine neue Denkrichtung bieten - nicht durch Zerstörung der alten Begriffe, sondern durch allmähliche Erweiterung ihrer Meinung. Gewiß, jede Person erfordert eine individuelle Annäherung.

       Vergangenes Jahr mehrten sich die Angriffe gegen die lichten Bestrebungen, aber noch zahlreicher waren die guten Zeichen. Das Aufkommen neuer Energien, dieses Zusammenprallen von Licht und Finsternis ist notwendig. Zum Heilen muß das Wasser aufgerührt werden, nichts ist schlimmer als stehendes Wasser. Wir kennen natürlich die Quelle, die die Broschüren fördert, sie ähnelt der von Ihnen erwähnten. Aber solche Schriften finden nur bei Menschen mit niederem mentalem Niveau Anklang, die nicht selbständig unterscheiden können, die in Selbstsucht und Selbstvernichtung versunken sind. Für sie sind die Worte des Konfuzius - wonach jene, die weder auf Verleumdung hören, die vom Gehirn langsam aufgenommen wird, noch auf Beleidigung, die den Körper verwundet, als wirklich weise bezeichnet werden können - unanwendbar. Vor allem Weitsicht deutet auf die Nichtigkeit aller Verleumdungen vor dem Gesicht historischer Wahrheit, wenn die Höhere Gerechtigkeit ihr Urteil auf Weltebene spricht.

       Was nun den internen Verrat betrifft, so haben wir es hier natürlich mit okkulten Gesetzen zu tun. Es hat im Zeitalter Kali Yuga keinen reinen Aufbau des Lichts gegeben, der nicht verraten worden wäre, und deshalb erleben wir die bedrohlichste Zeit des Harmagedon; die Verräter sind zahlreicher geworden und heftiger in ihrem Toben. Wie es heißt: ”Vor Anbruch der Fristen toben die Finsteren besonders.”

       Wir sind vor dem feinen Verrat gewarnt worden, und wir hofften, daß es uns gelingt ihn soweit als möglich zu verhindern und in eine bessere Gestirnskonstellation zu gelangen. Aber die Verräter konnten sich unter dem Druck des schwarzen Jahres mit sieben Sonnenfinsternissen nicht zurückhalten und lüfteten ihre Masken. Jedoch bessere Aspekte sind nahe, und deshalb beobachten wir gelassen die Entwicklung dieses Wahnsinns. Dieser Verrat, wie ich Ihnen bereits geschrieben habe, geschah aus Eigennutz und Ehrgeiz. Man wollte die Lorbeeren für sich allein einheimsen und die Früchte des Schaffens aller anderen Mitarbeiter für sich ernten. N. K. baute alles nach dem Grundsatz des Gemeinguts auf, ebenso auf weiter sozialer Grundlage und offensichtlichem Wissen. Aber gerade dies gefiel jemanden nicht, und während N. K. abwesend war, nutzte der Verräter die günstigen Umstände und setzte seine widerrechtliche Besitzergreifung in die Tat um, die in 14jähriger Zusammenarbeit gründlich geplant worden war. Dabei halfen ihm gewissenlose legale Ratgeber. Die Mikrobe von Diktatur ist ansteckend.

       Aber wir wissen, was die Großen Lehrer von Verrätern halten. Wahrhaftig, ”Der Lehrer ermöglicht es, eine neue Stufe zu beginnen. Verrat ist ein Merkmal solchen Aufstiegs. Der Lehrer erachtet die Erscheinung von Mißbrauch für nützlich. Der Lehrer erachtet ein Gericht der Verleumdung als ein wunderbares Geschenk. Die Erscheinung von Verleumdung bringt Spannung der Atmosphäre, und jede Spannung ist bereits ein Aufstieg. Laßt die Unwissenden tanzen, sie rufen die Wellen hervor. Der Verräter kommt zum Sturz.”

       In solch völliger Gelassenheit und im Vertrauen auf die Führende Hand wollen wir den Aufbau weiter vollführen.

       Freilich, mancher wird fragen, wie konnte es zugelassen werden, daß ein Verräter sich nähert? Aber denken wir an Judas, Devadatta, Cassius, Brutus und andere Mörder und Verräter, deren Namen nicht zu zählen sind. Verrat begleitet jede große Heldentat wie ein Schatten und gerade bei Verrat wird die Größe einer Heldentat ermessen. Viele finstere Verräter sind bekannt: an H. P. Blawatsky, dem Grafen St. Germain und jenen unserer Zeit nahestehenden Lichtträgern, aber dadurch werden ihre Namen nur berühmter.

       Vor diesen zwei schwarzen Jahren offenbarte sich ein neues Zeichen Großen Vertrauens, das nach alten Schriften und Prophezeiungen das Beginnen der Neuen Epoche andeutet. So sind die Zeichen von Licht und Finsternis verwoben. Mein Brief ist mit Einzelheiten gespickt, und so ist das Leben selbst in seiner Gesamtheit.

       Da ich meinen Brief nicht gerne beenden möchte, ohne des Lichts zu gedenken, will ich mit folgenden Ausführungen schließen: ”Freuen wir uns über den Sieg. Die Menschen werden ihn zuweilen noch nicht sehen, aber er ist bereits hier. Wartet, Geduldige, denn nicht das Auge, sondern das Herz bestimmt den Sieg. Da sich in der Feinstofflichen Welt ein feuriger Aufbau bereits abzeichnet, mögen sich die Baumeister freuen. Die Schlafenden fühlen es nicht, wenn sie aus dem Hause getragen werden, aber der Raum frohlockt bereits.” (Feurige Welt III)

       26. November 1935

       Ich pflichte Ihnen bei, daß der gekreuzigte Schächer wahrscheinlich nicht schlechter war, sondern sogar besser als viele der angesehenen Pharisäer und Sadduzäer. Jedoch zwischen einem Schächer und einem hohen Geist gibt es viele Abstufungen. Die von Ihnen zitierte Behauptung des Vivekananda gilt nach wie vor, doch wenn wir das Karmagesetz kennen, müssen wir verstehen, was unter Befreiung und Erwachen des Geistes zu verstehen ist sowie der Befreiung von der Macht der Finsternis. In der Tat, wir wissen, daß eine aufrichtige Reue vor dem Tod, zusammen mit dem letzten reinen Gedanken und gewaltigem Streben zum Höchsten, den Geist in die Sphären der Feinstofflichen Welt emporträgt - in völliger Übereinstimmung mit seiner Schwingung und seinem Streben. Die Worte Christi haben das Streben des Schächers noch verstärkt, und sein Geist war somit imstande, sich zu erheben und zu einer noch höheren Ebene aufzusteigen. Gleicherweise gibt es im Devachan nicht nur die Sündlosen und Heiligen. Jede von uns vollführte Tat erhält ihre Belohnung.

       Polarität kann nicht schwinden, denn das ganze Sein beruht auf Polarität und Feuer - diesem lebenspendenden Element, das in seinem Göttlichen Ursprung dual ist.

       Gleicherweise bedeutet Einheit nicht Verschmelzung zu einer Form. Daher ist in der Evolution der Schönheit im Kosmos weder den häßlichen Hermaphroditen noch Siamesischen Zwillingen, noch Menschen mit zweifachen Rücken ein Platz eingeräumt. In der Tat, der Sinn des Seins liegt in einer unbegrenzten Verschiedenartigkeit von Formen mit einer fundamentalen feurigen Einheit.

       Und nun möchte ich bezüglich Blut und Ansteckung einen Paragraphen aus dem III. Band des Buches ”Feurige Welt“ anführen: ”Man fragt nach den Gründen der Ansteckung, nach den Eigenschaften des Blutes und des Samens, vergißt aber völlig, daß diesen Erscheinungen die psychische Energie zugrunde liegt. Sie schützt vor Ansteckung und ist in der Beschaffenheit der Sekrete enthalten. Es ist unnütz, eine mechanische Zusammenfassung der gesammelten Mitteilungen zu erwägen, wenn die Beteiligung der psychischen Energie nicht beachtet wird. Die Menschen bezeichnen eine gewisse Immunität als einen Einfluß des Glaubens; der Zustand der Ekstase wird jedoch nicht ohne Grund das Strahlen der Feurigen Welt genannt, und dieses Leuchten schützt den Menschen vor Ansteckung. Es reinigt die Sekrete und wirkt wie ein Schild. Darum ist der Zustand der Freude oder der Begeisterung das beste Vorbeugungsmittel. Wer die Entzückung des Geistes kennt, ist vielen Gefahren entronnen. Selbst durchschnittliche Ärzte wissen, wie veränderlich der Zustand des Blutes und der Sekrete ist. Es gibt aber nur wenige, die das mit dem geistigen Zustand in Zusammenhang bringen. Man sollte sich nicht durch Statistiken versklaven lassen; man könnte einem Irrtum unterliegen. Es ist nicht so lange her, daß der Geisteszustand nach den Ausmaßen des Schädels bemessen wurde. Damit wurde die psychische Energie zum größten Teil vergessen.” (Feurige Welt III/450)

       Ich füge einen weiteren Paragraphen desselben Buches an, und meine, daß Ihnen dieser von Nutzen sein wird: ”Wenn wir vom Geist und von der Materie sprechen, sollten wir die höhere Bedeutung der Materie im Sinn haben. Sprechen wir aber von der Befreiung des Geistes, so befassen wir uns mit jenen Erscheinungen, die materielle Lebenseinheiten genannt werden können. Spricht man von diesen Lebenseinheiten unter verschiedenen Formen, so muß man wissen, daß darunter das Absinken des Geistes zu verstehen ist. Denn der Geist muß, wenn er sich in der Materie offenbart, zusammen mit der Materie zu höherer Tätigkeit bestrebt sein. Materie wird zur Schöpferkraft getrieben und erweckt die Lebensformen. Der kosmische Begriff des weiblichen Prinzips, als Materie, ist so erhaben - das weltliche Verstehen ist von der Wahrheit weit entfernt. Es ist schwer, Geist von Materie zu trennen. Ohne Materie ist Geist nichts.”

       Von vielen Seiten kamen lichtbringende Neuigkeiten und Zeichen der nahenden Epoche. Jedes große Zeitalter wird von einem besonderen himmlischen Zeichen begleitet, das unvermeidlich in vielen Zeiten erscheint. Dieses Zeichen offenbarte sich im Januar 1934. Die Gestirne befanden sich in bestimmten Konstellationen. Laßt uns streng, feierlich und freudvoll sein. Setzen Sie Ihr nutzbringendes Werk fort!

       7. Dezember 1935

       Man kann nur bedauern, daß die von Ihnen genannten Personen offensichtlich weder mit den östlichen philosophischen Systemen und Lehren noch mit der Geheimlehre von H. P. Blawatsky vertraut sind. Deshalb wissen sie nicht, wer die hier erwähnten Kumaras, die Söhne des Lichts, die vernunftbegabten Söhne usw. sind. Und sollten sie dennoch die Geheimlehre gelesen haben, so verstanden sie nicht, den Schlüssel umzudrehen. Es gibt eine einzige Kette der Hierarchie des Lichts, die in Unbegrenztheit besteht und der alle wahren Lichtträger, die erschienen und die sich noch auf der Erde befinden, angeschlossen sind. Sicherlich, die Söhne des Lichts, die von den höheren Welten (Venus und Jupiter) zu Ende der dritten Rasse unserer Runde auf unseren Planeten kamen, um die Evolution der Menschheit zu beschleunigen, sind die Höchsten Geistwesen, die an der Spitze der Hierarchie des Lichts stehen, das heißt, sie stehen uns in bezug auf Karma am nächsten und sind uns am zugänglichsten. Sie sind die Erzeuger unseres Bewußtseins; ihnen verdanken wir unsere geistige Entwicklung, und sie gehören natürlich zur Kette der Baumeister des Kosmos. Jeder solcher Baumeister muß die menschliche Evolution durchschreiten, um sich später auf die Spitze dieses oder jenes Planeten erheben zu können. Aber da die Evolution unbegrenzt ist, treten diese Baumeister, nachdem sie eine Evolutionsrunde vollendet haben, in eine andere ein und werden wiedergeboren, aber auf höheren Welten. Denken Sie tiefer über den Begriff Unbegrenztheit nach.

       Bezüglich der Behauptung der von Ihnen erwähnten Person wäre es vor allem interessant, herauszufinden, was sie damit meint, daß die Mahatmas aus dem Himalaja auf der Erde geboren werden. Denn streng genommen, können wir nur den Fürsten dieser Welt und alle Erdbewohner, die seinem Strahl nahestehen, zu den auf Erden geborenen Geistwesen zählen. Denn jedes Geisteskorn wird unter einem bestimmten Gestirn empfangen, das für das ganze Manvantara sein Leitstern bleibt. So gehört der Fürst dieser Welt infolge seiner früheren Errungenschaften auf einem anderen Planeten zur Erde, und nach dem kosmischen Recht ist er Gast auf der Erde. Natürlich, ihm stehen jene Geistwesen am nächsten, die ebenfalls unter dem Strahl, der ihm entspricht, geboren wurden. Aber es gibt viele Geistwesen auf der Erde, die ihrem Wesen nach bereits einer höheren Schwingung unterliegen oder die Potentialität von Energien anderer Planeten unseres Sonnensystems besitzen - selbst solch ferner wie Uranus und Neptun. Darüber hinaus wollen wir bedenken, daß das Leben des ganzen Naturreichs unseres Planeten vom Mond übertragen wurde. Aus diesem Grund wird in der ”Geheimlehre“ von zweierlei Vorfahren der Menschheit gesprochen - den lunaren und den solaren. Die Mondvorfahren stellen in Wirklichkeit die Menschen selbst dar, richtiger ihre Mehrheit, wohingegen die Sonnenvorfahren die Söhne des Lichts sind, die für das Wohl des Kosmos das selbstaufopfernde Werk der Schöpfung auf sich nahmen. Wie bereits gesagt, kamen sie am Ende der dritten Runde von den höheren Welten auf unseren Planeten. Seit jener Zeit inkarnierten sie stets an der Schwelle aller Rassen und aller großen Ereignisse, so daß sie zu jeder Zeit dem Bewußtsein der Menschheit einen neuen Anstoß verleihen konnten. Wahrlich, ihre Leben sind von selbstaufopfernden Heldentaten erfüllt. Sie haben viele Giftbecher geleert. Zur Zeit Atlantis waren Sie die Gründer der Großen Bruderschaft auf der Heiligen Insel. Ebenso sind sie in unserer Rasse die Hüter des Bollwerks im Transhimalaja.

       Natürlich können die Mahatmas des Himalaja nicht für lange Zeit mit den Auren der Erdbewohner in Berührung kommen. Aus Mangel an entsprechender Schwingung können Sie sich nicht lange in der Atmosphäre der Täler aufhalten. Daher ist ein längerer Kontakt nicht nur für Sie, sondern auch für die Erdbewohner gefährlich. So wurde der Mahatma K. H. zur Zeit Blawatskys, da er sich länger als andere Mahatmas in den Tälern aufhielt und mit den Auren der Menschen in Berührung kam, von seinem Hierarchen in das Bollwerk zurückgerufen, um seine Kräfte zu regenerieren. Gleicherweise wissen wir, daß ein anderer Mahatma, immer wenn er Frau Blawatsky in den Bergen von Sikkhim besuchte, ein bestimmtes Ozonpräparat inhalierte. Wir wissen auch, daß weder Buddha noch Christus für längere Zeit in den Städten bleiben konnten und sich oft in die Wüste zurückzogen.

       Die Mahatmas des Himalaja leben in völliger Abgeschiedenheit und gewähren in einem Jahrhundert einem oder höchstens zwei Kandidaten Zutritt in ihr Bollwerk. Es gibt allerdings Ausnahmen. Doch senden Sie Ihre Jünger und jüngeren Bruder aus, um zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe auf Erden zu inkarnieren; und von Kindheit an lenken und überwachen Sie diese. Das durch viele Tausende von Jahren gebildete okkulte Band erleichtert den geistigen Kontakt sowie das beschleunigte öffnen der Zentren und ihre feurige Umwandlung - die feurige Leitung des Hellhörens und Hellsehens wird ermöglicht. Aber selbst in solch geistiger Bereitschaft muß der Bruder-Schüler ein absolut unerschütterliches Streben und große Standhaftigkeit im Folgen der Führenden Hand offenbaren. Er hat sich vielen Prüfungen zu unterziehen, selbst auf der letzten Stufe noch. Die Schwierigkeiten häufen sich und scheinen oft unüberwindlich. Auf dem Pfade sind auch Judasse unvermeidlich, damit der Pfad des Lichts höher geschätzt wird. Das Symbol des Leerens des Giftbechers ist mit dem Pfad des Dienens an der Menschheit untrennbar verbunden.

       Manchmal rufen die Mahatmas Ihre Jünger für eine Zeitlang in eines Ihrer Ashrams. Hier bereiten Sie deren Organismus für das heilige Aufnehmen von feinen Energien vor und erteilen ihnen Weisungen. So war es mit H. P. B., die drei Jahre in Ihrem Ashram verbrachte, bevor sie die ”Geheimlehre“ niederschrieb. Aber Sie haben völlig recht, wenn Sie sagen, daß wir uns mit Fragen der hierarchischen Grade, die die Bruderschaft des Himalaja in der Kette der Unbegrenztheit einnimmt, nicht zu sehr befassen sollten. Wir müssen mit dem Großen Lehrer, der uns rief, arbeiten und uns bewußt werden, daß der Evolutionsgrad Seines Geistes für uns zur Zeit unerreichbar ist. Möge Gott uns beistehen, auf daß wir fähig werden, uns Ihm am Ende unseres planetaren Manvantara zu nähern.

       Im Buch ”Feurige Welt III“ der Lehre gibt es einen Paragraphen, der auf viele irdische Lehrer Anwendung finden kann. Er besagt: ”Ein Lehrer, der die Unduldsamkeit nicht überwunden hat, kann die Zukunft nicht gestalten. Die Lehre ist für die Zukunft gegeben. Der Geist kann ohne das Schmieden der Vervollkommnung nicht vorankommen. So kann man die Aufmerksamkeit der Zuhörer zwingen, aber es ist weit notwendiger, das Voranschreiten zu wecken. Der Lehrer verbietet nicht das Lesen verschiedener Bücher. Wer sich fürchtet, legt sich Beschränkungen auf, aber der Führer ruft auf zur weiten Erkenntnis. Er wird niemanden vom Guten mit all seinen Aspekten abhalten. Diese Freiheit des Geistes ist unerläßlich. Wer nicht einmal zuhören kann, ist bereits von Furcht ergriffen. Deshalb erfordert der feurige Zustand weite Tore und die eiligsten Schwingen.

       Sie haben auch darin recht, daß, wenn wir ein sichtbares Zeichen vom Lehrer erwarten, um zu größerem Fleiß angespornt zu werden, dies als Prüfung anzusehen ist und auf unzulängliches Streben hinweist. So gibt es im Buch ”Agni Yoga“ § 95 einen sehr schönen Ausspruch, der besagt: ”Zu Ihm, Dem großen Erleuchteten, kam ein Schüler, der nach einem Wunder suchte: ”Das Wunder wird mir Vertrauen einflößen”.

       Traurig lächelte der Lehrer und enthüllte ihm ein großes Wunder. ”Jetzt”, rief der Schüler aus, ”bin ich bereit, unter Deiner Führung die Stufen der Lehre zu durchschreiten.” Doch der Lehrer wies ihm die Tür und sagte: ”Geh, Ich brauche dich nicht mehr”.

       Wahrlich, ”Selig, die nicht sahen und doch glaubten” (Joh. 20/29); denn das beweist, daß ihr Geist den Glauben aus früheren Leben mitbrachte und der Kelch ihrer Errungenschaften sich der vollständigen Aufspeicherung nähert.

       Ich begrüße Ihre Anstrengungen zur Selbstvervollkommnung und rate Ihnen, sich täglich Notizen über Ihre Fortschritte zu machen Vermerken Sie, inwieweit es Ihnen gelang, wenigstens einen der Ratschläge, den Sie der Lehre entlehnten, zu befolgen, oder ob Sie einige Gewohnheiten, die Ihrem Fortschritt hinderlich sind, ablegen konnten. Solche täglichen Notizen sind nach einer gewissen Zeit sehr nützlich als Test oder zur Prüfung.

       Alle Ihre geistigen Sendungen sind gut, und Sie sollten sie natürlich fortsetzen. Dies ist eine rein östliche Sitte. Was die Begleiterscheinungen der Sendungen durch verschiedene Hand- oder Fingerstellungen betrifft, kann ich nur sagen, wenn Sie fühlen, daß Ihnen dies hilft, damit fortzufahren. Das wichtigste aller Sendungen ist das Gefühl der Herzenswärme. Bleibt das Herz kalt, helfen weder Bewegungen noch Rhythmen oder Gesänge. Der Schlüssel zu allen Errungenschaften liegt im Herzen und in seinen feurigen Energien.

       Sicherlich, jeder Hohe Geist ist ein Speicher von lebenspendenden Kräften, die die Umgebung ständig erhellen. Ein von drei solchen Geistern gebildeter Kern kann Wunder bewirken. Die Große Hierarchie des Lichts ist der Kosmische Speicher solcher Kräfte.

       Ja, jeder Rauch schadet vor allem Tabakrauch. So seien Sie mutig und setzen Sie Ihr Werk mit bestrebtem Herzen fort. Harmagedon entfacht sein volles Toben. Wir stehen dicht vor der Schwelle des Jahres 1936. Zur Zeit trinken wir den Giftbecher, aber wir geben den Mut und das Streben nicht auf. Wir lieben den Kampf, denn im Kampf stählen wir unsere Kräfte und verfeinern unsere Fähigkeiten. Da wir um den vorausgesagten Sieg der Kräfte des Lichts wissen, wollen wir den Finsteren mutig entgegentreten.

       Gerade vor der Morgendämmerung erscheint der Himmel von den Tälern aus besonders finster, aber jene, die auf dem Berge stehen, schauen bereits das nahende Licht.

       7. Dezember 1935

       Das Herantreten an das Licht erfordert von uns nicht nur moralische Feinheit, sondern auch physische Sauberkeit. Gerade auf einer bestimmten geistigen Stufe ist physische Hygiene absolut notwendig. So sollte in den Wohnräumen kein Tier, auch nicht Vögel im Schlafraum, gehalten werden; denn Niederes zieht Niederes an.

       In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen einen Paragraphen aus dem Buch ”Feurige Welt III“ anführen: ”Erscheinungen können entweder feinstofflich sein oder die dichte physische Welt berühren. Finstere Wesenheiten (aus der Feinstofflichen Welt) stärken sich nicht selten durch das Vorhandensein von Kreaturen der Erde, von denen sie angezogen werden. So können streunende Hunde und Katzen, Mäuse oder lästige Insekten in Erscheinung treten. Wiederholt ist in der Lehre darauf hingewiesen, daß die Tierwelt an feinstofflichen und niederen Manifestationen beteiligt ist. Diese Erscheinungen können sich manchmal auch ohne Mitwirkung von Tieren manifestieren. Aber für den mutigen Geist bedeuten solche Manifestationen soviel wie nichts … Doch für die Wissenschaft ist es wichtig, diese Zusammenhänge der Tiere mit der Feinstofflichen Welt zu kennen. Ich rate davon ab, in Schlafräumen Tiere zu halten. Bestimmte Menschen fühlen die Handhabung solcher Lebensvorkehrungen, andere hingegen streben ins Gegenteil, als gelte es, unsichtbare Gäste anzuziehen.”

       Wenn gegen das Halten von Hunden und Vögeln gesprochen wird, wie verhält es sich dann erst mit Katzen, deren Wesen entschieden zu den finsteren Bereichen gehört?! Tiere sollte man gern haben, sie schützen, aber es ist abschreckend, die entstellte Sentimentalität mitanzusehen, die bestimmte Menschentypen für sie aufwenden.

       ”Wer sagte, daß man unvernünftig abgeben muß? Der Wahnsinn bleibt so bestehen.” Ist es nicht der Wahnsinn der Scheinheiligkeit, alles abzugeben und dann anderen zur Last zu fallen? Und wenn die Hilfe verwehrt wird, dann gehässig zu werden, wie es gewöhnlich geschieht. Leider wird eine bestimmte Art des Gebens oft mit der geheimen Hoffnung geleistet, den gegebenen Betrag hundertfach zurückzuerhalten. Aber es wird vergessen, daß nur jener hundertfach Vergeltung erfährt, der sie nicht erwartet. Wer das große Gesetz des Gleichgewichts, der Entsprechung und Zweckmäßigkeit nicht kennt, kann kein wahrer Anhänger der Lehre des Lichts werden.

       Sie schreiben, daß der Brief über Gott einige Menschen entrüstete. Wahrlich, es ist erstaunlich, wie wenig die Menschen selbst die in ihren eigenen angenommenen Schriften und Religionen vorhandenen Begriffe verstehen und sie verneinen! So sind die Worte ”Niemand hat Gott je geschaut” oder ”Gott ist ein verzehrendes Feuer” bis jetzt ein toter Buchstabe für sie.

* * *

       Der feurige Leiter des Hellhörens gilt als der unmittelbarste, er ist die nächste und die heiligste Verbindung. Nur ein des Okkultismus Unkundiger könnte meinen, daß die über die sogenannte ”okkulte Post“ übermittelten Briefe sich als näherer Kontakt erweisen als der direkte feurige Leiter des Hellhörens, das von der ganzen Weißen Bruderschaft benutzt wird. Alle Brüder der Lehre deuten auf diesen direkten Kontakt hin. Könnte das Experiment des AGNI YOGA sich ohne direkten Kontakt mit dem Großen Lehrer vollzogen haben?! In der Tat, alle Bücher sind und werden von dem Großen Lehrer aufgrund dieses Experiments übermittelt.

* * *

       Intrigen stehen dem Verrat nicht weit nach, daher laßt uns Vorsicht üben. Unterscheidungskraft ist die erste Eigenschaft auf dem Pfad der Jüngerschaft, und sie wird nicht leicht erlangt. Der Jünger muß gegen alle Lebenseventualitäten gewappnet sein. Wie anders könnte er seine große Aufgabe als Mitarbeiter des Kosmos vollführen?

       Daß meine Briefe, die die schöne und strenge Selbstzucht sowie die Errungenschaft im Leben bestätigen, das Bewußtsein vieler übersteigen und ihren Geschmack nicht treffen, kann ich sehr gut verstehen. Aber ich halte es für sündhaft, Sentimentalität zu fördern, die auf falschen Vorstellungen beruht. Ich habe mein Bestes versucht, ihren Geist zu erheben, aber ich kann natürlich nicht täuschende Visionen bieten nach der Art von L. Ja, die meisten Menschen sind große Scheinheilige, wenn sie beteuern, daß sie die Wahrheit und nur die Wahrheit erfahren wollen. Sie fürchten vor allem die Wahrheit, immer und in allem.

       Anstatt sich um einen strengen, ernsten Lebensaufbau zu bemühen, lechzen die Menschen danach, süße Träume zu hegen, sie verlangen nach leichten Errungenschaften, umgeben von der Magie ”okkulter Romane“. Aber die Krone des Archats wird nur durch härteste und ernsteste Spannung der Heldentat erreicht sowie durch gewaltiges, unerschütterliches Streben des Herzens, geläutert durch blutige Leidenstränen vieler, vieler Leben. Das Herz eines Archaten muß alle Freuden, alle Leiden sowie die Sorgen des irdischen Pfades erfahren; es muß den vollen Giftbecher leeren. Wahrlich, hart ist der Pfad des Aufstiegs, besonders auf den letzten Stufen. Er kann mit dem Erklimmen steiler Basaltfelsen im Finstern verglichen werden, wenn die Hand vergeblich nach einem Vorsprung sucht, um sich festzuhalten. Aber für den strebenden Geist stehen Handseile bereit, und erst im letzten Augenblick, vor einem Absturz aus völliger Erschöpfung, wird die besorgte Hand der Hilfe gereicht. Das war auch meine Erfahrung, als mein Herz unter der unglaublichen Spannung solch eines Aufstieges fast zusammenbrach. Ja, viele Symbole des harten Aufstiegs traten in Erscheinung. Darüber hinaus ist zur Vollendung des Pfades das gänzliche Leeren des vollen Giftbechers erforderlich. Doch werden dem Geist die erhabenen Freuden zuteil, sobald er die Schönheit der höheren Welten erkennt; dann können ihn alle diese Schwierigkeiten nicht mehr schrecken, denn sie führen zur eigenen Freude und kennzeichnen das Nahen des Endes des Pfades. Und so muß auch ein Judas in Erscheinung treten, um das Licht auf dem Pfad nachhaltig zu unterstreichen.

       Und jetzt zu ihren Fragen:

       1. Achten Sie darauf, daß nicht alle Moschusarten von verschiedenen Tieren geeignet erscheinen. Nur der Moschushirsch äst jene nützliche, wohltätige Nahrung, die im Männchen die ausgleichende Substanz erzeugt. Der Moschus der Zibetkatze ist deshalb nicht gut, weil er die ausgleichende Substanz nicht enthält. Er kann erregen, aber er kann nicht stärken. Die Sekretion des Bibers ist etwas besser, eignet sich aber nicht für längeren Gebrauch. Moschus findet sich in Birkhähnen, doch man versucht nicht, diese Substanz zu gewinnen, da sie zu gering ist. Das beste ist, Moschuswild zu züchten. Allerdings sollten die verschiedenen Moschusarten nur als Medizin verwendet werden. Für Parfüme hat man bereits einen Ersatz gefunden, das sogenannte Muskon. Man kann hoffen, daß infolge dieser Entdeckung ein sehr wertvolles Tier der totalen Ausrottung entgeht.

       2. Ich erachte alle Präparate gegen Geschlechtserregung ausdrücklich für schädlich. Eine gewaltige Kraft besteht in der Geschlechtsenergie, die Basis der Lebens- und Schaffenskraft. Man sollte daher versuchen, sie auszugleichen und richtig zu lenken, aber jede künstliche Unterdrückung ist unzulässig. In manchen Fällen zeitigt verstärkte physische Arbeit ausgezeichnete Ergebnisse. Alle alten Lehren wiesen darauf hin, daß wir unsere Gefühle oder was gewöhnlich Leidenschaften genannt wird, nicht unterdrücken, sondern ausgleichen und ihre Eigenschaften verfeinern sollten. Lesen Sie in diesem Zusammenhang den § 12 der ”Blätter des Gartens MORYA II“.

       3. Die Worte der LEHRE ”Zu eurem Nutzen sage Ich, rufet öfter Meinen Namen”, deuten sicherlich auf weise und herzliche Wiederholung hin, denn wie anders kann das Band mit dem erwählten Lehrer gefestigt werden? Solche Wiederholungen oder auch Retention wird in allen Lehren immer empfohlen, hingegen wird es abgelehnt, den Namen eitel auszusprechen, d. h. wenn die Menschen bei unpassender Umgebung den heiligen Namen in ihren Gesprächen unnütz aussprechen. Letzteres ist eine Gepflogenheit von Anfängern oder gewöhnlich von jenen, die sich der Heiligkeit heiliger Dinge gar nicht bewußt sind.

       4. ”Für kosmische Termine werden die offenbarten ”Gefäße“ verwendet … (Blätter des Gartens MORYA II, § 207) und die Antwort heißt: Das ganze Leben gestaltet sich nach kosmischen Fristen. Diese sind gekennzeichnet durch das Zusammenfallen des reifen Karmas eines bestimmten Volkes oder bestimmter Völker, mit bestimmten Gestirnskonstellationen, aus denen sich im geschichtlichen Verlauf von Menschen, Völkern oder im Leben des Planeten neue Wendepunkte ergeben.

       5. ”Welche Gefäße”? Antwort: In allen Lehren wird der Mensch mit einem Gefäß verglichen, das das Göttliche Feuer birgt. Für die Erfüllung eines bestimmten Auftrags innerhalb der kosmischen Fristen werden die Diener des Lichts - oder wie sie manchmal genannt werden - ”die erwählten Gefäße“ auf die Erde gesandt, nachdem sie Tausende Jahre geprüft wurden. Man wählt Mitarbeiter, die durch Karma zugeführt werden; erweisen sich diese aber als unwürdig oder schädlich für das Werk, so werden sie durch andere ersetzt. Allerdings schafft eine längere Zusammenarbeit eine bestimmte okkulte Bindung, die ohne schmerzliche Folgen für beide Teile nicht aufgegeben werden kann. In solchen Fällen ist für den Ersatz des Mitarbeiters die Intervention des Lehrers erforderlich. Die erwählten älteren Mitarbeiter (oder die ”offenbarten Gefäße“) können an den Lehrer appellieren und ihn bitten, sie von den Einwirkungen der Aura der Scheidenden zu befreien.

       6. ”… Laßt uns das Thema ”Lebensfähigkeit der Fristen“ und die ”Spiegel der Zukunft“ beschließen …” Die Antwort ist: Was vorher über die kosmischen Fristen gesagt wurde, erklärt auch ihre Lebensfähigkeit. Was die Spiegel betrifft, bezieht sich das Gesagte auf die Prognose der Zukunft auf der Basis der bestehenden Frist. Und diese Spiegel oder Visionen, die durch einen besonderen Prozeß auf einer polierten Metalloberfläche hervorgerufen werden, sind von Anfang an echt; und dies insofern, als der Geist dessen, der mit dieser Prognose in Zusammenhang steht, in seinem Streben fest und unerschütterlich ist. Schwankt er aber, so wird sich der Spiegel der Zukunft in Übereinstimmung mit diesen Schwankungen des Geistes verändern. Aus diesem Grunde treten alle Lehren für Standhaftigkeit und Festigkeit des Geistes ein. Nur im Besitz solcher Festigkeit kann man aufbauen und auf allen Pfaden geschützt sein. Der Strahl kann nur den beschützen, der dem aufgezeigten Licht unbeirrbar folgt und sich nicht von ihm entfernt. Deshalb werden für kosmische Fristen nur jene ”Gefäße“ erwählt und entsandt, die in der Standhaftigkeit der Bestrebungen gründlich geprüft werden.

       Ich will für Sie eine Seite aus dem Buch ”Gemeinschaft“ § 56 zitieren: ”Warum gleicht das Erkennen der in die Zukunft weisenden Zeichen dem Webvorgang? Bei der Webarbeit ist die Kette von einer bestimmten Färbung, und die Fädengruppen sind nach Farben eingeteilt. Es ist leicht, die Kette zu bestimmen, und auch die Fädengruppen kann man leicht herausfinden; doch das Muster dieser Gruppe läßt verschiedene Verbindungen zu, die von Tausenden laufender Umstände abhängen. Natürlich, die innere Beziehung des Subjekts selbst wird die Hauptbedingung sein. Wenn seine Aura sehr schwankt, wird die Prognose relativ sein. Dann wird es einem bestimmten Spiegel gleichen, in dem nach einigen verstreuten Punkten eine bestimmte Figur gefunden werden muß.

       Wo ist denn das beste Ferment, das die schwankende Aura festigt? Das beste Ferment ist Streben. Es ist unmöglich, einen strebenden Körper zu verletzen oder zu zerbrechen. Streben in Bewegung erlangt Gesetzlichkeit, und zum Gesetz werdend wird es unaufhaltsam, weil es in den Rhythmus des Kosmos eingeht.

       So schreitet vorwärts im Kleinen wie im Großen, und euer Gewebe wird einmalig, kristallen, kosmisch, kurz gesagt - schön sein.

       Streben, nichts anderes, verleiht Beherrschung der Elemente, denn die grundlegende Eigenschaft der Elemente ist Streben. In diesem Zustand koordiniert ihr die Elemente mit der höheren Schaffenskraft des Geistes und werdet zum Beherrscher des Blitzes. Der Mensch wird zum Beherrscher des Blitzes werden. Glaubet es, nur durch Streben werdet ihr siegen.”

       Nun weiter § 55 desselben Buches: ”Streben ist das Boot des Archaten. Streben ist das geoffenbarte Einhorn. Streben ist der Schlüssel zu allen Höhlen. Streben ist die Schwinge des Adlers. Streben ist der Strahl der Sonne. Streben ist die Rüstung des Herzens. Streben ist die Lotosblüte. Streben ist das Buch der Zukunft. Streben ist die geoffenbarte Welt. Streben ist die Zahl der Sterne.”

       Und nun über den Spiegel als Erfindung des Teufels. Davon wird in der Broschüre ”Auf östlichen Kreuzwegen“ gesprochen - natürlich sollte dies allegorisch verstanden werden. Der Spiegel des Teufels ist ein Symbol des Haftens des Menschen an seiner Persönlichkeit und Ichsucht. Des Teufels Spiegel widerspiegelt genau seine Selbstsucht, wohingegen der göttliche Mikrokosmos den Makrokosmos widerspiegelt.

       Ich begrüße Ihre Standhaftigkeit. Seien Sie nicht betrübt über die Enthüllung der wahren Gesichter der Menschen sowie über die unvermeidliche Einsamkeit. Diese Enthüllung der wahren Gesichter der Menschen ist von der großen Lebensschule untrennbar, und auf der letzten Stufe begegnet man Verrätern. Allen Lehren ist das Symbol des Leerens des Giftbechers durch die Lichtträger eingeprägt. Die Schönheit der Heldentat wird durch diese Erscheinung der Finsternis wahrlich emporgehoben. Und so seien Sie mutig und standhaft und lassen Sie sich nicht durch irgendwelche Ungeheuer beunruhigen. Es heißt, daß man aus den Beispielen der Aggression lernen soll.

       9. Dezember 1935

       Ich bin entzückt zu hören, daß Sie eine Gruppe ”Vereinigung der Frauen“ gebildet haben. Mit meinem ganzen Herzen begrüße ich auch die Idee der Einrichtung eines Kindertheaters. In der Tat, das Theater ist ein machtvolles, vielleicht das mächtigste Mittel, um in den Kindern und der Jugend den Charakter zu bilden. Wahrlich, das Theater kann, sofern die Stücke gut gewählt sind, die Jugendlichen dazu inspirieren, den großen Vorbildern nachzueifern und junge Seelen zur Heldentat und zum Heldentum zu bewegen. Diesem Projekt sollte daher größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dafür sind die Mysterien aus dem Leben der großen geistig Schaffenden für das Gute sowie die Legenden über die Volkshelden besonders geeignet. Diese fesselnden erhabenen Gestalten können die Achtung vor den Begriffen Ehre und Würde des Menschen verstärken - Eigenschaften, die heute so leicht verlorengehen - doch denen, die ihrer ermangeln, droht Verderb. Und damit die Saat Früchte trägt, sollte man schon bei den Kindern beginnen

       Sie fragen nach der ”Vereinigung der Frauen“. Ich sah in ihr eine Idee universeller Vereinigung zwecks Erhebung des Bewußtseins der Frauen in allen Ländern und zur Bestätigung der Rechte der Frau, und dies nicht durch Gewalt und häßliche Demonstrationen nach Art der Suffragetten, sondern durch Selbstvervollkommnung und Entwicklung der eigenen Fähigkeiten. Die Tätigkeit der ”Vereinigung der Frauen“ sollte auch in das Programm der ”Gemeinschaft der heldenhaften Schwestern“ aufgenommen werden, über die ich Ihnen bereits geschrieben habe. Sicherlich, jedes Programm müßte den örtlichen Bedingungen und bestehenden Möglichkeiten angepaßt werden. Ja, die Frauen sollten sich zur Verteidigung ihrer Rechte und der ihrer Kinder wirksam einsetzen und durch Wort und Tat die Moral und das kulturelle Niveau ihren Ländern entsprechend heben.

       In Amerika gibt es viele nützliche Einrichtungen, an denen Frauen wesentlichen Anteil haben. So sollte in diesen Bewegungen auf die sogenannten ”Chautauqua“ (indianisches Wort: Windfahne) hingewiesen werden. Diese Einrichtung gab den entferntesten Ortschaften im Land die Möglichkeit, mit modernen Errungenschaften auf allen Gebieten der Wissenschaft, der Kunst und mit den sozialen Bewegungen vertraut zu werden und damit gleichzeitig einen Überblick zu gewinnen und eine Bewertung der Weltereignisse zu erlangen; allerdings muß das Niveau der Zuhörer Berücksichtigung finden. Dazu werden im Sommer gewöhnlich Redner und Künstler eingeladen, die oft von weither angereist kommen. Die in den entsprechenden Ortschaften lebenden Menschen werden über ihr Kommen rechtzeitig informiert. Es wird ein geeignetes Gebäude bereitgehalten oder es werden große Zelte aufgestellt, die die Truppe selbst mitbringt. Ich hörte von einer Dame, die auf solch eine Reise ging, daß die Eintrittskarten bereits im voraus ausverkauft waren. Diese Einrichtung ist finanziell erfolgreich, und ihre Bemühungen steigern sich insgeheim. Freilich sind auch Zirkuskünstler mit in das Programm aufgenommen, denn letztere ziehen den größten Prozentsatz des Publikums an. Dabei können auch wertvolle und erzieherische Nummern geboten werden. Auf diese Weise ziehen die ”Chautauqua“ durch ganz Amerika. Sie reisen meistens mit eigenen Wagen.

       Beigeschlossen finden Sie ”Tagebuchblätter“ von N. K., in denen er von Frauenbewegungen in Indien spricht. Sie werden darin viele schöne und nützliche Gedanken finden, von denen Sie viele verwerten können. Allerdings ist die Lage der Frauen im Westen weit besser als im Osten; nichtsdestoweniger sind sie von Gleichberechtigung weit entfernt. Erst wenn die Gleichberechtigung der Frau im planetaren Ausmaß erreicht ist, können wir sagen, daß unsere Evolution den Status der Menschlichkeit erlangt hat. Zur Zeh sind wir in den meisten Fällen nur ”Zweibeiner“, wie der große Buddha die Unwissenden und Böswilligen nannte. Das Gleichgewicht der beiden Urelemente ist die Grundlage des Lebens, und die Verletzung dieses Gesetzes brachte unseren Planeten an den Rand der Zerstörung. Aber werden es viele verstehen?

       Was kann über den Fortschritt des Paktes in Europa gesagt werden? Es gibt eine Menge Gespräche und viele Versprechungen, aber es ist schwer zu sagen, was sich in naher Zukunft daraus ergeben wird. Zur Zeit ist Europa mit gänzlich unterschiedlichen Vorstellungen befaßt und steht an der Schwelle vieler Ereignisse. Ich weiß nur, daß das Komitee des Paktes in vielen Ländern die Arbeit aufnahm, aber aus Mangel an Initiative und Ausdauer der Mitglieder bald wieder einstellte. Das Haupthindernis besteht im Mangel an geeigneten Menschen. Aber wenn wir uns vergegenwärtigen, daß es 17 Jahre dauerte, die Idee des Roten Kreuzes zu verwirklichen, so können unsere Freunde auf die bereits erzielten Ergebnisse geradezu stolz sein. Sie sollten sich daher für weiteren Fortschritt mit Geduld wappnen.

       Ich freue mich, daß Ihnen unser Ort gefallen hat. Die Laboratorien befinden sich allerdings noch im Bau, und derzeit haben wir nicht die Mittel, die elektrischen Anlagen einzurichten. Dies erfordert viel Geld. Wir sind uns bewußt, daß wir eine schwere Zeit durchzumachen haben und hoffen, daß es später besser wird. Wenn wir uns wiedersehen, will ich Ihnen von den ungeheuren Schwierigkeiten berichten, die wir ständig zu überwinden haben. Doch wir lernten es, jedes Hindernis gutzuheißen, denn wie anders könnte unsere Standhaftigkeit geprüft, unsere Fähigkeiten geschärft und unsere Hingabe zum Großen Lehrer bewiesen werden, der ständig über uns wacht und seine Hilfe im letzten Moment sendet? Ihre Worte über die ernste, aber schöne Zeit, die wir nun erfahren, gingen mir daher sehr zu Herzen. Ernst und schön ist unsere Zeit, denn die Hierarchie des Lichts hat zum ersten Mal so viele Zeichen über die Erde verstreut; so viele Rufe erklingen im Raum, so viel Licht und Wissen wird gegeben!

       Sie haben weise gehandelt, neu Ankommende nicht sofort als Mitglieder in Ihre Gesellschaft aufzunehmen. Es muß eine strenge Unterscheidung getroffen werden. Oft enthüllen die Menschen nicht gleich ihr wahres Gesicht. Daher sind viele Vorkehrungen notwendig. Ich freue mich mit Ihnen am geistigen Fortschritt Ihrer Freunde, die Ihrem Herzen so teuer sind. Ja, nichts kann die Herzenswärme ersetzen, und so glaube ich, daß sich alles zum Guten wenden wird, wenn Sie immer wachsam sind.

       Laßt uns mutig und strebend die Schwelle zu vielen Ereignissen überschreiten.

       Wer wagt es, gegen die Prinzipien der LEBENDIGEN ETHIK zu sprechen? Wer kann gegen die Verfeinerung und Einführung in das wahre Verstehen der Kultur etwas einzuwenden haben? Könnte solch eine sich erhebende Stimme sich gegen die Grundlagen des Seins auflehnen?

       Mögen die Schwingen des Geistes wachsen. Sie werden Sie über alle Abgründe tragen, und Ihr heimlicher Wunsch vermag in Erfüllung zu gehen.

       12. Dezember 1935

       Vielen Dank für das interessante Buch über das kleine Mädchen, das Gedankenlesen kann. Jetzt gibt es überall zahlreiche Zeichen dieser Art und es ist ratsam, sie zu sammeln. So berichteten unsere Lokalzeitungen in den letzten Tagen über ein kleines Mädchen, das sich seines vergangenen Lebens erinnert. Ich führe einige Paragraphen aus den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK an, über ein kleines Mädchen, das Gedankenlesen kann: ”Die Fähigkeit des Kindes, von dem ihr sprachet, ist ein direkter Beweis davon, was früher gesagt wurde. Wenn ein Kind die reine psychische Energie anwendet, verfügt es über Wissen, das von anderen nicht wahrgenommen wird. Aber wenn der Verstandeswille wirksam wird, setzt der Strom der Grundenergie aus. Es ist gesagt worden: Seid einfach im Geist, das heißt, laßt die reine Energie wirksam werden, erschwert ihr Strömen nicht und begreift, daß euch Verstandeszwang nur ärmer macht. So weiß der Gelehrte nicht durch seinen Verstand, welches Buch er vom Regal nehmen soll, sondern durch sein Gefühlswissen.” (Feurige Welt III, § 535)

       ”Warum nur staunen die Menschen über die vielen Fälle von Kindern, die sich ihrer Vergangenheit erinnern? Gerade in der heutigen Zeit werden häufig solche offenbaren Vermittler zwischen dieser und der feinstofflichen Welt geboren. Sie erinnern sich auch an ihren Aufenthalt zwischen den irdischen Leben, aber die Menschen verstehen es nicht, sie hierüber zu befragen. Das Wichtigste dabei ist nicht, daß sie sich an vergrabenes Gold erinnern, sondern daß sie über wertvolle Wahrnehmungen berichten können. Auf diese Weise findet eine Wiederannäherung der beiden Welten statt, und dieser Umstand geht großen Ereignissen voraus. Aber noch eine lange Zeit hindurch werden viele nicht begreifen, in welchem Ausmaß sich alles um sie verändert. Erinnert euch an das alte Märchen, wie der König einer Hinrichtung unterzogen werden sollte, aber von der Wirklichkeit so fern war, daß er sich auf dem Weg dahin sehr mit einem Stein befaßte, der aus seiner Krone fiel.” (Feurige Welt III, § 542)

       ”Es ist wahr, daß meistens kranke und sogenannte anomale Menschen eine Verbindung mit dem Überirdischen haben, und das ist eine große Schmach für die Menschheit. Gerade die gesunden Menschen sollten die Nähe der Feinstofflichen Welt spüren. Aber der Unterschied zwischen kranken und gesunden Menschen ist verwischt. Die Menschen haben ihren Verstand mit einer Kruste bedeckt, die Vorurteile entstehen ließ. Hinter diesem Gehege ist die Feinstoffliche Welt nicht sichtbar. Sogenannte anomale Menschen sind gewöhnlich frei von Vorurteilen und verlieren darum nicht den Kontakt mit der Feinstofflichen Welt. In der Tat, wie oft überblicken Menschen in Krankheitszeiten beides, Vergangenheit und Zukunft; manche haben ihre vergangenen Leben geschaut und vergessene Fähigkeiten wieder entdeckt. Zwischen dem gefühllosen Zustand und wahrer Gesundheit muß eine neue Grenze gezogen werden. Neue Entdeckungen sind von keinem Nutzen. Die Menschen müssen solch eine Erschütterung erfahren, daß sie ohne jedwedes Fieber die Erinnerungen aus der Vergangenheit bewahren und auch das erkennen, was vorbestimmt ist.” (Feurige Welt III, § 545)

       ”Bei außergewöhnlichen Gefahren blitzt Helligkeit auf, was bedeutet, daß es möglich ist, die Aufspeicherungen des Bewußtseins durch etwas wachzurütteln. Das gleiche geschieht bei Epilepsie, wenn sich nach den Worten des Betroffenen für ihn die Himmel öffnen. Das heißt, daß Hellsichtigkeit auch inmitten irdischer Bedingungen möglich ist. In der Tat, das ist so plötzlich - zu schnell, um von irdischer Zeit vermerkt zu werden. Und in dieser blitzartigen Zeitlosigkeit liegt offensichtlich eine Eigenschaft der Feinstofflichen Welt. Natürlich, Träume sind auch zeitlos, und doch können sie eine Anzahl von Ereignissen beinhalten. Durch verschiedene Beispiele können wir uns dessen erinnern, was früher jedem bekannt war.” (Feurige Welt III, § 546)

       Die Menschen sind sich nicht bewußt, daß das Fundament großer Ereignisse im Verschieben der räumlichen Strahlen liegt, in der Annäherung der Welten und in dem erneuerten Bewußtsein, das zu einem neuen Verstehen des Lebens führt. Vieles wurde bereits offenbart. So laßt uns dem Unwiederbringlichen Jahr entgegensehen.

       14. Dezember 1935

       In allen Lehren des Altertums ist Hingabe an den erwählten Lehrer eine notwendige und grundlegende Eigenschaft des Jüngers. Seien Sie daher gesegnet, wenn diese Eigenschaft Ihrem Geist nicht fremd ist.

       Sie erwarten Toleranz aller Gruppen, die Ihrem geliebten Lehrer (ich hoffe, der Lehre des Lichts) folgen, und damit haben Sie natürlich recht. Aber dann sollten Sie weder besorgt noch ungehalten sein, wenn jemand genauso inbrünstig dem Herrscher M. ergeben ist wie Sie es Ihrem erwählten Lehrer gegenüber sind. Im Zusammenhang damit gibt es im III. Band des Buches ”Feurige Welt“ § 573 einige Aussprüche, die ich Ihnen gerne zitieren möchte: ”Die Lehre des Guten muß der Freund des Guten sein - in allen seinen Erscheinungen. Diese Wahrheit erscheint einfach, doch böse Absicht versucht dauernd, sie zu entstellen. Den Lehrer des Guten muß es schmerzen, wenn er sieht, wie die Arbeiter des Guten verwirrt werden und wie sie einander ausschließen. Solch eine Entartung des Guten vollzieht sich, wenn einer eine Last des Guten auf sich nimmt, die für ihn zu schwer erscheint, oder wenn ein anderer eine doppelte Last zu tragen versucht. Und wagt es jemand gar, eine dritte Last auf sich zu nehmen, dann wird er wenig Helfer finden. Millionen Jahre reichten nicht aus, um die Menschheit zu lehren, sich am Guten zu erfreuen, zu wachsen, es als etwas äußerst Nützliches liebzugewinnen Die Lehre muß in allen Trägem des Guten ein Gefühl weiter Sympathie erwecken. Andernfalls wird sie nicht die Lehre des Guten, sondern eine Lehre der Ichsucht sein.”

       So heiße ich Sie als Streiter willkommen; mögen Sie Ihre Last des Guten freudvoll tragen.

       17. Dezember 1935

       Alles, was Sie schreiben, ist sehr interessant. Das Leid, das infolge der fürchterlichen Katastrophe, die unseren Planeten bedroht, über die Menschheit kommen wird, wenn sie sich weigert, sich zu besinnen, ist mir wohl bekannt. Seit frühester Kindheit stand ich unter dem Druck der Vorahnung bevorstehender Katastrophen. Wiederholte Traumvisionen von der Zerstörung des Planeten hinterließen eine unauslöschliche Spur in meinem Bewußtsein, Auch werde ich den Tag nicht vergessen, an dem man zu mir, bereits als Erwachsener, von der letzten Prüfzeit für unseren Planeten sprach und ich die Wirkung stickender absoluter Finsternis erlebte. Nach diesem Erlebnis war ich für einige Tage in einem schrecklichen Nervenzustand Es heißt: ”Diesen Feind des Planeten (absolute Finsternis) können nicht viele ertragen ohne zu erkranken.” Jetzt allerdings sind der Schrecken und der Druck überwunden, aber noch verbleibt Traurigkeit bei dem Gedanken an die Möglichkeit solch endgültiger Vernichtung.

       Und jetzt über N. K. - warum er nicht über die gegenwärtige Zeit Rußlands spricht. Für einen feinfühligen Geist müßte es verständlich sein, denn N. K. liebt sein Land sehr und ist ihm treu ergeben. Dieses Gefühl ist ihm so heilig, und davon zu jenen zu sprechen, die es nicht verstehen oder ihm feindlich gegenüberstehen, wäre gotteslästerlich. Im Osten ist es üblich, vom Heiligsten nicht zu sprechen, und in dieser Hinsicht gehört N. K. dem Osten an. Sein Herz sieht und weiß, was andere noch nicht verstehen können. Die Evolution schafft ihren unabänderlichen kosmischen Lauf, und eine große geschichtliche Auslese findet derzeit im ganzen Planetenraum statt. Alle, die ihr Land aufrichtig lieben, verstehen, wie besorgt man sich in einer schweren und schmerzlichen Zeit des Übergangs zu neuem Aufbau verhalten muß, nachdem eine gigantische Explosion es bis auf den Grund erschütterte. Unser Land begab sich bereits auf den Weg der Genesung und sucht nach einem neuen ruhmvollen Pfad. Die freudvollste Erscheinung ist, daß die Massen zu einem bewußten Leben erwachten, zum Verstehen allgemeiner Zusammenarbeit, und der Durst nach Wissen unter den jungen Leuten ist groß. Allerdings sind Gegenströme unvermeidlich, aber eine große Bewußtseinsveränderung der Menschen ist offensichtlich. Sollten wir daher unserem Land gegenüber nicht besondere Behutsamkeit walten lassen?

       Die Erneuerung Rußlands ist eine Garantie für das Erblühen und den Frieden in der ganzen Welt. Der Untergang Rußlands ist der Untergang der ganzen Welt. Manche beginnen bereits, dies zu erkennen, doch noch vor kurzem dachten die Menschen umgekehrt, nämlich, daß die Vernichtung Rußlands die Rettung der Welt bedeutete, und sie versuchten, es bis aufs äußerste zu vernichten und zu entzweien. Groß war die Furcht vor dem Wachstum Rußlands, und selbst wenn diese Furcht berechtigt wäre, schrieb sie niemand der rechten Ursache zu. So gab es vielerlei Befürchtungen wegen der Machtergreifung Rußlands, aber niemand konnte die Folgen dieser Explosion (zu der viele beigetragen haben), die das Gleichgewicht der Welt herzustellen hatte, voraussehen und ableiten. Groß sind die Folgen dieser Explosion in Rußland! Gereinigt und erneuert wird Rußland auf der neuen Grundlage breiter nationaler Zusammenarbeit und freien kulturellen Aufbaus ein Bollwerk wahren Friedens werden.

       28. Dezember 1935

       Das Opfer Christi und seine Annahme der Kreuzigung für das Überbringen der Lehre des Lichts hatte für die ganze Menschheit und alle Seinsebenen zweifellos ungeheure Bedeutung. Auch von anderen Großen Lehrern sind für die Rettung der Menschheit Aufopferung und große Errungenschaften erbracht worden. Und es ist schwer zu sagen, wessen Aufopferung größer war - die Aufopferung Sri Krishnas, des Geistigen Lehrers und königlichen Lebenserbauers, oder die Aufopferung Gautama Buddhas, der zur Bestätigung des großen Gesetzes über sechzig Jahre die schwere Last des Lehrens trug.

       In der Broschüre ”Auf östlichen Kreuzwegen“ heißt es richtig, daß die Auflehnung Luzifers der Welt den Christus brachte. Diese Auflehnung brachte auch andere Große Lehrer, von denen einige vor ihm, andere nach ihm erschienen. Die Liste der selbstlosen Leben der Höchsten Geistwesen, die die finsteren Kräfte bekämpften, ist lang. Nach der Überlieferung des Ostens begann die Auflehnung Luzifers bereits zu Ende der dritten Rasse. Die große Schlacht, die in der vierten Rasse zwischen den Söhnen des Lichts und den Söhnen der Finsternis ausgetragen wurde und von der in allen Überlieferungen gesprochen wird, hebt dieses große Drama unseres Planeten stark hervor. Die Tragödie ist, daß Luzifer durch kosmisches Recht der wahre Herr unserer Erde ist. Sein Geisteskorn birgt potentiell jene Energien, die sich im Kern unseres Planeten sammeln. Deshalb ist es leicht, sich vorzustellen, wie gut vertraut der Herr der Erde mit seinen Bewohnern ist und daß alle ihre Energien sich ihm unterordnen; die großen Söhne des Lichts hingegen kamen von anderen Welten auf unseren Planeten. Und der Größte unter Ihnen übernahm die Verantwortung für diesen Planeten. Er steht ewige Wache, und nach allen Schriften ist Er der Besieger des Drachens.

       Die Höchsten Geistwesen, die die Verantwortung für die Evolution übernahmen, inkarnierten nach und nach auf der Erde in verschiedenen großen Gestalten. Bedenken Sie, es heißt, daß alle Himmlischen Kräfte nicht soviel Macht sammeln können, wie in Vereinigung mit den Höchsten Kräften durch die Vollbringung EINER großen Heldentat gesammelt wird. Für die Erde muß alles durch irdische Mittel unter irdischen Bedingungen getan werden. Sicherlich, durch das Opfer Christi kann niemand erlöst werden. Denn niemand kann einen anderen erlösen. Jedoch die Lehre Christi mahnte die Menschheit noch einmal an die drohende Gefahr und wies den Pfad zur geistigen Rettung. Aber die Fallen der finsteren Kräfte und die von ihnen ausgehende Gefahr schwanden nicht, sondern vermehrten sich vor der entscheidenden Schlacht. Daher ist es jetzt mehr denn je wichtig, daß sich alle Kräfte des Lichts vereinigen, um die Horden der Finsteren abzuwehren, die in ihrer Wut und ihrem Wahnsinn den Planeten zu sprengen versuchen. Aber diese Vereinigung erfordert beim gegenwärtigen Bewußtseinszustand der Masse größte Vorsicht, denn oft steigert eine Annäherung den Mißklang nur. So sprechen die Menschen oft das Sprichwort aus ”Einer allein im Felde ist kein Krieger”, aber die wirkliche volle und ernste Bedeutung dieser Worte dringt nicht in die versteinerten Herzen ein.

       Ich schlage vor, daß Sie in Ihrem Werk hervorheben, inwieweit die Esoterik in der Lehre Christi nicht verstanden und stillschweigend übergangen wird, sogar in den Evangelien. Sie könnten auch erwähnen, daß der erste Strahl der Neuen Zeit ein neues Verstehen der Lehre Christi bringen wird. ”So laßt uns den Pfad der Erscheinung Christi annehmen als ein heiliges Zeichen, und mögen die Menschen alle Zeichen des Höchsten Pfades achten.”

1936

       11. Januar 1936

       Ich habe Ihren Brief sehr aufmerksam durchgelesen und muß sagen, daß ich vor allem darüber erfreut war, daß Sie keiner pseudo-okkulten Gesellschaft oder Organisation mehr angehören. Es gibt heute wirklich sehr viele solcher Organisationen, sie wachsen wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden! Und ich weiß, wie sehr sie alles vermengen! Manche sind ohne Bedeutung, aber es gibt andere unter ihnen, die äußerst dunkel und gefährlich sind. Zu Recht waren Sie beunruhigt, als Sie feststellen mußten, daß der von Ihnen beschriebene Orden anstatt zur Bekämpfung durch Liebe zur Rache neigt. In den Lehren des Lichts kann es keine Rache geben. Wahrlich, der erste Grundsatz jeder Lehre des Lichts ist, jedwedes Rachegefühl auszumerzen. Wenn die Lehren von der Widersetzung gegen das Böse sprechen, so darf man darunter nicht Rache verstehen. Widersetzung gegen das Böse ist die Voraussetzung zur Verteidigung des Allgemeinwohls, der Rache hingegen liegt ein persönliches Motiv zugrunde, und Sie wissen, daß Selbstsucht die Wurzel allen Übels ist. Wer der Rache fähig ist, kann niemals ein Jünger werden. Wer sein Denken und seine Gefühle nicht beherrschen kann, der kann nicht erwarten, auf dem Pfade des Lichts schnell voranzukommen.

       Sie fragen: ”Warum kam der Lehrer nicht rechtzeitig zu mir? Warum führte er mich nicht voran mit strenger Hand?” Aber die Lehrer kommen nicht zu einem. Wir selbst müssen nach ihnen verlangen. Und selbst wenn der Lehrer Sie rechtzeitig erreicht hätte, wären Sie sicher, daß Sie Seine strenge Hand angenommen hätten? Wäre sie Ihnen nicht unerträglich schwer erschienen, und hätten Sie sie nicht womöglich mit einer großen Lästerung zurückgewiesen? Der Pfad der Jüngerschaft ist nicht leicht. Er hat nichts gemein mit den Schilderungen des Lebens von Magiern und Eingeweihten in okkulten Romanen.

       Weiter fragen Sie: ”Warum war solch ein Experiment notwendig? Nur um Enttäuschungen zu erleben, gegenüber Menschen und Organisationen mein Mißtrauen zu erwecken?” Sie müssen jedoch verstehen, daß uns nie ein Experiment aufgezwungen wird, wir selbst schaffen es und nehmen es an; denn Karma stellt uns in jene Verhältnisse, in denen wir eine neue Lektion lernen oder die frühere wiederholen müssen, sofern wir sie noch nicht gelernt haben. Vielleicht mußten Sie unterscheiden lernen und sich nochmals von den Fehlern der pseudo-okkulten Vereine überzeugen, um Ihre Vorliebe für Rituale und damit zusammenhängende Gestalten abzulegen. Nicht viele sind davon überzeugt, daß man zu den höheren Quellen durch Rituale und Heruntersagen von sinnlosen Mantrams, die längst ihre Bedeutung verloren haben, keinen Zutritt erhält, denn ihr Wert liegt im Rhythmus, geboren in einem flammenden Herzen. Äußerliches, ohne innere Bestrebung kann nicht von wirklichem Wert sein. Rituale können, wenn sie schön gestaltet werden, dazu dienen, eine bestimmte erhabene Stimmung zu schaffen, jedoch können sie nicht als unabhängige ausreichende Bedingung für geistigen Aufstieg betrachtet werden.

       Sie schreiben: ”Wo ist die Gewähr, daß der andere unbekannte Orden mich nicht wieder anziehen und zwingen wird, die dümmsten Handlungen zu vollführen, gerechtfertigt durch höhere geheimnisvolle Ziele? Woran kann man eine reine Bewegung erkennen?” Gerade eine reine Bewegung wird von Ihnen nicht verlangen, unüberlegte Handlungen zu vollführen und behaupten, daß sie durch höhere, geheimnisvolle Ziele gerechtfertigt wären. Jeder Lehrer des Lichts weist auf die Vernunft hin und lehnt jedwede Gewalt ab. Er empfiehlt allein Reinheit in Gedanken, Motiven, Worten und Taten. Unzulässig ist jedwede Maske. Die Masken überlassen wir den Agenten der Finsternis, die etwas verbergen, und Sie haben recht, sich vor ihnen zu hüten. Zur Zeit sind die Finsteren zahlreich vertreten. In Anbetracht der für sie kritischen heranrückenden Fristen sind sie auf beiden Ebenen äußerst aktiv, um Helfershelfer in ihre Reihen zu bekommen. Doch unglaublich hart ist das Karma jener, die sich von ihnen anlocken lassen.

       Ich bezweifle, daß Fasten in Ihnen eine magnetische Kraft entwickeln kann. Gewiß, Enthaltsamkeit ist in allem wesentlich, aber Hungern kann nicht stärken. Von allen Lehren des Lichts wird große Ausgeglichenheit geboten. Sobald Sie diese Macht in sich erkennen, vermehren Sie sie durch Beharrlichkeit im Streben für das aufgezeigte wohltätige Ziel.

       Alles, was Sie schreiben, habe ich erwogen, und mein Rat für Sie ist, befassen Sie sich mit den BÜCHERN DER LEBENDIGEN ETHIK - vorerst mit den beiden Bänden ”Blätter des Gartens MORYA“ sowie mit dem Buch ”Agni Yoga“. Wenn Ihr Geist darauf anspricht, schreiben Sie mir, nachdem Sie sie gelesen haben, und teilen Sie mir Ihren Eindruck mit sowie auch die für Sie eventuellen Unklarheiten; ich werde sie Ihnen gerne beantworten. Lassen Sie mich alle für Sie unbekannten Ausdrücke wissen. In östlichen Sprachen gibt es Ausdrücke, die nur schwer in unsere rauhen europäischen Sprachen zu übersetzen sind.

       Zum Abschluß möchte ich Ihnen sagen, daß ”alles offenbar und erreichbar ist”. Es liegt allein an uns, einzutreten und zu empfangen. Die grundsätzlichen Bedingungen zur Erreichung sind Ehrlichkeit, Mut, Furchtlosigkeit, unbesiegbares Streben, äußerste Geduld und Dankbarkeit für jede Krume. Verrat allerdings, selbst in Gedanken, ist unzulässig. Aber gibt es Aufrichtigkeit und ein flammendes Herz, dann wird alles leicht und freudvoll. Nehmen Sie also Ihren erwählten Lehrer mit dem ganzen Wesen in Ihr Herz auf, und bald werden sich Errungenschaften einstellen.

* * *

       17. Januar 1936

       Ich stimme Ihnen völlig zu, daß für manche Menschen der Begriff kosmisches Bewußtsein so erschreckend ist wie Schwefel. Wie kann man an kosmisches Bewußtsein denken, wenn man die Bedeutung des menschlichen Bewußtseins nicht voll begreifen kann? Auch viele ”kluge“ Menschen erkennen nicht, was kosmisches Bewußtsein wirklich ist, und so meinen sie, sich abzuschirmen, indem sie es übergehen, um sich hauptsächlich selbst vor Gefahr zu schützen. Darüber hinaus bringen sie dieses kosmische Bewußtsein wahrscheinlich mit einer besonderen Art von Internationalismus in Zusammenhang. Freilich, es ist schwer zu erkennen, wie sich bestimmte Dinge in unwissenden Gemütern auswirken.

       Es wird viel davon gesprochen, wie notwendig die Entfaltung nationalen Bewußtseins ist, und dies mit Recht, denn sein eigenes Land zu lieben, ist ein heiliges Gefühl. Genaugenommen ist Nationalbewußtsein der Ausdruck des Volkscharakters, und es ist die Charaktereigenheit, die in jeder Erscheinung das wichtigste ist. Menschen und Länder sollten die Grundlage ihres Charakters und ihrer Individualität bewahren, indem sie sie entfalten und anreichern mit allen Blumen, die auf ihren Wiesen wachsen, sowie mit allen Möglichkeiten, die ihnen offenstehen. Genaugenommen ist es Aufgabe des Volksgenius, sich anzupassen und dem Prisma seines Bewußtseins zu ermöglichen, die Errungenschaften aller Völker und Zeitalter zu durchschreiten und sich seine eigene unwiederholbare Synthese dieser Anhäufungen schöpferischer Erscheinungen zu vergegenwärtigen. Aber einige wenige verstehen Volksbewußtsein als etwas Getrenntes und deshalb Beschränktes; jede Absonderung hingegen ist unnatürlich und schädlich, da sie dem Gesetz der Einheit des Seins widerspricht. Und da die Gesetze in allem einheitlich sind, endet jede Absonderung und Beschränkung in Erstarrung oder führt gar zum Tod. Das Gesetz des Seins weist auf ständige Erweiterung und unbegrenzte Entfaltung hin. Nur in dieser Entfaltung, in dieser perpetuellen Erfassung aller Möglichkeiten gibt es ewiges Leben. Durchkreuzen Sie diese Erkenntnis in jemandem, und das Leben solch eines Menschen wird nur dem vergänglichen Bewußtsein einer einzigen Persönlichkeit anhaften.

       Ewiges Leben wird gerade durch kosmisches Bewußtsein gewonnen, oder die Erkenntnis des eigenen kosmischen Ursprungs.

       In unserem Zeitalter hat man bereits erkannt, daß die Menschheit, wenn sie erfolgreich evolvieren will, eine bestimmte internationale Zusammenarbeit anstreben muß, obwohl sich diese Zusammenarbeit im gegenwärtigen Stadium weit mächtiger in mechanischen und materiellen Errungenschaften offenbart als in geistiger Hinsicht. Die Wissenschaft jedoch schreitet mit solch riesigen Schritten voran, daß die nächste Stufe bald erkannt werden wird, nämlich jene der Zusammenarbeit mit dem Kosmos. Dann wird kosmisches Bewußtsein selbst die offenkundig Unwissenden nicht mehr schrecken und zu einem normalen Faktor werden; und kein Mensch, der seinen Platz im Kosmos erkennt, wird in seinem eigenen Käfig bleiben wollen, Erst dann wird geistige Einheit in das Wesen kommen.

       Alles, was Sie über gewisse Personen schreiben, die die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK verlassen haben, ist nicht ungewöhnlich. In der Tat, wäre dem nicht so, befände sich die Welt nicht in einer ausweglosen Lage und keine kosmischen Kataklysmen bedrohten uns. Es schmerzt einen, solche Feststellungen zu hören, wie ”Gedanken an das Allgemeinwohl sind nur leere Worte”. Gewiß, für ein erloschenes Herz und einen verknöcherten Verstand sind Gedanken an das Allgemeinwohl leere Worte. Aber ein erleuchtetes Bewußtsein versteht seine völlige Abhängigkeit vom Allgemeinwohl. Das Allgemeinwohl war und ist die Grundlage jedes Vermächtnisses. Die LEHRE CHRISTI ist genaugenommen die Lehre des Allgemeinwohls, und jene, die das nicht begreifen und diesen Grundsatz leugnen, leugnen den Verkünder selbst. Es ist besser, sich mit solchen Bewußtseinen in keine Diskussion einzulassen. Ja, nur die Anerkennung und Aneignung des Gesetzes der Reinkarnation könnten die Menschheit zu richtigem Verstehen des Allgemeinwohls führen. Es ist höchst erstaunlich, wie jene, die den Begriff ”Allgemeinwohl“ bespötteln, nichtsdestoweniger die Vorteile sämtlicher für das Allgemeinwohl erdenklicher Annehmlichkeiten nutzen, so z. B. die ausgezeichneten Beförderungseinrichtungen u. dgl. m.

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       Und nun zu Ihrer Frage: § 279 des Buches ”Feurige Welt II“: Moru ist eine Pflanze, die in unserer Gegend wächst. Sie ist eine Buschpflanze und ihr Aroma erinnert sehr an Eisenkraut. Ich werde Ihnen ein Zweiglein senden, aber nicht jetzt im Winter. Versehentlich verwendete ich beim Schreiben des Namens dieser Pflanze einen Großbuchstaben und dies könnte wirklich viele Leser verwirren.

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       Gewiß, es wird nie und nirgendwo vorgeschlagen, daß man zusammengepfercht in Gemeinschaftshäusern leben sollte. Dies muß im weitesten Sinn verstanden werden. Denn nicht in allen Arbeitsgemeinschaften leben die Menschen beisammen. Sie sammeln sich für gemeinsame Arbeit, aber ihr persönliches Leben und ihr weiterer Tagesablauf vollzieht sich getrennt voneinander. Die Idee gemeinsamer Arbeit bedeutet nicht unbedingt physisches Beisammensein. Genaugenommen, es besteht keine Notwendigkeit, physisch an einander zu stoßen. Jedes Zeitalter bestimmt seine eigenen Forderungen und Bedingungen, und es ist ganz unmöglich, zu den alten Formen zurückzukehren. So untersagte auch der Herrscher Buddha in seinen Gemeinschaften ein physisches Zusammendrängen und war darum besorgt, daß jedes Mitglied seine eigene Zelle hatte. In seinen Gemeinschaften gab es auch keine gemeinsame Essenseinnahme. Alle Bhikshus aßen getrennt. Sie versammelten sich nur zu gemeinsamer Arbeit und geistigen Gesprächen. In der Tat, Gemeinschaften sind nur möglich, wenn die Auren der Mitglieder völlig harmonisieren, aber dies wird sehr selten erreicht. Wenn Sie daher eine Gemeinschaft errichten wollen, so tun Sie es so einfach wie möglich, ohne sich durch Verpflichtung zu binden; leisten Sie vor allem intensive Arbeit, wappnen Sie sich weiter mit unendlicher Geduld und Duldsamkeit. Danach könnte in vielen Fällen das Gemeinschaftsprinzip Anwendung finden, ohne darauf zu bestehen, zusammen zu leben. Es wäre viel leichter, das gemeinsame Wohnen für kurze Zeit, für bestimmte Wochen in den Sommermonaten zu praktizieren.

       Sie möchten gerne Ihre ganze Lebensweise, der der Weißen Bruderschaft im Bollwerk anpassen, aber das ist ganz unmöglich, denn ihr Leben ist so verschieden von unseren Bedingungen. Die Bruderschaft arbeitet in Gruppen, und die auftauchenden Probleme vereinen harmonisch den Rat für neue Kombinationen. Die Arbeit ist in drei Abteilungen unterteilt: erstens, Erforschen von Mitteln, um die Bedingungen der irdischen Ebene zu verbessern; zweitens, nach Wegen zu forschen, um den Menschen die erzielten Ergebnisse zu übermitteln; drittens, Mittel zu erforschen, mit den fernen Welten Verbindung aufzunehmen. Das erste Vorhaben erfordert Fleiß und Ausdauer, das dritte erfordert Wachsamkeit und Furchtlosigkeit, aber das zweite erfordert eine derartige Selbstaufopferung, daß der schwierigste Flug dagegen wie Erholung erscheint.

       Aber jetzt ist die Zeit des ernsten und entscheidenden Harmagedons, und daher sind alle Erforschungen und wissenschaftlichen Aufgaben vorübergehend eingestellt worden; alle Kräfte des Lichts sind darauf gerichtet, auf beiden Ebenen die unaufhörlichen Angriffe und die schrecklichen Ränke der schwarzen Bruderschaft abzuweisen. So kennt man im Wachturm weder Schlaf noch Ruhe. Wer von den Erdbewohnern könnte sich diesen Zustand äußerster Spannung vorstellen? Außerdem verbringen viele Brüder ihre meiste Zeit in der Feinstofflichen Welt, denn genaugenommen errichten sie hier einen Siegesteraphim. Und so erschallt jetzt in der Feinstofflichen Welt der Ruf und der Siegesgesang der Krieger der Schambhala. Seit Tausenden von Jahren bereitet sich das Bollwerk des Lichts für diese Schlacht mit den Kräften der Finsternis vor. Das vorausgesagte Harmagedon ist fürchterlich; alle unterirdischen Ungeheuer nehmen daran teil, und die Kräfte aller Ebenen sind darin einbezogen. Weist denn der sich nun vollziehende Wahnsinn nicht auf die nie dagewesene Zeit hin! Wer denkt über die unseren Planeten bedrohende Gefahr nach? Wissen viele, daß die Hauptsorge des Bollwerks des Lichts darin besteht, unseren Planeten vor vorzeitiger Explosion zu retten? In der Tat, das unterirdische Feuer, das auszubrechen droht, gefährdet unseren Planeten. An vielen Meeresbetten ist die Erdkruste sehr ausgewaschen, aber wer denkt an diese bedrohlichen Zeichen?

       Kein Erdbewohner könnte die intensive Arbeit aushalten, die derzeit im Bollwerk des Lichts geleistet wird. Die Menschheit ist darin so verbrecherisch, daß sie in ihrem Wahnsinn Lästerung gegen ihre Retter begeht. Sie rufen Christus, während sie jeden Augenblick seine Gebote verraten und die Hierarchie des Lichts, der Er angehört, schmähen. Aber die Herabsetzung selbst des geringsten Mitgliedes dieser HIERARCHISCHEN KETTE kann in Christi Augen keine Rechtfertigung finden. ”Viele werden zu mir an jenem Tage sprechen: ”Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, in deinem Namen Teufel ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunderwerke getan? Aber dann werde Ich ihnen bekennen: ”Ich habe euch niemals gekannt, weichet von mir, ihr Übeltäter” (Matth. 7:22, 23). Kann daher jemand auf Glückseligkeit und Rechtfertigung hoffen, der sagt: ”Allgemeinwohl ist nur ein leeres Wort?” Solch ein Mensch wird leer bleiben, denn wahrlich, Leere ist in seinem Herzen und seinem Kopfe. Christus und das Allgemeinwohl sind gleichbedeutend.

       In Zusammenhang mit der Idee der Gemeinschaftsarbeit möchte ich Ihnen gern den § 35 aus dem Band der ”Feurigen Welt“ zitieren: ”Soviel wird über Zusammenarbeit gesprochen, aber so wenig begriffen! Dies ist einer der am meisten mißverstandenen Begriffe, weil in einer menschlichen Gemeinschaft die Idee vereinter Arbeit so entstellt wird. Das Leben in der Gemeinschaft von Mitarbeitern kennt keinen Zwang der Gefühle, der Verpflichtungen, kein Aufdrängen, sondern Bestätigung vereinter Arbeit im Namen des Guten. Würde die menschliche Gesellschaft das Gesetz vereinter Arbeit als Lebensgesetz annehmen, wie sehr könnte das menschliche Bewußtsein geläutert werden! Denn der Rhythmus einer gemeinsamen Aufgabe kann verschiedene Fachleute und Individuen, die sich in ihren Eigenschaften unterscheiden, vereinen. Das Gesetz ist einfach, aber welche Entstellung umgibt es! Die Bekundung der geistigen Verwandtschaft des Menschen ist durch viele Gründe bedingt, sowohl geistig als auch karmisch, aber unter dem Arbeitsstrahl vermag sich eine Gemeinschaft mittels des Gesetzes der Zusammenarbeit zu organisieren. Daher ist es notwendig, die Mitarbeiter durch Arbeit heranzubilden und durch die Bestätigung, daß jeder Mitarbeiter ein Teil des Ganzen ist. Jedoch falsches Denken über das Persönliche sollte vermieden werden. Solche Interpretation wird nicht dazu beitragen, die Gemeinschaft zu einem einzigen Kanal zu festigen. So viele bedauerliche Geschehnisse könnten durch Bewußtseinserweiterung und das feine Verständnis dafür, daß es unzulässig ist, das Herz eines anderen Wesens zu mißbrauchen, vermieden werden. So sollten die Mitarbeiter auf dem Wege zur Feurigen Welt verstehen, daß man nur durch das Gesetz gemeinsamer Arbeit voranschreiten kann - es gibt keine andere Maßnahme! Feines wird nur durch Feines erreicht; und die feinen Fäden des Herzens erklingen nur in der Spannung von vielen Tausenden von Jahren. Darum mögen die Mitarbeiter vor allem diesen einzigen Pfad erkennen. Genaugenommen gestattet das Gesetz vereinter Arbeit keinen Eingriff in das Herz des Nächsten.”

       § 36 desselben Buches: ”In der Gemeinschaft sollte man an die Heiligkeit der Gefühle denken. Man sollte vor allem daran denken, daß es unzulässig ist, in einem Mitarbeiter das feine Gefühl erzwingen zu wollen. Man sollte durch äußere Forderungen im Herzen keine feinen Schwingungen entfalten. Nur ein inneres, erworbenes Handeln erzeugt eine entsprechende Schwingung. Selten ist dieses geistige Leben inmitten erstickender Schwingungen zu finden. Aber diese Erscheinung - wenn Geist mit Geist in Harmonie erklingt - ist wunderbar! Vor allem bei Entwicklung des Gemeinschaftsbewußtseins sollte man Verständnis für Zusammenarbeit aufbringen. In diesem Verstehen kann die Gemeinschaft erstarken und der Wurm der Selbstbemitleidung wird schwinden. So geben Wir dem Schüler den Rat, die Freude an der Arbeit zu bestätigen, ohne in das Herz des Nächsten einzudringen. Seit langem heißt es: ”Liebe läßt sich nicht erzwingen!” Das ist auch eine kosmische Formel. Aber man kann den Pfad der Zusammenarbeit sehr läutern. So mögen die Schüler an diese Bekundung der Zusammenarbeit als wichtigem Schritt im täglichen Leben der Gemeinschaft denken!”

       Doch wie oft lassen die Mitarbeiter das Gefühl der Eifersucht aufkommen, das so viele schöne Unternehmen zunichte macht.

       18. Januar 1936

       Vielen Dank für Ihren lieben Brief mit einem Bild von Ihnen. Ich bin allmählich dabei, eine reguläre Bildergalerie von Freunden zu sammeln. Ich sehe sie mir gerne an und beobachte die Veränderung des Gesichtsausdruckes. Haben Sie bemerkt, daß die Bilder lebender Menschen ihren Ausdruck verändern? Weiter freute ich mich, über ihre Aktivität zu hören. Säen Sie die nützliche Saat so weit Sie können, aber beachten Sie immer den Bewußtseinszustand. Kleiden Sie die großen Wahrheiten in das annehmbare Gewand. Das Verbergen des Lichts, um nicht die Schwachsinnigen zu blenden, zeugt von großem Mitleid. Wir sollten uns immer und überall vom Herzen leiten lassen. Es heißt, daß nur ein unbedeutendes Bewußtsein seinen eingebildeten Glanz stolz zu entfalten sucht, ein großes Bewußtsein jedoch scheut sich nicht, sich zu verbergen, wenn sichtbar wird, daß viele Begriffe noch nicht aufgenommen werden können.

       Gewiß, Sie haben recht, die Johannes-Offenbarung muß sehr vorsichtig gedeutet werden. In der Tat, jede Schrift, jede Legende aus dem Altertum hat sieben Schlüssel oder Deutungen. Was die ”Offenbarung“ anbelangt, sind viele Gelehrte jetzt zu dem Schluß gekommen, daß sie eine andere Version des Buches Enoch sowie der Drachenlegende des heidnischen Altertums ist. Die Offenbarung muß daher als viel älter, als man bisher angenommen hat, angesehen werden. Das Kapitel XII hat einige Bedeutungen, und ein Großteil des astronomischen und numerischen Schlüssels zu diesem Welt-Mythos ist bereits gefunden worden. Der Heiligen Lehre gemäß bezieht sich der hier erwähnte ”Krieg im Himmel“ auf bestimmte Ereignisse dieser Art auf unterschiedlichen und verschiedenen Seinsebenen. Das erste ist eine rein astronomische und kosmische Tatsache der Kosmogonie … Wenn der siderische Prototyp (des Krieges) sich tatsächlich auf eine prämanwantarische Periode bezieht und gänzlich auf Wissen beruht … des ganzen Programms des Fortschritts der Kosmogonie …”, das Wissen, das im Besitz des Großen Lehrers ist, so hat der zweite Aspekt des ”Krieges im Himmel“ seine Widerspiegelung auf Erden, und der Ort des Geschehens war nicht der interplanetare Raum, sondern der Himalaja.

       ”Es ist der Bericht über das schreckliche Ringen zwischen den ”Söhnen Gottes“ (den Söhnen des Lichts) und den ”Söhnen des Schattens“ der vierten und fünften Rasse. Es liegt an den beiden Ereignissen, die durch Legenden zusammengelegt wurden …, daß jede folgende … Überlieferung auf dieses Thema aufgebaut wurde.” Aber ohne Rücksicht darauf, welches der astronomische Sinn dieser allgemein angenommenen Legende vom Kampf im Himmel ist, gründet ihre menschliche Phase auf wirkliche historische Ereignisse, die nur aus dem Grund in ein theologisches Dogma (Der Fall der Engel) entstellt und entwürdigt wurden, um sie mit den kirchlichen Zielen in Einklang zu bringen.

       In der ”Geheimlehre“ befinden sich weitere Erklärungen bestimmter Kapitel und Verse der Offenbarung. Ich machte hier Auszüge bringen, die Sie interessieren dürften:

       ”In der Einleitung zu Erzbischof Laurences Übersetzung aus einer äthiopischen Handschrift in der Bodleianischen Bibliothek bemerkt der Herausgeber, der Verfasser der ”Entwicklung des Christentums“: Bei der Revision des Buches Enoch prägte sich uns die Verwandtschaft mit den neutestamentarischen Schriften noch tiefer ein. So ist die Parabel von dem Schaf, das von dem guten Hirten von Mietlingswächtern und grimmigen Wölfen befreit wurde, von dem vierten Evangelisten offenbar entlehnt aus Enoch LXXXIX, wo der Verfasser darstellt, wie die Schäfer das Schaf vor der Ankunft ihres Herrn töten und erschlagen und so die wahre Bedeutung jener bisher geheimnisvollen Stelle in der Johanninischen Parabel enthüllt - ”Alle jene, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Mörder” - eine Sprache, in der wir jetzt eine offenbare Bezugnahme auf die allegorischen Hirten des Enoch entdeckten (Das Buch des Propheten Enoch, Seite XLVIII, 1883 herausgebracht).

       ”Die Zeit ist zu weit fortgeschritten für die Behauptung, daß Enoch aus dem Neuen Testament entlehnt hat, anstatt umgekehrt. Judas (14, 15) führt wörtlich aus Enoch eine lange Stelle über die Ankunft des Herrn mit seinen 10.000 Heiligen an und anerkennt die Quelle, indem er den Propheten ausdrücklich nennt.

       Den Parallelismus zwischen Prophet und Apostel … vollendend, haben wir es über den Streit erhoben, daß in den Augen des Verfassers einer als göttliche Offenbarung angenommenen Epistel das Buch Enoch die inspirierte Darstellung eines vorsintflutlichen Patriarchen … war.

       Die gehäufte Übereinstimmung von Sprache und Ideen bei Enoch und den Verfassern der neutestamentarischen Schriften … zeigt klar daß das Werk des semitischen Milton die unerschöpfliche Quelle war, aus der Evangelisten und Apostel, oder die Männer, die in deren Namen schrieben, ihre Vorstellungen von Auferstehung, Gericht, Unsterblichkeit, Untergang und dem allgemeinen Reich der Gerechtigkeit unter der ewigen Herrschaft des Menschensohnes geborgt haben. Dieses evangelische Plagiat gipfelt in der Offenbarung Johannis, der die Visionen des Enoch dem Christentum anpaßt, mit Abänderungen, in denen wir die erhabene Einfalt des großen Meisters apokalyptischer Voraussagung vermissen, der im Namen des vorsintflutlichen Patriarchen prophezeite” (Einleitung XXXIV - XXXV.)

       ”Vorsintflutlich fürwahr; aber wenn die Wortfügung des Textes kaum ein paar Jahrhunderte oder auch Jahrtausende vor die historische Zeitrechnung zurückreicht, dann ist es nicht länger die ursprüngliche Voraussage der zukünftigen Ereignisse, sondern eine Kopie irgendeiner Schrift einer vorgeschichtlichen Religion.

       Im Kritazeitalter teilt Vishnu in der Form des Kapila und anderer (inspirierter Lehrer) … wahre Weisheit mit (wie es Enoch tat). Im Tetrazeitalter wehrt er den Bösen in der Gestalt eines Weltherrschers (Chakravartin, der ”ewige König“ des Enoch) und beschützt die drei Welten (oder Rassen). Im Dvaparazeitalter teilt er in der Person des Vedavyasa den einen Veda in vier, und zerlegt ihn in Hunderte (Schata) von Zweigen.” (Vishnu-Purana)

       ”Im Buche Enoch, Kapitel XXVI, 3, sagt URIEL: ”Jene, die Gnade gefunden haben, sollen für immer Gott preisen, den ”ewigen König“, der über sie herrschen wird.”

