Briefe
von Helena Roerich

1929 - 1939

Band I

Briefe nach Amerika

1929

       Meine jungen Freunde!

       Aus dem fernen Indien, dem Land der Schönheit, der geistigen Errungenschaften und der großen Gedanken, sende ich Euch, die Ihr Euch im Namen der großen Arbeit und des Aufbaus der Zukunft versammelt habt, herzliche Grüße! Ich rufe Euch zur Selbstvervollkommnung und unbegrenzten Errungenschaft auf.

       Das Buch über neue Erfindungen und das Licht der Kühnheit liegt aufgeschlagen vor der Menschheit, und Ihr habt bereits vom Herannahen der Neuen Zeit gehört. Jede Epoche hat ihren Ruf, und die Grundlage für den Ruf der Neuen Ära wird die Macht des Gedankens sein. Deshalb rufen wir Euch auf, die große Bedeutung des schöpferischen Gedankens zu verstehen, und der erste Schritt in diese Richtung ist die Öffnung des Bewußtseins, die Befreiung von allen Vorurteilen, von jeglicher Voreingenommenheit und allen aufgezwungenen Begriffen.

       Richten wir unseren Blick auf die unendliche Weite des nächtlichen Himmels. Fliegen wir in unseren Gedanken über die unzähligen Welten und versteckten Tiefen des unendlichen Raumes. Der Gedanke ist seinem Wesen nach unbegrenzt, nur unser Bewußtsein versucht, ihn zu begrenzen. Laßt uns deshalb ohne Verzögerung den nächsten Schritt machen – die Erweiterung des Bewußtseins.

       Eine sehr alte Weisheit aus Indien lautet: ”Der Gedanke ist der Urquell der Schöpfung der Welten.” Der Große Buddha wies auf die Bedeutung des Gedankens, der unser Wesen ausmacht, hin. Er lehrte seine Schüler, ihr Bewußtsein zu erweitern. Laotse, Konfuzius, Christus – alle geistigen Lehrer und großen Denker lehrten dasselbe.

       Der große Plato sagte: ”Gedanken regieren die Welt.” Und zeitgenössische Gelehrte wie z. B. Prof. Compton sprachen von der Wahrscheinlichkeit, daß hinter jeder Naturerscheinung eine aktive, intelligente Kraft steht und der Gedanke auf die Materie einwirkt. Prof. Compton schließt seine Ausführungen mit den folgenden Worten: ”Wahrscheinlich sind die Gedanken des Menschen die wichtigsten Faktoren in der Welt.”

       Laßt uns mit solch einem breiten Verständnis die Geschichte der Entwicklung des Gedankens kennenlernen. Wir wollen alle Vorurteile von Ort, Zeit und Nationalität ablegen und wie die Bienen den kostbaren Honig des menschlichen, schöpferischen Gedankens sammeln!

       Sobald wir die mächtigen Errungenschaften jener großen Schöpfer, die unser Bewußtsein formen, in das Fundament eingebettet haben, können wir mit der dritten Stufe beginnen – der Entwicklung unseres eigenen Gedankens, unserer eigenen Kreativität; und aus den neuen Verbindungen werden wir Funken des Gedankenfeuers schlagen, diese Krone des Weltenalls. Wir wollen daran denken, daß ein denkendes Wesen niemals einsam ist, weil der Gedanke sein größter Magnet ist und gleichartige Antworten aus dem Raum anzieht. Wenn wir daher eine schöne Antwort erhalten wollen, sollten wir mit reinem Feuer des Herzens erfüllte, strebende Gedanken in den pulsierenden Weltraum senden. Nur der Gedanke, der durch Streben vergeistigt und vom Herzen genährt wurde, kann schöpferisch tätig sein und wie ein mächtiger Magnet anziehen. Ein Gedanke ohne Streben und flammende Eigenschaften ist unfruchtbar. Wir ersehnen Wissen und weite Gedanken; und seien wir kühn in unserem Streben, denn nur ein kühner Gedanke gestaltet neue Wege.

       Ihr, meine jungen Freunde, die Ihr Euch der Kunst und der schöpferischen Tätigkeit genähert habt, seid fähig, Eure Talente als Verstärkung Eurer Kräfte einzusetzen; denn Ton und Farbe, Gedanke und Rhythmus sind die Grundlagen des Universums und unseres Seins. Ton und Farbe, Wissen und schöpferische Tätigkeit sind der Kelch ”Amrita”, der Kelch der Unsterblichkeit!

       Ewige, ununterbrochene Schöpfung des universellen Lebens umgibt uns; und wir, die wir ein Teil dieser großen Schöpfung sind, sollten jeden Moment unseres Lebens schöpferisch tätig sein – durch Gedanken, Worte und Taten.

       Meine jungen Freunde, füllt die Schatzkammer Eures Geistes. Nehmt alle Töne, alle Farben und alle Rhythmen aus der unerschöpflichen Quelle des Raumes in Euch auf. Diese feinsten Vibrationen werden, wenn Ihr sie bewußt aufnehmt, Eure Aufnahmefähigkeit und Euer Denken verfeinern.

       Diese Verfeinerung der Aufnahmefähigkeit wird Euch die Möglichkeit geben, in die Geheimnisse des Raumes einzudringen, und den freudvollen Weg der Errungenschaft und des ununterbrochenen, endlosen Aufstiegs erschließen.

       Meine Freunde, arbeitet unter völliger Anspannung Eurer Kräfte, denn nur, indem Ihr die Grenzen Eurer Anspannung erreicht, ergeben sich neue Möglichkeiten. Die Gesetze sind in allem die gleichen, und wir wissen, daß aus äußerster Anstrengung neue Energien entstehen. Nur vermehrte Tätigkeit und verstärkte Anstrengung werden Euch Schönheit brinen.

       Und ich bitte Euch, habt keine Angst vor Schwierigkeiten; zeigt die Bereitschaft, alle Hindernisse zu überwinden, denn jedes Hindernis stärkt Euch und bringt Euch dem künftigen Sieg näher. Versucht, die Schwierigkeiten liebzugewinnen, und sagt: ”Seid gesegnet, Hindernisse, denn an Euch wachsen wir!” Mutig, durch Streben begeistert, im Bewußtsein, wie großartig die unendliche Vervollkommnung des schöpferischen Lebens ist, sollt Ihr der Euch rufenden Unbegrenztheit zustreben – der Unbegrenztheit des Lebens, der Unbegrenztheit der Errungenschaften, der Unbegrenztheit der Erkenntnis, der Unbegrenztheit des Aufbaus und der Schönheit!

       Meine jungen Freunde, vernehmt den Ruf der schöpferischen Unbegrenztheit!

* * *

19. Oktober 1929

       Die kommende, große Epoche ist eng verbunden mit dem Einfluß der Frau. Die zukünftige Epoche wird, wie in den besten Zeiten der Menschheit, der Frau wieder ihren rechtmäßigen Platz an der Seite ihres ewigen Weggefährten und Mitarbeiters, des Mannes, einräumen. Ihr müßt wissen, daß die ganze Herrlichkeit des Kosmos durch den dualen Ursprung entsteht. Ist es daher möglich, eines dieser beiden Elemente abzuwerten?

       Das ganze derzeitige und bevorstehende Elend sowie die kosmischen Kataklysmen sind zum Großteil die Folgen der Unterjochung und Erniedrigung der Frau. Der furchtbare Verfall der Sittlichkeit, viele Krankheiten und die Degeneration einiger Völker haben ebenfalls ihre Ursachen in der sklavischen Abhängigkeit der Frau. Die Frau ist des größten menschlichen Vorrechts beraubt – am schöpferischen Denken und an kreativer Arbeit in vollem Maße teilzunehmen. Man hat ihr nicht nur die gleichen Rechte genommen, sondern in vielen Ländern auch die gleiche Ausbildung, wie sie einem Mann zusteht. Es ist ihr nicht erlaubt, ihre Fähigkeiten beim Aufbau des sozialen und staatlichen Lebens, dessen vollwertiges Mitglied sie laut kosmischem Gesetz und Recht ist, einzusetzen. Doch eine Frau, die Sklavin ist, kann der Welt nur Sklaven schenken. Das Sprichwort: ”Eine große Mutter gebiert einen großen Sohn!” hat eine kosmische, wissenschaftliche Grundlage. Da Söhne meistens ihren Müttern gleichen und Töchter ihren Vätern, kann man erkennen, wie großartig die kosmische Gerechtigkeit ist.

       Dadurch, daß die Männer Frauen erniedrigen, erniedrigen sie sich selbst! Das erklärt, warum heute so wenige Genies (oder große Geister) unter den Männern zu finden sind. Wären die heutigen Schrecken und Verbrechen möglich, wenn sich beide Ursprünge im Gleichgewicht befänden? Das Heil der Menschheit und unseres Planeten liegt in den Händen der Frau. Die Frau muß ihre Bedeutung erkennen, die große Aufgabe der Mutter der Welt; sie sollte darauf vorbereitet sein, Verantwortung für das Schicksal der Menschheit zu übernehmen.

       Die Mutter hat als Lebensspenderin das Recht, das Schicksal ihrer Kinder zu lenken. Die Stimme der Frau und Mutter sollte unter den Führern der Menschheit gehört werden. Die Mutter gibt ihrem Kind den ersten bewußten Gedanken ein. Sie weist ihm die Richtung und bestimmt den Wert all seiner Bestrebungen und Fähigkeiten. Doch die Mutter, die keine Gedankenkultur besitzt, kann dem Kind nur die niederen Eindrücke der menschlichen Natur vermitteln.

       Die Frau, die nach Wissen und Schönheit strebt, die ihre hohe Verantwortung erkennt, wird das ganze Niveau des Lebens heben; sie wird abstoßenden Lastern, die zur Degeneration und Vernichtung von ganzen Ländern führen, keinen Platz einräumen.

       Doch in ihrem Streben nach Bildung muß die Frau daran denken, daß alle Erziehungssysteme nur Hilfsmittel für die Entwicklung eines höheren Wissens und einer höheren Kultur sind. Die wahre Kultur des Denkens wird durch die Pflege des Geistes und des Herzens entwickelt. Nur so eine Verbindung kann jene große Synthese schaffen, die allein es möglich macht, die wirkliche Größe, die Mannigfaltigkeit und die Komplexität des menschlichen Lebens in seiner kosmischen Evolution zu erkennen. Deshalb möge die Frau beim Streben nach Wissen an die Quelle des Lichts und die Führer des Geistes denken – an jene großen Geister, die das Bewußtsein der Menschheit erschaffen haben. Indem sich die Menschheit dieser Quelle, diesem primären Prinzip der Synthese, nähert, wird sie den Weg zur wahren Evolution finden.

       Gerade die Frau sollte dieses Prinzip kennen und verkünden, weil sie von Anfang an dazu auserwählt worden ist, die beiden Welten zu verbinden, die sichtbare und die unsichtbare. Die Frau besitzt die Kraft der heiligen Lebensenergie. Die kommende Epoche bringt das Wissen über diese große allgegenwärtige Energie, die sich in allen unsterblichen Schöpfungen des menschlichen Genius offenbart.

       Die westliche Frau ist erwacht und erkennt ihre Macht. Ihre kulturellen Leistungen sind bereits offenkundig; doch die Mehrheit der westlichen Frauen beginnt – wie alle Anfänger – mit Nachahmung, während im ursprünglichen Ausdruck des Selbst wahre Schönheit und Harmonie zu finden sind. Würden wir gerne zusehen, wie der Mann die Schönheit der Männlichkeit verliert? Das gleiche gilt für den Mann, der Sinn für Schönheit hat. Er sieht bestimmt nicht gerne eine Frau, die seine Gewohnheiten nachahmt und mit seinen Lastern wetteifert. Nachahmung beginnt immer mit dem Einfachsten. Doch wir hoffen, daß diese erste Stufe bald vorübergeht und daß die Frau ihr Wissen über die Mutter Natur vertiefen und echte, ursprüngliche Mittel des Ausdrucks für ihr Selbst finden wird.

