Briefe
von Helena Roerich


1929 - 1939

Band I

Briefe nach Amerika

 

1929

 

 

       Meine jungen Freunde!

       Aus dem fernen Indien, dem Land der Schönheit, der geistigen Errungenschaften und der großen Gedanken, sende ich Euch, die Ihr Euch im Namen der großen Arbeit und des Aufbaus der Zukunft versammelt habt, herzliche Grüße! Ich rufe Euch zur Selbstvervollkommnung und unbegrenzten Errungenschaft auf.

       Das Buch über neue Erfindungen und das Licht der Kühnheit liegt aufgeschlagen vor der Menschheit, und Ihr habt bereits vom Herannahen der Neuen Zeit gehört. Jede Epoche hat ihren Ruf, und die Grundlage für den Ruf der Neuen Ära wird die Macht des Gedankens sein. Deshalb rufen wir Euch auf, die große Bedeutung des schöpferischen Gedankens zu verstehen, und der erste Schritt in diese Richtung ist die Öffnung des Bewusstseins, die Befreiung von allen Vorurteilen, von jeglicher Voreingenommenheit und allen aufgezwungenen Begriffen.

       Richten wir unseren Blick auf die unendliche Weite des nächtlichen Himmels. Fliegen wir in unseren Gedanken über die unzähligen Welten und versteckten Tiefen des unendlichen Raumes. Der Gedanke ist seinem Wesen nach unbegrenzt, nur unser Bewusstsein versucht, ihn zu begrenzen. Lasst uns deshalb ohne Verzögerung den nächsten Schritt machen – die Erweiterung des Bewusstseins.

       Eine sehr alte Weisheit aus Indien lautet: ”Der Gedanke ist der Urquell der Schöpfung der Welten.” Der Große Buddha wies auf die Bedeutung des Gedankens, der unser Wesen ausmacht, hin. Er lehrte seine Schüler, ihr Bewusstsein zu erweitern. Laotse, Konfuzius, Christus – alle geistigen Lehrer und großen Denker lehrten dasselbe.

       Der große Plato sagte: ”Gedanken regieren die Welt.” Und zeitgenössische Gelehrte wie z. B. Prof. Compton sprachen von der Wahrscheinlichkeit, dass hinter jeder Naturerscheinung eine aktive, intelligente Kraft steht und der Gedanke auf die Materie einwirkt. Prof. Compton schließt seine Ausführungen mit den folgenden Worten: ”Wahrscheinlich sind die Gedanken des Menschen die wichtigsten Faktoren in der Welt.”

       Lasst uns mit solch einem breiten Verständnis die Geschichte der Entwicklung des Gedankens kennenlernen. Wir wollen alle Vorurteile von Ort, Zeit und Nationalität ablegen und wie die Bienen den kostbaren Honig des menschlichen, schöpferischen Gedankens sammeln!

       Sobald wir die mächtigen Errungenschaften jener großen Schöpfer, die unser Bewusstsein formen, in das Fundament eingebettet haben, können wir mit der dritten Stufe beginnen – der Entwicklung unseres eigenen Gedankens, unserer eigenen Kreativität; und aus den neuen Verbindungen werden wir Funken des Gedankenfeuers schlagen, diese Krone des Weltenalls. Wir wollen daran denken, dass ein denkendes Wesen niemals einsam ist, weil der Gedanke sein größter Magnet ist und gleichartige Antworten aus dem Raum anzieht. Wenn wir daher eine schöne Antwort erhalten wollen, sollten wir mit reinem Feuer des Herzens erfüllte, strebende Gedanken in den pulsierenden Weltraum senden. Nur der Gedanke, der durch Streben vergeistigt und vom Herzen genährt wurde, kann schöpferisch tätig sein und wie ein mächtiger Magnet anziehen. Ein Gedanke ohne Streben und flammende Eigenschaften ist unfruchtbar. Wir ersehnen Wissen und weite Gedanken; und seien wir kühn in unserem Streben, denn nur ein kühner Gedanke gestaltet neue Wege.

       Ihr, meine jungen Freunde, die Ihr Euch der Kunst und der schöpferischen Tätigkeit genähert habt, seid fähig, Eure Talente als Verstärkung Eurer Kräfte einzusetzen; denn Ton und Farbe, Gedanke und Rhythmus sind die Grundlagen des Universums und unseres Seins. Ton und Farbe, Wissen und schöpferische Tätigkeit sind der Kelch ”Amrita”, der Kelch der Unsterblichkeit!

       Ewige, ununterbrochene Schöpfung des universellen Lebens umgibt uns; und wir, die wir ein Teil dieser großen Schöpfung sind, sollten jeden Moment unseres Lebens schöpferisch tätig sein – durch Gedanken, Worte und Taten.

       Meine jungen Freunde, füllt die Schatzkammer Eures Geistes. Nehmt alle Töne, alle Farben und alle Rhythmen aus der unerschöpflichen Quelle des Raumes in Euch auf. Diese feinsten Vibrationen werden, wenn Ihr sie bewusst aufnehmt, Eure Aufnahmefähigkeit und Euer Denken verfeinern.

       Diese Verfeinerung der Aufnahmefähigkeit wird Euch die Möglichkeit geben, in die Geheimnisse des Raumes einzudringen, und den freudvollen Weg der Errungenschaft und des ununterbrochenen, endlosen Aufstiegs erschließen.

       Meine Freunde, arbeitet unter völliger Anspannung Eurer Kräfte, denn nur, indem Ihr die Grenzen Eurer Anspannung erreicht, ergeben sich neue Möglichkeiten. Die Gesetze sind in allem die gleichen, und wir wissen, dass aus äußerster Anstrengung neue Energien entstehen. Nur vermehrte Tätigkeit und verstärkte Anstrengung werden Euch Schönheit bringen.

       Und ich bitte Euch, habt keine Angst vor Schwierigkeiten; zeigt die Bereitschaft, alle Hindernisse zu überwinden, denn jedes Hindernis stärkt Euch und bringt Euch dem künftigen Sieg näher. Versucht, die Schwierigkeiten liebzugewinnen, und sagt: ”Seid gesegnet, Hindernisse, denn an Euch wachsen wir!” Mutig, durch Streben begeistert, im Bewusstsein, wie großartig die unendliche Vervollkommnung des schöpferischen Lebens ist, sollt Ihr der Euch rufenden Unbegrenztheit zustreben – der Unbegrenztheit des Lebens, der Unbegrenztheit der Errungenschaften, der Unbegrenztheit der Erkenntnis, der Unbegrenztheit des Aufbaus und der Schönheit!

       Meine jungen Freunde, vernehmt den Ruf der schöpferischen Unbegrenztheit!

* * *

1. März 1929

       Die kommende, große Epoche ist eng verbunden mit dem Einfluss der Frau. Die zukünftige Epoche wird, wie in den besten Zeiten der Menschheit, der Frau wieder ihren rechtmäßigen Platz an der Seite ihres ewigen Weggefährten und Mitarbeiters, des Mannes, einräumen. Ihr müsst wissen, dass die ganze Herrlichkeit des Kosmos durch den dualen Ursprung entsteht. Ist es daher möglich, eines dieser beiden Elemente abzuwerten?

       Das ganze derzeitige und bevorstehende Elend sowie die kosmischen Kataklysmen sind zum Großteil die Folgen der Unterjochung und Erniedrigung der Frau. Der furchtbare Verfall der Sittlichkeit, viele Krankheiten und die Degeneration einiger Völker haben ebenfalls ihre Ursachen in der sklavischen Abhängigkeit der Frau. Die Frau ist des größten menschlichen Vorrechts beraubt – am schöpferischen Denken und an kreativer Arbeit in vollem Maße teilzunehmen. Man hat ihr nicht nur die gleichen Rechte genommen, sondern in vielen Ländern auch die gleiche Ausbildung, wie sie einem Mann zusteht. Es ist ihr nicht erlaubt, ihre Fähigkeiten beim Aufbau des sozialen und staatlichen Lebens, dessen vollwertiges Mitglied sie laut kosmischem Gesetz und Recht ist, einzusetzen. Doch eine Frau, die Sklavin ist, kann der Welt nur Sklaven schenken. Das Sprichwort: ”Eine große Mutter gebiert einen großen Sohn!” hat eine kosmische, wissenschaftliche Grundlage. Da Söhne meistens ihren Müttern gleichen und Töchter ihren Vätern, kann man erkennen, wie großartig die kosmische Gerechtigkeit ist.

       Dadurch, dass die Männer Frauen erniedrigen, erniedrigen sie sich selbst! Das erklärt, warum heute so wenige Genies (oder große Geister) unter den Männern zu finden sind. Wären die heutigen Schrecken und Verbrechen möglich, wenn sich beide Ursprünge im Gleichgewicht befänden? Das Heil der Menschheit und unseres Planeten liegt in den Händen der Frau. Die Frau muss ihre Bedeutung erkennen, die große Aufgabe der Mutter der Welt; sie sollte darauf vorbereitet sein, Verantwortung für das Schicksal der Menschheit zu übernehmen.

       Die Mutter hat als Lebensspenderin das Recht, das Schicksal ihrer Kinder zu lenken. Die Stimme der Frau und Mutter sollte unter den Führern der Menschheit gehört werden. Die Mutter gibt ihrem Kind den ersten bewussten Gedanken ein. Sie weist ihm die Richtung und bestimmt den Wert all seiner Bestrebungen und Fähigkeiten. Doch die Mutter, die keine Gedankenkultur besitzt, kann dem Kind nur die niederen Eindrücke der menschlichen Natur vermitteln.

       Die Frau, die nach Wissen und Schönheit strebt, die ihre hohe Verantwortung erkennt, wird das ganze Niveau des Lebens heben; sie wird abstoßenden Lastern, die zur Degeneration und Vernichtung von ganzen Ländern führen, keinen Platz einräumen.

       Doch in ihrem Streben nach Bildung muss die Frau daran denken, dass alle Erziehungssysteme nur Hilfsmittel für die Entwicklung eines höheren Wissens und einer höheren Kultur sind. Die wahre Kultur des Denkens wird durch die Pflege des Geistes und des Herzens entwickelt. Nur so eine Verbindung kann jene große Synthese schaffen, die allein es möglich macht, die wirkliche Größe, die Mannigfaltigkeit und die Komplexität des menschlichen Lebens in seiner kosmischen Evolution zu erkennen. Deshalb möge die Frau beim Streben nach Wissen an die Quelle des Lichts und die Führer des Geistes denken – an jene großen Geister, die das Bewusstsein der Menschheit erschaffen haben. Indem sich die Menschheit dieser Quelle, diesem primären Prinzip der Synthese, nähert, wird sie den Weg zur wahren Evolution finden.

       Gerade die Frau sollte dieses Prinzip kennen und verkünden, weil sie von Anfang an dazu auserwählt worden ist, die beiden Welten zu verbinden, die sichtbare und die unsichtbare. Die Frau besitzt die Kraft der heiligen Lebensenergie. Die kommende Epoche bringt das Wissen über diese große allgegenwärtige Energie, die sich in allen unsterblichen Schöpfungen des menschlichen Genius offenbart.

       Die westliche Frau ist erwacht und erkennt ihre Macht. Ihre kulturellen Leistungen sind bereits offenkundig; doch die Mehrheit der westlichen Frauen beginnt – wie alle Anfänger – mit Nachahmung, während im ursprünglichen Ausdruck des Selbst wahre Schönheit und Harmonie zu finden sind. Würden wir gerne zusehen, wie der Mann die Schönheit der Männlichkeit verliert? Das gleiche gilt für den Mann, der Sinn für Schönheit hat. Er sieht bestimmt nicht gerne eine Frau, die seine Gewohnheiten nachahmt und mit seinen Lastern wetteifert. Nachahmung beginnt immer mit dem Einfachsten. Doch wir hoffen, dass diese erste Stufe bald vorübergeht und dass die Frau ihr Wissen über die Mutter Natur vertiefen und echte, ursprüngliche Mittel des Ausdrucks für ihr Selbst finden wird.

       Der Kosmos offenbart die Einheit des Gesetzes, aber es gibt keine Wiederholung in seiner Verschiedenheit. Warum strebt denn die Menschheit zur Gleichförmigkeit in allem, wobei sie aber gleichzeitig die fundamentale Einheit des Gesetzes verletzt? Gleichförmigkeit der Wahrnehmung, Gleichförmigkeit des Lebens und vor allem Gleichförmigkeit des Denkens schätzt der Mensch. Dabei vergisst man, dass Gleichförmigkeit des Ausdrucks zu Stagnation und Tod führt. Das Leben und seine Kraft bestehen im ewigen Wandel der Formen. Es ist notwendig, dieses Leben spendende Prinzip in allen Ausdrucksformen unseres Lebens zu berücksichtigen.

       Sammeln wir die schönsten, heroischsten Ideen aller Zeiten und Länder, und lasst uns mit schöpferischer Vorstellungskraft ihre Errungenschaften in unserem Leben anwenden, während wir dabei die Besonderheiten unserer Zeit beachten. Nur diese Form der Nachahmung wird eine richtige Grundlage für den weiteren Fortschritt abgeben.

       Ich will meine Ansprache an die Frau mit einer Seite aus der Lehre des Lebens beenden: ”Wenn Völker Uneinigkeit aufkommen ließen, führte dies zur Selbstvernichtung. Und nur die Wiederherstellung des Gleichgewichts kann diese Selbstvernichtung aufhalten. Die Menschheit wendet die Prinzipien der Schaffenskraft nicht im richtigen Verhältnis an und verletzt so die Grundlagen des Seins. Wenn durch das Gesetz des Kosmischen Magneten die niederen Formen den höheren untergeordnet sind, so bezieht sich dies nur auf die Energien, die umgewandelt werden sollten. Doch wenn die Uranfänge dazu bestimmt sind zu erschaffen und Leben zu spenden, ist es unmöglich, einen der Ursprünge ohne Selbstvernichtung zu beseitigen. Deshalb wird die wahre Evolution der Menschheit erst dann einsetzen, wenn beide Uranfänge im Leben anerkannt werden. Alle Prinzipien, die das Wissen vom dualen Ursprung nicht beinhalten, werden den Mangel an Gleichgewicht nur noch vergrößern. Die Menschheit muss das Gesetz des Kosmischen Magneten verstehen. Indem man sich der Herrlichkeit des dualen Ursprungs, der die Grundlage des Lebens ist, bewusst wird, kann man viel zur Evolution beitragen.” (Unbegrenztheit I, § 224)

       Nicht einmal diese einfache Wahrheit findet im Bewusstsein der Menschen ihren Platz! Unsere Wissenschaftler – Biologen, Chemiker, Physiker – sollten die Wahrheit über das duale Element oder die Bipolarität kennen, doch sie schweigen. Und diese Wahrheit, in ihrer heiligsten und lebendigsten Anwendung, wird verachtet, und es herrscht das Recht des Stärkeren. Das Problem besteht darin, dass sich die Vernunft des Menschen von seiner Quelle – der Kosmischen Vernunft – entfernt hat. Obwohl der Mensch ein Teil des Kosmos ist, sieht er seine Dazugehörigkeit, seine Einheit mit dem Kosmos nicht. Und seine Beobachtungen der Naturerscheinungen legen ihm keine Analogie nahe. Doch nur durch Beobachtungen und Vergleiche mit der menschlichen Natur ist es möglich, den Schlüssel zu allen Mysterien des Lebens zu finden, und damit die Lösung für viele Probleme des täglichen Lebens. Die Leute lieben es, wie Papageien die alte Formel zu wiederholen ”Makrokosmos ist Mikrokosmos”! Vieles wird ausgesprochen, vieles wiederholt, ohne dass man auf die eigentliche Bedeutung achtet! Aufgrund der aufgezwungenen Dogmen, der vom Menschen gemachten Gesetze und des materiellen Wohlstands haben die Menschen den Prozess des Denkens vernachlässigt, und der menschliche Verstand wurde mit wenigen Ausnahmen zu einem Automaten. Jeder predigt verschiedene Freiheiten, doch die konträrsten Denkschulen stimmen in einem überein – sie alle fürchten die Freiheit des Gedankens!

       Deshalb muss die Frau nicht nur ihre eigenen Rechte verteidigen, sondern auch das Recht des freien Denkens für die ganze Menschheit! Durch die Entwicklung des Denkens werden sich unsere Fähigkeiten ausdehnen. Denken wir die weitreichendsten, reinsten Gedanken. Es heißt: ” Herrschaft wird nicht durch Kronen oder Volksmassen, sondern durch die kosmische Verbreitung von Ideen errichtet.” (Gem 84) Lasst uns unsere eigenen Städte, unsere Länder, unsere Planeten schaffen! Doch lasst das Herz diese Gedanken hervorbringen, denn nur der im Herzen geborene Gedanke ist lebendig. Das Herz ist der größte Kosmische Magnet. Alle kosmischen Energien werden vom Herzen angezogen, und das Herz nimmt sie auf. Das Herz offenbart im Leben alle Bestrebungen. Das räumliche Feuer wird vom Herzen angezogen, und der ganze kosmische Vorgang beruht auf diesem Prinzip. Deshalb besteht der Kosmos durch die Anziehung des Herzens. Nur die Energien, denen die Anziehung durch das Herz zugrunde liegt, sind lebendig. So wird die Kette des Lebens immerzu vom Herzen geschmiedet.

       Habt Ihr auf Euer Herz gehört? Schlägt es im Rhythmus mit dem Vollkommenen Herzen, das Euch alle umfasst?

       So will ich mit den Worten über das Herz schließen. Möge die Frau dieses große Symbol, welches das ganze Leben verwandeln kann, bestätigen. Möge sie bestrebt sein, das geistige Leben der Menschheit zu verwandeln.

       Die Mutter, die Leben spendet, die Hüterin des Lebens – möge sie zur MUTTER, zur Führerin, zur Allesschenkenden, Allesempfangenden werden.

 

19. Oktober 1929

       Heute schreibe ich und bediene mich der Worte des Großen Lehrers über das Sakrament der Hierarchie. Diese stellt ein Sakrament dar, weil sie auf dem unveränderlichen und strikten Gesetz des Kosmischen Magneten beruht, das alle Wesen zur Vervollkommnung führt. Es ist notwendig, die Hierarchie klar und eindeutig als den einzigen Weg zur Weiterentwicklung zu erkennen. Wir müssen die ganze Kette der Hierarchie erkennen und uns fest an unser nächstes Glied halten. Wehe dem, der dieses Glied überspringen will und so seine Verbindung verliert! Er wird es nicht wieder einholen, da der Rhythmus der Bewegung der ganzen Kette das rettende Glied davontragen wird. Dieser Irrtum ist wirklich schwerwiegend! Wieviel Zeit wird verlorengehen, um wieder ein auf den Ruf erklingendes Glied zu finden. Doch das neue Glied wird in der Reihenfolge einen anderen Platz einnehmen und einer anderen Spannung unterliegen, weil das frühere im rhythmischen Streben der ganzen hierarchischen Kette davongetragen wurde.

       ”Die Unterordnung des Niederen unter das Höhere stellt die Grundlage des ganzen Kosmos dar. Diese Unterordnung wird klärend und reinigend wirken. Doch die Menschheit ordnet dem Niederen das unter, was an der Spitze stehen sollte. Wenn das Höhere die Führung innehat, wird das Niedere transmutiert. Diese Umwandlung setzt sich endlos fort. Mit Umwandlung meinen Wir die Unterordnung des Niederen unter das Höhere, und Wir wollen das Bewusstsein der Menschheit im Prozess der unbegrenzten Entwicklung stärken.” (Unbegrenztheit I, § 115)

       Deshalb wollen wir die Umwandlung unseres Bewusstseins nicht hinauszögern. Denken wir an die führende Hierarchie und ehren wir den nächsten, den irdischen Guru. ”Der irdische Guru existiert zur Verehrung, für den Fortschritt, für die Einheit und den Aufbau.” Durch Missachtung und Geringschätzung des Guru wird der Große Lehrer, der hinter dem Guru steht, missachtet und erniedrigt, weil der Guru der Vertreter des Großen Lehrers ist. Denken wir daran, wie heilig das Sakrament der Hierarchie für die Herren des Lichts ist. Der Hierarch trägt ”die Synthese des Kelches”, und deshalb wohnt Ihm beides inne, Gehorsam und Befehlen. Wer die Kunst des Gehorsams nicht versteht, wird die Kunst des Befehlens nicht erlernen. Schön sind diese beiden Begriffe.

       Bewusste Unterordnung geht dem Befehl entgegen. Nach der starken Erkenntnis der Hierarchie werden wir mit unserem ganzen Herzen die Lehre des Lebens besser verstehen. Das Herz schmerzt, wenn es fühlt, wie wenig die großen Schätze, die der Lehrer so freigebig schenkt, verstanden werden. Auf diesen Schätzen wird die neue Rasse gegründet werden. Denkt über die Großartigkeit des Dargebotenen nach! Ich erschrecke, wenn ich an die Verantwortung denke, die wir durch die Annahme dieser Schätze auf uns nehmen, da ich weiß, dass sich unter uns einige befinden, die deren vollen Wert für die Menschheit noch gar nicht erkennen können und das, was als grundlegende Nahrung für hungernde Seelen zur Verteilung gegeben wurde und die Basis der neuen Evolution sein sollte, unbeachtet liegen lassen. Fühlt den Ruf meines Geistes! Lest so oft wie möglich Eure Schätze; sammelt all die Einzelheiten und vermengt Euer ganzes Wesen mit ihnen! Sie werden Euch ein breites und klares Verstehen der komplizierten Probleme des Lebens ermöglichen. Der einzige Weg liegt darin, das alles aufzunehmen, und die ernste Freude des unbegrenzten Fortschritts wird Euer Herz erfüllen. Mein Herz sehnt sich danach, in Euch die Freude der Erhabenheit und Schönheit, die Euch die Lehre des Lebens erschließt, zu erwecken.

       Neue Seelen kommen und werden sich vervielfachen. Wir müssen sie festhalten. Es ist notwendig, an jeden entsprechend seiner Gesinnung heranzutreten. Nichts zieht die Menschen so sehr an wie das ersehnte Wort, das ihren Geist befreit und ihnen neue Möglichkeiten bietet. Alle Wesen streben dem Licht zu. Dies ist das erste Gesetz des Kosmos. Die Lehre und die Fähigkeit, sie entsprechend zu vermitteln, sind der Magnet, der Menschen und Möglichkeiten anzieht. Das ist die Rüstung, die allen Angriffen standhält, die Quelle, die grenzenlose Freude bringt. Doch sie sollte mit dem Herzen aufgenommen werden, nicht nur mit dem Verstand.

       Liebt einander, achtet einander, doch lasst das innere Leben eines jeden von Euch sein eigenes Heiligtum sein. Ihr seid durch den Lehrer verbunden, durch die Lehre und durch Taten; doch Ihr seid nicht Richter über andere. Der Richter kann in den Augen des Lehrers leicht zum Gerichteten werden. Ihre Maßstäbe entsprechen nicht unseren irdischen Maßstäben, daran müssen wir immer denken. Und ein Stein, der auf den Bruder geworfen wird, wird Euch hinunterziehen wie eine schwere Last. Nachdem Ihr die Hierarchie angenommen habt, nehmt die Lehre in Euch auf; denn die einzige unzerstörbare Freude ist die Freude der Bewusstseinserweiterung, die uns in das höhere Mysterium des Seins vordringen lässt, wo all unsere heiligsten, verborgensten Bestrebungen ihre Verkörperung finden, denn die Höhere Realität übertrifft die menschliche Vorstellungskraft.

 

13. Oktober 1929

       In der letzten Zeit dachte ich sehr viel über die Mitglieder Eurer Gruppe nach. Wieder einmal bin ich davon überzeugt, dass niemand ersetzt werden kann und jeder gebraucht wird. Und wie einfach ist es, unter solchen Umständen die volle Harmonie, die in jeder Hinsicht den Sieg gewährleistet, zu erreichen. Doch mein Herz fühlt, dass es hier etwas gibt, was die Einheit verhindert. Wie ist hier Abhilfe zu schaffen? Die einzige Lösung ist, den Lehrer und die Lehre nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen zu begreifen. Deshalb müssen wir der Entwicklung des Herzens so viel Aufmerksamkeit schenken, jenem erstaunlichen Organ, das in seinen zahlreichen Zentren die ganze Kreativität und das ganze Seelenleben enthält. Ohne die Entwicklung der Zentren des Herzens sind wir steril; es entsteht kein Seelenleben; es gibt kein Leben in den höheren Sphären, und die Krone des Archaten ist unerreichbar. Nur mit unserem Herzen können wir uns dem Bewusstsein des Archaten, des Lehrers, nähern, denn sein Bewusstsein ruht im Herzen. Der Menschheit ist der Begriff Archat kaum bekannt, doch ohne dieses Verständnis kann man keine Fortschritte machen.

       Im Buch ”Hierarchie” (Hier 12) heißt es: ”Es ist üblich, sich einen Archaten als Bewohner der Wolken vorzustellen. Diese abartigen Gedanken sind furchtbar und grotesk. Wir Brüder der Menschheit erkennen Uns nicht in den Vorstellungen der Menschen. Die Vorstellungen von Uns sind so phantastisch! Wenn die Menschen ihre Phantasie umgekehrt einsetzen würden, entsprächen diese Vorstellungen eher der Realität. Alles nimmt einen neuen Maßstab. Alles wird unwahrscheinlich. Nichts mehr stimmt mit der Realität überein. Auf dem Weg zur höheren Welt wollen Wir sagen, dass ein Archat in all seinen Erscheinungen unbegrenzt ist. Ein Archat schreitet voran, die Kraft des Kosmischen Magneten in seinem Herzen tragend!”

       Doch wir wollen sehen, wie dieses Bild durch das Höhere Bewusstsein ausgedrückt wird. ”Das Herz eines Archaten gleicht dem Herzen des Kosmos. Das Herz eines Archaten gleicht dem Feuer der Sonne. Ewigkeit und die Bewegung des Kosmos erfüllen das Herz des Archaten. Maitreya nähert sich, mit allen Feuern erstrahlend. Sein Herz entflammt vor Mitleid mit der notleidenden Menschheit! Sein Herz entbrennt mit der Bestätigung der neuen Bündnisse.”

       ”Unter den Menschen existiert die Vorstellung vom erstarrten Archaten, und armselige Yogis nähren diese Vorstellungen durch ihre eigenen Bilder. Doch wenn die Menschheit erkennt, dass der Archat die höchste Erscheinung der Materia Lucida ist, wird sie verstehen, dass es zwischen Materia Lucida, die Licht aussendet, und der Materie der Liebe, die alles in Licht hüllt, keinen Unterschied gibt. Die Menschheit hüllt den Archaten in eine rauhe Schale, doch Materia Lucida strahlt Liebe aus. Wann wird es möglich sein, die Menschen mit Unserem Bild zu erleuchten?” (Hierarchie, § 3)

       ”Der Verstand erkennt nur mit Mühe die Reinheit der höheren Sphären. Dem, der den Weg zu Uns kennt, werden Wir sagen: ‚Gehe den Weg der Liebe. Gehe den Weg der Arbeit. Gehe den Weg und verwende Dein Vertrauen als Schild!‘ Dem, der Unser Bild in seinem Herzen gefunden hat, werden Wir sagen: ‚Gehe den Weg des Herzens, und der Kelch wird den Weg bestätigen!‘ Dem, der glaubt, dass er den Weg durch Eigendünkel erreicht hat, werden Wir sagen: ‚Gehe und lerne vom Geist, der das Ziel kennt.‘ Eigendünkel hemmt jeden Fortschritt.” (Hierarchie, § 24)

       ”Die ganze Schöpfung ist im Ruf des Herzens enthalten. Die ganze Welt des Kosmos ist von einem Ruf durchdrungen, und das Herz des Kosmos und das Herz eines Archaten sind vom Ruf durchdrungen. Der Ruf und die Antwort enthalten eine Verbindung von kosmischen Feuern. Das Herz Unserer Bruderschaft sichert für die Menschheit den Weg zum Allgemeinwohl.” (Hierarchie, § 11)

       Den Schlüssel zur Lehre muss jeder in seinem Herzen finden. Mit dem Verstehen der Lehre des Lichts sollte die Kreativität des Geistes einsetzen. Das Bild des Lehrers kann einen erleuchteten Weg in den kosmischen Raum weisen. Wenn wir in unserem Herzen das gewählte Bild aufnehmen, werden dann nicht unsere Herzen aus Liebe zu allen Wesen entflammen? Die schöpferische Materia Lucida dient als Verkörperung des hohen Geistes, doch diese Energie wird durch Liebe angezogen. Der ganze Kosmos wird durch Liebe aufrechterhalten. Liebe ist der stärkste Magnet.

       Meine Liebe zu Euch allen und der brennende Wunsch nach Eurem Fortschritt halten mich dazu an, die Notwendigkeit der Verbesserung aufzuzeigen.

       Nun eine generelle Anregung. Wenn Ihr diese Anregung befolgen wollt, müsst Ihr an das Gebot des Lehrers denken: ”Strenge Euch selbst gegenüber und ein offenes Herz für Euren Bruder. Nur das wohlwollende Auge kann schöpferisch tätig sein.” Der Lehrer rät immer, die Lehre vor allem auf Euch selbst anzuwenden, andernfalls werdet Ihr auf derselben Stufe bleiben: ”Es ist traurig, wenn der Geist nach Beendigung seines irdischen Lebenskreislaufs zum gleichen Ausgangspunkt zurückkehrt. Es ist traurig, wenn der Geist sich selbst immer die gleichen Grenzen setzt und das, was er hervorgebracht hat, als treuer Weggenosse an den Toren wartet.” (Unbegrenztheit I, § 63)

       Entwickelt v allem Gerechtigkeitssinn und Unterscheidungsvermögen. Beide Eigenschaften werden vom Herzen ermessen. Deshalb fangt an, über das Herz nachzudenken, um es zu beachten und seinem Ruf zu lauschen. Der Magnet des Herzens wird durch Aufrichtigkeit und Bestrebung gestärkt. Daran ist nichts Abstraktes, weil all die feinen kosmischen Energien das Herz durchlaufen – die feinsten, die mächtigsten und schöpferischsten Energien. Doch um diese schöpferischen Energien anzuziehen, muss man sein eigenes Feuer entfachen. Entfacht Eure Feuer! Doch verwechselt nicht Sentimentalität, diese weinerliche Freundlichkeit, mit der ernsten, weisen Offenbarung des Herzens! Denkt daran, was die Lehre über Mitgefühl und Mitleid sagt. Liebt einander, passt aufeinander auf und erfreut Euch gegenseitig!

* * *

11. Februar 1929

       Jeder von Euch schreibt über das Streben nach Einheit. Was hält Euch davon ab, wenn Ihr diese Notwendigkeit klar erkennt? Ich will Euch antworten: der Mangel an geistiger Disziplin, die mangelnde Fähigkeit, die Lehre vor allem auf Euch selbst anzuwenden. Wenn es darum geht, Toleranz zu üben, erwacht mit voller Kraft die alte Gewohnheit des zügellosen Antagonismus bzw. nicht ausgelebten Atavismus, und dann sind die besten Vorsätze sofort vergessen. Natürlich ist es schwer, all die schlechten Gewohnheiten auf einmal abzulegen; deshalb wollen wir das Vordringlichste zuerst ausrotten – die Intoleranz. Wir wollen dieses Vermächtnis der Lehre mit feurigen Buchstaben in unser Bewusstsein schreiben und zu Beginn sowie am Ende jedes Tages daran denken, bei der Arbeit und in den Mußestunden.

       Wir wollen daran denken, was Buddha Seine Schüler lehrte, wie er von Ihnen verlangte, vor allem ihre Launen im Griff zu haben. Erst nachdem der Geist alle Gefühle des Schülers bezähmt hatte, lüftete der Gesegnete den Schleier ein wenig von der heiligen Lehre. Der Weg der Lehre ist heute der gleiche wie damals. Um sich zu nähern und höchstes Vertrauen zu erlangen, sind die gleichen Voraussetzungen nötig: Ehrfurcht vor der Hierarchie und Disziplin des Geistes.

       Indem wir die von der großzügigen Hand des Lehrers gereichten Hinweise und Möglichkeiten anwenden, können wir sehr viel aufbauen, was uns in den Augen der Welt und in diesem Leben erhebt, und durch Befolgung der Anweisungen ein gutes Karma vollenden. Doch was wird wirklich in unsere Schatzkammer gelangen, wenn wir unsere inneren Motive und Gefühle nicht in höchstes Streben verwandeln? Trotz unserer Arbeit in der vom großen Lehrer aufgezeigten Richtung wird der Turm unzugänglich bleiben. All das klingt so kompliziert und schwierig, und dabei ist alles so leicht und einfach. Wenn das Herz in Liebe und Begeisterung für den Lehrer sowie für die Schönheit und den Atem der Lehre des Lebens entflammt ist, könnten diese Funken so leicht zu einer Flamme unersättlichen Strebens angefacht werden, die uns über alles emporträgt. Das müsst Ihr anstreben, meine Freunde!

       Ist es so schwer, wenn Ihr das Bild der Schönheit vor Euch habt? Ist es nicht die höchste Freude, Euch ganz dem Dienst am Allgemeinwohl hinzugeben? Was man dadurch erreichen kann, ist wunderbar, und es gibt keine Grenzen! Doch alle Möglichkeiten, die ganze Freude daran, liegen in uns selbst. Niemand kann mehr aufnehmen, als er fassen kann – sonst kommt es zur Vernichtung. Die Gesetze des Kosmos sind unumstößlich und unveränderlich. Die höchste Freude für den einen vermag in einem anderen heftige Qualen auszulösen, wenn keine Angleichung stattfindet. Das müsst Ihr verstehen. Die Strahlen, die uns der Lehrer in der höchsten Freude Seines Geistes sendet, werden in uns Qualen hervorrufen und können sogar unseren Organismus zerstören, wenn wir nicht auf ihren Empfang vorbereitet sind. Darüber müsst Ihr Euch klar werden, meine Lieben, und gewährt den Strahlen des großen Lehrers Einlass. Jeder Strahl im Kosmos kann entweder schöpferisch oder zerstörend wirken. Alles hängt von der Wechselwirkung und der Assimilation ab, ”denn der Mensch als Teil des Kosmos unterliegt all seinen Gesetzen”.

       Ich möchte aus dem Buch ”Unbegrenztheit” zitieren: ”Die kosmische Schöpfung nutzt alle Lebensimpulse und setzt an den Hebeln des Lebens an. Von allen Impulsen ist Einheit, die alle Erscheinungen des Lebens enthält und durch die die Verbindungen des Lebens geschaffen werden, der stärkste. Warum wendet man diesen Grundsatz nicht im Leben an? Wenn Einheit mit Differenzierung kämpft, kommt es zu einer heftigen Explosion, die Bruchstücke der Explosion werden oft weit davongetragen, und diese Teilchen verlieren ihre wechselseitige Anziehungskraft. So verursacht der Mensch durch Abweisung der Kräfte, mit denen er karmisch verbunden ist, eine mächtige Explosion. Das Gesetz kann nur durch Vereinigung etwas hervorbringen. Das Element der Anziehung ist ein Kennzeichen des Wegs für alle Antriebsenergien. Die Brüder der Menschheit bestimmen den Weg für alles, was sich durch Evolution behauptet. So erweist sich die Anziehungskraft als das Gesetz des Seins. Diese kosmische Kraft der Vereinigung untermauert die Macht der Kosmischen Vernunft.” (Unbegrenztheit II, § 7 und 8)

* * *

       Lasst mich mehr zitieren: ”Betrachten wir die Auflehnung eines Schülers. Wenn der Schüler seine Auflehnung gegen die Schenkende Hand des Lehrers verbirgt, so ist dies, als ob er eine Handvoll Steine verbergen würde. Wir sollten einen solchen Schüler daran erinnern, dass der Zorn auf ihn zurückkommen wird. Wenn der Schüler, der seine Opfer zählt, sich der Schenkenden Hand zuwendet – wie groß wird sein Mangel sein! Der Schüler, der sich für wichtiger hält als den Guru, bricht die Verbindung mit dem Lehrer ab. Durch das Aufzählen seiner Opfer hat der Schüler bereits einen Lohn erhalten. Es ist unwürdig, die eigene Wichtigkeit zu betonen. Aufgrund seiner leichtfertigen Bemerkungen kann man annehmen, dass seine Auflistung unvollständig ist. Wenn diese Schulden nicht ausgelebt werden, wird die Reise lange dauern. Eigendünkel ist eine Pest! Man kann seine eigene Unzulänglichkeit bedauern, doch die Auflehnung gegen die Schenkende Hand gleicht einem Pfeil, der gegen den Schild geschleudert wird. Die Säulen der Lehre stützen die Taten! Daran wollen wir denken!”

       Über die Hierarchie wird richtigerweise gesagt: ”Gewiss, die Lebensspirale baut nur auf diesem Prinzip auf. Die Schaffenskraft des Lehrers zeigt sich auch in ewiger Bewegung. Deshalb muss die Sättigung eines Schülers durch die Schaffenskraft des Lehrers überwunden werden. Der Schüler, der seine Errungenschaften aufzählt, überschreitet die Grenzen der Wahrheit. Deshalb sage Ich, dass die Hierarchie der einzige Schild ist. Deshalb muss der Schüler, der seinen weichen Sessel mehr schätzt als den Thron seines Lehrers, an die Schenkende Hand denken. Es kränkt Mich, wenn sich der anmaßende Schüler hochmütig verhält. Wir betrachten Hochmut gegenüber dem Lehrer als das Höchstmaß an Eigendünkel. Daran möge der Schüler bei all seinen Schritten denken.” (Unbegrenztheit II, § 27)

       Jemand wundert sich und meint, ob nicht vor allem die Ergebnisse zählen? Meine Antwort lautet: ”Kann er diese bereits aufzählen?” Das Aufzählen könnte den Erwartungen nicht entsprechen.

       Verwahrt die Euch durch den erleuchteten Geist anvertrauten Schätze gut und sät die Saat der geistigen Schaffenskraft, indem Ihr aufwärtsstrebt und die Bedeutung der großen Gabe erkennt. Das Ergebnis hängt vom Streben ab, das geistige Schaffenskraft verleiht.

       Jemand könnte durch die Schärfe dieser Ausführungen verärgert sein. Doch darf ich fragen, ob es möglich ist, dass dieser auf der ersten Stufe des Rufs stehenbleibt, wenn so viele angenehme Dinge geboten werden? Befinden wir uns noch im Stadium der Kindheit, wo die rettende, doch bittere Medizin in mit Schokolade überzogenen Pillen verabreicht wird? Mut und Geduld müssen aufgebracht werden, um die alte Hülle abzuwerfen und als freudvoller, leuchtender Geist wiedergeboren zu werden. Wir alle haben die Stürze des Geistes erlebt. Diese sind fast unvermeidlich, doch man sollte sie aufmerksam verfolgen, denn es ist gefährlich, wenn der letzte Sturz tiefer ist als der vorhergehende. Es wird schwer sein, sich wieder zu erheben, und vieles wird verlorengehen.

       Lauschen wir der Stimme unseres Herzens. Möge uns das Herz sagen, was für große, liebende Herzen in der Festung des Lichts leben und wie sich Unerreichbarkeit für das strebende Herz in den stärksten Magneten verwandelt. Nichts kann dieser Anziehungskraft entgegenstehen, wenn der Geist seine inneren Feuer umgewandelt hat.

       Ihr seid mir alle so teuer, und ich würde so gerne Euch alle um mich haben, um Euch ein freundliches und aufmunterndes Wort zuzuflüstern und mit Euch allen in der Freude an der unbegrenzten Lehre zu wachsen.

       Oft erreichen mich Eure Rufe. Ich fühle, dass es nicht leicht für Euch ist, doch umso größer wird der Sieg sein. Mein Herz spricht und ruft oft, weil die große Arbeit vor uns liegt. Erleichtern wir sie uns, indem wir die Gebote der Lehre befolgen. Ich kenne Eure Entschlossenheit und Eure Ergebenheit, doch alles kann verfeinert werden, und darin liegt die Freude unserer Existenz.

       Für einen starken Geist offenbart sich die schwere Zeit als der kürzeste Weg. Heißen wir alle Schwierigkeiten willkommen. Uns ist Freude beschieden, doch es ist notwendig, den Angriffen der finsteren Kräfte zu widerstehen. Denken wir daran, dass ”Wille und Energie die Beherrscher des Karma” sind. Richten wir unsere Willenskraft auf die Umwandlung unserer Feuer. Ziehen wir das reine Feuer des Raumes an! Mit dem reinen Feuer kommt die ganze Freude. Denken wir daran, dass der Geist des starken, reinen Feuers die Eigenschaft der Vereinigung besitzt. Wo keine Vereinigung in Erscheinung tritt, fehlt das reine Feuer; doch nur reines Feuer führt zum Turm.

       Meine Liebe und meine Unterstützung sind in dieser schweren Zeit des geistigen Ringens bei Euch. Ihr seid in ständiger Obhut, zweifelt nicht daran. Jeder Schüler ist dem Lehrer wichtig. Jede Regung Eures Herzens findet Widerhall im Großen Herzen. Nicht immer können die ausgesandten Strahlen Euer physisches Bewusstsein erreichen, doch in jeder Minute vertreiben und vernichten sie so viele fremde Funken um Euch. Unterstützt diese unschätzbaren Botschaften durch Euer Streben, durch Eure bewusste, bemühte Haltung ihnen gegenüber. Sie werden vom Vollkommenen Herzen und von der Vollkommenen Vernunft gesandt.

       Habt Ihr Euch von der völligen geistigen Armseligkeit und der Zweifelhaftigkeit der Offenbarungen des ”geistigen Auftrags” in den meisten Medien überzeugt? Jeder hat nur in seinen Bereich Einblick, nicht mehr und nicht weniger. Sucht Ihr bei einem Menschen Wissen, nur weil er das Alphabet kennt? Sucht die Aufspeicherung des Kelches oder die große Synthese! Ihr besitzt das Höchste. Überlastet Eure Aura nicht durch den Kontakt mit unvollkommenen Bereichen.

* * *

17. Dezember 1929

       Ich zitiere für Euch eine Seite aus dem Buch ”Unbegrenztheit”. Diese Zeilen, die die enge Verwandtschaft zwischen den sieben kosmischen und menschlichen Erscheinungen beschreiben, werden Euch helfen, über die Bedeutung der Ereignisse nachzudenken.

       ”Nur in Anspannung, nur wenn alle Saiten schwingen, kann die kosmische Aufgabe erfüllt werden. Nur wenn die Aufgabe in gespannter Form verrichtet wird, kann das Vorherbestimmte stattfinden. Wenn die Fundamente des Kosmos das Firmament durch ihre Anziehung stützen, kann das Firmament standhalten. Doch wenn die Fundamente die gegenseitige Anziehung verhindern, bebt die Kuppel aufgrund des Ungleichgewichts; so können die Fundamente das Werk entweder untermauern oder zerstören. Die Grundlagen können immer die verschiedensten Energien vereinen. Der Kosmos lenkt seine Energien entsprechend der Polarität. Negative und positive manifestieren die Verbindungen.” (Unbegrenztheit I, § 322)

       Denkt über den tieferen Sinn dieser Ausführungen nach und verhindert nicht die wechselseitigen Anziehungen, beschwört nicht die Erschütterung der Fundamente. Wie könnt Ihr die Folgen des Bebens abschätzen? Bei einer Teilexplosion kann man ein neues Fundament sorgfältig aufbauen, doch oft trifft eine einfache Explosion durch ihre Detonationskraft die nächsten Explosionsherde. Überall herrscht das große Gesetz der Entsprechung und Gleichartigkeit.

       Auch solltet Ihr daran denken ”zu verhindern, dass sich nützliche Kräfte in das Rasseln von Skorpionen verwandeln”. (Gemeinschaft, § 261)

       Die Möglichkeit wurde vor langer Zeit vorhergesehen, und es wurde eine Warnung geschickt. Wir müssen lernen, die Hinweise zu deuten. Wir wollen von der Bedeutung der gegenwärtigen Zeit durchdrungen werden. Jeder Leichtsinn grenzt an ein Verbrechen.

       Wenn wir den begrenzenden Begriff ”Ich” durch das mächtige, schöpferische und freudvolle ”Wir” ersetzen, werden alle Möglichkeiten und der Reichtum des Geistes in ungeheurem Maße aufblühen; unsere Kraft wird sich außerordentlich verstärken. Die Menschen fürchten den Begriff ”Wir”. ”Ich” kann immer überprüft werden, während das ”Wir” unbekannt und deshalb bedrohlich ist.

       Die große Zeit, die vor langer Zeit vorausgesagt worden war, ist gekommen. Fühlt Ihr sie nicht in der starken Spannung kosmischer und menschlicher Explosionen? Die ganze Erdkruste erbebt, und ein großer Wandel kommt auf uns zu. Diesmal ist es nicht der verhältnismäßig harmlose Schweif des Kometen, sondern es sind unsere eigenen Ausstrahlungen, die durch ihre Dissonanz mit den sich nähernden, höheren, feurigen Energien eine unerwartete Veränderung hervorrufen können oder vielmehr hervorrufen werden. Es ist gut, während solcher Perturbationen auf dem festen Felsen zu sein, auf den bereits hingewiesen wurde, unter dem Schirm von Dukkar. Unsere Aufgaben werden unter diesem Schutz alle Platz finden!

       Ein weiterer Hinweis: ”Wenn ihr eine neue Stufe schafft, wenn Uranus die sechste Rasse sammelt, dann ist es notwendig, von der bestätigten großen Zeit erfüllt zu sein, und alle störenden Sorgen sollten abgelegt werden.”

       Wir müssen alle Lieben, die im Geiste verbunden sind, willkommen heißen; doch alle Zerstörenden, die Trennung bringen, müssen entweder vertrieben oder auf ihren Platz verwiesen werden. Wir arbeiten und schaffen nicht zur Selbstverherrlichung, auch nicht für individuelle Persönlichkeiten, sondern für das umfassende Allgemeinwohl.

       Und so denkt an die nie dagewesene, schöne und bedrohliche Zeit. Keine Minute sollte verlorengehen! Stärkt die Einheit mit all Euren geistigen Kräften und verbannt den kleinlichen Begriff ”Ich” aus Euren Gedanken.

       Alle Saiten meines Herzens schwingen für Euch; möge jeder die für ihn klingende finden.

* * *

11. September 1929

       Die Leute werden mit Fragen und Andeutungen über verschiedene psychische und mediumistische Phänomene an Euch herantreten, die sie als Erscheinungen des AGNI YOGA ansehen. Deshalb will ich versuchen, durch Zitate aus den Gesprächen und Büchern der Lehre den Unterschied zu erklären:

       ”Der Geist des Agni Yoga verbindet uns mit den höheren Sphären und den Strömen des Kosmischen Magneten. Die Eigenschaft des Feuers wird durch die Spannung des Magneten verstärkt. Der Magnet des Geistes bestimmt die Stufe, die sich offenbaren kann. Das gleiche Prinzip lenkt die Entflammung der Zentren.”

       ”Der Geist, dessen Bewusstsein sich auf den niederen Ebenen befindet, kann die Feuer der höheren Zentren nicht entzünden. Nur das Höchste zieht das Höchste an; deshalb werden dort, wo es nur physisches Streben gibt, auch eine entsprechende Empfänglichkeit und ein entsprechendes Ergebnis vorhanden sein. In der herannahenden Epoche des Agni Yogi ist es erforderlich, das Prinzip gewaltsam gesandter Botschaften zu kennen. Auch in der Natur herrscht eine unmittelbare Übereinstimmung, die ihre Grenzen hat. Nur das Feinste kann das Feinste in sich aufnehmen, das ist das Prinzip des Magneten. Genauso wie das Prinzip der feinen Energien für den höchsten Agni Yogi charakteristisch ist, entsprechen der physischen Aufnahmefähigkeit entsprechende Manifestationen. Alles, was erzwungen wird, alles, was besonders grob ist, alles, was sich physisch offenbart, steht hinter dem feinen Prinzip zurück.” (Unbegrenztheit I, § 217)

       ”Ein Agni Yogi besitzt das höchste Gleichgewicht; die sich selbst außer acht lassende Schaffenskraft seines Geistes bewirkt das Gleichgewicht der universellen Entsprechung, und infolgedessen enden Unausgeglichenheit und Disharmonie der Zentren im Gleichgewicht. Die Lehre nimmt auf diese feinen Unterschiede oft Bezug. Um die nächste Stufe zu erreichen, muss man daher die Unausgeglichenheit der niederen Erscheinungen und die Schönheit höchster Harmonie verstehen. Das Wesen eines Agni Yogi ist so hochstehend, dass der Vergleich mit einer mediumistischen Manifestation einem schmutzigen Wassertropfen in einem feurigen Kelch gleicht. Hervorzuheben ist, dass das Verstehen der höheren Feuer uns zu den reinen, feurigen Höhen führt.” (Unbegrenztheit I, § 221)

       ”Der Agni Yogi sammelt eine neue Rasse. Er arbeitet in den höheren Sphären und zieht die Geistträger einer neuen Rasse an. Die feurigen Erscheinungen eines Agni Yogi erfüllen ihren Zweck auf dieser Erde genauso wie in den höheren Sphären. Daher stellt der Agni Yogi das verbindende Glied zwischen den Welten dar.” (Unbegrenztheit I, § 206)

       ”Das Bewusstsein der Menschen muss die feinen Unterschiede in den Werkzeugen, mit denen der Mensch für verschiedene Zwecke ausgestattet wurde und die durch die Triebkraft der Evolution verstärkt wurden, begreifen. Wenn wir von der Transmutation der Feuer sprechen, sollte dies als Bestätigung der stärksten Feuer des Kosmischen Magneten verstanden werden. Nur wenn die Menschheit die ganze schöpferische Geisteskraft eines Agni Yogi versteht, kann man sagen, dass all seine Zentren vibrieren, da sie auf das kosmische Geschehen reagieren. Das menschliche Aufnahmeorgan für visuelle Eindrücke kann mit der Manifestation, die jeden Atemzug des Kosmos wiedergibt, nicht verglichen werden. Deshalb mögen alle, die Agni Yoga anstreben, die geöffneten Zentren klar verstehen.” (Unbegrenztheit I, § 212)

       ”Das Medium hat keine geöffneten Zentren, und sein psychisches Auge hat keinen Zugang zu den höheren Welten. Die Menschheit hat von der Macht eines Mediums eine falsche Vorstellung, und Wir sind oft betrübt, wenn Wir sehen, wie die Menschen sich von durch Psychiker hervorgerufene Erscheinungen irreführen lassen. Physische Materialisationen wirken so anziehend wie ein Magnet.” (Unbegrenztheit I, § 106)

       So sind es durchwegs, wenn man so sagen kann, die niedersten Zentren des Mediums, die durch ihre Spannung wirken. Oft wird dieses Phänomen erzwungen, weshalb es nicht zur Öffnung der Zentren führt, sondern nur zu einer vorübergehenden Reizung. Doch die Feuer des Agni Yogi sind auf die Entflammung der höchsten Zentren, die wirklich geöffnet sind, zurückzuführen.

       Genaugenommen gibt es keine niederen Zentren, und der hochstehende Agni Yogi hat seine ”niederen” Zentren durch die feinsten Feuer transmutiert. Doch diese Transmutation findet nach der Entflammung der höchsten Zentren statt, und dann sind alle ”niederen” Zentren dem Sonnengeflecht untergeordnet. Wir müssen auch daran denken, dass die Qualität dieser Feuer immerzu der Vervollkommnung zustrebt, genauso wie alles andere im Kosmos. Doch ein Prinzip beeinflusst den Agni Yogi wie kein anderes – das Prinzip der Synthese. Die Feuer ohne die Synthese des Kelches zu entflammen ist unmöglich. Mithilfe dieses Prinzips kann man die Qualität der Feuer bereits bestimmen.

       Das ist das Hauptmerkmal, mit dem Ihr die Offenbarungen der Entflammung der Zentren von den niederen psychischen Manifestationen unterscheiden könnt. ”Ein Agni Yogi trägt die Synthese des Kelches – darauf soll Euer Urteil beruhen.” Füllt Euren Kelch mit dem Bewusstsein der Schönheit, mit dem wahren Wissen der Weisheit der Lehre des Lebens und verwahrt diese Schätze in Eurem Herzen; denkt daran, dass das Herz ein starker Magnet ist, der alles Wissen, alle Möglichkeiten und Errungenschaften anzieht. Ihr solltet auch daran denken, dass bei den Manifestationen eines Agni Yogi nichts erzwungen wird, denn der Agni Yogi erarbeitet sich alles selbst. Er selbst transformiert seine Feuer durch die Kraft des Geistes. Der Lehrer gibt die Anweisungen der Lehre für die Erweiterung des Bewusstseins, doch der Schüler muss sie anwenden. Der Lehrer wacht über den Vorgang der Entflammung und schützt die Zentren mit Schichten aus Soma, wenn die Entflammung in einen Großbrand auszuarten droht. Doch wenn der Geist des Schülers nicht mitwirkt, ist keine Transformation möglich.

       Natürlich solltet Ihr mit Euren Antworten sehr vorsichtig sein, besonders bei den Erklärungen, weil man immer an den vom Lehrer erläuterten Grundsatz denken sollte: ”Die Antwort muss wie der Strahl eines Arztes sein, nicht wie ein Sargnagel.” (Agni Yoga, § 37)

       Man darf sich nicht einmischen und muss die jeweilige Bewusstseinsebene des Menschen in Betracht ziehen. Durch sorgfältige Erweiterung des Bewusstseins des Betroffenen kann man wirkliches Verständnis erreichen; doch das ist oft ein sehr langwieriger Prozess, und man muss die gleiche Geduld aufbringen, die der Große Lehrer uns gegenüber zeigt. Am Anfang bedarf jeder der Ermutigung und der Erkenntnis seiner eigenen Fähigkeiten. Es ist so einfach, jemanden abzuschrecken, aber viel schwieriger ist es, jemanden zu halten, und der große Lehrer verlangt von uns, die Neuankömmlinge festzuhalten. Darüber hinaus mag ein Geist mit großen Aufspeicherungen oft für bestimmte Zwecke einen mediumistischen Aufbau des Organismus erhalten haben, doch durch die Entwicklung eines starken Willens kann er mit der Hilfe des Großen Lehrers die unbewussten Manifestationen überwinden und sie seinem Willen unterordnen; das ist jedoch nicht leicht.

       Wir erleben eine schwierige Zeit, doch wir werden uns mit Freude an sie erinnern, denn nur Handlungen, die mit Schwierigkeiten verbunden sind, lassen Stärke entstehen. Auch die Technik eines Musikers kann nur durch ständiges Üben entwickelt werden, nach dem alle Finger schmerzen.

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1930

15. Januar 1930

       Manchmal möchte ich so gerne physisch bei Euch sein, damit ich die Freude Eurer schöpferischen Anspannung teilen kann. Ihr wisst bereits, dass Möglichkeiten angezogen werden, wenn alle Kräfte angespannt sind. Dieses Gesetz herrscht im ganzen Kosmos. Und wir haben auch bereits gelernt, die Hindernisse liebzugewinnen, und wir wissen, dass ”die Hindernisse, die den Geist schwächen, Versagen zur Folge haben, während die Hindernisse, die das ganze Feuer des Geistes für den Kampf aktivieren, als schöpferische Kraft wirken”. Eine alte Weisheit besagt: ”Heißt den Tag des Kampfes willkommen; geht den Hindernissen nicht aus dem Weg.” Wer ausweicht, weicht zurück und findet keine Rettung. Wer sich nicht fürchtet, an der ewigen und unendlichen Bewegung teilzunehmen, kann die Rolle eines Kämpfers übernehmen. Die Bereitschaft, der unbeugsame Rhythmus werden ihn in den strahlenden Kosmos vordringen lassen. Merkt Euch: ”Furcht und Zögern sind Hemmschwellen für den Geist.” (Unbegrenztheit I, § 40)

       Wir müssen uns an den ständigen Kampf gewöhnen und versuchen, ihn liebzugewinnen. Jedes Atom im Kosmos kämpft! Wenn ein Sieg errungen wurde, müssen wir für den nächsten, noch größeren bereit sein; denn im Verhältnis zur Erweiterung unseres Bewusstseins wachsen auch unsere Taten, und der Kampf weitet sich aus und beinhaltet mehr Verantwortung. Im ganzen Kosmos findet der endlose Kampf statt, und wir alle sind daran merklich oder unmerklich beteiligt. Es wird Zeit für diese Erkenntnis, denn durch sie und die Stärkung unseres Geistes werden wir wirkliche Sieger werden. Geführt durch die Hohe Weisheit, die uns die Richtung weist, werden wir alle Abgründe überqueren! Und ohne durch die Vision geblendet zu sein können wir freudvoll und leuchtend in die Zukunft blicken. Wer ist noch so glücklich, das von sich sagen zu können! Werdet Euch des Vorteils bewusst, mit dem Euch dieses Wissen ausstattet! Welche Sicherheit wohnt all unseren Taten und Entscheidungen inne! Ist es nicht wunderbar, dem aufgezeigten Ziel entgegenzuschreiten, die Ereignisse klar erkennen zu können und zu wissen, dass unser Ziel in maximaler Bewusstseinserweiterung besteht, um dem Allgemeinwohl optimal dienen zu können?

       Die bedrohliche Zeit ist ganz nahe. Leuchten nicht schon heiße Blitze auf und brechen nicht schon die unheilvollen Boten des sich entzündenden, unterirdischen Feuers durch? Und wir, die davon wissen, müssen unsere inneren Feuer möglichst schnell transmutieren, um uns dem nahenden Feuersturm anzupassen, denn nur so können wir uns im Kampf behaupten; dies wird uns der Hierarchie des Lichts näherbringen und helfen, den Kelch zu füllen. Wir wollen all unsere Energien transmutieren. Wir sollten mit den widerspenstigsten beginnen: Egoismus (dieser ungestüme Drache der Selbstsucht mit seinem langen Schweif), Eigendünkel, Machtgier, Eigenliebe, Empfindlichkeit, Gereiztheit, Furcht, Zweifel und ähnliche Eigenschaften. Wir sollten diese durch die Flügel verstärkter Einheit ersetzen, durch völlige Solidarität mit allen Mitarbeitern, Anerkennung der Hierarchie, freudvolle Anstrengung bei der Bewältigung der erteilten Aufgaben, Toleranz und Dankbarkeit für die richtigen Hinweise. Wir sollten vertrauensvoll bis ans Ende gehen. Diese ganze Transmutation wird wesentlich erleichtert, wenn das Herz aus Hingabe und Liebe zu dem Einen entbrennt, der zum Aufbau ruft und den Weg zum Turm weist.

       Möge jeder sich selbst kreuzigen; möge er sich streng beurteilen und zu allen Mitarbeitern rücksichtsvoll sein. Es ist wichtig, nur sich selbst zu kreuzigen! Wir werden uns sehr schnell weiterentwickeln, wenn wir uns selbst gegenüber so streng sind. Wenn jemand etwas, was ihm anvertraut wurde, nicht vollendet, stellt ihn nicht bloß, sondern vollendet es nach Möglichkeit selbst. Und ich bitte Euch, kritisiert einander nicht. Durch das ständige Wiederholen von Verurteilungen werden sich Verhärtungen am Gehirn bilden, und wie kann sich dann das Bewusstsein erweitern? Jede freie Minute muss für sinnvolle Taten genutzt werden, für die Erweiterung des Schatzes, für die Beschäftigung mit der Lehre, die noch immer so wenig verstanden und angewendet wird. Jede Zeile beinhaltet so viele Fragen und Vergleiche und sollte sofort im Alltag umgesetzt werden. Und was wird befolgt? Der Lehrer will uns vereint sehen, will uns als ein Herz sehen, als einen Geist, einen Organismus. Wenn ein Teil des Organismus krank ist, erfüllt der gesunde Teil dessen Werk und gibt damit den kranken Organen Gelegenheit zu genesen. Ihr müsst genauso handeln.

       Es heißt: ”Wir stellen die beste Rüstung zur Verfügung; wenn man die alten Gewohnheiten nicht durch eine leuchtende Rüstung ersetzen will, bleibt der Weg zum Turm versperrt! Es ist notwendig, die bedrohliche Zeit zu erkennen und nicht in den alten Gewohnheiten zu verharren.” Es tut mir weh, dies zu schreiben, doch ich fühle, dass es notwendig ist, sonst könnte etwas geschehen, was nicht wieder gutgemacht werden kann. Oberflächlich gesehen mag alles erscheinen, wie es war, doch was nicht gesehen und nicht ersetzt werden kann, wird verschwinden. Die Sorge des Lehrers ist so offensichtlich, und mein Geist kennt und sieht die Struktur des Geistes der Mitarbeiter. Wer wird als Erster aus diesem schmerzvollen Kampf hervorgehen?

       Denkt daran, es gibt keinen anderen Weg. Wenn der Geist zu langsam erwacht – wird es dann nicht schrecklich sein, vor verschlossenen Türen aufzuwachen? In der geistigen und auch in der feinstofflichen Welt sind die Gesetze noch strenger und unveränderlich; die Grenzen der Beziehung sind ganz beträchtlich feiner als auf der physischen Ebene, weil dort die große Auswahl stattfindet. Schöpft Kraft aus diesen Ausführungen; tötet mutig Eure Begierden ab, im Bewusstsein der kurzen Zeitspanne, die verbleibt.

       Ich will dazu aus dem Buch ”Unbegrenztheit” zitieren:

       ”In der kosmischen Schöpfung werden die Energien in größter Anspannung verbunden. Die Verbindungen der vereinten Energien vervielfachen sich mit der Intensität der Spannung. Die Synthese der Spannung wird durch die Kraft der höheren Feuer verstärkt. In der gesamten kosmischen Schöpfung kann das Gesetz der Spannung neue Kombinationen schaffen. Steigt die Spannung, werden neue und andersartige Energien angezogen. Wenn die Energien, die in der Verbindung des Magneten vereint sind, wesensgleiche Ströme anziehen, kann eine Harmonisierung der Energien erreicht werden. Doch wenn sich die Energien in verschiedene Richtungen bewegen, wird die Energie des Magneten verschwendet. Ähnlich verhält es sich mit den Taten der Menschen.” (Unbegrenztheit I, § 374)

       ”Warum wird der Geist der Menschheit von disharmonischen Strömen angezogen? Die Ströme, die zum räumlichen Feuer hingelenkt werden, können natürlich eine bessere Formel ergeben, doch diese Formel muss selbständig geschaffen werden. Initiative ist die Grundlage für aufbauende Tätigkeit. Wenn der Geist seine Saat findet und die ihn umgebenden Hüllen erkennt, kann man die Schönheit des Kosmos begreifen. Die Schale, die sich um den menschlichen Geist legt, versperrt den Weg zur Bejahung. Deshalb müssen Unsere Mitarbeiter wissen, dass diese Schalen für Uns nicht notwendig sind. Man muss einsehen, dass es unpassend ist, das geistige Gewand wie ein Schale zu zeigen, wo wir so sehr den Glanz des Gewandes der Mutter der Welt ehren. Denkt daran und strebt dem Lehrer zu! Nur so werdet Ihr Erfolg haben. Die eigenständige Aktivität der Zentren ähnelt einer aufsteigenden Spirale.” (Unbegrenztheit I, § 375)

       Legen wir alle Hüllen ab. Zeigen wir Initiative, streben wir nach verfeinertem Denken, und wir werden Erfolg haben! Auf Qualität in allem zu achten ist die vordringlichste Pflicht. Das Hohe und das Niedere unterscheiden sich nur in der Qualität und sind sich sonst sehr ähnlich.

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24. Februar 1930

       Nur ein unentwickeltes Bewusstsein kann durch die Autorität des Guru beunruhigt werden. Denn was bedeutet die Autorität des Guru anderes als die Autorität des Hierarchen? Die Autorität des Hierarchen bedeutet nicht Herrschaft über die Bestrebungen alles Niederen. Die Autorität des Hierarchen oder des Guru ist keine Tyrannei; diese Autorität ist höchstes Wissen. Es heißt: ”Der Hierarch setzt seine Macht für den kosmischen Fortschritt ein. Wir Brüder der Menschheit besitzen diese Macht des Wirkens im Einklang mit dem Kosmischen Magneten.” (Hierarchie, § 23)

       Der Hierarch und der Guru sind jene erfahrenen Steuermänner, die während eines heftigen Sturms das ihnen anvertraute Boot durch alle gefährlichen Stromschnellen führen; an allen Felsen zieht das Boot vorbei, in dem wir als ”kostbare” Ladung alle unseren Platz haben. Vergessen wir das nicht; weisen wir die Hand nicht zurück, die sich uns in rettender Führerschaft entgegenstreckt! Macht und Herrschaft sind zwei verschiedene Dinge. Herrschaft ist die niederste Form des Bewusstseins, weil sie ängstlichem, alles ausschließendem Egoismus entspringt, während die durch das höchste Wissen gesegnete und durch das Herz gestärkte Macht das höchste Opfer darstellt. Erinnern wir uns an das Buch über das ”Opfer”. Das Herz wurde immer als das Symbol des Führers angesehen.

       Versucht, die Macht der Freude in Ergebenheit und Liebe zur Führenden Hand in Eurem Herzen zu fühlen. Das Wissen des Geistes und des Herzens bestätigt mir, dass Ihr keinen größeren Freund und Führer habt.

       Wir sollten erkennen, wie gering all unsere Opfer – wenn es solche gibt – sind, im Vergleich zur rettenden Kraft und zu dem Wert dieser Gaben. Ein entwickeltes Bewusstsein wird das verstehen. Niemand wird herabgesetzt, alle werden geehrt, der Weg zu den höchsten Errungenschaften steht allen offen, wenn wir nicht selbst diese Möglichkeit wegwerfen. Es gibt Augenblicke bei schwierigen Bergbesteigungen, wo die einzige Möglichkeit im Weitergehen besteht; jedes Zögern würde eine Katastrophe heraufbeschwören. Ein sich lösender Stein kann einen, der zögert, nicht lange halten. Jetzt müssen wir aufsteigen, und der einzige freie Weg ist der Pfad vor uns, ohne Zweifel, ohne Bedauern und ohne die geringe Zahl unserer Opfer aufzuzählen. Jeder Gedanke dieser Art bedeutet eine zusätzliche Last für unsere Beine und erschwert den gefährlichen Aufstieg. Wir brauchen die Flügel der Liebe und des Vertrauens in die Führende Hand, die Flügel der Freude am Großen Dienen. Jede Anwendung der Lehre im Leben wird unsere Last enorm erleichtern.

       Ich bitte Euch von ganzem Herzen, jeglichen Eigendünkel abzulegen, jeden Gedanken, dass Euer Opfer etwas Einzigartiges sein könnte, jeden Gedanken des Zweifels und des Verdachts, denn die Zeit ist so unheilvoll und mit großer Verantwortung verbunden. Dauert der Kampf denn gar so lange? Die Hälfte ist bereits vorbei – und eigentlich hat niemand dabei etwas verloren. Die Zukunft ist so schön und großartig. Mögen Eure Namen unter den großen Mitarbeitern der Evolution zu finden sein. Was kann besser und schöner sein als die Arbeit für das Allgemeinwohl und die Kultur der Völker!

       Nun einige Absätze (§ 48 - 51) aus dem Buch ”Unbegrenztheit II”: ”Die große Einheit herrscht im Kosmos wie ein mächtiges Gesetz. Nur jene, die diesem Gesetz gehorchen, können an der kosmischen Zusammenarbeit mitwirken. Die Wesenseinheit in allem führt die Menschheit zur Schöpfung. Wenn das Bewusstsein aus der Schatzkammer des Raumes schöpft, dann wird der Kosmische Magnet wirksam. Diese Schatzkammer enthält die Bestätigung der mit Einheit gesättigten Energie. Daher muss jedes Geisteskorn diese Einheit fühlen. Jedes Geisteskorn gehört zur kosmischen Einheit, in der die ganze kosmische Schöpfung enthalten ist. Jeder Mensch, der die Isolation wählt, stellt sich dieser Wahrheit entgegen. Das Gesetz der Einheit ist unveränderlich in all seiner Vielseitigkeit. Nur dieses Gesetz ermöglicht den Aufbau, denn wenn die Anziehung etwas hervorbringt, liegt in der Kraft der Tat Einheit. Alles Vorhandene basiert auf Einheit. Dieses Gesetz ist so mächtig, dass der kosmische Aufbau durch dieses Prinzip aufrechterhalten wird. In all seinen Manifestationen sammelt dieses Gesetz seine Teilchen und vereint alles, was zusammengehört. Dieses großartige Gesetz ist die Krone des Kosmos!”

       ”In der ewigen Schöpfung des Lebens wirkt das Gesetz der Einheit. Die kosmische Schöpfung bewegt sich vorwärts wie ein feuriges Edikt – eine Verordnung, die Einigung bestimmt; ein Erlass, der ein Berufung beinhaltet; ein Erlass, der bestimmt, dass das eine durch das andere ersetzt wird; eine Verordnung, die eine Krönung bestimmt; eine Verordnung, die Unsterblichkeit verspricht; eine Verordnung, die jedem Atom Leben einhaucht; eine Verordnung, die das Herannahen neuer Energien vorsieht; eine Verordnung, die die Neue Ära bestimmt. Die Schöpferkraft des Kosmos offenbart sich auf diese Art durch den Magnet des Lebens. Wie ist es möglich, die kosmische Schöpfung zu spalten? Wie kann man zusammengehörende Teile trennen? Wie kann das eine, das aus dem anderen hervorgeht, von seinem Ursprung getrennt werden? Der Kosmos drängt in seiner Sättigung zur feurigen Einigung. Nur der Kosmische Wille kann der Menschheit das Bild der Einheit vermitteln. Dieser Wille übergibt der Menschheit das höchste Bild des feurigsten Herzens! Dieser Wille vereint auf heilige Weise. Deshalb wird dieses Gesetz im Kosmos durch Leben geschaffen. Wo ist das Ende, wenn all die kosmischen Erscheinungen aus dem dualen Ursprung hervorgehen? Wenn der Geist mit den höchsten Sphären in Berührung kommt, wird die kosmische Schöpfung im Gesetz der unbegrenzten Vereinigung enthüllt.”

       ”Der Geist schaudert bei dem Gedanken an den Tod. Doch wenn das Bewusstsein in das Wesen des Seins eindringt, bestätigt sich der Begriff der Einheit. Wenn der Geist erkennt, wie unaufhörlich alle Erscheinungen des Lebens dahinfließen, kann man die Kontinuität all dieser Ketten aufzeigen: die Gedankenkette, die Kette der Taten, die Kette der Wirkungen, die Kette der Bestrebungen, die Kette der Leben. Eine Kette bestimmt von vornherein die andere. Die schöpferische Kraft des Lebensmagneten besteht aus diesen Ketten. Und der Geist sollte nicht beim Gedanken an Tod und Auflösung erschaudern, sondern nur beim Gedanken, diese Kette zu unterbrechen. Wenn man die Menge dieser zerrissenen Ketten im Raum erforschen könnte, würde der Geist entsetzt sein! Wenn sich die große Veränderung vollzieht, können nur jene Erfolg haben, die die Einheit der Evolution akzeptieren.”

       Wir dürfen die Kette, die uns mit der Führenden Hand verbindet, nicht zerreißen. Wie könnten wir sonst an unser Ziel kommen?

       Ein weiterer Auszug aus demselben Buch: ”Die kosmischen Fristen lassen sich durch die unterirdischen und überirdischen Feuer erklären. Dies steht wiederum in Wechselbeziehung mit dem Bereich der menschlichen Taten. Wenn die Frist naht und wirksam wird, kann man immer beobachten, wie im Zusammenhang mit den kosmischen Perturbationen das menschliche Bewusstsein verändert wird. Natürlich verbindet die Unveränderlichkeit des Gesetzes alle Bereiche, und die enge Verbindung aller kosmischen Kräfte wird zur Bestimmung der vernünftigen Tat. So wird die Frist durch alle Ereignisse erfüllt, und sie beschränkt sich nicht nur auf eine Sphäre.” (Unbegrenztheit I, § 397)

       ”Jetzt sind die Feuer aller Sphären sehr angespannt, und die kosmische Entscheidung bringt eine Wendung der Ereignisse. Die magnetischen Ströme üben eine starke Anziehung auf das unterirdische Feuer aus.” (Unbegrenztheit I, § 398)

       ”Wie die Leitung der Elektrizität von verschiedenen Bedingungen abhängt, so macht sich die menschliche Aura bereit, die kosmischen Sendungen aufzunehmen. Wenn die menschlichen Sphären bestimmte Erschütterungen benötigen, dann gibt es entsprechende kosmische Sendungen. Nur jene Elemente, die in die gefestigten Auren eindringen können, vereinen sich mit diesen Sphären. Wenn die Sphäre nach starken Erschütterungen verlangt, kann sie die strömenden Sendungen des Kosmos nicht aufnehmen. Deshalb wird die Finsternis, die den Planeten umgibt, diese Erscheinung nicht ohne das Auftreten von Explosionen zulassen. Diese reinigenden Kräfte werden die Menschheit erleuchten. Die kosmischen Feuer ziehen die bestätigten Fristen an.” (Unbegrenztheit II, § 3)

       ”Die reinigenden Feuer des Universums durchdringen alle Bereiche des Planeten. Die Funken des Feuers verbreiten sich über alle Kanäle des karmischen Wirkens. Wie Vulkane flammen die verstärkten Feuer auf. Die Gewalt des Karma verschiebt und bewegt die Kraft von Hand zu Hand. Der kosmische Strom eilt den reinigenden Feuern zu; und daher der Komet, der durch die Unbegrenztheit rast. Die Spannung der Ströme ist sehr ausgeprägt, und die Wirkung entspricht den Feuern des Planeten. Die Zentren des Agni Yogi nehmen alle kosmischen Ströme auf.” (Unbegrenztheit II, § 4)

       Wie viele Warnungen und Zeichen werden hinsichtlich der sich nähernden, bedrohlichen Zeit gesandt! Doch die Unwissenheit ist groß. Ich erinnere mich, in einer wissenschaftlichen Zeitschrift gelesen zu haben, dass ein nordischer Wissenschaftler die Aktivität der Vulkane erforscht und festgestellt hat, dass der vorhandene vulkanische Gürtel derzeit eine ungewöhnliche Spannung aufweist und alle sogenannten erloschenen Vulkane wieder zu feurigem Leben erwachen. Unerwartete Eruptionen werden an neuen Stellen beobachtet. Die gefährlichsten Strömungen befinden sich auf dem Meeresgrund. Der Wissenschaftler schließt seine Ausführungen mit dem Hinweis, dass in naher Zukunft eine gigantische, planetare Katastrophe nicht auszuschließen ist.

       Die folgenden Paragraphen aus dem Buch ”Unbegrenztheit” erklären dies zum Teil: ”Würde die Menschheit die Bedeutung der Existenz wirklich verstehen, so würde sie sich den kosmischen, schöpferischen Kräften anschließen. Wie ist es möglich vorwärtszukommen, ohne die ewigen kosmischen Verlagerungen zu erkennen? Nur wenn wir über die Begrenzungen unseres Lebens hinausstreben, wird es möglich sein, die schöpferischen Kräfte des Kosmos wahrzunehmen. Die Mauer der Dummheit hat den Weg versperrt, genauso wie der Nebel der Zufriedenheit. Wer fähig ist, in die Sphären wahrer kosmischer Schöpferkraft einzutreten, wird das kosmische Bewusstsein erlangen.” (Unbegrenztheit II, § 54)

       ”Jene haben recht, die von der Unwissenheit der Menschen sprechen. Wenn die bedrohliche Zeit näherkommt, ist es notwendig, die ganze Kraft für einen großen Schritt aufzuwenden. Die Epoche des Maitreya wurde bereits vorausgesagt, und die Zeichen werden schon verstreut wie feurige Samenkörner. Deshalb wird die bedrohliche Zeit für jene, die dem Kosmischen Magneten folgen, voll Licht sein. Und auch für jene, die sich für die Wichtigkeit der Neuen Epoche einsetzen, wird sich herausstellen, dass die bedrohliche Zeit das Licht der Zukunft in sich trägt.” (Unbegrenztheit II, § 55)

       Doch die Menschen wollen noch immer nicht verstehen, wie unruhig das Leben auf unserem Planeten jetzt ist und wo man die Ursache für die drohenden Gefahren findet.

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24. Juni 1930

       In Ihren letzten Briefen betonen Sie, wie glücklich Sie sind, Verantwortung zu haben, die jedem Mitarbeiter bei der Führung der ihm anvertrauten Abteilung übertragen wird. Die Erkenntnis persönlicher Verantwortung ist ganz richtig, doch würde ich von Ihnen auch gerne etwas über Zusammenarbeit hören. Ich befürchte, dass meine Auffassung von Verantwortung sich von der Ihren etwas unterscheidet. Persönliche Verantwortung hängt nicht nur mit umfassender Zusammenarbeit zusammen, sondern diese Zusammenarbeit oder Mitarbeit ist die Grundlage persönlicher Verantwortung. Der Kosmos ist auf Zusammenarbeit aufgebaut; und der Mensch, als ein Teil und eine Reflexion des Kosmos, kann sich von diesem Gesetz nicht ausschließen, wenn er sich nicht zugrunderichten will. Jede Institution, mit einem Ihrer Mitarbeiter an der Spitze, muss so intensiv wie möglich mit allen anderen Abteilungen oder Institutionen kooperieren. Alle Abteilungen arbeiten nach demselben Plan, und wir müssen darauf achten, dass sie zusammenarbeiten wie die Finger einer Hand, nicht behindernd, sondern helfend und einander ergänzend. Zieht sich eine dieser Abteilungen von dieser Zusammenarbeit zurück, resultiert dies in einer eiternden Wunde, die zur Auflösung führt, wenn nicht rechtzeitig eine rettende Operation durchgeführt wird.

       Wenn Sie meinen, dass Verantwortung Sichzurückziehen und unabhängige Tätigkeit bedeutet, enthüllen Sie ein gut verborgenes Gefühl von Ehrgeiz und Besitzgier. Doch wir wissen, wie all diese Gefühle von sämtlichen Lehren missbilligt werden. Wenn wir in unserem Inneren das Gefühl des Eigentums in all seinen Formen nicht ausrotten, können wir die nächste Stufe nur schwer erreichen. Es könnte sein, dass sich unser besitzergreifendes Denken nicht nur auf die eigene Abteilung, sondern auch auf unsere Schüler und Bekannten erstreckt und wir uns verletzt fühlen, wenn einer unserer Mitarbeiter auch Interesse an ihnen zeigt.

       Diese Einstellung eines Sklavenhalters entspringt dem Gefühl des Eigentums, und Sie wissen, wie schwer es ist, solche Gefühle auszulöschen. Sind aber solche Atavismen in der Epoche der Mutter der Welt – der Epoche der größtmöglichen Zusammenarbeit – zulässig?

       Die Gesellschaften und Institutionen sind nicht zu unserem persönlichen Aufstieg da. Wir müssen daher, entsprechend dem allgemeinen Plan, für die Entwicklung aller dieser Einrichtungen arbeiten. Indem wir ihre Bedeutung in den Vordergrund stellen, erhöhen wir uns selbst, doch wenn wir hauptsächlich an die Wichtigkeit unserer eigenen Persönlichkeit denken, werden wir die Gesellschaften und Institutionen schwächen und uns selbst vernichten.

       Ich befürchte, dass meine Ausführungen von einigen nicht gerne gehört werden, und ich habe meine Gründe, dies zu glauben. Aber es heißt: ”Die Lehre ist kein Honiglecken und auch kein silbernes Mikadospiel. Sie verlangt eine strenge Kreuzigung des eigenen Selbst und eine angespannte Umwandlung der niederen Eigenschaften durch feinste Feuer. Wie Honiglecken mag sie vielleicht auf den ersten Stufen erscheinen, doch die Lehre erfordert die herben und schönen Blumen der Selbstverleugnung. Jene, die das Honiglecken vorziehen, lassen besser die Finger von der feurigen Speise, die für jene, die Selbstverleugnung gewählt haben, vorbereitet wurde.” (BGM II, 334)

       All die finsteren Winkel müssen erleuchtet und der Staub von gestern hinausgefegt werden. Ansonsten ist es unmöglich, die nächste Stufe aufzubauen.