       ”Fürwahr so; der Veda der frühesten Arier verbreitete sich, bevor er niedergeschrieben wurde, bis zu jener Nation der Atlanto-Lemurier und säte die ersten Samen aller jetzt existierenden alten Religionen. Die Sprößlinge des niemals sterbenden Baumes der Weisheit haben ihre verwelkten Blätter selbst über das Juden-Christentum verstreut. Und am Ende des Kali, des gegenwärtigen Zeitalters, wird Vishnu oder der ”ewige König“ als Kalki Avatar wieder erscheinen und die Gerechtigkeit auf Erden wieder herstellen. Die Gemüter derer, die zu jener Zeit leben, werden erweckt und so klar wie Kristall werden.

       Die Menschen, die durch Tugend in jener besonderen Zeit so verwandelt sind (der Sechsten Rasse), werden gewissermaßen die Samen sein von menschlichen Wesen, und sie werden eine neue Rasse hervorbringen, die den Gesetzen des Kritazeitalters der Reinheit folgen wird, d. h. sie wird die Siebente Rasse sein, die Rasse der ”Buddhas“, die Söhne Gottes, geboren von unbefleckten Eltern.

* * *

       Aber was ist in Wirklichkeit das Buch Enoch, auf das sich der Verfasser der Offenbarung wie auch der Heilige Johannes, der Verfasser der vierten Evangelien, so ausführlich in ihren Schriften beziehen? Es ist einfach ein Buch der Einweihung, das in allegorischem und vorsichtigem Wortgefüge den Umriß bestimmter archaischer Mysterien darlegt, die im inneren der Tempel stattfanden. Die sogenannten ”Visionen“ des Enoch beziehen sich auf seine (Enochs) Erfahrungen bei der Einweihung und darauf, was er in den Mysterien erfuhr.

       In allen alten Legenden bezieht sich die Beschreibung der Schöpfung unserer Erde natürlich nur auf die vierte Runde, nach der Pralaya oder Verdunkelung, die nach der dritten Runde begann. Von den ersten zwei Rassen dieser Runde haben wir wenig Kenntnis, da bis jetzt das Wissen der Großen Lehrer nicht enthüllt wurde, weil es für unser Bewußtsein zu schwer wäre, jenen Zustand zu begreifen, der kein gegenwärtiges Äquivalent auf unserer Erde hat. Aber in der vierten Runde trat der Mensch vor den Tieren in Erscheinung.

       Das Gebet Christi, das man immer noch unbeachtet läßt, war das große Herzensgebet für das Wohl der ganzen Menschheit. Jeder Große Geist lenkt die Evolution streng im Einklang mit den Gesetzen des Kosmischen Magneten beziehungsweise mit dem Gesetz der Evolution. Und der Wille solch eines Geistes ist deshalb so machtvoll, weil er mit dem Willen des Kosmos identisch ist.

       Der Fall Luzifers als Folge seiner Auflehnung gegen das Evolutionsgesetz oder den Willen des Kosmos kam wirklich über uns. Lesen Sie erneut die Legende über Luzifer in der Broschüre ”Auf östlichen Kreuzwegen“, sie ist wirklich war.

       So schafften jene zu der Zeit, als die Großen Brüder Luzifers mit ihm auf unsere Erde kamen, ewige Bewegung; zu der Zeit, in der sie sagen: ”Warum eine Erde, wenn alle Welten bestimmt sind”, und so schafften sie den rechten Pfad für die Menschheit, so daß weite Zusammenarbeit mit den fernen Welten einen rechten Austausch ermöglichen wird. Luzifer zog es vor, sich von seinen Nachbarn abzusondern. Aber in der Einheit des Seins, in dem Gesetz gegenseitigen Austausches, endet jedwede Absonderung nur in Auflösung oder Tod. Luzifer jedoch konnte den Lebensstrom nur hemmen, aber nicht unterbrechen. Genau gesagt, brachte seine Auflehnung und die Ausführung seines Planes der Selbstgenügsamkeit irdischer Materie ein Korrektiv des Körpers der Weißen Bruderschaft mit sich, eine wegen ihrer obligatorischen Kampfbereitschaft für andere Planeten unbekannte Organisation. Es heißt: ”Der verzweifelte Kampf verwandelte den Lichtträger, und die rubinrote Aura wurde mit blutrotem Schein erfüllt. Seine Nachfolger griffen fürwahr nach schmachvollen Mitteln”, die nur die Fristen verzögern, das Schicksal jedoch nicht abwenden. Daher hätten die Rüstung und die Schwerter der Bruderschaft viel früher in die Teile der Laboratoriumsapparate freudvoll geschmiedet und die Leiter des Lichts - die Verbindung zwischen Himmel und Erde - enger besetzt werden können. ”Wie lebhaft in Erinnerung ist der erlittene schmachvolle Tod des letzten Großen Lehrers für etwas, was der Menschheit, wie es scheint, längst bekannt gewesen ist!”

       Sie fragen, wie diese Psychologie der Absonderung entstand, doch in jedem großen feudalen Herrn können Sie ein gleiches Beispiel sehen.

       Luzifer ist der Fürst der Erde im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Geist besitzt potentiell die gleichen Energien, die der Erde eigen sind.

       Unter normalen Bedingungen müßte der Herr der Erde die Materie erhoben haben, indem er ihre Teilchen mit der Idee der Einheit erfüllte. Der Geist des Herrn des Planeten durchschreitet die menschliche Form als der erste Lehrer der Beherrschung der Materie, und deshalb wird er zum Experten in den Eigenschaften dieser Materie. Mit würdigem Verhalten wäre er ein schätzenswerter Freund aller neuen Formationen; es gäbe keine antagonistischen Tätigkeiten, sondern nur ein Suchen nach gegenseitigen segensreichen Taten. Der Herr der Erde jedoch denkt nicht so; er kümmert sich nicht um die geistige Freundschaft. Sie können sich wohl vorstellen, daß der Herr der Erde alle irdischen Labyrinthe kennt! Und eine übermäßige Erleuchtung durchkreuzt seine Pläne! Seine Diener sind nicht abgeneigt, für sie Nützliches zu erfahren; sie halten ihre eigenen Versammlungen, wo geraten wird, die neuen Entdeckungen zu nutzen, um dem Fortschritt der Geistigkeit zu schaden. Sein Unheil jedoch besteht darin, daß die geistigen Bewegungen sehr rege sind; und das Reservoir der Quelle der Weißen Bruderschaft ist groß.

       Nun werden Sie erkennen, wie ernst und bedrohlich das Toben des Harmagedons ist - der Kampf der Kräfte des Lichts gegen die Horden der Finsternis!

* * *

       Ganz richtig verstehen Sie Besessenheit. Fürwahr, wo es Kampf gibt, gibt es keine wirkliche Besessenheit. Eine besessene Person kämpft nicht mehr und erkennt auch nicht, daß sie besessen ist. Das reine Herz braucht Besessenheit nicht zu fürchten. Aufrichtigkeit läßt keine Besessenheit zu.

 

21. Januar 1936

       Man sollte bedenken oder, besser gesagt, wissen, daß es kein einziges Buch gibt, das frei von Fehlern oder Unklarheiten ist, oder einfach von Druckfehlern und Auslassungen. Selbst in den Büchern und Briefen der Adepten stößt man auf scheinbare Widersprüche, doch für Wissende sind dies keine ”Widersprüche“, sondern einfach die Ergebnisse mangelhafter Kommentare. Das Universum ist sehr komplex, und es ist unmöglich, seine ganze große Mannigfaltigkeit auf ein paar Formeln zu bringen, die für jeden besonderen Fall Anwendung finden können. So gibt es in bezug auf eine harmonische Seele auch vieles, was durch Worte nicht adäquat ausgedrückt werden kann. Man kann keine Apothekerwaage verwenden, um den Grad der Individualisierung zu bestimmen, der in jedem separaten Fall in dieser oder jener Gruppe der niederen Naturreiche erzielt wird; daher muß man den Durchschnittsgrad für ihren Zustand annehmen. Die Gruppenseele muß in jedem Fall als Übereinstimmung ursprünglicher Gefühle verstanden werden, und, genau gesagt, kann solch ein Gleichklang durch die Bezeichnung Gemeinschaftsseele im Sinne geistiger Übereinstimmung ausgelegt werden. Auch die Großen Lehrer nennen Ihre Gruppe oft EIN EGO.

* * *

       Sie wundern sich also, daß der Verfasser des Buches, das Sie kritisieren, das Karmagesetz als ”blind“ und zugleich ”vernünftig“ bezeichnet! In jedem kosmischen Gesetz muß man jedoch immer die Gegensätze in Betracht ziehen. Dieses Gesetz wird vom Autor wegen seiner Unabänderlichkeit sowie Unerschütterlichkeit, wenn es kosmisch und unvermeidlich wirkt, ”blind“ genannt. Im Tun eines Menschen mit erwachtem Geist wird das Karmagesetz ”vernünftig“, die niederen Naturreiche dagegen sind dem Gesetz ”blind“ unterworfen

       Die Herren des Karma, obwohl sie die Evolution der Welt lenken, werden gewiß primär von den kosmischen Gesetzen geleitet, und sie gleichen oder passen ihren Willen der Evolution des Kosmos an - oder der großen Zweckdienlichkeit. Daher ist Ihre Frage: ”Ist es möglich daß die Herren des Karma ”blind“ sind?” nicht am Platze. Auch die Feststellung des Verfassers, daß ”Karma im ersten und letzten Viertel der Entwicklungsrunde nicht wirkt”, ist kein Irrtum, sondern einfach die gleiche, allerdings nicht ganz überzeugende Erklärung. In allen Lehren ist über den Zustand des Menschen in den ersten drei Runden sehr wenig gesagt, wie auch über die ersten zwei Rassen unserer Runde. Aus den Hinweisen jedoch läßt sich schließen, daß in den ersten zwei Rassen der vierten Runde die Menschen, wenngleich sie mit Geistigkeit erfüllt waren, keinen, wie wir es nennen ”Verstand“ hatten; und so können wir annehmen, daß sie dem unvermeidlichen Karmagesetz ”blind“ folgten. Jedoch im letzten Viertel unserer Rasse, sobald die Menschen genügend verfeinert sind und den verdichteten Astralzustand sowie ihre ursprüngliche Geistigkeit durch das Öffnen der höheren Zentren erreicht haben - allerdings mit einer entwickelten und erleuchteten Denkfähigkeit -, werden sie ihr irdisches Karma für diesen besonderen Zyklus (oder diese Runde) vollenden und die Erde verlassen, um eine neue Seinsrunde auf einem anderen Planeten zu beginnen; nach dieser Periode der Verdunkelung der Erde kann die Menschheit ihre Evolution in der neuen irdischen Runde oder der fünften Rasse fortsetzen.

       In diesem Buch finden Sie auch die Feststellung über die Zahl der Inkarnationen in ein und demselben Geschlecht. Diese kategorische Feststellung kann zu Mißverständnissen führen. Würde ich sie jedoch verneinen, müßte ich Bestimmtes offenbaren, was für eine weite Öffentlichkeit noch nicht enthüllt werden kann.

       Warum erscheint es Ihnen ungerecht, daß der Mensch ”seinem Karma zuvorkommen kann” und es ihn dann nicht mehr erreicht? Genau das Gegenteil scheint mir der Fall zu sein; denn wäre es anders, könnten wir diesem verhexten Kreis niemals entrinnen. Und wenn Sie fragen: ”Wie kann der Mensch seinem Karma zuvorkommen?”, so sage ich: Indem er seine Gedanken und Beweggründe verbessert! Sehr oft ist in der Lehre erwähnt, daß vor allem unsere Beweggründe und Gedanken unser Karma schaffen; Taten sind von sekundärer Bedeutung. Fürwahr, Gedanken schaffen unser inneres Wesen. Gedanken werden als Energien in unserem KELCH und in der Aura gespeichert; und werden diese Energien geläutert und verfeinert, so ist es verständlich, daß sie harmonisieren und nur jenes anziehen können, das gleich rein ist - dann kann uns das Böse und Niedrige nicht mehr in voller Stärke erreichen. Wenn Sie daher einem Menschen begegnen, dem Sie in früheren Leben Böses zufügten und er gegen Sie Feindschaft hegt, Ihre Aura aber ausreichend geläutert ist, werden die Auswirkungen seiner bösen Energie Sie nicht in vollem Maße verletzen können. Seine unheilvolle Energie wird sich dann wie ein Bumerang gegen ihn selbst wenden. Deshalb ist es so nützlich, seine Gedanken und Beweggründe zu läutern, zu verbessern und zu verfeinern. Der Geist trägt seine Errungenschaften und Waffen in sich selbst. Die Läuterung und feurige Umwandlung unseres inneren Wesens macht uns zu Herren unseres Karma. In der Tat, die Beendigung des Karma auf einem Planeten ist dann möglich, wenn alle Elemente oder Energien, die in unser Wesen eingehen, in vollem Streben harmonisch vereint sind und die für diesen Planeten vorbestimmte Vervollkommnung erreicht haben.

       Und nun betreffs Androgyne. Beachten Sie, daß diese Stelle in Anführungszeichen meinem Brief an den Verfasser dieses Buches entnommen ist. Wie ich Ihnen bereits geschrieben habe, ist der dritte Band der ”Geheimlehre“ zusammengestellt worden, ohne von H. P. Blawatsky korrigiert worden zu sein. Darüber hinaus kann man sich nicht völlig auf die Aufzeichnungen ihrer Schüler verlassen, die oft von H. P. B. nicht durchgesehen wurden. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, auf welche Überraschungen man in einfachen Aufzeichnungen stoßen kann. Daher beabsichtige ich, in meinem letzten Willen festzuhalten, daß ich für keinerlei Aufzeichnungen, die nach meinen Ausführungen gemacht worden sind, die Verantwortung übernehme, sofern sie nicht das Zeichen meiner Korrektur oder die briefliche Unterschrift tragen.

       Es wundert mich, wieso es Ihnen nicht klar erscheint, daß Christus Jesus die Unerkennbare Primärursache nicht ”Seinen Vater“ genannt haben kann. Ohne Bezug darauf, wie transzendental die Primärursache ist, ist sie wirklich das Vater-Mutter-Prinzip alles Bestehenden.

       Zum Abschluß muß ich Sie daran erinnern, daß Kritik zu üben leicht ist, Kunst auszuüben jedoch schwer. Und ein Schüler, der die BÜCHER DER LEBENDIGEN ETHIK mit seinem Herzen gelesen hat, muß erkennen, wie wichtig auf seinem Pfad des gütigen Auges die Praxis ist. Durch Kritik allein ist noch nie etwas geschaffen worden.

       Das Buch, das Sie so tadeln, bereitete vielen suchenden Herzen Freude, und mir sind darüber viele rührende und ausgezeichnete Beurteilungen zu Ohren gekommen. Es gibt darin nicht mehr Fehler oder, besser gesagt, nichtüberzeugende Stellen als in anderen Schriften, welches Gebiet sie auch betreffen mögen.

       Bevor man sich anschickt voranzukommen, muß sich das menschliche Bewußtsein das zu eigen machen, was bereits gegeben wurde. In der Tat, heute befindet sich die Menschheit am Rande eines Abgrunds, es geht um Sein oder Nichtsein! Daher ist es weit wichtiger, die Grundsätze der LEBENDIGEN ETHIK im Leben anzuwenden, als die genaue Zahl der Inkarnationen zu kennen, die in ein und demselben Geschlecht möglich sind, oder alle Grade geistiger Affinitäten in den niederen Naturreichen, oder schließlich, ob die Menschen der siebenten Rasse zwei Rückgrate besitzen werden oder drei Nasenlöcher - und so fort!

       So üben Sie also keine Kritik, sondern prüfen Sie jede Frage von vielen Gesichtspunkten her, wobei Sie an die große Vielfalt sowie die Komplexität des Universums denken sollten.

       In Ihrem letzten Brief sagen Sie: ”Sie wissen, daß ich, was Sie mir auch sagen mögen, nicht gekränkt sein werde, sondern nur dankbar.” Sind das nicht allein Worte, oder ist es die Wahrheit? Ich habe das oft wiederholt, doch habe ich bemerkt, daß Leute, die dies zu sagen pflegen, sich nichtsdestoweniger bei dem ersten Hinweis gekränkt fühlten. Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Ich sage: Wohl Ihnen, wenn Sie diese Erkenntnis erlangt haben. Daher wird diese besondere Art von mir ”Ihre Flamme nicht verlöschen”, selbst wenn sie ”rauchen” sollte. ”Gekränktheit zu züchten, schafft einen jämmerlichen Garten” (Blätter des Gartens MORYA I, § 38). Gekränktsein gleicht der Selbstsucht, die unser Nahen zum Licht verhindert.

       25. Januar 1936

       Von ganzem Herzen begrüßen wir Ihre Absicht, über das von Ihnen gewählte Thema ein Buch zu schreiben. Sie haben recht, die Frage der Religion ist äußerst wichtig. Man kann sagen, daß sie der Eckstein der vorbestimmten Geistigkeit der kommenden Epoche ist. Daher müssen wir ohne zu zögern, im Bewußtsein der jungen Generation das wahre Verstehen dieser wichtigen Vorstellung schaffen. Das wahre Wort Religion, heißt es, kommt vom lateinischen ”religare“ und bedeutet emporbinden, genau gesagt, eine Verbindung mit der Höheren Welt. Durch Verletzung dieser Verbindung beraubt sich die Menschheit nicht nur des wahren Wissens, sondern auch des Seins selbst, denn die lebenspendende Quelle des Guten nährt alle Welten. Wir billigen auch sehr den Plan, den Sie in Ihrer Vorstellung hegen und sind gewiß, daß Sie alle Ihre erwähnten Ideen mit größter Lebendigkeit und Überlegenheit in Angriff nehmen werden.

       Könnten die Vertreter der Kirche die Zeit, der sie sich gegenübersehen, doch verstehen - die Zeit großer Reinigung und Schaffenskraft des Geistes - würden sie vereint und mit neuem, fortschrittlichem Bewußtsein das große Evangelium Christi prüfen und beim Studium mit den ältesten Religionen vergleichen, sie könnten den tiefsinnigen Esoterizismus der Lehre Christi verstehen, der völlig auf der ”Ursprünglichen Offenbarung“ basiert, der Quelle aller Lehren aller Zeiten. Die Kirchenväter sollten die wahren geistigen Hirten des Volkes sein, die Grundlagen der LEBENDIGEN ETHIK in das Leben hineintragend, die man in jeder Lehre des Lichts findet. Es ist gefährlich, hinter dem wachsenden und evolvierenden Bewußtsein zurückzubleiben; es ist gefährlich, die Entdeckungen und Errungenschaften der Wissenschaft abzulehnen, die wegen der sich häufenden Ereignisse vorerst noch vereinzelte Erscheinungen sind. Doch die Zeit ist nicht fern, wo sich diese Erscheinungen vereinen und als unbestreitbare Fakten dastehen werden.

       Gehen wir in den Fußstapfen jener unwissenden Kardinäle, die bereit waren, Galileo auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, nur weil er behauptete, daß die Erde sich dreht? Daher muß man den Bündnissen genau das entnehmen, was mit den neuesten Entdeckungen der Wissenschaft übereinstimmt und darf nicht das unterstützen, was entstellt und aus bestimmten Gründen angenommen wurde. Man muß die Bündnisse mit äußerster Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und erleuchtetem Bewußtsein studieren und alle späteren Auslegungen zurückweisen, die die Fundamente dermaßen verdunkelten, daß ”anstatt erhabener Bildnisse nur staubbedeckte Masken übrigblieben.”

       Freilich, auf dem Pfad des Lichts sind Fehler unvermeidlich, denn wer ist vollkommen?! Alles hängt von der Beschaffenheit dieser Fehler ab, von unserem Verhalten ihnen gegenüber sowie von der Festigkeit unseres Bandes zur Hierarchie. Nur wer sich vom Pfad des Lichts abwendet und so das Band von der Hierarchie trennt, fällt in den Abgrund. So ist der Weg der Verräter furchtbar.

       In dem früheren Brief an Sie übersah ich Ihre letzte wichtige Frage über das Herzeleid - ich möchte sie hier beantworten.

       Leid kann in jedem Fall als Segen angesehen werden, denn es verfeinert die Gefühle und lehrt uns großes Mitgefühl. Freude allein kann den Gefühlen nicht jene Tiefe verleihen. Daher ist die Verbindung dieser Gegensätze für die Vollendung des Pfades wichtig. Ein versteinertes Herz verdient die Bezeichnung ”Sonne der Sonnen” nicht. Ein Schüler auf dem Pfad des Lichts kann kein versteinertes Herz haben, das nicht mit all seinen Fasern auf die Freuden und Leiden seiner Umgebung mitschwingt.

       In der Tat, mit zunehmender Vervollkommnung gelangt die ganze Skala der Gefühle zu solch einer Verfeinerung, daß das Herz des hohen Schülers auf der letzten Stufe zuweilen eine offene Wunde zu sein scheint, als fühlte er physisch seinen brennenden Schmerz Aber diese Feinfühligkeit gilt nicht so sehr ihm selbst wie seinem Nächsten und dem Allgemeinwohl, das für manche Menschen ein leeres Wort bedeutet. Besonders schmerzlich ist jegliche Grobheit.

       Ich glaube, daß viele Menschen nicht voll erkennen, was mit einem versteinerten Herzen gemeint ist. Vielleicht glaubt man, daß wir, obwohl wir den Härten des Lebens stetig ausgesetzt sind, aber über ein erweitertes Bewußtsein verfügen und uns der Verbindung mit der Hierarchie des Lichts bewußt sind, es lernen, diese Boten gelassen aufzunehmen, weil wir erkennen, daß wir sie entweder verdienen oder sie für uns eine Hilfe bedeuten. Das wird der sehr gestählte Geist sein, den nichts schrecken kann, dessen Herz aber um so feuriger der Hierarchie und dem Dienst am Allgemeinwohl zustrebt.

       So heißt es in der LEHRE ”Gelassenheit des Bewußtseins entwickelt sich proportional zur Erkenntnis der Höheren Welt. Es gibt keine größere Freude und Schönheit als Bestätigung des Vorhandenseins der Höheren Welt. Die echte Vorstellung solch eines Bandes macht den Menschen streng und bestrebt.”

       So pflegte Vivekananda seine Schüler oft zu fragen, ob sie sich die ganze Feinheit und Zärtlichkeit des Herzens der großen LEHRER vorstellen könnten? Das Mitgefühl und die Hilfe der Großen LEHRER äußert sich jedoch infolge ihres großen Wissens in Formen, die weder unserem Verstehen noch unseren Wünschen entsprechen. Daher die häufige Bemerkung, die ich leider selbst vernommen habe: ”Der Lehrer ist irgendwo weit entfernt und hört die an ihn gerichteten Rufe nicht.” Wer das glaubt, kann keinem größeren Irrtum erliegen. Jedoch um gehört zu werden, muß man Aufrichtigkeit sowie Streben des Herzens bekunden.

       Es ist sogar möglich, dass manche die Errungenschaft des Zustandes Vairaga mit einem versteinerten Herzen verwechseln. Für sie bedeutet Vairaga genaugesagt Versteinerung, während in Wirklichkeit darunter Enthaltung von allem Körperlichen zu verstehen ist, und eine solche Entsagung sollte vor allem in Gedanken stattfinden. Die Enthaltung von niederen fleischlichen Erscheinungen bedeutet nicht Gefühllosigkeit. Eine solche Enthaltung vom Essen bedeutet nicht, keinen Hunger zu verspüren u. s. f. Hat ein Mensch aber den Zustand Vairaga erreicht, misst er allem das Gebührende zu und lernt, das Wichtigste und Führende zu erkennen.

       ”Ein versteinertes Herz ist kein Herz mehr, sondern ein Stück Abfall.”

* * *

       Einer meiner Briefschreiber hört oft die seltsamsten Meinungen über die LEHRE DER LEBENDIGEN ETHIK. Sie kommen von den Denunzianten. Jedoch ich bestehe darauf, Duldsamkeit gegenüber allen geistigen Bewegungen zu üben und rate, die Bücher der Lebendigen Ethik niemandem aufzuzwingen und sich vor allem in keine Debatten einzulassen. Meinungsaustausch mit gewissen Menschen artet in Streit und persönlichen Beleidigungen aus. Letzteres zeugt von einem geringen Bewußtsein und Wissen. Buddha sagte: ”Achte deinen Glauben, doch schmähe nicht den deines Bruders.” Auch Brahmo Samaj sagt, daß keine Religion geschmäht, verspottet oder gehaßt werden sollte. Deshalb sollte ein geistiger Lehrer, dessen Schüler ihm die Abstammung von der Sonnenhierarchie zuschreiben, große Toleranz gegenüber anderen Lehren üben. Unser Bewußtsein wird nach unserer Toleranz bemessen.

       4. Februar 1936

       Es ist sehr gut, daß Sie auf die Gefahr der Besessenheit hingewiesen haben. Sie sollten auch festhalten, daß oft die vielen kranken Menschen einfach besessen sind. Gleicherweise könnten Sie einige Hinweise über den niederen Psychismus bringen, der ebenfalls zu Besessenheit führen kann. In dem Buch ”Feurige Welt“ ist über Psychismus vieles ausgesagt. Zudem sollten Sie auf den höheren Pfad hinweisen, den Pfad des Herzens und die Aufspeicherung geistiger Synthese. Man kann darauf verweisen, daß man in naher Zukunft, wenn die Menschen im Verstehen der feinen Energien fortschreiten, für das Problem des Mediumismus die richtige Lösung finden wird. Bedingungen und Methoden für den Schutz der Medien vor äußeren Einflüssen werden gefunden und sie könnten dann zur Mitarbeit zum Zweck wissenschaftlicher Forschung herangezogen werden.

* * *

       Es ist äußerst nützlich, die Fragen über Mediumismus und Psychismus zu beleuchten. Im Suchen nach dem Ungewöhnlichen und nach ungewöhnlichen Experimenten ist die Menschheit in ihrer Unwissenheit in die schwärzeste Magie und Zauberei abgeglitten. Kürzlich hatte ich über ein bestimmtes Medium geschrieben und zitierte die Worte von Manly P. Hall, einem begabten amerikanischen Redner und Schriftsteller über Okkultismus. Ich will die Ausführungen für Sie wiederholen: ”Es ist äußerst weise, den Unterschied zwischen einem Medium und einem Hellseher aufzuzeigen. Die Durchschnittsmenschen sehen hierin keinen Unterschied, für die Mystiker jedoch waren diese zwei Phasen geistigen Sehens durch die ganze Zeitspanne menschlicher Evolution getrennt.

       Ein Hellseher ist jemand, der Kundalini (die Rückenschlange) in das Gehirn hob und durch sein Bewußtseinswachstum das Recht erwarb, die unsichtbaren Welten mit Hilfe des dritten Auges oder der Zirbeldrüse wahrzunehmen.

       Hellseher werden nicht geboren, sie entwickeln sich. Medien werden nicht gemacht, sie werden geboren. Hellseher kann man erst nach Jahren werden - er lebt oft zurückgezogen; ein Medium hingegen … kann in einigen Tagen Ergebnisse erzielen.”

       Hier muß man natürlich hinzufügen, daß das Medium auf die niederen Schichten der Feinstofflichen Welt beschränkt ist Die höheren Ebenen sind dem Medium nicht zugänglich, weil seine höhere Triade an diesen Erscheinungen keinen Anteil nimmt. Mediumismus hemmt richtige Evolution und muß als Rückschritt gewertet werden.

       Ich habe auch über den Schaden durch Konzentration auf ein bestimmtes Zentrum geschrieben, wie in den Büchern über Pseudo-Okkultismus geschildert; denn solch eine Konzentration stimuliert ein Zentrum auf Kosten der anderen, das ganze Schema ihrer Polarisation in ein Chaos stürzend. Dieser Vorgang verursacht im Bereich der Schwingungen wirklichen Schaden, denn er bringt das Schwingungsschema aus dem Gleichgewicht. Erinnern Sie sich, was in der LEHRE über die Arbeit des Meisters über alle Zentren des Schülers gesagt ist, über alle sieben Kreise des Hellsehens und Hellhörens? Die Großen Lehrer überwachen den Zustand des Organismus des Schülers sorgfältig, und sie würden nie ein Zentrum auf Kosten eines anderen öffnen. Richtige Entwicklung oder Evolution besteht allein in der Harmonie und Ausgeglichenheit. Das öffnen eines oder zweier Zentren führt nur zu niederem Psychismus oder Mediumismus. Auch mechanisches Schreiben muß als gewisser Besessenheitszustand angesehen werden, denn bei mechanischem Schreiben ergibt sich gewöhnlich Spannung des physischen Zentrums der Hand und sogar jenes des Gehirns. Wird es oft geübt, ist es sehr schädlich und kann in Paralyse enden. Kein Medium kann als ein Agni Yogi gelten. Allein Geistigkeit und Heldentat führen uns zur Erringung des feurigen Kelches. ”Mediumismus ist wie ein Tropfen trüben Wassers im feurigen Kelch eines Agni Yogi.”

       Viel ist in der LEHRE über Psychismus gesagt. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis es Ihnen möglich sein wird, es zu lesen; daher will ich Ihnen zwei sehr wichtige Ausführungen zitieren:

       ”Wahrlich, ein Medium hat keine geöffneten Zentren, und Psycho-Vision zur Verbindung mit den höheren Welten ist ihm ebenfalls unerreichbar. Der Mensch versteht die Macht des Mediums falsch, und es schmerzt Uns, wenn Wir sehen, wie verlockend für die Menschen psychische Erscheinungen sind. Eine Materialisation zieht sie an wie ein Magnet. Wir geben dem Kanal des Geistes den Vorzug, und für heilige Missionen benutzen Wir nur den Kanal des Geistes.

       Ein Archat wartet oft Jahrhunderte, um einen heiligen Auftrag zu erteilen. Die Kundgebung bestimmter Aufträge erfordert besondere Verbindungen. Wir Archate folgen dem Grundsatz der Zweckmäßigkeit. Das Experiment der Mutter des Agni Yoga zeichnet sich nicht durch Brillanz aus, sondern durch kosmische Reichweite.

       Die Welt weiß vom Weißen Feuer. Die Welt weiß vom Unsichtbaren Licht. Wo Wir die feinsten Energien offenbaren wollen, dort wirken Wir nur durch feinste Energien. Wo der Archat das Heilige anvertrauen muß, dort üben Wir höchste Vorsicht. Wo der Archat das ewige Gesetz erkennt, dort frohlockt Er - und Er sendet das Frohlocken in die Unbegrenztheit.

       Berichtet über Meinen Auftrag … als die höchste Übereinstimmung auf dem Planeten. Die Übereinstimmung von Geist und Materie ist die seltenste kosmische Erscheinung. Die Menschheit kann wohl sagen: ”Wir sind des Höchsten beraubt.”

       Die feinsten Energien sollten mit großer Vorsicht behandelt werden.” (Unbegrenztheit I, § 106)

       ”Die Zerstörung des Kontakts mit den höheren Energien isoliert die Menschheit wirklich vom Kosmos. Wie kann man im Kosmos bestehen ohne Begreifen der Weltevolution? So schließt eine bewußte Beziehung zur Weltevolution ein Verstehen der Hierarchie als lebenspendendes Prinzip unmittelbar mit ein. Gerade der Psychismus und der Mediumismus drängen den Menschen von den Höheren Sphären ab; denn der feinstoffliche Körper wird von den niederen Emanationen in solchem Ausmaß durchdrungen, daß sich sein ganzes Wesen verändert. In Wirklichkeit ist die Reinigung des Bewußtseins der schwierigste Prozeß. Der Mensch unterscheidet nicht genau zwischen Psychismus und dem feurigen Zustand der Geistigkeit. Also müssen wir den Schrecken des Psychismus überwinden. Tatsächlich, die Reihen dieser Instrumente sind von den Dienern der Finsternis gefüllt. So muß man auf dem Pfad zur Feurigen Welt den Psychismus bekämpfen.” (Feurige Welt III, § 365)

       ”In der Tat, der Abgrund des Unverständnisses ist der Pfad, auf dem die Menschheit nun wandelt. Wahrlich, zeitgenössisches Denken ist der Verbanner psychischer Forschungen. Doch viel weiter und tiefer könnte man gehen durch Kenntnis der Unterteilung und der Verbindung zwischen den drei Körpern. Denn wenn der physische bereits geformt ist, hat sich der Astralkörper erst annähernd gebildet, und der feinste, der Mentalkörper, hat sich nur bei den Auserwählten gebildet. Aber jene, die in die höheren feurigen Energien eingeweiht sind und die feurige Umwandlung der Zentren kennen, können feurige Erscheinungen bestätigen. Alle anderen Erscheinungen müssen in zwei Kategorien eingeteilt werden. Die erste besteht darin, daß der Geist den Abgrund nicht überschreiten kann, weil der Mentalkörper noch nicht genügend ausgebildet ist, so daß der Geist nicht jenseits der Grenzen der niederen Schichten in Erscheinung treten kann; in der anderen Kategorie offenbart sich ein Zentrum nur teilweise. Man muß auch daran denken, daß die Feurige Welt einem Geist so lange unzugänglich ist, solange sich die höheren Zentren nicht umzuwandeln beginnen. Über allem steht der Geist, der seine geistigen Feuer entflammt, denn sein Mentalkörper schafft entsprechend. Auf dem Pfad zur Feurigen Welt muß man in psychischen Erscheinungen feinfühlig unterscheiden.” (Feurige Welt III, § 369)

       Ich bin froh, daß auch Sie in den Briefwechsel betreffs der LEHRE einbezogen sind. Licht vermitteln - was kann schöner sein als diese Arbeit? Ihre Antwort … ist richtig. Wirklich, wie könnten wir anders vom Raumfeuer gerettet werden? Darüber hinaus werden gerade die Länder, die sich am nächsten zum Vulkangürtel befinden, wie auch einige Inseln von den Kataklysmen der Zukunft am ernstesten bedroht werden. Wirklich, der Norden ist in dieser Hinsicht sicherer. In Indien sind in den letzten zwei Jahren 200.000 Menschen durch Erdbeben umgekommen. Wir merken ständig die unterirdischen Bewegungen um uns herum. Es ist wahr, daß unsere einzige Rettung und unser Schutz vor allem Unheil und Übel die HIERARCHIE des LICHTS ist. Jedoch dafür muß ein unzerstörbares Band geknüpft werden. Und fürwahr, Worte der Verehrung sind unzulänglich, das Feuer des Herzens ist nötig.

       18. Februar 1936

       Jeder Krieger des Lichts nimmt die beschleunigte Bezahlung alter Rechnungen mutig auf sich. Die Leiden derer, die den Pfad des Lichts betreten haben, verwandeln sich in wunderbare Blumen des Geistes. Sicherlich ist es nicht leicht, geistige Befreiung von der irdischen Verhaftung zu erlangen, aber liegt das große Ziel des Dienens vor uns und ist das Herz von Hingabe an den Großen Lehrer entflammt, dann verwandelt sich das Beschwerlichste in selbstlose Freude.

       Ich verstehe, daß Sie beunruhigt sind, wenn bestimmte Leute nur ihre eigene Weltvorstellung zu bejahen suchen. Ich empfehle Ihnen, solche Versuche mit völliger Gelassenheit hinzunehmen Mögen die Menschen selbst erkennen; kann man denn das Bewußtsein zwingen? Üben Sie daher Toleranz und Zurückhaltung. Nichts wächst so langsam wie das Bewußtsein. Um sich eine neue Vorstellung zu eigen zu machen, ist es notwendig, diese nicht nur von allen Seiten her zu beleuchten, sondern sie immerfort zu wiederholen, bis sich ”im Gehirn ein Entwurf festigte”, wie ein Denker es ausdrückte. Jene, welche die ganze Tiefe und die in der LEHRE DES LEBENS geoffenbarte kosmische Denkrichtung nicht schätzen und ihren Pfad dauernd wechseln, sind nicht reif für die Feurige Lehre. Es wäre deshalb nicht nur unangebracht, damit Zeit zu verschwenden, sie überzeugen zu wollen, sondern es wäre auch unrichtig zu versuchen, ein unstetes Bewußtsein zu zwingen. In der LEHRE ist darauf hingewiesen, daß man selbst für jene, die bereits zustimmten, nicht zuviel Zeit aufwenden sollte. In der Tat, sie mögen zuerst beweisen, daß sie dem ersten Ruf gefolgt sind. Es hat keinen Zweck, ein Gefäß wiederholt in einen leeren Brunnen zu tauchen; findet man jedoch einen wertvollen Menschen, so muß man ihm gegenüber die höchste Toleranz und Gelassenheit üben, um durch behutsame Berührung sein Bewußtsein für die Mitarbeit vorzubereiten. Das Bewußtsein muß ganz vorsichtig erweitert werden Nur organische Entwicklung und vielseitige Aufspeicherungen können das Wachstum unserer Schatzkammer gewährleisten.

       Ich stimme mit Ihnen völlig überein, daß die Zulassung unsteter Elemente in eine esoterische Gruppe oder in den Vorstand eine gewisse Gefahr bedeutet. Daher müssen wir dieses Übel bekämpfen, indem wir die zersetzenden Elemente taktvoll eliminieren. Nehmen Sie nur jene auf, die gut geprüft worden sind, jene, die sich die Grundlage der Lehre mit ihrem Herzen zu eigen gemacht haben - mit echter und aufrichtiger Hingabe zur HIERARCHIE des LICHTS. Ohne sie kann es kein wahres Verstehen der Lehre geben, denn nur dieser silberne Faden des Herzens verbindet unser Bewußtsein mit dem Bewußtsein des Lehrers. Jenen, die die Notwendigkeit des Verstehens des führenden Begriffs Lehrer ablehnen, muß gesagt werden, daß die heutige Vorherrschaft des alles durchdringenden Zerfalls auf die Ablehnung der Autorität in allen Lebenssphären zurückzuführen ist. Ich werde nie müde, die Worte der Lehre zu wiederholen: ”Was kann denn ohne den Führungsbegriff bestehen? Das ganze Universum ist von diesem Prinzip durchdrungen. Und worauf anders kann Evolution gründen? Daher lehnt jeder, der die Hierarchie ablehnt, die Evolution ab. Von allen zur Bewußtseinserweiterung führenden Prinzipien ist das Prinzip der Hierarchie das mächtigste.”

       Unser schwarzes Zeitalter zeichnet sich wirklich durch Verneinung und besonders durch Verneinung der Grundlagen des Seins aus. Der Verlust des Verstehens des lebendigen führenden Begriffs LEHRER führt einerseits zu chaotischem Denken und zur Zügellosigkeit, andererseits machten die Fanatiker Idole aus den größten Lehrern, sie hinter eine goldene Schranke sperrend und mit Unwürdigem und Paraphernalia umgebend, was gänzlich sinnlos war. So wurde das lebendige herzliche Band mit der Höheren Welt wegen steigender Unwissenheit der späteren Anhänger verletzt.

       Gewiß, jene, die erklären, ”daß die Lehrer keinen befreien können, sondern jeder sich selbst befreien muß”, wiederholen damit eine der vielen Formeln aus östlichen Lehren sowie den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK, nämlich daß alles mit ”menschlichen Händen und Füßen” getan werden muß. Niemand kann unser Bewußtsein zwingen, eine Wahrheit anzunehmen, für die wir noch nicht genügend aufgeschlossen sind. Nur unser inneres Streben kann die wesentliche Umwandlung bewirken. Die gesamte östliche Weisheit behauptet, daß allein durch persönliche Anstrengungen und stete Arbeit an sich selbst das Wissen und die Wahrheit erworben werden können. Dieselbe Weisheit besagt jedoch, daß ”Der Lehrer ein Leuchtturm der Verantwortlichkeit” genannt werden kann. ”Die Verbindung mit der Lehre ist wie ein Rettungsseil in den Bergen.” Wer die Führerschaft des Lehrers angenommen hat, beschleunigt seinen Pfad. Und durch Erleichterung und Beschleunigung seines eigenen Pfades erleichtert er auch den Pfad seines Nächsten. Ich möchte Ihnen meinen liebsten Paragraphen aus den Buch ”Agni Yoga” zitieren: ”… Ich entsinne mich eines Hinduknaben, der den Lehrer fand. Wir fragten ihn: ”Kann sich die Sonne für dich verfinstern, wenn du sie ohne den Lehrer siehst?” Der Knabe lächelte: ”Die Sonne bleibt die Sonne, doch in Gegenwart des Lehrers scheinen für mich zwölf Sonnen.” (§ 84)

       ”Die Sonne der Weisheit Indiens scheint; denn am Ufer eines Flusses sitzt ein Knabe, der den Lehrer kennt.” Und wir können hinzufügen: ”Verübt ein roher Mensch einen Anschlag auf den Lehrer, sagt ihm, wie die Menschheit Zerstörer von Schatzkammern von Büchern nennt.”

       Und weiter heißt es: ”Mit wem kann man seine Gedanken stärken? Nur mit dem Guru. Er ist der Fels, bei dem man vor dem Sturm Schutz finden kann. Die Verehrung des Guru ist der Pfad der Höheren Welt. Chaos jedoch kann Aufbau nicht zulassen. Man sollte den grundlegenden Gedanken Aufmerksamkeit schenken, um nicht dem Wirbelwind ausgesetzt zu sein.”

       Die arme Menschheit mit ihrer einseitigen Voreingenommenheit für Materialismus (auch die Kirche dient der materiellen Anschauung und materiellen Bedürfnissen) bedarf mehr denn je zuvor der Erkenntnis der Höheren Welt und des führenden Begriffs der Guru-Hierarchie. Die Menschheit krankt an chaotischem Denken und Mangel an Selbstdisziplin. Die Sklaven von gestern lehnen sich vor allem gegen das führende Prinzip auf, gegen die Disziplin und gegen Zusammenarbeit. Nur ein König des Geistes erkennt die Bedeutung der HIERARCHIE, denn um regieren zu können, muß man zuerst gehorchen lernen. Das Prinzip der Führung muß im Bewußtsein der Menschheit bejaht werden, wenn sie fortschreiten will. Doch gewiß, jedweder Fanatismus ist schrecklich, denn er ist ein Sprößling der Unwissenheit und endet in Glaubenseifer. Er ist wirklich der Antipode wahrer Hingabe und Verehrung.

       Jeder Inder weiß, was Hingabe an den Guru bedeutet. Und wir wissen, daß alle erhabenen Begriffe und die ganze Schönheit östlichen Denkens gerade der Sequenz und Sukzession der unbegrenzten HIERARCHISCHEN KETTE entspringt, die aus Gliedern besteht, geformt durch unbeschränkte Hingabe eines Schülers an seinen Guru. So betrachtet der Osten einen Lehrer, der das HIERARCHISCHE PRINZIP ablehnt, als einen vertrockneten wurzellosen Baum. Den Geist der Verehrung des LEHRERS zu berauben, gleicht geistigem Selbstmord. Die Großen Lehrer bieten uns Nahrung, ohne sie würden nicht nur wir verkommen, sondern auch der ganze Planet.

       Fürwahr, würden die Großen Lehrer Ihre Strahlen in Ihrer ganzen Potenz über uns ergießen, wir würden verascht werden, wenn wir nicht die Kraft des Empfangs besäßen. Alles verlangt nach Wechselwirkung, Übereinstimmung und Entsprechung. Das ganze Leben basiert auf gegenseitigem Austausch und Zusammenarbeit. Daher ist ein isolierter Mensch, der sich auf sein Ich beschränkt, zum Tode bestimmt, sowohl physisch als auch geistig. Wenn somit jemand nur einen Pfeiler bejaht, wird der Bau nicht fest sein und der Spannung des aufkommenden Wirbelwindes nicht standhalten.

       Daher fragen Sie alle jene Unbeständigen und Streitenden, ob sie alle Bücher der Lehre des Lebens gelesen haben? Und wenn sie das bejahen, prüfen Sie sie, Sie werden viele Überraschungen erleben. Unglaublich ist die Unwissenheit und der Mangel an Verstehen der einfachsten Grundlagen geistiger Entwicklung! Und bedenken Sie, daß die Religionsstifter der ganzen Welt durch Zeitalter hindurch das Band mit der Höheren Welt als Grundlage des Seins gesetzt haben! Und unser schwarzes Zeitalter endet mit den Rufen, dieses eine rettende Band zunichte zu machen.

       Die Loslösung unseres Planeten von der Höheren Welt hat ihn an den Rand der Katastrophe gebracht. Es müssen zwingende Maßnahmen getroffen werden, damit die Menschheit zum Verstehen der Grundlagen des Seins und der Größe menschlicher Bestimmung zurückkehren kann.

       7. Februar 1936

       Sie erinnern sich wahrscheinlich, daß Schuré in seinem Buch ”Die Großen Eingeweihten“ versucht, aus Rama, dem reinsten indischen Helden des Ramayana von Ayodhya (Hauptstadt des Königreiches Kosala), einen Kelten und einen Druiden zu machen. Derselbe Verfasser macht den Juden Moses zu einem Ägypter! Man muß Schuré daher mit Vorbehalt lesen.

       Die letzte Post brachte mir die Mitteilungen und Kritiken über den Artikel ”Der Sonnenpfad“. Der Kritiker meint, daß dieser Artikel der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK widerspräche, da viele Behauptungen in diesem Aufsatz den Predigten Krischnamurtis glichen, der die Hierarchie ablehnt, und daß der Aufsatz oft eine ”fast neue Wiedergabe der Behauptungen von Steiner” enthalte. Ich werde diesen Brief beantworten und diesem jungen Kritiker empfehlen, mit Herz und Verstand lesen zu lernen und nicht nur mit den Augen, wenn er zu wahrem Wissen gelangen will. Er scheut sich nicht, Vivekananda anzugreifen, denn ihn bestürzt Vivekanandas Standpunkt gegenüber dem Reichtumserwerb, während die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK den Wunsch nach persönlichem Besitz verurteilen. Der Kritiker jedoch übersieht die Tatsache, daß Vivekananda, wenn er von Pflicht eines Hausherrn spricht, zuerst den Erwerb von Wissen unterstreicht und dann den Wohlstand zuläßt. Und in diesem Wort dann ist der wahre Sinn verborgen. Mit Wissen, wie es der Inder versteht, wird Wohlstand zum Segen, weil er dann nicht dem Persönlichen dient, sondern dem Allgemeinwohl. Doch die Menschen beachten nur die toten Buchstaben, ohne den Sinn des Geschriebenen zu erfassen.

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       Warum glauben Sie, daß ich gegen die Veröffentlichung der Biographie von V. I. Kryjanovsky sein könnte? Betreffs Heiligkeit habe ich meine eigene Norm, aber zweifellos verdient Kryjanovsky Verehrung, denn ihre Bücher haben einen gewissen Nutzen, wie Sie selbst schreiben. Es ist daher wahr, daß die Serie ”Magie“ mit mehr Begabung geschrieben ist und mehr richtige Mitteilungen enthält, als viele spätere Romanschriftsteller in ihren Werken über okkulte Themen aufweisen können.

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       Ich freue mich, daß Sie sich von der niederen Qualität mancher Medien selbst überzeugt haben. Ich kann die Richtigkeit der Mitteilung des Mr. L. bestätigen. Die Menschen verbieten meistens anderen jene Dinge, an denen sie selbst besonders interessiert sind. Heute ist mehr denn je zuvor jeglicher billiger Spiritismus und Aberglaube weit verbreitet. Daher ist es so wichtig, die BÜCHER der LEBENDIGEN ETHIK zu verbreiten, die auf den Schaden solcher Praktiken hinweisen.

       In einem Ihrer Briefe schreiben Sie über einen Wissenschaftler, der sich mit Gedankenübertragung befaßt. Solche Forschungen sind mehr als zeitgemäß. Ich empfehle Ihnen, sich damit vertraut zu machen, und wenn Sie es für richtig halten, in Ihrer Zeitschrift einen Artikel darüber zu schreiben. Heute arbeiten viele fortschrittliche Geister in dieser Richtung. Bereits seit 30 Jahren führt Prof. Rhine an der Duke Universität in Amerika mit seinen Studenten gleiche Experimente durch und erzielte bemerkenswerte Ergebnisse. Er veröffentlichte vor kurzem ein Buch über seine Experimente und Beobachtungen. Wir haben es angefordert und werden es lesen. Sollten wir darin interessante Dinge finden, wollen wir Ihnen unsere Eindrücke mitteilen.

       Sie schreiben, daß der von Ihnen erwähnte Wissenschaftler mehr vom rein materiellen wissenschaftlichen Standpunkt an die Experimente herangeht. Ich würde ihn deshalb nicht tadeln, sondern zuerst die Ergebnisse seiner Experimente erwägen, wie er sie beschreibt; dann könnte man bei gleichen Experimenten an den geistigen Faktor und die Anerkennung der psychischen Energie herangehen und später die Ergebnisse der beiden Methoden vergleichen. Solches Vergleichen kann sehr belehrend sein. Es wäre ratsam, bei solch einem Experiment eine eigene Gruppe bestimmter Medien zu bilden, was jedoch nicht so einfach ist, weil mediale Fähigkeiten sich oft in einem latenten Zustand befinden und nur durch wiederholte Anstöße enthüllt werden. Die Experimente von Prof. Rhine haben die interessante Tatsache erbracht, daß Medien weit davon entfernt sind, Kanäle für Gedankenübertragung auf Entfernung zu sein.

       Wahrlich, jetzt ist für die Wissenschaft die Zeit gekommen, um ein neues Verstehen des Geistes auszusprechen. Die moderne Kirche hat uns der Höheren Welt entfremdet, doch moderne Wissenschaft wird uns näher an sie heranbringen.

       Ich möchte Ihnen einen Paragraphen aus der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK zitieren: ”Ihr kennt viele Versuche im Gedankenlesen. Saget den Menschen im Westen, daß sie keine Vorstellung davon haben, wie charakteristisch diese psychologische Fähigkeit für den Osten ist. Aus Unwissenheit leugnet man sie im Westen und spricht sogar von Aberglauben. Da aber der Gedanke eine organische Schöpfung ist, kann er auch enthüllt werden. Sogar dürftige physikalische Apparate können die Gedankenspannung festhalten. Auch das Thermometer und elektrische Apparate reagieren auf die Einwirkung des Gedankens. Der Gedanke verändert sogar die Körpertemperatur. Der psychische Apparat beherrscht dermaßen den physischen, daß es richtiger wäre, den psychischen Apparat als einen Teil des physischen zu bezeichnen.

       Es gibt einen Apparat, der den Gedankenstrom aufzeichnet; dieser Strom gibt auch die Ausstrahlung wieder und kann durch die Vergleichsmethode detailliert werden. Dieses System findet die Gunst der westlichen Denkweise.

       Es gibt einige Versuche, um die Mechanik mit dem Psychischen zu verbinden. Ihr wißt indes, wie die wissenschaftliche Einstellung dem Seelischen gegenüber das ganze Sein erleichtert und umwandelt …” (Gemeinschaft, § 175).

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       Wir erhielten einen Brief von Harbin, der uns schreibt, daß es verboten war, den Jahrestag Leo Tolstojs zu feiern. Kann man noch weiter gehen? Gewiß, bis zurück ins Mittelalter!

       18. Februar 1936

       In dem kleinen Büchlein ”Die okkulte Anatomie des Menschen“ von Manly P. Hall, das ich Ihnen zusandte, gibt es einige interessante Notizen über das Blut. Es ist wissenschaftlich bewiesen, daß ”das Blut jedes Menschen individuell ist. Wenn es sich kristallisiert, bildet es geometrische Modelle, die bei jeder Person unterschiedlich sind …” Wie er sich ausdrückt, ist ”die Seelengeschichte des Menschen in seinem Blut eingeschrieben: seine Stellung, die er in der Evolution einnimmt, seine Hoffnungen und seine Ängste - all dies ist in den ätherischen Formen, die durch sein Blut strömen, eingeprägt … so daß mittels Blutanalysen ein weit sichereres System zur Aufdeckung von Verbrechen geschaffen werden könnte, als dies mit den jetzt bestehenden Methoden möglich ist.” Es ist interessant zu beobachten, daß der Koeffizient des Blutes einiger Völker nach einer bekannten Tabelle fast gleich ist, während beim Vergleich des Blutes anderer Völker scharfe Unterschiede festgestellt werden, so zum Beispiel unterscheidet sich nach dieser Tabelle das Blut der Russen von dem der Engländer.

       Was das Thema über den Kult der Katzen und bestimmter Vögel in Ägypten betrifft, ist es ganz klar, daß die Vergötterung der Tiere um der Massen willen mit einem bestimmten Ziel gefördert wurde. Zum Großteil lagen dem Kult rein praktische Ursachen zugrunde und er diente zum Schutz. So wurde das Töten des heiligen Vogels, des Ibis, in Ägypten mit dem Tode bestraft. Wir wissen jedoch, daß der Nil mit Krokodilen überfüllt war und die Täler Ägyptens von giftigen Schlangen wimmelten, deren Vernichtung in die Tausende ging. Und allein dieser Vogel, der Ibis, tötete diese Schlangen und vernichtete die Krokodileier, so die übermäßige Vermehrung dieser Ungeheuer verhindernd.

       In Ägypten waren die Katzen gegen die Ratten- und Mäuseplage sehr nützlich. Darüber hinaus verfügt die Katze über einen starken tierischen Magnetismus, und deshalb ist sie zu niederen Beschwörungen benutzt worden, denn auch in Ägypten war Nekromantie sehr verbreitet. Das Ringen zwischen weißer und schwarzer Magie bestand seit undenklichen Zeiten. Diese gegensätzlichen Lager zeichneten sich bereits in Atlantis klar ab.

       Sie wissen, daß es in den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK einen Paragraphen gibt, der von heiligen Tieren spricht: ”Es wird richtig verstanden, daß sogenannte heilige Tiere keine Gottheiten waren, sondern eine natürliche Auswirkung örtlicher Umstände. Auch jetzt sprechen die Menschen oft von heiligen Verpflichtungen und meinen dabei nicht religiösen Ritus, sondern eine nützliche sittliche Handlung. Die Verhältnisse des Altertums erforderten oftmals eine besondere Beachtung mancher Tiere, Bäume und Pflanzen. Heiligkeit bedeutet Unverletzbarkeit. So ist das Seltene und Notwendige oft bewahrt geblieben. Ganz denselben Schutz nennen die gegenwärtigen Menschen ”Schonung“. So muß man sich gegenüber unklaren Begriffen sehr vorsichtig verhalten. Auf dem Gebiet der Religion ist so vieles hinzugefügt worden, daß oberflächliche Beobachter wegen der zurückliegenden Zeit völlig unfähig sind, die vielfach mit Aufschichtungen umgebene Grundform zu erkennen. Auch jetzt ist der Tempel ein Sammelplatz, wo neben Zeremonien Handel getrieben wird und örtliche Angelegenheiten besprochen werden. Die Anhäufung von Verwirrungen ist die gleiche. Seien wir daher gegenüber dem Begriff ”heilige Tiere“ und anderen lang vergessenen archaischen Symbolen nicht zu streng.” (AUM)

       Wie Sie sehen, ist diesen Zeilen nicht viel hinzuzufügen.

       22. Februar 1936

       ”Können die Hohen Geistwesen erkranken und auch einer Infektion erliegen?” Gewiß, wenn die Bedingungen ihrer Aufgaben ihren ständigen Verkehr mit den Menschen erfordern. Denken Sie daran, daß ein Hoher Geist einen Teil seiner Kraft ständig an jene abgibt, die zu ihm kommen und ihn umgeben; abgesehen davon, wie groß sein Vorrat an psychischer Energie sein mag, kann er trotzdem infolge der außergewöhnlichen Edelmütigkeit seines Geistes zuweilen erschöpft sein. Und solche Augenblicke der Erschöpfung sind voller Gefahr; das Sperrnetz der Aura wird verletzt, wenn es der vom Vorrat ausgehenden Ausstrahlung, die unsere Zentren nährt, ermangelt und offen daliegt für ansteckende Mikroben, die dann an einer schwachen Stelle eindringen können. Aus diesem Grunde wird in den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK so nachdrücklich auf die Erhaltung des Sperrnetzes hingewiesen. Ein Schüler, der eine bestimmte geistige Entwicklungsstufe erreicht hat, kann sich nicht so lange in der unreinen Atmosphäre der Städte aufhalten, er muß sich in die Natur zurückziehen, um Prana zu speichern und ein mehr oder minder zurückgezogenes Leben zu führen. Christus, Buddha und andere große Lehrer zogen sich oft in die Wüste zurück und blieben nie lange an einem Ort. Im Evangelium des heiligen Markus (5:25-34) lesen wir, daß Christus, nachdem er die Kranken heilte, unter Kraftverlust litt. Als die kranke Frau den Saum seines Gewandes berührte, wußte Jesus, daß ihm wirksame Kraft entströmte.

       Auch Bhagavan Ramakrishna, ein zeitgenössischer geistiger Lehrer Indiens, war während seiner Lehrtätigkeit ständig von Menschen umgeben, die oft von bösartigen Krankheiten befallen waren, und er verausgabte sich weit über seine Kräfte. Folglich erkrankte er an einem Kehlkopfleiden - eine Art Krebs -, das seinen Tod verursachte. Es ist wichtig, zu erwähnen, daß seine Krankheit in manchen schwachen Gemütern Verwirrung auslöste und sie den Grad seines geistigen Formats anzweifelten. Der Unwissende glaubt, daß ein hoher Geist unbeachtet der Umstände von Krankheit verschont bleibt; doch wir wissen, daß der von Devadatta von einem hohen Fels auf Buddha geworfene Stein, als dieser unten vorbeiging, ihn zwar nicht tötete, aber eine Zehe seines Fußes verletzte. Es gibt auch Hinweise, wonach der Herrscher Buddha oft starke Rückenschmerzen verspürte. Auch in den ”Mahatma Letters“ finden wir eine Stelle, die darauf hinweist, daß Mahatma K. H. sich zur Zeit der Gründung der Theosophischen Gesellschaft zurückziehen mußte, nachdem er mit den Auren der Menschen in Berührung gekommen war. So ist jede Seinsebene ihren eigene Gesetzen unterworfen, und ihre Übertretung zieht entsprechende Folgen nach sich.

* * *

       Nun etwas über die Feuer des heiligen Elm. Dieses Leuchten ist eine Begleiterscheinung der Entladungen atmosphärischer Elektrizität. Es tritt gewöhnlich bei einem Gewitter auf in Form von kleinen Lichtern über scharfgespitzten Gegenständen wie Kirchtürmen, Schiffsmasten. Diese kleinen Feuer rufen Zischtöne hervor - eine Art Knistern. Die Seeleute des Mittelmeers erwählten den heiligen Elm zu ihrem Patron und sahen in diesen kleinen Feuern ein sichtbares Zeichen seines Schutzes. Obwohl die Feuer des heiligen Elm über kosmische Elektrizität verfügen, als gemeinsame Grundlage mit den Erscheinungen des sogenannten nichtversengenden Feuers, ist die Eigenschaft des letzteren gänzlich andersartig.

       Es gibt viele Beweise dieses nichtversengenden Feuers, und ich möchte Ihnen nun folgende Geschichte eines Augenzeugen erzählen. Im Jahre 1933 besuchte uns der tibetische Lama Karma-Dorje. Wir sprachen über verschiedene geistige Dinge, und unter anderem erzählte er uns von seiner Begegnung mit dem bekannten Einsiedler Kshetrapa, der im östlichen Tibet, nahe dem kleinen Dorf Shasregtog in einer Höhle lebt. Nach den örtlichen Überlieferungen lebt dieser Einsiedler in derselben Höhle wie einst seine Großväter, und seine äußere Erscheinung hat sich seit dieser Zeit überhaupt nicht verändert. Wie alle solche Einsiedler trug er nie Kleider; sein Haar bedeckte ihn wie ein Mantel vom Kopf bis zu den Füßen; seine Haut ist dunkel. Die Leute sagen, er sei kein Tibeter, obwohl er alle östlichen Dialekte kennt. Die Höhle, in der er wohnt, besteht aus Unterteilungen. In der letzten steht ein vertrockneter Baum, und der Boden ist wie mit leichter Asche bedeckt. Die Eingeborenen berichten, daß es um seine Hohle herum, selbst bei schwersten Schneestürmen keine Spur von Schnee gibt. Sie behaupten auch, daß er ihr Dorf einige Male vor Epidemien bewahrte. Zweifellos besitzt dieser Einsiedler viele Siddhis; er lebt in strenger Einsamkeit und gewährt nur einigen Bekannten Eintritt in seine Höhle.

       Lama Karma-Dorje, der bei einem Gespräch des Einsiedlers mit seinen Besuchern zugegen war, bemerkte folgende interessante Einzelheit. Bevor Kshetrapa eine Frage beantwortete, wisperte er mit irgendwelchen höheren Kräften, als ob er sie um Rat bäte, und dann übermittelte er ihre Antwort. In seiner Höhle sitzend, konnte er auch eine nichtversengende Flamme hervorrufen, die sich zuerst über den Boden ausbreitete und sich dann auf dem vertrockneten Baum in der Tiefe seiner Höhle niederließ. Lama Karma-Dorje selbst berührte diese Flamme, und seine Hände wurde nicht verletzt, er verspürte nur eine angenehme Wärme.

       In einem Gespräch mit dem Eremiten erwähnte Lama Karma-Dorje, daß er an Kopfschmerzen leide, und er bat den Eremiten, ihm als schützenden Talisman eines seiner Haare zu überlassen. Kshetrapa schaute ihn erstaunt an, ergriff einen Stock und schlug ihm stark auf den Kopf. Durch die Wirkung dieses Schlages wurde der Lama aus der Höhle geworfen und rollte den Berg hinab. Als er zu sich kam, war er, zu seinem großen Erstaunen, gänzlich unversehrt, und auch vom Schlag war keine Spur zu sehen. Nach dieser ungewöhnlichen Behandlung war sein Kopfweh völlig verschwunden.

       Auch der europäische Reisende, Arnold Heim, der im Jahre 1933 einen Teil Tibets bereiste, erwähnte diesen Eremiten. Ebenso wollte Mme. David-Neel, die bekannte Tibetreisende, den Eremiten besuchen, doch ihr gewährte er keinen Zutritt. Am Eingang seiner Höhle stehend, bedrohte er sie ernstlich mit seinem Stock.

       Der Lama Karma-Dorje, unser Gast, war unter den sogenannten Sadhus gewiß eine Ausnahme. Nach einem kurzen Aufenthalt bei uns erschien er eines Morgens, um sich zu verabschieden. Er teilte uns mit, daß er sich beeilen müsse, seinen Lehrer, der nahe dem Berg Kailas wohnt, aufzusuchen, weil dieser nach ihm riefe, er höre seine Stimme. Nach sechs Monaten kehrte er zurück und berichtete, daß sein Lehrer gestorben sei und er leider nicht mehr rechtzeitig eintraf. Daraufhin zog sich der Lama Karma-Dorje für zehn Jahre zurück in völlige Einsamkeit und dann wollte er zurückkehren und lehren.

       Nach Geheiß seines Lehrers hatte Karma-Dorje selbst auf seinem längsten Marsch nicht mehr als zwei Pfund Nahrung und zwei Rupien Geld bei sich. Während seines Besuches bei uns hatte er viele bemerkenswerte Visionen. Mein Sohn malte ihn. Ich lege Ihnen ein Foto dieses Bildes bei. Wer die tibetischen Lamas kennt, wird zugeben, daß sein Gesicht ungewöhnlich ist.

       Desweiteren lege ich Ihnen einen Zeitungsausschnitt über einen Fakir bei, der 42 Tage lang ohne Nahrung begraben war. Ich persönlich halte solche Praktiken nicht für gut. Heute brauchen wir auf der irdischen Ebene positive menschliche Errungenschaften und sollten uns nicht in ferne himmlische Sphären begeben. Jene, die dem Harmagedon entfliehen, sind in jedem Fall als Deserteure der leuchtenden Heerschar anzusehen.

       Ist es möglich, daß Sie nie etwas über Sophie Kovalevsky, von unserem russischen Stolz, einem mathematischen Genie, gehört haben? Vor Jahren las ich in Französisch ihre Biographie, die sich nur mit ihrer Kindheit und Jugend befaßte. Die letzte Periode ihres kurzen Lebens ist von ihrer besten Freundin, einer bekannten schwedischen Schriftstellerin, beschrieben worden. Wie es uns Russen gewöhnlich geht, ist ihre mathematische Begabung zuerst im Ausland gewürdigt worden. Erst nach ihrem außergewöhnlichen Triumph im Ausland und knapp vor ihrem Tod (obwohl es nachher des öfteren geschah), wurde sie geehrt und zum Mitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften gewählt! So fährt unser Land hartnäckig fort, wann immer es um das Erkennen wirklicher Werte geht, durch Jahrhunderte die gleiche Stellung einzunehmen … Aber die kommende Epoche wird die Träger wahrer Werte zu schützen wissen.

       Ich will Ihnen kurz über Madame Kovalevsky aus der ”Encyklopedia Britannica“ berichten: ”Sophie Kovalevsky (1850 bis 1891), russische Mathematikerin, geboren in Moskau am 15. Januar 1850, heiratete 1868 einen jungen Studenten - Woldemar Kovalevsky. Sie gingen gemeinsam nach Deutschland, um ihre Mathematikstudien fortzusetzen. 1869 ging sie nach Heidelberg, wo sie bei H. von Helmholtz, G. K. Kirchhoff, L. Königsberger und P. du Bois-Reymond studierte. Von 1871 bis 1874 las sie privat mit Karl Weierstrass in Berlin, denn an den Universitäten waren die öffentlichen Lesungen für Frauen noch nicht zugänglich. 1874 verlieh ihr die Universität in Göttingen den Doktorgrad in absentia als Anerkennung für ihre drei eingesandten ausgezeichneten Dissertationen; eine davon über die Theorie von Teil-Differentialgleichungen, ist eines ihrer bedeutendsten Werke.”

       ”Nach ihren Vorträgen an der Universität in Stockholm war Madame Kovalevsky auf Empfehlung von Gustav Mittag Leffler, der ebenfalls ein Schüler von Weierstrass war, 1884 zum ordentlichen Professor an dieser Universität ernannt worden. Diese Stellung behielt sie bis zu ihrem Tode … 1888 errang sie ihre größten Erfolge …”. Die französische Akademie ehrte sie mit dem Prix Bordin, um den sich alle überragenden Mathematiker von heute beworben haben. Das zu behandelnde Thema hieß: ”In einem wichtigen Punkt die Bewegungstheorie eines dichten Körpers um einen unbeweglichen Punkt zu vervollkommnen”. Die Frage ist von der Berliner Akademie sechs Jahre lang vorgelegt worden, doch ohne ein Ergebnis zu zeitigen. Die Lösung von Madame Kovalevsky ”war so bemerkenswert, daß als Anerkennung außergewöhnlicher Verdienste der Wert des Preises verdoppelt wurde.”

       ”Bedauerlicherweise erlebte es Madame Kovalevsky nicht mehr, den vollen Lohn ihrer Arbeit zu ernten. Sie starb am 10. Februar 1891 auf dem Gipfel ihres Ruhmes. Auch in ihrem eigenen Land wurde ihr durch die Wahl zum Mitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften Anerkennung gezollt.” Beachten Sie besonders die Satzstellung!

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       Sie möchten wissen, wie Madame Kovalevsky die Aufgabe löste. Sicherlich mit Hilfe der feurigen Macht. In ihrer Autobiographie berichtet sie, daß die Antworten auf die kompliziertesten Fragen in ihrem Gehirn blitzschnell bildlich auftauchten. Manchmal sah sie sogar die Zahlen und Formeln, als ob sie vor ihr aufgeschrieben wären. Freilich, sie hat hart gearbeitet, wie man ihrer Biographie entnehmen kann, doch es ist offenkundig, daß sie den feurigen Strahl berührte und aus ihrem KELCH das aufgespeicherte vergessene Wissen heben konnte.

       Nun möchte ich Ihnen eine Episode aus meinem eigenen Leben erzählen. In meiner Jugend studierte ich Musik, wofür ich besonders veranlagt war. Einmal hatte ich eine öffentliche Prüfung zu bestehen und ich hatte eine Komposition vorzuspielen, und zwar ein Präludium und eine Fuge von Bach. Die familiären Umstände wollten es, daß ich die schwierigste Komposition - nämlich die Bach-Fuge - nicht einüben konnte. Es war nur noch ein Tag bis zur Prüfung. In großer Verzweiflung setzte ich mich ans Klavier, wohl wissend, daß es unmöglich war, die Bach-Fuge in einem Tag auswendig zu lernen. Jedoch ich war entschlossen, das äußerste herauszuholen. Nachdem ich das Stück einige Male nach Noten durchgespielt hatte, begann ich mich zu prüfen, wieviel ich mir gemerkt hatte, und hier geschah das Wunder: Ich konnte die ganze Fuge von Anfang bis Ende auswendig, und meine Finger glitten wie von selbst, ohne den leisesten Fehler, über die Tasten; ich spielte das Präludium und die Fuge mit ungewöhnlicher Inspiration. Als ich die Fuge bei der Prüfung vor einer ganzen Konklave von Professoren spielte, war ich wiederum von einer besonderen Eingebung erfüllt, und es wurde mir ein begeisterter Beifall zuteil. Auch diese Episode war eine Erscheinung des feurigen Strahles. Der Strahl berührte den KELCH, und Altbekanntes kam an die Oberfläche.

       Nun möchte ich mich nochmals Madame Kovalevsky zuwenden. Sie war nicht nur eine geniale Mathematikerin, sondern auch eine ausgezeichnete Schriftstellerin. Ich erinnere mich, wie brillant ihre Autobiographie geschrieben war. Ihre Romane: ”Die Nihilistin Vera Vorontzoff“, ”Die Schwestern Rajevski“ und das unvollendete Werk ”Vae victis“ zeugen von ihrer großen literarischen Begabung. Ihr Vater, der Artilleriegeneral Corvin-Krukovsky war ein wohlhabender Gutsbesitzer in Kaluga. Madame Kovalevsky hatte noch eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder. Ihre Schwester war sehr schön und ebenfalls eine begabte Schriftstellerin. Dostojevski besuchte die Familie oft und bewunderte vor allem die literarische Begabung ihrer Schwester. Er selbst war Gegenstand kindlicher Anbetung von Sophie, aber leider, seine Liebe galt ihrer Schwester, die wiederum seine Gefühle nicht teilte. In ihrer Autobiographie beschreibt Madame Kovalevsky das Leid und die Eifersucht ihres kindlichen Herzens ganz behutsam. Sie war in ihrem Privatleben sehr unglücklich. Ihre Ehe mit Kovalevsky war nur eine nominelle; sie wurde geschlossen, um ihr eine gewisse Freiheit zu sichern und Gelegenheit zu geben, zum Studium ins Ausland zu gehen. Aber ihre Ehe endete dramatisch.

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       Ihre anderen Fragen will ich zu einem späteren Zeitpunkt beantworten. Der Kampf zwischen den Kräften des Lichts und der Finsternis steigert sich und nimmt fürchterliche Ausmaße an.

       17. März 1936

       Es ist schwierig, auch nur annähernd die Aufenthaltsdauer einer Person von durchschnittlich kultureller Entwicklung zwischen den Reinkarnationen in der Feinstofflichen Welt anzugeben, denn die Evolutionszyklen folgen in beschleunigter Progression. Waren bei der vorhergehenden Rasse und zu Beginn unserer, der fünften Rasse die Intervalle zwischen den Reinkarnationen groß, so sind sie derzeit beträchtlich verkürzt, und es kann nicht von Jahrhunderten, sondern von Dekaden oder gar Jahren gesprochen werden. Ähnlich konnte man aus besonderen Gründen beschleunigte Reinkarnationen unter den Schülern der Großen Lehrer beobachten; das Bewußtsein der Menschheit erfordert schnelle Veränderungen. Daher ist es ratsam, auf die ungewöhnliche bedrohliche Zeit hinzuweisen, die wir jetzt durchleben, sowie auf die Annäherung der feurigen Energien an die irdischen Sphären zwecks Reinigung unseres Planeten von seiner durch menschliche Verbrechen hervorgerufenen dichten Atmosphäre. Sie können darauf verweisen, daß diese Annäherung der feurigen Energien zweifellos eine neue Konvergenz der Welten ermöglichen wird, und die Menschen werden Zeugen vieler ungewöhnlicher Naturerscheinungen sein. Parallel mit dieser Konvergenz werden die Reinkarnationen beschleunigt und immer häufiger Kinder geboren werden, die sich an ihre früheren Leben erinnern können, was leicht zu überprüfen sein wird, weil die Zeugen noch am Leben sein werden. Auch phänomenale Kinder werden häufiger geboren werden und die Wissenschaft wird durch neue beachtenswerte Entdeckungen bereichert werden. Genau gesagt, die Verschiebung der räumlichen Strahlen wird eine Erneuerung des Bewußtseins sowie neue Konvergenzen der Welten mit sich bringen. Wahrlich, die Neue Welt wird in der Glorie der neuen Strahlen ihren Einzug halten.

       Wenn Sie Angriffe nicht zu sehr fürchten, erwähnen Sie Harmagedon. Es ist unbedingt wichtig, die Menschen wissen zu lassen, wie ernst und gefährlich die jetzige Zeit ist. Wahrlich, die meisten Menschen verneinen es, daß solch ein Kampf überhaupt möglich ist.

       Es ist bedauerlich, daß so wenig Menschen den ganzen Ernst der Jetztzeit erkennen, denn der Kampf zwischen den Welten von Licht und Finsternis ist wirklich furchtbar.

       1. Man sollte nicht behaupten ”… das astrale Licht wäre schwächer als Sonnenlicht”, denn diese beiden können nicht miteinander verglichen werden. Das irdische Sonnenlicht ist stark und grob, aber der Glanz des Astrallichts in den höheren Sphären überschreitet sicherlich unsere irdische Vorstellung von Licht. Ich möchte folgenden Paragraphen aus dem Buch AUM zitieren:

       ”Das Licht der Feinstofflichen Welt steht in keinem Verhältnis zu dem Sonnenlicht irdischen Verstehens. In den niederen Schichten schaffen trübe Bewußtseine Dunkelheit, doch je höher das Bewußtsein und das Denken, um so leuchtender ist die wunderbare Strahlung. Wirklich, die Bewohner der Feinstofflichen Welt sehen beides, die Erde und die Gestirne, aber die irdischen Lichter werden von ihrem Bewußtsein unterschiedlich umgewandelt. Ebenso ist es mit den Gedanken der Feinstofflichen Welt; obwohl sie auf derselben Energie gründen, ist ihr Prozeß originell. Das Gesetz des Ausgleichs regelt mentale Exzesse.”

       Vage Gedanken werden nichts hinterlassen als unklare Umrisse. In allem ist Klarheit, Kraft und Wiederbelebung durch Feuer nötig.

       2. Alles unterliegt ein und denselben Gesetzen und Bedingungen. Als daher die hohen Wesenheiten von anderen, höheren Planeten zur Erde kamen, um der Menschheit zu helfen, waren die kosmischen Bedingungen günstig. Einer dieser Hohen Geister kehrte zu seinem eigenen Planeten zurück, um mit dem irdischen Bollwerk der Bruderschaft eine Nachrichtenvermittlung herzustellen und die Bedingungen für Gedankenübertragung und zum Senden neuer Elemente herauszufinden, die in der Atmosphäre unseres Planeten noch nicht entdeckt wurden, jedoch helfen könnten, die angehäufte Finsternis zu zerstreuen. Alle diese Möglichkeiten werden durch beharrliche Versuche und Forschungen sowie durch Zusammenarbeit zwischen den Hohen Geistwesen der beiden Planeten erreicht. Wahrlich, unbegrenzt sind die Möglichkeiten und Entdeckungen!

       Gewiß, die Planetaren Geister unseres Sonnensystems wirken in vollem Einklang, denn sie alle zusammen bilden den Willen des Kosmischen Magneten und sind miteinander in Verbindung. Jedoch jede Möglichkeit erfordert das Vorhandensein bestimmter kosmischer Bedingungen. Zweifellos werden wegen der speziellen planetaren Verbindungen und kosmischen Fristen bestimmte Bedingungen für den Verkehr erleichtert. So wird es durch Annäherung der nahen feurigen Energien an die Erde möglich sein, aus den höheren Sphären unserer Planetenkette Hohe Besucher anzuziehen. Im Kampf während des Harmagedons ist die Beteiligung aller dieser Kräfte der unsichtbaren Welten erforderlich. Die größten Geister stehen miteinander in Verbindung und arbeiten eng zusammen, ohne für diesen Zweck an einen bestimmten Ort gebunden zu sein.

       Und nun über Jehovah. Nicht immer ist unter Jehovah der Planetengeist des Saturn zu verstehen. Alle diese Symbole haben viele Bedeutungen, und oft birgt ein Name viele Begriffe oder Vertreter. Esoterisch bedeutet Jehovah Elohim; und es ist auch wahr, daß das jüdische Volk unter dem Strahl des Saturn seinen Anfang nahm, aber ich darf noch nicht mehr mitteilen.

* * *

       Die Schlacht ist äußerst bedrohlich, und es gibt gar vielerlei Verrat. Jeder Treuebruch bestätigt nur das ewige Gesetz der vertrauten Erscheinung der beiden Uranfänge. Wo es das hellste Licht gibt, da gibt es auch die größte Finsternis. Wie es heißt: ”Beachtet den Weltenbrand, er ist jedoch erst der Anfang. Alle Finsteren zieht es zur Finsternis; jene jedoch, die einen Funken Licht in sich bergen, werden entflammt. Es ist eine große Zeit!”

       In der Lehre des Lebens heißt es: ”Der Sieg wird zu einer bestimmten Zeit offensichtlich werden, aber es sind alle Phasen der Schlacht zu durchlaufen. Vergessen wir nicht, daß sich auf unserer Seite die besten Kräfte sammeln. So wird man an die nächste Stufe herankommen. Die Diener der Finsternis werden zum Erfolg verhelfen. Man muß begreifen, wie nahe die Fristen sind, um die neuen Möglichkeiten nicht zu versäumen. Den Kräften des Lichts kann nichts widerstehen. Wenn die Kräfte der Finsternis selbst das schmutzigste Geschäft auf sich nehmen - laßt sie es vollbringen. Die größten Namen und Begriffe sind bereits einbezogen. Alles kann nur durch Ausbreitung vorankommen … Gewiß, die Schlacht ist fürchterlich … Gewiß, mit jedem Tag werden die Neuen Kräfte, die Unsichtbaren geweckt. Aus diesen Annäherungen an die irdischen Sphären können sich die unerwartetsten Spannungen ergeben. Nehmen wir den Kampf auf mit der vereinten Kraft aller Unserer Teilnehmer! Einigkeit ist ein unbesiegbares Banner … Wer wird die Spannung der Kräfte des Lichts erkennen? Wer wird es versäumen, das Ausmaß des Schlachtfeldes zu erwägen? Die vereinten Aschrame, die Bollwerke des Geistes, sind jetzt nötiger denn je. Was in bestimmten Ländern vor sich geht, hat zwei Namen: für die einen ist es ein Kreuzzug, für die anderen teuflische Wut. Jene, die glauben, daß dies Zufall wäre, irren. Die Lehre ist nie ohne Ringen in die Welt getreten, und somit möge sie wie üblich eintreten, sonst wird sie von den Menschen vergessen. Doch vergegenwärtigt euch das Ausmaß der Schlacht, in die alle Planeten einbezogen sind … So laßt uns mit der ganzen Kraft des Geistes und mit Feierlichkeit an der Schlacht des Lichts gegen die Finsternis teilnehmen.” Ist das Band mit der HIERARCHIE DES LICHTS stark, dann wird sich alles zum Guten wenden. Um die neue Stufe zu erklimmen, ist es notwendig, den Kampf aufzunehmen und die Schwierigkeiten zu überwinden. Auf den letzten Stufen ist es unvermeidlich, den Giftbecher zu leeren, und Verrat muß den Pfad des Lichts kenntlich machen. So laßt uns denn auch diese Einweihung empfangen.

       Wir wissen, daß ”Verrat langsam zerfällt”. Infolge bestimmter Umstände ist dies in der Tat der weiseste Urteilsspruch. Das Leben ist so komplex! Die Menschen bilden sich gewöhnlich ihre Urteile nur nach Beweisen und ihnen bekannten Umständen; und eine ganze Reihe der wichtigsten Faktoren, die den Verlauf dieser oder jener Aufgaben oder Ereignisse erschweren oder lösen, ignorieren sie gänzlich. Das Bewußtsein der Großen Lehrer, die auf drei Ebenen oder Welten wirken, kennt sowohl den Ursprung der Ursachen als auch ihre Wirkungen. Daher sollten wir in völligem Vertrauen zur Höheren Weisheit gelassen die verschiedenen Phasen aller Ereignisse beobachten. Wir wissen auch, daß sich für viele Menschen und viele Dinge Gefahr als Rettung erweist, und für bestimmte Ereignisse können wir sagen - je gefährlicher, desto besser. Gefahr wird helfen, viele Dinge auf schnellstem Wege auszuleben. Aber denken wir an die segensreichen Zeichen für unser Land und ängstigen wir uns nicht. Viele Beobachter neigen zu Fehlkalkulationen, oder, wie es heißt, ”Sie setzen auf das schlechteste Pferd”.

       Seien wir auf der Seite, auf der sich der Schild des Lichts erhebt - und wir werden nicht irren.

       19. März 1936

       Ein Aschram ist eine heilige Stätte, ein Tempel, ein Kloster, eine Schule verborgener Weisheit. Deshalb kann das irdische Bollwerk der Großen Bruderschaft Aschram genannt werden. In der Feinstofflichen Welt gibt es ebenfalls Aschrame der Weißen Bruderschaft. Genauso wie auf der Erde sind sie auch dort nicht zahlreich vertreten, denn auch hier werden strenge Disziplin und harte Arbeit gefordert, und wo sind jene, die bereit sind, sich anstelle der versprochenen ”Ruhe“ für harte Arbeit herzugeben?

       Aber warum sollte man nur um einen Aschram in der Feinstofflichen Welt feurige Strahlen vermuten? Fürwahr, über jedem irdischen Aschram oder einem Bollwerk des Geistes erheben sich diese Strahlen, die unter besonderen Umständen gesehen werden können.

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       Wahrlich, jeder Widerstand gegen den Fortschritt des Denkens oder das Vordringen auf jedem Wissensgebiet sollte als eine Erscheinung des Harmagedons betrachtet werden. Aber viele Grundlagen sind so zerfallen, daß wir allen Fakten gelassen gegenüberstehen sollten. Es ist unmöglich, den mächtigen Marsch der Ereignisse aufzuhalten.

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       Sie erwähnen Ihren Briefwechsel mit S. Ich meine, es wurde Ihnen wenig Freude bereiten, wenn ich Sie meine Erfahrungen wissen ließe. Es ist nicht nur nutzlos, für solchen Briefwechsel Zeit zu verschwenden, es ist auch schädlich. Früher galt für solche Menschen ”Wahrheit“ als irdische Sicherheit, und daher gibt es die Begriffe unbegrenzter Aufnahme und unbegrenztes Wissen in ihrem Wörterbuch nicht.

       Die Aufgabe, für die Sie sich entschieden haben, ist ein wertvoller Beitrag. Sie werden jedoch hart daran arbeiten müssen. Es ist sehr wichtig, den Unterschied zwischen Spiritismus in der heute praktizierten Art und einer echten wissenschaftlichen Erforschung sowie dem Studium der psychischen und parapsychischen Phänomene hervorzuheben. Seien Sie jedoch äußerst vorsichtig mit ihren Behauptungen bezüglich des Mondes, denn alles, was ich aus der ”Geheimlehre“ über die Mondkette zitierte, wird von der Wissenschaft nicht angenommen, und selbst wenn eine kleine Zahl von unvoreingenommenen Gemütern imstande wäre, diese Theorien mit einem gewissen Grad an Toleranz zu behandeln, so gelten sie doch für die meisten Menschen als Höchstmaß an Blasphemie. Daher würde ich in dem von Ihnen geplanten Werk nicht viel über den Mond sagen. Darüber hinaus enthüllten die Großen Lehrer noch nicht alle mit dem Mond zusammenhängenden Geheimnisse. Es gibt eine angenommene Regel, nach der den Menschen nur das gegeben wird, wofür ihr Bewußtsein reif ist. Es ist unstatthaft, ihnen etwas vorzulegen, wovon sie nicht die geringste Vorstellung haben oder wofür sie keine passenden Worte finden! Deshalb wird nur das gegeben, was die fortschrittlichen Geister der Menschheit zu begreifen vermögen. Und wir müssen sagen, daß dies reichlich geschieht, doch man hat sich kaum den hundertsten Teil von dem, was geboten wird, zu eigen gemacht. H. P. Blawatsky schrieb, daß zu ihrer Zeit die Enthüllung über die Mondkette unter den Lesern und Schülern einen Sturm wildester Phantasien und gegensätzlicher Meinungen auslöste. Einige von ihnen erschienen sogar in Druck, aber ungeachtet aller dringenden Bitten nach weiterer Mitteilung schweigen die Mahatmas.

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       Sie haben recht, daß die Planetenkette mit all ihren Globen, Sphären oder Prinzipien (Sie mögen sie nennen, wie Sie wollen) ein komplettes Ganzes bildet. Tatsächlich sind alle Globen gegenseitig konzentrisch durchdrungen und stellen bestimmte Ebenen des Bewußtseins oder Seins dar. Gewiß, ein Planet ist ein lebender Organismus, denn im Kosmos ist nicht ein einziges Atom ohne Leben, ohne Bewußtsein oder ohne Geist, und in den alten philosophischen Schriften stößt man auf den Vergleich der Erde mit einem riesigen Tier, das sein eigenes Leben hat und daher auch sein eigenes Bewußtsein oder seine Offenbarung des Geistes.

       Genau gesagt, es gibt kein passives Element im Kosmos; alles besteht durch die gegenseitige Durchdringung und Wechselwirkung der räumlichen Energien, die aus den unendlichen Brennpunkten oder Zentren, die den Kosmos erfüllen, evolvieren und in sich unaufhörlich geformt werden. Alles bewegt sich, alles ändert sich dauernd, alles lebt. Bedenken Sie auch, daß die höheren Prinzipien des Planeten in der menschlichen Monade eingelagert sind. Deshalb können wir sagen, daß der Mond die höheren Prinzipien einbüßte, als ihn die menschlichen Monaden nach ihrer endgültigen evolutionären Vollendung für die neue Planetenkette verließen. Das Leben eines Planeten kann als Verbindung aller mit ihm geschaffenen Elementen verstanden werden. Um so größer ist daher die Verantwortung aller denkenden Planetenbewohner.

       Gegenwärtig ist der Mond ein Leichnam, aber ein lebendiger Leichnam, weil Zersetzung nichts anderes ist als niederes Leben. Darüber hinaus müssen Sie bedenken, daß nach Vollendung der Evolutionsrunde auf einer Planetenkette und vor Beginn des Lebens auf einer neuen Kette für alles Sein und alle Wesenheiten ein Pralaya oder Nirwana eintritt. Alle Prinzipien der Mondkette wurden auf die irdische Kette übertragen. Die Mondkette war auch niederer als unsere irdische Kette. Ich möchte einige Zeilen aus der ”Geheimlehre“ anführen: ”… daß die (Mond-) Monaden, die in den evolutionären Zyklus (auf der irdischen Kette) auf Globus A eintreten, in der ersten Runde von sehr verschiedenen Entwicklungsgraden sind.

       Daher erreichen nur die am meisten entwickelten Monaden den menschlichen Keimzustand in der ersten Runde; sie werden irdische, wenn auch sehr ätherische menschliche Wesen gegen Ende der dritten Runde, verbleiben aber auf dem Globus während der Verdunkelungsperiode als Samen für die künftige Menschheit in der vierten Runde; sie werden so die Pioniere der Menschheit zu Beginn dieser, der gegenwärtigen vierten Runde. Andere (weniger entwickelte) erreichen die menschliche Stufe erst während späterer Runden, nämlich in der zweiten, dritten Runde oder der ersten Hälfte der vierten Runde. Und schließlich werden die aller-spätesten - das sind jene, die noch nach dem mittleren Wendepunkt der vierten Runde tierische Formen haben - überhaupt keine Menschen während dieses Manwantaras.

       Sie werden zum Rande der Menschheit erst am Schlusse der siebenten Runde gelangen, um ihrerseits nach dem Pralaya von älteren Pionieren, den Vorfahren der Menschheit, oder der Samenmenschheit (Schista), nämlich von den Menschen, die an der Spitze von allem am Ende dieser Runde stehen werden, in eine neue Kette eingeführt zu werden.”