       Der Kosmos offenbart die Einheit des Gesetzes, aber es gibt keine Wiederholung in seiner Verschiedenheit. Warum strebt denn die Menschheit zur Gleichförmigkeit in allem, wobei sie aber gleichzeitig die fundamentale Einheit des Gesetzes verletzt? Gleichförmigkeit der Wahrnehmung, Gleichförmigkeit des Lebens und vor allem Gleichförmigkeit des Denkens schätzt der Mensch. Dabei vergißt man, daß Gleichförmigkeit des Ausdrucks zu Stagnation und Tod führt. Das Leben und seine Kraft bestehen im ewigen Wandel der Formen. Es ist notwendig, dieses Leben spendende Prinzip in allen Ausdrucksformen unseres Lebens zu berücksichtigen.

       Sammeln wir die schönsten, heroischsten Ideen aller Zeiten und Länder, und laßt uns mit schöpferischer Vorstellungskraft ihre Errungenschaften in unserem Leben anwenden, während wir dabei die Besonderheiten unserer Zeit beachten. Nur diese Form der Nachahmung wird eine richtige Grundlage für weiteren Fortschritt abgeben.

       Ich will meine Ansprache an die Frau mit einer Seite aus der Lehre des Lebens beenden: ”Wenn Völker Uneinigkeit aufkommen ließen, führte dies zur Selbstvernichtung. Und nur die Wiederherstellung des Gleichgewichts kann diese Selbstvernichtung aufhalten. Die Menschheit wendet die Prinzipien der Schaffenskraft nicht im richtigen Verhältnis an und verletzt so die Grundlagen des Seins. Wenn durch das Gesetz des Kosmischen Magneten die niederen Formen den höheren untergeordnet sind, so bezieht sich dies nur auf die Energien, die umgewandelt werden sollten. Doch wenn die Uranfänge dazu bestimmt sind zu erschaffen und Leben zu spenden, ist es unmöglich, einen der Ursprünge ohne Selbstvernichtung zu beseitigen. Deshalb wird die wahre Evolution der Menschheit erst dann einsetzen, wenn beide Uranfänge im Leben anerkannt werden. Alle Prinzipien, die das Wissen vom dualen Ursprung nicht beinhalten, werden den Mangel an Gleichgewicht nur noch vergrößern. Die Menschheit muß das Gesetz des Kosmischen Magneten verstehen. Indem man sich der Herrlichkeit des dualen Ursprungs, der die Grundlage des Lebens ist, bewußt wird, kann man viel zur Evolution beitragen.” (Unbegrenztheit I, § 22)

       Nicht einmal diese einfache Wahrheit findet im Bewußtsein der Menschen ihren Platz! Unsere Wissenschaftler – Biologen, Chemiker, Physiker – sollten die Wahrheit über das duale Element oder die Bipolarität kennen, doch sie schweigen. Und diese Wahrheit, in ihrer heiligsten und lebendigsten Anwendung, wird verachtet, und es herrscht das Recht des Stärkeren. Das Problem besteht darin, daß sich die Vernunft des Menschen von seiner Quelle – der Kosmischen Vernunft – entfernt hat. Obwohl der Mensch ein Teil des Kosmos ist, sieht er seine Dazugehörigkeit, seine Einheit mit dem Kosmos nicht. Und seine Beobachtungen der Naturerscheinungen legen ihm keine Analogie nahe. Doch nur durch Beobachtungen und Vergleiche mit der menschlichen Natur ist es möglich, den Schlüssel zu allen Mysterien des Lebens zu finden, und damit die Lösung für viele Probleme des täglichen Lebens. Die Leute lieben es, wie Papageien die alte Formel zu wiederholen ”Makrokosmos ist Mikrokosmos”! Vieles wird ausgesprochen, vieles wiederholt, ohne daß man auf die eigentliche Bedeutung achtet! Aufgrund der aufgezwungenen Dogmen, der vom Menschen gemachten Gesetze und des materiellen Wohlstands haben die Menschen den Prozeß des Denkens vernachlässigt, und der menschliche Verstand wurde mit wenigen Ausnahmen zu einem Automaten. Jeder predigt verschiedene Freiheiten, doch die konträrsten Denkschulen stimmen in einem überein – sie alle fürchten die Freiheit des Gedankens!

       Deshalb muß die Frau nicht nur ihre eigenen Rechte verteidigen, sondern auch das Recht des freien Denkens für die ganze Menschheit! Durch die Entwicklung des Denkens werden sich unsere Fähigkeiten ausdehnen. Denken wir die weitreichendsten, reinsten Gedanken. Es heißt: ”Das Königreich wird weder durch Kronen noch durch Volksmassen errichtet, sondern durch kosmische Ideen geschaffen.” Laßt uns unsere eigenen Städte, unsere Länder, unsere Planeten schaffen! Doch laßt das Herz diese Gedanken hervorbringen, denn nur der im Herzen geborene Gedanke ist lebendig. Das Herz ist der größte Kosmische Magnet. Alle kosmischen Energien werden vom Herzen angezogen, und das Herz nimmt sie auf. Das Herz offenbart im Leben alle Bestrebungen. Das räumliche Feuer wird vom Herzen angezogen, und der ganze kosmische Vorgang beruht auf diesem Prinzip. Deshalb besteht der Kosmos durch die Anziehung des Herzens. Nur die Energien, denen die Anziehung durch das Herz zugrunde liegt, sind lebendig. So wird die Kette des Lebens immerzu vom Herzen geschmiedet.

       Habt Ihr auf Euer Herz gehört? Schlägt es im Rhythmus mit dem Vollkommenen Herzen, das Euch alle umfaßt?

       So will ich mit den Worten über das Herz schließen. Möge die Frau dieses große Symbol, welches das ganze Leben verwandeln kann, bestätigen. Möge sie bestrebt sein, das geistige Leben der Menschheit zu verwandeln.

       Die Mutter, die Leben spendet, die Hüterin des Lebens – möge sie zur MUTTER, zur Führerin, zur Allesschenkenden, Allesempfangenden werden.

       Heute schreibe ich und bediene mich der Worte des Großen Lehrers über das Sakrament der Hierarchie. Diese stellt ein Sakrament dar, weil sie auf dem unveränderlichen und strikten Gesetz des Kosmischen Magneten beruht, das alle Wesen zur Vervollkommnung führt. Es ist notwendig, die Hierarchie klar und eindeutig als den einzigen Weg zur Weiterentwicklung zu erkennen. Wir müssen die ganze Kette der Hierarchie erkennen und uns fest an unser nächstes Glied halten. Wehe dem, der dieses Glied überspringen will und so seine Verbindung verliert! Er wird es nicht wieder einholen, da der Rhythmus der Bewegung der ganzen Kette das rettende Glied davontragen wird. Dieser Irrtum ist wirklich schwerwiegend! Wieviel Zeit wird verlorengehen, um wieder ein auf den Ruf erklingendes Glied zu finden. Doch das neue Glied wird in der Reihenfolge einen anderen Platz einnehmen und einer anderen Spannung unterliegen, weil das frühere im rhythmischen Streben der ganzen hierarchischen Kette davongetragen wurde.

       ”Die Unterordnung des Niederen unter das Höhere stellt die Grundlage des ganzen Kosmos dar. Diese Unterordnung wird klärend und reinigend wirken. Doch die Menschheit ordnet dem Niederen das unter, was an der Spitze stehen sollte. Wenn das Höhere die Führung innehat, wird das Niedere transmutiert. Diese Umwandlung setzt sich endlos fort. Mit Umwandlung meinen Wir die Unterordnung des Niederen unter das Höhere, und Wir wollen das Bewußtsein der Menschheit im Prozeß der unbegrenzten Entwicklung stärken.” (Unbegrenztheit I, § 115)

       Deshalb wollen wir die Umwandlung unseres Bewußtseins nicht hinauszögern. Denken wir an die führende Hierarchie und ehren wir den nächsten, den irdischen Guru. ”Der irdische Guru existiert zur Verehrung, für den Fortschritt, für die Einheit und den Aufbau.” Durch Mißachtung und Geringschätzung des Guru wird der Große Lehrer, der hinter dem Guru steht, mißachtet und erniedrigt, weil der Guru der Vertreter des Großen Lehrers ist. Denken wir daran, wie heilig das Sakrament der Hierarchie für die Herren des Lichts ist. Der Hierarch trägt ”die Synthese des Kelches”, und deshalb wohnt Ihm beides inne, Gehorsam und Befehlen. Wer die Kunst des Gehorsams nicht versteht, wird die Kunst des Befehlens nicht erlernen. Schön sind diese beiden Begriffe.

       Bewußte Unterordnung geht dem Befehl entgegen. Nach der starken Erkenntnis der Hierarchie werden wir mit unserem ganzen Herzen die Lehre des Lebens besser verstehen. Das Herz schmerzt, wenn es fühlt, wie wenig die großen Schätze, die der Lehrer so freigebig schenkt, verstanden werden. Auf diesen Schätzen wird die neue Rasse gegründet werden. Denkt über die Großartigkeit des Dargebotenen nach! Ich erschrecke, wenn ich an die Verantwortung denke, die wir durch die Annahme dieser Schätze auf uns nehmen, da ich weiß, daß sich unter uns einige befinden, die deren vollen Wert für die Menschheit noch gar nicht erkennen können und das, was als grundlegende Nahrung für hungernde Seelen zur Verteilung gegeben wurde und die Basis der neuen Evolution sein sollte, unbeachtet liegen lassen. Fühlt den Ruf meines Geistes! Lest so oft wie möglich Eure Schätze; sammelt all die Einzelheiten und vermengt Euer ganzes Wesen mit ihnen! Sie werden Euch ein breites und klares Verstehen der komplizierten Probleme des Lebens ermöglichen. Der einzige Weg liegt darin, das alles aufzunehmen, und die ernste Freude des unbegrenzten Fortschritts wird Euer Herz erfüllen. Mein Herz sehnt sich danach, in Euch die Freude der Erhabenheit und Schönheit, die Euch die Lehre des Lebens erschließt, zu erwecken.

       Neue Seelen kommen und werden sich vervielfachen. Wir müssen sie festhalten. Es ist notwendig, an jeden entsprechend seiner Gesinnung heranzutreten. Nichts zieht die Menschen so sehr an wie das ersehnte Wort, das ihren Geist befreit und ihnen neue Möglichkeiten bietet. Alle Wesen streben dem Licht zu. Dies ist das erste Gesetz des Kosmos. Die Lehre und die Fähigkeit, sie entsprechend zu vermitteln, sind der Magnet, der Menschen und Möglichkeiten anzieht. Das ist die Rüstung, die allen Angriffen standhält, die Quelle, die grenzenlose Freude bringt. Doch sie sollte mit dem Herzen aufgenommen werden, nicht nur mit dem Verstand.

       Liebt einander, achtet einander, doch laßt das innere Leben eines jeden von Euch sein eigenes Heiligtum sein. Ihr seid durch den Lehrer verbunden, durch die Lehre und durch Taten; doch Ihr seid nicht Richter über andere. Der Richter kann in den Augen des Lehrers leicht zum Gerichteten werden. Ihre Maßstäbe entsprechen nicht unseren irdischen Maßstäben, daran müssen wir immer denken. Und ein Stein, der auf den Bruder geworfen wird, wird Euch hinunterziehen wie eine schwere Last. Nachdem Ihr die Hierarchie angenommen habt, nehmt die Lehre in Euch auf; denn die einzige unzerstörbare Freude ist die Freude der Bewußtseinserweiterung, die uns in das höhere Mysterium des Seins vordringen läßt, wo all unsere heiligsten, verborgensten Bestrebungen ihre Verkörperung finden, denn die Höhere Realität übertrifft die menschliche Vorstellungskraft.