       Bitte verzeihen Sie meine strengen Bemerkungen. Ich schreibe mit meinem ganzen Herzen. Ich möchte Ihnen helfen und Ihnen ein neues Verständnis vermitteln. Süße Reden schläfern unser Bewusstsein ein und vertiefen unsere Unwissenheit, doch Unwissenheit bedeutet Stagnation und Rückschritt. Bereiten Sie dem Lehrer Freude, geben Sie Ihm Ihren Wunsch zu erkennen, den freudvollen Aufstieg zu begreifen! Betreten Sie diesen neuen Weg mit strenger Selbstbeherrschung. Die Grundlage für jede höhere Freude ist Leid. ”Leiden geht der Freude voraus” – so wollen wir es uns merken.

       Die durch das gleiche Streben vereinten Seelen bilden eine geschlossene Kette. Verbunden durch dieselbe Lehre ist diese Kette unzerreißbar.

* * *

17. August 1930

       Aus ganzem Herzen stimme ich der Anordnung des Lehrers zu, dass es so wichtig ist, eine neue Stufe in Angriff zu nehmen. Was bedeutet diese neue Stufe? – Nicht nur Ausrufe und Begeisterung über die Weisheit und Schönheit der Lehre, nicht nur Beteuerungen der Ergebenheit und ein neues Verständnis, sondern Aktivität, wie sie dem neuen Begreifen der Lehre entspricht. Deshalb wollen wir die Lehre im Leben anwenden, wollen die Hierarchie ehren und mit einer freundlichen und feinfühligen Zusammenarbeit beginnen.

       Wir wollen die uns übertragenen Aufgaben aufmerksam und sorgfältig ausführen; wir wollen uns bemühen, die ganze Großartigkeit des Plans für das Allgemeinwohl sowie unsere eigene Verantwortung zu begreifen. Als Fundament sollen uns alle in den letzten zehn Jahren erhaltenen Bestätigungen dienen. Versammelt Euch und lest sie mit Eurem ganzen Herzen! Jedem ist sein Platz klar aufgezeigt, denn nur auf diese Weise können die größten und besten Ergebnisse erzielt werden. Auch haben einige Mitarbeiter bereits in den ersten Tagen bestimmte Charaktereigenschaften gezeigt, die augenblicklich hätten abgelegt werden müssen. Doch was ist in bezug auf die Erfüllung dieser sinnvollen und nützlichen Hinweise geschehen? Ist man diesem brennenden Problem nicht mit unverzeihlicher Leichtfertigkeit begegnet? Die Zeit drängt, und nur die ehrliche Anstrengung, unsere Fehler auszumerzen, kann uns auf dem Weg des Dienens voranbringen. Möge jeder in die Tiefen seines Bewusstseins blicken; möge er sein Herz erwecken; möge er sich ernsthaft über alle Motive, die sein Handeln leiten, Rechenschaft ablegen; und möge er augenblicklich damit beginnen, negative Anhäufungen zu beseitigen, denn die Zeit drängt!

       Die Lehre weist auf schlechte Eigenschaften wie Ehrgeiz, Eigendünkel, Selbstsucht, Argwohn und Leichtsinn hin, die unter Mitarbeitern nicht aufkommen sollten, wenn sie das Fundament einer neuen Stufe errichten wollen. Werden wir uns in unserem Herzen bewusst, dass der Lehrer die Tendenz zur Herrschsucht missbilligt. Wie ich bereits einmal geschrieben habe – Tyrannei und wahre Führerschaft sind Gegensätze. Während ersteres aus der Finsternis entsteht, entspringt letztere dem Licht des Wissens im ewigen Streben nach Vervollkommnung. Herrschsucht ist vor allem gewöhnlich; deshalb verfällt man so leicht dieser Verhaltensweise. ”Herrschsucht ist das Haupthindernis auf dem Weg der Jüngerschaft.” Eigendünkel und Herrschsucht sind untrennbar miteinander verbunden und führen zu geistiger Verarmung und Zerstörung.

       Der Lehrer wendet niemals Gewalt an. Er agiert entsprechend der Intelligenz der Mitarbeiter. Oft sieht der Führer einen kurzen und einfachen Weg zum Erfolg, dessen Einfachheit das Bewusstsein der Mitarbeiter überfordert. Dann wird der weise Führer nicht auf diesem Weg bestehen, sondern, nachdem er die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter abgewogen hat, eine Verhaltensweise wählen, die für die Mehrheit nachvollziehbar ist.

       Nicht Gewaltherrschaft, sondern wahre Zusammenarbeit ist erforderlich. Umfassende Zusammenarbeit steht auf dem Banner der Neuen Ära. Die wichtigste Fähigkeit eines Führers besteht darin, Mitarbeiter mit unterschiedlichster Veranlagung um sich zu sammeln und sie im gleichen Streben zu vereinen. Wird nicht unsere Einigkeit durch unsere Treue zum Lehrer erreicht? Wir wollen daran denken, dass der Lehrer unseren Fortschritt durch großherzige Zusammenarbeit erzielt, nicht durch Gewalt. Mögen weise Zugeständnisse gegenüber dem unentwickelten Bewusstsein in bestimmten Details auch keine völlig befriedigenden Ergebnisse hervorbringen, so werden sie doch zumindest eine vernichtende Atmosphäre aus Gereiztheit und Unstimmigkeit verhindern.

       Für eine gute Zusammenarbeit beim Aufbau einer neuen Stufe ist es unbedingt notwendig, die Bedeutung der Gedanken zu erkennen. Durch Reinigung unseres Denkens im täglichen Leben müssen wir eine bessere Atmosphäre schaffen. Nur auf diese Weise werden wir bessere Möglichkeiten anziehen. In allen Büchern der Lehre sind dieser Frage so viele Abhandlungen gewidmet, doch bis jetzt konnten wir weder die Grundlage unseres Wohlergehens noch die unserer nackten Existenz verwirklichen. Der Kosmos baut auf Gedanken auf. Sowohl Glückseligkeit als auch Zerstörung beruhen auf dem Gedanken. Der Gedanke bringt Leben, doch kann er auch Tod bringen. Wann werden die Menschen das verstehen? Es gibt keinen stärkeren Hebel im Kosmos als den mit psychischer Energie gesättigten Gedanken!

       Der Gedanke ist ein Magnet, und jeder dunkle Gedanke schafft eine Schicht schwerer Fluide, die von übereinstimmenden Bewusstseinen angezogen und gesammelt werden. ”Freude kann durch einen magnetischen Strom Freude aus dem Raum anziehen.” Denkt daran, dass sich der Gedanke wie ein Bumerang verhält. So wird ein Gedanke, der bewusst an eine Person ausgesendet wird, deren Schwingung mit der des Senders nicht übereinstimmt, verstärkt durch gleiche im Raum schwebende und nach Vereinigung suchende Schwingungen zum Sender zurückkehren. Man kann sich leicht vorstellen, welch zerstörende Wirkung ein Gedanke auf denjenigen hat, der ihn in Bosheit ausgesendet hat. Auch bei einer vorübergehenden Schwäche des schützenden Aura-Netzes durch Krankheit werden die negativen Sendungen das Ringen des Organismus erschweren und auf diese Weise nicht wiedergutzumachenden Schaden anrichten. Wären wir nicht dumm, solch finstere Gedanken zu züchten? Weist jeden unreinen Gedanken von Euch; ersetzt ihn durch einen wohlwollenden Gedanken. Beeilt Euch, den Geist durch ausgedehnte schöpferische Gedanken an die wundervolle Zukunft zu reinigen.

       Auch ist es notwendig, ständig an die vernichtende Wirkung der Gereiztheit zu denken. ”Reizbarkeit macht unser Gefäß brüchig.” (Blätter des Gartens Morya II, § 54)

       Auf das Gift der Reizbarkeit mit all seinen Folgen wird im AGNI YOGA hingewiesen. Dieses Gift verzehrt die kostbaren Ablagerungen der psychischen Energie. Was aber kann ohne die Aufspeicherungen von psychischer Energie erreicht werden? Stumpfheit und Zerstörung werden die Folgen sein. Natürlich steht es jedem frei, sich selbst zu zerstören, doch es ist ein Verbrechen, diese schreckliche Infektion zu verbreiten. Indem wir die Bedeutung des Gedankens und der Gereiztheit beachten, werden wir beginnen, eine wohltuende Atmosphäre zu schaffen.

       Beim Aufbauen der gegenseitigen Beziehungen zwischen den Mitarbeitern dürfen Sie die kleinen Arbeiter nicht vergessen. Der wahre Führer wird stets darauf achten, auch seinen geringsten Arbeiter niemals durch ein Wort oder eine Tat zu verletzen. Nur Verrat muss streng verurteilt werden. Unsere Atmosphäre und alle Möglichkeiten werden beträchtlich verbessert, wenn wir von Freunden umgeben sind. Es wurde schon so oft erwähnt, dass man jedes ergebene Herz schätzen soll und wie wichtig die kleinen Helfer sind, die mit unserem täglichen Leben verbunden sind. Auch die liebevolle Behandlung von Tieren verbessert die Atmosphäre um uns.

       Die Lehre gibt lebensnotwendige und nützliche Ratschläge. Wir müssen uns anstrengen, den uns anvertrauten Schatz der Lehre in uns aufzunehmen. Denken wir an den in der Lehre erwähnten Esel, der mit Korn beladen ist – wir wollen nicht wie dieser sein.

       So viele Enttäuschungen und so viele Fehler hätten vermieden werden können, wenn wir die Lehre und alle Weisungen im täglichen Leben genau befolgt hätten. Indem die Lehre uns das Leben und die Grundlagen des Seins verstehen lässt, führt sie uns, wenn alles Vermittelte ganz bewusst angewendet wird, zur feurigen Läuterung oder Umwandlung unserer Zentren in die höheren Feuer und verleiht uns so den Kelch von Amrita.

       Nur diese feurige Läuterung öffnet den Zugang zum Turm. Doch kann sich diese Umwandlung nur vollziehen, wenn der Geist die Selbstsucht überwunden hat. Es heißt: ”Selbstsucht bringt all die grauen Anhäufungen hervor; deshalb kann mit Sicherheit angenommen werden, dass das transmutierende Feuer uns nicht erreichen kann, wenn Selbstsucht den Geist verfinstert. Wenn unser Geist die manifestierte Kraft seines Kerns mit belastenden Anhäufungen umgibt, weicht er vom Streben ab. Die Lasten sind so schwer, dass der Geist seinen Weg zum Turm verfehlt. Deshalb bewegen sich jene, die diese Tatsache kennen, durch die Umwandlung ihres Egos vorwärts. Wenn der Geist nicht bestrebt ist, seine Lasten auszuleben, zieht er diese Hindernisse an. So entsteht eine Balance zwischen dem Streben und den Folgen. Die Schwingen des Geistes befähigen uns, zu den höheren Sphären aufzusteigen, doch die Last der Selbstsucht zieht uns in die niederen Sphären hinab.” (Unbegrenztheit II, § 125)

       ”Nur jene, die von der Mauer der Selbstsucht umgeben sind, lassen Eigendünkel erkennen. Nur die Beseitigung dieser uns den Weg versperrenden, finsteren Mauer wird uns den ersten Schritt der Transmutation ermöglichen. Wenn das Zentrum des Egos isoliert besteht, wird es der Einsamkeit verfallen. Nur die Zusammenarbeit von Herz und Geist beinhaltet den Schlüssel zur Lehre.”

       Eigendünkel wird durch Unwissenheit genährt; Eigendünkel verschließt alle Wege zum Wissen. Eigendünkel beraubt den Menschen des wundervollen Strebens. Welch bemerkenswerte Erklärungen des Strebens, das den Schlüssel zu allen Toren darstellt, sind in den Büchern der Lehre zu finden.

       Es ist für jeden notwendig, sich Rechenschaft darüber abzulegen, wie und auf welchem Wege er die Prüfungen der letzten Jahre bestanden hat. Denken wir an alle Prüfungen, die jenen auferlegt wurden, die in den ersten Tagen des Rufes der Großen Lehrer mit der Lehre in Berührung kamen. Jeder hatte Gelegenheit, sein Wesen ganz zu offenbaren. Lesen Sie aufmerksam die Briefe über ”Prüfung und Jüngerschaft” in dem Buch ”The Mahatma Letters” an A. P. Sinnett (”Die Briefe der Mahatmas”). Sie sind sehr lehrreich. Ich habe sie bereits erwähnt, doch es ist immer sinnvoll, das Gedächtnis anzuregen. Der Lehrer verfolgt ein System der laufenden Prüfungen. Wie könnten sonst die tief verborgenen Anhäufungen enthüllt werden? Wie können sie durch das Feuer der Ergebenheit und des Strebens verbrannt werden? Der Lehrer wendet viele psychologische Methoden zur Prüfung und Führung des Schülers an. Der eifrige Schüler, der jeden Hinweis des Lehrers schätzt, der streng gegen sich selbst, doch wohlwollend gegenüber anderen ist, wird alle Prüfungen erfolgreich bestehen. Doch wehe dem, der sich in seiner eigenen Wichtigkeit bestätigt und sich als einen Pfeiler der Lehre betrachtet; fürchterlich wird sein Sturz sein!

       Ich möchte Sie auch deutlich vor niederem und gemeinem Misstrauen warnen. Wer andere verdächtigt, zeigt, dass er selbst ähnlich veranlagt ist. Indem wir misstrauisch sind, zeigen wir, dass wir die Veranlagung haben, jene Dinge zu tun, derer wir andere verdächtigen. Wir sollten uns schämen, unser Wesen so offen zu enthüllen! Wir wollen dagegen ankämpfen, auch nur die geringste Andeutung einer Gemeinheit aufkommen zu lassen. Wer der Sklave seines Misstrauens ist, wird jeden verdächtigen. Der König des Geistes sieht in allem das Schöne und ruft so das Beste, was es gibt, ins Leben. Überall wirkt das Gesetz des Magneten.

       Alle Aussagen und Hinweise, die vom Guru kommen, haben eine tiefe Bedeutung. Ohne Ursache gibt es keine Wirkung. Jede Anweisung des Guru bringt, wenn man sie genau erfüllt, gute Ergebnisse, nicht nur in bezug auf die Arbeit, sondern auch für jenen, der die Arbeit ausführt. Durch Ablehnung oder nachlässige Erfüllung berauben wir uns oft unersetzlicher Möglichkeiten. Und später, wenn unser Intellekt gewachsen ist, werden wir erkennen, dass das Versäumte nicht mehr nachzuholen ist, und wir werden voll Schmerz aufstöhnen: ”Die Glückseligkeit war so nah, so leicht erreichbar!” Unerforschlich sind die Wege des Karma, und wir wissen nie, welches Glied, welches Band uns die erhoffte Glückseligkeit bringen kann. Deshalb wollen wir kein einziges Band verlieren, das die weise Hand des Lehrers gewoben hat.

       Lasst uns die dunklen Schatten vertreiben! Sie stehen hinter unserem Rücken und flüstern – und wieviel Glück kann uns dadurch verlorengehen!

       Die meisten menschlichen Fehler und Laster wurzeln im Leichtsinn; daher werden wir, wenn wir dieses große Übel überwunden haben, mit riesigen Schritten der Vollkommenheit näherkommen.

       Eine weitere Bitte: Schreiben Sie Ihre Briefe an mich mit einem Durchschlag, und bevor Sie Ihren nächsten Brief schreiben, lesen Sie den vorhergehenden durch. Auf diese Weise werden Sie das Muster Ihres eigenen Geistes besser verstehen. Dadurch werden in Ihren Briefen weniger Widersprüche und Launen aufscheinen. Und wenn Sie etwas Neues miteinbeziehen, zeigen Sie auf, welche Aktivitäten dieses neue Verständnis bestätigt und verstärkt haben. Ich würde es auch gerne sehen, wenn Sie mehr Fragen stellen würden, wie man Ereignisse richtig verstehen soll, und nicht nur günstige Umstände auswählen würden. Zeigen Sie mehr Aufrichtigkeit und Konzentration, zeigen Sie ein breites Bewusstsein! Beseelt von dem gewiss nicht schlechten, aber falschen Wunsch, mir durch gute Nachrichten Freude zu bereiten, geben Ihre Briefe nicht immer die Wirklichkeit wieder.

       ”Es bleibt zu wenig Zeit, um das Öl in Euren Lampen zu verbrennen.” Bitte erkennen Sie, wie ernst dieser Hinweis ist. Für jene, die sich der Hierarchie des Lichts nicht in diesem Leben nähern, kann diese Verbindung für immer verlorengehen. Sie wissen, wie unangenehm es mir ist, jemandem Angst zu machen, wie sehr mein ganzes Wesen bestrebt ist, nur Freude zu bereiten, doch Sie wissen auch, wie beschränkt unsere Zeit ist.

       Sie dürfen den wundervollen Faden der Verbindung nicht zerreißen – der Sturz würde Sie weit davontragen. Seien Sie guten Mutes und guter Laune, und finden Sie Freude in den rettenden Hinweisen der Hierarchie des Lichts. Denken wir vor allem daran, dass der Magnet des Herzens die mächtigste Kraft ist, um die verschiedenen Energien umzuwandeln. ”Alle Ströme werden durch diesen Magneten transmutiert. Der Mensch wird von diesem Magneten angezogen; und deshalb befindet sich die transmutierende Kraft im Herzen.” (Unbegrenztheit I, § 349)

       Versuchen wir, diese Kraft in uns selbst zu entwickeln. Diese wird uns die höchste Freude am Dasein vermitteln.

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7. Oktober 1930

       Der Gedanke, eine Vereinigung der Frauen aus der ganzen Welt zu gründen, ist mehr als zeitgemäß. In den schweren Tagen des Umbruchs, der menschlichen Uneinigkeit, der Außerachtlassung aller höheren Prinzipien des Seins, welche die einzigen wahren Lebensspender sind und zur Evolution der Welt führen, muss sich eine Stimme erheben, die nach dem Wiedererwachen des Geistes und der Miteinbeziehung des Feuers der Heldentat in alle Lebensbereiche ruft. Diese Stimme muss natürlich die Stimme der Frau sein, die über Jahrtausende den Kelch des Leidens und der Erniedrigung getrunken und ihren Geist in größter Geduld geschmiedet hat.

       Lassen wir nun die Frau – die Mutter der Welt – sprechen: ”Es werde Licht!”, und lassen wir sie ihre feurigen Heldentaten bestätigen. Wie wird dieses Licht sein, und welche ihrer Errungenschaften werden die großen und feurigen sein? Das Banner des Geistes wird erhoben werden, und darauf wird geschrieben stehen: ”Liebe, Wissen und Schönheit”. Nur das Herz der Frau, der Mutter, kann unter diesem Banner die Kinder der ganzen Welt versammeln, ohne Unterschied des Geschlechts, der Rasse, der Nationalität und Religion.

       Die Frau – Mutter und Gattin, Zeugin der Entwicklung des männlichen Genius – kann ermessen, wie wichtig es ist, Gedanken und Wissen zu pflegen.

       Die Frau, die zur Schönheit anregt, kennt die ganze Kraft und die verbindende Macht der Schönheit.

       Die Frau – Trägerin der heiligen Kraft und des Geisteswissens – kann eine Führerin werden.

       Wir wollen daher, ohne zu zögern, das erhabene Banner der Neuen Ära erheben, der Ära der Mutter der Welt. Möge jede Frau die Grenzen ihres häuslichen Herdes erweitern, um alle Herde der Welt miteinzuschließen. Diese zahllosen Feuer werden ihren eigenen Herd stärken und verschönern.

       Im Wissen, dass Begrenzung zu Zerstörung führt und dass Ausweitung etwas erschafft, wollen wir mit all unseren Kräften die Erweiterung unseres Bewusstseins anstreben, die Verfeinerung des Denkens und Fühlens, um mit dem daraus entstehenden schöpferischen Feuer unseren eigenen Herd anzufachen.

       Lasst uns in das Fundament der Einheit der Frauen das Streben nach wahrem Wissen integrieren, das keine menschlichen Begrenzungen und Einschränkungen kennt. Doch man könnte uns fragen, wie wahres Wissen erlangt werden kann. Unsere Antwort sollte sein: ”Unser Wissen ist in eurem Geist vorhanden, in eurem Herzen. Ihr aber müsst fähig sein, es zu erwecken!”

       Das Streben nach Schönheit dient als Schlüssel dazu. Dieses Wissen liegt in jedem Streben nach Allgemeinwohl; alle großen Lehren der Welt haben darauf hingewiesen. Es offenbart sich in jeder Naturerscheinung.

       Aber weil die Menschheit es verlernt hat, die kosmischen Erscheinungen zu beachten, hat sie den Schlüssel zu vielen Geheimnissen des Daseins verloren, und gerade diese Geheimnisse könnten helfen, die Ursachen für die gegenwärtigen Umwälzungen und das Elend zu verstehen. Während wir die Krieger des Geistes um uns sammeln, wollen wir sie dazu hinführen, dieses verborgene Wissen zu wecken.

       Die Menschheit sollte das majestätische kosmische Gesetz der Entsprechung, das Gesetz des dualen Ursprungs, als Grundlage der Existenz erkennen. Die Vorherrschaft des einen Ursprungs über den anderen hat Unausgeglichenheit und Zerstörung hervorgerufen, was überall im Leben wahrgenommen werden kann. Doch möge die Frau, die dieses Gesetz erkannt hat und das Gleichgewicht anstrebt, die Schönheit ihrer Weiblichkeit bewahren; sie darf die Zartheit des Herzens, die Feinheit der Gefühle, die Fähigkeit zur Selbstaufopferung und den Mut zur Ausdauer nicht verlieren.

       Die Frau, die Trägerin des heiligen Wissens, kann zu einer bewegenden Kraft werden, die mit feurigen Worten die bereiten Seelen entflammt. Es ist notwendig, jeder Frau das zu geben, was ihrem Bewusstsein entspricht, ohne ihr natürliches und individuelles Wachstum zu beeinträchtigen. Es ist notwendig, den Geist durch sorgfältige Kontakte auf der Grundlage der Lehre des Lebens zu erweitern. Jede Seele muss sich auf natürliche Art und Weise entwickeln, indem sie das Beste hervorbringt, was ihr aufgrund ihrer Bewusstseinsstufe möglich ist. Die Schönheit liegt in der Vielfalt, doch alles sollte eine gemeinsame Grundlage haben – das Streben nach Allgemeinwohl. Auf dem Banner der Mutter der Welt steht umfassende Zusammenarbeit. Lasst uns deshalb größtmögliche Toleranz üben!

       Schwestern des Goldenen Bergs – eine gefährliche, aber schöne Zeit liegt vor uns, eine Zeit großer Heldentaten. Ich sende Euch den Ruf meines Herzens. Rüsten wir uns mit flammendem Streben und mit Mut; tragen wir das Banner der Mutter der Welt – das Banner der Liebe, der Selbstaufopferung und Schönheit – über alle Hindernisse hinweg, um es in der Stunde des Sieges auf den Gipfeln der Welt einzupflanzen.

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13. Oktober 1930

       Ich habe eine Reihe von Briefen erhalten, welche mir einen Eindruck von Ihrer Arbeit sowie Ihrem Versuch, einige der Gesetze des Lebens anzuwenden, vermittelt haben. Ich war glücklich zu sehen, wie tief Sie in die Lehre eindringen. Die aus dem Buch ”Agni Yoga” zitierten Worte sind sehr aktuell. Es ist wirklich notwendig, die Nützlichkeit der schöpferischen Tätigkeit zu bestätigen, die mit mutigem Streben und festem Glauben an den endgültigen Erfolg gepaart ist. Wir müssen dem Feind geistesgegenwärtig entgegentreten. Der Feind ist oft nicht mehr als ein widerlicher, aber harmloser Käfer auf einer von der Sonne beschienenen Wand, und nur neurotische Individuen werden durch ihn erschreckt. Manche Feinde nehmen die Gestalt eines Yaks an, doch wir benutzen Yaks zum Überqueren gefährlicher Berggipfel. Auch ein Wolf wird manchmal im Schafspelz erscheinen, doch vor übermäßigem Vertrauen sind wir bereits gewarnt worden; und wir wissen, dass wir unsere Waffen in jedem einzelnen Fall anpassen müssen. So kann man zum Beispiel einen Tiger nicht mit einem für einen Sperling bestimmten Pfeil bekämpfen.

       Furchtlosigkeit und Strebsamkeit sind zwei Grundlagen der Lehre. Es ist fast unmöglich, etwas, was sich in strebender Bewegung befindet, aufzuhalten. Auf ähnliche Art und Weise überwindet der strebende Gedanke alle Hindernisse. Sie werden das neue Buch der Lehre bereits erhalten haben, und Sie werden darin viele wunderbare Aussagen finden. Machen Sie sich diese zu eigen und wenden Sie sie im Leben an. Beachten Sie alles, was über die Eigenschaften der Tat gesagt wurde. Nur die genaue Kenntnis der Lehre wird Ihnen die Geistesgegenwart für Ihre Antworten geben, denn die Lehre sieht jede Lebenslage vor.

       Es ist auch sinnvoll, sich in Erinnerung zu rufen, was über Wagemut gesagt wurde und wie sehr alle standardisierten Konzepte missbilligt wurden, denn sie verhindern den Aufstieg, sowohl in Kleinigkeiten als auch in großen Dingen. Sie können über die Notwendigkeit neuer Wege sprechen, doch tun Sie dies taktvoll und vorsichtig, denn Unbeweglichkeit und Stumpfheit wollen nicht gestört werden. ”Es ist besser, sich gleich auf den Friedhof zu begeben, als durch tote Gesetze beschränkt zu werden.” (Agni Yoga, § 337)

       Alle Gesetze liegen in den Tiefen unseres Bewusstseins. So können wir, indem wir unser Bewusstsein vertiefen, diese Gesetze erfassen; dadurch erlangt man große Beweglichkeit. Doch was sehen wir in Wirklichkeit? Eine furchtbare Stagnation des Geistes! Länder, die tote Gesetze aufrechterhalten, zerfallen, weil sie sich den Gesetzen der Evolution widersetzen. Betrachten Sie alles mit den ”Augen eines Falken”. Studieren Sie die gegenwärtige Lage und die kommenden Ereignisse auf unserem Planeten! Man kann sagen, dass die kommenden Ereignisse bereits ihre Schatten auf die Erde werfen. Man kann die unter den Massen erwachende Kraft des neuen Bewusstseins und Verstehens nicht einsperren. Alle Verzögerungen verursachen nur eine noch größere Zerstörung. Wir aber sind keine Zerstörer – wir sind Schöpfer. Lasst uns daher eifrig Bastionen der Kultur, des Wissens über die LEBENDIGE ETHIK und der Schönheit errichten. Wissen und Schönheit sind die Grundlage und die Krone der kosmischen Evolution.

       Wie sehr wünsche ich mir, Ihre mutige Geduld, Ihre Furchtlosigkeit und Ihren Einfallsreichtum zu stärken! Nur der Gedanke und ein erweitertes Bewusstsein werden alles überwinden. Setzen Sie all Ihre Mittel ein, um Ihr Bewusstsein zu erweitern, indem Sie jede Zeile der Lehre in Ihrem Innersten aufnehmen. Ein tiefgehendes und vielseitiges Bewusstsein und die Anwendung der Gebote der Lehre im Leben werden Ihnen den Schlüssel zu jeder Situation in die Hand geben, weil Sie die Synthese beherrschen.

       Wenn wir die Hinweise mit den momentanen Ereignissen vergleichen, sehen wir, wie weise und angebracht jeder Hinweis war. Wie überlegt, wie sorgfältig wurde unser Bewusstsein für die nächste Stufe vorbereitet. Gesegnet sei die Hand, welche die Last erleichterte!

       Vor uns liegen Jahre eines hartnäckigen, aber schönen Ringens; doch das Ergebnis dieser Schlacht steht bereits fest. Deshalb sollten wir unsere Rüstung überprüfen und die Klingen unserer Schwerter schärfen. Es ist notwendig, die uns gegebenen Schilder immer bereit zu halten, denn wir müssen in jeder Situation den richtigen Schild erheben. Schreiben Sie sich jedes Gefecht auf und denken Sie so oft wie möglich daran sowie an Ihre Verteidigung und den Ihnen durch den jeweiligen Schild verliehenen Schutz. Die Zahl der Schutzschilde geht über die Anzahl der möglichen Anlässe hinaus. Ihre ganze Tätigkeit wird von ihnen gedeckt und beschützt. Übt gemeinsam! Jeder Mitarbeiter kann seine Findigkeit zeigen und die Kraft des Schildes unter einem neuen, unerwarteten Aspekt entfalten. Es ist besonders nützlich, Diskussionen mit solchen Übungen zu beenden. Sie können sich auch die Fragen des Feindes vorstellen und Ihre Antworten vorbereiten und üben.

       Wenn wir die Arbeit unserer Gesellschaft und Gemeinschaften verteidigen, wollen wir unsere wissenschaftlichen Expeditionen und die große Idee des Friedensbanners nicht vergessen, unsere internationalen Verbindungen und schließlich unseren Kampf gegen die grobe und unwissende Haltung gegenüber der kulturellen Schaffenskraft! Oft ist es schwer für uns, die ganze Bedeutung unserer aufbauenden Arbeit zu erfassen, und die bedeutendsten Daten und Fakten sind uns in wichtigen Augenblicken oft nicht klar; unser Gedächtnis kann nicht immer die notwendigen Gedanken aufbieten. Daher ist es so wichtig, das gedankliche Durchdringen unserer Aufgaben zu üben und unsere Schutzschilde und allgemeine Ansammlungen zu überprüfen. Für den Anfang müssen wir erkennen, dass wir ein großes Werk von weltweiter Wichtigkeit aufbauen und dass wir hinter unseren Schilden unverwundbar sind.

       Vielleicht ist das Konzept einer Stadt des Wissens dem Bewusstsein der Mitarbeiter weniger klar als die anderen Ideen. Deshalb will ich Ihnen einige Ideen für unsere äußere Verteidigung unterbreiten bzw. wiederholen. Was die innere anbelangt, steht Ihnen diese bereits zur Verfügung. Das Zentrum sollte sich zu einer Stadt des Wissens entwickeln. Diese Stadt sollte eine Synthese der wissenschaftlichen Errungenschaften bilden. Deshalb müssen alle Bereiche der Wissenschaft hier vertreten sein. Und da die Quelle des Wissens im Kosmos liegt, sollten die Mitarbeiter dieses wissenschaftlichen Zentrums aus allen Teilen der Welt stammen, das heißt, sie sollten alle Nationalitäten miteinschließen. Da außerdem der Kosmos in all seinen Funktionen unteilbar ist, sollten auch die Wissenschaftler der Welt in ihren Errungenschaften unteilbar sein, in dem Sinne, dass sie eng zusammenarbeiten. Die Lage dieses Zentrums im Himalaya ist bewusst und zweckmäßig ausgewählt, da sich hier unzählige Möglichkeiten bieten und die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt auf diese Höhen gerichtet ist. Die Entdeckung bisher unbekannter kosmischer Strahlen, die der Menschheit neue kostbare Energie vermitteln, ist nur auf den Berggipfeln möglich, denn diese feinsten und wertvollsten Energien kann man nur in den reinen Schichten der Gebirgsatmosphäre finden.

       Bilden Berge nicht die größten magnetischen Stationen? Wäre es nicht zweckmäßig, ihren Magnetismus und ihre Elektrizität zu erforschen? Würde das Studium magnetischer Ströme nicht die Sicherheit der Aerostatik erhöhen? Auf dem Gebiet magnetischer Ströme steckt die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen, und die sogenannten modernen Instrumente sind nichts anderes als Spielzeug, wohingegen ”gründliches Studium und Erforschen große Entdeckungen bringen könnten”. Der Grund, warum wir diese Forschungen in unserem Zentrum aufnehmen möchten, sind die besonders günstigen Bedingungen dieses Ortes. Wäre es nicht angebracht, allen meteorischen Niederschlägen, die auf die verschneiten Gipfel fallen und durch die Kraft der Bergströme in die Täler gebracht werden, Aufmerksamkeit zu schenken? Für astronomische Beobachtungen sind die Bedingungen hier ausnehmend gut, und im naheliegenden Kleintibet könnte man eine Abteilung der Hauptstation errichten.

       Auch in geologischer Hinsicht ist der Himalaya sehr interessant, und seine Höhlen bergen viele Geheimnisse für Archäologen, Zoologen und Anthropologen. Hier gibt es viele heiße Quellen sowie andere unerforschte Quellen und Salzseen, die nach Aussage der dort ansässigen Menschen viele nützliche Eigenschaften besitzen. Was Botanik, Zoologie und Ornithologie anbelangt, haben Sie bereits durch Briefe unseres Botanikers und Zoologen erfahren, wie zufrieden er mit den Ergebnissen seiner Arbeit ist. Auf diesen Bergen konzentrieren sich die seltensten Heilkräuter und Gräser, und die Vielfalt der botanischen Gattungen ist unübertroffen.

       In archäologischer Hinsicht ist unser Tal natürlich eines der ältesten und reichsten. Hier gibt es Spuren von alten buddhistischen Kulturen. Ganz bemerkenswert ist die Anzahl der lokalen Mundarten unter den Gebirgsstämmen; zwei Nachbardörfer verstehen einander oft schon nicht mehr. Auch feurige atmosphärische Erscheinungen können hier beobachtet werden, und das sogenannte ”Himalaya-Leuchten” wird hier häufig gesehen. Wir wollen hier unbedingt eine meteorologische Station errichten, um mit den Studien und Beobachtungen der magnetischen Ströme zu beginnen und haben eventuell vor, diese Station zu vergrößern, da die örtlichen Bedingungen so günstig sind. Im Zusammenhang damit möchte ich einige Hinweise anführen: ”Die weitere Bewegung magnetischer Ströme über der Erdoberfläche weist auf die Form der atmosphärischen Veränderungen hin. Beobachtungsstationen sollten an verschiedenen Stellen errichtet werden, und die Zusammenarbeit zwischen ihnen sollte so eng und genau wie möglich sein. Es ist wahr, dass das Problem in einem Mangel an Synthese liegt und daher viel Energie und wertvolle Studien umsonst sind. Deshalb benötigt man auf der Erde eine Organisation von wirklichen Mitarbeitern.” (Unbegrenztheit II, § 434)

       Denken wir an die vielen Möglichkeiten. ”Weite des Denkens und des Bewusstseins werden euer Prüfstein sein.” Haben Sie bemerkt, dass alle Pessimisten normalerweise ein enges Bewusstsein und eine dürftige Vorstellungskraft besitzen?

       Die Errichtung einer Stadt des zusammengeführten Wissens ist eine Aufgabe von weltweiter Bedeutung, und deshalb sollten wir keine Hilfe erbitten, sondern sie fordern. Wir arbeiten nicht für uns selbst, sondern für die Menschheit. Jeder von uns ist bereit, seine ganze Kraft für das Allgemeinwohl einzusetzen. Mögen auch andere Menschen dieses reine Streben verstehen und vom Wunsch, die Menschheit der Synthese des Wissens näherzubringen, entflammt werden.

       Bestehen Sie darauf, dass Ihre Mitarbeiter Ihre Schilde prüfen und reinigen. Sucht nach diesen Schutzschilden in jedem Hinweis, in jedem Gedanken aus den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK. Wir müssen die schönen aufbauenden Formeln zur Hand haben. Mit unserer ganzen Vorstellungskraft können wir nicht die Bedeutung der gegenwärtigen Ereignisse betreffend die kulturellen Aktivitäten erfassen. Lasst uns daher die Idee in uns aufnehmen, dass eine große Aufgabe von weltweiter Bedeutung erfüllt wird, und lasst uns in immerwährendem Streben die Steine für den Tempel des Wissens herbeitragen.

       Ich bitte nochmals alle Beteiligten, darüber nachzudenken, was Zusammenarbeit bedeutet. Dazu zitiere ich ein vom Lehrer angeführtes Beispiel:

       ”Kräfte, die gegeneinander wirken, zerstören einander. Kräfte, die entlang parallelen Linien in der gleichen Richtung wirken, offenbaren die Summe dieser Energien; und Kräfte, die für sich alleine wirken, werden geschwächt, entsprechend dem Winkel ihrer Abweichung. Die Menschen können nicht erkennen, dass dieses Grundgesetz der Physik auch ein grundlegendes Gesetz der Zusammenarbeit darstellt.” (Unbegrenztheit II, § 433)

       Deshalb sollten Sie Ihre Divergenzen bereinigen, damit sich Ihre Kräfte in dieselbe Richtung bewegen. Denkt an die Folgen der Abweichungen! Bei wahrer Zusammenarbeit wird keiner zurückgesetzt, und je mehr einer weiß und sieht, umso mehr kann er helfen. Je unwissender eine Person oder ein Volk ist, umso geringer ist die Zusammenarbeit. Doch wer würde sich schon gerne selbst als dumm und unwissend bezeichnen? Der Ausspruch ”Ich weiß nichts davon, ich mische mich nicht ein” ist sehr charakteristisch. Doch wer nichts weiß, wird vielleicht nie etwas wissen.

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3. Dezember 1930

       Wir freuen uns sehr über die Entwicklung Ihrer kulturellen Aktivitäten. Jeder im Leben angewandte kulturelle Gedanke ist ein kostbarer Schatz. Und wir haben einen unermesslichen Vorrat an solchen Gedanken, die auf ihre praktische Umsetzung warten. Wer sich diesem Hort nähert, kann aus ihm schöpfen und ihn entsprechend seinem Streben nützen. Deshalb ist es unsere wichtigste Aufgabe, Streben in den Neuankommenden zu entfachen. Jeder, der entflammt wird, wird sein eigenes Potential entdecken und sich auf seine Weise entwickeln und so die allgemeine Schatzkammer bereichern. Doch um uns gegenseitig zu inspirieren, müssen wir dieses unauslöschbare Feuer in uns selbst tragen, es völlig rein halten und die kleinlichen, aus Selbstsucht geborenen Gedanken bekämpfen. Seien Sie versichert, dass ein aus Selbstsucht geborener Gedanke dem großen Plan der kosmischen Evolution widerspricht. Suchen Sie daher in allen Misserfolgen nach diesem Wurm, der alle Fundamente zernagt. Suchen Sie nur ihn. Selbstsucht ist Begrenzung, doch Begrenzung führt zu Stagnation und Tod, während der Kosmos durch das Prinzip der Unbegrenztheit besteht.

       Wie kann dieser Wurm vernichtet werden? Nur durch Toleranz, Großmütigkeit und Verstehen des großen Gesetzes der Entsprechung, also durch die Erweiterung unseres Bewusstseins. All diese Schritte, die zum Ziel führen, sind in den Büchern der Lehre aufgezeigt. Lasst uns unser Leben mit diesen Schätzen bereichern und daran denken, dass das Streben des Geistes und des Willens unser Leben verwandeln kann.

       Der Geist, der seine Energie durch Streben zu entflammen versucht, bringt die Materie zum Schmelzen. Nach dem Schmelzen der Materie wird er sie verfeinern, und dann kann man die feinsten Erscheinungen wahrnehmen. Das ist die einzige Möglichkeit, um wahres Leben und Unsterblichkeit zu erlangen! Der Geist des Strebens muss die Grundlage des Lebens sein.

       Streben Sie dem Höchsten zu, denn jene, die einen kleinen Kreis ziehen, sind verloren und ihre Möglichkeiten entsprechend dem Radius ihres Kreises begrenzt. Ein begrenztes Bewusstsein zieht unvollkommene Energien oder geringe Möglichkeiten an. Und wenn auch auf Grund von Karma die Bahn des Geistes weite Möglichkeiten erfasst, wird ein kleines Bewusstsein versuchen, aus ihnen einen Hühnerkorb zu bauen! Nur ein Bewusstsein, das die Welt mit ihren größten Taten begreift, kann mit dem Kosmos und mit den Großen Brüdern der Menschheit zusammenarbeiten.

       Erkenntnis und konkretes Verstehen des Magneten, der unseren Geist mit den höheren Energien verbindet, die uns die Erweiterung des Bewusstseins verleihen, können uns dem Bewusstsein des Kosmischen Magneten näherbringen und uns tatsächlich in den Strom der Kosmischen Evolution ziehen. Dies wird uns zu dem großen Mysterium führen – der Vollendung des Seins, was auch als Krone des Weltenalls bezeichnet wird.

       Entfachen Sie schnell die führenden Feuer Ihres geistigen Magneten durch das Erwecken des Herzens! Nur in der Vereinigung der Feuer des Herzens mit den Feuern des Geistes können wir Schöpferkraft erlangen und große Ergebnisse erzielen.

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       All Ihre Motive sollten durch Ihr Herz geprüft werden. Ihr Herz ist der einzige Richter, der die erworbenen kostbaren Energien ansammelt und behütet. Die Struktur dieser erworbenen und angehäuften Energien ist unsere Individualität und unsere Bestimmung. Das Gesetz der Entsprechung ist ein grundlegendes kosmisches Gesetz. Deshalb wird jede erworbene Energie eine identische Energie aus dem Raum anziehen und auch eine entsprechende Reaktion bei Menschen, mit denen man Kontakt, hat hervorrufen. Das ist die Erklärung für Sympathien und Antipathien und auch der Grund, warum eine Person mit vielen Menschen in Kontakt kommen kann, während eine andere trotz aller Anstrengungen nur Widerstand hervorruft. Da aber alle Möglichkeiten vom Menschen ausgehen, ist die Bedeutung der Qualität der Energien, die wir ansammeln, ganz eindeutig.

       Die Ansammlung von Energieablagerungen kann sich nicht in einem einzigen Leben vollziehen. Tausende von Jahren sind nötig, um den Kelch zu füllen. Deshalb sind die ununterbrochenen, wohlwollenden Bestrebungen, welche die unschätzbaren Werte unserer Schatzkammer übergeben, so wichtig. Menschen, die über große Aufspeicherungen im Kelch verfügen, sind der Schatz eines Volkes. Manchmal fehlt nur noch wenig, damit der Kelch vollständig gefüllt ist, und dieses Wenige könnte in einem selbstlosen Leben erreicht werden. Doch durch Nachlässigkeit schieben die Menschen die Errungenschaften hinaus und werfen sich dadurch selbst zurück. Niemand und nichts kann die ewige Bewegung und die Umwandlung der Energien aufhalten. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder vorwärtszustreben oder zurückzufallen. Doch wer möchte sich schon dem Rückschritt weihen und sich dadurch mit dem kosmischen Abfall vereinen? Streben ist die große bewegende Kraft in allen Lebewesen!

       Nun einige Worte über Agni Yoga: Wie wollen wir Agni Yoga ohne Erweiterung des Bewusstseins verstehen? Alle Worte darüber und über die Errungenschaften werden ohne Überzeugungskraft sein, wenn wir das Feuer nicht in unserem eigenen Herzen entzünden. Jemand schreibt über die Notwendigkeit der Toleranz gegenüber jeder Auslegung. Dieser Gedanke ist richtig. Es ist jedoch notwendig zu lernen, jede individuelle Auslegung verständlich zu machen. Ansonsten entsteht ein solches Wirrwarr, dass selbst ein Lehrer sich darin verliert! Oft ist eine falsche Auslegung schädlicher als überhaupt keine. Jeder Unterrichtende muss seine volle Verantwortung für die richtige Auslegung der ersten Grundsätze erkennen. Er sollte höchste Vorsicht walten lassen, keine leichtfertigen Erklärungen der Lehre zu geben, die ihm selbst nicht klar sind und die er nur gibt, um seine Autorität nicht zu verlieren. In Zweifelsfällen ist es besser, ehrlich zuzugeben: ”Ich will eine Auslegung unterlassen, da ich mich mit dem Problem intensiver auseinandersetzen möchte.” Was mich anbelangt, bin ich immer gerne bereit, mit Hilfe des Großen Lehrers zu klären, was Ihnen unklar erscheint.

       Sie schreiben so schön über Ihr Streben nach Harmonie. Wenden Sie es im Leben an, denn alles ist nur im Leben und für das Leben von Wert. Zeigen Sie ein ausgeprägtes Unterscheidungsvermögen; vermeiden Sie Heuchelei. Flicken sind besser als Löcher, doch jeder würde lieber ein festes Gewebe haben; deshalb wollen wir versuchen, keine Löcher zu machen! Lasst uns strenge Disziplin in der Sprache üben. Lasst uns jedes Wort überlegen und daran denken, dass ”die Folgen eines Wortes nicht einmal durch einen Archaten aufgehoben werden können”. Lasst uns immerzu die Weisung befolgen, dass ”jedes Wort ein Lichtstrahl und kein Sargnagel sein soll”. Euer Geist muss erkennen, wann es zweckdienlich ist, die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie bitter ist, und wann es besser ist zu schweigen. Doch sowohl Schmeicheleien und Übertreibungen als auch Verharmlosungen sind unzulässig.

       Jeder von Ihnen hat besondere Fähigkeiten; niemand wurde benachteiligt. Deshalb dürfen Sie einander nicht beneiden. Doch es hängt natürlich von jedem einzelnen selbst ab, seine Fähigkeiten zu entwickeln. Und der einzige erlaubte Wettstreit unter den Mitgliedern einer Gruppe möge ein Wettstreit in dem Sinne sein, dass jeder versucht, in die beste Richtung zu streben und den Gedanken des Allgemeinwohls am besten umzusetzen. Jeder sollte verstehen, dass diese Fähigkeit in jedem individuellen Bewusstsein der einzige Gradmesser des Fortschritts ist und dass der Geist eine dementsprechende Stufe einnimmt – nicht höher und nicht tiefer. Ich möchte die Worte des Lehrers zitieren:

       ”Wenn über Selbstsucht gesprochen wird, kann diese nicht individuell ausgelegt werden. Alles im Leben, alles für das Leben. Der Lehrer sieht. Der Lehrer weiß. Der Lehrer wird nichts ohne Bezug auf das Leben behaupten. Wer seine eigenen Formeln wiederholt, kennt die Formeln des Lehrers nicht. Die alten Formeln werden nicht zu neuen Wegen führen. Man muss sagen: ‚Der Kanal der Selbstsucht errichtet seine Dämme überall‘.”

       Man muss auch darauf hinweisen, dass der Kanal der Selbstsucht die Verbindungsleitung durchschneidet. Denken wir daran, dass die Qualität eines Motivs uns entweder dem Lehrer näherbringt oder uns weit von ihm entfernt. Es gibt keinen Platz, wo sich jemand vor dem allessehenden Auge, das in die verborgensten Schlupfwinkel unseres Herzens dringt, verbergen kann. Es ist notwendig, die Macht des Geistes zu manifestieren und unermüdlich bestrebt zu sein, die hartnäckigen, schweren Anhäufungen auszurotten, da sonst keine Verfeinerung möglich ist. Nur die Verfeinerung aller Gefühle bringt die besten Möglichkeiten mit sich.

       Mein Herz sehnt sich danach, das Verständnis für die Lehre wachsen zu sehen; das Wachsen ernsten Strebens, das keine Belohnung erwartet; das Wachsen der Selbstlosigkeit; das Hingeben von nahezu allem für das Allgemeinwohl; das Wachsen einer richtigen Bewältigung der anvertrauten Aufgabe; und darüber hinaus das Wachsen des Verständnisses für die Entsprechung. Man muss verstehen, dass man sich in Aktivität und Spannung verausgaben kann; doch ohne Angemessenheit werden Aktion und Anspannung ähnliche Resultate bringen wie das Verhalten eines Eichhörnchens, das dauernd im Kreis herumläuft. Eine Handlung, die nicht angemessen ist, eine Handlung ohne das schöpferische Feuer des Herzens wird nie eine wertvolle Maßnahme darstellen.

       Ich begrüße die Methode, die angewandt wird, um bei Kindern Aufmerksamkeit zu entwickeln. Zu diesem Zweck ist es sehr nützlich, Bilder aus Kunstgalerien zu verwenden. So viel kann in diesen Kunstschätzen gesehen werden. Aufmerksamkeit ist eine Grundlage, um sich Wissen anzueignen. Aufmerksamkeit ist ein erster Schritt zur Verfeinerung der Wahrnehmung, und wir wissen, dass nur Verfeinerung eine Erweiterung des Bewusstseins bringt und dass schöpferische Kräfte durch die Zentren der feinen Wahrnehmung bestätigt werden. Je feiner, desto hochwertiger; je hochwertiger, desto mächtiger! Nichts verzögert die Evolution so sehr wie eine grobe Aufnahmefähigkeit!

       Wenn wir dem Hohen Bewusstsein näherkommen wollen, müssen wir vor allem unsere eigene Wahrnehmungsfähigkeit verfeinern. Nur wo Gleichgewicht vorhanden ist, wie man es bei einer Waage vorfindet, gibt es wahre Zusammenarbeit. Das ist der Grund dafür, dass die auf den Prinzipien der Harmonie basierende Struktur so sehr geschätzt wird. Die feine Wahrnehmung von Gedanken ist die Grundlage für eine wachsame Tat. Das Schaffen des Schönen baut auf diesem Prinzip auf. Der Grund, dass es so wenig Schönheit in den Werken der Menschen gibt, liegt darin, dass auch die besten Ideen nur teilweise ausgeführt werden und daher die Schönheit der ursprünglichen Absicht verzerrt wird.

       Denken Sie daran, dass Sie von Möglichkeiten umgeben sind, doch diese werden sich nur materialisieren, wenn Ihr Bewusstsein sie verwirklicht. Jeder Gedanke wird durch den Kontakt mit den Aufspeicherungen des Raumes geboren. Stellen Sie sich genau vor, wie viele ungenutzte Gedanken in den höheren Schichten des Raumes fliegen! Versuchen Sie, diese durch Verfeinerung Ihrer Wahrnehmungsfähigkeit einzufangen. Das bezeichnen wir als kosmische Zusammenarbeit, doch vorerst müssen Sie Ihre inneren Feuer entfachen.

       Es gibt keine größere Freude als die eines wachsenden Bewusstseins! In den Wellen des Bewusstseins liegt die ganze Freude des Daseins!

       Ich ersuche Sie noch einmal: Bitte haben Sie ein offenes Herz für alle Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter. Lernen Sie es, tolerant zu sein, ohne zu viel Nachsicht zu zeigen. Inspirieren Sie durch das Feuer Ihres Herzens Ihre Mitarbeiter dazu, im Leben ihre besten Fähigkeiten zu entfalten. Versuchen Sie, Ihre Mitarbeiter in den höchsten Gefühlen von Hingabe und Dankbarkeit gegenüber dem Lehrer, der ihnen so viel gegeben hat, zu vereinen.

       Beeilen Sie sich zu lernen, wie man einander liebt und schätzt. Doch nichts erfordert so eine feinfühlige und aufmerksame Pflege wie die Liebe!

       Wenn Sie wenigstens einen kleinen Teil jener Toleranz und Fürsorge aufbringen könnten, wie sie das Große Herz offenbart hat, das uns aufgerufen hat, mit vereinten Kräften den Tempel zu bauen!

       Lauschen Sie dem Ruf des Herzens!

* * *

17. Dezember 1930

       In den Tagen des Sieges möchte ich Sie grüßen und Sie auf neue und noch anstrengendere Kämpfe vorbereiten! In den Tagen des Sieges möchte ich Sie an die Worte des Großen Lehrers erinnern: ”Seid vertraut mit dem Beben der Schlacht.” In den Tagen des Sieges wollen wir unsere Waffen gründlich überprüfen und unsere Schilde vorbereiten, denn unser Feind ist bereit und beobachtet mit wachsamem Auge unsere schwachen Stellen, um uns dort zu treffen. Er weiß, wie Sieg den Verstand einschläfert und Streben und Wachsamkeit vermindert. Deshalb müssen wir nach jedem Sieg mit verstärkter Kraft der nächsten, noch größeren Schlacht und dem Sieg zustreben. Ein Erschlaffen des Strebens endet in einer Niederlage. Nur ein erweitertes Bewusstsein erkennt die Gefahr der verminderten Wachsamkeit, die sich aus dem ersten Sieg ergibt.

       Lasst uns die Freude ständiger Wachsamkeit und permanenten Strebens kennenlernen. Diese Eigenschaften gehören zu den Grundlagen der Lehre und des Lebens. Nur Streben bringt uns zu den nächsten Stufen. Nur durch Wachsamkeit können wir erfolgreich alle Hindernisse überwinden. Der Lehrer ruft uns zur dringenden Arbeit um des Sieges willen. Der ganze Sieg hängt von der Stärke unseres Strebens ab. Wenn daher das Streben wegen der Kurzsichtigkeit eines beschränkten Bewusstseins oder wegen innerer Zwietracht und Uneinigkeit betreffend die Taten der Krieger abnimmt, ist die Niederlage unvermeidlich. Deshalb bitte ich Sie, sich nicht durch innere Zwietracht zu schwächen, wenn sich eine gefährliche Situation nähert. Es ist auch verhängnisvoll, einander zu bedrängen, weil derjenige, der bedrängt, sehr leicht das Schicksal des Bedrängten teilen kann.

       Auch ist es notwendig, ein genaues Urteilsvermögen zu zeigen, wenn Sie verantwortliche Positionen an neue Krieger vergeben. Lassen Sie sie Prüfungen bestehen und erheben Sie sie nicht zu früh in die ersten Reihen. Stellen Sie sich vor, welche Schwierigkeiten entstehen, wenn ein Mitarbeiter dieser Aufgabe nicht gewachsen ist!

       Lassen Sie es nicht zu, dass Außenstehende einen Ihrer Mitarbeiter in Ihrer Gegenwart kritisieren oder abfällig beurteilen. Versuchen Sie immer, die richtigen Worte zu finden, um Verleugnungen und Verurteilungen zu unterbinden – dafür werden Sie Respekt ernten. Solange Sie einig sind, werden Sie alle Hindernisse überwinden, doch die geringste Uneinigkeit in Ihrem Handeln kann einen Riss im Fundament hervorrufen, und was kann schon auf einem gespaltenen Fundament errichtet werden? Der erste Sturm würde so ein Gebäude zerstören. Schließen Sie sich enger zusammen und seien Sie bestrebt, auch die kleinsten Anweisungen des Lehrers zu erfüllen. Dies ist der einzige Weg zum Sieg.

       Sie müssen daran denken, dass der Guru keinen einzigen persönlichen Gedanken hegt; absolut alles ist auf den Dienst für das Allgemeinwohl gerichtet und diesem ergeben. Wer die Anweisungen ändert oder zu zweifeln wagt, ist selbst schuld. Alles, was nur halb ausgeführt wird, bringt auch nur halbe Ergebnisse. Wir wissen, dass eine volle Dosis einer heilsamen Medizin Leben erhält, während einer eine halbe nur vorübergehende Erleichterung bringt, die mit dem Tode enden kann. Lasst uns daher die wertvollen Weisungen ganz annehmen, um keine lebensspendende Energie zu verlieren. Wenn man die Anweisungen genau befolgt und sie präzise ausführt, resultieren daraus Gesundheit und der große Sieg, das große Licht. Früher war Gehorsam eine Stufe zur nächsten Einweihung. Wer die Disziplin des Gehorsams nicht in jeder Beziehung verwirklichen konnte, erreichte nie die höheren Stufen. Nur wer zu gehorchen und die Weisungen auszuführen verstand, konnte Verantwortung übernehmen und die ganze Unveränderlichkeit des Befehls verstehen.

       Dabei muss man verstehen, dass die erteilten Befehle den Geist eines Schülers niemals versklaven können, weil immer die Freiheit des persönlichen Ausdrucks bestehen bleibt, und wir wissen, wie unendlich wir die Fähigkeit der Erfüllung jeder Aufgabe verfeinern können. Nur ein Sklave des Gestrigen könnte einen Befehl verweigern. Nur ein schwaches Bewusstsein fürchtet, durch Erfüllung der Pläne des Guru seine Individualität zu verlieren. Sich nur auf die eigenen Aufspeicherungen zu verlassen und alles, was wir vom hohen Bewusstsein des Lehrers annehmen könnten, zurückzuweisen, bedeutet, jede neue Aufspeicherung abzulehnen. Individualität entsteht aus diesen neuen Aufspeicherungen, die sich mit den vorhergehenden verbinden.

       Besonders glücklich ist, wer aus dem Schatz des Großen Bewusstseins schöpfen kann. Ich möchte aus dem Buch ”Unbegrenztheit” zitieren: ”Der Gedanke des Gehorsams gegenüber dem Lehrer scheint den Menschen fremd zu sein. Doch wie kann der Geist verlieren, wenn der Lehrer das Führende Licht ist? Wie kann der Schüler sein Feuer verlieren, wenn der Lehrer alle Feuer entzündet? Wie kann der Schild des Lehrers den Schüler zurückhalten, wenn er von seinem Lehrer schon inspiriert wurde? Wie wenig will die Menschheit der wechselseitig Segen bringenden Arbeit zustreben! Doch die Menschheit muss lernen, selbständig zu handeln und alle vom Lehrer bestätigten Gedanken zu verwirklichen! So erfüllt die Kosmische Vernunft die Evolution. So muss die Menschheit lernen, durch höhere Maßnahmen aufzubauen. Indem ihr dem Lehrer folgt, nehmt ihr Seine Ideen in euch auf.” (Hierarchie, § 30)

       ”Wie könnten wir den Magneten jemals verstehen, wenn wir die Anweisungen des Herrn bezweifeln? Wie können wir den Feind besiegen, wenn wir die uns übertragene Macht bezweifeln? Wie können wir erwarten, etwas Starkes zu errichten, wenn wir die unumstößlichen Anweisungen der Hierarchie nicht anerkennen? Es mag scheinen, dass Ich Mich wiederhole, doch weil ihr so zögernd zur Tat schreitet, ist ein aufmerksames Studium der Anweisungen notwendig. Denkt daran, wie die Lehre den Fortschritt des Werkes fördert.” (Hierarchie, § 32)

       Ich rate Ihnen auch, Ihre Ansprachen in einem bestimmten Ton zu halten, denn nur Bestimmtheit führt die Menschen. Und nur ungewöhnliches Herangehen an eine Aktion zieht Aufmerksamkeit auf sich. Viele Leute mögen in einer ungewöhnlichen Verhaltensweise nur ”mangelnden Takt” sehen, doch darin würde sich nur ihre Beschränktheit zeigen. Nur Außergewöhnliches zieht an und hält starke und mutige Menschen. Alle großen Ereignisse sind nicht von den Massen vollbracht worden, sondern von den einzelnen starken Persönlichkeiten, und die Zeit wird sie hervorheben. Viele sind aufgerufen, doch wenige sind auserwählt. Erarbeiten Sie sich eine ungewöhnliche Sprache, eine Sprache der Kraft und Bestätigung, eine Sprache des Aufbaus, denn nur so eine Sprache eignet sich für die anvertraute Aufgabe. Alle Schwärmereien oder süßen Worte entspringen inkompetenter Sentimentalität und zerstörender Mittelmäßigkeit. Erinnern Sie sich, wie alle von Ihnen die Vorträge einer bestimmten Person bewundert haben? Doch zugleich haben Sie richtig bemerkt, dass sie nur kritisiert und angegriffen hat. Doch wir müssen kreativ sein, und wir wollen die richtige Richtung aufzeigen und bestätigen. Sie müssen daran denken, dass alle Lehren Lauheit verurteilen. Lasst uns deshalb feurig sein. Wir wollen uns entflammen, aber sehr sorgfältig unterscheiden, um keine Feuersbrunst zu entfachen, wenn es ausreicht, etwas zum Glühen zu bringen. Eine Erweiterung des Bewusstseins wird uns auf den richtigen Weg führen. Eine Erweiterung des Bewusstseins wird die Qualität des Denkens ändern. Eine Erweiterung des Bewusstseins wird die Macht des Sieges bringen.

       Vertreiben Sie kleinliche Gedanken. Vermeiden Sie Herabsetzung, denn die Herabsetzung der anvertrauten Arbeit gleicht der Herabsetzung Ihres Lehrers, was einem Verrat gleichkommen und die Grundlagen verletzen würde, auf denen Ihr eigenes Wohlergehen wie auch das Allgemeinwohl basieren. Vertreiben Sie alle Zweifel, denn wo es Zweifel gibt, wird die Bewusstseinsentwicklung gehemmt. Wer zweifelt und nicht vertraut, kann nicht auf das Vertrauen des Lehrers hoffen. Deshalb kann er unmöglich vorwärtskommen.

       Ich würde Sie so gerne lehren, jede Anweisung zu schätzen, jeden Hinweis des Lehrers und Guru, weil diese so kostbar sind! Finden Sie in sich den feurigen Impuls, der großen Aufgabe entgegenzustreben, das Licht der Kultur zu tragen. Stellen Sie sich vor, dass Sie in einem Glashaus wohnen und mit all Ihren Worten und Taten vorsichtig sein müssen. Erfüllen Sie Ihre ganze Arbeit mit der Schönheit des Dienens. Bleiben Sie freudvoll in der Schlacht, denn Sie wissen, dass Ihnen der Sieg bestimmt ist, vorausgesetzt, dass Sie von selbstaufopfernder Spannung erfüllt sind.

 

1931

7. Januar 1931

       Wer den Willen des Lehrers herabsetzt oder entstellt, vernichtet sich selbst. Wer seinen Guru herabsetzt, gleicht einem Menschen, der den Ast, auf dem er sitzt, absägt. Je größer unser Lehrer ist, desto größer sind wir selbst, doch dieser einfache Grundsatz wird nicht begriffen. Die ganze Geschichte der Menschheit beweist, dass die großen historischen Gestalten, die wahren Führer und Philosophen, ihren Lehrer, dessen Führung ihnen half, Giganten des Geistes zu werden und große Taten zu vollbringen, achteten.

       Das Buch ”Hierarchie” wird bald herausgebracht. Das unabänderliche kosmische Gesetz der Hierarchie wird in der gegenwärtigen Zeit so sehr missachtet. Doch die Menschheit muss sich dieses Gesetzes wieder bewusst werden. Das Prinzip der Hierarchie ist ein primäres Gesetz und spendet Leben. Deshalb muss unser Bewusstsein dieses Gesetz durchdringen, wenn wir wachsen und unseren Teil zum Allgemeinwohl beitragen wollen.

       Das Gesetz der Kette der Hierarchie ist sehr stark und wird durch die Weiße Bruderschaft streng aufrechterhalten. Niemand kann das nächste Kettenglied überspringen, weil dieses Glied durch lange Vorbereitung und tausendjährige Ansammlungen geschaffen wurde. Lasst uns daher das nächste Glied festhalten, damit wir nicht die Verbindung mit der ganzen Kette verlieren.

       In der Ergebenheit und Dankbarkeit gegenüber dem Lehrer liegt so viel Schönheit! In der Lehre wird gesagt, dass die Flamme der Hingabe und Dankbarkeit über allen anderen feurigen Darbringungen steht. Leider sind diese zwei Eigenschaften unter den Bewohnern dieses Planeten besonders selten. Doch gerade der Besitz dieser Eigenschaften trägt in hohem Maße dazu bei, Giganten des Geistes und des Willens zu schaffen. Der mit herrlichen Talenten ausgestattete Geist, dem diese beiden Eigenschaften fehlen, wird eine bestimmte Grenze nicht überschreiten können.

       Es ist nützlich, alles hervorzuheben, was in den Büchern der Lehre über das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler steht. Es wird gesagt, dass jede dem Lehrer erwiesene Verehrung das rechte Verstehen der Lehre erkennen lässt. Doch wer die Führung als Last empfindet, kann sich dem Lehrer niemals nähern. Die Lehre ist nicht abstrakt, sondern gibt sehr praktische Anweisungen zur Anwendung im Leben. Lasst uns daher alles in unserem Herzen behalten, was über Hierarchie gesagt wurde, und lasst uns die Reinheit unserer Gedanken beachten, denn die Erhaltung der Reinheit der Gedanken gleicht dem Ozon.

       Ich zitiere aus dem Buch ”Hierarchie”:

       ”Gemeine Gedanken wurden mit kriechenden Reptilien verglichen. Nichts ähnelt diesem Abschaum des Bewusstseins mehr. Kann man ruhig in einem Lehnstuhl sitzen, wenn man weiß, dass unter diesem giftige Schlangen und Skorpione herumkriechen? Auf dem Pfad zur Hierarchie muss man sich von diesen Kriechtieren befreien. Vor allem sind Verurteilung und Lästerung gegenüber dem Lehrer nicht wieder gutzumachen. So muss jeder, der die Hierarchie schmäht, daran denken, dass dieser Leichtsinn und Frevel sein Karma für viele Zeitalter beeinträchtigt. Da es nur einen Weg – über den Herrn – zu dem einen Licht gibt, kann nur äußerste Unwissenheit die Zerstörung dieses einen Pfades zulassen. Man muss das Streben zu dem Höchsten als Essenz des Lebens ansehen und eine ehrerbietige Haltung gegenüber diesem Streben nach Heil einnehmen. Durch Herabsetzung des Hierarchen kann man sich selbst verurteilen und vielen Nahestehenden großen Schaden zufügen. Es wird Zeit, daran zu denken!” (§ 57)

       Es ist notwendig, den verbindenden Faden, der Wohlergehen und Segen spendet, festzuhalten.

       ”Man kann keinen Erfolg erwarten, wenn die Fundamente verrotten! Natürlich werden Wir tun, was notwendig erscheint, doch es ist wichtig, Leichtsinn und Verrat Einhalt zu gebieten. Verrat äußert sich in vielen Formen, doch sind sie nicht alle gleich? Man muss sich überlegen, wer das Recht besitzt, den bereits vorbestimmten Pfad zu erschweren. So viel Schönes ist uns bestimmt, und die Fristen nahen bereits. Möge der verbindende Faden erstrahlen!”

       ”Wenn der Raum durch den Nebel des Nichtverstehens getrübt wird, kann der schöpferische Strahl natürlich sehr schwer durchdringen. Jede Schicht wird entsprechend dem Grad ihres Strebens durchdrungen. Deshalb sind die irdischen Schichten so undurchdringlich. Daher müssen alle Manifestationen des suchenden Geistes in einem straffen Tempo vor sich gehen. Die Suche muss den Geist zu dem Magneten der Hierarchie hinziehen, denn jede Macht hat ihre Entsprechung auf der Erde. So lebensnah muss das Gesetz der Hierarchie angewendet werden.” (§ 58)

       ”Man muss auch wissen, dass die dunklen Kräfte versuchen, in die Fundamente einzudringen. Daher sollte man aufmerksam sein und alles mit größter Sorgfalt beobachten. Die finsteren Kräfte können sogar einen Schild des Lehrers benutzen. Nach außen hin werden sie den Namen des Guru preisen, während sie ihn hinterlistig unterminieren. Daher muss man auf der Hut sein und Widerstand leisten. Um einen Sieg zu erringen, ist es notwendig, sich der ganzen Wichtigkeit der Festung bewusst zu werden. Lasst uns daher alle Stellungen verstärken. Dabei muss man lernen, den Namen des Lehrers in Ehren zu halten. Die Macht des Sieges wird nur erlangt, wenn die Fundamente stark sind. Lasst uns daher die Fundamente hüten. Es ist notwendig, den Sieg zu behaupten; deshalb ist Vorsicht so notwendig.”

       All diese Weisungen betreffen die Erweiterung des Bewusstseins. Seien Sie wachsam; lassen Sie Vorsicht walten, denn der Feind könnte das Haus unter der Maske der Freundschaft betreten! Schließen Sie die Reihen und achten Sie auf Versuche, sie zu trennen. Schmeicheleien und das Entfachen von Ehrgeiz sind die zuverlässigsten Methoden, denn wem gefällt es nicht, Gutes über sich zu hören? Dies ist allen gemeinsam, und alle schwachen Stellen werden von den Finsteren zu ihrem Vorteil benutzt. Indem sie bei unserem Stolz ansetzen, setzen sie unmerklich das Höchste, was wir haben und wofür wir leben, herab. Seien Sie auf der Hut!

* * *

15. Januar 1931

       Ich will die Fragen über das Dienen beantworten. Dienst an der Hierarchie des Lichts ist Dienst am Allgemeinwohl. Natürlich erschließt Streben nach Allgemeinwohl die Tore zu höherem Wissen und Dienen. Doch ich möchte, dass Sie die Eigenschaften, die Sie vor allem entwickeln müssen, um auf dem Pfad des Dienens vorwärtszuschreiten, klar erkennen. Viele Leute träumen vom Allgemeinwohl und sind auch bereit, dafür zu arbeiten, solange ihre Gewohnheiten und ihr Wohlbefinden nicht beeinträchtigt werden. Doch wirklicher Dienst am Allgemeinwohl, der zu den Toren der Festung des Lichts führt, erfordert Opfer und die völlige Außerachtlassung alles Persönlichen, also völlige Selbstaufgabe. Wenn sich das Bewusstsein erweitert, wenn alle Gefühle und das Verständnis verfeinert werden, wird das Gesetz des Opfers als die höchste Errungenschaft angenommen. Da gibt es keinen Raum für Selbstmitleid, Angst vor der Zukunft, Gekränktheit und Neid, weil einem mit jedem Atemzug Erhabenheit, Schönheit und die höchste Freude des Dienens bewusst werden.

       Der reife Geist, der bewusst den Weg des Dienens wählt, kennt die Freude eines erweiterten Bewusstseins und das feurige Streben zum Höchsten Bewusstsein; er kennt die Freude, den Höchsten Willen zu erfüllen; er kennt die Freude der Entdeckung und der Bestimmung des Lebens. Und zur festgesetzten Stunde wird er die Erhabenheit und Schönheit des letzten Sakraments erfahren.

       Nachdem wir mit unserem Herzen die Bedeutung der großen Befreiung und die Krönung des Opfers verstanden haben, wollen wir danach streben, in uns Liebe, Hingabe, Dankbarkeit und Gehorsam der Hierarchie gegenüber zu entwickeln. Wir wollen bereit sein, jede Last auf uns zu nehmen, und daran denken, dass unser Weg umso kürzer wird, je schwerer die Last ist. Der Liebe und der Hingabe entspringen alle anderen Eigenschaften, die unseren Fortschritt fördern. Lasst uns diese wie kostbare Blumen pflegen; und weil diese Blumen des Geistes wachsen und einander nähren, wird die größte Liebe die beste Antwort bringen. Lasst uns deshalb den Großen Lehrer mit dem Feuer der Liebe umgeben. Wir wollen unsere Verehrung für ihn bewahren. Wir wollen ein sehr sorgfältiges und hohes Verstehen der Lehre und der Weisungen zeigen und voll Ehrfurcht mit bebendem Herzen der Schönheit und der Herrlichkeit dieser Schöpferkraft gegenüberstehen. Denken Sie daran, dass jene, die ein höheres Verständnis haben, höher aufsteigen werden.

       Und nun will ich aus der Lehre zitieren:

       ”Manche Menschen überschütten den Lehrer mit Alltagssorgen und glauben, am großen Dienen teilzunehmen. Die Lehre und das Dienen setzen vor allem die Erweiterung des Bewusstseins auf der Basis voraus, dass man die Lehre befolgt und den Lehrer verehrt. Wenn man die Unbegrenztheit erforscht, sollte man vor allem die Grenzenlosigkeit von Liebe und Hingabe erkennen. Es ist nicht weise zu sagen, dass die Liebe ausgeströmt und die Hingabe verwelkt sei, weil als Folge die Auflösung des Selbst zu befürchten ist. Man muss die Uneingeschränktheit von Liebe und Hingabe verstehen lernen und damit die ersten Schritte in Richtung Dienen und Yoga bewältigen. Man sollte sich diese Aufgabe zumindest zur persönlichen Entwicklung stellen. Man sollte nur in Richtung des Lehrers voranschreiten; nur dann erhält man Unterstützung. Doch den Lehrer mit Alltagsproblemen zu zermürben, wird zu keinem Erfolg führen. Lasst uns die heilige und grenzenlose Liebe und Verehrung dem Lehrer gegenüber aufrechterhalten, als ein Heilmittel der Erneuerung”. (Hierarchie, § 59)

       Deshalb, meine lieben Freunde, müssen die grobe Vorstellung, das Spotten über heilige Begriffe durch kleine Bewusstseine aus Mangel an Entsprechung sowie die Herabsetzung des Höchsten und Grundlegenden aus unserem Leben völlig verbannt werden, wenn wir den Weg des Dienens beschreiten wollen.

       Manche suchen im Leben nach dem Glück, doch nur in der Erfüllung des Willens des Lehrers kann Segen empfangen werden. Es gibt keinen anderen Weg, und man muss mutig nach diesen wundervollen, tiefsinnigen Worten des Lehrers greifen und dauernd an sie denken: ”In Erfüllung Meines Willens gibst du Mir die Möglichkeit, deinen Willen zu erfüllen.” (Hierarchie, § 40) Denn wer sonst, wenn nicht der Lehrer kennt unsere geheimsten Wünsche und Bestrebungen? Wer sonst gibt uns die Möglichkeit, unsere Wünsche zu erkennen, indem wir sie durch die Lehre reinigen und ihnen Form verleihen, indem wir unser Bewusstsein erweitern? Wer würde so närrisch sein, sein eigenes Glück zu vernichten?

       Lasst uns innig bestrebt sein, den rettenden Willen zu erfüllen, der uns zum Dienst am Allgemeinwohl führt.

       ”Wenn der Gedanke bestrebt ist, den Höheren Willen zu erfüllen, wird eine direkte Verbindung mit dem Schild des Höheren Willens hergestellt.” (Hierarchie, § 61)

       Wie kann dieser Schild uns schützen, wenn wir die Weisungen nur teilweise befolgen? Deshalb werden jene Schüler, die bestrebt sind, die Vermächtnisse heilig zu halten und die geringsten Weisungen zu beachten, Schaffenskraft entwickeln und ihr Bewusstsein erweitern.

       Aus dem Buch ”Hierarchie”: ”Kann man den Kosmos verstehen, ohne bestrebt zu sein, in die höheren Sphären einzudringen? Nur diese Reihenfolge gibt allem Streben die Grundlage. Das Immerwährende existiert durch das Gesetz der Folgerichtigkeit weiter. Daher resultiert jede Isolierung im Verlust des Vorherbestimmten. So wird der Gedanke als der Träger des Gesetzes der Folge gezeugt. So bringt das Gesetz des Höheren Willens endlos etwas hervor.” (Hierarchie, § 61)

       ”Das Gesetz des Höheren Willens ist der Schöpfer zielführender Taten! Dieses Gesetz durchdringt den Raum, und nur die Erfüllung des Höheren Willens krönt unsere Taten. Kann man sich von den Weisungen des Höheren Willens abwenden, ohne den Sieg zu verlieren? Kann man bessere Wege finden, wenn der Schild des Lehrers durch die Hierarchie garantiert wird? Wer den Willen der Hierarchie ausführt, geht dem Sieg entgegen. Deshalb müssen die Schüler ihr Streben genau einsetzen, um den Höheren Willen zu erfüllen. Nur so werden wir Erfolg haben. Nur auf diese Weise werden wir den Sieg erlangen.”

       ”Hingabe an eine Idee, Hingabe an einen Führer bewirken Wunder. Zu allen Zeiten haben die Menschen die Bedeutung der Hingabe erkannt und entsprechend ihrem Bewusstsein verschiedene Methoden angewendet, von der Abnahme eines Eids bis zum Kirchenbann und der Inquisition. Und auch jetzt erheben sich nur die engstirnigen Verräter, voll von Neid und Zweifel, getrieben von der Furcht vor dem außergewöhnlichen Licht, gegen die unüberwindliche Macht der Hierarchie. Wir wollen ihnen sagen: ‚Erbärmliche Toren, ihr fürchtet alles Mächtige und Schöne; ihr fürchtet die Gedanken im Raum und die Schaffenskraft; ihr gehört nicht zu uns. Wir können in euren Höhlen keinen Platz finden, und ihr würdet euch in unseren geräumigen Gemächern nicht wohlfühlen, weil es in unseren Räumen jene modrige Schwüle nicht gibt, die ihr so sehr liebt.‘ ”

       Ich bestätige im Namen des Lehrers, ich bestätige durch meinen Geist, ich bestätige mit meinem Herzen, dass der Ergebenste der Größte sein wird. Wurde nicht gesagt, dass Ananda, der ergebenste Schüler Buddhas, tausendmal größer war als die anderen buddhistischen Archate?

       Beschäftigen wir uns mit bestimmten Vorgehensweisen unserer Feinde; wieviel strenger und eindrucksvoller sind diese als viele zaghafte Regeln von sympathisierenden Freunden. Die Feinde lehren uns, wie wir uns zu verteidigen und zu stärken haben, doch Freunde gestehen uns oft unseren größten Sieg nicht zu. Die weisen Römer pflegten zu sagen: ”Nenne mir deine Feinde, und ich sage dir, wer du bist.”

       Nehmen Sie mit dem ganzen Herzen diese Ausführungen auf und wenden Sie sie im Alltagsleben eifrig an. Wie eine Nadel von einem Magneten angezogen wird, so möge Sie unersättliches Streben zum großen Magneten hintragen. Den ganzen Sinn, die ganze Freude und Schönheit unserer Existenz birgt dieser Magnet. Vielleicht ist für Sie im Augenblick nicht alles ganz klar, doch wenn der Lehrer es für angebracht hält, will ich es näher erklären.

       Vergessen Sie die ständigen Prüfungen im Abstand von drei Jahren nicht. Es ist viel schwieriger, die gleichen Prüfungen wieder zu bestehen, weil die Umgebung sich geändert hat und es schwer ist, die verlorene Zeit aufzuholen sowie den verlorengegangenen Rhythmus zu finden, der weiterläuft, ohne auf die Verspäteten zu warten. Lasst uns deshalb mit unermüdlicher Anspannung arbeiten. Lasst uns unsere Schwingungen verstärken, damit wir die uns zugesandten Strahlen empfangen, die sonst an uns vorbeiziehen.

       Die Zeit ist kurz, und man sollte sich so viel Erfahrung aneignen. Die Arbeit geht voran; es wird schwer sein, wenn das Ausmaß der Arbeit über das Bewusstsein der Mitarbeiter hinauswächst. Erweitern Sie Ihr Bewusstsein, indem Sie sich von kleinlichen Gedanken, Gewöhnlichkeit und Mittelmäßigkeit befreien. Ein kleinlicher Gedanke vermag eine ganze Welt zu zerstören, genauso wie ein Riese auf einem Gebirgspfad über einen Grashalm in den Abgrund stürzen kann. Kleinliche Gedanken sind Sklaven eigen. Seid Könige des Geistes und erweitert Euer Denken in planetarem Ausmaß. Denkt daran, dass ein verfeinerter Organismus die Atmosphäre kleinlicher Gedanken nicht verträgt; er droht zu ersticken! Vermeidet deshalb Verurteilungen und sucht in jedem das Beste. Seid Könige des Geistes!

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21. Januar 1931

       In dieser schweren Zeit, die wir jetzt erleben, wollen wir uns selbst über die Ursachen dieser Schwierigkeiten Rechenschaft ablegen. Mit voller Offenheit wollen wir die Hauptursache für diese Schwierigkeiten untersuchen. Wir werden sehen, dass die Wurzel dieses Übels weniger in äußeren Umständen liegt als im Missverstehen der Weisungen, in deren Nichtbeachtung und Ablehnung und besonders in der Uneinigkeit der Mitarbeiter. Einigkeit ist die Grundlage jeder aufbauenden Tätigkeit, aber was zeigt sich?

       Kann der Schüler etwas erschaffen, kann er erfolgreich sein, wenn er nicht im Einklang mit den Geboten der Lehre tätig ist? Nein, tausendmal nein! Möge jeder in sich gehen und herausfinden, wie viele Weisungen nicht aufgenommen wurden, wie viele nur teilweise befolgt und wie viele kostbare Ratschläge überhaupt nicht angewendet wurden. Lasst uns ehrlich sein, denn ohne Aufrichtigkeit kann man den Weg nicht beschreiten.

       Versucht zu verstehen, meine lieben Freunde, dass jede Zelle unseres Körpers bei der Erfüllung des Höheren Willens vor Freude erbeben sollte, denn nur so können wir lernen und unser Bewusstsein erweitern. Je genauer man ihn erfüllt, umso mehr wird man sich nähern. Stellen Sie sich einen normalen Lehrer und einen ebensolchen Schüler vor. Was würde geschehen, wenn der Schüler gegen alle Erfahrungen und Weisungen des Lehrers Protest erheben und seine eigenen Methoden anwenden würde? Wieviel Energie würde dieser Narr verschwenden, um die Synthese des Lehrers zu erreichen! Durch Übergabe der Synthese aller Erfahrungen an einen Schüler hilft ihm der Lehrer, kostbare Zeit für weitergehenden und schnelleren Fortschritt sowie für individuelle Kreativität zur Verfügung zu haben. Was würde wohl mit der Evolution geschehen, wenn nicht ständig Erfahrungen weitergereicht würden?