       Beachten Sie auch das meinem Brief (16. November 1935) beigefügte Diagramm. ”Ungleich den übrigen hat die vierte (Globus-Sphäre) keinen ”Schwester“-Globus auf demselben Plane mit ihr selbst und bildet somit den Stützpunkt der ”Waage“, die durch die ganze Kette repräsentiert wird. Sie ist die Sphäre der letztlichen evolutionären Ausgleichungen, die Welt der karmischen Waage, die Halle der Gerechtigkeit, wo die Bilanz gezogen wird, die die künftige Laufbahn der Monade während des Restes ihrer Inkarnationen in dem Zyklus bestimmt. Und daher kommt es, daß, nachdem dieser mittlere Wendepunkt in diesem großen Zyklus überschritten ist, d. h. nach dem Mittelpunkt der vierten Rasse in der vierten Runde unseres Globus - keine Monaden mehr in das Menschenreich eintreten können. Das Tor ist für diesen Zyklus geschlossen und die Bilanz ist gezogen.” Daher sollten wir keine Zuwanderer vom Mond mehr erwarten.

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       Und nun über die Vorstellung oder die Vision des Bildnisses des Lehrers. Gewiß, es beginnt zuerst mit einem mentalen oder geistigen Bildnis, das die höchstmögliche Klarheit erlangen sollte; und nachdem es im Zentrum des dritten Auges klar eingeprägt ist, werden Sie es mit geschlossenen Augen sehen können. Manchmal kann das Bildnis von einem leuchtenden Umriß umgeben sein, als ob es aus Licht und Schatten bestände, ohne bestimmte klare Linien. Auch sehen manche zu Beginn das Bildnis schwanken, und die Umrisse erscheinen verschwommen. Aber das Schwanken schwindet allmählich, und das Bild wird ganz klar. Um dieses Flimmern zu unterbinden, schließen die buddhistischen Mönche die Augen und durchkreuzen die Ströme der Augen; das heißt, sie konzentrieren ihre Schau auf einen Brennpunkt, was sehr hilft. Das Durchkreuzen der Ströme der Augen wurde bei jeder Konzentration so zur Gewohnheit, daß daher viele Buddhas und Bodhisattvas mit schielendem Blick, auf die Nasenspitze konzentriert, abgebildet sind. Sie können diese Methode versuchen, jedoch ohne irgendwelche Gewaltanwendung und ohne extrem zu schielen. Es darf kein Gefühl von Spannung oder Unbequemlichkeit aufkommen. Ich würde für diese Übung nicht mehr als fünf Minuten aufwenden und mit nur einer Minute beginnen. Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn Sie kein so rasches Ergebnis, wie Sie gern möchten, erzielen. Alle diese Errungenschaften gehören in den Bereich des höheren Psychismus.

       Lesen Sie die Biographien der großen geistig Schaffenden, und Sie werden erkennen, mit welcher Anstrengung sie das Öffnen der Zentren und die Höhere Verbindung erlangt haben. Selbst ein so großer Heiliger wie der Heilige Antonius mußte oft Jahre warten, bevor seine Frage beantwortet wurde. Gewiß, heute haben manche menschliche Organismen in ihrer Verfeinerung großen Fortschritt erzielt, so daß es für viele Erscheinungen keiner so großen Kraftaufwendung, Spannung und Geduld bedarf, wie dies in vergangenen Jahrhunderten erforderlich war. Aber auch jetzt können nur Medien leicht in die nächsten Schichten der Feinstofflichen Welt eindringen. Wir sollten sie jedoch nicht beneiden, denn fürwahr, die höchsten Sphären sind ihnen unzugänglich, abgesehen von wenigen Ausnahmen. Und so wie in der alten Zeit Medien nicht als Hierophanten zugelassen wurden, so werden auch heute die Brahminen in ihren wenigen erhalten gebliebenen Aschrams keinem Fakir Zutritt gewähren.

       Doch abgesehen von all dem, haben die Zustände des Harmagedons auf alle Erscheinungen großen Einfluß, und während manche Erscheinungen zunehmen, sind andere, feinere, schwieriger geworden. Sind daher die Wellen der Schlacht sehr stark, dann ist es oft schwer, die Mitteilungen zu vernehmen, und nachher ist plötzlich Herzwehmut zu verspüren. Doch anstatt traurig zu sein, sollten Sie sich über jedes Sternchen, das Sie wahrnehmen, freuen. Fürwahr, diese Zeichen sind weit wichtiger als alle lebhaften Visionen der Medien, denn sie weisen auf die rechte Entwicklung hin.

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       Nun über Karma. Können wir behaupten, daß ein bestimmter Fall oder eine Situation in der sich ein Mensch befindet, gänzlich sein Karma ist? Wenn wir so zu denken beginnen, werden wir uns sehr bald weigern, einem anderen zu helfen indem wir unsere Weigerung damit begründen, uns in fremdes Karma nicht einmischen zu dürfen. Es gibt aber auch irregeführte Menschen, die die Hilfe an ihrem Nächsten verweigern, weil sie fürchten, damit ihr eigenes Karma zu belasten. Doch wäre das nicht ein Zeichen größter Selbstsucht? Wer, abgesehen von einem Archaten oder einem hohen Yogi, kann wissen, wann und wo man nicht helfen sollte? Oftmals kann eine Begegnung mit einen, belasteten Menschen wirklich unser Karma sein, und wenn wir ihm die Hilfe verwehren, bürden wir uns selbst Lasten auf. Wir müssen die helfende Hand reichen, wann immer unser Herz es uns eingibt - an das Gesetz der Entsprechung und daran denkend, daß geistige Hilfe die höchste ist. Ganz richtig gab Ihnen Ihr Herz ein, daß wir nicht dogmatisch sein sollen. Das Leben ist so kompliziert! Daher sollten Sie sich immer in allem und vor allem von Zweckmäßigkeit leiten lassen.

* * *

       In meinem letzten Brief erwähnte ich, daß Lamaismus zu wahrem Buddhismus im gleichen Verhältnis steht wie unsere christliche Kirche zur Lehre Christi. Vor einiger Zeit fragte man mich über die beiden buddhistischen Schulen, und ich möchte meine Antwort mit einigen ergänzenden Kommentaren hier zitieren:

       1. Mahayana und Hinayana sind die zwei Grundschulen des Buddhismus. Die wortwörtliche Übersetzung ist ”Großes Vehikel“ und ”Kleines Vehikel“ Mahayana oder ”Großes Vehikel“ ist im ganzen Norden - in Tibet, in der Mongolei, bei den Kalmücken und Buriaten - verbreitet. Auch in China und in Japan gibt es Anhänger dieser Schule. Hinayana besteht hauptsächlich im Süden - in Ceylon, Indochina, aber auch in China und in Japan gibt es einige Abteilungen. Mahayana nahm im zweiten Jahrhundert v. Chr. in Südwest-Indien seinen Anfang. Der Begründer des Mahayana war der große Lehrer Nargajuna. Fast gleichzeitig, vielleicht sogar etwas früher, wurde diese Lehre von Asvaghosha in Nordwest-Indien eingeführt. Er war Dramaturg und Vater der Sanskrit-Literatur.

       Der Hauptunterschied zwischen Mahayana und Hinayana besteht darin, daß jener neben Gautama Buddha die Hierarchie des Lichts anerkennt, an deren Spitze viele Bodhisattvas und Taras stehen. Unter den Bodhisattvas sind neben Bodhisattva Maitreya der Bodhisattva Chenresi, der Tibetaner Avalokiteshvara (der Schirmherr Tibets) und der Bodhisattva Manjusri (der Schirmherr des Buddhismus) gut bekannt. Es gibt natürlich noch viele andere. Unter den Taras (den weiblichen Gottheiten) wird die vieläugige und vielarmige Dukkar als die höchste angesehen. Sie ist identisch mit der MUTTER DER WELT (der Lakshmi und Kali Indiens) und wird auch Weiße Tara genannt. Gleich verehrt werden die Gelbe Tara und die Grüne Tara, die nach der Farbe ihrer Strahlen so benannt wurden.

       Der zweite Unterschied zwischen den beiden Lehren besteht darin, daß, während der Archat des Hinayana zur individuellen, persönlichen Errettung bestrebt ist, der Bodhisattva des Mahayana sich die Errettung der Welt als Ziel gesetzt hat, weshalb er das Gelübde ablegte, nicht in Nirwana einzugehen, bevor sein Ziel erreicht ist. Die Lehre des Paramitas oder die Errungenschaft der Höchsten Tugend ist für das Mahayana besonders charakteristisch.

       Die Anhänger von Hinayana anerkennen keine andere Hierarchie als Buddha Gautama und seinen Nachfolger, den Bodhisattva Maitreya. Es ist offenkundig, daß sie weder die Autorität des Dalai Lama noch die des Tashi Lama anerkennen. Es gibt noch andere kleinere Unterschiede, aber die sind nicht so wesentlich. Es ist richtig, daß der Hinayana eine exoterische Schule ist, der Mahayana hingegen eine esoterische Lehre. In Tibet ist Mahayana in zwei große Sekten unterteilt: jene der Gelben Mützen, oder Gelugpa, ist die bekannteste in Tibet und in der Mongolei; sie wurde von dem großen Reformator Tsong-kha-pa im 14. Jahrhundert gegründet. Die andere - die ältere - ist die Sekte der Roten Mützen oder Nyingmapa; die Dugpa, eine ihrer Abzweigungen ist über ganz Sikkim und Kleintibet verbreitet; ihr Gründer ist ein Inder, der Lehrer Padma Sambhava. Der Dalai Lama und der Tashi Lama sowie die ganze tibetische Regierung gehören der Gelugpa-Sekte an.

       Außer diesen beiden Sekten gibt es in Tibet einen noch sehr lebendigen alten lokalen Glauben, bekannt unter dem Namen Bön. Neuerdings entlehnte dieser alte Glaube sehr viel aus dem Buddhismus. Jedoch die Bön-Lamas und auch die meisten Lamas der Roten Sekte sind sehr dem Aberglauben, der gröbsten Nekromantie und dem Tantrismus verfallen.

       2. Gibt es im Osten Religionssysteme und Gemeinschaften, die der Lehre Maitreyas anhängen? Der Bodhisattva Maitreya ist von Gautama selbst der Welt als der kommende Buddha verkündet worden. Aus diesem Grunde anerkennen auch die Hinayana diesen einen Bodhisattva. Maitreya entspricht dem Kalki Avatar im Hinduismus (dem ”Weißen Roß Avatar” - siehe die Offenbarung des Johannes) und dem Messias aller Völker. Ausnahmslos ist jeder Messias Avatar des Vishnu; daher gehören sie zu EINEM EGO. Der Unterschied zwischen Maitreya und dem Kalki Avatar in den exoterischen Legenden ist dieser: Während der Kalki Avatar am Ende des derzeitigen Kali-Zeitalters zur endgültigen Vernichtung des Bösen, zur Erneuerung der Menschheit und ”Wiederherstellung der Reinheit“ erscheinen wird, wird Maitreya früher erwartet.

       Zu Beginn unserer christlichen Ära sind in Indien und Tibet Statuen zu Ehren des Bodhisattvas Maitreya errichtet worden, und es gibt keinen einzigen buddhistischen Tempel, in dem es nicht ein Bildnis dieses Bodhisattva gäbe, sei es auf einer Tanka als riesige Figur, die manchmal die Höhe von drei Stockwerken eines Tempels einnimmt. Allerdings glauben alle Buddhisten, daß Maitreya in Schambhala erscheinen wird, aber die Eingeweihten unter ihnen wissen, daß Maitreya und der jetzige Herrscher der Schambhala ein und derselbe ist - dieselbe Individualität.

       Ich möchte einen interessanten, dem Purana entlehnten Passus aus der ”Geheimlehre“ anführen: ”Wie Satya Yuga immer das erste in der Reihe der vier Zeitalter oder Yuga ist, so kommt Kali immer zuletzt. Das Kali-Yuga herrscht jetzt unumschränkt in Indien, und es scheint mit dem gleichen Zeitalter im Westen zusammenzufallen. Auf jeden Fall ist es seltsam, zu sehen, wie prophetisch in fast allen Dingen der Schreiber des Vishnu Purana einige der dunklen Ströme und Sünden dieses Kali-Yuga vorhersagte. Denn nachdem er sagte, daß die ”Barbaren“ die Herren der Ufer des Indus, von Chandrabhâgâ und Kasmîra sein werden, fügte er hinzu: ”Zu dieser Zeit werden Monarchen sein, die über die Erde herrschen, Könige von rohem Geist, heftigem Temperament, immer der Falschheit und Bosheit ergeben. Sie werden Frauen, Kinder und Kühe töten; sie werden das Eigentum ihrer Untertanen wegnehmen und den Weibern anderer nachstellen; sie werden von beschränkter Macht sein … ihre Lebensdauer wird kurz, ihre Begierden werden unersättlich sein … Leute verschiedener Länder, die sich mit ihnen vermischen, werden ihrem Beispiel folgen; und die Barbaren werden (in Indien) mächtig sein im Schutz der Fürsten, während reine Stämme vernachlässigt werden und das Volk zugrunde geht … Wohlstand und Frömmigkeit werden Tag für Tag abnehmen, bis die Welt gänzlich verkommen ist. Besitz allein wird Würde verleihen; Reichtum wird die einzige Quelle der Anhänglichkeit sein, Leidenschaft das einzige Band der Vereinigung zwischen den Geschlechtern, Falschheit das einzige Mittel zum Erfolg im Rechtsstreit; und die Weiber werden nur Gegenstand sinnlichen Genusses sein …

       Äußere Abzeichen werden die einzigen Unterschiede der verschiedenen Stände im Leben sein; … ein Mann, der reich ist, wird für rein gehalten werden; Unredlichkeit wird das allgemeine Mittel zum Lebensunterhalt sein, Schwache die Ursache der Abhängigkeit; Drohung und Anmaßung werden den Ersatz für Gelehrsamkeit bilden, Freigebigkeit wird Frömmigkeit sein; … gegenseitiges Einverständnis wird Ehe sein, schöne Kleider Würde … Derjenige, der der Stärkste ist, wird herrschen, … das Volk, unfähig die schweren Lasten (Khara-bhara, Steuerlast) zu tragen, wird seine Zuflucht in den Tälern suchen … So wird im Kalizeitalter der Verfall ständig fortschreiten, bis das Menschengeschlecht sich seiner Vernichtung (Pralaya) nähert … Wenn das Ende des Kali-Zeitalters nahe ist, wird ein Teil des göttlichen Wesens, das existiert, aus seiner eigenen geistigen Natur (Kali Avatar) … auf die Erde herabsteigen … begabt mit den acht übermenschlichen Fähigkeiten. Er wird Rechtschaffenheit auf Erden wieder herstellen, und die Gemüter jener, die am Ende das Kali-Yuga leben, werden erweckt werden und so durchsichtig sein wie Kristall. Die veränderten Menschen … werden die Samen von menschlichen Wesen bilden und eine Rasse hervorbringen, die den Gesetzen des Krita-Zeitalters (oder des Zeitalters der Reinheit) gerecht wird. So wie es heißt: ”Wenn die Sonne und der Mond und (das Mondhaus) Tishya und der Planet Jupiter in einem Hause sind, wird das Krita-(oder Satya-)Zeitalter wiederkehren …

       ”… Zwei Persönlichkeiten Devapi von der Rasse Kuru und Maru (Moru), aus der Familie Ikshvaku, werden durch vier Zeitalter am Leben bleiben und in Kalâpa (Schambhala) regieren. Zu Beginn des Krita-Zeitalters werden sie dorthin zurückkehren … Maru (Morya), der Sohn des Schighra, lebt durch die Kraft des Yoga … und wird der Wiederhersteller des Kschattriyageschlechtes der Sonnendynastie sein …”

       ”Einerlei, ob die letzte Prophezeiung richtig ist oder nicht, die ”Segnungen“ des Kali-Yuga sind gut beschrieben und passen wunderbar selbst auf das, was man in Europa und anderen zivilisierten und christlichen Ländern auf der Höhe des neunzehnten und beim Anbruch des zwanzigsten Jahrhunderts unserer großen ”Ära der Erleuchtung“ sieht und hört.”

       ”Im Matsya-Purana, Kapitel CCXXII, ist von der Dynastie Morya, oder Maureyas, die Rede. Im selben Kapitel heißt es, daß die Moryas eines Tages über Indien herrschen werden, nachdem sie von jetzt an durch viele Jahrtausende das Kschattriyageschlecht wiederhergestellt haben. Nur wird dieses Reich rein geistig und ”nicht von dieser Welt“ sein. Es wird das Reich des nächsten Avatara sein.”

       So wissen die eingeweihten Inder viel über ihre im Transhimalaja lebenden Mahatmas, aber sie hüten dieses geheime Wissen sorgsam. Viele von ihnen waren H. P. Blawatsky abhold, weil sie der Welt diese heiligen Namen bekanntgab. In der Tat, in Indien besteht eine große Verehrung für alles Heilige und vor allem für diese Höchsten Lehrer der Menschheit. Nicht ein einziger Inder würde einem Nichteingeweihten gegenüber den Namen seines Guru aussprechen, so heilig ist er ihm.

       Nun werden Sie verstehen, wie heilig der Name Maitreya oder Kalki Avatar oder Muntazar in den Herzen östlicher Menschen klingt. Wirklich, alle Religionsformen haben mit diesem einen Begriff des Avatars oder kommenden Messias zu tun. Dieser Glaube - oder, besser gesagt, dieses Gefühlswissen ist jenes Feuer, welches das geistige Leben unseres Planeten aufrechterhält und nährt. Sobald dieses Feuer erlischt, wird der Planet in die Finsternis der Zerstörung versinken. Wahrlich, es gibt nichts Lebendigeres, Mächtigeres und Schöneres als diesen Begriff des Großen Avatar. Alle Prophezeiungen, alle Visionen und alle ältesten und heiligsten Legenden der Völker verbergen unter verschiedenen Symbolen und in Allegorien ein großes Buch der Leben des EINEN GROSSEN, der die apokalyptische Schlange bekämpft.

* * *

       Und nun zum ”Suchen nach dem lebendigen Buddha“. Das kann fürwahr ein Lächeln hervorrufen. Und gewiß, nur die Unwissenden glauben buchstäblich, daß jeder Dalai Lama eine Inkarnation des Bodhisattva Avalokiteshvara, und jeder Tashi Lama eine des Buddha sei. All das muß metaphysisch verstanden werden. Die Verkörperung der großen Geistwesen in dieser oder einer anderen Persönlichkeit muß als ein verstärkter oder auch stetig einströmender Strahl eines Hohen Geistes auf den von ihm erwählten Nachfolger verstanden werden. Genau gesagt, bei der Geburt des einen, der bestimmt ist, die Aufgabe zu erfüllen, richtet der Hohe Geist, der ihm karmisch am nächsten steht, Seinen Strahl auf ihn, damit er ihm das ganze Leben folgen kann. Dieser Strahl wird von dem neugeborenen Kind empfangen, wie auch die Strahlen der Gestirne, unter denen es geboren wurde. Es wächst unter diesem Strahl heran, und bei allmählicher Entwicklung gleicht sich sein Organismus völlig diesem Strahl an. Über diese Leitung vollzieht sich, was wir Inkarnation des Strahles nennen - oder die höchste Hieroinspiration.

       Sie sollten wissen, daß die Materie oder Energie, in die sich ein Hoher Geist kleidet, unzerstörbar ist, Nach dem Gesetz der Anziehung oder Affinität kann in bestimmten Fällen die Substanz, die sich um den erhabenen Geist bildet, der zu einer neuen Inkarnation antritt, in den feinstofflichen Körper eingehen. Natürlich, der gegenwärtige Dalai Lama wie auch der Tashi Lama sind von dem erhabenen Begriff eines geistigen Führers weit entfernt, und nur die unwissenden Massen glauben, daß jene hohe Verkörperungen wären. Aber die Tradition bezüglich Verkörperung ein und desselben Egos in den Vertretern geistiger Macht ist noch sehr stark. Im Zusammenhang mit diesem Suchen nach Inkarnationen geschehen viele belehrende Dinge. Zweifellos kommt es vor, daß die Leute die neuen Inkarnationen ihrer eigenen Lamas herausfinden. Doch darin ist nichts Verwunderliches, denn diese Lamas waren oft ganz gewöhnliche Menschen.

       Auf unserer Reise in Tibet stießen wir auf viele interessante Dinge. Wir hatten eine alte Prophezeiung bei uns und zeigten sie einmal einem sehr gelehrten Buriaten, einem Graduierten der Universität Petersburg. Nachdem der Mann die Prophezeiung gelesen hatte, wurde er sehr aufgeregt und sagte, daß es genau dieselbe Prophezeiung wäre, die er aus dem Munde eines kleinen mongolischen Knaben vernahm. Er sagte, daß in einer Ortschaft nahe Urga ein Knabe geboren wurde, der im Alter von kaum einem Jahr in Gegenwart bestimmter Menschen plötzlich genau dieselbe Prophezeiung aussprach. Natürlich wurde dieser Knabe als eine bestimmte Inkarnation angesehen. Von seinem weiteren Schicksal hörten wir nichts mehr.

       Man sollte aber nicht meinen, daß in dem Buch ”Tiere, Menschen und Götter“ alles nur auf unwahrscheinlicher Phantasie beruht. Darin gibt es mehr Wahres, als die Menschen denken. So war zum Beispiel die darin erwähnte Zauberin noch am Leben, als wir in der Mongolei waren. Ebenfalls ist das plötzliche Erscheinen des Großen Herrschers der Schambhala in Gompa keine Erfindung, wir selbst hörten eine Version davon. Im Osten kann man solchen ”Wundern“ noch begegnen, aber sie werden nur jenen enthüllt, die bereit sind, alles aufzugeben, um sie zu finden.

       Da mein Brief schon zu lang geworden ist, will ich schließen. Beachten Sie alle feinstofflichen Einwirkungen und schreiben Sie sie auf. Dadurch schärfen Sie Ihre Aufmerksamkeit und viele Dinge werden Ihnen zugänglich.

       30. März 1936

       Über die Idee Ihres Freundes, einen Verlag aufzubauen, habe ich mich sehr gefreut. Dieses Werk steht meinem Herzen näher als irgend etwas anderes. Es gibt nichts Höheres und Schöneres, als das Bewußtsein der Leser zu erheben und zu erweitern. Ein Verlag kann wirklich ein Lehrer und Erwecker des Denkens der jungen Generation sein. Gewiß können literarische, philosophische, wissenschaftliche und andere humanitäre Werke wie auch Textbücher zur Veröffentlichung erscheinen, vorausgesetzt, sie sind von hoher Qualität und Nützlichkeit. Pläne müssen so ausgearbeitet werden, daß kein Verlust entsteht. Es ist wichtig, den Preis eines Buches erschwinglich anzusetzen und dennoch sein ästhetisches Aussehen zu wahren. Ich bin ganz sicher, daß Sie damit guten Erfolg haben werden. Ich denke immer an die Sorge des Lehrers, das notwendige Buch an den rechten Platz zu stellen und es in der Hand des bescheidensten Menschen zu sehen, d. h. im ärmsten Heim. Das ganze Einkommen aus den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK sollte für weitere Veröffentlichungen Verwendung finden.

       Mit großer Freude las ich Ihre Worte: ”Ich bin davon überzeugt, daß die uns übertragene Arbeit die Hauptaufgabe unseres Lebens ist. In der Tat, sie soll das Leben selbst ganz einnehmen.” Wahrlich, mit solchem Bewußtsein kann man Berge versetzen! Und als wir gerade heute in der Zeitung den Artikel von Sudrabkaln, dem ausgezeichneten lettischen Schriftsteller lasen, über das steigende Interesse an seriösen Büchern und die neue Welt von Romantik und Heroismus, der in Lettland so stark in Erscheinung tritt, waren unsere Herzen begeistert. Wirklich, von der Lettischen Gesellschaft ist ein großes, heiliges Werk in Angriff genommen worden. Machtvoll ist der Samen, der uns und Ihnen zum Säen anvertraut ist. So wahren Sie vor allem die Einigkeit und den Edelmut unter den Mitgliedern, um Ihre heilige Aufgabe zu vollbringen. Ich bin mir bewußt, wie schwer es ist, wie man sich oft selbst kreuzigen muß; nichtsdestoweniger kann es ohne Toleranz und Nachgebigkeit keine Einigkeit geben. Ich weiß, daß wir oft, obgleich wenn wir sehen, daß dem Werk für das Allgemeinwohl Schaden zugefügt wurde, auch dann nachgeben müssen, um nicht durch unseren Widerstand einen noch größeren Schaden zu verursachen. Das Leben ist sehr komplex, und nur ein erweitertes Bewußtsein gibt die Möglichkeit, über alle Schwierigkeiten und selbst über Verräter hinweg aufzubauen.

       Nun über Harmagedon. Sie haben völlig recht - Harmagedon ist symbolisch die letzte Entscheidungsschlacht zwischen Licht und Finsternis. Aber man sollte nicht meinen, daß diese Schlacht bald beendet sein kann. Sie wird viele Jahre dauern, doch die Heftigkeit wird sich in verschiedenen Teilen des Planeten unterschiedlich auswirken. Wo der menschliche Geist für die Herrschaft des Geistes rascher erwacht, dort wird der große Aufbau einsetzen. Mit jedem Jahr wird der Einfluß der Kräfte des Lichts zunehmen, aber es ist wichtig, daß der menschliche Geist imstande ist, die gesandten Gaben zu empfangen. Die größten Möglichkeiten pochen an die Tür der Menschheit, doch immer ist die Wahl freigestellt. Wahrlich, die kommende Zeit ist die größte Prüfung der Menschheit

       Das Wort Harmagedon ist das griechische Äquivalent für das hebräische har megiddon (die Gebirgsregion von Megiddo). In den hebräischen Schriften wurde durch diese Bezeichnung die endgültige große Schlacht zwischen den Kräften des Lichts und der Finsternis angezeigt; sie wurde in allen alten Prophezeiungen in den Schriften aller Völker als der ”Große Tag des Gottesgerichts“ vorausgesagt. In der Apokalypse ist darüber viel ausgesagt, und in demselben Buch, Kapitel 16, Vers 16, wird dieser Name erwähnt. Darüber hinaus können die Fristen dieser Schlacht und der Beginn der Neuen Ära oder eines neuen Zyklus auch in den genauesten Berechnungen der Ägypter und Inder gefunden werden.

       Der Name dieser Schlacht ist symbolisch, im Gedenken an eine wirklich schreckliche Schlacht, die in Megido (einer alten Stadt in Palästina) stattfand. Nicht weit von dort wurden die Kanaaniter unter dem Führer Sisera vollkommen vernichtet. Diese furchtbare totale Vernichtung blieb den Völkern, die Zeuge waren, lange Zeit in fürchterlicher Erinnerung. Nach sämtlichen Schriften nahen jetzt die Fristen für die endgültige Vernichtung der Armee Gog auf den Bergen Israels, wobei Israel nicht unbedingt mit dem jüdischen Volk identisch ist. Genau genommen bedeutet das Wort der ”Auserwählte“. Gleicherweise müssen die Berge von Israel als andere Berge verstanden werden, genauso wie das ”Neue Jerusalem“ nicht unbedingt das Jerusalem in Palästina bedeutet. Die Geheimsprache verwendet immer Symbole. Es gibt den Himmel Jerusalem - die Wohnstätte der HIERARCHIE DES LICHTS - und das irdische Jerusalem, das als Ort verstanden werden sollte, der bei allen irdischen Kataklysmen intakt und unverletzt geblieben ist.

* * *

       Sie fragen, ob es eine erleuchtete Besessenheit geben kann. Ja, aber äußerst selten. Sie haben jedoch darin recht, daß der Begriff Besessenheit für die ”Erhebung des Geistes“ oder ”erfüllt von göttlichem Segen“ kaum angebracht ist. Im Gegenteil verwendet man in der russischen Literatur diesen Begriff für Zustände, die diesem Sinn völlig widersprechen. In der Tat, die Eigenschaften dieser Zustande unterscheiden sich sehr. So findet bei Besessenheit ein Besitzergreifen der niederen Zentren durch die finsteren Kräfte statt, wohingegen die Angleichung an die Kräfte des Segens oder die Hieroinspiration mit dem öffnen der höheren Zentren vor sich geht, vorausgesetzt, daß völlige geistige und physische Reinheit sowie ein besonderer harmonischer Aufschwung der Schwingungen des ganzen Organismus vorhanden sind, andernfalls ist der Tod unvermeidlich.

       Wie es in der LEHRE heißt: ”.........Ebenso wißt ihr sehr wohl, daß der Zustand höchsten Samadhis für den irdischen Körper gefährlich ist. Die Kraft der höheren Energien darf nicht an gebrechliche Gefäße übermittelt werden; jedoch durch Überwindung des gewöhnlich disharmonischen Zustandes kann man die Gefahr der Berührung mit den höheren Schwingungen beträchtlich vermindern. Laßt uns erneut an die verschiedenen Mittel erinnern, mit denen man sich in einen erhabenen Zustand versetzen kann. Schon immer versuchten die Menschen, sich durch besondere Mittel vor der Gefahr der Berührung mit den Höheren Kräften abzuschirmen. Das beste Mittel aber ist das stete Nachdenken über die Höheren Kräfte. Auf diese Weise gewöhnt sich die psychische Energie an die Möglichkeit, auf Höhere Kräfte zu reagieren, und damit sie nicht erschüttert wird, wird die Nervensubstanz entsprechend gekräftigt. Natürlich kann sogar der beste Freund eine Erschütterung auslösen, wenn er unerwartet eintritt.” (AUM, 8)

       All das oben Erwähnte bezieht sich auf die höhere Hieroinspiration, aber selten, nur in äußersten Fällen und unter besonderen Umständen, kam es vor, daß ein Hoher Geist in einen reinen irdischen Körper eintrat. So kann man in der alten Theurgie Hinweise darüber finden, daß bei den heiligsten Mysterien ein Hoher Geist vorübergehend in den Körper eines Priesters hohen Grades eintrat, der sich für dieses Ereignis längere Zeit hindurch vorbereitet hatte. Jedoch kam das äußerst selten vor und diente nur besonderen wohltätigen Zwecken.

       Es gibt viele Grade des Erfülltseins von Göttlichem Geist oder von Seligkeit In der Tat, alle diese haben die gleiche Grundlage, nur gibt es einen weitestgehenden Unterschied in der Qualität. So gibt es nur ein Feuer, doch wir kennen das schwarze und das silberne Feuer. Die unterirdischen Feuer sind mit den überirdischen Feuern verwandt, aber ganz andersartig in ihren Wirkungen. So kann z. B. dieselbe psychische Energie sowohl das Messer eines Mörders schwingen als auch das Skalpell eines Chirurgen lenken, der das Leben eines Kranken rettet. Und genauso kann es eine bedingte Unsterblichkeit des Bösen geben, aber solche Unsterblichkeit ist schlimmer als Vernichtung.

       Das wahre Reich des Bösen ist unser irdischer Planet. In den überirdischen Sphären kann das Böse nur begrenzt bestehen. Das Licht in den überirdischen Sphären verbrennt die Finsternis. Dort werden die finsteren Wesenheiten durch Berührung mit dem Licht vernichtet. Das erklärt, warum die Finsteren mit aller Macht sämtliche lichten Unternehmen hier auf Erden sowie in den ihnen zugänglichen Bereichen der niederen Schichten der Feinstofflichen Welt auszulöschen suchen. Wahrlich, die Erde ist der Gerichtshof und das Auspendeln der Kosmischen Waage.

       Besessenheit, als etwas Gewaltsames, eignet immer der Finsternis, wohingegen die Höheren Kräfte mit Geist erfüllen oder den Strahl der Hieroinspiration dem senden, der imstande ist, ihn aufzunehmen. Es gibt keine größere Errungenschaft, als den Strahl der Feurigen Welt in sich aufzunehmen.

       ”Sobald sich ein Mensch aller ihn umgebenden Einflüsse bewußt wird, kann er mit Selbsttätigkeit beginnen. Er lernt zu unterscheiden zwischen Hieroinspiration und niederer Zerstörung. Es ist nicht leicht, alle; listigen Ränke zu durchschauen, aber es ist ein Glück, wenn das Herz durch Erkenntnis der Nützlichkeit der Höheren Welt erbebt. Berührung mit der Höheren Welt ist im ganzen Leben verstreut, selbst in nichtigen alltäglichen Dingen können die Funken der höheren Spannung erkannt werden. Es gibt keine Tätigkeiten, die, wenn sie die höhere Welt berühren, nicht verstärkt werden könnten. Man sollte solche Spannung liebgewinnen, denn ohne sie kann es kein Großes Dienen geben!” (AUM)

* * *

       Das Buch ENOCH in englischer Übersetzung befindet sich in der Bibliothek Bodleiana in Oxford. Mir ist nicht bekannt, ob es Übersetzungen in andere Sprachen gibt. Seinerzeit waren die Vertreter der Kirche sehr dagegen eingestellt. Ja, die dunklen Wolken ballen sich zusammen, doch irgendwo dämmert es bereits. Daher ist die Bewußtseinserweiterung durch Aneignung der Grundlagen der LEBENDIGEN ETHIK so dringend nötig.

       Und gleicherweise nötig ist es, die ungewöhnliche Zeit, die wir durchschreiten, zu verstehen. Es ist die Zeit, in der die Schicksale vieler Völker entschieden werden.

       30. März 1936

       In einem Ihrer Briefe fragen Sie nach der Meinung des Wortgefüges ”… Anfragen über Kalachakra werden mit Schweigen übergangen”. Kalachakra (das Rad der Zeit oder das Rad des Gesetzes) ist die verschiedenen Herren der Schambhala zugeschriebene Lehre. Spuren dieser Lehre können in beinahe allen philosophischen Systemen und Lehren Indiens gefunden werden. Gegenwärtig ist sie vielleicht in Tibet am bekanntesten. Deutliche Hinweise über Schambhala kann man auch in der westlichen Literatur finden. Schließlich stammt auch die Legende vom Gral aus dem Osten und ist tatsächlich eine der zahlreichen Versionen derselben Schambhala. Die Chroniken des Westens berichteten von Mitteilungen aus der ”geheimen Wohnstätte“ durch Constantin den Großen und durch den byzantinischen Kaiser Manuel. Auch Dschingis Chan erhielt Botschaften vom Weisen des Großen Berges. Im zwölften und dreizehnten Jahrhundert wußte auch die westliche Kirche durch ihre Päpste vom Vorhandensein einer geheimen Geistigen Wohnstätte und Bruderschaft im Herzen Asiens, welcher der bekannte Priester Johann, wie der Große Geist sich selbst nannte, vorstand. Dieser Priester Johann sandte von Zeit zu Zeit an die Päpste und andere Kirchenoberhäupter Mahn- und Warnbriefe. Aus der Geschichte ist bekannt, daß einer der Päpste einen Abgesandten zu Priester Johann nach Zentralasien entsandte. Man kann sich gut vorstellen, zu welchem Zweck. Nach allerlei Mißgeschick und Zwischenfällen kehrte dieser Botschafter heim, ohne die Geistige Zitadelle gefunden zu haben. Jedoch Priester Johann fuhr fort mit seinen Mahnbriefen.

       Der Heilige Gral wird jetzt im Osten aufbewahrt. Kürzlich erschienen hier einige Forscher, um Näheres über die geheimnisvolle Persönlichkeit des Priesters Johann sowie über die Symbolik der Legende des Grals zu erfahren. Es gibt eine Theorie, wonach der Heilige Kelch oder Gral der heilige Stein ist (lesen Sie die Legende über den ”Stein“ in ”Auf östlichen Kreuzwegen“), und diese Version hat ihre Begründung.

       Viele Menschen haben nach dem Bollwerk gesucht, und auch heute bemüht man sich noch, diese Stätte zu erreichen, doch vergeblich, denn nur jene, die gerufen werden, können dahin gelangen. Die Geschichte kennt eine Anzahl von hervorragenden Persönlichkeiten, deren Bestimmung es war, einen neuen Impuls für die menschliche Evolution zu geben und sie anzutreiben, nachdem sie zuvor das Bollwerk des Hohen Wissens besucht hatten. So verbrachte Paracelsus einige Jahre in einem der Aschrams des Bollwerks im Transhimalaja und empfing dort großes Wissen, das er später in vielen Bänden niederlegte und herausbrachte, oft verschlüsselt, denn es gab eine große Verfolgung dieser Türme des Wissens. Alle seine Werke wurden ins Deutsche, Englische und Französische übersetzt. Viele Wissenschaftler und Ärzte schöpfen ihr Wissen aus diesen Büchern, doch, wie gewöhnlich, wird die Quelle oft wohlweislich nicht erwähnt. So wird auch die Lehre Kalachakra oder die Lehre von Schambhala nicht nur nicht erwähnt, sondern es gibt gewisse ”geistliche“ Personen, die ihren Anhängern und Freunden verbieten, diese Bücher zu lesen.

       Vergessen wir auch nicht unser großes Genie H. P. Blawatsky, die so verleumdet wurde. Sie hielt sich drei Jahre in einem Aschram Tibets auf, und dann kehrte sie mit großem Wissen und erleuchteter Botschaft über die Mahatmas in die Welt zurück. Wäre sie nicht von soviel Bosheit und Neid umgeben gewesen, hätte sie zwei weitere Bände der ”Geheimlehre“ geschrieben und einen Teil davon dem Leben der Großen Lehrer der Menschheit gewidmet. Doch die Leute zogen es vor, sie zu töten - und ihr Werk blieb unvollendet. Doch die Geschichte wiederholt sich, und wieder kriechen die finsteren Kräfte aus ihren Unterschlüpfen und versuchen, die strahlende Botschaft zu unterdrücken, aber das Licht besiegt die Finsternis!

       Die Lehre Kalachakra ist die der Menschheit in der Morgendämmerung ihrer bewußten Evolution in der dritten Rasse der vierten Runde der Erde durch die Herrscher des Feuers oder die Söhne der Vernunft (zu denen die Herrscher von Schambhala zählen) gebrachte GROSSE OFFENBARUNG.

       Gewiß, die CHRISTLICHE WISSENSCHAFT heilt mittels psychischer Energie, und zweifellos haben einige ihrer Anhänger mit ihren bemerkenswerten Heilungen Erfolg. Jedoch muß es, wie bei allen anderen, eine richtige Unterscheidung und Anwendung geben; daher gibt es neben dem bemerkenswerten Heilen auch Fehler. Alles ist gut an seinem Platz, aber es ist nicht immer möglich, einem chirurgischen Eingriff auszuweichen. Ebenso können ansteckende Krankheiten nicht durch Suggestion geheilt werden. Alles verlangt Entsprechung und Zweckdienlichkeit. So erfordern manche Fälle homöopathische Methoden, andere hingegen müssen durch allopathische Mittel behandelt werden. Aber die Hauptsache ist, daß der Heiler, der durch seine psychische Energie wirkt, gut unterrichtet ist und ein reines Herz hat.

       Ihr Fragesteller möchte wissen, ”wie sich das Verwenden von Moschus seitens der Yogis mit dem Gesetz der Liebe, und, wie die Okkultisten predigen, anderen keinen Schaden zuzufügen, vereinbaren läßt” - sowie auch über anderes, was ihn quält. SQ Z. B.: ”Wenn Moschus das Produkt eines tierischen Organismus ist, muß es von tierischem Magnetismus durchdrungen sein und so geht zusammen mit dem Nutzen tierischer Magnetismus in den Organismus des Yogi ein und verunreinigt ihn … etc.”. Dazu können wir antworten, daß die sehr hohen Yogis, die unter ganz anderen selbst geschaffenen Bedingungen weit weg von unserem irdischen Getriebe leben, Moschus verwenden können, ohne die Tiere zu töten. Gerade dies wird in den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK unterstrichen. Und wenn die Schüler, die unter gewöhnlichen irdischen Bedingungen leben, tierischen Magnetismus vermeiden wollen, müßten sie Nudisten werden und in wärmere Länder auswandern, falls sie meinen, streng nach dem Gesetz zu leben und keinen Schaden zu verursachen (im Sinne, wie sie schreiben, ist es doch so zu verstehen). Nehmen Sie zum Beispiel die Wolle - sie müßte abgelehnt werden, denn sie enthält zuviel tierischen Magnetismus. Oder weiter: die Seide - die dürfte auch nicht mehr hergestellt werden, um die Seidenraupe zu retten. Jedes Leinengewebe wäre untersagt, denn man sollte den Flachs nicht unter solch einem Verfeinerungsprozeß leiden lassen. So gäbe es nur die einzige Möglichkeit, sich mit trockenen Blättern zu bedecken, aber sie zu pflücken, wäre ebenfalls nicht zulässig. Und selbst die Lederschuhe darf man nicht vergessen und müßte Schuhe aus Bast anfertigen; denn der Gebrauch von Lederschuhen macht es unvermeidlich, Tiere zu töten; doch auch die Beschaffung von Rinde für Bastschuhe wäre für den Baum sehr schmerzhaft. Gleicherweise müßte die Nahrung auf wenige Lebensmittel beschrankt bleiben, wie Milch (vorausgesetzt, daß die Kuh außer für das Kalb noch etwas abgeben kann), Früchte, Nüsse und Samenkörner, allerdings nicht vom Baum oder Halm gepflückt, sondern erst verwendet, nachdem sie reif geworden sind und von selbst abfallen, andernfalls würde man einem lebenden Organismus Schmerz zufügen.

       Ich entsinne mich der Geschichte, als Bernard Shaw, der den bekannten indischen Wissenschaftler Jagadis Bose besuchte sich rühmte, ein Vegetarier zu sein und seine große Feinfühligkeit es nicht gestatte, Lebendem Schmerz zuzufügen. Bose schwieg, doch in einem Experiment demonstrierte er dem Schriftsteller sichtbar, welcher Schmerz Karotten und Kartoffeln zugefügt wird, wenn sie von solch ”feinfühligen“ Menschen geschnitten oder gekaut werden.

       Doch vielleicht wäre es für einen ”feinfühligen“ Menschen nicht so schrecklich, sich mit Laub zu bedecken und nur entsprechende Nahrung zu sich zu nehmen, aber weit schwieriger wäre es für ihn, das Atmen einzustellen, oder seine Nase und seinen Mund zu verhüllen, wie es einige Fanatiker der Jain-Sekte in Indien tun, aus Angst, sie könnten mit jedem Atemzug eine winzige Mücke töten. Ihr Fragesteller müßte nämlich wissen, daß der Raum um ihn angefüllt ist mit Lebewesen, die er jede Sekunde einschlürft oder mit jedem Schritt zertritt. Die fanatischen Jains, die mit den Augen auf den Boden gerichtet dahinschreiten, um keine Larve eines Insektes zu zertreten, vollführen oft ergötzliche Sprünge.

       Zum Schluß möchte ich Ihrem Briefschreiber empfehlen, in die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK tiefer einzudringen, um den Geist der LEHRE zu erfassen! Vegetarische Nahrung wird nicht aus sentimentalen Gründen empfohlen, sondern hauptsächlich wegen ihrer größeren Zuträglichkeit für die Gesundheit; und darüber hinaus heißt es, daß einige Fischarten sogar geringeren Schmerz empfinden als Pflanzen. Wegen der Angst, seinem Organismus tierischen Magnetismus zuzuführen, kann mit den Worten Buddhas geantwortet werden: ”Wenn Geistigkeit allein durch vegetabile Kost erreicht werden könnte, hätten der Elefant und die Kuh sie längst erreicht.” Es ist auch gesagt, daß ”Asketismus zur Befreiung von irdischen Fesseln wertlos ist. Es ist viel schwieriger, einen geduldigen Menschen zu finden als einen, der sich von Luft und Wurzeln nährt und mit Rinde und Blätter bekleidet.”

       Und über Karma wird Ihr Fragesteller im Buddhismus sehr wertvolle Erklärungen finden. Er wird erfahren, daß Karma primär und hauptsächlich durch unser Denken und unsere Absichten geläutert oder belastet wird; Taten sind von sekundärer Bedeutung - genaugenommen schaffen Gedanken das Karma. Wäre es anders, könnte der Mensch in seiner gegenwärtigen Lage nie aus dem magischen Kreis herausgelangen. Ein hoher Yogi scheut tierischen Magnetismus nicht, ihn kann nichts beschmutzen, denn durch sein inneres Feuer wird alles verzehrt. Aber wir, die bescheidenen Erdbewohner, beschmutzen uns weit mehr durch unzulässige Gedanken, als wenn wir ein Stück Fleisch verzehren oder tierische Sekrete für medizinische Zwecke gebrauchen.

       Offensichtlich hat Ihr Fragesteller den Ausspruch Christi vergessen: ”Nicht was durch den Mund eingeht, macht den Menschen unrein, sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein” (Matth. 15, 11).

       Denken wir auch daran, daß gut geräuchertes Fleisch weit weniger tierischen Magnetismus enthält als die Aura der kleinen Tiere, die man in den Räumen hält. Errungenschaft besteht nicht darin, uns künstlich vor schädlichen und hindernden Einflüssen zu schützen, sondern darin, uns durch die Kraft des Geistes über alle Hindernisse zu erheben. Und nur, wenn dies erreicht wird, hat der Mensch das Recht, sich in bessere Bedingungen zurückzuziehen, um nicht hohe Energien für Selbstschutz aufzuwenden, sondern sie gänzlich für den Dienst an der Menschheit abzugeben.

       So laßt uns die Bedingungen, in denen wir leben, weise beobachten und ohne jedwede falsche Sentimentalität den Geist beider erkennen: der alten Vermächtnisse und der neuen. Indem wir das Gleichgewicht halten, werden wir fähig, die weisen Ratschläge in voller Entsprechung und Zweckmäßigkeit zu befolgen.

       Leider kann ich einem Postbrief die Information, die der, die Sie erhalten haben, widerspricht, nicht anvertrauen. In der Behandlung dieser Frage müssen wir sehr vorsichtig sein. Es ist ein großes Werk errichtet worden. Eine große Umwertung der Werte findet statt. Geistige Arbeit kommt zu ihrem Recht und beginnt höher bewertet zu werden als alles andere. Und so werden wir die geistige Erneuerung erleben. Wollen wir daher die Hunderte und Tausende nicht verurteilen, die das große Land auf ihre Weise aufbauen.

* * *

       Mein Herz frohlockt über jedes Verstehen der Grundlagen der LEHRE. Wahrlich, nur Hingabe, zusammen mit stetem Streben, führt uns zur Wohnstätte. Aber gerade das sind die seltensten Eigenschaften, und es ist kein Wunder, wenn man sie als Zeichen wertvollster Aufspeicherungen betrachtet.

       ”Wer sich der Hingabe schämt, wer die Hierarchie ablehnt, aus Furcht, seine Individualität einzubüßen, ist arm und sein Kelch ist leer.” Weiter heißt es: ”Wer ein leichtes Leben wünscht, täte besser, nicht zu leben. Wer bewußt Belohnung für seine Dienste verlangt, möge nicht an die Höhere Welt denken. Wer immer auf Wohlstand in der materiellen Welt bedacht ist, ist ein Bettler in der Höheren Welt.” Alle diese einfachen Wahrheiten sind schwachen Herzen und verkümmerten Gehirnen unzugänglich. Aber das erweiterte Bewußtsein und das flammende Herz freuen sich über jedes Hindernis zum Stählen der Klinge des Geistes. Es ist nicht das leichte Leben, sondern das angespannte Leben, gesättigt mit Schwierigkeiten, das Errungenschaften bringt; daher ist es so wichtig, zu lernen, Hindernisse liebzugewinnen und besonders im Dienste am Allgemeinwohl reine Freude zu empfinden.

* * *

       Ich glaube, Sie werden dem erwähnten Pfad streng folgen; daher freue ich mich über Ihre Jugend und Ihre Fähigkeiten. Sie werden imstande sein, Ihrem Vaterland viel Gutes zu bringen; und dabei sollten Sie nie vergessen, daß alles auf unerforschlichen Wegen vollbracht wird. Achten Sie wachsam auf die Ereignisse; die Wolken sammeln sich, aber irgendwo erscheint bereits das Leuchten des Morgenrotes!

       15. April 1936

       Ihre Überlegungen über Karma sind völlig richtig. Würden die Menschen über Karma weniger nachdenken und mehr auf die Reinheit und Vervollkommnung ihrer Gefühle und Gedanken bedacht sein, sie würden besser vorankommen. Die ständige Angst, neues Karma zu schaffen, ist an sich gefährlich, denn sie lähmt unsere Energie, die Aufspeicherung: die einzige Gewähr, dieses Karma zu bewältigen. Viele ungeheure Entstellungen können im Zusammenhang mit dem Verstehen von Karma beobachtet werden. Im Osten trifft man auf Fanatiker, die aus Angst, sie könnten ihr persönliches Karma belasten, wenn sie sich in das Karma des Nächsten einmischen, es ablehnen, ihm zu helfen. Oftmals sehen sie sogar zu, wie jemand ertrinkt oder im Feuer umkommt, ohne zu erkennen, daß gerade diese Verweigerung der Hilfe ihr Karma schwer belastet. Wer kann sagen, wann und wo wir alte Schulden abzahlen? Nur ein Archat weiß, wann und wo man sich nicht einmischen darf; aber wir sollten die helfende Hand reichen, wann immer unser Herz es gebietet. Gewiß, in allem muß Entsprechung geübt werden. Man soll sich aber nicht davor ängstigen, neues Karma zu schaffen, sondern in erster Linie um seine Qualität besorgt sein. Unbedeutendes Karma wird unbedeutende Möglichkeiten bringen, wohingegen Karma von großer Verantwortlichkeit, gerade weil es sehr mühsam ist, auch große Errungenschaften in der Zukunft bringt. Daher dürfen die Menschen den Taten und der Verantwortlichkeit nicht ausweichen, sondern sie sollten ihre Motive und Eigenschaften vervollkommnen.

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       Eine Runde ist bereits beendet. Laßt uns in die Zukunft streben. Jetzt werden neue und glorreiche Seiten der Geschichte geschrieben. Bitte erkennen Sie mit Ihrem Herzen, daß das Bewußtsein des Volkes für Gemeinschaftsarbeit erwacht. Für die Teilnahme am Aufbau, für neue Liebe zum Vaterland und für starken Wissensdurst gibt es viele schöne Zeichen. Beachten Sie diese Wegweiser. Wahrlich, es ist ein ”Palast unvergleichlicher Schönheit“ verheißen, und die Zeichen des Wohlstands bleiben stets über dem Land. So ist inmitten des Chaos der Zerstörung das Vorbestimmte gewährleistet, und vieles nimmt bereits die rechte Richtung ein. Die Ereignisse überstürzen sich. Seien Sie mutig und richten Sie Ihr Herz in Liebe und Vertrauen auf den großen Lehrer. Die Kräfte des Lichts werden alles zum Guten wenden. Die Wege sind unerforschlich.

* * *

       Sehr schön haben Sie darauf hingewiesen, daß die besseren Bedingungen der Menschheit nicht auf den Wechsel im Regierungssystem zurückzuführen sind, sondern auf die vor sich gehende Veränderung im menschlichen Denken (ich möchte es Vervollkommnung nennen!). Viele alte Begriffe können nicht mehr in den Wortschatz aufgenommen werden. Die Neue Welt erfordert neue Begriffe, neue Formen und neue Definitionen. Alle Ereignisse weisen klar auf die Evolutionsrichtung hin, und es bildet sich eine Solidarität von Mitarbeitern ohne Klassenunterschiede heran. Und das wichtigste Problem, dem die Menschheit jetzt gegenübersteht, ist eben die Synthese zwischen Geistigem und Materiellem, zwischen Individuellem und Universellem und zwischen privatem und öffentlichem Wohl. Erst wenn man die Einseitigkeit der beschränkten irdischen materiellen Experimente erkannt hat, wird man zur nächsten Stufe gelangen - zum Streben nach Einheit der materiellen mit der feinstofflichen Welt. Und die neuen Errungenschaften der Wissenschaft, die neuen Erforschungen und Entdeckungen der Gesetze der psychischen Energie fordern von der Menschheit nicht den Verzicht auf den ”Himmel“, sondern seine neue Offenbarung und rechtes Verstehen.

       Fürwahr, die Entdeckung des Gesetzes der psychischen Energie wird dazu beitragen, eine neue Lebensrichtung festzulegen, und dann wird die Einheit der Welten offenkundig. Wahrlich, die künftige Welt, die Höhere Welt naht in der Rüstung von Laboratoriumsstrahlen. In den Laboratorien werden die Vorteile der höheren Energie bestätigt werden, und dadurch wird nicht nur die Bestätigung der Überlegenheit der menschlichen Ausstrahlungen, verglichen mit anderen noch nicht erkannten Strahlen, sondern auch der Unterschied in der Qualität dieser Strahlungen offenkundig enthüllt. Auf diese Weise wird die Bedeutung der Geistigkeit unwiderlegbar veranschaulicht. Die Technik wird dem Geist untergeordnet, mit dem Ergebnis der Wahrnehmung höherer Gesetze und folglich der Erreichung höherer Ziele, die zur Umwandlung der ganzen materiellen Natur führen werden. Die umgewandelte Natur und der umgewandelte Geist der Menschen werden bessere Formen des Lebensaufbaus schaffen. Und erst dann wird das neu erweckte Streben zum Hierarchischen Prinzip richtig verstanden werden, einem Streben, das jetzt in einer Vorstellung von ”Führern“ seinen Ausdruck findet. Diesen ”Führern“ - den von der Masse gewählten Dienern - mangelt es jedoch gewöhnlich an Synthese, weil die Massen keine Synthese zulassen. Daher ist die Modetorheit des ”Führers“ ein Zerrbild der wahren Führerschaft. Der Führer, oder derjenige, der führt, muß ein Träger der geistigen Synthese sein.

       Schön sind die von Ihnen zitierten Worte: ”Nicht allein Unterordnung, sondern auch Macht und Führerschaft sollten als Dienst betrachtet werden, weil sie nur so zu rechtfertigen sind.” Fürwahr, die ganze Macht soll vor allem im Dienen bestehen. Macht ist Opfer. Und sobald die Führer der Zukunft vom Geist wahren Dienens erfüllt sind, naht eine neue Stufe evolutionären Lebensaufbaus. Die Führer werden dann im Einklang mit dem Kosmischen Magneten regieren, der das Band und die Vereinigung mit der Höheren Welt in der Seinsordnung darstellt.

       Unterstreichen Sie daher deutlich, daß der Charakter der künftigen Lebensordnung darauf beruht, daß die Menschen den Dienst am Allgemeinwohl erkennen. Nicht ich, sondern wir - darin liegt der Schlüssel künftiger Errungenschaft!

       Und jetzt einige Erläuterungen. Es gibt für gewöhnlich zwei Arten von Erwählten, d. h. aus zwei gegensätzlichen Welten. Der Erwählte der Höheren Welt bejaht, die Ausgeburt der Massen hingegen verneint und ist folglich unwirksam. Versuchen Sie, alle Erwartungen und Bestrebungen der Massen zusammenzutun - sie werden einen Haufen bunter Fetzen ergeben. Die Massen können ihre Wünsche noch nicht in Einklang bringen. Lesen Sie in diesem Zusammenhang die §§ 445, 446, 447 im III. Band der ”Feurigen Welt“.

       Das Herrschende Prinzip des Universums ist Harmonie und Liebe - Liebe ist ein Aspekt der Gottheit. Wollen wir daher das älteste Axiom ”Wie oben, so unten“ verkörpern, so müssen wir uns durch dieses Prinzip der Liebe vereinen und uns ihm unterordnen, es als unseren einzigen ungeschränkten Herrscher betrachten. Aber versuchen wir nichtsdestoweniger, die menschlichen Begriffe für den Aufbau des Universums anzuwenden, dann wird es eher ”Eidokratie“ (im platonischen Sinn als ”Muster“ oder Ideal und moralischer ”Prototyp“) oder Idealdemokratie sein, als eine Art eingeschränkter Monarchie. Sicherlich, da kein Organismus, kein Aufbau ohne das Hierarchische Prinzip bestehen kann, muß die himmlische Eidokratie auch ihre eigene Hierarchie haben, aber diese Hierarchie verliert sich in Unbegrenztheit.

       Die esoterische Wissenschaft stellt fest, daß die Welt von Kosmischer Vernunft regiert wird, die ein Aggregat jedweder Vernunft der Höchsten Hierarchien darstellt. Für dieses Prinzip ist sowohl der Begriff persönlich als auch der Begriff Macht völlig unpassend.

       In der Himmlischen Hierarchie gibt es unabänderliche Unterordnungen des Niederen unter das Höhere; darin besteht die Grundlage der Evolution. Lesen Sie aufmerksam die beiden Bände ”Unbegrenztheit“.

* * *

       Es ist nicht unbedingt notwendig, die Ausstrahlungen der Menschen zu sehen. Dies kann mittels Photographie erreicht werden. In der Tat, auf der irdischen Ebene ist es schwer, die menschliche Aura nach Belieben zu sehen, denn alles erfordert besondere Bedingungen. Es ist unmöglich, alle Bedingungen der Feinstofflichen Welt auf den irdischen Plan zu übertragen. Es wäre zudem unerträglich, plötzlich die Auren von allem, was uns umgibt, zu sehen.

* * *

       ”Manche Leute träumen davon, daß die Führer der Zukunft die Gedanken der Menschen, die mit ihnen Fühlung haben, werden lesen können und durch Hellhörigkeit nicht nur die Meinungen der ihnen nahestehenden Menschen hören, sondern auch die Meinungen derer, die weit von ihnen entfernt sind … Eine vollkommene Kenntnis der universellen Gesetze muß das wichtigste Kennzeichen künftiger Führer sein …”

       Es ist möglich, daß wir, nachdem unser Planet in die siebente Runde und die siebente Rasse eingetreten ist, solche Führer haben werden; in naher Zukunft jedoch uns mit viel bescheideneren Möglichkeiten zufriedengeben müssen. Selbst Buddha erhob den Pali Sutten zufolge nie den Anspruch auf Allwissenheit, wie sie seine Schüler und Anhänger ihm zuschrieben: ”Jene, die dir sagten, Vaccha, daß der Lehrer Gotama alles weiß, alles sieht, im Besitz unbegrenzter Kräfte der Voraussicht und des Wissens sei, und der sagt, ‚ob in Bewegung oder unbeweglich, wachend oder schlafend, immer und in allem herrscht Allwissendheit in ihm‘ -, diese Menschen sprechen nicht aus, was ich aussprach, trotz aller Wahrhaftigkeit klagen sie mich an.”

       Selbst ein vollkommener Archat kann in der irdischen Umgebung seine geistigen Errungenschaften nur anwenden, wenn er sich in einem bestimmten Zustand befindet. Das erklärt, warum sich die Großen Lehrer oft zurückziehen.

       Laßt uns daher in unseren Erwartungen von den Führern, Regierenden und Richtern der Zukunft bescheiden sein. Es ist schon außerordentlich, wenn sie ein gut entwickeltes Gefühlswissen besitzen, das ihnen hilft, das wahre Wesen jeder Arbeit und jedes Ereignisses richtig einzuschätzen, und wenn sie immer von der Stimme des Herzens geleitet werden - im Gleichklang mit der Vernunft. Wir bestätigen, daß die Perle der Stärke des künftigen Führers in seiner Verbindung mit der Hierarchie mittels psychischer Energie bestehen wird. Die psychische Energie ist der Schlüssel für alle Errungenschaften und zur Lösung aller Fragen, denn die psychische Sphäre berührt alle Seinsebenen.

       Es könnten aber dennoch einige konkrete Empfehlungen gegeben werden, indem man aufzeigt, daß die Justiz im Staate eine hohe Stufe des Edelmuts einnehmen muß. Die Richter sollten sich bemühen, die menschlichen Herzen zu erkennen. Andererseits könnte man aufzeigen, daß es notwendig ist, die Gesetze anzuwenden und die Gerichtsverfahren zu beschleunigen. Doch nichts ist fürchterlicher als tote Gesetze, denn im Kosmos ist jedes Gesetz primär zweckdienlich. Es gibt so viele Gesetze, als es Bewußtseinsstufen gibt.

       Es sollte auch kurz auf die Möglichkeiten hingewiesen werden, die sich der Menschheit bieten, sobald sie die Gesetze der psychischen Energie entdeckt und auch darauf, wie sehr diese Entdeckung der Zustände der Hilfe durch psychische Energie das ganze Leben erneuert, den Lebensablauf erleichtert und die kompliziertesten Probleme einer Lösung zuführt.

 

16. April 1936

       Ich habe Ihre Fragen durchgesehen und mir scheint, daß Sie meine Antworten nicht ganz befriedigen werden. Ich bitte Sie aber, nochmals zu erwägen, daß vieles nicht niedergeschrieben werden kann, denn die heilige Lehre hört in dem Augenblick auf eine solche zu sein, wenn sie in einem populären Stil der Sprache geschrieben wird.

       1. Vielen ist nicht nur der Schlüssel zu den Geheimnissen des Tierkreises verlorengegangen, sondern, aufrichtig gesagt, fast zu allen Geheimnissen des Seins. In der ”Geheimlehre“ heißt es, daß in diesem Werk der Schlüssel gegeben wurde, aber zur völligen Kenntnis muß er siebenmal umgedreht werden. Doch nach den Fragen zu schließen, die von manchen Menschen gestellt werden, nachdem sie die ”Geheimlehre“ gelesen haben, ist es ihnen kaum gelungen, den Schlüssel einmal umzudrehen. Die Kenntnis aller sieben Schlüssel besitzt nur der Archat. Aber bereits die zweite Umdrehung des Schlüssels gehört zum esoterischen Wissen und muß vom Schüler selbst entdeckt werden. Alles sollte selbständig erreicht werden; und hilft einem Schüler die Intuition, die Wahrheit zu finden, so muß sie der Lehrer bestätigen. So ist die Regel.

       2. Ob ich den Artikel ”Wie die Sonnenenergie anzuwenden ist“ gutheiße? Der Artikel ist an sich interessant und enthält viele richtige Mitteilungen. Es ist wahr, daß der moderne Mensch verlernt hat, richtig zu atmen. So werden bestimmte Übungen rhythmischen Atmens, vorausgesetzt in reiner Luft, nur nützen. Jedoch solche Übungen zu veröffentlichen, bedeutet insofern eine Gefahr, als unwissende Menschen sie übertreiben, und dies kann eine Blutzufuhr zu einem bestimmten Zentrum bewirken, das sich manchmal in einem kranken Organ befindet und dadurch seinen Zustand radikal verschlechtert. Bei allen mechanischen Übungen muß der Blutdruck sorgfältig reguliert werden, denn eine unausgeglichene Spannung bereitet viele Unannehmlichkeiten. Es ist eine Tatsache, daß sich die Yogis, um der Gefahr zu starken Blutdrucks auszuweichen, dem unweigerlich das Öffnen der Zentren folgt, aus übervölkerten Ortschaften in die Berge zurückziehen und in großer Höhe verweilen. So ist das Öffnen der Zentren von großen Gefahren begleitet und kann nicht ohne langwierige Vorbereitung des Organismus erfolgen. In der Tat, manchmal ist es sogar erforderlich, eine Blutabnahme vorzunehmen; dies ist allerdings nur möglich, wenn der Schüler unter besonderer Beobachtung des Lehrers steht, der den inneren Prozeßablauf des Schülers kennt.

       Da ich alle diese Gefahren kenne, bin ich gegen alle verlockenden Anweisungen, die versprechen, daß man durch mechanische Übungen ein Übermensch werden kann! In der Tat, unwissende Menschen werden von diesen Methoden angezogen, und oftmals erwecken sie dadurch ihre schlummernden medialen Fähigkeiten oder den niederen Psychismus. Geistigkeit wird nie durch irgendwelche mechanische Methoden erreicht. So werden viele durch mechanische Übungen zum Opfer verschiedener Besitzergreifer unterschiedlichen Kalibers. Gegenwärtig ist nicht nur im Westen, sondern auch im Osten der Büchermarkt mit billigen Büchern, die propagieren, wie man seine verborgenen Kräfte entfalten kann, überflutet. Aber nicht eine dieser schädlichen Veröffentlichungen weist gleichzeitig auf die Gefahr hin, die durch diese angepriesenen Methoden heraufbeschworen werden. Es ist daher ein großer Schaden, wenn der Autor des mir zugesandten guten Artikels nicht auf die notwendige Vorsicht hinweist.

       3. Wenn Synarchie von den besten Geistern, die über geistige Synthese verfügten, als Mitregentschaft verstanden wird, wer kann dagegen sein? Die Universelle synarchische Vereinigung wird in den höheren Welten verwirklicht.

       4. Was ist Tactica adversa? Bevor die Hohen Geister einen bestimmten Plan ausführen, fassen sie alle Möglichkeiten, selbst die schlechtesten Umstände und Bedingungen, ins Auge, mit denen sie zu tun haben könnten. So wenn beide: der aktive böse Wille und der schwankende freie Wille der ”Leuchtkäfer“ oder der ”Lauen“ in Erwägung gezogen werden, kann es keinen Mißerfolg geben. Der Plan wird dann unter allen Umständen risikolos verwirklicht. Wenn die Bösen und die Finsteren glauben, ein Gefängnis zu schaffen, so bauen sie in Wirklichkeit einen Tempel. Wahrlich, die Dschins bauen Tempel. So können wir sagen - Lob den Feinden.

       5. Sie erkennen natürlich, daß es besondere Gründe geben muß, warum in einigen Paragraphen der LEHRE nur die Anfangsbuchstaben bestimmter Namen angeführt sind. Doch um Sie nicht ganz zu enttäuschen, kann ich Ihnen sagen, daß S. G. die Initialen von Saint Germain sind, und L. von Ludwig XVI. Die anderen kann ich nicht preisgeben.

       6. Die Internationale Regierung ist die Unsichtbare Regierung der Hierarchie des Lichts - die Jakobsleiter.

       7. Die Schwingen Alaya: Alaya, die Weltseele, ist in ihrem mystischen Sinn mit Akasha und ihrem Wesen nach mit Mulaprakriti identisch, denn es ist die Wurzel aller Dinge. Jede individuelle Seele stimmt mit der Weltseele überein.

       Damit dürfte ich Ihre Fragen soweit beantwortet haben, daß sie der Post anvertraut werden können. Wenn es Ihnen nicht zuviel Mühe macht, würde ich gerne einige Gedanken Ihrer Arbeit kennenlernen, denn dies wird mir den Schlüssel zum besseren Verstehen Ihres Bewußtseins geben, und ich kann in Zukunft die Antwort auf Ihre Fragen besser abstimmen.

       Das Bewußtsein wächst, und die Fragen des Geistes und des Herzens mehren sich. Ungeachtet der Angriffe von seiten der alten und überholten Bewußtseine bahnt sich ein neues Begreifen seinen Weg. Alle Dämme können diesen Strom nur vorübergehend aufhalten, und um so mächtiger wird sein Durchbruch sein. Alles im Kosmos lebt und verändert sich. Die Grundlage und das Wesen des Bewußtseins sind ewige Bewegung. Diesem Prinzip der Bewegung folgend, strebt die Neue Welt im Einklang mit dem Kosmischen Magneten, der auf Grund der Gebote des Seins den Weg weist.

       17. April 1936

       Obwohl mich Ihre Wachsamkeit beeindruckt, muß ich dennoch sagen, daß die Verteidigung der LEHRE nicht durch Kritik oder Verurteilung der anderen zum Ausdruck kommen sollte, sondern vor allem durch Anwendung der Vermächtnisse im eigenen persönlichen Leben. Fast immer werden die beste Verteidigung und die stärkste Überzeugungskraft durch anschauliche Beispiele erbracht. Daher ist die Kritik am Artikel ”Der Sonnenpfad“ unbegründet. Sie sagen, daß der ”Sonnenpfad“ vom Autor als ein ”Pfad der Verneinung“ dargestellt wird, aber ich habe von diesem Artikel wirklich nicht diesen Eindruck gewonnen. Nach dem allgemeinen Sinn des Artikels wird der Verneinung ein positiver Aspekt gegeben. Alle Behauptungen sind nach der östlichen Vorstellung angeführt, die die wahre Realität nur in Brahman sieht und die ganze offenbarte Welt von einem negativen Aspekt als Maja betrachtet, als etwas Vergängliches, was wirkliches Sein darstellt. Gleicherweise gibt der Autor im zweiten Paragraphen auf Seite 10 nur östliches Denken wieder, nämlich, daß die ganze Welt nichts anderes ist als das Spiel der Göttlichen Mutter, oder - wie die Buddhisten sagen - der Große Strom. Sie sind empört über die Behauptung ”Der Sonnenpfad negiert Zeit, Raum usw. …” Jedoch bei erweitertem Bewußtsein erlangen Zeit und Raum eine gänzlich andere Bedeutung und Dimension. Allgemeine irdische Dimensionen sind dort, wo die Einheit der Welten stattfand, nicht anwendbar. Außerdem entspricht das Gesagte völlig den Worten der LEHRE, ”daß zwischen vereinten Bewußtseinen und Herzen weder Zeit noch Raum bestehen”. Wer von den wirklich geistigen Menschen hat wohl nicht diese transzendentale Wahrheit erfahren und ist so nicht damit vertraut!

       Ebenso wird vom Autor die HIERARCHIE nicht verneint. Sagt er nicht auf Seite 9: ”Daher, wer ihm (dem Sonnenpfad) immer mit gleicher Liebe und Verehrung folgt, umfaßt alles, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, bekannte und unbekannte kosmische Sonnenmitarbeiter und Schöpfer des Allgemeinwohls - immer wird er vor ihnen stehen, erkennend, daß auch er einmal in ihre Reihen treten wird …”

       In Wahrheit ist es so: Wer sie liebt und verehrt und sie alle umfaßt, die Schöpfer des Allgemeinwohls, der anerkennt auch die HIERARCHIE DES LICHTS.

       Es ist auch richtig, daß der, der in seinem Herzen Liebe und Verehrung hegt, keine Schule benötigt (wie sie jetzt besteht), denn fürwahr, die Großen Brüder offenbaren dem sich nahenden Bruder den Sinn der Lebenserscheinungen und lehren ihn, die Bücher der Großen Mutter Natur zu lesen. Die den Honig sammelnden Bienen sind von alters her das Symbol der Schülerschaft.

       Und weiter: ”Der Sonnenpfad kennt keine Führung, die, außer der inneren Führung, seinen göttlichen Geist rettet.” Aber alle östlichen Lehren, einschließlich der LEBENDIGEN ETHIK, lehren uns, mit allen Mitteln unser Gefühlswissen zu entfalten, weil es anders keinen Fortschritt gibt. In der Tat, die Höhere Führung besteht nicht in fortgesetzten Befehlen, sondern in Hinweisen, im besorgten Führen des Bewußtseins zu den gegebenen Meilensteinen, so daß die selbständige Errungenschaft, die allein Wert besitzt, nicht verletzt wird. Und falls der Schüler dafür zugänglich ist, entzündet die unsichtbare Berührung des Geistes die Feuer in ihm. Alles beruht auf gegenseitiger Hilfe und Zusammenarbeit. So fügt der Autor dieses Artikels hinzu: ”Das Prinzip gegenseitiger Hilfe bereichert jene, die es befolgen, und daher ist jedem die sichtbare und unsichtbare Hilfe aller gewiß …”.

       Kann das Prinzip der Höheren Führerschaft klarer zum Ausdruck kommen als hier? ”Der Sonnenpfad kennt keine Organisationen und Gesellschaften …”, das heißt, daß der Pfad der Wahrheit, der höhere Pfad, über alle Organisationen und Gesellschaften hinweg besteht, da er alle Sucher des Allgemeinwohls einbezieht, alle jene, die das Höhere Dienen erwählt haben - so schließt er Beschränkungen und Fanatismus aus.

       Und weiter: ”Der Sonnenpfad vereint alle jene, die ihm folgen, unsichtbar zu einer Bruderschaft”. ”Unsichtbar“ im Geiste ist fürwahr eine sehr genaue Definition. Ebenso wahr ist, daß ”nur ein individuelles Bewußtsein es ermessen kann”.

       Wer somit diesen Artikel nicht versteht, der versteht auch die Grundlagen der östlichen Lehren nicht, aus denen der ganze westliche Okkultismus entsprungen ist. Freilich, eine Besonderheit dieser okkulten oder esoterischen Lehren ist, daß man, um sie zu verstehen, entweder reich an Erfahrung aus der Vergangenheit sein oder die Geschichte menschlichen Denkens ernsthaft studieren und sich zu eigen machen muß.

       Und nun über den Artikel über Vivekananda. Sie kritisieren Vivekananda wegen seiner scheinbaren Anerkennung des Erwerbs von Wohlstand, vergessen aber, daß er auf derselben Seite von der Pflicht des Hausherrn als Baumeister des Lebens spricht, und nicht zum Einsiedler oder geistigen Lehrer. Jede Lebenslage hat ihre eigene Verpflichtung oder Pflicht und Verantwortung; und es ist kaum möglich, die Maße eines geistigen Lehrers für einen Baumeister des Lebens anzuwenden. Vergleichbarkeit und Zweckmäßigkeit sind kosmische Gesetze, und werden sie verletzt, entsteht Chaos. Darüber hinaus schlägt Vivekananda vor, zuerst auf den Erwerb von Wissen und erst hernach auf Wohlstand bedacht zu sein. Der ganze Sinn liegt in dem Wort ”hernach“. Mit Wissen, wie es der Inder versteht, gereicht der Wohlstand zum Segen, denn er dient nicht allein dem persönlichen Zweck, sondern dem Allgemeinwohl. Lernen Sie, mit einem vom Herzen erleuchteten Bewußtsein zu lesen. Der tote Buchstabe tötet den Geist!

       Ich möchte hier ein Gleichnis aus dem Leben Buddhas bringen:

       ”Anathapindika war ein Mann von unschätzbarem Wohlstand, genannt ”Helfer der Waisen und Freund der Armen”, der kam, um Buddha um Rat zu fragen.

       Als Anathapindika vernahm, daß Buddha sich im Bamboo-Hain nahe Rajagriha aufhielt, begab er sich noch in derselben Nacht auf die Reise, um dem Gesegneten zu begegnen. Und der Gesegnete gewahrte sogleich das reine Herz des Anathapindika und begrüßte ihn mit erquickenden Worten.

       Anathapindika sagte: ”Ich sehe, du bist Buddha, der Gesegnete, und ich möchte dir mein ganzes Gemüt öffnen. Sobald du meinen Worten gelauscht hast, rate mir, was ich tun soll. Mein Leben ist ausgefüllt mit Arbeit, aber nachdem ich großen Wohlstand erwarb, bin ich in Besorgnis. Doch meine Arbeit erfreut mich und ich bin mit größtem Fleiß dabei. Ich beschäftige viele Menschen, die vom Erfolg meiner Unternehmen abhängig sind.

       Nun, ich vernahm, daß deine Schüler den Segen des Einsiedlers preisen und die Unrast der Welt verurteilen. ”Der Heilige”, sagen sie, ”hat sein Königreich, sein Erbe aufgegeben und fand den Pfad der Rechtschaffenheit, er gibt der Welt ein Beispiel, wie Nirwana erreicht werden kann.”

       Mein Herz dürstet danach, Rechtes zu tun und ein Segen für meine Mitmenschen zu sein. Laß mich dich also fragen, ob ich meinen Wohlstand, mein Heim, meine Geschäftsunternehmen aufgeben muß wie du, um den Segen eines rechtschaffenen Lebens zu erlangen?”

       Buddha antwortete: ”Der Segen der Rechtschaffenheit ist für jeden, der den edlen achtfachen Pfad wandelt, erreichbar. Wer dem Wohlstand verhaftet ist, täte besser, ihn aufzugeben, als zuzulassen, daß sein Herz vergiftet wird; aber wer dem Wohlstand nicht verhaftet ist und seine Reichtümer rechtschaffen nutzt, wird für seine Mitmenschen ein Segen sein.

       Ich sage dir, bleibe in deiner Lebenslage und wende deinen Fleiß für deine Unternehmen auf. Es ist nicht das Leben, der Wohlstand oder die Macht, was den Menschen versklavt, sondern das Haften am Leben, am Wohlstand, an der Macht.

       Der Bikshu, der die Welt verläßt, um ein müßiges Leben zu führen, wird keinen Nutzen davon haben. Denn ein Leben in Trägheit ist zu verabscheuen und Energiemangel zu verachten. Das Dharma des Tathagata fordert von keinem Menschen, daß er sein Heim verläßt oder die Welt aufgibt, sofern er nicht den Ruf dazu vernimmt; aber das Dharma des Tathagata verlangt von jedem Menschen, sich von der Illusion des Selbst zu befreien, sein Herz zu läutern, den Durst nach Vergnügungen zu bezwingen und ein rechtschaffenes Leben zu führen.

       Und was immer die Menschen tun, ob sie als Handwerker, Kaufleute oder Offiziere des Königs in der Welt verbleiben oder sich aus der Welt zurückziehen und sich einem Leben religiöser Sammlung hingeben - sie mögen ihr ganzes Herz in ihre Aufgabe legen, sie mögen fleißig und tatkräftig sein. Und wenn sie wie der Lotos sind, der im Wasser wächst, aber vom Wasser unberührt bleibt; wenn sie im Leben kämpfen, ohne Neid und Haß zu hegen; wenn sie in der Welt ein Leben für die Wahrheit führen und nicht für sich - wahrlich, dann wird Freude, Frieden und Segen in ihren Gemütern weilen.”

       In gleicher Weise ist der Artikel von Vivekananda vom Geist der Zweckmäßigkeit in allem durchdrungen.

* * *

       Man sollte sich nicht zu sehr über die Anfänger grämen. Sie werden straucheln, denn dieses Straucheln ist unvermeidlich, auch auf den nächstfolgenden Stufen. Eines sollte allerdings beachtet werden - vermeiden Sie in allem das Haften am toten Buchstaben und einseitiges Urteil. Seien Sie vorsichtig gegenüber bestimmten Schmerzen und denken Sie nicht, daß es unbedingt heilige Schmerzen sein müssen. Sie sind noch zu jung für die heiligen Schmerzen. Darüber hinaus ist für solche Schmerzen die Stadtatmosphäre sehr ungünstig. Daher bitte ich Sie, achten Sie auf Ihre Gesundheit. Zur Zeit müssen die Krieger des Lichts Tag und Nacht kämpfen, denn das Harmagedon ist fürchterlich. Seien Sie vorsichtig und hüten Sie sich vor Übertreibung, denn sie führt zu nichts als zum Ruin Ihrer Gesundheit. Geistigkeit kann nur durch Reinigung des Denkens erreicht werden sowie durch Arbeit. Streben Sie auf diesem höchsten und kürzesten Pfad.

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       Die Ereignisse häufen sich und alles beschleunigt sich demgemäß. Judasse, Cassiusse und Brutusse in modernen Gestalten sind auf dem Pfad des Lichts unvermeidlich. Keine Lehre ist je ins Leben eingegangen, ohne von den finsteren Horden angegriffen zu werden, und das gleiche findet heute statt. Wahrlich, die Finsteren dienen damit nur jedem Werk des Lichts; erkennen wir daher den Wert der Hindernisse sowie der Verleumdung. Vor langem schrieb N. K. einen Artikel ”Lob den Feinden“. Jeder Verrat gibt allen treuen Mitarbeitern und Freunden Gelegenheit, sich enger zusammenzuschließen. Es wird alle Arten von Tätigkeit geben, bis zu Verrat, jedoch auf der irdischen Ebene sind solche Erscheinungen notwendig. Der Sieg des Lichts über die Finsternis muß offenbar werden.

       Ich denke an eine sehr treffende Bemerkung eines Zeitgenossen von H. P. Blawatsky. Trotz allem, was über H. P. B. geschrieben wurde, ließ sie sich nie durch Verleumdung beirren, denn sie kannte den Wert des Trommelfells. Mögen die Trommeln schlagen. In der Lehre gibt es genug Erklärungen über Verleumdung. Ängstigen wir uns nicht!

       Doch ich muß Ihnen offen gestehen, daß mich die von Ihnen erwähnte feindliche Einstellung bestimmter Menschen überrascht. Gewiß ist, auf Bosheit kann nichts aufgebaut werden. Wo immer es Bosheit und Haß gibt, da gibt es tödliche Zersetzung. Man fühlt sich geneigt zu fragen: ”Warum sich durch blutigen Nebel von Bosheit blenden lassen?” Dadurch können Sie viele nützliche Gelegenheiten übersehen. Doch Gott stehe Ihnen bei! Was uns betrifft, so wollen wir unser Werk strahlend und freudvoll fortsetzen, denn während die Verleumdung zunimmt, füllen sich die Reihen der Freunde durch neue, wertvolle Mitarbeiter. Nie zuvor erhielten wir so viele und so feurige Briefe von unseren Freunden, und oft von ganz unbekannten Menschen. Alles geschieht auf unerforschlichen Wegen. Das lange vorausgesagte Jahr begann mit Donner und Blitz. Aber nach einem Gewittersturm ist die Atmosphäre gereinigt.

       Ich will diesen Brief mit dem Ausspruch des Buddhisten Anguttara Nikaya beenden: ”Krieger, Krieger nennen wir uns, denn wahrlich, wir kämpfen für erhabene Tugend, für hohes Streben, für die höchste Weisheit. Daher nennen wir uns Krieger”.

       2. April 1936

       Die von Ihnen zum Ausdruck gebrachten Gedanken über das Symbol des „Kelches Amrita“ - des Kelches der Schönheit und der Heldentat, des Kelches des Heiligen Grals - sind sehr schön und völlig richtig. Auch die Legende über den Kelch - den Gral - kommt vom Osten als eine der Versionen großer geistiger Heldentat und derselben mysteriösen Schambhala. Mehrfach sahen einige Forscher des Symbolismus im Zusammenhang mit dem Gral in diesem Kelch den Stein, der sich gegenwärtig in der Welt befindet und historische Ereignisse begleitet; hernach soll er, so ist es vorgesehen, dem Herzen Asiens zurückgegeben werden. Auch diese Auslegung kommt der Wahrheit nahe. Jedenfalls, der Kelch selbst existiert und ist vor Beginn der neuen Ära dorthin entsandt worden, wo die Lehre Kalachakra bestätigt werden soll. Über den Kelch gibt es viele Legenden. Eine davon besagt, daß er immer unerwartet und durch die Luft kommt. So ist er seinerzeit dem Herrscher Buddha überbracht worden. Der Kelch ist ägyptischen Ursprungs, und seine Vorzeit geht zurück bis 12.000 Jahre v. Chr. Nach dem Tod Buddhas befand er sich eine Zeitlang in einem Tempel in Kara Shar, wo er verschwand, und seither wurde er in Schambhala aufbewahrt. Allen Legenden zufolge wird dieser Kelch vor der Neuen Ära Maitreyas wieder erscheinen.

       Die Schlange, die sich um den Kelch windet, stellt auch einen Gürtel dar. Wie Sie wissen, wurde im Altertum der Gürtel als Zeichen der Würde betrachtet, als Macht und größte Vertrauenswürdigkeit - sogar mehr als der Ring. So können wir diesem Symbol sowohl kosmische Bedeutung als auch praktische Anwendung beimessen: Das Bündnis der Zeiten, der Große Advent, die Epoche des Feuers und der Erneuerung des Geistes, der Weisheit und der Synthese, der Kelch der Heldentat und Unsterblichkeit, die Zeichen Höchsten Vertrauens, dazu der Ruf, der sich in Purpur, die Farbe des Mutes, kleidet.

       Ihre Gedanken über die Weltsymphonie sind ebenfalls ausgezeichnet. Wahrlich, jeder Geist erklingt in seinem Ton, und der Schönheit dieser Töne kommt nichts gleich. Wer die Sphärenmusik vernahm, hat das Recht, mit den Worten der LEHRE zu sagen: ”Der frühere Gesang wird zum Lärm des Rades”.

       Natürlich, es ist richtig, daß der ursprüngliche Aspekt der Manifestation das Göttliche Beben im Schoße der Großen Mutter ist. Beben oder Schwingung ist zugleich Licht, denn Licht ist die Bewegung der Materie und es bildet Formen. ”Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott … in Ihm war Leben; und das Leben war das Licht der Menschen.” Dieser Ausspruch enthält die ganze Tiefe des heiligen Wissens.

       Sie fragen, ob der Hinweis auf die Erscheinung Christi in Wirklichkeit in geringeren Vorstellungen zu verstehen ist. Gewiß. Das Mittelalter machte aus Christus ein unzugängliches Idol und beraubte ihn jedweder Menschlichkeit, und daher auch der Göttlichkeit. So verkünden alle Lehren des Ostens, daß es keinen Gott gibt oder keine Götter, die nicht einmal Mensch waren. Solch eine gewaltsame Trennung Christi vom menschlichen Wesen war und ist immer noch die Gefahr, die menschliche Verbindung mit der Höheren Welt zu trennen. Man kann verfolgen, wie im Mittelalter hier und da große Heilige in Erscheinung traten, die diese fast verlorengegangene Verbindung wieder aufzurichten suchten, und sie alle bestanden gerade auf dem menschlichen Wesen Christi. Besonders überzeugende Bestätigungen finden sich in den Ausführungen der Biographie der Heiligen Therese, der spanischen Heiligen des 16. Jahrhunderts, und noch früher in den Visionen und Schriften der Heiligen Katharina von Siena sowie der der Heiligen Gertrud. So entsprechen Form und Eigenschaft der Visionen sowie die Bindung durch solche Vereinigung immer der Bewußtseinshöhe jener, die sie sehen und empfangen wie auch den Nöten der Zeit. Wie es heißt: ”Gerade durch Erkennen des Wesens der Visionen kann die beste Geistesgeschichte geschrieben werden.”

       Ich empfehle sehr, daß alle die Autobiographie der Heiligen Therese lesen. Ungeachtet dessen, daß dieses Werk durch die ”geistige“ Zensur der Kirche ging, sind einige bemerkenswerte Seiten erhalten geblieben. Durch Verkündigung des Dogmas von Jesus Christus als alleinigen Sohnes Gottes widerspricht die Kirche sehr dem uns von Jesus Christus gegebenen Gebet: ”Vater unser, der Du bist im Himmel …” und auch den Worten der Heiligen Schrift: ”So schuf Gott den Menschen nach seinem Ebenbild …” (Genesis 1:27).

       So hat die Kirche durch Verkünden der alleinigen Sohnschaft und des göttlichen Ursprungs Christi ihn durch diese Verkündigung für immer von der Menschheit getrennt. Daher rührt eine ganze Reihe ernster Ereignisse: die Ausschließung Jesu Christi vom Leben der Menschheit, das Verwischen dieses menschlichen Opfers und die schreckliche Vorstellung, daß der Kreuzestod Christi die Menschheit von der Erbsünde und allen nachfolgenden Sünden befreie. So, wie es Merezhovski in einem Buch ”Jesus der Unbekannte“ ausdrückt: ”Er wandelt wie ein Trugbild auf der Erde, während sein Körper in der Kirche an herkömmlichen Figuren gefangen ist. Wir müssen seinen Körper in der Welt finden, und der in den Kirchen Gefangene muß freigesetzt werden”.

       Sie fragen, ob die Tränen der inneren Erhebung beim Lesen der Lehre ein Zeichen von Psychismus sind. Gewiß, aber die vom Herzen kommende Begeisterung über die LEHRE kann nicht als eine Erscheinung niederen Psychismus betrachtet werden.

       Doch man muß sich selbst beobachten, denn man kann sich solchen süßen Gefühlen derart hingeben, daß man unmerklich die Beherrschung seiner Sinne verliert und dadurch der Arbeitsunfähigkeit erliegt. Es gab solche Fälle, und daher weisen alle Lehrer auf das unerläßliche Gleichgewicht sowie auf die völlige Beherrschung der Gefühle hin. Es gab eine Zeit, wo auch ich in den Erhebungen des Geistes verweilte und die Mysterien der Kosmogonie erkennen wollte. Und dann wurde ich an die derzeitige ernste Zeit erinnert: ”Wieder habt ihr die Schlacht vergessen; wenn der Feind angreift, sitzt niemand in der Schule …” (Blätter des Gartens MORYA I, § 112). So wurde ich von meinen Erhebungen zur Erde und zu den irdischen Tätigkeiten zurückgerufen. Es wurde mir gelehrt, selbst an der mühsamsten Routinearbeit Freude zu finden und jede Aufgabe am Altar des Dienens der Liebe darzubringen. Alle Krieger des Lichts fühlen sich vor allem vom ”Buch des Opfers“ angesprochen. Die Erhebungen des Geistes sind sehr schön, doch wir müssen auf der Hut sein, daß sie unsere Energie nicht schwächen, sondern stärken. Die Zeit wird kommen, wo es möglich sein wird, sich der Erhebung des Geistes hinzugeben, aber jetzt ist die Zeit bedrohlich; und alle, die im Großen Dienst stehen, werden aufgerufen, ihre Rüstung anzulegen, denn es ist eine nie dagewesene Schlacht im Gange!