* * *

13. Oktober 1929

       In der letzten Zeit dachte ich sehr viel über die Mitglieder Eurer Gruppe nach. Wieder einmal bin ich davon überzeugt, daß niemand ersetzt werden kann und jeder gebraucht wird. Und wie einfach ist es, unter solchen Umständen die volle Harmonie, die in jeder Hinsicht den Sieg gewährleistet, zu erreichen. Doch mein Herz fühlt, daß es hier etwas gibt, was die Einheit verhindert. Wie ist hier Abhilfe zu schaffen? Die einzige Lösung ist, den Lehrer und die Lehre nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen zu begreifen. Deshalb müssen wir der Entwicklung des Herzens soviel Aufmerksamkeit schenken, jenem erstaunlichen Organ, das in seinen zahlreichen Zentren die ganze Kreativität und das ganze Seelenleben enthält. Ohne die Entwicklung der Zentren des Herzens sind wir steril; es entsteht kein Seelenleben; es gibt kein Leben in den höheren Sphären, und die Krone des Archaten ist unerreichbar. Nur mit unserem Herzen können wir uns dem Bewußtsein des Archaten, des Lehrers, nähern, denn sein Bewußtsein ruht im Herzen. Der Menschheit ist der Begriff Archat kaum bekannt, doch ohne dieses Verständnis kann man keine Fortschritte machen.

       Im Buch ”Hierarchie” heißt es: ”Es ist üblich, sich einen Archaten als Bewohner der Wolken vorzustellen. Diese abartigen Gedanken sind furchtbar und grotesk. Wir Brüder der Menschheit erkennen Uns nicht in den Vorstellungen der Menschen. Die Vorstellungen von Uns sind so phantastisch! Wenn die Menschen ihre Phantasie umgekehrt einsetzen würden, entsprächen diese Vorstellungen eher der Realität. Alles nimmt einen neuen Maßstab. Alles wird unwahrscheinlich. Nichts mehr stimmt mit der Realität überein. Auf dem Weg zur höheren Welt wollen Wir sagen, daß ein Archat in all seinen Erscheinungen unbegrenzt ist. Ein Archat schreitet voran, die Kraft des Kosmischen Magneten in seinem Herzen tragend!”

       Doch wir wollen sehen, wie dieses Bild durch das Höhere Bewußtsein ausgedrückt wird. ”Das Herz eines Archaten gleicht dem Herzen des Kosmos. Das Herz eines Archaten gleicht dem Feuer der Sonne. Ewigkeit und die Bewegung des Kosmos erfüllen das Herz des Archaten. Maitreya nähert sich, mit allen Feuern erstrahlend. Sein Herz entflammt vor Mitleid mit der notleidenden Menschheit! Sein Herz entbrennt mit der Bestätigung der neuen Bündnisse.”

       ”Unter den Menschen existiert die Vorstellung vom erstarrten Archaten, und armselige Yogis nähren diese Vorstellungen durch ihre eigenen Bilder. Doch wenn die Menschheit erkennt, daß der Archat die höchste Erscheinung der Materia Lucida ist, wird sie verstehen, daß es zwischen Materia Lucida, die Licht aussendet, und der Materie der Liebe, die alles in Licht hüllt, keinen Unterschied gibt. Die Menschheit hüllt den Archaten in eine rauhe Schale, doch Materia Lucida strahlt Liebe aus. Wann wird es möglich sein, die Menschen mit Unserem Bild zu erleuchten?” (Hierarchie, § 3)

       ”Der Verstand erkennt nur mit Mühe die Reinheit der höheren Sphären. Dem, der den Weg zu Uns kennt, werden Wir sagen: ‚Gehe den Weg der Liebe. Gehe den Weg der Arbeit. Gehe den Weg und verwende Dein Vertrauen als Schild!‘ Dem, der Unser Bild in seinem Herzen gefunden hat, werden Wir sagen: ‚Gehe den Weg des Herzens, und der Kelch wird den Weg bestätigen!‘ Dem, der glaubt, daß er den Weg durch Eigendünkel erreicht hat, werden Wir sagen: ‚Gehe und lerne vom Geist, der das Ziel kennt.‘ Eigendünkel hemmt jeden Fortschritt.” (Hierarchie, § 24)

       ”Die ganze Schöpfung ist im Ruf des Herzens enthalten. Die ganze Welt des Kosmos ist von einem Ruf durchdrungen, und das Herz des Kosmos und das Herz eines Archaten sind vom Ruf durchdrungen. Der Ruf und die Antwort enthalten eine Verbindung von kosmischen Feuern. Das Herz Unserer Bruderschaft sichert für die Menschheit den Weg zum Allgemeinwohl.” (Hierarchie, § 11)

       Den Schlüssel zur Lehre muß jeder in seinem Herzen finden. Mit dem Verstehen der Lehre des Lichts sollte die Kreativität des Geistes einsetzen. Das Bild des Lehrers kann einen erleuchteten Weg in den kosmischen Raum weisen. Wenn wir in unserem Herzen das gewählte Bild aufnehmen, werden dann nicht unsere Herzen aus Liebe zu allen Wesen entflammen? Die schöpferische Materia Lucida dient als Verkörperung des hohen Geistes, doch diese Energie wird durch Liebe angezogen. Der ganze Kosmos wird durch Liebe aufrechterhalten. Liebe ist der stärkste Magnet.

       Meine Liebe zu Euch allen und der brennende Wunsch nach Eurem Fortschritt halten mich dazu an, die Notwendigkeit der Verbesserung aufzuzeigen.

       Nun eine generelle Anregung. Wenn Ihr diese Anregung befolgen wollt, müßt Ihr an das Gebot des Lehrers denken: ”Strenge Euch selbst gegenüber und ein offenes Herz für Euren Bruder. Nur das wohlwollende Auge kann schöpferisch tätig sein.” Der Lehrer rät immer, die Lehre vor allem auf Euch selbst anzuwenden, andernfalls werdet Ihr auf derselben Stufe bleiben: ”Es ist traurig, wenn der Geist nach Beendigung seines irdischen Lebenskreislaufs zum gleichen Ausgangspunkt zurückkehrt. Es ist traurig, wenn der Geist sich selbst immer die gleichen Grenzen setzt und das, was er hervorgebracht hat, als treuer Weggenosse an den Toren wartet.” (Unbegrenztheit I, § 63)

       Entwickelt vor allem Gerechtigkeitssinn und Unterscheidungsvermögen. Beide Eigenschaften werden vom Herzen ermessen. Deshalb fangt an, über das Herz nachzudenken, um es zu beachten und seinem Ruf zu lauschen. Der Magnet des Herzens wird durch Aufrichtigkeit und Bestrebung gestärkt. Daran ist nichts Abstraktes, weil all die feinen kosmischen Energien das Herz durchlaufen – die feinsten, die mächtigsten und schöpferischsten Energien. Doch um diese schöpferischen Energien anzuziehen, muß man sein eigenes Feuer entfachen. Entfacht Eure Feuer! Doch verwechselt nicht Sentimentalität, diese weinerliche Freundlichkeit, mit der ernsten, weisen Offenbarung des Herzens! Denkt daran, was die Lehre über Mitgefühl und Mitleid sagt. Liebt einander, paßt aufeinander auf und erfreut Euch gegenseitig!

* * *

11. Februar 1929

       Jeder von Euch schreibt über das Streben nach Einheit. Was hält Euch davon ab, wenn Ihr diese Notwendigkeit klar erkennt? Ich will Euch antworten: der Mangel an geistiger Disziplin, die mangelnde Fähigkeit, die Lehre vor allem auf Euch selbst anzuwenden. Wenn es darum geht, Toleranz zu üben, erwacht mit voller Kraft die alte Gewohnheit des zügellosen Antagonismus bzw. nicht ausgelebten Atavismus, und dann sind die besten Vorsätze sofort vergessen. Natürlich ist es schwer, all die schlechten Gewohnheiten auf einmal abzulegen; deshalb wollen wir das Vordringlichste zuerst ausrotten – die Intoleranz. Wir wollen dieses Vermächtnis der Lehre mit feurigen Buchstaben in unser Bewußtsein schreiben und zu Beginn sowie am Ende jedes Tages daran denken, bei der Arbeit und in den Mußestunden.

       Wir wollen daran denken, was Buddha Seine Schüler lehrte, wie er von Ihnen verlangte, vor allem ihre Launen im Griff zu haben. Erst nachdem der Geist alle Gefühle des Schülers bezähmt hatte, lüftete der Gesegnete den Schleier ein wenig von der heiligen Lehre. Der Weg der Lehre ist heute der gleiche wie damals. Um sich zu nähern und höchstes Vertrauen zu erlangen, sind die gleichen Voraussetzungen nötig: Ehrfurcht vor der Hierarchie und Disziplin des Geistes.

       Indem wir die von der großzügigen Hand des Lehrers gereichten Hinweise und Möglichkeiten anwenden, können wir sehr viel aufbauen, was uns in den Augen der Welt und in diesem Leben erhebt, und durch Befolgung der Anweisungen ein gutes Karma vollenden. Doch was wird wirklich in unsere Schatzkammer gelangen, wenn wir unsere inneren Motive und Gefühle nicht in höchstes Streben verwandeln? Trotz unserer Arbeit in der vom großen Lehrer aufgezeigten Richtung wird der Turm unzugänglich bleiben. All das klingt so kompliziert und schwierig, und dabei ist alles so leicht und einfach. Wenn das Herz in Liebe und Begeisterung für den Lehrer sowie für die Schönheit und den Atem der Lehre des Lebens entflammt ist, könnten diese Funken so leicht zu einer Flamme unersättlichen Strebens angefacht werden, die uns über alles emporträgt. Das müßt Ihr anstreben, meine Freunde!

       Ist es so schwer, wenn Ihr das Bild der Schönheit vor Euch habt? Ist es nicht die höchste Freude, Euch ganz dem Dienst am Allgemeinwohl hinzugeben? Was man dadurch erreichen kann, ist wunderbar, und es gibt keine Grenzen! Doch alle Möglichkeiten, die ganze Freude daran, liegen in uns selbst. Niemand kann mehr aufnehmen, als er fassen kann – sonst kommt es zur Vernichtung. Die Gesetze des Kosmos sind unumstößlich und unveränderlich. Die höchste Freude für den einen vermag in einem anderen heftige Qualen auszulösen, wenn keine Angleichung stattfindet. Das müßt Ihr verstehen. Die Strahlen, die uns der Lehrer in der höchsten Freude Seines Geistes sendet, werden in uns Qualen hervorrufen und können sogar unseren Organismus zerstören, wenn wir nicht auf ihren Empfang vorbereitet sind. Darüber müßt Ihr Euch klar werden, meine Lieben, und gewährt den Strahlen des großen Lehrers Einlaß. Jeder Strahl im Kosmos kann entweder schöpferisch oder zerstörend wirken. Alles hängt von der Wechselwirkung und der Assimilation ab, ”denn der Mensch als Teil des Kosmos unterliegt all seinen Gesetzen”.