       Wenn jeder nur durch persönliche Erfahrungen lernen könnte und die Führende Hand zurückweisen würde, hätten wir uns von den Ahnen der Steinzeit nicht weit entfernt! Ihr müsst erkennen, dass die Erfüllung des Willens unseres Lehrers nicht mit Unterordnung unserer Individualität unter einen fremden Willen gleichzusetzen ist, wie oberflächliche Menschen glauben, sondern höchstmögliche Entwicklung unserer Feinfühligkeit und Kreativität bedeutet, weil die Weisungen des Lehrers so viele Arten und Möglichkeiten der Erfüllung beinhalten. Doch normalerweise sieht und erfüllt ein Schüler kaum ein Zehntel davon. Können wir sagen, welche der nicht rechtzeitig erfüllten Weisungen mit den momentanen Schwierigkeiten zu tun hat? Jeder weiß, dass, wenn wir in einem Raum auf einen Gegenstand schlagen, das Echo an einer ganz anderen Stelle und auf einem unerwarteten Gegenstand erschallen kann. Lasst uns daran denken, dass dem allessehenden Auge nichts entgehen kann, dass wir alle laufend Prüfungen unterzogen werden, und dass derjenige, der mehr Talente hat, auch mehr leisten muss. Nur wenn wir uns ein besseres Verstehen der Hierarchie zu eigen machen, wird uns Höheres gegeben werden. Weist die vorbereiteten Möglichkeiten nicht von Euch und zerstört nicht, was Euch gegeben wurde. Werdet Ihr nachher nicht viel Energie für eine zweifelhafte Wiederherstellung aufbringen müssen? In diesem Zusammenhang will ich aus der Lehre zitieren:

       ”Wie lebhaft muss der Schüler die Macht der Aufnahmefähigkeit und die Tatsache begreifen, dass es nur ein Gesetz gibt, das den ganzen Kosmos regiert – den Höheren Willen; entlang dieser Linie vollzieht sich die Evolution des Geistes. Dieses Gesetz vereint alle zugehörigen und offenbarten Einheiten. Das ständige Streben nach Erfüllung des Höheren Willens führt zur Verfeinerung der Wahrnehmung. Nur dieser Weg bietet die Möglichkeit der entsprechenden Entscheidung im Erkennen und Erfüllen des Höheren Willens.” (Hierarchie, § 88)

       ”Auf diese Weise bringt die Höhere Vernunft auf der Erde durch die Macht der Hierarchie etwas hervor. Unsere Schaffenskraft erfordert in ihrem ganzen Umfang die Bestätigung der Hierarchie, in ihrem ganzen Verständnis, in ihrer ganzen Schönheit. Die Offenbarung des Verstehens der Hierarchie erschließt alle Möglichkeiten. Es ist richtig, das Gesetz der Hierarchie als den Gipfel der kosmischen Kreativität zu betrachten; aus ihr strömt Licht, zu ihr streben die Gedanken. So sollte man die besten Bestrebungen zu dem Gipfel der Hierarchie lenken. Nur wenn die höchste Bestätigung bewusst ins Leben integriert wird, kann das Höchste dem Höchsten gegeben werden.” (Hierarchie, § 83)

       ”Deshalb bringt jedes Streben, das zur Vereinigung des Schülers mit dem Lehrer führt, die Erkenntnis der höchsten Gesetze mit sich. Der Schüler, der den Lehrer zurückweist, offenbart so seine eigene Unwissenheit, weil er seine eigene Entwicklung hemmt. Jede Kraft, die den Geist nach oben zieht, beschleunigt die Entwicklung.” (Hierarchie, § 128)

       ”Ihr wisst bereits, wie angespannt die Zeit ist; und jenen, die von Furcht ergriffen sind, sagt, dass, wenn der Herr im Herzen wohnt, kein Haar vom Haupte fallen wird und für jeden ein Palast für den Körper und den Geist bestimmt ist. Doch haltet euer Herz rein, damit Ich dort eintreten und euch mit einem Panzer umgeben kann. Denkt daran, wenn ihr das, was ihr genommen habt, im Geist an den Herrn zurückgebt, wird Er es euch hundertfach lohnen. Lenkt eure Gedanken zum Herrn und lasst den Herrn in euer Herz eintreten. Ohne den Herrn wird es in dem leeren Herzen eng sein; und wie eine Erbse in einer getrockneten Schafsblase wird Zorn in eurem leeren Herzen toben. Füllt euer Herz so sehr mit dem Herrn, dass kein Feind eindringen kann. Friede sei mit euch!” (Hierarchie, § 79)

       Unser Weg besteht nicht aus Schlussfolgerungen, die für jeden nachvollziehbar sind. Sie können es bezeugen, denn bis jetzt vollzogen sich die Ereignisse nicht entsprechend der allgemeinen Logik. Beobachten Sie den Lauf der Ereignisse. Durch diese Erfahrung nähern Sie sich dem Vorherbestimmten. Sie werden bemerken, dass die Hand des Lehrers erst im letzten Moment eingreift; denken Sie an diese Regel. Wir sollten lernen, unabhängig zu handeln, aber daran denken, dass der Erfolg nur eintritt, wenn das Herz vom Herrn erfüllt ist. So ein Herz leuchtet wie ein Schwert des Lichts; es lodert, ist hilfreich und spendet Kraft. Deshalb rate ich, alle Kräfte des Geistes einzusetzen, um das Herz mit einem Panzer zu umgeben. Es hat genug Zweifel und Verurteilungen gegeben! Sie müssen die empfangene Weisung als Ergebnis, als unabänderliche Antwort betrachten.

       Vieles wurde zurückgewiesen, doch wir sollten nicht zurückblicken. Deshalb ersuche ich Euch, Euer Herz zu prüfen und es mit dem Bildnis des Herrn zu füllen. Der Lehrer hat schon viel kompliziertere Aufgaben als die momentanen Schwierigkeiten gelöst. Erinnern Sie sich, wie Sie vom Lehrer geführt wurden, als Ihr Herz ihm gehörte. In gleicher Weise wird Er alle jene führen, die Seine Weisungen befolgen. Erinnern Sie sich an das persische Märchen von dem Mann mit der langen Nase, der sich seine Nase am kleinsten Stein zerschlug?

       ”Wenn daher das höchste Streben zum Herrn dargeboten wird, sollten die aufgezeigte Bahn und der Brennpunkt gewahrt werden. Deshalb sollten all unsere Pfeiler geschützt werden, da Wolken aufziehen. Der Sieg ist uns vorherbestimmt, doch sollten alle Grundlagen geschützt werden, und das höchste Streben kann alle Möglichkeiten herbeiführen. Die Zeit ist ernst, aber wunderbar. Es ist eine Zeit der Vollendung und des Aufbaus. Es ist eine Zeit der höchsten Spannung und der irdischen Schlacht. Es ist eine Zeit, die ein großes Kapitel schreibt und eine großartige Zukunft aufbaut. Die Feinde toben so sehr, weil das höchste Gesetz ins Leben eintritt.” (Hierarchie, § 120)

       ”Möge jeder wie ein Fels sein und im Namen des Guru Verantwortung tragen. Sein Name ist ein Schild des Lichts! Möge jeder aufmerksam die Meinungen der sich nähernden Menschen anhören, doch die geringste Herabsetzung des Guru kennzeichnet den Feind am klarsten. Nur so werden wir lernen, Licht von Finsternis zu unterscheiden.”

       Die Aura des Guru (bezieht sich auf Prof. Roerich) ist der beste Prüfstein für die Neulinge, und jene, die versuchen, den Guru herabzusetzen, setzen auch die Hierarchie des Lichts herab. Lasst uns daher besonders wachsam und vorsichtig sein, wenn wir jenen begegnen, die herabsetzen und verleumden.

       Denkt Tag und Nacht an die große Zeit. Jede Unvorsichtigkeit, jede Leichtfertigkeit, jede Unaufmerksamkeit kann die schwersten Folgen haben. Legt Eure ganze Rüstung an und zeigt die unermüdlichste, die größte Ergebenheit gegenüber den Grundlagen, denn nur in ihnen liegt Eure Rettung in dieser bedrohlichen, aber schönen Schlacht. Denkt an die Worte von N. K. Roerich: ”Wir müssen auf den wahren Fakten aufbauen; all unsere Worte und Taten müssen klar sein wie Kristall, denn wir stehen im Blickfeld der ganzen Welt.”

* * *

13. Mai 1931

       Ich fahre fort, über die Hierarchie zu schreiben, da dieser Begriff, der die gesamten Grundlagen des Lebens, die Evolution des Geistes und den ganzen Aufbau umfasst, noch nicht richtig verstanden wird. Wir müssen uns beeilen, ihn zu verstehen, da wir wenig Zeit haben, weil das schwerste Harmagedon tobt. Nur wenn wir mit unserem ganzen Herzen das große Prinzip der Hierarchie annehmen, können wir unser Bewusstsein erweitern, was für den Erfolg so notwendig ist. Wenn wir täglich in allem, was uns anvertraut ist, die größte Vorsicht walten lassen, werden wir unser Werk siegreich vollenden.

       Lasst uns vor allem ehrlich sein und bekennen, dass alle Schwierigkeiten und Fehlschläge durch Missachtung der gegebenen Weisungen entstehen, durch Vergesslichkeit, Leichtsinn, Zweifel und Missgunst. Man kann den Wurm des Zweifels nicht verbergen; sogar ein unerfahrener Beobachter kann ihn wahrnehmen. Lasst uns gegen diesen Parasiten das wirksamste Mittel anwenden, und dieses Mittel ist Dankbarkeit gegenüber dem Großen Lehrer. Manchmal hilft es, sich mit den Millionen hin und her schwankender Seelen zu vergleichen, die keine Vorstellung vom Morgen haben. Es ist nützlich zurückzuschauen und sich selbst Rechenschaft darüber abzulegen, was man war und was man geworden ist. Es ist hilfreich, unsere Vorstellungskraft einzusetzen und sich zu überlegen, wie sich unser Schicksal ohne die weise und wohlwollende Führung gestaltet hätte. Und schließlich sollte man ständig an das aufbauende Werk betreffend die Kultur der Zukunft denken.

       Wenn nach einer solchen ehrlichen und vielseitigen Prüfung unsere Herzen nicht mit Dankbarkeit, Ergebenheit und Liebe gegenüber dem Spender und Führer überfließen, dann sind sie vertrocknet und unser Bewusstsein ist eng geworden. Wenn unser Intellekt für einen Moment die ganze Macht, die ganze Schönheit und Unabänderlichkeit des großen Gesetzes der Hierarchie erfassen könnte, würden unsere niederen Gefühle und Gedanken in einem unbegrenzten Streben hinwegschmelzen, um den Zweck dieses führenden und schöpferischen Prinzips erfüllen zu können. Wir sollten daran denken, dass wir uns durch die Erfüllung der gegebenen Weisungen vor allem selbst helfen. Nie wird eine Weisung erteilt, wenn sie nicht auch angewendet und erfüllt werden kann. Die Unausführbarkeit besteht nur darin, dass unser kleines Bewusstsein nicht dazu bereit ist, dass wir nicht geistesgegenwärtig sind und die Angewohnheit haben, beim ersten Hindernis aufzugeben. Ein weiterer Grund liegt darin, dass wir Wert auf die Meinung von oberflächlichen, rohen und eitlen Menschen legen und Angst haben, weil wir uns fragen: ”Was werden sie über uns denken?” Doch wer wird etwas über uns denken? Es wird Zeit, gegen diese Furcht in jeder Weise anzukämpfen. Es wird Zeit, Eure eigene Macht und Würde zu erkennen. Ein großer Denker sagte einmal:

       ”Wer an der Meinung der Masse interessiert ist, wird sich nie über sie erheben.”

       Eigendünkel ist mit der Lehre unvereinbar, doch der eigenen Kraft zu vertrauen bedeutet nicht, eingebildet zu sein, und wenn dieses Vertrauen mit aufrichtiger Verehrung der Hierarchie gepaart ist, werden die besten Ergebnisse erzielt. Eigendünkel ist mit Verehrung der Hierarchie unvereinbar, das eine schließt das andere aus. Der Eingebildete wird die Weisungen nie genau befolgen, sondern sie immer entsprechend seinem eigenen Bewusstseinsstand, der durch Selbstsucht beschränkt ist, entstellen. Es ist sehr leicht, sich das Ergebnis verzerrter Weisungen vorzustellen! Werden diese oft nicht gerade die entgegengesetzten Ergebnisse bringen? Man sagt, dass ”eine verzerrte Weisung einem entgleisten Zug gleicht. Eine halberfüllte Weisung ist wie ein Haus ohne Dach oder wie eine halbe Dosis rettender Medizin, die Schaden oder Tod bringen kann.”

       Wenn wir diese für die ganze Menschheit bedrohliche Zeit unversehrt überstehen wollen, müssen wir uns in den Grundlagen der Lehre des Lichts bestärken und mit unserer ganzen Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und unserem Gefühlswissen die Lehre ohne Verzögerung im Leben anwenden, denn der Erfolg hängt vor allem von der rechtzeitigen Erfüllung ab. Alle Weisungen des Guru wurden und werden unter dem Aspekt der rechtzeitigen Erfüllung gegeben. Die verspätete Erfüllung einer Weisung kann Zerstörung verursachen oder zumindest sinnlos sein. Das Wissen über die Fristen ist ein wichtiges Wissen, denn in allen Lebensbereichen hängt der Erfolg von der Rechtzeitigkeit und vom Kennen der besten Richtung ab. Ihr, denen beides gegeben ist, müsst diese Schätze behüten!

       Jetzt können Sie sehen, wie die ganze Beharrlichkeit von N. K. (Nicholas K. Roerich), seine Ausführungen darüber, wie wichtig es ist, den öffentlichen Charakter unserer kulturellen Institutionen zu erhalten (und nicht nur das persönliche Interesse zu sehen), und sein ganzer Kampf gegen gewöhnliche Titel eine tiefe Bedeutung haben. Und die mangelhafte Umsetzung dieser Dinge brachte und wird noch viele Schwierigkeiten bringen.

       Der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, an dem Vertreter der Länder öffentlich die kulturellen Projekte in größerem Rahmen unterstützen werden. Mögen sich alle Frauen und die ganze jüngere Generation zum Schutz der Kultur vor jeder Unterdrückung und Verfolgung erheben; mögen sie diese lebensspendende Flamme mit ihrer ganzen Kraft behüten. Ohne dieses schöpferische Feuer können die Völker nicht leben. Zersetzung findet statt, wo die Kult-Ur ausstirbt. Ich wünschte, dass sich die mächtige ”Einheit der Frauen” Gehör verschafft und dem Geist der Jugend eine neue positive Richtung weist, die wahren Werte aufzeigt und hilft, durch die Integration eines neuen Verständnisses des Lebens und der Arbeit Lebensfreude zu finden. Frauen, Ihr seid an der Reihe, etwas Neues zu sagen!

* * *

       Einige Zitate aus dem Buch ”Hierarchie”: ”Wie viele unnötige Erscheinungen schaffen sich die Menschen selbst! Wie viele überflüssige karmische Schwierigkeiten bereiten sie sich selbst! Und dies alles nur, weil sie die Hierarchie nicht in ihrem Herzen aufnehmen wollen. Alle Bestätigungen können nur dann im Leben verwirklicht werden, wenn das Bewusstsein die Hierarchie akzeptieren kann. Alles Böse in der Welt wird aus der Ablehnung des großen Prinzips der Hierarchie geboren. Jeder Sieg wird nur durch das Prinzip der Hierarchie erfochten. Deshalb muss man sich der offenbarten Hierarchie so sicher sein.” (Hierarchie, § 276)

       Ich möchte noch einige Paragraphen über die Liebe anführen, denn die beiden Begriffe Hierarchie und Liebe sind untrennbar miteinander verbunden.

       ”Lasst uns auf den Begriff Liebe zurückkommen. In jedem Buch muss diesem fundamentalen Begriff ein besonderer Platz eingeräumt werden; denn unter dem Begriff der Liebe wird so viel Gegenteiliges verstanden. Es wurde aufgezeigt, dass Liebe ein führendes und schöpferisches Prinzip darstellt. Das heißt, dass Liebe bewusst, bestrebt und selbstlos sein muss. Kreativität erfordert diese Bedingungen. Und wenn Liebe durch Kraftlosigkeit, Trennung, Auflösung und Dienst an sich selbst gekennzeichnet ist, kann sie nicht den höchsten Begriff der Menschheit bilden, der den Wert der Heldentat preist. Das bis zum Rand mit Liebe erfüllte Herz wird tatkräftig und tapfer sein und seine Fähigkeiten ausbauen. Ein solches Herz kann ohne Worte beten und sich in Segen baden. Wie sehr bedarf die Menschheit der Erkenntnis des Feuers der Liebe! So ein Feuer gleicht einem purpurnen Stern der höchsten Spannung.” (Hierarchie, § 280)

       ”Es ist erforderlich, die fundamentalen Begriffe des Seins ganz genau zu erkennen. Die Liebe zur Heldentat bringen jene auf, die ein flammendes Herz besitzen; doch sie schreckt diejenigen ab, die ihre Schwächen lieben und die zögern, weil sie ihr eigenes illusionäres ‚Ich‘ umarmen. Liebe, die Welten bewegen kann, gleicht nicht der Liebe im Sumpf, wo die Gebeine der unbrauchbaren Überreste vermodern. Über dem Morast der Sümpfe findet man die Irrlichter des Zerfalls, doch das ewige schöpferische Feuer des Herzens irrt nicht umher; über die Stufen der Hierarchie steigt es entflammt zum Höchsten Licht auf. Liebe ist das führende schöpferische Prinzip. Unerträglich ist das Allmächtige Licht, doch die Hierarchie ist die Verbindung zu diesem blendenden Gipfel. Die Hierarchie führt einen erleuchteten Geist bis zu jenem Punkt, an dem man sogar erblinden kann. Liebe ist die Krone des Lichts.” (Hierarchie, § 281)

       Mit diesen schönen Zeilen will ich meinen Brief beenden. Freunde, füllt Euer Herz mit Liebe! Steht der große Adamant nicht an der Spitze unseres Tempels?

       Denken Sie daran und heißen Sie die Hindernisse willkommen! Nur diese Hindernisse werden den wundervollen Plan unseres lichtbringenden Kampfes bestätigen. Kommt der große siegreiche Abschluss nicht immer im letzten Moment? Oft waren wir Zeuge dieses wundervollen Gesetzes. Seien Sie standhaft! Das Recht ist auf Ihrer Seite, und es gab keinen Fall, in dem sich Vorherbestimmtes nicht erfüllt hat, wenn die engsten Mitarbeiter standhaft und ergeben waren. Kämpfen Sie mit Ihrer ganzen Kraft und mit einem freudvollen Geist! Tragen Sie jede Seite der Schwierigkeiten in die Schatzkammer Ihrer Erfahrung ein, denn nur diese Seiten und nichts anderes werden Ihnen die Krone des Sieges einbringen und Ihren Namen in der Kulturgeschichte bestätigen. Die Freude am Kampf ist ein grundlegendes Merkmal des Seins. Kampf verleiht die Macht des Geistes und das herrliche Geschenk der Unsterblichkeit. Überschätzen Sie die Bedeutung der gegenwärtigen Misserfolge nicht. Versuchen Sie, aus allem zu lernen, und seien Sie bitte bereit, weitere Probleme zu überwinden und Fortschritte zu machen. Es gibt nichts Stärkeres als den menschlichen Willen, wenn er mit konzentrierter Kraft gelenkt und durch Liebe zur Hierarchie des Lichts gestärkt wird. Freuen Sie sich über die Ihnen anvertraute, große Aufgabe! Alles wird kommen, alles ist bereit, doch helfen Sie mit, indem Sie standhaft und der Hierarchie ergeben sind.

* * *

29. Mai 1931

       Es wurde gesagt: ”Es ist notwendig, die Vernunft und Gesinnung eines Königs zu erwerben.” Seid Könige des Gedankens und des Geistes. Seid die ergebensten, die eifrigsten Vollstrecker des Willens der Hierarchie. Nehmen Sie jede Weisung mit dem ganzen Herzen auf. Ergebenheit und Treue sind die wichtigsten Eigenschaften; deshalb werden sie heute so wenig geschätzt. Nur auf Treue kann man bauen, doch die Welt geht der Zerstörung entgegen, und deshalb rotten die Zerstörer diese fundamentale und aufbauende Eigenschaft aus. Treue ist jene Eigenschaft, die alles Große ziert; ohne Treue gibt es keine wahre Größe. Lasst uns daher diese schöpferische Kraft in all unseren Gedanken und Taten offenbaren.

       Wenn Ergebenheit im Herzen gepflegt wird, ist es nicht schwer, der rechten Richtung zu folgen. Während wir unser Streben fördern, müssen wir auch die für den Erfolg notwendige Wachsamkeit entwickeln. Lasst uns wie eine wachsame Mutter sein, deren Geist alle ihr Kind bedrohenden Gefahren fühlt und vorhersieht. Wer weiß, wie viele Schicksalsschläge durch einen wachsamen Geist abgewendet werden!

       In der Zeit der Gefahr und der großen Schlacht wollen wir an den Grundlagen festhalten und Unbesiegbarkeit des Geistes offenbaren. Jetzt ist es an der Zeit für mutige Taten, für breite Aktivität und überzeugende Bestätigungen. Lasst uns unsere Rüstkammer überprüfen, und wir werden sehen, dass sie unerschöpflich ist. Es ist nur erforderlich, für jeden Fall die geeignete Waffe zu wählen. Lasst uns die in unserem Besitz befindlichen Schätze untersuchen. Wir wollen die uns gesandten Perlen nicht entweihen, doch wenn es erforderlich erscheint, unseren Reichtum zu offenbaren, wollen wir dies auf eine kluge Art tun. Lassen wir es nicht zu, dass unsere wertvollsten Schätze geringgeschätzt werden, weil es manche gibt, die ihren wahren Wert nicht erkennen; aber wir sollten auch die kleinsten unter ihnen schätzen, denn der Wert ist nicht immer proportional zur Größe. Um es in allgemeine Worte zu fassen – es ist erforderlich, aus allem Nutzen zu ziehen und das Beste zu erreichen, denn diese Fähigkeit bedeutet, seine Kraft ökonomisch einzusetzen, und jeder weise Erbauer sollte sie besitzen. Wahre Wirtschaftlichkeit bedeutet nicht Verzicht auf die Grundlagen, sondern weise Anwendung in der Entsprechung.

       Alles wird sich zum Besseren wenden, wenn wir die Lehre ohne Abänderungen im Leben anwenden; wenn wir wahre Zusammenarbeit praktizieren; wenn wir aufhören, mit der einen Hand aufzubauen und mit der anderen zu zerstören; wenn wir verstehen, dass das begonnene Werk niemandem persönlich, sondern dem Allgemeinwohl dient; wenn wir verstehen, dass Nachlässigkeit, Unachtsamkeit und das Durchbrechen der Grundsätze durch einen einzigen Mitarbeiter als Nachlässigkeit aller Mitglieder betrachtet werden sollte – erst dann kann man die Bedeutung von Verantwortung verstehen. Der Begriff der Verantwortung hat nichts mit Entfremdung, Willensmangel oder damit zu tun, dass man immer tonangebend sein will. Verantwortung hat mit der Suche nach Gleichgewicht, Zweckmäßigkeit sowie der nur durch eifrige Zusammenarbeit erreichbaren Entsprechung zu tun.

       Jeder Mitarbeiter muss die Synthese sämtlicher Tätigkeiten aller Abteilungen vor Augen haben. Das ist nicht so einfach, doch man muss sich darin üben, weil es ohne Synthese unmöglich ist, richtig zu unterscheiden, und das macht es wiederum unmöglich, für jede Abteilung eine richtige Prognose zu stellen. Alle Gesellschaften oder Abteilungen bilden zusammen einen einzigen Organismus, und es ist unser aller Pflicht, für eine ganzheitliche Entwicklung und für sein Wachstum zu sorgen. Natürlich können ein gesunder Geist und ein gesundes Herz Unzulänglichkeiten anderer Organe leicht ausgleichen. Lasst uns daher diesen Grundlagen doppelte Aufmerksamkeit zuwenden!

       Wir bedauern, dass in den Berichten zu den besprochenen Problemen kein einziger Vorschlag unterbreitet und keine einzige Meinung geäußert wurde. Es ist kaum anzunehmen, dass auf so einer Bewusstseinsstufe eine einstimmige Entscheidung getroffen wurde. Es wäre daher ratsam, bestimmte Meinungen und Vorschläge in das Protokoll über die Sitzungen aufzunehmen und sie wieder in Betracht zu ziehen, wenn mehr Übereinstimmung erzielt worden ist. Dies könnte für die Geschichte der Institutionen sehr wertvoll sein, und viele Verleumdungen und Unannehmlichkeiten könnten vermieden werden. Wenn Aussagen nicht schriftlich festgehalten werden, können sie infolge Vergesslichkeit abgeleugnet werden. Beispielsweise wäre es im Augenblick sehr wichtig zu wissen, welche Einwände und Vorschläge zu der Veröffentlichung der Broschüre über das ”Banner des Friedens” gemacht wurden. Wenn geäußerte Meinungen nicht niedergeschrieben werden, können vielleicht die wertvollsten verlorengehen. Die Menschen vergessen so schnell, besonders das, was für sie unangenehm ist. Doch das Wissen, dass unsere Meinung gedruckt werden soll, wird uns alle zwingen, uns zusammenzunehmen und unsere Kraft sinnvoll einzusetzen, denn jeder wünscht wohl, nur das Beste in Druck gehen zu lassen. Die Tatsache, dass kein einziger Gedanke, kein einziger Impuls – so vergänglich er auch sein mag – verlorengeht, weil er in unserer Aura und im Raum festgehalten ist, beunruhigt uns nicht, denn unser Vorstellungsvermögen ist zu begrenzt und unser Intellekt kann vieles nicht fassen. Wir wollen uns daher mit dieser wichtigen Erkenntnis selbst helfen und alles in einem Bericht niederlegen. Wir werden unser Verständnis ungeheuer erweitern, wenn wir unsere Entscheidungen prüfen und sie mit den Folgen vergleichen.

       Ich möchte Ihnen auch meine Gedanken über den Mangel an Vorurteilen und einen Mangel an Prinzipien mitteilen. So traurig es ist, es gibt Menschen, welche die Unvoreingenommenheit eines offenen Bewusstseins mit einem Mangel an Prinzipien verwechseln, obgleich diese beiden Begriffe einander entgegengesetzt sind. Der unvoreingenommene Verstand sucht nach grundlegender Wahrheit und übt daher immer seine Unterscheidungsfähigkeit. Und Unterscheidung ist der erste Schritt zu wahrem Wissen. Und wahres Wissen basiert immer auf strengen Prinzipien, sonst ist es kein wahres Wissen. Ein Prinzip kann in seiner Anwendung im Leben viele Hintergründe haben, doch seine Grundlage wird immer dieselbe sein: die Grundlage der Stichhaltigkeit oder der Wahrheit. Anders ausgedrückt ist ein Prinzip oder ein Gesetz immer zielführend, und wir wissen bereits, dass die kosmische Zweckmäßigkeit ein Grundsatz ist, der zur Schönheit führt. Deshalb müssen sich alle Taten eines unvoreingenommenen Menschen durch Wahrheit und Schönheit auszeichnen.

       Ein unvoreingenommener Mensch ist in seinen grundsätzlichen Überzeugungen stark, weil sie auf der führenden Wahrheit beruhen. Ein Mensch, der keine Grundsätze hat, hat im allgemeinen keine Überzeugungen, da er sich selbst bewusst und freiwillig der Unterscheidungsfähigkeit beraubt hat, und sein Schicksal gleicht einem Ball, der von zufälligen Schlägen oder Umständen bewegt wird. Heißt es nicht in der Lehre über einen solchen Menschen: ”Oh Ball des Schicksals! Wohin wirst Du fallen und wo wirst Du abprallen? Das Licht wurde Dir gegeben. Beeile Dich, Ball, es rechtzeitig zu erreichen. Bezähme Deinen üblen, unkontrollierbaren Wirbel.” Mögen die Kräfte des Lichts uns vor üblen Strudeln schützen! Möge jeder von uns auf die errichteten Fundamente und Grundsätze bauen, um sie auch nicht durch Kleinigkeiten zu beeinträchtigen. Können wir aber immer jene Kleinigkeiten erkennen, die den Sturz verursachen können?

       Ich möchte aus dem Buch ”Hierarchie” zitieren: ”Manchmal kann man die kompliziertesten Gesetze durch einfachste Apparate demonstrieren. Das Karma-Gesetz ist komplex, doch nehmt die Ruhmkorff-Spule oder eine andere elektrische Spule, und ihr werdet eine anschauliche Vorstellung von Karma erhalten. Der Strom läuft ohne Unterbrechung entlang der Spirale, doch die Schutzwicklung unterliegt allen äußeren Einwirkungen. Außerdem berührt jeder Faden den Faden der vorhergehenden Runde und trägt die Auswirkungen der Vergangenheit mit sich. So verändert jede Stunde unser Karma, denn jede Stunde ruft die entsprechende Vergangenheit wach. So kann man die ganze Reihe der Erscheinungen aus der Vergangenheit berühren.”

       ”Doch dieses anschauliche Beispiel zeigt zugleich, wie unverletzlich das Geisteskorn ist; und wenn es den Höhen zustrebt, erhärtet es seine Schale, ohne die Vergangenheit zu fürchten. Karma ist nur für jene bedrohlich, die in Untätigkeit versinken. Doch ein strebender Gedanke befreit sich von der Last der Vergangenheit und strebt wie ein Himmelskörper vorwärts, ohne vom Weg abzuweichen. So kann man auch mit einem schweren Karma Befreiung erlangen.” (Hierarchie, § 294)

       ”Lasst uns sehen, wie die Menschen den Dienst an dem Herrn und der Hierarchie verstehen. Wer glaubt, nur durch Gebete aufsteigen zu können, ist vom Dienen weit entfernt. Wer glaubt, im Rahmen seiner Arbeit die beste Leistung für das Wohl der Menschheit zu erbringen, muss den Herrn in sein Herz aufnehmen. Wer seine eigene Bequemlichkeit nicht aufgibt, weiß nicht, wie man der Hierarchie dient. Wer die Weisungen der Hierarchie nicht akzeptiert, versteht nicht zu dienen. Nur wenn das Herz bereit ist, die vom Höchsten Willen gesandten Bestätigungen bewusst aufzunehmen, kann man sagen, dass der Dienst angenommen wurde. Wir sind weder Liebhaber von Beerdigungsriten noch von leeren Anrufungen des Herrn. Wir schätzen das Streben der Schüler im Dienst der Hierarchie. Man kann so leicht beobachten, wie jemand, der den Dienst im Geist nicht angenommen hat, den Herrn und die Hierarchie so lange verehrt, wie dies für ihn angenehm ist. Wir sehen jede Anstrengung, die Hierarchie von der Last zu befreien, im Kleinen wie im Großen. Im Rahmen Unserer Schaffenskraft bestätigen Wir nicht durch Worte, sondern durch Taten. Daher bedauern Wir es, wenn Wir Verehrung in Worten wahrnehmen und nicht durch Taten.” (Hierarchie, § 295)

       ”Wenn der weise Guru (gemeint ist Prof. Roerich) die ganze Last der irdischen Schlacht trägt, müssen wir versuchen, seine Last zu erleichtern.”

       ”Das Streben der Menschen wird immer an ihrem Dienst für das Licht oder die Finsternis gemessen. Danach kann ihre Bestimmung im Leben beurteilt werden. Das schlimmste ist halbherziges Denken und Streben. Die Zerstörer vertrauen immer auf halbherziges Streben. Es gibt nichts Schlimmeres als einen halbherzigen Diener, denn er verbirgt sich hinter der Halbheit. Deshalb ist Uns ein offener Feind des Lichts lieber. Wir lassen die kleinen Würmer, die im Nebel zu den großen Schlachten kriechen, nicht ein. Deshalb muss Halbheit abgelehnt werden. Immer und überall sollte man den Umgang mit halbherzigen Menschen meiden. Wenn ein Schüler Halbheit offenbart, wirft ihn das um Jahrtausende zurück, und deshalb sollte man wissen, wann man das eigene Bewusstsein behaupten muss. Die Diener des Lichts werden Halbheit nicht zulassen.” (Hierarchie, § 302)

       ”Am schlimmsten ist es, wenn diese Halbheit jemanden befällt, der behauptet, auf dem richtigen Weg zu sein, weil dann Gedanke und Tat auseinanderklaffen. Daher ist Halbherzigkeit der Feind der Lehre, und wenn Wir diese in bezug auf die Hierarchie wahrnehmen, muss dieser zerstörende Umstand ausgerottet werden. Denn ohne Aufrichtigkeit kann es keinen Aufbau geben. Daher müssen die Schüler verstehen, wie wichtig es ist, aufrichtig bestrebt zu sein. Auf persönliche Bequemlichkeit, Eitelkeit, Selbstmitleid und Selbsttäuschung muss verzichtet werden, und man muss immer daran denken, dass die Hierarchie nicht belastet werden darf. Dies sollten jene bedenken, die das Dienen als ein Sich-Verlassen auf den Herrn und die Hierarchie missverstehen.” (Hierarchie, § 303)

       So stehen wir in einer herrlichen und bedrohlichen Zeit, und nur durch die äußerste Anspannung unserer ganzen Kraft können wir siegen. Denkt auf breitester Ebene, besprecht miteinander, wie Ihr das Euch Übergebene am besten verstehen und anwenden könnt! Lernt es, Euch mit Würde dem Unwissenden und dem Zerstörer der Kultur zu widersetzen. Jetzt ist es erforderlich, die Idee des Friedensbanners umzusetzen. Man muss das Banner des Friedens und der Kultur als das wichtigste Symbol ansehen. Ich sehe, dass in ganz naher Zukunft die Liga der Kultur errichtet werden wird, in der sich die besten Vertreter des Denkens, Wissens und der Schaffenskraft sammeln und in der die Frauen ein volles Mitspracherecht besitzen werden; und diese Liga der Kultur wird die untergegangene Liga der Nationen ersetzen. Die Ereignisse in Spanien sollten der Welt wieder einmal beweisen, wie zeitgemäß die Idee des Friedensbanners ist! Neue Ereignisse nahen, und sie werden die Gegner der Kultur zwingen, sich in acht zu nehmen. Doch wird es dann nicht zu spät sein? Es ist notwendig, allen Unwissenden und all jenen, die versuchen, die Kultur zu unterdrücken, die richtige Antwort zu erteilen. Alle Werkzeuge stehen Euch zur Verfügung. Außerdem bestätigt jeder Tag ihre Rechtzeitigkeit.

       Heute muss jedes Land über die beste Art der Erhaltung seiner Kulturschätze nachdenken und darf auf keinen Fall versuchen, die Tätigkeiten, die das Volk und das Land bereichern, einzustellen. Diese Aktivitäten lenken die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Möglichkeiten der kulturellen Bedeutung Amerikas. Wir wollen uns nichts vormachen – Amerika hat bisher nicht zu den sogenannten führenden Kulturstaaten gezählt. Amerika wurde nur vom Standpunkt des Dollars und der technischen Zivilisation aus betrachtet. Die von Ihnen angeführten Worte eines offiziellen Vertreters Amerikas untermauern nur diese These. Würden wir zu solch einem Beamten über das Friedensbanner und die kulturellen Aktivitäten unserer Organisation sprechen, dann würde er sich wohl wundern: ”Worin liegt der Sinn, sich um so störende und unnötige Dinge zu kümmern? Doch da man sich unbedingt mit Kunst befassen will, warum investiert man seine zweifelsohne breitgefächerten Vorstellungen und seine Kunstkenntnisse nicht in die Organisation eines Spielklubs oder sagen wir in ein Kino. Das wäre verständlich, angenehm und sehr einträglich.” Solche Menschen werden die Bedeutung der Kultur nie erfassen. Wie sollen sie dann die historische Bedeutung der Vereinigung der wahren Vertreter der Kultur unter dem ”Friedensbanner” begreifen?

       In einem Aufsatz von N. K. findet man eine bemerkenswerte Definition von Kultur. Er sagte: ”Ein unwissender Mensch muss zuerst einmal zivilisiert werden; dann erzogen. Mit seiner Bildung wächst seine Intelligenz; dann kommen Verfeinerung und Erkenntnis der Synthese, die durch die Annahme des Gedankens der Kultur gekrönt wird.”

       Kein einziger beschränkter Spezialist kann, unabhängig von seinen beruflichen Fähigkeiten, als kultureller Führer angesehen werden. Kultur bedeutet Synthese; Kultur versteht und kennt die Grundlagen des Lebens und der Kreativität, weil sie der Kult oder die Verehrung des schöpferischen Feuers, des Lebens, ist. Doch wer hat die Grundlagen des Lebens erkannt?

       Doch die neuen Ereignisse nähern sich, und alles wird neu bewertet werden. Das Bewusstsein wächst, und es gibt nichts, was dieses Wachstum aufhalten könnte; diese gigantische Welle überwältigt alles, was ihr in den Weg kommt. In Sicherheit ist man nur in einem Boot, das von der mächtigen Hand eines Steuermanns gelenkt wird, der nicht von dieser Welt ist. Allen, die in dem Boot sitzen, wird geraten, einander nicht zu stoßen, die Sitze nicht zu wechseln, sich nicht hinauszulehnen und nicht zurückzuschauen. Stattdessen sollten sie sich bemühen, den Rhythmus des dahineilenden Bootes zu teilen, das nicht mehr stehenbleiben kann, auch wenn jemand über Bord fällt, denn die Rettung der übrigen Menschen hängt gerade von dieser Eile ab. Lasst uns daher alle Feuer unseres Geistes sammeln und im Bewusstsein das Tempo unserer Arbeit erhöhen; wir wollen uns in Gedanken erheben, damit wir die Herrlichkeit der Ereignisse und das Zeitgemäße erkennen können. Vermeiden Sie Gleichgültigkeit gegenüber Einzelheiten, die Ihnen unbedeutend erscheinen. In dieser Zeit sollte die kleinste Einzelheit beachtet werden, die geringste Tat sollte vorsichtig in Angriff genommen werden. In diesen Tagen der äußersten Spannung käme Leichtsinn einem Verrat gleich. Besonders schwer wird alles, wenn der richtige Augenblick verpasst wurde.

       Beobachten Sie, wie viele wundervolle Dinge sich ereignen! Die Teile des zerbrochenen Mosaiks werden von einer mächtigen Hand gesammelt und zu einem herrlichen Bild zusammengefügt. Die Einzelheiten treten unerwartet deutlich hervor, und ein aufmerksamer Geist wird erkennen, dass in diesem komplizierten Muster die Schichten einer wundervollen neuen Stufe der Evolution hervorgehoben sind.

       Meine Freunde – spannt Euer Bewusstsein an und schmiedet die Zukunft. Festigt Euch in den schönen und gesetzlichen Grundlagen und lernt, sie zu schützen! Denkt daran, dass nur der Gedanke siegen kann. So solltet Ihr immer die Antwort bereit haben, die Euren Gegner hilflos macht. Wie können wir gewinnen? Nur durch die Macht des Gedankens und die Kraft überzeugender Argumente.

* * *

 

3. Juni 1931

       Ich möchte weitere Zitate aus dem Buch ”Hierarchie” anführen, die ich als sehr zeitgemäß erachte:

       ”Beobachten wir die Arbeit der Finsteren. Es ist notwendig, ihre besonderen Gewohnheiten zu beachten. Sie werden sich nie über einen unbedeutenden Menschen empören; sie wissen, dass die ersten Stufen des Dienens für sie besonders nützlich sind. Ein unbedeutender Mensch ist auch im Falle des Verrats nebensächlich. Gerade Verrat ist die Hauptgrundlage des Unterminierens durch die Finsteren. Um verraten zu können, muss man etwas wissen. Dieses relative, noch nicht durch Hingabe gefestigte Wissen kann man auf den ersten Stufen finden. Man muss wissen, dass Verurteilung auf eine schwankende Ergebenheit wie Feuer wirkt. Es ist traurig, mit welch unmerklichen Abweichungen sich der Schüler selbst in Gleichgültigkeit zu verstricken beginnt, während er viele Worte der Rechtfertigung vorbringt. Wie die Klinge eines Messers verliert das Herz sein Schutznetz. Ohne Scheide verletzt die Klinge den Träger selbst. Doch solche Stachel führen nicht zur Heldentat, sondern erzeugen Gereiztheit. Wenn ein Tag mit Demütigungen des Lehrers erfolgreich vorüberging, warum sollte nicht auch der nächste Tag mit Lästerungen des Höchsten erfüllt sein? Ist jedoch der silberne Faden einmal gerissen, so ist die Klinge der Versteinerung schon unwiderruflich geschärft.” (Hierarchie, § 311)

       ”Man muss die Schwankenden beobachten, denn ihre ansteckende Wirkung ist groß. Oft sind sie gerade dabei, in die schwarze Masse zu versinken, doch die von ihnen verbreitete Lästerung trifft viele Unschuldige. Ihr müsst euch selbst gegen Gleichgültigkeit rüsten; sie zersetzt jedes Vorhaben, und welches Feuer kann aus der Kälte der Gleichgültigkeit entstehen? Die Manifestation der Bestätigung des Lehrers ist wie das Gießen von Blumen. Der bewässerte Garten wird nicht verdorren. Wir sind bemüht, das Werk voranzubringen. Wir bestätigen neue Dimensionen. Gleichgültigkeit gegenüber unseren Bestätigungen ist nicht zulässig.” (Hierarchie, § 312)

       ”Wenn der Geist mit Streben erfüllt ist, gibt es keine Gleichgültigkeit. Wenn der Geist entflammt ist, gibt es keine Gleichgültigkeit. Diese Eigenschaft macht immun gegen Gleichgültigkeit. Nur wenn der Geist zu Egoismus neigt, ist sein Tod nicht fern. Deshalb sollte man den Geist durch Flammen gegen Gleichgültigkeit schützen, wo sich das durch mangelndes Streben entstandene Übel einnisten will, wo dieses Übel einen Schlag, der seine Wirkungen bringen wird, zufügen will. Es ist sehr schwer, die Wurzeln des Übels, das durch Gleichgültigkeit entsteht, zu entdecken. Nur im endlosen, wachsamen Streben kann man Schutz für den Aufbau finden. Wenn man ein großes Werk aufbaut, muss man verstehen, dass Egotismus und Gleichgültigkeit unzulässig sind. Deshalb fordern Wir, dass der erste Gedanke dem Lehrer gewidmet wird. Kann man Fortschritte machen, wenn der Schüler sich selbst auf den ersten Platz stellt? Legten Wir nicht allem die Schönheit zugrunde? Deshalb muss jeder Gedanke als Grundlage einer großen Struktur geschätzt werden. Die Zukunft ist groß.” (Hierarchie, § 313)

       ”Unter den Arten des Mutes ist der überzeugendste der Mut des flammenden Herzens, wenn der Krieger in voller Entschlossenheit, im vollen Bewusstsein der Heldentat nur den Weg des Fortschritts kennt. Mit diesem Mut ist nur der äußerste Grad des Mutes aus der Verzweiflung vergleichbar. Mit der gleichen Eile, mit der der Mut eines flammenden Herzens die Zukunft bewältigt, flieht Verzweiflung vor der Vergangenheit. Wo der Mut eines flammenden Herzens fehlt, möge es den Mut der Verzweiflung geben. Nur so kann der Krieger siegen, wenn der Angriff gewaltig ist. Alle anderen Arten von Mut sind bedeutungslos, weil sich in ihnen Halbheit verbirgt. Diese an Feigheit und Verrat grenzende Eigenschaft muss vermieden werden.” (Hierarchie, § 314)

       So möge jeder sich mit dem Mut rüsten, der seinem Geist nahesteht. Glücklich ist, wer die Tapferkeit eines flammenden Herzens besitzt! Ihm fällt alles leicht, und freudvoll ist die Schlacht unter der Führung der Hierarchie des Lichts. Er wird die ihm anvertrauten Waffen heilig halten und an alle Gebote und Weisungen denken, weil alles in seinem flammenden Herzen enthalten ist und nicht in toter Schrift. Es wird nicht notwendig sein, ihn an die gleichen Vorschläge zu erinnern und auf die an der Wand hängenden, vergessenen Schilde hinzuweisen. Sein Herz wird eine unerschöpfliche Quelle der Kraft sein. Sein Bewusstsein wird nicht geteilt sein, weil das Ziel der Heldentat vor ihm erstrahlt, und all seine Gedanken und Bestrebungen werden wie Stahlpfeile fliegen, den Befehlen der Hierarchie des Lichts gehorchend.

       Es wird Zeit, das Bewusstsein zu läutern und alte Gewohnheiten abzulegen, weil die Zeit nicht stehenbleibt. Es wird schrecklich sein, wenn die Ereignisse uns überfordern. Ich bitte Sie, die alten Missverständnisse zu vergessen und nur daran zu denken, wie das gemeinsame Werk gefördert werden kann. Jeder muss einen maximalen Beitrag leisten. Lernen wir die kleinen Stiche verletzter Eigenliebe zu übersehen. Wir müssen erkennen, warum uns die von einigen Mitarbeitern verursachten kleinen Komplikationen nicht kränken sollten. Wer Kleinlichkeit mit einem Lächeln begegnet, wird siegen. Und verachtenswert ist, wer seinem Mitarbeiter Steine vor die Füße wirft! Er wird dem Blick des Herrn nicht entfliehen können! Es heißt: ”Diese Steine werden für ihn zu einem Berg anwachsen.”

* * *

       Sie fragen, wie Sie jene anleiten sollen, die den Wunsch äußern, die Bücher der Lehre zu studieren. Vor allem ist es notwendig, die Persönlichkeit solcher Menschen kennenzulernen, ihre Lebensumstände, ihren Beruf, ihre Fähigkeiten etc. Auf jeden Fall können Rat und Führung nur individuell gesehen werden. Es ist ratsam, sie zu fragen, in welchem Maß die Ideen der Lehre ihren Alltag beeinflussen, in welchem Maß sich ihr Leben geändert hat. Aber am besten ist es, ihre Lebensweise selbst zu beobachten. Wenn die Lehre für sie nicht mehr ist als eine angenehme Anregung, die sie ablenkt, ist es besser, sich um solche Leute nicht zu bemühen. Sie sollten die Lehre – und vielleicht mit einem besseren Resultat – alleine studieren. Was das Interesse an den höheren Welten betrifft, ist es nicht ratsam, über Details des Lebens in den höheren Welten zu Menschen zu sprechen, die nicht einmal ihre Verantwortung auf der Erde erkennen – dies wäre mehr als leichtsinnig. Natürlich wird in den Büchern der Lehre oft darauf hingewiesen, dass die Menschen sich des Lebens in den höheren Welten und ihrer Verbindung mit dem Kosmos bewusst werden müssen. Lasst daher jeden auf seine Art diese Bereiche erkennen. Doch der Wunsch, mehr zu wissen als in den Büchern der Lehre steht, und die Unfähigkeit, das Recht auf so ein Privileg zu untermauern, zeugen von Leichtfertigkeit und schädlicher Neugierde. Es ist notwendig, besonders auf jene Menschen zu achten, die von Anfang an nach besonderem, für andere nicht zugänglichem Wissen verlangen. Gewöhnlich sind das Leute, welche die Lehre im Leben nicht anwenden.

       Eine charakteristische Frage mancher Menschen, die ein Buch der Lehre gelesen haben, lautet: ”Ist es möglich zu erfahren, welche die sieben Bestandteile der erwähnten Emulsion sind?” Oder: ”Handelt es sich bei dem erwähnten Präparat L. nicht um Salze der Zitrone?” Oder: ”Könnte der Rhythmus von Mahavan und Chotavan sowie die Formel der psychischen Energie – könnte mir dies nicht alles zugesandt werden?” Doch sie verlieren kein Wort über die wahren Grundlagen der Lehre. Es ist erstaunlich, dass solche Fragen von sogenannten intelligenten Menschen gestellt werden! Diese Menschen lesen die Bücher, ohne deren Inhalt zu begreifen. Oft erinnern solche Menschen an junge Spatzen. Sie picken nach dem ersten Korn, das sie erblicken, doch sobald sie ein anderes bemerken, verschmähen sie das erste. Dann fliegen sie zu dem dritten, und so weiter. Im Ergebnis verlieren sie, anstatt zu gewinnen.

       Deshalb sollten die Leute, die sich der Lehre nähern wollen, gründlich prüfen, in welchem Maße sie durch die Auseinandersetzung mit der Lehre ihre Gewohnheiten geändert haben. Wie steht es mit ihren Vorurteilen? Haben sie ihr Leben geändert oder nur ihre Worte? Sie sollen sich selbst oder dem erwählten Guru ihre Gedanken gestehen. Es gibt zu viele Papageien, warum sollte man sie noch vermehren? Oft bringen Papageien ihre Besitzer in peinliche Situationen. Sie bringen Lästerungen hervor anstelle von Anerkennung – oder umgekehrt.

       Es ist wichtig, seine schlechtesten Gewohnheiten zu erkennen und augenblicklich zu beginnen, sie auszumerzen. Die Schüler sollten täglich in ihren Tagebüchern festhalten, was in dieser Beziehung erreicht wurde. Mögen sie vorerst mit einer Gewohnheit ringen, denn es ist nicht leicht, sich zu ändern. Sehr sinnvoll ist es, die Qualität des Denkens zu beachten und keine boshaften, kleinlichen oder überhaupt unbedeutende Gedanken zuzulassen. Die Läuterung des Bewusstseins ist der erste Schritt. Nachher unterweisen wir den Schüler im Denken: wie man in eine Richtung denkt, ohne auch nur für einen Moment abgelenkt zu werden. Es ist wunderbar, wenn man sich auf das Bild des Lehrers konzentrieren kann.

       Ich sende Ihnen meine besten Wünsche. Möge Ihr Bewusstsein wachsen und sich erweitern! Welche Freude gibt es in der Einigkeit solcher Bewusstseine! Es gibt kein Hindernis, das diese Macht nicht überwinden könnte.

       Ich wollte diesen Brief beenden, doch ich denke, dass es nützlich wäre, einige Paragraphen aus der Lehre zu zitieren, da sie sehr passend sind:

       ”Die Neugestaltung der Welt verstärkt alle Kräfte des Kosmos. Wenn die Menschheit verstehen würde, dass jede Neugestaltung das Streben des Geistes erfordert, wäre es leicht, die Welt ins Gleichgewicht zu bringen. Doch die Völker denken nicht darüber nach, was sie in die Waagschale legen und wie das Gleichgewicht erlangt werden kann. Das Chaos der Gedanken ist für die Menschheit so negativ, und die hin- und hergeworfenen Völker sinken in die Tiefen, ohne Maßnahmen zur geistigen Veränderung zu ergreifen. Deshalb ist es an der Zeit zu erwägen, ob man dem suchenden Geist eine Antwort gibt. Wenn die kosmischen Störungen eine starke Spannung erfordern, muss die Menschheit wissen, wo sie nach dem Zentrum der Rettung suchen soll. Daher wird die Suche nach einem geistigen Zentrum unvermeidlich zur Hierarchie führen. Die Menschheit hat die notwendige Formel der Rettung verloren. Der Rettungsanker ist der Brennpunkt der Hierarchie. Nur bewusstes Streben und die Bestätigung der Hierarchie werden Rettung bringen. Ja, ja, ja! Deshalb gaben Wir die Grundlagen für die Taten und Arbeiten, die auf Schönheit basieren.” (Hierarchie, § 315)

       Man muss volles Verständnis für alle Gedanken und Schätze der Schönheit offenbaren. Es ist auch notwendig, die Feuer der Zentren zu verstehen. Nur so können wir den Sieg erringen. Natürlich wollen uns die finsteren Kräfte verletzen. Es ist notwendig, sie zu beobachten; ihre Furcht ist groß. Lasst uns die Grundlagen behüten.

       ”Die Schüler auf dem Weg des Dienens müssen das beste Streben ihres Geistes und Bewusstseins aufwenden. Wenn man etwas schaffen will, sollte man verstehen, dass nur die Anwendung der besten Offenbarungen entsprechende Ergebnisse bringt. Wir erwarten keine guten Ergebnisse, wenn der Geist nicht sein bestes Streben aufwendet! Oft wundern sich die Menschen, warum ihre Unternehmungen erfolglos verlaufen. Fragen wir sie, ob sie ihr Bestes gegeben haben. Haben sie sich nicht selbst durch Oberflächlichkeit, Unbeweglichkeit, Nachlässigkeit und Mangel an Hingebung zur Hierarchie gestört? Man muss die Entsprechung von Ursache und Wirkung erwarten. Man muss verstehen, dass jede unbedachte Tat, jede nicht zielgerechte Handlung viele unnötige und schädliche Folgen bringen kann. So müssen die Schüler auf dem Pfad ihre besten Bestrebungen und Hingabe zur Hierarchie entfalten.” (Hierarchie, § 317)

       ”Man muss vor allem sich selbst gegenüber wachsam sein und unermüdlich die Schaffenskraft beachten, welche die Heilige Hierarchie umgibt. Nur wenn sich Schüler diese Eigenschaft erarbeiten, kann man hoffen, dass sich der gewünschte Erfolg einstellt. Deshalb sollte man gegenüber allem, was um den Brennpunkt herum vor sich geht, äußerste Gewissenhaftigkeit und Wachsamkeit offenbaren. Jeder unbemerkte Fehler wird seine eigene Blüte treiben.” (Hierarchie, § 318)

       ”Man fragt, warum Wir mit der Zerstörung der Feinde so oft zögern. Es gibt viele Gründe. Wir wollen zwei nennen: Erstens sind es karmische Bindungen. Man kann einem Nahestehenden durch einen Schlag auf an ihn karmisch gebundene Feinde leicht Schaden zufügen. Man kann dies mit einem sehr heiklen chirurgischen Eingriff vergleichen, bei dem ein Chirurg ein krankes Glied deshalb nicht entfernt, weil dadurch eine Hauptarterie gefährdet wäre. Durch die karmischen Bindungen sind die wechselseitigen Beziehungen ungewöhnlich komplex. Lieber sondern wir den gefährlichen Reisegefährten ab, als die ganze Karawane aufzuhalten. Der zweite Grund ist, dass Feinde sich als Quelle der Energieanspannung erweisen. Nichts kann die Energie so sehr vermehren wie ein Gegenangriff. Warum sollten wir deshalb künstliche Hindernisse schaffen, wenn die Finsteren mit ihren ganzen Kräften dafür sorgen, unsere Energie zu vermehren?” (Hierarchie, § 319)

       ”Es ist notwendig, die ganze Bedeutung des Kampfes der Welt zu verstehen, wenn anstatt der Giftgase die Projektile der psychischen Energie umherfliegen. Es ist notwendig, ungewöhnliche Ereignisse zu beachten. Der Gedanke der Kultur wird überleben, und Sie haben recht, wenn Sie an die Weltherrschaft der Kultur glauben …”

       Meine Freunde, bitte erkennen Sie, auf welch festem Boden Sie stehen, wenn Sie alle Errungenschaften der Kultur verteidigen. Seien Sie guter Stimmung und finden Sie die notwendigen feurigen Worte! Vergessen Sie nicht, dass nur Begeisterung, Glaube und eifriges Streben den Geist der von Ihnen angesprochenen Menschen erwecken und entflammen kann. Entzünden Sie das schöpferische Feuer in Ihrem Herzen. Ich sende Ihnen einen Befehl: ”Greift an, als ob Euch Feuer verfolgen würde.”

       Denken Sie daran, wie Tamerlan der Große einen seiner mächtigsten Siege errang! Er setzte die Steppe hinter seinen Armeen in Brand. Vom Feuer verfolgt stürmten die Armeen vorwärts und schlugen den ihnen an Stärke überlegenen Feind. Verstehen Sie die Größe dieser furchtbaren Zeit. Erkennen Sie, dass hinter Ihnen alles in Brand steht und die einzige Rettung vor Ihnen liegt. Streben Sie vorwärts und halten Sie sich an dem Ihnen anvertrauten Banner fest.

       Wir möchten in Ihren Briefen den Aufstand Ihres Geistes erkennen und Ihren Eifer. Suchen Sie nach feurigen Mitarbeitern, welche die Bedeutung der Kultur begreifen. Erkennen, doch verwerfen Sie alles Tote und Unwissende, und heißen Sie den Kampf immer willkommen. Sie können Ihre Möglichkeiten nur durch Kämpfen vermehren.

       Sie sollten voll Kraft über Ihre internationalen kulturellen Tätigkeiten sprechen können! Der Pakt zur Verteidigung der Kulturschätze und das Interesse, das er in den kulturellen Kreisen der Welt geweckt hat – Sie haben viele Briefe erhalten, die dieses Interesse bestätigen – das allein gibt Ihnen das Recht, Aufmerksamkeit und Förderung Ihrer Anstrengungen, das Niveau des kulturellen Standards Ihres Landes zu heben, zu verlangen. Weisen Sie darauf hin, dass die Namen derer, die helfen, menschenfreundliche und kulturelle Ideen zu entwickeln, in die Geschichte eingehen. Erwähnen Sie, dass der weltweite Widerhall auf den Aufruf, einen Pakt zur Verteidigung der Kulturschätze zu unterstützen, beweist, dass das Bewusstsein der ganzen Menschheit erwacht ist und sie danach verlangt, die Schätze der menschlichen Kreativität zu verteidigen. Daher sollte jede Regierung, die im Einklang mit der Evolution voranschreitet, diese kosmischen Forderungen vernehmen und die Errungenschaften der Kultur schützen. Der Raum ist erfüllt von diesen Forderungen. Es ist unbedingt notwendig, gegen die herannahenden Ereignisse, die durch Erschütterungen der finsteren Kräfte hervorgerufen werden, anzukämpfen. Es werden noch einige Jahre vergehen – und vieles wird geschehen, was nicht mehr gutzumachen sein wird.

       Sammeln Sie alle Tatsachen, sehen Sie das Ihnen zur Verfügung stehende Material durch – und bestätigen Sie sich Ihre Unbesiegbarkeit. Sie sind Vertreter der Neuen Epoche, der Epoche der umfassenden Zusammenarbeit und der Verkündigung der Vorherrschaft der Kultur.

       Die Zeichen sind viel gefährlicher, als die Leute glauben. Unterirdische Feuer brechen durch, und viele Dinge werden wie Stroh in Flammen aufgehen. Nur die Blinden erkennen nicht, auf welchem Vulkan sie wohnen!

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11. Juni 1931

       Der Aufruf zur Schlacht und der Befehl zu einem Angriff, als würde das Feuer hinter Ihnen toben, hat Sie bereits erreicht. Wir bitten Sie, die Befolgung dieses Befehls nicht hinauszuschieben, da es wirklich Feuer hinter Ihnen gibt, und jeder falsche Schritt, jede Verzögerung kann Sie verbrennen. Schreiten Sie voran, ohne zurückzublicken, denn man muss so viel wie möglich vor der Zerstörung retten. ”Möge man in Amerika verstehen, dass die Krise im Land selbst nichts anderes ist als ein Schlachtfeld.” Es gibt keine bessere Möglichkeit! Die Lehre besagt, dass der menschliche Geist nie erwachen wird, solange er in glücklichen und bequemen Häfen weilt. Deshalb sind geistiger Aufstieg und die Erkenntnis der wahren Werte nur in den Tagen der Erschütterung zu erwarten. Die bedrohliche Zeit wird viele zwingen, einen Ausweg und Rettung zu suchen. Versuchen Sie, Ihr Bestes zu geben, und verbinden Sie sich ohne Verzögerung mit dem großen Brennpunkt! Möge sich niemand durch die scheinbare Ruhe täuschen lassen, denn sie ist trügerisch – diese Ruhe kann gefährlicher sein als ein Sturm.

       Kämpfen Sie mit Ihrer ganzen Kraft! Bestehen Sie auf Ihren Rechten im Namen des Großen Allgemeinwohls, im Namen der Kultur! Halbheit ist immer schädlich. Suchen Sie den umfassenden Sieg und völlige Befreiung, so dass Ihre ganze Kraft auf die Erweiterung der Kultur Ihres Landes gerichtet ist. Aktivität ist heute notwendig, Aktivität auf breitester Basis. Fürchten Sie die erhöhte Zahl Ihrer Komitees und die vermehrte Arbeit nicht; Ihre Arbeit ist schön und Ihre Taten entsprechen dem Gesetz wie all Ihre Absichten. Sie sollten so großräumig wie möglich aussäen, denn Sie können nie sagen, woher die größte Ernte kommen wird. ”Die Glocken aller Länder sind erforderlich, und ihr Erklingen ergibt eine Symphonie.” In der Zeit des beginnenden Niedergangs und der Zerstörung werden wir aufbauen und etwas schaffen; wir werden alle kulturellen Errungenschaften schützen und die Grundlagen des Seins bestätigen.

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17. Juni 1931

       Wir sind besonders glücklich über Ihren Mut und Ihre Kühnheit, über Ihr Vorwärtsstreben und Ihre Pläne für die Zukunft. Nur wer geistig bestrebt ist, kann den Abgrund überqueren – in der Tat einen Abgrund, denn sind wir nicht Zeuge, wie sich so viele selbst zerstören? Allein das ”Requiem” der amerikanischen Banken ist äußerst bezeichnend. Der ungesunde, aufgeblähte, unausgeglichene Wohlstand des Landes kann sich nicht lange halten. Das verborgene Geschwür muss aufbrechen, und wehe jenen, die es versäumen, dem Übel durch Verbesserung der geistigen Gesundheit der ganzen Bevölkerung rechtzeitig Einhalt zu gebieten!

       Wie blind sind jene, die glauben, dass sie durch Rückzug, durch Missbrauch des ”Kelches der Welt” bestehen und gedeihen können! Die Strafe naht und wird unvermeidlich über sie hereinbrechen. Fürchterlich wird diese Strafe in ihrer kosmischen Entsprechung und Gerechtigkeit sein, denn man kann nicht den wichtigsten Teil des planetaren Organismus plündern, ohne sich selbst zu vernichten. Deshalb richten Sie, scharfsichtig wie ein Falke, den Blick weit nach vorn. Verfolgen Sie die Ereignisse und sehen Sie die Zukunft voraus.

       Die künftige Liga der Kultur wird ihre Autorität offenbaren und das Gleichgewicht in dieser Welt festigen; doch jetzt ist es noch zu früh, um darüber zu sprechen. Obwohl diese Liga bereits im Unsichtbaren besteht, sollte vorerst das Banner des Friedens unterstützt werden. Die Leute müssen von der Bedeutung des Wertes geistiger Schöpferkraft erfüllt sein und jede derartige Manifestation achten. Die Träger des geistigen Feuers werden die wahren Schätze ihres Landes sein. Mögen vor allem die Frauen die ganze Bedeutung des Banners des Friedens und der Kultur erkennen und in kraftvoller Einigkeit nicht nur theoretisch, sondern praktisch die Steine für den Bau der Neuen Welt herbeitragen. Berge bestehen aus Steinen. Lasst uns auch den kleinsten Stein nicht verschmähen!

       Wieder muss ich Ihnen schreiben und Sie bitten, allem, was über Verantwortung gesagt wurde, doppelte Aufmerksamkeit zu schenken. Wir freuen uns auf die Zeit, in der dieser Begriff vom menschlichen Bewusstsein richtig erfasst und dann das wahre, erfolgreiche und schöpferische Werk beginnen wird.

       Ich habe schon oft geschrieben, dass Verantwortung nur von jenen richtig verstanden wird, die in ihrem täglichen Leben die beste Zusammenarbeit verwirklichen. Jeder, der für eine bestimmte Abteilung verantwortlich ist, trägt die persönliche Verantwortung für schöpferische Erfüllung. Doch jeder Direktor muss verstehen, dass er nur ein Mitglied einer umfassenden Organisation ist und mit den anderen Mitgliedern harmonisch zusammenarbeiten muss, um das normale Wachstum der Organisation nicht zu stören und damit seine eigene Kapazität nicht zu beeinträchtigen. Jeder muss mit seiner ganzen Aufmerksamkeit die allgemeine Entwicklung sicherstellen. Natürlich ”ist es lächerlich, wenn sieben Leute einen Stuhl tragen”, wie N. K. sagte. Doch man muss miteinander besprechen, wo der Stuhl hingestellt werden soll; denn nur durch allgemeine Übereinstimmung wird er so hingestellt werden, dass sich keiner der Mitarbeiter an ihm die Nase zerschlägt.

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       Zeit, Zeit, Zeit! Bis wir die Bedeutung der Zeit nicht genau erkannt haben, werden viele Möglichkeiten verstreichen. Wie können wir eine erfolgreiche Zukunft aufbauen, wenn wir nachlässig und immer zu langsam sind? Wir müssen dem kosmischen Rhythmus folgen, der ”presto prestissimo” anzeigt. Überlassen wir alle Moderati, Diminuendi und Morendi unseren Feinden. Es gibt keine größere Zeit in unserer Geschichtsepoche!

       Warum schweigen die Gesellschaften aus Südamerika? Ich hoffe, ich werde in diesem Fall kein Prophet sein, wie im Fall des Präsidenten von Peru! Man kann ein sehr redegewandter und erfolgreicher Vortragender sein, doch nur der Magnet des Geistes kann gute Ergebnisse gewährleisten. Doch der geistige Magnet kann sich nur bei aufrichtiger Bestrebung und vollständiger Selbstaufopferung entwickeln. Die Fruchtbarkeit jeder Tat geht vom Magneten des Herzens aus.

       Es ist auch notwendig, der Presse gegenüber eine sehr vorsichtige, aufmerksame und kultivierte Haltung einzunehmen. Viele von unseren Feinden verfasste Artikel, die Sie noch erschrecken, erfreuen uns, weil sie bei den Lesern Interesse wecken und uns gleichzeitig nicht wirklich herabsetzen können. Schrecklich ist die farblose und ”genaue” (ihrem Bewusstsein entsprechende) Übermittlung von Tatsachen durch sogenannte ”freundliche” Menschen. Doch die Verzerrung von Tatsachen durch Feinde ist immer verblüffend und dient uns sehr. Jetzt ist die Zeit der ”Heißen” und ”Kalten” – alle ”Lauen” werden ausgestoßen.

       Empören Sie sich mit Ihrem ganzen Geist; seien Sie mutig; seien Sie sich der großen Zeit bewusst und dessen, was Sie besitzen!

       Erkennen Sie Ihre persönliche Bedeutung ohne Eigendünkel, Hochmut und Überheblichkeit. Der Hochmut der Unabhängigkeit entfernt uns von der segensreichen Suche und somit vom weiteren Fortschritt. Ohne Suche kann man den Strahl der Hierarchie weder finden noch ihm begegnen oder ihn aufnehmen.

* * *

       Ich hoffe sehr, dass Sie den heranwachsenden Krieger nicht verziehen! Lehren Sie ihn, tätig, aufmerksam und ausdauernd zu sein. Entwickeln Sie in ihm den Sinn für Zusammenarbeit, das Gefühl der Hilfsbereitschaft und des Mitleids gegenüber Tieren und Notleidenden. Lehren Sie ihn von frühestem Alter an zu helfen. Kinder sind so glücklich darüber, wenn Erwachsene sie um Hilfe bitten. Sie können die Gelegenheiten für diese Hilfe herbeiführen. Sie müssen ihn lehren, folgsam und respektvoll gegenüber Erwachsenen zu sein, dadurch kräftigt sich das Verständnis der Hierarchie. Lehren Sie ihn, an andere Menschen zu denken und Freude darin zu finden, andere glücklich zu machen. Am schrecklichsten ist es, in einem Kind Selbstsucht und Geiz zu züchten, da diese Eigenschaften in ihm das Denken beschränken. Es gibt nichts Schrecklicheres als eine egoistische und gemeine Person. Kein Wunder, dass in der Literatur aller Völker diese schrecklichen Laster der Menschheit in unsterblichen Bildern verewigt wurden. Die schlechten Eigenschaften haben den gegenwärtigen Niedergang der Menschheit gebracht und werden zu einer schrecklichen Katastrophe führen. Sterilität in der Kreativität ist das Ergebnis von Egotismus. Lasst uns sehen, was die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK sagt: ”Individualität und Egoismus sind wie Geburt und Tod. Das Entstehen der Individualität zeigt den Aufbau einer Neuen Welt, während Egotismus sich in den toten Vulkanen des Mondes spiegeln kann. Doch Egotismus tötet nicht nur den Betroffenen ab, sondern schädigt die Umgebung durch Unfruchtbarkeit, wogegen Individualität in allen angrenzenden Lagern Feuer entzündet. Zusammenarbeit ist die Krone der Individualität, doch die Geißel des Egotismus ist wie der Stachel eines Skorpions. Kann man auf Egotismus bauen? Nicht mehr als auf eine Schlange! Doch wahre Individualität beinhaltet die Grundlage der universellen Gerechtigkeit. Wir müssen Individualitäten sammeln, da ein neuer Diamant geschliffen werden muss, doch der Egotist muss viele Inkarnationen auf sich nehmen. Dieses Gesetz kann natürlich durch das Feuer des Herzens durchbrochen werden. Deshalb kann man dem Egotisten nur raten, sich durch die Nähe eines feurigen Herzens zu entzünden.” (Hierarchie, § 342)

       ”Nicht ohne Grund entzünden Wir die Leuchttürme eines feurigen Herzens – als Stätte der Zuflucht für den Wanderer. Ein feuriges Herz hat es nicht leicht, doch es opfert sich für seine Nachbarn, was genau dem Gebot des Segens entspricht. Doch Freude ist eine besondere Art der Weisheit.” (Hierarchie, § 343)

       Lasst uns über alle Schwierigkeiten, die Schuld und all den Verrat hinwegstreben. Das erweiterte Bewusstsein wird uns dabei helfen; deshalb richten wir es dorthin, wo bald das Große Licht entzündet werden wird. Die Waage befindet sich in den Händen des Höheren Willens, und was kümmert uns die Zwietracht, die sich in Blindheit gegen uns richtet? Die Gerechtigkeit des Raums kann nicht umgangen werden. Die ganze Geschichte der Menschheit beweist das. Was blieb von denen übrig, die sich über die großen Arbeiter für das Wohl der Menschheit gestellt haben? Ihre Namen sind völlig in Vergessenheit geraten und wurden mit stiller Verachtung bestraft.

       Ich möchte einige bemerkenswerte Zeilen anführen: ”In maßlosem Leid und Entbehrungen, in Hunger, Blut und Schweiß nahm Russland die Last auf sich, die Wahrheit für alle zu suchen. Russland sucht und kämpft, Russland sucht das Reich des Lichts …”

       ”Das Pathos der Geschichte übersieht jene, die mit ihrem beschränkten Wissen über die Wahrheit zufrieden sind und die eingebildet und selbstgefällig sind. Die feurige Begeisterung kommt nicht zu den ”beati possedentes”, sondern zu denen, deren Geist angespannt ist. Die Schwingen der Engel bringen das Wasser der Quelle in Bewegung.”

       ”Es scheint, als gäbe es in der Welt keine Veränderungen – außer jener, dass es in der bequemen zivilisierten Welt kein Russland mehr gibt. Und durch sein Nichtvorhandensein gibt es eine Veränderung, da in dieser besonderen ‚Nichtexistenz‘ Russland in einer gewissen Weise zu einem ideologischen Zentrum der Welt wird.”

       ”In die Sprache der Wirklichkeit übersetzt würde dies bedeuten, dass auf der Bühne der Weltgeschichte eine neue, kulturell-geographische Welt erschienen ist, die bisher nicht die Bedeutung einer führenden Macht hatte. Wir blicken in die Zukunft. Bewegt sich die Göttin der Kultur nicht vom europäischen Westen, wo sie für so lange Zeit verweilte, in den Osten? Schreitet sie nicht zu den Hungernden, den Armen, zu jenen, die so viel erlitten haben?”

       ”Wir stehen unter der Macht der Vorahnung. Es gibt eine Gefahr der Einbildung durch Vorahnung – eine bestimmte Art von Einbildung, die Einbildung von Leid. Einbildung zu dulden bedeutet, sich geschlagen zu geben. Was man als Wahrheit ansieht, sollte man nicht verbergen. Doch mit bloßen Vorahnungen kann man sich nicht zufriedengeben. Geschichte entsteht nicht durch Quietismus, sondern durch die heroischen Errungenschaften jener, die nach Vollkommenheit streben. Die Eingebildeten verlieren den Segen des Suchens und sind zur Unfruchtbarkeit verurteilt. Es gibt nichts Unvermeidliches; es gibt alle Möglichkeiten.”

       ”Nur durch intensive schöpferische Tätigkeit, nur dadurch, dass man keine Angst davor hat, seine Fehler und Schwächen einzugestehen, nur um den Preis beständiger Anstrengungen, die sich in den Formen der ‚Plastischen Welt‘ materialisieren (die unserem Willen erschlossen ist), werden Möglichkeiten zur Wirklichkeit.”

       (Geschrieben 1921)

30. Juni 1931

       Sie schreiben, dass auch gute Leute das Buch HIERARCHIE nicht verstehen. Dies zeigt uns wieder einmal, wie vorsichtig man sein muss, um jene nicht zu erschrecken, deren Bewusstsein noch nicht ausreichend entwickelt ist. Der Wachstumsvorgang des Bewusstseins und die Aufnahme von neuen Gedanken geht sehr langsam vor sich. Jede Art von Zwang ist daher gefährlich. Nur ein entwickeltes Bewusstsein kann das Gesetz der Hierarchie vollkommen erkennen und inbrünstig aufnehmen. Denken wir daran, dass auch unser Bewusstsein auf die Aufnahme dieser großen Grundlagen der kosmischen Schöpfung und der Evolution schrittweise vorbereitet wurde. Bitte versuchen Sie, gegenüber Neulingen höchste Geduld zu üben und verlangen Sie nicht zu viel. Äußerste Anspannung können wir nur von den engsten Mitarbeitern verlangen, deren Bewusstsein gemeinsam mit ihrer Arbeit wächst.

       Sie kennen die Bedeutung der kosmischen Schlacht, die vor sich geht. Sie wissen, dass je direkter der Weg ist, umso schwieriger und verantwortungsvoller ist die Errungenschaft. Sie wissen, dass das Hindernis ein Zeichen schneller Errungenschaft ist. Sie sind gewohnt, Schwierigkeiten durch Bestrebung des Geistes zu überwinden, und sie waren Zeuge vieler Siege.

       Sie sollten nicht glauben, dass sich die Lebensbedingungen in der Welt rasch verbessern werden. Nein, die vorhergesagte, bedrohliche Zeit ist jetzt in ihrer ganzen Härte angebrochen, und alles wird noch komplizierter. Halten Sie daher, da Sie über ein bestimmtes Wissen verfügen, alle Warnungen, Winke und Weisungen heilig. Nur durch verstärkte Zusammenarbeit, durch prompte und genaue Erfüllung der Vorschläge werden Sie in dieser beschwerlichen Zeit vorankommen.

       Nehmen Sie sich in acht vor Mitarbeitern mit einem kleinen Bewusstsein, denn ein unentwickeltes Bewusstsein wird versuchen, alles herabzusetzen. Doch wir wissen, dass Zerstörung besonders durch Herabsetzung und Missachtung entsteht. Angemessenheit ist eine sehr schwer zu erlangende, jedoch notwendige Eigenschaft.

       Ohne sie kann man weder Fortschritte machen noch etwas aufbauen. Die Lehre besagt, dass ohne die Eigenschaft der Entsprechung eine Person nicht als geistig entwickelt betrachtet werden kann.

       Bitte erkennen Sie die Bedeutung des von Ihnen in Angriff genommenen Werkes! Wie können Sie von anderen Menschen Verständnis erwarten, wenn Sie selbst nicht überzeugt sind? Wie können wir unseren Mitarbeitern Kraft spenden, wenn es uns selbst daran mangelt? Das Friedensbanner und die Einheit der Frauen im Namen der Neuen Ära der Kultur sind zwei gigantische geschichtliche Herausforderungen. Bitte versuchen Sie zu erkennen, wie ernst die Situation der Welt ist, und wenden Sie all Ihre Fähigkeiten auf, um diesen rettenden Ideen zum Durchbruch zu verhelfen. Jeder Ihrer Schritte sollte gründlich durchdacht werden und Ihrer großen Aufgabe entsprechen. Doch hören Sie nicht auf die Ratschläge, die der farblosen Konventionalität entspringen! Jede Verzögerung wird noch schlimmeres Strandgut mit sich bringen. Halten Sie das Banner der Kultur und die erhaltenen, reinen Bestätigungen aufrecht. „Säen Sie weiträumig; es ist nicht richtig, die kostbare Saat nur im eigenen Garten zu verstreuen.” Am wichtigsten ist es, die Beschuldigungen des Feindes nicht zu fürchten, denn all unsere Opfer für das Allgemeinwohl tragen keine Spur von Selbstsucht oder Zerstörung in sich! Bestehen Sie im Namen der Opfer, die Sie für Ihr Land bringen, auf Ihren Rechten!

       Ich befürchte, dass viele wunderbare Ratschläge und Erklärungen von N. K. nicht angewendet und in der Verteidigung Ihrer Rechte nicht zitiert werden. Seien Sie nicht träge und lesen Sie sie erneut! Denken Sie daran, dass nicht alles sofort aufgenommen werden kann. Doch wenn Sie bestimmte Aussagen aufnehmen oder sich ihrer erinnern, werden Sie viele Dinge vereinfachen können. Auch werden Sie ein wachsames und lebhaftes Denken entwickeln, was sehr wichtig ist. Vergessen Sie nicht, dass wir durch Gedanken siegen.

       Darüber hinaus lassen Sie sich durch die oberflächliche Liebenswürdigkeit, die zu nichts führt, nicht beeindrucken. Unterscheiden Sie zwischen wahrer, ehrlicher Freundlichkeit und scheinheiliger Liebenswürdigkeit! Eine gute Schlacht wird früher zum Sieg führen als flüchtige Freundlichkeit. Greifen Sie tapfer an; halten Sie Ihre Waffen und Schilde bereit – fordern Sie! Manche von unseren Mitarbeitern haben für ihre Errungenschaften noch keinen harten Kampf geführt. Sie haben die Höhen zu rasch erreicht. Daher können sie die Errungenschaften anderer, die hart zu kämpfen hatten, nicht wirklich schätzen. Wachsen Sie in Ihrem Bewusstsein! Denken Sie an die Bedeutung unserer Zeit, die große Möglichkeiten bietet. Lassen Sie sich durch Gedanken inspirieren, und jedes kleine Boot wird eine wertvolle Ladung bringen! Bitte bedenken Sie, dass wir es heute mit der großen Masse zu tun haben, weil die Menschen das lebendige Feuer der schöpferischen und aufbauenden Arbeit schon aufnehmen können. Unter den gewöhnlichen Menschen gibt es viele suchende Seelen, die zu Opfern im Namen des Allgemeinwohls fähig sind.