       ”Die Zeit der Tat hat eben begonnen. Begreife Hingabe. Treue und Mut, Ich werde Dich mit einem Helm der Treue schützen, einem Panzer der Hingabe und einem Schild des Sieges. Und auf dem Banner wird geschrieben stehen: ”Liebe der Siegerin”.”

       Derzeit werden alle jene Yogis, die Samadhi zu erreichen suchen, von den Großen Lehrern als Deserteure bezeichnet.

* * *

       Sie fragen, wie die Worte aus dem Buch ”Blätter des Gartens MORYA“ (§ 301): ”Doch die Tochter der Welt und die MUTTER DER WELT werden die Teile des Gewandes wieder zusammenfügen” zu verstehen sind. Wirklich, sie können auch so verstanden werden, wie Sie sie auslegen, denn es ist wahr, daß in der kommenden sechsten Rasse das Gewebe des physischen Körpers mehr verfeinert, verdünnt sein und sich dem verdichteten Astralkörper, d. h. figürlich, anpassen wird. Es ist interessant festzustellen, daß auf diesen Prozeß der Verfeinerung oder Dematerialisation des physischen Körpers bereits in der ältesten chinesischen Medizin hingewiesen wurde. Dabei spielte die sogenannte Asketik eine große Rolle, doch wie alles Erzwungene brachte sie nicht die gewünschten Ergebnisse.

       24. April 1936

       Zuerst möchte ich Ihren letzten Brief beantworten, denn Sie haben eine bestimmte Frage berührt, die geklärt werden sollte, damit sie nicht zu einem Hindernis auf Ihrem Pfade wird.

       Wenn meine Erklärungen nicht ausreichen, schreiben Sie mir, und ich will versuchen, sie zu vertiefen. Doch jetzt appelliere ich an Ihr Herz und frage Sie, könnten Sie es ertragen, feine junge Seelen und sogar Ihre Lieben in eine große Gefahr zu bringen? Sie wissen, daß die Aufgabe der Bücher der LEBENDIGEN ETHIK darin besteht, das Bewußtsein auf jede Weise zu erweitern, und daher ist bereits im ersten Buch ”Der Ruf“ die Grundlage für diese Aufgabe niedergelegt. In kurzen Formeln ist in diesem Buch alles gesagt und dargelegt. Ich schlage vor, daß Sie es erneut aufmerksam lesen, vor allem die §§ 224 bis 230.

       Die Neue Welt naht, und sie kann nur von einem neuen Bewußtsein aufgenommen werden. Zerstörung und ruchlose Verneinung großer Begriffe sind abscheulich, denn sie entspringen dem Chaos und der Unwissenheit. Aber da es keine Wirkungen ohne Ursache gibt, so laßt uns zurückschauen und uns ernsthaft und ohne Vorurteil die geschichtlichen Berichte ins Gedächtnis rufen und sie erforschen. Selbst wenn sie von irdischen Geistern verfaßt wurden, kann es sein, daß ein erleuchtetes Bewußtsein sie zu erklären vermag.

       Zu Recht sind Sie über die Formel der Jesuiten ”Der Zweck heiligt die Mittel“ empört. Diese Formel ist vor allem fürchterlich, weil jene, die sie gelten lassen zur Erlangung von rein persönlichen und habsüchtigen Zielen, die abstoßendsten Mittel gebrauchen. Aber jede Lehre, auch die christliche, rechtfertigte eine heilige Geheimhaltung, wenn sie zum Schutze heiliger Dinge, zur Rettung des Nächsten oder für das Allgemeinwohl erforderlich war. Woher kam der Esoterizismus aller Lehren? Immer ist jede neue Enthüllung der Wahrheit, jede neue Entdeckung der Wissenschaft von unwissenden Geistern geheimgehalten worden. Denken wir an den Schrecken der Inquisition, an alle Kriege, die durch neue Offenbarungen ausgelöst wurden! Woher stammten jene äußerst komplexe Symbole in den Werken der Propheten und der großen wissenschaftlich Schaffenden, über die Unwissende noch höhnisch lächeln, die aber nichtsdestoweniger höchstes Erstaunen und tiefe Bewunderung in jenen erwecken, die, wenngleich nur zum Teil, ihren tiefen Sinn erkannten? Zum Leidwesen der Menschheit ist der Schlüssel für vieles verlorengegangen, und nur seltenste Geister finden ihn und können ihn wenigstens ein oder zweimal umdrehen. Ich glaube, daß es zur Zeit niemanden auf der Erde gibt, der fähig wäre, diesen Schlüssel siebenmal umzudrehen. Dieses Geheimnis ist im Bollwerk des Wissens verborgen.

       Wenn im Mittelalter die Akasha der Alchemisten durch das Bildnis der Himmlischen Jungfrau personifiziert wurde und Jehova und andere Heilige die Geheimnisse des Aufbaus des menschlichen Gehirns und des Organismus hüteten, so erfordern moderne Zeiten andere Bildnisse und Verschleierungen. Das Leben ist kompliziert, und nur wer seine ganze Komplexität begreift, kann das Wissen aufnehmen.

       So stieß und stößt immer wieder jeder neue evolutionäre Gedanke, der die Richtung einer kommenden Epoche aufzeigt, auf fürchterlichen Widerstand von Menschen, deren Bewußtsein verdunkelt und unbeweglich ist, und daher kommt der ganze Schrecken widerlicher Ausschreitungen.

       Wird daher etwas gegeben, was auf das Allgemeinwohl ausgerichtet ist, so muß die ganze Weite des erleuchteten Bewußtseins wirksam werden. Die Denker sind immer verfolgt worden, doch jeder dieser Denker ist ein Brennpunkt, in dem sich die den Raum erfüllenden Gedanken sammeln und in einem zeitgenössischen Gewande wiedergegeben werden. Denker sind die Seher der Zukunft. Aus den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK wissen wir, wie fürchterlich ein statisches Bewußtsein ist; wahrlich, es führt zum Verfall, und wie es heißt, können die schrecklichen Kataklysmen und Erdbeben mit der Katastrophe eines verfallenden Bewußtseins nicht verglichen werden.

       So denken Sie an alle Ursachen, welche die Wirkungen auslösten, die die ganze Welt in Schrecken versetzten. Versuchen Sie, jede Erscheinung von allen Gesichtspunkten her zu erforschen und hüten Sie sich vor einseitiger und voreingenommener Beurteilung, sei es von Personen oder anderen Ereignissen des Lebens.

* * *

       Der silberne Lotos ist im Herzen zu finden, und manchmal kann man ihn in seinem Inneren sehen. Bedenken Sie, daß in uns alle Feuer und Ringe der Zentren gesehen werden können, und zwar an der Stelle, wo dieses oder jenes Zentrum eben entflammt ist. Manchmal können feurige Ringe, Reifen oder Sonnenräder gesehen werden - und manchmal eine Flamme, aber dies alles ist meistens in uns.

       Der silberne Lotos kann sogar größer sein als eine Blume, und es ist, als ob die Feuerzungen Blumenblätter bildeten.

* * *

       Lassen Sie das Herz sprechen; es möge aber nicht wagen, gegen das reine und unzugängliche Hohe zu lästern! Der wahre Schüler vertraut der Führenden Hand, und selbst die beeindruckendste Augenscheinlichkeit kann ihn nicht verwirren, denn er weiß!

       29. Mai 1936

       Ich sende Ihnen mein ganzes Vertrauen, damit Sie das geistige Erbe von F. D. annehmen und ein Symbol - den Führer des Herzens - verkörpern. Mögen alle, die Licht suchen und mit Kummer beladen sind, in Ihrem Herzen Antwort finden; und mögen alle, die sich unter Ihrer Führung versammelt haben, jene herzliche Sympathie spüren, die wärmt, trotz ernster Kritik. In der Tat, die schwerste Kunst ist, die rechte Beziehung zwischen den Menschen zu schaffen. Keine andere Kunst erfordert so viel Ausdauer, Toleranz und Feinfühligkeit. Man muß es lernen, sich in die Bewußtseine, die Herzen und Stimmungen aller jener zu versetzen, die uns umgeben und zu uns kommen; es muß der fundamentale Grundton gefunden werden, der uns mit ihnen und sie mit anderen vereint.

       Ruht jedoch der große Magnet der Liebe im Herzen, dann kann alles leichter geschaffen werden, da die Aufrichtigkeit dieses Gefühls die härtesten Herzen besiegen kann. Dem Herzen, das die Schönheit berührte, muß diese Herzenssprache vertraut sein; daher habe ich zu Ihnen - als Führer des Herzens - Vertrauen.

       Sprechen Sie bitte den engsten Mitarbeitern, die sich bereit erklären, mitzuarbeiten und Ihnen in allen Aufgaben der Gesellschaft beizustehen, meinen herzlichsten Dank aus. Möge jedes Mitglied der Gesellschaft fühlen, daß sein wahres Zuhause und seine geistige Zufluchtsstätte der Gemeinschaftsgeist der Gesellschaft ist. Jeder sei nicht nur ein willkommener Mitarbeiter, sondern Mitglied einer geistigen Familie, und jeder persönlich möge es lernen, für das Wohl aller das Beste zu geben. So möge Liebe - der Vereiniger, das Motto für die neue Runde der Gesellschaft sein.

       14. Mai 1936

       Sie haben völlig recht, wenn Sie sagen, daß persönliche Lasten leichter zu tragen sind, wenn wir einer großen Aufgabe vorstehen und für andere verantwortlich sind; nichtsdestoweniger bin ich tief gerührt durch Ihren Mut.

       Wir freuen uns sehr über die sich entwickelnde Tätigkeit in der Gesellschaft. Bei dieser fürchterlichen Verwirrung, die sich jetzt über die ganze Welt ausbreitet, ist jede einigende aufbauende Leistung, die der Verbreitung der LEBENDIGEN ETHIK dient, wahrlich ein Licht in der Wüste. Es ist schrecklich, alle Finten der Finsternis zu gewahren, die darauf gerichtet sind, das Bewußtsein zu verdunkeln und zu zersetzen.

       Ich billige Ihren ausgezeichneten Entschluß, eine philosophische Abteilung zu errichten. Freilich, für den Kampf mit den dunklen Kräften muß man voll gerüstet sein, und erweitertes Wissen ist in der Tat ein wundervoller Schild und die beste Waffe. In diesem Zusammenhang möchte ich auch Ihre Frage beantworten, ob die Vielseitigkeit des Leonardo da Vinci ein nachahmenswertes würdiges Beispiel sei. Fürwahr, ja, vorausgesetzt, daß wirkliches Studium vorliegt und keine oberflächliche Zersplitterung. Es ist eine Tatsache, daß ein fortgeschrittener Schüler bestimmte Fähigkeiten besitzt. Auch in den buddhistischen Schriften wird darauf hingewiesen, daß jeder Bodhisattva drei Künste oder drei Wissensgebiete beherrschen, aber in einem vollendet sein sollte. Je mehr wir wissen, desto besser können wir die ganze Tiefe und die Dimensionen des großen Evolutionsplanes sowie die Komplexität des Lebensaufbaues erfassen. Darüber hinaus erlangen wir durch systematisches Studium jene Disziplin des Geistes, die für selbständiges Denken so wichtig ist. Nur wer fähig ist, selbständig zu denken, kann ein aktiver Diener und Mitarbeiter der Kräfte des Lichts werden. Aus diesem Grund ist eine vielseitige Ausbildung so wichtig.

       Man kann natürlich nicht Spezialist auf allen Gebieten des Wissens und der Kunst werden, aber es ist wichtig, wenigstens eine Vorstellung von allem zu haben. In dem Wunsch, soviel als möglich zu erfassen, müssen wir es lernen, unsere Kräfte zu koordinieren, und vor allem müssen wir fähig sein, Begonnenes fortzusetzen, denn nur auf diese Weise können die wichtigsten Eigenschaften auf dem Pfad der Schülerschaft, nämlich Ausdauer und Geduld, entwickelt werden.

       Sie legen die Frage eines Gesellschaftsmitgliedes vor, ob die derzeit in der Welt vor sich gehenden Ereignisse zum Allgemeinwohl beitragen. Ich muß sagen, daß ich fest glaube, daß alles, was immer geschieht, letzten Endes zum Guten führt. Lektionen müssen gelernt werden, damit die Bewußtseine vorankommen. Alles wird von den Menschen selbst geschaffen und oft sind grausame Geschicke der Völker das Ergebnis der vor vielen Jahrtausenden gelegten Ursachen. In der ganzen Welt ist eine große Umwälzung im Gange, denn ein neues Gleichgewicht wird hergestellt. So können wir sagen, daß sich alles zum besten vollzieht. Sie fragen, wie nachfolgende Darlegung aus dem Buch ”Blätter des Gartens MORYA II“, § 21, zu verstehen ist: ”Das Karma holt einen ein, doch kann seine Wirkung durch freiwillige Opfer für unbekannte Menschen gemildert werden”. Stellen Sie sich vor, jemand fügte seinem Nächsten Leid zu und bereute sein Verhalten, nachdem dieser Teure bereits in die andere Welt hinüberging. Da es ihm nicht mehr möglich war, seine Schuld dem Geschädigten gegenüber zu tilgen, kann er nichtsdestoweniger sein Karma durch ein freiwilliges Opfer für andere Menschen verbessern, und wie es heißt, für ”unbekannte Menschen“. Freilich, Karma wird ihn zuweilen einholen und ihn seinem Opfer gegenüberstellen, aber die Tilgung wird von einer höheren Qualität sein, weil durch das freiwillige Opfer sein ganzes Wesen veredelt wurde.

       Und jetzt über Pfefferminze. Alle Arten von Minze können sowohl äußerlich als auch innerlich verwendet werden. In Indien, wo es so viele Darmerkrankungen gibt, wird die Essenz von Minze in weitem Maße angewendet. In Verbindung mit Magnesium ist sie eines der besten Heilmittel. Sie hilft auch bei Zentrenentflammung. Ich selbst kann ohne Menthol nicht sein, vor allem während der Sommermonate reibe ich mir mein ganzes Gesicht und den Nacken stark ein, denn ich vertrage keine Hitze, sogar in den Bergen nicht. Pfefferminztee ist bestimmt ein gutes Desinfektionsmittel, und bei manchen Arten von Asthma ist es sehr nützlich, den Absud des Stengels der Minze zu inhalieren. Die Wesenheiten der niederen Sphären der Feinstofflichen Welt mögen den Geruch von Minze nicht; daher ist es nützlich, sie als Pflanze im Haus zu halten.

       Der kommende Maitreya wird ”Der Herrscher des Mitleids“ genannt, doch diese Benennung könnte ebenso für alle großen Söhne des Lichts angewendet werden. Jedem steht es frei, das Bildnis zu wählen, das ihm am nächsten steht und diesem dann zu folgen. Der Begriff der Einheit alles Bestehenden ist die Kenntnis eines Archaten. Aber Menschen, die durch Selbstsucht und Absonderung geblendet sind, können die ganze Schönheit dieser Wahrheit nicht erfassen, und so widerspiegeln sich alle Höheren Begriffe in ihrem Bewußtsein als unruhiges, trübes Wasser, und es geht ihnen die ganze Klarheit, Durchsichtigkeit und Schönheit verloren.

       Gupta Vidya bedeutet das Geheime Wissen: Gupta - geheim, vidya = Wissen. Die Alberiche sind die Diener der Finsternis. Im ”Ring des Nibelungen“ ist die finstere Kraft durch Alberich verkörpert, den Widersacher der strahlenden Götter der Walhalla. Er bemächtigte sich des Rheingoldes und war ein Komplice bei der Tötung Siegfrieds.

       Sie fragen weiter, wie folgende Sätze zu verstehen sind: ”Ich werde die Macht Meiner Lehren an jenen beschränkten Geistern geltend machen”. Beschränkt bezieht sich auf die Verneiner und Unwissenden, denn Beschränkung ist das Ergebnis von Unwissenheit. Die Macht des Lichts wird die Finsternis besiegen, und die Macht der Lehre wird die Unwissenheit durchdringen.

       Intuition, Gefühlswissen und die Aufspeicherung im ”Kelch“ sind natürlich ein und derselbe Begriff. Es gibt jedoch Fälle, wo Hieroinspiration für Intuition gehalten wird. Aber auch das ist kein Fehler, denn ohne die Aufspeicherungen im ”Kelch“ ist es unmöglich, den Strahl der Hieroinspiration zu empfangen.

       Sie fragen, ”woher so viele Verräter kommen”? Das ist ein Zeichen der bedeutenden Zeit, die unser Planet durchschreitet. Doch wir wissen, daß das Licht siegen wird.

       ”Sieg wird nach einer bestimmten Zeit offensichtlich, aber es müssen sämtliche Kampfphasen durchgestanden werden. Vergessen wir nicht, daß sich die besten Kräfte auf Unserer Seite sammeln. So wird man sich der nächsten Stufe nähern. Selbst die Diener der Finsternis werden zum Erfolg verhelfen. Man muß verstehen, wie nahe die Fristen sind, um keine neuen Möglichkeiten zu versäumen. Den Kräften des Lichts kann man sich nicht widersetzen. Wenn die Kräfte der Finsternis die schmutzige Arbeit übernehmen, laßt sie gewähren. Die größten Namen und Begriffe sind bereits einbezogen. Alles kann nur durch Ausdehnung vorankommen … Sicherlich, der Kampf ist schrecklich … Sicherlich, mit jedem Tag werden die Neuen Kräfte, die Unsichtbaren, geweckt. Durch diese Annäherung an die irdischen Sphären können die unerwartetsten Spannungen entstehen. Laßt uns mit vereinter Kraft aller Unserer Beteiligten den Kampf aufnehmen. Einigkeit wird das unbesiegbare Banner sein. Satan wird geschlagen und seine Krieger werden, wie gewöhnlich, das Schlachtfeld verlassen. Wer begreift die Anspannung der Kräfte des Lichts? Wer kann das Ausmaß des Schlachtfeldes ermessen? Die vereinten Aschrams, die Festungen des Geistes sind jetzt nötiger denn je zuvor … Nie geht eine Lehre ohne Kampf in die Welt ein. So möge sie denn eingehen auf diese Weise; andernfalls würden die Menschen sie vergessen. Stellt euch doch das Ausmaß der Schlacht vor, in die alle Planeten einbezogen sind! … Darum laßt uns mit der ganzen Kraft des Geistes und in erhebender Feierlichkeit teilhaben an der Schlacht des Lichts gegen die Finsternis.”

       Für den Aufstieg zu einer neuen Stufe ist es notwendig, den Kampf aufzunehmen und alle Hindernisse zu überwinden. Auf den letzten Stufen ist es unvermeidlich, den Giftbecher zu leeren, und Verrat muß auf dem irdischen Pfad wie ein Schatten das Licht begleiten. So laßt uns auch diese Einweihung entgegennehmen. Doch laßt uns verstehen, daß die Verräter nicht nur gegen uns handeln, sondern gegen den Großen Plan des Lichts. Sammeln wir alle unsere Kräfte und ersteigen wir in Einigkeit die neue Stufe.

       24. Mai 1936

       Sie sagen, Sie haben nur den einen Wunsch - ”Zum Lehrer zu gelangen, und wenn dies nicht möglich ist, dann sein Schüler zu werden”. Dazu muß ich sagen, ich bin noch niemandem begegnet, der, nachdem er von der Weißen Bruderschaft erfahren hatte, nicht versucht hätte, zu ihr zu gelangen. Aber selten, fast nie, stellt sich jemand die Frage, ob er geistig und physisch vorbereitet ist, diese Spannung auszuhalten. Kann denn seine physische Hülle die übermäßige Spannung der Atmosphäre aushalten, die dieses Bollwerk umgibt? Nur der kann sich ihr nähern, der hier auf Erden im Ringen mit Schwierigkeiten und durch ihre Bewältigung alle Gewohnheiten und Verhaftungen ausgelebt und in selbstaufopfernder Heldentat seine Energien feurig umgewandelt hat. Ohne das irdische Fegefeuer zu durchschreiten, kann man nicht ins Paradies gelangen. Die Feuer der Höheren Energien würden die belastete Aura versengen. Daher gelangen nur einer oder, im äußersten Fall, zwei Menschen in einem Jahrhundert in dieses Bollwerk. Sie wissen auch, daß die Großen Lehrer sich nie in das Schicksal eines Menschen einmengen, und daher machen sie keine Ausnahme. Karma kann einen Menschen in Ihre Gemeinschaft führen, und wenn solch ein Karma vorliegt, kann nichts und niemand, außer der Mensch selbst, dies verhindern. Befolgen Sie im Leben nach bestem Können alle Gebote der LEHRE, und überlassen Sie das übrige dem Karma und dem großen Wissen der Herrscher.

       Wir können im Leben nur inmitten der Bedrängnisse des Alltags lernen. Die Gemeinschaft der Bruderschaft ist von unseren Bedingungen zu weit entfernt, und sie kann daher für den Geist nicht der notwendige Prüfstein sein. Die LEHRE ist uns gegeben; jeder ihrer Aspekte ist von allen Gesichtswinkeln her analysiert, und wir können daher nicht sagen, wir hätten keine LEHRE! Außerdem gibt es die älteren Schüler, die immer bereit sind, das zu erläutern, was unklar ist. Die Anwendung der Gebote im Leben wird sich wirklich als die Tat erweisen, von der Sie träumen und die Ihren Pfad zur Gemeinschaft des Lichts beschleunigen wird.

       Glauben Sie denn wirklich, daß Sie, wenn Sie in den Aschram der Weißen Bruderschaft gelangten, jene Macht erlangen könnten, um die Menschen zu überzeugen? Alle Beispiele der Geschichte beweisen das Gegenteil. Nur einem Geist, der sich in vielen Jahrhunderten vorbereitet hat, ist es möglich, die Lehre in ihrem vollen Umfang aufzunehmen. Dies erklärt, warum die großen Lehrer der Menschheit so wenige Schüler haben. Aus demselben Grund empfiehlt die LEBENDIGE ETHIK, nie jemanden anzulocken und nie jemanden etwas aufzuzwingen. Das Meer der Weisheit ist der Menschheit gegeben, und die LEHRE sendet ihre Strahlen wie die Sonne überallhin - zu den Weisen und zu den Irren, zu den Guten und zu den Bösen. Jeder kann das für ihn Zugängliche, bedingt durch sein Bewußtsein, aufnehmen und verstehen; allerdings ruft der Unterschied zwischen Bewußtseinszustand und Verstehen jene Widersprüche hervor, die unreife Geister in allen Lehren für sich in Anspruch nehmen. Aber das ist unvermeidlich.

       Nun zu Ihren Fragen: Gewiß, alle Errungenschaften sind potentiell in uns eingelagert. In allen Lehren wurde und wird hinreichend darauf hingewiesen, daß der Mensch der Mikrokosmos des Makrokosmos ist und daß Liebe zum Göttlichen Prinzip und zur HIERARCHIE DES LICHTS zweifellos der mächtigste Führer auf dem Weg zur Errungenschaft ist.

       Was Pranayama betrifft, so überschätzen Sie seine Bedeutung. Richtiges Atmen ist immer von Nutzen, aber jene Übungen, die von verantwortungslosen selbsternannten Yogis angepriesen werden, sind äußerst gefährlich. Ich meine, ich habe darüber schon ausführlich geschrieben, aber wahrscheinlich ist es notwendig, sich dieser Frage erneut zuzuwenden. Daher möchte ich Sie noch einmal daran erinnern, daß nur der, der sein Herz und seinen Mentalkörper von jedweden Schlacken gereinigt hat, fähig ist, das Allerheiligste des Yoga zu betreten. Ohne diese Läuterung wird einem kein Pranayama helfen, zu den Pforten wahren Wissens zu gelangen. Pranayama kann zu Mediumismus führen, der die Tore verschließt. Ausgedehnte Pranayama-Übungen oder solche, wie sie Hatha Yoga lehrt, verwirken das Studium des Raja Yoga. Alle psychischen Fähigkeiten, die durch künstliche Anregung des physischen Körpers und des Astralkörpers mittels Pranayama entwickelt werden, beschränken sich auf eine sehr niedere psychische Ebene; dies beweist die Qualität der Visionen von Psychikern und Medien. Es ist wichtig zu erkennen, daß Psychismus keine Geistigkeit ist. Wie es in der LEHRE heißt, ist Psychismus die Antithese von Geistigkeit und verhindert nur die Möglichkeit der Annäherung an die großen Lehrer. Aus diesem Grunde beginnt und endet die LEHRE mit dem Reich des Geistes und verbannt kategorisch alle Übungen, die zur Entwicklung von niederem Psychismus führen.

       Zweifellos ist der Pfad des Geistes, der königliche Pfad, weit schwieriger und langwieriger, aber er ist der einzige, der alle Errungenschaften im KELCH aufspeichert. Jene, die diesen Pfad betreten, haben ihre psychischen Kräfte auf natürliche Weise geweckt und sich auf allen sieben Ebenen entwickelt, von der höchsten bis zur niedersten; und durch Verschmelzung aller entwickelten Kräfte wird die große Synthese erreicht. Kein echter Lehrer wird einem Schüler helfen, durch mechanische Übungen die Astralebene zu betreten. Man sollte sich hier keinen Illusionen hingeben, denn es könnte leicht passieren, mit einer Wesenheit aus diesen Sphären, die sich als Personifikator eines Lehrers ausgibt, in Kontakt zu kommen. So viele Warnungen wurden von H. P. Blawatsky gegeben, wodurch sie sich gerade in den Kreisen von Medien und Psychikern viele Feinde zuzog, aber sie erfüllte die ihr aufgetragene Mission und verwies auf den Schaden des Spiritismus, weil man in allen Gesellschaften versuchte, unwissend an diesen heranzutreten. Aus meiner Erfahrung weiß ich, mit welcher Feindseligkeit solche Hinweise und Warnungen aufgenommen werden.

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       Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren und schöpferisch zu denken - vorausgesetzt, daß das Denken rein ist - ist nicht nur sehr nützlich, sondern sogar notwendig. Ohne diese Fähigkeit des Denkens ist es unmöglich, im Wissen voranzuschreiten. Gleicherweise ist die Entwicklung der. Willenskraft, beginnend bei kleinen alltäglichen Angelegenheiten und mit hoher selbstaufopfernder Tat endend, die Grundlage jeder Disziplin und Errungenschaft.

       Reisen Denken mit auf das Gute ausgerichtetem Willen sowie Selbstreinigung werden ausgezeichnete Ausstrahlungen ergeben.

       Verfügen Sie über Liebe und Willen, so besitzen Sie Streben und sind damit fähig, ein Gebet zu zelebrieren.

       Sie haben recht, daß Übungen in Pranayama in den Städten gefährlich sein können. Da aber Pranayama als solches keine Geistigkeit verleiht, sollten wir uns damit gar nicht befassen. Das Wichtigste ist, sich in der Reinheit der Motive, des Denkens und des Handelns zu üben; und wenn wir dies inmitten der Menschen und Hindernisse tun, so hat auch die Stadt mitunter ihren Nutzen.

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       Sie scheinen darüber, daß die BÜCHER DER LEBENDIGEN ETHIK nicht überall gut aufgenommen werden, verärgert zu sein, aber auch das ist unvermeidlich. Keine einzige Lehre ging ins Leben ein, ohne von Gegnern angegriffen zu werden. Ähnlich muß die Neue Lehre eingehen, begleitet vom Geschrei und den Angriffen abgestorbener Bewußtseine. So ist das irdische Gesetz. Die Menschheit schenkt nur solchen Erscheinungen Aufmerksamkeit, die Achtung und Martyrium durchgemacht haben. Schon oft habe ich darauf hingewiesen, daß sich die Menschheit nur deshalb an Buddha und Christus erinnert, weil beide in der glücklichen Lage waren, mächtige Feinde zu haben. So möge die Neue Lehre in die Welt eingehen und auch auf dem üblichen Weg, dem der Verfolgung, bestätigt werden. Immer wieder muß daran gedacht werden, daß die Lehre sich auf unerforschlichen Wegen verbreitet. So habe ich Ihnen immer geraten, nicht zu missionieren. Ich habe Ihnen auch vorgeschlagen, kulturell-erzieherische Versammlungen zu organisieren und nur, nachdem sie die Menschen kennengelernt haben, jeweils ihrem Bewußtsein gemäß einige Saatkörner auszustreuen. Es ist immer ratsam, unsere eigene Schatzkammer mit Wissen anzureichern. Ein gut erzogener, aufgeklärter Geist wird die Lehre leicht aufnehmen, sogar in ihrem ganzen Ausmaß. Freilich, Mangel an Wissen ist ein Hindernis auf dem Evolutionspfad. ”Unwissenheit ist die Hölle”, sagte einer der großen Geister der Frühzeit des Christentums.

       Wahrlich, das menschliche Bewußtsein kann keine größere Lästerung begehen, als die unbeschreibliche Erhabenheit des Göttlichen Prinzips, das sich über das ganze Universum ergießt, zu begrenzen. Unzweifelhaft gehen von dieser ungeheuren unwissenden Herabwürdigung alle unwürdigen Gottesbegriffe aus. Der Mensch versucht in seinem Eigendünkel, alles auf sein Niveau herunterzuziehen. Darüber ist in den BÜCHERN DER LEHRE genug gesagt worden. In der Tat, die BÜCHER DER LEHRE sind ungemein reich an Begriffen über das Göttliche Prinzip, über Gott, Geist und Geistigkeit. Der von Ihnen angeführte Ausspruch: ”Christi Geist weht durch des Lebens Wüste” (Blätter des Gartens MORYA I, § 67), bringt denselben Pantheismus zum Ausdruck, zu dem das menschliche Denken sich nicht erheben kann.

       Der Gott in uns ist die einzige Realität; alles andere ist, wie es so schön und poetisch vom Osten ausgedrückt wird, nur das ”Spiel der Großen MUTTER DER WELT”.

       Ja, Sie haben ganz recht, wenn sie sagen, daß nicht in einem einzigen BUCH DER LEBENDIGEN ETHIK der großen Grundlage des Seins Abbruch getan wird; gleicherweise gibt es hier keine Schmälerung des Begriffes Christus (Chrestos) sowie des Meisters Jesu, der ausgesandt wurde und dafür gelitten hat, was der Welt seit langem bekannt war, aber von den Menschen immer wieder vergessen wurde. So war es und so ist es; doch laßt uns hoffen, daß es nicht immer so bleiben wird.

       Und nun zu den von Unwissenden aufgeklebten Zetteln an alles das, was über ihr Verstehen hinausreicht. Wer unter den ernstdenkenden Menschen schenkt ihnen Aufmerksamkeit? Das gleiche kann über die Angriffe gegen uns gesagt werden; wir sind an sie gewöhnt und kennen ihren Wert. Und wahrlich, alle diese Angriffe erwiesen sich schließlich als nützlich. In der LEHRE heißt es: ”Ohne Verleumdung würde die ”dankbare“ Menschheit die lebendigsten Erscheinungen begraben haben” (Agni Yoga, § 21). Darüber hinaus kann ich Sie nur immer wieder bitten, sich nicht über die Abtrünnigen zu grämen - das sind unreife Seelen Mögen sie ihren Weg gehen Man kann nicht zwei Meistern dienen. Mögen sie ernstlich wählen und Verrat meiden, denn ”das Schicksal selbst eines kleinen Verräters ist schrecklich!”

       Es ist ausgezeichnet, daß Sie an der Selbstvervollkommnung arbeiten, wie sonst könnte man Apostel der LEBENDIGEN ETHIK werden, wenn nicht durch persönliches Beispiel, den Nutzen und die Wohltätigkeit der Lehre beweisend? Wer könnte von der Lehre angezogen werden, wenn die Anhänger sie nicht im Leben anwenden?

       Seien Sie über Verleumdung nicht beunruhigt. Verleumdung ist nur schmerzlich, wenn sie von Menschen kommt, die wir achten. Lob von unwürdigen Menschen kann nur erniedrigen.

       Sie haben eine Menge Fragen, ich will sie beantworten, will mich jedoch nicht wiederholen, da ich annehme, daß sie die Kopie aufgehoben haben.

1. Die Feinstoffliche Welt entspricht der Astralwelt von der niedersten bis zur höchsten Sphäre.

2. Die Feurige Welt ist die Welt des Geistes. Die höchste Stufe der Feurigen Welt wird oft die Höchste Welt genannt.

3. Alle psychischen Zentren entsprechen den physischen Zentren. Jedes Organ hat ein eigenes Nervenzentrum; einige Doppelorgane, wie die Nieren, die Lunge, haben Doppelzweige.

4. Es ist theoretisch richtig, aber das Leben offenbart viele Verschiedenheiten. Viele Frauen sind fast Männer und Männer fast Frauen, sowohl geistig als auch physisch. Oft haben Frauen männlichen Magnetismus und umgekehrt.

5. Das ”Mysterium des Buches des Lebens“ der Höchsten Geistwesen wird geheimgehalten.

       In der Tat, in der wahren Kosmogonie gibt es weder Engel noch Erzengel, die nicht einst Menschen waren. Das ist vom ganzen Osten voll bestätigt. ”Es gibt weder einen Gott oder Götter, die nicht einst Menschen waren”. Wenn Sie die ”Geheimlehre“ gelesen haben, werden Sie sich erinnern, daß die Hohen Geistwesen, die im Osten verschiedentlich als Söhne des Lichts, Söhne der Vernunft, Söhne des Feuers, Kumaras usw. bekannt sind, den christlichen Erzengeln entsprechen. Natürlich sind diese Engel nicht mit Flügeln ausgestattet, die ihnen bestimmte Hellseher infolge unvollkommener Vision oder poetischer Vorstellung zuteil werden ließen, um sich dieses Symbol eines Boten einzuprägen. Dieses Symbol ist nicht schlecht, denn die von den Schulterzentren ausgehenden Strahlen können wirklich den Eindruck von leuchtenden Flügeln erwecken. Aber wenn wir Erdbewohner uns in feinstofflichen Körpern frei im Raum bewegen können, ohne diese vogelähnlichen Attribute, brauchen sie dann die Höchsten Geistwesen? Also eine weitere Enttäuschung - die Engel haben keine Flügel! Fürwahr, die Strahlen sind weit schöner als diese vogelgemäßen Merkmale!

       Und so waren die Schutzengel oder die Große Bruderschaft, diese Herrscher auf unserem Planeten, Hohe Geistwesen auf anderen Planeten und Menschengötter auf unserer Erde. Der höheren Evolution angehörend, kamen sie zu unserer Erde, um die Evolution ihrer Menschheit zu beschleunigen. Sie sind im wahrsten Sinn des Wortes, die Schirmherren und die Erretter unseres Planeten.

* * *

       Ich freue mich von ganzem Herzen über Ihre Hingabe an die LEHRE DER LEBENDIGEN ETHIK, denn nur durch sie können wir das öffnen der Tore vollbringen. Ebenfalls freut es mich zu hören, was Sie über andere Mitarbeiter sagen. Mögen sie ihren Geist durch die Errungenschaften im Alltagsleben stählen. Jede Arbeit, selbst die monotonste und mühsamste, möge in ihrer Qualität verbessert werden. Der Pfad der Jüngerschaft ist dornenvoll und mühselig, vor allem infolge unserer alten Gewohnheiten und Verhaftungen. Daher werden nur die Gefestigten und Furchtlosen, die ihre Selbstsucht im Feuer der Selbstverleugnung verbrannt haben, bestimmte Tore erreichen.

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       Das seit langem vorausgesagte sehr schwierige Jahr des Beginns der Schlacht zwischen Erzengel Michael und dem Drachen geht vorbei. Das drohende Harmagedon findet auf beiden Ebenen statt - sichtbar und unsichtbar. Die Kräfte der Finsternis greifen alle lichten Unternehmen heftig an, aber wir nehmen diese Schlacht standhaft auf uns, wissen wir doch, für wen und wofür wir kämpfen. Und viele Krankheiten stehen mit der unerhörten Spannung auf beiden Ebenen in Zusammenhang.

* * *

       Was Sie über die Menschen schreiben, ist eine alte Wahrheit. In der Not gedenkt man unser, im Erfolg vergißt man uns. Auch was Sie über Besessenheit schreiben, ist für unsere Zeit charakteristisch, aber seien Sie bitte vorsichtig, denn es gibt Besessenheitsgrade, die sehr ansteckend sind. Alle Fälle von Besessenheit können durch die Kraft der psychischen Energie in Verbindung mit der Höheren Kraft geheilt werden. Sicherlich, Hilfsmittel - wie erhabene Musik, wunderbare Wohlgerüche, reine Atmosphäre und die Farbe des Raums - alles, was auf den Geschmack des Kranken abgestimmt ist, kann sehr dienlich sein. Es ist gut, für die Nacht am Bett eine Schale heißes Wasser mit Eukalyptusöl aufzustellen; dies ist auch am Tage sehr nützlich. Dennoch kann ein ernster Fall von Besessenheit nicht durch Hilfsmittel geheilt werden, sondern nur durch die Wirkung der reinen und machtvollen psychischen Energie.

       Sie haben recht mit dem, was Sie über das Buch ”Der Ruf“ sagen. Es enthält in konzentrierter Form die Ideen, die mehr im Detail und von verschiedenen Gesichtspunkten her in den späteren BÜCHERN DER LEHRE analysiert sind. Aber es ist zwecklos und unrichtig, die ”Briefe der Mahatmas“ zu kritisieren und abzulehnen. A. P. Sinnett schrieb seinen ”Esoterischen Buddhismus“ auf Grund dieser Briefe. Ihr Inhalt, nur weit ausführlicher behandelt, liegt auch der ”Geheimlehre“ zugrunde. Dieser Band der ”Briefe“ ist eines der großartigsten Bücher, und es wird auch im Westen sehr geschätzt. Es abzulehnen bedeutet, die ganze durch H. P. Blawatsky übergebene Lehre und alle BÜCHER DER LEBENDIGEN ETHIK abzulehnen. Bedauerlicherweise sind in dem von Ihnen genannten Band nur wenige Briefe und unvollständige Auszüge daraus verwendet worden. Doch leider, sogar in dieser Form sind sie, wie Sie sehen, von bestimmten Bewußtseinen schwer zu erfassen.

       Sie haben recht, wenn Sie sagen, daß Christus Jesus eine außergewöhnliche Erscheinung in der Geschichte war, aber es kann mit gleichem Recht gesagt werden, daß auch alle anderen Kumaras oder Gottmenschen nicht weniger außergewöhnlich waren. Und nur ein eitler Unwissender wird die verschiedenen Gestalten dieser Höchsten Geistwesen zu messen suchen. Ein sehr treffender Ausspruch findet sich in der LEHRE: ”Man wird fragen, wer steht höher Christus oder Buddha?” Antwortet, daß man die entfernten Welten nicht messen kann. Wir können nur durch ihre Strahlung entzückt werden. Der Christus-Strahl nährt die Erde genauso wie der Regenbogen des Buddha die Bestätigung der Gesetze des Lebens bringt” (Blätter des Gartens MORYA II, § 310).

       Sie schreiben, daß jedwede Streitigkeit und Polemik über erhabene Begriffe sehr bedauerlich ist. Dies ist völlig richtig, aber besonders bedauerlich ist die unwissende Polemik, die nur zur Gereiztheit führt. Man kann anderen nicht erklären, was für einen selbst unklar ist; dadurch entsteht nichts als schädliche Verwirrung. Der Gedankenaustausch zwischen hochgebildeten Menschen ist sehr schöpferisch, denn durch Gedankenaustausch verschiedener Meinungen werden Funken der Wahrheit geschlagen. Gerade der Gedankenaustausch ist notwendig, nicht auf Unwissenheit beruhende Ausführungen.

       Wahr ist auch, daß unvollständige Behauptungen in Büchern für den oberflächlichen Leser oft den Eindruck des Widerspruchs erwecken. Selbst die Größten Lehrer sind solcher Widersprüche bezichtigt worden. Aber die Ankläger übersehen den wichtigsten Faktor, nämlich ihre eigene Unwissenheit. Wer in allem den Ruf nach Gottlosigkeit und Satanismus sieht, ist wahrhaftig fern jeder Aufklärung, und kein Argument wird ihn überzeugen können. Jene, die über das Buch ”Die Grundlagen einer Neuen Weltanschauung” verwirrt waren, sind zu bedauern und müssen allein gelassen werden. Und was die Kirchenväter betrifft, so haben diese vergessen, daß 1906 in der Regierung Nikolaus II. Freiheit und religiöser Glaube sowie Meinungsfreiheit gestattet waren. Viele Kirchenväter würden wahrscheinlich gern in die Zeit religiöser Intoleranz zurückkehren und auch zu Domostroy (ein Buch des 16. Jahrhunderts über die Organisation des Familienlebens und des Haushalts). Es gibt Andeutungen darüber an einigen Stellen. So ist der Autor des Pamphlets ”Die orthodoxe Welt und das Freimaurertum“ von der Synode durch einen Orden belohnt worden, weil er offensichtlich die besten Söhne seines Landes schmähte. Nichtsdestoweniger besiegt das Licht die Finsternis.

       Das neue Buch AUM wird jetzt herausgebracht. Zweifellos werden jene im Gegenlager wieder ein Gezeter und Geschrei erheben: ”Wozu diese heidnischen Begriffe? Wie kann man es wagen, Göttlichen Segen mit dem heidnischen AUM gleichzusetzen usw.” Wir können ihnen antworten: ”Behaltet eure Unwissenheit für euch” und die Ausführungen der Lehre zitieren: ”Spricht man zu den Gelehrten von magnetisiertem Wasser, so wird dieser Ausdruck angenommen, spricht man aber von verzaubertem Wasser, wird man zu den Unwissenden gezählt. Dabei liegt der Unterschied lediglich in der Benennung, denn in Wirklichkeit wird dieselbe Energie angewendet. Es ist Zeit für die Wissenschaft, ihren Gesichtskreis zu erweitern - frei von jeglichen gelegentlichen Benennungen. (”Alle Dramen des Lebens entstehen aus Benennungen”, Anmerkung des Verfassers.) Man sollte sich von Kindheit an angewöhnen, das Wesentliche der Dinge aufzuspüren.”

       ”Beim Studium der Glaubensgeschichte kann man beobachten, daß die Menschheit feinstoffliche Begriffe wiederholt erfaßte, aber sie wieder vergaß und später das verwarf, was bereits erkannt wurde. Man kann bemerken, wie in alten Zeiten das Gesetz der Wiedergeburt begriffen und in einem Krampf des Zorns wieder abgelehnt wurde. Der Grund für diese kirchliche Ablehnung ist verständlich - eine Kaste verteidigte ihre Vorrechte, denn das Gesetz des Seins drohte, die Rechte der Menschen gleichzumachen. So geschah es in verschiedenen Zeitaltern, denn die Wellen der Erkenntnis und der Unwissenheit sind überall die gleichen. Sie bringen die für den Fortschritt des Bewußtseins so nötigen Gewässer in Bewegung. Daher erlangt jeder, der nach Wissen strebt, Gelassenheit des Geistes inmitten des Sturms und der Anstrengung. Laßt uns nicht in Unwissenheit verharren, wenn Wissen an alle Tore pocht!”

       Ich möchte Ihnen einen Auszug aus einem Artikel über die ”Erbsünde“ aus einer englischen Zeitschrift bringen. ”An einen Religionslehrer wurde von einem Schüler folgende Frage gestellt: ”Warum wird verkündet, daß die Sünde und das Böse mit Adam und Eva im Paradies in die Welt kam, wo es einen Baum der Früchte des Guten und des Bösen gab? Wie kamen die Früchte des Bösen ins Paradies? Wie konnte im Paradies der Teufel sein?” Wirklich, manche Schulkinder von heute sind klüger und denken schärfer als jene der vergangenen Generation. Man kann das Bewußtsein nicht zurückdrängen. Die Erbsünde wird von jenen begangen, die die Aufklärung und Entwicklung des Denkens in den Menschen gewaltsam aufhalten. Jedwede Gewalt steht in Widerspruch zu den Gesetzen des Universums und löst unvermeidlich Explosionen und Zerstörung aus. Blicken wir zurück, so können wir die Hauptgründe, die den Niedergang der alten Welt verursachten, erkennen. In der Tat, Erstickung des Denkens und des Geistes züchtete jeden darauf folgenden Wahnsinn, bis der lange überwachte Damm brach und alles vom Sturzbach hinweggeschwemmt wurde. So kann niemand dem Denken Einhalt gebieten, dieser feurigen Energie und Krone des Universums. Große Veränderungen gingen im Bewußtsein der Massen aller Länder vor sich, aber noch immer weigern sich manche Menschen, diese Tatsache zuzugeben. Der Grund für das ganze Übel, das sich jetzt ausbreitet, ist Unwissenheit und die ungeheure Verantwortungslosigkeit, die regierte und noch regiert, wie man unter den sogenannten ”mit Macht Ausgestatteten“ beobachten kann. Die Menschen bedürfen der Fürsorge, und diese Fürsorge sollte sich vor allem in der Aufklärung und ihrer richtigen Erziehung offenbaren. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

       Und so suchen Sie nicht nach Anhängern, arbeiten Sie jedoch an Ihrer eigenen Vervollkommnung.

       23. Mai 1936

       Sie haben ganz recht, wenn Sie sagen, daß wir aus Mangel an Begriffsbestimmungen in unserer westlichen Sprache auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen bei dem Versuch, nicht nur die Höheren Begriffe, sondern auch eine ungewohnte Annäherung an eine bereits bekannte Vorstellung auszudrücken oder zu erklären. Westliches Denken ist vergleichsweise grob und schwer, und infolgedessen hat es all die feinen Nuancen in den Begriffsbestimmungen, an denen der Osten so reich ist, noch nicht entwickelt. Der Hauptgrund für den Mangel an Verstehen ist, daß die Menschen des Westens an die Verfeinerung des Denkens nicht gewöhnt oder besser, nicht darin geübt sind. Gibt es viele, die imstande sind, mit echter Aufnahme zu lesen? Die meisten Menschen lesen mit den Augen und nicht mit dem Geist und dem Herzen, daher bleibt ihnen die tiefere Bedeutung verloren.

       Gewiß, in dem Wort Religion ist ein Begriff von größter Bedeutung enthalten, aber der jetzigen Menschheit ist dieser Sinn verlorengegangen. Richtig bedeutet Religion die Beziehung des Menschen zur Höheren Welt oder zum Höheren Prinzip. Doch jeder versucht, sich dieser großen alleinigen Beziehung als eines ausschließlichen Besitzes zu bemächtigen. Daher hat jedes Volk ihn für sich abgesondert, beschränkt und mit dem Stigma des Fanatismus gestempelt, indem es jeden ungewohnten Ausdruck dieses Begriffes von seiten jener, die ihm nahestehen, verbannt. So haben wir aus einer einzigen Religion viele Pseudoreligionen gemacht, die einander ausschließen. Doch wenn man zu sagen wagt, daß die Hauptursache allen Übels nicht die wahre Religion, sondern die Pseudoreligion ist, wird jeder auf seinen Nächsten zeigen, und seine Eitelkeit wird es nicht zulassen, daß diese bittere Wahrheit auch für ihn gilt. Es wird zu neuer Unklarheit und neuer Versuchung führen. Die Bedeutung der Wörter kann in allen Sprachen nur durch das Herz beziehungsweise durch Gefühlswissen richtig verstanden und angenommen werden.

       Ängstigen Sie sich nicht über Angriffe und Verleumdungen. All dies ist nur abgestandener Schlamm von Morasten. Ich habe bereits geschrieben, daß keine einzige Lehre des Lebens ohne harten Widerstand angenommen wurde. Das gleiche wird den BÜCHERN der LEBENDIGEN ETHIK widerfahren - wie Jesus sagte (Lukas 6:26): ”Wehe über euch, wenn alle Menschen gut von euch reden! Gerade so haben ihre Väter an den Lügenpropheten gehandelt.” Man kann es nicht klarer ausdrücken. Und wer von den für die Wahrheit Schaffenden wollte mit dem Merkmal eines Lügenpropheten behaftet sein? Jenen, die den ”Kelch des Ostens“ (Auszüge aus den ”Mahatma Letters“ von A. P. Sinnett) nicht annehmen wollen, sollte man sagen, daß die Welt weit und das Licht groß ist und daß der ”Kelch des Ostens“ in vielen Heimen eine neue Kerze entzündete und neue geistige Freude auslöste. Die Lehre verbreitet sich auf unerforschlichen Wegen. Niemand und nichts kann den Kosmischen Magneten in seiner evolutionären Bewegung aufhalten. Ganze Kontinente und Rassen, die untergegangen sind, zeugen davon. Die Menschheit unserer Rasse beschleunigt in ihrer irrigen Uneinigkeit ihren eigenen Verschiebungszyklus. Unser Schiff eilt dem Untergang zu, und die finsteren Anstifter freuen sich in ihrer Bosheit, denn sie hoffen, auf den Wracks zu entkommen.

       Ich würde die Widersacher des ”Kelches des Ostens“ nicht ”vernünftig intelligent“ nennen, denn gerade in solchen Widersachern ist schwer eine Spur von Intelligenz zu finden. Ihre Intelligenz gleicht der Widerspiegelung eines Zerrspiegels. Solche Spitzfindigkeit verursacht die Entartung der höheren Zentren und macht Erkenntnis unmöglich. Jemand sagte, wenn man die Behauptung über das Böse der Religionen wörtlich und rundweg annähme, müßte man in logischer Folgerung der fatalen Formel, daß Religion Opium für das Volk sei, zustimmen. Buchstäblichkeit und Geschmacklosigkeit sind Attribute der Beschränktheit, und nur unzweifelhafte Beschränktheit könnte zu einer solchen Formel gelangen. Doch niemand wendet sich der Beschränkung zu, um das neue Verstehen zu erfassen! Nur ein voreingenommener Geist wird nicht gelten lassen, daß jede abgesonderte, beschränkte und dekadente Religion tatsächlich Opium ist, das schlimmste Gift von Uneinigkeit und Zersetzung. Das gleiche kann von der Unwissenheit der Wissenschaft gesagt werden, und im allgemeinen über jede Unwissenheit. Das neue Bewußtsein ringt danach, die Verbindung mit der Höheren Welt und der einen Quelle aller Lehren, Philosophien und allen Wissens überhaupt herzustellen.

       Ebenso müßten diese Besserwisser gewußt haben, daß jede Epoche einem bestimmten Wissensgrad entspricht, und was für ein Jahrhundert wichtig und zweckmäßig war, kann nicht genauso für das folgende bestimmend sein. Wäre dem so, wo bliebe da die Evolution? Der Menschheit wird in jeder Phase ihrer Entwicklung nur jener Teil der Wahrheit gegeben, der von der Minderheit angenommen werden kann. In jeder Epoche, in jeder Religion und in jedem Volk erschienen neben den Großen Lehrern, die ein neues Verstehen der vergessenen alten Offenbarung überbrachten, nach einer gewissen Zeit Hohe Geistwesen, um das neuempfangene Vermächtnis zu klären. Diese Geistwesen ragen aus dem Hintergrund der unwissenden Vertreter der Religionsformen als strahlende Leuchttürme hervor. Diese Fackelträger erleiden zu oft das Schicksal der Märtyrer, und ihre Werke werden, wie sie selbst, von den Händen verschiedener Glaubenseiferer zunichte gemacht. Niemand würde daran denken, Sie mit einer anderen Religion in Verbindung zu bringen, und Sie stehen isoliert da, abseits jedes kirchlichen Dogmas, was nicht überrascht; denn Sie waren schon immer Verneiner unwürdiger Kirchendiener.

       Gleicherweise war der Heilige Sergius mit dem Geiste des äußeren kirchlichen Dogmatismus nicht behaftet, und wer es anders versteht, ist blind und taub. Man kann Menschen begegnen, die behaupten, der Heilige Sergius wäre ein orthodoxer Kirchenvertreter gewesen, weil er Kirchen baute, Klöster errichtete und strenge Regeln, Rituale u. dgl. einführte. Aber der Sinn des ganzen Schaffens des Heiligen Sergius war kein äußerlicher Dogmatismus, sondern lag in seinem hochmoralischen und ethischen Einfluß auf seine Zeitgenossen. Mit dem Aufstellen von strengen Regeln, der Einführung von Disziplin inmitten der wilden Sitten jener Zeiten, trug er dazu bei, den Charakter der Menschen zu formen, die Macht des Volkes aufzubauen. Aus der Geschichte ist bekannt, in welch chaotischer Lage sich der Geist des Volkes in der ernsten Zeit des mongolischen Jochs befand sowie wegen der zügellosen Sitten der herrschenden, sich gegenseitig befehdenden Fürsten. Strenge Schulung und Zügel waren vonnöten, die auf Begriffen beruhen mußten, die den Menschen nahestanden und verständlich waren. Für das Bewußtsein, das gerade aus einem kindlichen Zustand erwacht war, waren Symbole und Zeremonien wichtig. Und wie wir bemerken, können sich auch jetzt noch manche von diesen Symbolen nicht lösen; mit schwachen Bewußtseinen muß man nachsichtig sein. Christus jedoch sagte: ”Aber die Stunde kommt, und jetzt ist sie, da die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten; denn der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten … (Joh. 4:23, 24).

       Das Troitsky-Sergievsky-Kloster mag verschwinden, denn selbst zu seinen Lebzeiten war es schon fast zerstört; doch das Andenken an Sergius selbst wird nie sterben, denn groß war der Magnet des Geistes, den er in die Seele des russischen Menschen einlagerte. Die Geschichte der geistigen Entwicklung der russischen Seele und der Beginn des Sammelns und des Aufbaus Rußlands ist mit dem Namen dieses Großen geistig Schaffenden unlösbar verbunden. Gerade das erklärt, warum alle finsteren Kräfte gegen diesen großen Namen die Waffen erhoben. Welche Relikte sind von den Großen Lichtträgern geblieben, von Buddha und Christus (von ersterem eine Handvoll Asche, vom zweiten ein herkömmliches Grab); aber ihr Andenken lebt und wird stärker nach Jahrhunderten, wenn es von den Anhäufungen und von Unwissenheit gesäubert worden ist.

       Wenn jemand die tiefere Bedeutung von ”irgendeinem algebraischen Zeichen“ oder einer Bezeichnung ersetzen will, mag er eben dabei bleiben.

       Das gleiche bezieht sich auf den ”Kelch des Ostens“. Wer kann darin eine Beschränkung auf Gottlosigkeit und völlige Unwissenheit sehen? Jemand bedauert, daß der Ältere Mahatma vor 50 Jahren nicht jene Apotheose gegeben hat, wie jetzt in der ”Feurigen Welt“. Doch wer will wissen, was vom Älteren Mahatma wirklich gegeben wurde oder nicht? Für einen mit östlichen Lehren und östlichem Denken vertrauten Geist ist diese Apotheose das Grundprinzip.

       Ebenso sprechen alle von Ihnen aus dem Buch ”Der Ruf“ angeführten Zitate von demselben erhabenen Pantheismus, von dem die Bände der ”Geheimlehre“ und die ”Mahatma Letters“ durchdrungen sind. Darüber hinaus ist die Schaffenskraft der Mahatmas so groß und vielfältig, daß sie kaum in jedem Fall und zu allen Zeiten, zu verschiedenen Nationalitäten und Bewußtseinen immer mit derselben Formel sprechen werden. Selbst ein Durchschnittskünstler oder Dichter ändert seinen Stil und sein Idiom entsprechend, wenn er verschiedene Epochen und Stellen interpretiert. Erstarrte Gedanken, erstarrte Formeln stehen im Widerspruch zum Kosmos. Leben ist ewige Bewegung, ewiger Wechsel der Formen. Verschiedenartigkeit ist Leben, Monotonie ist Tod.

       Ich möchte in den äußeren Hüllen der spitzfindigen dialektischen Besserwisser nicht zuviel herumwühlen, das wäre eine unverantwortliche Zeitvergeudung.

       So sende ich Ihnen Mut und Furchtlosigkeit. Beunruhigen Sie vor allem Ihr Bewußtsein nicht mit den Einflüsterungen jener Klugen, die nach unserer Meinung völlig unwissend sind.

       26. Mai 1936

       Nehmen Sie die Angriffe auf die BÜCHER der LEBENDIGEN ETHIK gelassen hin. In der Tat, immer wird alles Neue, das das Bewußtsein von gewohnter Stagnation wegführt, von bösartigen Ausrufen und von Widerstand begleitet. Davon gibt es in der Geschichte der Religion und auch im Bereich der Wissenschaft zahlreiche Beispiele. Für jene, die sich als Christen bezeichnen, sollte das Beispiel Christi selbst das lebendigste sein, aber sie neigen dazu, gerade ihn zu vergessen. Wer verfolgte und kreuzigte Christus, wenn nicht die Dogmatiker und Schriftgelehrten, und sagten die Pharisäer nicht von ihm: ”Mit Hilfe des Obersten der Geister treibt er die Geister aus” (Matth. 9:34). Und weiter heißt es bei Lukas 11: 15, 18: ”… einige von ihnen aber sagten: ”Durch Beelzebub, den Obersten der Geister, treibt er die Geister aus. Um ihn zu versuchen, forderten andere von ihm ein Zeichen vom Himmel. Er aber durchschaute ihre Gedanken und sagte zu ihnen: ”Jedes Reich, das in sich selbst zerrissen ist, wird zerstört, und ein Haus fällt über das andere. Wenn nun auch der Satan in sich selbst zerrissen ist, wie kann sein Reich bestehen?”

       Es ist seltsam, daß jene, die am lautesten heulen und die BÜCHER der LEBENDIGEN ETHIK angreifen, die sie gar nicht kennen, auch ihre eigenen Schriften nicht kennen. Liest aber jemand gelegentlich doch etwas aus den Büchern, so kleidet und erklärt er es auf eine für ihn vorteilhafte Weise. Immer wieder betonen wir und raten, keine unreifen Bewußtseine anzusprechen und zu zwingen - es hat keinen Zweck und ist sogar gefährlich. Alles muß ganz natürlich vor sich gehen. Ein bereiter Geist weiß genau, wo die Wahrheit liegt, und nichts kann ihn verwirren oder abschrecken. Allerdings sind diese in der Minderheit. Aber in dieser Ära sind sie zahlreicher als zuvor, denn keine Unterdrückungen können der Evolution Einhalt gebieten Denken Sie daran, wie wenige Anhänger und Schüler Christus hatte; und selbst unter diesen wenigen gab es einen Nikodemus und einen Judas! Sorgen Sie sich nicht um die Aufklärungsarbeit, sie geschieht auf eigenen Wegen. Über die ganze Erdweite nimmt die Zahl der Suchenden zu.

       Die erste AUFGABE der LEBENDIGEN ETHIK ist, das Bewußtsein zu erweitern. Wollen wir uns daher in Gedanken nicht an zufällige kleine Orte und an eine Menschengruppe heften. Das Universum ist weit und das Licht ist nicht schwach. Während sich an einer Stelle Verleumdung ausbreitet, wird an einer anderen das neue Denken tausendfach empfangen. Irgendwo gibt es Verrat, anderswo Beispiele eines beachtenswerten Feuers des Geistes und der Selbstaufopferung. Man muß es lernen, das geistige Gleichgewicht zu finden und den unvermeidlichen Irrationen der Finsternis gelassen entgegenzutreten. Sie wissen bereits, daß wir in einer seit langem in allen Schriften vorausgesagten ernsten Zeit leben, in der Zeit des Kampfes der lichten Kräfte mit denen der Finsternis. Wundern wir uns nicht über die Schliche der Angriffe des Bösen. Wahrlich, nach der Schlacht, die einige Jahre dauern wird, und nach dem Sieg des Lichts über die Finsternis wird die Macht des Fürsten der Finsternis nicht mehr ansteigen können und seine Kraft wird abnehmen. Aber da man nicht zwei Herren dienen kann, möge sich schließlich jeder in seinem Herzen entscheiden, wem er dienen will, um nicht ein Verräter zu werden, oder wie es in der Offenbarung des Johannes heißt, 3:16: ”Weil du weder warm noch kalt bist, so will ich dich aus meinem Munde speien …”

       Wenn daher jemand nicht stark genug ist, die Furcht und den Zweifel zu überwinden, dann ist es besser, sich nicht zu nähern. Folgt jemand dem dogmatischen Christentum, so möge er daraus die beste Lehre ziehen. Gerade die Neue Epoche beleuchtet die Lehre Christi mit neuer Erkenntnis. Aufgeklärte Geistliche - und solche gibt es bereits - werden sich den wahren Bündnissen Christi zuwenden, den Bündnissen der ersten Kirchenväter und den Werken des großen Leuchtturmes der Christenheit Origenes, der für die ganze Philosophie des Christentums die Grundlage legte.

       Zum Schluß wiederhole ich erneut, daß uns keine Angriffe schrecken können, denn wir dienen dem Großen Licht. Darüber hinaus - worin besteht die wahre Heldentat? In der allgemeinen Anerkennung? Die begeisterten Schreie der Masse folgen niemals den Erweckern des neuen Bewußtseins und den Überbringern neuer Entdeckungen. Wie es im Evangelium des Heiligen Lukas heißt: ”Wehe über euch, wenn alle Menschen gut über euch reden, genauso haben ihre Väter an den Lügenpropheten gehandelt”. Es wäre nützlich, in den Schulen Bücher wie ”Die Märtyrer der Wissenschaft“ zu lesen. Dies alles scheint alt zu sein, aber nichtsdestoweniger ist es ewig neu. Daher sagen wir: ”Fürchten wir uns nicht!”

       Leben Sie mit dem Herzen, entwickeln Sie Toleranz und Edelmut, und das neue Bewußtsein wird sich in Ihrem Innern festigen.

       8. Juni 1936

       Möge die neue Runde neues Wissen bringen. Fürchten wir keine Angriffe und Kämpfe, denn die HIERARCHIE DES LICHTS braucht den Sieg; doch ist Sieg ohne Kampf möglich? Ist es nicht ein Sieg, in diesem schweren Jahr so viele wichtige Bücher veröffentlicht zu haben? In der Tat, solch ein Werk ist eine sehr ernste Niederlage für den Feind.

       Und nun zu Ihren Fragen. Ich habe viel über Karma geschrieben. Gewiß, um diesen Begriff haben sich viele ungeheure Entstellungen gehäuft, und eine der schlimmsten ist die Weigerung, seinem Nächsten aus Furcht, sein eigenes Karma zu erschweren, nicht zu helfen.

       Wäre dies nicht die größte Selbstsucht? Wenn wir unserem Nächsten wohltätige Hilfe zuteil werden lassen, nehmen wir einen Teil seines Karma auf uns, doch wie könnte das unsere geistige Entwicklung, die allein unser Karma bestimmt, belasten?

       Im Gegenteil, Verweigerung der Hilfe kann Karma maßlos belasten, denn wer kann sagen, an wem und wann wir alte Schulden abtragen? Nur der Archat weiß, wo keine Hilfe gegeben werden darf, doch wir müssen unsere helfende Hand ausstrecken, wo immer es nötig ist. Wie der Heilige Sergius sagte: ”Wer es unterläßt, seinem Bruder zu helfen, wird den Dorn aus seinem eigenen Fuß nicht herausziehen können”. In der Tat, überall und immer muß man Vergleichbarkeit und Zweckmäßigkeit üben. Es gibt aber auch Menschen, die alles abgeben wollen und dadurch von anderen abhängig werden. Aber solchen Menschen sollten wir eine Mahnung aus der LEHRE zitieren: ”Wer sagte, daß ihr wahnsinnig abgeben sollt? Der Wahnsinn bleibt dennoch bestehen”. Darüber hinaus vergessen die Menschen oft die geistige Hilfe, welche die stärkste ist. Aber eine Tatsache wird sehr oft nicht beachtet, und das ist, daß Karma hauptsächlich durch unsere Gedanken geschaffen, erleichtert und gewogen wird. Der Gedanke und sein Motiv weben nämlich unsere Aura, dieses Magnetfeld, das alle Möglichkeiten entweder anzieht oder abstößt - und dieser entscheidende Faktor wird bei den Gesprächen über Karma sehr oft außer acht gelassen. Doch wäre es anders, gelänge es uns nie, aus dem magischen Kreis des Karma herauszukommen.

       Wenn daher die Menschen weniger über Karma nachdächten und mehr über die Reinigung und Vervollkommnung ihrer Gefühle und Gedanken, würden sie große Fortschritte machen. Man sollte neues Karma nicht fürchten, sondern nur bestrebt sein, seine Qualität zu verbessern. Aus Furcht vor neuem Karma kann man solch einen Käfig schaffen, aus dem es nur einen Weg gibt - Involution. Man sollte daran denken, daß im Kosmos Kommensurabilität besteht: daher wird bedeutsames Karma bedeutende Wirkungen zeitigen. Obwohl das Karma großer Verantwortlichkeit sehr belastend ist, bringt es allein große Errungenschaften. Die Menschen sollten daher weder das Handeln noch Verantwortung scheuen.

       Und weiter sollten wir bedenken, daß schweres Karma nicht ein niedriges Karma sein muß; in der Tat, gerade umgekehrt ist es. Leichtes Karma ist unbedeutendes Karma. Leichtes Karma ist an sich oft eine ernste Prüfung, denn sehr selten kann ein Mensch im materiellen Wohlstand zur nächsten geistigen Stufe aufsteigen. Aus diesem Grunde erachten die Weisen ein leichtes Leben als Fluch. Wäre Jeanne d’Arc von ihrem König mit einem Gut belohnt worden und hätte sie ihr Leben in Luxus und Wohlstand zu Ende geführt, sie wäre nicht Jeanne d’Arc gewesen. Es war jedoch nicht ihr persönliches Karma, das den Tod auf dem Scheiterhaufen forderte. Wir müssen an die Missionen denken, die große Geister freiwillig auf sich nehmen, und das Verhalten zu jenen, für die sie gelten, bestimmt das Karma ihres Volkes für viele Jahrhunderte. So dienen diese großen Geister als Prüfstein für das Bewußtsein der Völker.

       Gleicherweise, wenn im gleichen Geist das Verstehen einer zu leistenden Tat oder ein Anerbieten für einen gleich hohen Zweck angenommen und vollführt wird, so wird diese dreifache Energie auf der anderen Seite Ergebnisse bringen, die hundertfach stärker sind. Es kann sein, daß die Ergebnisse sich nicht in dieser Inkarnation einstellen, aber in der nächsten; denn je weiter der durch die Tat erfaßte Kreis ist, desto länger währt die Vergeltung, und um so mächtiger werden die durch sie angehäuften Möglichkeiten und Ergebnisse sein. Aus diesem Grunde wird in allen östlichen Schriften darauf hingewiesen, daß die Hilfe, die einem großen geistig Schaffenden zuteil wird (nicht im engen Sinn des Wortes), die aller anderen in ihrem Resultat übersteigt. Aber gerade diese große Wahrheit wurde zur Ursache für die meisten schrecklichen Verfehlungen der Priesterkaste. Geschenke und Opfer, die Finanzierung der Tempelbauten, das Ausschmücken der Ikonen mit kostbaren Edelsteinen und die goldenen Meßgewänder, die pfundschweren Kerzen - das alles gründet auf derselben, aber entstellten Wahrheit. Im Verlaufe von Jahrhunderten wurden alle geistigen Werte durch materielle ersetzt. Die Menschen vergessen, daß sie Gold und materielle Werte, einerlei welche, in den überirdischen Sphären nicht nutzen können. In den überirdischen Sphären ist der reichste Mann ein Bettler. Daher sollte man nicht versuchen, Karma zu verbessern, indem man Handlungen vermeidet, sondern durch intensive Entwicklung und Aufspeicherungen von geistigen Werten.

       Und nun über den § 320 aus dem Buch ”Feurige Welt III“. Gleichgewicht und Harmonie sind ein und derselbe Begriff. Daher kann man sagen, daß der Kosmos durch Tätigkeit und Harmonie der Atome aufrechterhalten wird. Der Mensch als Widerspiegelung des Makrokosmos muß daher danach streben, alle in seinen Mikrokosmos eintretenden Atome zu harmonisieren. ”… Gleichgewicht wird in Übereinstimmung mit der Willensentwicklung bestätigt”. Daher bestätigt eine von einem disziplinierten Geist gelenkte Tat Einklang mit den kosmischen Gesetzen und bewirkt folglich Gleichgewicht. Der durch selbstsüchtige Begierden gefärbte niedere Wille züchtet die Schrecken der Zerstörung; denn Zusammenprall zwischen disharmonischen Kräften verursacht Explosionen im Kosmos und das Chaos hat freie Bahn. Ein unwissender und lasterhafter Mensch verursacht tatsächlich giftige Explosionen und chaotische Verwirrung in seinem eigenen chemischen Laboratorium und verseucht die Atmosphäre ringsum ganz beträchtlich.

       Und so heißt es: ”Des Menschen karmische Waage offenbart das Ausmaß seines freien Willens”. Das heißt, die Qualität des Karma gibt entweder Kunde von dem jeweils höheren oder niederen Willensgrad einer Person. Der Wille ist der Hauptfaktor und Schöpfer alles Seienden. So wird der Mensch nicht von den Höheren Kräften oder von der Gottheit belohnt oder bestraft, sondern allein auf Grund der Affinität des Atoms, das mit den Atomen der entsprechenden Sphäre in den Wirbel seiner Aura eindringt, wird er in diese oder jene Umgebung der Sphäre gezogen. Es heißt, daß sich Karma keines harmonischen Körpers bemächtigen könne, und so laßt uns bestrebt sein, unsere Energie zu vervollkommnen. Vervollkommnung wird zur Ausgeglichenheit und zur Harmonie führen

       Und jetzt über das Opfer Christi. Es ist natürlich undenkbar, die Bedeutung des Opfers oder der Kreuzigung Christi in der Art zu verstehen, wie viele niedere Bewußtseine es tun. Die Wahrheit ist, daß Christus, der die Macht des Geistes über die physische Materie manifestieren wollte, den Opferkelch annahm und durch sein Blut das von ihm überbrachte Vermächtnis besiegelte. ”Kein Mensch ist einer größeren Liebe fähig als jener, der sein Leben für seine Freunde hingibt”. Und im Buch ”Agni Yoga“, § 8, heißt es: ”Es sei darauf hingewiesen, warum die Lehrer des Wissens beim Verlassen der Erde so viel gelitten haben. Dieses Leid nahmen sie natürlich bewußt und freiwillig auf sich. Wie der Gastgeber die Schale bis zum Rande füllt, so will der Lehrer dieses letzte Zeichen Seines Vermächtnisses prägen.”

       Wenn daher das große Beispiel und Opfer Christi die Feuer in unserem Herzen entfacht und wir sein Gebot befolgen, werden wir erkennen, daß er nicht vergeblich litt und erst der von ihm empfangene Kelch sein Vermächtnis besiegelte. Doch wenn wir glauben, daß - unbekümmert um die von uns begangenen Fehler - das von Christus vergossene Blut uns für immer von der Macht des Teufels erlösen wird, dann werden wir selbst zum Teufel! Niemand kann andere erlösen. Der Geist kann nur durch eigene Anstrengungen in die vorbestimmte herrliche Welt aufsteigen. ”Glaube ohne Tat ist tot”.

       Alle Großen Lehrer werden Erlöser der Welt genannt, weil sie immer und immer wieder den Pfad des Lichts weisen. Sie können uns jedoch nur helfen und beschützen, wenn wir Ihren Schutz annehmen. Der gesamte Kosmos gründet auf dem Gesetz der Wechselwirkung oder der Gegenseitigkeit, und wo es keinen Widerhall gibt, da gibt es keine Wirkung. Das erklärt, warum Christus dort keine Heilung bewirken konnte, wo es des Glaubens ermangelte und wo kein Streben des Geistes zum heilenden Strahl vorhanden war.

* * *

       Das Sakrament des Großen Opfers hat seinen Ursprung in den ältesten Mysterien. Bei der letzten Einweihung wurde dem Neophyten ein mit dem roten Saft des Granatapfels (Symbol des Blutes) gefüllter Kelch überreicht, dessen Inhalt er in vier Richtungen zu verschütten hatte, als Zeichen seiner Bereitschaft, seine Seele und seinen Körper für den Dienst der Weit hinzugeben, d. h. für die Wahrheit zu leiden. Ebenso wollte Christus dieses Symbol unter seinen Jüngern festigen, um der künftigen Generation das Gedenken an sein Opfer und Vermächtnis zu erhalten. Keine mechanische Kommunion kann unsere Seele erlösen, denn ”Glaube ohne Taten ist tot”.

       Ich entsinne mich eines Gesprächs mit einer Missionsfrau über das Opfer Christi. Sie schlug sich an die Brust und schrie hysterisch, sie wisse, daß Christus für sie gelitten und sie von ewiger Verdammnis erlöst hätte. Ich versuchte, ihr zu erklären, daß Christus nicht für sie, sondern um ihretwillen gelitten hätte. Wir trafen uns natürlich nie wieder. Man nannte uns Heiden und Spione und bedachte uns mit anderen ähnlichen Ausdrücken …

       Für mich gibt es keine größere Gotteslästerung als die Vorstellung eines allbarmherzigen Gottvaters, der seinen eingeborenen und ebenbürtigen Sohn für die Sünden aller Menschen opferte, für jene Menschen, die er nach der Schrift selbst erschaffen hat! Das erinnert an einen bestimmten Akkadischen Herrscher, der seinen Sohn opferte, um den Auswirkungen seiner eigenen Sünden zu entrinnen. Die Geschichte des Altertums berichtet und verurteilt zugleich einen solch barbarischen Begriff von Vaterschaft. Ist es möglich, daß spätere Generationen solch ein Beispiel von Elternliebe annehmen und es zum Status der Göttlichkeit erheben konnten? Jeder echt liebende irdische Vater und jede irdische Mutter würden für die Rettung ihres Sohnes gern ihr Leben opfern. Kann sich dann ein Göttlicher Vater den Menschen, die er selbst geschaffen hat, moralisch unterordnen?

       Allein durch freiwilliges Opfer unter Selbstverleugnung wird die Welt zusammengehalten. In den höheren Welten strahlt der Kelch der Selbstaufopferung in allen Feuern unbeschreiblicher Freude, und nur auf unserer Ebene, der Ebene der Prüfungen und des Leides, ist dieser Kelch voller Bitterkeit und Gift. Der Geist, der die Freude der Selbstaufopferung erkannt hat, ist in sich selbst die höchste Schönheit. Schönheit und Selbstaufopferung sind in der Grundlage des Seins verankert.

       Sie fragen, wie das entsetzliche Beispiel des Verrats durch Judas zu verstehen ist. Wir kennen das okkulte Gesetz, daß Licht Finsternis anzieht; je stärker daher das Licht, um so dichter die Finsternis. So ist es auf allen hohen Pfaden unvermeidlich, den Dienern der Finsternis und den Verrätern verschiedener Grade zu begegnen. Wie Schatten folgen sie der Quelle des Lichts. In der Tat, der ganze Haß der Finsteren bindet sie an den von ihnen gehaßten Gegenstand. Die Möglichkeiten solchen Verrats waren in Judas selbst sicherlich vorhanden. Aus diesem Grunde war er sowohl das Werkzeug der finsteren Kräfte als auch der Hohenpriester und Pharisäer, um deren verbrecherische Vorhaben auszuführen. Daher kann Judas als der Vertreter eines kollektiven Verrats betrachtet werden.

       Da die Menschen das Ausmaß der Zusammenarbeit der sichtbaren und der unsichtbaren Welten im gesamten Geschehen bewußtseinsmäßig nicht voll erfassen, werden sie oft halbbewußt oder unbewußt zum Werkzeug der Diener der Finsternis. In der Tat, man kann behaupten, daß zwei Drittel aller menschlichen Handlungen unter dem Einfluß von sichtbaren wie auch unsichtbaren Einflüsterern vollführt werden. Und diese Einflüsterer gehören, entsprechend dem mentalen Zustand der Menschen, zum Großteil den Bewohnern der an die Erde grenzenden niederen Sphären an. Die Bewohner der irdischen Ebene unterliegen leicht dem Einfluß der niederen Sphären, wogegen die reine, höhere Beeinflussung einem reinen Gefäß zuteil wird.

       Es heißt, daß der Strahl der höheren Welt kein ”nasser Mull“ ist, und wird der Strahl vom Herzen nicht aufgenommen, kann das Resultat solch einer ungewohnten Beeinflussung das Denken verwirrt werden. Denken wir daran, daß bei Hieroinspiration die großen geistig Schaffenden ihre Körper Jahre hindurch mittels verschiedener Läuterungen und Enthaltsamkeit vorzubereiten pflegten. Denken wir auch an die Erschütterungen, die sogar sehr Hohe Geistwesen in ihrer physischen Inkarnation erfuhren, als sie von Bewohnern der Feurigen Welt heimgesucht wurden. Denken wir an den Schock des Heiligen Sergius, der ergraute bei der Vision der Gottesmutter, obwohl sein Geist der Höheren Welt angehörte.

       Jetzt dürfte Ihnen klar sein, daß jene, die berichten, daß ihnen Höhere Geistwesen erscheinen und dabei nicht vom heiligen Beben sprechen, das das Herz in einen unbeschreiblichen Zustand versetzt, der fast einem Herzschlag gleicht, entweder nicht die Wahrheit sagen oder von einem Personifikator aus der Feinstofflichen Welt irregeführt werden.

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       Ihre Auslegung über Gott ist richtig. Wahrlich, man muß zeigen, daß der wahre Gottesbegriff allumfassend ist. ”In ihm bewegen wir uns und haben unser Sein; …” Wenn es den Begriff des Unbegrenzten gibt, dann ist Gott selbst die Unbegrenztheit. Daher müssen alle Gespräche über Gott - Ihn unweigerlich begrenzen. Alles, was wir tun können, ist, uns in tiefer Ehrfurcht zu verneigen vor dieser unaussprechlichen Macht und Schönheit und in höchster Herzensfreude und frohlockenden Geistes diesem Mysterium der Mysterien der Großen Unbegrenztheit zuzustreben. Der Pfad, sich Gott zu nähern, ist wahrlich unbegrenzt.

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       Es ist richtig, so viele Hinweise wie möglich über die große Bedeutung des Herzens zu sammeln. Das Herz ist die Wohnstätte Gottes. Die Nähe Gottes kann nur vom Herzen gefühlt werden. Sicherlich, das Herz bringt uns Ihm näher, aber es kann uns auch von Ihm entfernen.

       Ja, der Raum ist erfüllt von herzzerreißendem Klagen, aber irdische Ohren können es selten vernehmen. Es ist weder Traurigkeit noch Gram, es sind entsetzliche Klagerufe.

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       Zweifellos weisen die von uns aufgefangenen, für andere jedoch nicht hörbaren Töne auf Verfeinerung des Gehörzentrums hin. Ebenso kann der Schmerz im Solarplexus mit der Zunahme der Feinfühligkeit zusammenhängen. Ich rate Ihnen dringend, Soda bicarbonat einzunehmen, wenn Sie diese Schmerzen verspüren. Läßt der Schmerz jedoch nicht nach, dann können Sie die Dosis verstärken. Soda ist in vielen Fällen der Zentrenentflammung unentbehrlich. Denken Sie daran, daß Soda ”Die heilige Asche“ genannt wird. Sie verhindert übermäßige Entflammung. Allgemein ist Soda für fast alle Krankheiten nützlich und außerdem ist sie ein gutes Vorbeugungsmittel. Fürchten Sie daher nicht, sie einzunehmen, genauso wie Baldrian.

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       Die finsteren Kräfte greifen vornehmlich alle reinen Unternehmen an, besonders jene, die unter dem direkten Strahl der Kräfte des Lichts stehen. Die Verräter werden zugelassen, denn nach dem Gesetz wirkt die Kraft des Rückschlags proportionell zur Kraft des Widerstandes. Harmagedon ist notwendig; der Zusammenprall der Gegenkräfte ist notwendig. Der Weltenbrand ist notwendig, damit der menschliche Geist aufschreit und endlich erkennt, daß er nicht mit seinem Nächsten, sondern mit sich selbst und mit den Kräften des Chaos und der Elemente, die ein unermeßliches Feld für schöpferische Prüfungen bieten, zu ringen hat.

       Ich möchte diesen Brief beenden, jedoch bleibt noch ein Blatt leer, und so will ich weiterschreiben, und zwar über die Sündenvergebung. In der esoterischen Lehre heißt es, daß die Vergebung persönlicher Sünden nur durch Christus - den Gekreuzigten - erfolgen kann, der während des ganzen Maha-Yuga (des großen Zyklus) am Kreuz leidet, das eingeprägt ist im Raum durch die Kreuzung der Grenzlinie der Materie mit jener des Geistes.

       Die Vergebung persönlicher Sünden geschieht durch die Seele, den Träger Christi, fast ununterbrochen im irdischen Leben des individuellen Ego. Wenn das Streben der Seele auf die Befolgung des Göttlichen Gesetzes gerichtet ist und die Wünsche des Körpers besiegt, wird die niedere Natur völlig umgewandelt. Der Prozeß des Überwindens und der Umwandlung gipfelt schließlich in der Verschmelzung der individuellen Seele mit der Höheren Seele.

       ”Der gekreuzigte Christus ist in jedem menschlichen Wesen gegenwärtig, das nach Erreichung eines bestimmten Entwicklungsgrades in die Hölle hinuntersteigen und die durch ungesetzliche Taten ihres niederen Ego gefangene Seele in den höheren Zustand zurückbringen muß. Mit anderen Worten, die Göttliche Liebe muß das Herz eines Menschen erreichen und ihn besiegen und erneuern, bevor er die Ungeheuerlichkeit seiner Sünden gegen das Göttliche Gesetz und gegen sich selbst erkennt. Die ”Vergebung“ kann nur durch völlige Verschmelzung und Vereinigung mit dem höheren Ego oder dem Göttlichen Gesetz der Liebe erlangt werden”.

       So können wir nur durch die Umgestaltung der Energien und Gefühle sowie durch die Beschaffenheit der Gedanken dem magischen Kreis des Karma entrinnen. Daher seien alle höheren Gefühle, die uns aus der Gewöhnlichkeit emporheben, unsere Schwingungen erhöhen und verfeinern und unsere Nervenzentren öffnen, gesegnet!

       Ich sende Ihnen Gedanken des Mutes und der Freude. Die Niedergeschlagenheit soll Sie nicht beunruhigen, denn derzeit sind diese Gefühle unvermeidlich. Die ganze Welt steht unter einer furchtbaren, nie dagewesenen Spannung, und feinfühlige Organismen spüren sie natürlich weit stärker. Der Rhythmus der Spannungswellen wird sich nach der Niedergeschlagenheit in eine Welle der Erhebung und Freude des Geistes wandeln.

       15. Juni 1936

       Herzlichen Dank für alle von Ihnen zum Ausdruck gebrachten schönen Gefühle. Ich habe mich besonders über Ihr unvoreingenommenes Verhalten gegenüber den ”Mahatma Letters“ an A. P. Sinnett sehr gefreut. Sie haben in Ihrem Urteil über bestimmte Kreise völlig recht. Selbst durch Leid wird eine bestimmte Klasse von Menschen kaum oder gar nicht belehrt und veredelt. Träge Bewußtseine werden eben in ihrer verkrampften Bosheit immer mehr verhärtet. Vielleicht ist Ihnen bekannt, daß die BÜCHERREIHE der LEBENDIGEN ETHIK von einigen Theosophen als gefährlich hingestellt und eine Verordnung herausgebracht wurde, sie nicht zu lesen. Wiederum können wir nur sagen: ”Sie kennen ihr Eigenes nicht!” Nichtsdestoweniger mehren sich die Gruppen um die LEHRE der LEBENDIGEN ETHIK, obwohl es unter ihnen einige gibt, die, obwohl sie alle Bücher der Lebendigen Ethik annehmen, die ”Mahatma Letters“, die zur Zeit von H. P. Blawatsky herausgebracht wurden, nicht anerkennen und sie wegen der Zusammenarbeit als gottlos bezeichnen! Es ist völlig berechtigt, die Frage zu stellen, ob sie die Bücher der Lebendigen Ethik auch verstehen? So bin ich froh, einem Bewußtsein begegnet zu sein, das frei ist von Vorurteil und Beeinflußbarkeit. Die Fähigkeit, selbständig das Verdienst dieser oder jener Lehren zu erkennen, ist keine geringe Errungenschaft.

       Sie schreiben, man bedauert, daß die Bücher der Lebendigen Ethik in der neuen russischen Orthographie erschienen sind, denn ”verschiedene Ahrimans wurden zum Vorteil für ihre eigene Propaganda in Anspruch genommen …”. Dazu muß ich sagen, wir sollten solche Anspielungen übergehen, denn in diesem Fall enthüllen die ”Ahrimane“ ihre eigene Unwissenheit. Wir können sie daran erinnern, daß die Änderung der Orthographie von der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften lange vor der Revolution beschlossen wurde, aber der Krieg verhinderte die Durchführung dieses Beschlusses. Im Zusammenhang damit entsinne ich mich einer eher betrüblichen Begebenheit. Im Jahre 1917, während unseres Aufenthaltes in Finnland, besuchte uns Herr Professor R. In einem Gespräch mit ihm erwähnte ich, daß ich kürzlich ein Buch mit der neuen Orthographie erhalten hätte und solche unzulängliche Ungelehrtheit nicht lesen könne. Nebenbei brachte ich mein Mißfallen über jene Leute zum, Ausdruck, die nur auf leichte Aneignung bedacht sind und andere Intellekte wahrscheinlich nach ihrem eigenen messen. Sie können sich meine Verlegenheit vorstellen, als mir der verehrte Professor erklärte, daß diese Maßnahme durch ein Sonderkomitee der Akademie der Wissenschaften bereits vor dem Krieg getroffen wurde und er selbst diesem Komitee angehörte!

       Aber ich muß hinzufügen, daß mir die neue Orthographie jetzt keine Schwierigkeiten mehr bereitet, obwohl ich sie nicht völlig gutheiße. Den Buchstaben ”je“ (ein jetzt abgeschaffter Buchstabe) überlasse ich mit größtem Vergnügen dem Professor R. und seinem gelehrten Kollegium! Zu den üblichen Einwänden, daß man durch Fortfall dieses Buchstabens nicht verstehen könne, wann das Wort ”jest“ = ”sein“ und wann es ”essen“ bedeutet, möchte ich sagen: Wenn jemand bei den Wörtern ”gnjezda“, ”sjedla“ und ”zwjezdy“ (Nester, Sattel und Sterne) anstatt ”je“ den Vokal ”e“ nimmt, er diese phonetische Übereinstimmung genausoleicht aufnimmt. Nicht anders ist es, wenn das Wort ”ocel“ nicht ”Esel“ bedeutet; dann braucht man nichts anderes zu tun, als auf den unglückseligen Buchstaben die beiden Punkte zu setzen, und es wird wahrscheinlich ”ocël“ (Stahl) gelesen. Heißt es nicht sehr gut in der Lehre, daß die Menschen bereit sind, jeden aufgegebenen Buchstaben zu beklagen? Gerade diese Worte beziehen sich auf die Entrüstung gewisser Menschen über die neue Orthographie. In allem muß Beweglichkeit zutage treten sowie Streben nach Vereinfachung, aber gewiß nur zum Zweck der Verbesserung. Daher will ich ganz offen sagen, daß ich die neue Orthographie nicht völlig gutheiße. So finde ich, daß die Abschaffung der Mehrzahl des weiblichen Geschlechts das Verstehen des genauen Sinnes erschwert, so z. B. wenn in langen Sätzen Zweifel aufkommt, auf welches der verschieden-geschlechtlichen Hauptwörter sich die Für- und Eigenschaftswörter beziehen. Ich bin auf diese Schwierigkeiten des öfteren bei meinen Übersetzungen aus dem Englischen gestoßen, wo das weibliche Geschlecht überhaupt fehlt, mit Ausnahme bei Fürwörtern der Einzahl.

       Verhalten wir uns daher gegenüber den Angriffen der schadenfrohen ”Ahrimane“ völlig gelassen. Disziplin und Vergleichbarkeit lehren uns, in allem geziemende Toleranz zu üben.