       Ich möchte aus dem Buch ”Unbegrenztheit” zitieren: ”Die kosmische Schöpfung nutzt alle Lebensimpulse und setzt an den Hebeln des Lebens an. Von allen Impulsen ist Einheit, die alle Erscheinungen des Lebens enthält und durch die die Verbindungen des Lebens geschaffen werden, der stärkste. Warum wendet man diesen Grundsatz nicht im Leben an? Wenn Einheit mit Differenzierung kämpft, kommt es zu einer heftigen Explosion, die Bruchstücke der Explosion werden oft weit davongetragen, und diese Teilchen verlieren ihre wechselseitige Anziehungskraft. So verursacht der Mensch durch Abweisung der Kräfte, mit denen er karmisch verbunden ist, eine mächtige Explosion. Das Gesetz kann nur durch Vereinigung etwas hervorbringen. Das Element der Anziehung ist ein Kennzeichen des Wegs für alle Antriebsenergien. Die Brüder der Menschheit bestimmen den Weg für alles, was sich durch Evolution behauptet. So erweist sich die Anziehungskraft als das Gesetz des Seins. Diese kosmische Kraft der Vereinigung untermauert die Macht der Kosmischen Vernunft.” (Unbegrenztheit II, § 7 und 8)

* * *

       Laßt mich mehr zitieren: ”Betrachten wir die Auflehnung eines Schülers. Wenn der Schüler seine Auflehnung gegen die Schenkende Hand des Lehrers verbirgt, so ist dies, als ob er eine Handvoll Steine verbergen würde. Wir sollten einen solchen Schüler daran erinnern, daß der Zorn auf ihn zurückkommen wird. Wenn der Schüler, der seine Opfer zählt, sich der Schenkenden Hand zuwendet – wie groß wird sein Mangel sein! Der Schüler, der sich für wichtiger hält als den Guru, bricht die Verbindung mit dem Lehrer ab. Durch das Aufzählen seiner Opfer hat der Schüler bereits einen Lohn erhalten. Es ist unwürdig, die eigene Wichtigkeit zu betonen. Aufgrund seiner leichtfertigen Bemerkungen kann man annnehmen, daß seine Auflistung unvollständig ist. Wenn diese Schulden nicht ausgelebt werden, wird die Reise lange dauern. Eigendünkel ist eine Pest! Man kann seine eigene Unzulänglichkeit bedauern, doch die Auflehnung gegen die Schenkende Hand gleicht einem Pfeil, der gegen den Schild geschleudert wird. Die Säulen der Lehre stützen die Taten! Daran wollen wir denken!”

       Über die Hierarchie wird richtigerweise gesagt: ”Gewiß, die Lebensspirale baut nur auf diesem Prinzip auf. Die Schaffenskraft des Lehrers zeigt sich auch in ewiger Bewegung. Deshalb muß die Sättigung eines Schülers durch die Schaffenskraft des Lehrers überwunden werden. Der Schüler, der seine Errungenschaften aufzählt, überschreitet die Grenzen der Wahrheit. Deshalb sage Ich, daß die Hierarchie der einzige Schild ist. Deshalb muß der Schüler, der seinen weichen Sessel mehr schätzt als den Thron seines Lehrers, an die Schenkende Hand denken. Es kränkt Mich, wenn sich der anmaßende Schüler hochmütig verhält. Wir betrachten Hochmut gegenüber dem Lehrer als das Höchstmaß an Eigendünkel. Daran möge der Schüler bei all seinen Schritten denken.” (Unbegrenztheit II, § 27)

       Jemand wundert sich und meint, ob nicht vor allem die Ergebnisse zählen? Meine Antwort lautet: ”Kann er diese bereits aufzählen?” Das Aufzählen könnte den Erwartungen nicht entsprechen.

       Verwahrt die Euch durch den erleuchteten Geist anvertrauten Schätze gut und sät die Saat der geistigen Schaffenskraft, indem Ihr aufwärtsstrebt und die Bedeutung der großen Gabe erkennt. Das Ergebnis hängt vom Streben ab, das geistige Schaffenskraft verleiht.

       Jemand könnte durch die Schärfe dieser Ausführungen verärgert sein. Doch darf ich fragen, ob es möglich ist, daß dieser auf der ersten Stufe des Rufs stehenbleibt, wenn so viele angenehme Dinge geboten werden? Befinden wir uns noch im Stadium der Kindheit, wo die rettende, doch bittere Medizin in mit Schokolade überzogenen Pillen verabreicht wird? Mut und Geduld müssen aufgebracht werden, um die alte Hülle abzuwerfen und als freudvoller, leuchtender Geist wiedergeboren zu werden. Wir alle haben die Stürze des Geistes erlebt. Diese sind fast unvermeidlich, doch man sollte sie aufmerksam verfolgen, denn es ist gefährlich, wenn der letzte Sturz tiefer ist als der vorhergehende. Es wird schwer sein, sich wieder zu erheben, und vieles wird verlorengehen.

       Lauschen wir der Stimme unseres Herzens. Möge uns das Herz sagen, was für große, liebende Herzen in der Festung des Lichts leben und wie sich Unerreichbarkeit für das strebende Herz in den stärksten Magneten verwandelt. Nichts kann dieser Anziehungskraft entgegenstehen, wenn der Geist seine inneren Feuer umgewandelt hat.

       Ihr seid mir alle so teuer, und ich würde so gerne Euch alle um mich haben, um Euch ein freundliches und aufmunterndes Wort zuzuflüstern und mit Euch allen in der Freude an der unbegrenzten Lehre zu wachsen.

       Oft erreichen mich Eure Rufe. Ich fühle, daß es nicht leicht für Euch ist, doch um so größer wird der Sieg sein. Mein Herz spricht und ruft oft, weil die große Arbeit vor uns liegt. Erleichtern wir sie uns, indem wir die Gebote der Lehre befolgen. Ich kenne Eure Entschlossenheit und Eure Ergebenheit, doch alles kann verfeinert werden, und darin liegt die Freude unserer Existenz.

       Für einen starken Geist offenbart sich die schwere Zeit als der kürzeste Weg. Heißen wir alle Schwierigkeiten willkommen. Uns ist Freude beschieden, doch es ist notwendig, den Angriffen der finsteren Kräfte zu widerstehen. Denken wir daran, daß ”Wille und Energie die Beherrscher des Karma” sind. Richten wir unsere Willenskraft auf die Umwandlung unserer Feuer. Ziehen wir das reine Feuer des Raumes an! Mit dem reinen Feuer kommt die ganze Freude. Denken wir daran, daß der Geist des starken, reinen Feuers die Eigenschaft der Vereinigung besitzt. Wo keine Vereinigung in Erscheinung tritt, fehlt das reine Feuer; doch nur reines Feuer führt zum Turm.

       Meine Liebe und meine Unterstützung sind in dieser schweren Zeit des geistigen Ringens bei Euch. Ihr seid in ständiger Obhut, zweifelt nicht daran. Jeder Schüler ist dem Lehrer wichtig. Jede Regung Eures Herzens findet Widerhall im Großen Herzen. Nicht immer können die ausgesandten Strahlen Euer physisches Bewußtsein erreichen, doch in jeder Minute vertreiben und vernichten sie so viele fremde Funken um Euch. Unterstützt diese unschätzbaren Botschaften durch Euer Streben, durch Eure bewußte, bemühte Haltung ihnen gegenüber. Sie werden vom Vollkommenen Herzen und von der Vollkommenen Vernunft gesandt.

       Habt Ihr Euch von der völligen geistigen Armseligkeit und der Zweifelhaftigkeit der Offenbarungen des ”geistigen Auftrags” in den meisten Medien überzeugt? Jeder hat nur in seinen Bereich Einblick, nicht mehr und nicht weniger. Sucht Ihr bei einem Menschen Wissen, nur weil er das Alphabet kennt? Sucht die Aufspeicherung des Kelches oder die große Synthese! Ihr besitzt das Höchste. Überlastet Eure Aura nicht durch den Kontakt mit unvollkommenen Bereichen.

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17. Dezember 1929

       Ich zitiere für Euch eine Seite aus dem Buch ”Unbegrenztheit”. Diese Zeilen, die die enge Verwandtschaft zwischen den sieben kosmischen und menschlichen Erscheinungen beschreiben, werden Euch helfen, über die Bedeutung der Ereignisse nachzudenken.

       ”Nur in Anspannung, nur wenn alle Saiten schwingen, kann die kosmische Aufgabe erfüllt werden. Nur wenn die Aufgabe in gespannter Form verrichtet wird, kann das Vorherbestimmte stattfinden. Wenn die Fundamente des Kosmos das Firmament durch ihre Anziehung stützen, kann das Firmament standhalten. Doch wenn die Fundamente die gegenseitige Anziehung verhindern, bebt die Kuppel aufgrund des Ungleichgewichts; so können die Fundamente das Werk entweder untermauern oder zerstören. Die Grundlagen können immer die verschiedensten Energien vereinen. Der Kosmos lenkt seine Energien entsprechend der Polarität. Negative und positive manifestieren die Verbindungen.” (Unbegrenztheit I, § 322)

       Denkt über den tieferen Sinn dieser Ausführungen nach und verhindert nicht die wechselseitigen Anziehungen, beschwört nicht die Erschütterung der Fundamente. Wie könnt Ihr die Folgen des Bebens abschätzen? Bei einer Teilexplosion kann man ein neues Fundament sorgfältig aufbauen, doch oft trifft eine einfache Explosion durch ihre Detonationskraft die nächsten Explosionsherde. Überall herrscht das große Gesetz der Entsprechung und Gleichartigkeit.

       Auch solltet Ihr daran denken ”zu verhindern, daß sich nützliche Kräfte in das Rasseln von Skorpionen verwandeln”. (Gemeinschaft, § 261)

       Die Möglichkeit wurde vor langer Zeit vorhergesehen, und es wurde eine Warnung geschickt. Wir müssen lernen, die Hinweise zu deuten. Wir wollen von der Bedeutung der gegenwärtigen Zeit durchdrungen werden. Jeder Leichtsinn grenzt an ein Verbrechen.

       Wenn wir den begrenzenden Begriff ”Ich” durch das mächtige, schöpferische und freudvolle ”Wir” ersetzen, werden alle Möglichkeiten und der Reichtum des Geistes in ungeheurem Maße aufblühen; unsere Kraft wird sich außerordentlich verstärken. Die Menschen fürchten den Begriff ”Wir”. ”Ich” kann immer überprüft werden, während das ”Wir” unbekannt und deshalb bedrohlich ist.

       Die große Zeit, die vor langer Zeit vorausgesagt worden war, ist gekommen. Fühlt Ihr sie nicht in der starken Spannung kosmischer und menschlicher Explosionen? Die ganze Erdkruste erbebt, und ein großer Wandel kommt auf uns zu. Diesmal ist es nicht der verhältnismäßig harmlose Schweif des Kometen, sondern es sind unsere eigenen Ausstrahlungen, die durch ihre Dissonanz mit den sich nähernden, höheren, feurigen Energien eine unerwartete Veränderung hervorrufen können oder vielmehr hervorrufen werden. Es ist gut, während solcher Perturbationen auf dem festen Felsen zu sein, auf den bereits hingewiesen wurde, unter dem Schirm von Dukkar. Unsere Aufgaben werden unter diesem Schutz alle Platz finden!

       Ein weiterer Hinweis: ”Wenn ihr eine neue Stufe schafft, wenn Uranus die sechste Rasse sammelt, dann ist es notwendig, von der bestätigten großen Zeit erfüllt zu sein, und alle störenden Sorgen sollten abgelegt werden.”

       Wir müssen alle Lieben, die im Geiste verbunden sind, willkommen heißen; doch alle Zerstörenden, die Trennung bringen, müssen entweder vertrieben oder auf ihren Platz verwiesen werden. Wir arbeiten und schaffen nicht zur Selbstverherrlichung, auch nicht für individuelle Persönlichkeiten, sondern für das umfassende Allgemeinwohl.

       Und so denkt an die nie dagewesene, schöne und bedrohliche Zeit. Keine Minute sollte verlorengehen! Stärkt die Einheit mit all Euren geistigen Kräften und verbannt den kleinlichen Begriff ”Ich” aus Euren Gedanken.

       Alle Saiten meines Herzens schwingen für Euch; möge jeder die für ihn klingende finden.

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11. September 1929

       Die Leute werden mit Fragen und Andeutungen über verschiedene psychische und mediumistische Phänomene an Euch herantreten, die sie als Erscheinungen des AGNI YOGA ansehen. Deshalb will ich versuchen, durch Zitate aus den Gesprächen und Büchern der Lehre den Unterschied zu erklären:

       ”Der Geist des Agni Yoga verbindet uns mit den höheren Sphären und den Strömen des Kosmischen Magneten. Die Eigenschaft des Feuers wird durch die Spannung des Magneten verstärkt. Der Magnet des Geistes bestimmt die Stufe, die sich offenbaren kann. Das gleiche Prinzip lenkt die Entflammung der Zentren.”