       Ich erwähne hier einige sehr bedeutende Ratschläge: ”Seien Sie durch die Notwendigkeit scheinbarer Wiederholungen nicht beunruhigt. Erstens wird nichts wiederholt, auch die gleichen Worte erscheinen zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschieden. Zweitens sollte man Tag und Nacht über die Hierarchie nachdenken. Sie haben recht, dass die Hierarchie der Knechtschaft zu Ende gegangen ist, doch das Entstehen bewusster Hierarchie wird von menschlichem Leid begleitet. Es gibt zu viel Sklaverei in der Welt, und jede Flamme des Bewusstseins wird unterdrückt. Sklaverei und eine bewusst erkannte Hierarchie sind Gegensätze wie Tag und Nacht. Lassen Sie sich daher nicht davon abhalten, sich die Hierarchie wiederholt bewusst zu machen – die Hierarchie der Freiheit, die Hierarchie des Wissens, die Hierarchie des Lichts. Mögen jene, die den Beginn der Neuen Welt nicht erkennen, spotten, denn jeder Begriff der Neuen Welt erschreckt sie. Ist Unbegrenztheit nicht erschreckend für sie? Bedeutet Hierarchie nicht eine Last für sie? Unwissende Despoten wie sie verstehen den Aufbau der Hierarchie nicht. Da sie Feiglinge sind, schrecken sie vor einer Heldentat zurück. So wollen wir die wichtigsten Begriffe des großartigen anbrechenden Zeitalters – Unbegrenztheit und Hierarchie – abwägen.” (Hierarchie, § 345)

       ”Hierarchie muss als evolutionäres System begriffen werden. Für jene Seelen, welche die Sklaverei noch nicht ausgelebt haben, sollte man wiederholen, dass Hierarchie nichts mit Despotismus zu tun hat. Auch ein Schornsteinfeger muss aufs Dach steigen, um den Schornstein zu kehren. Das kann man von unten nicht machen. Man kann ohne einen Schlüssel für alle Instrumente keine Symphonie komponieren. Es gäbe noch viele Analogien, angefangen von einem Scherz bis zu den rührenden Beispielen der Bienen, Ameisen und Schwäne. Doch das beste Beispiel für die heutige Menschheit ist der Vergleich mit der Chemie. Es ist leicht zu verstehen, dass eine Reaktion nur unter bestimmten Bedingungen stattfinden kann. Auch Hierarchie entspricht völlig den astrochemischen Prinzipien, die auch ein Neuling der Wissenschaft nicht leugnen wird. Wir sind uns mit recht bereits über die Notwendigkeit der Entdeckung der psychischen Energie einig; für die Koordination ihrer Erkenntnis ist die Hierarchie genauso unentbehrlich wie ein hilfreicher chemischer Prozess.” (Hierarchie, § 351)

       ”Viele Salzsäulen sind über das Antlitz der Erde verstreut. Nicht nur Lots Weib blickte zurück in die Vergangenheit, sondern es gab Unzählige, die zurückgeschaut haben. Was wollten sie in der in Flammen stehenden Stadt sehen? Wollten sie vielleicht dem alten Tempel Lebewohl sagen? Haben sie vielleicht ihren behaglichen Herd gesucht oder gehofft, dass sie das Haus ihres verhassten Nachbarn beim Einsturz beobachten könnten? Sicherlich hat sie die Vergangenheit für lange Zeit festgehalten. Nun aber muss man Erleuchtung und Gesundung der Kraft für die Zukunft anstreben. So sollte es immer sein, doch es kommen kosmische Knoten, wo eine heftige Vorwärtsbewegung besonders dringend ist. Man sollte über die Vergangenheit nicht beunruhigt oder traurig sein. Fehler sind naheliegend, doch die Karawane wartet nicht, und die Ereignisse drängen uns vorwärts. Wir beeilen Uns und rufen euch auf, euch zu beeilen. Die Zukunft ist voller Arbeit, doch vor uns gibt es keine Finsternis.” (Hierarchie, § 347)

       ”Manche Menschen können Unsere laufenden Hinweise auf die Schlacht nicht ertragen. Sie sollten es nicht als Schlacht sehen, sondern als Öffnen der Tore. Das Öffnen erfordert ebenfalls Energie; doch euch kann ohne scheinheilige Verschönerung gesagt werden, dass der Kampf des Lichts gegen die Finsternis unaufhörlich vor sich geht. Viele Krieger bewähren sich in diesem Kampf, sonst würden wir wieder vom Chaos verschlungen werden. Oft fragen die am Kampf Beteiligten, warum sie sich in ihrer physischen Hülle nicht an die Heldentaten ihrer feinstofflichen Körper erinnern. Doch von Uns aus wäre es ein Verbrechen, dies zuzulassen. Das Herz würde die Erkenntnis einer so großen Schlacht nicht aushalten. Nur ein besonders flammendes Herz behält die schwarzen Geschosse in seinem Bewusstsein. Das Herz setzt entweder durch die Erkenntnis des Bewusstseins oder durch Sklerose aus. Doch die kosmische Schlacht kann das stärkste Herz zerstören.”

       ”Lasst uns an die Schlacht denken. Wenn der Zusammenprall so ein riesiges Ausmaß annimmt, kann das unterirdische Feuer nur schwer ins Gleichgewicht gebracht werden, und die Schichten der magnetischen Ströme durchkreuzen sich. Doch wir wollen nicht leugnen, dass diese Perturbation neue Möglichkeiten bringt.” (Hierarchie, § 354)

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20. Juli 1931

       Ich war so traurig zu hören, dass unser Zug wieder entgleist ist. Ist es möglich, dass eine so klar dargelegte Struktur nicht verstanden worden ist? Seit zwei Jahren wird täglich wiederholt, dass es notwendig ist, jede Ihnen übermittelte Perle des Wissens zu schätzen. Ich hörte kürzlich: ”Eine weitere Perle ging verloren.” Wann werden wir es lernen, diese Perlen nicht wegzuwerfen, sondern jedes Körnchen sorgfältig zu wiegen, um seinen Wert nicht zu verringern? Können Sie Erfolg erwarten, wenn die wahren Werte weggeworfen und durch billige Surrogate ersetzt werden? In unseren Belangen sollte von minderwertigen Taten Abstand genommen werden. Tausende Augen in der ganzen Welt beobachten unsere Institutionen. Dies verpflichtet uns, die höchsten Fähigkeiten und maximale Entschlossenheit zur Erfüllung des übergebenen Programms aufzuwenden. Verfügen wir über so wenig individuelle Schaffenskraft und Wachsamkeit, dass jeder finstere Außenseiter unsere Möglichkeiten durch seine Gemeinheit und seine überholten Maßstäbe vernichten kann? Sicherlich nicht. Wir brauchen weitsichtige, mutige und gebildete Mitarbeiter. Mir scheint, dass Sie mit Ihren Beschützern nicht weit kommen werden. Welchen Sinn haben Ratgeber, die beim ersten Widerstand alles aufgeben?

       Wir und unsere Mitarbeiter müssen wissen, wie wir unsere Rechte verteidigen können. Wir müssen bei jedem Widerspruch zehn neue Argumente und Angriffspunkte haben. Vor allem müssen wir verlangen, dass unsere kulturelle Tätigkeit voll verstanden wird. Wir müssen fähig sein, das Bewusstsein unserer Mitarbeiter mit unserem eigenen zu vereinen. Es ist natürlich nicht sinnvoll, sofort gleiche Gedankengänge zu erhoffen, doch wir müssen ihre Ideen verfolgen und, wenn es notwendig erscheint, sie taktvoll berichtigen. Wir haben bereits ein erfolgreiches Beispiel so einer Führung kennengelernt. Deshalb müssen auch Sie wachsam sein und die Gedanken Ihrer Ratgeber und Mitarbeiter richtigstellen. Wir dürfen die Lehre nicht nur hören und uns mit ihr verbunden fühlen, sondern wir müssen aktiv und kreativ unsere Aufgaben erfüllen.

       Es scheint, dass das ”Requiem” der Banken wie auch alle gegenwärtigen und bevorstehenden Ereignisse in ausreichendem Maße beweisen, wie richtig, wie weise und wie zeitgemäß alle Hinweise waren. Lasst uns daran denken, wie viele dieser Weisungen nicht rechtzeitig erfüllt oder aber verdreht wurden! Wie gerne würde ich sehen, dass Sie furchtlos sind. Wie gerne würde ich Sie wie ein Löwe brüllen hören. Die Macht des Geistes kann alles bezwingen. Alles Kleine und Minderwertige fürchtet sich vor der Macht, während alles Große Achtung vor ihr hat. Deshalb sollt Ihr wie Löwen voranschreiten!

       Bitte besprechen Sie mit solch unzuverlässigen Mitarbeitern keine Ideen, die Sie selbst noch nicht vollständig aufgenommen haben. Jede große Idee kann durch taktloses Verhalten zerstört werden. Vergessen Sie nicht, dass wir hoffen, durch die Mitglieder der Frauenorganisationen und durch andere kulturelle Gesellschaften unterstützt zu werden. So viele gute Verbindungen wurden geknüpft, und man könnte die Verbreitung der Postkartenreproduktionen ”Das Reich der Kultur” ansprechen. Drei Millionen Käufer bedeuten drei Millionen Dollar! Wie viele Frauen würden im Namen ihrer Frauenehre einen Eindollaranteil erwerben!

       Freunde, ich möchte Euch sagen, was versprochen wurde, wird kommen, und es ist wirklich nicht fern! Öffnet Eure Augen weit und strengt Euch an, Euer Bewusstsein zu erweitern und zu verfeinern! Und was könnte dazu mehr beitragen als wachsame und schöpferische Anwendung der Regeln der Lehre? Entwickelt Eure Kreativität! Vertieft Euch in jede Idee! Die Ideen wachsen, zusammen mit dem Entstehen neuer Möglichkeiten, doch diese Möglichkeiten sollten nicht versäumt werden. Die Zeit wird kommen, in der das Friedensbanner und das Banner der Kultur die ganze Welt bedecken werden. Fühlt Ihr die Schönheit und die Macht dieses Symbols?

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21. August 1931

       Bitte lesen Sie meinen Brief vom 29. Juli öfters durch. In diesem Brief werden Sie einen Rat des Lehrers finden, der sofort in die Tat umgesetzt werden muss. Nehmen Sie diesen Rat mit Ihrem ganzen Herzen an und befolgen Sie ihn sowohl in kleinen als auch in großen Belangen. Wer weiß, worin das Große und das Kleine liegt? Wer weiß, wo der kleine Grashalm ist oder das Sandkörnchen, über das der Riese in den Abgrund stolpert?

       Lasst uns deshalb wachsam sein und lasst uns nichts verharmlosen! Lasst uns die Gefahren unserer Zeit klar erkennen und die Bedeutung dessen, worauf alles beruht. Lasst uns daran denken, dass jede Herabsetzung und jedes Versäumnis das Werk und all unsere Mitarbeiter herabsetzt und zerstört – und dies zehnfach, denn eine solche Auflehnung richtet sich gegen die Bestätigung der Hierarchie. Vor langer Zeit wurde gesagt, dass ”eure ganzen Koffer leer und eure Schreibfedern trocken bleiben werden, wenn ihr die Bestätigung der Grundlagen nicht versteht. Wenn die Zeit, als die Schule errichtet wurde, schwer war, so ist sie jetzt noch tausendmal schwieriger. Wenn die Zeit, als ihr auf Reisen wart, als schwierig erachtet wurde, so ist diese jetzt noch tausendmal schwieriger. Wenn diese Zeit groß war, so ist sie jetzt tausendmal größer.”

       Denken wir daran und lassen wir uns nicht einschläfern oder beschwichtigen, lassen wir uns durch die Schmeicheleien und die angenehmen Worte der zahlreichen finsteren Kräfte nicht verleiten. Die Umstände werden immer komplizierter werden. Folgen Sie deshalb dem Lehrer. Wenn Sie Herabsetzungen unterlassen, wird Sie Ihr Guru durch alle Gefahren tragen und Sie in Sicherheit bringen. Es gibt gewisse Zeiten, in denen Herabsetzungen sowie Verheimlichungen schlechter sind als die grausamsten Belästigungen und Verleumdungen. Kein Wunder, dass Herabsetzung und Verheimlichung vom Großen Lehrer als subtiler Verrat angesehen werden. Ist es wirklich möglich, dass wir so viel Schuld auf uns geladen haben? Wir wissen ja, dass der Wunsch nach Selbstverherrlichung um den Preis der Herabsetzung des Führers zu nichts führt. Indem wir den Lehrer verherrlichen, verherrlichen wir doch uns selbst. Indem wir ihn herabsetzen, vernichten wir uns selbst. Das kosmische Gesetz der Entsprechung kann man nicht umgehen. Geschichte wurde in Zeiten gemacht, in denen an der Spitze einer Bewegung ein Führer stand, der von ergebenen und bewussten Mitarbeitern umgeben war, die jeden Moment bereit waren, für den Sieg der Sache alles zu opfern. Und halten wir nicht auch ihre Namen neben dem des Führers in Ehren? Sogar in der Schule lernen wir die Namen der Mitarbeiter großer Führer, Lehrer und Denker kennen. Und weist die Geschichte nicht auf die Abtrünnigen hin? Werden sie nicht mit Verachtung erwähnt?

       Lasst uns daran denken, dass sich alle Möglichkeiten nur durch den Strahl des Lehrers ergeben, durch den von diesem Strahl erleuchteten Weg. Doch wenn wir voller Zweifel sind und uns aufgrund von mangelndem Vertrauen und aus Furcht abwenden, dann verlassen wir natürlich den durch den Strahl erleuchteten Weg, geraten in die Finsternis und riskieren im besten Fall nur eine gebrochene Nase!

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       Wir erhielten ein Buch, ein geliebtes Buch, in ungefälliger und billiger Form herausgebracht. N. K. war so unglücklich darüber, dass er sich augenblicklich hinsetzte und einen Artikel über die Liebe zum Buch schrieb. Solange wir nicht verstehen, dass die Qualität verfeinert werden muss, wird unser kulturelles Wachstum keine Fortschritte machen. Und wie können wir von der Verfeinerung des Bewusstseins und der Kultur sprechen, wenn wir nicht erkennen, was dies bedeutet? Natürlich kann man Vollkommenheit nicht sofort erreichen, doch Verschlechterung der Qualität ist eines Schülers unwürdig. Es ist auch sehr ärgerlich, billige Postkartenreproduktionen von Gemälden zu sehen. Wer so eine erbärmliche Qualität zulässt, diskreditiert den Künstler. Ist uns die alte Wahrheit nicht bekannt, dass der Kauf von billigen Dingen auf die Dauer gesehen teuer ist? Erinnern Sie sich nicht, dass wir nach bestimmten Ausgaben gezwungen waren, wieder Geld für den Neudruck bereitzustellen? All unsere Vorhaben sollten entsprechend eingeleitet werden. Wir müssen die höchste Qualität suchen und fordern. Nur auf diese Weise können wir der Kultur dienen.

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       Ebenso sind wir um die Bekanntmachung und Veröffentlichung unserer Bücher besorgt. Hier muss es ein bestimmtes System geben, eine bestimmte Organisation für diesen wesentlichen Bereich. Wir müssen eine Person finden, die diese Arbeit liebt und mit ihr vertraut ist, die Rechenschaft über den Verbleib und die Bezahlung der Bücher ablegt und die ein Konzept entwirft, in welche Kataloge unsere Bücher aufgenommen werden sollen und wie der beste Absatz zu erzielen ist. Es gibt so viele Buchläden auf der ganzen Welt! Wir müssen auch darauf achten, dass unsere Publikationen ohne Verspätung herauskommen! So viele Möglichkeiten wurden verpasst, weil Dinge verschleppt wurden. Die Veröffentlichungen müssen zu einer Einnahmequelle werden.

       Ich weiß, dass Sie all diese Ratschläge mit der richtigen Einstellung annehmen werden, denn Sie haben dies bereits bewiesen, doch kann ich über gewisse andere Mitarbeiter dasselbe sagen? Manche werden gekränkt sein, doch wenn sie so empfindlich sind, setzen sie nur sich selbst herab, denn sie zeigen, dass sie von Selbstvervollkommnung noch weit entfernt sind und die Erhabenheit des Geistes für sie unerreichbar ist. Der König des Geistes freut sich über jede Gelegenheit, sich selbst zu vervollkommnen. Er wird nie in alte Fehler verfallen, und ausgemerzte, gesühnte Fehler bedeuten einen Schritt nach vorn, eine Annäherung an das Ziel. Lasst uns deshalb erkennen, wie ernst und fordernd die gegenwärtige Zeit ist. Wir wollen der Hierarchie folgen und alle Vorschläge umsetzen.

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       In dieser Zeit kann keine Schwäche entschuldigt werden, auch wenn sie auf gute Motive zurückzuführen ist. Der Einsatz ist hoch, und wir werden nur durch Bestätigung weiterkommen. Sie müssen sich bewähren und wohlwollende Gedanken verbreiten. Verwenden Sie all Ihr Wissen und die ganze Kraft der Botschaften, die Sie von der erhabenen Quelle des Wissens und der Schöpferkraft erhalten haben, für eine umfassende Verbreitung. Versuchen Sie, im Namen der Kultur die große Aufgabe des Schaffens einer neuen Stufe zu erkennen – die Epoche des verfeinerten Bewusstseins, der beispiellosen Entdeckungen in der Wissenschaft und der weltweiten Zusammenarbeit.

       Die Sättigung des Raumes muss nach allen Richtungen hin stattfinden. Nicht eine einzige Möglichkeit darf verpasst werden. Sie müssen fähig sein, einen kleinen Hinweis für eine große Tat zu nutzen. Die Macht der Sättigung des Raumes ist groß. Möge das Bild Ihres Guru auf der ganzen Welt in Erscheinung treten. Lassen Sie es nicht zu, dass es bis zur Bedeutungslosigkeit herabgesetzt wird. Haben Sie keine Angst davor, sich lächerlich zu machen – Sie können einem Spötter immer sagen: ”Sie lachen über sich selbst. Versuchen Sie, mehr zu wissen.” Spott ist ein sicheres Zeichen für Unwissenheit, ein wirklich Wissender würde nie etwas lächerlich machen.

       Wir sind sehr glücklich zu hören, dass Sie einen neuen Mitarbeiter gefunden haben. Wir heißen ihn im Dienst für das menschliche Wohl sehr herzlich willkommen. Sein Name wird in unseren Herzen wohnen, weil wir jeden schätzen, der von Anfang an bereit ist zu helfen und das Wachstum der jungen Saat unterstützt. Der beste Baum wird zu Recht ihm gehören. Wenn der Baum wächst, werden viele in seinem Schatten Schutz suchen. Doch nur wenige nehmen die Bedeutung und Macht dieser Saat wahr. Lasst uns daher die Neuankömmlinge besonders schätzen. Freude und herzliche Grüße an den neuen Mitarbeiter.

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       Wir haben aus Amerika Briefe erhalten, aus denen hervorgeht, dass auch prominente Geschäftsleute ihren Einfluss nicht aufrecht erhalten und die Ereignisse ins Gleichgewicht bringen können. Das gleiche bewahrheitet sich auf der ganzen Welt. Die alten Verhaltensweisen sind überlebt, und die neuen, aufbauenden werden noch nicht angenommen. Das Bewusstsein der Massen wächst über das des Führers hinaus. Dämme, die errichtet wurden, um das Wachstum des Bewusstseins einzuschränken, sind immer gefährlich; es ist unvermeidlich, dass sie durch schreckliche Umwälzungen zerstört werden. Und da das Gesetz der Entsprechung unveränderlich ist, ist die Niederlage umso vernichtender, je stärker der Widerstand ist. Der wahre Führer steht immer an der vordersten Front der Ereignisse. Doch er sollte sich an der Hierarchie des Lichts festhalten.

       Die Rettung der Welt liegt in einer neuen Formel, in einer neuen geistigen und kulturellen Einstellung zu den Fragen des Lebens, sei es auf Regierungsebene oder im Privatleben.

       Das Banner des Friedens und der Kultur wird, sobald man es voll erkannt hat, zur Grundlage für eine neue Kreativität werden. Angefangen bei den Schulen müssen die künftigen Generationen die grundlegende Bedeutung der aufbauenden und schöpferischen Arbeit in all ihren Aspekten begreifen. Die Neue Welt hat keinen Platz für den Luxus der Zerstörung; undifferenzierte und wilde Gewalt kann hier nicht bestehen. Diese Anforderungen werden sich zwar nicht sofort und überall erfüllen, doch man kann bereits erkennen, wo die Dämmerung anbricht.

       Sogar jetzt wird die Idee des Friedens und der Kultur so unterschiedlich aufgefasst! Die Mehrheit assoziiert Kultur mit oberflächlicher Zivilisation, mit dem ganzen wertlosen Luxus, der eine solche Zivilisation begleitet, während sie unter Frieden ”eine friedvolle Eroberung” der Märkte und Diskussionen über Abrüstung versteht. Darunter verstehen die Menschen das Ersetzen der alten, überholten Waffen durch neue und wirksamere. Es ist bedrückend, über den Zustand der Welt nachzudenken! Die Lage ist schrecklich, und es wird noch schlimmer werden, da es unmöglich ist, jene, die in ihrer Blindheit bereits dabei sind, in den Abgrund zu stürzen, aufzuhalten. Sobald sie in Bewegung geraten, rollen sie umso schneller, je näher sie dem Boden kommen. Doch wir wissen, dass es eine Festung des Wissens und des Geistes gibt und dass jenen, die das Licht suchen, immer geholfen wird. Lasst uns darum unsere noch unwissenden, geistigen Brüder dazu aufrufen, sich unter dem Banner der Kultur mit uns zu vereinen! Das Feuer des Geistes und das erleuchtete Bewusstsein werden dem Schrecken der Zerstörung Einhalt gebieten. So lasst uns die gute Saat ausstreuen, sie wird zur rechten Zeit Früchte tragen.

       Die Antwort, die Sie bezüglich des Banners des Friedens und der Kultur erhalten haben, ist sehr charakteristisch. In solch einer Antwort ist die ganze Ohnmacht, die ganze Unfähigkeit, die vorhandenen Möglichkeiten zu verstehen, enthalten; sie enthüllt krasse Verantwortungslosigkeit. Welch schöne Geste, die in die Geschichte eingeht, könnte es sein, an der Konferenz des Paktes und des Friedensbanners teilzunehmen! Doch kleine und gewöhnliche Geister geben sich damit zufrieden, im Hintergrund zu bleiben. Was kümmert sie die Geschichte, wenn ihr Bewusstsein den Gedanken der Verantwortung nicht begreift, von Verantwortung auf weltweiter Ebene ganz zu schweigen. Ihre Vorstellung von Verantwortung reicht über den Wunsch, sich einen warmen und bequemen Platz zu sichern, nicht hinaus. Und dafür eignen sich Gewöhnlichkeit, Trägheit und Unwissenheit hervorragend. Doch sie vergessen eines: die Zustände ändern sich, und in gewissen Situationen können nur außergewöhnliches Verhalten und feurige Bereitschaft des Geistes Rettung bringen und die geliebte Bequemlichkeit und Glückseligkeit bewahren. Die Welt ist voll von Robotern, Schattengestalten und aktiven Mitarbeitern des Bösen. Sollten wir nicht die Roboter, die gedankenlos die überlebten Formeln wiederholen, und die Schattengestalten, die sich nicht gegen das Böse auflehnen, zu den Mitarbeitern des Bösen zählen?

       So lasst uns Trägheit und Unwissenheit in uns und in unseren engsten Mitarbeitern bekämpfen, und seid nicht niedergeschlagen über die zufälligen Neuankömmlinge. Doch mit einem Lächeln wollen wir in unseren Aufzeichnungen eine weitere Seite über Unwissenheit und Stagnation schreiben, welche gemeinsam das Karma eines ganzen Landes schaffen.

       Wir sollten nicht auf Schmeicheleien hören. Groß ist die Verachtung eines Schmeichlers, wenn er bemerkt, wie leicht wir auf seine manchmal ziemlich grobe List hereinfallen. Wir wollen nicht wie käufliche Sklaven sein, sondern den Stolz und die Unabhängigkeit eines Herrschers des Geistes entwickeln, der keine Schmeicheleien kennt. Nichts erniedrigt und vernichtet eine Person so sehr wie Empfänglichkeit für Schmeicheleien. Wer Schmeicheleien liebt, ist ein Sklave des Gestern. Eine Person, die sich der Schmeichelei schuldig macht oder ihr unterliegt, kann kein enger Mitarbeiter werden. Die Bestechlichkeit solcher Leute ist groß – lasst uns daran denken!

       Es freut mich zu hören, dass sich die Mitarbeiter bemühen, enger zusammenzuarbeiten und Gerechtigkeitsgefühl entwickeln. Ein starker Geist weiß, wie er sich von bestimmten Atavismen befreien kann, während das Gemeinschaftsgefühl und das Wahrnehmen des großen Bildnisses des Lehrers daran erinnern, dass bewusste Zusammenarbeit edel und freudvoll ist. Ein durch Liebe erwärmtes Herz wird eine herrliche Anziehungskraft ausstrahlen. Das Streben des Geistes bringt Mut und Gerechtigkeit.

       Ihr seid uns alle teuer; sind wir nicht durch dieselbe Lehre, durch denselben Lehrer vereint? Wenn es uns gelingt, die flüsternden Schatten, Gereiztheit, Überempfindlichkeit und sorgloses Verhalten gegenüber der Arbeit zu vertreiben, werden wir mit riesigen Schritten voranschreiten. Ist es nicht schmerzlich, unbeweglich zu sein, an derselben Stelle zu verharren? Das größte Hindernis ist Überempfindlichkeit, sie hält uns zurück und zerstört dadurch unsere Strebsamkeit. Herrliche Möglichkeiten entgehen uns, wenn wir damit beschäftigt sind, Beschimpfungen und Verletzungen zu untersuchen, die wir uns in den meisten Fällen einbilden und selbst suggerieren. Wir wollen diese destruktiven Gewohnheiten ablegen und uns mit ganzem Herzen der Erfüllung der uns anvertrauten Aufgabe widmen! Legen wir unser ganzes Interesse, unser ganzes Leben in unsere Arbeit, und es wird ein Wunder geschehen. Gerade diese Selbstverneinung wird uns viele unerwartete und erhabene Freuden bringen.

       Eine selbstsüchtige Person verurteilt sich selbst zu fürchterlicher Einsamkeit und gerät in Vergessenheit. Glück liegt darin, Liebe zu schenken; und glücklicher als derjenige, der geliebt wird, ist derjenige, der liebt. Wenn diese Wahrheit erkannt wird, wird sich alles Glück verwirklichen. Lernen Sie zu lieben, bemühen Sie sich, alles Schöne zu lieben und entwickeln Sie ein aktives Mitgefühl für alles, was noch unvollkommen ist. Seien Sie freundlich und höflich zu Ihren Untergebenen, denn darin liegen das Vorrecht und die Zierde des Geistes!

       Ich liebe die Geschichte über Akbar, die beschreibt, wie ihm bei einem feierlichen Fest alle Radschas und Untergebenen Geschenke überreichten und er aus diesen zahlreichen kostbaren Geschenken das bescheidenste aussuchte, es an sein Herz drückte und sich den Versammelten zeigte. Damit brachte er zum Ausdruck, wie sehr er um den geringsten seiner Untertanen besorgt war und betonte zugleich, dass er keine luxuriösen Geschenke liebte, sondern jene, die von einem ergebenen Herzen kommen. Lasst uns auch so handeln, beurteilen wir nicht nach äußerer Erscheinung und Rang, sondern nach dem Gedanken und innerer Güte. Und natürlich verbergen sich die besten Gedanken und die ergebensten Herzen oft unter ärmlicher Kleidung und auf unwichtigem Posten. Schätzen Sie Ihre bescheidenen Mitarbeiter! Sowohl Pünktlichkeit als auch Höflichkeit wurden früher als Vorrecht der Könige angesehen.

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7. Oktober 1931

       Wir freuen uns, dass Sie die Bedeutung der Fristen erkennen und sind für jede Eile dankbar. Da sich die Ereignisse überschlagen, wird es immer dringender, die Entwicklung des Werkes zu beschleunigen. Nur ein entwickelter Geist kann die Notwendigkeit, mit dem Rhythmus des Kosmischen Magneten voranzuschreiten, erkennen. Alle, die zögern und hinterherhinken, gehören den niederen Bewusstseinsstufen an, und eine solche Denkweise kann uns nur traurig stimmen. Wir sollten ihnen einen Teil ihrer Last abnehmen und jenen übergeben, die nach vorne blicken und der Evolution entgegenstreben.

       Bereiten Sie sich Ihre Mitarbeiter vor; vergessen Sie nicht, was über das Austauschen verwelkter Rosen durch wilde Blumen gesagt wurde! Bemühen Sie sich, jeden Tag etwas zu lernen, und danken Sie jedem Mitarbeiter, der Ihnen behilflich ist, die richtige Haltung gegenüber kleinlichen persönlichen Beschimpfungen zu entwickeln und sich davon zu befreien. Nur wenn wir versuchen, das Wesentliche zu verstehen, lernen wir es, die Angriffe eines ungebildeten Herzens zu übersehen. N. K. denkt immer mit Dankbarkeit an seine feindlichsten Kollegen, weil sie es waren, die ihm halfen, sein wachsames Auge, seinen Verstand und eine besondere Stärke und Disziplin des Geistes zu entwickeln. Auch Sie müssen lernen, das Verhalten der zänkischen Leute als Laune zu betrachten, die sie nicht verletzen kann, sondern in Ihnen nur Mitleid hervorruft für jene, die zu den unsinnigen Gewohnheiten der Kindheit zurückkehren.

       Wir wissen, wie schwer das Leben heute ist, und wir sind unglücklich über jeden Mangel an Verständnis, über jede Verzögerung, über alles, was den Fortschritt erschwert. Die Vernachlässigung der eigenen Pflichten kann nie gesühnt werden. Sie haben keine leichte Aufgabe, doch einfache Dinge tragen nicht zur Vervollkommnung bei. Reines Streben wird vom Großen Lehrer immer unterstützt. Seien Sie siegreich! Der Große Lehrer ist immer bereit, dem strebenden Schüler zu helfen, doch diese Hilfe kommt erst, wenn der Schüler selbst alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Darin liegen die größte Weisheit und ein großes kosmisches Gesetz der Evolution. Nur an der äußersten Grenze der Anspannung werden unsere Kräfte in feinste Energien verwandelt. Unsere Gedanken sind bei Ihnen, und wir wissen, dass alles eintreten wird, wenn wir nicht selbst durch unsere Selbstsucht, Trägheit und unsere oberflächliche Einstellung gegenüber den Ratschlägen des Lehrers den silbernen Faden zerreißen.

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       Um die Höhe eines Berges richtig einschätzen zu können, muss man dies aus einer bestimmten Entfernung tun. Das gleiche gilt für die Arbeit. Manchmal ist es ratsam, von ihr Abstand zu nehmen, um ihre kulturelle Bedeutung zu erkennen. Es ist notwendig, die kulturelle Bewegung in ihrem weltweiten Ausmaß zu erkennen, und dies ist das Wichtigste; denn wenn wir das nicht erkennen, wird es unseren Taten an der Angemessenheit mangeln, und ohne diese ist Erfolg unmöglich. Warum bestehen alle Lehren auf der Notwendigkeit des Glaubens, oder auf dem vollkommenen Verstehen einer erteilten Aufgabe? Deshalb, weil das intuitive Wissen oder der Glaube aus dem Menschen einen Riesen macht. Indem er den Zweifel vernichtet, schafft solch ein Glaube eine unbesiegbare Ausdauer, die unbedingt zum Ziel führt. Beschränkt durch unseren physischen Körper können wir die kulminierenden Ereignisse nicht durchschauen. Wir können daher das Vorbestimmte nicht von selbst erfüllen. Mangelt es uns aber an Glauben, verlassen wir die vom Lehrer vorgegebene Richtung, oder indem wir die Vorgaben missverstehen, zerbrechen die dargestellten Verbindungen, in denen wir einen notwendigen Bestandteil darstellen und handeln müssen. Glaube ist großes Wissen und Weisheit. Ein Mensch, dem es an Glauben oder Wissen mangelt, gleicht einem Wetterhahn. Er ist von den äußeren Bedingungen abhängig, die sich ständig ändern und die er in seiner Blindheit nicht voraussehen und nicht vermeiden kann.

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       ”Es ist richtig, die Grundsätze des Friedensbanners zu bestätigen, wann immer es möglich ist. Bitte denken Sie daran, dass sich unerwartet neue Möglichkeiten bieten. Sich dem Übel zu widersetzen, bringt neue Möglichkeiten.” Die gegen das Friedensbanner verfassten Artikel sind so niederträchtig, dass man sich nur wundern kann, dass Menschen solche Gedanken hervorbringen können. Ich bin etwas verwundert betreffend die Liga der Nationen. Warum ist man an der Meinung und Unterstützung so einer Organisation derart interessiert? Es scheint, dass eine Bewegung der kulturellen Vereinigung und die Entwicklung eines wahren Verständnisses für die geistigen Errungenschaften in der Kunst innerhalb der jüngeren Generationen so wesentlich ist, dass es der Genehmigung dieser totgeborenen Organisationen nicht bedarf. Jede weitsichtige Regierung sollte im Pakt des Friedensbanners gerade eine Bewegung für den Schutz, die Ordnung und die Kreativität sehen. Daher sollte der Umstand, ob die Liga das Banner genehmigt oder nicht, die Errichtung des großen Banners der Kultur auf keinen Fall beeinflussen.

       Ist es möglich, dass die Frauenorganisationen in Amerika teilnahmslos zusehen und das Banner der Kultur nicht unterstützen? Ich hoffe, wir überschätzen ihre geistige Aufnahmefähigkeit nicht. Lange vor der ersten Konferenz in Brügge lernte ich den wahren Wert vieler moderner Organisationen kennen, und ich verstand, wie hart man arbeiten muss, um das Bewusstsein der Massen zu wecken und ihnen die wahren Werte sowie die kulturelle Schaffenskraft verständlich zu machen. Dies kann nur durch beständige und systematische Verbreitung von Ideen erreicht werden, doch nicht durch konvulsive Ausbrüche. Lasst Euch deshalb durch die Gleichgültigkeit der Regierungen und anderer Gruppen der zivilisierten Gesellschaft nicht entmutigen, doch setzt all Eure Kräfte ein, um oberflächliches Denken unter den engsten Mitarbeitern auszurotten und ihr Verständnis für die zwingende Notwendigkeit, diese Idee zu erfüllen, zu vertiefen.

       ”So rate Ich noch einmal, die Lehre in die täglichen Pflichten zu transformieren. Ich rate zu beobachten, inwieweit die Umgebung erfolgreich gestaltet wird. In kleinen Gruppen sollte man wechselseitige Gedanken besonders beachten, um den Strom nicht zu belasten und zu unterbrechen. Viele Lehren raten zu dieser einfachen Disziplin, doch jedes Buch sollte daran erinnern, weil das Grundlegende und überaus Notwendige im Leben nicht angewendet wird. Und für Uns bedeutet es ein großes Glück, wenn Wir jemandem so vertrauen können wie Uns selbst. Wie mächtig ist die Zuflucht des offenen Herzens.” (Herz, § 16)

       ”Unaufhörlich und immerzu strömt die Lehre des Lebens auf die Erde ein. Man kann sich das irdische Sein ohne diese Verbindung mit der unsichtbaren Welt nicht vorstellen. Wie ein Rettungsanker, wie das führende Licht stärkt die Lehre unseren Fortschritt in der Finsternis. Doch inmitten der Fülle des Wohlwollens, das uns wie die Wellen des Meeres umgibt, kann man, einen Rhythmus von besonderer, bestimmter Ausdehnung wahrnehmen; zu diesem Zeitpunkt erscheinen die Lehren. So kann man durch Beobachtung des Wachsens und Untertauchens, die zusammen die Entwicklung der Existenz beschreiben, den Rhythmus dieser ganzen Welt erklären.” (Herz, § 17)

       ”Unterbrechung des Rhythmus kann auf viele Umstände zurückgeführt werden, doch das beste Mittel, diese Störung zu vermeiden, ist Einigkeit. Wendet euch an Uns, wo über alles entschieden wird. Als Vergleich – wie ein Staubkorn den Stillstand eines riesigen Rades bewirken kann, so unterbricht ein gestörter Rhythmus den Strom. Gerade jetzt ist die Zeit der großen Anspannung. Die Möglichkeiten sind so nahe, die Ereignisse ballen sich bereits zusammen, und das Schreckliche wird sich als Rettung erweisen.” (Herz, § 18)

       Lasst uns den rettenden Strom nicht unterbrechen!

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21. Oktober 1931

       Die letzte Post brachte uns die Schilderung eines sehr bezeichnenden Gesprächs. Was für ein schönes Beispiel für Schwachsinn und Verfall! Was kann man tun, wenn die offiziellen Vertreter diverser Organisationen nicht dazu imstande sind, die Bedeutung der Erziehung zu begreifen? Für sie ist das Wort ”Kultur” gleichbedeutend mit allem, was sie verachten, was sie als ”abstrakte Ideen” bezeichnen, oder sie assoziieren es mit etwas, was ihre geliebten Gewohnheiten stören könnte!

       Es wäre nicht angebracht, vor solchen Menschen die Namen Pawlow, Bechterew, Pupin, Abel, Millikan, Rutherford, Einstein, Jagadis Bose oder Tagore auszusprechen.

       Die Worte Buddhas, des Herrn, dass ”Unwissenheit das größte Verbrechen ist, weil sie den Menschen das ganze Elend bringt”, sollten mittlerweile im Bewusstsein der Menschen verankert sein. Solange die Führer der Länder keine herausragende Denkfähigkeit und vor allem keine geistige Synthese besitzen, die es ermöglicht, alle Strukturen des Seins zu erfassen, wird es keinen wirklichen Fortschritt geben. Doch da es in der Natur keine Unbeweglichkeit gibt, werden sich alle unwissenden Menschen zurückentwickeln, von Degeneration und Zersetzung begleitet. Sind wir nicht schon Zeugen dieser Abläufe? Einige hervorragende Wissenschaftler haben bereits auf die bedrohlichen Anzeichen so einer Degeneration hingewiesen, die in der jüngeren Generation durch ein Ansteigen der psychischen Krankheiten und des Schwachsinns zu finden sind. Und viele Leute fragen sich, ob diese traurigen Abnormitäten falscher Erziehung und mangelhafter Bildung zuzuschreiben sind. Im allgemeinen fehlt der modernen Erziehung die kulturelle Grundlage, die vor allem eine Entwicklung der Synthese in den Fähigkeiten des Menschen miteinschließen sollte. Einseitige Spezialisierung führt immer zum Verlust des Gleichgewichts und resultiert in psychischen Krankheiten, wie wir heute vielfach beobachten können.

       Lasst uns Furcht und Spott vergessen und unter dem Banner der Kultur kühn dem Sieg entgegenschreiten! Doch denken Sie immer daran, dass Sie in einem sehr verantwortungsvollen, vorbereitenden Stadium an der Arbeit teilnehmen, das einer verfeinerten Intuition und strenger Aufmerksamkeit bedarf, damit dem wachsamen Auge keine Einzelheit, ob nützlich oder schädlich, entgehen kann. Es ist auch notwendig, im Umgang mit Menschen äußerst taktvoll zu sein. Denken Sie daran, dass offene Feinde weniger gefährlich sind als die Massen der kleinen Würmer. Der festeste Schritt kann in diesem Sumpf versinken.

       Lasst uns auch Geduld üben, denn ohne Geduld kann nichts erreicht werden. Sehr oft geben Menschen nach einem großartigen Anfang aus Mangel an Geduld einfach auf. Sie vergessen, dass alle großen Aufgaben von Schwierigkeiten begleitet werden, doch indem sie diesen Schwierigkeiten ausweichen, verurteilen Sie sich selbst zu einem ermüdenden Kreislauf, der sich endlos wiederholt. Wenn wir die gegebene Stufe nicht gemeistert haben, können wir die folgenden nicht überspringen. Natürlich können wir durch außergewöhnliche Strebsamkeit alle Stufen schneller bewältigen. Doch unsere Füße sollten jede Stufe berühren. Der Grad des Strebens wird die Dauer des Verweilens auf der jeweiligen Stufe bestimmen. Deshalb müssen wir uns mit unserer ganzen Kraft auf eine neue und höhere Stufe vorbereiten und daran denken, dass unsere Zeit begrenzt ist. Sie müssen wissen, dass unsere Geduld durch unser Wissen unterstützt wird; wir wissen, dass es eine krönende Stufe gibt. Wir wissen auch, dass unser Warten nicht zu lange andauern wird. Doch die vorbereitenden Stufen erfordern Scharfsinn, Vorsicht und Feingefühl. Beeilen Sie sich und fliegen Sie auf den Schwingen der großen Epoche des Gleichgewichts des dualen Ursprungs sowie der umfassenden Zusammenarbeit und Kultur, die auf geistigem Wissen basieren.

       Den Augen des Herzens wird nichts entgehen, denn sie werden fühlen und leiten. Lodern Sie wie eine Fackel; entzünden Sie alles mit reinigenden Flammen; erleuchten Sie die beste Richtung! Vereinigt Eure Herzen in dieser herrlichen Tätigkeit, in dieser geistigen Bestrebung! Bemühen Sie sich, auf alle Rufe zu erklingen, auf alle stärkenden Gedanken und alle Fluide der Herzensenergie zu achten – all dies strebt Ihnen in einer feurigen Bewegung zu und will Ihnen Hilfe bringen!

       Durch vereinte Anstrengung wollen wir die enorm schwere Last heben. Das Heben dieser Last ist nur am Anfang schwer. Sobald sie von der Erde emporgehoben worden ist, wird sie leichter werden als eine Feder.

       Lasst uns nicht vergessen, dass der Haupterfolg der Finsteren in ihren Methoden besteht, Uneinigkeit hervorzurufen. Sie haben Erfolg, wenn die Mitarbeiter es versäumen, den Ernst des Augenblicks zu erkennen, und wenn die Mitarbeiter nachlässig sind und dringende Angelegenheiten unbeachtet lassen. Wir müssen daran denken, dass Reizbarkeit und Überempfindlichkeit die einfachsten Kanäle sind, durch welche sich alles Finstere nähern kann.

       ”Es ist richtig, dass der Angriff letztendlich nur Nutzen bringen wird. Ihr müsst aber lernen zu warten, bis die Blume des Satans erblüht ist. Der Kampf ist heftig, und ihr müsst sehr vorsichtig sein. Achtet auf eure Gesundheit; schwächt euch nicht durch Gereiztheit. Haltet den silbernen Faden fest und reinigt eure Gedanken!”

       N. K. beendet gerade seine ”Einführung” zu Spinoza und Goethe. Die Sprache ist herrlich, und sie sollte so übersetzt werden, dass die Schönheit des Originals erhalten bleibt. Wenn wir die Schilderungen von Spinozas Leben lesen, können wir wieder einmal sehen, wie notwendig alle Angriffe und Verleumdungen waren, wie diese sein Bild im Bewusstsein der nachfolgenden Generationen verstärkt haben und es klarer erscheinen ließen. In diesem Stadium unserer Evolution sind alle Arten von Judassen und alle finsteren Kräfte des unwissenden Widerstandes absolut notwendig. Geben uns denn diese Kräfte der Finsternis nicht die Möglichkeit, unsere ganze Kraft und unsere Wachsamkeit anzuspannen und den Bereich unserer Tätigkeit zu erweitern? Sind nicht sie es, die Informationen über uns verbreiten und dadurch die Aufmerksamkeit wertvoller Menschen auf uns lenken? Anfangs mögen sich solche Leute aus Neugierde oder Empörung nähern, doch später wird die Größe ihres Geistes sie befähigen, den wahren Wert der Dinge zu erkennen, und sie werden unsere Freunde werden. Es gibt viele Freunde, die zur Zeit die Maske des Feindes tragen. Solche Metamorphosen kommen im Leben manchmal vor.

* * *

       Möge in dieser Zeit das Gefühlswissen entwickelt werden. Möge nichts Wertvolles außer acht gelassen werden. Man bedenke, dass die unbedeutendste Kleinigkeit sich als starke Waffe gegen den Feind erweisen kann. Wie viele schöne und sofort einsetzbare Formeln befinden sich in Ihrem Arsenal! Lernen Sie es, sie anzuwenden, damit Sie Ihre Gegner entwaffnen können! Ihre Sprache soll eindrucksvoll sein; berücksichtigen Sie die Mentalität Ihres Gesprächspartners und stützen Sie Ihre Reden immer auf positive Fakten, von denen Sie über einen beachtlichen Vorrat verfügen! Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir Ereignisse nicht immer richtig einschätzen und oft eine bestimmte Einzelheit oder Tatsache von scheinbar geringer Bedeutung überhaupt nicht in Betracht ziehen. Man muss daran denken, dass alles, was im Zuge des aufbauenden Werkes für die Hierarchie entsteht, eine tiefe Bedeutung hat, und wenn diese heute noch nicht offensichtlich ist, kann morgen jeder darüber sprechen. Wer kennt die Wege der Evolution? Wer kann vorhersagen, wie das heutige Chaos enden wird? Wer weiß, welche Kräfte sich erheben werden? Deshalb handeln Sie mutig, doch mit Scharfblick und voll Vertrauen zur Hierarchie des Lichts!

       Mögen alle Mitarbeiter den Kampf bis zu seinem Ende durchstehen. Der Kampf wird schwierig sein, doch die Hilfe wird nicht ausbleiben, wenn Sie fest entschlossen sind; dann werden Sie aus allem als Sieger hervorgehen. Nur eine Voraussetzung ist absolut unabdingbar: volles Vertrauen bis zum Ende, bis zur Grenze der Verzweiflung. Die unbesiegbare ”Tactica adversa” wird die Feinde zur Absurdität führen, und als Ergebnis werden alle feindlichen Angriffe aufgrund ihrer offensichtlichen Widersinnigkeit zersprengt werden. Denken Sie daran, wenn das Böse und die Gemeinheit sich häufen und ihren Höhepunkt erreichen; dann können Sie das Zentrum mit ”einem einzigen Pfeil” durchdringen. Denken Sie auch daran, dass nur aus dem Kontrast zwischen Licht und Finsternis Möglichkeiten entstehen, etwas zu schaffen. Alle kosmischen Gesetze spiegeln sich im menschlichen Leben wider. Tragen Sie die Last dieser Zeit sorgfältig und mutig noch ein bisschen länger, und die Hilfe wird Sie zur rechten Zeit erreichen!

       Darüber hinaus sorgen Sie bitte dafür, dass wir der Öffentlichkeit nicht auf blumige oder künstliche Art und Weise präsentiert werden, sondern dass mit Fakten gearbeitet wird. Und betreffend die Persönlichkeit von N. K. ist es sehr wichtig aufzuzeigen, wie N. K. jedem, der mit ihm Kontakt hat, einen schöpferischen Ansporn verleiht und dass er in der Arbeit höchste Qualität verlangt. Weisen Sie hin auf diese wunderbare Fähigkeit, aus jedem das Beste herauszuholen, und auf die beeindruckenden Ergebnisse, die durch diese Art von Führung erreicht werden. Betonen Sie, dass er lehrt, durch Konzentration auf die positiven Aspekte aus jedem Umstand Nutzen zu ziehen. N. K. ist nicht nur ein gütiger Prophet, der zu reinem Denken, Enthaltsamkeit und Verzeihung aufruft, wie ihn die Menschen kennen, sondern er ist auch ein wahrer Führer und aktiver Erbauer, denn er kennt den Lebenskampf und rüstet seine Mitarbeiter für die Teilnahme an diesem Kampf. Er kämpft gegen alles Finstere und Unwissende. Manchmal scheint es, als wären seine Weisheit und seine Vorausschau grenzenlos, und seine nächste Umgebung kann bestätigen, dass er Ereignisse vorausgesagt hat, die später eingetreten sind und von vielen bezeugt werden können. Hat er nicht so oft den richtigen Weg aufgezeigt, den die Menschheit einschlagen sollte, um Leid zu vermeiden?

       Die Grundvoraussetzung für die Rettung liegt in seinem Ruf nach Einheit der ganzen kulturellen Welt und nach Erziehung der jungen Menschen in einem neuen Verständnis des schöpferischen Gedankens und der breiten Zusammenarbeit, basierend auf dem Begriff der großen Kultur, der Cult-Ur, oder dem Kult des Lichts. Viele Seiten von N. K.s Persönlichkeit könnte man besser verstehen, indem man seine Einführung zu Spinoza und Goethe liest. N. K. ist der gleiche ”Sonnenträger” wie er Goethe in seinen Ausführungen schildert. Können Sie die ganze Kraft fühlen, die unsichtbare Macht dieses Menschen, der das Leben mit Sonnenlicht erfüllt? Die Sonne seines Lebens verbrennt alles Finstere, Unheilvolle und Zerstörende. Man kann viele überzeugende und schöne Fakten finden. Doch man sollte Vergleiche vermeiden. Möge jeder große Geist in seiner eigenen Kraft und in der Schönheit seiner eigenen Heldentaten erstrahlen. Es ist wirklich nicht unsere Angelegenheit, Vergleiche anzustellen. Jeder große Geist erfüllt die ihm gestellte Aufgabe, und jede persönliche Erscheinung ist schön in ihrer Einzigartigkeit. Vor langer Zeit wurde gesagt: ”Wie können wir das Licht der fernen Sterne vergleichen?” Dieser Ausspruch lässt sich auf viele Fälle anwenden.

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8. November 1931

       Ich erhielt Ihren freundlichen und aufrichtigen Brief und möchte Ihnen sagen, dass ich von dem Gefühl der Freude, das Ihnen durch die Beschäftigung mit der Lehre zuteil wurde, besonders gerührt war. Das Ausmaß dieser Freude ist in der Tat das wahre Maß für unsere Bereitschaft, die Grundlagen der Lehre des Lichts in uns aufzunehmen. Bewahren Sie diese Freude und Dankbarkeit auch im grauen Alltag des Lebens, denn darin liegt der schnellste Weg, Ihr Bewusstsein zu erweitern. Und dies ist das Ziel der Lehre!

       Wenn ich danach urteile, was ich aus Briefen enger Mitarbeiter über Sie erfahren habe, fühle ich, dass Sie nach dem Ruf nicht auf den ersten Stufen stehenbleiben, sondern genügend Mut finden werden, den vor Ihnen liegenden schwierigen Weg zu beschreiten. Wenn Sie die Bücher der Lehre lesen, wenden Sie bitte alles, was hier gesagt wird, vor allem für sich selbst an. Viele lesen die Lehre, doch die meisten Menschen glauben, dass das, was dort geschrieben steht, für andere gilt und nicht für sie selbst. Sie beachten das, was hauptsächlich sie selbst betrifft, gar nicht oder lehnen es ab. So verzögern sie ihren Fortschritt. Doch ein wahrer Schüler wird alles auf sich selbst beziehen. Und wer kann schon sicher sein, dass er nicht bestimmte gute und auch noch schlechte Eigenschaften besitzt, die sich noch im Embryonalstadium befinden? Doch wenn wir alles vor allem bei uns selbst anwenden, wird es uns gelingen, in die Tiefen unseres Wesens einzudringen und vieles zu entdecken, was uns überraschen wird. Diese unerwarteten Entdeckungen werden unter der Voraussetzung, dass wir wirklich bereit sind, den Weg der Selbstvervollkommnung, den die Lehre beschreibt, zu beschreiten, unserem Fortschritt sehr dienlich sein.

       Es ist absolut notwendig einzusehen, dass vom Schüler volles Vertrauen verlangt wird, auch wenn ihm manches nicht klar erscheint. Mit der Erweiterung des Bewusstseins wird vieles, was ihm widersprüchlich erschien, seinen Platz finden. Mein Lieblingsausspruch ist: Volles Vertrauen bis zum Ende! Beherzigen Sie das – es ist der kürzeste Weg! Wenn Sie diesen Weg beschreiten, wird Sie Freude begleiten!

       Ich kann Ihnen auch sagen, dass jemand, der sich ernsthaft dem Dienst des Lichts weiht, geistig nie mehr allein ist. Lernen Sie es, in allen Augenblicken Ihres Lebens daran zu denken, dass Sie von dem Auge des Adlers und dem Flammenden Herzen des Einen, der Sie rief, beobachtet werden! Nur unser grober Körper und die unzureichende Verfeinerung unserer Sinne hindern uns daran, Seine Gegenwart wahrzunehmen. Doch das schöne Erlebnis, das Sie bereits hatten und von dem Sie mir berichteten, ist ein gutes Zeichen; es bedeutet, dass sich solche Erlebnisse häufen können. Doch haben Sie Geduld, denn ”wir kennen weder den Tag noch die Stunde” (Blätter des Gartens Morya II, § 165) Diese Worte beinhalten eine tiefe Wahrheit. Das Ziel des Lehrers ist es, unseren Körper nicht zu schwächen, sondern ihn zu stählen für die höchste Aufnahmefähigkeit, was äußerste Sorgfalt erfordert. Freude, Dankbarkeit und Vertrauen sind dafür die besten Mittel.

       Lieben Sie und helfen Sie anderen, lieben zu lernen! Ich grüße Sie auf dem Weg des Lichts und sende dem lieben neuen Mitarbeiter die ganze Freude meines Herzens!

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Dezember 1931

       In diesem schweren Augenblick Ihres Lebens sendet Ihnen mein Herz die ganze Entschlossenheit und das Streben meines Geistes. Sie wissen, dass die Stunde der Großen Schlacht geschlagen hat. In allen Lehren sind zu verschiedenen Zeiten viele Prophezeiungen und Offenbarungen gegeben worden. Das Große Harmagedon hat gegen Ende des Jahres 1931 eingesetzt, beginnend mit der Großen Schlacht, auf die der Lehrer uns vorbereitet hat. Wir müssen das Ausmaß dieser Schlacht, die auf allen Ebenen oder Welten vor sich geht, verstehen. Wir müssen die Unerbittlichkeit unserer Zeit verstehen und wissen, dass der himmlischen Schlacht die irdische folgt. Wir sollten deshalb nicht überrascht sein, wenn sich die Ereignisse häufen. ”So viel ist über die Himmlischen Heerscharen, über Michael, den Archistrategen, gesagt worden, über das Erscheinen eines bestätigten Führers und das ganze Unheil. Deshalb sage Ich – Vorsicht!” (Herz, § 176)

       Wir befinden uns nicht mehr am äußeren Rand der Schlacht, sondern in vorderster Reihe. Während wir das uns anvertraute Banner tragen, wollen wir ganz nahe am führenden Hierarchen bleiben. Denken Sie daran, denn die feindlichen Geschosse bersten nur inmitten der letzten Reihen, wie es mir in der wunderbaren Vision der siegreich vom Führer geleiteten Armee gezeigt wurde. Lassen Sie Ihre Herzen unter den schweren Angriffen der Finsteren nicht erzittern, denn die Nähe des Großen Herzens wird Ihnen die für den Widerstand nötige Kraft verleihen. Lasst uns unerschrocken das königliche Wesen des Geistes offenbaren! Lasst uns in die Geschichte unseres Lebens eine Seite der Tapferkeit und der großen Tat einschreiben! Man soll von uns nicht sagen:

       ”Kaum wurde die Große Schlacht erwähnt, zeigt schon so mancher Müdigkeit. Was wird so einer sagen, wenn er das große Heer des Feindes sieht?” (Herz, § 180)

       In diesem Zusammenhang möchte ich einige Prophezeiungen erwähnen, die auf die Große Schlacht Bezug nehmen:

       ”Jede Yuga hat ihre bedeutsame Phase, als Vorbereitungsperiode, doch es können Beschleunigungen eintreten, welche alle Kräfte ungewöhnlich verstärken. Man darf die große entscheidende Schlacht nicht nur als Krieg verstehen. Die Offenbarung dieser Schlacht geht viel tiefer. Sie wird sich auf die ganzen feinstofflichen und irdischen Welten erstrecken. Sie wird nicht nur in Schlachten zum Ausdruck kommen, sondern auch in ungewöhnlichen Zusammenstößen zwischen den Völkern. Die Grenzen zwischen den Kriegführenden werden genauso verworren sein wie die zwischen Gut und Böse. Viele entscheidende Schlachten werden für das irdische Auge nicht wahrnehmbar sein. Die Zusammenstöße in der Feinstofflichen Welt werden auf dem irdischen Weg als Katastrophen in Erscheinung treten. Genauso wird sich irdischer Mut in den Feinstofflichen und in den Feurigen Welten widerspiegeln. Die Große Schlacht wird das erste Verbindungsglied zwischen den Welten darstellen. So können in allen Richtungen schnelle Taten erwartet werden. Zusammenarbeit hat in dieser Schlacht eine ungeheure Bedeutung. Der Stern des Flammenden Herzens bringt bereits große Hilfe. Diese Hilfe mag nicht immer sichtbar sein, doch man sollte an das Beispiel des Schriftstellers denken, der großen Einfluss ausübt, ohne dass er seine Leser kennt. Dasselbe gilt für die Zusammenarbeit der beiden Welten. In den Tagen der Schlacht muss man sehr angespannt sein. Dies schließt natürlich die tägliche Arbeit nicht aus, und bei jeder Arbeit muss man daran denken, sie in Gedanken für das Wohl des Lichts auszuführen. So muss man bei jedem feindlichen Pfeil erkennen, dass dieser Schlag im Namen der Großen Schlacht empfangen wird.” (Herz, § 180)

       ”Ich möchte, dass die gegenwärtige Zeit den Wendepunkt in eurem Leben darstellt. Was gestern möglich war, mag morgen nicht mehr möglich sein. Gestern noch unmöglicher Mut kann morgen aufgebracht werden. Die Schlacht auf der Erde wird genauso schrecklich sein wie in den feinstofflichen Welten. Die Welt ist in zahllose Splitterparteien zerbrochen. Nur vollkommenes Streben zu Uns wird euch retten. Das geringste Zeichen von Aufruhr und Feindseligkeit unter euch wird Mich schmerzlich berühren. Denkt daran! So bestätige Ich die Entfaltung Unserer Taten trotz der unerhörten Angriffe! Doch in dieser Schlacht gibt es keine Versöhnung. Wir werden Unruhen in Europa wahrnehmen, wir werden Zeugen des Verrats sein, doch die Große Schlacht wird die Probleme der Welt lösen. Wir sollten auch erkennen, dass das Licht unbesiegbar ist. Die Manifestation der Finsternis ist ein Zeichen von Unwissenheit. Ich wiederhole, dass wir morgen ganz anders aufwachen werden. In der Feinstofflichen Welt finden entlang der Linie der toten Herzen Zusammenstöße statt. Ihr werdet die Auswirkungen auf der Erde bald wahrnehmen: überall wird man Unvereinbarkeit vorfinden. Der Niedergang von Ländern, Epidemien und Missernten werden in Erscheinung treten, und die Welt wird aufgespalten werden.”

       So stehen alle Kräfte im Widerstreit. Die Lage der Welt ist schrecklich, und es ist wichtig durchzuhalten, bis die neuen Umstände hilfreich sein können. Jeder sollte standhaft sein.

       ”Abgesehen von der Tatsache, dass die finsteren Kräfte in allen Ländern aktiv sind und ihre Verbündeten in verschiedenen Gruppen beeinflussen, werden einige von uns aufgrund ihrer Engstirnigkeit schwach werden. Es ist absolut notwendig, die Stellung zu halten, bis sich neue Umstände ergeben haben. Diese gegenwärtige Periode ist unvermeidlich, doch man muss sie als einen Weg in die Zukunft hinnehmen. Doch wir müssen sehr vorsichtig sein …”

* * *

1932

5. Mai 1932

       Sie machen eine schreckliche Zeit durch, und Sie sollten sich sehr anstrengen, um die innere Eintracht zu bewahren. Nur die Eintracht der Herzen kann den Feind bezwingen; er kann diesen Panzer niemals durchdringen! Und alle feindlichen Angriffe werden durch die segensreiche Energie, die von vereinten Herzen ausströmt, abgewehrt. Dies ist keine Abstraktion, sondern eine große wissenschaftliche Wahrheit. Seien wir nicht leichtsinnig und unwissend. Sie wissen bereits aus den Büchern der Lehre, dass durch menschliche Gereiztheit und Zwietracht im Megaphon des Raumes ein schrecklicher, zerstörender Wirbel entsteht und wie die negativen Kräfte, einschließlich Krankheit, von diesem Strudel angezogen werden.

       Ist es möglich, dass einer aus unseren Reihen aus schmachvoller Willensschwäche das Misslingen des Werkes zulassen würde? Dies würde ihn ins Unglück stürzen, und er würde dies erst erkennen, nachdem sich die Augen seines Herzens geöffnet haben. Einigkeit lautet jetzt der Schlachtbefehl, und ohne die Befolgung dieses wichtigen Befehls kann es keinen Sieg geben. Es ist sehr nützlich, die Weisungen erneut zu lesen, da sie nicht nur für einen bestimmten Tag erteilt wurden; und es ist gut, sie immer im Gedächtnis zu behalten. Letztes Jahr wurde zum Beispiel die Bedeutung des Banners zum Schutz der Kunstschätze im Kriegsfall ständig betont, so dass der Gedanke schließlich aufgenommen wurde. Erinnern wir uns an die Zweifelnden, als das Rote Kreuz errichtet wurde! Welche Schwierigkeiten hatte diese Bewegung in den Verhandlungen mit den unwissenden Beamten zu überwinden, durch deren Hände dieses humanitäre Projekt gehen musste. Manchmal könnte man meinen, dass das menschliche Gewissen zurückfällt, anstatt sich weiterzuentwickeln.

       Ich bitte Sie mit meinem ganzen Herzen: denken Sie an die Einigkeit! Mein Herz ist um jeden von Euch besorgt. Ich würde die Mühsal der gegenwärtigen Zeit gerne erleichtern, doch solche Zeiten sind absolut erforderlich. Lasst uns energische Anstrengungen unternehmen, um einander so viel wie möglich zu helfen. Mögen alle Schwierigkeiten unsere Taten, die das Allgemeinwohl fördern, verschönern und erheben.

       Meine mutigen Kämpfer, denkt an die Einigkeit!

       Ich zeichne diesen Brief mit ”Woodpecker”!

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28. Juni 1932

       Genauso wie wir fähig sein müssen, jedem, der zu uns kommt, alles zu geben, was er aufnehmen kann, müssen wir von jedem das entgegennehmen, was er für das Allgemeinwohl bieten kann. Vertreiben Sie die Neuankömmlinge nicht!

       Haben Sie keine Angst vor übermäßiger Anspannung; nur gespannte Saiten erklingen. Und wir wissen, dass entsprechend dem kosmischen Gesetz nur durch äußerste Anspannung Energien transmutiert und Formen verfeinert werden können. Dieses Gesetz stellt für alle Lehren zwei Grundregeln auf. Erstens muss der Schüler für die geistige Vervollkommnung seine ganze Kraft aufwenden. Dabei werden bestimmte Grenzen eingehalten, denn der Lehrer achtet darauf, dass diese Anspannung der Gesundheit des Schülers nicht schadet. Zweitens ist jedes Teilchen bewusster psychischer Energie sehr kostbar, und deshalb kann der Lehrer dieses nur abgeben, wenn alle irdischen Möglichkeiten und Mittel ausgeschöpft worden sind. Diese zwei Regeln erklären, warum Hilfe erst im letzten Moment gewährt wird, in der Phase der Verzweiflung. Doch wie viele schwache Seelen sind unfähig, bis zu dieser Grenze durchzuhalten, und so verurteilen sich diese Seelen zum Abstieg und zu einem sich ständig wiederholenden, mühsamen Aufstieg! Es gibt viele solche Sisyphusse, die ihre Steine der Feigheit und des Zweifels vor sich her wälzen.

       Die ganzen Verwirrungen und scheinbaren Widersprüche werden dadurch verursacht, dass das unentwickelte Bewusstsein Schwierigkeiten hat, die Antithese zu erfassen. Doch solange man diese nicht erkennt, kann man geistig nicht vorankommen. Das Erfassen der Antithesen ist für die meisten Menschen das größte Problem. Doch in jeder geistigen Lehre ist diese sehr wesentlich; zum Beispiel: völlige Gleichgültigkeit gegenüber Ruhm einerseits und Selbstbestätigung andererseits; Ablehnung von Besitz, doch gleichzeitig inmitten von Besitztümern zu leben; vollständige Befreiung von weltlichen Wünschen, doch gleichzeitig tiefes Interesse an der irdischen Arbeit zu hegen. Alle diese Antithesen sollten im Bewusstsein des Schülers in Einklang gebracht werden. Man muss begreifen, dass jeder Verzicht primär im Geiste erreicht wird.

       Denken Sie daran, wie Buddha einen seiner Schüler wegen Besitzgier ermahnte, obwohl dieser seinen ganzen Besitz aufgegeben hatte, während Er einem anderen gestattete, seinen ganzen Besitz zu behalten. Warum? Weil sich der eine von ihnen, trotz der tatsächlichen Aufgabe seiner Besitztümer, in Gedanken dauernd mit dem Besitz befasste, während der andere, obwohl er den Besitz behalten hatte, mit diesem nicht verbunden war. Es gibt so viele Menschen, die ihrem Besitz gegenüber scheinbar gleichgültig sind, doch in Gedanken begehren sie andauernd mehr. Es gibt so viele sich selbst als ”anspruchslos” bezeichnende Menschen, die ”niemals daran denken würden, Aufmerksamkeit zu erregen”, doch in ihrem Inneren die Hoffnung hegen, beachtet zu werden.

       Und was soll man über jene denken, die fasten und sich nach der Nahrung sehnen, auf die sie verzichten? Und über jene, die hoffen, für ihre Arbeit und Aufopferung doppelt entlohnt zu werden? Arme, in Illusionen verhaftete Gefangene! Wer kann ihnen erklären, dass ihre Anstrengungen vergeblich sind und ihnen niemals freudvolle Befreiung bringen werden, sondern eher ihr Herz verhärten werden? Geistige Befreiung kann nicht durch Gewalt erreicht werden, sondern durch die Erkenntnis des Herzens. Wer sich von allen irdischen Bindungen befreit hat, wird darüber nicht sprechen, weil der Verzicht für ihn natürlich, einfach und selbstverständlich ist. Diese ”selbstverständliche” Haltung ist die wichtigste Errungenschaft, denn wenn nur das geringste Bedauern im Raum steht oder man andere verurteilt, werden alle Anstrengungen fruchtlos sein. Die Schüler sollten gegen ihre niedere Natur nicht durch Selbstquälerei ankämpfen, sondern durch die Entwicklung des Herzens und den Lebensatem der Weisheit, den sie aus der Lehre des Neuen Lebens schöpfen sollten.

       Meistens kommen Verurteilungen von Menschen, die selbst unter solchen Abhängigkeiten leiden. Das sind Pharisäer, die für ihre rauchenden Kerzen großen Lohn erwarten! Würde ihnen der Lohn zuteil, würden sie ihn nicht schätzen. Sie würden sich wie ein Hahn benehmen, der eine Perle findet!

* * *

       Alle, welche die Hierarchie nicht anerkennen, sollten daran erinnert werden, dass es laut der physikalischen und geistigen Gesetze keine Tätigkeit oder Arbeit gibt, die sich ohne zentralen Punkt entwickeln kann. Jedes Land hat seinen zentralen Punkt in einer Regierung, jede politische Partei hat ihre Vertreter, und jede Firma, jede Einrichtung hat ihre Verwalter. Jede Energie muss sich im Brennpunkt sammeln, um in Erscheinung treten zu können. Die Evolution im Kosmos baut völlig auf diesen Brennpunkten, diesen Verbindungsstücken, Gliedern, Knoten – oder wie immer man sie nennen will – auf!

       Verweisen Sie jene, die Mühe haben, dies zu verstehen, auf das Kapitel über das Opfer im Buch ”Blätter des Gartens MORYA, Bd. I, § 297. Verzicht bringt so viel Freude! Doch der entgegengesetzte Begriff ist furchtbar. Die Last der Welt, der Kelch der Erlösung, das Trinken des Giftes der Welt – das sind die verschiedenen Missionen auf dem Weg der großen Verantwortung und des Lichts. Und diese extremen Lasten werden nur jenen aufgebürdet, die den Gedanken der Befreiung verstehen. Ich glaube, dass sich weitere Erklärungen erübrigen.

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       Vergessen Sie Ihre kulturellen und internationalen Verbindungen nicht! Wenn wir sie nicht selbst pflegen, wer sollte dies für uns tun? Die Zeit wird kommen, in der sich die Dinge regeln werden, doch jetzt müssen wir ständig kämpfen und hart arbeiten. Das Ausmaß der kulturellen Aufgaben sollte Sie ständig beschäftigen. Und bitte übersehen Sie auch die kleinsten Hinweise nicht! Sie mögen Ihnen unwichtig erscheinen, doch Sie können nie wissen, wie bedeutungsvoll sie sind. Alle beziehen sich auf das ganz Große, obwohl es manchmal aussehen mag, als würden sie mit der täglichen Arbeit nicht direkt in Zusammenhang stehen. Denken Sie daran, dass auch die kleinsten Fliegen tödliche Seuchen verbreiten können! Bedenken Sie in allem immer die Reichweite! Nur ein weites Denken bringt uns hinter die ganzen Schliche unserer Feinde.

* * *

7. Juli 1932

       Mögen die Schüler genau erkennen, welch schädliche Folgen es nach sich zieht, den weisen Rates des Lehrers abzulehnen. Sie sollten weder zweifeln noch enttäuscht sein, wenn die Befolgung des Rates nicht sofort gute Ergebnisse bringt. Wir sollten nie vergessen, dass wir oft nicht wissen, welches Ergebnis der Lehrer beabsichtigt. Oft ist es unseren Erwartungen völlig entgegengesetzt! Manchmal möchte der Lehrer eine Brücke über den Abgrund schlagen, und wir können nie sagen, wo die Person, der Gegenstand oder das Wort zu finden ist, das als Brücke benutzt werden kann! Eine sorgfältige Erfüllung des Befehls – das ist alles, was von uns erwartet wird. Die Bedeutung und das Ergebnis des befolgten Hinweises werden zur rechten Zeit enthüllt werden.

       Nun einige Paragraphen aus der Lehre:

       ”Oft befindet sich der Lehrer in einem sehr schwierigen Verhältnis zu seinem Schüler. Der Schüler verspricht, alle Befehle des Lehrers zu befolgen, doch sobald er einen erhält, findet er sofort Gründe, um ihn zu ändern. Der Lehrer hat ähnliche Schwierigkeiten, wenn Er der Untätigkeit beschuldigt wird. Versetzt euch in die Lage eines Bogenschützen, der sich auf seinen Schuss konzentriert, und hinter ihm schreit jemand: ‚Warum schießt er nicht?‘ ”

       Kleine Kinder gehorchen der führenden Hand, ohne den Grund zu kennen. Doch Erwachsene versuchen der vorbereiteten Reaktion je nach ihrer Stimmung etwas hinzuzufügen. Man kann sie mit Menschen vergleichen, die, wenn ihr Haus zu brennen beginnt, unersetzbare Schriften unbeachtet lassen, doch ihr geliebtes Bettzeug retten.”

       ”Woher kommt diese Missachtung des Befehls? Ebenfalls vom Misstrauen. Es ist unbegreiflich, wie bereitwillig die Geschenke des Lehrers angenommen, Seine besten Befehle aber missachtet werden. Wie viele wohldurchdachte Mitteilungen wurden zurückgewiesen, wie viele wirkungsvolle Taten aus Leichtsinn zunichte gemacht. Die eine Hand erweist Ehrerbietung, während die andere die Perlen in den Abgrund streut. Wir vergessen die Tatsache, dass wir den Raum vergiften, wenn wir ihn mit persönlichen Sendungen durchdringen, und dass der erwählte Führer mit Seiner Erfahrung den Schüler nicht demütigen wird. Wie sehr muss man daher Zusammenarbeit, die stark im Vertrauen ist, schätzen!”

       ”Wenn ihr selbst zu Lehrern werdet, besteht auf der sofortigen Ausführung eines Befehls. Erteilt nicht zu oft Befehle; sie könnten zu etwas Alltäglichem werden. Doch wenn es die Arbeit erfordert, erteilt einen prägnanten Befehl. Man soll spüren, dass ein Befehl unwiderruflich ist. Es muss einem leichter fallen zu folgen, indem man eigenständige Arbeit mit Zusammenarbeit verbindet. Der entstellte Befehl gleicht einem entgleisten Zug …” (Agni Yoga, § 278)

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6. Oktober 1932

       Ich sende Ihnen die ersten Seiten des neuen Buchs ”Feurige Welt”, in der Hoffnung, dass diese unerschöpfliche Quelle der Weisheit Ihr Herz ständig nähren wird. Schöpfen Sie daraus Ihre ganze Kraft, den ganzen Schutz und alle Möglichkeiten; all dies und noch viel mehr ist in diesem Schatz enthalten, der aus der Ewigen Quelle kommt.

       Wenn Sie über das große schöpferische Feuer – den Lebensspender – lesen, sollten Sie versuchen, in sich das unsere Herzen erwärmende Feuer zu entfachen. Verhalten wir uns wie die alten Priester, die das Feuer, sobald es entzündet war, sogar unter Androhung des Todes hüten mussten. Im Hüten des Feuers verbarg sich ein großartiges Symbol, denn das Erlöschen der Flamme des Geistes bedeutet den Tod der Seele. Das Feuer des Herzens wird uns davor bewahren, Dinge hinauszuzögern oder zu entstellen, wie auch davor, jemanden oder etwas zu fürchten, denn es wird unser Bewusstsein erleuchten, indem es die feurige Intuition zum Leben erweckt. Es heißt: ”Lasst uns wie jene sein, die den Großen Advent erwarten, indem wir den Schritten Beachtung schenken und wissen, dass unsere Herzen dem Dienst an der Menschheit gewidmet sind. Lassen wir es nicht zu, dass Schwäche oder Ablehnung in unsere Herzen eindringen, denn diese Unzulänglichkeiten werden die Zungen der Flammen gegen uns wenden. Wir wollen uns durch den Kampf für die Kultur des Geistes und für die Rechte des Daseins nicht erschrecken lassen, denn nur durch die geistigen Werte kann die Welt bestehen bleiben. Möge dieser Aufruf zum Kampf Sie nicht verwirren. Die Unbeweglichen sind in einer tausendmal größeren Gefahr als die Strebenden. Natürlich sollten sie mehr in Gedanken und mit dem Herzen streben als mit den Füßen!” (Feurige Welt I, § 36)

       ”Und denkt daran, dass es auf dem großen Weg besser ist, verleumdet zu werden, als gegen die Entscheidung der Kräfte des Lichts zu handeln. Wir sollten uns daran gewöhnen, verleumdet zu werden, denn es gibt keinen feurigen Weg ohne diese Blumenteppiche des Bösen.” (Feurige Welt I, § 35)

       ”Dies betrifft alle Freunde, die zweifeln und unsicher sind und die nicht verstehen, woher die vielen Angriffe kommen. Doch erinnern wir die Bigotten und Scheinheiligen an die Lehre und an das Schicksal des Großen Lehrers, den sie noch immer unaufhörlich kreuzigen.”

       Die extreme Last wird nur vom feurigen Herzen freiwillig auf sich genommen. Wir wollen diese feurigen Herzen sein; lasst uns die größere Last auf uns nehmen, die uns rascher zur Befreiung führt. Und während jene, welche die Last nicht zur Gänze angenommen haben, zu dem zurückgelassenen Teil zurückkehren müssen, werden wir mit der ganzen Freude unseres Herzens die nächste, vor uns liegende Aufgabe erfüllen. Möge niemand so tief sinken, dass er sich gestattet, seine Leistungen oder sogenannten Opfer aufzuzählen. Dies würde den Weg blockieren. Alle wahren Beiträge und Opfer werden auf der inneren Waage des Gewissens gewogen, die in jedem Menschen existiert.

       Wenn wir unsere Leistungen aufzählen (auch wenn dies in den verschwiegensten Tiefen unseres Inneren geschieht), berauben wir uns des Privilegs, etwas zum Wohle der Welt beizutragen. Das Feuer eines solchen Opfers wird sich auf der Erde verbreiten wie das Feuer des vom biblischen Kain dargebrachten Opfers. So lebendig sind alle alten Symbole. Die Kräfte des Lichts schätzen freudvoll dargebrachte Opfer, denn nur diese bewirken etwas und sind siegreich. Wir sollten das Buch über das Opfer in unserem Herzen tragen.

       Vergessen Sie nicht, dass die Eigenschaften des Opfers vielfältig sind. Daran sollten wir jene erinnern, die seit dem Beginn ihrer Annäherung an die Lehre für ihre angeblichen Opfer einen sofortigen Lohn erwarten. Sie mögen sich folgende Worte zu Herzen nehmen: ”Die Lehre über das Opfer wurde euch bereits gegeben. Opfer ist Macht; Macht bedeutet Möglichkeiten; folglich ist jedes Opfer vor allem eine Möglichkeit.”

       ”Es ist an der Zeit, die Scheinheiligkeit zu beenden, dass Opfer Entbehrung ist. Wir nehmen keine Entbehrungen an, sondern gewähren Möglichkeiten.”

       ”Lasst uns sehen, welche Möglichkeiten sich aus den sogenannten Opfern ergeben. Wo ist ein wahres Opfer, das erniedrigen kann? In Unserer Schatzkammer gibt es eine große Sammlung von Opfern, und jedes war demjenigen von Nutzen, der es gebracht hat. Wir sprechen nicht gern über das Opfer, denn es ist in Wahrheit eine sich lohnende Tat.”

       ”Kaufleute lieben es, über die Ausgaben zu jammern und Verluste vorzutäuschen. Doch wer wirklich Vorsorge für das Leben trifft, betrachtet jede Ausgabe als sich lohnenden Einsatz. Ihr habt nicht durch Opfer verloren, sondern durch Raub und Plünderung.”

       ”Christus hat uns geraten, geistigen Reichtum auszuteilen. Doch da man den Schlüssel dazu noch nicht gefunden hat, haben die Menschen diesen Rat auf durch Plünderung erbeutetes Geld angewandt. Zunächst wird gestohlen, um dann unter Tränen etwas abzugeben, und schließlich ist man noch über seine eigene Güte entzückt. Als ob der Lehrer Stühle und alte Mäntel gemeint hätte, als er vom Verteilen sprach! Der Lehrer meinte unwägbaren Reichtum. Nur die geistige Gabe kann die Waagschalen in Bewegung versetzen.”

       ”Lasst uns die Reihen der Mitarbeiter untersuchen. Ist jemand von euch beraubt worden? Nein, alle sind bereichert worden. Ist es denn keine Bereicherung, ein Neues Reich zu regieren? Dieses Reich ist so wohlhabend, dass man, ohne besonderen Schaden anzurichten, auch einen Teil des Porzellans zerschlagen kann. Bestimmt nimmt die Hilfe zu, und sogar in das mit Dankbarkeit gefüllte Buch kann man Einsicht nehmen.”

       ”Ich rate den Unternehmern, für alle Ämter Vertreter bereitzuhalten.”

       ”In einem großen Unternehmen basiert das Geschäft auf dem Geschäft selbst und nicht auf der Persönlichkeit.”

       ”Wer kann behaupten, dass er der Gebende war? Wir werden Unsere Bücher aufschlagen und nachweisen, wieviel jeder erhalten hat; denn es ist ja durchaus nicht leicht zu opfern, wenn das Opfer eine Möglichkeit ist, und die Möglichkeit bringt Nutzen, und dieser Nutzen ist eine gute Zusammenarbeit, und Zusammenarbeit ist der Stein Alatir, der entweder zur Auferstehung führt oder verbrennt.”

       ”Selbstverleugnung kann die Tore des Verstehens öffnen, und das hinfällige Opfer von unnützen Dingen wird mit der Selbstsucht auf einem Ast schaukeln.” (Blätter des Gartens MORYA II, § 183)

* * *

12. Oktober 1932

       Ich war über die von Ihnen erlebte Einigkeit, die Sie in Ihrem letzten Brief beschreiben, sehr glücklich. Doch es scheint, dass eine noch größere Einigkeit erforderlich ist, denn man hat mich gebeten, Ihnen folgendes zu schreiben: ”Große Einigkeit ist erforderlich. Wenn der Weg breit ist, braucht ihr einander nicht zu stoßen. Ihr dürft nicht vergessen, dass auch ein kleiner Stein hart treffen kann. Der Kampf gegen die finsteren Mächte muss die edelsten Gedanken hervorrufen. Lasst uns rein und vorsichtig sein.”

       Die erweiterte Denkweise verpflichtet uns dazu, mit unseren Gedanken und Taten doppelt vorsichtig zu sein, vor allem untereinander und gegenüber den Menschen, die mit uns in engem Kontakt stehen. Denken Sie daran, dass uns Tausende von Augen mit großer Aufmerksamkeit beobachten. Wir sollten uns nichts vormachen – diese Aufmerksamkeit entspringt dem Wunsch, unsere Schwachstellen zu finden, damit dort ihre negative Arbeit ansetzen kann. Es ist sehr wichtig, dass die Mitarbeiter einander achten und sich vor den Angestellten und Außenstehenden nicht gegenseitig herabsetzen. Kleinigkeiten wie scharfe Worte, Witze auf Kosten des anderen oder ein ironisches Lächeln etc. untergraben bei anderen Leuten die Achtung. Auf keinen Fall sollten Sie es zulassen, dass Außenstehende durch boshafte Anspielungen Ihre Achtung verlieren. Wenn man die Achtung anderer einmal verloren hat, kann das nicht wieder rückgängig gemacht werden; und diese Achtung kann so leicht verlorengehen, z. B. durch unpassende Bemerkungen. Öfter als einmal wurde gesagt:

       ”Nicht einmal im Spaß solltet ihr einander herabsetzen oder kritisieren. Es wird Zeit, dass ihr den Schaden, den kleine Fliegen anrichten können, erkennt. Der Stich einer kleinen Fliege kann den ganzen Organismus vergiften. Sie müssen daran denken, dass die Feinde nicht versuchen werden, durch das Tor einzudringen, sondern durch die kleinsten Spalten.”