       18. Juni 1936

       Man sollte meinen, daß unvoreingenommene Gemüter die Geschehnisse in der Welt im Lichte der LEBENDIGEN ETHIK sehen und fähig sind, die Evolution und das Streben der alten Welt zu erkennen und daher zu verstehen, daß neue, erweiterte Bewußtseine nötig sind, um die neuen Aufbauformen anzunehmen, die uns das Leben selbst aufzwingt. Ich habe des öfteren darüber geschrieben, daß alles Geschehen klar erkennen läßt, in welche Richtung die Evolution verläuft. Es bildet sich die Ära allgemeiner Zusammenarbeit, gemeinsamer Arbeit und kollektiver Solidarität aller Schaffenden, ohne Rücksicht auf Klassenunterschiede. Das wichtige Problem, dem die Menschheit derzeit gegenübersteht, ist eben die Synthese des Geistigen mit dem Materiellen. Neue Errungenschaften in der Wissenschaft, neue Erforschungen und Entdeckungen der Gesetze der psychischen Energie werden ein neues Eindringen und Verstehen der subjektiven oder geistigen Welt ermöglichen. Zweifellos wird die Entdeckung der Gesetze der psychischen Energie dazu beitragen, eine neue Lebensordnung zu errichten. Das Band zwischen der dichtphysischen und der Feinstofflichen Welt, der Welt der Energien, wird sichtbar, und die Höhere Weisheit wird durch die das gesamte Sein lenkende und verbindende Kraft bestätigt werden.

       Die Welt der Zukunft, die höhere Welt, ausgerüstet mit den Strahlen der Laboratorien, wird verkündet werden. Vor allem die Laboratorien offenbaren den Vorteil der höheren Energie; und die Überlegenheit der psychischen Energie des Menschen gegenüber allen bisher bekannten Energien wird nicht nur bewiesen, sondern der offenkundige Unterschied der Qualität wird erfaßt werden. Damit wird die Bedeutung der Geistigkeit überzeugend zutage treten.

       Das Wahrnehmen der höheren Gesetze wird die Technik dem Geiste unterordnen; daher wird die Wiedererkennung der höheren Ziele bestätigt und zur Erneuerung der gesamten materiellen Natur führen. Diese Erneuerung der Natur und des wiedererweckten Geistes der Menschen wird neue, bessere Formen des Lebensaufbaues erbringen. So empfehle ich Ihnen, alle Zeichen, die aus dem Neuen Lande kommen, aufmerksam zu beobachten.

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       Und jetzt zu Ihrer Frage über die sechste Rasse. Ja, in vielen theosophischen Büchern, so auch in der ”Geheimlehre“, finden wir den Hinweis, daß sich die sechste Rasse in Amerika sammeln wird. Aber gerade in der ”Geheimlehre“ stieß ich diesbezüglich auf einen Widerspruch. An einer Stelle heißt es, daß die sechste Sub-Rasse der fünften Rasse in Amerika erscheinen wird, wogegen an einer anderen Stelle von der sechsten Wurzelrasse gesprochen wird. Unzweifelhaft besteht aber zwischen den Begriffen Sub-Rasse und Wurzelrasse ein ungeheurer Unterschied. Bei der Entstehung Amerikas gehörte die Mehrheit der Ansiedler zur sechsten und auch zur siebenten Subrasse der fünften Rasse. Es ist ziemlich auffallend - niemand beachtet diese seltsame Tatsache, daß in der theosophischen Literatur fast nirgendwo unser Land erwähnt wird, als fände ein sechster Teil der Welt keinen Raum im kosmischen Plan und in der Evolution. Fast niemand fragt sich, warum dies so ist und welchen Grund es hat! Ich will die Antwort geben: Das Geheimnis wird sorgfältig behütet; und würde es ausgesprochen, daß diesem Land eine große Zukunft bevorsteht, es würde in Stücke gerissen werden. Darüber hinaus hätte man auch die ”Geheimlehre“ nicht angenommen. Was die sechste Rasse betrifft, so werden einzelne Individuen, die ihr angehören, in allen Ländern geboren, und die meisten von ihnen werden zur rechten Zeit an zentralen und sicheren Orten gesammelt werden. Genauso wie die Saatkörner der fünften Rasse gerettet wurden, so werden auch die Saatkörner der sechsten Rasse beschützt werden.

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       Ja, der Geist oder jede Monade wird unter dem Strahl eines bestimmten Gestirns geboren, und daher enthält dieses Geisteskorn in seiner Potenz die gleichen Energien, die dem Gestirn, das während des ganzen Manvantara sein Leitstern bleibt, eigen sind.

       So gehört die gesamte Menschheit, je nach dem Geisteskorn, verschiedenen Planeten an, obwohl sie sich insgesamt auf der Erde - einer ihrer derzeitigen Stationen - befindet. Freilich, es gibt Scharen von Geistern, die einem Gestirn oder dem Strahl des Dhyani-Buddha angehören, der sie hervorbrachte, aber nur der, der diesem Strahl am nächsten steht, wird zum führenden Haupt des Planeten. Folglich sammelt jeder Große Lehrer jene, die seinem Strahl oder dem Potential seiner Energien am nächsten stehen. Aus diesem Grunde ist jedes Schwanken, jede Abweichung und vor allem jeder Abfall vom Lehrer, sobald man einen solchen erwählte, so verderblich. Durch widersinniges Schwanken können wir von unserem kosmischen Vater getrennt werden, der allein unsere Zentren in ihrer ganzen Vollkommenheit zu entfachen vermag. Nun werden Sie erkennen, wie heilig das Band zwischen Guru und Schüler ist! Denn wer könnte wissen, wäre es ihm nicht enthüllt, daß der von ihm erwählte Guru nicht sein kosmischer Vater und auch sein Guru ist? Denn unter jenen, die sich der Lehre nähern, gibt es solche, die von einem Lehrer zum anderen laufen, hoffend, ihren Fortschritt zu beschleunigen. Aber nur Unwissende können so denken; sie erkennen die Bedeutung des okkulten Bandes nicht, noch wissen sie, mit welcher Schwierigkeit und Geduld es gewebt wurde und daß Gereiztheit und Zweifel - von Verrat und Abtrünnigkeit ganz zu schweigen - ein Werk von vielen Jahren augenblicklich zunichte machen können.

       In der ”Geheimlehre“, Band I, S. 267 und 626, heißt es: ”Die ”Dreiheiten“ (menschliche Monaden), die unter demselben … Planeten geboren werden, oder vielmehr die Ausstrahlungen eines und desselben Planetengeistes (Dhyani-Buddha), sind in allen ihren darauffolgenden Leben und Wiedergeburten Schwester- oder ”Zwillings“-Seelen auf dieser Erde …”. ”Der Stern, unter dem eine menschliche Wesenheit (Monade) geboren wird, sagt die okkulte Lehre, wird sein Stern bleiben während des ganzen Zyklus der Wiederverkörperungen in einem Manvantara. Aber dieser Stern ist nicht auch sein astrologischer Stern. Der letztere hat nur Bezug auf die Persönlichkeit und im Zusammenhang mit ihr; der erstere dagegen entspricht der Individualität. Der ”Engel“ (oder Regent) dieses Sterns oder der mit ihm verbundene Dhyani-Buddha, wird entweder der lenkende oder nur der vorstehende ”Engel“, das heißt, er wird bei jeder neuen Wiedergeburt der Monade sein, die ein Teil seiner eigenen Wesenheit ist, obwohl ihr Vehikel, der Mensch, für immer über diese Tatsache unwissend bleiben mag. Jeder der Adepten hat seinen Dhyani-Buddha, ihre ältere ”Zwillingsseele“, und sie kennen diese, nennen sie ”Vater-Seele“ und ”Vater-Feuer“. Jedoch erst bei der letzten und höchsten Initiation, wenn sie Angesicht zu Angesicht mit dem hellen ”Bilde“ gestellt werden, erkennen sie diese.

       So ist unser Schutzengel der Dhyani-Buddha jenes Planeten, unter dessen Strahlen unsere menschliche Wesenheit empfangen wurde.

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       In allen Epochen konnten leere Gräber oder solche, die Ersatzkörper enthalten, gefunden werden. So gibt es zwar ein Grab vom Grafen Saint Germain, in Wirklichkeit aber ist dort ein Ersatzkörper begraben. Daher muß man okkulte Romane mit großer Scharfsichtigkeit aufnehmen. Derzeit, darüber besteht kein Zweifel, können ihre Verfasser bestimmte Dinge aus räumlichen Berichten auffangen, aber zum Großteil werden diese äußerst entstellt wiedergegeben.

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       Ja, Sie können sich damit befassen und die Vorstellung hegen, daß eine weitere Geschichtsrunde zu Ende geht. Kein Strom fließt rückwärts. Die neue kommende Runde wird sicherlich schön sein, denn alle Himmelszeichen bestätigen in ihren Konstellationen eine große Erneuerung und Wohltätigkeit. Ihr Herz möge es Ihnen sagen, woher die Wohltätigkeit kommt. Beachten Sie aufmerksam alle Zeichen, und Sie werden gewahren, wie vieles sich jetzt ereignet; das Herz möge sich über die Beschleunigung der Ereignisse freuen. Keine Macht kann dem Rad des Karma Einhalt gebieten. Kein Unheil, das dieses oder jenes Land trifft, ist Zufall, und daher gibt es weder Raum für Arglist noch für Selbstbemitleidung. Prüfen wir alles mit der notwendigen Erkenntnis und leisten wir zur Erweiterung des Bewußtseins und zum Verstehen der Ereignisse unsere äußersten Anstrengungen. Verfolgen Sie kühn die Ereignisse, und Sie werden merken, daß alle hochgetriebenen Werte unter dem Druck von Karma zerbröckeln.

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       Es ist völlig richtig, daß es an uns selbst liegt, ob wir aus etwas Unflätigkeit oder Güte herausholen. Von allen Großen Lehrern wird die Goldene Mitte oder der Pfad des Großen Gleichgewichts geboten. Fühlt sich jemand von dem durchschnittlichen Theater oder von erstarrten Riten nicht angezogen, so möge er sich nicht zwingen. Das wäre einfach eine verderbliche Zeitvergeudung, die für wertvolle Arbeit im Dienste des Allgemeinwohls besser genutzt werden konnte. Ich glaube daß man beschränkte, in alten Vorurteilen und Begriffen erstarrte Bewußtseine schwerlich allein durch Verweilen unter ihnen und entsprechende Gespräche mit ihnen ändern kann. Wenn sie jedoch selbst anklopfen, so ist es etwas anderes; doch zu ihnen zu gehen und ihnen die Augen zu öffnen versuchen, ist zwecklos.

       22. Juni 1936

       Ich danke Ihnen für Ihre Bücher aus Shanghai. Da wir sie jedoch schon besitzen, wäre es vielleicht angebracht, sie Ihnen zurückzusenden. Was das Buch von Bajenow betrifft, so hatte ich noch keine Zeit, es aufmerksam zu lesen. Ich habe es jedoch durchgeblättert und festgestellt, daß es einige richtige Angaben und Erklärungen enthält, die auf astrologischen und kabbalistischen Daten gründen. So kennt man bereits die Bedeutung des Jahres 1936 und des Monats September desselben Jahres mit seiner guten Voraussage für unser Land. Ebenso richtig ist, daß Israel eigentlich der ”Auserwählte“ bedeutet; daher kann man in jedem Volk ”Israels“ begegnen. Im übrigen ist das Buch nicht schlecht, abgesehen davon, daß es einige Irrtümer aufweist. In welchem Buche gibt es solche nicht, ganz gleich wovon es handelt. Daher könnte man Bajenows Buch den Menschen empfehlen, um denken zu lernen.

       Freilich ist der Autor des englischen Buches, aus dem Bajenow seine Information bezog, nicht frei von der allgemeinen menschlichen Schwäche, das Beste seines eigenen Landes und Volkes hervorzuheben. Und das sollte man natürlich in Betracht ziehen, doch es scheint mir, daß Bajenow es selbst bemerkte. In Zusammenhang mit diesen Büchern verweise ich auf einen Artikel von H. P. Blawatsky über die Auslegung biblischer Prophezeiungen. In dem Artikel ”Hoseas Prophezeiung über verrostete Gleise“ sagt sie, daß es nach den kabbalistischen Schriften mit der Methode des Notaricon möglich ist, aus jeder Prophezeiung und jedem Satz der Bibel die Bedeutung herauszulesen. Als Beispiel führt sie einen Fall kabbalistischer Berechnung und Auslegung des 14. Verses, Kapitel 113 des Buches des Propheten Hoseas an. Dieser Vers, nach dieser Methode ausgelegt, soll die Katastrophe des kaiserlichen Zuges bei Borki prophezeien sowie die wundersame Errettung der kaiserlichen Familie am 17. Oktober 1888 nach dem hebräischen Kalender im Jahre 5649. Natürlich hat dieser Vers nur Bedeutung, wenn er in russisch gelesen wird, aber H. P. B. verweist darauf - falls einmal ein englischer Kabbalist ihn liest -, daß Hosea auch das Auftreten des niederträchtigen Mörders des Jack the Ripper in Whitechapel (das jüdische Viertel Londons) und vieles andere vorausgesagt hat.

       Ich selbst hörte, intelligente Leute versuchten zu beweisen, daß in der Apokalypse die Bolschewiken und sogar die Anzahl der Tage ihrer Macht erwähnt wären und der dort erwähnte Michael kein anderer wäre als der Großherzog Michael Alexandrowitsch. Ich erwähne dies sicherlich nicht, um das Buch von Bajenow in Mißkredit zu bringen, sondern einfach deshalb, um jene zu warnen, die sich von der Erforschung der biblischen Prophezeiungen so hingezogen fühlen. Irrtümer entstehen oftmals nicht durch unrichtige Angaben, sondern vielmehr durch unrichtige Deutung. So befindet sich z. Beispiel das neue irdische Jerusalem nicht in Palästina, doch sein wahrer Standort kann noch nicht enthüllt werden. Kennen Sie übrigens die Prophezeiung von L. Tolstoj kurz vor seinem Tode? Wir haben kürzlich ein kleines Buch in russisch erhalten; ich konnte es kaum zu Ende lesen. Diese gekünstelte Sprache mit ”dreifach-gelagerter“ wissenschaftlicher Terminologie tötet jeden Gedanken. Klarheit des Bewußtseins offenbart sich vor allem in einfacher Ausdrucksweise.

       Ich empfehle Ihnen, psychische Energie zu erstreben sowie über alles nachzudenken, was auf Erneuerung des Lebens zielt. Wenn man von der Bruderschaft spricht, muß man äußerst vorsichtig sein, um diesen heiligen Begriff nicht durch gotteslästerliche Bemerkungen zu profanieren. Geben Sie allen diesen Rat.

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       Und nun über Atlantis. Der Artikel über die Funde Schliemanns ist interessant, doch der Schluß, wo von Manuskripten gesprochen wird, die man in Mexiko und Peru gefunden haben will, hat Themen aus den Chroniken alter buddhistischer Tempel in Lhasa zum Inhalt. Diese Chroniken sollten sehr ernsthaft erforscht werden. Lhasa selbst, soweit es die Stadt dieses Namens betrifft, ist nicht älter als das siebente Jahrhundert nach Chr. Darüber hinaus sind die ersten buddhistischen Tempel im selben Jahr erbaut worden. Wenn man schließlich die völlige Abgeschiedenheit dieses Volkes und jener Örtlichkeit kennt, könnte man fragen, wie konnten diese Chroniken nach Zentralamerika gelangen? Selbst wenn man annimmt, daß irgendeine Keilschrift dieser Form in der Zeit der Atlantis von Asien nach Zentralamerika überbracht wurde, könnte es sich um diese Zeit sicherlich nicht um Lhasa oder buddhistische Tempel handeln, weil diese damals noch nicht existierten.

       Haben Sie diesen Artikel von S. erhalten? Er trägt den Stempel derselben Hand. An W. Scott-Elliots Buch, das Sie erwähnen, kann ich mich nicht erinnern. In der ”Geheimlehre“ gibt es über Atlantis jedoch gute Aussagen; sowohl die Ausgrabungen Schliemanns als auch die Beiträge von Platon sind hier erwähnt. Ebenso gibt es im zweiten Band der Zeitschrift ”Lucifer“, Seite 465, englische Ausgabe, einen beachtenswerten Artikel über Atlantis. Er gründet auf Platons Werken ”Timaios“ und ”Kritias“. Ich schlage vor, daß Sie diese Auszüge aus der ”Geheimlehre“ übersetzen und zusammen mit Ihren eigenen fundierten Aussagen aus dem Artikel ”Lucifer“ und dem Buch von Scott-Elliot in einem Artikel zusammenfassen.

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       Glauben Sie ja nicht, daß wir auf Anerkennung aus sind. Nichts steht unserer Absicht ferner. Die jetzt gegebene Lehre muß und wird für den eigenen inneren Wert genutzt werden. Wenn jemand, in seinem Käfig sitzend, unfähig ist, das kosmische Ausmaß dieser Lehre zu begreifen, können wir ihm nur raten, sein beschranktes Blickfeld sobald wie möglich zu erweitern. Daher werden wir nie jemanden anlocken. Nur jene, die selbst anklopfen, finden bei uns offene Türen, und wir haben auch unter den Theosophen viele Freunde. 1925 erhielt N. K. den Auftrag, das Gemälde ”Der Bote“ zu malen und es dem nach H. P. Blawatsky benannten Museum zu stiften. Durch dieses Geschenk und durch die Errichtung dieses Museums wollte der Große Lehrer jenen, die auszulöschen gewisse ihrer Nachfolger bemüht waren, ein ewiges Denkmal setzen.

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       Wenn wir keine sofortige Antwort oder Bestätigung erhalten, so bedeutet das, daß es dafür besondere Gründe gibt. Sie wissen, daß jetzt auf allen Ebenen eine unerhörte Schlacht tobt! Die Kräfte des Bösen lenken die unterirdischen Feuer an eine bedrohte Stelle, um die Erdkruste zu spalten. Und nur durch unermüdliche Wachsamkeit aller Kräfte des Lichts wird unser Planet schließlich vor Explosion bewahrt; ihre Anspannung in dieser Schlacht ist ungeheuer. Die blutigen Schweißtropfen, von denen gesprochen wird, sind keine Übertreibung sondern Wirklichkeit. Darüber hinaus ersticken die Kräfte des Lichts die Blitze des Bösen und drängen den kriegerischen Geist vieler Völker zurück, um zu retten, was es zu retten gilt. So erfüllen sie inmitten des Chaos des kosmischen - des überirdischen und irdischen - Kampfes den Plan des Lichts und schützen jene Elemente, die sich für die Evolution qualifizierten, um sie so in die rechten Kanäle zu lenken. Ganze Sphären der niederen Schichten der feinstofflichen Welt brechen jetzt zusammen! Und gibt es viele Bewußtseine, die die Bedeutung und Folgen dieser Zerstörung zu erkennen vermögen?

       Wie könnten wir daher die Kräfte des Lichts mit unseren Bitten und Fragen behelligen, da wir doch um das gigantische Ausmaß dieser unaufhörlichen Schlacht wissen? Es sollte immer das rechte Maß eingehalten werden. Wir wissen, daß alles dringend ist und alles Wichtige zur rechten Zeit mitgeteilt wird; daher warten wir geduldig, und oft kommt die Antwort unverzüglich

       So müssen jetzt alle Krieger des Lichts die Bedeutung all dessen, was im Harmagedon vor sich geht, klar erkennen. Mut, Standhaftigkeit und unermüdliche Wachsamkeit sind nötig!

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       Ich erhielt das Buch ”Photographien des Unsichtbaren“ von James Coates. Über dieses Thema sollte man einen Artikel schreiben sowie auch über Gedankenübertragung auf Entfernung. All dies gehört in den Bereich der psychischen Energie. Es gibt jetzt viele von namhaften Verfassern veröffentlichte bedeutende Bücher, die die parapsychologischen Erscheinungen berühren. Auch das Buch von Professor Rhine von der Duke Universität enthält viele interessante Feststellungen.

       25. Juni 1936

       Es ist gut, wenn Sie erkannt haben, daß Ehrlichkeit gegen sich selbst die Hauptforderung des Fortschritts ist, und ich möchte hinzufügen - immer und in allem. Gerade ”bei der Arbeit an sich selbst muß man der Lüge Schild verkaufen” (Blätter des Gartens MORYA II, § 5).

       1. Der Begriff Resonanzseele bei Tieren schließt durchaus nicht das Vorhandensein eines individuellen Geisteskorns in jedem Tier aus. Der Begriff Resonanz an sich schließt jedoch Unteilbarkeit aus. Für mich ist das so klar, daß es wirklich keiner näheren Erklärung bedarf. Wenn die Individualität erwacht, dann gehen allmählich entsprechende Veränderungen und eine Zurückziehung aus der Grundgruppe vor sich. Ich rate Ihnen ernsthaft, diese Frage gründlich zu untersuchen und den Ausspruch ”Ich bin ich“ nicht zu verwenden, wenn von ”Individualisierung“ bei Tieren gesprochen wird. Das Selbstbewußtsein eignet nur der menschlichen Entwicklung.

       2. ”Überholen und Qualitätsänderung des Karma“. Beide Ausdrücke werden nur von dem Richtig verstanden, der sich dieses Gesetz völlig zu eigen gemacht hat.

       3. Und nun über die ”Heuschrecken“, von denen in den BÜCHERN der LEBENDIGEN ETHIK gesprochen wird, worüber einige Leute sehr erstaunt waren. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Tatsache, daß der Raum infolge chaotischer Schwingungen der niederen Energien in Gedanken und Emotionen derart verunreinigt wird, daß die unerwünschten Gäste durch allerlei Arten von Mikroben angezogen werden und verschiedene Epidemien verursachen. Diese unharmonischen Ströme rufen mancherlei Unheil hervor. Daher können auch solche Erscheinungen wie Heuschreckenschwärme durch entsprechende Schwingungen angezogen werden. Alle niederen Wesenheiten können den hohen Schwingungen nicht widerstehen. So glaubt man in Indien ernsthaft daran, daß ein Sadhu allein durch seine Anwesenheit ein Dorf in seiner Nähe vor Epidemien, Erdbeben, Überschwemmungen und anderem Unheil bewahren kann.

       Und so ist es: Ist solch ein Sadhu tatsächlich ein Einsiedler, der ein heiliges Leben führt, erhebt er die umgebende Schwingung durch die Macht seiner Aura und bringt sie in Harmonie, wodurch er chaotische Intrusion verhindern kann. Wie Sie sehen, belächeln die Anfänger wie auch die Unwissenden gern alles, ohne zu ahnen, daß sie in Wirklichkeit über sich selbst lachen. Tatsache ist, daß gerade unwissende oder ungebildete Menschen gern die kompliziertesten, dreifach-gelagerten Wörter verwenden, die sie kaum verstehen, um als gelehrt zu gelten; wohingegen ihnen alles Klare und Einfache unwissenschaftlich erscheint und so Gegenstand des Spottes wird. In Indien jedoch wird Einfachheit in der Ausdrucksweise als höchste Errungenschaft erachtet, weil Einfachheit von Klarheit des Verstehens zeugt. Die höchste Wahrheit offenbart sich allein in der Erhabenheit der Einfachheit. Sicherlich, diese Einfachheit ist oft von besonderer Art, genauso wie Freude eine besondere Art der Weisheit ist.

       Ein und dasselbe Prinzip - das feurige Element - offenbart sich in verschiedenen Aspekten und Eigenschaften im menschlichen Mikrokosmos und ist auch in seinem aurischen Raum eingelagert. Der feinstoffliche Körper wird manchmal in den höheren und den niederen oder Astralkörper unterteilt. Dieser Astralkörper oder Doppelgänger kann ganz leicht austreten und bei Medien geschieht dies ohne eigenen Willen. Viele Phänomene in spiritistischen Seancen vollziehen sich durch diesen Doppelgänger, der die Verbindung zwischen der Seele und dem physischen Körper des Menschen darstellt, ähnlich wie bei Ätherwellen, die zwischen drahtlosen Telegraphenstationen in Bewegung gesetzt werden. Der feinstoffliche Körper hat viele Abstufungen, aber der höchste Zustand des Mentalkörpers eignet der Feurigen Welt.

       Ich schätze Ihr entschlossenes Streben sehr - es ist das ”Sesam öffne dich“ der Errungenschaften. Denken Sie an alles, was in den BCICHERN der LEHRE über Streben gesagt ist: ”Streben ist das Boot des Archaten” (Gemeinschaft, § 55).

* * *

       Ich vermag Ihren Körperzustand zu beurteilen und rate Ihnen daher, ihn ins Gleichgewicht zu bringen. Bemühen Sie sich, psychische Gelassenheit zu erlangen und überlasten Sie ihr Gehirn nicht. Lesen Sie langsamer und denken Sie mehr nach. Schreiben Sie die Gedanken nieder, die Ihnen in den Sinn kommen, und später lesen Sie sie wieder, um den Fortschritt in der Klarheit und der Verständlichkeit des Ausdrucks zu verfolgen.

       Und jetzt möchte ich Ihre Gruppe warnen. Oft erinnern einen die Anfänger und jene, die sich der Heiligen Lehre eben erst näherten, an Medizinstudenten des ersten Semesters. Wenn sie darangehen, verschiedene Krankheiten zu studieren, verspüren sie die Symptome aller bestehenden Krankheiten in sich selbst. Ähnlich beginnen einige Novizen, sich heilige Schmerzen zuzuschreiben sowie die erhabensten Errungenschaften, über die sie in den Büchern der Lehre lesen. Vor solchen Neigungen müssen sie gewarnt werden, denn dies zeugt vom Vorhandensein unerwünschter Eigenschaften des Geistes, wie Eitelkeit und Mangel an Unterscheidungsvermögen. Wenn diese Eigenschaften nicht überwunden werden, ist Fortschritt auf dem geistigen Pfad unmöglich. Darüber hinaus muß daran erinnert werden, daß, solange das dreißigste Lebensjahr nicht erreicht ist, das öffnen der Zentren ohne Schaden für den Organismus unmöglich ist.

       Ich spreche natürlich nur vom normalen gesunden Körper Bei sogenannten Medien können sich verschiedene Erscheinungen bereits im früheren Alter zeigen.

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       Für sehr nervöse Menschen können kalte Schauer schädlich sein. Tun Sie Ihrem Gehirn in späten Abendstunden keine Gewalt an. Es ist besser, früh aufzustehen und sich zu früher Morgenstunde dem Lesen zu widmen.

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       Niemand denkt daran, aus den BÜCHERN der LEHRE Gewinn zu ziehen. Das ganze Geld aus dem Bücherverkauf wird für weitere Veröffentlichungen aufgewendet. Ich persönlich kann hinzufügen, daß wir uns oft davon überzeugen konnten, daß die Menschen das, was ihnen unentgeltlich gegeben wird, nicht schätzen. Das Buch ”Agni Yoga“ ist in Russisch tatsächlich nicht erhältlich, und wir kennen einige aufrichtig bestrebte Menschen, die da sitzen und das ganze Buch für sich auf der Schreibmaschine abschreiben. Das sind die geschätzten Leser, wogegen die meisten von denen, die es leicht bezahlen können, es vielleicht genauso leicht ins Regal stellen, ohne es zu Ende gelesen zu haben. Ein wirklich bestrebter Schüler wird einen Weg finden, das Buch zu erhalten.

       Ich füge einige Paragraphen aus dem Buch AUM an:

       § 277: ”Die in jedem menschlichen Organismus vorhandenen Teilchen höherer Energie, existieren entsprechend auch in den anderen Naturreichen. Selbst in der Feinstofflichen Welt bewahren das Tier- und Pflanzenreich die Energieteilchen. Vor allem bestimmte Tiere, die in der Nähe der Menschen hausten, bewahren eine bestimmte Verbindung mit dem Organismus der Bewohner der Feinstofflichen Welt. Wenn Ich rate, gut zu den Tieren zu sein, so meine Ich, daß es besser ist, kleinen Freunden als Feinden zu begegnen. In der Tat, man sollte in allem das rechte Maß halten, andernfalls kann man schädliche Ausstrahlungen von Tieren empfangen. Auch wenn Ich auf Pflanzenkost hinweise, will Ich den feinstofflichen Körper vor Blut bewahren. Die Essenz des Blutes dringt tief in den Organismus und auch in den feinstofflichen Körper ein. Blutige Nahrung ist sehr unerwünscht, so daß Wir nur in Ausnahmefällen in der Sonne getrocknetes Fleisch gestatten. Man kann auch jene Teile des Tieres gebrauchen, in denen die Blutsubstanz gründlich umgewandelt wurde. So hat pflanzliche Nahrung auch für das Leben in der Feinstofflichen Welt eine Bedeutung.”

       § 278: ”Oft wird gefragt, ob Tiere in der Feinstofflichen Welt ihre Gestalt bewahren? Nur selten, weil sie infolge des ihnen mangelnden Bewußtseins formlos werden; manchmal sind es neblige Umrisse als Energieimpulse, aber sehr oft sind sie nicht wahrnehmbar. In der Tat, Tiererscheinungen gehören der niederen Feinstofflichen Welt an. Diese undeutlichen Gebilde können einen durch ihre unklare Erscheinung schrecken. In diesen Schichten der Feinstofflichen Welt darf sich der Körper des Menschen nicht aufhalten; in ihrem Bewußtsein gleichen die Menschen dennoch häufig den Tieren.”

       § 279: ”Die Feinstoffliche Welt ist überfüllt mit Urbildern von Tieren, aber nur ein starkes Bewußtsein kann sie wahrnehmen. In der Tat, es gibt unzählige Arten solch tierischer Vertreter, von den kompliziertesten bis zu jenen, die sich in Unrat auflösen. Man sollte nicht denken, daß alle Bewohner der Feinstofflichen Welt über gleiche Sehfähigkeit verfügen. Klarheit des Bewußtseins ermöglicht klares Sehen, daher raten Wir, von Anbeginn bis zum Ende, um ein klares Bewußtsein bemüht zu sein. Seit jeher heißt es, ”daß in einem trüben Brunnen das Gute nicht wohnen kann”.”

 

23. Juli 1936

       Es ist erstaunlich zu vernehmen, daß die Großen Lehrer in der Stadt Shigatse leben. Man sollte Tibet kennen, um zu verstehen, wie absurd diese Behauptung ist! Wahrscheinlich entlieh der von Ihnen erwähnte Verfasser diese Nachricht aus den ”Mahatma Letters“ an A. P. Sinnett, wo in einem Brief des Mahatma K. H. der Verrat an H. P. Blawatsky durch das Ehepaar Coulomb erwähnt ist und solche Ausmaße annahm. K. H. schrieb an Sinnett, daß es den Mahatmas nicht gelang, dieser Affaire Einhalt zu gebieten, sondern daß sie von Shigatse aus noch mehr aufgebläht wurde! Die Mahatmas lassen es oftmals zu, daß feindliche Elemente ihre bösen Taten selbst ad absurdum führen, damit dann die Verteidigung gegen das Böse wirksamer wird. Sie erinnern sich an die tactica adversa. ”Von“ bedeutet hier auf keinen Fall, daß der Mahatma in Shigatse lebte. Es gibt viele Bollwerke des Lichts, die meilenweit von hier entfernt sind. Der Zugang zu diesen Bollwerken wird streng bewacht. Viele Wege führen dahin; oft muß man einen unterirdischen Weg, selbst unter Flüssen, passieren, um den Heiligen Gipfel zu erreichen. Aber für jene, die gerufen sind, gibt es Wegweiser.

       Seien Sie vorsichtig mit ”gut informierten“ Menschen. Versuchen Sie nicht, ihnen zu widersprechen, denn es ist hoffnungslos. Es ist besser, wenn Sie sich bemühen, jeweils der Mentalität entsprechend, ihrem eigenen Verstehen nachzuhelfen als an ihre Zerstörung zu denken, wie Vergiftung mit Gasen u. dgl. Sorgen Sie sich daher vor allem um junge Menschen und um jene, deren Herzen aufgeschlossen und noch unbefangen sind.

       Und nun über den uns zugesandten Artikel. Die Gedanken sind nicht schlecht, aber der Ausdruck ”geschlossene Gemeinschaft“ ist nicht gut; denn jeder Ausschluß bedeutet Abgeschiedenheit, und das entspricht nicht dem weiten Plan der Zusammenarbeit. Ja, es wird auch jetzt noch mehr oder weniger erfolgreiche Versuche geben, Gesellschaften und Gemeinschaften ins Leben zu rufen. Natürlich ist es schwer, in der Tat sehr schwer, wenn die Mitglieder einer solchen Gemeinschaft ihrem Bewußtsein nach sehr verschieden sind.

       Das Wichtigste ist, kein enges Gemeinschaftsleben zu führen, sondern im allgemeinen einen Geist der Zusammenarbeit und des Großmuts im täglichen Leben und unter jedweden Verhältnissen an den Tag zu legen; denn in allen Lebensbereichen sieht sich die Menschheit jetzt neuen Problemen gegenübergestellt, welche die Beteiligung vieler Kräfte und Fachleute erfordern, um zu einer synthetischen Lösung und praktischen Entscheidung zu gelangen. In der Tat, auch wissenschaftliche Fragen können jetzt nicht ohne die Zusammenarbeit der Fachkräfte in den verschiedensten Wissensbereichen gelöst werden. Alles ist so kompliziert geworden und hat derart gigantische planetare Ausmaße angenommen, daß ein Geist allein kaum fähig ist, alle notwendigen Einzelheiten für eine entscheidende Synthese zu erfassen. So wird das Leben selbst eine neue Art und Weise der Zusammenarbeit erarbeiten. Daher sollte jeder Versuch freundlicher Zusammenarbeit begrüßt werden, denn alle diese Anstrengungen sind Sprossen auf der großen Leiter der Errungenschaft.

       Und nun zu etwas anderem. Wenn der von Ihnen erwähnte Astronom meint, daß wahrscheinlich jeder Planet eine Sonne wird, so irrt er. Nach der Heiligen Lehre ist es gerade umgekehrt. Tatsächlich war unser Planet, bevor er zur Wohnstätte der Menschheit wurde, eine Sonne und noch früher ein Komet. So ist auch der Mond, nachdem er seine Lebensgrundlagen und -kräfte der Erde übermittelte, keine Sonne geworden, sondern ein sich auflösender Körper.

* * *

       Sie haben recht, wenn Sie meinen, daß alle Schrecken, die sich aus den Irrtümern des Fürsten der Welt ergeben, durch die Sieben Kumaras oder Erzengel, die zusammen mit Luzifer zur Erde kamen und das von ihnen überbrachte Licht, das sich nun über die Menschheit ergießt, zunichte gemacht werden. Darüber hinaus war auch Luzifer selbst, bevor er abtrünnig wurde, ein Lichtspender, denn auch er war an der Erweckung der höheren Fähigkeiten im Menschen beteiligt. Die Entwicklung der Fähigkeit des höheren Denkens kann mit nichts anderem verglichen werden, denn nur auf dem Pfad des Öffnens der höheren Zentren kann wahre Unsterblichkeit erlangt werden. Gewiß, jeder Mensch ist nicht allein für sich selbst verantwortlich, sondern auch für die anderen, denn der Mensch ist in der vollen Bedeutung dieses Begriffes ein Gestalter der ganzen Welt. Er birgt alle Möglichkeiten in sich. Von allen Kreaturen hat allein der Mensch die Gabe des bewußten freien Willens. Die einzige Ausdrucksform dieser Freiheit ist die Wahlfreiheit, und die Wahl kann ihn zu einem Gott oder zu einem Teufel machen.

       Wir wissen auch, daß jede Macht durch Widerstand ansteigt. Daher bieten alle Schwierigkeiten, die sich infolge der Abtrünnigkeit des Herrn der Erde auf dem Pfade der Menschheit ergeben, den Menschen gleichzeitig die Möglichkeit besonderer Anspannung und Verfeinerung ihrer Fähigkeiten und somit die Beschleunigung ihres Fortschritts. Seit langem heißt es: ”Seid gesegnet Hindernisse, denn durch euch wachsen wir”. So heißt es auch in den ältesten indischen Schriften, daß das Kali-Zeitalter für geistige Vervollkommnung besonders günstig ist, und was im Satya-Zeitalter nur durch Hunderttausende von Inkarnationen zu erreichen ist, kann im Kali-Zeitalter in einigen Leben erreicht werden. Daraus können wir schließen, daß die Kräfte des Lichts die Abtrünnigkeit Luzifers schließlich zum Guten wenden werden. Wie immer, sind auch hier nur starke Geister, die es lieben, Schwierigkeiten zu meistern, besonders erfolgreich. Lauwarme hingegen, die den leichtesten und verantwortungslosen Weg wählen, werden zu hartem Schaffen verurteilt, das sie letzten Endes zum schwierigsten Pfad führen wird. Daher sind die Worte aus der Apokalypse tiefgründig und geradezu wissenschaftlich: ”Da du lau bist und weder kalt noch heiß, so will ich dich aus meinem Munde speien.”.

       Ihre Andeutung über Christi Vorwurf gegenüber seinen Schülern ist sehr beachtenswert. Ja in allen Zeitaltern waren die Großen Lehrer oft gezwungen, auf die Untätigkeit, Entzweiung und Lauheit der sogenannten guten Menschen sowie auf den Eifer, die Solidarität und Findigkeit der Finsteren hinzuweisen. In der Tat, gegenwärtig hat sich dieser Eiter sowie die Solidarität noch verstärkt, denn die Finsteren fühlen, daß die Entscheidungsschlacht für sie die Vernichtung bringen wird. Wirklich, die Zeichen des Großen Sieges sind bereits sichtbar. Nach einer gewissen Zeit wird vieles eingeleitet werden. Segensreiche Zeichen schützen das Neue Land.

       Wir sollten uns über Abessinien nicht zu sehr grämen; mit der Zeit wird auch hier der Sieg einziehen, aber man darf dies nicht grob auffassen. Die Zeit brutaler Eroberungen ist vorbei. Jedes Volk hat das Recht, sein eigenes Leben zu führen und die Zusammenarbeit zu lernen.

       Die mir zugesandten Unterlagen reiche ich Ihnen hiermit zurück; und ich möchte erneut darauf hinweisen, daß jeder seinen eigenen Weg bauen möge. Je größer die Verschiedenheit in solchen Versuchen, um so schöner wird die Krone der Errungenschaft. Nun möchte ich aus dem Buch AUM zitieren:

       § 441: ”Ein Kollektiv ist keine geschlossene Gemeinschaft. Das auf dem Naturgesetz beruhende Kollektiv beinhaltet das Element der Unbegrenztheit. Dem Arbeitsaustausch und der gegenseitigen Hilfe dürfen keine herkömmlichen Beschränkungen auferlegt werden. Im Gegenteil, das Kollektiv öffnet allen Möglichkeiten die Tore. Außerdem sind Kollektive miteinander verbunden und bilden so ein Arbeitsnetz, das sich über die ganze Welt erstreckt. Niemand kann vorausbestimmen, welche Formen des Kollektivs sich zu entwickeln vermögen. Durch Kollektive gegründete Einrichtungen können höchst verschieden sein und sich mit Fragen der Erziehung, der Industrie, der Landwirtschaft befassen. Es gibt kein Betätigungsfeld, das durch das Kollektiv nicht ungeheuer verbessert werden könnte. Man sollte die Menschen nicht davon abhalten, sich in völlig neuen Verbindungen zur Zusammenarbeit zusammenzufinden. Das Kollektiv ist ein Bollwerk des Staates und eine Pflanzstätte des öffentlichen Lebens. Woher kommt die öffentliche Meinung? Woraus bildet sich der Wunsch nach Fortschritt? Woher erhalten die einzelnen Schaffenden Hilfe? Zusammenarbeit wird gewiß auch Einigkeit lehren.”

       § 343: ”Wer sind denn jene, die Einigkeit nicht schätzen und lieben? Sie haben das Gefühl der Standfestigkeit nie erfahren, das immer mit Einigkeit verbunden ist. Sie kennen nicht den Mut, der von der Einigkeit untrennbar ist. Sie haben den Fortschritt abgelehnt, der durch Einigkeit stark wird. Sie haben nie die Freude empfunden, die durch Einigkeit besteht. Sie haben das Bollwerk der Einigkeit verschmäht. Was bleibt dann für sie übrig? Entweder sie brechen zusammen unter dem Orkan, verdorren unter der Sonne oder verwesen im Moder der Vorurteile. Wer sind denn jene, die Einigkeit verachten?”

       § 344: ”Das offenkundigste Beispiel für Maja und Wirklichkeit findet sich in den Himmelskörpern. Obwohl solch ein Körper vor Tausenden von Jahren zerstört wurde, ist sein Licht auf der Erde noch wahrzunehmen. Wer könnte sich erkühnen, die Grenzlinie zwischen Bestehendem und Visionärem zu ziehen? Wir finden ähnliche Beispiele auch unter irdischen Erscheinungen.”

       § 345: ”Irdische Sieger, wo ist euer Sein und wo euer Trugbild? Wer entscheidet, ob es Sieg oder Widerschein ferner Ereignisse ist? Wo ist die Grenze der Wirklichkeit? Mögen alle Gestalten sich zusammenscharen, sie werden den Schlüssel der Lösungen nicht finden Nur die feinste Energie kann zwischen Leben und Erstarrung unterscheiden. Aber die Menschen ziehen es vor, mit Trugbildern zu leben.”

       3. August 1936

       Die Großen Lehrer hatten bestimmt nie die Absicht, alle bestehenden Gruppen zu einer oder mehreren ”geschlossenen“ Gemeinschaften zu vereinen - dies käme dem Tode gleich. Leben und Schönheit bestehen nur in Verschiedenartigkeit; daher mögen die Lichtzellen frei gedeihen wie schöne Blumen auf der Wiese des Lebens. Vereinigung bedeutet nicht unbedingt, kommunale Hauptquartiere oder gleiche Anwendungsmethoden und Errungenschaften zu haben. Einigkeit als echte Bewegungskraft muß vor allem im Geiste geboren werden und sich in Großmut und Zusammenarbeit in allen täglichen Lebensverhältnissen kundtun. Zusammenarbeit, Mitarbeit und Gemeinschaft bedeuten die weiteste Freizügigkeit. Daher gibt es dort, wo es Bewußtseinseinheit gibt, keinen Raum für Zwang.

       Ein anderer Begriff - Verzicht auf Eigentum - wird oft falsch verstanden. Verzicht auf Eigentum bedeutet nicht, alles abzugeben und jedweden Besitz abzulehnen. Sachen sind das Ergebnis menschlicher Schaffenskraft, und sie sollten geachtet werden. Die Verbesserung ihrer Qualität ist eine Stufe zur Vervollkommnung des Geistes. Die Lehre sagt uns, daß die wahre Bedeutung von Gegenständen in dem Sinne verstanden werden sollte, daß wir nicht ihre Sklaven werden. Man muß alles lieben lernen und doch gleichzeitig bereit sein, für eine neue Errungenschaft alles aufzugeben Liebe zu schönen Sachen ohne das Gefühl des Eigentums ist eines der reinsten und erhabensten Gefühle. Ohne Liebe kann nichts geschaffen und verbessert werden So mögen die Menschen es lernen, zu lieben ohne das Gefühl des Eigentums. Mögen sie schöne Schöpfungen ohne den herkömmlichen Begriff des Eigentums bewundern.

       Es war interessant, in den uns zugesandten Zeitungsausschnitten von Wiedergeburt zu lesen. Ihre Bemerkung, daß die finsteren Kräfte versuchen, die Menschen daran zu hindern, das Gesetz der Wiederverkörperung anzunehmen und sich daher bemühen, mittels ihrer Agenten oder unbewußten Helfershelfer die Idee der Reinkarnation als Absurdität hinzustellen, kommt der Wahrheit ziemlich nahe. Darüber hinaus werden sie darin von einigen Psychikern unterstützt, die meistens das sehen, was sie sehen wollen. Vergessen wir auch nicht, daß Ehrlichkeit in allem und jederzeit eine der seltensten Eigenschaften ist. Tatsächlich gibt es nach Aussagen der Medien viele Napoleone, Tamerlane, Ramsese, Kleopatras, Semiramise u. a., die alle gleichzeitig die Erde besuchen! Da wird man verleitet zu fragen, wer von ihnen echt ist.

       Aus diesem Grunde sind Beweise der Reinkarnation, etwa wie es sich mit dem kleinen indischen Mädchen Chanti ergab - ein Fall, der von so vielen überlebenden Zeugen aus ihrem früheren Leben überprüft werden konnte - so wichtig. Wahrscheinlich haben Sie davon gelesen, denn ich sandte Ihnen den Zeitungsausschnitt.

       Hier dazu die Erklärung aus § 491 aus dem Buch AUM: ”Laufend hört ihr absurde Märchen, daß hier gleichzeitig von ein und derselben Person Reinkarnationen erfolgen - eine ebenso unwissende wie schädliche Schlußfolgerung. Verneiner der Reinkarnation benutzen solche Erdichtungen, um die Möglichkeit der Wiedergeburt zu bestreiten. Dabei übersehen sie den Grund, nämlich phantasiereiche Erdichtung, die die Schuld manchmal abschwächt. Manche Menschen erinnern sich an Einzelheiten einer bestimmten Epoche, weil sie davon träumten, eine berühmte Persönlichkeit zu sein, und ihre Traumeinbildung bewirkte die Einbildung einer Inkarnation. Ein Kind bildet sich vielleicht ein, ein Feldherr zu sein, und diese Vorstellung senkt sich bereits in seinen ”Kelch“.

       Es gibt viele, die sich ihrer früheren Leben erinnern, aber durch Trübung des Bewußtseins rufen sie ihre eigenen vergangenen Wunschträume hervor. Man muß sehr behutsam sein, um die Irrtümer anderer nicht zu streng zu beurteilen. Abgesehen von Eigendünkel und Unwissenheit, mag es nur teilweise Irrtümer ohne Grundmotiv geben. In der Tat, es kann auch verschiedene Formen der Besessenheit sowie Einflüsterungen mit böser Absicht geben, doch über Besessenheit ist bereits genügend gesagt worden.”

       Ja, die finsteren Kräfte bemühen sich sehr, alles zu entstellen und zunichte zu machen, was zur Kenntnis anderer Sphären und Welten führt, wo das Leben fortgesetzt wird. Sie sind sich bewußt, daß die Erweckung dieses Wissens ihnen den Todesstoß versetzen und die Reihen ihrer Anhänger merklich lichten würde. Wahrlich, das Wesen der Finsteren wird offenkundig werden, und nur wenige werden in ihre Legionen eintreten wollen, nachdem sie von dem Schrecken überzeugt wurden, der als letzte Konsequenz jene erwartet, die im Bösen leben. Daher können sie nur auf den Fluida der Zerstörung und Zersetzung bestehen; das Nichtvorhandensein dieser Substanz bereitet ihnen unglaubliche Not.

       Ebenso recht haben Sie, wenn Sie die ungewöhnlichen Zeichen in allen Lebenserscheinungen beachten. Das Nahen der feurigen Energien beeinträchtigt entschieden die ganze Natur. Man kann zur Zeit wirklich nicht daran gehen, den Ernteertrag zu vermindern, indem man das unbestellte Feld verläßt, nur um den Preis zu halten. Einige Länder haben den Schaden dieser Maßnahme zu spüren bekommen. Wahrlich, ”Der Mensch denkt und Gott lenkt“. Hätten die Menschen früher psychische Energie studiert, wäre es ihnen gelungen, viele Miseren zu vermeiden.

* * *

       Aus allen Löchern kriechen die dunklen Kräfte hervor, aber zur Zeit werden überall die Herde des Lichts angezündet. Seien Sie wachsam und mutig, die Zeiten sind ernst, aber das Morgenrot glüht bereits. Die Höhere Hilfe steht bereit; wollen wir es lernen, sie mit mutigem Herzen, in Bereitschaft, Dankbarkeit und vollem Vertrauen entgegenzunehmen.

       14. August 1936

       Die in Ihrem Projekt niedergelegten Gedanken sind ausgezeichnet, aber ihre Ausführung erfordert andere Bedingungen als die jetzt bestehenden, die sich unter dem Druck nahender Ereignisse bilden. Natürlich, das dringendste Problem ist die Geburt des wahren Menschen; und daher ist es so notwendig, die Saatkörner des neuen, erweiterten Bewußtseins und Verstehens der Zusammenarbeit in weitestem Rahmen auszustreuen.

       Beim Errichten von Gemeinschaften sind Mitarbeiter mit einem vorbereiteten Bewußtsein notwendig. Andernfalls wird solch ein Unterfangen nichts anderes sein als eine schreckliche Belastung und ein Schreckgespenst einer Gemeinschaft. Dafür ist es notwendig, neue Schulen zu schaffen, wo von Kindheit an die Grundlagen zum Verstehen der Bestimmung des Menschen verankert werden - sein Platz und seine Rolle in der Welt sowie seine kosmische Abhängigkeit. Mit diesen Begriffen wird er seine soziale Rolle und hauptsächlich seine persönliche Verantwortung erkennen, die damit die gebührende Bedeutung erlangt. Aber diese Schulen bedürfen geeigneter Lehrer. Aus diesem Grunde ist es von großem Nutzen, daß sich um die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK Gruppen bilden, aus denen die Träger des neuen Bewußtseins hervorgehen.

       Wahrlich, die Lehre der ”Lebendigen Ethik“ betrachtet die ganze Welt als eine Weltgemeinschaft. Wir werden gebeten, Zusammenarbeit, Einigkeit und Großzügigkeit zu pflegen; nirgendwo jedoch heißt es, daß wir uns gegenseitig ankrempeln sollen. Dem Arbeitsaustausch und der gegenseitigen Hilfe sollten keine herkömmlichen Beschränkungen auferlegt werden. Jedwedes übertriebene Haften an einem bestimmten Platz wird verurteilt, weil es zu einseitig macht. Der Große Buddha, der Begründer der Weltgemeinschaft, riet seinen Schülern, nicht zu lange an einem Ort zu verweilen, sondern stets neue Länder zu besuchen, um Kontakt mit verschiedenen Menschen zu haben.

       Gemeinschaften, die sich der wissenschaftlichen Forschung widmen, sind ausgezeichnet, sie erleichtern die Arbeit der Wissenschaftler, die mit allgemeinen Problemen befaßt sind. Ausgezeichnet sind auch die Sanatorien und Forschungslaboratorien, die verschiedene Fachkräfte für die Arbeiten für das Allgemeinwohl vereinen. Ich könnte mir vorstellen, daß ganze Bildungsstätten errichtet werden - Städte des Wissens wie auch Kollektive, die alle Lebensbereiche umfassen; jedoch, wie ich die menschliche Natur kenne, kann ich mir eine erfolgreiche enge, geschlossene Gemeinschaft von gänzlich verschiedenartigen Menschen kaum vorstellen. In solch einer engen, geschlossenen Gemeinschaft wäre Nivellierungstendenz unvermeidlich, und solche Nivellierung verwandelt Begabung unweigerlich in Durchschnittlichkeit, was Einbuße der Kultur und des Zivilisationsniveaus verursacht und damit zur Primitivität und leider zum nächsten Zustand - zur Vergröberung - führt.

       Daher sollten Gemeinschaft und Zusammenarbeit im weitesten nutzbringenden Ausmaß verstanden werden. Vor allem die neuen wissenschaftlichen Entdeckungen sowie das Leben selbst werden neue Formen der Zusammenarbeit herbeiführen. Das internationale Postsystem und das Verkehrsmittelwesen haben bereits gezeigt, welch gegenseitiger Nutzen durch ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ländern erreicht werden kann. Und so glaube ich an die weiteste Entwicklung des Kollektivs durch die verschiedenartigen Verbindungen. Weit organisierte Kollektive werden beweisen, welcher Volkswohlstand aus solcher Zusammenarbeit erwachsen kann. Jetzt wird der Wunsch vieler Menschen, Arbeitsgemeinschaften zu errichten, immer offenkundiger, und dieser Wunsch ist zweifellos ein Widerhall in Richtung Evolution. Im Buch AUM der AGNI YOGA-Schriftenreihe gibt es viele Hinweise auf die notwendige Gemeinschaftsarbeit.

       So sollten wir primär an die Erziehung und Erweiterung des Bewußtseins denken. Diese Erkenntnis wird die nützlichsten Ergebnisse zeitigen.” … Disharmonie in Einzelheiten kann den ganzen Aufbau zunichte machen …” Eignen wir uns daher in unseren Gruppen, wo LEBENDIGE ETHIK studiert wird, Großzügigkeit in der Zusammenarbeit an; das ist eine gute Schulung für die engere Gemeinschaftsform. Seien wir hilfsbereit anderen gegenüber und üben wir das Höchstmaß an Feinfühligkeit und Entgegenkommen gegenüber anderen Wesensarten.

* * *

       Es ist durchaus wahr, daß die Gesellschaften für psychische Forschungen sich in allen Ländern derzeit auf den ersten Stufen befinden, doch vor ihnen liegt das ganze unbegrenzte Wissensgebiet. Sie befinden sich alle auf einem Weg und sind derzeit an einem toten Punkt angelangt. Der Grund liegt darin, daß die meisten von ihnen ihre Experimente mit unbedeutenden Medien durchführen. Interessant sind Forschungen auf dem Gebiet der psychischen und parapsychischen Erscheinungen mit feurigen und geistig entwickelten Individuen; nur sie können zu neuen Stufen des Verstehens der höheren Energie und der Bedingungen der Feinstofflichen Welt in den höheren Sphären führen. Daß durch die Beschäftigung mit den niederen Sphären, die an die irdische Ebene angrenzen, Schaden entsteht, ist Ihnen ja aus den Büchern der Lehre bereits bekannt.

       Ich möchte hier einen Paragraphen aus dem Buch AUM zitieren: ”Das Ektoplasma ist der Speicher für die psychische Energie. Wirklich, die Substanz des Ektoplasmas ist ein Mittelding zwischen dem irdischen und dem feinstofflichen Sein. Die psychische Energie, die allen Welten eigen ist, steht vor allem mit der der Feinstofflichen Welt nahestehenden Substanz in Beziehung. Daraus kann man ersehen, daß die Reinheit des Ektoplasmas genauso bewahrt werden muß wie die der psychischen Energie. Man muß daran erinnern, daß sich das Medium durch Abgabe von Ektoplasma an Ungerufene in große Gefahr begibt. Eine so wertvolle Substanz darf man nicht ungebetenen Gästen überlassen. Wertvoller ist der Verkehr mit höheren Kräften, die uns die Kräfte nicht absaugen, sondern uns neue Kräfte zuströmen lassen. Psychische Forschungen müssen zweckmäßig betrieben werden. Man darf ein Wesen nicht aussaugen.”

       Ich vermute, Sie wissen, daß alle Phänomene in spiritistischen Sitzungen mittels Ektoplasma, das dem Medium und allen Anwesenden abgesaugt wird, erreicht werden. Und so können Sie sich den unsauberen Zustand des Ektoplasmas vorstellen, wenn es nach Gebrauch durch die Gäste aus den niederen und mittleren Sphären zu seinem Eigentümer zurückkehrt. Daher ist es bei der psychischen Forschung so wichtig für alle Anwesenden, daß beide (der Forscher und das Medium) in guter Gesundheit und von hohem moralischen Niveau sind. Wenn Menschen mehr wissen, wird dies vielleicht auch sichtbar werden. So ist im Buch AUM vieles gesagt über diese Energie, und es wird besonders hervorgehoben, daß jene, die sich mit der Erforschung dieser Energie befassen, selbstlos über ein feines Unterscheidungsvermögen verfügen und reinen Herzens sein müssen. Die Erforschung und das Studium der psychischen Energie ist die Wissenschaft der nahen Zukunft.

       Die Anhänger der Christian Science (Christliche Wissenschaft), der Kreis, von dem Sie sprechen, sind in Amerika stark vertreten und erzielen gelegentlich bemerkenswerte Heilungen. Aber es kam schon vor, daß einige ihrer unwissenden Anhänger sich selbst und ihre Nächsten ruinierten, weil diese Heiler oft unsauber und schwach sind. Darüber hinaus können nicht alle Krankheiten direkt durch psychische Energie geheilt werden. Wenn ein chirurgischer Eingriff unvermeidlich ist, kann psychische Energie allein, ohne Gebrauch der nötigen Instrumente, nicht helfen.

* * *

       Als ich vom Verlassen des Lehrers sprach, meinte ich das Verlassen eines bewußt gewählten Lehrers und nicht das Verlassen einer besonderen Kirche, der man von Geburt her angehört. Nur das bewußte Wählen eines Lehrers ist von Bedeutung und nicht die durch Geburt bestimmte herkömmliche Glaubenszugehörigkeit, die uns zwangsläufig an diesen oder jenen Religionsstifter bindet. Freilich, bewußtes Wählen ist der Ruf des Geistes. Die Große Bruderschaft stellt ein Einziges Ego dar; daher ist die Lehre, die von ihr ausgeht, ihrem Wesen nach ein und dieselbe, ganz gleich welcher Lehrer sie uns übermittelt. Aber jeder Lehrer gehört einem eigenen Gestirn an und ist seinem Wesen nach mit allen jenen verbunden, die unter demselben Gestirn empfangen wurden. Daher ist es besonders schön, wenn Geistwesen, die das gleiche Wesen haben, sich unter der Führung ihres eigenen Herrschers sammeln. Jeder Lehrer hat auch seine eigene individuelle Methode. Ich kann mir ein späteres Verlassen des Lehrers, sobald ich bewußt gewählt habe, nicht vorstellen; denn je höher wir aufsteigen, desto enger wird das Band mit dem Lehrer.

* * *

       Sicherlich, Rauchen ist unserer Lebenskraft abträglich. Es ist allerdings wahr, daß H. P. Blawatsky geraucht hat, aber da ihr Zustand so außergewöhnlich war, sollte man nicht versuchen, sich mit ihr zu vergleichen. Ihr Leben, das sie unter Fremden zubrachte, war unbeschreiblich hart; sie ist von ihnen nie ganz verstanden und sogar verraten worden, sowohl bewußt als auch unbewußt. Dies alles sowie das Rauchen hinderten sie daran, ihre Arbeit zu vollenden und den letzten Band der ”Geheimlehre“ zu schreiben. Es gibt zudem viele Menschen, die den Takur, Gulab-Singh, den Held ihres Buches ”Die Höhlen und Dschungel von Hindustan“ für den Mahatma K. H. halten. Jedoch in diesem beachtenswerten, für die breite Öffentlichkeit geschriebenen und daher durch reiche Phantasie von H. P. B. stark ausgeschmückten Buch wird das Bild eines anderen Mahatma geschildert.

       Es ist wahr, daß der Lehrer K. H. in seinen Briefen an Sinnett manchmal mit ”Lal Singh“ unterschrieb, aber die Mahatmas benutzen viele Namen, und in manchen Fällen unterschreiben sie mit einem einfachen allgemeinen Namen. Wirklich, keiner der Mahatmas raucht, und die Legende über die benutzte Pfeife durch einen von ihnen rührt von einer mit leichter Hand geschriebenen Geschichte von H. P. Blawatsky her, in der sie die indische Pfeife des Meisters M. meinte, jedoch ohne zu erwähnen, womit die Pfeife gefüllt war. Der Grund war, daß M. M., aus den Höhen kommend, die ganze Last sowie den Druck der Atmosphäre der Täler stark verspürte und so zur Erleichterung rauchte, d. h. ein spezielles Ozonpräparat inhalierte. Daher die Legende über die Pfeife und das Rauchen.

* * *

       Wirklich, es gibt keine großen und kleinen Dinge im Kosmos, aber das tägliche Leben menschlicher Wesenheiten hat sich von kosmischen Begriffen so weit entfernt, daß es mit den unbedeutendsten und abscheulichsten Dingen erfüllt ist. Doch kosmische Zweckmäßigkeit und Vergleichbarkeit fegen die Sandhaufen unserer gegenwärtigen Zeit hinweg und geben der Hoffnung auf bessere Schöpfungen Raum.

* * *

       Achten Sie auf Ihre Gesundheit, die Ströme sind äußerst schwer, die Ereignisse häufen sich. Der Ort des großen Aufbaus der Zukunft ist angedeutet, aber noch nicht ausgesprochen, und die Vermutungen der Menschen weit davon entfernt. Daher wird alles, was für die kommende Zeit heilig ist, behütet. Jemand las Nostradamus und versuchte, die großen Zeichen für sich anzuwenden, aber er irrte sehr. Die Großen Eingeweihten wußten das Heiligste in ihren hinterlassenen Schriften zu schützen. Ohne Schlüssel kann niemand ihre Hinweise verstehen. Aber sobald das Vorausgesagte eintrifft, wird auch der Schlüssel gefunden werden.

       24. August 1936

       Sie fragen, wie Sie auf den ”Aufruf an die MUTTER DER WELT“, der von der Theosophischen Gesellschaft herausgebracht wurde, reagieren sollen. Ich würde vorschlagen, ihn in einer freundlichen und sympathischen Weise anzunehmen. In der Epoche der MUTTER DER WELT müssen wir alles über sie Gesagte willkommen heißen. Und warum überrascht sein, daß A. Besant es schreiben konnte? Im Osten ist der Kult der MUTTER DER WELT, der Göttin Kali oder Durga, weit verbreitet, und man kann sagen, daß er im Hinduismus vorherrscht. Aber auch unter anderen Sekten findet man mehr Verehrer der Großen Mutter als für einen anderen Aspekt der Gottheit. In der Mongolei und in Tibet werden Dukkar oder die Weiße Tara sowie auch andere Taras oder Schwestern sehr verehrt. In allen alten Religionen wurden die Göttinnen für das Heiligste gehalten. An der Spitze von allem, oder besser hinter dem Schleier, steht der ”Ewige und immerwährende Atem alles Seins“. Aber auf der manifestierten Ebene herrscht das ewig Weibliche Prinzip oder die große MUTTER DER WELT.

       Und hier einige Daten: Im Jahre 1924 erreichten die Strahlen des Sterns der MUTTER DER WELT die Erde und riefen ein neues Bewußtsein hervor; sehr viele Frauen wurden durch Bestrebtheit zu neuem Leben entfacht.

       Im Jahre 1924 malte N. K. einige Variationen seiner Gemälde ”Die MUTTER DER WELT“. Sie wurden im Museum in New York ausgestellt und machten ungeheuren Eindruck. Die Reproduktion eines dieser Gemälde, dem meine Vision zugrunde lag, erlangte weite Verbreitung.

       1924 schrieb N. K. den Artikel ”Der Stern der MUTTER DER WELT“, der im ”Theosophist“ in Adyar veröffentlicht wurde.

       Seit 1917, nachdem wir bereits die Heimat verlassen hatten, setzte N. K. seinen Feldzug für die Kultur und die Einigkeit durch die Kunst fort. Sein Motto, das die Bedeutung der Kunst zum Ausdruck bringt, wurde zum Schild des Instituts in New York und erschien in vielen Büchern und Zeitschriften. Denken wir somit an den § 375 aus dem Buch AGNI YOGA: ”Worin besteht der Erfolg eines Yogi? Weder in der Anziehung der Massen noch in der Belehrung der Menge. Doch nahe den Werken des Yogi kann man bewußte und unbewußte, freiwillige und unfreiwillige Nachahmungen gewahren. Die Menschen beginnen, das gleiche zu tun. Sogar Feinde folgen fluchend dem gleichen Weg. Es ist, als ob sich um die Taten eines Yogi eine besondere Atmosphäre gesammelt hätte. Dies ist wirklicher Erfolg, wenn weder Gold noch Menschen, sondern das unsichtbare Feuer menschliche Herzen entflammt. Doch mit dem Wunsch nachzuahmen, betreten sie dieselbe Atmosphäre und tragen Tropfen desselben schöpferischen Taus mit sich. Der Erfolg kommt nicht allein von außen, er wird durch das Zusammenwirken von menschlichen Händen mit dem Gedanken des Raumes geschaffen. Doch der Yogi wird zum ersten Kanal, zum primären Empfänger der Raumenergien. Daher leuchtet der Yogi wie ein aufrufendes Feuer. Er baut auf, was aufgebaut werden muß. Er fügt die vorbestimmten Steine zusammen. Und selbst Feinde schaudern - sprechen die von ihm übergebenen Worte nach. Der Yogi ist kein Prediger. Er erscheint selten; doch die anvertrauten Werke wachsen in einer eigenen Farbe. Andere anerkennen selbst das Blühen dieser Werke nicht, deren Bestimmung es ist, nicht zu verzehren, sondern zu entflammen.

       Wohin ergießt sich der Funke des Feuers? Kann man alle entfachten Feuer sowie alle vom Feuer eines Agni Yogi erwärmten Wanderer sehen? Das Feuer lodert erfolgreich auf, denn es brennt nicht für sich.”

       Und so laßt uns alles willkommen heißen, was der aufgezeigten Richtung nicht widerspricht, sondern sie bestätigt.

       Kürzlich erhielt ich einen ausgezeichneten Appell an die Frauen - geschrieben von Frau K. Ich stimme mit ihrer Behauptung völlig überein, daß Theorie in die Praxis übergehen muß, doch kann ich ihrer Feststellung nicht ganz beipflichten, daß ”als erster Schritt auf dem Pfad ein Gemeinschaftshaus zu errichten ist, damit die Menschen, die sich entschlossen haben, den Pfad der neuen großen Epoche der Erneuerung und Lebensvergeistigung zu beschreiten, zusammen leben können”. Vor allen anderen wäre ich persönlich an diesem Gemeinschaftshaus und an der Nivellierung der Gemüter am wenigsten interessiert. Versorgtsein und leichte Errungenschaft sind die großen Hindernisse auf dem Pfad des geistigen Wachstums.

       Jugend ist da, um alle Hindernisse zu prüfen und daran ihren Geist zu stählen. Im Zusammenhang mit diesen vorgeschlagenen Gemeinschaftshäusern und dem Gedanken, durch Kleider, Nahrung und Obdach völliges Versorgtsein zu schaffen, erinnere ich mich an die zahlreichen Lager-Gemeinschaften der letzten Jahre in Amerika, zu dem Zweck, der beschäftigungslosen Jugend zu helfen. Wie mir mitgeteilt wurde, endeten sie alle erfolglos. Die jungen Leute, die mit allem ausgestattet wurden, waren unfähig, einer ordentlichen Arbeit nachzugehen. Die meisten von ihnen zogen das leichte Leben mit der minimalen physischen Arbeit in solchen Gemeinschaftslagern, das ihnen ein sattes und ruhiges Dasein bot, vor.

       Doch nicht mit der Bequemlichkeit der Jugend wollen wir uns befassen, sondern damit, sie für den Lebenskampf, der ein unabänderliches kosmisches Gesetz darstellt, besser auszurüsten. Aus diesem Grunde wird beim Aufbau der Neuen Epoche der Hauptfaktor des Volkswohls in der Erziehung und Bildung der Menschen liegen. Es ist dringend notwendig, der Verbesserung und Erweiterung der Schulprogramme Aufmerksamkeit zu schenken, vor allen jenen der Elementar- und Mittelschulen. Die Frau muß ihre Stimme erheben und auf einem Bildungsprogramm für beide Geschlechter bestehen. Von Kindheit an sollte Achtung vor dem Wissen gelehrt werden. In den Schulen sollte auf diese wahren und alleinigen Beweger der Evolution mit konkreten geschichtlichen Beispielen hingewiesen werden. Es muß ein Stadium erreicht werden, wo die Bestrebung zum Wissen und Achtung vor der Wissenschaft in Fleisch und Blut übergehen und wir sagen können, daß die Völker den Pfad der Kultur betreten haben. Nur dann werden die Wissensträger als wahre Schatzkammer, nicht nur für ein besonderes Land, sondern für die ganze Welt betrachtet werden. Dann wird von der Beschleunigung der Evolution gesprochen werden, und man wird die Träume von der Kommunikation mit den fernen Welten ins Leben übertragen können. In diesem Sinne zitiere ich die Worte eines Denkers und großen Führers, der da sagte: ”Erstens lernen, zweitens lernen und drittens lernen, und dann darauf achten, daß das Wissen kein toter Buchstabe bleibt, sondern im Leben angewendet wird.”

       Überlassen wir somit die Gemeinschaftshäuser und allerart Erleichterungen jenen, die infolge des Alters oder wegen Krankheit der Ruhe bedürfen. Frau K. beginnt mit dem Kindergarten, und das ist ausgezeichnet. Warum sollte sie nicht daran gehen, in ihrem eigenen Land Helfer zu suchen, die sie bei der Gestaltung eines neuen Schultyps unterstützen? Begabte junge Menschen lieben alles Ungewöhnliche, und das Leben in Gemeinschaftshäusern könnte ihnen schal erscheinen. Nur sehr mittelmäßige werden sich mit der nivellierenden Umgebung zufriedengeben. Darüber hinaus wird meistens nur das liebgewonnen und geschätzt, was mit Schwierigkeiten verbunden und selbst von einer gewissen Gefahr umgeben ist. Daher werden von den verfolgten und zum Teil verbotenen Gesellschaften oft weit mehr wahre wertvolle Schaffende angezogen als von den anerkannten und gut bekannten Organisationen. Erleichterungen führen niemals zum gesteckten Ziel.

       Nun über den § 80 des Buches ”Feurige Welt“, Band III. Hier müssen wir vor allem ganz genau erkennen, was mit dem Ausspruch ”gefestigt durch feurige Hochschätzung gegenüber der Hierarchie” gemeint ist. Die hierarchische Kette ist offenbar, und es ist unmöglich, eines ihrer Glieder zu überspringen. Um aber in der mächtigen Kette des erstrebenswerten Fortschritts zu bleiben, sollte man den Halt zum nächstliegenden Glied nicht verlieren. Ein Loslösen aus der Kette ist schrecklich, denn es trägt uns in den Raum hinaus und stürzt uns ins chaotische Umherirren. Wie viele Jahrhunderte vergehen, bevor der Geist, der sich loslöste, wieder ein neues Glied erhaschen kann?! Denn es ist unmöglich, das frühere Glied zu erreichen, da es inzwischen weit vorangekommen ist. Das ist der Grund, warum das Loslösen aus der hierarchischen Kette so furchtbar ist.

       Sicherlich, jede Vereinigung ist bereits eine große Macht, doch wie alles in der offenbarten Welt hat sie zwei Seiten, und wenn eine Vereinigung nicht durch feurige Hochschätzung gegenüber der Kette der Hierarchie gefestigt ist, besteht die Gefahr, daß sie sich auf die Seite der Finsternis schlägt anstatt auf jene des Lichts. Deshalb wird auf feurige Hochschätzung sowie Hingabe an die Hierarchie so hartnäckig und wiederholt hingewiesen.

       Bitte sagen Sie Frau K., daß ich ihren herzlichen und lieben Brief erhalten habe und mich vor allem über ihre Worte freute, daß sie nicht zurückschauen will. Dies ist bereits eine große Errungenschaft. Der Blick zurück ist die Fußangel auf dem Pfade Schöpferisches Streben erwächst allein durch den Blick auf die Zukunft. Natürlich, jetzt ist die Zeit geistiger Erneuerung und Aufspeicherung, aber gleichzeitig sollte das Wissen zum Nutzen aller angewendet werden. Jeder weite Gedanke, jede Entwicklung von Großmut und Friedenshuldigung sind für das tägliche Leben ein Gewinn.

       Laßt uns von ganzem Herzen dahin streben, wo die große Aufgabe erfüllt wird, und laßt uns jede Flut wahrnehmen, die von dort kommt. Vor unseren Augen finden Ereignisse von ungeheurer Bedeutung statt. Und trotz vieler Tragödien wächst das Land und schreitet voran, es schafft zweifellos seine eigene Zukunft. Tausende und Abertausende sind zu kulturellem Leben erwacht. Der jungfräuliche Boden bedarf der schwungvollen Annäherung Streben nach Wissen weist den rechten Pfad.

       Freuen wir uns!

       31. August 1936

       Unbestritten weist Charakterschwäche auf eine relative Unreife des Geistes hin. Alte Geister wissen genau, was sie wollen und sind gewöhnlich sehr beharrlich in ihren Entschlüssen und Errungenschaften. Sie sollten darauf hinweisen, daß das Denken des einzelnen nicht auf Visionen beruhen darf. Nichts ist trügerischer als diese Illusionen aus der Feinstofflichen Welt, die durch das niedere Manas empfangen werden. Es ist wichtig, Beherrschung zu üben sowie strenge Überwachung aller Emotionen. Jahre scharfer Beobachtung sind nötig, bevor man die Visionen der feinstofflichen Welt richtig zu unterscheiden vermag. Man muß alle diese Visionen sehr objektiv, ernsthaft und scharfsinnig beobachten und prüfen, andernfalls wird man zum Spielball der Bewohner der niederen Schichten der feinstofflichen Welt. Aus diesem Grunde wird den Schülern geraten, ihre Visionen niederzuschreiben, so daß sie ihre Richtigkeit und Bedeutung eventuell bestimmen können. Aber es ist ein großer Unterschied zwischen dem Niederschreiben und der Beobachtung sowie ihrer unbedingten Anerkennung als Führung. Sehr trügerische Visionen sind jene, die unsere Persönlichkeit und unsere augenblickliche Umgebung angehen. Bei normaler Entwicklung der geistigen Wahrnehmung umfassen Visionen sieben Zyklen oder Ebenen, wie in Band II der ”Blätter des Gartens MORYA“ angeführt wird. Visionen, die das persönliche Leben betreffen, werden rar. Es ist wahr, daß die niederen Wesenheiten schlecht geschützte Auren angreifen; außerdem drängt das niedere Manas diesen Angegriffenen das eingegebene Bild auf.

       Jetzt zu den mit der LEHRE zusammenhängenden Fragen. Beim Lesen der ”Mahatma Letters“ sollte man daran denken, daß die darin enthaltenen Erklärungen an Personen von einer bestimmten Denkart gerichtet waren, auf die Rücksicht genommen werden mußte, damit sie die Briefe auch verstehen konnten. Darüber hinaus sollte man die Fragen und Antworten gründlich vergleichen. Sie fragen jedoch zu recht, wie die Worte … ”oder als Individualität vernichtet zu werden …” - zu verstehen sind. Sicherlich, eine nach Vollendung der irdischen Evolution hohe Individualität kann nicht vernichtet werden, denn solch eine Individualität muß die ewige Lebenskraft des siebenten Prinzips in sich aufgenommen und das vierte, fünfte und siebente Prinzip im sechsten verschmolzen haben. Übrigens beweist das Beispiel ”Luzifer“ hinreichend, daß Individualität unvernichtbar ist. In den von Ihnen erwähnten Fragen aus den ”Mahatma Letters“ wird hervorgehoben, daß ewige untrügliche Vorwärtsbewegung alles, was lebt, zwingt, diesem fundamentalen Impuls zu folgen und somit jeden Einhalt zurückdrängt. So vermag auch eine hochentwickelte Person, falls sie in ihrem Fortschritt innehält, dies aber nicht beizeiten erkennt, durch einen plötzlichen Abfall einen solch niederen Zustand erreichen, daß ihre sämtlichen höheren Zentren untätig werden, ihre höhere Individualität den Kontakt mit den Vehikeln verliert, die für ihre Nahrung und jene Elemente, die in den Wirbel ihrer Umgebung eingehen, notwendig sind, und schließlich werden sich ihre niederen Zentren absondern. Ihrer Kohäsionskraft beraubt, werden die niederen Prinzipien solch einer seelenlosen Wesenheit zersetzt und als kosmischer Abfall umgearbeitet werden. Die losgelöste höhere Individualität selbst kann nach vielen Zeitrunden auf einem anderen Planeten von neuem Gelegenheit zur Inkarnation erhalten, allerdings mit dem niedersten Naturreich beginnend, bis schließlich die menschliche Form geschaffen ist, mit der sie wieder in Erscheinung treten kann.

       Wir sollten daran denken, daß es zu Beginn der Theosophischen Lehren notwendig war, für Begriffe, die dem westlichen Verstand gänzlich neu waren, bestimmte Erklärungen zu ersinnen - daher diese Unklarheiten. Zu jener Zeit wurde zwischen einer Persönlichkeit, die erst eine irdische Inkarnation durchmachte und einer solchen Individualität, die als ewiger Zeuge und Sammler von Errungenschaften zahlreiche Inkarnationen erlebte, kaum unterschieden. Im Bewußtsein der meisten Menschen sind auch jetzt noch Persönlichkeit und Individualität ein und dasselbe. Eine hohe Individualität kann nicht vernichtet werden, wohl aber ihre einzelnen Erscheinungsformen als Persönlichkeit. Am Ende des Manvantara das Buch der Leben jeder Individualität überblickend, wird es in diesen Büchern somit manche leere Seiten irdischer Inkarnationen geben. In diesen Fällen versäumte es die Individualität, durch ihre Persönlichkeit die Ernte höherer Energien, von denen sie genährt wird, einzusammeln.

       Nun betreffs desselben Briefes, Antwort Nr. 7, in der es heißt … ”daß sich während des irdischen Lebens - die ganze Individualität im mittleren Drittel oder im dritten, vierten und fünften Prinzip konzentriert” - beachten Sie bitte die folgenden Zeilen: ”Mr. Hume hat den Unterschied zwischen Persönlichkeit und Individualität sehr richtig erklärt. Die frühere (Persönlichkeit oder das dritte, vierte und fünfte Prinzip) überlebt kaum die letztere (Individualität des inkarnierenden Ego). Um erfolgreich zu sein … (laßt uns einfacher sagen: für ihren künftigen Aufstieg) muß sie sich dem siebenten (Prinzip) angleichen, d. h. die drei (viertes, fünftes und siebentes Prinzip) in eines - dem sechsten vereinen” (Briefe der Mahatmas, S. 77-78, Brief XIII.). Daher kann Unsterblichkeit, oder noch genauer gesagt, fortgesetztes Bewußtsein auf allen Seinsebenen nur durch einen langwierigen Prozeß erreicht werden, u. zw. dadurch, daß das Geisteskorn von den höheren Energien genährt wird. Es ist klar, daß, wenn das Korn diese Nahrung vermißt, der Bewußtseinsfaden unterbrochen wird, und man kann sagen, daß dies die Vernichtung der Persönlichkeit sowie eine relative Vernichtung der Individualität bedeutet. Darüber hinaus dürfen wir nicht übersehen, daß die Menschen dazu neigen, in jeder Umwandlung eine Vernichtung zu sehen.

       Das siebente und das sechste Prinzip haben ohne das fünfte auf der Ebene des offenbarten Kosmos kein Bewußtsein. Doch wir wissen, daß im Kosmos alles nach bewußtem Leben strebt; daher schafft der durch die ursprüngliche Energie vergeistigte Gedanke (Manas) die Krone des Kosmos, die bei Vollendung in jedem neuen Zyklus oder jeder Runde beziehungsweise jedem Manvantara immer schöner und schöner wird, bis ins Unbegrenzte.

       Die ursprüngliche Energie oder psychische Energie verleiht Unsterblichkeit. Sollte Ihnen etwas nicht klar erscheinen, so will ich Ihnen gerne weitere Erklärungen geben.

       Und nun zu § 3 der ”Unbegrenztheit I“: ”… Die Menschheit erkennt nicht einmal, was Auslöschen bedeutet - doch ihr wißt, daß jedes Auslöschen aufflammender Feuer überirdische Fackeln entzündet …”. Hier ist jedwedes Entzünden von Feuer gemeint, jedes Herbeiziehen von Feuer aus dem Raum. Selbst wenn eine Kerze angezündet wird, rufen wir damit auch Feuer aus dem Raum in irdischer Erscheinung herbei. Verlöschen wir dieses Feuer, so kehrt es wieder in den Raum zurück, aber bereits in einem umgewandelten Zustand. Und dieser Zustand ist von Fluida durchtränkt, die das Leuchten sowie den Brennprozeß begleiten. Das bedeutet, daß ein mit wohlwollender Absicht und für einen wohltätigen Zweck aus dem Raum geholtes Feuer wohlwollende Fluida in sich birgt und nach seinem Erlöschen überirdische Fackeln von gänzlich anderer Bedeutung entzündet als die Feuer, die durch boshafte Brandstiftung oder Zerstörung verursacht werden. Aus diesem Grunde ist es ratsam, wenn Feuer aus dem Raum herbeigerufen werden, diese Handlung mit wohlwollenden Sendungen und Segen zu begleiten.

       Ebenso zündet das Erlöschen (der Tod) des irdischen Feuers oder des Lebensfeuers des menschlichen Körpers leuchtendere Feuer des feinstofflichen Körpers an.

       5. Oktober 1936

       Sie fragen, wie man sich das Karma eines Ertrinkenden erklären soll, wie es in dem von Ihnen geschilderten Fall war? Durch Weigerung in der Vergangenheit, einen Ertrinkenden zu retten, raubt die Erinnerung daran diesem Menschen die Kraft der Selbsterhaltung.

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       Upasika wird ein weiblicher Weltschüler genannt. So nannten die Großen Lehrer H. P. Blawatsky.

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       Sie wundern sich, daß Sie in der Nähe bestimmter Auren so niedergeschlagen sind, doch dafür gibt es viele Gründe. Es kann Nichtübereinstimmung der Spannung sein, Verschiedenheit der Farbe, Mißklang der Ströme; auch können schwache oder kranke Auren einem die Kraft absaugen. Besonders schwer zu ertragen sind Auren von Menschen mit erloschenem Bewußtsein; sie sollten gemieden werden. Darüber hinaus ist in der kosmischen Schlacht mit diesen schrecklichen Strömen eine stärkere Empfindlichkeit gegenüber allem, besonders gegenüber allen atmosphärischen Zuständen eine natürliche Erscheinung. Die räumliche Schlacht kann sogar die richtige Auslegung eines Horoskops beeinträchtigen. Übrigens verstehen nicht viele Menschen, daß Astrologie als Wissenschaft ein zweischneidiges Schwert ist; hier kann oberflächliches Wissen sehr gefährlich sein. Ich rate Ihnen vor allem davon ab, ihr eigenes Horoskop zu erstellen, besonders auf den ersten Stufen. Nur sehr starke Geister können gewisse Zeichen vernünftig und gelassen hinnehmen. Vergessen Sie nicht, daß ein starker Wille und reines Streben zur Hierarchie des Lichts vieles ändern können. Das Erstellen eines Horoskops ist infolge der neuen Gestirnsverbindungen, die gänzlich neue Ströme herbeiführen, zur Zeit wesentlich schwieriger geworden. In der Tat, unsere derzeitige Astrologie ist als völlig relativ zu betrachten; die Astrologie des Höheren Wissens unterscheidet sich stark von ihr. So gibt es jenseits der gewöhnlichen Astrologie die heiligsten Zeichen und Entscheidungen. Wäre dem nicht so, hätte es bereits eine Weltkatastrophe gegeben. Hier einen Ausspruch aus dem Buch ”Bruderschaft“: ”Wir haben über das Vermischen der Schichten gesprochen. Bei kosmischen Stürmen ist der Strom des Chemismus ständig gestört, und die Strahlen werden gebrochen. Es ist nicht leicht, sich diesen Störungen anzupassen, ohne die Gesetze zu verletzen. Astrologie bleibt, selbst wenn sie aus Mangel an Information vielen Schwankungen unterliegt, eine Wissenschaft. Nebenbei gibt es viele verborgene Zeichen. Wir sagen das nicht, um Enttäuschungen zu bereiten, sondern, um die Beobachter an die Kompliziertheit der Bedingungen zu gemahnen”.

       Daher mögen jene, die in ihrem Horoskop ungünstige Zeichen gewahren, nicht erschrecken, sondern bedenken, daß reines Streben zum Lehrer alles zum besten lenken kann. Darüber hinaus muß man wissen, daß ein gutes Horoskop kein Segen ist, sondern eher das Gegenteil. Wir wachsen durch Hindernisse. Alle hohen Geister haben schwierige Horoskope.

       23. Oktober 1936

       Das Verhältnis Vsevolod Solovievs zu H. P. Blawatsky kommt in seinem Buch ”Eine moderne Priesterin der Isis“, das nach ihrem Tod geschrieben wurde, klar zum Ausdruck. Selbst für einen Leser mit geringem Unterscheidungsvermögen ist dieses Buch eine scharfe Verurteilung des Autors selbst. Soloviev erkannte nicht, welch harten Urteilsspruch er sich durch dieses Buch aufgeladen hat! Der ganze stumpfsinnige Eigendünkel eines nichtigen Menschen, die ganze Gemeinheit, der Verrat, die Verlogenheit und Kleinlichkeit seines Wesens zeigen sich auf jeder Seite dieses Buches.

       Das Zusammentreffen H. P. Blawatskys mit Soloviev ist in den ”Briefen von H. P. Blawatsky an A. P. Sinnett“ beschrieben. Diese Briefe sind bemerkenswert. Ich werde nie müde zu wiederholen, wie wichtig es ist, die ”Mahatma Letters“ sowie die ”Briefe von H. P. Blawatsky an A. P. Sinnett“ zu lesen. In diesen Büchern ist die ganze Geschichte der Theosophischen Gesellschaft und der Hauptbeteiligten genau niedergelegt. Die Biographie sowie die Artikel von H. P. Blawatsky sind von äußerster Wichtigkeit. Nicht minder wichtig ist es, mit der russischen Gesellschaft und allen ihren Hauptwerken vertraut zu sein. Wenn uns die Werke einer Person bekannt sind, erlangt ihre Biographie einen gänzlich anderen Sinn und eine entsprechende Bedeutung.

       Ich weiß, daß der Mahatma M. mit allen über H. P. Blawatsky geschriebenen Biographien unzufrieden war. Zu jener Zeit gab es tatsächlich keinen feinfühligen und bedachten Mitarbeiter, der diese titanische Natur hätte richtig einschätzen können. Gewiß, Mead schrieb nicht schlecht, aber von allen anderen schrieb A. Besant über Blawatsky am besten, weil sie selbst ein großer Geist war; doch hat sie keine vollendete Biographie über Blawatskys selbstaufopferndes Leben geschrieben (1937 ist eine ausgezeichnete Abhandlung über unsere große Landsmännin von Helena Pisarjewa herausgekommen. Dieses Werk veranschaulicht ihre große Aufgabe so vollständig wie möglich).

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       Das Schwerste auf dem Pfad der Jüngerschaft ist, in allem Entsprechung und Gleichgewicht zu erlangen. Man muß die gegebenen Weisungen richtig erfüllen. Aber sehr oft neigt der Jünger in seinem Streben dazu, sich zu übernehmen, und daher heißt es auch, daß alles Überflüssige genau so schädlich ist wie das Unzulängliche, ja vielleicht noch schädlicher.

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       Hiermit reiche ich Ihnen den fürchterlichen Brief zurück. Gott sei Dank bekommt man derart schwarze menschliche Dokumente selten zu Gesicht. Wahrlich, maßlos übersteigerte Leidenschaften! Natürlich beruht das alles auf gänzlicher Unwissenheit. Es ist absolut zwecklos und sogar schädlich, solch einem Typ zu schreiben oder überhaupt etwas mitzuteilen. Die Aura der Briefe ist entsetzlich, sie enthüllt Zeichen schlimmster Besessenheit. Dieser Grad entzieht sich jedwedem Handeln.

       Wenden Sie sich von diesem offenkundigen Diener der Finsternis ab, wo er doch ohnehin von der Menschlichkeit der finsteren Kräfte so überzeugt ist. Die Strenge, die von Höherer Gerechtigkeit ausgeht, kann so ein ausgesprochen Unwissender natürlich nicht verstehen. Was kann dieser Gotteslästerer über Buddhismus wissen? Jeder seiner Gedanken, jedes Wort widerspricht den Grundlagen dieser großen Lehre.

       Übrigens bezieht sich dieser Diener der Finsternis auf den Begriff ”natürlicher Pfad“. Darum möchte ich für Sie einige Paragraphen aus dem noch unfertigen Buch ”Bruderschaft“ zitieren: ”Was ist der natürliche Pfad? Er ist ein Pfad uneingeschränkten Lernens - in Duldsamkeit und Geduld, ohne jedwedes Sektierertum. Uneingeschränkte Erkenntnis ist nicht leicht zu erwerben. Alles, was mit menschlichen Werken zusammenhängt, ist beschränkt. Jede Beschäftigung zersplittert, als ob es viele Verbindungswege gäbe. Selbst ausgezeichnete Geister sind in einen engen Kanal gedrängt worden. Diese Krankheit von Selbstbeschränkung hat nichts mit Selbstaufopferung zu tun. Der Mensch beschränkt sich allein auf seinen Komfort. In der Tat, tapfere Taten nach uneingeschränktem Wissen sind Ausnahmen. Boshaftes und gehässiges Tun führt zu Engherzigkeit. Für uneingeschränktes Handeln muß man von Großmut erfüllt sein und Ursachen und Wirkungen mit wohlwollendem Auge aufspüren. Strenge der Arbeit hat nichts mit kritischem Verhalten gemein. Nur beschränkte Menschen verurteilen. Vollkommenheit wird nicht aus Verurteilung geboren. Kann man in Verwirrung von uneingeschränktem Wissen träumen? Überall und in allem kann man lernen. Möglichkeiten werden durch unaufhaltsames Streben herbeigezogen. Der natürliche Pfad besteht allein in Beweglichkeit!