       ”Der Geist, dessen Bewußtsein sich auf den niederen Ebenen befindet, kann die Feuer der höheren Zentren nicht entzünden. Nur das Höchste zieht das Höchste an; deshalb werden dort, wo es nur physisches Streben gibt, auch eine entsprechende Empfänglichkeit und ein entsprechendes Ergebnis vorhanden sein. In der herannahenden Epoche des Agni Yogi ist es erforderlich, das Prinzip gewaltsam gesandter Botschaften zu kennen. Auch in der Natur herrscht eine unmittelbare Übereinstimmung, die ihre Grenzen hat. Nur das Feinste kann das Feinste in sich aufnehmen, das ist das Prinzip des Magneten. Genauso wie das Prinzip der feinen Energien für den höchsten Agni Yogi charakteristisch ist, entsprechen der physischen Aufnahmefähigkeit entsprechende Manifestationen. Alles, was erzwungen wird, alles, was besonders grob ist, alles, was sich physisch offenbart, steht hinter dem feinen Prinzip zurück.” (Unbegrenztheit I, § 217)

       ”Ein Agni Yogi besitzt das höchste Gleichgewicht; die sich selbst außer acht lassende Schaffenskraft seines Geistes bewirkt das Gleichgewicht der universellen Entsprechung, und infolgedessen enden Unausgeglichenheit und Disharmonie der Zentren im Gleichgewicht. Die Lehre nimmt auf diese feinen Unterschiede oft Bezug. Um die nächste Stufe zu erreichen, muß man daher die Unausgeglichenheit der niederen Erscheinungen und die Schönheit höchster Harmonie verstehen. Das Wesen eines Agni Yogi ist so hochstehend, daß der Vergleich mit einer mediumistischen Manifestation einem schmutzigen Wassertropfen in einem feurigen Kelch gleicht. Hervorzuheben ist, daß das Verstehen der höheren Feuer uns zu den reinen, feurigen Höhen führt.” (Unbegrenztheit I, § 221)

       ”Der Agni Yogi sammelt eine neue Rasse. Er arbeitet in den höheren Sphären und zieht die Geistträger einer neuen Rasse an. Die feurigen Erscheinungen eines Agni Yogi erfüllen ihren Zweck auf dieser Erde genauso wie in den höheren Sphären. Daher stellt der Agni Yogi das verbindende Glied zwischen den Welten dar.” (Unbegrenztheit I, § 206)

       ”Das Bewußtsein der Menschen muß die feinen Unterschiede in den Werkzeugen, mit denen der Mensch für verschiedene Zwecke ausgestattet wurde und die durch die Triebkraft der Evolution verstärkt wurden, begreifen. Wenn wir von der Transmutation der Feuer sprechen, sollte dies als Bestätigung der stärksten Feuer des Kosmischen Magneten verstanden werden. Nur wenn die Menschheit die ganze schöpferische Geisteskraft eines Agni Yogi versteht, kann man sagen, daß all seine Zentren vibrieren, da sie auf das kosmische Geschehen reagieren. Das menschliche Aufnahmeorgan für visuelle Eindrücke kann mit der Manifestation, die jeden Atemzug des Kosmos wiedergibt, nicht verglichen werden. Deshalb mögen alle, die Agni Yoga anstreben, die geöffneten Zentren klar verstehen.” (Unbegrenztheit I, § 212)

       ”Das Medium hat keine geöffneten Zentren, und sein psychisches Auge hat keinen Zugang zu den höheren Welten. Die Menschheit hat von der Macht eines Mediums eine falsche Vorstellung, und Wir sind oft betrübt, wenn Wir sehen, wie die Menschen sich von durch Psychiker hervorgerufene Erscheinungen irreführen lassen. Physische Materialisationen wirken so anziehend wie ein Magnet.” (Unbegrenztheit I, § 106)

       So sind es durchwegs, wenn man so sagen kann, die niedersten Zentren des Mediums, die durch ihre Spannung wirken. Oft wird dieses Phänomen erzwungen, weshalb es nicht zur Öffnung der Zentren führt, sondern nur zu einer vorübergehenden Reizung. Doch die Feuer des Agni Yogi sind auf die Entflammung der höchsten Zentren, die wirklich geöffnet sind, zurückzuführen.

       Genaugenommen gibt es keine niederen Zentren, und der hochstehende Agni Yogi hat seine ”niederen” Zentren durch die feinsten Feuer transmutiert. Doch diese Transmutation findet nach der Entflammung der höchsten Zentren statt, und dann sind alle ”niederen” Zentren dem Sonnengeflecht untergeordnet. Wir müssen auch daran denken, daß die Qualität dieser Feuer immerzu der Vervollkommnung zustrebt, genauso wie alles andere im Kosmos. Doch ein Prinzip beeinflußt den Agni Yogi wie kein anderes – das Prinzip der Synthese. Die Feuer ohne die Synthese des Kelches zu entflammen ist unmöglich. Mithilfe dieses Prinzips kann man die Qualität der Feuer bereits bestimmen.

       Das ist das Hauptmerkmal, mit dem Ihr die Offenbarungen der Entflammung der Zentren von den niederen psychischen Manifestationen unterscheiden könnt. ”Ein Agni Yogi trägt die Synthese des Kelches – darauf soll Euer Urteil beruhen.” Füllt Euren Kelch mit dem Bewußtsein der Schönheit, mit dem wahren Wissen der Weisheit der Lehre des Lebens und verwahrt diese Schätze in Eurem Herzen; denkt daran, daß das Herz ein starker Magnet ist, der alles Wissen, alle Möglichkeiten und Errungenschaften anzieht. Ihr solltet auch daran denken, daß bei den Manifestationen eines Agni Yogi nichts erzwungen wird, denn der Agni Yogi erarbeitet sich alles selbst. Er selbst transformiert seine Feuer durch die Kraft des Geistes. Der Lehrer gibt die Anweisungen der Lehre für die Erweiterung des Bewußtseins, doch der Schüler muß sie anwenden. Der Lehrer wacht über den Vorgang der Entflammung und schützt die Zentren mit Schichten aus Soma, wenn die Entflammung in einen Großbrand auszuarten droht. Doch wenn der Geist des Schülers nicht mitwirkt, ist keine Transformation möglich.

       Natürlich solltet Ihr mit Euren Antworten sehr vorsichtig sein, besonders bei den Erklärungen, weil man immer an den vom Lehrer erläuterten Grundsatz denken sollte: ”Die Antwort muß wie der Strahl eines Arztes sein, nicht wie ein Sargnagel.” (Agni Yoga, § 37)

       Man darf sich nicht einmischen und muß die jeweilige Bewußtseinsebene des Menschen in Betracht ziehen. Durch sorgfältige Erweiterung des Bewußtseins des Betroffenen kann man wirkliches Verständnis erreichen; doch das ist oft ein sehr langwieriger Prozeß, und man muß die gleiche Geduld aufbringen, die der Große Lehrer uns gegenüber zeigt. Am Anfang bedarf jeder der Ermutigung und der Erkenntnis seiner eigenen Fähigkeiten. Es ist so einfach, jemanden abzuschrecken, aber viel schwieriger ist es, jemanden zu halten, und der große Lehrer verlangt von uns, die Neuankömmlinge festzuhalten. Darüber hinaus mag ein Geist mit großen Aufspeicherungen oft für bestimmte Zwecke einen mediumistischen Aufbau des Organismus erhalten haben, doch durch die Entwicklung eines starken Willens kann er mit der Hilfe des Großen Lehrers die unbewußten Manifestationen überwinden und sie seinem Willen unterordnen; das ist jedoch nicht leicht.

       Wir erleben eine schwierige Zeit, doch wir werden uns mit Freude an sie erinnern, denn nur Handlungen, die mit Schwierigkeiten verbunden sind, lassen Stärke entstehen. Auch die Technik eines Musikers kann nur durch ständiges Üben entwickelt werden, nach dem alle Finger schmerzen.

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1930

15. Januar 1930

       Manchmal möchte ich so gerne physisch bei Euch sein, damit ich die Freude Eurer schöpferischen Anspannung teilen kann. Ihr wißt bereits, daß Möglichkeiten angezogen werden, wenn alle Kräfte angespannt sind. Dieses Gesetz herrscht im ganzen Kosmos. Und wir haben auch bereits gelernt, die Hindernisse liebzugewinnen, und wir wissen, daß ”die Hindernisse, die den Geist schwächen, Versagen zur Folge haben, während die Hindernisse, die das ganze Feuer des Geistes für den Kampf aktivieren, als schöpferische Kraft wirken”. Eine alte Weisheit besagt: ”Heißt den Tag des Kampfes willkommen; geht den Hindernissen nicht aus dem Weg.” Wer ausweicht, weicht zurück und findet keine Rettung. Wer sich nicht fürchtet, an der ewigen und unendlichen Bewegung teilzunehmen, kann die Rolle eines Kämpfers übernehmen. Die Bereitschaft, der unbeugsame Rhythmus werden ihn in den strahlenden Kosmos vordringen lassen. Merkt Euch: ”Furcht und Zögern sind Hemmschwellen für den Geist.” (Unbegrenztheit I, § 40)

       Wir müssen uns an den ständigen Kampf gewöhnen und versuchen, ihn liebzugewinnen. Jedes Atom im Kosmos kämpft! Wenn ein Sieg errungen wurde, müssen wir für den nächsten, noch größeren bereit sein; denn im Verhältnis zur Erweiterung unseres Bewußtseins wachsen auch unsere Taten, und der Kampf weitet sich aus und beinhaltet mehr Verantwortung. Im ganzen Kosmos findet der endlose Kampf statt, und wir alle sind daran merklich oder unmerklich beteiligt. Es wird Zeit für diese Erkenntnis, denn durch sie und die Stärkung unseres Geistes werden wir wirkliche Sieger werden. Geführt durch die Hohe Weisheit, die uns die Richtung weist, werden wir alle Abgründe überqueren! Und ohne durch die Vision geblendet zu sein können wir freudvoll und leuchtend in die Zukunft blicken. Wer ist noch so glücklich, das von sich sagen zu können! Werdet Euch des Vorteils bewußt, mit dem Euch dieses Wissen ausstattet! Welche Sicherheit wohnt all unseren Taten und Entscheidungen inne! Ist es nicht wunderbar, dem aufgezeigten Ziel entgegenzuschreiten, die Ereignisse klar erkennen zu können und zu wissen, daß unser Ziel in maximaler Bewußtseinserweiterung besteht, um dem Allgemeinwohl optimal dienen zu können?

       Die bedrohliche Zeit ist ganz nahe. Leuchten nicht schon heiße Blitze auf und brechen nicht schon die unheilvollen Boten des sich entzündenden, unterirdischen Feuers durch? Und wir, die davon wissen, müssen unsere inneren Feuer möglichst schnell transmutieren, um uns dem nahenden Feuersturm anzupassen, denn nur so können wir uns im Kampf behaupten; dies wird uns der Hierarchie des Lichts näherbringen und helfen, den Kelch zu füllen. Wir wollen all unsere Energien transmutieren. Wir sollten mit den widerspenstigsten beginnen: Egoismus (dieser ungestüme Drache der Selbstsucht mit seinem langen Schweif), Eigendünkel, Machtgier, Eigenliebe, Empfindlichkeit, Gereiztheit, Furcht, Zweifel und ähnliche Eigenschaften. Wir sollten diese durch die Flügel verstärkter Einheit ersetzen, durch völlige Solidarität mit allen Mitarbeitern, Anerkennung der Hierarchie, freudvolle Anstrengung bei der Bewältigung der erteilten Aufgaben, Toleranz und Dankbarkeit für die richtigen Hinweise. Wir sollten vertrauensvoll bis ans Ende gehen. Diese ganze Transmutation wird wesentlich erleichtert, wenn das Herz aus Hingabe und Liebe zu dem Einen entbrennt, der zum Aufbau ruft und den Weg zum Turm weist.