       Wenn man miteinander streitet, schafft man nicht nur einen Spalt, sondern ein weit geöffnetes Tor!

       Bei gefährlichen Angriffen der finsteren Kräfte ist sogar die leiseste Andeutung von Verurteilung verhängnisvoll. Stellen Sie sich vor, wie viele hilfreiche Menschen davon vertrieben werden könnten. Es heißt: ”Hilfreiche Menschen werden euch gesandt, doch ihr müsst sie zu halten verstehen.”

       Versetzen Sie sich in die Lage der Menschen, die von Ihren kulturellen Aktivitäten gehört haben und nach einer Begegnung mit Ihnen feststellen mussten, dass Sie sich von anderen Menschen überhaupt nicht unterscheiden! Wie wird sich diese Erkenntnis auf ihr Verhalten Ihnen gegenüber und Ihre Arbeit auswirken? Denken Sie auch an jene, die über die Bücher der Lehre zu Ihnen kommen. Wie enttäuscht werden sie sein, wenn sie herausfinden, dass Sie die Grundsätze der Lehre nicht beachten! Denken Sie an Ihre große Verantwortung! Ich will die Mannigfaltigkeit dieser Verantwortung nicht noch erweitern, aber sie sollte allen, welche die sieben Bücher der Lehre besitzen, klar sein. Doch Sie müssen sowohl darüber als auch über die Folgen von geistiger Taubheit und Nachlässigkeit intensiver nachdenken.

       Ihr Leben wird wie ein wunderbares Märchen sein, wenn Sie die jeden Tag gegenwärtige Höhere Führung und Ihre eigene Verantwortung erkennen. Sie werden so viel Freude erleben, wenn Sie die Verantwortung mit Ihrem ganzen Herzen annehmen und Ihr Märchen nicht mit dem Staub der Alltäglichkeit bedecken! Sie müssen wissen, wie man den Staub entfernt, und alles, was in Ihrer Umgebung und bei Ihrer Arbeit vor sich geht, ohne Vorurteile betrachten.

       Wir wollen uns vervollkommnen und uns selbst gegenüber besonders kritisch sein. Lasst uns mit dem Feuer unseres Herzens alle Weisungen der Lehre erleuchten und in der Stunde der Gefahr eng verbunden sein. Nur für einen oberflächlichen Geist bleibt diese Forderung eine abstrakte ethische Vorstellung, die man im Alltag nicht umsetzen kann. Doch ein ernsthafter Mitarbeiter und vor allem ein Schüler wird sich mit dem ganzen Feuer seines Herzens auf diesen Gedanken konzentrieren, weil er weiß, dass Einigkeit die Grundlage und die Stärke des ganzen Werkes bedeutet. Deshalb sollte bei all Ihren Entscheidungen der Wunsch nach Einigkeit an vorderster Stelle stehen. Mehr als je müssen sich all diese Institutionen ergänzen.

       Unsere vordringlichste Pflicht ist es, den Plan unserer kulturellen Aktivitäten umzusetzen und weiterzuentwickeln. Jeder sollte sich nicht nur auf seine spezifische Arbeit und sein Fachgebiet beschränken. Nur auf objektive und kluge Weise wird er erkennen, was besonders dringend ist und der Unterstützung bedarf und welche Arbeit eventuell zurückgestellt werden kann. Einseitigkeit ist unzulässig unter den Erbauern. Wir kennen den großen Plan unseres Werkes, und diese umfassende Schaffenskraft kann nicht auf zwei Gesellschaften oder auf ein Land beschränkt werden.

* * *

10. November 1932

       Kürzlich war ich sehr deprimiert, denn ich fühle, dass das Fundament zerfällt. Wie kann es sein, dass sich die Herzen einiger Mitarbeiter so verhärtet haben und sich ihr Bewusstsein so getrübt hat, dass sie den Abgrund nicht sehen, in den sie zu stürzen drohen? Können sie die schreckliche Gefahr dieser Zeit nicht erkennen und ihren Dienst für die Finsteren einstellen? Habe ich nicht gesagt, dass bereits ”jedes böse Wort, jede Unstimmigkeit eine Ermutigung für die Finsteren bedeutet”? Und denken Sie daran:

       ”Das fürchterliche Messer ist nicht in eurer Tasche, sondern auf eurer Zungenspitze. Einmal werdet ihr erkennen müssen, dass ein Wort und ein Gedanke nicht ausgelöscht werden können. Jeder, der an das Allgemeinwohl denkt, möge sich freuen – und umgekehrt. Die Sitten und Bräuche der Finsteren sind nicht nach Unserem Geschmack.”

       Sie sollten sich zu Ihrem eigenen Wohle in Erinnerung rufen, was gesagt und unaufhörlich wiederholt wurde. Nur durch vereinte Anstrengungen können wir das Ziel erreichen. Es tut weh, daran zu denken, wie viele wunderbare Möglichkeiten aufgrund verborgener Zwietracht ungenützt vorübergingen! Was kann auf einer Aura der Gereiztheit, der Beleidigungen und der Unfreundlichkeit aufgebaut werden? Das Prinzip des Magneten ist gründlich besprochen worden. Wir können uns nicht mit Unwissenheit entschuldigen! Vom ersten Tag an wurde die Notwendigkeit der Harmonie betont, doch offensichtlich vergeblich. Das schlimmste ist, dass der Sinn für Ehrlichkeit verlorengegangen ist und man bereit ist, den anderen zu beschuldigen, wobei man vergisst, dass die innere Seele für den Guru ein offenes Buch ist. Es wird Zeit, dass wir uns für unser kindisches Wesen schämen und dass wir verstehen, dass wir uns nicht besser benehmen als Verräter, wenn wir den Weisungen nicht folgen. Verzeihen Sie diese harten Worte, doch mein Herz blutet, wenn ich sehe, mit welcher Hartnäckigkeit Sie sich immer wieder Steine in den Weg legen. Stellen Sie sich vor, was aus Ihnen werden wird, wenn Sie nicht mehr durch die Lehre geführt werden. Wohin werden Sie gehen? Welchen Weg werden Sie einschlagen? Wer wird Sie erhören und Ihnen in Ihrer Not helfen? Wer wird Ihnen den Weg aus dieser schwierigen Lage aufzeigen? Die bedrohliche Zeit, die fürchterliche Zeit kommt auf uns alle zu. Und denken Sie daran, dass es Ihnen erlaubt wurde, für die Rettung von so vielen und so vielem zu arbeiten! Sind Sie dabei auf dem richtigen Weg? Ist dies der Weg, das Vertrauen des Einen, der Sie rief, zu rechtfertigen?

       Ich möchte, dass Sie meinen ganzen Schmerz und meine ganze Sehnsucht fühlen, Sie in völliger Harmonie arbeiten zu sehen, in der Erkenntnis der ungeheuren Verantwortung für Ihre Arbeit. Wie kann ich Ihnen dies am besten verständlich machen? Wie kann ich Sie in diesem Verständnis bestärken? Ich verabscheue Drohungen, doch wie könnte ich es unterlassen, Sie zu warnen, wenn ich sehe, wie jemand in den Abgrund stürzt und die anderen mitreißt. Wie kann man ihn zurückhalten?

       Vor einiger Zeit dachte ich, dass die endlosen Aufrufe zur Einigkeit wirklich verstanden worden sind. Ich hoffte, Sie würden verstehen, dass Freundlichkeit wichtig ist, – nicht damit Ihre Autorität bestätigt und Ihre Eitelkeit befriedigt wird, sondern wenn Sie in vielen Dingen um der erfolgreichen Zusammenarbeit willen nachgeben sollen.

       Aufrichtige Worte werden geschrieben, doch Sie sollten Freundlichkeit und Aufmerksamkeit im Handeln zeigen – Worte gleichen fließendem Wasser. In meinen Träumen sah ich einen von Ihnen als treuen Fahnenträger im Namen unseres Guru. Ich träumte, dass die Worte des Erwählten voll Anziehungskraft und Schönheit waren. Seit dem Zeitpunkt, als bekannt wurde, dass die Neue Gesellschaft errichtet werden soll, sind sieben Jahre vergangen – eine lange und in jeder Hinsicht bedeutungsvolle Zeit. In dieser Zeit hätte eine völlige geistige Erneuerung stattfinden können, wenn wahres Streben vorhanden gewesen wäre. Es wurde genau erläutert, in welchen Kreisen diese Worte gesprochen und welche Verbindungen aufgenommen werden sollen. Doch wenn wir zurückschauen, müssen wir zugeben, dass der innere Zustand diese Entwicklung verhindert hat. Wenn es auch in den ersten Jahren diverse Hindernisse gab, die nicht leicht zu beseitigen waren, so entstanden doch 1926 viele neue Möglichkeiten; doch die alten, nicht ausgelebten Gewohnheiten setzten sich durch. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass sich Eure Herzen wieder entflammen werden und Ihr durch feurige schöne Taten in Erscheinung treten werdet. Die Errungenschaften können so großartig sein!

       Es ist so traurig, vorwurfsvolle Briefe zu schreiben, anstatt von freudvollen Neuigkeiten über die erfolgreiche Arbeit anderer Gruppen und Mitarbeiter berichten zu können.

       Es bricht mir das Herz zu wissen, dass wertvollste Energie für sinnlose, im Nachhinein korrigierende Arbeit vergeudet wird, dass alle Warnungen umsonst waren und dass all das in einer schrecklichen Zeit geschieht, in der die finsteren Kräfte ihren härtesten und aggressivsten Angriff durchführen. Zu so einer Zeit, wo Ihr ein Maximum an Energie und innerer Festigkeit zur Bewahrung all Eurer Errungenschaften hättet entwickeln sollen! In großer Traurigkeit bitte ich Euch, mir zu helfen – findet den Mut für Geduld und Versöhnlichkeit.

       ”Gesegnet seien jene, die Frieden stiften!”

       Versucht zumindest, meine Besorgnis und meinen Kummer ein bisschen zu lindern. Vielleicht war es mein eigener Fehler. Wer weiß, vielleicht konnte ich Euch nicht genügend einigen, konnte Euch nicht mit der Liebe zum Großen Herzen und dem Streben nach selbstloser Tat erfüllen. Vielleicht ist es mir nicht gelungen, Euch durch mein persönliches Beispiel zu zeigen, wie Ihr die Lehre im täglichen Leben anwenden sollt, und Eure Herzen mit dem Feuer der Selbstvervollkommnung und der ungeheuren Verantwortung zu entflammen. Ihr könnt der Lehre und dem Dienst nicht näherkommen, ohne für all Eure Taten verantwortlich zu sein.

       Bitte helft mir in meiner Verantwortung für Euch! An jeden von Euch ergeht ein Ruf meines Herzens! Helft mir!

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17. November 1932

       Es fällt mir schwer, meinen Schmerz auszudrücken. Wieder sehe ich, dass der innere Zerfall seinen schrecklichen Lauf nimmt. Ich sehe, dass das Bewusstsein einiger Mitarbeiter nicht wächst und die Schätze der Lehre wie leere Worte aufgenommen werden. Die innere Unzuverlässigkeit ist so gefährlich. ”Ihr könnt jeden Streit gewinnen, ihr könnt neue Freunde finden, doch der innere Verfall wird euren besten Freund vertreiben. Wenn viel Pfeffer in der Luft ist, fangen die Menschen an zu nießen. Auf die gleiche Art und Weise kann Imperil verstreut werden. So oft habt ihr gesehen, wie neue Umstände entstanden sind, doch man muss wissen, wie man mit ihnen fertig wird. Deshalb solltet ihr letztendlich verstehen, wie ansteckend Imperil ist. Ihr könnt euch dem Zerfall gegenüber nicht sorglos verhalten. Dieser Prozess ist so ansteckend wie Lepra. Es gibt nur Aufbau oder Zerfall – eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.” (Feurige Welt I, § 161)

       Wer würde schon den Zerfall wählen? Im Moment passieren alle Ereignisse mit so einer enormen Geschwindigkeit, dass es unmöglich ist, auf den ersten Stufen stehenzubleiben. Es heißt: ”Wir können keine gewaltsame Stärkung empfehlen. Wir können durch Gewalt weder vor Lepra schützen noch jemanden vom Imperil abhalten. Freundlichkeit kann nicht durch Zwang erreicht werden. Ihr könnt das Herz nicht einfach zum Wachsen zwingen, denn der schöne Garten wird nur durch schöne Taten wachsen. Verleumdung der Hierarchie ist nicht wieder gutzumachen.” (Feurige Welt I, § 161)

       Da ich dieses Gesetz kenne, bin ich verzweifelt darüber, dass ich nicht helfen kann; denn was kann ich tun, wenn nicht einmal die Worte des Guru angenommen werden? Wie kann ich erwarten, dass der starke und heftige Wunsch meines Herzens Eure verhärteten Seelen und Euer getrübtes Bewusstsein erreichen wird? Der Gedanke ist schrecklich, dass sich die Reihen lichten könnten und dass jemand ganz allein zurückbleibt, dass das große Privileg der Annäherung an das Licht um der abscheulichen Selbstsucht willen, dem ewigen Feind des Lichts, aufgegeben werden kann! Und dies alles nach 12 Jahren Jüngerschaft! Abgesehen von der persönlichen Vernichtung kann die innere Zwietracht in der Zerstörung des ganzen Werkes resultieren! Die schreckliche Gefahr besteht darin, dass wir uns, anstatt uns auf das Wesentliche – auf unseren kulturellen Aufbau, der uns zusammenhält – zu konzentrieren, angewöhnen, uns auf unbedeutende Angelegenheiten zu konzentrieren, auf Zwietracht, Beleidigungen und Neid.

       Wie können wir unsere Stellungen halten? Wie können wir erwarten, erfolgreich zu sein? Werden uns die Freunde nicht weglaufen, wenn sie die verschmutzte Atmosphäre spüren?

       Ich bedaure, dass ich eine weitere traurige Stelle anführen muss: ”Man muss lernen, Arbeit nicht zu verschwenden. Blockierte Menschen vernachlässigen die wichtigsten Dinge. Beachtet, dass die zwei Briefe, die ihr erhalten habt, keine wesentlichen Inhalte aufweisen. Ich beschuldige weniger die Verfasser, sondern jene, welche die Verwirrung verursacht haben. So eine Außerachtlassung der wichtigsten Dinge ist gefährlich. Ein Mensch, der seinen Bruder verwirrt, macht sich schuldig. Auch sein eigenes Leben wird nicht glücklich sein; sein Leben wird finster sein, da sein Bewusstsein durch Unwesentliches verwirrt sein wird. Sobald man erkennt, was wesentlich ist und sich darauf konzentriert, befindet man sich auf dem Weg zum Sieg. Doch diesen Weg zu verlassen heißt, für die Nahestehenden zur Last zu werden.” (Feurige Welt I, § 146)

       ”Die Unterscheidung zwischen dem Wichtigsten und dem Unwichtigsten ist die Prüfung, die jeder in seinem Bewusstsein deutlich vollziehen muss. Niemand hat das Recht, jemandes Herz zu durchstoßen oder jemandem Kopfzerbrechen zu machen, während unersetzbare Schätze verlorengehen! Was die Leute nicht wahrnehmen, erachten sie nicht als unersetzbar.” (Feurige Welt I, § 147)

       Jenen, die voller Zweifel sind und denen es an Standhaftigkeit mangelt, schlage ich vor, aus den Büchern der Lehre alles herauszuschreiben, was über Zweifel, Wankelmütigkeit und Misstrauen gesagt wird. Heutzutage gibt es eine besonders große Anzahl von wirklichen Dienern der Finsternis. Es ist sehr hilfreich, alle Schilderungen dieser hassenswerten Eigenschaften zur Hand zu haben und sie mehrmals durchzulesen.

       Obwohl eine nur rein äußerliche Einigkeit nicht von sehr hohem Wert ist, ist sie doch besser als keine. Die tierhafte Seite des Menschen setzt sich aus Gewohnheiten zusammen. Deshalb ist es möglich, sich bestimmte gute Verhaltensweisen anzugewöhnen, indem man sich selbst beobachtet. Letztendlich werden Sie eine kleine Flamme in Ihrem Herzen entzünden, und dann wird – in einem Augenblick der Erleuchtung – dieser langwierige, quälende Prozess der Übung von guten Eigenschaften ein erfreulicher Teil ihres erleuchteten Bewusstseins werden. Ich ersuche Sie noch einmal, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Selbstbetrug ist die schrecklichste Sünde. Er verletzt das Bewusstsein und führt zum sogenannten Tod des Geistes.

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10. Dezember 1932

       Worüber muss ich schreiben? Über das altbekannte Thema, über die große Einigkeit als einzige Rettung. In der Zwischenzeit wurde bereits alles gesagt, alle Gründe wurden erläutert, doch die Folgen der Uneinigkeit sind noch vorhanden. Einer von Ihnen wird nun den Befehl erhalten, die ganze Zeit die Weisungen des Lehrers unablässig zu wiederholen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass von nun an alle Ratschläge und Weisungen niedergeschrieben und mit viel Liebe und Sorgfalt gelesen werden, damit sie nicht vergessen oder entstellt werden.

       Schlagen Sie im Buch Ihres Lebens eine neue Seite auf und füllen Sie diese mit schönen Taten, mit Geduld, Verständnis und Edelmut! Es heißt: ”Es hat keinen Sinn, im Staub zu wühlen.” Das ganze Graben im Staub von gestern wird zu nichts führen und nur Eure Augen und Eure Nasen reizen. Bitte hört damit auf, denn es ist unter Eurer Würde. Wie viel Zeit wird für produktive Arbeit frei werden, die jetzt dringender erforderlich ist als jemals zuvor. Es bleibt so wenig Zeit, um unsere Fundamente und den Magneten unserer Arbeit zu verstärken. Die Festigung des Fundaments ist unsere vordringlichste Pflicht, wenn wir den versprochenen Erfolg anstreben wollen! Erkennen Sie, welch festes Fundament erforderlich ist, um den versprochenen Erfolg zu erzielen! Möge weder ein trivialer Gedanke noch Misstrauen Ihre siegreiche Bewegung aufhalten! Möge Ihr Herz fühlen, dass meine Bitte nichts Persönliches enthält, sondern nur meine Sorge um den herrlichen Plan! Die Weisungen müssen mit ganzem Herzen angenommen werden. Sie müssen sich mit größtmöglicher Entschlossenheit darauf konzentrieren; nur dann wird Ihr Verständnis wachsen, wodurch viele Dinge erleichtert werden.

       Es ist falsch, die Kräfte, die alles in Bewegung halten, über Gebühr zu belasten. Es ist schwer zu glauben, dass der östliche Begriff des Lehrers und diese Art von Achtung vor Ihm im Westen tot sind. Ergründen Sie, was es heißt, die Kräfte des Lichts zu überlasten und welchen Preis Sie selbst dafür zahlen.

       ”Jene werden kommen, die auslöschen, verleumden und verletzen – die finstersten Seelen. Zerfall, der einmal begonnen hat, kann man nicht aufhalten. Doch die Weisen werden nicht zurückschauen, denn sie wissen, dass das Feuer unsterblich ist, wenn es angefacht wird.” (Feurige Welt I, § 232)

       Kein Wunder, dass ich darauf bestehe, die Weisungen des Lehrers zu wiederholen. Sogar die bloße Wiederholung kann die Fundamente stärken. ”Es ist nicht richtig, im Staub zu wühlen, wenn Wolken aufziehen. Es ist nicht richtig, sich umzusehen, wenn man den Weg entlang dem Abgrund beschreitet. Ich erinnere euch daran, dass das Hauptfundament einen Anker für alle darstellt.” (Feurige Welt I, § 233)

       ”Vereinigt euch einfach im Namen der Rettung. Wären wir fähig, alle Sterne zu zählen und alle unbekannten Tiefen auszuloten, so könnten wir doch nicht die gegenwärtige Zeit verbessern. Mit dem ganzen Mut unseres Herzens müssen wir den Terror der Finsternis erkennen, der auf uns zukommt, wenn die Feuer erlöschen. Viele glauben, dass Einigkeit ein veralteter, überflüssiger Begriff sei. Sie glauben, dass ihre Individualität in der Absonderung besser behütet ist – dies ist die Logik der Finsteren. Doch bei gefährlichen Epidemien denkt man manchmal an einfache Mittel und findet Hilfe darin. Dieses einfache Mittel ist Einigkeit, auf eindeutige Art und Weise vernichtet sie die Finsternis. So möge das Schwert über dem Drachen nicht schlafen.” (Feurige Welt I, § 234)

       ”Ich kann euch nur raten, an die Weisungen zu denken. Die Zeiten sind kompliziert, und der Faden sollte nicht verlorengehen. Deshalb bitte Ich Sie, sie an die genaue Befolgung der Anweisungen zu erinnern.”

       Ich hoffe, dass die Ihre Sicht behindernden Wolken wegziehen und Sie mit dem Herzen und Ihrem Geist verstehen, welche Folgen durch Uneinigkeit entstehen. Wir wollen niemanden und nichts verurteilen, doch uns ehrlich prüfen und alles ausrotten, was unseren Fortschritt hemmt.

* * *

29. Dezember 1932

       Die Schlacht des Harmagedons kann kein direkter und einfacher Siegeszug sein, weil auf beiden Seiten Große Kräfte miteinbezogen sind. Der Sieg der Kräfte des Lichts liegt aber auf der Hand, da sie mit dem Kosmischen Magneten verbunden sind. Dieser zieht die größten Kräfte an, denen die Finsteren nicht standhalten können. Das Element des reinen Feuers verbrennt sie. Doch wir müssen Geduld haben. Die Schlacht wurde von den Finsteren begonnen, denn in ihrer Wut versuchen sie, so viel wie möglich zu zerstören, bevor ihre Zeit zu Ende geht. Von ihnen und ihren besten Mitarbeitern – den Lauen und Gleichgültigen – kommen der ganze Terror der Aufstände und der Gewalt. Sie versuchen, durch allgemeine geistige Verarmung Verwirrung und völlige Unordnung zu schaffen. Die schweren Ströme des Saturns und andere ungünstige Kombinationen der Planeten sind für sie besonders hilfreich. Im Augenblick konzentrieren sich alle Kräfte des Lichts darauf, die durch die Finsteren gestörten Elemente zu zügeln. Niemand kann sich vorstellen, wieviel göttliche Energie nur dafür aufgewendet wird, um die unterirdischen Feuer unter Kontrolle zu halten! Die Finsteren versuchen mit allen Mitteln, alles zu vernichten, was hell und rein ist. Deshalb ist Einigkeit so notwendig. Es heißt: ”Nehmt die unfasslichen Angriffe wahr, die den ganzen Planeten schwächen. Nicht zufällig werden ständig Strahlen zur Verteidigung entsandt. Ernste Gefahren sind bereits abgewendet worden.” In der letzten Woche hörte man in unserem Tal Prophezeiungen über ein großes Erdbeben, das am 22. Dezember ausbrechen, drei Tage andauern und unser ganzes Tal zerstören sollte. Doch am 21. Dezember fiel plötzlich sehr viel Schnee und die Temperatur sank. Dies hielt bis 27. Dezember an. Es wurde uns gesagt: ”Achtet auf die Prophezeiungen der Leute, die oft die kosmischen Ereignisse genau voraussagen. Natürlich kann man sich nicht völlig darauf verlassen.”

       Weiters wurde uns gesagt: ”Wir können bestätigen, dass die tödliche Gefahr abgewendet wurde. Ihr wisst, wie viele Ströme benutzt wurden. Außerdem bildete sich durch den Meteorschnee Eisdampf. Es ist völlig verständlich, dass ihr Anspannung und Unbehagen verspürt. Die Finsteren hatten keinen Erfolg, doch ihr wart Uns behilflich, weil ihr Unsere Ströme nicht gestört habt, indem ihr harmonisch vereint wart. Man muss verstehen, dass auch indirekter Widerstand gegen die Strahlen gefährlich ist, ganz zu schweigen von wirklichen Auseinandersetzungen und Streitigkeiten, welche die wertvollen Ströme lähmen. Viele andere schreckliche Dinge werden von den Sataniden geplant. Haltet Unsere Hand fest. Ich spreche zu denen, die es angeht.”

       ”Beachtet, wie sich Lähmung und Uneinigkeit in ihrer Wirkung gleichen. Lähmung tritt nicht unmittelbar nach falschen Taten in Erscheinung. Lähmung erfordert eine langwierige Behandlung und ist oft unheilbar. Deshalb fordere Ich Einigkeit. Seid über alle Launen und Erinnerungen erhaben. Ich verlange Einigkeit, sonst verweigere ich die Heilung. Die Einigkeit muss stark sein. Lasst Scheinheiligkeit nicht zu – die Zeiten sind viel zu gefährlich. Welcher Mitarbeiter kann sagen, wann und durch wen die Ohnmacht verursacht wurde? Wo ist jene Stelle, jene Aura, jene Verbindung, welche die Lähmung des mächtigen Rettungsstrahls hervorrief? Wer weiß, wieviel Zeit aufgewendet werden muss, um die Aura zu heilen, die durch ihre Reizbarkeit die Verbindung mit der Hierarchie unterbrach? Währenddessen verliert der Feind keine Zeit und bedient sich des schwarzen Feuers, das gerade dann so leicht entzündet und angefacht werden kann, wenn der Magnet der Reizbarkeit in Erscheinung tritt. Das schwarze Feuer ist nichts anderes als die von den Finsteren so geliebte Gereiztheit. In diesem Augenblick sind die Bedingungen für sie günstig. Deshalb ist besondere Vorsicht vonnöten. Denkt daran, dass der Strahl dort, wo er angenommen wurde, stärker ist als jede Rüstung. Daher suchen die Sataniden nach den schwachen Stellen, um durch diese Spalten einzudringen. Es ist ihnen egal, durch wen oder in welchem Teil der Welt sie diese Lücken suchen müssen. Sie werden jede Gelegenheit wahrnehmen, in der Hoffnung, dass Meine Strahlen nicht die ganze Welt erfüllen können. Sie benutzen die seltsamsten Masken, um unsere Wachsamkeit zu umgehen. Ihr habt recht, die Sataniden sind über die ganze Welt verstreut. Wir kennen die Verräter, und Wir wissen auch, dass nur Einigkeit beschützen und zum Sieg führen kann. Die rechten Umstände werden kommen, doch wir müssen ihnen gerecht werden.”

       ”Ich möchte die ganze Energie auf äußere Ereignisse lenken. Daher ist eure Einigkeit wichtig, damit der Kelch intakt ist. Einigkeit ist immer gut, doch unter bestimmten kosmischen Umständen ist sie besonders wichtig. Stellt euch vor, was geschieht, wenn jemand die Hand stößt, die den bis zum Rand gefüllten Kelch erhebt! Welch ein Feuer kann von den verschütteten Feuertropfen ausgehen! Als Ich über die Zeit sprach, in der die genaueste Erfüllung der Weisungen erforderlich ist, meinte Ich diese besondere Zeit. Ihr könnt euch vorstellen, dass Ich diese Energie ansammle – lasst nicht einen Skorpion entkommen!”

       Ich hoffe, dass diese liebevollen und strengen Warnungen den richtigen Eindruck hinterlassen und Bedauern aufkommt, wenn nicht für andere und für das Werk, dann wenigstens für Euch selbst.

       Ich flehe Euch an, den Mut aufzubringen, den größten inneren Feind zu bekämpfen – die Uneinigkeit. Jeder unterstützt sie zwar, doch die Überwältigung dieses Feindes würde den Sieg sicherstellen. Wir müssen uns selbst klarmachen, dass Scheinheiligkeit unter Mitarbeitern unmöglich ist, und lasst uns Geduld und Freundlichkeit üben, was wirklich nicht so schwierig ist, wenn das Herz durch das Streben zu unserem Lehrer entflammt ist. Doch jeder, ohne Ausnahme, muss dies tun. Möge jeder Mitarbeiter alles, was eben gesagt wurde, vor allem für sich selbst anwenden; er darf es nicht ablehnen als etwas, was nicht ihn, sondern seinen Nachbarn betrifft. Meistens schiebt der, der wirklich aufmerksam sein sollte, in selbstsüchtiger Art und Weise alles auf seinen Nachbarn. Doch der weise und wahre Schüler wird alles zuerst auf sich beziehen und es nicht auf andere abwälzen, denn wie könnte er sich sonst vervollkommnen? Lasst uns auch ein für allemal von allen Kränkungen absehen und sie als wirkliches Gift betrachten. Der Schüler darf nicht empfindlich sein, sonst ist er weit vom Fortschritt entfernt.

       Vor langer Zeit wurde gesagt: ”Es macht keine Ehre, einen Garten aus Beleidigungen anzulegen.” Und weiter: ”Eine Person, die sich beleidigt fühlt, hält sich an diesen Beleidigungen fest und verliert die Beweglichkeit des Denkens; und wenn wir diese Beweglichkeit verlieren, stumpfen wir unvermeidlich ab. Bei allem sollten wir uns den Sinn für Proportionen bewahren, da wir das große Ausmaß unseres Werkes kennen! Wo wird da Platz für Kränkungen sein? An die vier Grundlagen, die zu Beginn der Lehre gegeben wurden, sollte man immer denken.” (Blätter des Gartens Morya II, § 234)

       Ich will sie Euch in Erinnerung rufen: 1.) Verehrung der Hierarchie, 2.) Einigkeit; 3.) Entsprechung, 4.) Große Geduld. Wir wollen nicht zurückblicken in die finstere Ecke, wo sich alle schlechten Gewohnheiten angehäuft haben? Sie berauben uns nur der Freude. Mit unserem ganzen Herzen wollen wir dem Lehrer des Lichts zustreben, der uns unermüdlich seine Strahlen der Freude und der liebevollen Sorge sendet. Öffnen wir unser Herz, um diesen Segen zu empfangen.

       Verwirrt durch Eure Uneinigkeit nicht die Neuankömmlinge oder jene, die sich Euch bereits angeschlossen haben. Es ist so schädlich für Euch, für das Werk und für die anderen. Wir können diesen Schaden vorhersehen und grämen uns sehr. Die Neuankömmlinge sollten inspiriert und nicht durch Unsinn verwirrt werden. Ich leide, wenn ich sehe, dass wir, obwohl wir die Grundsätze der Einigkeit verkünden, in Uneinigkeit leben. Wie können wir auf diese Weise etwas aufbauen und vereinen? Nur das persönliche Beispiel inspiriert und bringt einen vorwärts.

       Ich hoffe, Sie werden Ihren ganzen Eifer für eine tolerante und verständnisvolle Zusammenarbeit einsetzen. Ich weiß, dass es schwer ist, doch umso herrlicher werden Ihre Errungenschaften sein.

 

Briefe nach Europa

 

1931

24. April 1931

       Ich möchte Ihnen einige Worte meines Herzens senden. Die Weisheit des Altertums besagt, dass aufrichtige Worte nie blumenreich sein können. Deshalb sage ich Ihnen in aller Einfachheit, dass wir tief gerührt sind über Ihr stetes Streben zur Lehre und über Ihre schöpferische Arbeit, die so reich an schönem Empfinden ist.

       Aufrichtigkeit und Einfachheit sind zwei mächtige Magnete. Die große Kunst der menschlichen Verwandtschaft gründet darauf. Sehr wenige erkennen die Wichtigkeit dieser Kunst, die das Fundament des Aufbaues und der Evolution darstellt! Diese in Vergessenheit geratene Kunst, die so viel Feingefühl und Wachsamkeit sowie Synthese des Geistes erfordert, muss unverzüglich ins Leben eingeführt werden. Sie ist die wesentlichste Erfüllung; und wie könnten wir die Neue Welt der Schönheit und mächtigen Zusammenarbeit ohne sie aufbauen?

       Es scheint mir, dass Ihre Beständigkeit und Ihre herzhafte Annäherung beispielgebend sein werden – ein Leuchtturm, der andere in die rechte Richtung führt. Sie werden sie freudvoll rufen, Sie werden sie lehren, Hindernisse und den Kampf zu lieben, denn wie sonst könnte ihr inneres Feuer entflammt werden? Sie werden ihre Aufmerksamkeit auf das freudvolle Dienen der Allgemeinheit lenken; und den ganz Mutigen werden Sie die Freude der Selbstverleugnung einflüstern, sich in ständiger Bereitschaft völlig dem Dienst der Großen Hierarchie des Lichts hinzugeben!

       Wir senden Ihnen (und wir werden es auch weiterhin tun) Seiten aus den Büchern der Lehre. Sie werden Ihnen eine große Hilfe sein, die jungen Seelen zu stärken, einschließlich solch liebenswerter wie der unseres kleinen Freundes Serjoscha.

       Nehmen Sie diese Worte, die aus unserem für Sie geöffneten Herzen kommen, entgegen. Wir denken oft an Sie und räumen Ihnen bei allen unseren Arbeiten einen Platz ein.

       Übermitteln Sie herzlichste Grüße an alle Ihnen Nahestehenden; denn wer Ihnen nahesteht, ist auch uns nahe.

28. August 1931

       Sie haben recht, ”Agni Yoga völlig zu verstehen und im Leben anzuwenden, ist nicht jedermanns Aufgabe”, doch ohne Anwendung im Leben ist Wissen wertlos und wird keine Ergebnisse zeitigen. Die ersten Formeln, die ein Schüler sich aneignen sollte, sind folgende: ”Alles fürs Leben – nichts sollte abstrakt sein; alles soll mit menschlichen Händen und Füßen geleistet werden. Ohne Anspannung aller Kräfte ist keine Umwandlung (oder Vervollkommnung) möglich.” Wir alle wissen, dass bei physikalischen und chemischen Experimenten nur an der Grenze äußerster Spannung neue Formeln geboren werden. Wir müssen daher, die große im Kosmos bestehende Übereinstimmung nützend, laufend bestrebt sein und alle unsere Fähigkeiten verstärken.

       Die Lehre verlangt vom Schüler vor allem selbständige Tätigkeit. Die Lehre weist in reichlich gegebenen kostbaren Weisungen die Richtung, doch der Schüler muss selbst ”mit eigenen Händen und Füßen” seinen Pfad aufbauen. Erwartet daher keine fertigen Formeln. Aus kleinen Weisungen errichtet den großen Aufbau.

       Nun möchte ich Ihre Fragen beantworten.

       1.) Die verschiedenen Yogasysteme sind teilweise in europäische Sprachen übersetzt worden. Die besten Arbeiten sind jene von Patanjali, Vivekananda und Avalon. Zusätzlich zu diesen wäre es für Ärzte ratsam, mit dem kürzlich erschienenen kleinen Buch eines indischen Doktors der Medizin bekanntzuwerden. Wir wollen versuchen, es für Sie zu beschaffen. Doch Agni Yoga ist die Synthese aller Yogasysteme.

       2.) Moschus ist ein Ablagerungsprodukt der Substanz unbewusster psychischer Energie, über die in den Agni Yoga-Büchern so viel gesagt ist. Moschus hat mit Narkotika, die den Intellekt töten, nichts gemein. Er ist kein reguläres Anregungsmittel im vollen Sinn des Wortes. Er stellt das Gleichgewicht im Nervensystem her; er reguliert das sympathische Nervensystem, das bei einem vorgeschrittenen Yogi sehr stark vibriert. Es ist wahr, dass bei Anwendung von Moschus das Nahrungsbedürfnis nachlässt, weil psychische Energie durch Stärkung des Nervensystems auch den physischen Körper nährt. Dosis: Eine mittelgroße oder kleine Pille einmal täglich. Manche nehmen jedoch gleich zwei Pillen, was eine beachtlich starke Dosis darstellt. Es ist schwer, einen Ersatzstoff für Moschus zu finden. Das Nächstliegende ist Castoreum und das von Dr. Pell erwähnte Spermin. ”Ablagerung des unbewussten Feuers” ist ebenfalls eine Erklärung der Substanz, psychische Energie; daher kann Moschus auch als ein solches Feuer betrachtet werden. ”Phosphor des Geistes” ist eine andere Benennung für dieselbe psychische Energie. Und Sie wissen bereits, dass psychische Energie die höchste, durchdringendste und die höchst umwandelnde Energie ist, die vor allen Krankheiten schützt und vor vielen anderen Dingen. Natürlich, sie wirkt in einer wundersamen Weise nur, wenn sie bewusst beherrscht oder wenigstens erkannt wird. Doch auch die unbewusste Ablagerung dieser Substanz ist sehr kostbar.

       3.) Baldrian fällt in die Kategorie der Lebensspender, und seine Bedeutung kommt der des Blutes im Körper gleich. Okkult wird Baldrian als das Blut des Pflanzenreiches betrachtet. Man sollte ihn täglich, beständig, ohne Unterbrechung einnehmen und ihn wie die tägliche Nahrung betrachten. Er kann als Tinktur angesetzt in Alkohol verwendet werden, doch natürlich ohne Beimischungen wie Äther. Dosis: 10 bis zu 25 oder 30 Tropfen. Doch am besten ist Baldriantee, (ein Aufguss aus Baldrianwurzeln), ein- oder zweimal täglich zu trinken.

       Im allgemeinen denken Sie daran, dass Narkotika für die Anhänger des Agni Yoga nicht zu empfehlen sind. Auch Rauchen ist schädlich sowie der übermäßige Genuss von Alkohol. Fleisch ist ebenfalls schädlich, weil es den Körper mit zersetzenden Teilchen anfüllt. Gewiss, als Arzt wissen Sie, wie konsequent man seine Gewohnheiten ablegen sollte, um schädliche Wirkungen zu verhüten. Doch gibt es viele Menschen, welche dies allmählich umsetzen könnten? Trinkern und Rauchern ist Agni Yoga jedoch unzugänglich.

       4.) Zedernharz oder andere Harze und Teere, z. B. Eukalyptus, sind die Produkte der psychischen Energie der Bäume, und daher sind sie besonders bekömmlich zur Stärkung, Reinigung und Heilung etc. Von diesen Eigenschaften wissend, sollte jeder versuchen, sie in bestmöglicher Weise anzuwenden. Das beste Harz liefern die sibirischen Zedern.

       Gereinigte Harze oder ihre Öle können auch innerlich angewendet werden. Dosis: 5 Tropfen oder mehr. Alles ist sehr individuell. Vielleicht wird Ihre Intuition Ihnen helfen, die erfolgreichste Zusammensetzung zu finden.

       Die Ausstrahlungen von Nadelbäumen sind natürlich unersetzlich. Nadelbäume speichern wie elektrische Apparate Lebenskräfte, einen konzentrierten Vorrat an Prana oder Naturovaloris. Die Druiden betrachteten einen Kelch mit Koniferenessenz als einen Lebenskelch.

       Es ist immer wohltuend, in Räumen kleine Nadelbäume zu haben oder Koniferenessenz zu versprühen. Auf diese Weise wird die Atmosphäre gereinigt und die unerwünschten Wesenheiten, welche die menschlichen Ausstrahlungen so zahlreich umgeben, werden davongetrieben.

       Pfefferminzessenz ist für diesen Zweck ebenso gut – entweder in der Luft versprüht oder heißem Wasser zum Verdampfen beigefügt. Eine Schale solchen Wassers sollte neben der Schlafstelle aufgestellt werden. In allen von Ihnen erwähnten Fällen wäre dies nützlich.

       5.) Pfefferminze- oder Mentholpräparate sind vor allem für Lokalanästhesie unersetzlich wie auch für Erleichterungen bei Entzündungsprozessen, die bei den Yoga-Anfängern oft auftreten. Die meisten Schmerzen des Yogi rühren von Entzündungen der Nervenzentren und Drüsen her, weil die Nervenkanäle mit den Drüsen eng verbunden sind. Daher ist der allgemein bekannte ”Migränestift” sehr nützlich sowie auch die Verwendung von Baume Bengúe, das sehr viel Menthol enthält. Dies wurde durch persönliche Erfahrung erprobt.

       6.) Es ist ratsam, den Scheitel vor direkter Sonnenbestrahlung zu schützen. Deshalb raffen die Yogis ihr Haar in einem Knoten am Scheitel des Hauptes zusammen. Außer Hitze enthalten Sonnenstrahlen einen bestimmten ”Chemismus”, der in Zeiten der Vermehrung der Sonnenflecken schädlich sein kann. Im allgemeinen sollte man bei Zentrenöffnung Sonnenbestrahlung meiden. Ausgedehnte Körperübungen wie Leistungssportarten sind ebenfalls schädlich.

       7.) Das ”Dritte Auge” hat sicherlich seinen physischen Nährboden im Zentrum des Nervensystems. Wenden Sie strenge Aufmerksamkeit den beiden Gehirndrüsen – Hypophyse und Zirbeldrüse – zu. Die Molekularbewegungen der Hypophysendrüse entwickeln psychisches Sehen, doch für geistige Sicht – höchste Sicht – sollte sich auch die Zirbeldrüse bewegen. Wenn das Rotieren und die Emanation dieser beiden Drüsen sich vereinen, erzielt dies die höchsten Ergebnisse.

       Ich möchte Ihnen auch raten, den Nervenzentren größte Aufmerksamkeit zu schenken, da diese oft nicht bewusst erkannt werden, und nur teilweise geöffnet zeigen sie oft Symptome von Tuberkulose, Asthma, Rheumatismus und anderen Krankheiten. Eines der wichtigsten Zentren im Prozess des Yoga ist das Zentrum des Solarplexus, doch wird ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt. Es erzeugt viele schmerzhafte Empfindungen bei der Entwicklung im Yoga-Prozess.

       Ich befürchte, Sie werden mit meinen kurzen Erklärungen nicht ganz zufrieden sein, doch es ist notwendig, eine individuelle Intuition und Initiative zu entfalten, da es ohne diese Eigenschaften keinen wahren Fortschritt geben kann. Wie Sie feststellen sollen, verlangt Agni Yoga vor allem eine geistige Entwicklung. Ohne diese sind alle Anweisungen und sekundären Maßnahmen nutzlos. Daher wünsche ich Ihnen aus tiefstem Herzen, dass Sie nicht nur auf physischer Ebene, sondern vor allem auf geistiger Erfolg haben mögen. Sie werden auch in letzterem Fall Hilfe erhalten, selbst wenn Sie dies nicht sofort zu erkennen vermögen.

       Vermeiden Sie jede Magie und Pseudookkultismus! Ohne eine gründliche Entwicklung und Erweiterung des Bewusstseins könnten die ganzen weitverbreiteten Suggestionen für das Austreten aus dem Astrosom sowie Verkörperungen, Beschwörungen und andere Manifestationen schädlich sein.

       Beginnen Sie vor allem mit Ihrer geistigen Entwicklung sowie ganz unvoreingenommen mit wirklich wissenschaftlichen Forschungen. Das Übrige wird ganz natürlich folgen. Was halten Sie von der Heilung mit Farbstrahlen?

       Zum Schluss möchte ich Sie daran erinnern, dass die Neue Ära unausweichlich ist. Feurige Energien in ihrer größten Anspannung nähern sich der Erde, und wenn sie nicht aufgenommen, erkannt und assimiliert werden, verursachen sie schreckliche Erdbeben und andere kosmische Störungen sowie Revolutionen, Kriege und neue Epidemien. Wir befinden uns jetzt genau am Beginn der Neuen Zeit, einer Neuen Rasse, und daher möge unsere Zeit mit jener von Atlantis verglichen werden, dessen Existenz unseren Wissenschaftlern immer mehr und mehr verdeutlicht wird.

       Beachten Sie alle ungewöhnlichen und zerstörenden Zeichen in allen Lebensbereichen, und viele Dinge werden Ihnen klarer erscheinen. Sie werden sehen, wo die Funken der Neuen Ära sind, des Zeitalters geistigen Wissens und der Zusammenarbeit der Menschen im Zeichen der Kultur. Die Erkenntnis des Kommens dieser großen Zeit sollte die Kraft jeder feinfühligen Person verstärken und sie freudvoll hinlenken zur aufbauenden Arbeit für das Allgemeinwohl unter dem Banner, das wir das ”Banner des Friedens und der Kultur” nennen.

26. Dezember 1931

       Ihr Programm über die erzieherische Tätigkeit ist wirklich vortrefflich. Alles, was Sie aufzeigen, ist sehr wichtig, und wenn es in der verfeinerten Vorstellung des Herzens angewendet wird, wird es wunderbare Ergebnisse zeitigen. Wir nehmen natürlich an, dass die vorgeschlagenen Kuratoren (nicht nur Männer, sondern auch Frauen) keine formellen Beamten sind, sondern wirklich geistig fortgeschrittene und erfahrene Berater in Fragen der Erziehung.

       Darüber hinaus sollte die Idee des Pazifismus nicht als etwas Passives und daher Negatives angesehen werden, sondern als reines, aktives Friedensschaffen. So ist es allgemein ratsam, den eher spezifischen Ausdruck ”Pazifismus” durch das schöne Wort ” Friedensaufbau” zu ersetzen.

       Bestimmte Information über die Legenden können Sie dem Essay von N. K. ”Die Seele der Völker” entnehmen. Natürlich hat jedes Land seine Epen, und seine Menschen haben ihre eigenen, ihnen teure Helden. Deshalb sollte man die Vorstellungen der jungen Generation nicht beschränken und den jungen Menschen die Möglichkeit bieten, bekanntzuwerden mit dem, was ihre Herzen für das Heldentum und für das Gute entflammt. Doch es ist einerlei, in welchem Lande bestimmte heroische Taten vollbracht werden! Wenn Sie die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK studieren, werden Sie viele wertvolle Gedanken zu allen Problemen finden, da diese an verschiedenen Stellen ausführlich erörtert wurden.

       Wahrlich, Ihr Land sollte die jetzt verwirklichte Idee der ”Schwestern des Goldenen Berges” begrüßen. Sind die von Ihnen erwähnten Krankenschwestern nicht wahre Vertreter des Allgemeinwohls und einer Neuen Ära? Es ist ausgezeichnet, dass Sie eine kleine Gruppe – eine geistige Gemeinschaft haben, die sich in geistiger Disziplin übt und in der alle einander helfen, gute Taten zu vollbringen und das Ideal der Freude – als eine besondere Weisheit – zu verwirklichen.

       Sie wissen, wie wichtig es ist, Initiative zu entwickeln und jede gute Möglichkeit zu fördern; denn für jene, die der Unbegrenztheit gegenüberstehen, ist nichts unmöglich, ungeachtet dessen, wie schwer das tägliche Leben auch sein mag. Es ist richtig, dass Sie über die kommende Generation nachdenken, denn nur für die Zukunft hüten wir die Gebote der Vergangenheit. Und im Namen dieser leuchtenden Gebote, die jedes Herz öffnen und unsere Hoffnungen verwirklichen werden, senden wir Ihnen unsere Grüße. Nur die erhabenste und verfeinerte Kultur wird all die unnötigen und zerstörenden Merkmale besiegen und jene Armee des Geistes schaffen, die, in aktivem Friedensaufbau, die leuchtende Zukunft der Menschheit schaffen wird.

 

1932

15. Januar 1932

       Noch einmal möchte ich Ihnen sagen, wie glücklich ich war, über Ihr Programm zu erfahren. Wenn ich daran denke, dass unter den Mitgliedern Land- und Stadtlehrer sind, die ein Drittel ihres Gehaltes aufwenden, um zu Ihren Versammlungen zu fahren, fühle ich mich sehr gerührt. Wieder einmal ist bewiesen, dass die besten Gedanken und Taten nicht inmitten von Überfluss und Luxus geboren werden.

       Es ist vollkommen richtig, dass Sie der Literatur für Kinder und Jugendliche so viel Aufmerksamkeit schenken. Dies ist ein sehr wichtiges Problem, da nicht nur in der Kindheit, sondern auch für die spätere Geistigkeit einer Person sehr viel von den ersten und daher stärksten Eindrücken abhängt. Oft konnte ein gutes Buch die Folgen einer unvollkommenen Umgebung in der Familie wieder gutmachen! Bestimmt, es gibt viele wertvolle Bücher des Schrifttums der Vergangenheit. Man muss nur richtig wählen und alles verwerfen, was schädlich ist.

       Beinahe jeder weiß, dass sowohl das materielle als auch das geistige Wohl ganzer Länder von den in das Bewusstsein der Kinder gelegten Fundamenten abhängt. Nichtsdestotrotz wird in dieser Richtung fast nichts getan. Ich stimme Ihnen zu, dass Bücher, die von heroischen Taten handeln, sehr wichtig sind; solche Bücher können die Mentalität eines Kindes beeinflussen und werden vor den schrecklichen Übeln von heute, wie oberflächlichem Verhalten gegenüber heiligen Begriffen und minderwertiger Qualität des Denkens, bewahren. Solange dies nicht erkannt wird, wird der ganze Aufbau des Lebens auf Sand errichtet, und er wird mit der ersten Erschütterung zerfallen und zusammenstürzen.

       Lehrt die Kinder, die Bedeutung jedes Gedankens sowie jeder Tat zu verstehen, genauso jede Offenbarung der Natur, die auf unfehlbaren Gesetzen beruht. Sagt ihnen, dass die Verletzung dieser Gesetze schwere Folgen nach sich zieht. Weist darauf hin, dass die Lebens- und Schaffenskraft sowohl der Menschen als auch anderer Kreaturen des Naturreiches von der unsichtbaren Welt und den unsichtbaren Schwingungen der großen geistigen Weisen der Vergangenheit und Gegenwart abhängt. Kinder sind bereit, das Unsichtbare als Wirklichkeit anzunehmen, weil ihre Gemüter noch nicht durch zerstörenden Zweifel verdorben sind. Darüber hinaus gibt es heute sehr viele Experimente mit Strahlen, die den feinstofflichen Einfluss des Unsichtbaren beweisen. Auch Beispiele wie photographische Negative werden für das kindliche Gemüt sehr überzeugend sein. Die kompliziertesten Szenen können auf einem Negativ festgehalten werden, sie sind jedoch erst durch das Entwickeln mit chemischen Präparaten wieder sichtbar. Gleicherweise hält ein empfindlicher Film ferne Sterne fest, die mit dem stärksten Teleskop nicht wahrgenommen werden können. Und ebenso bewahrheiten sich wissenschaftliche Berichte anderer Manifestationen, die für das physische Auge unsichtbar sind. Es ist notwendig, das kindliche Gemüt von dem Bestehen der uns umgebenden feinstofflichen Sphären nachhaltig zu beeindrucken und die Angst vor dem Tod und der Berührung mit der feinstofflichen Welt auszumerzen. Die feinstoffliche Welt ist genauso selbstverständlich wie unser irdisches Leben; und wird die Sublimation der irdischen Welt erkannt, erschließt sie uns unaussprechliche Schönheit. Daher muss den Kindern die Angst vor dem Tod genommen werden, denn sie ist eine Illusion – genauso die Angst vor den sogenannten Geistern. Gewöhnlich fürchten sich Kinder, da sie ein offenes psychisches Sehen auszeichnet, nicht vor dem, was sie sehen, solange die Erwachsenen sie nicht durch ihr spöttelndes Verhalten und mit ihren Geistergeschichten und ”jener tödlichen Grabeskälte” beeinflussen. Diese ”tödliche Kälte” ist nichts anderes als eine einfache chemische Reaktion der Berührung des Feinen mit dem Groben (Gruseln!).

       Ich bin froh, dass Sie bestimmte Wahrnehmungen der Feinstofflichen Welt haben. Ihre Schilderungen scheinen richtig zu sein, denn der Seher – nach seinem eigenen Geist urteilend – weiß es besser. Die Symbole sind sehr individuell und entsprechen dem Bewusstsein des einzelnen. Sehr oft haben dieselben Symbole für jeden eine andere Bedeutung. Lauschen Sie der Stimme Ihres Herzens und Sie werden nicht irren!

24. November 1932

       Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Ihr Lebensbericht rührt mich sehr, denn alle Ihre Hilfeleistungen sind mir besonders teuer. Welche Arbeit kann höher sein als das Heilen von physischer und geistiger Unordnung? Und besonders in dieser fürchterlichen Zeit der Uneinigkeit und der drohenden Zeichen neuer, unbekannter Epidemien. Ich bin sicher, dass Sie eine geistige Annäherung in der Behandlung der Krankheiten des Körpers finden werden, und wünsche Ihnen für Ihre Aufgaben viel Erfolg.

       Ich begrüße die Idee unseres teuren Felix Denissowitsch [Lukin], Sie mit einer so wichtigen und verantwortungsvollen Aufgabe zu betrauen, viele verstreute kleine kulturelle Gesellschaften zusammenzubringen und sie unter der Liga des Banners des Lichts zu vereinen. Natürlich stimme ich mit meinem ganzen Herzen Ihrer Idee betreffs der Liga der Kultur zu. Die Kuppel der Kultur ist allumfassend; die Liga der Kultur ist wie ein großer Tempel, in dem jeder, der sich vervollkommnen und der Menschheit dienen will, Platz findet. Jeder, der mit Recht nach Vervollkommnung strebt, sei es in der Wissenschaft, in der Kunst oder auf anderem Gebiet, steuert einen Stein bei zum Aufbau der großen künftigen Liga der Kultur. Mögen alle diese Baumeister sich sammeln, und möge es in ihrer Arbeit weder Grenzen noch Beschränkungen geben! Wer immer sein Bestes geben will, wer immer an seinen Mitmenschen denkt, dem gebührt ein Platz in diesem Tempel. Es ist sehr wünschenswert, Gruppen von kulturell Schaffenden zusammenzuschließen, und es wäre ausgezeichnet, wenn verschiedene Nationalitäten sich zusammenfänden. Alle Gesellschaften sollten ihren ursprünglichen Namen beibehalten und nur den kleinen Zusatz ”Kulturliga” beifügen. Wenn dies aus irgendwelchen Gründen nicht erwünscht ist, möge man einfach auf die Angliederung zur Liga hinweisen.

       Auf diese Weise würden alle Individualitäten verschiedener Organisationen Mitglieder der Welt-Kulturliga.

       Jetzt möchte ich die verschiedenen Gesellschaften erwähnen, die für Angliederung an die Kulturliga in Betracht kommen:

       Erstens – die Friedensgesellschaften; zweitens – Gesellschaften für geistige Entwicklung, die sich mit dem Studium der Religion und Philosophie befassen; drittens – Vertreter der Wissenschaften; viertens – Künstler; fünftens – Organisationen für Mutterschaft und Erziehung; sechstens – für Handwerk und Arbeit; siebentes – für Zusammenarbeit und Industrie; achtens – für Sicherheit; neuntens – für Landwirtschaft und Baukunst; zehntens – Organisationen für Gesundheitswesen und Schutz.

       Es ist leichter zu streichen als hinzuzufügen, deshalb dieses weite Ausmaß für Sie. Schreiten Sie voran mit Ihrem großen Programm und lassen Sie sich durch kleine Unstimmigkeiten nicht entmutigen. Die Fähigkeit, sich zu fügen, ist absolut erforderlich, besonders am Anfang. Üben Sie daher Geduld und Toleranz. Mit Toleranz, Freundlichkeit und Geduld kann man die hartnäckigsten Gegner zur Einsicht bringen. Ich genehmige Ihnen auch Ihre ”Tasse Tee” – mäßige, reine Nahrung wird nie ein Hindernis sein, und wie Sie sagen, kann sie zu einer gewissen Vertrautheit beitragen.

       Sie erkennen natürlich, dass jeder Beginn seinen Brennpunkt der Vereinigung haben muss, und gesegnet sind jene, die dies verstehen und annehmen, da dies ihre eigene Position stärkt. Es ist sehr wichtig, die Errungenschaften zu verstärken, also viel Glück für Sie! Beginnen Sie zu vereinen, dabei im weitesten Maße den Grundsatz der Toleranz anwendend, den Kanon ”Mit Deinem Gott”. Doch hüten Sie sich vor Verrätern, denn die Verseuchung durch sie ist groß. Es ist unsere Pflicht, alles zu schützen, was uns im Vertrauen unter der Kuppel des Tempels der Kultur vereint! Schwäche und Nichtwidersetzung gegen das Böse gelten für uns nicht! Wenn nötig, erheben wir das Schwert der Empörung des Geistes und verteidigen das uns Anvertraute.

       Sie sind mit einer großen Aufgabe betraut worden. Lassen Sie uns aufrichtig zusammenarbeiten in dieser schweren, aber freudvollen Aufgabe! Leuchtend ist die Zukunft! Freudvoll ist Arbeit im Namen der Schönheit!

 

1933

1933

       Ich beeile mich, Ihre Fragen über Besessenheit zu beantworten. Alle Ihre Fragen bestehen zu Recht. Man sollte wissen, dass es eine große Zahl dieser Fälle gibt. Es gibt viele Arten und Grade von Besessenheit, und die Besitzergreifer selbst können verschiedene Absichten haben.

       Wir kannten zum Beispiel eine fromme alte Dame, die von ihrem Urgroßvater – einem Bischof – besessen war. Es gab nichts Schlechtes in ihr. Sie war eine wohltätig Schaffende und predigte die Ideen ihres Urgroßvaters, des Bischofs, der scheinbar Zeit seines Lebens seine Aufgabe nicht erfüllte. Nichtsdestoweniger sind solche Fälle sehr traurig, da eine besessene Person immer allmählich ihren eigenen Willen verliert und ein Opfer des Besitzergreifers wird. Das ganze Leben eines solchen Opfers wird ohne wahre Errungenschaften und Aufspeicherungen verbracht. Die Menschen fürchten sich so sehr, ihre Individualität und Willensfreiheit zu verlieren. Gleichzeitig aber besitzen die meisten von denen, die sich ihrer ”Individualität” (im wahrsten Sinne des Wortes) so bewusst sind, keine; sie sind, viel öfter als gewöhnliche Leute, besessen. Die meisten Menschen glauben, dass Individualität, streng ausgedrückt, Ichsucht sei. Es wäre sehr interessant, eine Anzahl von Leuten zu fragen, was sie unter Individualität verstehen. Die Antworten würden wohl sehr seltsam ausfallen!

       Seien Sie bitte wegen der langsamen Entwicklung in bezug auf die Liga der Kultur und der Frauenvereinigung nicht enttäuscht. Nichts sollte erzwungen werden. Es ist gut, wenn sich vorerst eine ganz kleine Gruppe bildet. Prüfen Sie sehr sorgfältig die Neuankommenden. Es ist eine große Kunst, die Leute entsprechend ihrem Bewusstsein anzusprechen, um ihnen nicht mehr und auch nicht weniger zu geben, als sie im Augenblick erfassen können.

       Wissend, dass Verleumdung und üble Nachrede fast immer aus Neid entstehen, sollten Sie sehr ruhig bleiben, doch Sie sollten versuchen, die Ursache herauszufinden. Den Feind zu kennen, ist fast der halbe Sieg. Sie müssen auch immer daran denken, dass ein wahrer Individualist nie auf Schmähungen hören wird. Er wird weder eine Person deswegen verurteilen noch andere in ein schlechtes Licht bringen.

       Es wäre zu wünschen, dass die Mitglieder der Frauenvereinigung ihr Werk mit den Aufgaben der Selbstvervollkommnung und Selbsterziehung beginnen würden und versuchten, dies mit vereinten Anstrengungen im Leben anzuwenden. In der kommenden Ära der Mutter der Welt wird eine große Anzahl kultivierter Frauen in verschiedenen Wissensgebieten benötigt, so z. B. auf dem Gebiet der Kunst, des Handwerks etc. Jede Frau sollte auch eine geübte Krankenschwester sein oder wenigstens die Grundlagen der Hygiene und Medizin kennen. Und wäre es nicht wunderbar, wenn sie geistiges Heilen lernten?

       Wozu sich in Gruppen und Gesellschaften sammeln, wenn der Wunsch für Selbstvervollkommnung und bereitwillige Hilfe anderen Genossen gegenüber nicht vorhanden ist? Man trifft sich doch nicht zu nichtigen Plaudereien und herkömmlichen Gesellschaftsabenden! Alle Neuankommenden sollten die bedrohliche Zeit erkennen und ihr völlig vorbereitet begegnen. Es ist notwendig, das Bewusstsein zu erweitern, die Ereignisse zu beachten und zu erkennen, wie ungewöhnlich die Zeit ist. Deshalb denke ich, dass sich Gruppen bilden sollten, in denen man mit den Grundlagen der LEBENDIGEN ETHIK bereits vertraut ist. Und vor allem locken Sie niemanden an! Auf solche Art herbeigezogene Menschen werden nicht von Nutzen sein. Wie immer und in allem ist Qualität und nicht Quantität wichtig.

       Man könnte viele Aktivitäten vorschlagen, doch wenn sie vom Bewusstsein der Mitglieder nicht erkannt werden, kann daraus nichts werden. Es ist wichtig, dass die Mitglieder selbstständiges Denken entwickeln, um erfolgreich zu sein. Wir sehen es jeden Tag. Wir sehen, wie lange es dauert, bevor selbst fortgeschrittene Schüler die gegebene Lehre begreifen. Sie stärkt unsere Gedanken, die natürlich von der Liebenden Hand schon eine Zeitlang geführt wurden, ohne zwingenden Prozess der Aufspeicherung.

       Seien Sie daher durch den langsamen Fortschritt nicht enttäuscht. Es wird die Zeit kommen, wo Ihre Arche nicht groß genug sein wird, um alle jene zu fassen, die Rettung suchen. Die Zahl der Unreinen wird größer sein als jene der Reinen, und Sie, der Noah von heute, werden sich in einer sehr schwierigen Lage befinden! Ihre Tätigkeit ist sehr wertvoll und wir schätzen sie sehr. Es wäre wünschenswert, mehrere solcher Mitarbeiter zu haben!

27. Januar 1933

       Herzlichen Dank für Ihren Brief, in dem Sie sehr angenehme Bestrebungen zum Ausdruck bringen. Ich will versuchen, alle Punkte zu beantworten.

       1.) Ihre Meinung, dass die ”Kulturliga” von starken Persönlichkeiten bekämpft werden könnte, kann sich nur auf die ganz Unwissenden beziehen, welche die bedeutende Idee einer Kulturliga nicht erkennen. Jedoch, wenn Sie erklären, dass der Zweck der Liga die Verfeinerung des Bewusstseins durch wahre geistige Erleuchtung ist und daher echte Individualität nicht zerstören kann, wird wohl kaum jemand an Bekämpfung denken – das sind unwissende Vorstellungen. Verfeinerung des Denkens ist in der Tat ohne ausgeprägte Individualität nicht möglich. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Menschen Individualität immer mit Ichsucht verwechseln. Letztere schließt Zusammenarbeit aus und ist daher unsozial.

       Es ist sehr wichtig, zwischen diesen großen entgegengesetzten Begriffen: Selbstsucht und Individualität – unterscheiden zu lernen. Selbstsucht ist die schrecklichste Geißel der Menschheit, die Quelle der Zerstörung und vor allem der Selbstzerstörung. Selbstsucht ist tödlicher Separatismus. Die alte Wahrheit, dass der Kosmos und seine Menschheit ein wesentliches Ganzes bilden, wird wirklich wenig erkannt, doch sie sollte in das Bewusstsein der Menschen eingehen. Was würde geschehen, wenn jemand versuchte, ein Körperglied vom ganzen Organismus zu trennen! Individualität ist ein lebenserhaltendes Gefäß. Individualität ist Schönheit, ist die Krone des Menschen, die Synthese aller seiner Aufspeicherungen. Doch wie kann er aufspeichern, wenn er sich von allen anderen Lebenserhaltern absondert? Individualität ist wie von der Biene ”Mensch” von besten Blumen verschiedener Wiesen gesammelter Honig. Doch wie kann eine Person Honig sammeln, die sich selbst in die Finsternis der Selbstsucht sperrt?

       Der Gedanke an die Kulturliga ist mehr als zeitgemäß. Es gibt auf der einen Seite ungeheure tödliche Erscheinungen von Selbstsucht, auf der anderen nicht minder schrecklichen groben Materialismus, der das schöpferische Feuer des Geistes hemmt, der entpersönlicht und durch Herabsetzung des Menschen bis zur Nichtigkeit nivelliert. Die Kulturliga sollte Erziehungsprobleme im Licht der neuen Geistigkeit beleuchten. So würde die heranwachsende Generation eine neue Auffassung über Erziehung erhalten und die wahren Werte des menschlichen Geistes schätzen lernen, die in vielen Fällen vollkommen verlorengegangen sind. Und so mögen kleine Gruppen der Kulturliga gebildet werden. Mit der Zeit werden sie sich entwickeln, doch diese Gruppen mögen die ungeheure Bedeutung ihrer Aufgabe erkennen. Bedrohlich und hartherzig ist unsere Zeit, und die erkennenden Persönlichkeiten jedes Landes sollten alle geistigen Mittel aufwenden, um sich dem Aberglauben zu widersetzen. Zweifellos sucht jeder einen Ausweg aus dieser Verwirrung, doch die Mehrheit rennt mechanischen Lösungen nach, vergessend, dass die wahre Änderung nur durch Bewusstseinserweiterung und Annahme der geistigen Führerschaft erreicht werden kann. Es ist gesagt, dass die Lebensprobleme nur durch Bewusstseinserweiterung gelöst werden können. Man kann sehen, wie mechanische Hypothesen die Hoffnungen der Menschen irreführen. Es ist das, was die Alten ”Maja” nannten – eben das, was durch den seichtesten Schlag zerstört werden kann.

       2.) Sie schreiben, dass die Mitglieder Ihrer Gruppe sich sehr voneinander unterscheiden. Doch darüber sollten Sie weder besorgt sein noch sollten Sie zu streng urteilen. Jeder hat seine eigene Art der Annäherung. Wieder möchte ich Worte aus der Lehre zitieren: ”Manche wählen das Leichteste, andere ziehen das Schwerste vor. Manche können nicht sprechen, doch sie sind sehr scharfsichtig. Andere sind mit Worten beschenkt und fliegen ihnen nach. Einige erkennen das Bedeutsame, doch es gibt andere, die es vorziehen, im Hintergrund zu bleiben. Endlos können Wir diese Unterschiede aufzählen, doch nur das Feuer des Herzens wird die Person rechtfertigen. So werden Wir nie müde, über die Verschiedenartigkeit zu sprechen. Der Gärtner weiß, wie er seine Pflanzen einsetzen muss, sonst wäre er nicht der Meister des Gartens.”

       Beachten Sie die Worte: ”Nur das Feuer des Herzens wird die Person rechtfertigen”. Deshalb sollte besondere Sorgfalt denjenigen zugewendet werden, bei denen die Feuer der Hingabe entflammt sind. Es ist nicht schädlich, wenn sie anfangs ein wenig fanatisch sind. Wenn die Schüler die Lehre des Lebens besser begreifen, wird sich ihr Bewusstsein weiten; durch wahre Hingabe, welche wirklich eine Sublimation des Fanatismus ist, werden sie entflammt werden. Kostbar sind die entflammten Feuer! Die Schüler haben ganz recht in ihrem Wunsch, anderen Lesestoff beiseitezulegen und sich nur auf die Bücher der Lehre zu konzentrieren, um ihr Denken nicht zu zersplittern. Für den ernsten Studierenden, der ein Schüler der Hohen Hierarchie und nicht nur ein Hörer bleiben will, ist eine solche völlige Versenkung auf den ersten Stufen der Hingabe sehr wesentlich; sie sollte solange fortgesetzt werden, bis völlige Erkenntnis erlangt wird. Wie kann ein Schüler sonst die Vereinigung mit dem Bewusstsein seines Lehrers erreichen? Wie kann er sonst den silbernen Faden weben, der ihn mit seinem Lehrer vereint? Wie Sie bereits wissen, erschließt nur diese Vereinigung mit dem Lehrer alle Möglichkeiten. Und diese Vereinigung wird durch hartnäckigste Anstrengungen und unermüdliches Streben zu dem Einen Brennpunkt gebildet. Auch eine zarte Pflanze wird eingezäunt, damit sie keinen Schaden erleidet.

       Jene, welche die Worte der Lehre auswendig lernen, haben nicht unrecht. Auch in der Schule lernen die Schüler den Stoff auswendig, um ihr Gedächtnis zu stärken. So kann auch die Lehre, wenn das Bewusstsein entflammt ist, durch kurze feste Formeln gefestigt werden. Für manche ist es leichter, durch Auswendiglernen des Originals den Sinn zu erfassen. Hindert niemanden daran, den Pfad seines Karma zu beschreiten! ”Wenn in einer Person die eigenen Feuer entflammt sind, ist es besser, nicht zu zwingen!” – so spricht die Lehre.

       Sie haben daher recht, wenn Sie diese Feuer der Hingabe nicht ersticken; mögen sie brennen. Ihr Brennen ist bereits eine Reinigung der umgebenden Atmosphäre. Und wer weiß, wie viele andere kleine Feuer sie entzünden können, ohne es zu wissen! Stark ist die Macht der Feuer des Herzens, obgleich sie unsichtbar sind.

       Im Osten versichern einem die Leute, dass die Anwesenheit eines Bhakti Yogi den Raum im Umkreis von vielen Meilen so stark reinigt und heiligt, dass die umliegenden Dörfer geistig erhoben werden. So wollen wir jede Erscheinung der selbstlosen Liebe schätzen.

       3.) Nun zu Ihrer Frage, wie man die rechte Information über die Ereignisse erlangt. Ich will mit den Worten der Lehre antworten: ”Der Guru kann seine Schüler fragen ‚Was machst Du‘… ‚Was wünschst Du Dir‘… ‚Was quält Dich‘… ‚Was erfreut Dich‘? Diese Fragen besagen nicht, dass der Guru die Zustände des Schülers nicht kennt. Im Gegenteil, mit vollem Wissen will der Guru erfahren, was der Schüler selbst als das Wichtigste betrachtet. Aus Mangel an Erfahrung mag der Schüler auf den unbedeutendsten aller Umstände hinweisen. Daher fragt der Lehrer nicht nur aus Höflichkeit, sondern als Bewusstseinsprüfung für den Schüler. Deshalb sollte man die Antworten an den Lehrer sorgfältig abwägen. Nicht die sogenannten Annehmlichkeiten sind von Bedeutung, sondern für den Lehrer ist die ständige Bewusstseinsentwicklung wichtig.”

       „Der Schüler muss auch an die Teilbarkeit des Geistes denken. Er muss sein Bewusstsein so lenken, dass er im Geist die Anwesenheit des Lehrers erkennt.” (Feurige Welt I, 346)

       Sie sollten in der Lehre über die Teilbarkeit des Geistes lesen. Alles, so auch die Teilbarkeit des Geistes, hat verschiedene Grade, doch bei Entwicklung erreicht sie manchmal einen kosmischen Maßstab, und dann ist ihre Nutzung wirklich vielfältig. Nicht immer ist es möglich, im physischen Gehirn alle Eindrücke im Detail festzuhalten, da in der verunreinigten Atmosphäre das Herz dies nicht aushalten könnte. Nichtsdestoweniger können die Ereignisse heftig gefühlt werden. N. K. und ich wissen zum Beispiel immer über die akuten Augenblicke im Leben unserer Mitarbeiter Bescheid. Manchmal ist dieses Wissen so greifbar, ein andermal sind es bestimmte schmerzliche Gefühle, die mit den bestimmten Ereignissen zeitlich ganz genau übereinstimmen. Ebenso oft fühlen wir dann, als würde unsere psychische Energie sich entfernen. Oft nehmen wir ganz weit voraus die Ergebnisse wahr. Wir sind oft so stark in Anspruch genommen, dass wir sogar Schwindelgefühle und eine flüchtige Abwesenheit verspüren. Dann wissen wir mit Bestimmtheit, dass unsere Energie wo anders gebraucht wurde. Vielfältig sind die Erscheinungen der Teilbarkeit des Geistes!

       Im Leben des Schülers gibt es viele Geheimnisse. Wahre Schülerschaft verfeinert alle Gefühle eines Schülers. Wahrlich, er wird zur goldenen Harfe unter der Hand des Lehrers. So viel Freude verleiht die Vereinigung im Bewusstsein. Wir haben viele ständige Beweise einer solchen Vereinigung mit unseren alten Mitarbeitern. Oft hören wir ihre Stimmen und kennen ihre Schwierigkeiten. Wir sehen auch das Bild ihres Geistes. Immer geben unsere Briefe auf ihre Nöte Antwort, obgleich sie wissen, welche Entfernung uns trennt.

       Wir sind von vielen Wundern umgeben; wir müssen sie nur wahrnehmen. Wahrlich, wundervoll ist das Leben eines Schülers. Doch es ist nicht leicht, denn er trägt eine ungeheure Verantwortung, und es gibt so viele Schwierigkeiten, besonders in den Tagen des Harmagedons, wenn alle Finsteren versuchen, ihn anzugreifen. Doch mit der Bewusstseinsentwicklung verwandeln sich diese Schwierigkeiten in Freude, weil das Herz, erfüllt von Ergebenheit zum Lehrer, durch Bewältigung dieser Hindernisse seine Hingabe erproben will. Selbstaufopferung wird so natürlich, so voller Freude. Der ganze Geist ist bereits von irdischen Dingen so gelöst und erkennt, wo seine wahre Heimat ist. Das einzige, was übrigbleibt, ist der Wunsch, die Aufgabe so gut wie möglich zu erfüllen, um das Vertrauen des Lehrers zu rechtfertigen, ohne Sorge um die Ergebnisse. Im Osten sagt man: ”Wir müssen arbeiten, ohne die Ergebnisse zu kennen.” Ich verstehe es in der Art, dass wir es lernen müssen, unsere Arbeit so gut wie möglich zu verrichten, und zwar aus Liebe und nicht um des Lohnes willen. Nur dann wird unsere Arbeit schön sein. Der Schlüssel zu allen Errungenschaften liegt in solch selbstloser Liebe für jede von uns verrichtete Arbeit.

       4.) Nun zu Ihrer Bemerkung, dass ”die Lehre das ganze Leben in Anspruch nimmt und nicht nur mit einer Anzahl von Büchern in Zusammenhang steht”. Ich muss zustimmen, das Leben ist der beste Lehrmeister, und ohne Leben kann nichts erfahren werden. Doch jemand muss unsere Augen öffnen, und ohne das führende Prinzip würde die ganze Evolution für endlose Zeiten gebremst werden. Daher sind die Bücher der Lehre so wichtig. In präzisen Formeln sind hier das Grundwissen und die in Zeitaltern gesammelten vielfachen Erfahrungen niedergelegt. In den Büchern der Lehre wird ein studierender Schüler auf die schwierigsten Lebensprobleme Antwort finden. Von verschiedenen Gesichtspunkten aus beleuchtet sind auch viele konkrete Bestätigungen auf allen Gebieten der Wissenschaft. Und der richtige Zugang zur Wissenschaft kann nur nach ernsthafter vielseitiger Aneignung der Lehre gefunden werden. Nur dann können wir uns auf das Wichtigste konzentrieren, ohne unnütze Jahre auf einem falschen Pfad zu verbringen.

       Die Bücher der Lehre, die natürlich alle Perlen des Ostens beinhalten, sowie die ”Geheimlehre” und ”Die Briefe der Mahatmas” spenden dem Geist und Gemüt wahre Nahrung, und es ist zweifelhaft, ob ein Leben ausreicht, dies alles gründlich zu studieren. Die Geheimlehre kennend, auch wenn nicht vollständig, freuen wir uns, wenn wir sehen, dass die Wissenschaft durch neue Entdeckungen immer mehr und mehr bestätigt, was uns in diesen Bänden gegeben wurde. Ich persönlich ziehe es deshalb vor, mich gründlich mit der Lehre vertraut zu machen. Sie bewahrt vor Rückschritt oder vor noch Ärgerem, nämlich davor, in den eigenen Berechnungen nicht richtig zu liegen. Wir sind bereit, alle Bereiche der Wissenschaft aufzunehmen, besonders wenn sie von orthodoxer wissenschaftlicher Beschränkung frei sind. Vorurteile und Aberglauben können in der Wissenschaft noch stärker vertreten sein als in der Religion. Doch um sich von solchen Vorurteilen und Aberglauben zu befreien, ist es notwendig, den Weg der Lehre zu befolgen, der klar und streng den Aufstieg zur Synthese wahren Wissens aufzeigt.

       So versuchen Sie, in Fragen des Aberglaubens und der Vorurteile richtig zu unterscheiden! Und bitte, glauben Sie nicht, dass ich im allgemeinen gegen andere Bücher bin. Ich muss jedoch sagen, dass es wenige gute Bücher gibt, und selbst die besten enthalten, neben schönen Seiten, oft eine Menge schädlichen Unsinns. Deshalb ist es sehr wichtig, ein unvoreingenommenes offenes Bewusstsein zu pflegen und die Fähigkeit des Unterscheidungsvermögens zu erlangen.

       Nun dürfte ich alle Ihre Fragen beantwortet haben. Denken Sie bitte daran, dass es mich immer freut, so viel wie möglich beantworten zu können. Sollten Sie nicht allem zustimmen, bringen Sie Ihre Einwände. Meinungsaustausch ist immer nützlich, denn er schärft das Denken. Und so wollen wir uns von jedem Zwang freihalten und größte Toleranz, Fürsorge und Wohltätigkeit offenbaren. Möge jeder sich seinen Fähigkeiten entsprechend entwickeln. Nur vorsichtige Berührungen sind gestattet, sonst könnten wir eine Nachtigall aufschrecken, die unseren Garten besucht!

10. Mai 1933

       Meiden Sie den Schlaf nicht. Schlaf ist wohltätig und für die Nahrung unseres feinstofflichen Körpers absolut notwendig. Nur während des Schlafes können wir ihn leicht absondern und ihn intensiv mit den feinsten Energien nähren, abgesehen von den großen Lektionen, die wir in diesem Zustand erhalten. Wir lernen nicht nur, im Flug in verschiedene Sphären einzudringen, sondern wir erfüllen auch die Aufträge unseres Lehrers, und oft nehmen wir an Kämpfen gegen finstere Kräfte teil. Warum sollten wir uns eines so großen Vorrechts berauben, das vor allem den Schülern der Großen Weißen Bruderschaft eingeräumt ist?

       Alles Erzwungene widerspricht der Lehre des Lichts. Wenn es notwendig erscheint, die Nahrung zu vermindern, wird Ihr Organismus es anzeigen, und jedes Übermaß wird Ihnen widerwärtig sein. Das gleiche gilt für den Schlaf. Oft ist die Arbeit in der Feinstofflichen Welt von größerer Bedeutung als die Arbeit in der physischen Welt.

       Die Lehre sagt, dass wir beim Übergang in den Schlafzustand in die jenseitigen Welten eintreten; und dies sollte sich ganz natürlich vollziehen. Wir müssen nur üben, auf der Hut und aufmerksam zu sein, und die Feinstoffliche Welt wird sich uns in dem Moment erschließen, wo wir das Nötige, was wir brauchen, sehen und hören. Wenn ich mein eigenes Experiment, das auf Weisung und unter Aufsicht des Lehrers ausgeführt wurde, beschleunigen wollte, pflegte ich zu bitten ”Was kann ich tun? Welches Verfahren ist für den Zweck das beste?” etc. Ich erhielt immer die gleiche Antwort: ”Bleibe nur gelassen”. In dieser Gelassenheit und Ausgeglichenheit liegt das ganze Geheimnis der Errungenschaft. Und jetzt, in den Tagen des furchtbaren Kampfes der Kräfte des Lichts gegen die Finsternis, hören wir das gleiche: ”Seid vorsichtig, hütet eure Gesundheit; das ist das Wichtigste.”

       Sie sollten auch daran denken, dass die Ströme sehr schwer sind und für alle feinfühligen Organismen zeitweilig Seelenqualen, Schwindelgefühl und Depression hervorrufen. Doch den Grund für solche Depressionen kennend, sollten Sie geduldig den Wechsel der Ströme und ihre neue Richtung abwarten. Und so, mein Lieber, betrachten Sie diese periodischen Seelenqualen und Depressionen nicht als Untertauchen des Geistes, d. h. als Fehler und Unbeständigkeit. Viel öfter sind sie die Folge wechselnder Ströme. Es ist darauf hingewiesen, dass ”diese Ströme wie ein Klirren von Schwertern” sind. Lasst uns immer an das große Glück denken, Mitarbeiter der Kräfte des Lichts zu sein. Der in Liebe ausgesprochene Name des Großen Lehrers wird uns immer schützen.

       An keiner Stelle behauptet die Lehre, dass es wünschenswert oder möglich wäre, ohne Schlaf auszukommen. Das einzige, das erwähnt wurde, ist, dass es in Höhen von 21.000 Fuß möglich ist, fast ohne Schlaf auszukommen. Doch wo gibt es Leute, die in solchen Höhen leben und leben können? Auf unserer Reise durch Zentralasien haben wir die Richtigkeit des Gesagten bestätigt gefunden. Doch das Wohnen in den Tälern verlangt nach Schlaf. Als wir z. B. in Städten weilten, wurde uns gesagt, nicht weniger als sieben oder acht Stunden zu schlafen. Das gleiche gilt für die Nahrung. In den Höhen sollte die Nahrungsmenge herabgesetzt werden; und dies geschieht ganz natürlich, weil der Organismus nicht viel verlangt. Doch in den unreinen Städten ist Nahrung erforderlich.