       Wahrlich, man muß suchen! Man muß daran denken, daß ein kleiner Funke eine große Explosion auslöst. Ein Gedanke kann beides: anziehen oder abweisen. Jene, die die menschlichen Gemüter regieren, sind nicht selten Geführte. Und wie sehr können leere Töne den Willen des Menschen ersticken und den bereits beschrittenen Pfad für immer zunichte machen! Gutes stört nie, aber Böses um so mehr! So laßt uns daran denken, daß kleine Funken große Explosionen auslösen.

       Sind diese Vorbereitungen für die Bruderschaft notwendig? Entschieden - nicht nur Vorbereitung, sondern auch Erleuchtung. Wird es jener, der entschlossen ist, sich dem großen Dienen hinzugeben, nicht bereuen? Kleinmütigkeit läßt viele Gedanken über Gemütlichkeit und Bequemlichkeit entstehen. Es kann auch ein bedauerliches Lächeln geben. Wie aber können solche Angriffe ohne Erleuchtung überwunden werden?” (Bruderschaft)

       Haben Sie übrigens von dem phänomenalen zehnjährigen Knaben aus Athen gehört, der sich, wie man erzählt, jede Nacht um 11 Uhr vom Balkon seines Hauses mit einer Rede an das Volk wendet? Er spricht über politische und soziale Themen und bekundet großes Wissen. Er kann die schwierigsten Fragen beantworten, doch nur zu dieser Stunde. Den ganzen Tag hindurch ist er ein ganz normales Kind. Man meint, daß aus diesem Knaben der Geist des Venezianers spricht.

       Interessant ist auch ein Fall aus Amerika. Ein Knabe sieht durch undurchdringliche Flächen hindurch, aber nur zu einer bestimmten Zeit, nämlich wenn ein Personifikator durch ihn wirkt. Dieser Knabe ist in der Zeitung abgebildet, wie er mit dichtverbundenen Augen einem Fachmann für solche Phänomene gegenübersteht. Nach Aussage des Experten verfügt dieser Knabe (oder der durch ihn wirkende Personifikator) über eine ungewöhnliche Geschicklichkeit. Was die Zeitungen schreiben, ist zwar mit Vorsicht aufzunehmen, jedoch im Prinzip sind solche Phänomene durchaus möglich.

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       Lassen Sie sich durch nichts und niemanden beunruhigen. Es heißt ”Gefahr erweist sich für vieles als Rettung.” Vielleicht kann in Zusammenhang mit einigen Ereignissen gesagt werden, je gefährlicher, desto besser. Gefahr vermag dazu beizutragen, viel Unangenehmes zu überwinden.

       Denken wir an den Steuermann des Weltenschiffs und fürchten wir uns nicht.

       25. Oktober 1936

       Ich freue mich zu hören, daß der Ausspruch über selbständige Errungenschaft für Sie ein Appell war, denn das wird Ihnen helfen, die ganze Schönheit der Lehre zu schätzen, die, obwohl sie die Richtung weist und reichliche Hinweise gibt, wenn auch oftmals nicht für alle verständlich, dem Bewußtsein keinen Zwang auferlegt und die Freiheit individueller Entscheidung toleriert.

       Sicherlich ist die Zeit reif, doch sie reift vor allem in der Erkenntnis der bedrohlichen Zeit und der unserem Planeten bevorstehenden Kataklysmen, wenn der menschliche Geist nicht aufschreit und es versäumt, erhabenes Denken und Läuterung des Herzens zu erstreben. Die die Erde umgebende verseuchte Atmosphäre muß zerstreut werden, weil sie das Eindringen der segensreichen Strahlen der Gestirne verhindert. Das kann aber nur durch eine höhere Schwingung, das heißt, durch Erwachen der Geistigkeit in der Menschheit erreicht werden.

       Alle Apparate zum Sammeln psychischer Energie oder zur Messung der feurigen Spannung des Raumes, die Sie so sehr interessieren, würden sich in den Händen der habsüchtigen und chaotisch denkenden Vertreter der Menschheit nur als voreilige Sprengkörper erweisen. Die angehäufte psychische Energie würde von ihnen nicht zum Aufbau, sondern zur Zerstörung genutzt werden. Es gibt genügend ähnliche Beispiele auf anderen Gebieten.

       Der größte Nutzen, den wir erbringen können, besteht in der Erweiterung des Bewußtseins sowie in der Verbesserung und Bereicherung unseres Denkens, bei gleichzeitiger Läuterung des Herzens, um unsere Emanationen zu stärken und durch diese höhere Schwingung auf unsere Umgebung heilend einzuwirken.

       Freilich, ohne Hilfe des Lehrers ist es unmöglich, den Vorrat unserer psychischen Energie zu mehren; verfügen wir jedoch über ein geläutertes und offenes Herz und ist unser Organismus entsprechend vorbereitet, dann wird der Lehrer nicht säumen, sich zu offenbaren.

       Die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK geben jedem Schüler die Möglichkeit, das Bildnis des Lehrers im Herzen zu tragen. Gewiß, diese Bildnisse werden unterschiedlich sein. Durch Verstehen der Hinweise schafft jeder Schüler sich jenes Bildnis, das ihm naheliegt. Kein Bildnis entspricht jedoch völlig der Wirklichkeit. Wir haben ein ziemlich gutes Bild in unserem Aschram, doch auch das drückt die schöne Wirklichkeit nicht aus.

       Ja, es gibt viele Interpreten der Heiligen Lehre, und jeder bezeichnet sich als Mitglied der Weißen Bruderschaft. Wer kann ihnen das verbieten? Wenn sie aufrichtig mitarbeiten, das Licht zu vermehren und helfen, in das chaotische Bewußtsein der meisten Menschen Ordnung zu bringen, mögen sie sich ruhig ”Mitglieder der Weißen Bruderschaft“ nennen. Ist denn nicht die ganze Menschheit geteilt in Anhänger von Schwarzen und Weißen Bruderschaften? Und tatsächlich gibt es mehr von jenen, die der Finsternis folgen; und es gibt so viele Entwicklungsstufen unter diesen Anhängern, als es Bewußtseine gibt.

       Von D. habe ich gehört und seine gute und nützliche Broschüre gelesen, aber seine Anhänger machen eine Sekte aus seiner Lehre. Es gibt sogar Gerüchte, daß jene, die abfallen, mit Bestrafung zu rechnen haben. Natürlich gibt es auch Fälle, wo der Führer sich von seinen Anhängern stark unterscheidet, und daher sind Gerüchte mit großer Vorsicht zu behandeln. Ich hätte diesen keinen Glauben geschenkt, wäre ich nicht in diesem Fall selbst auf eine bestimmte Sache gestoßen. D. verbot einem seiner Schüler, die BÜCHER der LEBENDIGEN ETHIK in die örtliche Sprache zu übersetzen und herauszubringen. Fürwahr, es steht einem Menschen zu, von einem Lehrer, den seine Schüler für ”ein Mitglied der Weißen Bruderschaft“ halten und der sogar der ”Sonnen-Hierarchie“ angehören soll, mehr Großzügigkeit und Duldsamkeit zu erwarten! Die Lehre des Lebens oder die LEBENDIGE ETHIK zieht niemanden herbei, sie ist jedem weitestgehend und frei zugänglich, sie bedroht oder verfolgt niemanden, der sie aus irgendeinem Grund wieder verläßt.

       Welche Interpretation der LEHRE in der Zeitschrift ”Okkultismus und Yoga“ haben Sie im Sinn? Jeder hat das Recht, der Lehre jenen Aspekt zu entnehmen, der ihm am nächsten liegt. Ich liebe den Ausspruch aus der Bhagavad Gita: ”Auf welchem Pfade du dich Mir näherst, auf diesem Pfade will Ich dich segnen, denn alle Pfade sind Mein.” Dieser herrliche Ausspruch weist klar darauf hin, daß die Form ohne Bedeutung ist, doch die Idee an sich das Wesentliche. Wie weit entfernt sind manche geistige Lehrer von dieser Duldsamkeit und Großzügigkeit! Ihnen fehlt vor allem die Großzügigkeit des Herzens.

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       Und jetzt zu Ihrer Frage über die Einzelheiten der Isolierung der Elektrizität. Viele Mitteilungen und genaue Formeln können der Post nicht mit Sicherheit anvertraut werden.

       Anschließend finden Sie jene Paragraphen aus der Lehre, die Sie interessieren dürften: ”Ist es möglich, Psychotechnik ohne einen Lehrer zu erwerben? Es ist unmöglich. Diese Technik ist von gefährlichen Vorgängen begleitet. Sendet ihr eure Kinder ohne einen Führer in ein physikalisches Laboratorium?

       Wie kann man einen Lehrer finden? Vergessen wir nicht, daß die Gesetze des Willens die Eigenschaft haben, die Aufmerksamkeit dessen zu erregen, dem der Ruf gilt. Es besteht keine Notwendigkeit, den Lehrer in einem Nachbarhaus zu entdecken; man kann auf Entfernung führen. Es gibt aber Augenblicke, wo eine erfahrungsgemäße Warnung unerläßlich ist.

       Eine Reihe psychischer Erscheinungen ist mit atmosphärischen und astrochemischen Ereignissen eng verbunden. Es gibt unsichtbare, doch fühlbar tödliche magnetische Stürme. Der physische Führer wird nützlichen Rat erteilen, wie man der in Jedem Metall enthaltenen Gefahr ausweichen kann. Es gibt psychische Stürme, wo die Hand des Lehrers sich als unerläßlich erweist.

       Ihr wißt, daß physische Erscheinungen auf große Menschengruppen wirken. Das kann nicht als Wahnsinn bezeichnet werden, sondern ist eine besondere Erscheinung der kollektiven Einheit. Man mag sich die Wirkung unterirdischer Gase und die des Staubes atmosphärischer Körper vorstellen. Manche lähmen die psychischen Tätigkeiten, doch andererseits gibt es Erreger, die den Steuermann zwingen, unaufschiebbare Maßnahmen zu ergreifen. Wenn Wir über die Möglichkeiten der Psychotechnik sprechen, wollen Wir niemandem seine Apparate zerstören. Wir, als MITGLIEDER der GEMEINSCHAFT, verfolgen die Aufgabe der wahren Wirtschaftlichkeit, und jeder psychische Apparat muß geschützt werden. Sorgfalt erscheint um so mehr geboten, als das Potential der psychischen Energie oft nicht mit dem Intellekt zusammenfällt und es daher notwendig erscheint, die Qualität der psychischen Möglichkeiten zu bestimmen. Die psychische Energie in eine ihr fremde Richtung zu zwingen, wird eine der gefährlichsten Aspekte der Vergewaltigung sein.

       Ablagerungen von lichttragender Materie und astrochemischen Strahlen vermitteln der psychischen Energie eine ungewöhnliche Feinfühligkeit und sättigen sie periodisch mit Strahlen. Gewiß, die Qualität des Bewußtseins wird der bestimmende Faktor sein; laßt uns deshalb mit der psychischen Energie behutsam umgehen” (Gemeinschaft, § 177).

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       ”… der Begriff des Magneten überschreitet die physische Sphäre. Wendet den Magneten im psychischen Bereich an, und ihr werdet eine sehr wertvolle Beobachtung machen. Die Assoziation von Ideen hat eine gewisse Grundlage in der magnetischen Welle. Verfolgt den Verlauf der magnetischen Wellen und ihr werdet feststellen, daß die Ideen sich in gleicher Richtung fortbewegen. Die Eigenschaft der Ideen mag verschieden sein, doch die Technik ihrer Verbreitung ist die gleiche. Der Versuch, zwischen Magnet und Denken eine Verbindung herzustellen, gibt ein hinreichendes Beispiel für den Einfluß einer physischen unsichtbaren Energie auf den psychischen Vorgang. Die Eigenschaften der Magneten sind verschieden; sie können wie Instrumente gestimmt werden. Die Reichweite der magnetischen Wellenlänge ist unvorstellbar. Ihre Wirkung auf die Menschen erfolgt nicht nach dem Alter, sondern nach der psychischen Strebsamkeit. Für Strahlungen auf Entfernung dienen magnetische Wellen als ein ungewöhnlicher Leiter. So haben wir mit fernen Horizonten begonnen und enden mit jener zukünftigen Aufgabe der Menschheit.

       Beachtet, das System der Auslegung besteht nicht in Eintönigkeit, sondern in der Spirale eines Strebens unter verschiedenen Bedingungen.

       Denket über magnetische Wellen und über psychische Streben nach” (Gemeinschaft, § 244).

       ”Die Atomenergie steht mit der Erforschung der psychischen Energie und dem Stadium der Theorie über die Magneten in Zusammenhang. Ohne diese Faktoren kann man sich nur bestimmte Erscheinungen der Urenergie aneignen …” (Gemeinschaft, § 150).

       Ja, die sogenannte Materia Lucida wird als Bestandteil in die Formel für eine der Menschheit versprochene Energie eingehen. In der Tat, Strahlen und Lichtwellen bringen die Lösung für die kommende Evolution.

       Nicht zuletzt möchte ich Ihnen sagen, daß die Menschheit durch die Mechanisierung zur Zeit dermaßen versklavt ist, daß die meisten Menschen bewußt oder unbewußt Roboter geworden sind. Man muß sie von dem Unheil befreien, da das Erstarren der Geistigkeit viele feine Fähigkeiten des Menschen zu zerstören droht. Aufrichtige große Wissenschaftler geben ganz offen zu, daß viele ihrer Entdeckungen gegenwärtig nicht enthüllt werden können. Sie sind der Menschheit so weit voraus, daß ihre Anwendung im Leben mehr Schaden als Nutzen bringen könnte.

       Daher besteht die LEBENDIGE ETHIK primär auf der Entwicklung der Geistigkeit, denn ohne diesen grundlegenden Faktor werden alle Manipulationen mit den feinsten Energien nicht nur zerstörerisch, sondern unmöglich sein. Alle Apparate der Zukunft zum Sammeln und Kondensieren der feinen Energien werden das Vorhandensein von psychischer Energie höchster Qualität beziehungsweise der Geistigkeit des Bedienungspersonals erfordern. Viele der feinsten Verbindungen sind nur bei Vorhandensein einer Aura bestimmter Spannung und Zusammensetzung möglich. Ebenso erfordert die Herstellung des legendären Steins der Weisen die geistig völlig übereinstimmende spezifische Aura der zwei Prinzipien (des weiblichen und des männlichen).

       Ich möchte hier einen Auszug aus einem Buch eines Schülers von Professor Yourevitch bringen: ”Nach einer zehnjährigen eingehenden Versuchsreihe legte Professor Yourevitch das Ergebnis seiner Forschungen dem Internationalen Psychologischen Kongreß in Kopenhagen vor. Darin heißt es: ”Der Unterschied zwischen den menschlichen Emanationen und den Radium- und Röntgenstrahlen ist, daß menschliche Emanationen weit feiner sind und dichte Wände durchdringen können, wohingegen die Röntgenstrahlen sowie das Radium von einer bestimmten Körperdichte, die sie durchdringen, abhängig sind. Die Emanationen verwandeln zum Beispiel gasförmige Ströme, andererseits Nichtleiter in bemerkenswerte Leiter magnetischer Kraft. Die grundlegende Eigenschaft der Y-Strahlen ist ihre weitreichende Leitfähigkeit. Ohne Rücksicht auf Entfernung und Stärke erlangen diese gasförmigen Ströme unter dem Einfluß menschlicher Emanationen Leitfähigkeit. Ihre weitreichende und durchdringende Kraft ist durch den kosmischen Kontakt der menschlichen Emanationen bedingt, und daher muß man ihnen eine stärkere Wirkung als allen anderen Strahlen zugestehen.

       Neben ihrer weitreichenden Leitfähigkeit und Durchdringungskraft verfügen die Y-Strahlen, wenn sie dichte Hindernisse durchdringen, über die Fähigkeit, auch mechanische Funktionen zu übernehmen. Wenn sie dicke Metallplatten durchdringen, bewirken die Y-Strahlen, sobald sie durch bewußt konzentrierte Lichtwellen hindurchgehen, molekulare Ablagerungen. Sie können auch fotografiert werden. Die Y-Strahlen der Aura sind die Grundlage der Levitation und der telekinesischen Phänomene. Das Werk von Professor Yourevitch erschien unter den Titeln ”Y-Strahlen als Leiter von biophysikalischer Energie” … ”Mar-Galitu” (Fr. J. P. Reimann). … ”Die magnetische Aura des kosmischen Menschen” (Trier: Fr. P. Reiss).

       So wird die Wissenschaft nolens volens genötigt sein, ihre Forschung der Geistigkeit zuzuwenden. Das Morgenrot der Neuen Ära der Anerkennung des Geistes bricht an.

       9. Dezember 1936

       Ich besitze das von Ihnen erwähnte kleine Buch, doch ich kann es erst lesen, sobald ich mehr Zeit habe. Die von Ihnen gestellten Fragen lassen den Schluß zu, daß das Buch wenig Wissen, und ich möchte fast sagen, vorsätzliche Verleumdung aufweist. Offensichtlich konnte sich der Verfasser in der ”Geheimlehre“ nicht zurechtfinden, er spricht in einer ganz feindseligen Art sogar von Häresie. Wenn er jedoch meint, dieses Werk zu kennen, so ist es um so schlimmer, denn dies besagt, daß er es überhaupt nicht verstanden hat. Zu behaupten, ”Frau Blawatsky besaß keine Verantwortung und kein Verständnis für das Problem Freiheit”, zeugt wirklich davon, daß er von östlicher Philosophie selbst keine Ahnung hat und daß Begriffe wie Karma und Dharma für ihn ein leerer Klang sind. Es ist sicherlich nicht die Meinung von H. P. Blawatsky, daß der ”Mensch eine Marionette“ sei, sondern derart gewissenlose Kritiker sind selbst Marionetten ihrer unverantwortlichen Behauptungen und Vorurteile. Mit Recht kann man sich über solche Urteile nur wundern.

       Und nun zu Ihrer Frage. Die Rabbiner, denen wir begegneten, gaben einmütig zu, daß das Wort Israel ”Der Auserwählte“ bedeutet. Daher wird jeder unvoreingenommene und reine Geist, der die früheren Offenbarungen oder die alleinige Quelle aller Religionen und Philosophie ehrt, ein ”Auserwählter“ oder ”Israel“ genannt.

       Es ist auch ratsam, immer an den Ernst und die Ungewöhnlichkeit der Zeit, in der wir leben, sowie an die Notwendigkeit zu erinnern, sich erneut den Grundlagen des Lebens mit der Wiederkehr der ursprünglichen Quelle aller Lehren zuzuwenden, besonders allen großen geistig Schaffenden, die den wahren Gründern dieser oder jener Lehre unmittelbar nachfolgen.

       Hatten Sie Erfolg im Suchen nach Dobrotolubye (Die Liebe zum Guten)? Trotz zahlreicher Korrekturen gibt es darin bemerkenswerte Stellen. Die Worte des großen Heiligen Antonius sind schwer zu widerlegen.

       Ja, ”Das Aufzwingen von Gedanken ist eines der schwersten Verbrechen. Es ist nicht zu rechtfertigen. Es dient allein dazu, neue Gewalttaten heraufzubeschwören, und wo ist das Ende dieses Vergehens? Es ist irrig, zu meinen, daß mit Haß Geschaffenes dauerhaft sein kann. Allein Aufbau, nicht Vernichtung, kann Kraft für einen freien Gedanken sammeln. Der Gedanke muß geschützt werden. Der Denkprozeß selbst muß liebgewonnen werden.”

       Nein, wir grämen uns nicht, im Gegenteil, wir beobachten mit bebendem Herzen, wie das rettende Gefühl der Vaterlandsliebe unter den Zeichen des Krieges erwacht. Man muß an das Sprichwort denken: ”Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde gingen vorbei.” So durchschreitet die ganze Welt jetzt das Fegefeuer, und Finsternis verschlingt Finsternis. Für alle ist Heldentat geboten. Wappnen wir uns mit Geduld, denn die Zeit naht, wo man nach allen, die ein Körnchen wahren Wissens darbieten können, suchen wird. Überall dort, wo alles weggenommen, wo jedwede schöpferische Tätigkeit erstickt wurde, wo menschliche Würde verlorenging: vor allem dort wird der Durst nach Wissen und nach wahrer Freiheit erwachen. Zur rechten Zeit wird in voller Glorie die Wohnstätte erstehen. Daher werden wir gebeten, jetzt in der bedrohlichen Zeit Feierlichkeit zu bewahren. Wir sind am Gipfel des Harmagedons angelangt.

* * *

       Sicherlich ist unter dem Begriff Himmel im weitesten Sinne der Raum zu verstehen, im religiösen Sinn jedoch bedeutet er die höheren Sphären, die unseren Planeten umgeben - die Feurige beziehungsweise die Höhere Welt.

       Die Bezeichnung selbst hat an sich wenig Bedeutung, wichtig allein ist der Begriff, auf den diese Bezeichnung hinweist.

       Ein berühmter amerikanischer Wissenschaftler gab auf die Frage, wie er sich den Himmel vorstelle, folgende Antwort: ”Er ist das, was die Wissenschaftler die wahre Welt nennen, und unsere irdische Welt ist nur ihre Reflektion” (man könnte hinzufügen, eine fürchterlich entstellte Reflektion). Das ist eine wahre östliche Erklärung. Wer weiß, vielleicht liest dieser Wissenschaftler in seinem Schlafzimmer hinter verschlossener Tür die ”Geheimlehre“ oder ähnliche Werke der großen Lichtträger, die durch unwissende Vertreter unseres zweibeinigen Reiches auch jetzt noch grausam verfolgt werden. Wahrlich, die Lichtauslöscher verdienen es nicht, Menschen genannt zu werden. Sie haben ein niedrigeres Niveau als die Tiere.

       Ein wildes Tier greift an, wenn es hungrig ist, aber der Mensch in seinem Haß ist jederzeit bereit, alle und alles zu vernichten, wobei er sich zu äußerster Grausamkeit hinreißen läßt. In der Tat, die Hölle ist hier auf Erden! Aber um das Paradies besser zu schätzen, muß man auch die Hölle kennenlernen. Die Pforten des Paradieses stehen offen; es liegt an uns, einzutreten.

       Bewahren Sie weise Freude!

       10. Dezember 1936

       Erneut habe ich Ihren Brief aufmerksam gelesen und mein Rat an Sie ist, legen Sie die genannten okkulten Bücher beiseite und studieren Sie mit ganzer Seele das Leben der großen Heiligen.

       Sie schreiben, daß ”die richtigen Bedingungen, den Pfad zu betreten, hier zu finden sind”, reden aber zuerst von Ihrem Schwanken und Ihrem Zweifel. Doch die Grundbedingung zum Betreten des Pfades ist feste Entschlossenheit, den erwählten Weg ohne Abweichung zu verfolgen. Obwohl es viele Wege zu der einen Wahrheit gibt, wie es in der Bhagavad Gita so schön heißt, werden unsere Kräfte nichtsdestoweniger nur vergeudet und wir werden nirgendwo hingelangen, wenn wir von einem Pfad zum anderen laufen. Wenn Ihnen das schöne Bildnis des Heiligen Franziskus so teuer ist, so wählen Sie ihn zu Ihrem Lehrer! Warum sollten Sie einen anderen Guru suchen, wenn Sie bereits einen gefunden haben? Ich verehre den Heiligen Franziskus sehr und nicht minder liebe ich die Heilige Therese von Spanien. Warum sollten Sie dem großen Beispiel des Heiligen Franziskus nicht nacheifern? Wer weiß, vielleicht werden Sie eines Tages, wenn Ihr Herz wirklich entflammt ist, inspiriert werden, über die ”Nachfolge des Heiligen Franziskus“ ein Buch zu schreiben! In unserem jetzigen Zeitalter mit seiner beinahe universellen Verehrung des ”Goldenen Kalbes“ wäre die Wiederkehr zur Lehre der Armut eine sehr begrüßenswerte Gegenüberstellung.

       Legen Sie daher die Bücher über den Okkultismus zur Seite und belasten Sie sich nicht mit deren Kritik. Zu einer vernünftigen Kritik muß man vieles wissen. Sie schreiben, daß bestimmte Menschen und auch einige Organisationen das Buch des von Ihnen erwähnten Verfassers als ein Werk der Freimaurerei betrachten, ja sogar eines des ”Jüdischen Freimaurertums“! Das ist nichts Neues, es handelt sich um die alte Formel abgestumpften, unheilvollen Unwissens. Im Mittelalter wurde alles, was dem Lichte diente, mit dem Siegel Satans abgestempelt, und jetzt hat dieser Stempel nur einen anderen Namen erhalten - das ist alles. Mit ähnlichen Anschuldigungen und Titeln wie ”Scharlatan“, ”Spion“ und anderen, sind viele der besten Geister und großen Schaffenden für das Allgemeinwohl bedacht worden. Die Liste der Wissensträger, die durch die Hände der Unwissenheit umgekommen sind, ist lang. Seinerzeit wurden der große Paracelsus, der Graf von Saint Germain sowie unsere Landsmännin H. P. Blawatsky mit solchen Titeln bedacht. Heutzutage gibt es Menschen, die so große Patrioten wie Suvorov, Goleschev-Kuturov, Fürst von Smolensk, Novikov, Lopukin, Fürst Repin, Karamanzin, Fürst Kurakin, Speranski, Pushkin, Griboyedov und andere als Verräter des Vaterlandes hinstellen, nur weil diese Menschen sich seinerzeit zur hochkulturellen und fortschrittlichen Bewegung der ”Freimaurer“ bekannt haben. Nehmen wir sie heraus aus der russischen Kultur, - was bleibt dann übrig? Vergessen wir nicht, daß auch jetzt ein bestimmter Teil der russischen Gesellschaft vor allem Tolstoj verfolgt. So war es in Harbin verboten, seines 100. Geburtstages zu gedenken! Urteilen Sie selbst, können wir mit solch mittelalterlichen Methoden ohne tiefe Scham vor gelehrte Ausländer hintreten? Nicht, daß ich die Freimaurer verteidigen möchte, denn diese Bewegung ist jetzt zum Großteil in Klubs und Kulissenzauber ausgeartet, sondern es ist recht und billig, zuzugeben, daß die ursprünglichen Gründer des Freimaurertums sowohl im Westen als auch im Osten Menschen von großer Vernunft und hoher Moral und darüber hinaus wirkliche große Patrioten waren.

       Wissen Sie übrigens, daß es Leute gibt, die unwissend glauben, der Malteserorden zähle zum Freimaurertum? Dabei ist dieser eine rein katholische Organisation, und nur Katholiken werden als Mitglieder zugelassen.

       Was die Feinde unseres Landes betrifft, so gibt es deren viele, und sie sind in vielen Ländern und unter verschiedenen Völkern zu finden. In den letzten Jahren ist eine Anzahl wertvollster Dokumente veröffentlicht worden, welche die traurige Wirklichkeit in ihrer ganzen Stärke enthüllen. Es schmerzt einen, diese Dokumente zu lesen. Zur Zeit hat menschlicher Haß seinen Höhepunkt erreicht und droht die ganze Welt zu vernichten. So wird das Karma unseres Planeten vor allem durch Unwissenheit gewebt, denn die Ursache allen Übels ist Unwissenheit. ”Unwissenheit ist Hölle”, sagt einer der großen geistig Schaffenden des ersten Jahrhunderts des Christentums.

       Sie möchten das Gesetz der Wiedergeburt gern bestätigt wissen. Doch das hängt ganz von Ihnen ab, denn jede Überzeugung und jedes Wissen kommt von innen. Wenn unsere früheren Aufspeicherungen dürftig sind, so wird uns schwerlich plötzliche Erleuchtung widerfahren. Denn vieles muß durchgemacht und erlitten werden, bevor das Bewußtsein bereit ist, Neues aufzunehmen; doch ist es nur zeitweilig getrübt, so kann man hoffen, daß sich die Augen des Geistes öffnen werden. Mein Rat ist, beobachten Sie mehr und denken Sie über die kosmischen Gesetze nach, vielleicht werden Sie dann den ganzen Widersinn und die ungeheuerliche Ungerechtigkeit eines einzigen Menschenlebens auf Erden erkennen sowie durch die Notwendigkeit, in verschiedene Verhältnisse hineingeboren zu werden.

       Im Kosmos gibt es unbegrenzte Vervollkommnung, die auf dem Gesetz der Zweckmäßigkeit und dem führenden Prinzip der Hierarchie des Lichts oder der Jakobsleiter beruht! Wäre es anders, hätte das Chaos das Universum längst verschlungen. In der Tat, alles Positive birgt das Führende Prinzip. So etwas wie ewige Verdammung gibt es ebensowenig, wie es jene ewige Seligkeit gibt, wie sie von den meisten verstanden wird. Es gibt Perioden von dieser und jener Dauer in völliger Übereinstimmung mit den Aufspeicherungen des Geistes. Im Kosmos gibt es nur ewige Bewegung und Verschiedenartigkeit. Schön ist der Pfad unendlicher Vervollkommnung!

       Und so folgen Sie dem Bildnis, das Sie lieben. Ich bin sicher, daß Sie durch Herzensstreben finden werden, was Sie suchen. Mein Wissen über einige Einzelheiten aus dem Leben des Heiligen Franziskus würde sie kaum zufriedenstellen, denn es stammt aus einer ganz anderen Quelle. Doch eine lehrreiche Geschichte aus diesem schönen Leben, die ich kürzlich in einer indischen Zeitschrift las, möchte ich Ihnen dennoch erzählen. Es könnte sein, daß Sie diese Geschichte kennen, aber ich liebe sie so sehr, daß ich sie gern wiederhole.

       ”Einst sagte der Heilige Franziskus zu einem jungen Mönch: ”Bruder, laß uns in die Stadt gehen, um zu predigen.” Und so verließen sie das Kloster und sprachen über erhabene Dinge, durchquerten die ganze Stadt und kehrten zum Kloster zurück. Der junge Mönch fragte erstaunt: ”Vater, wann werden wir predigen?” Der Heilige Franziskus antwortete: ”Bruder, merktest Du nicht, daß wir die ganze Zeit predigten? Wir schritten in Würde einher, wir sprachen über erhabene Dinge, die Menschen sahen nach uns und empfingen Frieden und Trost. In der Tat, Predigen besteht nicht allein in Worten, sondern auch im Benehmen.”

       Seien Sie daher von solchem Geist erfüllt und Segen wird Ihnen zuteil.

       17. Dezember 1936

       Über die bemerkenswerte Persönlichkeit des Grafen von Saint Germain kann man natürlich keine unvollständigen Angaben veröffentlichen; es ist besser, das Buch von Cooper-Oakley komplett zu übersetzen. Ich erachte dieses Werk als das beste von denen, die ich bisher über St. Germain gelesen habe. Dieser Band enthält sehr wertvolle Aussagen über seine Bibliographie.

       Es gibt keinen Zweifel, daß Saint Germain auch in der russischen Geschichte eine bedeutende Rolle gespielt hat. Im internationalen Schrifttum finden sich kurze Hinweise auf die Prophezeiungen, die er bei seinem Aufenthalt in der Hauptstadt Rußlands machte. Die Zeit ist noch nicht gekommen, um sie zu veröffentlichen, aber die Zeiten ändern sich und zur gegebenen Stunde werden wir darüber hören.

* * *

       Ja, in gewissen Zeitabschnitten erschienen in manchen Ländern gelegentlich Abgesandte, die eine Botschaft und nützliche Hilfe aus dem Bollwerk des Wissens übermittelten, was allerdings nicht immer erkannt wurde. Der Osten verstand einst, diese Botschaften anzunehmen - natürlich nicht mehr - aber die westlichen Völker beharrten auf Ablehnung. Nur einmal sind die Ratschläge und die Hilfe von der sogenannten Neuen Welt angenommen worden, nämlich unter Washington, bei der Deklaration der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika. Das Ergebnis dieser Annahme war die mächtige Entwicklung der Vereinigten Staaten. Vielleicht wurde auch gegenwärtig irgendwo solche Hilfe angeboten, aber in unserem Zeitalter der Zersetzung und der Herrschaft menschlichen Wahnsinns ist sie sicherlich zurückgewiesen worden.

       Und so laßt uns Zeuge des Karma für die Zurückweisung der großen Hilfe sein. Wenn in früheren Zeitaltern oft viele Dekaden erforderlich waren, die Folgen solcher Zurückweisung zu enthüllen, so sind die Fristen heute weitaus kürzer. Unter unaufhörlicher Beschleunigung des kosmischen Einflusses neuer Strahlenverbindungen erfahren die Ereignisse ein gänzlich anderes Tempo. Auch im Laufe des letzten Jahres hat sich bereits so viel ereignet!

       So mögen denn die Weisen über die Ereignisse nachsinnen, um die Ursachen aus der Vergangenheit und nicht selten, die aus der unmittelbaren Vergangenheit aufzuspüren. In einer ernsten Zeit kann man neue Ursachen nicht ausschlagen. Laßt uns hoffen, daß sich erleuchtete Geister finden werden, denen es gelingt, durch rechtzeitige Festsetzung segensreicher Grundlagen die totale Vernichtung zu verhindern.

       In allen Zeitaltern haben die ”Älteren Brüder“ den Menschen beigestanden, aber die totale Unwissenheit und Unduldsamkeit, die sich in den Regierungskreisen kundtat, lehnten eine Rettung ganzer Länder ab. Menschlicher Egoismus haßt vor allem jene, die über Vorausschau verfügen und mehr wissen als die selbstzufriedenen Unwissenden. Wie wenige Menschen wollen wirklich lernen; jeder ist nur daran interessiert, andere zu belehren! Aber der Weise sammelt sein ganzes Leben durch Beachtung der scheinbar unbedeutendsten Ereignisse wie eine Biene den Honig der Erkenntnis!

       Gewiß, den Rat zur Eile sollte man nicht im engsten Sinn verstehen. Dieser Ratschlag betrifft primär die Erfüllung der bereits aufgezeigten Aufgaben und bezieht sich besonders auf das Wachstum und die Erweiterung des Bewußtseins, um das Verständnis der bevorstehenden laufenden Ereignisse zu ermöglichen. Das braune Gas hüllt unseren Planeten ein, und die Vermengung der Ströme wirkt sich auf den feinfühligen Organismus sehr bedrückend aus.

* * *

       Ich würde mich sehr freuen, Ihr Werk kennenzulernen. Ich glaube, daß solch ein Buch nicht übereilt niedergeschrieben werden sollte. Man müßte mehr Material zusammentragen Viel Wertvolles werden Sie in den Episteln des Apostels Paulus finden. Ich habe die von Ihnen angeführten Fragen aus dem Buch ”Das Leben von H. P. Blawatsky“ von Sinnett gefunden, doch weiß ich nicht, woher H.P.B. diese Informationen genommen hat. Wahrscheinlich handelt es sich um die vorhandenen Apokryphen, die in vielen Fällen richtiger sind als die sogenannten historischen Daten. In der ”Encyclopedia Britannica“ sind in der kurzen Beschreibung über das Konzil von Nicäa diese seltsamen Einzelheiten in Zusammenhang mit der Wahl des kanonischen Evangeliums nicht vermerkt. Ich bezweifle sehr, ob diese Details in der ”Enzyklopädie der Religionen und der Ethik“ (englische Ausgabe von Hastings) zu finden sind, denn die Zensur der Kirche unserer Zeit hätte sie wohl kaum zugelassen. So bleibt nichts weiter übrig, als in den Apokryphen danach zu suchen. Das Konzil von Konstantinopel im Jahre 553 beschloß die Abschaffung der Lehre von der Wiedergeburt, wie es in der Encyclopedia Britannica heißt. Man muß dem Verfasser der Mitteilung über die Konzile in der Encyclopedia Britannica Anerkennung zollen, denn er scheute sich wirklich nicht, sich über die Autoritäten, die dem Konzil vorstanden, kritisch zu äußern. Ich rate Ihnen, sich mit diesem verantwortungsbewußten und sehr nützlichen Werk nicht zu übereilen. Sammeln Sie in Ruhe das notwendige Material.

* * *

       Ihre Antwort an die Fragesteller war wirklich ausgezeichnet. Das Gewissen und das Herz müssen uns eben dazu bewegen, den besten Weg der Pflichterfüllung zu beschreiten. Ich persönlich befürworte vor allem jede Verteidigung des Vaterlandes. Und so laßt uns mutig allen beschleunigten Ereignissen entgegensehen. Wie Sie sehen, war das Jahr 1936 reich an bedeutenden Ereignissen, aber vermögen viele ihre tiefsinnige Bedeutung zu ermessen? In einem kürzlich in Amerika erschienen Buch ”Die Geschichte der Prophetie“ von Henry James Forman (New York: Farrar & Rinehart, Inc., 1936) beschreibt der Verfasser viele seit Jahrhunderten für die Jetztzeit geschichtliche Ereignisse. Er brachte auch die ihm von N. K. übermittelten Prophezeiungen, die er im Jahre 1934 zugesandt erhielt. Nicht allein auf das Jahr, sogar auf den Tag und Monat genau wurde auf bestimmte vorausgesagte Ereignisse verwiesen. Diese Prophezeiung erfüllte sich genau auf den Tag und die Stunde. Wir wollen uns daher nicht grämen, sondern an die vorausgesagte Neue Welt denken.

       Seien Sie daher durch nichts beunruhigt, bewahren Sie die Ruhe und hüten Sie Ihre Gesundheit. Gewöhnen Sie sich an eine feierliche Stimmung, denn vor allem in den Tagen der Apokalypse wird auf Feierlichkeit verwiesen. Denken Sie daran, daß Freude eine besondere Art der Weisheit ist.

1937

       1937

       Zu einigen Fragen möchte ich sagen, vertrauen Sie mehr der Stimme Ihres Herzens. Jene hohen Egos oder Individualitäten, die zu Ende der dritten Rasse von höheren Welten auf unsere Erde kamen, fahren fort, den Fortschritt und das Wachstum menschlichen Bewußtseins zu lenken. Der Höchste von Ihnen, der Avatar Vishnu, wie Er im Osten bekannt ist, offenbarte sich in verschiedenen Aspekten und wird sich auch in der ganzen Seinsrunde unseres Planeten offenbaren. Diese Individualität legte die Grundlagen für jede Verschiebung des Bewußtseins unserer Menschheit. Wahrlich, dieser Höchste Geist ist das Haupt der Hierarchie des Lichts und Er hat eine nie endende Wache auf sich genommen.

       Man kann den Menschen nicht die Wahrheit anvertrauen, weil sie sie nicht fassen können. Man kann sogar sagen, je näher der Wahrheit, um so ferner scheint man ihr zu sein. Sie ist in ihrer Größe zu einfach. Versuchen Sie, den Menschen eine Goldmünze zu einem herabgesetzten Preis zu verkaufen, und niemand wird sie Ihnen abkaufen. So verhält es sich mit den großen Wahrheiten. Die Menschen bedürfen der ganzen Aufmachung, der ganzen althergebrachten Maskerade, die sich um die großen Begriffe anhäufte.

       Christus kam, und nur Fischer nahmen ihn auf. Doch als die Jahrhunderte Ihm das ganze Gewicht der kirchlichen Dogmen und der goldenen Gewänder aufluden und aus Ihm ein unerreichbares Idol machten, glaubten die Mengen an Ihn.

       Ich rate auch Ihnen, all diesen Gerüchten weniger Glauben zu schenken. In den Tagen des Harmagedon versammelt sich die gesamte Hierarchie des Lichts in dem Einen Bollwerk. Jahrtausende hindurch haben sich die Hohen Geister auf diese Zeit vorbereitet. Furchtbar ist der Kampf, nur Wahnsinnige nehmen die Schrecken der Zerstörung nicht war. Wie kann man, nach den vielen Redensarten und Behauptungen, von denen Sie schreiben, an esoterisches Wissen einiger Betrüger glauben? Wenn diese das Vorhandensein der schwarzen Loge leugnen, so kann man darauf nur mit den Worten eines europäischen Philosophen antworten: ”Der Sieg des Teufels besteht darin, daß es ihm gelang, die Menschen davon zu überzeugen, daß er nicht existiert.” Die schwarze Loge gibt es, und sie ist äußerst machtvoll, weil sie durch die Massen wirkt, und ihre besten Diener sind die Schwachgläubigen, die Lauen und die Unbeständigen. Die Finsteren bemühen sich, die Weiße Loge in allem nachzuahmen, und unter der Maske des Lichts versuchen sie mit ihrer ganzen Macht, in die geistigen Herde einzudringen, um Verwirrung und Verderb hineinzutragen. Aus diesem Grunde ist es so wichtig, sich Unterscheidungskraft sowie Selbstbeherrschung anzueignen.

       In den ”Briefen der Mahatmas“ gibt es viele Bestätigungen der Großen Lehrer über das Vorhandensein der Brüder der Finsternis. So ist Harmagedon eine Entscheidungsschlacht zwischen den Kräften des Lichts und jenen der Finsternis.

       Ich möchte meinen Brief mit einem Paragraphen aus dem Buch ”Bruderschaft“ beenden: ”Die uranfängliche Energie sucht Zutritt zu allen Nerven der Menschheit. Sie ist wirklich vorhanden. Sie ist durch kosmische Bedingungen verdichtet worden. Es ist unpassend zu fragen, ob man sie entwickeln soll. Die uranfängliche Energie kann man nicht entwickeln, man kann sie nur vor den Wellen des Chaos schützen. Man sollte den Schatz der Evolution mit größter Sorgfalt hegen. Im Altertum wurde viel gesagt über die Zeit, in der die uranfängliche Energie in verstärktem Maße in Erscheinung treten wird. Die Menschen dürfen das, was so gebieterisch seine Bestimmung verfolgt, nicht ablehnen. Wer könnte derart anmaßend sein, die Botschaft des Zeitalters abzulehnen? Nur die Unwissenden und jene, die mit einer ”falschen Weisheit“ prahlen, werden gegen das Offensichtliche ankämpfen. Doch nehmen wir uns die Angriffe der Unwissenden nicht zu Herzen. Sie winden bloß jedem Rat für die Hilfe der Menschheit einen Kranz.”

       Befolgen Sie gegenüber vielen Vorübergehenden das weise Sprichwort: ”Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.”

       7. Januar 1937

       Wir haben uns sehr gefreut über die Nachricht von der zunehmenden kulturellen Aktivität der Gesellschaft und über den Bericht ihres Präsidenten. Dieser Bericht ist ausgezeichnet und mit aufrichtigem Bestreben geschrieben. Der jetzt geplante Kongreß kann sich in vieler Hinsicht durchaus günstig auswirken. Lassen Sie uns daher unsere besten Gedanken für die Verwirklichung und für die Beratung eines entsprechenden Programms übermitteln. Wir sind angenehm berührt, daß Freunde der Idee des Paktes treu sind. Sie sind sich der Notwendigkeit bewußt, dem Bewußtsein der Massen von Kindheit an die Bedeutung wahrer Werte einzuprägen, ohne die die Menschheit in Barbarei zurückfiele. Doch es gibt solch beschränkte Gemüter, die den Pakt und das Banner nur als problematischen Schutz in Kriegszeiten betrachten und seine grundlegende erzieherische Bedeutung gänzlich außer acht lassen.

* * *

       Da sich unsere Freunde das Vorankommen des Paktes und des Friedensbanners zu Herzen genommen haben, führe ich einen Ausspruch aus dem Buch ”Bruderschaft“ an. Diese Worte sollten alle Freunde noch mehr begeistern. ”Ihr erinnert euch, wie unbeirrbar Wir versuchen, die Schöpfungen der Schönheit zu schützen. Die Annäherung des Harmagedon voraussehend, beginnen Wir, Ratschläge zu geben, wie die Schätze der Welt am besten behütet werden können. Wir wissen, daß die Kräfte der Finsternis alle Anstrengungen aufwenden und dieser dringenden Anweisung entgegenwirken werden. Die Kräfte der Finsternis verstehen sehr wohl die Macht der von Kunstgegenständen ausgehenden Strahlung. Inmitten der Angriffe der Finsternis können diese Ausstrahlungen als beste Waffe dienen. Die Kräfte der Finsternis versuchen, die Kunstgegenstände entweder zu vernichten oder wenigstens die Aufmerksamkeit der Menschen von ihnen abzulenken. Man sollte bedenken, daß eine verschmähte und der Aufmerksamkeit beraubte Schöpfung keine wohltätige Energie ausstrahlen kann. Zwischen einem kalten Betrachter oder Zuhörer und der ausgeschlossenen Schöpfung kann es kein lebendiges Band geben. Der Sinn der Gedankenumwandlung in Schöpfung ist ein sehr tiefer, mit anderen Worten, sie wird zu einem Magneten und Energiespeicher. Daher lebt Schöpfung und trägt bei zur Umwandlung und Energiespeicherung. Inmitten des Harmagedon kann bewiesen werden, wie umfassend der Einfluß von Kunstwerken ist. In dieser Sorge um wertvolle Kunstschöpfungen ist der Schlüssel zur ganzen Epoche enthalten. Wir haben viele Kunstschöpfungen gerettet. Wir sahen die Finsteren ihr Handwerk ausüben durch Verhinderung solcher rettenden Maßnahmen; und von den Höchsten Sphären sehen Wir, wann die Menschheit der Hilfe bedarf. In der Feinstofflichen Welt war dieser vorbereitende Plan lange bekannt. Wir verheimlichen die Dringlichkeit der Maßnahmen nicht, denn das Ziel des jetzt wirkenden Harmagedon ist es, alle menschlichen Energien zunichte zu machen. Das erhoffen die Finsteren, aber Wir wissen ihnen entgegenzutreten. Beachtet daher, worauf Unsere Bemühungen gerichtet sind.”

* * *

       Man beschuldigt uns also, theosophische Ideen zu benutzen, ohne irgendwo die Theosophie zu erwähnen! Aber ganz logisch können wir diese Beschuldiger darauf hinweisen, daß die gesamte gegenwärtige Theosophie der östlichen Philosophie entlehnt ist. H. P. Blavatsky hat die Quellen nie verschwiegen, aus denen sie ihr Wissen schöpfte. Auch in der Einleitung zur ”Geheimlehre“ spricht H. P. Blavatsky mit den Worten Montaignes folgendes: ”Meine Herren, ich habe hier bloß aus gepflückten Blumen einen Strauß gemacht und nichts Eigenes hinzugefügt, als den Faden, der sie verbindet.”

       Jedweder Anspruch auf Monopol der universellen Lehre oder Wahrheit oder Verkehr mit den Großen Lehrern wirkt absurd!

       Ich zitiere einen Paragraphen aus dem neuen Buch ”Bruderschaft“, das solchen Aneignungen Halt gebietet: ”Die Heilige Lehre kann nicht auf einer Stufe einfrieren. Es gibt nur eine Wahrheit, aber jedes Jahrhundert und auch jedes Jahrzehnt nähert sich ihr auf seine eigene Weise. Neue Schriftrollen werden entrollt, und das menschliche Bewußtsein beobachtet die Erscheinungen des Universums auf neue Weise. Auch die Wissenschaft entdeckt auf ihren Wanderungen neue Verbindungen. Bei solchen Entdeckungen werden die früher verkündeten Grundlagen bestätigt. Jede Übermittlung der Großen Weisheit ist unbestreitbar, aber sie wird ihre eigenen Anhänger haben. Wer die Hierarchie ehrt, der achtet auch ihre Boten. Die Welt lebt durch Bewegung, und das Erscheinen der Unverbrüchlichen Lehre wird durch den Fortschritt hervorgerufen. Die Einfältigen nennen solches Voranschreiten eine Verletzung der Grundlagen, aber die Denker wissen, daß Leben Bewegung ist.

       Auch Sprachkenntnis steigert den Fluß neuer Entdeckungen. Um wieviel mehr wird der entfesselte Gedanke zuführen. Jedes Jahrzehnt enthüllt einen neuen Zugang zur Unverbrüchlichen Lehre. Vor einem halben Jahrhundert lasen die Leser sie ganz anders. Im Vergleich zu ihnen haben die gegenwärtigen Leser wieder andere Gedanken. Man sollte nicht von neuen Lehren sprechen, denn es gibt nur eine Wahrheit! Neue Daten und neue Wahrnehmungen werden nur die Vertiefung der Anerkennung sein. Jeder, der diese Erkenntnis verhindert, übt ein Vergehen an der Menschheit. Die Anhänger der Unverbrüchlichen Lehre werden den Pfad des Lernens nicht behindern. Sektierertum und Fanatismus sind auf dem Wege des Wissens unangebracht. Wer immer es zustande bringt, Erkenntnis zu verhindern, ist kein Anhänger der Wahrheit. Das Zeitalter der Völkerverschiebungen muß der Wissenschaft jeden Weg ebnen. Das Zeitalter der Annäherung der großen Energien muß diesen leuchtenden Pfaden aufgeschlossen begegnen. Das Zeitalter des Strebens in die höheren Welten muß sich dieser Aufgabe würdig erweisen. Streit und Zank sind das Los jener, die Unordnung schaffen.” Nun muß ich Ihnen sagen, daß N. K. die ursprünglichen Quellen bevorzugt, und er ist mit der östlichen Denkweise und mit jenen Büchern, aus denen H. P. B. schöpfte, gut vertraut. Gleicherweise kann ich von mir sagen, daß meine ersten irdischen Lehrer die Bücher von Ramakrishna, Vivekananda, die Bhagavad Gita, Bücher über Buddhismus, das Lamrin Chembo von Tsong-kha-pa und manch andere waren.

       Mit den theosophischen Schriften bin ich erst in Amerika bekannt geworden, und ich kann sagen, daß nach den Perlen des Ostens und den Werken von H. P. B. diese Literatur für mich nicht besonders interessant war; einige Werke haben mich wirklich abgestoßen. Es wäre gut, die Theosophen zu fragen, warum sie die ”Mahatma Letters“ an A. P. Sinnett nicht in Russisch herausbringen. Ich bin davon überzeugt, wenn es ihren Führern schwer fällt, den ganzen Band zu übersetzen, daß einige Mitglieder gerne freiwillig diese Arbeit unter sich aufteilten. Warum sind die kleinen Büchlein der ”Früheren Briefe der Mahatmas“ und der Band der ”Briefe von H. P. Blavatsky“ nicht übersetzt worden? Warum sollen die russischen Theosophen wie Blinde daherschreiten und nichts erfahren über die wirkliche Geschichte der theosophischen Bewegung und ihre Führer? Während sie gelegentlich von Alice Bailey sprechen, warum schweigen sie über das weit ältere und bedeutendere Zentrum in Kalifornien, das von dem großen Lehrer H. geführt wird? Warum erwähnen sie nie das bemerkenswerte Buch der ”Tempellehren“, das von diesem Zentrum herausgebracht wurde?

       Und was die Anklage gegen die LEHRE DES AGNI YOGA betrifft, daß sie das Wachstum des Psychismus begünstige, so zeigt dies klar, wie weit diese Ankläger vom Verstehen der großen psychischen Energie entfernt sind! Sämtliche Werke von H. P. B. konnten ihr Bewußtsein nicht erleuchten. Psychische Energie abzulehnen und ihre Entwicklung zu untersagen, kommt einem Anschlag auf das menschliche Leben gleich. Diese ”Besserwisser“ erkennen nicht, daß psychische Energie die Urenergie ist und ihre Abtötung Explosion oder Tod zur Folge hat.

       Hier ein weiterer Paragraph aus der Lehre: ”Man sollte die Gäste dankbar begrüßen, aber es ist unzulässig, sie gewaltsam herbeizuschleppen – jeder Hausherr weiß das. So verhält es sich bei Anwendung der psychischen Energie – man sollte sie nicht erzwingen, aber ihr Erscheinen sollte würdig empfangen werden. Laßt die Unwissenden über die Unerwünschtheit der Anwendung der psychischen Energie schwatzen. Wenn die Energie bereits wirksam ist, ist es unmöglich, sie abzulehnen, und es gilt nur noch, sie natürlich anzuwenden. Mögen die Gelehrten sagen, was geschieht, wenn räumliche Elektrizität grenzenlos gespannt wird. Mögen sie sagen, wie solch übermäßige Spannung endet. Es kann nicht geleugnet werden, daß die räumlichen Ströme zur Zeit besonders gespannt sind. Es ist nicht die Zeit, sie abzulehnen; man muß sich beeilen, sie anzuwenden. Oftmals ist auf die Gefahr niederen Psychismus hingewiesen worden.” Wir sehen daraus, wie notwendig es ist, auf die höhere Energie, die psychische Energie, die als Geistigkeit zu verstehen ist, anzusprechen.

       Außerdem bemühen sich, wie Sie richtig aufgezeigt haben, die Verleumder gar nicht, alle Bücher der LEHRE kennenzulernen. Auch zeugt es von Unwissenheit zu erklären, daß die Methoden der Entwicklung der psychischen Energie und die im AGNI YOGA aufgezeigten geistigen Kräfte nur in der Mongolei und in Tibet angewendet werden können und für die arische Rasse ungeeignet wären. Wer weiß heutzutage nicht, daß alle Yogis in Tibet und in der Mongolei aus dem arischen Teil Indiens kommen und nicht umgekehrt?

       Welche psychischen Methoden für die Entwicklung der psychischen und geistigen Kräfte, die AGNI YOGA erwähnt, sind für die arische Rasse denn ungeeignet? Befassen sich nicht alle Bücher der LEHRE vor allem mit den Grundlagen der Ethik? In der Tat, wie viele Warnungen vor dem Schaden der niederen Formen des Psychismus enthalten diese Bücher! Aber, wie es heißt – niemand ist so blind und so taub wie jene, die nicht sehen und hören wollen.

* * *

       Bezüglich des Hl. Sergius von Radonega können Sie antworten, daß N. K. bereits Bilder aus dem Leben dieses Großen geistig Schaffenden für die Menschheit malte, als noch niemand über ihn geschrieben hatte. Haben diese Ankläger Zutritt zu unserem Innenleben und zu unseren geheimen Aufzeichnungen? Ebenso mögen sie jene Privatbriefe, in denen N. K. gegen die Theosophen spricht, bekanntgeben. Ich war es, die in meiner privaten Korrespondenz über die Theosophen schrieb, weil ich von vielen gebeten wurde, über bestimmte theosophische Behauptungen Aufklärung zu geben. Und ich kann nur wiederholen, daß einige theosophische ”Leuchten“ für mich keine Autoritäten sind. Ebenso suchen wir keine Anhänger unter den Theosophen, und unsere Regel ist, nie jemanden anzulocken. Aber es kommt vor, daß Leute, die an den Büchern der LEHRE aufrichtig interessiert sind, an uns schreiben; wir antworten ihnen, aber wir stellen es ihnen frei, sich nach eigenem Ermessen einer Form oder Gruppe anzuschließen. So sandte uns kürzlich solch eine Gruppe eine Botschaft aus Neuseeland, und noch früher kam eine Nachricht aus Kanada; und meistens sind darunter Theosophen. Gerade jetzt erhielten wir Nachricht, daß eine russische Jugendgruppe mit dem Friedensbanner um die Welt reisen will.

       Ich höre auch zum ersten Mal, daß die Sendboten der Weißen Bruderschaft abgeneigt wären, sich als solche erkennenzugeben, wann immer es notwendig erscheint. Verheimlichte H. P. B. etwa die Tatsache, daß sie von der Weißen Bruderschaft gesandt wurde, und bestätigte sie nicht ihre Mission? Natürlich, die Abgesandten oder Boten verkünden ihre Ankunft und Aufgabe nicht auf dem Marktplatz. Was immer durch sie gegeben wird, spricht für sich und wird von feinfühligen Herzen aufgenommen, aber wo immer es notwendig ist und für sie angezeigt erscheint, werden sie sich erklären. Der Unterschied jedoch ist, daß die wahren Boten sich nie Weltlehrer, künftige Dhyan Chohane oder gar Apostel nennen würden; noch würden sie sich fremde Inkarnationen zuschreiben und vor allem keine falschen und geschmacklosen Bücher schreiben oder den Verkehr mit den Großen Lehrern als ihr Monopol bezeichnen.

       Was den Angriff bezüglich Baldrian und Moschus betrifft – diese Mittel wurden in der ajurvedischen Medizin verwendet. Und es ist neu für mich, daß die ajurvedische Medizin zur vierten Rasse gehört! Wiederum kann man sagen: Lernet mehr!

       Es ist seltsam, über die Grade der Einweihungen zu lesen, die in gegenwärtigen okkulten Schulen erlangt werden können. Die höchsten Grade werden nur durch innere Vervollkommnung erreicht, die keine gegenwärtige esoterische Schule verleihen kann. Einweihungen vollziehen sich unter vier Augen, zwischen einem Großen Lehrer und dem Jünger, und das Ergebnis ist die nächste Stufe der Wahrnehmung der höheren Energien, oder Strahlen. Daher finden solche Einweihungen immer unerwartet statt und oft ganz einfach im Schlaf- oder Arbeitsraum des Jüngers. Und dieser Festtag des Geistes bleibt unvergeßlich im Bewußtsein und Herzen des Jüngers. Diese Festtage des Geistes haben mit dem in einigen okkulten Büchern geschilderten Einweihungsrummel nichts zu tun.

       Mögen unsere Ankläger nicht beunruhigt sein, H. P. Blavatsky wird von uns verehrt, wir verehren H. P. Blavatsky vielleicht mehr als jene, die über sie schweigen. So malte im Jahre 1925 N. K. das Bild ”Der Bote“ zum Gedenken an H. P. B., brachte es persönlich nach Adyar und legte den Grundstein für das Museum der H. P. B. In der Tat, es ist unser Traum, das Gedenken an unsere große Landsmännin würdig zu ehren, sobald dazu die Zeit gekommen ist.

       Daher möge niemand Einspruch erheben und beunruhigt sein; wir werden sicherlich nicht ihre Lehre verkünden oder interpretieren, denn wir besitzen das ganze Meer der Lehre: die Werke und Grundlagen von H. P. B. und ebenso alle Schätze der Weisheit des Ostens.

       Versuchen Sie nie, Skeptiker zu überreden. Die Lehre kann weder durch Nichtannahme geschmälert noch durch Annahme erhöht werden. Die Wahrheit spricht für sich. Und damit wollen wir enden.

       14. Januar 1937

       Der erhaltene Brief endet eigentlich mit einer schlecht gewählten Redensart: ”Die unschätzbare Fracht der LEHRE sinkt mit dem Schiff des ”Kelches des Orients“.” Der Verfasser dieses Briefes erkannte nämlich nicht, daß die Wahrheit, die das Leben selbst ist, nicht im Feuer verbrennt und nicht im Wasser versinkt. Daher kann die LEHRE – dieser Urquell des Lebens – von der vorübergehenden Masse der Finsternis nicht zertreten werden. Darüber hinaus ist der ”Kelch des Orients“ in diesem Beispiel wirklich kein Schiff, sondern die Fracht selbst. In der Tat, in dem Unsichtbaren Bollwerk wird ein unerschöpflicher KELCH des ORIENTS verwahrt und aus ihm wird niemals auch nur ein Tropfen verschüttet werden. Die Ewigen Hüter wissen, wann und wie viele Tropfen sich aus ihm ergießen müssen, um das Bewußtsein der Menschheit zu läutern. Die ”Briefe der Mahatmas“ an A. P. Sinnett wurden zur Grundlage der ”Geheimlehre“, die, wie Sie wissen, vor beinahe fünfzig Jahren herausgegeben wurde. Im Westen gab es auch zu jener Zeit Geister, die dieses Wissen aufzunehmen vermochten und es unter den weniger fortgeschrittenen Bewußtseinen verbreiteten. Aus diesem Grunde ist es so sinnwidrig und befremdend, nach fünfzig Jahren wegen der Veröffentlichung der ”Briefe der Mahatmas“ solche Auffassungen von Leuten zu vernehmen, die sich der Lehre angeschlossen haben und die die ungewöhnliche Zeit, die wir jetzt durchleben, verstanden haben sollten – eine Zeit, in der das Schiff der Menschheit sinkt; in der nur die äußersten Maßnahmen das Wehklagen des Geistes wecken können; in der die Massen die ganze Unfähigkeit begreifen, die ganze Unwissenheit ihrer ”geistigen“ Führer, selbst graduierter Akademiker (Ihr beigeschlossener Bericht zeugt davon); in der diese Massen, denen nicht rechtzeitig der neue Weg gewiesen wurde, sich wie ein lange zurückgedrängter Damm auf die Feuerlöscher stürzten – und dann selbst in Gotteslästerung und Verbrechen untergingen. Das verbrecherische Zögern im Aufzeigen des rechten Pfades ist von den ”geistigen“ und freiwilligen Beschützern verübt worden, weil sie vor allem auf ihr eigenes Wohl bedacht waren.

       Ja, der Pfad des Lichtbringers war und ist immer der Pfad der Heldentat, und das verleiht ihm solche Schönheit. Auf ihm gibt es weder Selbstsucht noch Furcht, sondern allein die erhabene Freude, dem Hohen zu dienen.

       Bei Anbruch einer kosmischen Frist für neues Erwachen des Bewußtseins werden mehr oder weniger Hohe Lichtträger zu jenen gesandt, die die neuen Stufen menschlichen Bewußtseins legen; Material wird geliefert und es wird genau aufgezeigt, was dem Fundament zugrunde zu legen und was für außergewöhnliche Geister beiseite zu legen ist. Man muß bedenken, daß jede Periode der eigenen Ausdrucksform bedarf, die der jeweiligen Zeit entspricht und auch weitere Kenntnis über die Grundlagen der Lehre bringt, denn alles wächst im Einklang mit dem Evolutionsgesetz, alles expandiert. Dieser letzte Umstand zieht unvermeidlich auch jene Bewußtseine an, die die Unermeßlichkeit und Tiefe der LEHRE nicht erfassen, und auf den ersten Stufen, die für den Westen vor fünfzig Jahren offen dargelegt wurden, straucheln. Freilich, das schwache Schiff solcher Menschen kann diese unschätzbare Fracht nicht tragen. Ihr Bewußtsein baute in vergangenen Jahrhunderten keine kräftige Arche, die sie vor der Flut der Unwissenheit gerettet und auf den Berg des Lichts versetzt hätte!

       Ja, viele oder eigentlich die meisten nehmen Gold für Kupfer, aber was dann, was wird damit? Wahrheit bleibt unberührt. Langsam aber sicher bewegt sich die Menschheit voran auf der Leiter des Aufstiegs. Wir sollten uns daher nicht grämen, wenn irgendwo jemand die Grundlagen der LEHRE nicht anerkennt. Wahrlich, die LEHRE DES LEBENS gilt eben nicht für ein Land oder ein Volk, sondern für die ganze Welt. Freuen wir uns daher im Geiste, daß der Strom der LEHRE DES LEBENS endlos ist. Schriften werden herausgebracht und neue, neue Herde an den unerwartetsten Stellen entfacht. Gerade das Jahr 1936 hat für jene, die sehen können, viel Freude gebracht.

       Lassen Sie mich an die Worte der LEHRE DES LEBENS erinnern: ”… die Wellen der Erkenntnis und der Unwissenheit … (sie haben alle Zeitalter durchlaufen) … bringen die für den Fortschritt des Bewußtseins so nötigen Gewässer in Bewegung. Daher erlangt jeder, der nach Wissen strebt, Gelassenheit des Geistes inmitten des Sturmes und der Anstrengung. Laßt uns nicht in Unwissenheit verharren, wenn Wissen an alle Tore pocht!”

       Vielleicht erinnern Sie sich an die Geschichte vom Engel im Evangelium, der herniederstieg, um die Wasser eines Teiches umzurühren, damit Heilungen möglich wurden.

       In der ganzen Menschheitsgeschichte sehen wir, daß gerade die Djin die Tempel bauten. Sehr lehrreich ist die Legende über das Erbauen des Tempels Salomonis durch die Djin. Das ist im Zuge der Evolution ein unumgängliches Lebensgesetz. Feinde und unbekannte Menschen verhelfen den Dingen zum Durchbruch, die sogenannte Beschwichtigte für gegeben und oft geheimhalten. Es gibt sehr wenige wahre Freunde im gegenwärtigen menschlichen Bewußtseinsstadium. Aber wir schätzen uns glücklich, von vielen wahren Freunden umgeben zu sein. Wir schätzen sie und schützen sie mit unserem Herzen. Möge das Licht mit ihnen sein!

       Unsere Zeit ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Nie war die Grenze zwischen Licht und Finsternis so stark markiert. Und jetzt beobachten wir den bemerkenswerten Prozeß, daß Finsternis Finsternis verschlingt.

       Die großen Hüter des Kelches der Weisheit und der Wahrheit, die Schirmherren der Menschheit übertragen den Göttlichen Plan, wissend, wann und was der Menschheit gegeben werden kann. Wer den Pfad des Dienstes an der Menschheit beschritten hat, der tastet sich nicht im Dunkeln voran, sondern schreitet in völliger Kenntnis der Ereignisse einher. Er kennt auch die Menschen, die an ihn herantreten, doch infolge des schwierigen Karmagesetzes ist vieles zu tolerieren. Jeder Lichtträger nimmt den ganzen Komplex von Karma der von ihm angezogenen Menschen auf sich. Das erklärt die Unvermeidlichkeit von Verrat. Doch der Verrat an ihm verwandelt sich in eine Krone – so war es, so ist es und so wird es immer sein.

       Sie schreiben: ”Ich weiß, daß ich mich in dieser Inkarnation der mühsamsten und langweiligsten Arbeit der Welt unterziehen muß, um die schmutzigen Verliese meiner Seele zu reinigen …” Dazu möchte ich sagen, daß es keine wertvollere Arbeit gibt, als die Läuterung der Seele und Selbstvervollkommnung. Daher ist es unschicklich und gotteslästerlich, sie als die ”langweiligste Arbeit der Welt“ zu bezeichnen. Wo bleibt das Verstehen der Lehre? Zudem sind Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit die wichtigsten Eigenschaften auf dem Pfad, ohne die es keinen Fortschritt gibt.

       27. Januar 1937

       Mein Herz ist erfüllt von aufrichtigem Dank zum Lehrer für seine unermüdliche Fürsorge für alle, die sich dem Dienst am Allgemeinwohl widmen. Achten Sie auf Ihre Gesundheit – dies ist sehr wichtig. Soviel muß noch getan werden und Sie wissen, wie spärlich die Reihen bewußter Kämpfer für das Licht und die Grundlagen des Seins sind und wie zahlreich die Anhänger der Finsternis. Freilich, kosmische Gerechtigkeit und Zweckmäßigkeit sind dem Retter gewärtig und wir sind jetzt Zeugen des Entfaltens der Schriftenrolle des Karma der Völker. Wer fähig ist, ein Lehrer in zahlreichen Wissensgebieten zu werden, muß mehr denn je beschützt werden, denn sonst werden wir für lange Zeit in die Finsternis versinken, was schlimmer wäre als die Zeit der Invasion der sogenannten Barbaren, wie es der bedeutende zeitgenössische englische Philosoph Bertrand Russell in seinem vor kurzem erschienen Werk ”Die wissenschaftliche Weltanschauung“ ausdrückte: ”Wären im 17. Jahrhundert einige Hunderte Menschen in ihrer Kindheit getötet worden, die jetzige Welt könnte nicht bestehen.” Die Zeit naht, in der die Völker erkennen müssen, daß die Menschen, die die Macht der Synthese besitzen, die Macht der psychischen Energie, unschätzbare Schätze ihres Landes sind. In der Tat, das ganze Wohl der Völker hängt von diesen Säulen und Erhaltern des Gleichgewichts der Welt ab! Man kann sagen, daß das Erkennen der Bedeutung der psychischen Energie die Eroberung einer neuen, machtvollen Stufe in der Weltevolution sein wird.

       Es ist wirklich äußerst zeitgemäß, gemeinsam wohlwollende Gedanken auszusenden, um den Schaden der umgebenden vergifteten Atmosphäre etwas abzumildern. Mit meinem ganzen Herzen begrüße ich dieses Unternehmen, und um seine Richtigkeit zu bestätigen, möchte ich einen Paragraphen aus dem neuen Buch anführen: ”Es ist sehr nützlich, Freunden zu raten, zu einer festgesetzten Zeit gemeinsam gute Gedanken auszusenden. Dadurch wird nicht nur das Wohlergehen gestärkt, sondern auch der Raum gereinigt, denn das ist dringend notwendig. Giftige Ausstrahlungen verseuchen nicht nur den Menschen, sondern lagern sich auf die umgebenden Gegenstände ab. Diese Ablagerungen können schwer entfernt werden. Sie können Gegenstände sogar auf weite Entfernung hin begleiten. Feinfühlige Individuen können jedoch die Wirkung solcher Aufschichtungen an sich selbst verspüren. Gute Gedanken sind der beste Reiniger der Umgebung. Bestätigungen der Sendungen des Guten sind stärker als die Reinigung mit Weihrauch. Doch diese Sendungen muß man sich zu eigen machen. Dabei ist es nicht erforderlich, bestimmte Worte auszusprechen, sondern es genügt, ein unmittelbares gutes Gefühl zu hegen. So kann man inmitten des Alltagslebens viel Gutes schaffen. Solche Sendungen sind wie ein reinigender Blitzpfeil.”

       Aus diesen Zeilen können Sie ersehen, wie wichtig es ist, daß alle an diesen Sendungen Beteiligten harmonisch gestimmt und mit gutem Willen beseelt sind. Denn ein Gedanke kann schön sein, doch ist er nicht vergeistigt vom Feuer des Herzens, bleibt er tot. Es ist gut, vor Aussendung solcher Botschaften Musik zu hören.

       19. 2. 1937

       Übermitteln Sie an Ihre Mitarbeiter meinen herzlichen Dank für ihre Gedanken und die guten Wünsche, ich sende ihnen meine besten Gedanken. Ihre Fragen will ich kurz beantworten, denn ich bin mit dringender Arbeit buchstäblich überlastet. Vor allem jedoch möchte ich Ihnen sagen, wohl Ihnen, wenn Sie den Wert der Zeit so stark verspüren. In der Tat, der Verlust dieses Wertes ist unerbringlich.

       Und nun zu Ihren Fragen. Um einige davon für Sie zufriedenstellend zu beantworten, müssen wir uns den heiligsten Aspekten der Seinsgrundlagen nähern. Jedoch Briefe gehen oft durch viele Hände, bevor sie den Empfänger erreichen; daher zögere ich, bestimmte Dinge dem Papier anzuvertrauen.

       Natürlich, Geist ist geschlechtlos und die Differenzierung offenbart sich allein auf der Erscheinungsebene. Wenn die Monade bewußter in Erscheinung tritt und die Individualität bereichert wird, tritt in ihr das Geschlecht mehr hervor, das heißt, das zu einem bestimmten Ursprung Gehörende beginnt vorzuherrschen. Zweifellos gibt es Ausnahmefälle, in denen das Geschlecht im Einklang mit einem Auftrag gewählt wird; und es gibt eine andere Bedingung, die ihren Ursprung im Gleichgewichtsgesetz hat und daher zum kosmischen Recht gehört. Jedoch aus oben genannten Gründen will ich über dieses Gesetz in einem Brief nicht ausführlicher werden.

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       Ja, nach den alten hebräischen Schriften gab es unter den Elohim Geister beiderlei Geschlechts, denn jede Schöpfung auf einer Ebene gründet auf zwei Uranfängen. Diese Wahrheit sollte man sich einprägen. Gleicherweise muß man verstehen, daß jede Schöpfung der Mitwirkung der menschlichen Energien bedarf, denn der Mensch ist der Träger des höchsten kosmischen Prinzips. In der Heiligen Lehre heißt es: ”Die von Menschen nicht bewohnten Welten konnten sich nicht entwickeln und gingen daher zugrunde.” So wird die Abhängigkeit der Welten oder des Planeten vom Menschen und seinem geistigen und sittlichen Niveau verständlich.

* * *

       1. Über die MUTTER DER WELT. Ich meine, daß ich dieses Thema in meinen früheren Briefen gründlich erörtert habe. Im Kosmos, im geoffenbarten und nichtgeoffenbarten, sind Geist und Materie untrennbar; eines ist ohne das andere nichts. Vereinigung der Energien der Elemente läßt alles Sein entstehen; genau gesagt, es gibt LOGOI beider Elemente. Dieses höchste Geheimnis des Seins wurde im groben Phallus-Kult entwürdigt. Es heißt: ”Wie oben, so unten”. Aber das Licht der großen Wahrheiten spiegelt sich auf unserer irdischen Ebene wie das Licht der Sonne in einer Pfütze.

       Für Menschen, die in ihrer ganzen tierischen Unvollkommenheit von den irdischen Erscheinungen angezogen werden, ist es unmöglich, das große Geheimnis geistigen Seins zu verstehen. Man muß sich den Ausspruch Christi oft ins Gedächtnis rufen: ”Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft auch eure Perlen nicht vor die Säue, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zerstampfen und sich umwenden und euch zerreißen …” (Matth. 7:6).

       2. Sie sollten nicht meinen, daß Sie in Ihrem früheren Leben der Lehre des Lichts fern standen. Gäbe es keine frühere Bindung, könnten Sie von der Lehre nicht so entflammt sein. Das Band wird durch viele Jahrtausende geschmiedet und nicht in einer Stunde oder in einem Leben. Eine Jahrhunderte währende und ausschließliche Verbindung mit dem Großen Lehrer gibt es natürlich äußerst selten; jedoch gibt es viele Annäherungsstufen, und allein der Mensch selbst bestimmt seine gegenwärtige und künftige Nähe. Auch darin ist die Bedeutung des Kosmischen Rechts unermeßlich, aber der Wille des Menschen vermag sogar dieses Recht zu schmähen und die Annäherung für Jahrtausende hinauszuschieben.

       Auch ist die Annäherung an die Lehre im reiferen Alter kein Zeichen dafür, daß man der Lehre fern steht. Die Bestimmungen sind verschieden.

       So können erst nach dem dreißigsten Lebensjahr alle Zentren in Tätigkeit sein. Darüber hinaus ist es wichtig, daß sich die Persönlichkeit oder der Charakter des Aspiranten voll entfaltet. Wir kennen viele Fälle, wo Menschen, die sich der Lehre des Lebens in ihrer Jugend näherten, leicht müde wurden und beim ersten Hindernis, das sich ihnen auf ihrem Pfad entgegenstellte, abfielen. Aber ein Mensch, der ein Leben voller Schwierigkeiten hinter sich hat, der Zweifel und Ringen des Geistes erfahren – solch ein Mensch wird sich, wenn er den Pfad des Lichts beschreitet, als Mitarbeiter bewähren. Natürlich, denkt man an die Erschütterungen und Umwälzungen, die in den letzten Jahrzehnten im Bewußtsein vieler Völker vor sich gingen, so ist die Evolution sehr beschleunigt worden, und es können bereits die Kräfte der Jugend zur bewußten und aktiven Mitarbeit herangezogen werden.

       3. Sie wenden Ihre psychische Energie ausgezeichnet an. Sind Arbeiten, die die Weisungen der Lehre des Lebens in Ihr Alltagsleben hineintragen – sei es in Gesprächen oder in Ihren Schriften, die den Geist wachrufen, Freude des Bewußtseins verleihen und kräftigen – nicht die besten Anwendungen der psychischen Energie? Besitzen Sie diese Energie nicht bereits? Ihre völlige Beherrschung jedoch ergibt sich, wenn wir unaufhörlich dem Lichte der Hierarchie zustreben. In der Tat, psychische Energie ist vor allem das Streben des Herzens. Erinnern Sie sich an den Ausspruch in der Lehre: ”Streben ist das Boot des Archaten. Streben ist der Schlüssel zu allen Höhen …” (Gemeinschaft, § 55). Und so segeln Sie in diesem Boot.

       Die so weit verbreiteten mechanischen Methoden zur Entwicklung der psychischen Energie können die höhere Eigenschaft dieser Energie nicht vermitteln; sie entwickeln nur das schwarze Feuer, das verheerende Folgen auslöst. Aber das Erkennen dieser Energie in sich selbst ist natürliches Erwachen. Vielleicht haben Sie bemerkt, daß, wenn Sie an etwas außerordentlich interessiert sind, wenn Ihre ganze Aufmerksamkeit auf einen besonderen Gedanken gerichtet ist, nicht nur in Ihrem Verstande neue Gedanken auftauchen – und manchmal kommen sie wie von außen –, sondern im Leben selbst, im Alltag, Ihnen notwendige helfende Elemente und Umstände zukommen. Psychische Energie besitzt vor allem die Eigenschaft des Magneten.

* * *

       Gewiß, da man durch psychische Energie heilen kann, kann man diese Energie auch übertragen. Wir waren Zeugen solcher Sendungen und haben daran auch teilgenommen. Aber dazu ist eine absolut geistige Einigkeit erforderlich. Sagen Sie Ihren Freunden, daß die herrliche und erste Erziehung zur Beherrschung der psychischen Energie die Verbesserung der Eigenschaften, in allem, im ganzen Leben ist. Seien Sie durchdrungen von dieser Disziplin!

* * *

       Die Älteren Brüder der Menschheit stehen Wache, und wo immer es möglich ist, stärken Sie die göttliche Energie. Die Freunde mögen sich daher gedulden und die Bücher der Lehre aufmerksam lesen, die so reich sind an Weisungen für die notwendige Beherrschung und Meisterung dieser Kraft.

       ”Zweifellos seid ihr oft gefragt worden, wie man die psychische Energie entwickelt und ihren Nutzen erkennt. Jedoch es ist oft gesagt worden, daß das Herz die höhere Lebensqualität anstrebt und der Leiter der psychischen Energie ist. Keine gewaltsame, herkömmlich beschleunigte Beweglichkeit zur Entwicklung der Herztätigkeit ist von Nutzen. Das Herz ist ein sehr unabhängiges Organ; man möge ihm die Freiheit zum Guten geben und es wird sich mit Energie füllen. Ebenso können die Früchte der vereinten Energie nur in harmonischer Gemeinschaft sichergestellt werden. Dafür ist es aber unumgänglich zu verstehen, was Übereinstimmung bedeutet” (Bruderschaft, § 290).

       4. Kosmisches Recht hat wie alle Gesetze des Seins viele Aspekte. Freilich ist der Mensch primär der Träger dieses Rechts. Einer der Aspekte des Kosmischen Rechts wird dadurch bestätigt, daß die menschliche Monade vom Augenblick der Geburt an unter dem Einfluß dieses oder jenes Gestirns steht. Ich meine, ich habe Ihnen über die kosmische Vater- und Sohnschaft bereits geschrieben oder darüber, daß jede Monade während des ganzen Manwantara einem bestimmten Planeten angehört. So wird jeder LOGOS zum Vater aller Monaden, die unter dem Strahl seines Gestirns geboren wurden. Auch dürfen wir einen anderen Aspekt nicht vergessen, wonach das Geisteskorn, das einem bestimmten Element angehört, stets diesem die Vorherrschaft überläßt. Alle Errungenschaften des Menschen werden natürlich in dem elektromagnetischen Raum erworben, den er oder seine Aura einnimmt und der ihm auch sein unveräußerliches Kosmisches Recht für eine bestimmte Stufe oder einen Platz in der Skala der Evolution des Kosmos einräumt. Ähnlich kann auch ein Verdikt des Karma als Kosmisches Recht bezeichnet werden. Die Funktionen des Kosmischen Magneten sind immer durch das Kosmische Recht bedingt. Aber der heiligste, der schönste Begriff in Zusammenhang mit dem Kosmischen Recht wird einem Jünger vom Lehrer mündlich von Angesicht zu Angesicht vermittelt.

       5. Die von Ihnen eingesandten Seiten erklären sehr schön die an Sie gestellten Fragen. Wie man dem Brief Ihres Freundes entnehmen kann, fand er ganz von selbst die richtige Lösung, und zwar ”nicht für das Leben unseres Körpers müssen wir den Leib und das Blut Christi empfangen, sondern für das Leben unseres Geistes. Daher muß die Teilnahme am Leib und am Blut Christi geistig verstanden werden.” Keine einzige Kirche kann heute auf die grundlegenden Seinsprobleme eine Antwort geben. Die Kirchen sind in ihrer Ausschließlichkeit und Unbeweglichkeit an einem toten Punkt angelangt. Wie weit entfernt haben sich viele ”geistige Vertreter“ vom Verstehen der einfachen Worte Christi: ”Gott ist Geist, und die ihn verehren, müssen ihn im Geiste und in der Wahrheit verehren.”

       Arbeiten Sie an Ihrem Buch, doch übereilen Sie nichts, sammeln Sie das nötige Material. Dieses Werk sollte sehr bedeutsam werden. Ich empfehle Ihnen, die Schriften des Origenes sowie das Buch ”Dobrotolubye“ (Die Liebe zum Guten) durchzuarbeiten und daraus viele bemerkenswerte Auszüge zu bringen. Haben Sie übrigens das ausgezeichnete Buch ”Offenherzige Geschichten“, erzählt von einem Pilger zu seinem ”Geistigen Vater”, gelesen?

       Ihr Buch bereitet viel Freude. Ganz kürzlich hörte ich von einem russischen Arzt, der davon begeistert ist, daß dieses Buch auf alle Fragen Antwort gibt.

* * *

       Wie geht es Ihnen gesundheitlich? Was machen Ihre Bienen? Ich hoffe, Sie haben sie nicht aufgegeben. Jetzt herrscht in vielen Ländern großes Interesse an der Bienenzucht. Viele weitere nützliche Eigenschaften der Bienen konnten entdeckt werden. Bienengift heilt verschiedene Krankheiten. Man sagt, daß ein oder zwei Bienenstiche chronischen Rheumatismus heilen. Hier einige Paragraphen über Honig und Milch: ”Die Menschen suchen vergeblich nach neuen Heilmitteln und Medikamenten, ohne die alten zu nutzen. Sogar Milch und Honig werden nicht ausreichend angewendet. Was jedoch kann gesünder sein als durch fortschreitende Evolution erarbeitete pflanzliche Produkte? Milch und Honig sind in uneingeschränkter Vielfalt zu haben und stellen, wenn vernünftig und wissenschaftlich genutzt, beste Vorbeugungsmittel dar. Es kommt nicht darauf an, einfach Milch zu trinken und Honig zu essen, sondern vor allem darauf, wie die Milch und der Honig beschaffen sind. Es ist richtig, daß es an jenen Stellen den besten Honig gibt, wo viele Heilkräuter vorhanden sind. Man kann begreifen, daß die Bienen bei ihrer Tätigkeit die besten Möglichkeiten der Zusammensetzung erbringen. Die Überlieferungen über die Bienen sind insofern von Bedeutung, als man unmittelbar auf den besonderen Wert des Honigs aufmerksam macht.

       Darüber hinaus bedürfen auch andere pflanzliche Produkte der Erforschung. Die Menschen verhalten sich zu den Dingen sehr rückständig, so daß sie sich mit dem Ausdruck ”gut oder schlecht“, ”frisch oder verdorben“ abfinden und übersehen, daß künstliche Vermehrung den qualitativen Wert vermindert. Selbst solches übersieht man. Bei der Entfaltung der Lebenskraft sollte ihre Beschaffenheit aus allen Naturreichen geschöpft werden” (Bruderschaft, § 148).

       ”Oft werden die besten Heilmittel mißachtet. Milch und Honig gelten als nahrhafte Produkte, sind aber als Regulatoren des Nervensystems völlig in Vergessenheit geraten. In reinem Zustand enthalten sie die uranfängliche Energie. Gerade diese Eigenschaft muß erhalten bleiben. Die Sterilisation der Milch hingegen und die Spezialbehandlung des Honigs entziehen ihnen diese wertvollen Eigenschaften. Ihr Nährwert bleibt erhalten, aber ihr grundlegender Wert schwindet.

       In der Tat, es ist unerläßlich, daß die Produkte in naturreinem Zustand genossen werden. Haustiere und Bienen müssen unter gesunden Bedingungen gehalten werden; aber jedwede künstliche Reinigung der Produkte vernichtet ihre wahre Nützlichkeit.

       Das Wissen des Altertums schützte die Kühe als heilige Tiere, und wob um die Bienen eine spannende Legende. Aber mit der Zeit verloren die Menschen das bewußte Verhalten zu diesen ihnen ursprünglich gegebenen Heilmitteln. In den alten Heilbüchern wurde jedes Mittel auf seine Nützlichkeit und Schädlichkeit hin untersucht. Aber so wertvolle Substanzen wie Milch, Honig und Moschus enthalten, wenn sie naturbelassen sind, nichts Schädliches. Man kann auf viele nützliche Heilmittel aus der Pflanzenwelt hinweisen; die meisten von ihnen sind jedoch in reinem Zustand am wirksamsten, wenn neben den sogenannten Vitaminen die ihnen eingelagerte Energie nicht verlorenging. Karottensaft, Rettich und Erdbeeren sind in rohem, reinem Zustand am gesündesten. Man kann daher verstehen, warum sich die Rishis im Altertum von diesen heilsamen Produkten genährt haben” (Bruderschaft, § 201).

       9. März 1937

       Die heiligen Namen der Großen Lehrer zu schützen und auf Angriffe mit Würde zu antworten, ist unabdingbare Pflicht. Aus diesem Grunde sind Wachsamkeit und Besorgtheit um den uns anvertrauten Schatz erforderlich. Im Zusammenhang damit möchte ich einen Paragraphen aus dem neuen Buch anführen: ”Wachehalten ist ein Zeichen erweiterten Bewußtseins. Viele begreifen überhaupt nicht, was es heißt, Wertvolles zu schützen. Auf jene, die den Wert nicht erkannt haben, ist kein Verlaß. Aber über eine unermüdliche Schildwache kann man sich freuen. Die Bruderschaft lehrt diese Wache.”

       Die von Ihnen beschriebene Gefahr abzuwehren, ist sicherlich eine gigantische Aufgabe. In der Tat, die Großen Kräfte des Lichts haben Jahrhunderte hindurch gegen diese Gefahr angekämpft. Man könnte sogar sagen, daß der Sinn des Harmagedon darin liegt. Aber die kosmischen Kräfte kommen nur zu Hilfe, wenn der menschliche Geist nach strenger feuriger Läuterung ruft und danach strebt, die geistigen Grundlagen in allen Seinserscheinungen zu begreifen.

       Freilich, das menschliche Bewußtsein wurde, abgesehen von seltenen Ausnahmen, abgestumpft, womit es auch immer in Berührung kam, und die Form errang den Sieg über den Inhalt. Und jetzt erkennen wir mehr denn je diese Versklavung und das Verschlingen durch die Form. Gingen die kirchlichen Dogmen unter, sie wären bald durch andere ersetzt, die dem Bewußtsein in ähnlicher Weise aufgezwungen würden. Es ist betrüblich, mit anzusehen, wie sich die Menschheit, indem sie von Freiheit träumt und sich danach sehnt, nichtsdestoweniger damit befaßt, neue und noch engere Fesseln anzulegen. Freiheit – der Paradiesvogel – ertönt nur in reinen Herzen, die sich von ihrem Kerkermeister – der Ichsucht – befreit haben.

 

1. 4. 1937

       Uns ist jede Einigkeit in der Arbeit für das Allgemeinwohl teuer sowie die dazu notwendige Vorbereitung des Bewußtseins, die Neue Welt anzunehmen, die aber auf eine Weise naht, wie es sich viele von uns nicht vorstellen können. Der Luxus der Zerstörung in all seinen Methoden und Graden muß der Vergangenheit angehören. Erkenntnis der Verantwortung, Streben nach Synthese und Schaffenskraft in weitreichender Zusammenarbeit wird das rettende Gleichgewicht auf dem Planeten wieder herstellen.

* * *

       Mit Traurigkeit habe ich Ihren Brief gelesen, in dem Sie die Krankheit eines Mannes schildern. Wie kann ich helfen, wenn sein Zustand fast hoffnungslos ist? Heilung ist nur zu Beginn der Krankheit möglich, aber es ist schwierig, helfend einzugreifen, wenn alles verneint wird. Was sich bereits in Zersetzung befindet, läßt sich nicht wieder herstellen. Ich möchte Ihnen einen Paragraphen aus dem neuen Buch anführen: ”Es gibt viele Fälle, wo Menschen für die dringendsten Anweisungen unzugänglich geblieben sind. Doch im Augenblick, wo Unglück eintritt, erinnern sie sich blitzartig, daß ihnen Hilfe geboten wurde, aber dann ist es zu spät. Gewöhnlich meinen die Menschen, daß in allen Stadien der Umstände gleiche Hilfe geboten werden kann. Kann man aber Heilung erhoffen, wenn sich der Organismus bereits zersetzt? Man kann eine fehlende Hand nicht wachsen lassen, ein bereits vertrocknetes Gehirn nicht wieder beleben. Viele Fälle können angeführt werden, wo Menschen nach Wiedererweckung von Verstorbenen flehten. So ein Verhalten beweist nur völliges Unverständnis dafür, wie mit den Energien umzugehen ist.”