       Möge jeder sich selbst kreuzigen; möge er sich streng beurteilen und zu allen Mitarbeitern rücksichtsvoll sein. Es ist wichtig, nur sich selbst zu kreuzigen! Wir werden uns sehr schnell weiterentwickeln, wenn wir uns selbst gegenüber so streng sind. Wenn jemand etwas, was ihm anvertraut wurde, nicht vollendet, stellt ihn nicht bloß, sondern vollendet es nach Möglichkeit selbst. Und ich bitte Euch, kritisiert einander nicht. Durch das ständige Wiederholen von Verurteilungen werden sich Verhärtungen am Gehirn bilden, und wie kann sich dann das Bewußtsein erweitern? Jede freie Minute muß für sinnvolle Taten genutzt werden, für die Erweiterung des Schatzes, für die Beschäftigung mit der Lehre, die noch immer so wenig verstanden und angewendet wird. Jede Zeile beinhaltet so viele Fragen und Vergleiche und sollte sofort im Alltag umgesetzt werden. Und was wird befolgt? Der Lehrer will uns vereint sehen, will uns als ein Herz sehen, als einen Geist, einen Organismus. Wenn ein Teil des Organismus krank ist, erfüllt der gesunde Teil dessen Werk und gibt damit den kranken Organen Gelegenheit zu genesen. Ihr müßt genauso handeln.

       Es heißt: ”Wir stellen die beste Rüstung zur Verfügung; wenn man die alten Gewohnheiten nicht durch eine leuchtende Rüstung ersetzen will, bleibt der Weg zum Turm versperrt! Es ist notwendig, die bedrohliche Zeit zu erkennen und nicht in den alten Gewohnheiten zu verharren.” Es tut mir weh, dies zu schreiben, doch ich fühle, daß es notwendig ist, sonst könnte etwas geschehen, was nicht wieder gutgemacht werden kann. Oberflächlich gesehen mag alles erscheinen, wie es war, doch was nicht gesehen und nicht ersetzt werden kann, wird verschwinden. Die Sorge des Lehrers ist so offensichtlich, und mein Geist kennt und sieht die Struktur des Geistes der Mitarbeiter. Wer wird als Erster aus diesem schmerzvollen Kampf hervorgehen?

       Denkt daran, es gibt keinen anderen Weg. Wenn der Geist zu langsam erwacht – wird es dann nicht schrecklich sein, vor verschlossenen Türen aufzuwachen? In der geistigen und auch in der feinstofflichen Welt sind die Gesetze noch strenger und unveränderlich; die Grenzen der Beziehung sind ganz beträchtlich feiner als auf der physischen Ebene, weil dort die große Auswahl stattfindet. Schöpft Kraft aus diesen Ausführungen; tötet mutig Eure Begierden ab, im Bewußtsein der kurzen Zeitspanne, die verbleibt.

       Ich will dazu aus dem Buch ”Unbegrenztheit” zitieren:

       ”In der kosmischen Schöpfung werden die Energien in größter Anspannung verbunden. Die Verbindungen der vereinten Energien vervielfachen sich mit der Intensität der Spannung. Die Synthese der Spannung wird durch die Kraft der höheren Feuer verstärkt. In der gesamten kosmischen Schöpfung kann das Gesetz der Spannung neue Kombinationen schaffen. Steigt die Spannung, werden neue und andersartige Energien angezogen. Wenn die Energien, die in der Verbindung des Magneten vereint sind, wesensgleiche Ströme anziehen, kann eine Harmonisierung der Energien erreicht werden. Doch wenn sich die Energien in verschiedene Richtungen bewegen, wird die Energie des Magneten verschwendet. Ähnlich verhält es sich mit den Taten der Menschen.” (Unbegrenztheit I, § 374)

       ”Warum wird der Geist der Menschheit von disharmonischen Strömen angezogen? Die Ströme, die zum räumlichen Feuer hingelenkt werden, können natürlich eine bessere Formel ergeben, doch diese Formel muß selbständig geschaffen werden. Initiative ist die Grundlage für aufbauende Tätigkeit. Wenn der Geist seine Saat findet und die ihn umgebenden Hüllen erkennt, kann man die Schönheit des Kosmos begreifen. Die Schale, die sich um den menschlichen Geist legt, versperrt den Weg zur Bejahung. Deshalb müssen Unsere Mitarbeiter wissen, daß diese Schalen für Uns nicht notwendig sind. Man muß einsehen, daß es unpassend ist, das geistige Gewand wie ein Schale zu zeigen, wo wir so sehr den Glanz des Gewandes der Mutter der Welt ehren. Denkt daran und strebt dem Lehrer zu! Nur so werdet Ihr Erfolg haben. Die eigenständige Aktivität der Zentren ähnelt einer aufsteigenden Spirale.” (Unbegrenztheit I, § 375)

       Legen wir alle Hüllen ab. Zeigen wir Initiative, streben wir nach verfeinertem Denken, und wir werden Erfolg haben! Auf Qualität in allem zu achten ist die vordringlichste Pflicht. Das Hohe und das Niedere unterscheiden sich nur in der Qualität und sind sich sonst sehr ähnlich.

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24. Februar 1930

       Nur ein unentwickeltes Bewußtsein kann durch die Autorität des Guru beunruhigt werden. Denn was bedeutet die Autorität des Guru anderes als die Autorität des Hierarchen? Die Autorität des Hierarchen bedeutet nicht Herrschaft über die Bestrebungen alles Niederen. Die Autorität des Hierarchen oder des Guru ist keine Tyrannei; diese Autorität ist höchstes Wissen. Es heißt: ”Der Hierarch setzt seine Macht für den kosmischen Fortschritt ein. Wir Brüder der Menschheit besitzen diese Macht des Wirkens im Einklang mit dem Kosmischen Magneten.” (Hierarchie, § 23)

       Der Hierarch und der Guru sind jene erfahrenen Steuermänner, die während eines heftigen Sturms das ihnen anvertraute Boot durch alle gefährlichen Stromschnellen führen; an allen Felsen zieht das Boot vorbei, in dem wir als ”kostbare” Ladung alle unseren Platz haben. Vergessen wir das nicht; weisen wir die Hand nicht zurück, die sich uns in rettender Führerschaft entgegenstreckt! Macht und Herrschaft sind zwei verschiedene Dinge. Herrschaft ist die niederste Form des Bewußtseins, weil sie ängstlichem, alles ausschließendem Egoismus entspringt, während die durch das höchste Wissen gesegnete und durch das Herz gestärkte Macht das höchste Opfer darstellt. Erinnern wir uns an das Buch über das ”Opfer”. Das Herz wurde immer als das Symbol des Führers angesehen.

       Versucht, die Macht der Freude in Ergebenheit und Liebe zur Führenden Hand in Eurem Herzen zu fühlen. Das Wissen des Geistes und des Herzens bestätigt mir, daß Ihr keinen größeren Freund und Führer habt.

       Wir sollten erkennen, wie gering all unsere Opfer – wenn es solche gibt – sind, im Vergleich zur rettenden Kraft und zu dem Wert dieser Gaben. Ein entwickeltes Bewußtsein wird das verstehen. Niemand wird herabgesetzt, alle werden geehrt, der Weg zu den höchsten Errungenschaften steht allen offen, wenn wir nicht selbst diese Möglichkeit wegwerfen. Es gibt Augenblicke bei schwierigen Bergbesteigungen, wo die einzige Möglichkeit im Weitergehen besteht; jedes Zögern würde eine Katastrophe heraufbeschwören. Ein sich lösender Stein kann einen, der zögert, nicht lange halten. Jetzt müssen wir aufsteigen, und der einzige freie Weg ist der Pfad vor uns, ohne Zweifel, ohne Bedauern und ohne die geringe Zahl unserer Opfer aufzuzählen. Jeder Gedanke dieser Art bedeutet eine zusätzliche Last für unsere Beine und erschwert den gefährlichen Aufstieg. Wir brauchen die Flügel der Liebe und des Vertrauens in die Führende Hand, die Flügel der Freude am Großen Dienen. Jede Anwendung der Lehre im Leben wird unsere Last enorm erleichtern.

       Ich bitte Euch von ganzem Herzen, jeglichen Eigendünkel abzulegen, jeden Gedanken, daß Euer Opfer etwas Einzigartiges sein könnte, jeden Gedanken des Zweifels und des Verdachts, denn die Zeit ist so unheilvoll und mit großer Verantwortung verbunden. Dauert der Kampf denn gar so lange? Die Hälfte ist bereits vorbei – und eigentlich hat niemand dabei etwas verloren. Die Zukunft ist so schön und großartig. Mögen Eure Namen unter den großen Mitarbeitern der Evolution zu finden sein. Was kann besser und schöner sein als die Arbeit für das Allgemeinwohl und die Kultur der Völker!

       Nun einige Absätze (§ 48 - 51) aus dem Buch ”Unbegrenztheit II”: ”Die große Einheit herrscht im Kosmos wie ein mächtiges Gesetz. Nur jene, die diesem Gesetz gehorchen, können an der kosmischen Zusammenarbeit mitwirken. Die Wesenseinheit in allem führt die Menschheit zur Schöpfung. Wenn das Bewußtsein aus der Schatzkammer des Raumes schöpft, dann wird der Kosmische Magnet wirksam. Diese Schatzkammer enthält die Bestätigung der mit Einheit gesättigten Energie. Daher muß jedes Geisteskorn diese Einheit fühlen. Jedes Geisteskorn gehört zur kosmischen Einheit, in der die ganze kosmische Schöpfung enthalten ist. Jeder Mensch, der die Isolation wählt, stellt sich dieser Wahrheit entgegen. Das Gesetz der Einheit ist unveränderlich in all seiner Vielseitigkeit. Nur dieses Gesetz ermöglicht den Aufbau, denn wenn die Anziehung etwas hervorbringt, liegt in der Kraft der Tat Einheit. Alles Vorhandene basiert auf Einheit. Dieses Gesetz ist so mächtig, daß der kosmische Aufbau durch dieses Prinzip aufrechterhalten wird. In all seinen Manifestationen sammelt dieses Gesetz seine Teilchen und vereint alles, was zusammengehört. Dieses großartige Gesetz ist die Krone des Kosmos!”

       ”In der ewigen Schöpfung des Lebens wirkt das Gesetz der Einheit. Die kosmische Schöpfung bewegt sich vorwärts wie ein feuriges Edikt – eine Verordnung, die Einigung bestimmt; ein Erlaß, der ein Berufung beinhaltet; ein Erlaß, der bestimmt, daß das eine durch das andere ersetzt wird; eine Verordnung, die eine Krönung bestimmt; eine Verordnung, die Unsterblichkeit verspricht; eine Verordnung, die jedem Atom Leben einhaucht; eine Verordnung, die das Herannahen neuer Energien vorsieht; eine Verordnung, die die Neue Ära bestimmt. Die Schöpferkraft des Kosmos offenbart sich auf diese Art durch den Magnet des Lebens. Wie ist es möglich, die kosmische Schöpfung zu spalten? Wie kann man zusammengehörende Teile trennen? Wie kann das eine, das aus dem anderen hervorgeht, von seinem Ursprung getrennt werden? Der Kosmos drängt in seiner Sättigung zur feurigen Einigung. Nur der Kosmische Wille kann der Menschheit das Bild der Einheit vermitteln. Dieser Wille übergibt der Menschheit das höchste Bild des feurigsten Herzens! Dieser Wille vereint auf heilige Weise. Deshalb wird dieses Gesetz im Kosmos durch Leben geschaffen. Wo ist das Ende, wenn all die kosmischen Erscheinungen aus dem dualen Ursprung hervorgehen? Wenn der Geist mit den höchsten Sphären in Berührung kommt, wird die kosmische Schöpfung im Gesetz der unbegrenzten Vereinigung enthüllt.”