       Auch in Höhen von 7.000 Fuß, während eines Experiments mit feuriger Energie, war ein größerer Gewichtsumfang angezeigt, damit die Nerven nicht zu sehr freiliegen. In alten Lehren wird immer auf den ”Goldenen Mittelweg” oder das Gleichgewicht hingewiesen. Und von jenen, die sich dem großen Wissen nähern wollen, wird erwartet, dass sie nicht dem Extrem verfallen. Nichts wird so entstellt wie der Begriff Gleichgewicht. Es scheint, dass dies bei den Leuten hauptsächlich wegen der Schwierigkeit, Disziplin zu üben, geschehen ist und noch geschieht. Es scheint für sie leichter zu sein, ins Extrem zu verfallen, sich einem erschöpfenden Fasten hinzugeben und sich Fesseln aufzuerlegen, sowie allgemein Strenge zu üben, als Wachsamkeit und Selbstbeherrschung zusammen mit voller Erhaltung der Kraft zu erlangen. Doch ohne Selbstbeherrschung kann nichts erreicht werden.

       Und wieder muss ich hinzufügen, dass Nahrung und Schlaf absolut notwendig sind, dass es aber verschiedene Normen für verschiedene Organismen gibt. Es ist ratsam, als warnendes Zeichen auf plötzlichen Kräfteverfall zu achten, nicht erst, wenn er allmählich offensichtlich wird. Deshalb vermeiden Sie jeden Abbau, und versuchen Sie mit all Ihrer Macht, die kostbare Substanz der feurigen Energie zu erhalten.

19. Juni 1933

       Ich erhielt Ihren ”Aufruf an die Frauen” und muss sagen, dass ich ihn sehr gutheiße. Es ist gerade das, was notwendig ist und wie Sie sagen, wird er an das Bewusstsein der Menschen appellieren. Es ist wirklich notwendig, diesen Aufruf so weit wie möglich zu verbreiten, damit die Ideen von vielen aufgenommen werden. Die Zeit ist kurz und manchmal fürchte ich, dass wir nicht alles werden erfüllen können. Die neue Welt naht, und wir müssen Gruppen von Menschen vorbereiten, die imstande sind, die neuen Vorstellungen einzuführen. Das Erwachen der Frau geht auf der ganzen Welt vor sich. Schon seit 1920 begannen die Frauen des Fernen Ostens, für ihre Rechte zu kämpfen und das gleiche trifft für die Frauen Indiens zu. Die indischen Frauen erreichen trotz Schwierigkeiten wunderbare Ergebnisse.

* * *

       In dem mir zur Begutachtung übergebenen Satz wäre es mir lieber, wenn Sie das Wort ”kriegerisch” durch das Wort ”angriffsfreudig” ersetzen würden – wenn Sie nichts dagegen haben. Erstens, weil in diesem besonderen Fall das Wort ”angriffsfreudig” einen größeren Schwung hat, und zweitens, weil ich persönlich den Begriff Krieger sehr liebe und man ihn nicht im negativen Sinn verwenden kann. In allen religiösen Lehren werden die Menschen, die den geistigen Pfad beschreiten, Krieger genannt. Alle Bodhisattvas und auch Buddha sieht man auf den meisten heiligen Bildern mit einem Schwert in der Hand oder neben sich – als unverletzliches Attribut.

       Denken wir an unsere eigenen Heiligen – Michael, den Archistrategen und den Hl. Georg, den Siegreichen. Auch an den großen Beschützer und Erzieher des russischen Landes, den Hl. Sergius von Radonesch – segnete er nicht Prinz Dmitry zu Beginn des großen historischen Kampfes gegen die Tartaren, und sandte er nicht seine eigenen Mönche zu Hilfe? Wahrlich, sind nicht alle heldenhaften Weisen Krieger für das Allgemeinwohl? Und hören wir nicht oft von den gegen die Finsternis und die satanischen Horden ausgesandten leuchtenden Pfeilen? Der Kampf gegen das Chaos ist die wahre Lebensgrundlage des Kosmos. Und dieser Kampf verstärkt die Spannung im Verhältnis zum Aufstieg und wechselt nur in der Qualität und in den Motiven. Nichts ist vergleichbar mit der Härte des Kampfes gegen das unsichtbare Chaos.

       Ich will eine Seite aus der Lehre zitieren: ”Manche Menschen mögen denken, wie leicht es für die Herrscher ist, wenn Sie die Grenzen der irdischen Lasten überschritten haben! Doch wer immer dies ausspricht, kennt den Bereich der Wirklichkeit nicht. Genauso wie es auf Erden ist, so ist es auch im Himmel. Die irdischen Lasten werden zurückgelassen, doch unvergleichliche kosmische Sorgen nehmen ihre Stelle ein. Wirklich, so schwer es auf Erden ist, umso schwerer ist es im Himmel. Lasst uns die Augenblicke des Devachan nicht zählen, wenn Illusion die morgige Arbeit verdeckt. Doch die Tätigkeit inmitten des Chaos kann nicht leicht sein. Ihr leidet durch Finsternis und Chaos. In allen Aufenthaltsorten ist es aus vielen Aspekten der Finsternis und desselben Chaos genauso schwer.

       Doch glücklicherweise fühlt ihr nur die Angriffe des Chaos und seht nicht seine düsteren Bewegungen. Freilich, wegen der Unwissenheit und ihrer sklavischen Unterwürfigkeit der Finsternis ist es schwer für die Menschen. Aber besonders schwer ist es, wenn man die Bewegungen der Massen der Materie sieht, die sich in Chaos verwandelt. Wenn das zerstörerische unterirdische Feuer versucht, die Erdkruste vorzeitig zu durchdringen, oder wenn die Gasschichten den Raum vergiften, überschreiten die Schwierigkeiten jede irdische Vorstellung. Nicht Lasten, sondern nur Vergleiche helfen jetzt über die Schwierigkeiten zu sprechen, denn die Unwissenden denken, dass Hymnen und Harfen das Los der Himmelsbewohner sind. Solch ein Irrtum muss zerstreut werden. Nirgendwo gibt es Hinweise, dass es nur auf der Erde schwer ist; zum Vergleich muss gesagt werden – wenn man hier von Teufeln belästigt wird, so wird der Erzengel vom Satan selbst bedroht. So muss man die Tat und die immerwährende Schlacht mit dem Chaos verstehen. Man muss es als den einzigen Pfad erkennen und lieben lernen als das Zeichen des Vertrauens des Schöpfers.” (Feurige Welt, Bd. II)

       Deshalb liebe ich das Wort ”Krieger” so und bewundere jede heldenhafte und mutige Tat. Von Natur bin ich selbst ganz mutig und kriegerisch. Nirgends ist gesagt, dass wir uns dem Übel nicht widersetzen sollen, und hat nicht selbst Christus jene davongetrieben, die spotteten und die Heiligkeit des Tempels verletzten?

       Daher muss jede Mutter ihre Kinder im Geist großer Taten, Heldentat und Selbstverleugnung für das Allgemeinwohl erziehen. Dies ist keine Billigung des Krieges im üblichen Sinn, doch wir können uns nicht täuschen – wir leben inmitten des schrecklichsten und vernichtendsten aller Kriege, denn der geistige Krieg ist weit erbitterter als jeder andere. Daher ist es so wichtig, Mut und Furchtlosigkeit zu pflegen, die Eigenschaften, die der Schüler der Meister des Lichts vor allem entwickeln sollte. Jedoch, wenn eine starke Verbindung mit der Hierarchie besteht, bilden sich Mut und Furchtlosigkeit vollkommen von selbst, da die Hand der Hierarchie die Menschen immer vor Gefahr zurückhalten und den Weg des Sieges aufzeigen wird. Doch ich wiederhole, dies ist nur dann so, wenn das Bild des Meisters ständig im Gedächtnis gehalten wird. Öfter als einmal hatten wir Gelegenheit, diese wundervolle Einwirkung zu erfahren. In einem Moment der Gefahr wurden wir plötzlich außerordentlich ruhig, und wir wussten, dass alles gut ausgehen würde.

       Ich persönlich ziehe die mutige selbstaufopfernde Erfüllung einer patriotischen Pflicht dem Verhalten der heutigen Jugend eines bestimmten Landes vor, die sich in einer Resolution äußert, im Kriegsfall für ihr Land nicht zu kämpfen. Sie mögen fragen, wie sich dies mit dem Friedensbanner verhält, und sie mögen auch denken, dass ich insgeheim eine Befürworterin des Krieges wäre! Nein, für mich ist Krieg unaussprechlich schrecklich! Ich kann mir keine schlimmere Manifestation der Unwissenheit vorstellen! Doch da wir in einer Welt leben, in der die physische Macht noch höher eingeschätzt wird, müssen wir der jungen Generation den Gedanken der Ungesetzlichkeit des Tötens und der Gewalttätigkeit einflößen, doch gleichzeitig müssen wir lehren, sich nicht davor zu fürchten, die Pflicht für sein Land zu erfüllen, da dies schön und mutig ist. Wer wollte ein wehrloses Schaf gegen einen Wolf oder Tiger sein? Aber Tiger und Wölfe lauern in jeder ungeschützten Ecke. Solange es keine wirkliche Zusammenarbeit unter den Völkern gibt, werden wir ständig von Kriegen und Angriffen bedroht sein. Nur die Weltliga der Kultur könnte, richtig verstanden, die vielen Probleme der Zukunft, die heute unlösbar scheinen, lösen.

* * *

       Mögen die Frauen im Kampf um ihre Rechte an den so notwendigen Mut denken. Doch mögen sie Mut nicht als Gewalttätigkeit verstehen, wie im Fall der Suffragetten, die Fenster einschlugen und Briefkästen verbrannten! Solche Maßnahmen sind sehr hässlich. Doch es gibt andere Wege, um wirklichen Mut zu zeigen. Vor allem wird dies im ernsten Streben nach Wissen und Schönheit zum Allgemeinwohl sein.

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       Lasst uns jetzt über das Gefühlswissen sprechen. Jemand sagte: ”Oft hat eine einfache Frau ein besseres Gefühlswissen als eine Universitätsabgängerin.” Hier muss ich bemerken, dass solch eine Frau vielleicht in dem Sinne ”einfach” ist, als sie keine soziale Stellung oder Ausbildung besitzt, doch nicht einfach in dem Sinne, dass es an geistiger Gelassenheit mangelt. Die Menschen verwechseln meist das Gefühlswissen, das ein Ergebnis von Erfahrungen vieler Inkarnationen ist, mit einem bestimmten Psychismus. Dieser offenbart sich in mehr oder weniger richtigen Vorahnungen, Träumen und bestimmten, dem Bewusstsein entsprechenden Wahrnehmungen des astralen Planes. Auf der anderen Seite erkennt Gefühlswissen unfehlbar, es erkennt geradezu das Wesen der Dinge, sowohl die Richtung der Evolution als auch die Zukunft. Gefühlswissen ist die Synthese der Geistigkeit, und natürlich besitzt es nur ein entwickelter Geist mit einem gespeicherten Kelch, unbekümmert dessen, wie bescheiden seine Stellung im Leben ist. Oft wird die bescheidene Stellung zweckdienlich für eine bestimmte Aufgabe gewählt. Wer der Stimme seines Herzens lauscht, wird umso leichter sein Gefühlswissen erwecken. Das Herz ist der beste Lehrer in allen Lebensfragen.

* * *

       Und jetzt wollen wir uns dem Thema Abtreibung zuwenden. Sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen, ist jetzt sehr zeitgemäß. Hier erscheinen laufend die schauderhaftesten Artikel darüber, und einige von ihnen sind mit der Billigung des Klerus geschrieben. Zu diesem Thema möchte ich einige Paragraphen aus der Lehre anführen: ”Im Moment der Empfängnis erhält der Geist Verbindung mit dem Embryo. Er tritt zu Beginn des vierten Monats ein, wenn sich die ersten Nerven- und Gehirnkanäle bilden. Mit der Kräftigung der Wirbelsäule setzt die nächste Stufe der Besitzergreifung des Körpers ein. Wundervoll ist der Moment der Geburt, wenn das Bewusstsein des Geistes leuchtend aufblitzt und sich dann mit der Materie verbindet. Es gibt auch Fälle, wo bei der Geburt Worte gesprochen werden. Die endgültige Besitzergreifung des Körpers findet im siebenten Lebensjahr des Kindes statt.” Es ist gesagt: ”Genauso, wie die Hungernden zur Nahrung getrieben werden, so wird der Geist zur Inkarnation gelenkt, denn nur die Materie kann neue Impulse verleihen.”

       Ist es daher nicht hart, wie viele Leiden der zur Inkarnation vorbereitete Geist auf sich nimmt durch den erzwungenen Abbruch von bereits begonnenem Leben, wodurch die von Karma geplante Inkarnation verhindert wird? Welch ein schweres Karma bereiten sich die unwissenden und verbrecherischen Eltern!

* * *

       Ich möchte mir erlauben, einige Worte über die Kunst von N. K. hinzuzufügen. Seine Kunst wird wegen ihrer Reinheit, Durchsichtigkeit und einer unendlichen Mannigfaltigkeit an Farbenkombinationen geschätzt, die zusammen mit einer ungewöhnlichen Macht und Tiefe des Tones wirken. Jedes Gemälde ist eine schöne, harmonische Farbensymphonie. Wir wissen, dass die Farben, die Schattierungen und ihre Harmonie auf den Betrachter eine okkulte Wirkung ausüben. Es ist bekannt, dass schöne Gemälde Heilkraft ausstrahlen; und wir hatten viele Gelegenheiten, dies zu bezeugen. Für solche Wirkungen muss man jedoch ein offenes Herz und ein offenes Auge besitzen. Es ist gesagt: ”Wenn Finsternis in uns ist, kann es sein, dass wir vor den schönsten Kunstwerken in tiefer Finsternis verharren.”

       Doch nicht weniger Beachtung sollte der außergewöhnlichen Begabung von N. K. für Komposition geschenkt werden, die in ihrer Art ganz selten ist. Alle eigenartigen – um es gelinde auszudrücken: Abweichungen im Leben der Kunst, die wir zeitweilig bemerken, entstehen hauptsächlich aus Mangel an Begabung für Komposition. Doch jedes Werk von N. K. fällt auf durch seine Harmonie in der Kombination aller seiner Teile, und diese Harmonie verleiht wirkliche Überzeugungskraft. Es kann weder etwas hinzugefügt noch hinweggenommen werden. Alles ist gerade recht. Diese Harmonie von Formgebung und Farbe, diese Meisterschaft ist jene Gabe, die einem großen Schöpfer eigen ist. Die Werke von N. K. sind vor allem auch wegen der Schönheit ihrer Gedanken, die in Erhabenheit doch einfach und manchmal tief ergreifend in den Bildnissen zum Ausdruck kommen, unvergleichlich.

       Für mich, einer ständigen Zeugin seiner Kunst, ist sie eine Quelle nie endender Bewunderung – die unerschöpflichen Gedanken, kombiniert mit Kühnheit und unerwarteten Farbkombinationen! Genauso bemerkenswert sind die Leichtigkeit und Sicherheit, mit der er seine Bilder entwirft. Sie sprechen wirklich, leben auf seiner Leinwand, und sehr selten musste er von seiner ersten Skizze etwas ändern oder weglassen. Wahrlich, den Verlauf seines Schaffens verfolgend, weiß man nicht, was bewunderungswürdiger ist – die Schönheit des Gemäldes oder die Meisterschaft der Ausführung.

* * *

       Ich stimme nicht zu, dass es der griechischen Kunst an Geistigkeit mangelt. Ich glaube, dass die Geistigkeit der alten Griechen höher war als unsere heutige, was durch ihre hohe Philosophie und die Leistungen ihrer großen Schaffenden, Schöpfer und Denker bewiesen ist. Ihre Philosophie brachte große Ideen in schöne edle Formen. Es scheint mir, dass wir es sind, denen die Geistigkeit verlorenging und damit die Fähigkeit und der Sinn, Schönheit zu schätzen. Die Tatsache, dass Kunst der Ausdruck des Charakters eines Volkes und der Bedingungen der Natur ist, aus denen sie hervorging und sich entwickelte, wird von anderen Menschen, die in unterschiedlicher Umgebung leben und schaffen, sehr oft nicht verstanden. Zum Beispiel würde die Marmorstatue der Griechen nicht in unser nördliches Klima passen, doch sie war schön unter der strahlenden Sonne, auf dem purpurnen Sand mit einem Hintergrund von türkisblauer See und den dunklen Zypressen Griechenlands.

       Kunst in all ihren Offenbarungen und in all ihren herkömmlichen Formen bleibt grundsätzlich geistig. Sie erweckt unser Sehnen nach Schönheit, nach dem Höchsten, und hier liegt ihre hauptsächliche und große Bedeutung. Wie Sie richtig schreiben: ”Das wahre Problem der Kunst ist, den Menschen zum Begreifen der Schönheit zu lenken”. Wahrlich, das echte Streben zum Schönen wird uns zum Verständnis für die höhere Schönheit der Gesetze lenken, die das Universum regieren und im vollkommenen Geist und im vollkommenen Herzen zum Ausdruck kommen.

* * *

       Und so erfüllen Sie Ihre Aufgabe, physische Gesundheit zu regenerieren und die Saat geistigen Wissens auszustreuen, wo immer es erforderlich ist. Die Hauptsache ist, dies entsprechend dem Bewusstsein Ihrer Patienten zu tun! Zu viel zu geben ist noch gefährlicher, als zu wenig zu geben. Fragen Sie Ihr Herz!

       Schreiben Sie über sich, und denken Sie daran, dass unsere Gedanken oft bei Ihnen sind. Sagen Sie den Freunden, sie mögen alle Zweifel vertreiben, denn diese sind unsere gefährlichsten Feinde!

       Und welche Zweifel könnten wir hegen, wenn die reine Lehre uns solch klare und schönen Lösungen bietet, wo nichts und niemand benachteiligt, sondern alles unbegrenzt erhöht und erweitert wird. Der Segen der Kräfte des Lichts sei mit Ihnen!

 

1934

8. Februar 1934

       Ihre ausgezeichnete Arbeit brachte uns viel Freude. Gerade das ist heute besonders notwendig. Wir müssen das Bewusstsein der Menschen wecken, das in modrigen Vorurteilen stagniert und durch die bedrohlichen Ereignisse niedergedrückt wird. Das Morgenlicht der Neuen Zeit dämmert aus der Ferne, und es ist erforderlich, ihm mit neuerwachtem Geist gegenüberzutreten. Ich sehe der Fortsetzung Ihres Werkes entgegen, das gedruckt und weithin verteilt werden sollte.

       ”… Mitarbeitern möge vorgeschlagen werden, sich an solche Arbeiten zu gewöhnen. Sie können ihnen entsprechende Abschnitte aus der Lehre wählen und sie mit anderen Vermächtnissen vergleichen. Auf diese Art können die Eindrücke der Zeiten auf die eine Wahrheit beobachtet werden. Die Erforschung dieser Evolution wird an sich eine sehr notwendige Arbeit sein. Wir sind gegen Verurteilung, doch der Vergleich kommt dem Polieren des Steines gleich. Durch Liebe zur Sache kann man neue Vergleiche ziehen und schöne Berührungspunkte finden. Solche Meditationen sind wie Blumen auf einer Wiese.” (Feurige Welt, Bd. II) Behalten Sie dieses Programm im Gedächtnis.

       Sie schreiben: ”Kein Wunder, dass Christus es nicht für möglich befand, diese Wahrheit (das Gesetz der Wiederverkörperung) den unentwickelten menschlichen Gemütern direkt und offen zu enthüllen”. Doch ich glaube, es wäre richtiger zu sagen, dass, obwohl das Gesetz der Wiederverkörperung ein Eckpfeiler jeder alten Religion des Ostens war, die Religion der Juden natürlich nicht ausgenommen, es bereits zur Zeit Jesu durch die Priesterschaft übel entstellt wurde und seine Reinheit nur bei einzelnen Sekten erhalten geblieben ist. Im Neuen Testament haben wir viele Beweise für das Wissen der Juden; Christus selbst bestätigt es. Zum Beispiel im Matthäus-Evangelium (17:10,13): ”Da fragten ihn die Jünger: Die Schriftgelehrten sagen aber doch, zuerst müsste Elias kommen. Und Jesus antwortete ihnen: ‚Wohl wird Elias kommen und alles erneuern. Doch ich sage euch: Er ist bereits gekommen, nur haben sie ihn nicht erkannt, sondern ihm angetan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch ihn leiden.‘ Da verstanden die Jünger, dass er zu ihnen von Johannes dem Täufer redete.” Und im Evangelium des Hl. Johannes (9:1-3): ”Einmal sah Jesus im Vorübergehen einen Mann, der von Geburt an blind war. Seine Jünger fragten ihn: ‚Meister, wer hat gesündigt, der oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?‘ Jesus antwortete: ‚Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern es ist geschehen, damit Gottes Werke an ihm offenkundig werden.‘ ” In der Tat, wie konnte eine von Geburt an blinde Person für ihre Sünden verantwortlich sein ohne das Gesetz der Wiederverkörperung! Es gibt andere sehr klare Hinweise, doch die sollten Sie selbst herausfinden.

       Sie schreiben, dass der ”östliche Mensch aufgrund seines Wissens von Wiederverkörperung so passiv wurde, was schließlich in einem langsamen Lebenstempo, Stagnation und Leblosigkeit endete.” Dies ist nicht ganz so. Viele andere Gründe sind für diese Stagnation verantwortlich. Gewiss, all dies härtet und entwickelt die Kraft des Menschen: Härte der Natur, Härte der klimatischen Bedingungen und der Kampf ums Dasein fehlen beinahe gänzlich im Osten. Auf der anderen Seite begünstigten klimatische und andere Bedingungen das beschauliche Leben. Doch das Hauptübel Indiens, das in Stagnation und Degeneration endete, liegt nicht im Wissen über die Wiederverkörperung, sondern im toten System der Kasten. Dieses System mit seinem Verlust an wahrem Wissen um die Vergangenheit und mit der Korruption der herrschenden Klassen wurde wie zu einem Schraubstock für ein sehr fähiges Volk von vielen Millionen. Wer nicht in Indien lebte, kann sich diesen Schrecken der Sklaverei nicht vorstellen! Zur Zeit gibt es, abgesehen von den vier Hauptkasten, eine ungeheure Zahl von so vielen verschiedenen Unterteilungen – so viele wie es Beschäftigungen und Berufe gibt. Jede Kaste ist begrenzt durch alle Arten sinnwidriger Verbote, und je höher die Kaste, desto mehr Verbote; daher die bekannte Degeneration der höheren Kasten.

       Auch wenn wir die unübertrefflichen Höhen ihrer geistigen Grundlehren nehmen und auf der anderen Seite die Habsucht und Unwissenheit der meisten Vertreter ihrer gegenwärtigen Priesterschaft, ist es schwer zu verstehen, wie solche Sinnwidrigkeit, solch schreiende Rohheit, solch verbrecherische Missgestaltung von Formen stattfinden konnte! Doch das ist die traurige Wirklichkeit. Abgesehen vom Kastenwesen bringen die Kinderehen Degeneration. Man sieht nicht selten, dass ein neunjähriges Mädchen mit einem sechzigjährigen Mann verheiratet ist; es ist bereits eine verkrüppelte Mutter von einem noch ungeborenen Kind. Ja, es gibt viele Wunder in Indien, doch auch viele schreckliche Dinge! Es ist, als würde sich das Gesetz bestätigen: ”Je leuchtender das Licht, umso tiefer die Finsternis”. Das erklärt, dass man nirgendwo anders solcher Geistigkeit und Verfeinerung begegnet wie hier. Könnte dieses schöne Land im Heilen der schrecklichen Geißel, die es zerstört, Fortschritte erzielen, so würde die Entwicklung dieses Landes die ganze Welt in Staunen versetzen. Es gibt Anzeichen der Wiederbelebung. Die Frau Indiens ist erwacht, und ihr Herz reagiert auf die Leiden der Entwürdigten; deshalb ist es ihr beschieden, ihr Land wiederzubeleben.

       Jederzeit will ich Ihnen gerne helfen, falls für Sie irgendwelche Fragen oder Missverständnisse auftauchen sollten. Ihre Arbeit, in der Sie so klar die Fundamente des Seins besprechen, ist sehr wertvoll, und wir hoffen, dass Sie mit dem Schreiben in dieser Richtung fortfahren werden. Die Lehre des Lebens zeigt so viele neue, unberührte Themen auf!

       Wir freuen uns zu sehen, dass Sie die Lehre so gut anwenden. Wenden Sie sie frei und auf breiter Ebene an; diese Samenkörner sind für großartiges Säen gegeben. Darüber hinaus ist vieles nur in Andeutungen gegeben und wird nur teilweise enthüllt, doch die breite Masse muss vorbereitet werden, und es sind detaillierte Erklärungen erforderlich, um ihre Aufnahmefähigkeit zu steigern.

       Das Studium der Werke von H. P. Blavatsky würde Ihnen helfen, viele Dinge zu verstehen.

17. Februar 1934

       Alles, was Sie über die sogenannten okkulten Gruppen sagen, überrascht uns nicht, sondern bestätigt nur unsere Vermutungen, da wir die traurige Lage in vielen Organisationen kennen und wissen, dass die Natur des Menschen überall die gleiche ist. Es ist immer das gleiche Übel: Mangel an Toleranz und eine schreckliche Exklusivität, die alle Grundlagen zerstört. Die Vorsitzenden von vielen Gesellschaften und Logen erheben das Recht auf ein ausschließliches Monopol und eine Autorität über alles, was die von der Großen Bruderschaft gegebene Lehre betrifft, wobei manche der einzige Kanal sein wollen, durch den die Hohe Lehre übergeben werden kann. Doch in ihrer armseligen Vorstellung übersehen sie, dass die Große Bruderschaft die Evolution der ganzen Menschheit lenkt, sich nicht auf einen oder selbst zehn Ströme oder allenfalls vorübergehende Empfänger beschränken kann.

       Die Große Bruderschaft arbeitet unaufhörlich für das Allgemeinwohl der ganzen Welt und nutzt daher alle Möglichkeiten, um ihre rettende Lehre voranzubringen. Das Schiff der Menschheit sinkt, und nur der Blinde und Einfältige bemerkt die ganze Gefahr des heutigen Lebens nicht.

       Gewiss, die Große Hierarchie des Lichts hat auf dem irdischen Plan Mitarbeiter verschiedener Stufen, bewusste und unbewusste und auch die besonders Bevollmächtigten und Teuren. Es gibt außerdem eine ganze Anzahl von Personen, die schöne Mitteilungen empfangen, ohne oft selbst das wahre Bild ihres Boten zu kennen, doch sie alle tragen Körner für die große Saat bei. Es wäre sehr unwissend, die Große Hierarchie des Lichts mit irgendwelchen Beschränkungen oder herkömmlichen Formen in Verbindung zu bringen! Die Hierarchie lebt und wirkt, das Gesetz der großen Zweckdienlichkeit nutzend, das einzige Gesetz, das wahre Evolution gewährleistet.

       Es gibt auch keinen Zweifel darüber, dass die Große Bruderschaft für die Erneuerung des menschlichen Bewusstseins und die Einführung einer neuen Stufe der Lehre zur gegebenen Zeit eine oder zwei Personen ausersieht. Dies war bei Frau Blavatsky der Fall und nach ihrem Tod bei Frau Francia la Due, durch die der Meister Hilarion seine Lehre übergab. Leider starb Francia la Due im Jahre 1923. Sie war die Begründerin einer Gesellschaft in Kalifornien und die Herausgeberin der Zeitschrift ”Temple Artisan”, in der die Botschaften veröffentlicht wurden. Doch ich wiederhole, dass es neben solchen Hauptempfängern, die das ”Meer der Lehre” empfangen, wie es einer der Großen Meister ausdrückte, viele andere gibt, durch die kleine individuelle Mitteilungen gegeben werden, und wir kennen eine ganze Anzahl von feinen kleinen Büchern, meist automatisch geschrieben, oder was seltener vorkommt, nach Diktat. Und die Schönheit des ethischen Wertes solcher Bücher ist nicht etwa geringer, weil sie ohne Zustimmung von bestimmten Autoritäten geschrieben wurden! Soviel ich weiß, erleuchtete auch nicht nur ein einziges Buch, das ihnen aus der Großen Quelle gegeben wurde, eine dieser ”Autoritäten” in ihrem ganzen Leben. Im Gegenteil, solche Bücher wurden von ihnen systematisch kritisiert, verurteilt und verbannt. Wäre es nicht ganz zweckmäßig, sich darüber zu informieren? Warum bringen sie nicht die Fortsetzung des ”Buches Dzyan”? Eine Fortsetzung gibt es. Es wäre auch interessant zu wissen, was solche Lästerer der LEBENDIGEN ETHIK (die sie gar nicht studiert haben) über die von Francia la Due und William Dower gegründete Gesellschaft und die von ihnen erschienenen Bücher denken. Diese Gesellschaft wurde in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts gegründet und hat in anderen Ländern ihre Gruppen.

       Die von ihnen gegebene große Lehre widerspricht den Ausführungen der LEBENDIGEN ETHIK nicht. Wir stehen in freundschaftlichen Beziehungen und schließen einander nicht aus! In den Vereinigten Staaten besteht die Arkanschule, die für das Studium der Bücher des Agni Yoga eigene Klassen unterhält. Die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK sind in vielen Ländern verbreitet und ziehen viele neue Gruppen an. Es gibt heute viele suchende Seelen, doch gewiss, Unduldsamkeit wird niemanden anziehen.

       Einige Autoritäten fanden, nachdem sie ein Buch des Agni Yoga gelesen hatten, darin eine große Gefahr und verboten ihren Anhängern, es zu lesen. Wir werden natürlich nicht versuchen herauszufinden, worin sie die Gefahr zu bemerken glaubten, da wir die gegebene Lehre niemals aufzwingen. Doch jene, die durch eine solche Feststellung verwirrt wurden, mögen sie für sich herausfinden. Was würden diese selbsternannten Autoritäten sagen – und einer von ihnen gibt vor, zur Großen Hierarchie der Sonne zu gehören –, wenn wir ihnen über die erstaunlichen Begegnungen und Erscheinungen erzählten, die wir erfahren haben und ihnen die heiligen Gegenstände zeigten, die uns anvertraut wurden? Wahrscheinlich würden sie uns als Betrüger ansehen. Und in ihrer ”rechtschaffenen Entrüstung” würden sie sich mit den Fanatikern und Bigotten der Kirche verbünden und uns jetzt und für immer verdonnern und verdammen!

       Es ist sehr bedauerlich, dass solche wertvollen Bücher wie ”Die Briefe der Mahatmas” und die Briefe von H. P. Blavatsky noch nicht ins Russische übersetzt wurden; sie sagen über die Umgebung von H. P. Blavatsky viel aus.

       Doch alle diese Angriffe sind nicht wichtig. Wirklich schrecklich ist dagegen die Unduldsamkeit mancher Kirchen. Wahrlich, ”… am schwierigsten von allem ist die Enthüllung der wahren Gestalt Christi”, wie es einer der Großen Lehrer ausdrückte. Die Hauptursache der Intoleranz ist Unwissenheit. Doch die Dinge können so nicht weitergehen, und die neue Generation verlangt bereits nach einer neuen Auslegung der Fragen des Geistes und des Seins, auf welche die geistigen Autoritäten ihre Antwort geben müssen, um nicht ganz ignoriert zu werden. Das Bewusstsein der Massen wächst und erweitert sich, man kann es nicht in mittelalterlichen Folterkammern eingesperrt halten! Die westliche Kirche ist bereits alarmiert, doch um ihre Autorität nicht ganz zu verlieren, beginnt sie, die Entwicklung der Wissenschaft sowie auch einige der östlichen Lehren zu verfolgen. Manche Priester lassen sogar das Vorhandensein der Großen Bruderschaft gelten. Und wahr gesprochen, was ist die Hierarchie des Lichts anderes als die ”Jakobsleiter”? – wieder andere schenken dem Gesetz der Wiederverkörperung Aufmerksamkeit. Das Neue Testament, die Worte Christi selbst, bestätigen dieses Gesetz, das ein Eckpfeiler der ältesten Religionen war. Aus diesen Quellen entlehnte die Christenheit später ihre sämtlichen Symbole und Zeremonien.

       Kürzlich wurde auf einer Bischofskonferenz in den Vereinigten Staaten vorgeschlagen, die Werke des großen Origenes zu studieren. Das ist ein großer Schritt nach vorn, da das Studium der Werke Origenes’ den kirchlichen Rahmen und die Dogmen zu sprengen vermag. Wir sollten nicht vergessen, dass das Gesetz der Reinkarnation erst im 6. Jahrhundert auf dem Konzil in Konstantinopel abgelehnt wurde. Und von uns wird erwartet, die Autorität der Kirchenväter als Offenbarung und Dogma anzunehmen, die mit großem Ernst solche Fragen wie ”Wie viele Geister auf einer Nadelspitze Platz finden” oder solche Perlen wie ”Ob die Frau eine Seele hat?” diskutierten. Und diese ehrwürdigen Väter, die Erzieher unseres Bewusstseins, schämen sich nicht, sich zu ohrfeigen und einander an den Haaren und Bärten zu ziehen. Auch jetzt gibt es Leute, ganz respektabel erzogen, die aufrichtig glauben, dass sie am Jüngsten Gericht in ihrem physischen Körper vom Tod auferstehen werden! Das ist der Hauptgrund, warum sie so gegen Kremation sind. Wie ist diese Selbsttäuschung zu verstehen, als Hypnotismus oder als Atavismus?

       Es ist Zeit zu verstehen, dass die Welt erneuerte Seelen braucht, die rasch, intensiv und gründlich erkennen, dass das Wesen der heutigen Ereignisse ein offensichtlicher Beweis der Nutzlosigkeit überholter Ideen und Strukturen ist und dass inmitten unerhörter Zerstörung die neuen Ideen der großen Toleranz und kulturellen Führerschaft geboren werden, die wie Blitze gegen einen schwarzen Himmel aufleuchten.

       Dennoch kennen wir unter den russisch-orthodoxen Priestern einige denkende und duldsame Leute. Sie waren unsere wirklichen Freunde. Ich bin sicher, dass wir auch in dem Neuen Land lichterfüllte Seelen finden werden. Nun, was die Freimaurerlogen betrifft, ist es ganz sicher, dass es unter ihnen viele rein politische und gefährliche gibt. In manchen Ländern, mit wenigen Ausnahmen, ist Freimaurerei in Kulissenzauber entartet. Solch ein Niedergang von ursprünglich hochethischen und schönen Anfängen ist sehr tragisch, und die Großen Lehrer grämen sich darüber unsäglich. Bedenken Sie auch, dass es heute unerhört viel schrecklichste Magie und Zauberei gibt, und dies fast überall. Oft werden nicht schlechte, aber unwissende Menschen in diesen schwarzen Netzen gefangen. Deshalb sind die Großen Lehrer gegen jede Art von Magie. Die schwarzen Logen sind gerade jetzt so aktiv, und daher ist es so wichtig, dass die Kräfte des Lichts sich unverzüglich vereinen und mit bewusster Aktivität gegen die dunklen Kräfte des Übels vorgehen. Doch leider, gegenwärtig herrscht unter ihnen viel weniger Einigkeit als unter den schwarzen. Diese sind in Furcht vereint und werden aktiv durch diese getrieben.

* * *

       Sicherlich, Lästerung gegen die Lehre ist keine Kleinigkeit, denn diese Lästerung richtet sich gegen den Heiligen Geist. Und furchtbar ist das Los der Lästerer in allen Welten. Doch um den Lästerern Einhalt zu gebieten, ist es notwendig, die Hörer aufzuklären. Groß ist die Unwissenheit! Das beweist jeder Schritt. Jedoch manchmal ist völlige Unwissenheit besser als geringes Wissen, denn gerade Halbwissen schafft Eigendünkel und versperrt so alle Möglichkeiten. Die Menschen haben sich an alle Arten von Verboten und Begrenzungen gewöhnt. Und vor allem fürchten sie das weite Denken, weil sie fühlen, dass weites Denken größere Verantwortung erfordert. Doch wer will Verantwortung auf sich nehmen? Jeder versucht, dies zu vermeiden und sich an einen anderen anzulehnen. Ganz allgemein, wenn es zur gegebenen Zeit weniger Verbote und Verneinungen gäbe und man die Notwendigkeit der Verantwortung stark unterstreichen würde, müssten viele den bitteren Kelch der Erniedrigung und des Leides nicht leeren. Deshalb kann an alle Verneiner der eine Rat gegeben werden: Verneinet nicht, sondern wisset mehr!

* * *

       Große Unwissenheit und einen erstaunlichen Mangel an Vorstellungsvermögen bekunden auch jene, die glauben, dass die gegebene Lehre in ihrem ganzen Umfang nur von einer Person niedergeschrieben wurde. Dies wäre unmöglich, unabhängig davon, wie geistreich diese Person auch sein möge. Wahrlich, Zeitalter an Lebenserfahrung und unermüdliches Studium des menschlichen Wesens, dazu all die kosmischen Einflüsse, waren erforderlich, um alle die in der Lehre angeführten Fragen und Probleme zu durchdenken und sie so vollkommen und allumfassend zu beleuchten.

       Wahrlich, das Leben ist erfüllt von Wundern, wenn wir an alles mit einem offenen Herzen und mit Streben nach Schönheit und Selbstvervollkommnung herangehen und nicht mit allerlei mechanischen Mitteln, wie künstlicher Meditation, Konzentration und dergleichen, sondern in der großen Tat des Alltagslebens. Diese große Lebenstat mit all ihrer strengen Schönheit übt N. K.. Sein Leben ist das Leben völliger Selbstlosigkeit: er lebt für den großen Dienst an der Menschheit. Nichts gehört ihm und er selbst gehört sich nicht. Die seinem Wesen eigene große Toleranz zieht wie ein Magnet ganz unterschiedliche Menschen an und schart sie um seinen Namen. Diese Weisheit des Meisters ist auch seine Weisheit. Wäre es anders, wie könnte er ein solcher Prophet sein? Wie könnte er in der ihm anvertrauten Aufgabe bei den furchtbaren Hindernissen durch die Finsteren – am Ende der Kali Yuga, in dem schrecklichen Harmagedon – so erfolgreich sein?

* * *

       Und nun muss ich Ihnen sagen, wie weise Sie sind, mit allem, was Ihnen anvertraut wurde, so vorsichtig umzugehen. Doch fürchten Sie die Feinde nicht, denn sie verhelfen uns zu phantastischen Kräften und Möglichkeiten, denn in ihrer ungestümen Bosheit ermatten sie und lenken auf ihre Art die Aufmerksamkeit der Leute auf sie. Wir sind in unserem Leben vielen Feinden begegnet, doch sie haben uns nur zum Erfolg verholfen. Lasst uns daran denken, was in den Büchern der Lehre über Verleumdung geschrieben steht: ”Mögen die Verleumder die Liste derer durchsehen, die von ihnen verleumdet wurden. Wird diese nicht Namen jener aufweisen, die die menschlichen evolutionären Entdeckungen gefördert haben? Lasst uns daher Verleumdung als die Fackeln der Wilden bezeichnen. Doch beim Durchschreiten der Nacht ist jedes Feuer von Nutzen!”

       So haben wir durch Erfahrung die Nützlichkeit der Feinde erkannt. Ich will mit dem Lob der Feinde enden.

* * *

       Was die Verbreitung der Lehre anbelangt, seien Sie bitte nicht zu sehr enttäuscht. Sie sollten nie jemanden zwingen. Durch solchen Druck entsteht nur großer Schaden. Denken Sie daran, wie die Lehre vor jedem Zwang warnt: ”Die Lehre ist sich ihres Wissens bewusst und wird sich nicht im Bazar zur Schau stellen … Die Grenzlinie zwischen Behauptung und Aufdrängen ist sehr fein. Man kann sich oft sehr leicht ohne jeden Nutzen erniedrigen. Jeder Tropfen, der danebenfällt, verwandelt sich in ätzende Säure. Doch ein erzwungenes Anschwellen bedeutet nur Wassersucht, und ihr wisst, dass diese unheilbar ist. Deshalb nur Qualität, nicht Quantität.”

       ”Wer anklopft, nimmt die Verantwortung auf sich, doch die Gezwungenen werden zum Mühlstein um den Hals des Glöckners. Deshalb lasst die Glocke nur zur rechten Zeit erklingen. So werdet ihr Zwang vermeiden.”

       Und so beunruhigen Sie sich nicht wegen der Verbreitung der Lehre des Lichts. Die Lehre wird auf unerwartete Weise verbreitet. Halten Sie nur Ihr Herz auf der Hut und ignorieren Sie das Klopfen der Leidenden und der Kommenden nicht!

17. April 1934

       Ihr Brief erreichte uns fast gleichzeitig mit der traurigen Nachricht über das Hinübergehen unseres lieben, unvergesslichen Felix Denissowitsch [Lukin]. Wir haben einen wirklichen Freund und einen ergebenen, selbstaufopfernden Mitarbeiter verloren. Wir hatten viele Zeichen bezüglich des bevorstehenden Verlustes. Das Gehirn versuchte, sie nicht wahrzunehmen, doch das Herz zog sich in Schmerz zusammen. Dieser Verlust bedeutet für alle unsere Freunde und Mitarbeiter einen großen Schlag. Wie Sie sagen, er konnte mit seinem Herzen wirklich vereinen und wärmen. Die beste Ehrung zum Gedanken an F. D. wird natürlich die Vereinigung aller seiner Mitarbeiter sein sowie die Stärkung und Entwicklung des von ihm begonnenen großen Werkes. Daher schätze ich es sehr, dass Sie sich für alle in Angriff genommenen Werke so verantwortlich fühlen, und ich beeile mich, alle Ihre Fragen der Reihe nach zu beantworten:

       1.) Natürlich, die Gesellschaft für die Vereinigung der Frauen braucht die Hand einer Frau. Jedoch die Mitwirkung des Mannes ist nicht unerwünscht und kann sehr wohltätig sein. Oft ist der Mann ein besserer Mitarbeiter, Verteidiger und Beschützer der weiblichen Rechte als viele Frauen.

       2.) Die von Ihnen ausgearbeiteten Statuten über die Vereinigung der Frauen sind vortrefflich, möge Gott helfen, sie wenigstens teilweise zu verwirklichen. Ich befürworte vor allem den Punkt über die gleiche Bildung für beide Geschlechter, oder wie Sie es nennen, die ”Gleichberechtigung”. Dies ist eine sehr wichtige Sache. Gleiche Bildung zerstört das schädliche Gefühl des Vorrechts gegenüber den Frauen, und das verleiht in vielen anderen Beziehungen das notwendige Gleichgewicht. Gleichberechtigung sowohl der Geschlechter als auch aller Völker sollte einer der ersten Grundsätze jeder Regierung sein. Alles, was die Erziehung und Schulbildung der Kinder betrifft, ist mir sehr teuer, und ich werde meine Gedanken darüber mitteilen.

       3.) Sie haben ein sehr schmerzliches Problem unserer heutigen Zeit berührt – die Frage der legalen Abtreibung. Zu diesem Thema gibt es keine zwei Meinungen – Abtreibung ist ganz sicher Mord. Deshalb darf sie nur dann zugelassen werden, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Doch es ist falsch anzunehmen, dass eine Frau, die sich der Abtreibung schuldig machte, immer niedere Geister anzieht. Das Karma der ganzen Familie muss in Betracht gezogen werden. Oft kann man bemerken, dass in einer Familie, wo ein Kind dabei ist, das nichts taugt, die anderen Kinder nicht schlecht sind. Karma bindet Gruppen von Menschen für lange – für viele Tausende von Jahren. Und oft hat selbst ein hoher Geist keine unbescholtenen Eltern. Die Finsteren wehren sich besonders gegen die Reinkarnation von hoch entwickelten Geistern und versuchen alles, solche Inkarnationen zu verhindern, die für sie gefährlich sind. So ist es wieder einmal nicht das Fegefeuer der Feinstofflichen Welt, das die Wiederverkörperungen von Geistern verhindert, sondern nur das Verbrechen der Eltern. Es gibt kein mächtigeres Fegefeuer als das irdische Leben, wenn alle potentiellen Möglichkeiten der Individualitäten verstärkt werden. In der Lehre ist gesagt: ”Wie die Hungernden nach Nahrung verlangen, so verlangt der Geist, der bereit ist zu inkarnieren, eine neue Wiedergeburt.“ Man kann sich daher vorstellen, welches Leid – auf Grund von künstlicher Verhinderung – der Geist erdulden muss. Der Geist erhält im Moment der Empfängnis Verbindung mit dem Embryo und tritt im vierten Monat allmählich in den Körper ein, wenn sich die Nerven- und Gehirnkanäle bilden. Daher ist Abtreibung nur in Ausnahmefällen zulässig.

       4.) Natürlich sollte die Frau nicht nur physische Lebensspenderin sein; sie hat ihre anderen hohen Pflichten. Und zu diesem Zweck besteht die natürliche Enthaltsamkeit, die leicht durchgeführt und so der Zuwachs der Familie reguliert werden kann. Dies ist gut möglich, wenn das Herz und den Kopf hohe Interessen beschäftigen. Ich erwarte natürlich viele Einsprüche, doch ich bestehe darauf. Es besteht kein Zweifel darüber, dass dies beim gegenwärtigen sittlichen Zustand der Familien sehr schwer ist, doch es gibt bereits solche Familien, und sie werden in Zukunft zunehmen. In früheren Zeiten verstanden es die Menschen, die Geburtenregelung nach den Mondphasen zu bestimmen. Später wurde dies als schwarze Magie betrachtet, doch heutzutage wären solche Maßnahmen besser als die schrecklichen Abtreibungen, die Frauen zu Krüppeln machen und damit auch die kommenden Generationen.

       Jetzt will ich über zwei von Ihnen im Zusammenhang mit diesem Problem erwähnte Fälle sprechen. Ihr erster Fall betrifft eine Frau, die ”aus Liebe zu Kindern” den Beruf einer Lehrerin wählte. Der Fall ist sehr unlogisch; da sie es für ein Vorurteil hielt, sich vor einem unehelichen Kind zu fürchten, hätte sie bei dieser Meinung bleiben sollen. Und als sie sich nun doch zu einem unehelichen Kind entschlossen hatte, so konnte sie nicht erwarten, dass es legitimiert wird. Darüber hinaus müsste sie die Vorschriften der Schule gekannt haben. So offenbart sich in diesem besonderen Fall sehr viel Leichtsinn, und ich würde sagen, eine sehr gefährliche Leichtsinnigkeit, da sie in Verbrechen endete. Doch was mir sehr widersprüchlich erscheint, ist ihre ”große Liebe zu Kindern”, denn diese Liebe müsste sie vor solch einem unsinnigen Schritt zurückgehalten haben.

       Im weisen Indien wird die ausschließliche Liebe zum eigenen Kind als eine Art tierischer Egoismus betrachtet. Wo es so viele unglückliche Waisen um uns herum gibt, können wir da so teilnahmslos sein und keine großen mütterlichen Gefühle für sie haben? Diese Frau könnte mit ihrer ”großen Kinderliebe” eine dieser unglücklichen heimlosen Waisen adoptieren und so ihre Liebe zu Kindern unter Beweis stellen. In solch einer Tat wäre so viel Edles, und vielleicht würde sie ihren wirklichen Sohn oder ihre wirkliche Tochter aufziehen. Karma führt uns in erstaunlicher Weise mit Seelen zusammen, die aus der Vergangenheit Beziehungen zu uns haben.

       Sie schreiben, dass sie das Buch ”Schwester Beatrice” gelesen hat. Doch Schwester Beatrice wurde von einer großen Liebe getrieben, während diese Frau nur von dem Wunsch sprach, ein Kind zu haben. Das ist unvereinbar. Ich werde nie einen Stein auf eine Frau werfen, die aus grenzenloser Liebe alle Herkömmlichkeiten außer acht ließ, vorausgesetzt, dass sie ihr Glück nicht auf das Unglück anderer aufbaut. Verpflichtungen gegenüber einer Familie und Kindern erachte ich als heilig.

       Im zweiten Fall, den Sie schildern, verdient die Frau mehr Mitgefühl. Doch auch in ihrem Fall können wir, solange der Wunsch herrscht, ein eigenes Kind zu haben, den weisen Ausspruch über den Egoismus solcher Liebe anwenden. Um richtig urteilen zu können, ist es vor allem notwendig, die wirklichen Beweggründe und Umstände zu kennen. Doch immer und in allem ist die Harmonie des Herzens und des Intellekts sehr wichtig, dieses große Gleichgewicht, das die Grundlage der Vervollkommnung ist und von allen großen Lehren bestätigt wird. Ein starkes Muttergefühl kann sich nicht nur auf die Liebe zum eigenen Kind erstrecken, solche Beschränkung sollte ausgelebt werden. Und sehr oft stehen uns fremde Kinder geistig näher als die eigenen. Geistige Verwandtschaft bindet stärker als die Bande des Blutes.

       5.) Sie fragen ”Hat jede Frau das Recht auf ein eigenes Kind?” Wenn wir die Frage vom kosmischen Standpunkt aus betrachten, dann gewiss, ja. Doch mit den von Menschen vorgenommenen Entstellungen haben die kosmischen Gesetze nichts gemein.

       Daher möchte ich sagen, dass nicht jede Frau ein Recht auf ihr eigenes Kind hat. Der Begriff der Familie ist ein heiliger Begriff. Doch wie die Dinge heute liegen, gibt es nichts oder fast nichts Heiliges mehr in ihr. Viele Familien sind sündhaft. Und ich wiederhole, dass ich nie eine Frau verurteilen werde, die sich in aufrichtiger Liebe hingibt, da wir wissen, dass viele Herkömmlichkeiten und alle möglichen Umstände die Legalisierung solch einer Verbindung hindern. Viel sündhafter ist es, ein aus solch einer Verbindung geborenes Kind zu strafen. Doch heute gibt es viele Männer und Frauen, die es wegen tiefgreifender geistiger Verdorbenheit nicht verdienen, Kinder zu haben.

       6.) Die von Ihnen angeführten Zeilen aus dem Buch von Ernst Bergman geben künftige Gedanken wieder und befassen sich mit den nächstliegenden Aufgaben. Wird in der Lehre nicht auf die hohe Bedeutung der Frau in ihrer ganzen Tätigkeit im Leben hingewiesen? Ist nicht aufgezeigt, dass der Grund für so viele Missstände unseres Planeten und der Menschheit auf den Mangel des Gleichgewichts zwischen den beiden Geschlechtern zurückzuführen ist? Der Kosmos gründet auf diesen Anfängen, und nach kosmischem Maßstab sind beide Anfänge gleich groß und notwendig, denn einer kann ohne den anderen nicht bestehen. Doch was sehen wir im Leben und in den von Menschen eingeführten Bräuchen? In manchen Ländern wird die Frau bis zur Sklaverei erniedrigt, und selbst in mehr zivilisierten Ländern werden dem Mann alle Vorrechte eingeräumt.

       Zweifellos ist es in vielen Beziehungen der eigene Fehler der Frau, besonders jetzt, wo sie versucht, die alle negativen Eigenschaften des Mannes nachzuahmen, anstatt ihr eigenes Wesen und ihre Originalität zum Ausdruck zu bringen. Das Ergebnis ist ein unwürdiges Zerrbild. Natürlich, es gibt keine Begrenzungen der geistigen Schaffenskraft des einen oder anderen Geschlechts. Die Schaffenskraft des Gedankens, der Kunst sowie des Lebensaufbaues ist geistiger Natur und daher beiden Geschlechtern eigen. Beide Geschlechter haben ihre eigenen Wesenszüge, und dies verschönert das Leben. Diese Wesenszüge sollten sehr stark zum Ausdruck kommen, um die vollkommene Schönheit des Romantischen und des Heldentums zu beleben. Nach Verfeinerung des Bewusstseins und der Gefühle wird die schöne Bestimmung beider Geschlechter lebhaft in Erscheinung treten.

       Zum Abschluss darf ich Ihnen sagen, dass viele Familien sich zu unrecht als solche bezeichnen, weil sie kosmisch gesehen ungesetzlich verbunden sind. Wahrlich, viele Verbindungen, die nur durch die menschlichen Gesetze bestehen, sollten als illegal betrachtet werden. Richtige, d. h. kosmische gesetzliche Verbindung ist eine große Wissenschaft der Zukunft. Diese Wissenschaft wird auf unveränderlichen kosmischen Gesetzen begründet sein. Vieles ist über die Seelenverwandtschaft gesagt worden. Doch wer kennt und versteht diese Wahrheit in der ganzen Größe des kosmischen Gesetzes? Sie erinnern sich, dass in den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK gesagt ist, dass sich die Menschen entsprechend den Elementen verbinden sollten. Nur Eltern, die demselben Element angehören, können gesunden und ausgeglichenen Kindern das Leben schenken. ”Und im Leben sehen wir oft, dass Feuer mit Wasser oder Luft mit Erde verbunden ist. Der Niedergang ganzer Völker ist die Folge solcher Vermischung.” Die Zeit wird kommen, wo diese Wahrheit in ihrer ganzen Herrlichkeit verstanden wird und die Menschen sie als das Wesentlichste im Leben anwenden werden. Die Lebensformen und alle Funktionen der Menschheit müssen entsprechend den kosmischen Gesetzen erneuert werden. Dies wird dann geschehen, wenn die Menschheit um ihren Fortbestand und ihre Evolution auf diesem Planeten besorgt ist – andernfalls erwartet uns das Los der Lemurier – Zerstörung durch Feuer.

       7.) Gewiss, ich billige den Kampf gegen die Abtreibung, doch wie wollen Sie gegen dieses Übel ankämpfen? Es gibt keine Gesetze, die etwas erhalten oder verbieten können. Deshalb denke ich persönlich, dass man vor allem für die Hebung des Bewusstseins der heranwachsenden Generationen kämpfen und sie auf das Begreifen der menschlichen kosmischen Aufgabe des Allgemeinwohls nach kosmischem Maßstab hinlenken muss. Es ist wichtig, den Weltmaßstab festzulegen. Wieder kommen wir auf die gleiche fundamentale Frage zurück: Erziehung und Bildung. Wie der Große Geist es ausdrückte: ”Die Quelle allen Leidens ist Unwissenheit”, was so wahr ist; und die Geschichte der Menschheit mit allen ihren finsteren Seiten der Verfolgung der besten Vertreter des Wissens beweist es.

       8.) Ohne Zweifel hat jede Mutter und jedes Kind ein Recht auf Sicherheit, und so kann es auch keine Unterteilung in legitim und illegitim geben. Doch wir können noch weitergehen und sagen, dass jeder Bürger ein Recht auf Sicherstellung der Arbeit hat. So vieles muss geändert werden, und hier sollte die Stimme des Herzens der Frau helfend eingreifen.

       9.) Sie fragen, ob es im Plan der Weißen Bruderschaft liegt, die alten Familienformen zu erhalten und sie geistig zu beleben? Die Formen selbst sind natürlich bedeutungslos. Die Hauptsache ist das geistige Bewusstsein, das diese Formen beseelt. Ich beantwortete diese Frage bereits, als ich über die große Wissenschaft der Zukunft sprach, die auf unveränderlichen kosmischen Gesetzen beruht. Deshalb sollten wir uns um die neuen Formen nicht sorgen, sondern sollten die alten mit neuem Verstehen beseelen. Ich füge folgende Zeilen aus der Lehre hinzu: ”Wenn die Menschheit den kosmischen Gesetzen anstatt den sogenannten Neuerungen und Statuten mehr Beachtung schenken würde, könnte das Gleichgewicht hergestellt werden, das immer mehr und mehr verletzt wird, beginnend mit dem Gesetz des Entstehens und endend mit der ”kosmischen Krönung”. Die bestätigten Gesetze sind einheitlich. Auf allen Ebenen müsste die Einheit bestätigt werden. Der Weg der Evolution ist wie ein Faden, der sich durch alle physischen und geistigen Grade spannt; und deshalb können Regierungen und Gesellschaftssysteme die kosmischen Gesetze für ihre Verbesserungen anwenden.”

       10.) Und nun was die Gruppen betrifft. Es ist wünschenswert, die Gruppen entsprechend den Bewusstseinsebenen zu bilden. Doch der ideale Weg wäre, die Menschen entsprechend der Zusammensetzung oder Farbe ihrer Aura zu gruppieren, weil der die harmonischen Auren verbindende Strahl die Macht erhöhter Anziehung gewinnt, wogegen disharmonische Verbindungen einander abstoßen. Zwei harmonische Auren gewähren Erfolg, weil die Wirkung vereinigter Strahlen jedes Unternehmen fördert. Doch da wir von der Bestimmung und selbst der Farben der Auren noch weit entfernt sind, obwohl man in dieser Richtung einen Fortschritt erzielte, bleibt nur zu tun übrig, Leute zu vereinen, die miteinander sympathisieren. Der Lehrer sollte die Charaktere seiner Schüler aufmerksam beobachten.

       In der Lehre des Lebens gibt es auch darüber einen Hinweis ”Die Anweisungen sollten zweckmäßig sein. Dem, der einen geistigen Fortschritt zeigt, sollten Möglichkeiten weiterer Förderung geboten werden. Würde das schnellste Boot seine Segel einziehen, um die Frontlinie auszurichten, wäre das nicht eine Verringerung seiner Möglichkeiten? Der Lehrer sollte mit wachsamen Augen jene erkennen, die gute Fortschritte machen. Sie sollten nicht gelobt, doch ihr Pfad geebnet werden. Es ist ratsam, Interimskurse abzuhalten; diese Stufen anwendend, werden die Schüler schneller aufsteigen. Verberget ihnen die Schwierigkeiten nicht! Denn für einen bestimmten Bewusstseinstyp ist jede heroische Regung bereits eine Quelle des Lichts und der Freude. Es hängt auch vom Lehrer ab, die Richtung der Gedanken des Schülers zu bestimmen, da eine schlechte Wegzehrung sehr verderblich ist; sie kann die besten Arbeiter vertreiben. Jedes starre Programm ist wie ein Leichnam, der unter der Sonne des Wissens unerträglich wird.”

       Sie führen einige Paragraphen aus dem Buch ”Agni Yoga” an und vermuten ganz richtig, dass es zum Zusammenstellen von Gruppen notwendig ist, diese Weisungen zu befolgen. Man muss beachten, dass diese Anweisungen drei verschiedene Gruppen im Auge haben. Während die Anweisungen laut § 137 eine Gruppe eng verbundener Mitarbeiter betreffen, beziehen sich jene in § 310 auf Menschen im allgemeinen und nicht auf enge Mitarbeiter im besonderen, denen gegenüber man Toleranz üben sollte, denn von den engsten Mitarbeitern wird als selbstverständlich angenommen, dass sie nicht in ”verschiedene Richtungen” schauen und die Fabel vom Hecht, Krebs und Schwan illustrieren. § 311 handelt von einer Gruppe, die noch geformt und vorbereitet wird, um sich mit der Lehre zu vereinen.

       Die Vereinigung der Bewusstseine geschieht nicht sofort, sie wird durch große Anstrengung erreicht. Viel gegenseitige Geduld, Takt, Aufrichtigkeit und Edelmut sollten geübt werden. Doch wenn sie erreicht ist, wird wirklich alles möglich, da man ständig unter Höherer Führung steht.

       Es ist schwer, harmonische Gruppen zu bilden, doch noch schwerer ist es, einen passenden Lehrer zu finden. Besonders wichtig ist es, bereits für die Anfänger erfahrene Lehrer zu haben. Die Fähigkeiten des Lehrers entwickeln sich allerdings auch bei der gemeinsamen Arbeit. Auf diese Art lernen Lehrer oft von Menschen, deren Bewusstsein noch gering entwickelt ist, mehr als von jenen, die ungefähr auf der eigenen Ebene liegen. Dies kommt daher, weil die Einfachen uns durch ihre Fragestellung zwingen, Findigkeit zu üben, um unsere Erklärungen ihrer Aufnahmefähigkeit anzupassen. Es ist eine ausgezeichnete Übung für klares Denken. Wahrlich, indem wir lehren, lernen wir.

       Ja, in allen Fragen sollten wir unser Gefühlswissen oder Herz sprechen lassen, es gibt keinen anderen Maßstab. Jeder Fall ist unterschiedlich und ursprünglich, besonders wenn es ein außergewöhnliches Zusammentreffen von Umständen gibt. Und für alles muss das Herz die richtige Entscheidung treffen.

       Nun haben Sie die Schwelle neuer, verantwortlicher Arbeit betreten. Das ”brennende Herz” – wie Sie es so schön ausdrücken –, das es verstand, Freude zu bereiten, hat uns verlassen. Doch jeder sollte lernen, diese Freude in sich zu finden, denn in uns ist Licht. Das ”brennende Herz” entfachte das Feuer. Es ist Ihre Pflicht und jene der engsten Mitarbeiter, dieses Feuer zu bewahren und es zu einer unauslöschlichen Flamme anzufachen. Das begonnene Werk ist so groß, so schön, so allumfassend und wichtig, dass man wirklich frohlocken sollte angesichts der Tatsache, daran teilzuhaben. Was kann größer sein als Arbeit für das Allgemeinwohl und für die Hierarchie des Lichts?

       Große Ereignisse nahen, und es werden viele Mitarbeiter benötigt. Jene, welche die Grundlagen der LEBENDIGEN ETHIK erfasst haben, sollten helfen, das Gleichgewicht des Lebens zu erhalten und die kommende Epoche zu bestätigen, die auf wahrem Begreifen des Geistes der Schönheit und Zusammenarbeit beruht.

       Und daher – viel Glück in Ihrer neuen Aufgabe; seien Sie tapfer und freudvoll, denn die Führende Hand wird jene nicht verlassen, deren Streben aufrichtig ist.

11. April 1934

       Sie fragen um Rat, wie Sie in der Arbeit und in der persönlichen Entwicklung erfolgreich sein können. Sie besitzen doch die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK, in denen die wertvollsten Anweisungen und Ratschläge gegeben sind, und wenn nur ein Zehntel davon befolgt wird, werden größte Ergebnisse nicht ausbleiben. Ich kann nur hinzufügen, dass für rascheste Selbstvervollkommnung und Entwicklung der Geistigkeit ein stetes Denken an den Höchsten Hierarchen das Wesentlichste ist; das ist jene heilige Konzentration, über die so viel geschrieben und die so oft missverstanden wird. Wenn wir Tag und Nacht jeden Augenblick an das Leuchtende Bildnis denken und alle unsere Arbeiten in Seinem Namen ausführen, werden wir allmählich jene heilige Einheit herstellen, die uns schließlich die große Macht der Hiero-lnspiration verleiht.

       Da ich Ihre schriftstellerischen Fähigkeiten kenne, würde ich Ihnen raten, sie für feurige Invokationen zur Erweckung und Belebung des Geistes zu nutzen. Wahrlich, die Zukunft liegt in der Auferstehung des Geistes! Nachdem Sie die Bücher der Lehre gelesen haben, dürften Sie zweifellos erkannt haben, in welch kritischer Zeit wir leben, und um den langsamen Fortschritt des Bewusstseins wissend, werden Sie verstehen, dass kein Augenblick vergeudet werden soll. Selbst das Bestehen unseres Planeten wird auf der kosmischen Waage gewogen, und allein die Menschheit kann die eine oder die andere Waagschale entscheidend beeinflussen. Die Umgestaltung der Welt geht vor sich, und wir müssen uns ernst entscheiden, ob wir mit dem Kosmischen Magneten voranschreiten oder das Los kosmischen Niedergangs auf uns nehmen wollen.

       Die Schwierigkeit besteht bei den meisten Menschen, die mit der Lehre bekannt wurden, darin, dass sie die allumfassende Weisheit und Schönheit zwar bewundern, doch sie betrachten sie nur als schöne poetische Schöpfung; sie verstehen das Wesentliche der Lehre nicht und bemühen sich auch nicht, sie im Leben anzuwenden; sie legen keine einzige Gewohnheit ab und verzichten nicht auf die geringste Bequemlichkeit. Währenddessen sind die bedrohlichen Zeichen des feurigen Sturmes, von dem in der Lehre so viel gesprochen wird, bereits offensichtlich, und jene, die geistig nicht erwacht und gestärkt sind, werden durch die nicht zu verhindernden schrecklichen Epidemien zu Tausenden dahingerafft werden.

       Es ist Zeit, an die Hygiene des Geistes zu denken. Hygiene des Körpers ist nicht so wichtig wie Hygiene des Geistes. Weder Vitamine und Injektionen noch Impfungen werden den retten, dessen psychische Energie erschöpft oder erstarrt ist. Wie wichtig ist das Verständnis für die tiefe Bedeutung des Wortes ”Dienst”, großer Dienst, große Taten für die Rettung der Menschheit! Das Wort ”podwig” ist so schön! (”podwig” lässt sich aus dem Russischen schlecht übersetzen; das Wort bedeutet große oder heroische Tat in Zusammenhang mit geistiger Errungenschaft). Es birgt den Gedanken der Selbstvervollkommnung und Selbstverleugnung in sich, was nicht nur den Fortschritt des persönlichen Bewusstseins bewirkt, sondern den des ganzen Landes. Wahrlich, die Zeit ist da, zu ”podwig” (Heldentat) aufzurufen! Die ganze Welt, alle Länder befinden sich in einem schrecklichen Kampf, und nur der geistig Starke wird siegen. Wir sollten nicht der Täuschung unterliegen, dass alles sich von selbst entscheiden wird. Nein, jedes Land muss erkennen, dass es nur überleben kann, wenn seine besten Vertreter begreifen, dass der Kampf gegen die Unwissenheit und gegen die Kräfte der Zerstörung nicht hinausgeschoben werden darf. Alle Länder werden geprüft. Werden viele durchkommen? In den Feinstofflichen Welten ist die Landkarte der Zukunft bereits entworfen, doch vielem kann noch abgeholfen werden.

       Und so, seien Sie feurig beseelt! Schreiben Sie feurige Artikel für die Verteidigung der Kultur des Geistes; preisen Sie ”podwig” und Heldentum, denn in der Lehre ist gesagt: ”Wo der Gedanke an das Heldentum verschmäht oder gar als ungebührlich erachtet wird, gibt es tatsächlich Verfall. Nach diesen Merkmalen kann man die Gebrechlichkeit der Völker beurteilen. Die letzten Worte des Großen Geistes zu Seinen Brüdern, als Er die Erde verließ, waren: ”Schaffet Helden!”

       Die Zeit ist gekommen, wo wir heldenhaft sein und Helden schaffen müssen.

26. April 1934

       Ich war so glücklich, von meinen fernen Mitarbeitern Briefe zu erhalten. Wir sind alle durch dieselbe Lehre vereint und sollten uns wie eine große Familie fühlen. Wenn es auch noch nicht möglich ist, physisch beisammen zu sein, so ist es gut zu wissen, dass diese Zeit kommen wird. Und so wollen wir uns auf diese große Zeit vorbereiten. Wir wollen uns auf sie vorbereiten wie auf einen Feiertag des Geistes und des Herzens. Wir wollen uns strenges geistiges Fasten auferlegen, damit wir in vollkommener Reinheit des Körpers und des Geistes am Osterabend eine Auferstehung des Geistes willkommenheißen können. Lasst uns in unserem ganzen Denken dieser nahen Zukunft entgegenstreben, viele der mühseligen und schwierigen Dinge des Alltags werden leichter zu ertragen sein, denn wir werden in unserem Herzen die unvermeidlichen Mühen und Schwierigkeiten als Teil einer großen Prüfung und der Freude der Zukunft erleben.

       Bitte sagen Sie den lieben Mitarbeitern, sie mögen die Flamme ihres Herzens bewahren und alle ihre schöpferischen Kräfte aufwenden, um den sehnsüchtigen Herzen die frohe Botschaft der Lehre zu vermitteln. Alle, die nach Wissen streben, sind uns sehr teuer. Ohne schwere Prüfung kann der Mensch nicht zur Erkenntnis gelangen, und glücklich sind jene, die solche Prüfungen bereits in der Jugend erfahren. In der uns zugeteilten Arbeit sollten wir alle unseren Geist erprobenden, schwierigen Augenblicke schätzen und uns mit dem Leben und der Seele eines Volkes vertraut machen. Es ist ganz richtig anzunehmen, dass die Menschheit durch ein großes Wunder der Erleuchtung gerettet wird. ”Das Wunder wird zur vorbestimmten Zeit geschehen!”

       Ich bin froh, dass Sie sich für das von den Großen Lehrern geplante Werk des Allgemeinwohls ernstlich entschlossen haben. Ohne solch einen Entschluss kann man auf dem Pfad nicht vorankommen. Uns wurde folgendes Gebet gegeben: ”Dir, o Herrscher, will ich in allem dienen – immer und überall. Möge mein Pfad eine Heldentat der Selbstlosigkeit sein! Möge dies auch Ihr Gebet sein und das eines jeden, der mit ganzem Herzen den Pfad des Dienstes an der Menschheit betritt. Im Zusammenhang damit möchte ich aus der Lehre nachfolgendes anführen: ”Wenn der Schüler in seinem Herzen die Freude des Pfades erkennt, eines Pfades ohne Schwierigkeiten, weil sich alles in die Freude des Dienens verwandelt, dann können ihm die Großen Tore erschlossen werden. Bei den höheren Erscheinungen muss der Schüler in seinem Herzen der gewaltigen Leistungen des Lichtes gedenken. In den schrecklichen Erscheinungen muss er die Anstrengungen der Finsternis erkennen. Der Schild des Lichtes trägt die Inschrift: ”Herrscher, ich komme allein, ich komme in einer offenbarten Heldentat. Ich will das Ziel erreichen, und ich werde es erreichen!” Weiter steht auf dem Schild des Lichts geschrieben: Ehrlichkeit, Hingabe und Selbstverleugnung. Doch furchtbar ist der Ansturm der Finsternis. Möge die Hand des Schülers davor bewahrt bleiben, auf diesen bleibenden Schriftrollen: Lüge, Scheinheiligkeit, Verrat, Selbstsucht … einzuschreiben.

       ”Unter den für den Aufstieg besonders schädlichen Erscheinungen sei halbherziges Dienen hervorgehoben. Man kann nicht vorankommen, ohne diese fürchterliche Halbheit auszumerzen. Es muss daran erinnert werden, dass der Schüler, sobald er einen Lehrer erwählte, immer mit Rücksicht auf die schädlichen Folgen der Halbheit handeln muss. Nicht nur ein offensichtlicher Verrat ist gefährlich (dagegen kann man offen mit dem Schwerte ankämpfen), sondern diese verderblichen Schliche der Halbheit sind so schädlich.”

       ”Das Bewusstsein der Menschen muss auf den Pfad der Ehrlichkeit gelenkt werden. Die Menschen müssen verstehen, dass aufrichtiges Dienen das Wichtigste ist. Womit kann man das Wachsen des Geistes festigen, womit kann man die Hingabe zur Hierarchie bekunden, womit kann man das Bewusstsein läutern? Nur durch dieses eine Gesetz – Ehrlichkeit des Dienens. So lasst uns immer an die Schädlichkeit der Halbheit denken. Die Leistungen der Finsteren zeigen alle nur halbe Entscheidungen und Taten; daher sollte man auf dem feurigen Pfad an die Folgen der Halbheit denken. Wäre es möglich, alle Errungenschaften der Feinstofflichen Welt zu offenbaren, die Menschheit wäre entsetzt über die grauen Schatten der Zerstörung, Halbheit, des Verrats, der Streitsucht, Heuchelei, Unduldsamkeit und Selbstsucht. So lasst uns auf dem feurigen Pfad an die gefährliche Unterminierung durch Halbheit denken.” (Feurige Welt, III. Band).

       Daher mögen alle Neuankommenden nicht sofortige Erleichterung und besondere Ergebnisse erwarten, wenn ihr Herz und Geist noch nicht reif sind, dem Lichte zu dienen. Es ist gesagt ”Man sollte die Lehre wie das letzte Feuer, das letzte Stück Brot, das letzte Wasser hegen. Man muss Liebe offenbaren und hüten – als die letzte Möglichkeit und den letzten Tropfen Wasser.” Solch ein Streben würde unsere Möglichkeiten vermehren. Ein wahrer Schüler strebt vorwärts, getrieben von der unwiderstehlichen Liebe zum Lehrer des Lichts.

       Nun möchte ich Ihre Fragen beantworten:

       1.) Sie haben natürlich recht, dass man die Lehre vor allem im Leben anwenden muss, um sich zu vervollkommnen. Wie können wir sonst andere, aufrichtig bestrebte Seelen anziehen? Jeder, der sich der Lehre nähert, ist verpflichtet, diese empfangenen Saatkörner auszustreuen. Doch wie könnte diese Saat erfolgreich sein, wenn wir selbst nicht fähig sind, die uns anvertrauten Saatkörner zu erproben und zu schätzen? Wird es viele geben, die unsere Saatkörner werten? Viele von ihnen werden die Keimlinge dieser Saatkörner sehen wollen. Daher ist das konkrete persönliche Beispiel jener, welche die Saatkörner besitzen, sehr wichtig. Es ist wichtig, die Wirklichkeit der Lehre zu bekunden, zu beweisen, in welchem Maß sie den Charakter und das Leben eines Menschen zu verändern vermag. Vor langem wurde gesagt ”Glaube ohne Tat ist tot”. So wird die Lehre, im Leben nicht angewendet, keinen Nutzen bringen.

       2.) Sie fragen, ob Sie die Meditationen fortsetzen sollen. Alles, was die Gedankenkonzentration fördert, ist nützlich. Zur Klarheit und Kristallisation des Denkens sollte angeregt werden. Gerade jetzt nimmt das chaotische Denken überhand, und man sollte besonders auf der Hut sein. Man sollte sein Denken anspannen und kein unkontrolliertes Denken zulassen. Konsequenz des Denkens und Handelns sind für die Erweiterung des Bewusstseins so wichtig.

       Ich habe Ihre Meditationen gelesen; das Thema über den Gedanken ist sehr umfangreich. Wahrlich, der Gedanke ist das Universum! Daher ist es ratsam, diese Frage ausführlich zu behandeln und so konkret wie möglich zu gestalten. Es ist auch sehr nutzbringend, darüber zu meditieren: Der Gedanke als Gestalter des Karma. Das Thema ”Und Wir öffnen die Tore” sollte ausführlich behandelt werden. Versuchen Sie, den ganzen Pfad des Aufstiegs in sieben Tore zu unterteilen und die Aufeinanderfolge der Eigenschaften aufzuzeigen, die entwickelt werden müssen, um diese Tore zu erschließen, wenn nicht alle, so wenigstens vier. Ein anderes Thema – ”Lächle über die Schwierigkeiten auf dem Pfad” (BGM I, 105 [116]) – sollte ebenfalls erörtert werden. Sie sollten klar hervorheben, was uns wirkliche Kraft verleiht, alle Schwierigkeiten zu meistern, ”über sie zu lächeln” und aufzeigen, aus welch unerschöpflicher Quelle Freude entspringt; so vermögen Sie die Gedanken ”Freude als die höchste Weisheit” zu vertiefen. Dies sind nur kurze Vermerke. Solche Meditationen über Themen aus der Lehre sind sehr wertvoll. Sehr gut wäre es auch, die Themen ”Einfachheit” und ”Heldentat” (Podwig) zu wählen. Diese beiden Begriffe werden in den Büchern der Lehre besonders hervorgehoben.

       Nun möchte ich über ihre vierte Meditation sprechen: ”Die Eigenschaft der Luft und die Gelassenheit des Geistes”. In dieser Meditation kann ich dem Satz ”Zuerst müssen wir den Tempel vorbereiten und dann die Seele erziehen” nicht zustimmen. Der Geist baut den Tempel und nicht umgekehrt. Allerdings sind das Psychische und das Physische eng verbunden, und zur Vervollkommnung ist völlige Ausgeglichenheit nötig; ohne den Körper können wir bestehen, doch ohne Geist sind wir völlig tot. Ich zitiere aus der Lehre: ”Es wurde richtig gesagt, dass der Geist ohne den Körper leben kann, denn ein missgestalteter Körper kann eine leuchtende Seele bergen, doch ein Körper kann, trotz aller äußeren Vollendung, keinen Geist enthalten, der nicht den Aufspeicherungen der Vergangenheit entspricht. Es ist richtig, da der menschliche Geist vielfach unterdrückt wird, sind Krankheiten oftmals ein Segen, denn sie vereinen den Geist mit der Feinstofflichen Welt. Jede Erscheinung gründet auf zwei Grundsätzen, die den Maßen der feinstofflichen sowie denen der physischen Welt entsprechen. In der Tat, diese Maße sind oft gegensätzlich proportioniert.” In den Büchern der Lehre gibt es eine Stelle über die Gefahren, unentwickelten, sündhaften Seelen einen gesunden Körper zu verleihen; wahrlich, das Übel würde noch mehr triumphieren. Daraus ergibt sich, dass wir uns mehr auf die Entwicklung des Geistes konzentrieren und den physischen Körper nur so weit pflegen sollten, wie es allgemein erforderlich ist. Und den bekannten Ausspruch ”Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist” würde ich umgekehrt anwenden: ”Ein gesunder Geist besitzt einen gesunden Körper”. Wenn wir uns nur um die Stärkung des Körpers bemühen, werden wir nie vorankommen. Ich ermutige alle Mitarbeiter zur Betrachtung.

       Ist jemand schriftstellerisch begabt und hat er das Wesen der Lehre in sich aufgenommen, dann ist es sehr nützlich, kleine Broschüren zu verfassen, in denen die Gedanken der Lehre für die breite Masse kommentiert werden. Diese kurzen Kommentare sind sehr wichtig! So wäre es beispielsweise sehr wertvoll, über die Bedeutung des Lehrers zu schreiben, über die Macht und Bedeutung der Gedanken, über psychische Energie usw. Die in der Lehre gegebenen Erklärungen müssten gesammelt und vereinfachende Kommentare hinzugefügt werden. Im allgemeinen gibt es endlose Möglichkeiten, in der Lehre mitzuarbeiten, und ich begrüße es immer, wenn schriftstellerische Fähigkeiten genutzt werden. So viel Arbeit sollte in nächster Zukunft getan werden, so viele Hände werden auf allen Gebieten benötigt. Immer sollte man versuchen, so viel wie möglich zu lernen, entsprechend der Reichweite des Fassungsvermögens und mit dem Vorsatz, das Wissen zu nutzen und anzuwenden.

       3.) Sie fragen, ob Sie sich mit dem Studium der Heilkräuter befassen sollen? Alles Wissen ist nutzbringend, und dieses Gebiet ist wirklich edel und äußerst interessant.

       4.) Sie möchten wissen, wie die Lehre im Leben anzuwenden ist. Mit aller Einfachheit, mit dem ganzen Herzen, genauso wie es in den Büchern der Lehre aufgezeigt ist. Allerdings können sich Missverständnisse und Fragen bezüglich bestimmter Ausführungen in der Lehre ergeben. Zögern Sie nicht zu fragen, ich werde mich immer darüber freuen, Ihnen helfen zu können. Die Lehre wurde fürs tägliche Leben gegeben und enthält oft Antworten, Fragen und Erklärungen für bestimmte Ereignisse, und so mögen diese Stellen für jene, die mit der Lehre nicht so vertraut sind, nicht immer klar sein. Ich bin oft auf Auslegungen gestoßen, die in bestimmten Stellen das Gegenteil von dem aussagten, was in der Lehre gemeint ist. Dies ist unvermeidlich, und daher bin ich immer froh, Ihre Fragen in bezug auf die Lehre beantworten zu können. So werden wir die notwendige geistige Verbindung herstellen; wo es keine Fragen gibt, kann es keine Lehrer geben. Und da wir in verschiedenen Erdteilen leben, hilft ein direkter Kontakt sehr, weil es so wichtig ist, ständige und lange Verständigung zwischen Auren zu unterhalten. So wollen wir die Gedanken und Bestrebungen des Herzens austauschen und uns unsere auf Papier festgehaltene psychische Energie senden.

       Mein Herz ist voll des Wunsches, Freude zu bereiten und jedem Hilfe angedeihen zu lassen. Bitte denken Sie an den Ernst und die Feierlichkeit des Augenblicks und verstärken Sie alle Kräfte für die Selbstvervollkommnung. Die Zukunft ist groß und schön.