       Ja, von außen gesandte Energie kann helfen, wenn eine solche auch im Kranken vorhanden ist, denn in allem ist Mitwirkung erforderlich. In der Tat, alle sogenannten ”Wunderheilungen“ können sich nur vollziehen, wenn die im Kranken vorhandene psychische Energie oder Nervenkraft durch den Kontakt mit einer mächtigeren Energie Auftrieb erhält. Ist aber der Vorrat dieser Energie in ihm erschöpft, wie oder wodurch soll dann die gesendete Energie empfangen werden? Wahrlich, es gibt keine Wunder! Für jede Energietätigkeit sind eigene Bedingungen notwendig, und ist die wesentliche Bedingung nicht vorhanden, wie kann man ein positives Ergebnis erwarten? Aus diesem Grunde wird so eindringlich zur geistigen und physischen Vorbeugung geraten.

       6. Mai 1937

       Wir begrüßen die Herausgabe von Sonderdrucken über ein bestimmtes Thema und erhoffen vor allem ernsthafte Artikel, die sich mit der Bedeutung und der Macht des Gedankens, der Gedankenübertragung auf Entfernung sowie der psychischen Energie befassen. Derzeit muß primär allem Aufmerksamkeit geschenkt werden, was die Gedanken auf neue Entdeckungen auf dem Gebiet der feinsten Energien vorantreibt. Die Zeit für diese Energie ist gekommen, überall auf der Erde blitzen verschiedene Erscheinungen auf. Allein durch Sammeln von Zeitungs- und Zeitschriftenartikel kann man eine Reihe von bemerkenswerter Erscheinungen und Entdeckungen erwerben.

       Nun will ich Ihre Fragen beantworten:

       1. Lebende Blumen, womöglich keine Schnittblumen, sind wegen ihres Duftes und ihrer Schönheit immer, zu jeder Gelegenheit, nützlich. Belebender Duft vertreibt die niederen Wesenheiten, die sich an Zersetzungsherden anklammern wollen. Daher wären bei Todesfällen Geldspenden für wohltätige Zwecke nützlicher als Kranzspenden. Könnten die Menschen sich doch dazu entschließen, den schönen Brauch, zum Andenken an die Verstorbenen die besten Geschenke auf Erden zu bringen, aufzugeben und sich damit begnügen, ein Viertel in eine Wohltätigkeitsbüchse zu geben.

       Es wird Sie vielleicht interessieren, daß man in Atlantis folgendem Brauch huldigte: Der Verstorbene wurde nicht berührt, sondern stark mit Eukalyptusöl besprengt, gleich darauf mit dem Leichentuch bedeckt und mit Blumen überhäuft. Neben der Leiche brannten drei Tage und Nächte in einem geschlossenen Kreis Feuer, und sobald der Astralkörper ausgetreten war, wurde der physische Körper verbrannt. Dies ist ein sehr weises Ritual. Ist der Wille träg, so tritt auch der Astralkörper sehr träge aus. Manche können alles zur rechten Zeit vollführen, andere hingegen brauchen in allem länger; das ist jedoch kein Grund, jemandem die Fersen zu versengen! In Indien werden die Leichen oft zu schnell verbrannt, und dadurch können dem feinstofflichen Körper beträchtliche Verletzungen zugefügt werden. Diese Information habe ich meinen Aufzeichnungen über Atlantis entnommen. Diese Rituale und das heilige Leichentuch nannte man ”Friedliche Läuterung“.

       2. Unnatürlich große Ohren an Buddha-Statuen waren eine spätere Neueinführung und symbolisieren Allwissenheit. ”Sie deuten auf die Macht Dessen hin, Der alles weiß und hört und von Dem segensreiche Liebe sowie Beachtung aller lebenden Kreaturen ausgeht.” Die Idee entlehnte man einer esoterischen Allegorie. Eine Nachahmung solch verlängerter Ohren kann man nur noch unter den Burmesen und Siamesen finden, die ihre Ohren künstlich entstellen. Im zweiten Band der ”Geheimlehre“ im Kapitel über Symbolismus, wo von den Statuen in Bamian (afghanische Landschaft im Hindukusch; riesige Buddhastatuen und Wohnhöhlen) die Rede ist, wird dies bestätigt.

       3. Da sich alle Phänomene durch Willenskonzentration vollziehen, ist es wesentlich, auf welchen Gegenstand man sich konzentriert. Das ist es, was H. P. Blavatsky meinte, als sie von der Konzentration auf den kleinen Finger sprach.

       4. Alle äußeren Impulse wirken sich im Kopf aus; daher wäre es richtiger, sie als ”Impulse der Chakras“ zu bezeichnen und nicht einfach als ”Chakras“. Darüber hinaus beeinflussen sie zwar die Nervenzentren, lenken sie aber nicht. Das Wesen aller Chakren ruht im Herzen.

       5. Wie kann man sich mit einem überholten Bewußtsein der Neuen Welt nähern? Neue Bewußtseine können nicht in alte Gefäße gesteckt werden. Das Nahen der LEHRE DES LEBENS, die zu den Grundlagen der Neuen Welt führt, erfordert ein klares und scharfes Bewußtsein. Man kann Errungenschaften nicht unterdrücken. In den Massen ist der Durst nach wahrer Freiheit, der in der Freiheit des Denkens und in der Gewissensfreiheit besteht, erwacht. Weder Weihrauch noch Weihwasser werden die Menschen in überwundene Ketten drängen. Nur WISSEN, erleuchtet von der vollen Macht der Entdeckungen neuer Energien, wird den Weg in ein geistig wieder auflebendes Land finden. Alles Schöne muß bewahrt werden, aber alle nutzlosen Anhäufungen und aller Tand der Jahrhunderte müssen vergehen. Wahrhaftig, das neue Verstehen der Testamente der Großen Lehrer muß ins verwandelte Leben eingehen.

       Hier einige Paragraphen aus dem neuen Buch: ”Worin besteht denn der Fortschritt? Manche meinen, er sei ein ausschließliches Erkennen des Neuen. Ist solch eine Deutung nicht einseitig, und muß man hier nicht hinzufügen: Ordnen und Einreihen des Alten? Mehrfach wurde darauf hingewiesen, daß die Menschen theoretisch zu Neuem hinstreben und dennoch fortfahren, im alten Schweinestall zu wohnen. Mancher hält Vorträge über Reinheit, ist jedoch selbst äußerst schmutzig. Wird solch ein Lehrgang überzeugen? Oder ein träger Mensch ruft zur Arbeit auf, wer aber wird ihm Aufmerksamkeit schenken? Fürchten wir uns daher nicht, solche einfachen Beispiele zu nennen, denn im Leben gibt es davon unzählige. Wer immer über Harmonie nachdenkt, weiß, daß ein Haus, in dem alter Kehricht lagert, nicht neu ist. Und dennoch kann man sehen, wie schöne Errungenschaften verdorren, weil sie im Unrat nicht gedeihen können. Es ist nicht nur bedauerlich, das Schicksal solcher nützlichen Errungenschaften mit anzusehen, sondern es ist traurig, daß ihre Zersetzung die bereits vor langer Zeit entdeckten Pfade verunreinigte. Aus diesem Grunde spreche Ich vom Gleichgewicht.

       Laßt es nicht zu, daß aufrichtiges Suchen mit guter Grundlage verleumdet wird. Fürsorge und Pflege sind nötig. Wie ein Gärtner neue Früchte heranzieht und den Boden düngt, so wollen auch wir bereit sein, dem Neuen zum Durchbruch zu verhelfen und das Alte zu ordnen.”

       Freuen wir uns und bewahren wir Feierlichkeit.

       14. Mai 1937

       Heute beobachten wir das wachsende Interesse am Studium der im Menschen verborgenen Kräfte. Außerdem sind viele teilwissenschaftliche und halb-dilettantische Gesellschaften für psychische Forschung gegründet worden und in manchen Ländern (England, Amerika, Schweden) werden an den Universitäten eigene Vorlesungen über psychische und parapsychische Phänomene gehalten. Leider befaßten sich die meisten Gesellschaften – und befassen sich immer noch! – ausschließlich mit den sogenannten kinetischen Phänomenen, Apporten und Materialisationen, ignorieren aber Erscheinungen derselben Grundenergie höheren Grades völlig, so z. B. das Aussenden von Gedanken auf Entfernung, das Ansteigen oder Abnehmen dieser Tätigkeit infolge verschiedener psychischer Spannungsgrade oder die Gedankenqualität der Teilnehmer an diesen Experimenten.

       Und dennoch kann man eine Reihe von Versuchen, sich ernsthaft mit Gedankenübertragung zu befassen, anführen. So führte Prof. Rhine von der Duke Universität in dieser Richtung erfolgreiche Experimente durch und lenkte durch Anwendung eines neuen wissenschaftlichen Namens für seine Experimente ”außersinnliche Wahrnehmungen“ die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt auf sich. Wie Sie wissen, wurde auch der Mesmerismus zu jener Zeit grausam verspottet und abgelehnt, aber sobald er unter einem neuen Namen in Erscheinung trat, Hypnotismus, anerkannte ihn auch die Wissenschaft. Wie H. P. Blavatsky schrieb, ”Mesmerismus ist eine neue Nase in einem sehr alten Gesicht”. In der Tat, man könnte eine wissenschaftliche Abhandlung über die Bedeutung der Terminologie und über ihre psychologische Wirkung auf bestimmte Bewußtseinsarten schreiben. Nichtsdestoweniger ist es dem sehr alten Fohat oder dem ägyptischen Tum bestimmt, in der kommenden Epoche anerkannt zu werden. So wird die psychische oder uranfängliche Energie schließlich Bürgerrecht erlangen, ohne Rücksicht darauf, unter welchen Namen oder in welcher Erscheinung sie sich vorher offenbarte. Eine solche Anerkennung wird den Eintritt der Menschheit in die neue Ära größter Entdeckungen kennzeichnen, die die so notwendige richtige Einschätzung der Werte bringen wird.

* * *

       So ist es zu Beginn der Neuen Epoche, die einen ungewöhnlichen Zustrom an psychischer Energie bringen wird, notwendig, in uns selbst das rechte Verhalten gegenüber dieser zweischneidigen Macht zu wecken und zu entfalten. In den BÜCHERN DER LEBENDIGEN ETHIK (der AGNI YOGA-Serie) sind über diese Energie das erste Mal viele Erläuterungen gegeben worden, und es werden zum vernünftigen Herantreten an ihre Erforschung Methoden geboten.

       Ein hoher Geist, der sich in einem physischen Körper befindet und die Fähigkeit der Teilbarkeit des Geistes besitzt, kann bewußt gleichzeitig auf der Erde und im interplanetaren Raum wirken und sogar die nächsten Planeten besuchen. Diese Teilbarkeit des Geistes mindert in keiner Weise die Qualität seiner Erscheinung oder Tätigkeit im irdischen Körper, weil die durch ihn freigesetzten hohen Energien auf unserer Erde keine Verwendung finden.

       Um an der kosmischen Schaffenskraft mitzuwirken, ist es unbedingt erforderlich, die Gesetze der kosmischen Kräfte genau zu erfassen und in völligem Einklang mit ihnen zu wirken, andernfalls ist Vernichtung unvermeidlich. Wahrhaftig, handelt der Mensch in Einklang mit den kosmischen Gesetzen, dann wird er zum Schöpfer. Er ist der Schöpfer seines eigenen Schicksals, und im Ganzen gesehen, schafft er das Schicksal des Planeten. Alle Kräfte und Energien des Kosmos werden dem Menschen nur enthüllt, wenn er infolge mächtiger Aufspeicherungen höherer Energien die Fähigkeit unbegrenzten Aufstiegs erlangt hat. Man denke nur an die ungeheure Macht der uns umgebenden kosmischen Kräfte.

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       Es ist unrichtig zu sagen: ”Durch ihre Geisteseigenschaft sind alle Menschen gleich.” Gerade die Eigenschaft des Geistes ist in jedem Fall verschieden. Daher ist es richtiger zu sagen: ”Durch das geistige Grundprinzip sind alle Menschen gleich.” Sicherlich, psychische Energie ist die Eigenschaft des Geistes. Doch man kann sich die unbegrenzte Verschiedenheit dieser Energie vorstellen, die von den früheren Zuständen der Entstehung des Geisteskorns abhängt.

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       Für die Erweckung und Entwicklung der psychischen Energie muß auf die Bedeutung der Tätigkeit oder der Arbeit hingewiesen werden, denn die psychische Energie muß vor allem angewendet werden. Sie darf nicht auf gelegentliche Impulse beschränkt bleiben; nur stete, systematische und rhythmische Arbeit kann ihren Strom angleichen. Der rechte Austausch der psychischen Energie gründet auf Rhythmus. Unterstreichen Sie die schädliche Wirkung der Trägheit, welche die Tätigkeit der psychischen Energie in uns lähmt und dadurch unsere ganze Evolution stört, was schließlich zur völligen Vernichtung führt. In der Tat, es ist offenkundig, daß tätige Menschen am längsten leben – vorausgesetzt, daß sie den Rhythmus in der Arbeit beachten und den Organismus nicht übertrieben vergiften. Auch darauf muß hingewiesen werden, daß jede Arbeit mit vollem Bewußtsein geleistet werden muß. Ebenfalls ist das Bestreben zur Verbesserung der Arbeitsqualität sowie jeder Tätigkeit die beste Methode zur Steigerung der psychischen Energie.

       Es ist jedoch auch notwendig, festzustellen, daß übermäßige Abgabe an psychischer Energie gefährlich ist. In allem sollte das rechte Maß geübt werden. Eine Person, die ihre psychische Energie maßlos verausgabt, stört das Gleichgewicht ihres Organismus und öffnet sich so einer möglichen Ansteckung wie auch den Angriffen der bösen Kräfte, damit ihrer Gesundheit und Energie schadend. Wenn es heißt, daß der Geist, je mehr er abgibt, um so mehr empfängt, so ist damit nicht eine einmalige übermäßige Abgabe gemeint, sondern eine ständige rhythmische Auswertung. Sicherlich, die Meisterung der Teilbarkeit des Geistes kann nur erreicht werden, wenn die psychische Energie entsprechend entwickelt ist.

       Hier ein Paragraph aus dem Buch ”Bruderschaft“: ”Selbstaufopferung ist einer der wahren Pfade zur Bruderschaft. Warum heißt es gleichzeitig ‚Schonet eure Kräfte‘? Darin ist kein Widerspruch zu sehen. Der Goldene Pfad, der verbindende Pfad, bestätigt beide Eigenschaften – Heldentat und Vorsicht. Andernfalls würden alle zum Selbstmord getrieben. Heldentat wird in vollem Bewußtsein und in Verantwortlichkeit geschaffen. Wieder wird jemand einen Widerspruch vermuten; aber höhere Hingebung sowie allbesiegende Liebe können die Vereinigung höherer Eigenschaften lehren. Wahnsinn schafft keine Heldentat. Kleinmütigkeit entspricht nicht der wahren Vorsicht. Die bewußte Erkenntnis der Pflicht gibt einem den rechten Gebrauch der Energie ein. Mögen die Menschen den Gleichklang der Eigenschaften widerspiegeln. Wahnsinn und Kleinmut eignen sich für den Pfad nicht.” – Aber wenige Menschen erkennen, was Gleichklang der Eigenschaften bedeutet!

       Wir werden ständig an die sorgsame Abgabe der Energie erinnert, vor allem jetzt, wo die räumlichen Ströme unglaublich dicht sind.

       Gleicherweise sollte man sich bei der Teilung seiner Energie, sobald man eine Abnahme der Kräfte verspürt, nicht zum Arbeiten zwingen. Zur Erneuerung der Energie bedarf es einer gewissen Zeit. Gewiß, bei allen diesen Erscheinungen ist Ehrlichkeit sich selbst gegenüber unerläßlich, denn viele neigen dazu, die Dinge leicht zu nehmen und schreiben gerne einen Anfall von Trägheit einem Abfluß an psychischer Energie zu.

       Wo es keinen richtigen Austausch der psychischen Energie gibt, da gibt es auch keine Teilbarkeit des Geistes. Ist das Feuer nicht wirksam oder will es das ungeeignete Gefäß verlassen, dann ist natürlich Teilbarkeit des Geistes unerreichbar. Gleicherweise muß man bedenken, daß psychische Energie eine zweischneidige Kraft ist. Viele ungestüme finstere Kräfte verfügen über einen großen Vorrat dieser Energie, aber in ihren niederen Erscheinungsformen und Eigenschaften; die Wirkungen dieser Energie beschränken sich auf die niederen Sphären und haben einen geringen Wirkbereich im Vergleich zu der Energie von höherer Beschaffenheit.

       Es ist notwendig, so stark wie möglich die Bedeutung des Gedankens und der Beherrschung des Denkens für die Entwicklung höherer psychischer Energie zu unterstreichen.

       Auch Hypnotismus ist eine Erscheinungsform der psychischen Energie, und daher sollte der Einfluß dieser Eigenschaft der Energie erforscht und soweit als möglich verstanden werden. Vergessen Sie nicht die Gedankenübertragung auf Entfernung zu erwähnen, denn diese erfolgt mittels der gleichen psychischen oder uranfänglichen Energie.

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       Viele der besten Menschen, auch solche, die über ein verhältnismäßig erweitertes Bewußtsein verfügen, konnten das wahre Bildnis der Großen Lehrer nicht wahrnehmen. Beachten Sie die ungesunde Wirkung der meisten Menschen auf alles, was ihrer Vorstellung nicht entspricht – der Atavismus von Jahrtausenden ist stark!

       Ja, die Gegenüberstellung eines falschen Bildnisses zu einem anderen, nicht weniger phantastischen, ist eine ganz fürchterliche und verderbliche Erscheinung. Menschen, die dazu fähig sind, können wirklich nicht beide selbst in Einklang bringen, und das Ergebnis ist eine abschreckende, zwiespältige Persönlichkeit, etwas wie Schieläugigkeit, und schließlich geraten sie in ein völlig ”verkehrtes Denken“.

       Nach den östlichen esoterischen Lehren unterstehen wir während des ganzen Manwantara oder der großen Runde unseres Planeten einem Manu (dem Lehrer der Lehrer), der den Hohen Brüdern vorsteht. So eine Individualität nimmt für die Dauer des ganzen Manwantara die Verantwortung für den Planeten auf sich.

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       Es ist anständig, über einen Freund nur das Beste zu schreiben, besonders über einen verstorbenen. Denn wer würde es wagen, alle Beweggründe, alle verborgenen Gefühle zu beurteilen, die den Freund zu dieser oder jener Tat bewogen haben? Jede Herabsetzung, selbst eine unbewußte, führt nichtsdestoweniger zu schlechtem Karma. Der erste an uns erteilte Rat war, ”alles Gute zu verzehnfachen und das Schlechte zu verkleinern …”; nur dann ist eine mehr oder weniger richtige Beurteilung möglich.

       Ohne die Beweggründe oder inneren Gefühle einer Person zu kennen, erlauben sich die Menschen oft, über sie zu urteilen; so verstoßen sie ernsthaft gegen die Gerechtigkeit und belasten ihr eigenes Karma beträchtlich. Aus diesem Grunde ist es so schön und nützlich, nur in guten Worten über Abgeschiedene zu schreiben und zu sprechen. Auf diese Weise können die Menschen ihre Ungerechtigkeiten wenigstens zum Teil ausgleichen.

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       In dem von Ihnen erwähnten Land reift vieles heran. Vielleicht ist auch diesem Land, als es den Wendepunkt in seiner Geschichte erreichte, eine Warnung gegeben und Hilfe von den Kräften des Lichts geboten worden. Aber wie gewöhnlich, war unter den Mächtigen keine ausreichende Erleuchtung vorhanden und hauptsächlich keine geistig starke Persönlichkeit, um die rettenden Ratschläge zu nutzen. Und aus der ganzen Geschichte der Menschheit wissen wir, wo immer der Sendbote zurückgewiesen oder gar verfolgt wurde, hatte das ganze Land dafür zu zahlen. Der Bote erscheint in ernster Stunde, und ihn zurückzuweisen bedeutet daher, die volle Wucht des Karma auf sich zu laden. Sind nicht alle Nöte, die das Land heimsuchen, ein ernstes Vorzeichen? Wählte das Land nicht den härtesten Pfad? Wie hart jedoch ist das Karma jener, die die Hilfe der Kräfte des Lichts zurückgewiesen und damit die ganze Verantwortung für die Zukunft auf sich genommen haben! Es gab einzelne seltene Ausnahmen in der Geschichte, wo die großen Führer eines Volkes die Hilfe anzunehmen verstanden, wie die erstaunliche Entwicklung mancher Länder beweist. Aber in unserer Zeit der totalen Verneinung und der höchsten Herrschaft des Goldes verdeckt selbst eine kleine Münze die Sonne.

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       Ich habe das gesammelte Material über Harmagedon durchgesehen. Wahrhaftig, eine sehr eindrucksvolle Leistung, aber an die Behandlung dieses Themas muß man mit Vorsicht herangehen. Es wäre günstiger, alle gesammelten Warnungen auf einige wenige Seiten einzustreuen, als sie konzentriert zusammenzufassen; so könnten sie die kleinen Bewußtseine ängstigen oder gar unerwünschte Wirkungen auslösen. Die Menschen lieben es, mit rosigen Hoffnungen eingelullt zu werden und mögen es nicht, wenn man ihnen bei nahender Gefahr die Augen rechtzeitig öffnet. Jede rettende Warnung empfinden sie als persönliche Bedrohung. Darum rate ich, diese sehr nützliche Zusammenstellung für innere Gewöhnung und zum Lesen zu behalten.

       17. Mai 1937

       Ich begrüße es sehr, wenn Sie einen Aufsatz über das Thema ”Die Rechte der Frauen“ schreiben. In der Tat, dieses Problem wird der Eckstein der Neuen Epoche sein, und ohne die richtige Lösung dieser Frage wird es in der Welt keine Ordnung und Ausgeglichenheit geben. Wenn Sie schreiben, so lauschen Sie der Stimme des Herzens. Sogenannte Intuition oder die Stimme des Herzens ist in den Büchern der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK sehr genau als ”Gefühlswissen“ bezeichnet. Aus meiner Erfahrung kann ich bestätigen, daß jede Erleuchtung gerade auf Gefühlswissen gründet, das zu wahrem Wissen führt.

       Mit Recht sind Sie über einige Zeilen aus den Schriften der Apostel entrüstet. Man könnte fragen, wo sich die Originale dieser Episteln befinden? Wer sie gesehen hat und wann? Und wer kann dafür bürgen, daß die Glaubenseiferer nicht Veränderungen in den Originalen vornahmen, sobald etwas nicht den herkömmlichen Sitten und Regeln entsprach? Geschah dies nicht mit allen Werken der großen geistig Schaffenden? Es heißt doch: ”Nicht ein Dokument des Altertums erreichte uns ohne Entstellung.” Und welche Ungenauigkeiten erlaubten sich die Übersetzer dieser Episteln! Man braucht nur drei Übersetzungen der Bibel durchzusehen: die russische, französische und englische. Ich hatte mich bei der Übersetzung bestimmter Werke damit auseinanderzusetzen; traten offenkundige Widersprüche auf, so mußte ich zwei oder drei Übersetzungen zitieren.

       Doch warum sollten eigentlich die Apostel als unfehlbar gelten? Nicht nur im Evangelium tritt es zutage, daß sie nicht jenes moralische Niveau besaßen, das von den engsten Schülern Christi erwartet wird, sondern auch aus ihren Schriften erkennt man bedauerlicherweise, wieviel Zwietracht und sündhafte Schändlichkeit in diesen ersten Christengemeinden, aus denen die Kirchenväter hervorgingen, an der Tagesordnung waren. Auch unter den Aposteln selbst gab es viel Uneinigkeit. Denken wir zum Beispiel an den endlosen Wortstreit zwischen Petrus und Paulus, der symbolisch die ganze Zwietracht unter den sogenannten christlichen Glaubenseiferern, welche die alleinige Lehre Christi in untereinander streitenden Sekten und Kirchen aufspalteten, überdauerte. Ich empfehle Ihnen, das Buch von D. Mereschkowskij ”Paulus und Augustinus“ zu lesen. Darin werden Sie interessantes Material finden. Dieser Verfasser bietet, wie stets, einen vollendeten Schatz wertvollster Information.

       Wollen wir daher daran denken, daß nur ein erleuchtetes Herz oder ein durch das Licht des Herzens erleuchteter Geist ein zuverlässiger Führer beim Lesen der Heiligen Schriften sein kann. Religionsformen, welche die Erniedrigung und Versklavung der Frau zuließen oder gar betätigten, sind zum Untergang bestimmt. Durch die Erniedrigung der Frau dienten die späteren Religionsformen wirklich dem Satan; der Fürst der Welt erkannte die Bedeutung der Frau bei der Erfüllung seines Planes; vor allem schmiedete er Ränke, um sie – die Trägerin der höheren Energie – zu erniedrigen.

       Aber als die Frau, die durch ein seltsames Paradoxon die Hauptstütze der Kirche war, erwachte und verstand, nachdem durch Jahrhunderte hindurch ihre Unterdrücker sich verbargen, setzte der Niedergang der Kirche ein. Religion, oder richtiger die Suche nach dem Geist, wird in der Menschheit nie verlorengehen, und das erwachte Bewußtsein wird nach neuen Formen und neuen Wegen, gewiesen von geistigen Lehrern und Führern, verlangen.

       Die ältesten Lehren schätzten das weibliche Prinzip immer hoch, und sie erachteten auch weibliche Gottheiten als das Heiligste. Spuren dieses ältesten Kultes können wir heute unter den amerikanischen Indianern finden, deren Priesterschaft eine Frau vorsteht; Frauen leiteten den Clan, und die ganze Nachkommenschaft wird von der fraulichen Seite her geschätzt. Gleicherweise gibt es in der Lehre Buddhas keinen Unterschied zwischen den beiden Uranfängen, und sowohl die Frau als auch der Mann kann die Archatschaft erlangen. Und selbst jetzt ist in Indien, trotz der Tatsache, daß die letzten Brahminen die Frau aus Habgier und Egoismus erniedrigten, der Kult der Göttin Kali weit verbreitet. Die letzten der bekannten Weisen Indiens, Ramakrishna und Vivekananda, verehrten den Göttlichen Ursprung in seinem Aspekt der MUTTER DER WELT. Wahrhaftig, durch die unwissende und habsüchtige Entstellung des kosmischen Gesetzes ist die Frau unterjocht worden. Sicherlich, die Schuld für die derzeitige Lage der Frau kann nicht allein dem männlichen Prinzip zugeschrieben werden, auch die Frau selbst fehlte. Viele Frauen empfinden die ständige Bevormundung als Beschützung, und genau das schwächt ihre Kraft und stumpft ihre Fähigkeiten ab. Daher ist heute ein Wandel nötig. Die Frau muß den Kampf mit den Hindernissen des Lebens aufnehmen, um ihre Kraft und offenbar ihre wahre Natur zu stählen. Freilich, der Kampf um ihre eingebüßten Rechte wird hart sein, aber durch Verfeinerung des Denkens und mit Hilfe der Wahrnehmung der höheren psychischen Energie wird vieles leichter. Wahrhaftig, ohne Vorhandensein des weiblichen Elements kann kein einziges höheres Experiment mit den feinsten Energien durchgeführt werden. Der bekannte Stein der Weisen kann ohne die Beteiligung der Frau nicht gefunden werden. So bestätigen der Kosmos, die Natur das Gleichgewicht der beiden Uranfänge, selbst in ihren höchsten Funktionen. Und man kann sagen: ”Rechte zu haben heißt noch nicht, sie zu besitzen.”

       Die erste Aufgabe, der die Frau in allen Ländern gegenübersteht, ist, das volle Recht der gleichen Bildung wie der Mann zu verlangen und bemüht zu sein, mit ihrer ganzen Kraft die Denkfähigkeit zu entwickeln und darüber hinaus zu lernen, auf eigenen Füßen zu stehen, ohne sich beim Manne anzulehnen. Im Westen gibt es viele Gebiete, welche den Frauen offenstehen, und man muß zugeben, daß sie sich in allen bewährt haben.

       Es ist unerläßlich, in der Frau selbst große Achtung vor ihrem eigenen Uranfang zu wecken, sie soll ihre hohe Bestimmung als Trägerin der höheren Energie erkennen. Wahrhaftig, die Intuition der Frau muß, wie in den besten Zeiten der Geschichte, die Menschheit auf den Pfad des Fortschritts führen. Heute indes kann man nur tief betrübt und mit unaussprechlicher Scham beobachten, wie sich die Frau, in ihrem Wunsch, die Bewunderung des starken Geschlechts zu erlangen, erniedrigt. Die Konstellation der Gestirne ist für das Erwachen der Frau günstig, und ich hoffe, daß ein neuer Zustrom an psychischer Energie von den Frauen für erhabene Aufgaben und das Suchen nach neuen Errungenschaften für das Wohl der Menschheit genutzt wird. Möge das Feuer der Heldentat im Namen des großen Dienstes in der Frau wirklich entzündet werden. Die Frau besitzt die Eigenschaft der Selbstaufopferung, aber sie sollte es lernen, ihre Selbstaufopferung nicht nur auf den engen Begriff des Lebens am häuslichen Herd zu beschränken, der oft nicht mehr ist als Förderung des Egoismus der Familie – sie sollte sie im Weltmaßstab anwenden. Ich glaube, daß die Frau sogar mehr gebildet und kultiviert sein sollte als der Mann, denn in Wirklichkeit ist sie es, die ihrer Familie die ersten Begriffe des Wissens, der Kultur und des Verstehens der Staatsherrschaft einflößt.

       Wenn Sie Ihren Aufsatz geschrieben haben, so möchte ich ihn gerne lesen, und ich hege keinen Zweifel, daß Ihr Herz Ihnen feurige Worte eingeben wird.

       Ich danke Ihnen für Ihre schönen Worte über Ihre Schüler. Herzenswärme ist jener Magnet, der den ganzen Aufbau zusammenhält. Die Fähigkeit zur Ermutigung ist die grundlegende Eigenschaft des Lehrens. Daher freue ich mich über Ihre Worte betreffs der Arbeit Ihrer Schüler. Die erste Ermutigung ist besonders wichtig, denn sie bestimmt weitestgehend den künftigen Pfad. Ist man bei der Beurteilung der ersten Arbeit zu streng, kann man das Wachstum außergewöhnlicher Fähigkeiten hemmen. Es geschieht sehr oft, daß die ersten unternommenen Versuche eines Schülers nicht die erhofften Erfolge zeitigen, auf der anderen Seite aber zeigt es sich oft, daß sich die ersten schwachen und sogar groben Versuche später zu etwas Seriösem und Wichtigem entwickeln. Die in uns schlummernden Fähigkeiten entwickeln sich zu verschiedenen Zeiten.

       ”Die Glückseligkeit des Lehrers besteht darin, den Schüler zu Schönem zu ermutigen. Lange Listen von langwierigen, stupiden Einfällen können nicht zu dieser Errungenschaft verhelfen. Der Lehrer muß selbst entflammt sein, so daß allein seine Nähe Feurigkeit auslöst. Diese tägliche Aufgabe ist schwer, jedoch die Menschen werden besonders im Alltag geprüft, der die Schwester der Unbegrenztheit ist.” – Darum freue ich mich über Ihr großmütiges Verstehen und Verhalten gegenüber Ihren Schülern.

       17. Mai 1937

       1. Sie fragen, ”ob jeder Mensch einen ständigen Lehrer hat”? Sie müßten allerdings erklären, was für einen Lehrer Sie meinen. Man kann sagen, daß fast jeder, ob er es erkennt oder nicht, mehr oder weniger eine dauernde Führung aus den überirdischen Sphären hat; diese Führer sind in bezug auf Qualität und Niveau sehr verschieden. Darüber hinaus bringen diese Führer im gegenwärtigen Zustand der Menschheit oft mehr Unheil als Nutzen. Es ist sogar schwer, sich die Zahl der Bewohner überirdischer Sphären, die versuchen, sich in irdische Angelegenheiten zu mischen, vorzustellen. Doch gelingt es einem Menschen, die Flamme reinen Strebens zum Licht zu entzünden und ist in ihm Hingabe verankert, dann wird sein Ruf zu den Älteren Brüdern der Menschheit gehört werden, und ganz allein von ihm wird es abhängen, das heilige Band mit dem erwählten Bildnis zu festigen. Nach unabänderlichem Gesetz wird sich der Schüler einer Prüfung unterziehen müssen, deren Dauer ebenfalls völlig in seinen Händen liegt.

       2. ”Ihr müßt auf Erden zu Uns gelangen …”, – damit ist sicherlich gemeint, daß man im irdischen Leben, durch Bewußtseinserweiterung und durch irdische Errungenschaften, tatsächlich den Großen Lehrern näherkommen kann.

       3. Dem Geist steht es natürlich frei, das Geschlecht seiner Wiederverkörperung zu wählen. Doch widmet sich ein Geist dem Großen Dienst, nimmt er die Inkarnation an, die ihm vom Großen Lehrer zugewiesen wird. Außerdem ist es manchmal notwendig, für eine bestimmte Inkarnation das Geschlecht zu wechseln, und zwar wegen des Gesetzes des Großen Gleichgewichts, das mit dem Mysterium der Existenz in Zusammenhang steht. Aber dieses Geheimnis wird vom Lehrer nur gelüftet, wenn der Schüler die auferlegten Prüfungen bestanden hat.

       4. Sie fragen: ”Angenommen, ich möchte nicht mehr zur Erde zurückkehren, was kann mich dazu veranlassen?” Die Antwort lautet: ”Das Kosmische Gesetz”. Wie Hunger den Hungrigen zur Nahrung treibt, so nötigt das Gesetz der Wiederverkörperung den bereiten Geist zur nächsten Wiederverkörperung. Ein Geist, der während des irdischen Lebens eine große Umwandlung seiner Energien erlangt hat, ist imstande, seinen Aufenthalt in den überirdischen Welten beträchtlich zu verlängern, aber nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt – dann kommt der Augenblick, in dem er die magnetische Anziehung für eine irdische Inkarnation ganz stark fühlen wird; denn allein die Erde ist die Esse, in der unsere Energien umgewandelt werden können, und zwar durch Erneuerung und Aufspeicherung neuer Energien.

       Wir können von der irdischen Inkarnation nur befreit werden, wenn sich unsere gesamten Energien so sehr verfeinert haben, daß ein weiterer Verbleib auf Erden uns nichts mehr bieten könnte. Genau gesagt, für einen Menschen endet eine Karmarunde, wenn alle Elemente oder Energien, die in die Essenz seines Wesens eingehen, in seinem Streben vereint werden und in dieser Spannung den für diese Runde gebotenen Zustand der Vollendung erreicht haben.

       Man sollte sich vor keiner Wiederverkörperung ängstigen, im Gegenteil, ein wahrer Schüler nimmt eine neue Erfahrung und neue Möglichkeiten zur Erlangung äußerst wertvoller Aufspeicherungen mit Freuden an. In der Tat, die Schüler der Weißen Bruderschaft gehen den kürzesten Weg, und mit Hilfe der Älteren Brüder beschleunigen sie ihre Wiederverkörperungen, um ihr Karma auszuleben und ihren zurückbleibenden Brüdern zu helfen.

       5. ”Was sollte man tun, um nicht für immer die Lehre zu verlassen und kein Verräter zu werden?” Die Antwort ist in allen Büchern der Lehre gegeben: Festigen Sie in Ihrem Herzen die Fundamente der Liebe und der Hingabe, und wenden Sie die Lehre im täglichen Leben an.

       6. Es gibt so viele Bewußtseine als es Erscheinungen gibt. Daher hat jeder das Recht, seine Gefühle völlig individuell zu äußern.

       7. Sie haben ganz richtig verstanden, daß es ungehörig ist, dann zum Höchsten um Hilfe zu flehen, wenn wir unser eigenes Können aufbieten sollten. Außer einem schrecklichen Mangel an Vergleichbarkeit vereiteln wir nicht nur alle Möglichkeiten, sondern stumpfen durch solch ein Warten auf Hilfe auch in unseren Fähigkeiten ab und schwächen uns damit. Ohne unaufhörliche Anstrengung im Festigen unserer Fähigkeiten und der Geschicklichkeit, Hindernisse zu überwinden, kann es auf der geistigen Ebene keinen Fortschritt geben. Nicht Verlaß ist nötig, sondern volles Vertrauen zum Lehrer und das Wissen aus seinem ganzen Wesen, daß, wenn die Grenze der Anstrengung erreicht ist, Hilfe kommt, indem sich uns die Möglichkeit bietet, unsere Anstrengungen auf neue und höhere Errungenschaften zu richten. Ohne dieses selbständige Überwinden von Hindernissen ist die Umwandlung unserer Energien nicht möglich. Nur wenn die Grenze höchster Anspannung erreicht ist, kann sich die gesegnete Verfeinerung einstellen. Die Gesetze sind in allem die gleichen.

       8. ”Was ist die Eins, und ist sie nicht eine konstante Größe?” Vom metaphysischen Standpunkt her ist die Eins das Symbol der Einheit, die alles in sich beinhaltet, folglich ist sie das Absolute, oder mit anderen Worten: sie ist eine konstante Größe.

       9. ”Was ist eine Zahl?” Eine Zahl ist ein Symbol der Teilbarkeit, folglich ist sie Bewegung und Rhythmus und ein offenbares Bewußtsein.

       10. Alle und jedwede Schuld muß bezahlt werden, denn eine Schuld ist eine Verpflichtung für den Geist.

       11. Karma wird durch Gedanken gewoben. Der Gedanke kann eine karmische Wirkung entweder abschwächen oder verstärken. Geläutertes Denken befreit vom schlechten Karma, denn es läßt keine bösen Wirkungen entstehen. Gedanke und Wille sind die Herrscher von Karma.

       12. Nur das Herz wird die Wahl des irdischen Lehrers treffen.

       13. ”Kann man auf Erden, noch in diesem Leben, die Bruderschaft erreichen?” Das hängt allein vom Menschen ab, von seinen früheren Aufspeicherungen und in manchen Fällen auch von der von ihm vor der Verkörperung übernommenen Aufgabe.

       14. Immer und bei allen Taten ist Gefühlswissen das einzige Kriterium. Aber wenn unmittelbares Gefühlswissen nur schwer wahrnehmbar ist und erst leise anklopft, dann sollte jede Tat auf der Waage des Herzens gewogen werden, Gefühlswissen ist dem Herzen am nächsten.

       15. Der Pfad wird in den Büchern der Lehre gewiesen; ohne Anwendung der Grundlagen der Lehre im Leben gibt es keinen Zugang zur Bruderschaft.

       16. ”Wann kommt der Zeitpunkt, an dem es keine Rückkehr mehr gibt?” Wenn die Feuer der Zentren entflammt sind und sich der Kristall der psychischen Energie gebildet hat.

       17. ”Wie kann man bewußt auf anderen Seinsebenen arbeiten und sich im physischen Körper daran erinnern?” Durch Befolgen der Lehre und durch Üben sich solcher Arbeit bewußt zu erinnern. Doch im physischen Körper ist es nicht immer möglich, sich der Tätigkeit seines feinstofflichen Körpers zu erinnern, weil die Dimensionen der Feinstofflichen Welt mit unseren nicht übereinstimmen und das physische Gehirn oft, ohne Schaden zu erleiden, diese feinsten Schwingungen nicht vermitteln kann. Nur Medien erinnern sich auf Grund ihrer besonderen Anlagen häufig an solche Tätigkeiten, aber man sollte sie nicht darum beneiden!

       18. Ihr Streben möge daher von Dauer sein und weiter ansteigen. Doch sollten Sie immer wieder Ihre Beständigkeit prüfen. Geduld ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die man auf dem Pfad des Dienens erringen muß.

       19. ”Wie kann man den Großen Brüdern helfen?” Durch Anwendung der LEHRE im täglichen Leben, so daß man für andere ein Beispiel gibt. Das persönliche Beispiel ist die überzeugendste Tat.

       20. ”Wovon sollte man sich noch befreien?” Der schädlichste Wurm und der unmerklichste ist der Egoismus. Prüfen Sie sich daher öfter, denn dieser Wurm bemäntelt sich mit den ausgeklügeltsten Rechtfertigungen. Unter manchen Umständen mag Egoismus nicht so offensichtlich sein, doch in dem Augenblick, da die Umstände sich ändern, macht dieser Wurm sich bemerkbar.

       21. ”Wie sollte man handeln, um das Vertrauen des Großen Lehrers zu gewinnen?” Man sollte die Lehre im Leben anwenden und stets bereit sein, mutig alle Hindernisse hinzunehmen und dies auch durch die Tat zu beweisen.

       22. Wenn die LEHRE angewendet wird, wenn Geduld unverbrüchlich ist, wenn Mut, Furchtlosigkeit und Hingabe mit einer unauslöschlichen Flamme in Ihrem Herzen brennen, dann werden Sie Ihr Ziel erreichen, und der Große Lehrer wird nicht versäumen, sich auf irgendeine Art zu offenbaren.

       23. Wenn Sie die Anwesenheit einer unsichtbaren Wesenheit fühlen, sollten Sie völlige Ruhe bewahren, denn sinnlose Furcht kann das Sperrnetz der Aura schwächen. Wenn sich die Wesenheit, die Sie fühlen, mit bösen Absichten nähert, kann die Furcht dazu beitragen, Ihnen Schaden zuzufügen. Aus diesem Grunde bestehen alle Lehren so sehr darauf, die Furchtlosigkeit zu entwickeln. Bei völliger Selbstbeherrschung kann einem kein Astralwesen Schaden zufügen. Ich rate, sich in solchen Fällen auf das Große Bildnis des Herrschers zu konzentrieren und seinen Namen siebenmal auszusprechen. So umgeben Sie sich mit einem undurchdringlichen Panzer des Lichts.

       Und nun zu den Fragen aus Ihrem zweiten Brief:

       1. Zweifellos ist die Herausgabe der BÜCHER DER LEHRE eine große Hilfe für den Aufbau der Neuen Welt. Wozu sind die Bücher gegeben worden, wenn nicht für weite Verbreitung?

       2. Natürlich können Bestrebte, die aufrichtig suchen, aber die Bücher nicht bezahlen können, sie unentgeltlich bekommen. Doch gibt es ihrer viele? Aus langjähriger Erfahrung wissen wir, daß alles, was unentgeltlich gegeben wird, nicht geschätzt wird. Die meisten, die unentgeltlich ein Buch erhalten, werden sich kaum bemühen, es aufzuschlagen. Doch sobald sie wissen, daß etwas schwer zu bekommen ist, werden sie danach suchen, und es hat Fälle gegeben, wo Menschen Nächte nicht schliefen, um die BÜCHER DER LEHRE abzuschreiben. Großer Nutzen geht von jedem kleinen Hindernis aus. Es ist besser, das für die Bücher eingenommene Geld für weitere Veröffentlichungen aufzuwenden, als sie unentgeltlich abzugeben und ohne jeglichem Nutzen die Möglichkeit einzubüßen, weitere Ausgaben für jene herauszubringen, die darauf warten.

       3. Der Geist überwindet physische Krankheiten. Oft befähigen gerade körperliche Gebrechen den Geist, sich zu erheben.

       Ich freue mich von ganzem Herzen, daß Sie den Wunsch verspüren, die Qualität Ihrer Arbeit zu verbessern. Darin liegt bereits ein Unterpfand für Fortschritt und Erfolg. Wer immer auf Qualität bedacht ist, versteht, daß Vervollkommnung ein führendes Prinzip ist, und er befindet sich bereits auf dem Pfad.

       In der Tat, durch das Streben des Herzens kann alles erreicht werden, aber vergessen Sie die wesentlichste Eigenschaft nicht – Geduld! ”Ein großer Mensch ist, wer streng ist im Üben von Geduld.”

       Wenn Sie erkennen, daß jedes Hindernis ein Nutzen für das Wachsen des Geistes ist, sind Sie bereits auf dem Pfad. In der LEHRE heißt es: ”Laßt uns mit Bedauern auf die allgemein angenommene Vorstellung über Komfort und Sicherheit Bezug nehmen. Darin birgt sich Gefühllosigkeit und Leere. Wir lernen, alle Gedankenkeime zu begrüßen, und Wir schätzen immer den Drang voranschreitenden Strebens. Viele Beispiele können über physischen und mechanischen Druck als bewegende Kraft angeführt werden. Für viele ist es nicht leicht, zuzugeben, daß Drang nur die Pforte zum Fortschritt ist. Doch sobald die Menschen die Wahrheit erkennen, werden sie damit auch die Bedeutung des Fortschritts verstehen. Vom Standpunkt solcher Erkenntnis ist es nicht weit zur Bruderschaft.”

       Ich schätze es, daß Sie dafür Verständnis haben, wie sehr überlastet ich durch meine Arbeit bin. In der Tat, wenn ich nicht antworte, so nur deshalb, weil es oft nicht möglich ist, doch sonst bin ich immer gerne bereit, Fragen zu beantworten. Ich mag keine bedeutungslosen Briefe. Gibt es Fragen, so bedeutet es, darüber nachzudenken, was für die Entwicklung des Geistes besonders wertvoll ist; scharfes Denken bringt uns dem Höheren Bewußtsein näher und große Zusammenarbeit ist gegeben.

       4. ”Was versteht man unter einer verantwortungsvollen Aufgabe, deren Zurückweisung Karma besonders belastet?” Es gibt viele solcher Zurückweisungen. Der üblichste Fall ist, daß eine Person, die sich der LEHRE näherte, sich an die Großen Lehrer wandte, sie anflehte, in das Haus der Neuen Welt eingelassen zu werden – und dann nach kurzer Zeit aus irgendeinem Grund enttäuscht ist und abfällt. Doch es gibt noch andere sehr schmerzliche Fälle, wenn z. B. der Geist eines sehr fortgeschrittenen Studierenden, der sich Jahre für die Durchführung einer bestimmten Tätigkeit oder Aufgabe vorbereitete, plötzlich die übernommene Verpflichtung und auch die aufgewendeten Jahre bereut. Das nennt man Zurückweisung einer Aufgabe; denn jemand, der bereut, ist gänzlich unfähig, das zu erfüllen, womit er betraut wurde. Nachtrauern erstickt das Feuer, das jedem Erfolg zugrunde liegt. Solches Bedauern grenzt bereits an Verrat und belastet das Karma sehr.

       Mein junger Freund, aus allen Ihren Fragen ist klar zu entnehmen, daß Sie den Pfad des Großen Dienstes beschreiten wollen. Prüfen Sie daher ernsthaft ihre Kräfte. Dienen erfordert große Selbstlosigkeit und Anspannung aller Kräfte. Das irdische Glück wird ausgetauscht für Erkenntnis der Weisheit höherer Glückseligkeit, die den Studierenden nur in seltenen Lichtblicken zuteil wird. Verfolgung, Verleumdung, Hindernisse nehmen zu im Verhältnis zum Fortschritt, denn der Diener des Lichts beleuchtet die dunklen Verstecke der Knechte der Finsternis. Es gibt keine größere Heldentat als den Dienst für das Wohl der Menschheit, noch gibt es eine schwierigere. Sind Sie stark im Geiste, dann Heil Ihnen!

       Natürlich, auch eine teilweise Annäherung an die LEHRE DER LEBENDIGEN ETHIK erweitert das Bewußtsein, und wenn die Grundlagen der Lehre im Leben vernünftig angewendet werden, wird der irdische Pfad erleichtert. Doch denken Sie daran, daß Hingabe an den Dienst der Menschheit völlige Selbstaufopferung erfordert – nämlich wahre Heldentat. Gibt es viele, die imstande sind, die Last der Welt zu tragen? Prüfen Sie sich daher in allen Lebenslagen.

       Sind Ihre Absichten lauter, werden die Heimsuchungen nicht ausbleiben, und Sie werden vielen psychologischen Problemen gegenüberstehen, die Sie selbst werden lösen müssen. Wie es heißt: ”Wie Wasser in ungelöschtem Kalk Hitze erzeugt, so bringt die LEHRE jede im Schüler schlummernde unvermutete Potentialität heftig in Tätigkeit.” Genau gesagt, jeder Keim des Guten wie auch des Bösen wird sich in ihm offenbaren. Wenn Sie daher einen festen Entschluß gefaßt haben, so halten Sie sich für Prüfungen bereit.

       28. Mai 1937

       Ich bezweifle nicht, daß Sie mit Ihrem neuen Buch genauso Erfolg haben werden wie mit dem ersten. Bevor jedoch solch ein Werk in Angriff genommen wird, wäre es ratsam, ihm die größte Sorgfalt zu widmen und das Gebot der LEHRE des Neuen Lebens im Auge zu haben: ”… Auf dem Pfad zur Bruderschaft muß man die Gewohnheit der Herabsetzung aufgeben … Es möge selbst aus Unwissenheit kein Schaden entstehen …” Die gesammelten historischen Fakten werden deutlich für sich selbst sprechen.

       Die Anhänger der Lehre des Neuen Lebens sollten nur emporheben und bestätigen. Ihr Standpunkt, der keinesfalls eine Herabsetzung ist, wird sich durch weitere Erklärung von selbst offenbaren. Von den Aspekten der Dreieinigkeit, im philosophischen Sinn gesprochen, stellt jedes menschliche Wesen an sich, da Makrokosmos und Mikrokosmos eins sind, nicht nur den ersten, zweiten oder dritten Aspekt der Dreieinigkeit dar, sondern enthält in sich die ganze Dreieinigkeit, denn wie sonst kann man die Triade von Atma, Budhi und Manas in ihm verstehen? Man kann nicht den Sohn der Ewigkeit auf ein Bildnis der Trinität beschränken. Wahrhaftig, diese Teilung des Unteilbaren offenbart völliges Unverständnis.

       In Ihrem neuen Werk sollten Sie die Unwissenheit und Mißhelligkeiten, die unter den meisten selbsternannten Autoritäten und Führern des menschlichen Bewußtseins herrschen, besonders unter die Lupe nehmen. Und dann bestätigen Sie die allen alten Lehren wie auch den neuesten Errungenschaften im Gedankenbereich und der Wissenschaft zugrunde liegende Einheit aller Religionen, aller Philosophien oder Lehren sowie die Größe ihrer Heralde und Begründer.

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       Gewiß, das Göttliche Element durchdringt alles Bestehende, durch seine Macht vermag es ganze Welten zu schaffen und zu zerstören. Daher muß sich das menschliche Bewußtsein zur geistigen Wahrnehmung auf dieses Niveau erheben, damit in voller Harmonie mit dieser Macht gute Ursachen geschaffen werden können. Jede Verletzung guter Gesetze zieht schwere Folgen nach sich. Ja, alles hat Bedeutung; der Wert jedoch besteht nicht in der äußeren Erscheinung oder Anwendung, sondern allein darin, daß er vom Bewußtsein erfaßt wird.

       Ich gebe zu, daß die Worte Jesu <>”Wenn einer zu mir kommt und nicht seinen Vater, die Mutter, das Weib, die Kinder usw. haßt …” grausam klingen. Sollten wir dieses Wortgefüge aber nicht jenen zuschreiben, die es niedergeschrieben oder übersetzt haben? Dennoch ist sein tiefer Sinn klar. Wenn der Mensch seiner Familie mehr dient als dem Geist der Lehre des Guten, was wird ihm da wohl Gutes widerfahren? In der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK wird auf den Unterschied zwischen Blutsverwandtschaft und geistiger Verwandtschaft hingewiesen. Wann und wo ist jener, der Licht bringt auf einem Gebiet, von seiner Familie oder Zeitgenossen anerkannt worden? Man nenne ihn! Sind es im täglichen Leben nicht jene Nächsten, die uns sehr oft mißverstehen und herabsetzen? Wegen ihrer physischen Blutsbande verfügen sie über uns. Die Menschen wollen nicht begreifen, daß es über alle irdischen Verwandtschaften hinaus eine geistige Bindung gibt, und es ist ein Segen, wenn diese beiden Verwandtschaften, die geistige und die Blutsverwandtschaft auf Erden zusammentreffen, doch das ist sehr selten der Fall. Oft werden in einer Familie Geister mit gänzlich unterschiedlichen Aufspeicherungen zusammengeführt.

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       Genau wie die Worte Christi ”Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen” die Wahrheit seiner Lehre beweisen (weil Wahrheit und Ewigkeit synonym sind), so weist ein anderer Ausspruch Christi ”… Was immer ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein, was immer ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöst sein” auf das Karmagesetz hin. Wie kann klarer ausgedrückt werden, daß wir hier auf Erden jedweden Zank mit unseren Nächsten zu schlichten und beizulegen haben und nicht in der Feinstofflichen Welt oder im Himmel. Was wir hier säen, werden wir dort ernten. Dieser Ausspruch wurde allerdings anders ausgelegt, nämlich so, als wenn Christus den Aposteln die Macht verliehen hätte, zu binden und zu lösen, oder mit anderen Worten, für immer und ewig zu bestrafen oder zu vergeben. Wie wir wissen, beruht auf diesem Ausspruch die Macht der Kirche. Liest man jedoch diesen Auszug im ganzen, so wird einem vieles klarer, denn man kann diese Worte nicht anders auslegen als Erklärung des Gesetzes von Ursache und Wirkung oder Karma.

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       Was die Erlösung betrifft, so kann man nur im irdischen Sinn ein Erlösungsopfer bringen, das heißt, indem wir die durch eine andere Person ausgelöste Wirkung auf uns nehmen. Im geistigen Sinn jedoch wäre dies unmöglich, denn die von uns geschaffenen Ursachen widerspiegeln sich primär in unserem inneren geistigen Wesen. Daher kann allein geistige Wiedergeburt die Wirkung der von uns gelegten Ursache wandeln oder abschwächen. Ein Hoher Geist kann einem Menschen bei seiner geistigen Wiedergeburt nur helfen, wenn der Geist jenes Menschen den festen Entschluß faßt, alles, was er getan hat, gutzumachen. Aber keine Gebete einer Mutter können helfen, wenn ihr Geist nicht einen hohen Antrieb zur Läuterung verspürt.

       Nachdem ich über Vergebung und Erlösung von Sünden schon öfter geschrieben habe, möchte ich Ihnen diesen Auszug zitieren: ”Genauso wie ein chemischer Bestandteil das ganze Wesen einer Substanz, die sich aus anderen Substanzen zusammensetzt, verändern kann, so kann die Wirkung eines hohen Impulses oder einer wertvollen Eigenschaft die Ergebnisse einer Wirkung, die von den niederen Eigenschaften der menschlichen Natur herrühren, neutralisieren oder bewältigen und so den Charakter des Menschen total verändern, sein Wesen verwandeln.” Und wie Sie wissen, äußert sich die Umwandlung des inneren Wesens in der Veränderung der Ausstrahlungen, die geläutert die Wirkungen der früher geschaffenen Ursachen verschiedenartig beeinflussen. Der Mensch selbst ist der Schöpfer und zugleich die lebendige Aufzeichnung jedes Motivs, jedes Gedankens oder jeder Tat; wer könnte daher ohne seine persönliche und unmittelbare Teilnahme an seinem Wesen etwas ändern?

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       Über Inkarnation. In jeder neuen Inkarnation erhalten wir einen von dem allgemeinen menschlichen Entwicklungsstand, von den karmischen Bedingungen sowie dem vererblichen Einfluß der Vorfahren abhängigen beschränkten Organismus. Wir werden gerade durch das Karma von jener für uns zugänglichen Umgebung angezogen. Daher kann sich unser Geisteskorn trotz vieler Aufspeicherungen in jeder neuen Hülle nur teilweise offenbaren. Man kann beobachten, daß ein früherer Musikvirtuose in seinem neuen Körper zwar das Verstehen und mehr oder weniger Hinwendung zu seiner Kunst beibehält, aber die notwendige Koordination der Zentren für besondere musikalische Fähigkeiten nicht so weit aufbringt, um ein Virtuose zu werden.

       Die von ihnen angeführte Stelle aus dem Matthäus-Evangelium ist schön, Sie sollten die Toleranz und die Ausführlichkeit in der Lehre Christi unterstreichen. Auch andere Stellen, mit ähnlichem Sinn kann man finden.

       In der ”Geschichte der Konzile“ kann man die Vorstellungen und Argumente der Kirchenväter nicht immer klar verstehen. Dazu muß man sich im Geist in jene Epoche versetzen, um die ganze Komplexität der Übergangsperiode, die sie schuf, erfühlen zu können. Aufgrund einiger weniger Fragmente ist es schwer, sich ein klares Bild davon zu machen, was sie ausdrücken wollten. Die Sprache sowie der Symbolismus der Begriffe ändern sich schon im Laufe von wenigen Dekaden sehr stark, weshalb man mit Auslegungen sehr vorsichtig sein sollte.

       Die Zitate des Athanasius des Großen sind vor allem reich an Schönheit, und wo Schönheit ist, ist Wahrheit. So bestätigt seine Behauptung ”Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werden könne” die heilige Wahrheit, denn der Geist Jesu Christi ist in seiner geläuterten feurigen Göttlichen Essenz für uns wahrhaftig eine Verkörperung des Göttlichen Prinzips. Indem Er in einer ernsten Zeit des Niedergangs und Verfalls geistiger Werte einen irdischen Körper annahm, um dem menschlichen Geist einen neuen Impuls zu geben und so den Menschen an Seinem göttlichen Wesen teilhaben zu lassen, vergötterte Er ihn. Wir vereinigen uns in dem Maße mit dem göttlichen Wesen, als wir es in unser Bewußtsein aufnehmen. ”Wahrhaftig, durch das Sakrament des Geistes nehmen wir teil am Göttlichen Wesen” und erreichen so den göttlichen Zustand.

       Heißt es nicht in der Lehre, zeitgemäß gesprochen, ”daß wir die höheren Energien nur erreichen und beherrschen können, wenn wir sie ins Bewußtsein aufnehmen”.

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       Ebenso wahr ist, daß wir uns durch Ablehnung des Geistes den finsteren Kräften öffnen, der Besessenheit, Verführung u. a. ”Wer getauft wird, gibt den alten Menschen auf, wer von oben geboren wird, wird erneuert durch den Segen des Geistes …” Wir dürfen nicht vergessen, daß in den ersten Jahrhunderten des Christentums solche Rituale wie Taufe und Kommunion eine große innere und geistige Bedeutung hatten und erst später zu staatlichen Einrichtungen entarteten, durch deren Nichtbefolgung man Rechte verwirkte. Taufe und Kommunion waren ursprünglich Symbole der Teilnahme am geistigen Leben. Vor allem die Mysterien des Altertums waren Rituale voll tiefer innerer Bedeutung, und die meisten der heutigen christlichen Rituale wurden tatsächlich den Ritualen und Symbolen der heidnischen Welt entlehnt. Alles hat jedoch nur eine geistige Bedeutung. Mechanische Manipulationen können uns keine geistige Wiedergeburt bringen und ohne Teilnahme des Geistes an etwas binden. Die Rituale dagegen trugen dazu bei, bestimmte Zustände und Stimmungen herbeizuführen und befähigten den Geist, leichter aufzunehmen und sich höher zu erheben. Selbst heute sollte man den Menschen nicht der Kirche mit ihren ganzen Zeremonien berauben. Wirklich notwendig ist eine Läuterung sowie geistiges Verstehen der Rituale, sie dürfen nicht nur aus obligatorischen Gründen hingenommen werden. Möge der Geist seinen Weg wählen. Wir dürfen nicht vergessen, daß das Ritual der Taufe in den früheren Jahrhunderten des Christentums in vielen Fällen an erwachsenen Menschen vollzogen wurde, die durch dieses Symbol ihren Bruch mit dem Alten unterstrichen und das Verstehen des Neuen besiegelten. Als dieses Ritual später obligatorisch und an Säuglingen, die naturgemäß noch des Bewußtseins ermangeln, vollzogen wurde, verlor es jeglichen Sinn. Vor allem war es entsetzlich, daß man die Leichen ungetaufter Säuglinge hinter die Friedhofsmauer verbannte. Friedhöfe sollten überhaupt aufgelöst werden, da sie Brutstätten von aller Art Epidemien sind.

       Wenige, sehr wenige Menschen erleben die Erhebung des Geistes und behalten sie in Erinnerung, außer sie werden von etwas Sichtbarem und Fühlbarem daran erinnert. Darum ist es die erste Pflicht, keine Tempel zu zerstören, sondern die Rituale sowie die Grundlagen der großen Lehren zu läutern und neu zu erklären. Für die Menschen ist es das wesentlichste, zu erkennen, daß ohne geistige Erhebung kein Ritual für uns Bedeutung hat. Es ist notwendig, ständig daran zu erinnern, daß Göttlicher Segen nur bewußt und freiwillig empfangen werden kann.

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       Den alten Lehren gemäß erhalten die höchsten Kosmischen Vorstellungen ihre Form oder verkörpern sich als Ebenbild Gottes im Menschen. So sind die Höchsten Geistwesen Verkörperungen der höchsten Vorstellung. Die Sieben Kumaras, Sieben Logoi, Sieben Feuer oder Flammen, Sieben Söhne der Vernunft, Sieben Söhne Brahmas oder Gottessöhne – sie alle stellen diese Höchsten Geistwesen dar, die (gleich den Avataren) einen menschlichen Körper annahmen, um das Bewußtsein der Menschen zu erheben und seine Teilnahme an seinem Göttlichen Wesen zu verwirklichen.

       Es ist nicht ganz richtig, zu behaupten, daß die Menschen früher – in diesem Fall die Juden – ihre Sohnschaft oder das Gesetz der Reinkarnation nicht kannten und daß Christus der Eine war, der den Juden den Sinn, wie er heute in der Bibel steht, offenbarte. Freilich, den alten Lehrern des jüdischen Volkes war vieles bekannt, zum Teil vielleicht mehr, als man heute weiß. Aber damals waren viele Begriffe bereits getrübt durch die eifrigen Interpreten, die auf ihren Vorteil bedacht waren. Die Pharisäer waren mit den Ideen der Auferstehung der Engel und des Geistes vertraut, das geht aus der Apostelgeschichte hervor (23:6, 7, 8).

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       Jemand behauptet, ”Man kann nur aus etwas etwas schaffen, aber nicht aus sich selbst heraus. Gott ist überall und nichts ist außer ihm, daher ist es nicht richtig, außerhalb seiner selbst zu schaffen.” Ich wundere mich warum? Erstens, wenn Gott allgegenwärtig ist und nichts außer ihm besteht, so daß man sagen kann, Er ist beides, Schöpfer und Substanz. Doch scheint es mir, daß es äußerst unwesentlich ist, ob wir sagen, daß er zeugt und schafft; denn alle Begriffe sind nur seine Offenbarungen. Aber auch jeder irdische Schöpfer schafft und erzeugt gerade durch seinen Geist außerhalb seiner selbst. Der Mensch kann von den auserlesensten Materialien umgeben sein, aber ist sein schöpferisches Feuer schwach, so wird er nichts schaffen. Wahrhaftig, der Gedanke und die Gedankenenergie schaffen. Denken Sie an die östliche Lehre von der schöpferischen Kraft des Gedankens.

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       Die Zeit ist gekommen, um aufzuzeigen, daß der große GOTT aller Menschen, der EIN LEBENDIGER GOTT DER NATUR ist, die ALLEINIGE UNIVERSELLE GOTTHEIT – der GOTT des UNWANDELBAREN GESETZES, der GOTT DER GERECHTEN VERGELTUNG, aber wahrhaftig keine ”willkürliche Gnade“. Diese Hoffnung auf unverdiente Höhere Gnade dient vielleicht als stärkster Stimulus für wiederholtes Vergehen.

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       Die Antwort Christi an seine Jünger: ”Zerstöret diesen Tempel, und in drei Tagen werde Ich ihn errichten” sollte richtig als seine Auferstehung im feinstofflichen Körper, in dem er seinen Jüngern erschien, verstanden werden. In fast allen alten Lehren wird der menschliche Körper mit einem Tempel Gottes verglichen; und Christus meinte wohl kaum einen wunderbaren steinernen Tempel als Beweis seiner Macht. Dies würde dem Geist Seiner Lehre gänzlich widersprechen.

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       Zwischen Erleuchtung und Erleuchtung gibt es einen Unterschied. Das Ausmaß unseres Bewußtseins bestimmt den Wahrheitsgehalt unserer Visionen und Gefühle. Wir können nur durch jene Symbole und Gefühle Erleuchtung erlangen, die uns vertraut sind und nicht mehr. Beachten Sie die Visionen der Heiligen, wie genau entsprachen sie dem Charakter und den Forderungen der Epoche. In gleicher Weise charakterisieren Visionen am besten die sittlichen und geistigen Aspekte des Menschen. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß die Menschen oft nicht die wichtigste Eigenschaft – Ehrlichkeit – besitzen und aufgrund dessen, was sie gehört oder gelesen haben, vieles erdichten. Visionen kosmischen Charakters werden dem Auge eines Hellsehers gesandt oder enthüllt; wenn in ihm Ehrlichkeit vorhanden ist. Und der kennzeichnende Wesenszug solcher Visionen werden schlichte Schönheit und Erhabenheit sein.

       Sie glauben, das Pascal ein hohes sittliches und geistiges Niveau besaß. Trotzdem dürfte er keine geistige Synthese besessen haben, und das könnte ein Stein des Anstoßes gewesen sein. Gibt es viele, die diese Fähigkeit erlangen? Große Intellekte haben sie oft vermißt. Man kann intellektuell ein Riese sein, aber dennoch keine Synthese besitzen.

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       Warum erachten Sie den Vers der Korinther I (11:10) als so charakteristisch für den Geist der Lehre des Paulus? Aufgrund von zahlreichen Beweisen müssen wir zugeben, daß die Texte der Schriften dauernd entstellt wurden, und auch die Möglichkeit späterer Entstellung oder Hinzufügung zu dieser Epistel müssen wir einbeziehen. In der Tat, die Unterordnung der Frau und Sklaverei hatten sich im Lauf der dekadenten Jahrhunderte so tief eingewurzelt, – und vor allem in der Epoche intellektueller Finsternis, – daß es äußerst schwierig war, diese Prärogative aufzugeben. Freilich, der Apostel Paulus war ein sehr hoher Geist, und in seiner heiligen Botschaft konnte er diesen Barbarismus kaum geduldet haben. Aber Sie wissen, daß die Bedingungen dieser Epoche Zugeständnisse erforderten. Die ganze Wahrheit kann den Menschen nicht enthüllt werden, wenn sie nicht angenommen und daher mehr Schaden als Nutzen bringen würde. Es ist nicht zulässig, die unwissende Masse zu sehr zu verstimmen, da sie in ihrem Toben das Wertvollste vernichten könnte.

       Es scheint mir, daß es ratsam wäre, die Erlasse der Ökumenischen Konzile, der Reihe nach gesammelt, anzuführen. Sie enthüllen erstaunliche Verständnislosigkeit und Widersprüche, die allmählich immer mehr zutage treten. Die Erlasse wurden nicht von einzelnen klaren Geistern herausgegeben, sondern von den Vertretern der unwissenden Mehrheit, und dieser Umstand sollte besonders hervorgehoben werden, denn gerade die Erlasse wurden schließlich zu Dogmen unserer gegenwärtigen Kirche. In der Tat, alle gegenwärtig verehrten erleuchteten Geister unter den Kirchenvätern, wie Basilius der Große, Athanasius der Große und Johann der Göttliche, wurden von ihren eigenen Priestern verfolgt, weil sie sich mit den Erlassen nicht einverstanden erklärten.

       Gleicherweise mit einzubeziehen sind hier die Erlasse des Zweiten Konzils von Konstantinopel, nach dem die Lehre der Wiedergeburt und der Präexistenz der Seele annulliert wurde. Von Interesse sind auch die Bewegung der Bilderstürmer und alle Streitfragen über das Kniebeugen und andere Zeremonien. Warum sollte man jene Passagen aus dem Evangelium ausschließen, die auf die Reinkarnation klar hinweisen?

       Ihre Auslegung der Seligpreisung ”Selig im Geiste sind die Armen …” spricht mich sehr an. Diese Seligpreisung ist von tiefster Bedeutung. In der Tat, dieser Ausspruch ist ein Hinweis auf die Notwendigkeit demütiger Selbstaufopferung, der Ausmerzung jedweden Eigendünkels und der Selbstgefälligkeit, der Überwindung im Bewußtsein und im Geist jeder Hab- und Besitzgier und des Haftens an vergänglichen Dingen. Vor allem diese Entsagung im Bewußtsein haben alle großen Lehrer des Altertums nachdrücklich gefordert.

       Erinnern Sie sich an das in der LEBENDIGEN ETHIK gegebene Beispiel von den beiden Schülern? Einer besaß nichts, und dennoch tadelte ihn der Lehrer wegen seines Haftens an den Dingen; der andere aber war von Dingen umgeben, wurde aber vom Lehrer nicht getadelt.

* * *

       Neugierige werden vielleicht sagen: ”Erklären Sie uns das Bildnis Christi.” Darauf antworten Sie mit den Worten der LEHRE: ”Man kann die fernen Welten nicht messen. Wir können nur durch ihre Strahlung entzückt werden …” Die Geheimnisse des Geistes sind so herrlich, daß man nur raten kann, über das Unaussprechliche nicht zu sprechen. Allein das Herz kann vor Entzücken erbeben, wenn es von Höchster Schönheit geistig berührt wird.

* * *

       Sie haben völlig recht, daß furchtsame Elemente nicht herangezogen werden sollten, weil sie großen Schaden anrichten könnten. Nicht umsonst haben alle alten Disziplinen zuerst die Überwindung der Furcht gefordert. Nur in Furchtlosigkeit können wir uns dem Licht nähern und die gebotene Wahrheit in uns aufnehmen. Jedes Manwantara oder jede Lebensrunde enthüllt neue Fazetten des Diamanten Kosmischer Schönheit.

       Und so fahren Sie mit aller Fürsorge und Weisheit fort in ihrer nützlichen Aktivität. Lassen Sie sich durch die vereinzelten Schreie der Finsternis nicht beirren.

       4. Juni 1937

       Sie haben recht, die Menschen wandten sich mit Fragen über den KELCH DES OSTENS an mich. Jedoch unter ihnen gab es einige, die meinten, sie wären durch dieses Buch in ihrer Anschauung verletzt; manche waren sogar entrüstet.

       Seien Sie bitte gelassen und geduldig, denn es ist nicht so leicht, Ihren Brief zu beantworten. Erstens, wie ich bereits geschrieben habe, ist es zum klaren gegenseitigen Verstehen notwendig, über einen annähernd gleichen Bewußtseinsgrad zu verfügen, aber dieser besteht noch nicht. Zweitens stellen Sie keine direkten Fragen, sondern kritisieren einfach einzelne, dem Zusammenhang entnommene Sätze und stützen Ihre Bestürzung außerdem auf Beispiele aus täglichen Geschehnissen, die für die Themen, die diese ”Briefe“ behandeln, nicht immer anwendbar sind.

       Weiter möchte ich Sie daran erinnern, daß der KELCH DES OSTENS leider nur ein kleiner Teil des großen Bandes ”Briefe der Mahatmas“ an A. P. Sinnett ist. Oft sind einem ausführlichen Brief nur einige Stellen entnommen, und das bereitet einem unvorbereiteten Leser unvermeidlich Schwierigkeiten, die Antwort auf die vielen Themen, die berührt werden, zu verstehen. Darüber hinaus geben diese Briefe wirklich Antwort auf individuelle Fragen, sofern die Fragesteller mit der östlichen Philosophie schon etwas vertraut waren.

       In Beantwortung Ihrer Kritik möchte ich zum besseren Verständnis der Anordnung Ihrer Behauptungen folgen und die Sätze, die Sie verwirrten, zitieren. Ich werde auch die Übersetzung mit der englischen Ausgabe dieses Werkes, die ich besitze, vergleichen.

       1. ”… Und jetzt liegt es an Ihnen, für welchen Bereich Sie sich entschließen: für die höchste Philosophie oder die einfachen Bekundungen okkulter Kräfte.” Der Leser (in diesem Fall Sie selbst) antwortet: ”Ich wünsche beides, denn die Erscheinung der okkulten Kräfte müßte ein für allemal ihr Vorhandensein beweisen.”

       Obgleich mir Ihre Wünsche verständlich erscheinen, muß ich dennoch sagen, daß es unzweckmäßig ist, anzunehmen, die Menschen ließen sich von jedweden Phänomenen aus dem okkulten Bereich überzeugen, wenn sie ihnen zum erstenmal gegenüberstehen und keine Vorstellung vom Okkulten oder den noch verborgenen Gesetzen haben. Ich bin solchen Menschen noch nicht begegnet. Die ganze unerwartete Erscheinung dieser Phänomene sowie die Bedingungen, unter denen sie stattfinden, widersprechen der vorgefaßten Vorstellung und den Begriffen der Beobachter; deshalb erwecken sie in ihnen Argwohn und Zweifel. Und die Vermutung, daß eine hypnotische Kraft zur Anwendung kommt, hat darin ihren Grund. Es wäre für Sie von Nutzen, das Buch von Sinnett ”Die okkulte Welt“ zu lesen, in dem er die vielen bedeutsamen okkulten Manifestationen, die unter Mitwirkung von H. P. Blavatsky stattfanden, beschreibt. Doch alle diese Erscheinungen haben nicht einen überzeugt; im Gegenteil, H. P. Blavatsky ist wegen dieser Erscheinungen des Schwindels, der Fälschung und ähnlicher anderer Machenschaften beschuldigt worden.

       Ihre Frage: ”Ist nicht auch die höchste Philosophie eine Erscheinung der okkulten Kräfte?” ist nicht ganz unberechtigt. Der einzige Unterschied liegt darin, daß sich in der Philosophie diese Kräfte auf der entsprechenden geistigen Ebene offenbaren, die Skeptiker indes meinen, die Erscheinungen müßten, um sie zu beeindrucken, auf dem physischen Plan stattfinden. Weiter müßten sie den unzugänglichen Bedingungen angepaßt und von den nach ihnen verlangenden Skeptikern und Unwissenden festgehalten werden können, im Gegensatz zu den Gesetzen, denen solche Erscheinungen feiner Energien unterliegen.

       Bewußtseine, die die Wirkung der verborgenen feinsten Kräfte oder Energien nicht verstehen, wollen die Tatsache nicht wahrhaben, daß die feinstofflichen Kräfte auch den gleichen feinen und exakt wissenschaftlichen Zugang erfordern. Leider gehen die meisten Menschen an diese Erscheinungen gleichsam mit einer Axt heran und mit ihren eigenen mechanischen Berechnungen. Doch auf dem Gebiet der feinsten Energien ist jedwede physisch primitive Roheit unanwendbar. Darüber hinaus sollten Sie wissen, daß nicht nur jede Seinsebene über ihre eigenen Gesetze verfügt, sondern auch jeder wissenschaftliche Bereich gesetzlich gebunden ist und für die erwünschten Ergebnisse entsprechende Bedingungen erfordert.

       Jemand könnte fragen: ”Ist die Verwandlung von Wasser in Wein nicht eine Suggestion?” Oder: ”Wie kann ein Blinder sehen?” Aber solche Dinge fanden statt, finden statt und werden immer wieder stattfinden. Eine völlig ungebildete Person versteht, daß solche Phänomene geschahen. Wer will daher die ”Wunder“ Christi leugnen? Und wissen wir nicht aus demselben Evangelium, daß ”… Er aus Ungläubigkeit viele mächtige Werke nicht vollbrachte”? So bedurfte selbst Christus für die ”Wunderwirkung“ besonderer Bedingungen. Für uns jedoch bestehen die Wunder Christi weniger in diesen Erscheinungen als in der erneuten Bewußtseinsverschiebung und der erneuten Bestätigung der Heldentat!

       Und nun sagen Sie mir – gibt es derer viele, die sich vom Vorhandensein verborgener Kräfte, wie sie sich auf unserem physischen Plan noch nicht bekundeten, gerne überzeugen möchten und dazu die erforderlichen Ausstrahlungen (Aura) besitzen, die geeignet sind, die wesentlichen Bedingungen zu schaffen? Meinen Sie nicht, daß in den meisten Fällen die Ausstrahlungen der Menschen diese Möglichkeiten ausschließen oder bestenfalls die Qualität der Phänomene mindern oder entstellen? In den Auszügen aus dem Buch KELCH DES OSTENS ist im ersten Brief deutlich erklärt, daß okkulte Erscheinungen zum Zweck der Überzeugung von Menschen nutzlos sind.

       Oft vergessen jene, die an die feinstofflichen Erscheinungen mit einer Axt herangehen, daß selbst eine Berührung mit der feinsten Energie sie veraschen könnte.

       In unserer Zeit bestehen jedoch in vielen Ländern Gesellschaften für ”Psychische Forschung”, in denen mit Hilfe eines Mediums die sogenannten spiritistischen und parapsychischen Phänomene studiert werden. Gleicherweise werden in manchen Ländern zum Zweck des Studiums psychischer Phänomene, Gedankenübertragung auf Entfernung und ähnliches, an Universitäten Lehrstühle errichtet. Aber trotz allem bezweifeln die meisten Menschen das Vorhandensein dieser Erscheinungen.

       Es gibt auch eine umfangreiche Literatur über Spiritualismus; allerdings nur in Ländern, wo die Denk- und Gewissensfreiheit von eifrigen Verfechtern sowohl des alten als auch des neuen Regimes weniger unterdrückt wird.

       Da Sie aber ”Martha in die Küche gesandt haben, um zu offenbaren”, möchte ich Ihnen dazu ein Gleichnis aus der Weisheit des Ostens erzählen.

       ”Zu Ihm, dem großen Erleuchteten, kam ein Schüler, der nach einem Wunder suchte: ‚Das Wunder wird mir Vertrauen einflößen.‘ Traurig lächelte der Lehrer und enthüllte ihm ein großes Wunder. ‚Jetzt‘, rief der Schüler aus, ‚bin ich bereit, unter deiner Führung die Stufen der Lehre zu durchschreiten.‘ Doch der Lehrer wies ihm die Tür und sagte: ‚Ich brauche dich nicht mehr!‘” (AGNI YOGA, § 95).

       2. ”Wir möchten den Theologen fragen, was seinen Gott daran hindert, da er der angebliche Schöpfer alles Seins ist, die Materie mit der Denkfähigkeit auszustatten”, und wenn beantwortet, ”daß Ihm das offensichtlich nicht zu tun beliebte …” Sie merken wohl, daß ”das eine Antwort eines Verfassers wäre, der ein beschränkter Theologe ist, weil ein kultivierter und gebildeter Theologe seinen Gott nicht nur hindern würde, dies zu tun, sondern ihn ermutigen würde, so zu tun.” Und Sie zitieren das Beispiel des Heiligen Sergius von Radonega, der mit den Bären reden konnte, das Beispiel des Heiligen Franziskus von Assisi, der mit den Vögeln sprach, und schließlich weisen Sie auf den Stein hin, der auf Schwingungen reagiert. Zum Schluß führen Sie an: ”Dann würde das ganze künftige Gebäude des Verfassers zusammenstürzen …” Aber gerade diesen Einsturz sehe ich nicht, denn weder Sergius von Radonega noch Franz von Assisi waren Theologen. Außerdem hatten die Mahatmas in Ihren ”Briefen“ nicht die außergewöhnlichen Geistwesen oder die vereinzelt erleuchteten Geister unter den Theologen im Sinn, die heute noch unter dem Kirchenbann stehen, sondern sie meinten den Großteil der Theologen, die sich die Macht anmaßten zu belohnen und zu bestrafen. Sie sind nämlich die Nachfolger jener Mehrheit, die an der Herausgabe der Edikte, der Konzile beteiligt waren, die zu Dogmen der gegenwärtigen Kirche wurden. Und das erstaunlichste dieser Dogmen ist jenes, das Gott vom Universum trennt oder Ihn von der Materie absondert. Der östliche Pantheismus wird vor allem von unseren Geistlichen gehaßt. Es freute mich zu hören, daß es unter ihnen einige gibt, die die Herrlichkeit des Pantheismus, der der östlichen Philosophie zugrunde liegt, mit ihrem Bewußtsein erfassen können. Aber wenn jene, Ihnen bekannten aufgeklärten Geistlichen Gott als das in allem vorhandene Göttliche Prinzip auffassen, so möchte ich wissen, wie sie sich zum Alleinigen eingeborenen Sohn und dem zweiten Aspekt der Dreieinigkeit sowie der Unbefleckten Empfängnis verhalten? Ich korrespondiere mit einigen Erzbischöfen, und es würde mich interessieren, auch den Standpunkt Ihrer aufgeklärten Theologen kennenzulernen.

       3. ”Unsere Vorstellungen über das Böse. Das Böse hat keine Existenzberechtigung und ist nur das Nichtvorhandensein des Guten …” Und später klingt in Ihrer Frage in einigen Beispielen Ihre Bestürzung durch. Ich möchte Sie daran erinnern, daß Sie den Wunsch äußerten, wegen der höchsten Philosophie zu Füßen des Meisters zu verweilen, doch Sie bemühen sich kaum, dazu das nötige Wissen zu erwerben. Ohne grundlegende Vorbereitung kann man nicht an die höhere Mathematik herangehen; ebenso kann man höhere Philosophie nicht in alltägliche Diskussionen einbeziehen. Um obige Feststellung über das Böse zu verstehen, muß man sich das östliche Denken völlig zu eigen machen und die Grundprinzipien in sich aufnehmen, nämlich die Existenz der EINEN (ABSOLUTEN) TRANSZENDENTALEN REALITÄT, ihren dualen Aspekt in dem geoffenbarten Universum, und das Illusorische oder die Relativität alles Offenbarten.

       Wenn Sie über diese Begriffe nachdenken, werden Sie verstehen, warum es Böses als solches im höheren Aspekt des vollkommenen Seins nicht geben kann. Unvollkommenheit oder Relativität wird nur in der ewigen Bewegung der Kräfte des Lichts als die EINE – EWIGE REALITÄT wahrgenommen. Sie werden erkennen, daß es nur an unserem Bewußtsein liegt, daß alle Erscheinungen die eine oder andere Färbung und die eine oder andere Eigenschaft erhalten. Es gibt so viele Wissensgrade und Eigenschaften von Erscheinungen, als es Bewußtseine gibt.

       Aber lassen Sie uns auf die Ebenen herabsteigen, die uns am nächsten liegen. Unzweifelhaft besteht das Böse in der Welt des Menschen, und es entstand mit dem ersten Aufleuchten des Bewußtseins. Unvollkommenheit des Bewußtseins zusammen mit Willensfreiheit ließen alle Arten des Bösen entstehen. Und der Begriff Opfer kommt der ersten Erscheinung des Bösen gleich. Ebenfalls ist es wahr, daß es bewußte und unbewußte Opfer gibt. Aber dem von Ihnen gegebenen Beispiel stimme ich nicht zu. Sicherlich, in der üblichen Auslegung könnte man meinen, daß es ein Opfer der Bosheit und Unwissenheit gibt, aber der Mensch, der die Wirkung unabänderlicher kosmischer Gesetze kennt, wird auch erkennen, daß man ein Opfer seiner eigenen früheren Missetaten sein kann. Wahrhaftig, jede Erscheinung hat mehrere Aspekte und wird daher unvermeidlich relativ.

       4. ”Mit anderen Worten, wir glauben allein an die Materie …” und auch: ”Nur so und nicht anders stärkt und verfeinert sie jene geheimnisvollen Bande der Sympathie zwischen intelligenten Menschen, diese zeitweise getrennten Bruchstücke der Weltseele und der kosmischen Seele selbst, versetzt sie in Entzücken und bringt sie zur Einheit. Wird dies einmal angenommen, dann werden diese erweckten Sympathien wahrlich dazu dienen, den MENSCHEN mit dem, was ich in Ermangelung des europäischen wissenschaftlichen Wortes gezwungenermaßen mit mehr kompetenten Gedanken auszudrücken versuche, als jene energetische (dynamische) Kette, die den materiellen Kosmos verbindet.” ”Immaterieller Kosmos – welcher Unsinn? Das ist wahrhaftig vernünftige Materie und endet mit einem Gebet nach Ruhe für die Seele …” Soweit Ihre eilige Schlußfolgerung.

       Sie sind ungehalten, weil es Ihnen widersprüchlich erscheint, aber ist es wirklich so schwer, den Standpunkt des Ostens, daß Geist und Materie dasselbe sind, zu erfassen? Daß Materie nur eine Differentiation des Geistes ist und daß Geist, der Materie beraubt, nicht in Erscheinung treten kann, oder mit anderen Worten, nicht besteht? Wir können uns tatsächlich weder in Tätigkeit noch in Gedanken von der Materie lösen; wir wenden uns immer der gleichen Materie des höchsten oder gröbsten Aspekts zu. Materie oder die feinste Substanz – Geistmaterie – ist in den Differenzierungen ihrer sichtbaren und unsichtbaren Erscheinungen unbegrenzt, doch allein mit reinem Geist kann man nicht wirken. Unwissenheit trennt und löst alles, das große Wissen des Ostens hingegen vereint und führt alles zur Synthese. Das westliche Bewußtsein hat sich im Lauf von Jahrtausenden daran gewöhnt, alles dermaßen in Materielles und Immaterielles oder Physisches und Geistiges zu teilen, daß es schwer ist, in Gesprächen mit westlichen Menschen deren Terminologie völlig auszuschließen. Der Verfasser des von Ihnen besprochenen Briefes müßte sich genau der westlichen Mentalität des vergangenen Jahrhunderts anpassen, was nicht nur durch die Annahme neuer Begriffe Schwierigkeiten bereitet, sondern auch durch die Annahme der geeigneteren Terminologie der alten Begriffe. Was die von Ihnen angeführte Stelle betrifft, so bedienen wir uns anstatt des Ausdrucks ”immaterieller Kosmos“ der modernen Sprache und sagen der ”Kosmos der feinen Substanzen oder Energien“. In der heutigen Energetik des Universums hat Materie ihre ”Grobstofflichkeit“ verloren. In der Wissenschaft des Gedankens im Bereich der Philosophie war und ist der Osten unser Lehrer.

       Sie sind durch das Wortgefüge des Autors ”Wird dies festgestellt …” verwirrt, aber alle vorhergehenden Feststellungen in diesem Brief erklären das ”dies“ tatsächlich. Gerade auf der gleichen Seite des Briefes wird festgestellt, daß ein Schüler sich mit den elementaren Regeln der Arithmetik vertraut machen sollte, bevor er versucht, die höchsten Fragen des Euklid zu lösen. Und nur ein Fortschritt im Erfassen der elementaren Grundlagen des Heiligen Wissens wird ihn zum Verstehen des hohen östlichen Denkens führen. Und nur durch dauernde Festigung und Verfeinerung des Bandes der Sympathie, oder mit anderen Worten, durch Vereinigung der Bewußtseine der intelligenten und gelehrten Menschen kann gegenseitiges Verstehen bis zum Einklang erlangt werden. Nur dann werden ihnen die kosmischen Gesetze, die die physische Welt mit der feinstofflichen (oder dem ”Jenseits“) verbinden, offenbar. Harmonie ist das Gesetz der Höheren Welt. Der Mensch trägt drei Wesensarten in sich, und er muß alle drei vervollkommnen, um die irdische Evolution zu erfüllen und Vollendung zu erlangen. Und dies wird kommen, sobald er es lernt, durch diese drei Wesensarten auf allen drei entsprechenden Seinsebenen bewußt zu handeln.

       5. ”Die Natur ist weder gut noch böse; sie folgt nur unabänderlichen Gesetzen, wenn sie Leben und Freude spendet oder Leiden und Tod sendet …” Hier schließen Sie damit, daß, ”Wenn der Autor sagen will, daß Leben und Tod relative Zustände sind, es keinen Tod gibt, denn nach unserer Vorstellung sollte es kein Leben geben.” Wieder das gleiche; wenden wir uns daher nochmals dem bereits Gesagten zu: Um Relativität zu begreifen, muß man wissen, daß die Welt der Relativität das Ewige ES ist und daß jedwede Relativität immer durch Differentiation und durch die endlosen Umwandlungen oder Veränderungen in der perpetuellen Bewegung des geoffenbarten Seins entsteht. Könnten Sie den Tod als Austausch einer Hülle durch die andere bezeichnen, das Erwachen zu einer verfeinerten, erweiterten Tätigkeit? (Letzteres natürlich nur im Fall eines entwickelten und vergeistigten Bewußtseins.) Und die Begriffe, die Sie nennen: Devachan, Kama Loka und andere sind nur verschiedene Zustände unseres Bewußtseins.