       ”Der Geist schaudert bei dem Gedanken an den Tod. Doch wenn das Bewußtsein in das Wesen des Seins eindringt, bestätigt sich der Begriff der Einheit. Wenn der Geist erkennt, wie unaufhörlich alle Erscheinungen des Lebens dahinfließen, kann man die Kontinuität all dieser Ketten aufzeigen: die Gedankenkette, die Kette der Taten, die Kette der Wirkungen, die Kette der Bestrebungen, die Kette der Leben. Eine Kette bestimmt von vornherein die andere. Die schöpferische Kraft des Lebensmagneten besteht aus diesen Ketten. Und der Geist sollte nicht beim Gedanken an Tod und Auflösung erschaudern, sondern nur beim Gedanken, diese Kette zu unterbrechen. Wenn man die Menge dieser zerrissenen Ketten im Raum erforschen könnte, würde der Geist entsetzt sein! Wenn sich die große Veränderung vollzieht, können nur jene Erfolg haben, die die Einheit der Evolution akzeptieren.”

       Wir dürfen die Kette, die uns mit der Führenden Hand verbindet, nicht zerreißen. Wie könnten wir sonst an unser Ziel kommen?

       Ein weiterer Auszug aus demselben Buch: ”Die kosmischen Fristen lassen sich durch die unterirdischen und überirdischen Feuer erklären. Dies steht wiederum in Wechselbeziehung mit dem Bereich der menschlichen Taten. Wenn die Frist naht und wirksam wird, kann man immer beobachten, wie im Zusammenhang mit den kosmischen Perturbationen das menschliche Bewußtsein verändert wird. Natürlich verbindet die Unveränderlichkeit des Gesetzes alle Bereiche, und die enge Verbindung aller kosmischen Kräfte wird zur Bestimmung der vernünftigen Tat. So wird die Frist durch alle Ereignisse erfüllt, und sie beschränkt sich nicht nur auf eine Sphäre.” (Unbegrenztheit I, § 397)

       ”Jetzt sind die Feuer aller Sphären sehr angespannt, und die kosmische Entscheidung bringt eine Wendung der Ereignisse. Die magnetischen Ströme üben eine starke Anziehung auf das unterirdische Feuer aus.” (Unbegrenztheit I, § 398)

       ”Wie die Leitung der Elektrizität von verschiedenen Bedingungen abhängt, so macht sich die menschliche Aura bereit, die kosmischen Sendungen aufzunehmen. Wenn die menschlichen Sphären bestimmte Erschütterungen benötigen, dann gibt es entsprechende kosmische Sendungen. Nur jene Elemente, die in die gefestigten Auren eindringen können, vereinen sich mit diesen Sphären. Wenn die Sphäre nach starken Erschütterungen verlangt, kann sie die strömenden Sendungen des Kosmos nicht aufnehmen. Deshalb wird die Finsternis, die den Planeten umgibt, diese Erscheinung nicht ohne das Auftreten von Explosionen zulassen. Diese reinigenden Kräfte werden die Menschheit erleuchten. Die kosmischen Feuer ziehen die bestätigten Fristen an.” (Unbegrenztheit II, § 3)

       ”Die reinigenden Feuer des Universums durchdringen alle Bereiche des Planeten. Die Funken des Feuers verbreiten sich über alle Kanäle des karmischen Wirkens. Wie Vulkane flammen die verstärkten Feuer auf. Die Gewalt des Karma verschiebt und bewegt die Kraft von Hand zu Hand. Der kosmische Strom eilt den reinigenden Feuern zu; und daher der Komet, der durch die Unbegrenztheit rast. Die Spannung der Ströme ist sehr ausgeprägt, und die Wirkung entspricht den Feuern des Planeten. Die Zentren des Agni Yogi nehmen alle kosmischen Ströme auf.” (Unbegrenztheit II, § 4)

       Wie viele Warnungen und Zeichen werden hinsichtlich der sich nähernden, bedrohlichen Zeit gesandt! Doch die Unwissenheit ist groß. Ich erinnere mich, in einer wissenschaftlichen Zeitschrift gelesen zu haben, daß ein nordischer Wissenschaftler die Aktivität der Vulkane erforscht und festgestellt hat, daß der vorhandene vulkanische Gürtel derzeit eine ungewöhnliche Spannung aufweist und alle sogenannten erloschenen Vulkane wieder zu feurigem Leben erwachen. Unerwartete Eruptionen werden an neuen Stellen beobachtet. Die gefährlichsten Strömungen befinden sich auf dem Meeresgrund. Der Wissenschaftler schließt seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß in naher Zukunft eine gigantische, planetare Katastrophe nicht auszuschließen ist.

       Die folgenden Paragraphen aus dem Buch ”Unbegrenztheit” erklären dies zum Teil: ”Würde die Menschheit die Bedeutung der Existenz wirklich verstehen, so würde sie sich den kosmischen, schöpferischen Kräften anschließen. Wie ist es möglich vorwärtszukommen, ohne die ewigen kosmischen Verlagerungen zu erkennen? Nur wenn wir über die Begrenzungen unseres Lebens hinausstreben, wird es möglich sein, die schöpferischen Kräfte des Kosmos wahrzunehmen. Die Mauer der Dummheit hat den Weg versperrt, genauso wie der Nebel der Zufriedenheit. Wer fähig ist, in die Sphären wahrer kosmischer Schöpferkraft einzutreten, wird das kosmische Bewußtsein erlangen.” (Unbegrenztheit II, § 54)

       ”Jene haben recht, die von der Unwissenheit der Menschen sprechen. Wenn die bedrohliche Zeit näherkommt, ist es notwendig, die ganze Kraft für einen großen Schritt aufzuwenden. Die Epoche des Maitreya wurde bereits vorausgesagt, und die Zeichen werden schon verstreut wie feurige Samenkörner. Deshalb wird die bedrohliche Zeit für jene, die dem Kosmischen Magneten folgen, voll Licht sein. Und auch für jene, die sich für die Wichtigkeit der Neuen Epoche einsetzen, wird sich herausstellen, daß die bedrohliche Zeit das Licht der Zukunft in sich trägt.” (Unbegrenztheit II, § 55)

       Doch die Menschen wollen noch immer nicht verstehen, wie unruhig das Leben auf unserem Planeten jetzt ist und wo man die Ursache für die drohenden Gefahren findet.

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24. Juni 1930

       In Ihren letzten Briefen betonen Sie, wie glücklich Sie sind, Verantwortung zu haben, die jedem Mitarbeiter bei der Führung der ihm anvertrauten Abteilung übertragen wird. Die Erkenntnis persönlicher Verantwortung ist ganz richtig, doch würde ich von Ihnen auch gerne etwas über Zusammenarbeit hören. Ich befürchte, daß meine Auffassung von Verantwortung sich von der Ihren etwas unterscheidet. Persönliche Verantwortung hängt nicht nur mit umfassender Zusammenarbeit zusammen, sondern diese Zusammenarbeit oder Mitarbeit ist die Grundlage persönlicher Verantwortung. Der Kosmos ist auf Zusammenarbeit aufgebaut; und der Mensch, als ein Teil und eine Reflexion des Kosmos, kann sich von diesem Gesetz nicht ausschließen, wenn er sich nicht zugrunderichten will. Jede Institution, mit einem Ihrer Mitarbeiter an der Spitze, muß so intensiv wie möglich mit allen anderen Abteilungen oder Institutionen kooperieren. Alle Abteilungen arbeiten nach demselben Plan, und wir müssen darauf achten, daß sie zusammenarbeiten wie die Finger einer Hand, nicht behindernd, sondern helfend und einander ergänzend. Zieht sich eine dieser Abteilungen von dieser Zusammenarbeit zurück, resultiert dies in einer eiternden Wunde, die zur Auflösung führt, wenn nicht rechtzeitig eine rettende Operation durchgeführt wird.

       Wenn Sie meinen, daß Verantwortung Sichzurückziehen und unabhängige Tätigkeit bedeutet, enthüllen Sie ein gut verborgenes Gefühl von Ehrgeiz und Besitzgier. Doch wir wissen, wie all diese Gefühle von sämtlichen Lehren mißbilligt werden. Wenn wir in unserem Inneren das Gefühl des Eigentums in all seinen Formen nicht ausrotten, können wir die nächste Stufe nur schwer erreichen. Es könnte sein, daß sich unser besitzergreifendes Denken nicht nur auf die eigene Abteilung, sondern auch auf unsere Schüler und Bekannten erstreckt und wir uns verletzt fühlen, wenn einer unserer Mitarbeiter auch Interesse an ihnen zeigt.

       Diese Einstellung eines Sklavenhalters entspringt dem Gefühl des Eigentums, und Sie wissen, wie schwer es ist, solche Gefühle auszulöschen. Sind aber solche Atavismen in der Epoche der Mutter der Welt – der Epoche der größtmöglichen Zusammenarbeit – zulässig?

       Die Gesellschaften und Institutionen sind nicht zu unserem persönlichen Aufstieg da. Wir müssen daher, entsprechend dem allgemeinen Plan, für die Entwicklung aller dieser Einrichtungen arbeiten. Indem wir ihre Bedeutung in den Vordergrund stellen, erhöhen wir uns selbst, doch wenn wir hauptsächlich an die Wichtigkeit unserer eigenen Persönlichkeit denken, werden wir die Gesellschaften und Institutionen schwächen und uns selbst vernichten.

       Ich befürchte, daß meine Ausführungen von einigen nicht gerne gehört werden, und ich habe meine Gründe, dies zu glauben. Aber es heißt: ”Die Lehre ist kein Honiglecken und auch kein silbernes Mikadospiel. Sie verlangt eine strenge Kreuzigung des eigenen Selbst und eine angespannte Umwandlung der niederen Eigenschaften durch feinste Feuer. Wie Honiglecken mag sie vielleicht auf den ersten Stufen erscheinen, doch die Lehre erfordert die herben und schönen Blumen der Selbstverleugnung. Jene, die das Honiglecken vorziehen, lassen besser die Finger von der feurigen Speise, die für jene, die Selbstverleugnung gewählt haben, vorbereitet wurde.”

       All die finsteren Winkel müssen erleuchtet und der Staub von gestern hinausgefegt werden. Ansonsten ist es unmöglich, die nächste Stufe aufzubauen.

       Bitte verzeihen Sie meine strengen Bemerkungen. Ich schreibe mit meinem ganzen Herzen. Ich möchte Ihnen helfen und Ihnen ein neues Verständnis vermitteln. Süße Reden schläfern unser Bewußtsein ein und vertiefen unsere Unwissenheit, doch Unwissenheit bedeutet Stagnation und Rückschritt. Bereiten Sie dem Lehrer Freude, geben Sie Ihm Ihren Wunsch zu erkennen, den freudvollen Aufstieg zu begreifen! Betreten Sie diesen neuen Weg mit strenger Selbstbeherrschung. Die Grundlage für die höhere Freude ist Leid. ”Leiden geht der Freude voraus” – denken wir daran.

       Die durch das gleiche Streben vereinten Seelen bilden eine geschlossene Kette. Verbunden durch dieselbe Lehre ist diese Kette unzerreißbar.

* * *

17. August 1930

       Aus ganzem Herzen stimme ich der Anordnung des Lehrers zu, daß es so wichtig ist, eine neue Stufe in Angriff zu nehmen. Was bedeutet diese neue Stufe? – Nicht nur Ausrufe und Begeisterung über die Weisheit und Schönheit der Lehre, nicht nur Beteuerungen der Ergebenheit und ein neues Verständnis, sondern Aktivität, wie sie dem neuen Begreifen der Lehre entspricht. Deshalb wollen wir die Lehre im Leben anwenden, wollen die Hierarchie ehren und mit einer freundlichen und feinfühligen Zusammenarbeit beginnen.

       Wir wollen die uns übertragenen Aufgaben aufmerksam und sorgfältig ausführen; wir wollen uns bemühen, die ganze Großartigkeit des Plans für das Allgemeinwohl sowie unsere eigene Verantwortung zu begreifen. Als Fundament sollen uns alle in den letzten zehn Jahren erhaltenen Bestätigungen dienen. Versammelt Euch und lest sie mit Eurem ganzen Herzen! Jedem ist sein Platz klar aufgezeigt, denn nur auf diese Weise können die größten und besten Ergebnisse erzielt werden. Auch haben einige Mitarbeiter bereits in den ersten Tagen bestimmte Charaktereigenschaften gezeigt, die augenblicklich hätten abgelegt werden müssen. Doch was ist in bezug auf die Erfüllung dieser sinnvollen und und nützlichen Hinweise geschehen? Ist man diesem brennenden Problem nicht mit unverzeihlicher Leichtfertigkeit begegnet? Die Zeit drängt, und nur die ehrliche Anstrengung, unsere Fehler auszumerzen, kann uns auf dem Weg des Dienens voranbringen. Möge jeder in die Tiefen seines Bewußtseins blicken; möge er sein Herz erwecken; möge er sich ernsthaft über alle Motive, die sein Handeln leiten, Rechenschaft ablegen; und möge er augenblicklich damit beginnen, negative Anhäufungen zu beseitigen, denn die Zeit drängt!