5. Mai 1934

       Es ist unrichtig, den feinstofflichen Körper als formlos zu bezeichnen, da seine Gestaltlosigkeit relativ ist. Die Lehre spricht von Unkörperlichkeit, doch nicht von Gestaltlosigkeit. Darüber hinaus wird in den esoterischen Lehren behauptet, dass diese uranfänglichen feinstofflichen immateriellen Körper schöne Formen hatten. Man kann nicht sagen, dass sie mit unserer gegenwärtigen physischen Form nichts gemein hätten. Wir sollten daran denken, dass ja der feinstoffliche Körper der Prototyp des physischen Körpers ist. Natürlich, der primitive, physische, hochtierische Typ war in seiner Erscheinung vom feinstofflichen Körper oder von der ihm eingelagerten geistigen Wesenheit weit entfernt.

       Viel richtiger und verständlicher wäre es zu sagen, dass das menschliche Wesen am Beginn der irdischen Evolution zwar keinen Intellekt besaß, doch in seiner geistigen Entwicklung uns voraus war. Geistigkeit ist vor allem Bewusstsein, und Bewusstsein ist die Grundlage des Universums. Jedes Atom hat sein Bewusstsein, denn wo immer es Leben gibt, gibt es Bewusstsein; allerdings sind die Abstufungen endlos. Es ist wahr, dass es in der feinstofflichen Welt halbbewusste oder auch unbewusste posthume Zustände gibt, doch nur in Fällen, wo Geistigkeit entweder schlummert, nicht vorhanden ist oder wenn eine Person im irdischen Leben versäumte, höhere Fähigkeiten zu entwickeln und so die Verbindung mit ihren geistigen Zentren löste. Allein diese Verbindung verleiht uns die wahre Unsterblichkeit eines Gottmenschen oder Archaten; wenn die Einheit des Gemüts geistiges Bewusstsein erlangt, vermag man die Bezeichnungen ”Gefühlswissen”, ” Hellsichtigkeit” und ” Hellhörigkeit” zu verwenden. Wenn man daher von der Geistigkeit des ursprünglichen Menschen spricht, ist es besser, Ausdrücke wie ”geistiges Bewusstsein”, ”geistiges Sehen” und ”geistiges Hören” zu verwenden.

       Ich will jetzt einige Aussprüche aus meinem Buch, das ich nun bald zusammenstellen möchte, anführen, die Ihnen von Nutzen sein könnten: ”Die geheime Lehre besagt, dass der Hermaphrodit in Wirklichkeit nie existierte. Es gab einige individuelle, missglückte Fälle, die aber bald verschwanden. Doch die Theorie von den Zwillingsseelen hat eine reale Grundlage und ergänzt in gewisser Weise das Symbol des Androgyn. Alle Symbole des Androgyn bezwecken, auf die Notwendigkeit der Zwillingselemente im Kosmos nebst allen Ergänzungen für die Erhaltung des Lebens und des Gleichgewichts hinzuweisen. Alle Legenden über die Seelenverwandtschaft gründen auf einer großen Wahrheit, weil im ursprünglichen Gesetz die Einheit der zwei Elemente im Grunde bestimmt ist … Feuer ist seiner Natur nach dual, daher war in den alten Mysterien über jedem Kelch eine duale Flamme. Alle Götter der alten Mysterien hatten ihre Gattinnen, welche die kosmische Energie personifizierten. Alle Schriften und heiligen Bildnisse weisen auf dieses fundamentale kosmische Gesetz hin. Differenzierung resultiert aus der Trennung der Elemente, und getrennte Elemente werden in ferne Sphären getrieben. Der Magnet, der in den Elementen seit Äonen bestand, wird nach vollständiger Umwandlung und Reinigung der Elemente diese sammeln und wieder vereinigen. Dies wird die ”Große Krönung” oder ”Die Krone des Kosmos” genannt.

       Bis jetzt wurde dieses Wissen zweckdienlich verborgen gehalten, weil die Menschen nicht bereit waren, es in seiner ganzen Reinheit und Schönheit anzunehmen. Doch die Menschheit hat in dem Augenblick ihren Wendepunkt erreicht, wo Geistigkeit herrscht, andernfalls droht dem Planeten der Untergang. So muss dieses geheime kosmische Gesetz allmählich Eingang finden und aufgenommen werden, damit die fürchterlichen sexuellen Ausschweifungen gebändigt und gereinigt werden.

       In der geistigen Vereinigung der Dualelemente liegt eine große Schönheit, doch auf der physischen Ebene sind die Dinge vom Geistigen weit entfernt. Ein Formenwechsel kann sich in Übereinstimmung mit der Bewusstseinserweiterung vollziehen. Schöne Gefäße sollten nur in schöner Umgebung verwendet werden. Doch in allem muss der Befehl des Geistes vorherrschen. So hat der hässliche Hermaphrodit oder die Menschen mit zwei Wirbelsäulen oder anderen phantastischen Besonderheiten, die in den Vorstellungen einiger unwissender und hässlich denkender Schreiber leben, keinen Platz in der künftigen Evolution. Evolution schreitet fort auf dem Weg der Schönheit, und die künftigen Rassen werden entsprechend ihrem geistigen Fortschritt verbessert und verfeinert werden. Zu Ende der sechsten und zu Beginn der siebenten Rasse wird sich die Materialisation des Astralkörpers vollziehen. Diese Verbesserung der Formen und das Wachsen der Geistigkeit könnte durch richtige Vereinigung oder Ehe beschleunigt werden. Die Große Bruderschaft ist bereit, der Menschheit zu helfen, dieses heilige Wissen zu nutzen.

       Jetzt gehe ich zur nächsten Frage über. Trennung der Geschlechter bedeutet, dass nach dem Versenken in die grobe Materie der Magnet der Elemente schwach wurde und die Menschen begannen, sich zu vermischen und unrichtig zu vereinigen, nicht dem Naturgesetz entsprechend. Der große Märtyrer Origenes drückt es wunderbar aus: ”Witwen sind jene Seelen, die den unzulässig angetrauten Gatten verließen, aber Witwen bleiben, weil sie noch nicht so vollkommen sind, um mit ihrem Himmlischen Bräutigam vereint zu werden.” Allerdings müssen wir in Betracht ziehen, dass gemäß Ruffin, dem Biographen des Origenes, dessen Schriften viele ”Berichtigungen” erfuhren; andernfalls wären sie nie veröffentlicht, ja sogar vernichtet worden. Es ist offensichtlich, dass auch hier eine ”Berichtigung” vorgenommen und das Wort ”Bräutigam” (Bridegroom) mit dem Großbuchstaben ”B” geschrieben wurde, um zu verstehen zu geben, dass Christus gemeint war. Doch an anderer Stelle desselben Werkes – ”über die Elemente” –, wo auch von Frauen gesprochen wird, die nicht mehr mit ihrem legitimen Gatten leben, sondern allein gelassen als Witwe betrachtet werden, weil sie ihren Bräutigam noch nicht verdienen, ist das Wort ”Bräutigam” (bridegroom) mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben. Sicherlich gibt es auch entgegengesetzte Fälle, wo der Bräutigam seine Braut noch nicht verdient, doch konnten solche Dinge früher geschrieben werden!? Ist es nicht ein Verspotten der heiligen Dinge, wenn die heutige Kirche erklärt, dass ökumenische Heirat (obwohl symbolisch), Christus im Auge hat? Ich war darüber immer empört. ”

       Und jetzt zu Ihrer Frage über Karma. Ein Mensch kann in jedem Leben einen bestimmten Teil seines alten Karma, das ihn in einer Inkarnation ereilt, abtragen; und er schafft natürlich auch neues Karma. Doch ist sein Bewusstsein fortgeschritten, kann er das aufgespeicherte Karma schneller ausleben und das von ihm neu geschaffene Karma wird von höherer Qualität sein. Darüber hinaus wird infolge des gereinigten Denkens das alte Karma nicht mehr so schrecklich für ihn sein, und die gereinigte Aura wird auf die Rückschläge ganz anders reagieren. Auf diese Weise kann sich der Mensch aus dem scheinbar verhexten Kreis des Karma befreien. Doch das trifft nur für das irdische Karma zu, das den Menschen zur Erde zieht, denn solange es Bewusstsein und den Gedanken gibt, kann Karma nicht ausgelöscht werden. Karma, das sich in Übereinstimmung mit den kosmischen Gesetzen vollzieht, wird seine Qualität unendlich verbessern und neue Kreise ziehen, sich aus ihnen befreien und so bis ins Unendliche.

       Individuelles Karma ist immer das grundlegende und wird vor allem durch die Neigungen, Gedanken und Beweggründe des Menschen gebildet – Taten sind sekundäre Faktoren. Die Buddhisten sagen ”Karma ist der Gedanke”. Wäre es anders, könnte der Mensch sich nie von Karma befreien. Wahrlich, das individuelle Karma, das fundamental und bestimmend ist, kann sowohl die Entstehung als auch die Tilgung aller anderen Arten von Karma beeinflussen. Indem der Mensch sich selbst schadet, schadet er anderen. Im Kosmos ist alles verbunden und verflochten, und vom gesamten Rest des Karma kann nichts abgetrennt werden. Individuelles Karma kann daher von anderen Karmaarten, wie Gruppenkarma, Rassenkarma etc., nicht getrennt werden. In der Lehre ist gesagt, Funken des Schaffens sickern auf dem Pfad des Karma nur mit Schwierigkeit durch und noch weniger wird die karmische Wahrheit verstanden. Die eigene Einschätzung des Karma kommt nicht von außen. Jede Zelle birgt Karma. Der Geist trägt seinen Erfolg und seine Rüstung mit sich.”

* * *

       Wenn die Einteilung in Klassen und Kasten in der Vergangenheit ihren Zweck erfüllte, so ist sie heute doch vollkommen unsinnig und stagnierend. Klassen und Kasten sind für das große Missverständnis zwischen der sogenannten ”gebildeten” Klasse und dem gemeinen Volk verantwortlich. Diese schreckliche Kluft, dieser Bewusstseinsunterschied, ist sehr tragisch und bedroht nun unsere ganze Kultur. Es gibt jedoch einen großen Fortschritt im Bewusstsein der breiten Massen; die Menschen fühlen instinktiv die fundamentale Gleichheit des Geistes. Doch in ihrer Unwissenheit können sie das große Prinzip der wahren gesetzmäßigen Hierarchie, das dem Gesetz der Evolution zugrunde liegt, nicht wahrnehmen, und so nehmen ihre schrecklichen Proteste auf dem ganzen Planeten kein Ende. Das Hauptproblem der Regierungen sollte daher die Bildung der Massen sein, andernfalls wird die Hydra der Finsternis alles verschlingen. Wissen allein sollte ein Vorrecht einräumen, nicht Klassenbewusstsein. Die Anhänger der Klassensysteme berauben sich des wahren Wissens und entfachen die Leidenschaften des finsteren Bewusstseins. Furchtbar, schrecklich ist die Hydra der Finsternis und Unwissenheit!

       Es ist unrichtig zu denken, dass das Vermischen der Klassen das Karma der Menschen negativ beeinflussen könnte. Gegenwärtig bietet die gesunde, geistig vernünftige Bauernfamilie die beste Umgebung für einen hochentwickelten Geist. Ob einer in einem Palast oder in einem Winkel einer Schusterhütte geboren wurde, sollte nicht als das Ergebnis der Klassenvermischung angesehen werden, denn dies geschah eher zum Zweck der Erfüllung eines persönlichen Karma oder eines anderen bestimmten Auftrages. So war Jakob Böhme ein Schuster, doch dies aus dem einen Grund, weil er zu jener Zeit damit seine große Aufgabe am besten erfüllen konnte, – im vergleichenden Frieden. Das schreckliche Karma der Menschheit ist die Folge der Verletzung der kosmischen Gesetze, beginnend mit der Geburt, doch es ist nicht die Folge der Vermischung der sozialen Schichten. So wird die Heirat in Zukunft wissenschaftlich gehandhabt werden. Es ist gesagt, dass die Menschen sich entsprechend ihrer Verwandtschaft mit bestimmten Elementen verbinden sollten.

       Durch Missachtung dieser fundamentalen Gesetze schuf sich der Mensch das bittere Karma des Niedergangs. Der Kontrast zwischen den Aufspeicherungen eines hochentwickelten Geistes und der bescheidenen Umgebung, in die er hineingeboren wurde, ist nicht von solcher Bedeutung wie die Disharmonie zwischen den Grundelementen der Eltern. Diese ist die Ursache aller Arten geistiger Degeneration. Nur durch Armut und Not wird die Macht eines starken Geistes entwickelt. Die Anstrengungen, die er vollbringt, um die Schwierigkeiten zu bewältigen, sind wertvoller und wohltätiger als Erfolg.

       Nun über die HERREN des KARMA. Viel Verwirrung umgibt diesen Begriff. Kann man sich vorstellen, dass durch die Herren des Karma den Milliarden von inkarnierten Seelen das Karma zugeteilt wird? Doch wir hören solche Absurditäten. In den Büchern der Lehre lesen wir: ”Für den Dienst des Lichts offenbarte Kräfte greifen nicht in Karma ein, wie manche, die in die Bedeutung des Karma nicht eingeweiht sind, glauben. Die Kräfte des Lichts verfolgen die menschlichen Taten, weisen die Richtung, doch sie greifen nicht in das Leben ein. Dafür gibt es viele Beispiele. Es erscheinen Boten, Warnungen werden gesandt, die Richtung wird aufgezeigt, der Pfad gewiesen, doch die Wahl unter den vorbestimmten Möglichkeiten wird vom menschlichen Willen bestimmt. Auf diese Weise wird die Zusammenarbeit zwischen zwei Welten offensichtlich.”

       Gerade Selbständigkeit des Geistes kann ein besseres Karma zur Folge haben. So erklärt es sich, warum die Kräfte des Lichts den Geist nicht von verschiedenen Handlungen abhalten, die oft das zunichtemachen, was festgesetzt war. Oft sind die Menschen verwirrt darüber, dass andere Pfade nicht aufgezeigt werden. Gleicherweise wundern sie sich, dass die Sendungen über verschiedene Kanäle bestätigt werden. Sie wundern sich darüber, warum die Kräfte des Lichts verschiedene Strömungen nicht abwehren. Lasst Uns darauf antworten: ”Die Kräfte des Lichts berühren das menschliche Karma nie. An dieses Gesetz muss auf dem Pfad zur Feurigen Welt gedacht werden.

       Das Gesetz des freien Willens verbietet Uns, eine Erscheinung zu klären, die finster zu sein scheint. Dasselbe Gesetz weist auf unsere sich kreuzenden Wege hin, wenn der freie Wille ein Herz zu einem Herzen lenkt.” (Feurige Welt, III)

       Die Verbreitung von Karma auch im Zwischenstadium in der Feinstofflichen Welt könnte stärker hervorgehoben werden. Ich führe einen Paragraphen der Lehre an: ”Karma erstreckt sich auf alle Handlungen in allen Welten. Genauso wie Karma beschleunigt werden kann, kann es auch hinausgeschoben werden. Eine Verstärkung des Karma wirkt sich nicht nur auf das nachfolgende Leben aus sondern auch alle Zwischenstadien werden von einer Erschwerung des Karma beeinflusst. Die Feinstoffliche Welt ist mit der irdischen in enger Verbindung, und es ist notwendig, das Denken in dieser Richtung zu verstärken. Wer die Bedeutung der Verbindung dieser zwei Welten versteht, wird in seinen irdischen Taten vorsichtig sein. Vorsicht gegenüber allen Energien kommt dem strebenden Geist zugute. Ein Haupthindernis ist Unverständnis gegenüber der Wirklichkeit des räumlichen Lebens, dass nämlich alles umgewandelt wird und daher alles gesühnt wird. Richtig ist auf das Gesetz des Karma hingewiesen worden, auf das Gesetz des Karma in Unendlichkeit. Vollkommene Bestrebung reicht bis in die Unendlichkeit, und so unbegrenzt sind auch die Möglichkeiten. Lasst uns auf dem Pfad zur Feurigen Welt ein bewusstes Verhalten zum Karmagesetz bekunden …“

       Und weiter: „Umwandlung der Zentren stärkt die schöpferischen Energien, die für den Übergang in die Feinstoffliche Welt erforderlich sind. Jedes geistige Streben erzeugt Ablagerungen, die beim Übergang in die Feinstoffliche Welt einen Aspekt von feinen Energien annehmen. Daher ist es so wichtig, in die höheren Sphären zu streben. Entzückung des Geistes und Freude des Herzens verleihen jene Energien, die den feinstofflichen Körper nähren. In der Tat, nur ein mit höheren Impulsen erfülltes Gefühl verleiht die nötigen Energien. Man muss verstehen, dass Imperil und grobe irdische Wünsche hässliche Geschwüre erzeugen, die der Geist im feinstofflichen Körper heilen muss. Geschwüre des Geistes werden in die feinstoffliche Welt hinübergenommen, wenn man sich nicht auf Erden von ihnen befreit. Befreiung von der physischen Hülle bedeutet nicht Befreiung von geistigen Geschwüren. Wenn der vor der Trennung von der Erde stehende Geist erkennt, wie er seine Energie genutzt hat, dann hat das Bewusstsein einen großen Teil gutgemacht. Doch das Bewusstsein muss zum Gedanken an die höheren Welten gelenkt werden. Selbst der schwerste Verbrecher kann auf das Verständnis für die Last des Karma hingelenkt werden, doch dafür ist es notwendig, die sozialen Zustände zu ändern. So sollte man sich auf dem Pfad zur Feurigen Welt an den Gedanken der Umwandlung der Zentren gewöhnen, denn Befreiung vom Körper bedeutet nicht Befreiung von geistigen Geschwüren.” (Feurige Welt, III)

       Bitte verwenden Sie okkulte Literatur mit äußerstem Unterscheidungsvermögen. Und werden Sie nicht zu abstrakt; die Dinge müssen so konkret wie möglich vorgestellt werden.

6. Mai 1934

       Sie sagen, Sie seien monogam. Dies ist zweifellos sehr wichtig für jeden ernsthaften Schüler. Doch für den wahren Fortschritt sollte die hingebungsvolle Liebe auf einen einzigen Lehrer gerichtet sein. Es gibt einige Lehrer der Großen Bruderschaft, die Schüler annehmen und sie lenken. Jeder, der den Pfad der Schülerschaft betritt (und dies bedeutet nicht nur Studium okkulter Schriften), muss sich zuerst in der Tiefe seines Herzens für den ihm am nächsten stehenden Lehrer der Bruderschaft entscheiden und sich ohne jedwede Einschränkung oder Bedingungen der Hohen Führung völlig hingeben. Doch sehr oft vergeudet der Gerufene und Strebende im Wunsch nach unverzüglichem Fortschritt seine Kräfte und sucht gleichzeitig nach anderen Großen Lehrern und Lehren. Durch diese Zwei- und Dreiteilung verwirkt er seinen Platz in der Stufenleiter des Aufstiegs. Überlegen Sie alles, was in der Lehre über die Wahl des Lehrers gesagt ist!

       Ich will nun einen Paragraphen aus der Lehre anführen: ”Sich im Herzen auf den Herrscher zu festigen, ist die erste Bedingung auf dem Pfad zur Feurigen Welt. Ohne diese feurige Forderung kann man die bestimmten Tore nicht erreichen. ”Führung” muss allerdings im Geist und im Herzen erkannt werden, denn nur die Hand des Herrschers anzunehmen, ohne ihm mit dem Herzen ergeben zu sein, ist unzulänglich. Das Gesetz, das den Lehrer mit dem Schüler vereint, muss verstanden werden, denn ohne feurige Hingebung an den Herrscher kann es keine Verbindung geben. Eine völlige Annahme der Führung bedeutet einen bewussten Verkehr, denn man muss im Herzen die Wärme fühlen, die aus den Tiefen des Geistes aufsteigt. Es ist besonders notwendig zu fühlen und zu erkennen, wodurch das Wesen des Herrschers mit jenem des Schülers verbunden ist. So muss man daran denken, dass auf dem Pfad zur Feurigen Welt Schwingungen und Karma verbindende Glieder darstellen.” (Feurige Welt III, 106)

       Ja, es ist äußerst gefährlich, auf den ersten Stufen seine Kräfte zu zerstreuen. Vergessen Sie die Jahre der Bewährung und die Anpassung des Organismus nicht. Alle echten Schüler, die den Pfad des Dienens beschreiten, müssen diesen Prozess durchmachen. Selbst ganz hohe Geister sind davon nicht ausgenommen. Alles vorher Gesagte ist für einen theoretischen Okkultisten natürlich nicht durchführbar. Doch wenn ich Sie recht verstehe, wollen Sie in die Gruppe echter Schüler eingereiht werden, und wie Sie sagen, ist es Ihr einziger Wunsch, dem Lehrer zu begegnen und unter seiner Führung zu arbeiten. Ich bin bestimmt noch niemandem begegnet, der, nachdem er, wenn auch nur oberflächlich, mit der Lehre bekannt geworden ist, nicht seine irdischen Lasten abwerfen und sich mit dem Lehrer und seiner Gemeinschaft verbinden wollte. Gewöhnlich wollen jene, die von der Lehre nur ganz oberflächlich etwas hörten, gleich in die Gemeinschaft der Großen Bruderschaft aufgenommen werden! Viele von ihnen haben nicht die geringste Vorstellung davon, dass ihr physischer Körper der ungeheuer angespannten Atmosphäre, die dieses Bollwerk umgibt, wohl kaum gewachsen ist. Man muss bedenken, dass hier auf Erden, inmitten der geistigen Kämpfe, inmitten aller Lasten und Schwierigkeiten des Lebens, inmitten aller prüfenden Kleinigkeiten des Alltags, eine Umwandlung des Organismus und der Nervenzentren vor sich gehen muss. Nur dieser Kampf erweckt die notwendigen Energien für die Umwandlung und das Ausleben aller primitiven Gewohnheiten und Neigungen. Das irdische Leben ist wahrlich ein Fegefeuer, und ohne dieses zu durchschreiten, ist es nicht möglich, ins Paradies einzutreten oder in die Bruderschaft zu gelangen. Diese Feuer der höheren Energien würden sonst die überlastete Aura verbrennen. Die Gemeinschaft der Bruderschaft ist von der allgemeinen irdischen Umgebung zu weit entfernt, um den notwendigen Prüfstein abzugeben.

       Darüber hinaus greifen die Herrscher ohne Ausnahme nie in das Karma des Menschen ein. Allein Karma kann eine Person in Ihre Gemeinschaft führen. Wenn daher solch ein Karma reif ist, kann nichts seine Verwirklichung aufhalten, ausgenommen der Mensch selbst. Möge dieses Gesetz Sie anfeuern! Wenden Sie Ihre ganze Bestrebung auf, um im Leben das zu üben, was Sie den Büchern der Lehre entnommen haben; überlassen Sie das übrige Ihrem Karma und dem großen Wissen des Herrschers.

       Nicht immer war es den Großen Seelen, die bestimmte Aufgaben zu erfüllen hatten, möglich, in ihrem irdischen Leben die Gemeinschaft der Großen Bruderschaft aufzusuchen. So ist beispielsweise Apollonius von Tyana in die Bruderschaft gerufen worden, doch da Er in seiner Inkarnation als Origenes die sehr schwierige Aufgabe auf sich nahm, die Reinheit der Lehre Christi zu erhalten, litt er im Gefängnis, anstatt in der Heimstätte der Bruderschaft zu weilen und hier an der freudvollen Arbeit teilzunehmen.

       Sagen Sie den Freunden, dass sie das Ende der Welt nicht 1936 zu erhoffen haben, wie dies vorausgesagt wird. Dergleichen wird nicht geschehen; es werden zwar wichtige Ereignisse eintreten, doch seien Sie versichert, dass es für jene, die mit ihrem ganzen Herzen an den Großen Lehrer gebunden sind, keine Gefahr gibt, durch kosmische Kataklysmen und Katastrophen vernichtet zu werden. Zur gegebenen Zeit werden alle verstreuten Weggefährten gesammelt werden, doch nicht gerade im Himalaja, weil es auch andere, nicht minder wichtige Orte gibt. Man sollte den Raum nicht mit festgesetzten Fristen belasten; doch es ist ratsam, geistig immer wachsam und zum Hinübergehen bereit zu sein. Obwohl es für die Zukunft die beste Übung ist, vorbereitet zu sein, um sich jederzeit trennen zu können, sollte man umso mehr Gewissenhaftigkeit und Fürsorge im täglichen Umgang bekunden.

* * *

       Die Errungenschaften des Hatha Yoga sollte man nicht überschätzen und glauben, dass ”die Adepten des Hatha Yoga in der Fähigkeit, Kundalini zu entfachen und verschiedene Siddhis zu erreichen, mit jenen des Raja Yoga auf einer Stufe stehen oder dass sie Seligkeit und Überwindung der Materie erlangen”. So ist es nicht! Die erlangte Stufe der Glückseligkeit solcher Adepten ist sehr relativ, und durch Hatha Yoga erlernen sie es nie, die Materie zu überwinden (in dem Sinn, wie es die Großen Lehrer verstehen). In der Lehre ist gesagt: ”Wir kennen keinen, der durch Hatha Yoga das Ziel erreichte.”

       Auch die Entwicklung der niederen Siddhis, welche die Hatha Yogis durch beharrliche und furchtbar schwierige mechanische Übungen erlangen (die westliche Literatur kennt nicht die Hälfte von diesem Entsetzlichen), ist nicht dauerhaft, und in ihren späteren Inkarnationen können diese Siddhis alle wieder verlorengehen. Wertvoll und von Dauer sind nur jene Errungenschaften, die sich ganz natürlich vollziehen, denn sie sind das Ergebnis innerer geistiger Entwicklung und können nicht verlorengehen. Nur auf diese Weise können die mächtigsten Erscheinungen erreicht werden. Hatha Yoga-Übungen sollten ein leichtes und sehr vorsichtiges Pranayama, das die Gesundheit stärkt, nicht überschreiten, andernfalls können sie schaden und zu Mediumismus, Besessenheit und Wahnsinn führen.

       Ganz richtig erachten die Inder von hoher geistiger Entwicklung den Hatha Yoga als sehr unangebracht und sagen, dass er bestenfalls für ”fettleibige und kranke Menschen” geeignet erscheint. Auch Vivekananda, von dem man jetzt sehr viel spricht, obgleich er Beispiele von grässlich dämonischen Personen anführte, von denen er wusste, dass sie erstaunliche Wunder vollbrachten und aufgegebene Kranke durch einen Blick heilen konnten, war sehr gegen die sogenannten Siddhis und diese Wunder eingenommen.

       Für alle geistigen Lehrer ist daher der Magnet ihres Herzens die wesentlichste Prüfung, ihre okkulte Fähigkeit, die Umgebung geistig zu verändern und das Bewusstsein sowie das ganze Wesen ihrer Schüler zu verwandeln. Ihre Fähigkeiten liegen nicht in den sogenannten Wundern. Den feurigen Strahl der Synthese erlangt man durch offene Zentren und nicht durch niedere Siddhis. Wenn das Bewusstsein nicht dem Hohen Ideal entspricht, kann Pranayama nie die notwendige Reinigung verleihen und gute Ergebnisse zeitigen. Die höheren Yogaarten benötigen kein Pranayama. Jeder Kuli in Indien kennt Pranayama; der Durchschnittsinder vollführt es täglich, und trotzdem ist man von geistiger Errungenschaft weit entfernt. Verlassen Sie sich daher nicht nur auf Pranayama.

       Die höchste Errungenschaft eines Yogi ist das Öffnen des Auges Dangma; dies darf jedoch nicht mit Hellsehen verwechselt werden. Es ist das Erwachen der Wahrnehmungsfähigkeit, die nicht durch mechanische Mittel entwickelt werden kann, sondern das Ergebnis von Aufspeicherungen unaufhörlichen geistigen Strebens in Tausenden von Jahren ist, und dies offenbart sich durch im ”Kelch” gespeicherte feinste Energien. Ein echter Yogi sollte sein Bestes versuchen, diese alten Aufspeicherungen zu heben und neue zu sammeln und zu bewahren, andernfalls ist er nur ein belesener Okkultist.

       Ganz irrig ist es auch zu glauben, dass ”ohne die selbstlose Arbeit der Hatha Yogis die okkulte Wissenschaft nie die richtige Vorstellung von der Astralebene erlangt hätte…” Solch eine Behauptung gleicht einer Feststellung, wonach Ruhmkorff und Crookes ohne die Arbeit heutiger unerfahrener Kollegen die Grundlagen der Physik und Chemie nicht zugänglich gewesen wären! Oder dass ein Agrarfachmann von der Zusammensetzung des Bodens weniger verstände als ein gewöhnlicher Bauer.

       Darüber hinaus ist der Unterschied zwischen Raja Yoga und Hatha Yoga gerade ein qualitativer und nicht ein quantitativer, wie Sie glauben. Hatha Yoga kommt über niedere psychische Phänomene nicht hinaus und es gibt keinen Fall, wo ein Hatha Yogi zum Raja Yogi wurde – ihre Wege sind gänzlich verschieden. Die wahren ”wirksamen Perlen” enthalten Raja, Jnana, Bhakti und Agni Yoga, aber nicht Hatha Yoga, wie manche unwissenden Leute glauben. Auch kann man künstliche Perlen den echten nicht gleichsetzen. Folgende Gedanken sind mir darüber hinaus nicht ganz verständlich: ”Nichtsdestoweniger verleiht auch Hatha Yoga seinen Adepten wirksame Perlen hoher Errungenschaften; ähnlich muss jeder Okkultist die Errungenschaft des Agni Yoga als einen ungeheuren Sieg des Geistes über das Fleisch erachten …” Hier wird Agni Yoga mit Hatha Yoga wieder auf dieselbe Ebene gesetzt, wogegen diese zwei Yogasysteme einander doch diametral gegenüberstehen. Es ist gesagt: ”Wahrlich, es muss gründlich erkannt werden, dass Agni Yoga mit Hatha Yoga nichts gemein hat!” Agni Yoga befasst sich mit der höchsten feurigen Umwandlung der Zentren, was durch keine mechanischen Methoden erreicht werden kann, sondern eine direkte überwachende Einwirkung des Großen Lehrers erfordert. Die große Errungenschaft des Agni Yoga kann nur von einem Geist erlangt werden, der im Zentrum des Kelches über in Jahrhunderten gesammelte geistige Aufspeicherungen verfügt, während gerade das für Hatha Yoga völlig unwichtig erscheint.

       Eine andere für Agni Yoga sehr wichtige Sache ist es, dass die Errungenschaften im täglichen Leben erreicht werden müssen, wohingegen alle anderen Yogasysteme (ausgenommen Karma-Yoga) die Zurückziehung aus dem Leben verlangen und so für die gegenwärtige und künftige Evolution unzulänglich sind.

       Es ist ebenfalls ein Irrtum, jeden Anfänger im Yoga als einen ”Yogi” zu bezeichnen. Yoga – oder Vereinigung – wird nur durch harte und ständige geistige Übungen erreicht und kann, wie oben gesagt, nur durch karmische Aufspeicherungen beschleunigt werden. Daher ist es unrichtig zu sagen, dass ein Raja Yogi manchmal zum Fanatiker wird, ein Jnana zum intellektuellen Spekulanten und ein Bhakti zum Glaubenseiferer, der sich über ”gerechte Bestrafung” der Ketzer freut. Es wäre richtiger zu sagen, dass ”jene, denen entsprechende Veranlagungen anhaften, in ihren späteren Inkarnationen Raja Yogi werden können, was sich vorerst in Fanatismus äußert; daher jene, die zu Jnana neigen, als intellektuelle Pedanten erscheinen, und jene mit Hang zum Bhakti heute Bigotte sein können.” Hat man jedoch einmal die Stufe des echten Yoga erreicht (ob Raja, Bhakti oder Jnana), kann es eine Entartung der führenden Grundsätze auf solch starke Weise wirklich nicht mehr geben. Ein König des Geistes kann nicht fanatisch werden, und ein Jnana-Philosoph, der über das Auge Dangma verfügt, kann kein eitler intellektueller Pedant sein, noch kann ein Bhakti – ein Herrscher des kosmischen Magneten des allumfassenden Herzens – sich über ”gerechte Bestrafung” freuen. Wenn die Lehre andeutet, dass ”Zeichen des Hatha Yogi in einem unerträglichen Athleten, Zeichen des Bhakti Yogi in einem Bigotten und Zeichen des Raja Yogi in einem Fanatiker” vorhanden sind, wird auf die charakterlichen Veranlagungen hingewiesen, die zu der einen oder anderen Art von Yoga führen können, sobald sie durch geistiges Feuer umgewandelt werden. Doch nicht umgekehrt!

       Man sollte auch einsehen, dass Hatha Yoga vor allem deshalb gefährlich ist, weil er den Astralkörper stärkt, so dass dieser für eine lange Zeit in den niederen Astralebenen festgehalten wird, was die Evolution des Geistes hindert. In den Tempeln Indiens war und ist es auch heute noch Brauch, für bestimmte niedere Phänomene astraler Art Hatha Yogis zu halten. Diese werden angehalten, ein sehr reines Leben zu führen, in höhere geistige Mächte werden sie aber nie eingeweiht. Und wenn solch ein Hatha Yogi aus dem Tempel scheidet, wird er nie wieder aufgenommen, denn es kann sein, dass er, frei geworden von der hohen Überwachung, in die niederen Sphären der Feinstofflichen Welt gerät, und solch ein Yogi wird ein Opfer und oftmals Werkzeug der finstersten Kräfte. Das ist der Grund, warum die Hierophanten in Ägypten es vermieden, medial veranlagte Schüler sowie lymphatische Diener aufzunehmen. Kein einziges Medium, kein Lymphatiker kann ein echter Agni Yogi werden.

       Die Großen Lehrer sorgen sich über das Vorherrschen des niederen Psychismus auf Kosten echter Geistigkeit. Ohne das Verstehen und die Anwendung der LEBENDIGEN ETHIK, ohne Geistigkeit, kann der niedere Psychismus zu beklagenswerten Folgen führen. Um als Schüler aufgenommen zu werden, ist es daher vor allem notwendig, Selbstvervollkommnung zu üben, sich moralisch und geistig zu bessern und die Lehre im Leben anzuwenden. Dies wird das Bewusstsein erweitern und das notwendige Gleichgewicht verleihen. Die Lehre ist schön und wahr, wenn sie erkannt wird, doch Tricks des Pseudookkultismus sowie der Magie führen nicht zur echten Schülerschaft. Wenn das Gefäß aus der Höheren Quelle gespeist werden soll, muss die entsprechende hohe Schwingung hergestellt werden. Die Anwendung der LEBENDIGEN ETHIK im Leben ist der schnellste Weg zum Ziel.

       Groß ist die Aufgabe, das Bewusstsein der Menschen durch Heldentat (”Podwig”) zu entfachen, weil das menschliche Wesen dadurch verwandelt werden kann. Vielleicht war nie im Leben der Gedanke an die Heldentat von solcher Bedeutung wie gerade jetzt. ”Podwig” – welch schönes Wort! Wie ausdrucksvoll! Ungeachtet dessen, wie bemerkenswert es ist, gibt es in keiner anderen westlichen Sprache ein Äquivalent dafür. So bedenken Sie bitte, dass Vereinigung mit dem Lehrer nur über das Herz, durch reines Denken sowie die stete unermüdliche Arbeit der Selbstaufopferung erreicht werden kann.

       Und nun eine weitere Warnung: Theoretischer Okkultismus ist sehr gefährlich. Der Markt ist mit vielen schädlichen Büchern überfüllt. Vielleicht (und es ist gut so) wurden nicht alle in die russische Sprache übersetzt. Es ist gesagt, dass ”viele von ihnen durch Hände geschaffen wurden, die jeder Schönheit, jedes Wissens und jeder Ehrlichkeit ermangelten.”

       Vom großen Lehrer wurde gesagt, dass ”nur Frau Blavatsky echtes Wissen besaß”, und es ist unsere Pflicht, das Gedenken an diese große Märtyrerin zu rehabilitieren. Würden Sie alle verleumderischen Schriften über Frau Blavatsky kennen sowie den ganzen Verrat und die Hinterlist, von der sie umgeben war, Sie wären entsetzt. So viel Undank, Verwerflichkeit und Unwissenheit! Und vor allem aus letzterer rührt die ganze Niedertracht her.

* * *

       Sie fragen, ob Sie in dem Artikel ”Das Friedensbanner” nicht zu viel gesagt haben. Meine Antwort ist: Durch zu viele Untersagungen kann man Furcht erregen und die Bestrebung hemmen. Oft mag sogenannte Sorglosigkeit, wenn die Absichten gut sind, gut ausgehen, doch machen Sie daraus keine Regel. Sorgfalt und Vorsicht gehören zu den ersten Eigenschaften jedes Schülers, denn es muss ihm bewusst werden, mit welchen Energien er es zu tun hat.

       Ich bitte Sie, über meine Bemerkungen nicht ungehalten zu sein. Ich weiß, dass Sie mutig sind und ein echter Schüler und Mitarbeiter werden können, und daher schreibe ich Ihnen ohne Sentimentalität und Komplimente. Sie wissen, was die Lehre sagt: ”Die Lehre ist kein Honiglecken… nur wer stark ist im Geist, kann das Ziel erreichen und als Schüler angenommen werden.” Die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK ist in ihrer Lebendigkeit und Strenge sowie in der Kürze ihrer klaren Regeln schön.

25. Mai 1934

       Sie schreiben, dass die Menschen heute unfähig sind, geistige Ideen wahrzunehmen. Doch gab es je bessere Zeiten? Es scheint mir, dass es heute ein stärkeres Suchen nach Wahrheit gibt als je zuvor. Ernste Schwierigkeiten zwingen viele, über bestimmte Dinge nachzudenken und den gegenwärtigen Ereignissen tiefer auf den Grund zu gehen. Wir hatten das Glück, herrlichen Seelen zu begegnen, und viele von ihnen, obwohl sie großes Elend durchzumachen hatten, blieben standhaft und gaben ihre selbstlose Arbeit für das Allgemeinwohl nicht auf.

       Sie haben recht: Wir brauchen Synthese in unserer Zeit, doch die Menschheit kann sie nicht annehmen oder erkennen, denn Synthese oder Erleuchtung des Geistes ist eine der seltensten Errungenschaften. Diese Synthese ist eine Aufspeicherung vieler Energien, die in vielen selbstlosen Leben kristallisiert wurden. Gibt es aber viele selbstlose Arbeiter für das Licht? Daher kann die öffentlich gelehrte und gepredigte Synthese nicht die richtigen Ergebnisse zeitigen. Wie Sie selbst sagen, werden die Vorträge von vielen besucht, die dafür nicht reif sind und oft nur aus Neugierde kommen. Echte Suchende sind erwünscht, die so viel wie möglich aufnehmen können. Die geistigen Führer sollten natürlich über geistige Synthese verfügen und sie weise offenbaren. Sie sollten jeden Fall individuell studieren und entsprechend der Aufnahmefähigkeit gerade so viel mitteilen, als notwendig erscheint. Der Führer sollte für jeden die richtigen Worte finden. In seinem allumfassenden Herzen sollte für jeden Platz sein, der aufrichtig seine Hilfe sucht. Niemand sollte ihn mit dem Gefühl verlassen, durch die Breite seines Standpunktes beklemmt zu sein. Er sollte genau wissen, was eine Person aufnehmen kann, dann kann er Freude vermitteln.

       Sie schreiben, dass es in ihrem Land vielleicht leichter sein wird, die Synthese herzustellen. Wollen wir hoffen, dass der erwählte Führer solche Synthese besitzt, denn wahrlich, man kann in erster Linie nur durch Synthese aufbauen; das Unheil der jetzigen Zeit entsteht durch Mangel an Synthese im Geist der Führer.

       Ich zitiere aus der Lehre: ”Der Führer steht auf dem Gipfel, der nie verlassen werden kann. Nur ein geborener Führer kann die Grenze zwischen entgegengesetzten Begriffen herausfinden. Hinter verborgenen Grenzen wird der Teppich des Sieges gewoben. Jeden Tag, jede Stunde bezwingt der Führer Rätsel. Hier findet er Nachsicht und da bedarf es der Strenge. Natürlich, eines ergibt das andere, doch dazwischen ist ein Schwert der Gerechtigkeit. Nachsicht kommt aus dem Licht, doch Charakterschwäche aus der Finsternis. Dazwischen liegt auf dem Gipfel das Schwert des Führers. Schmal ist die Stelle, wohin das Schwert gelegt werden kann. Genauso schmal ist die Grenze zwischen Mut und Grausamkeit. Nur das Herz des Führers kann die Grenze fühlen.

       Das Rätsel der Gerechtigkeit ist nicht nur in großen Dingen; das ganze Leben ist erfüllt von diesen Rätseln. Daher teilt der Führer die Dinge nicht in ”Großes” und ”Kleines”. Die Aufmerksamkeit des Führers ist allen Entscheidungen gegenüber gleich wachsam. Der Führer bittet nicht um Rat, doch er ist immer bereit, Rat anzunehmen. Er kommt nie zu spät und wird durch langes Verweilen niemanden aufhalten. Er kennt den Vorzug, unerwartet zu erscheinen, und er kann im voraus die benötigte Zeit berechnen. Er sorgt sich nicht über Verleumdung, und er versteht, jedes Wort richtig zu gebrauchen. Er lässt sich nicht bestechen, da er nicht der Versuchung irdischen Wohlstands unterliegt. Er versteht die Bedeutung der Farbe und des Tons, denn er ist ein Heiler der Menschenherzen. Er freut sich über die Wahrheit, doch Illusion lehnt er ab. So ist der Pfad des Führers der Pfad der Wahrheit ”.

       So viele Vorschläge werden den Führern auf den Buchseiten der LEBENDIGEN ETHIK gegeben. Jedes Buch spricht von Toleranz, von der Fähigkeit des Erfassens und Begreifens – sind diese nicht wirklich die Grundlagen der Synthese?

26. Mai 1934

       Beigefügt finden Sie die Antworten auf Ihre Fragen:

       1.) Die Vorstellung der Einheit des Kosmos wurde der Menschheit in frühesten Zeiten in der ”Ersten Offenbarung” gegeben – deren Andenken in vielen heiligen Überlieferungen von Bildern und Schriften des Altertums bewahrt ist.

       2.) In alten Zeiten gab es in allen Nationen – wie auch noch heute – immer zwei Typen von Religion: eine für die Eingeweihten und eine für die Massen. Mit anderen Worten, eine esoterische und eine exoterische; und erwägt man den Entwicklungszustand der Massen jener Zeit, so ist das ganz selbstverständlich.

       3.) Für die Eingeweihten waren die Götter nur Personifikationen bestimmter kosmischer Kräfte. Dies erklärt oft die seltsamen Aspekte dieser Götter wie auch die tierähnlichen Symbole.

       4.) Moses war wahrhaftig ein großer Führer, und Sie sagen ganz richtig, dass er der Schöpfer Israels war. Moses war jedoch nicht verantwortlich für die Vorstellung des Monotheismus; diese Vorstellung bestand seit ältesten Zeiten. Daher ist die Ansicht, das jüdische Volk habe diese Vorstellung in die Welt gebracht, unrichtig.

       Moses war als Schüler der ägyptischen Priester in deren geheimes Wissen eingeweiht: Einheit des Kosmos, Einheit in seiner ganzen Vielfalt. Und die Vorstellung der Einheit bestätigte er als Monotheismus – genau gesagt, den Massen gegenüber, indem er Jehovah als einen Aspekt der Göttlichkeit darstellte. Es gab aber auch andere Gründe, warum das Bild Jehovahs zum Herrschenden Element oder Gott für das jüdische Volk wurde. Denken wir nur daran, wie weit fortgeschritten die Wissenschaft der Astrologie im alten Ägypten war. Jehovah war mit Saturn verbunden und Israel wurde als individuelles Volk unter diesem Planeten geboren.

       Obgleich die Vorstellung des Monotheismus in der exoterischen Religion der Juden besonders hervorgehoben wird, ist ihr heiliges Pantheon so reichhaltig wie jenes anderer Menschen, einschließlich der Christen: die Hierarchie der Kräfte, die Jakobsleiter und alle von der katholischen Kirche verehrten Planetaren Geister.

       5.) Moses war ein Jude, und alle Hinweise auf seinen ägyptischen Ursprung sind falsch. Auch vom rein psychologischen Standpunkt aus ist solch eine Meinung sehr unkritisch; die ganze Wesensart, die gesamte Entwicklung widerspricht dieser Epik des Moses total.

       6.) Moses war ein Führer und Herrscher im wahrsten Sinne dieser Begriffe, und ihm oblag die schwierige Aufgabe, aus einem Nomadenstamm, der sehr lange versklavt war und folglich viele negative Eigenschaften entwickelte, ein einheitliches Volk zu schaffen. Aus solch einem Stamm musste er einen Staat aufbauen und ihm die Grundlagen des Aufbaus sowie eine Staatsform verleihen. Alle Andeutungen über die Grausamkeit und Rachsucht seiner Gesetze sind ganz unbegründet; studiert man seine Gesetze objektiv, dann ist man erstaunt, wie weise und barmherzig sie sind. Sie sind in mancher Hinsicht edelmütiger als unsere heutigen Gesetze. Und wenn wir als Realisten unsere eigene von Schrecken und grausamsten Verbrechen erfüllte Zeit betrachten, müssten wir die Grausamkeiten Moses’ richtig zu beurteilen wissen.

       Darüber hinaus: Würden Sie die Vernichtung von wilden, tiergleichen Menschen als grausam erachten? Denn es gab unter den aus Ägypten ausgewiesenen Israeliten viele unzivilisierte, tierähnliche Kreaturen – auch die Bibel stellt dies fest. Der Führer hatte das beste Menschenmaterial zu retten, aus dem er die künftige Nation aufzubauen hoffte. Daher war Strenge aus Gerechtigkeit und Barmherzigkeit notwendig. Strenge und Barmherzigkeit beruhen auf demselben Prinzip.

       7.) Auch in bezug auf den viel zitierten Ausspruch ”Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn” (Exodus 21:24), der immer als Beispiel der Rachsucht angesehen wird, glauben Sie nur nicht, dass dieser etwas mit dem unvermeidlichen Karmagesetz zu tun hat. Erwägen Sie folgende Worte Christi ”Ihr habt gehört, dass den Alten gesagt wurde: Du sollst nicht töten, wer aber tötet, der soll dem Gericht verfallen. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen. Wer aber seinem Bruder sagt ”Raka” (= ein Ausdruck der Verachtung), der soll dem Hohen Rat verfallen, wer aber sagt Du Tor (oder Du Gottloser), der soll der Feuerhölle verfallen” (Matth. 5:21-22). Diese von Christus gesprochenen Worte finden wir weit strenger als die Worte Moses’, wenn wir dabei nicht das Karmagesetz in Betracht ziehen. Lasst uns daher gerecht sein.

       Dann im gleichen Kapitel (17-18) sagt Christus: ”Glaubt nicht, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten zu zerstören. Nicht zum Zerstören, sondern zum Erfüllen bin ich gekommen. Wahrlich, ich sage euch, bis der Himmel vergeht mitsamt der Erde, wird nicht ein Jota oder ein Strichlein vom Gesetz vergehen, bevor alles geschehen ist ”. Und die Juden lebten, wie wir wissen, nach dem Gesetz Moses’. Die folgenden Verse (38-39) im selben Kapitel mögen etwas widersinnig erscheinen: ”Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: ”Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn”. Ich aber sage euch: Widersteht dem Bösen nicht. Vielmehr, schlägt dich einer auf die rechte Backe, so halte ihm auch die andere hin”. Doch diese Feststellung Christi müssen wir auch mit dem Karmagesetz in Zusammenhang bringen. Ich will versuchen, dies noch näher zu erklären.

       Stellen wir uns vor, dass Moses sich dem Bösen nicht widersetzt und den übelsten und grausamsten Elementen erlaubt hätte, die Besten, die eine Vorstellung von Moral und Ordnung hatten, zu vernichten. Was wäre dann aus seiner Aufgabe geworden?! Seine Pflicht als Führer und irdischer Gesetzgeber war, sein Volk zu schützen und Ordnung aufrechtzuerhalten. Daher war es grundsätzlich notwendig, sich dem Bösen zu widersetzen. Alle Lehren des Altertums fordern, gegen das Böse aktiven Widerstand zu leisten. So pflegte Chinas weiser Gesetzgeber Konfuzius zu sagen ”Gutes für Gutes, doch für Böses Gerechtigkeit.”

       Im Kosmos tobt ein fortwährender Kampf zwischen dem offenbarten und dem nicht offenbarten Chaos. Es ist der Kampf der Kräfte des Lichts gegen die der Finsternis. Christus selbst widersetzte sich aktiv gegen das Böse, sofern wir dem Evangelium Glauben schenken wollen. Denken wir an die Vertreibung der Händler aus dem Tempel und an all seine strengen Anklagen gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Müssten wir Ihn nicht des Widerspruchs bezichtigen? Und wieder werden wir, wenn wir uns bemühen, die Worte Christi objektiv zu lesen, eine in ihrer Barmherzigkeit strenge Lehre wahrnehmen. Daher betrachte ich die Worte ”Widersteht dem Bösen nicht. Vielmehr, schlägt dich einer auf die rechte Backe, so halte ihm auch die andere hin” vom Standpunkt des Karma aus. Wenn dieses Karmagesetz ”Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn” unumgänglich und absolute Gerechtigkeit ist, so bedeutet es auf keinen Fall, dass wir es persönlich auf diese Weise erfüllen sollten. Tun wir es, so werden wir aus dem Teufelskreis von Karma nicht herauskommen. In der Tat, wir müssen unseren persönlichen Feinden vergeben, denn wer weiß, ob der erhaltene Schlag nicht ein nach dem Karmagesetz wohlverdienter Rückschlag ist? Doch durch Vergeltung eines solchen Schlages mit einem Rachegefühl im Herzen leben wir Karma nie aus, sondern wir verlängern und verstärken es auf für uns übelste Weise. Indem wir unseren Feinden vergeben, vermindern wir darüber hinaus die Summe des Übels im Weltenraum und werden gegen viele Schläge immun. Gleicherweise lasst uns die Worte ”Liebet eure Feinde …” verstehen. Jedoch trotz allem müssen wir uns dem Bösen widersetzen, wenn wir nicht ganz von ihm überwältigt werden wollen.

       Es gibt viele Arten, sich dem Bösen zu widersetzen. Vor allem durch die Kraft des Geistes und ohne Hass geleisteter Widerstand ist, okkult gesprochen, hundertfach stärker. Alle diese Behauptungen Christi beweisen, dass Er ein Eingeweihter war und die Stärke des Rückschlags kannte. In diesem Sinne sollte man auch die Worte im Deuteronomium (5. Buch Moses) ”Mein ist die Rache und Vergeltung” verstehen. Der Apostel Paulus verwendete diesen Denkspruch in seiner Epistel an die Römer. Wir sehen wieder, dass Christus nicht kam, um zu vernichten, sondern um das Gesetz zu erfüllen.

       Außerdem kennen wir die Gesetze des Moses nicht genau und vollständig. Lasst uns nicht vergessen, dass die ganze Bibel rekonstruiert ist, abgesehen von den vielen Ungenauigkeiten und Auslassungen in den zahlreichen Übersetzungen. Wir brauchen gar nicht das Alte Testament zu erwähnen, auch im Neuen Testament gibt es viele Widersprüche; zum Beispiel gibt es Unterschiede zwischen der englischen und russischen Version.

       8.) Die Kabbalah, wie jedes andere religiöse und philosophische System, ist ein Widerhall der Heiligen Lehren des Ostens – durch die Veden, Upanishaden, die Lehren von Ägypten, Chaldäa, Assyrien, von Orpheus, Pythagoras u. a. Auf jeden Fall ist das Substrat der Kabbalah anderen Systemen sehr ähnlich. Die Grundlagen der Kabbalah stammen aus dem fernen Altertum. In der ”Geheimlehre” von H. P. Blavatsky ist darauf hingewiesen, dass die Juden ihre Begriffe der Kosmogonie von Indien, Chaldäa und Ägypten entlehnt haben. Folglich musste Moses, da er ein Schüler der ägyptischen Priester war, die Karmalehre gekannt haben. In der ”Geheimlehre” ist ebenfalls aufgezeigt, dass das jüdische Volk ursprünglich aus Indien kam. Einer der niederen Tamilenstämme kam aus Indien, und vermischte sich auf seinen Wanderungen durch Heirat mit den semitischen Stämmen.

       Weiter ist in der ”Geheimlehre” gesagt ”Da die Juden die Lehre Christi nicht annahmen, schlossen sie sich selbst von der weiteren geistigen Evolution aus.” Dies stellt einen Fall dar, der Seite an Seite mit anderen ähnlichen Fällen steht. Durch Ablehnung der von Christus gebrachten reinen alten Lehre sowie durch die Zulassung, dass er getötet und seine Jünger verfolgt wurden, haben die Juden sich ein schweres Karma aufgeladen. Auf die gleiche Art bereitete sich das indische Volk sein trauriges Schicksal durch Nichtannahme der Lehre Buddhas und durch Verfolgung seiner Schüler. Buddha brachte Indien Freiheit durch Ablehnung des Kastensystems; doch durch Ablehnung des Buddhismus wählte Indien Sklaverei. Die theoretische Annahme der Lehren Buddhas und Christi ist eine Sache für sich, doch es ist eine ganz andere Sache, sie zu befolgen und über das Herz zu verwirklichen. Ein wahrer Nachfolger Christi oder Buddhas ist, wer die einzige grundsätzliche und universelle Doktrin erkennt und danach lebt. Nur solch ein Nachfolger beschreitet den Weg der Evolution.

       Die Lehre Christi ist bis zur Unkenntlichkeit entstellt, und jetzt ist für die christliche Welt die Zeit gekommen, ihr Karma selbst zu bestimmen.

       9.) In dem Bestreben, ihre Kastenvorrechte zu wahren, fahren die Brahmanen fort, in unwissenden Gemeinschaften den fürchterlichsten Aberglauben zu hegen. In diesem Konglomerat von Aberglauben und Riten, deren ursprüngliche Bedeutung verlorenging, ist es schwierig, die Funken einstmals großen Wissens zu erhaschen. Doch die Brahmanen lehnen das Gesetz der Wiedergeburt nicht ab und fürchten es nicht, da sie davon überzeugt sind, dass jeder Brahmane als ”zweimal Geborener” in keiner niedereren Kaste inkarniert. In alten Zeiten bedeutete die Bezeichnung ”zweimal geboren” geistige Geburt oder Einweihung, doch später wurde sie zum kennzeichnenden Merkmal allgemein angeborener Eigenschaften jedes Brahmanen.

       Die meisten Brahmanen sind regelrechte Parasiten am kranken Körper Indiens. Die Degeneration dieses Landes ist ein unmittelbares Ergebnis des schrecklichsten, grausamsten Kastensystems. Doch heute lehnen sich die gebildeten Klassen Indiens bereits gegen die strenge Begrenzung der Kasten auf. In manchen Teilen Indiens ist es den unteren Kasten schon gestattet, die Tempel zu besuchen. Auch die Frauen Indiens erwachen bereits, und dies kann zum Hauptfaktor der Regenerierung des ganzen Landes werden.

       10.) Nun über die Schutzengel. Es ist wahr, dass jedes menschliche Wesen seinen eigenen Schutzengel hat. Doch wir dürfen diese Schutzengel nicht nur als Wesenheiten aus den höheren Sphären verstehen, sondern häufig auch als unseren eigenen Geist, unsere höhere Triade oder unser wahres individuelles Ego, das leider sehr selten eine Person befähigt, seiner Stimme zu lauschen. Manchmal ist diese Stimme als unser Gewissen bekannt.

       Wahr ist auch, dass viele Menschen durch verstorbene Freunde und Verwandte geführt werden, die ihnen Hilfe angedeihen lassen.

       Die wahren Schutzengel sind die Großen Geister der Hierarchie des Lichts, (die Große Heilige Bruderschaft), welche die menschlichen Nöte und die Evolution überwachen. Einige dieser Schutzengel werden (allerdings in den seltensten Fällen) zu Führern von außergewöhnlichen Individuen. Ihr Strahl sucht ständig nach neuerwachten Bewusstseinen und jenen entflammten Herzen, um sie zu schützen und zu lenken. Doch in unserer Zeit sind die vermeintlichen Schutzengel leider größtenteils finstere Besessene aus den niederen Sphären, deren Stimme viel leichter aufgenommen wird, da sie sich von den irdischen Wünschen nicht unterscheidet. Doch wehe denen, die solch einer Annäherung stattgeben!

       Hier möchte ich einen Paragraphen aus der Lehre anführen: ”So viele Entstellungen, so viele Ungenauigkeiten haben sich in die Lehren eingeschlichen. Wahrlich, jede Bestrebung zur Reinheit ist großer Dienst. Jedes Bestreben, die Wahrheit wiederherzustellen, wie sie der Menschheit übergeben wurde, ist feuriges Dienen. Die wahrgenommenen schwarzen Fäden stellen nicht nur die Finsternis der irdischen Atmosphäre dar, sondern auch jenes Gewebe, das das menschliche Gemüt und das Herz bedeckt. Man kann sich schwer vorstellen, wie viele Gemüter durch üble Auslegungen getrübt wurden; jeder Mensch ist mit Spannung erfüllt, neue Auslegungen zu suchen, geht jedoch weiter von der Wahrheit ab. Die Zersplitterung wird lebhaft bestätigt in den Religionen, in der Wissenschaft und im ganzen Schaffen. Jede Welt steht mit einer anderen in Wechselbeziehung. Jede Wahrheit entspringt einer anderen Wahrheit. Wahrheit wird nur dem offenen Herzen enthüllt. So gibt das gespannte Bewusstsein, das den Puls des Kosmos fühlt, mit leuchtenden Gedanken den eigenen Pulsschlag weiter. Wahrlich, großartig ist der dem feurigen Herzen enthüllte feurige Puls.” (Feurige Welt, Bd. III)

2. Juni 1934

       Sie sagen, dass Sie müde sind, dass Sie gegen Depression ankämpfen und nicht sicher sind, ob Sie diese überwinden können. Aber selbstverständlich werden Sie das! Denken Sie daran, dass diese Stimmungen nicht immer aus Ihrem Inneren kommen; sie sind oft das Ergebnis einer unerhörten Spannung in der uns umgebenden Atmosphäre. Sobald der Strom in eine andere Richtung verläuft, wird sich auch die Stimmung ändern. Sie schreiben ganz richtig, ”dass ein überwältigter Krieger hoffen kann, unerwartete und wundervolle Hilfe zu erhalten.” Jedoch dieser wundervollen Kraft ist es überlassen, wann die Hilfe gewährt wird. Wie oft befanden wir uns in den schwierigsten Verhältnissen und dachten, sie nicht länger zu ertragen, aber dann erfuhren wir, dass man doch noch mehr aushalten kann, und erst als unsere eigenen Hilfsquellen gänzlich erschöpft waren, wurde uns Hilfe zuteil und immer auf die unerwartetste Weise.

       Aus der ”Lehre des Lebens” wissen Sie bereits, dass wir durch Überwindung von Hindernissen wachsen und nur so lernen, unsere Fähigkeiten zu schärfen. Und wirklich, wie können wir anders unseren Geist stählen? Glauben Sie ja nicht, dass die Schüler und die Diener des Lichts einen mit Rosen bedeckten Pfad wandeln. Nein, ihr Pfad ist dornenvoll; und je näher dem Licht, umso schwieriger und verantwortungsvoller sind die Aufträge, die sie erhalten. Der Pfad der Lehre – der Pfad des Dienens – ist vor allem der Pfad der Selbstverleugnung und des Opfers. Doch freudvoll ist dieser Pfad, wenn das Herz reich ist an Liebe zur Hierarchie des Lichts – die Dornen verwandeln sich in duftende Freesien! Ein Beispiel solchen Dienens wird von N. K. gegeben. Würden Sie seine Lasten kennen, Sie wären entsetzt, wie ungeheuer diese sind! Doch er ist mit solch einer Liebe, Ergebenheit und einem Streben erfüllt, dass er alles mit großer Freude auf sich nimmt und bereit ist, sich ganz dem Allgemeinwohl zu widmen.

       Und ist es nicht freudvoll zu erkennen, dass wir unsere Pflicht gegenüber der Menschheit erfüllen? Welch schöner und mächtiger Begriff liegt in der Pflichterfüllung! Alle Helden erfüllten ihre Pflicht. Und Sie, als Kämpfer, sollten diesen Gedanken der Pflichterfüllung besonders schätzen. Daher bin ich fest überzeugt, dass Sie diese Depression, alle Einflüsterungen der Finsternis sowie jede Furcht und jeden Zweifel überwinden werden. Sie schreiben, dass Sie ihre Waffe besitzen; wenn daher ihr Bewusstsein wirklich denkt, eine Waffe zu sein und nicht nur ein Symbol, dann werden Sie gewinnen! Die Lehre ist – gut verstanden und angewendet – unsere beste Waffe!

       Allerdings sind die materiellen Mühen oft schwierig zu bewältigen, doch im Vergleich zu den geistigen Geschwüren sind sie nichtig. Der materielle Mangel kann, wenn der Geist stark ist, oft augenblicklich behoben werden, doch die geistigen Geschwüre erfordern jahrelanges Heilen. Ich hoffe, Sie nehmen mir diese ”moralische Lektion” nicht übel, doch ich habe das Verlangen, Ihnen darzulegen, dass die Möglichkeiten gegeben sind, Ihre materiellen Angelegenheiten zu verbessern. Wissen Sie, was Ihnen die nahe Zukunft bringen kann? Und ich bitte Sie ernstlich, in diesen kommenden Jahren tapfer zu sein. Wahrlich, es sind nur noch einige Jahre, bevor die große Veränderung eintreten muss. Viel wird sich ändern und es ist notwendig, unsere Kräfte zu erhalten. Die ganze Welt jammert und erfährt die unglaublichste materielle Krise, die das Ergebnis vollständiger geistiger Verkommenheit ist. Und nur jene, deren Geist stark ist, können hoffen zu überstehen. Das vorerwähnte Harmagedon ist keine Mythe, sondern eine fürchterliche Realität. Seien Sie daher stark! Gott ist mit den Tapferen!

       Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass Sie die Werke Vivekanandas und Ramakrishnas schätzen. Ihre Bücher waren und sind unsere wertvollsten Freunde. Leider haben diese beiden großen Geister uns schon verlassen. Vivekananda starb im Jahre 1901 und Ramakrishna noch früher. Können Sie Englisch lesen? Und welche Bücher von Vivekananda und Ramakrishna besitzen Sie? Meine Bücherei besteht leider nur aus fremdsprachigen Büchern, zum Großteil aus englischen. Ich besitze fast keine russischen Bücher. Doch wenn Sie Englisch lesen können, würde ich Ihnen gerne die Bücher über Vivekananda senden, die ich besitze, obwohl ich keine anderen Bücher von ihm habe als seine Vorträge. Er starb sehr jung, er war erst vierzig, doch er erfüllte eine ungeheure Aufgabe. Er stellte die wahre Verbindung zwischen Ost und West her. Dies war das erste Mal, dass klar und mit Liebe Indiens majestätische Vorstellungen, seine Weltanschauung sowie die hohen Prinzipien der LEBENDIGEN ETHIK im Westen eingeführt wurden. Und vielleicht beeinflusste er das Bewusstsein unserer Landsleute mehr als selbst unsere eigene große Elena Petrowna Blavatsky.

       Sie kennen das Sprichwort: ”Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande”, was sich besonders auf unsere Leute bezieht. Doch die Zeit wird kommen, wo die Russen die ganze Größe der von H. P. Blavatsky der Welt überbrachten Lehre erkennen und der großen Frau, die für diese Ideen litt, Achtung zollen werden.

       Haben Sie die Perle der indischen Literatur, ”Die Bhagavad Gita” gelesen? Diese Schrift ist von dem Dichter Baltrushaitis ins Russische übersetzt worden. Einer der hiesigen Freunde in Amerika lieh sich dieses Buch, doch, wie so oft, vergaß er, es zurückzugeben.

       Sie haben recht, es gibt kein Verbrechen, das ärgere Auswirkungen hätte als Unwissenheit. Pseudopatriotismus und Pseudoreligion werden vergehen, und anstelle dieser sterbenden Schreckbilder wird eine künftige Ära neuen, freudvollen, aufbauenden Lebens treten, der die große Zusammenarbeit der Menschen zugrunde liegt. Es wird eine Wiederbelebung und Reinigung der Testamente aller großen Lehrer sein. Das Schicksal Russlands wird es sein, seiner Bevölkerung eine wahre Mutter und keine Stiefmutter zu werden. Wahrer Patriotismus und Chauvinismus sind Gegensätze. Der eine Begriff basiert auf Toleranz und ist daher wachsend, während der andere auf Hass beruht und somit im Aussterben ist. Die Gesetze sind überall die gleichen.

       Haben Sie vielleicht über das von N. K. errichtete Friedensbanner gehört? Es wurde als unpatriotisch erklärt! Sind Sie nicht erstaunt? Doch so ist die Tatsache, wir erhielten einen Anklagebrief in dieser Sache. Jemand sah in dieser großen Idee eine Missachtung der Aufgaben unseres Vaterlandes! N. K. wurde beschuldigt, ein Internationalist zu sein, gleichgültig gegenüber den Leiden seines Vaterlandes. Wir mussten diesen Brief sogar bestätigen. Ich will einige Auszüge aus diesem Brief zitieren, was meine allgemeine Antwort für alle ähnlichen Pseudopatrioten darstellt, mit denen auch Sie zu tun haben: ”Nur breite Aufbauarbeit auf weltweiter Ebene, inspiriert durch den Genius des betroffenen Volkes, kann die Bedeutung eines Landes sowie seine Position unter anderen Ländern heben. Können Sie sich vorstellen, dass die ”Lehnstuhl-Kritiker”, die nörgeln, bloßstellen und spotten, überhaupt helfen können? Können sie mehr tun als jene, deren Energie für die Entwicklung der Kultur aufgewendet wird? Wird diese kulturelle Erhebung nicht wahres Ansehen für ein Land erwecken? Für jeden ernsten Aufbau ist es vor allem erforderlich, ein mächtiges Zentrum zu haben. Doch ein Zentrum, das einen beschränkten Nationalismus widerspiegelt, kann in der Weltstruktur nicht erfolgreich sein. Wo gibt es solch ein Land in der Welt von heute, das ganz allein von einer Rasse aufgebaut worden ist?

       Und wenn manche Leute glauben, dass beschränkter Nationalismus dem Patriotismus gleichkommt, so irren sie sehr. Und wenn auf den ersten Blick kurzsichtige Leute darin eine Macht sehen, so werden sie entdecken, dass mit der weiteren Entwicklung solch eine Bewegung in Selbstvernichtung endet. Jede freigesetzte Macht ist ein Bumerang; und daher müssen wir sehr vorsichtig sein, wie wir diese Mächte in den Raum werfen, denn durch das Gesetz des Rückschlags werden sie uns früher oder später entweder zerstören oder erheben, abhängig davon, wie wir sie nutzen.

       Patriotismus unterscheidet sich von Chauvinismus sehr. Er besteht aus selbstloser Liebe zu einem Land, zusammen mit Achtung vor anderen Völkern, die in verschiedener Weise zum Wachstum und zur Entwicklung des eigenen Volkes beigetragen haben. Die wahre Macht und Schönheit eines Landes liegen in seiner Vielfältigkeit, in seinen umfassenden Möglichkeiten, die die fundamentale Einheit des Vaterlandes nicht ausschließen. Und wer diese Einheit in der Verschiedenheit zu offenbaren versteht, ist wirklich ein großer Führer. Der beschränkte Nationalismus hat Deutschland degradiert, und sollte er wieder aufleben, könnte er es vernichten. Patriotismus ist ein hohes, sehr edles und heiliges Gefühl, doch beschränkter Nationalismus oder Chauvinismus ist Selbstvernichtung. Es genügt nicht, die Zeitungen zu lesen und den politischen Führern zu lauschen, um die Entwicklung der Ereignisse zu verstehen. Vielleicht ist es sogar besser, dieser Information nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, da sie oft noch größere Verworrenheit schafft. Heute gleicht die menschliche Mentalität wie das ganze Leben einem Schiff, das ohne Segel oder Steuer inmitten der chaotischen, stürmischen Elemente dahintreibt. Um das geschaffene Chaos zu verstehen, um die Richtung zu kennen, die zur Rettung und zur großen Zukunft führt, und vor allem, um die rechte Frist zu erkennen, sollte man über eine große geistige Schau verfügen und auch die Hohe Führung oder die sogenannte Hiero-Inspiration kennen …”

       Und nun möchte ich etwas über einen bestimmten Priester sagen. Es ist eine Lüge, dreifache Lüge, dass er N. K. persönlich kannte. Er begegnete N. K. nie, doch hatte er einen kurzen und sehr bezeichnenden brieflichen Kontakt mit ihm. Aus dieser Verbindung muss ich wohl einige Auszüge bringen, um ein Bild von der Persönlichkeit dieses Priesters zu geben. Wir erhielten seine Broschüre aus Paris. Nachdem wir sie gelesen hatten, bat ich N. K., ihm über sein Büchlein einen freundlichen Brief zu schreiben und ihm zu sagen, dass wir gerne einige seiner Werke lesen möchten. Gleichzeitig mit dem sehr herzlichen Brief sandte ihm N. K. sein Buch ”Das Reich des Lichts” und einige Reproduktionen seiner Gemälde. Die Antwort war niederschmetternd und erschütternd. Sie war eine wahre Erwiderung eines beschränkten Sektierers, geistig arm und äußerst grausam. Ohne dass er N. K. persönlich kannte oder über sein selbstloses Wirken für das Gute und Schöne im Namen der Geistigkeit etwas wusste, erlaubte sich dieser ”ehrwürdige” Priester am Ende seines Briefes folgende Schmach: ”Ihr Pfad, N. K., ist kein evangelischer. Die Leute machen ein Idol aus Ihnen (und in Amerika wird dies leicht zu einer Quelle finanziellen Einkommens), doch Sie gebieten solchen Leuten keinen Einhalt … (die letzten Worte waren unterstrichen im Originalbrief). Ihr Buch wird keine Person von der Welt relativer geistiger Werte und Begriffe abbringen, und was der von Ihnen auch noch unterstützte Kult Ihres Namens betrifft, so ist dies mehr als alarmierend für uns ” (Wieder unterstrichen).

       Wer sind diese ”uns”? Jene unwissenden Pharisäer, die den Namen Christi verschachern? Dieser Priester (ein Mönchpriester der russisch-orthodoxen Kirche) erkannte nicht, dass N. K. von seinem ganzen Wesen her ein Lebenserbauer ist, ein Führer der Kultur und dass die herkömmlichen Maßstäbe eines Mönches unangebracht sind!

       In Erwiderung auf diesen grausamen, widerwärtigen Brief schrieb N. K. eine wunderbare Antwort voller Duldsamkeit und Höflichkeit, und er sprach auch von seiner kulturellen Tätigkeit. Nirgendwo, nicht mit einem einzigen Wort verletzte er den Mann. Dieser Brief wurde, wie von solch ”höflichem und rechtschaffenen Priester” zu erwarten war, bestätigt, doch mit so viel Verleumdung, wie er sie nur von den neidischen Verleumdern sammeln konnte. Er zögerte nicht, spottend alles herunterzuziehen, was uns heilig ist, nach seiner Ansicht jedoch eine Offenbarung des Teufels und der Scherz eines Antichristen ist! Nachdem er vernahm, dass wir die östlichen Lehren verehren, brachte er aus den Werken bestimmter Orientalisten einige Auszüge, um zu beweisen, dass diese Lehren ketzerisch seien. Diese vorher angeführten Werke werden von den heutigen Sanskritisten nicht nur als überholt betrachtet, sondern sie werden von allen gut gebildeten Orientalisten gänzlich abgelehnt, weil man sie als ungelehrt und, was ihre entstellende Übersetzung aus dem Sanskrit betrifft, als sehr unzuverlässig erachtet. Und hier offenbarte unser Briefschreiber seine Schwäche. Erst seit den letzten zehn Jahren begann der Westen in Sanskrit (dieser schwierigsten Sprache) etwas Höheres zu erkennen, und nun schreien einige, dass ungeheure Verstümmelungen in den ersten Übersetzungen enthüllt wurden. So zitierte er zum Beispiel aus Bunges ”Die Geschichte des Heidentums”: ”Das wahre Wesen der Welt ist nicht Gottheit, nicht die Ursprüngliche Kraft, sondern die absolute Leere, völliges Nichts. Alles entstand aus dem Nichts, durch das Nichts, und wird wieder in das Nichts zurückkehren, denn seit Anfang an war Nichtsein. Alles ist Leere der Leerheiten im Himmel und auf Erden, denn Himmel und Erde sind gleich leer. Über den Wolken des aufgelösten Universums herrscht das ewige Nichtsein …”

       Und weiter folgten ähnliche Absurditäten, ein Auszug aus ”Religiöses Bewusstsein des Heidentums”, ein Beitrag von Professor Vedensky. Ich möchte nur den Schluss zitieren: ”Wenn es für einen Buddhisten im Leben überhaupt ein Ziel gibt, so kann es nur ein negatives sein – das Entfliehen aus diesem trügerischen unsinnigen Leben, voll der Bitterkeit und des Leidens, in ein Nirvana des Nichtseins …”

       Auf diese offensichtliche Entstellung und gleichermaßen unwissenden Zitate antwortete N. K. folgendermaßen: ”Was Ihre Zitate betrifft, möchte ich sagen, dass der Autor eines dieser Bücher offensichtlich keine Fremdsprachen beherrscht und sich wahrscheinlich nur sehr unzulänglicher und entstellter Übersetzungen bediente (sowohl von Bunge als auch von Keppen); noch kannte er das ”Summa Summarum” der östlichen Weltanschauung, die vor allem feststellt: ”Aus nichts kann nichts entstehen” – und zweitens: ”Es gibt keine Leere”. Erschließen diese zwei Feststellungen nicht den Weg zu Gott? Vergessen wir nicht, dass im Osten der Höchste Begriff wegen tiefer Verehrung nicht ausgesprochen wird. Man kann zwar die verhängnisvoll entstellten Begriffe auswählen und ihnen nachspüren; aus vielen Quellen kann man jedoch schönste Seiten voll des alldurchdringenden göttlichen Geistes, allbarmherzig zu allen Kreaturen finden.

       Wie z. B. für ”Nirvana”, was entsprechend dem ursprünglichen östlichen Begriff ”das Transzendentale” bedeutet, oder der Höchste Zustand des Seins, der von dem gewöhnlichen menschlichen Gemüt nicht erfasst werden kann; mit anderen Worten, es ist ein völliger Kontrast zum Nichtsein. So unwissend sind unsere westlichen Übersetzer und Kommentatoren, auf die wir angewiesen sind!”

       Dieser Brief von N. K. ist nur mit einer kurzen Notiz bestätigt worden; wahrscheinlich fühlte der Priester, dass ihm sein Widersacher mit seinen Fähigkeiten überlegen war. Er brachte den Wunsch zum Ausdruck, N. K. zu besuchen und schämte sich nicht hinzuzufügen: ”Glauben Sie mir, ich möchte gerne fühlen, dass Sie höher und besser sind als ich.” Ein wahres Gebet eines Pharisäers. ”Gott ich danke Dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen … oder wie diese Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich gebe den Zehnten von allem, was ich erwerbe” (Lukas 18:11-12). Geht nicht aus diesen Worten des ”geistigen Vaters” hervor, dass er an dem krankt, womit er in seinem ersten Brief N. K. beschuldigte? Ist nicht gesagt, dass, ”wer den Balken in seinem Auge hat, den Splitter in dem seines Bruders sieht?”

       Und diese letzte Notiz ließ N. K. nicht ohne Antwort. Er sandte ihm einen warmherzigen, weisen Brief. Ich möchte nur den Schluss anführen (zu Beginn bedankte sich N. K. für die ihm gesandten Bücher): ”Vielleicht werden wir uns einmal begegnen und gütlich von Herz zu Herz sprechen. Ich kann Ihnen versichern, dass ich mich freute, in Ihrem Buch bestimmte Dinge zu finden. Bis zum Äußersten meiner Kraft bemühte ich mich, an die ursprünglichen Quellen der Großen Testamente heranzukommen und allen späteren Hinzufügungen auszuweichen, die manchmal an Entweihung und Spott der heiligen Dinge grenzen. ”Sehet allen Euren Werken auf den Grund und vertieft das Gute”; dies waren die Worte des Vaters Johann von Kronstadt, die er mir gab. Sie kennen gewiss alle finsteren Verleumdungen, die um Vater Johann verstreut und von leichtsinnigen Menschen nachgesprochen wurden. Doch ist verleumdet werden nicht das Zeichen wahrer Geistesgröße? Und in der Hoffnung, Ihnen persönlich zu begegnen, sende ich Ihnen bis dahin meine besten Wünsche …”

       Das war das Ende einer bezeichnenden Verbindung. Doch sie bleibt ein sehr kurioses Beispiel der Unwissenheit, des Pharisäertums und der Grausamkeit unserer ”geistigen Führer”. Dieser Priester sagte die Wahrheit, als er bekannte, dass der Klerus für den Niedergang der Kirche verantwortlich ist.

       Da Sie die Bücher von Vivekananda und Ramakrishna bewundern, dürfte es Sie interessieren, was dieser ”erleuchtete Priester” über sie aussagte: ”Im Augenblick lese ich eines der reinsten, geistigen und edlen okkulten (wieso okkult?) Bücher, ”Das Evangelium des Ramakrishna”, mit einem Vorwort von Swami Abhedannanda. Schon im Vorwort bin ich erstaunt über den Mangel an wahren geistigen Werten. Zum Beispiel: ”Bevor er sich mit den Leuten auseinandersetzte und sie überhaupt zu lehren begann, widmete sich Ramakrishna zwölf Jahre dem Studium der Dogmen und Zeremonien aller Religionen, nahm voll des Glaubens und der tiefen Verehrung an ihren Gottesdiensten und Riten teil, so dass er durch Erfahrung erkennen konnte, wohin all diese Religionen führen ... Und schließlich erkannte er durch Befolgen ihrer Methoden die der einzigen Gottheit in ihnen allen.” Dies allein soll ausreichen, um meine Bestürzung darüber zu verstehen, wie solche Absurdität mit der Offenbarung Christi gleichgestellt werden konnte … ”

       Richtiger gesagt sollte der letzte Satz des Priesters in die Kategorie der ”Absurditäten” eingegliedert werden. Und er hätte besser getan, vor der Verurteilung und dem Verfluchen anderer Religionen und Lehren dem ehrlichen Beispiel von Ramakrishna und Vivekananda zu folgen und zu versuchen, die wahren Grundlagen jeder Lehre und Religion durch Teilnahme an ihren Gottesdiensten zu studieren und erst nachher seine Meinung abzugeben. Doch ohne ein Prophet zu sein, kann man sagen, dass der ”erleuchtete Priester” nicht über den Geist der Güte und Duldsamkeit verfügte, die Vivekananda besaß, was dieser so herrlich in folgendem zum Ausdruck brachte: ”Hätte ich in der Zeit Jesu von Nazareth in Palästina gelebt, ich hätte seine Füße nicht mit meinen Tränen, sondern mit meinem Herzblut gewaschen!” Vivekananda erfühlte die wahre Schönheit des Bildnisses Christi – ohne die durch die Geistlichen verursachten Entstellungen. Doch Christus von Herzen Tribut leistend, vergaß Vivekananda nicht die Großen Gestalten seiner eigenen Religion. Welcher von beiden ist der Größere? Der Geist jenes Priesters ist so weit entfernt von dem allumfassenden Ausspruch der Bhagavad Gita: ”Auf welchem Pfad du auch zu Mir kommst, auf jedem Pfad will ich dich segnen; denn alle Wege sind Mein.”

       In diesen herrlichen Worten ist klar aufgezeigt, dass die Form der Religion wirklich nichts ausmacht, denn die Idee ist es, die wesentlich ist. Wahrlich unsere geistigen Führer sind weit von solch einer Weisheit, dieser Großmut, Toleranz und allumfassenden Sicht entfernt! Jeder weiß: ”Wie im Makrokosmos, so im Mikrokosmos”. Sollte daher unser Herz nicht allumfassend sein wie das Kosmische Herz? Könnte eine Vorsehung so schrecklich ungerecht sein, dass der weiseste, der gnadenvollste Gott seinen Sohn nur zu einem besonderen Volk gesandt haben sollte? Dann bleiben andererseits genauso wie vorher die Billionen von Menschen – ”die Kinder unseres Himmlischen Vaters ” (wenn wir an die Worte Christi selbst glauben) – Ausgestoßene, trotz der Tatsache, dass viele von ihnen eine viel höhere Moral besitzen als jene, die bevorrechtigt waren, unter dem Schutz der christlichen Kirchen geboren zu werden!