       6. ”Die Natur hat für jedes Gift ein Gegengift … Der von einem Vogel verschlungene Schmetterling wird dieser Vogel …” Ich merke, daß Sie die kosmischen Gesetze nicht erfaßt haben. Zwar stimme ich Ihnen zu, daß es vom menschlichen Standpunkt aus in der offenbarten Natur viele Unvollkommenheiten und Grausamkeiten gibt. Aber in den meisten Fällen von Grausamkeit und Unausgeglichenheit in der Natur ist leider primär der Mensch, die sogenannte ”Krone der Schöpfung“, selbst schuld. Der Mensch ist zur Vervollkommnung aufgerufen, zur Mitarbeit, zum steten Geben. Aber statt dessen sehen wir, daß der Mensch seine ganze Kraft zwecks Uneinigkeit, Spaltung und Vernichtung einsetzt. Die Zusammenarbeit der Menschen mit der Natur ist gestört und das große Gleichgewicht verletzt. Könnten Sie vielleicht versuchen, die Ihnen grausam erscheinenden kosmischen Gesetze zu erklären, von Ihrem Gesichtspunkt aus, oder vom Gesichtspunkt des allbarmherzigen und allmächtigen himmlischen Vaters?! Wir kennen nur ein Gesetz: das Gesetz von Ursache und Wirkung.

       7. ”… und heute schneiden sich die Nachfolger Christi und Mohammeds im Namen ihrer Meister für deren Ruhm beziehungsweise ihre Mythen die Kehlen durch.” Sie geben doch wohl zu, daß der Niedergang der Religionsformen ein großes Übel ist? Stimmen wohl auch zu, daß die Religionssysteme das größte Blutvergießen verursachten und daß die meisten Diener der Religionsformen jeden Fortschritt der Wissenschaft unterdrückten und jeden mutigen Gedanken, der die Unermeßlichkeit des Wissens enthüllte, erstickten? Glücklicherweise sind jene geschichtlichen Chroniken noch verwahrt!

       Man muß auch verstehen, daß der Verfasser dieses Briefes nur die entstellten, abweichenden Religionsformen ins Auge faßte und nicht die Grundlagen der Lehren der Großen Lichtträger. Sie werden mir doch beipflichten, daß einige festgesetzte Dogmen und Handlungen der Kirchenvertreter sehr oft – und das bis heute – nicht dem Geist der Lehren ihrer Gründer entsprechen. Sicherlich, wir sollten nicht zurückgehen in die Geschichte der Konzile, bis zur Verfolgung solch großer Kirchenväter der Christenheit wie Origenes, Clemens von Alexandrien, Johann, das Goldene Sprachrohr, Gregor, Athanasius des Großen und anderer durch ihre unwissenden Kollegen! Sollten wir in unseren Erinnerungen die päpstlichen Chroniken mit all den Schrecken der Inquisition und der Bartholomäusnacht wieder erstehen lassen? Gleicherweise wollen wir nicht zurückdenken an die Vernichtung der buddhistischen Tempel und Gesellschaften sowie an den Mord an Buddhisten, Brahminen, Mohammedanern und Chinesen oder an die Feindschaft zwischen Hindus und Moslems, die wegen einer geschlachteten Kuh oder eines in den Tempel geworfenen Schweins jährlich viele Leben dahinrafft! Aber all das dauert an und wird sich fortsetzen, solange die besten Gemüter unter den Geistlichen nicht erkennen, wo und wie grausam sie gegen die Bündnisse der Großen Lehrer und Gründer verstoßen. Das Bewußtsein der Menschheit kann nicht ungestraft in den Fesseln der Unwissenheit niedergehalten werden. Der menschliche Geist wird früher oder später erwachen, aufbegehren und alle Fesseln abstreifen. Rückblickend können wir die profunden Gründe, die den Niedergang der alten Welt bewirkten, herausfinden. Das Ersticken des Geistes, wie es in bestimmten Ländern vor sich geht, führte zwangsläufig zu Wahnsinnstaten. Der Gedanke ist die Krone der Schöpfung, und seine Abtötung ist das größte Verbrechen. Verfolgt erkannten die besten Kirchenväter dies seit langem und erklärten, daß ”Unwissenheit die Hölle” sei.

       8. Sie sind ungehalten darüber, daß im KELCH DES OSTENS das ”Höchste Mysterium“ nicht enthüllt wird. Denken Sie jedoch selbst darüber nach – kann man angesichts der Unbegrenztheit das Höchste Mysterium erfassen? Und wo ist jene Synthese und jenes reine Bewußtsein, das die Schönheit des Höchsten Seins aufnehmen kann? Einem unreinen und groben Bewußtsein sind die feinsten Begriffe und Gefühle nicht zugänglich, es wäre geblendet durch die Annäherung an sie. Mysterien, und nicht einmal die höchsten, werden nur durch Geistesflüge enthüllt. Mögen daher Ihre Flügel wachsen!

       9. ”Wenn wir die Welt von der Kenntnis unseres Wissens für Generationen ferngehalten haben, so ist es ein Beweis für ihre absolute Unfähigkeit …” Dazu fragen Sie: ”Wer sollte die Welt vorbereitet haben?” Darauf will ich Ihnen antworten: Die äußersten Anstrengungen des menschlichen Geistes zwecks Erkenntnis der großen Wirklichkeit. Die Höchsten Geistwesen haben auf der Erde inkarniert, um das Bewußtsein der Menschheit zum Verstehen der kosmischen Gesetze zu führen, was völlige Zusammenarbeit mit den zeitweise getrennten Teilen der Einen Weltseele erfordert. Aber der freie Wille des Menschen trieb ihn auf den Pfad beschränkter, isolierter Selbstsucht, zur völligen Entzweiung und zum Ruin.

       Weiter zitieren Sie: ”… und wenn, ungeachtet aller Beweise, sie (die Menschheit) sich noch weigert, die Offenkundigkeit zuzugestehen …” und gleichzeitig stellen Sie die Frage: ”Beweise, worüber, welche, wo und wann?” Dazu möchte ich Ihnen sagen: Machen Sie sich mit der Geschichte der Entwicklung menschlichen Bewußtseins und Denkens selbst vertraut aus den Schriften der höchsten Geistwesen, die oft mit ”ehrenvollen“ Titeln wie Häretiker und Scharlatane bedacht wurden. Ihr letzter Satz: ”… dann werden wir am Ende dieser Runde ausscheiden.” Hier spüren Sie eine Drohung, und wie Sie erklären, eine unverdiente. Doch zum ersten besteht keine Drohung darin, daß die Hohen Lehrer die freiwillige Abweisung des höheren Wissens seitens der Menschheit hinnehmen werden. In diesem Falle würden die Meister ihr Wissen und ihre Energien für das Wohl anderer Menschheiten auf anderen Planeten einsetzen. Ich meine, wenn man nur etwas in das Ganze eindringt, kann man sich vorstellen, welchem Ende alles zusteuert. Und wir wissen auch, daß es keine Wirkungen ohne Ursachen gibt; was waren diese Ursachen und wo finden wir sie?

       Nur ein voreingenommenes Bewußtsein kann in den von Ihnen zitierten Worten eine Bedrohung vermuten. Wäre dem so, dann könnte man jedes Warnzeichen bei einem Bahnübergang (Achtung auf den Zug) u. dgl. als Bedrohung ansehen. Ein freies Bewußtsein wird begreifen und jede Warnung dankbar entgegennehmen. Zum Schluß Ihres Briefes schreiben Sie: ”Dieses Buch erweckt vor allem den Eindruck als wäre es von Leuten verschiedener geistiger Entwicklungsstufen geschrieben worden; ist es jedoch von einer Person geschrieben worden, so von einer, der jedes Wissen ermangelte und die ganz selbstbewußt die aufgepickten Krumen des Wissens auf einen Faden auffädelte, als wären es Perlen verschiedener Größe, Farbe und Werte …” Ihre eigene Ausdrucksweise gebrauchend, könnte ich sehr wohl sagen, daß Sie in diesem besonderen Fall jene für Ihre eigene Krankheit tadeln. Es ist unerlaubt, den Großen Lehrern der Menschheit seine eigene Unwissenheit und den Mangel an Verstehen zuzuschreiben.

       Das betreffende Buch wurde von den Höchsten Geistern geschrieben; unvorbereitete Bewußtseine täten jedoch besser daran, es nicht zu berühren, denn das endet in nichts anderem als in Gotteslästerung. Man kann vieles nicht wissen und einen Großteil nicht verstehen, – das ist kein Verbrechen, aber zu lästern, das ist unentschuldbar. Wer überall Widersprüche sieht, außer in seinem eigenen Bewußtsein, enthüllt nicht nur seine eigene Unwissenheit, sondern auch seinen Eigendünkel.

       So pflegte der Große Buddha bei der Wahl seiner Schüler, sie auf ihre Begriffsfähigkeit hin zu prüfen, als wären sie Gegensatzpaare. Konnte ein Schüler diese Fähigkeit nicht nachweisen, zog Buddha ihn für weiteres Wissen nicht heran, da dies nicht nur nutzlos, sondern sogar schädlich gewesen wäre. Das Vertrautsein mit der Wirklichkeit wird nur auf dem Wege ewigen Wandels und durch Gegenüberstellung von Gegensatzpaaren erlangt.

       Sie werden nach dem Lesen meines Briefes wahrscheinlich empört sein, doch ich bin an die Tatsache gewöhnt, daß jene Leute, die feine Geschichten erzählen und damit alle möglichen Lästerungen über das Höchste, Heiligste und Teuerste von sich geben, zu Feinden werden, wenn man sie zurechtweist. Es liegt mir nicht, scheinheilige, süße Worte auszusprechen, um persönliche Schmähungen zu übertünchen. Gleicherweise liebe ich keine billige Sentimentalität, die jede Lüge beflügelt und zur Brutstätte der Ungerechtigkeit wird.

       11. Juni 1937

       Jeder Beweis der Einigkeit ist eine große Tat, und ihre Auswirkungen sind mit irdischen Maßstäben schwer zu messen. So möchten wir aus tiefstem Herzen allen jenen unsere Dankbarkeit aussprechen, die uns geistig nahestehen und am Tage des Festes der Einigkeit ihre besten Gedanken übermittelten. LICHT und FREUDE allen, möge in Einigkeit – Selbstlosigkeit den Lebensweg jedes wahren Dieners des Guten zieren. Wir sind glücklich, daß Ihre Gruppe so rührig und aktiv ist. Das Wichtigste ist, die Wasser umzurühren; nur dann werden Möglichkeiten geboren. Oft erwartet man ein ganz bestimmtes Ergebnis, doch man muß bedenken, daß dieses – wie man enttäuscht sieht – nicht immer eintrifft, sondern dafür in eine andere, nicht minder wichtige Richtung neue Möglichkeiten gesät werden. Daher wollen wir wachsam sein und die Möglichkeiten ergreifen, die uns durch unsere Taten zugeführt werden, sei es durch Begegnung mit Menschen oder anderes. Leben bedeutet Tätigkeit, Stagnation bedeutet Zersetzung. Daher seien jene gesegnet, die der Tat zustreben.

       Und nun komme ich zu Ihren Fragen. Sie wollen mehr über psychische Energie wissen.

       Wie bekannt, ist die psychische Energie die URENERGIE; daher schließt sie alle anderen Energien, die nur ihre Differenzierung sind, mit ein.

       So ist Parafohat die fundamentale oder ursprüngliche psychische Energie in ihrem höchsten kosmischen Aspekt, und ihr nächster Aspekt im geoffenbarten Universum ist Fohat. Dieselbe als Lebenskraft offenbarte psychische Energie ist überall als Prana verstreut. Die Zeit ist gekommen, um die Bedeutung der Urenergie in eine Einheit zu bringen.

       Hier ein Paragraph aus der LEHRE: ”Zweifellos seid ihr oft gefragt worden, wie man die psychische Energie entwickelt und ihren Nutzen erkennt. Jedoch oft ist schon gesagt worden, daß das Herz, das die höhere Lebensqualität anstrebt, der Leiter der psychischen Energie sein wird. Keine gewaltsame, herkömmlich beschleunigte Beweglichkeit zur Entwicklung der Herztätigkeit ist von Nutzen. Das Herz ist ein sehr unabhängiges Organ; man möge ihm die Freiheit zum Guten geben und es wird sich mit Energie füllen. Ebenso können die Früchte der vereinten Energie nur in harmonischer Gemeinschaft sichergestellt werden. Dafür ist es aber unumgänglich zu verstehen, was Übereinstimmung bedeutet” (Bruderschaft, § 290).

       Psychische Energie ist Heiliger Geist; psychische Energie ist Liebe und Streben; psychische Energie ist die Synthese aller Nervenausstrahlungen; psychische Energie ist das große AUM. Daher trägt vor allem unerschütterliches Streben zur Vervollkommnung und zum Licht in allen seinen Erscheinungen zur Entfaltung dieser lebenspendenden Energie bei. Denken Sie an den § 55 aus dem Buch GEMEINSCHAFT: ”Streben ist das Boot des Archaten … Streben ist der Schlüssel zu allen Höhlen … Streben ist die Zahl der Sterne.” Ich liebe diesen Paragraphen so! Man kann sagen, daß überall dort, wo es kein Streben gibt, es auch keine erhabene psychische Energie gibt.

       Sie haben recht, psychische Energie kann man sich nur aneignen, wenn die Nervenzentren bereit sind, sie aufzunehmen. Sie kann weder aufgezwungen noch abgerungen werden. Man kann eine bestimmte Menge seines eigenen Vorrats anderen Personen übermitteln, aber nur, wenn diese sie aufnehmen können. Das erklärt viele Wunderheilungen. Gleichfalls bedarf psychische Energie der Kraft aus dem Raum, aber nur, wenn sie bereits die Eigenschaft der Anziehung besitzt. Alle Phänomene, wie Telepathie, Gedankenübertragung auf Entfernung, Hypnose, Heilen, Hellsehen, Hellhören, Psychometrie u. dgl. stehen in Zusammenhang mit den Erscheinungen verschiedener Eigenschaften der psychischen Energie. Man muß auch daran erinnern, daß die Eigenschaften der psychischen Energie in ihrer Vielfalt unbegrenzt sind.

       Kundalini ist die gleiche Lebenskraft der psychischen Energie, die über das Zentrum am Ende des Rückgrats wirkt. Aber bei hochentwickelten Geistern offenbart sie sich über das Herz. In vergangenen Jahrhunderten wurde dem Zentrum Kundalini im Hinblick auf die sichtbaren Ergebnisse der wirkenden psychischen Energie besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Aber in der kommenden Epoche, in der die Welten näher aneinanderrücken, wird besonders das Herzzentrum verstärkt werden. Die Tätigkeit über das Kundalini-Zentrum ist im irdischen Zustand überzeugend und real, wogegen es zur Erreichung der höheren Welten und für den Aufenthalt dort wichtig ist, die Herzenergie zu verfeinern. Aus diesem Grunde spricht die LEHRE soviel über das Herz, dieser ”Sonne der Sonnen“.

       Psychische Energie ist in der Vielfalt ihrer Eigenschaften und Erscheinungen unbegrenzt. Sie ist, wie alles im geoffenbarten Universum, dual in ihren Aspekten, d. h. sie kann sowohl zum Guten als auch zum Bösen verwendet werden. Daher kann man von ihr – entsprechend ihren sehr unterschiedlichen Eigenschaften zu Zeiten der Atlantis – auch in der Zeit der kommenden Epoche verschiedene Erscheinungen erwarten. Jedenfalls ist zu hoffen, daß infolge des Erwachens höherer Geistigkeit in der Menschheit, durch den Einfluß der neuen Raumstrahlen, die unseren Planeten jetzt erreichen, die höheren Erscheinungen oder Eigenschaften der psychischen Energie vorherrschen werden. Alles hängt von der geistigen Entwicklung des Menschen ab, von der Beschaffenheit seines Herzens.

       Nun zu Ihrer nächsten Frage: ”Wie sind die Worte im Johannes-Evangelium zu verstehen: ‚Wem immer ihr die Sünden nachlasset, dem sind sie nachgelassen, wem immer ihr sie behaltet, dem sind sie behalten‘ (Joh. 20:23)?” Offensichtlich sind diese Worte nicht genau überliefert. Wahrhaftig, es ist unmöglich, anzunehmen, daß die Evangelien, deren erstes vor beinahe 100 Jahren nach dem Tod Christi geschrieben wurde und später alle durch die Zensur so vieler eifriger Hände gegangen sind, den Gedanken Christi klar bewahrten. Jedoch lege ich diesen Ausspruch folgendermaßen aus: Wenn wir dem Schuldigen vergeben, so belasten wir sein Karma nicht zusätzlich. Hegen wir hingegen Groll und Unversöhnlichkeit in uns, erschweren wir sein Karma noch mehr und nützen dabei auch uns nicht, ganz im Gegenteil!

       Denken wir daran, was im Buch ”Bruderschaft“ (§ 445) gesagt ist: ”Um den Begriff Vergebung hat sich viel Unverständnis angesammelt. Wer jemandem vergeben hat, meint, er hätte etwas Außergewöhnliches vollbracht, dabei hat er nur sein eigenes Karma vor Erschwernis bewahrt. Der, dem vergeben wurde, denkt, daß alles getilgt sei, das Karma jedoch bleibt bestehen. Freilich, derjenige, der vergibt, mischt sich in das Karma dessen, dem er vergibt, nicht ein und erschwert es somit auch nicht, aber das Karmagesetz bleibt für beide geltend. Die Herren des Karma können dies bis zu einem gewissen Grad ändern, wenn das Feuer der Läuterung hell auflodert, doch diese Flamme kann nicht leicht entzündet werden. Zur Entfachung des Feuers sind große Opfer gebracht worden. Das Gedenken an solch aufopfernde Taten muß man würdigen. Schönheit lebt in solchen Rufen. Weder Zeit noch menschliche Wirren können die Rufe nach Selbstaufopferung ersticken. Die Gebote der Bruderschaft besagen dasselbe. Es ist schön, wenn der durch Zeitalter bestehende Begriff auch jetzt nicht vergessen wird. Weisen wir selbst geringes Verständnis für den überirdischen Pfad nicht zurück.”

       Wenden wir uns wieder Worten im Johannes-Evangelium zu, die oft mit den Worten aus dem Matthäus-Evangelium (18:18) gemeinsam zitiert werden: ”Wahrlich, ich sage euch, was immer ihr auf Erden bindet, wird auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden löset, wird auch im Himmel gelöst sein.” Wirklich, das sind die Worte, nach denen die Kirche die Nachfolge der Apostel für sich in Anspruch nimmt und auf die sie die Macht zu vergeben und zu bestrafen gründet, einschließlich Exkommunikation. Ich habe darüber schon geschrieben und daher möchte ich diese Zeilen jetzt für Sie wiederholen: ”Um die oben erwähnten Worte Christi richtig zu verstehen, muß man die vorausgehenden Verse im selben Kapitel (Matth. 18:15) lesen. Wahrhaftig, der 18. Vers ist sozusagen die Moral, die aus dem obigen Gleichnis hervorgeht, denn er weist deutlich auf die Wirkung des Karmagesetzes hin. Wahrlich, wir müssen unsere Auseinandersetzungen mit unseren Nächsten hier auf Erden schlichten, in der Feinstofflichen Welt ist das nicht möglich. Denn wir ernten in der Feinstofflichen Welt, was wir hier säen. Aus diesem Grunde sollten wir immer versuchen, soviel Karma als irgend möglich zu tilgen, – mit anderen Worten, unsere Beziehungen zu anderen zu schlichten, solange wir hier auf der Erde weilen. Warum sollte die Anrede ”ihr“ im 18. Vers sich allein auf die Apostel beziehen und nicht auf die Menschen im allgemeinen? Sicherlich, es ist nicht schwer zu begreifen, warum diese Worte so ausgelegt wurden, als wäre den Aposteln von Christus das Recht verliehen worden, zu ”binden und zu lösen“ oder anders gesagt, zu bestrafen und zu vergeben …

       Wirklich, selbst das Höchste Geistwesen kann keine Sünden vergeben, weil dies dem Karmagesetz widerspräche. Es könnte Karma bis zu einem bestimmten Grad erleichtern, aber das ist alles. Wenn der Mensch der alleinige Schöpfer und Vollstrecker jedes seiner Motive, all seiner Gedanken und Taten ist, wer könnte dann überhaupt in seinem Wesen etwas ändern, folglich an seinem Schicksal, ohne seinen unmittelbaren Willen? Der Hohe Geist kann nicht mehr tun, als uns in unseren Anstrengungen zu unterstützen, um unser inneres Wesen zu wandeln. In allem ist in erster Linie Zusammenarbeit erforderlich.”

       Zum Abschluß meines Briefes würde ich Sie bitten, von Zeit zu Zeit alle jene, die sich der LEHRE angeschlossen haben, daran zu erinnern, daß Prüfungen, wie Sie wissen, unvermeidlich sind. Wahrlich, die Schüler müssen die Geisteskraft aufbringen, die Feinde zu bewältigen, die allerdings vor allem in uns selbst zu suchen sind, in Form von noch nicht ausgelebten Leidenschaften und Gewohnheiten. Unter dem Druck äußerer Umstände und Verhältnisse erwachen diese in unserem Herzen und vergiften unser Bewußtsein.

       Weisen Sie Ihre Freunde auf folgende Paragraphen im Buch BRUDERSCHAFT hin. (483): ”In den Gemeinschaften des Altertums wurde jeder, der sich einer Prüfung unterzogen hatte, beglückwünscht. Man behandelte ihn fürsorglich, denn es war bekannt, daß es unerläßlich war, den Prozeß seines Erlebens gewaltsam zu unterbinden. Jede Prüfung wurde als Schwelle zum Fortschritt betrachtet. Niemand konnte den Verlauf der Wirkungen verwirren, doch brüderliche Ermutigung half ihm, seinen Schritt, selbst vor den schrecklichsten Bildnissen nicht zu verlangsamen. Natürlich, das in seiner entsetzlichen Häßlichkeit unvermeidliche Chaos versucht, den Pfad jedes Geprüften zu behindern. Mögen jedoch diese Bildnisse schrecklich sein – die Erscheinung des Entsetzlichsten ist an sich der Vorbote des Endes der Prüfung.”

       (529): ”Gewohnheit ist die zweite Natur, besagt ein weises Sprichwort und verdeutlicht, wie sehr Gewohnheit den Menschen beherrscht. Gerade Gewohnheiten machen den Menschen unbeweglich und unempfänglich. Gewohnheiten kann man unterdrücken, aber es ist schwer, sie auszumerzen. Man kann immer wieder Menschen begegnen, die sich rühmen, die Gewohnheiten besiegt zu haben. Beachtet jedoch den Alltag dieser Sieger und ihr werdet finden, daß sie Gewohnheitssklaven sind. Sie sind von Gewohnheiten derart befallen, daß sie gegenüber der Last dieses Jochs sogar unempfindlich sind. Besonders tragisch ist es, wenn ein Mensch meint, von Gewohnheiten frei zu sein, in Wirklichkeit aber an sie gefesselt ist. Es ist äußerst schwierig, einen Kranken zu heilen, der seine Krankheit leugnet. Jeder kennt solche unheilbaren Menschen. Doch um den Begriff Bruderschaft in sich aufzunehmen, ist es unerläßlich, vorhandene Gewohnheiten zu meistern. Wenn Wir von Gewohnheiten sprechen, so meinen Wir nicht den Dienst am Guten, sondern die kleinen Gewohnheiten der Selbstsucht.

       Bei Uns ist es Brauch, jene, die sich der Bruderschaft nähern, durch das Ablegen der Gewohnheit zu prüfen. Diese Prüfungen müssen unverhofft erfolgen. Am besten ist es, mit kleinen Gewohnheiten zu beginnen. Der Mensch neigt oft dazu, diese stärker als etwas anderes zu verteidigen. Man betrachte sie gleichsam als Geburtsmerkmale, als natürliche Eigenschaften. Aber Neugeborene haben keine Gewohnheiten. Atavismus, die Familie sowie die Schule fördern das Einwurzeln von Gewohnheiten. In jedem Fall ist eine alltägliche Gewohnheit ein Feind der Evolution.”

       19. Juni 1937

       Ich freute mich zu hören, daß Sie sich mit der psychischen Energie und der Gedankenkraft befassen wollen. Zur Zeit sind das die dringendsten Fragen. Das Bewußtsein der Menschen muß geweckt werden zur richtigen Bewertung der Bedeutung des Gedankens. Die kommende Evolution beruht auf Zusammenarbeit und der Bedeutung des Gedankens. Versuchen Sie daher, soviel Material als möglich über praktische Errungenschaften auf dem Gebiet der Gedankenübertragung zusammenzutragen. Welch beachtenswerten Prüfungen in der Menschenkenntnis Sie unterzogen werden! Ich bin sicher, Sie werden diese Prüfungen siegreich bestehen.

       Laßt uns daher Weisheit erlangen, indem wir verschiedene Persönlichkeiten vergleichen. Erinnern wir uns an alle Persönlichkeiten, die bereits in kurzer Zeit Legende wurden. Üben wir Zweckmäßigkeit! Es heißt in der LEHRE, daß ein Mensch, der nicht weiß, was Angemessenheit ist, nicht als geistig gilt. Angemessenheit ist der Goldene Mittelweg.

       Mit Bezug auf Buddha sagte Vivekananda, daß das Herz der Hohen Geistwesen so weich ist wie Butter, aber sie es zu disziplinieren verstehen. Mit anderen Worten, Sie wissen, was Angemessenheit ist. Wahrlich, Sie werden von Angemessenheit geleitet. Angemessenheit grenzt an Zweckmäßigkeit, die im ganzen Kosmos herrscht.

       Ich habe den beigelegten Brief durchgesehen und wäre dem Verfasser gerne behilflich, ihn über seine Gedanken in bezug auf Komplexität des menschlichen Wesens aufzuklären. Aber vorerst möchte ich hervorheben, daß die Buddhisten nicht behaupten, daß der Mensch ”DAS“ oder der vollkommene und ewige Gott sei. Diese Behauptung stammt von den Anhängern des Wedanta. Auch sollte man nicht meinen, daß das in uns vorhandene Göttliche Prinzip oder die Verbindung mit ihm Evolution sinnlos mache. Im Gegenteil, nur das Vorhandensein dieses ewigen Prinzips in uns ermöglicht Evolution, denn das gesamte Universum, alles Sein besteht nur durch dieses lebenspendende Prinzip. Wahrlich, die Vollkommenheit und Ewigkeit dieses Göttlichen Prinzips in seinem Potential sind die Gewähr dafür, daß sich der Mensch, sein Träger, ewig vervollkommnen kann. Indem die Wedantisten die Unwandelbarkeit und Vollkommenheit des Göttlichen Elements anerkennen, anerkennen sie auch die ganze Komplexität des menschlichen Wesens als Widerspiegelung des Universums – diesen Komplex der Komplexe. Der Makrokosmos befindet sich in einem perpetuellen Entfaltungsprozeß oder Werden, ebenso wie der Mensch, der Mikrokosmos, unermüdlich neue Möglichkeiten entdeckt und sammelt, eben wegen des in ihm vorhandenen ewigen Göttlichen Potentials. Die Buddhisten leugnen das Vorhandensein einer unwandelbaren Seele im Menschen und in allem Sein, denn sie sehen sowohl im Menschen als auch im gesamten offenbarten Universum Unbeständigkeit und Vergänglichkeit oder – nach der modernen Terminologie – die Evolution alles Seienden. Jedoch kein einziger gelehrter Buddhist, dessen ontologische Vorstellungen dem gegenwärtigen auf Energetik beruhenden Denken nahestehen, würde das Vorhandensein der Göttlichen Energie im Menschen, die grundlegend ewig und unwandelbar ist, leugnen. Daher ist es unwesentlich, ob wir diese Energie Gott, Geist oder Ewige Zeugenschaft oder eben Göttliches Feuer nennen, ihr herrlicher transzendentaler Sinn bleibt unverändert. Es ist von Nutzen, hier den § 275 aus dem Buch AGNI YOGA in Erinnerung zu bringen: ”Wedanta stellt richtig fest, daß der Geist unverletzlich bleibt. Das feurige Geisteskorn behält seinen ursprünglichen Bestand, weil das Wesen der Elemente unveränderlich ist. Doch die Emanation des Korns ändert sich in Abhängigkeit vom Wachstum des Bewußtseins. So kann man verstehen, daß das Geisteskorn ein Teilchen des elementaren Feuers ist. Und die um das Korn angesammelte Energie ist Bewußtsein. Das bedeutet, daß Wedanta sich mit dem Korn befaßte, während Buddhismus von der Vervollkommnung der Körper sprach. So vollkommen bedingen das Bewegliche und das Unbewegliche einander.

       Es ist durchaus verständlich, daß Buddha, der die Menschheit zur Evolution lenkte, das Wesen der Beweglichkeit aufzeigte, während Wedanta die Grundlage erklärte. Füget einer Flamme irgendeinen chemischen Bestandteil bei, und ihr werdet bemerken, daß sich ihre Farbe und Größe verändert; aber das ursprüngliche Wesen des Feuers wird unverändert bleiben. Ich sehe keinen grundlegenden Widerspruch zwischen Wedanta und Buddhismus.”

       So vergleichen die Wedantisten die Evolution des Menschen gerne mit einem Halsband – jede Perle davon ist eine der physischen Erscheinungen, aufgefädelt am Faden des Geistes. Richtiger jedoch ist es, sich diese Evolution vom Standpunkt der Buddhisten her als komplizierte Zusammensetzung vorzustellen, der mit jeder neuen Erscheinung auf der irdischen Ebene ein neuer Bestandteil hinzugefügt wird, der natürlich diese ganze Zusammensetzung verändert.

       Manch einer lehnt sich auf gegen die Teilung des Menschen in Geist und Materie. Sicherlich, in ihrem letzten Zustand sind Geist und Materie eins (Materie ist kristallisierter Geist); aber auf der Erscheinungsebene oder Differentiation wandelt sich alles, und je näher an der grobstofflichen Sphäre, um so schärfer wird die Differentiation oder Teilung. So ist in der Feurigen Welt Differentiation zwischen Geist und Materie fast unfühlbar, weil Materie der Erscheinung des Lichts bedarf, auf unserer irdischen Ebene erlangt sie jedoch leider eine ungeheuerliche Vergröberung. Die Komplexität des menschlichen Organismus macht es daher in vielen Fällen, um verstanden zu werden, notwendig, zu einer Teilung von Geist und Materie Zuflucht zu nehmen.

       In der irdischen Lebensspanne lebt und wirkt ein feurig entwickeltes menschliches Wesen auf zwei und sogar auf drei Ebenen; für jede Ebene hat es seine eigene entsprechende Hülle, und so ist es natürlich, daß jene Hülle, in der der Mensch auf der höheren Ebene wirkt, entsprechende Eindrücke erhält. Aber diese Schwingungen können wegen ihrer Feinheit nur in den seltensten Fällen vom groben Gehirn aufgenommen werden, weil das Gehirn der Spannung nicht standhalten kann. In Ermangelung entsprechender Begriffe in unserer Terminologie ist es daher üblich, vom Menschen als einem ”Geist“ zu sprechen, wenn er sich in seiner feinstofflichen Hülle offenbart, wohingegen die physische Hülle Materie genannt wird.

       Kennen wir außerdem nicht den KELCH der Aufspeicherungen, der in jeder Inkarnation nur teilweise in Erscheinung tritt? Und sind diese Aufspeicherungen des KELCHES nicht tatsächlich Wissen oder Energieablagerungen um das feurige Geisteskorn? Daher gibt es keine Widersprüche, ob wir nun sagen, daß der Mensch ein unvollkommenes geistiges Wesen ist, oder wenn wir bestimmte Aspekte des menschlichen Komplexes analysieren, so nehmen wir Zuflucht zur Teilung in höhere und niedere Erscheinungen dieses Komplexes.

       Wir wissen, daß der Geist ohne Materie nicht bestehen kann. Wo immer es Sein gibt, gibt es Materie, selbst wenn sie für uns gänzlich unsichtbar wäre. Und der Mensch ist genau ein Komplex von unbegrenzten Abstufungen in der Differentiation eines Elements – GEIST-MATERIE.

       Man muß immer die zwei grundlegenden Beweisführungen des Geheimen Wissens ins Auge fassen, nämlich 1. die Unteilbarkeit und Unveräußerlichkeit Gottes oder des Göttlichen Elements aus dem Universum, und 2. die Einheit des Grundelements Geist-Materie. Alle Mißverständnisse und Irrtümer kommen aus der Nichterkenntnis und der Nichtannahme dieser grundlegenden okkulten Thesen.

       Mit dem neuen Verstehen der Materie seitens der Wissenschaftler und infolge des Interesses an der Gedankenkraft wird die Lehre Buddhas in der kommenden Epoche ihren gebührenden Platz einnehmen. Wirklich, Buddhismus macht keinen Unterschied zwischen der physischen und der psychischen Welt. Die der Gedankentätigkeit zugeschriebene Wirklichkeit ist von derselben Rangordnung wie die Wirklichkeit von Dingen, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen.

       Stehen Sie als Krieger auf der Wacht, und denken Sie an die unvermeidlichen Prüfungen.

       2. Juli 1937

       Das gesamte Universum ist durchdrungen von dem Einen Göttlichen Element, dessen sichtbares und unsichtbares Sein sich in der ewigen nie aufhörenden Bewegung (Atem) offenbart, im ewigen Wechsel und im Entfaltungsprozeß dieses unermeßlichen, unnennbaren, ewiglich unerkennbaren Mysteriums aller Mysterien, alle neuen Differentiationen und Verbindungen hervorbringend.

       Der ganzen Schöpfung liegt ein starker Impuls oder das Streben nach Manifestation zugrunde. Es ist derselbe Impuls oder Durst nach Sein, der den Menschen zum Inkarnieren drängt. In seinem höchsten Aspekt ist es Göttliche Liebe und ebenso sublimierte menschliche Liebe. Im grauen Altertum wurde Kama, der Gott der Liebe, als der höchste Gott verehrt. Liebe ist der höchste Aspekt der Gottheit, und in Liebe und durch Liebe enthüllt sich jede seiner Offenbarungen. Der gesamte Kosmos wird durch den Kosmischen Magneten oder die Göttliche Liebe innerhalb der Seinsordnung aufrechterhalten. So sagen Sie Ihren Freunden, daß Göttliche Liebe alle Welten erschafft.

       Im Göttlichen Bewußtsein gibt es weder einen Anfang noch ein Ende, sondern nur das ewige SEIN. Genauso wie man sich nicht vorstellen kann, daß Unbegrenztheit einen Anfang hätte, so ist es ebenfalls unrichtig, von einem Schöpfungsbeginn zu sprechen. Kann der menschliche Verstand sich nur eines der Großen Manwantaren vorstellen, deren Zahl sich in Unbegrenztheit verliert? Aus der Heiligen Lehre können wir uns eine gewisse Vorstellung machen von der Entstehung unserer Planetenkette; und durch Analogie, mit Hilfe einiger vorhandener Hinweise, können wir versuchen, einen Schatten von dem ganzen Entstehen der Runde eines Sonnensystems zu erhaschen.

       Sie wissen auch, daß während der Zeit eines Pralaya oder der Erneuerung des Planeten oder Sonnensystems die Höchsten Wesenheiten (die Jakobsleiter), die gemeinsam die Kosmische Vernunft und das Schöpferische Element darstellen, Wache stehen und den künftigen Lebenszyklus des Sonnensystems planen. Sie Selbst werden die Hauptexekutoren dieser Pläne sein. Wie sonst könnten alle Legenden über das Pantheon der Götter oder der Avatare und Gottmenschen erklärt werden? In der Tat, das Hierarchische Prinzip ist das kosmische Gesetz, das führende Prinzip. Daher gibt es ein Höchstes Geistiges Wesen oder einen Hierarchen, der für die ganze Runde oder ein bestimmtes Manwantara die Verantwortung trägt. Nach menschlicher Vorstellung wird solch ein Hoher Geist im Sinne eines persönlichen Gottes oder gar Universellen Gottes verstanden.

* * *

       Über psychische Energie möchte ich nachfolgende Aussage aus dem Buch BRUDERSCHAFT zitieren: ”Zweifellos seid ihr oft gefragt worden, wie man die psychische Energie entwickelt und ihren Nutzen erkennt. Jedoch oft ist schon gesagt worden, daß das Herz, das die höhere Lebensqualität anstrebt, der Leiter der psychischen Energie sein wird. Keine gewaltsame, herkömmlich beschleunigte Beweglichkeit zur Entwicklung der Herztätigkeit ist von Nutzen. Das Herz ist ein sehr unabhängiges Organ; man möge ihm die Freiheit zum Guten geben und es wird sich mit Energie füllen. Ebenso können die Früchte der vereinten Energie nur in harmonischer Gemeinschaft sichergestellt werden. Dafür ist es aber unumgänglich zu verstehen, was Übereinstimmung bedeutet” (§ 290).

       So empfehlen Sie Ihren Schülern, im ganzen Leben die Verbesserung der Qualität anzustreben. Dies wird die besten Aufspeicherungen von psychischer Energie ergeben.

       Gefühlswissen nannte man früher Intuition. Gefühlswissen wird aufgebaut aus Aufspeicherung aus früheren Leben und wird im KELCH verwahrt. In der Tat, es ist kein unmittelbares Wissen, sondern Gefühlswissen, weil unser gesamtes Wissen primär auf Gefühl beruht. Es äußert sich stark im ganzen transzendentalen Erleben.

       Gefühlswissen wird zusammen mit der verstärkten Tätigkeit der psychischen Energie erweckt. Wie Sie wissen, ist alles im wechselseitigen Zusammenwirken verwoben und alles hängt voneinander ab.

       6. Juli 1937

       Nun zu Ihren Fragen:

       Selbstmörder halten sich gewöhnlich in den der Erde nächsten Schichten auf, weil sie die sie an die Erde bindende Energie noch nicht ausgelebt haben. Ihr Äther- oder niederer Astralkörper nimmt noch stark an den irdischen Empfindungen teil. Nur bei außerordentlich hohen Geistwesen löst sich diese niedere Hülle auf, solange sie noch irdisch einverleibt sind. Bewußtseinsklarheit dient solcher Verklärung. In der Tat, die der Erde nächstliegende Sphäre ist sehr grobstofflich, doch wenn der Geist während seines irdischen Lebens, wenn auch nur zeitweilig, dem Lichte zustrebte, wird es ihm gelingen (sofern er seinen Willen sammeln und lenken kann), auch in einem solchen Fall den Einfluß der Höheren Kräfte zu finden, und mit ihrer Hilfe kann er seine Lage verbessern. Aber meistens sind es gerade die Selbstmörder, die über die überirdischen Bereiche nicht nachdachten, und so sind sie unfähig zu begreifen, was mit ihnen geschah. War sein Bewußtsein während seines Lebens getrübt, dann wird diese Unklarheit nach der Trennung vom physischen Körper noch verstärkt werden. Das Bewußtsein in seinem höchsten Aspekt, psychische Energie, muß im irdischen Leben sehr klar und aktiv sein, damit die Eindrücke und Ablagerungen der Energien in die Zentren des feinstofflichen Körpers eingeprägt werden können; andernfalls bleibt nach dem Wechsel der Hüllen die menschliche Essenz in der Feinstofflichen Welt in einem Schlummerzustand.

       Psychische Energie ist beim Hinübergehen oder beim Wechsel von einem in den anderen Zustand absolut notwendig. Unsere psychische Energie trägt uns in jene Sphäre, die unseren Aufspeicherungen entspricht, und je stärker das Streben eines Geistes vor dem Tod ist, um so höher wird er aufsteigen. Und falls der fundamentale Vorrat und die Qualität seiner psychischen Energie es dem Geist nicht gestattet, sich in den höheren Sphären aufzuhalten, wohin ihn die letzte mächtige Woge trug, so wird er, wenn er sich dann in der seinen geistigen Errungenschaften entsprechenden Sphäre aufhält, dennoch jene geistige Erhebung für immer im Gedächtnis behalten. Das ist der Grund, warum man im Altertum um den letzten Augenblick auf Erden so besorgt war und versuchte, ihn freudvoll zu gestalten und zum Schönsten zu lenken. Jedoch die unglückseligen Selbstmörder unterbinden gerade den Strom ihrer psychischen Energie. Die Verzweiflung, die sie zu dieser Wahnsinnstat trieb, verursachte den totalen Abfluß der psychischen Energie, und daher wird sie der Macht der irdischen Anziehung ausgeliefert. Ihre Seelenqualen und Leiden werden bis zum Zeitpunkt des vorgesehenen Todes andauern. In Ausnahmefällen, sofern das Bewußtsein durch die schreckliche Verkettung der Umstände nur vorübergehend getrübt war, können diese Unglückseligen sich an das Licht erinnern und so in sich ausreichend Kraft entfalten, um sich der Höheren Hilfe zuzuwenden und nach Sühne zu streben. Daher wird ein inniges Gebet des Herzens an die Kräfte des Lichts für diese Gebrochenen nicht ohne Echo bleiben, vorausgesetzt jedoch, daß sie selbst danach streben, sich im Geiste zu erheben.

       Sicherlich, die niederen Wesenheiten unter den Selbstmördern können alle Art von Exzessen ausführen. Vampirismus ist kein seltenes Vorkommnis; die nicht ausgelebten, noch nicht umgewandelten Energien zerren sie mit starker Kraft zu den irdischen Empfindungen.

       Alles, was im KELCH DES OSTENS gesagt ist, beruht auf Wahrheit. Die Abtrennung der Monade bedeutet Verlust des Erinnerungsvermögens der Persönlichkeit, nicht jedoch der Individualität. Dagegen ist eine endgültige Abtrennung der Monade oder von den anderen Prinzipien des Menschen wirklich ein schreckliches Geschehen, das Ärgste was passieren kann, denn sie versperrt der Individualität die Evolution für viele Jahrtausende. Solch eine Monade wird sich ein neues Vehikel oder einen Leiter für sich aufbauen müssen und ist gezwungen, von neuem die ganzen niederen Formen zu durchschreiten.

       Sie wollen etwas über den Tod wissen oder besser über den Zustandswechsel. Darüber gibt es so viele Hinweise in den BÜCHERN DER LEBENDIGEN ETHIK. Welcher scheint Ihnen nicht klar genug? Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, daß man ernsthaft daran denken muß, daß die Qualität und die Dimensionen des irdischen Zustandes zur Klarheit des Bewußtseins in der Feinstofflichen Welt beitragen. Was immer hier noch nicht erkannt wird, wird auch in der Feinstofflichen Welt nicht erkannt werden. Schlummernde Bewußtseine bleiben solche auch in der Feinstofflichen Welt. Wir erlangen neue Energien für die Umwandlung nur durch Erwerb von Wissen hier auf Erden. Daher ist jedes Streben nach Wissen, jede Aufspeicherung besonders wichtig.

       Wenn wir hier auf Erden in unserem Ego nicht ein unwiderstehliches Sehnen nach Wissen einlagern, woher soll es in der Feinstofflichen Welt kommen? Hier herrschen Gedanken-Schaffenskraft und Geist-Schaffenskraft. Aber ist diese Gedanken-Schaffenskraft leicht? Denken muß man zuerst hier auf Erden lernen; denn es ist unmöglich, in der Feinstofflichen Welt jene Fähigkeit zu erwerben, die wir in unserem irdischen Leben mißachtet haben.

       Nach allem, was oben gesagt ist, dürfte Ihnen nun die fundamentale und entscheidende Rolle der Verfeinerung der psychischen Energie für den Körperwechsel verständlich sein.

 

 19. Juli 1937

       ”Berührt die Knoten des Schicksals vorsichtig … und bedecken wir den Lauf des Karma mit dem Eis des Verstehens.”

       Sie verstehen die Bedeutung dieser Worte nicht, aber mir erscheinen sie sehr klar. Der bessere Teil unseres Wesens kann uns helfen, einen alten Schuldner oder Gläubiger in unseren karmischen Begegnungen zu erkennen, und dann wird uns unser Gefühlswissen zur Vorsicht mahnen und entsprechendes Handeln einflößen. Doch gewiß, in den meisten Fällen berührt der Mensch gedankenlos seine vergangenen vielfarbigen Verstrickungen und gibt sich erneut diesen oder jenen Gefühlen hin, wodurch er sein altes Karma erschwert und in zahlreichen Existenzen hinter sich herschleppt.

       ”Der Lauf des Karma kann nur durch das Eis des Verstehens bedeckt werden”, oder mit anderen Worten, seine Wirkung kann gemildert oder sogar ausgeschaltet werden. Das erreichen wir durch die Umwandlung unseres inneren Wesens und durch die Annäherung an die Hierarchie des Lichts. Wirklich, die Hierarchie des Lichts hilft einem Schüler, die Begegnungen im Leben zu erkennen, damit er bei karmischen Rückerinnerungen seine Gefühle beherrscht und sich entsprechend verhält.

       ”Aber hütet euch davor, diesen Schleier durch Unverstand oder durch Grausamkeit, was unter Unserem Schild untersagt ist, zu zerstören.” Wenn uns der Höchste Hierarch die Bedeutung unserer Begegnungen verständlich macht, wir aber unfähig sind, unsere Gefühle zu beherrschen und ihnen freien Lauf lassen, das heißt, entweder durch sinnloses Geben oder Selbstaufopferung oder durch Grausamkeit, so werden wir uns selbst durch ein neues und noch schlimmeres Karma binden und so, vielleicht für viele Zeitalter, des Vorrechts der Annäherung an die Großen Lehrer berauben. Ein Mensch, der schwer mit Karma belastet ist, kann nicht zugelassen werden. Es kann ihm beigestanden werden, aber Annäherung ist etwas ganz anderes.

       Man sollte auch nicht meinen, daß die Höheren Kräfte uns Prüfungen senden. Das Leben selbst ist reich an Prüfungen; und entschieden sind die gefährlichsten Prüfungen jene, deren Wurzeln ins frühere Leben reichen. Die von den Großen Lehrern auferlegten Prüfungen oder besser ihr Wachen über das Benehmen und die Findigkeit des geprüften Schülers in allen Lebenserscheinungen besteht in vielfach unbedeutenden äußeren Erscheinungen. Jedoch bedeutend oder unbedeutend erscheint uns vieles nur nach unserer beschränkten irdischen Vorstellung.

       ”Da die Welten geprüft werden, und zwar jeder Teil von ihnen, kann man voraussehen, daß so mancher sich bei solcher Mutmaßung entsetzt. Aber nur unklugem Denken kann das willkommene Gesetz der Evolution ungelegen sein. Durch Erweiterung des Bewußtseins wachsen wir und man wird die unaufhörliche Bewegung liebgewinnen; oder wäre es vielleicht besser, in dem unveränderten Gefängnis von Fehlern und Irrtümern zu verharren? Im Gegenteil, es ist weit freudvoller, das ständige Prüfen zu fühlen, da es das Verantwortungsgefühl entstehen läßt. Bei jeder Zusammenarbeit auf dem Pfad zur Bruderschaft wird Verantwortlichkeit die Grundlage des Fortschritts sein” (Bruderschaft).

       Aber gibt es derer viele, die die Bedeutung der Verantwortlichkeit erkennen? Die Menschen sehen in der heiligen Verantwortung oft ihre größte Freiheitsberaubung.

       Ich freue mich über Ihren mutigen Geist! Eine vorüberziehende Sturmwolke, die Gott sei Dank keinen Schaden anrichtete, half Ihnen, die Tiefen Ihres Wesens zu erschauen, und jetzt werden Sie für neue Begegnungen besser gewappnet sein; diese werden Sie nicht mehr übermannen und Ihr Herz wird auf der Hut sein. Erinnern Sie sich meines Hinweises, daß auf dem Pfad die Menschenkenntnis eine unerläßliche herrliche Fähigkeit ist. Sie ist sehr schwierig, und wir werden oft vor viele bittere Augenblicke gestellt, aber wir müssen unseren Mut und Willen stählen und unsere Gefühle beherrschen.

       Man muß es lernen, jeder Person als dem X in einer Frage zu begegnen, jedoch gleichzeitig sind weder mißbilligende Verachtung noch Gleichgültigkeit zulässig. Wir treffen in unserem ganzen Leben, auf jeder Stufe, auf Widerstände und müssen mit ihnen fertig werden. Die Wissenschaft, die Widerstände zu bekämpfen und das Gleichgewicht zu finden, ist die größte Zucht auf dem Pfad zur Bruderschaft, die jeder üben muß.

       Streng ist der Pfad der Annäherung an die Bruderschaft. Irdische Freuden schwinden, jedoch viel höhere und tiefere Freuden nehmen ihren Platz ein. Doch man muß es lernen, ihnen gewachsen zu sein – der Freude der Nähe der Weißen Bruderschaft, der Freude der Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Ihr, der Freude steter Erweiterung und Vertiefung der Lebensauffassung sowie des Begreifens der wirkenden kosmischen Gesetze. Nicht gering ist auch die Freude des Kontakts mit harmonischen Herzen engster Freunde und Mitarbeiter.

       ”Könnten die Menschen doch erkennen, daß es eine sichtbare und unsichtbare Zusammenarbeit gibt, an der sie teilhaben können. Könnten die Menschen doch erkennen, wie sehr sie durch Zusammenarbeit mit der Bruderschaft ihre Kraft verstärken könnten. Würden sie über diese Zusammenarbeit, die sich jeden Augenblick enthüllen kann, doch wenigstens nachdenken! Aber die Menschen denken nicht nur nicht an die Bruderschaft, sondern sie erachten Gedanken an sie als lächerlich.

       Diese Kraft kann jeden Augenblick angewendet werden, man muß nur daran denken, daß es in den Höhen unaufhörliche endlose Arbeit der Hilfeleistung für die Menschen gibt. Allein dieser Gedanke schafft einen Energiezustrom. Er wird das Bewußtsein zum Dienst an der Menschheit vorantreiben. Er wird eingeben, daß Liebe zur Menschheit möglich ist. Wegen der irdischen Bedingungen ist es oft schwierig, sich die Möglichkeit solcher Liebe vorzustellen. Möge jedoch der Gedanke an das Vorhandensein der Bruderschaft dazu beitragen, das Herz zu öffnen. Dann wird Zusammenarbeit nicht als Pflicht erscheinen, sondern als FREUDE. Und die Schweißtropfen und heiligen Schmerzen werden das Wissen krönen.

       Betrachten wir diese Worte nicht als Abstraktion, denn solch eine Verneinung würde das beste Gefäß – das HERZ – verschließen. Jeder Schweißtropfen der Arbeit, jeder Schmerz um die Menschheit lebt im Herzen. Heil dem umfassenden Herzen!”

       So will ich meinen Brief in der FREUDE erhebender Mitarbeit beenden. Seien Sie erfüllt von dem Licht der Freude. Wandeln Sie den Pfad des Dienstes an der Menschheit und legen Sie in allem und für alle das Maß des höchsten Pfades an; verlieren Sie vor allem die Sicht der Angemessenheit nicht.

       31. Juli 1937

       Wir erhielten Ihren ausführlichen Brief mit den beigefügten Photographien und danken Ihnen für beides. Ihre Schilderung der Lage in den verschiedenen Gruppen und bestimmten Gesellschaftsschichten stimmt größtenteils mit dem überein, was wir ebenfalls von anderer Seite hörten. So ließ uns auch unser Vorgefühl seit langem alles von Ihnen geschilderte Unerfreuliche erahnen. Frank und frei möchte ich Ihnen sagen, daß es mich schmerzt, wenn sich die von Ihnen erwähnte Gruppe mit dem Lesen und der Auseinandersetzung über die BÜCHER DER LEHRE befaßt. Wenn die Menschen dieser Gruppe nicht jene Bewußtseinshöhe erlangt haben, sich miteinander zu vertragen, dann dürfen ihnen die BÜCHER DER LEHRE nicht zugänglich sein. Wie kann man in einer Atmosphäre von Mißtrauen, Reizbarkeit oder gar offener Feindschaft die ”Grundlagen der Ethik“ studieren? Wahrhaftig, man sollte die LEHRE und die hohen Begriffe vor Lästerung bewahren. Daher bitte ich Sie ernstlich, die LEHRE für sich zu behalten, und wenn diese Ihr Herz anspricht, über das Gelesene nur mit Ihren engsten Freunden Gedanken auszutauschen. Die LEHRE wird sich auf ”Unerforschlichen Wegen“ verbreiten. Aus allen Teilen der Welt gehen uns und unseren Freunden Briefe von harmonischen und entflammten Herzen zu. Warum sollten wir uns daher mit solch unzugänglichen Bewußtseinen belasten? Ist es nicht nützlicher, unsere Zeit und Kraft für jene aufzuwenden, die wirklich ein Wort der Erleuchtung benötigen? Wir wollen niemanden bekehren und nehmen nur jene auf, die freiwillig zu uns kommen. Möge jeder den für ihn nächsten Weg beschreiten.

       Zu Ihrer Frage: ”Warum weisen die Großen Lehrer nicht auf die vielen Irrtümer hin, die begangen wurden und weiter begangen werden?” Darauf möchte ich mit dem § 14 aus dem Buch ”Feurige Welt III“ antworten: ”Man fragt, warum Wir den falschen Quellen nicht Einhalt gebieten, warum Wir nicht jene ausschalten, die die Sendungen entstellen? Antwortet: Würde man den Strom, in dessen Sog die Menschheit vorantreibt, aufhalten, dann würde Fanatismus sich in Brutalität verwandeln. So fließt das Böse frei wie Lava und verschlingt alle, die sich gegen das Gute auflehnen, wie die Geschichte beweist. Sicherlich können gewaltsame Erscheinungen für die Menschheit keinen rechtschaffenen Weg bahnen. Daher können die feinstofflichen Energien nur von einem feurigen Bewußtsein aufgenommen werden. So ist Duldsamkeit wirklich das Los des feurigen Bewußtseins. Natürlich, angehäufter Kehricht muß beseitigt werden, und es ist das Schicksal des feurigen Bewußtseins, die Mitteilungen aus dem Raum zu läutern. Unter den angehäuften Seiten menschlicher Schriften wird man jene verderblichen Mitteilungen beachten müssen, die sogar das Gehirn wohlgesinnter Menschen getrübt haben. Darum muß man auf dem Pfad zur Feurigen Welt die große Bedeutung der Wahrnehmung der höheren Energien und der feinstofflichen Sendungen erkennen.”

       Lesen Sie auch die §§ 11, 12 und 15 desselben Buches.

       Sie fragen, warum die Großen Lehrer nicht auf die Bedeutung der NEUEN LEHRE hinweisen? Sie weisen für jene darauf hin, die sie aufnehmen können. Dazu muß man über ein aufgeschlossenes Bewußtsein verfügen. Dringen Sie in die Lehre ein und vieles wird Ihnen verständlich sein. Jede Frage wird von vielen Seiten her beleuchtet.

       Ja, die LEHRE DER LEBENDIGEN ETHIK gründet auf der VEREHRUNG DER HIERARCHIE des Lichts und auf Anerkennung der hohen Autorität des Lehrers. Und je höher der Geist, desto weiter und höher sein Verstehen des großen HIERARCHISCHEN Gesetzes. Ich werde nicht müde zu wiederholen, daß das HIERARCHISCHE PRINZIP das kosmische Gesetz ist. Das ganze Universum wird von diesem Gesetz durchdrungen und durch dieses Prinzip aufrechterhalten. Jede Form im Universum hat in ihrer Grundlage einen Kern, und jedes strebende Zentrum besteht auf dem Hierarchischen Prinzip. Im Kosmos ordnet sich das Niedere dem Höheren unter. Darauf beruht die Evolution. In den BÜCHERN DER LEHRE heißt es: ”Von allen führenden Prinzipien ist das der HIERARCHIE das mächtigste. Jedes offenbare Verschieben vollzieht sich nach dem Hierarchischen Prinzip. Wohin kann sich der Geist ohne Führende Hand wenden? Wohin können das Auge und das Herz sich wenden ohne Hierarchie … Das Geisteskorn ist vom Kosmischen Strahl des Hierarchen durchdrungen …” Wahrlich, das Merkmal der Zugehörigkeit zur sechsten Rasse wird die Annahme des Gesetzes der Höchsten Führerschaft sein, die Annahme der Hierarchie in ihrem ganzen Umfang.

       Überlasset die Menschen ihrer eigenen uneingeschränkten Herrschaft, und sogleich wird sich eine fürchterliche Involution durchsetzen. Heute lehnen sich die Menschen im Westen besonders gegen jede Autorität auf, weil sie fürchten, ihre Individualität zu verlieren, die sie in den meisten Fällen gar nicht besitzen, denn sie sind an Vorurteile, Atavismus und Unwissenheit gefesselt. Viele verfügen nur über ein ganz geringes geistiges Wissen und lassen sich im Leben von der Stimme der niedersten Selbstsucht leiten, die sie mit Intuition verwechseln. Sind wir nicht Zeugen der Folgen dieses Wahnsinns?

       Zu den Visionen und Einweihungsszenen, wie sie in manchen Büchern beschrieben werden, habe ich bereits Stellung genommen und werde meine Worte sicher nicht zurücknehmen. Darüber hinaus gibt es keine größere Lästerung als die Behauptung, daß die Macht der Sakramente so stark sei, daß das sittliche Niveau der Priester, die es vollziehen, ohne Bedeutung sei, solange die Form und der Einweihungsrang voll beachtet werden … ”Wahrlich, das Feinste kann nur vom Feinsten empfangen werden; für die Wirkung der feinsten Energien sind völlige Harmonie und Übereinstimmung erforderlich. Unreines kann nichts Reines hervorbringen. Niemals kann ein unreiner Diener eine reine Handlung vollführen. Das überzeugendste Ritual wird den Diener nicht von unreinem Denken befreien. So irren viele, wenn sie denken, daß ein äußeres Ritual die innere Abscheulichkeit verdeckt … Ohne die Läuterung des Bewußtseins und entsprechende gute Taten können die Sakramente weder jemandem helfen noch zu etwas Gutem führen. Man sollte daran denken, daß alles allein im Bewußtsein ruht.” Ein erweitertes und geläutertes Bewußtsein ist ein Allheilmittel wie ein ”geöffneter Sesam“. Was die Geschichten über die verschiedenen Feste und Einweihungen betrifft, denen sich gewisse Leute unterziehen, so wollen wir dies ihrer persönlichen Verantwortung überlassen.

       Sie haben natürlich recht damit, daß es für die Menschen nicht leicht ist, in der heutigen Zeit die vielen selbsternannten Adepten zu erkennen, und das ist der Grund, warum die Grundlagen der Lehre der Weißen Bruderschaft durch H. P. Blavatsky gegeben wurden – doch wer bemüht sich, sie zu studieren? Die Menschen ziehen die vereinfachten und herkömmlichen Auslegungen vor, anstatt ihre Aufmerksamkeit auf die fundamentalen Gebote zu konzentrieren. Ich bestätige, daß H. P. B. der einzige Bote der Weißen Bruderschaft war, denn sie allein war wissend. Nach ihr kam die beachtenswerte Lehre des Lehrers H. durch Francia la Due. Doch kennen viele diese Lehre? Warum ist sie von einigen theosophischen Gruppen verschwiegen worden. Warum wird diese Offenbarung nicht von jenen erwähnt, die vorgeben, die Boten der Weißen Bruderschaft und Lehrer der Sonnen-Hierarchie zu sein?

       Das Meer der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK wird rechtzeitig gegeben; wer diese Lehre studiert, wird für die künftige Reise gerüstet sein, weil Bewußtseinserweiterung und Unterscheidungskraft seinen Lebenspfad begleiten werden. Aber viele haben sich gegen diese Lehre bereits aufgelehnt.

       Da jede Lehre von dem Gezeter der Feinde begleitet ins Leben eingehen muß, damit sie von den Menschen beachtet und nicht vergessen wird, wollen wir die Wirkung dieses Gesetzes, das von dem niederen Entwicklungsgrad unserer irdischen Menschheit zeugt, beachten. Noch für lange Zeit werden die Djins Tempel bauen und die Menschen mit neuen Göttern beschenken. Die Kreuzigung Christi brachte der Welt einen neuen Gott und eine neue Religion.

       Sie fragen, wie ein erhabener Geist die Menschen dadurch so täuschen kann, daß er sich als Lehrer der Weißen Bruderschaft ausgibt? Sicherlich, kein einziger Hoher Geist würde sich zum Betrug verleiten lassen, aber vorerst müssen wir das Merkmal eines Lehrers der Weißen Bruderschaft bestimmen. Das irdische Merkmal unterscheidet sich völlig von dem eines überirdischen oder höheren. Heuchlerische Hingabe und geschmacklose, oft scheinheilige Höflichkeit sind nicht die Merkmale geistiger Größe. Die Größe des Geistes läßt sich am besten durch Duldsamkeit, Unermeßlichkeit und Großmut sowie durch aktive Widersetzung gegen das Böse erkennen.

       Erstaunlich ist das menschliche Bewußtsein! Es ist bereit, jeder selbstgefälligen irdischen Autorität Glauben zu schenken, ohne daß Beweise erhärten, ob die übermittelte Botschaft aus der Höchsten Quelle stammt. Erweist sich jedoch diese Botschaft als fruchtlose Blume, sorgt sich kein Anhänger, den Betrüger anzuklagen, sondern man wird sich beeilen, die Höchste Quelle zu tadeln. Erneut möchte ich fragen, warum sucht man in den Weisungen, die angeblich von den Großen Lehrern kommen, nicht nach Irrtümern in den Taschen ihrer Übermittler?

       Ja, wir können aufzeigen, daß die Menschen die Großen Brüder der Menschheit für finstere Kräfte halten. Wir können Fälle nennen, wo man ihnen die größten Missetaten zugeschrieben hat und wie man sie der Gewalt und der Bedrohungen beschuldigte. Vor allem beharrlich in ihren Anschuldigungen waren jene, die es nicht der Mühe wert hielten, Ihre Worte zu hören. Die Menschen verstehen sich zu solchem Ausmaß an Falschheit und Gotteslästerung, daß sie sogar behaupten, die Großen Brüder lehnten Christus ab! Kann man solcher Gotteslästerung Glauben schenken? Trotzdem sind viele Helfershelfer der Finsteren bereit, solche Verleumdung zu verbreiten, um Uneinigkeit zu stiften; aber jeder, der den Aufbau und die Gliederung der Bruderschaft kennt, wird über solche Verleumdung entsetzt sein. In der Regel beruht Verleumdung auf Unwissenheit, aber selbst gebildete Menschen sind nicht abgeneigt, offensichtliche Lügen zu wiederholen. ”Schande über euch, Unwissende! Schande über euch, Verbreiter der Uneinigkeit!”

       Fragen Sie sich selbst: ”Irre ich nicht? Aber die Unwissenden glauben nicht, sich je irren zu können, denn sie beharren auf ihren Irrtümern und meinen, ihnen nicht verfallen zu sein.”

       Wirklich, nach der Beurteilung der Menschen sind auch den Großen Brüdern Irrtümer zugeschrieben worden. Verhören Sie solche Anschuldiger und Verneiner und Sie werden feststellen, daß ihre Verneinung in Unwissenheit wurzelt. Gewöhnlich kennen jene, die das Neue nicht annehmen, auch das Alte nicht. Ein aufmerksamer scharfer Verstand wird in jedem täglichen Ereignis etwas Neues erblicken, aber dieses Vorrecht eignet dem aufgeschlossenen Verstand, jedoch keinem verneinenden. Jede Epoche bringt für die nächste Evolutionsstufe unerläßliche neue Begriffe hervor; und diese besonderen Begriffe sind in den BÜCHERN DER LEBENDIGEN ETHIK hervorgehoben: Mitarbeit und Zusammenarbeit, die Frauenbewegung, die Bedeutung des Gedankens und das Studium der psychischen Energie. Die besten und aufnahmefähigsten Geister reagieren bereits auf diese Schwingungen, und wir sind glücklich, dies zu bemerken.

       Feuer und psychische Energie sind untrennbar, denn letztere ist eine Eigenschaft des Feuers. Psychische Energie ist die uranfängliche Energie.

       Es ist auch wahr, daß für die richtige Aufnahme der Lehre innere Erkenntnis unerläßlich ist. In der Tat, ist das Bewußtsein aufgeschlossen und frei von Vorurteil und jedwedem Atavismus, so wird die Aufnahme entschieden leichter. Doch in den meisten Fällen reden gerade durch Vorurteile versklavte Menschen soviel über notwendige Aufgeschlossenheit, ohne zu bemerken, daß sie, von Angst gefesselt, keine Autorität gelten lassen. In der Tat, Beschränkung und Versklavung entspringen der Angst. Ein freier Geist fürchtet keine Versklavung, da er für neue Aufspeicherungen aufnahmebereit ist.

       Sicherlich, alle bestehenden echten Lehren, Religionsformen und philosophischen Systeme kommen genauso wie die LEBENDIGE ETHIK aus dem Osten oder waren das Echo östlicher Gedanken. Kann man eine unabhängige westliche Philosophie oder Religionsform nennen?! Selbst das Christentum kam aus dem Osten, und Christus war ein Asiate!

       Jene, die sich weigern, das Vorhandensein der Weißen Bruderschaft anzuerkennen, berauben sich der größten Idee und der höchsten Schönheit, die der menschliche Gedanke je erfaßte. Die Weiße Bruderschaft ist der Traum der Menschheit, sie ist ein Bollwerk des Wissens und eine Schatzkammer lebenspendender Energie. Wahrlich, die ganze Welt nebst ihrer Menschheit wird nur durch diese Hüter zusammengehalten!

       Wer nach der Verbindung des Großen Lehrers K. H. mit der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK fragt, erkennt offensichtlich nicht, was die Weiße Bruderschaft ist. Könnte es sein, daß ein Bruder die von einem anderen Bruder gegebene Lehre verneint? Wahrlich, die Menschen können nicht einmal den Begriff Bruderschaft begreifen! Wir heißen nicht nur jene willkommen, die Christus allein als ihren Lehrer erachten, ebenso die Anhänger Laotses, Konfuzius’, Buddhas, Krishnas, Zoroasters und Maitreyas. Aber wir fragen sie, ob sie die Lehre Christi wirklich studieren und im Leben anwenden. Wenn ja, so wird es keinen Grund für Mißklang geben, denn wahrlich, alle großen Bündnisse kommen aus ein und derselben Quelle. Erinnern Sie sich an den Ausspruch in der Lehre: ”Man wird fragen: ‚Wer steht höher, Christus oder Buddha?‘ Antwortet, daß man die entfernten Welten nicht messen kann. Wir können nur durch ihre Strahlung entzückt werden …”

       Ich entsinne mich eines bezeichnenden Vorfalls, der sich in unserer Gegend zutrug. Ein Moslem erbat sich das Evangelium, weil er mit der Lehre Christi vertraut werden wollte. Nachdem er es gelesen hatte, bemerkte er ganz erstaunt: ”Ich las das Evangelium aufmerksam, konnte jedoch nichts darin finden, was dem modernen Christentum gliche.” Das sollten alle jene bedenken, die der wahren Lehre Christi nachgehen.

       Fragen Sie gleicherweise jene Leute, die daran Anstoß nehmen, daß die kommende Epoche die Epoche Maitreyas und nicht die Christi genannt wird, – ob sie die Bedeutung dieser Namen wirklich verstehen? Wüßten sie mehr, könnten sie keinen Anstoß nehmen. Die kommende Epoche wird unter dem Strahl der drei Herrscher – Maitreya, Buddha und Christus – stehen. Immer wieder muß man bedauern, daß jene, die so leicht Anstoß nehmen, mit den durch H. P. Blavatsky gegebenen Grundlagen so wenig vertraut sind. Vielleicht können viele von ihnen dies alles nicht ganz leicht verdauen, sie würden womöglich noch mehr lästern. Manche Menschen werden von ungewöhnlichem Atavismus beherrscht. Ihr Verstand kann einfach keinen neuen Pfad beschreiten, sie befinden sich auf gewohntem Gleis, das jeden weiteren Fortschritt verhindert. Außerdem nehmen ihnen die als Vorsichtsmaßregeln in Form von Dogmen und Verboten aufgesetzten jahrhundertealten Scheuklappen jegliche weitere Sicht. Das erklärt, warum der Evolutionsprozeß so langsam vor sich geht; das kosmische Gleichgewicht ist gestört, und die Menschheit muß durch Erdulden von fürchterlichem Elend und Aufständen für ihre Trägheit büßen.

       Allen, die sich nur treffen, um Kritik zu üben, und nicht um des ernsten Studiums der gegebenen hohen Begriffe willen, kann mit den Worten der LEHRE begegnet werden, mit denen geraten wird, Einigkeit zu bewahren: ”… solch eine Weisung wird nicht allein eine moralische Lektion sein. Uneinigkeit gleicht abscheulichem Mißklang. Nichts trifft den Raum so sehr wie Mißklang; sind die Menschen von unheilvoller Uneinigkeit erfüllt, ergeben sich augenblicklich verheerende Zerstörungen im Raum. Diese Menschen schaden sich nicht nur selbst, sondern schaffen räumliches Karma, einschließlich jener, die ebenfalls so handeln. Es ist entsetzlich, gegen dieses neu hervorgerufene Chaos anzukämpfen. Menschen, die Uneinigkeit stiften, werden die Erzeuger des Chaos genannt. Schmerzlich sind die durch diese üblen Lästerer geschaffenen Folgen, ihre Bekämpfung ist anstrengender als der Zusammenstoß mit bestimmten räumlichen Strömungen. Wo immer man auf den freien Willen des Menschen stößt, gibt es besondere Energieverausgabung. Die Macht des freien Willens ist ungeheuerlich. Sie gleicht den mächtigsten Energien. Boshafte Menschen können die astralen Schichten vernichten. Welch ungeheuerlicher Anstrengungen bedarf es, um diese räumlichen Wunden zu heilen! Wir müssen die Uneinigkeit bekämpfen. Es bedarf keiner Psalmensänger mit Harfen, sondern der Arbeit und des Kampfes …”

       Und jetzt über die Großschreibung bestimmter Fürwörter in den BÜCHERN DER LEBENDIGEN ETHIK. Das ist meine Schuld, sofern man von Schuld sprechen kann. Ich tat es aus tiefster Verehrung und Liebe den Großen Bildnissen und Höchsten Begriffen gegenüber. Ich bestätige Ihnen, daß es in den persönlichen Briefen der Großen Lehrer diese Großschreibung nicht gibt. Aber welch eine Perle von Unverstand ist die Behauptung einer gewissen ”Mißgunst“, die wissen will, daß ”selbst Christus es nicht gestattet hätte, das mit seinem Namen in Zusammenhang stehende Fürwort großzuschreiben”. Ist das verbrecherische und grobe Unwissenheit oder einfach eine unverschämte Wertbestimmung der eigenen Meinung? Es wäre angebracht, diesem Unwissenden zu erklären, daß im Verstehen jedes kultivierten Menschen Weisheit und Liebe das gleiche bedeuten. Aber Liebe ohne Weisheit ist einfach eine Kandidatur für die Irrenanstalt. Gibt es Menschen, die sich den Stumpfsinn dieser ”Mißgunst“ ruhig anhören können?

       Nun etwas anderes. Sicherlich, die Verteidigung seines Landes ist jedermanns Pflicht. Gesegnet der Soldat des Landes, das nicht selbst angreift. Die Verteidigung des Vaterlandes erfordert verschiedene Mittel und Maßnahmen, das kann niemand leugnen. In jedem Fall jedoch sollte man völlige Ausrottungsmethoden vermeiden, so z. B. Giftgase, die die Lebensfähigkeit des ganzen Planeten vermindern. Für den verbrecherischen Wahnsinn des Angreifers gibt es keine Rechtfertigung, welcher Art auch immer. Jene, die die ganze Welt antreiben zur Erfindung von Mitteln allein für abscheuliche Vernichtung und Verbrechen, verdienen es wahrhaftig nicht, Menschen genannt zu werden.

       Erst wenn die Menschen ihren Platz und ihre Bestimmung erkennen, erst wenn sie das Gesetz der Wiederverkörperung und das Karmagesetz anerkennen, erst wenn sie die Abhängigkeit alles Seienden und die entsprechende große Verantwortung des Menschen erkennen, die überirdischen Welten und die Hierarchie des Lichts anerkennen und wahrnehmen, den Gedanken als Hauptantriebskraft erkennen, der geistigen Synthese im Staatsleben den Vorrang geben: dann werden Frieden, Freiheit und Glückseligkeit des Menschen und der große Dienst am Allgemeinwohl nicht mehr in den Bereich des Abstrakten verbannt sein. Aber der Geist des Menschen wird so lange nicht aufschreien und sich nicht an die Höchste Führung wenden, solange er nicht das ganze schreckliche Elend und die durch seinen eigenen Wahnsinn verursachten Kataklysmen durchschritten hat. Wahrlich, in diesem Wahnsinn schrecklicher Uneinigkeit und Unduldsamkeit, in dieser Weigerung, die neue höhere Energie anzunehmen, welche die ganze Welt zur nächsten Evolutionsstufe lenkt, ist der kosmische Grund und der Sinn allen Unheils zu suchen, das unseren unglückseligen Planeten periodisch heimsucht.

       Wollen wir hoffen, daß die kommende Epoche mit ihren kosmischen Strahlen besonderer Zusammensetzung zu neuem Erwachen des Bewußtseins führt und die neue Generation das ganze Verbrechen der Anstifter der Selbstvernichtung erkennt, nicht allein der Selbstvernichtung durch Kanonen und Gase, sondern hauptsächlich durch Uneinigkeit und unzulässig böse und vernichtende Gedankensendungen. In der Tat, es werden mehr Morde durch unheilvolle Gedankenübertragung verübt als durch Kanonen. Aber auch diese Wahrheit ist der Menschheit noch unzugänglich.

       Es scheint mir, daß ich die meisten Ihrer Fragen beantwortet habe. Ihre Antworten und Einwände sind richtig. Wenn Sie erst mit der LEHRE näher vertraut sind, werden Sie auf alle Fragen selbst die Antwort finden, vor allem deshalb, weil die Argumente der meisten Verneiner ziemlich die gleichen sind.

       Zum Abschluß möchte ich Ihnen sagen, werben Sie keine Anhänger, locken Sie niemanden herbei, doch seien Sie zu allen aufrichtig Suchenden freundlich. Jedes Aufdrängen kann den größten Schaden anrichten.

       Ich kann völlig verstehen, daß das Buch ”Die Grundlagen einer Neuen Weltanschauung“ nicht jedermanns Geschmack ist. Vielen ist es unangenehm, wenn ihnen jemand auf die Zehen steigt.

       Ich will meinen ausführlichen Brief mit dem Wunsche beenden, daß Sie siegreich und mutig durchs Leben schreiten mögen, denn durch die Anwendung der Prinzipien der LEHRE wird im Alltag vieles erleichtert.

       9. August 1937

       Mit großem Interesse habe ich Ihren Aufsatz ”Die Frau in der Neuen Epoche“ gelesen. Ich befürworte Ihre Idee, auf das Verhalten der großen Religionsstifter sowie der philosophischen Schulen der Geschichte in dieser Frage hinzuweisen sowie darauf, daß mit dem Verfall der Kultur diese Überlieferungen immer mehr und mehr entstellt wurden. Gewiß, das ist ein sehr edler Gedanke, und diesem geschichtlichen Rückblick sollten einige Seiten gewidmet werden. Ich würde Ihnen jedoch nicht raten, Ihren Ansichten das Werk Schurés zugrunde zu legen. Dieser Verfasser schreibt viele rührende Seiten, versteht es auch, in die große Wahrheit Einblick zu gewähren, aber seine Phantasie trägt ihn weit hinaus über die Grenzen historischer Glaubwürdigkeit. Seine Werke kann man in die gleichen Rhapsodien eines St. Yves d’Alveidre einreihen. Fabre d’Olivier, den Schuré oft zitiert, litt ebenfalls unter übertriebener Vorstellung auf Kosten geschichtlicher Wahrheit.

       Sie fragen nach den Druiden. Die Druiden waren die Freimaurer des grauen Altertums. Die authentische Mitteilung über diese erhabene Lehre, die wir bei den griechischen Klassikern finden, wird mehr und mehr evident, wenn wir uns gründlich mit den ältesten Epochen befassen, mit anderen Worten, je älter die Aussagen, um so näher der Wahrheit. An der Spitze der Druiden stand eine Frau, sie trug den Titel ”Mutter der Druiden“.

       Die Mitteilung von Schuré über Râma, den Held der indischen epischen Dichtung des Râmâyana, ist völlig widersprüchlich. Râma war ein reiner Eingeborener des alten Âryâvarta; er war der König von Ayodhyâ und hat Indien niemals verlassen. Lange vor Râma kamen über Afghanistan aus den Steppen Zentralasiens die Indo-Arier und ließen sich in den Tälern Indiens nieder. So war Râma kein Druide und hatte auch nicht die geringste Beziehung zu den Kelten.

       Ebenfalls unrichtig ist die Behauptung, daß Krishna den Brahmanismus bejahte. Alle Großen Lehrer gehörten der Kshatriya-Kaste an, die im Altertum als die höchste galt. Es gibt viele Überlieferungen, nach denen die Brahminen von den Kshatriyas lernten und nicht umgekehrt. Erst mit dem Verfall des hohen und heroischen Geistes der Völker, die das alte Âryâvarta bewohnten, rissen die Brahminen die Macht an sich. Diese Aneignung der Vorherrschaft war und ist für Indien sehr schmerzlich.

       Darüber hinaus war Krishna von königlicher Geburt, er war selbst ein König und seine ganze Lehre ist von edlem, mutigem Geist erfüllt, die sogar in der Form eines sehr schönen Poems gipfelt, gewidmet der großen Schlacht auf dem Schlachtfeld Kuruskhetra. Alle Legenden über Krishna den Kuhhirten, der in Gesellschaft von Kuhhirten und Milchmädchen seine Zeit mit Tanz und Flötenspiel zubrachte, sind eine spätere Entwicklung der Volksphantasie, die unter den Drawidenstämmen ihren Ursprung nahm. Die Drawiden gehören der vierten Rasse an, und in der heiligen Lehre gibt es Hinweise, daß die Basken Abkömmlinge nach Europa ausgewanderter Drawiden sind. Auch die Zigeuner können Indien als ihre Heimat ansehen, von wo sie vertrieben wurden.

       Râma, der Arier, kämpfte mit den Nachkommen der Atlantier von der Insel Lanka, und seine Verbündeten waren die kriegerischen Drawidenstämme, unter denen sich eine strenge Verehrung der Affen breitmachte. Diese Verehrung war ein Relikt des alten Wissens über die Abstammung des anthropomorphen Affen vom Menschen. So war dieses Wissen in Volkslegenden mit Phantasie verwoben, und Hanuman, der Führer der Drawiden, nahm das Äußere eines Affen an.

       Die Bücher von Schuré können viele Bewußtseine stimulieren, aber man muß die nötige Unterscheidungskraft aufbringen und die Ausschmückungen durch menschliche Phantasie, die an die Schönheit der Wirklichkeit nicht heranreichen, eliminieren. Auch Moses war kein Ägypter, sondern Jude; er konnte der Frau gegenüber nicht feindlich eingestellt sein, denn er war ein Eingeweihter. Nehmen Sie Ihre Aussprüche über Pythagoras in Ihr Buch mit hinein.

       Ihrer Behauptung, daß die hohe Lebenskenntnis von dem männlichen Prinzip ausging, pflichte ich jedoch nicht bei. Die Lebenstragödie berührt die Frau mehr als den Mann, und wir wissen, daß das Leid ein großer Lehrmeister ist. Verniedlichen wir auch die Fähigkeiten und Talente der Frau nicht. Man ermögliche ihr eine gründliche Bildung und lasse sie am Lebensaufbau teilhaben, und sie wird dem ”stärkeren“ Geschlecht in keiner Weise nachstehen. Der Definition eines bestimmten Denkers gemäß besteht Genius zu einem Drittel aus Fähigkeit und zu zwei Dritteln aus harter und systematischer Arbeit. Die Wunder eines Genius sind größtenteils die Wunder der Arbeit, aber was in den Augen gewöhnlicher Menschen harte Arbeit ist, bedeutet für den Genius Freude! Wo immer die Bedingungen für solche Arbeit günstig waren, blieb die Frau im Vergleich zum stärkeren Geschlecht in ihren Errungenschaften nicht zurück. Und jetzt haben außenstehende Wissenschaftler entschieden festgestellt, daß es keinen Beweis dafür gibt, daß sie, in welchen intellektuellen Fähigkeiten auch immer, hinter denen des Mannes zurückstände. Logisch gesprochen, muß es so sein, denn der Geist ist geschlechtlos, das Geschlecht gehört in den Bereich der Formen. Daher ist jedwede Herabsetzung des einen Geschlechts ein Zeichen von Unwissenheit. Allen jenen Spöttern wollen wir die Antwort Buddhas an eine seiner Schülerinnen entgegenhalten. Sie fragte den Gesegneten, wie sie in dem beschränkten Geist einer Frau den Zustand Nirwana erreichen könnte, der für den Weisen schwer zu erreichen wäre. Er antwortete: ”Wenn das Herz ruhig ist, wenn das Bewußtsein sich entfaltet, dann wird Wahrheit verspürt. Doch wenn jemand denkt, ich bin eine Frau oder ich bin ein Mann, oder ich bin dies oder jenes, dann wird er Mara anheimfallen. Die Tore der Unsterblichkeit stehen allen Wesen offen. Wer Ohren hat, möge sich nähern, laßt ihn der Lehre lauschen und Glauben haben.”

       Der weibliche Organismus ist an sich eine Synthese, und so besitzt die Frau alle kosmischen Energien sowie schöpferische Energie in höherem Maße. Es ist daher unrichtig, zu meinen, daß der Frau die selbständige schöpferische Kraft ermangele; für die Entwicklung aller Fähigkeiten sind jedoch ständige Praxis sowie geeignete Umstände vonnöten. Übrigens sind Flüge zu den fernen Welten das Hoheitsrecht der Frau. Vielleicht haben deshalb gegenwärtig so viele Frauen Interesse an der Luftfahrt.

       Auf allen Wissensgebieten: in der Kunst, in der Sozialarbeit, in Regierungen hat die Frau bewiesen, daß sie imstande ist, den höchsten Rang zu erklimmen, wenn die Umstände günstig waren. Unter den von Ihnen genannten Frauen müßte auch das mathematische Genie Sophie Kowalewsky, deren Bildnis mir sehr nahesteht, mit einbezogen werden. Die Pariser Akademie ehrte sie mit dem Prix Bordin in einem Wettbewerb, an dem alle bedeutenden Mathematiker teilnahmen. Die ihr gestellte Aufgabe war: ”In einem wichtigen Punkt die Bewegungstheorie eines dichten Körpers um einen unbeweglichen Punkt zu vervollkommnen.”

       Dieselbe Aufgabe ist von der Berliner Akademie sechs Jahre lang vorgelegt worden, doch ohne ein Ergebnis zu zeitigen. Die Lösung von Mme. Kowalewsky war so beachtlich, daß als Anerkennung außergewöhnlicher Verdienste für die Wissenschaft der Wert des Preises verdoppelt wurde. Sophie Kowalewsky starb 1891 im Alter von 41 Jahren auf dem Gipfel ihres Ruhmes. Auch in ihrem eigenen Lande – Rußland – wurde ihr durch die Wahl zum Mitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften Anerkennung gezollt. Vergessen wir nicht, welche Schwierigkeiten sie in diesem Zusammenhang zu überwinden hatte. Zu jener Zeit waren die öffentlichen Vorlesungen an Universitäten für Frauen noch nicht zugänglich, was Sophie Kowalewsky bewog, nach Heidelberg zu gehen und unter den lokalen mathematischen Berühmtheiten privat zu studieren. 1874 verlieh ihr die Universität in Göttingen den Doktorgrad in absentia als Anerkennung für ihre drei eingesandten Dissertationen; eine davon – über die Theorie der Teil-Differentialgleichungen – gilt als eine ihrer bedeutendsten Arbeiten. Die Kowalewsky war nicht nur eine überragende Mathematikerin, sondern sie betätigte sich auch schriftstellerisch. Ihre Romane: <>”Die Nihilistin Vera Vorontzoff”, ”Die Schwestern Rajevski” sowie ihre Autobiographie (leider unvollendet) zeugen von ihrer großen literarischen Begabung.

       Vergessen wir auch einen anderen Genius nicht – H. P. Blavatsky, die noch immer nicht anerkannt wird. Auch Marie Sklodowska Curie, deren Tochter (Irene Joliot-Curie, 1897–1956) die Forschungen ihrer Mutter fortsetzte und bemerkenswerte Ergebnisse erzielte. Und die vielen anderen begabten Frauen – Schauspielerinnen, Malerinnen, Dichterinnen aller Nationalitäten! So viele weise Führer, Krieger und große Heilige gibt es unter den Frauen! Das Bildnis der Heiligen Therese aus Spanien gleicht in vielem dem des Heiligen Franz von Assisi. Denken wir auch an die Zeit in der Antike, in der es, dessenungeachtet, daß männlicher Egoismus die Errungenschaften der Frauen immer zu unterdrücken suchte, immer einige erleuchtete Gemüter gab, sie sich dieser schmachvollen Schwäche nicht fügten. Auch an das verleugnete Bildnis der Aspasia sollte man erinnern. Sokrates pflegte sie als seine Lehrerin zu bezeichnen, und der große Plato gedachte ihrer ehrerbietig in seinen Schriften. Auch die ägyptische Königin Hatschepsut überragte durch ihre vielen nützlichen Reformen viele Pharaone. Und sie war es, die dem durch seine weise Regentschaft später siegreichen Tethmosis III. den Weg bahnte.

       Der Heiligen Lehre gemäß begann der Niedergang der Menschheit mit der Erniedrigung des weiblichen Prinzips. Daher muß die Frau mit Beginn der Epoche der MUTTER DER WELT erkennen, daß sie alle Kräfte in sich birgt, die durch Zeitalter währende Hypnose ihrer willkürlichen Unterjochung und geistigen Unterlegenheit abzustreifen und sich eine vielseitige Bildung anzueignen, um gemeinsam mit dem Mann eine neue und bessere Welt zu schaffen. Fürwahr, es ist unerläßlich, daß die Frau selbst die unwürdige und äußerst unwissende Behauptung über ihre passive Empfänglichkeit und somit Unfähigkeit, selbständig zu schaffen, widerlegt. Im gesamten Kosmos gibt es kein passives Element. In der Kette der Schöpfung ist jede Erscheinung zweckentsprechend relativ passiv oder aktiv – gebend oder empfangend. Der Kosmos bestätigt die Größe des schöpferischen Prinzips der Frau. Die Frau ist die Verkörperung der Natur, und nicht der Mensch lehrt die Natur, sondern die Natur lehrt den Menschen. So mögen alle Frauen die Erhabenheit ihres Ursprungs erkennen und nach Wissen bestrebt sein. Wo Wissen ist, da gibt es Macht. Alte Legenden schrieben der Frau die Rolle der Hüterin heiligen Wissens zu. Möge sie daher auch jetzt an ihre geschmähte Stammutter EVA denken und wieder der Stimme der Eingebung lauschen, nicht nur um den Apfel zu pflücken, sondern sie möge so viele Bäume wie möglich pflanzen, die diese Früchte der Erkenntnis von Gut und Böse tragen. Und wie sie früher ADAM seiner stumpfen, sinnlosen Seligkeit entledigte, so möge sie ihn jetzt zur weiteren Schau bewegen und in die majestätische Schlacht mit dem Chaos der Unwissenheit für ihre göttlichen Rechte führen.

       Ich beschließe diesen Brief und möchte noch hinzufügen, daß die Frauen ohne Verzögerung damit beginnen müssen, sich auf allen Gebieten zu vervollkommnen, was mit einer flüchtigen Bemerkung nicht abgetan ist. Vor allem wir Frauen haben soviel auszuhalten. Wollen wir darum vor allem Sinn für eigene Würde entwickeln und uns mutig auf eigene Kraft und eigenes Wissen stützen, um für den großen Aufbau des Allgemeinwohls einzutreten und dafür die Verantwortung zu übernehmen.

       16. August 1937

       So oft wir an unsere Vergangenheit denken, fühlen wir uns beschämt und traurig, weil uns die täglichen Sorgen des Lebens bedrückten und wir sie als unangenehm empfanden. Auf dem erwählten Pfad sollten unsere Herzen so gefestigt sein, daß uns Schwankungen in unserer Umgebung nicht aus der Fassung bringen können. Das bedeutet allerdings nicht, gleichgültig zu werden, sondern den Brennpunkt unserer