       Sie sollten nicht glauben, dass die Worte dieses Priesters Schaden bringen konnten; im Gegenteil, es ist immer gut, wenn eine Person ihr wahres Wesen offenbart. Wir haben es nicht nötig, uns wegen der Anklage der Häresie zu ängstigen. Das Bildnis des wahren Christus – des Lehrers – wohnt in unseren Herzen und Gemütern, und wir stimmen Vivekanandas Worten über Christus vollkommen zu. Jedoch sehen wir in Christus einen Gottmenschen und nicht einen beschränkten Sektierer, der jeden in die Reihen der ”Antichristen” verdammt, der nicht die kirchlichen Begrenzungen und Entstellungen seiner Lehre annimmt. Wir haben eine Menge Anhänger sogar unter den offiziellen Vertretern der verschiedenen Kirchen. Man kann den gesamten Fortschritt nicht aufhalten, und es ist unmöglich, die Mentalität der alten Priester zu teilen, dieser Schöpfer der christlichen Dogmen, die beispielsweise bei ihren Synoden ernstlich erörterten, wie viele Geister auf einer Nadelspitze Platz fänden, oder ob die Frau eine Seele besitze und ähnliche Prachtstücke ”tief geistiger” Offenbarung. Nebenbei zogen diese heiligen Männer auf ihren Konzilen einander an den Bärten und ohrfeigten sich gegenseitig! Vergessen wir nicht, dass das Gesetz der Wiedergeburt erst im sechsten Jahrhundert auf dem Konzil zu Konstantinopel (553) von diesen weisen Männern widerrufen wurde. Nein, die Zeit ist gekommen, um zu prüfen, die hinzugefügten Entstellungen abzuwerfen und zu den ursprünglichen reinen Quellen zurückzukehren.

       Für die Kirchenväter wäre es ratsam, sich das Vermächtnis Christi und seiner Lieblingsjünger ”Liebet einander” in Erinnerung zu rufen. Dann würde alles seinen rechten Platz einnehmen. Es ist auch dringend notwendig, in die Werke des großen Origenes Einblick zu nehmen und sie zu studieren, dieses wahre Licht des Christentums. Seine Werke werden jetzt von einigen westlichen Geistlichen in Amerika studiert. Diese Väter verstehen, dass das Bewusstsein ihrer geistigen Gemeinden neuer Nahrung bedarf und nicht mit den naiven Vorstellungen, die vielleicht einmal für die Zähmung von halbwilden, zum Christentum bekehrten Stämmen notwendig waren, zufriedengestellt werden kann. Um ihren Einfluss nicht endgültig einzubüßen, beeilen sich einige Mitglieder des westlichen Klerus, ihr Wissen zu erneuern und zu vergrößern. Würden unsere ”geistigen Väter” ihrem Beispiel folgen, könnten wir viele gute Ergebnisse erwarten!

       Denken Sie nur daran, wie viele klare Hinweise über Wiedergeburt, über das Karmagesetz im Neuen Testament gegeben sind, genau mit den Worten Christi selbst! Doch unsere ”geistigen Väter” weichen diesen Fragen konsequent aus! Möge Gott ihr Richter sein!

       Heute erleben wir eine fürchterliche geistige Krise, eine schreckliche, alles zersetzende Gottlosigkeit, die sich aus dem beschränkten toten Sektierertum, dem erschütternden Dogmatismus sowie aus dem Niedergang der Moral unter den Vertretern der Kirche ergibt. Wir haben nie gegen eine Religion oder Kirche gesprochen, da es besser ist, etwas Religion zu besitzen oder einer Kirche anzugehören als keinerlei Halt zu haben. Doch wir werden immer gegen den Mangel an Toleranz, Moral und Wissen sprechen. Priester sind notwendig, aber sie sollten wahre geistige Führer und fortschrittlich sein und nicht weiter in den Fesseln der dunklen Unwissenheit des Mittelalters verharren. Der Geist der Inquisition ist noch sehr stark. Glauben Sie, wenn Christus jetzt auf die Erde käme, Er könnte der Kreuzigung entgehen? Könnte er wohl bestenfalls der Lynchjustiz entkommen oder dem lebenslänglichen Gefängnis, mit dem Titel ”Antichrist”?

       Bedrohliche Ereignisse nahen, und es ist besonders tragisch das Ansteigen der Uneinigkeit in allen Lebenssphären zu bemerken. So viel Unausgeglichenheit, niedere Verleumdung, Neid und Hass unter jenen, die das Werk der Vereinigung gestalten sollten! Es ist Zeit, die vor uns liegenden Probleme der Rettung der Menschheit und des Planeten zu verstehen. Und die Rettung liegt in den Händen der Menschen selbst; doch sie schüren das Feuer des Hasses und der Uneinigkeit und verstärken dadurch die Gefahr einer fürchterlichen Zeit. Niemand will glauben, dass das vorausgesagte Harmagedon keine Mythe ist, aber es ist wahrlich eine schreckliche Wirklichkeit und eine große Gefahr. Nichtsdestoweniger sollten wir den Mut nicht verlieren, denn jene, die den Ruf vernahmen und bis zum Ende aushalten, werden schließlich gerettet werden. Denken Sie an die Kürze der Zeit, und möge dieses Wissen Sie stärken. In allen Ihren Taten, in allen Verbindungen – denken Sie an den Grundsatz, der Sie lehrt ”Duldsamkeit, Großmut und Streben in die Zukunft!”

7. Juni 1934 [nach dem russischen Original 23. Juni 1934]

       Die Menschheit erlebt nun die Zeit der Umwandlung von der Evolution des Intellekts zur Evolution der Geistigkeit. Diese Zeit ist durch die Errungenschaft der Vorherrschaft des Geistes über den Intellekt gekennzeichnet. Beim Rassenwechsel wird dieser Übergang vervollkommnet werden. So nimmt die sechste Rasse jetzt ihren gerechten Platz ein. Wie Sie wissen, wird jeder Rassenwechsel von kosmischen Kataklysmen begleitet. Solch eine Reinigung ist für die Entwicklung der neuen Rasse erforderlich. Diese kosmischen Kataklysmen sind die Auswirkung der Verschiebung der Erdachse.

       Die heutigen Wissenschaftler weisen ganz eindringlich auf diese Verschiebung hin, die vor einiger Zeit begann und laufend Katastrophen nach sich zieht.

       Gerade die sechste Rasse muss die Neue Ära einleiten. Diese vorbereitende Periode ist sehr mühevoll. Doch wäre es falsch zu glauben, dass die sechste Rasse in einem eigenen Land oder Volk geboren wird; sie ist weit verbreitet. Gewiss, den Hauptkern der sechsten Rasse wird es geben, und zur Zeit der Katastrophe werden sich ihre Angehörigen an sicheren Stellen sammeln.

       Die große feurige Reinigung nähert sich. Daher ist es so wichtig, das Denken und das Herz zu läutern und bemüht zu sein, die Feuer des Raumes aufzunehmen.

       Beim Rassenwechsel kommt immer eine Große Offenbarung, und – wie gewöhnlich – können nur jene sie aufnehmen, deren Bewusstsein dem nächsthöheren Entwicklungsgrad angehört, d. h. der neuen kommenden Rasse. Der Rest wird so weit profitieren, als er dazu fähig ist. Falsch jedoch ist es zu glauben, dass die übrigen Rassen vertilgt werden. Die besten werden gerettet, doch auch andere werden gedeihen. Nur der Abfall, der mit der Evolution nicht Schritt halten kann, wird aussterben oder völlig entarten; wir können Beispiele solcher Entartung unter vielen primitiven Völkern wahrnehmen. So sind die Ureinwohner Australiens die entarteten Nachkommen von Subrassen, die einmal der großen dritten Rasse angehörten. Die Rasse war uns in ihren Errungenschaften überlegen, denn die Großen Söhne der Vernunft waren in ihr inkarniert.

       Und warum glauben Sie, dass es eine Zerstörung unseres Planeten nicht geben kann? Ach, gerade diese Gefahr bedroht uns. Wahrlich, die Großen Kräfte des Lichts versuchen über alle Maßen, unseren Planeten zu retten. Lesen Sie aus dem Buch von Josefine St. Hilaire ”Auf östlichen Kreuzwegen” (On Eastern Crossroads) die beiden Kryptogramme ”Gold” und ”Finsternis”. Diese Legenden sind aus einer Hohen Quelle empfangen worden.

       ”Wahrlich, der menschliche Geist wird als Sprenger und Auslöser für Vulkane in Erscheinung treten”.

       ”Wahrlich, es ist gerade diese Finsternis, die ihre früheren Standorte zu verlassen beginnt. Auf ihrem Weg verzehrt sie alle Elemente, und das braune Gas drängt die Elemente der Zerstörung in diese Ritzen”!

       Und diese Finsternis ist mir gezeigt worden. Der schreckliche Angriff, den ich erlebte, war so stark, dass ich fast erkrankte, und in den folgenden Tagen war ich unfähig, mein Gleichgewicht zurückzugewinnen.

       Denken Sie daran, wie in der Lehre gesagt ist, dass das Schicksal des Planeten völlig in den Händen des Menschen liegt und dass der Mensch auch die Erdbeben auslöst. Nehmen Sie diese Feststellungen wörtlich. Denn gerade die niederen Gedanken und Begierden der Menschheit (nicht nur auf der Erde, sondern auch in den niederen Sphären der Feinstofflichen Welt) schaffen diese fürchterliche erstickende Atmosphäre um die Erde, die die Verschmelzung der Feuer des Raumes mit dem unterirdischen Feuer fördert. Nur reine, feurige Seelen können diese Atmosphäre tilgen – wie Blitzableiter. Das ist der Grund, warum die Ära des Feuers so gefährlich ist: sie bringt sowohl Reinigung als auch fürchterliche Krankheiten, vor allem die Zerstörung sämtlicher verdorbenen Gemeinschaften und den Anstieg von Epidemien – alles vom unterirdischen Feuer verursacht. Nur jene, deren Aura ausreichend gereinigt ist und die das Feuer des Raumes aufnehmen können, werden überstehen.

       Daher ist es so dringend notwendig, die Grundlagen der Lebendigen Ethik im Leben anzuwenden, durch Reinigung des Denkens sowie durch die Tat, um unsere Energien umzuwandeln. Die Wellen der Raumfeuer werden vor allem in den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts sehr stark sein. Doch auch die kommenden Jahre werden viele Explosionen bringen. Die große Prüfung unseres Planeten ist nahe. Bedrohlich ist die Zukunft. Hoffen wir, dass durch große Katastrophen die Menschheit ihre Lektion lernt, die geistige Führerschaft annimmt und so ihr Schicksal ändert.

       Die Herren des Lichts treffen allerdings alle Maßnahmen, um den Planeten vor diesem fürchterlichen Los zu retten. Wählt die Menschheit Zerstörung, wird ihr besserer Teil (und gehören viele dazu?) auf höhere Planeten versetzt werden. Die Durchschnittsmasse wird auf einen Planeten kommen, ähnlich dem unseren, der sich der Erde nähern wird, falls sich die Explosion ereignet. (Zur Zeit ist dieser neue Planet noch nicht sichtbar). Der Rest der Menschheit wird dem Fürsten der Erde folgen und mit ihm auf den Saturn verbannt werden. Doch o wehe! – niemand erkennt, welche Verzögerung in der Evolution der größte Teil unserer irdischen Menschheit im Falle der Zerstörung unseres Planeten erleidet. Wie viele Äonen werden vergehen, bevor die ”neue Erde” geeignete Körper hervorbringen kann!

       Daher ist es wichtig, das Bewusstsein der Menschen zu wecken und ihnen bewusst zu machen, dass sie sich selbst eine sehr kritische und gefährliche Situation schaffen. Der Osten weiß von dieser gefährlichen Zeit seit langem. In alten Schriftenrollen wird auf eine Zeit der Annäherung von feurigen Energien an die Erde hingewiesen, die den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts entspricht. Es ist interessant zu verfolgen, dass die Berechnungen der Hierophanten des alten Ägypten besonders das Jahr 1936 hervorheben; danach folgen Jahre, in denen sich das Schicksal unseres Planeten entscheiden muss. Dieses Schicksal wird entweder eine schöne Zeit des Großen Gleichgewichts sein oder andernfalls das Ende – eine endgültige totale Explosion. So liegt das Schicksal unseres Planeten in den Händen der Menschheit. Versuchen Sie daher in Ihren Schriften, die Rolle des Menschen in allen Angelegenheiten – sowohl der Vereinigung als auch der Reinigung der Atmosphäre – nachdrücklich hervorzuheben. Wahrlich, der Mensch ist beides, Entfacher und Löscher des unterirdischen Feuers. Erwähnen Sie auch die uns unermüdlich bewachende und helfende Hierarchie des Lichts!

       Ja, unzählige Welten werden geboren und zerstört in Unendlichkeit, und wer kann alle Gründe für diese Zerstörung nennen? Liegt nicht in der Missachtung kosmischer Gesetze und in der Entstellung aller höheren Lebensprinzipien die Hauptursache kosmischer Kataklysmen? Die kosmischen Gesetze sind unabänderlich, und alles, was versäumt, im Rhythmus mit der evolutionären Umwandlung zu gehen, wird vernichtet. Es fällt als Abfall zurück für Erneuerung. Die Menschen sollten sich bemühen, die Ereignisse auf dem Planeten zu verstehen. Aus einem der Bücher der Lehre zitiere ich einige Paragraphen, die für unsere Zeit bedeutend sind. ”Bei der Umgestaltung räumlicher Bestätigungen, hervorgerufen durch die Anhäufungen irdischen Aufbaus, müssen für die Beseitigung finsterer Zusammenballungen alle Maßnahmen getroffen werden. Jeder irdische Aufbau erweist sich als Resonanz der überirdischen Sphären. Unsere feurige Periode ist mit besonderen Energien gesättigt, die vor den bestimmten Fristen ins Leben eingehen müssen. Denn die Feurige Periode kann Erscheinungen schaffen, sobald die Zeit naht, wo die Menschheit sich erheben kann, ihnen zu begegnen. Der feurige Aufbau muss daher als der Beginn der Neuen Epoche verstanden werden. Der Geist muss sich im Verstehen der räumlichen Feuer behaupten, denn nur feurige Assimilation kann die erforderlichen Energien erzeugen. Die Offenbarung der feurigen Fristen nähert sich. Möge sehen, wer kann, denn eine Große Zeit naht!” (Feurige Welt III, § 166)

       ”Vor der großen Umgestaltung der Welt offenbaren sich alle finsteren Kräfte zwecks Umwandlung zum Besseren. Was in der Welt vor sich geht, bedeutet keine Evolutionsstufe, doch es kann in der Tat gesagt werden, dass das, was in Erscheinung tritt, das Tiefste, das Dichteste, das von den Kräften der Finsternis Gesättigste ist. Aber groß ist das Werk, das alles sammelt, was dem großen Wiederaufbau dient. Genauso wie die verdichteten Schichten der irdischen Sphären sich für die Schlacht bereit machen, so stehen die Kräfte des Lichts auf der Wacht. Der Zustand, den der Planet durchmacht, kann mit einer Esse Kosmischen Feuers verglichen werden. Alle dichten Energien sind in Spannung entflammt, und auf der Wacht steht das Feurige Recht. Feurige Schöpferkraft sammelt alle feurigen Energien – so wird durch die Spannung der beiden Pole die Welt erneuert. Es ist notwendig, diese ungestümen Energien klar zu unterscheiden.” (Feurige Welt III, § 167)

       ”Eine feurige Epoche hat begonnen. So wie man gegenwärtig physikalische Erscheinungen studiert, so werden die feurigen Erscheinungen der Zentren erforscht werden. Agni Yoga erscheint als ein Vorläufer der Großen Epoche – ja, ja, ja!” (Feurige Welt III, § 168)

       Sie kennen den Grundsatz der Kräfte des Lichts, in persönliches Karma nicht einzugreifen; daher werden alle Warnungen in Hinweisen gegeben. Der Mensch muss selbst unterscheiden, wofür er diese Warnungen erhält, und sie befolgen, denn wie könnte man anders lernen? Gerade die finsteren Kräfte wenden alle Methoden an, um sich in reine Vorhaben einzuschleichen und sie zu zerstören.

       In dem Wunsch, die reinen Anfänge zu stören, gehen die finsteren Kräfte in den Tempel, die Formel der Lehre sprechend, schläfern sie das Misstrauen ein und verführen Narren durch das Versprechen, die Entwicklung ihrer psychischen Energie zu beschleunigen. Zur Erfüllung ihrer üblen Vorschläge müssen sie natürlich das Sperrnetz der Aura zerstören. Diese hinterlistige Hilfe wird erreicht durch verschiedene Vorschriften und Methoden, die darauf hinzielen, den Organismus ihrer Opfer zu schwächen. So durchdringen die Finsteren das Sperrnetz durch diese Bresche. Daher wird in der Lehre so viel über das Sperrnetz und das Reinhalten der Aura gesprochen, um die Annäherung der Finsteren zu verhindern. Und die beste Gegenmaßnahme ist völlige Hingabe an einen einzigen Lehrer. Jede Abweichung vom erwählten Pfad, wenn auch nur vorübergehend, kann uns in die Macht der Finsternis werfen.

       Ich will eine Seite aus der Lehre anführen, deren weite Verbreitung ich empfehle: ”Die Kräfte der Finsternis bedrängen mit verschiedenen Mitteln und werden sogar in Schichten, die sich in der Nähe des Lichts befinden, bestätigt. In den Feinstofflichen Sphären ist diese Annäherung natürlich unmöglich, doch in den irdischen Schichten, wo die Atmosphäre mit infizierten Gasen so verdichtet ist, versuchen die Kräfte der Finsternis entschieden, sich dem Lichte zu nähern. Ein Zerstörungsimpuls zwingt die Kräfte der Finsternis zu diesen Lichtfackeln der Wahrheit. Die Feinde, die ein Schwert erheben, sind nicht so gefährlich wie jene, die in der Maske des Lichts eindringen. Es gibt bewusste und unbewusste Instrumente der Finsternis. Besonders die unbewussten schaffen allem Anschein nach im Verein mit dem Guten, und diese Unheilträger infizieren jedes reine Beginnen. Doch bewusste Diener des Bösen treten mit eurem Gebet in den Tempel ein – und wehe den Urteilslosen! Finstere Schlingen werden ihnen gelegt. Es ist unerlaubt, in das Allerheiligste Feinde des Geistes einzulassen. Djins können auf der irdischen Ebene dienlich sein und mögen auch einen Tempel bauen, doch die geistige Ebene ist für sie unzugänglich. So lasst uns auf dem Pfad zur Feurigen Welt daran denken, dass die Diener der Finsternis in das Allerheiligste einzudringen versuchen.

       Für Erscheinungen kosmischer Energie ist es vor allem notwendig, Vorsicht walten zu lassen. Der Missbrauch von Energien, verbunden mit jeder Bestätigung kosmischer Kraft, ist eine Gefahr. Nur bewusstes und vorsichtiges Verhalten kann vor fürchterlichen Folgen bewahren. Aus der Feinstofflichen Welt herbeigerufene Kräfte erfordern eine Beherrschung, wie sie nur ein starker Geist zu offenbaren vermag. Andernfalls bewirkt diese ungezügelte Kraft ein kosmisches Chaos. Wenn feurige Fristen nahen, ist es sehr notwendig, dies zu wissen, denn die Auswirkungen von Anrufungen werden ungeheuerlich sein.” (Feurige Welt, Bd. III)

       Überall sprudeln schwarze Logen hervor, mit den schändlichsten schwarzen Messen und Beschwörungen. Die Zeitungen sind voll von diesen Berichten, doch die öffentliche Meinung scheint sich über dieses große Verbrechen und Unheil keine Gedanken zu machen.

* * *

       Es ist ein schwerer Irrtum zu glauben, dass man durch übermäßige Anstrengung in der Arbeit oder durch höchstmöglichen Verzicht auf Schlaf oder Nahrung den Vorrat an psychischer Energie entwickeln und vermehren könne. Die richtige Entwicklung einer hohen Qualität psychischer Energie ist nur durch Bewusstseinserweiterung und die Hilfe der Großen möglich. Doch das Band des Herzens, das den Schüler mit dem Lehrer verbindet, sollte stark sein! Alle erzwungenen Methoden und Übungen können nur zu niedersten Erscheinungen der psychischen Energie führen oder zur Entwicklung von Mediumismus oder gar zur Besessenheit, ja sie können sogar den Tod herbeiführen. Daher haben alle Lehren immer den goldenen Mittelweg oder das Gleichgewicht hervorgehoben; auf die Gesundheit sollte geachtet werden. Schlaf ist absolut notwendig, denn während des Schlafes wird unser feinstofflicher Körper von Lebenssubstanzen der Feinstofflichen Welt genährt, die mit den höheren Energien in Berührung kommen. Dieser Nahrung beraubt, verfällt der Geist. In der verunreinigten Atmosphäre der Städte ist es notwendig, wenigstens sieben bis acht Stunden zu schlafen. Auch die Nahrung sollte vitaminreich sein. Alle Extreme sind schädlich.

       Unter der in der Lehre erwähnten Spannung ist nicht physische Überanstrengung, sondern Wachsamkeit und Beweglichkeit des Bewusstseins zu verstehen. Diese Vitalität als erwachtes und erweitertes Bewusstsein verdoppelt die Kräfte des Menschen. (Wachsamkeit des Bewusstseins bedeutet jedoch nicht, dass man sich bemüht, ohne Schlaf auszukommen). Auch die Zentrenöffnung geht nur durch Bewusstseinserweiterung vor sich. Doch das Öffnen der Zentren ist nicht die endgültige Errungenschaft; danach erfolgt erst ihre feurige Umwandlung. Der Pfad der Jüngerschaft ist nicht so leicht, wie viele glauben. Er ist für jene leicht, die bestrebt waren, ihren ”Kelch” zu füllen. Vermuten Sie daher nicht in jeder Art psychischer Erscheinung ein Öffnen der Zentren. Sollte es auch ein leichtes Öffnen eines der Zentren geben, so gibt es jedoch viele Abstufungen bei diesen teilweise geöffneten Zentren. Denken Sie daher daran, was in der Lehre über die ”Ringe der Scharfsichtigkeit und des Hörens” gesagt ist.

* * *

       Sie können die Lehre ”Die Lebendige Ethik” nennen, wenn Sie die östliche Bezeichnung, die für manche Menschen befremdend klingt, vermeiden wollen. Ich sprach bereits über das Studium der Lehren des Origenes. Der Geistliche R. N. in Amerika, ein großer Freund und Verehrer von N. K., war ein wunderbarer Prediger und sprach viel über die Begriffe Wiedergeburt und Karma. Viele Anhänger besuchten seine Vorträge. Das Evangelium Christi ist voll von Hinweisen auf diese Gesetze. Warum sollten wir sie ignorieren? Es ist sehr wichtig, alle Beschlüsse der Kirchenkonzile sorgfältig durchzusehen. Welches Maß an Unwissenheit, Gier und sogar Verbrechen könnte zum Vorschein kommen! Wenn wir einen Blick in die Geschichte der Kirche und des Papsttums werfen, werden wir entsetzt sein! Und man fragt sich, ob jene, die vorgesehen waren, dem von Christus aufgezeigten Großen Licht zu folgen, nicht von finsteren Kräften gelenkt wurden! Und wird Christus nicht noch heute gekreuzigt? Diese Aufgabe, die Religionssysteme zu reinigen, ist nicht leicht und schafft viele Feinde, doch im weiteren Verlauf vielleicht sogar mehr Freunde! Deshalb muss man vorsichtig abwägen, ob man bereit ist oder nicht, diese Last auf sich zu nehmen. Selbst wenn man diese Aufgabe beschränken würde, könnte für die Hebung des menschlichen Bewusstseins viel getan werden. Wenn sich jemand entschließt, dieses Werk zu beginnen, so möge er sich darauf gründlich vorbereiten; er möge unwiderlegbare Beweise sammeln, so dass jede Frage von einem Standpunkt aus beantwortet werden kann, der sehr lebendig, verständlich und wohlwollend ist. Alles Abstrakte muss vermieden werden. Es ist wichtig, die Lebensgrundsätze aller Großen Lehren hervorzuheben. Es wird ihm bestimmt viel Segen bringen! Doch ich wiederhole, dass es heftigen feindlichen Widerstand geben wird. In Amerika könnten solche Aufgaben leichter sein, denn in diesem Land gibt es nicht so viele Vorurteile wie in anderen Ländern, die die Denkkraft versklaven und verwirren.

       Jedoch auch in den Vereinigten Staaten war das Leben unseres Freundes R. N. kein leichtes; die ihm nahestehenden Pfarrer waren sehr gegen ihn eingestellt.

       Und jetzt möchte ich Ihnen sagen, seien Sie wegen ihrer depressiven Stimmung nicht beängstigt. Diese Stimmungen reflektieren oft nur die unglaubliche Spannung der uns umgebenden Atmosphäre. Ein Wechsel der Ströme wird einen entsprechenden Stimmungswechsel bringen. Seien Sie daher ruhig und warten Sie geduldig, bis diese schweren Ströme sich ändern. In der Zwischenzeit strömt Ihnen neue Kraft zu.

* * *

Gold

       Das für den Planeten vernichtende Gas ist entdeckt. Es ist in reinem Gold enthalten. Man muss es zurückhalten.

       Natürlich binden Steine und Metalle die Menschen oft an die Tiefen des Planeten und werden zu Nestern der Ansteckung. Die weitverbreitete Verehrung des Goldes zwang Uns, ihm unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Auch komplizierte Forschungsversuche wurden angestellt, die Wirkung des Goldes für verschiedene Erscheinungen Kosmischer Kräfte anzuwenden. Es besteht kein Zweifel darüber, dass dieses Metall mit machtvollen Lichtemissionen besonders gesättigt war. Und die Goldadern leiten das astrale Licht in die Tiefen der Erde. Wenn daher die Astralwelt gut geordnet ist, vermag die Rolle des Goldes eine wohltätige zu sein. Doch gerade dieser Leiter kann die Sicherung vor einer Explosion werden. Man kann sich vorstellen, wie leicht dieses Metall das braune Gas weiterleiten kann, das durch den Schrecken der Astralwelt verdichtet wird. Und der Geist wird als Explosions- und Antriebskraft für Vulkane erscheinen.

Finsternis

       Absolute Finsternis ist der Antipode des Lichts. Sie ist der Feind alles Bestehenden, sie ist die Verneinung des Lebens. Sie ist der Erwürger und Vergifter. Was ist sie denn? Sie ist das Produkt des unvollkommenen Geistes. Es gibt keine ausreichenden Worte, diesen Druck und diese Erstickung zu beschreiben. Auf diesen Feind des Planeten können nicht viele schauen, ohne zu erkranken.

       Diese Finsternis beginnt, ihre bisherigen Orte zu verlassen. Auf ihren Wegen zerfrisst sie alle Elemente, und das Gas zwingt die Kräfte der Zerstörung in dieses Vakuum.

       Aus ”On Eastern Crossroads” (Auf östlichen Kreuzwegen), Legenden und Prophezeiungen aus Asien, von Josephine Saint-Hilaire.

14. Juni 1934

       Alles, was Sie schreiben, ist sehr gut, doch wollen wir hoffen, dass das Land nicht zu lange auf dem Niveau beschränkten Nationalismus bleibt. Dieser Übergangszustand ist allerdings unvermeidlich, doch je kultivierter die Leute sind, die das Land vertreten, umso eher werden sie dieser Frage ihr Augenmerk zuwenden. Wahrer Patriotismus und Chauvinismus sind völlige Gegensätze. Der erste Begriff ist allumfassend und daher entwicklungsfähig, während der andere ausschließlich einengend und daher tödlich ist. Die Gesetze sind überall die gleichen. Wenn jemand glaubt, dass beschränkter Nationalismus dem Patriotismus gleichkommt, so irrt er. Nur der Kurzsichtige kann solchen Nationalismus als stark erachten. Wahrer Patriotismus sollte sich nicht nur in hingebungsvoller Liebe zu seinem Land und allen Erscheinungen seines Volksgenius offenbaren, sondern auch in Sorge um und Achtung für jedes seiner Teilvölker, das zum Aufbau seiner Kultur beitrug. Die Aufgabe des Volksgenius ist es, die Errungenschaften aller in einem Land wohnenden Minderheiten und Nationalitäten wahrzunehmen, sie zu vereinen und dieses Konglomerat schöpferischer Ausdrucksformen in ein synthetisches Ganzes zu vereinen.

       Völker und Länder müssen lernen, ihren Charakter und ihre Individualität zu bewahren, indem sie sich mit den auf ihren Wiesen wachsenden Blumen schmücken! Doch jede erzwungene Isolation ist im Zeitalter der Zusammenarbeit und Vereinigung (auch wenn im gegenwärtigen Zustand diese Vereinigung in sehr mechanischen Errungenschaften vor sich geht) verderblich. Doch die Zeit bis zur nächsten Stufe, wo ganze Länder zur kulturellen, geistigen Zusammenarbeit und gegenseitigem Austausch bestrebt sein werden und jedes seine Blumen der Errungenschaft anbieten wird, ist nicht mehr fern. Für diese neue Stufe bereitet uns die Lehre des Lebens vor. Warten wir daher weise, bis die unvermeidliche Periode übertriebenen Nationalismus’ ausgelebt ist, und versuchen wir in der Zwischenzeit, unser Bestes zur Vereinigung beizutragen und alles Trennende zu vermeiden.

       Befolgen Sie bitte auch den Rat, sich nicht mit jenen auseinanderzusetzen, deren Bewusstsein sich weigert, mit der Zeit zu gehen, denn es ist ganz hoffnungslos. Wir sollten den uns erteilten Rat, niemanden herbeizurufen oder zu zwingen, immer befolgen, weil nur ein bereiter Geist ein erweitertes Verstehen aller Lebensprobleme anzunehmen vermag.

       Was den angeblichen östlichen Einfluss auf die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK angeht, wollen wir objektiv sein und uns fragen, ob es eine Lehre oder Philosophie gibt, die nicht im Osten entsprang. Unsere sogenannte westliche Philosophie ist nur ein Abbild östlichen Denkens. Das Christentum selbst kam aus östlichen Händen. Um daher die Lehre Christi völlig zu verstehen, muss man entweder ein geborener Orientale sein oder die Grundsätze, auf denen die Lehre Christi aufbaut, gründlich studieren.

       Es ist ganz sicher, dass das heutige Christentum und die ursprüngliche Lehre Christi selbst zwei ganz verschiedene Dinge sind – genauso wie der heutige Lamaismus und die ursprüngliche Lehre Gautama Buddhas völlige Gegensätze sind. Die eine Lehre entspringt dem Geist, die andere ist ein Produkt menschlicher Unwissenheit und Habgier. All das schreibe ich Ihnen, es ist jedoch nicht für die beschränkten Dogmatiker bestimmt, mit denen sich auseinanderzusetzen zwecklos ist. Viele Seelen benötigen kleine Umzäunungen, um sich zu schützen, genauso wie scheue Pferde Scheuklappen brauchen. Im Osten gibt es ein Sprichwort, das besagt: ”Es ist gut, in einem Tempel geboren zu werden, doch sehr schlecht, dort zu sterben”. Es gibt so viele Abstufungen des Bewusstseins, als es Grade in der Unendlichkeit gibt; folglich gibt es so viele Gesetze und Aspekte der Wahrheit, als es Bewusstseinsgrade gibt.

       Über den Friedenspakt und das Friedensbanner schreiben Sie, dass diese Idee bei manchen Leuten keinen Anklang finden wird, weil sie gegen Pazifismus sind. Doch wieso beachten diese nur eine Seite des Fortschritts? Der Pakt erwähnt vor allem die Bedeutung des Banners in Kriegszeiten und ähnlichen zerstörerischen Ereignissen. Das Rote Kreuz zum Beispiel ist in Friedenszeiten eine gute Sache, doch seine hauptsächliche Bedeutung tritt im Krieg in Erscheinung. Genauso ist das Banner des Friedens gerade jetzt, wo sich die Länder am Rande bedrohlicher Ereignisse befinden, als Schutzmaßnahme sehr erforderlich. Die bedeutendsten militärischen Autoritäten von Frankreich und Amerika waren die ersten, die das Banner billigten; und die offizielle Anerkennung des Paktes setzt sich weiter durch. So hat die Republik Panama den Pakt und das Banner des Friedens offiziell anerkannt. Gleichermaßen hofft die Panamerikanische Union, welche die Ratifizierung des Paktes plant, diese dringende kulturelle Aufgabe 1935 zu erfüllen.

       Nun, hinsichtlich der Liga der Kultur schreiben Sie, dass Sie planen, diese in einer bestimmten Gesellschaft zu errichten, die solches Werk gutheißt. Dies ist ausgezeichnet, möge dieses Werk auch wissenschaftliche und künstlerische Gruppen einbeziehen. Es scheint mir, dass sich diese Gruppen, die Sie aufbauen wollen, vorzüglich entwickeln werden. Mit der Zeit könnte dies zu einer guten Schule erweitert werden, so einer Art Volksuniversität; doch sollte dies allerdings auf dem sich selbst tragenden Prinzip beruhen, und wie immer, sollte entsprechend der Möglichkeit im kleinen Rahmen begonnen werden. Man soll nichts übertreiben, das ist die Grundregel. Daher sollte man nicht auf die Annahme der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK dringen. Solange die Menschen nicht schlecht sind und solange sie vor allem keinen Verrat üben, sind die Dinge akzeptabel. Die Zeit bringt es an den Tag, ”wer wer ist”. Denken Sie daran, dass der Kanon ”Durch deinen Gott” höher zu werten ist als der ”Durch meinen Gott”.

       Ja, Sie haben tatsächlich Berge von Arbeit. Doch sollten die Mitglieder der Gesellschaft nicht zu viele Dinge auf einmal in Angriff nehmen. Alle Aufgaben sollten in Grenzen bleiben, und diese Grenzen werden sich erweitern, sobald es erforderlich ist.

       Und nun bezüglich derer, die sich abwenden. Sie wissen, wie alle alten Lehren das Lösen der Verbindung mit einem Lehrer und den Austausch gegen einen anderen sahen. Ist das Band zerrissen, kann es niemand mehr knüpfen. Nur der Abgefallene selbst kann, nach vielen Schwierigkeiten und Anstrengungen, sich zu vervollkommnen, seinen Fehler voll erkennen und den Lehrer bitten, ihn wieder aufzunehmen, doch kein anderer kann dies für ihn tun. Deshalb ist es notwendig, die Neuankommenden, die nach geistigem Fortschritt streben, zu warnen. Sie müssen sich vorerst entscheiden, ob sie bereit sind, sich der Höheren Führung völlig und bedingungslos hinzugeben. Oft läuft eine Person, im Wunsch augenblicklich voranzukommen und großes Wissen zu erwerben, anderen Lehren und Lehrern nach, und so spaltet sie sich zweifach, oft auch dreifach und verliert, was sie bereits gewonnen hatte. Doch die Grundregel jeder Lehre fordert die Bestätigung eines ganz bestimmten Lehrers sowie die Verehrung aller Glieder der hierarchischen Kette. Der Hohe Hierarch hat seine eigenen Vertrauten, und keiner der nahenden Schüler kann das nächste Glied überspringen ohne die Gefahr, seinen Platz in der ganzen Kette zu verlieren. Doch all dies betrifft nur die ernsthaften Sucher und jene, die sich fest entschlossen haben, den Pfad des Großen Dienens zu wandeln. Alle übrigen mögen aus den Büchern der Lehre Nutzen ziehen, ohne den Anspruch zu erheben, den Pfad der Schülerschaft zu beschreiten oder besondere Führung zu erlangen. Sie brauchen die Quelle der Lehre nicht zu kennen. Es ist gesagt worden, dass viele die Lehre in Zurückgezogenheit lesen werden. Wir kennen solche Leute, sie denken niemals über den Ursprung der Lehre nach. Daher sollten jene, die den schnelleren Weg der Bewusstseinserweiterung wählten, sich das Gesetz der Hierarchie zu eigen machen; anders ist kein wirklicher Fortschritt möglich. Die Jakobsleiter ist eine große Realität und die Grundlage des ganzen Kosmos. Und jetzt weisen Sie die Neuankommenden darauf hin, dass jede Lehre empfiehlt, den goldenen Mittelweg einzuschlagen. Alles, was erzwungen oder übertrieben wird, ist zu verurteilen. Wenn daher von der Reduzierung der Nahrung und des Schlafes gesprochen wurde, so war damit deutlich gemeint, dass der Geist, sobald er dazu bereit ist, von selbst anzeigt, was erforderlich ist. Man könnte Schlaf und Nahrung bis aufs äußerste beschränken, doch das endgültige Ergebnis wäre ein sehr trauriges, nämlich eine Schwächung des Organismus, Wahnsinn oder sogar der Tod. Eine Person, die normal sieben oder acht Stunden schläft, ausreichend isst und innerlich bestrebt ist, ihre Gedanken zu reinigen, kann ausgezeichnete Ergebnisse erzielen. Allerdings wurde darauf verwiesen, dass man im Gebirge mit weniger Schlaf und Nahrung auskommt; doch in der verunreinigten Atmosphäre der Stadt, so wird stark angeraten, soll man ausreichend Nahrung zu sich nehmen, was allerdings so zu verstehen ist, dass nicht die Nahrungsmenge, sondern die Qualität und der Nährwert der Elemente und Vitamine wichtig sind. So ist Vegetarismus auch deshalb vorzuziehen, weil das Fleischessen die Ursache vieler ernster Vergiftungen und Krankheiten ist.

       So sagt ein Buddhist: ”Wenn Geistigkeit allein durch vegetabile Kost erreicht werden könnte, hätten der Elefant und die Kuh sie lange erreicht”. Es ist auch gesagt, dass ”Asketismus zur Befreiung von irdischen Fesseln wertlos ist. Es ist viel schwieriger, einen geduldigen Menschen zu finden, als einen, der sich von Luft und Wurzeln nährt und in Rinde und Blätter kleidet. Ist ein Mensch durch Hunger und Durst zu sehr geschwächt, um seine Gefühle und Gedanken zu prüfen, wie kann er dann jenes Ziel erreichen, das nur durch einen klaren Verstand und ein erweitertes Bewusstsein erreichbar ist?” Weiterhin ist gesagt: ”Damit die Saiten der Vina harmonisch klingen, sollten sie weder zu straff gespannt noch zu schlaff sein. Wahrlich, jede übermäßige Anstrengung entkräftet und endet in Passivität und Trägheit.”

       Daher übt Euren Sinn für Entsprechung. Kennet die Grenze der Anspannung und haltet das Gleichgewicht in Euren Fähigkeiten!

       Der Verzicht auf irdische Ausschreitungen sollte im Geist geleistet werden, im Bewusstsein. ”Wer fastet und sich in Gedanken nach Essen verzehrt, ist schlechter als einer, der zu seinen Mahlzeiten Fleisch einnimmt.” Es ist gut, immer daran zu denken, dass der bereite Geist alle Ausschreitungen meidet; er denkt darüber nicht nach, alles ergibt sich auf natürliche Weise. So liegt die wichtigste Errungenschaft in der Reinigung und Erweiterung des Bewusstseins; alles andere ist sekundär.

       Es ist auch äußerst dumm zu glauben, dass der Vorrat an psychischer Energie durch zu viel Arbeit und zu wenig Schlaf entwickelt und vermehrt werden kann. Die natürliche Entwicklung psychischer Energie von hoher Qualität ist nur durch Erweiterung des Bewusstseins und durch die Hilfe der Hohen Quelle möglich. Alle erzwungenen Methoden und Übungen führen nur zu den niederen Erscheinungen dieser Energie, oder anders gesagt, sie enden mit der Entwicklung von Mediumismus, Besessenheit und selbst mit dem Tod. Aus diesem Grund ist es wichtig, jeden darauf hinzuweisen, dass der goldene Mittelweg und die Erhaltung der Gesundheit wichtig sind.

       Die Weisung, reine vegetarische Nahrung zu sich zu nehmen, beruht nicht auf Sentimentalität, sondern auf rein medizinischer Erwägung. Wer den Pfad des Dienens und der wahren Jüngerschaft beschreitet, sollte in allem rein sein. Man muss auch darauf hinweisen, dass Schlaf außerordentlich wichtig ist. Wenn der Körper nicht stört, wird der Geist vor allem durch die belebende Substanz der Feinstofflichen Welt gut genährt. Dieser Nahrung beraubt, erlischt der Geist.

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       Ich war sehr erstaunt über die Anzahl der Mitglieder. Wenn alle von ihnen den ersten Anforderungen der LEBENDIGEN ETHIK entsprechen, ist es eine große Freude. Jedoch sollten wir immer daran denken, dass Qualität wichtig ist und nicht Quantität. Menschenkenntnis ist die erste Prüfung jedes Führers. Deshalb wollen wir mit den Neuankommenden vorsichtig sein, besonders mit jenen, die nur die Formel der Lehre im Munde führen. Eine große Armee hatte nie die Gewähr des Sieges; wichtig ist der sie vereinende Geist.

       Oft entnehmen wir den Briefen, die wir erhalten, dass viele Leute einige Weisungen der Lehre falsch auslegen. Fast alles, was in einem weiten, allumfassenden Sinn gemeint ist, wird entsprechend dem persönlichen häuslichen Alltag umgemodelt, woraus sich ein grober, zerstörerischer Mangel an Angemessenheit ergibt. Ich weiß, dass manche Gedanken schwer zu begreifen sind, obwohl die Lehre im Hinblick auf Erfahrungen und Ereignisse im täglichen Leben gegeben war und ist. Das ist der Grund, warum manche Weisungen als unzureichend erscheinen und nur von jenen verstanden werden können, die den Schlüssel dazu besitzen. Wenn Sie in Verlegenheit sind, zögern Sie bitte nicht zu fragen, ich werde gerne erklären, wo ich kann.

       Leute, die den Anspruch auf die richtige Auslegung der Lehre erheben, machen sich meist gerade des Gegenteils schuldig.

       Seien Sie nicht erstaunt, wenn die besonders Eifrigen und Ungeduldigen sich wie Besessene verhalten. Es sollte daran gedacht werden, dass vor allem Fanatiker Besessene sind. Die Grade der Besessenheit sind verschieden, und manchmal gibt es Fälle, die nicht sehr schlimm sind. So kannten wir einmal eine sehr freundliche alte Dame, die unter völliger Überwachung ihres Onkels stand, eines englischen Bischofs. Ständig hielt sie Reden in der gleichen Art und Weise wie der Bischof zu seinen Lebzeiten. Es ist durchaus möglich, dass sie einigen Leuten sogar half, doch für sie selbst war dieser Zustand eher schädlich, denn das Wachstum ihres Geistes kam gänzlich zum Stillstand; sie war nur ein gehorsames Werkzeug ihres Besitzergreifers.

30. Juni 1934

       Die Lehre des Lebens, die einen neuen Aspekt der einen ewigen Wahrheit enthält, hat nicht die Absicht, die großen Lehren früherer Zeiten zu ersetzen. Sie bringt deren feurige Reinigung und Bestätigung. Sagte nicht Christus, dass Er weder gekommen sei, die Propheten noch das Gesetz zu vernichten, sondern es zu erfüllen? Wahrlich, jeder neue Lehrer wird zum Gesetzgeber und gleichzeitig zu einem feurigen Reiniger des Gesetzes. Studieren wir die historischen Offenbarungen der Großen Lehrer, so werden wir feststellen, dass Sie dann erschienen, wenn die früheren Lehren ihre ursprüngliche Reinheit verloren hatten und völlig entstellt waren.

       Wahrlich, die Lehre des Lebens verneint keine vorhergehende Lehre, sondern vertieft sie und befreit sie von in Zeitaltern angesammelten weltlichen Ansammlungen.

       Der Ihnen mitgeteilte Paragraph aus der Lehre bietet ein ganzes Arbeitsprogramm. Es wird empfohlen, die Lehre mit anderen Testamenten zu vergleichen; die gleiche Wahrheit wird trotz der Spuren der Zeit gefunden werden. Wir sollten deshalb weder kritisieren noch herabsetzen, sondern versuchen, schöne Vergleiche und Berührungspunkte zu finden.

       Es ist wichtig, mit den Grundlagen aller großen Lehren vertraut zu sein. Dieses Wissen wird einem helfen, die Lehre des Lebens und die Lehre Christi in sich aufzunehmen. Wir sollten daran denken, dass alle großen Lehren aus ein und derselben Quelle stammen; man kann daher nicht die eine annehmen und die anderen ablehnen. Der Osten schätzt die Bedeutung der Fortsetzung der Lehren sehr und verehrt nur Lehrer aus der Kette der Hierarchie. Ein Lehrer, der die Fortsetzung der Lehren leugnet und nur seine eigenen Lehren gelten lässt, wird im Osten ”wurzelloser Baum” genannt. Und niemand ist gewillt, solch einen Lehrer anzuhören. Wir wollen daher weder kritisieren noch herabsetzen, sondern vergleichen und schöne Verbindungen und neue Erweiterungen der einen Wahrheit herausfinden.

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       Wenn jemand erklärt, dass ”in der Neuen Ära eine Mutter das Kind einer anderen genauso lieben muss wie ihr eigenes”, so ist diese Feststellung viel zu stark und daher nicht überzeugend. Man kann von einer irdischen Mutter keine übermenschlichen Gefühle erwarten. Wir müssen ihr das natürliche Recht, ihr eigenes Kind mehr zu lieben als ein fremdes, zugestehen. Doch wir wollen hinzufügen, dass eine wahre Mutter in ihrem Herzen auch Platz für das Kind einer anderen findet. Ihrem allumfassenden Herzen sollten alle Kinder teuer sein. Die beschränkte Liebe ist schrecklich, doch auch allumfassende Liebe hat ihre Abstufungen.

       Es gibt sieben Hauptzentren, und diese entsprechen den sieben Prinzipien des Menschen. Aber zur vollständigen Krönung muss man alle neunundvierzig Feuer entfachen, die sämtliche Feuer aller Zentren und ihrer Verzweigungen umfassen. In der Lehre werden einundzwanzig Zentren genannt, weil ihr Öffnen gleichzeitig das Öffnen der restlichen Zentren und ihrer Verzweigungen mit sich bringt. Alle geistigen Zentren hängen vom Herzen ab. Das Herz ist der großartige Sammler und Wandler aller Energien. Man kann es aufgrund dieser Rolle als die Sonne des Organismus bezeichnen.

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       Die Dyade, bestehend aus dem siebenten und dem sechsten Prinzip, wirkt nicht als eine bewusste Einheit auf der physischen Ebene des Seins. Daher muss der Mensch, um wahre Unsterblichkeit zu erlangen und eine bewusste Offenbarung auf allen Ebenen zu erreichen, d. h. um ein Archat zu werden, ein Buddha oder ein Dhyan Chohan, die drei Prinzipien (das vierte, fünfte und siebente) hier auf Erden vereinen und sie im sogenannten sechsten Prinzip verschmelzen. Das siebente Prinzip ist die ewige Lebenskraft, die im ganzen Kosmos besteht. Vielleicht ist es daher besser zu sagen: ”Die Absolute Vernunft und das Vollkommene Herz sind eines Ursprungs, entsprechen dem höheren Aspekt des Menschen, wobei sein Geist, seine Vernunft und alle seine Gefühle feurig umgewandelt werden und sich im Herzen zentralisieren – kurz gesagt, wenn der Verstand zum Herzen und das Herz zum Verstand wird. Mit diesem Wissen wird es dem Leser möglich sein, viele Verwirrungen zu vermeiden.

       Sie bringen das sechste Prinzip mit dem Herzen in Zusammenhang, und dies ist völlig richtig, denn nichts kann dem Herzen entgehen. Alle Energien werden dort umgewandelt. Doch es gibt viele, die meistens das sechste Prinzip, d. i. Budhi, mit dem Gehirnzentrum identifizieren, und diese könnten Ihnen widersprechen. Jedenfalls manifestiert sich gerade das sechste Prinzip in seinem höchsten Aspekt im Herzen.

       Hie und da hören wir die Bemerkung, dass die Bücher des ”Agni Yoga” so wie andere Schriften keine endgültigen und vollständigen Richtlinien geben, was zu tun ist und wie es zu tun ist. Dies ist ein großer Irrtum. Gerade Agni Yoga gibt, genauso wie andere Schriften, die entscheidendsten und klarsten Richtlinien zum Handeln. Doch die Menschen beachten das Wesentliche nicht und suchen nach sekundären Anweisungen. Wie im täglichen Leben suchen sie nach Apothekendosierungen oder Patentrezepten. Man vergisst, dass auch ein gewöhnlicher, doch gewissenhafter Arzt sich in erster Linie um den Allgemeinzustand seines Patienten kümmert und die Dosierung seiner Medizin vor allem dem Zustand des Patienten und dessen Organismus anpasst. Alle Lehren, einschließlich Agni Yoga, verweisen immer auf das Wichtigste und das Sekundäre; die untergeordneten Maßnahmen werden dem einzelnen überlassen, damit er seiner Eigenart oder seinem individuellen Organismus entsprechend wählen kann. Es wäre ein großer Fehler, für alle dasselbe zu verschreiben. Sobald die Grundlagen verstanden und im Leben angewendet werden, ergibt sich das Übrige von selbst.

       Die Schwierigkeit rührt von der Unfähigkeit der Leute her zu erkennen, dass die Grundlage der Errungenschaft nicht in mechanischen Mitteln liegt, sondern in der Umwandlung des inneren Menschen, dessen Sphäre im Gedankenbereich liegt. Alle Lehren der ganzen Welt heben die Bedeutung der Reinigung in Gedanken, Worten und Taten besonders hervor. Es sind die drei Grundlagen für jene, die sich über den Durchschnittsmenschen erheben und die ”Götter” erreichen wollen. So sprach Zoroaster, und so haben alle Großen Lehrer gesprochen, vom ersten bis zum letzten.

       Darum wollen wir gerecht sein und uns fragen: ”Wurde nicht in den Büchern der Lehre des Lebens auf die für die Umwandlung des inneren Menschen notwendigen Eigenschaften hingewiesen? Werden diese Eigenschaften nicht von allen Seiten und Gesichtspunkten her beleuchtet?” Darüber hinaus werden hier auch die Hilfsmittel gegeben. Studieren Sie die Bücher gründlich, und Sie werden viele Vorschläge finden, sogar die Apothekenverschreibungen! Auch ist es empfehlenswert, sich alle von einem Schüler zu erwartenden Eigenschaften herauszuschreiben. Sie werden überrascht sein, wie zahlreich diese sind! Wahrlich, viele Leben sind erforderlich, um diese Vervollkommnung zu erreichen. Und dann – haben wir nicht die Unendlichkeit vor uns?

       Und nun möchte ich mich mit der Frage über das Lesen anderer Bücher im allgemeinen befassen. Scheinbar beschäftigt diese Frage jeden. Natürlich gibt es keine Einwände gegen das Lesen von Büchern verschiedener Wissensgebiete, wie der Kunst und Geisteswissenschaft; denn man sollte immer sein eigenes Wissen erweitern, und dabei ist es sehr wichtig, hinsichtlich der Qualität die richtige Auswahl zu treffen. So warne ich immer vor pseudookkulten Büchern. Und hat jemand die Fähigkeit, alle Schätze aus den Büchern der Lehre des Lebens zu ziehen, die alle Lebensprobleme behandeln und neue Wege des Wissens aufzeigen, und bietet sich ihm weiter die Gelegenheit, die ”Briefe der Mahatmas” wie auch einige Werke von H. P. Blavatsky kennenzulernen, dann erscheint ihm das Lesen minderwertiger Bücher sicher als Zeitverschwendung. Mit wenigen Ausnahmen sind diese anderen Bücher oft nur ein Echo – häufig ein falsches – der oben erwähnten. So gründet z. B. Esoterischer Buddhismus von A. P. Sinnett ganz auf den Briefen der Mahatmas, die Sinnett von H. P. Blavatsky empfing. Doch alle diese Briefe sind weit präziser und vollständiger in dem Buch ”Mahatma Letters” wiedergegeben. Ich persönlich empfehle immer, östliche Philosophie zu lesen, vorausgesetzt allerdings, dass sie nicht durch Übersetzung entstellt ist.

       Es wäre ausgezeichnet, wenn alle Mitarbeiter mit den Grundlagen des Buddhismus vertraut wären, mit den Upanishaden, der Bhagavad Gita, den Lehren des Konfuzius, Lao Tse, Zoroaster, Hermes und anderen. Ein großes Hindernis ist allerdings, dass wenige Bücher ins Russische übersetzt wurden. Richtig verstanden, können diese Lehren das Bewusstsein stärken sowie helfen, die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK in sich aufzunehmen. Auch liebe ich sehr die vier Bände, welche dem Leben des Ramakrishna und Vivekananda gewidmet sind. Wenn man diese Bücher liest, ist man von der Feinheit des Gefühls und des Denkens des Ostens fasziniert. Gut sind die Werke von Schwester Nivedita über Indien und ihren Lehrer Vivekananda. Es gibt überhaupt viele schöne östliche Bücher.

       Allerdings gibt es viele Menschen, die, nachdem sie verschiedene Theorien, die sich mit den Grundlagen der verschiedenen Yogas beschäftigen, gelesen haben, diese mit den Büchern der Lehre des Lebens vergleichen und über die scheinbaren Abweichungen enttäuscht sind. Das ist der Grund, warum für Anfänger, die in ihrem Wissen über die wahre Lehre nicht so gefestigt sind, das Lesen schlechter Bücher, die über okkulte Dinge berichten, so gefährlich ist. Viel Leid rührt von geistigen Irrtümern her. Zum Schluss möchte ich einen Paragraphen aus der Lehre über die Bewertung von Büchern zitieren:

       ”In Büchern niedergelegte Irrtümer gleichen einem schweren Verbrechen. Unwahrheit in Büchern muss als schwerwiegende Verleumdung gerichtlich verfolgt werden. Die Lüge eines Redners soll entsprechend der Zahl seiner Zuhörer bemessen werden. Die Lüge eines Schriftstellers sollte entsprechend der Zahl seiner verkauften Bücher verfolgt werden. Die Volksbibliotheken mit Unwahrheiten anzufüllen, ist ein schweres Vergehen. Zwar sollte man neue Ansichten und Strukturen nicht behindern, aber falsche Aussagen sollten nicht in die Irre führen dürfen, denn Wissen ist das Rüstzeug der Gemeinschaft, und die Verteidigung dieses Wissens ist die Pflicht aller Mitglieder.

       Spätestens nach einem Jahr müssen Bücher überprüft werden, sonst wird die Zahl der Geschädigten zu groß. Besonders notwendig ist es, dasjenige Buch zu schützen, dessen Verdienst gerade erschüttert wird. Die Regale der Bibliotheken sind voll von Abszessen der Lüge. Es sollte nicht zugelassen werden, diese Parasiten aufzubewahren. … Es ist unanständig und unmöglich, ein lügenhaftes Buch zum Lesen anzubieten.

       ”Warum die beste Ecke des Heimes in einen lügnerischen Possenreißer verwandeln? … Mit dem Problem des Buches muss man sich auseinandersetzen!” (Gemeinschaft, § 94)

       Auch an anderer Stelle der Lehre wird dieses Thema behandelt, und ich werde darüber noch schreiben. In erster Linie sollten die Kinder geschützt werden, da sowohl viele geistige als auch physische Krankheiten der Kinder vom Lesen solch ungeeigneter, schlechter Bücher herrühren.

       Würden die Leser der Lehre des Lebens oder der LEBENDIGEN ETHIK über alle Lebensprobleme tiefer nachdenken, über alle neuen Wissensbereiche, die darin behandelt werden, und könnten sie sich entschließen, diese gründlich zu studieren, es gäbe ausreichend Material, nicht nur für ein, sondern für mehrere Leben. Doch gewöhnlich lesen die Menschen nur mit den Augen und nicht mit dem Herzen, und so streifen die bedeutendsten Hinweise, die größten Offenbarungen ihr Bewusstsein nur, ohne die geringste Spur zu hinterlassen. Betrübt erkenne ich dies, da ich zu so vielen Aussagen in den Werken den Schlüssel besitze. Diese Bücher sind für die ganze Denkart richtungweisend; sie erschließen neue Gebiete, sie setzen neue Wegweiser für die gesamte wissenschaftliche Forschung. Diese Bücher sind so lebenswichtig, weil sie in die Zukunft führen. Die Bücher der Lehre sollten für jene Wissenschaftler, deren Bewusstsein nicht durch Vorurteile getrübt ist, ein immerwährender Born des Wissens sein.

       Eine von Vorurteilen freie, in die Zukunft schauende Person nimmt an der Gestaltung der Zukunft bereits teil und erleichtert so das gegenwärtige Leben. Technisches Wissen und alle Arten von Vergleichen sind ganz brauchbar, doch es kommt die Zeit, wo alle diese Informationsquellen nur für bestimmte technische Fragen von Nutzen sind. Das wahre Wissen kann nur erlangt werden, wenn die in der Lehre gegebenen Weisungen aufgenommen und angewendet werden; wenn dieses Vorgehen keinen einzigen Tag aussetzt; wenn die feurige Formel vorwärtsbewegt, die nächste Stufe der Bewusstseinserweiterung und weitere Errungenschaften aufzeigt und den Schleier in die Erhabene Unendlichkeit immer weiter öffnet.

       Niemand sollte daher glauben, dass es verboten sei, unterschiedliche Bücher zu lesen, das wäre absurd. Doch mögen die Menschen den Wert der Bücher unterscheiden lernen. Es ist sehr nützlich, die letzten Errungenschaften der Wissenschaft zu kennen, um zu erfassen, wie nahe diese letzten Entdeckungen den Bestätigungen des Heiligen Wissens kommen.

       Lange habe ich davon geträumt, eine Zeitschrift herauszubringen (von unserem Zentrum), die sich mit allen Errungenschaften des Lebens befasst. Ich wollte der breiten Masse von Lesern einen vollkommenen Überblick geben über den allgemeinen Verlauf der Errungenschaften der Wissenschaft, der Kunst und des sozialen Lebens und auf die gesamte Denkrichtung hinweisen. Bisher gab es zur Erfüllung dieses Wunsches keine Möglichkeit, doch später wird es wohl dazu kommen.

       Bis dahin möchte ich nochmals sagen, dass keiner glauben möge, es wäre verboten, sein Denken aus Quellen zu nähren, die für das jeweilige Gemüt besser geeignet sind. Es gibt keine Verbote, sondern nur Warnungen vor falscher Information.

6. Juli 1934

       Was Sie über die Theater schreiben, ist äußerst traurig, doch in anderen Ländern stehen die Dinge nicht besser. Das Radio und das Kino verdrängen wahre Kunst, und der direkte Einfluss der heiligen, feurigen, geistigen Schaffenskraft nimmt ab. Das gleiche gilt für die Photographie, denn so wertvoll sie auch auf vielen Gebieten ist, werden die unschätzbaren Kunstwerke, die Gemälde im normalen Heim und in Gebäuden mehr und mehr verdrängt. Leider müssen auch wir dieses Stadium der langsamen Evolution des menschlichen Geistes durchleben. Doch mit dem Wachstum und der Verfeinerung des Bewusstseins sowie der richtigen Erziehung der jungen Generation, wo dem menschlichen Genius Achtung erwiesen wird, wird am Ende alles seinen richtigen Platz einnehmen. Jedoch gibt es hier viel zu tun. Besonders notwendig ist es, die Geschmacksrichtung und das Verstehen der Durchschnittsmenschen in allen Sphären der Schaffenskraft so weit als möglich zu heben. Und dafür ist das Theater natürlich ein ausgezeichnetes Mittel. Doch solange es an den führenden Regierungsstellen keine hochkultivierten Leute gibt, wartet man vergeblich auf wahre Entwicklung kultureller Errungenschaften. Die Richtung wird immer von den Führern festgesetzt, und trotz der sogenannten Demokratie und vielgerühmten Individualität folgt jeder wie hypnotisiert den von den Regierenden festgesetzten Normen. Und in der Tat, größtenteils ist diese Norm nicht sehr hoch.

       Schön sind die Dramen von Kalidasa und die Theaterstücke von Tagore, doch ich würde Ihnen empfehlen, auch die Legenden und schönen historischen Episoden aus dem Leben Ihres eigenen Landes nicht zu übersehen. Jedes Land hat seine Schätze, die man nicht vergessen sollte. Jedes Volk sollte seine Grundlagen kennen, jene Grundlagen, die seine Wesenszüge prägten. Wir nähern uns jetzt – oder besser gesagt, wir befinden uns bereits in ihnen – den bedrohlichen heldenhaften Zeiten, in denen viele Völker einer Prüfung unterzogen werden. Es scheint mir daher, dass alles Heldenhafte, alles, was das Bewusstsein eines Volkes hebt und die Errungenschaften des Geistes erweckt, zur Zeit besonders angeregt werden sollte. Sie wissen, dass ich sehr gegen beschränkten Nationalismus oder Chauvinismus bin, doch immer bin ich tief gerührt, wenn die Volksgenossen in ihrem eigenen Land allem Schönen und Heldenhaften mit Achtung begegnen. Missverstehen Sie dies nicht als Aufruf zum Militarismus! Nein, doch die Ereignisse sind so, dass jeder von uns bereit sein sollte, ein Krieger des Geistes zu sein und den Mut aufzubringen, unsere geistigen Errungenschaften mit geistigen Waffen zu verteidigen. Es ist ein Trost, von den geistigen Forschungen der jungen Generation zu hören: wir sollten dieses Faktum nicht übersehen und bereit sein, ihr das zu geben, wonach sich ihr Geist sehnt. Die Lehre des Lebens oder LEBENDIGE ETHIK ist auf alle Fragen des Geistes genau die richtige und allumfassende Antwort! Kein einziges Gebiet, kein Lebensproblem wird in diesen Vermächtnissen vernachlässigt. Im Gegenteil, jede Lage wird von verschiedenen Seiten und Gesichtspunkten her behandelt und die praktische Anwendung empfohlen. So viele schöne Dialoge können mit suchenden Seelen geführt werden! Vertreiben Sie vor allem jene nicht, die anklopfen. Gleichzeitig muss sorgfältig Unterscheidung geübt werden, um die Annäherung jener zu verhindern, die zweifeln.

       Auch ist es eine Freude zu hören, dass Sie das Kommen der Neuen Ära fühlen. Ja, sie kommt und nichts kann sie aufhalten. Die Landkarte der ganzen Welt ändert sich. Vielen Ländern steht Schweres bevor, doch selbst jetzt, inmitten der Finsternis, gibt es Zeichen des Lichts. Ich möchte eine Seite aus der Lehre zitieren: ”Die bestehenden Lebensformen entsprechen der Prägung durch den Geist eines Volkes. Man kann den Niedergang oder Aufstieg eines Volkes nicht nur von historischen Fakten aus, sondern auch nach den begleitenden Ausdrucksformen der Schaffenskraft beurteilen. Wird der Geist von Rauheit und Unwissenheit beherrscht, widerspiegelt sich dies in den Gesetzen und Lebensbräuchen. Nach dieser Übereinstimmung kann man alle Grundzüge der Zeit verfolgen. Die gesetzten Lebensformen verleihen den verschiedenen Geschichtsepochen sicherlich eine klare Färbung. Wodurch kennzeichnen sich die ersten drei Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts? Kriege, Terror, Grausamkeiten, Verrohung und die schrecklichen Verleumdungen! Doch inmitten all dieser Finsternis kann man Lichtformen erkennen, mögen sie auch nicht so zahlreich über das Antlitz der Erde verstreut sein. Das Gleichgewicht des Lichts wird nicht durch Quantität, sondern durch innewohnende Kraft, nicht durch Ansturm, sondern durch geistiges Heldentum geschaffen. So lasst uns auf dem Pfad zur Feurigen Welt von der Bedeutung erhabener Formen erfüllt sein, und lasst uns vor allem das Licht jener Augen schätzen, die der Menschheit die Macht der Schönheit bringen.” (Feurige Welt, III. Bd.)

       So lasst uns die Lichtformen schaffen. Möge ihre geringe Zahl uns nicht beunruhigen, solange die innewohnende Kraft groß ist.

21. Juli 1934

       Ihr Streben zum Lehrer ist schön, und wächst es in seiner Intensität und im Verstehen des Großen Bildnisses, so kann viel erreicht werden. Beschränken Sie sich nicht auf eine Zeit oder auf ihre eigenen Prämissen und Bedingungen, sondern vertrauen Sie sich mit Ihrem ganzen Herzen der Hohen Weisheit an und alles wird so verlaufen, wie es am besten für Sie ist. Manchmal wird das Angstvolle, das Unzugänglichste zur Hauptquelle unseres Glücks.

       Sie schreiben, es sei Ihnen klar, dass ”nicht der Schüler den Lehrer erwartet, sondern der Lehrer den Schüler”, doch muss ich diese sehr kategorische Feststellung erläutern. Jede schöpferische Tätigkeit, jede Erscheinung bedarf der Gegenseitigkeit und Übereinstimmung. Gibt es also kein Erwarten, kann es auch keine Antwort geben. Wo es keine Erwartung gibt, da ist kein Streben, doch uns wurde aufgegeben, ein äußerst wachsames und intensives Streben einzusetzen.

       Gerade das große Vermächtnis ”Ist der Schüler bereit, erscheint der Lehrer” wird so selten verstanden. Es gibt nicht viele, die sich fragen, was diese Bereitschaft wirklich ist. Verlangt diese Bereitschaft nicht bestimmte Eigenschaften? Das Schlimme ist, die Menschen wollen nicht erkennen, dass die Grundlage dieser Bereitschaft und aller Errungenschaft das Verfolgen eines großen Ideals und eine feurige Transmutation unserer Gefühle, unseres ganzen Charakters ist. Es ist viel leichter für die Menschen, alle Unmäßigkeiten aufgeben und gedankenlos mechanisch ihr Pranayama abzuhalten, als eine einzige Gewohnheit abzulegen, die sie auf dem Weg zur geistigen Errungenschaft behindert. Doch, wie gesagt, haben alle mechanischen Mittel, die nur den äußeren Menschen berühren, keinen Wert und können den inneren Menschen nicht verwandeln, dessen Verwandlung aber das Hauptziel aller wahren Lehren ist. Deshalb muss man immer daran denken, dass alle Großen Lehrer sich mit dem inneren Menschen befassten, dessen Reich in der Sphäre der Motive und Gedanken liegt. Daher bedarf nicht ein einziger hoher Raja oder Agni Yogi mechanischer Mittel oder körperlicher Übungen. Ihre einzige Erwägung ist die Konzentration auf das erwählte Große Ideal, auf das unerschütterliche und unentwegte Streben, sich zu Ihm zu erheben. Solch eine Konzentration besteht unaufhörlich. Was immer solch ein Yogi oder Schüler tut, sein Denken beschäftigt sich mit seinem Ideal. Alles wird im Namen dieses Ideals geleistet, und in seinem Herzen fühlt er immer die Liebe und die Gegenwart dieses Bildnisses. Dies ist die in der esoterischen Philosophie aufgezeigte wahre Konzentration, die sich nur mit der inneren Welt, der Welt des Noumenon (= das mit dem Geist zu Erkennende) befasst.

       Auch das Gebet eines Schülers ist genau das gleiche unaufhörliche Streben des Herzens und Hintreten vor das erwählte Bildnis. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Geschichte über den großen Konfuzius. Er war einmal krank, und seine Freunde, die glaubten, er läge im Sterben, mahnten ihn, seine Gebete zu sprechen. Der Weise lächelte und sagte: ”Mein Gebet hat schon längst begonnen”. Und in der Tat, war nicht sein ganzes Leben ein unaufhörlicher Dienst am Großen Ideal, was das wahre Gebet zum Höchsten bedeutet?

       Wenn ein solches Hintreten gegeben ist, wenn der unter Beobachtung stehende Geist so fest auf das erwählte Bildnis gerichtet ist, dass ihn nichts mehr ablenken kann, ist wahre Bereitschaft vorhanden; der Lehrer erscheint und der beobachtete Geist wird als Schüler angenommen. Es kann natürlich auch einige Mitteilungen durch Individuen geben, und manchmal werden erstaunliche kleine Büchlein der Grundlage der Lehre vorgesetzt, gegeben durch reine Psychiker, doch wahre Schülerschaft ist etwas ganz anderes. Beinahe niemand erkennt, welche Bürde sich der Lehrer durch Annahme eines Schülers auflädt. Daher können die Großen Lehrer, welche die Welt überwachen, die universalen Vorgänge einem guten Ende zuführen und an gigantischen kosmischen Schlachten teilnehmen, nur jene aufnehmen, an denen Sie keinen Zweifel mehr hegen. Nur jene können aufgenommen werden, die viele Feuerproben bestanden und ihre Bereitschaft sowie Ergebenheit bewiesen haben, und dies nicht unter bequemen Umständen, sondern am Rande des Abgrunds; daher die kleine Zahl der angenommenen Schüler.

       Hat der Lehrer einen Schüler angenommen, stellt er eine unsichtbare Verbindung zu ihm her und nimmt ihn in sein Bewusstsein auf. Von diesem Augenblick an weiß der Lehrer alles über den Schüler. Er kennt jeden seiner Gedanken und jedes seiner Gefühle – auch die flüchtigsten, und dementsprechend führt er seinen Schüler. Für den Schüler beginnt vom Augenblick seiner Aufnahme an ein ganz neues Leben. Seine schlummernden Energien erwachen und ihre Entwicklung und Umwandlung wird beschleunigt. Eine wahre Batterie von unsichtbaren, doch mächtigen Strahlen wird auf ihn gelenkt, die entsprechend der Steigerung des Strebens und dem Wachstum des Bewusstseins des Schülers sowie der Verfeinerung seines Organismus immer mehr von ihm wahrgenommen werden. Der Zweck dieses Verfahrens ist, das innere Selbst umzuwandeln, zu verfeinern und die drei Körper für selbständige Arbeit auf ihren entsprechenden Ebenen zu trennen. Die Anspannung eines Schülers ist groß. Seine physische Kraft nimmt zeitweilig ab, und er muss eine bestimmte Lebensweise einhalten, ohne seine regulären Pflichten zu vernachlässigen. Diese Strahlen kann der Schüler allerdings nur in sich aufnehmen, wenn er bis aufs äußerste bestrebt ist. Alles erfordert eine Gegenseitigkeit, Anpassung und Übereinstimmung! Daher gibt es ohne Erwartung keine Erfüllung.

       Anscheinend bestehen Sie neuerdings darauf, dass ”nicht der Schüler den Lehrer erwartet, sondern der Lehrer den Schüler”; mag sein, dass ich Sie nicht verstehe. Mit meinem Herzen verstehe ich Sie, doch ein bestimmter Nachdruck ist erforderlich. Sie selbst müssen sich mit unentwickelten Seelen befassen und mit ihnen reden, und wenn Sie zu ihnen über den Lehrer und Schülerschaft sprechen, müssen Sie vor allem betonen, dass ohne Streben und feste Entschlossenheit nichts erreicht werden kann. Vieles wurde über die Schädlichkeit der Halbheit gesagt. Der Lehrer erwartet nur den, der vollkommen ernsthaft und zuverlässig mit bestem Willen erfüllt dem Ziele zustrebt. Und ist das letzte Hindernis, das den Schüler vom Guru trennt, überwunden, streckt ihm der Guru seine Hand entgegen. Am Fuß des Berges befinden sich viele, die hoffen, den Pfad zu beschreiten, doch es ist sicher, dass die Lehrer nicht auf alle warten! Denn der Gipfel ist hoch und eng der Pfad, und viele werden sich fürchten und aufgeben, ohne den halben Weg beschritten zu haben. Nur nach Überschreiten eines bestimmten Punktes kann ein Schüler hoffen, die Aufmerksamkeit des Guru auf sich zu lenken. Es wäre wirklich verlorene Zeit und eine unermessliche Mühe, sich mit den Sprüngen unbeständiger Wanderer des Geistes zu befassen.

       Es gibt auch die vorherbestimmten Schüler, die bereits in ihren früheren Leben Schüler waren; und solch ein Schüler steht in der gegenwärtigen Inkarnation von Geburt an unter der hohen Führung seines Lehrers. Die Bedingungen seiner Geburt werden vom Lehrer bestimmt, und von früher Kindheit an kennt er seinen Lehrer. Für solche Geister gibt es daher keine Abweichung, und die Ereignisse ihrer Leben tragen sie wie ein unaufhaltsamer Strom zum vorbestimmten Ufer.

       Ich möchte Ihnen eine Seite aus der Lehre anführen:

       ”Wahrlich, beim Aufstieg des Geistes sollte man das Symbol des Gipfels als Ziel ins Auge fassen. Jeder Schüler sollte daran denken, dass das Meiden des Gipfels den Wanderer vom Pfad wegführt. Jede übermäßige Last behindert den Wanderer. Jeder Gipfel ist steil, und jedes unnötige Haften an der irdischen Welt lässt den Wanderer zurückbleiben. Es ist schwierig, sich am Abhang zu halten; so lasst uns an den Gipfel denken, wenn wir zum Aufstieg antreten. Es ist schwierig, den Gipfel zu erreichen, wenn der Geist die Grundsätze der Hierarchie nicht erfasst …”

       ”… Die Abhänge sind steil, und man sollte daran denken, dass nur der Fuß des Berges breit ist …” (Feurige Welt, III. Bd.)

       Auf mein Angebot, Ihnen beim klareren Verstehen einiger schwieriger Stellen der Lehre zu helfen, schreiben Sie, dass Sie mich nicht mit persönlichen Fragen belästigen wollen und es für mich Zeitvergeudung wäre.

       Ich muss Ihnen sagen, dass Sie unrecht haben. Glauben Sie nur nicht, dass das Säubern der Lehre von unrichtigen Kommentaren etwas Persönliches oder Nutzloses ist, Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Entstellungen sich um die Lehre sammeln. Gerade die Großen Lehrer bestehen auf dieser Reinigung. Deshalb sollte jeder, der verstehen kann und ernstlich wünscht, den Pfad der Schülerschaft zu beschreiten, lernen, sein Verstehen zu vertiefen.

       Viele Hinweise sind in der Lehre verstreut, und in dem forschenden Geist eines ernsten Lesers kann das Interesse geweckt werden; er kann den Pfad vorbereitender Jüngerschaft beschreiten. Und dann bin ich gern bereit zu helfen, es wird für mich keine verlorene Zeit sein. Jedoch zum Beantworten der Fragen Neugieriger habe ich wirklich keine Zeit. Darüber hinaus, – wozu unwilligen Geistern Wissen abgeben? Es wird für sie nicht von Nutzen sein, sondern ihren Geist noch mehr verwirren. Wissen Sie, welche Fragen mir am häufigsten gestellt werden? ”Welches sind die sieben Bestandteile der Emulsion, die einen Yogi ausmachen? Was ist das Wasser L.? Wie viele Karotten sollte man täglich essen?…” usw. Und dies alles, wo die Bücher der Lehre voll sind von den tiefsten Mysterien und Lebensgrundlagen sowie entsprechenden Erklärungen. Doch daran sind sehr wenige interessiert.

       Wenden wir uns jetzt Ihrer Frage zu. Sie fragen: ”Was bedeuten Mahavan und Chotavan?” Wörtlich bedeuten diese Begriffe großer Rhythmus und kleiner Rhythmus.

       Mahavan und Chotavan sind die kosmischen Rhythmen, Rhythmen des Raumfeuers; zu bestimmter Zeit werden diese Rhythmen von jenen gefühlt, die auf dem Pfad des Agni Yoga schreiten. Sie werden nur kurze Zeit gespürt; andernfalls wären sie schwer zu ertragen, denn sie folgen einander mit großer Eile und Heftigkeit. Alle diese Rhythmen und den Rhythmus des zweifachen Dodekaeders habe ich selbst erlebt, doch es ist sehr schwer, sie zu beschreiben. Ich kann nur sagen, dass jede Zelle des Organismus mit diesem Rhythmus schwingt, wobei das Herz (was interessant ist zu beobachten) seinen üblichen, doch leicht gesunkenen Puls fortsetzt.

       Glauben Sie, dass diese Mitteilung auf den ersten Stufen dienlich sein kann? Alle diese feurigen Erfahrungen und Rhythmen treten auf, sobald ein Schüler das Stadium der Anpassung an das Raumfeuer erreicht hat. Wenn die Menschen von diesen Rhythmen hören, werden sie sie nur als etwas Mechanisches ansehen, sie werden, wie es in der Lehre heißt, den Kriegstrommler für den ”erfolgreichsten Rhythmiker” halten.

       Nun zu Ihrer nächsten Frage: ”Wie ist der Wandel der Blutsverwandtschaft in geistige Verwandtschaft zu verstehen?” Dies scheint mir sehr klar und offensichtlich zu sein! Im Leben können wir beobachten, dass uns oft Menschen ganz verschiedener Nationalität durch ihre geistige Entwicklung näherstehen als Blutsverwandte. Dafür gibt es viele Erklärungen; manchmal ist es das Karmagesetz, manchmal ist es die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Element, oder es kann eine Ähnlichkeit potentieller Energien geben, die im Geisteskorn eingelagert sind.

       Selbst wenn wir einfache Beispiele aus dem Alltagsleben herausgreifen, können wir von einer vernünftigen Person, z. B. jemandem, der sein Geschäft verbessern will, eher Zusammenarbeit mit fähigen und mit solcher Arbeit vertrauten Menschen erwarten als mit Verwandten, die sich offensichtlich als unfähig und manchmal sogar als nachteilig erweisen.

       Jeder von uns hat direkte Pflichten gegenüber seiner Familie, doch wollen wir sie nicht übertreiben. Häufig offenbaren Familien eine völlige Spaltung und Gegnerschaft; sie bilden einen Herd geistigen Zerfalls. Wäre es richtig und feinfühlig, für eine künstliche Aufrechterhaltung von Bindungen – die in den meisten Fällen unzulässig sind, weil sie gegen das höhere Gesetz verstoßen – Kraft zu verschwenden und die hohen Ideale zu opfern? Genau gesagt, deshalb unzulässig, weil viele durch menschliche Gesetze gerechtfertigte Bindungen auf Erden vom Standpunkt des kosmischen Gesetzes als illegal zu betrachten sind. Genau gesagt, schreckliche Verbrechen, Degeneration ganzer Völker und ein Niedergang der Zivilisation rühren von vielen solchen falschen Verbindungen her. Die Frage der kosmischen Gesetzmäßigkeit der Familie ist sehr tiefgreifend, sie berührt das Sein selbst.

       Das Verständnis für die Schaffung von richtigen gesetzmäßigen Verbindungen ist eine große Wissenschaft der Zukunft; und diese Wissenschaft wird auf unabänderlichen kosmischen Gesetzen beruhen.

       Viel ist über die Seelenverwandtschaft gesprochen worden, doch wer kennt und versteht diese Wahrheit in der vollen Größe des unabänderlichen kosmischen Gesetzes? Die Lehre besagt, dass sich die Menschen entsprechend den Elementen vereinen sollten. Nur Eltern, die demselben Element angehören, können ausgeglichene Nachkommen haben. Wogegen wir im Leben oft wahrnehmen, dass sich Feuer mit Wasser oder Luft mit Erde vermischen. Wahrlich, Sterilität und Degeneration ganzer Völker ergeben sich aus solchen Vermischungen. Es wird die Zeit kommen, wo die Menschheit diese Wahrheit verstehen und für richtig halten wird. Die Lebensform und menschlichen Funktionen müssen dem kosmischen Gesetz entsprechend aufgebaut werden, wenn die Menschheit auf diesem Planeten weiter bestehen und sich entwickeln will; andernfalls droht uns das Schicksal von Atlantis.

       Und für jene Scheinheiligen, die, nachdem sie über geistige Verwandtschaft anstelle von Blutsverwandtschaft gelesen haben, ihre Entrüstung und Verleumdung der Lehre zum Ausdruck bringen, ”weil familiäre Pflichten herabgewürdigt werden”, möchten wir die Worte Christi, zu dessen Lehre sie sich bekennen, ins Gedächtnis rufen: ”Wahrlich, ich sage euch, jede