       Die Lehre weist auf schlechte Eigenschaften wie Ehrgeiz, Eigendünkel, Selbstsucht, Argwohn und Leichtsinn hin, die unter Mitarbeitern nicht aufkommen sollten, wenn sie das Fundament einer neuen Stufe errichten wollen. Werden wir uns in unserem Herzen bewußt, daß der Lehrer die Tendenz zur Herrschsucht mißbilligt. Wie ich bereits einmal geschrieben habe – Tyrannei und wahre Führerschaft sind Gegensätze. Während ersteres aus der Finsternis entsteht, entspringt letztere dem Licht des Wissens im ewigen Streben nach Vervollkommnung. Herrschsucht ist vor allem gewöhnlich; deshalb verfällt man so leicht dieser Verhaltensweise. ”Herrschsucht ist das Haupthindernis auf dem Weg der Jüngerschaft.” Eigendünkel und Herrschsucht sind untrennbar miteinander verbunden und führen zu geistiger Verarmung und Zerstörung.

       Der Lehrer wendet niemals Gewalt an. Er agiert entsprechend der Intelligenz der Mitarbeiter. Oft sieht der Führer einen kurzen und einfachen Weg zum Erfolg, dessen Einfachheit das Bewußtsein der Mitarbeiter überfordert. Dann wird der weise Führer nicht auf diesem Weg bestehen, sondern, nachdem er die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter abgewogen hat, eine Verhaltensweise wählen, die für die Mehrheit nachvollziehbar ist.

       Nicht Gewaltherrschaft, sondern wahre Zusammenarbeit ist erforderlich. Umfassende Zusammenarbeit steht auf dem Banner der Neuen Ära. Die wichtigste Fähigkeit eines Führers besteht darin, Mitarbeiter mit unterschiedlichster Veranlagung um sich zu sammeln und sie im gleichen Streben zu vereinen. Wird nicht unsere Einigkeit durch unsere Treue zum Lehrer erreicht? Wir wollen daran denken, daß der Lehrer unseren Fortschritt durch großherzige Zusammenarbeit erzielt, nicht durch Gewalt. Mögen weise Zugeständnisse gegenüber dem unentwickelten Bewußtsein in bestimmten Details auch keine völlig befriedigenden Ergebnisse hervorbringen, so werden sie doch zumindest eine vernichtende Atmosphäre aus Gereiztheit und Unstimmigkeit verhindern.

       Für eine gute Zusammenarbeit beim Aufbau einer neuen Stufe ist es unbedingt notwendig, die Bedeutung der Gedanken zu erkennen. Durch Reinigung unseres Denkens im täglichen Leben müssen wir eine bessere Atmosphäre schaffen. Nur auf diese Weise werden wir bessere Möglichkeiten anziehen. In allen Büchern der Lehre sind dieser Frage so viele Abhandlungen gewidmet, doch bis jetzt konnten wir weder die Grundlage unseres Wohlergehens noch die unserer nackten Existenz verwirklichen. Der Kosmos baut auf Gedanken auf. Sowohl Glückseligkeit als auch Zerstörung beruhen auf dem Gedanken. Der Gedanke bringt Leben, doch kann er auch Tod bringen. Wann werden die Menschen das verstehen? Es gibt keinen stärkeren Hebel im Kosmos als den mit psychischer Energie gesättigten Gedanken!

       Der Gedanke ist ein Magnet, und jeder dunkle Gedanke schafft eine Schicht schwerer Fluide, die von ähnlichen Bewußtseinen angezogen und gesammelt werden. ”Freude kann durch einen magnetischen Strom Freude aus dem Raum anziehen.” Denkt daran, daß sich der Gedanke wie ein Bumerang verhält. So wird ein Gedanke, der bewußt an eine Person ausgesendet wird, deren Schwingung mit der des Senders nicht übereinstimmt, verstärkt durch gleiche im Raum schwebende und nach Vereinigung suchende Schwingungen zum Sender zurückkehren. Man kann sich leicht vorstellen, welch zerstörende Wirkung ein Gedanke auf denjenigen hat, der ihn in Bosheit ausgesendet hat. Auch bei einer vorübergehenden Schwäche des schützenden Aura-Netzes durch Krankheit werden die negativen Sendungen das Ringen des Organismus erschweren und auf diese Weise nicht wieder gutzumachenden Schaden anrichten. Wären wir nicht dumm, solch finstere Gedanken zu züchten? Weist jeden unreinen Gedanken von Euch; ersetzt ihn durch einen wohlwollenden Gedanken. Beeilt Euch, den Geist durch ausgedehnte schöpferische Gedanken an die wundervolle Zukunft zu reinigen.

       Auch ist es notwendig, ständig an die vernichtende Wirkung der Gereiztheit zu denken. ”Reizbarkeit macht unser Gefäß brüchig.” (Blätter des Gartens Morya II, § 54)

       Auf das Gift der Reizbarkeit mit all seinen Folgen wird im AGNI YOGA hingewiesen. Dieses Gift verzehrt die kostbaren Ablagerungen der psychischen Energie. Was aber kann ohne die Aufspeicherungen von psychischer Energie erreicht werden? Stumpfheit und Zerstörung werden die Folgen sein. Natürlich steht es jedem frei, sich selbst zu zerstören, doch es ist ein Verbrechen, diese schreckliche Infektion zu verbreiten. Indem wir die Bedeutung des Gedankens und der Gereiztheit beachten, werden wir beginnen, eine wohltuende Atmosphäre zu schaffen.

       Beim Aufbauen der gegenseitigen Beziehungen zwischen den Mitarbeitern dürfen Sie die kleinen Arbeiter nicht vergessen. Der wahre Führer wird stets darauf achten, auch seinen geringsten Arbeiter niemals durch ein Wort oder eine Tat zu verletzen. Nur Verrat muß streng verurteilt werden. Unsere Atmosphäre und alle Möglichkeiten werden beträchtlich verbessert, wenn wir von Freunden umgeben sind. Es wurde schon so oft erwähnt, daß man jedes ergebene Herz schätzen soll und wie wichtig die kleinen Helfer sind, die mit unserem täglichen Leben verbunden sind. Auch die liebevolle Behandlung von Tieren verbessert die Atmosphäre um uns.

       Die Lehre gibt lebensnotwendige und nützliche Ratschläge. Wir müssen uns anstrengen, den uns anvertrauten Schatz der Lehre in uns aufzunehmen. Denken wir an den in der Lehre erwähnten Esel, der mit Korn beladen ist – wir wollen nicht wie dieser sein.

       So viele Enttäuschungen und so viele Fehler hätten vermieden werden können, wenn wir die Lehre und alle Weisungen im täglichen Leben genau befolgt hätten. Indem die Lehre uns das Leben und die Grundlagen des Seins verstehen läßt, führt sie uns, wenn alles Vermittelte ganz bewußt angewendet wird, zur feurigen Läuterung oder Umwandlung unserer Zentren in die höheren Feuer und verleiht uns so den Kelch von Amrita.

       Nur diese feurige Läuterung öffnet den Zugang zum Turm. Doch kann sich diese Umwandlung nur vollziehen, wenn der Geist die Selbstsucht überwunden hat. Es heißt: ”Selbstsucht bringt all die grauen Anhäufungen hervor; deshalb kann mit Sicherheit angenommen werden, daß das transmutierende Feuer uns nicht erreichen kann, wenn Selbstsucht den Geist verfinstert. Wenn unser Geist die manifestierte Kraft seines Kerns mit belastenden Anhäufungen umgibt, weicht er vom Streben ab. Die Lasten sind so schwer, daß der Geist seinen Weg zum Turm verfehlt. Deshalb bewegen sich jene, die diese Tatsache kennen, durch die Umwandlung ihres Egos vorwärts. Wenn der Geist nicht bestrebt ist, seine Lasten auszuleben, zieht er diese Hindernisse an. So entsteht eine Balance zwischen dem Streben und den Folgen. Die Schwingen des Geistes befähigen uns, zu den höheren Sphären aufzusteigen, doch die Last der Selbstsucht zieht uns in die niederen Sphären hinab.” (Unbegrenztheit II, § 125)

       ”Nur jene, die von der Mauer der Selbstsucht umgeben sind, lassen Eigendünkel erkennen. Nur die Beseitigung dieser uns den Weg versperrenden, finsteren Mauer wird uns den ersten Schritt der Transmutation ermöglichen. Wenn das Zentrum des Egos isoliert besteht, wird es der Einsamkeit verfallen. Nur die Zusammenarbeit von Herz und Geist beinhaltet den Schlüssel zur Lehre.”

       Eigendünkel wird durch Unwissenheit genährt; Eigendünkel verschließt alle Wege zum Wissen. Eigendünkel beraubt den Menschen des wundervollen Strebens. Welch bemerkenswerte Erklärungen des Strebens, das den Schlüssel zu allen Toren darstellt, sind in den Büchern der Lehre zu finden.

       Es ist für jeden notwendig, sich Rechenschaft darüber abzulegen, wie und auf welchem Wege er die Prüfungen der letzten Jahre bestanden hat. Denken wir an alle Prüfungen, die jenen auferlegt wurden, die in den ersten Tagen des Rufes der Großen Lehrer mit der Lehre in Berührung kamen. Jeder hatte Gelegenheit, sein Wesen ganz zu offenbaren. Lesen Sie aufmerksam die Briefe über ”Prüfung und Jüngerschaft” in dem Buch ”The Mahatma Letters” an A. P. Sinnett (”Die Briefe der Mahatmas”). Sie sind sehr lehrreich. Ich habe sie bereits erwähnt, doch es ist immer sinnvoll, das Gedächtnis anzuregen. Der Lehrer verfolgt ein System der laufenden Prüfungen. Wie könnten sonst die tief verborgenen Anhäufungen enthüllt werden? Wie können sie durch das Feuer der Ergebenheit und des Strebens verbrannt werden? Der Lehrer wendet viele psychologische Methoden zur Prüfung und Führung des Schülers an. Der eifrige Schüler, der jeden Hinweis des Lehrers schätzt, der streng gegen sich selbst, doch wohlwollend gegenüber anderen ist, wird alle Prüfungen erfolgreich bestehen. Doch wehe dem, der sich in seiner eigenen Wichtigkeit bestätigt und sich als einen Pfeiler der Lehre betrachtet; fürchterlich wird sein Sturz sein!

       Ich möchte Sie auch deutlich vor niederem und gemeinem Mißtrauen warnen. Wer andere verdächtigt, zeigt, daß er selbst ähnlich veranlagt ist. Indem wir mißtrauisch sind, zeigen wir, daß wir die Veranlagung haben, jene Dinge zu tun, derer wir andere verdächtigen. Wir sollten uns schämen, unser Wesen so offen zu enthüllen! Wir wollen dagegen ankämpfen, auch nur die geringste Andeutung einer Gemeinheit aufkommen zu lassen. Wer der Sklave seines Mißtrauens ist, wird jeden verdächtigen. Der König des Geistes sieht in allem das Schöne und ruft so das Beste, was es gibt, ins Leben. Überall wirkt das Gesetz des Magneten.

       Alle Aussagen und Hinweise, die vom Guru kommen, haben eine tiefe Bedeutung. Ohne Ursache gibt es keine Wirkung. Jede Anweisung des Guru bringt, wenn man sie genau erfüllt, gute Ergebnisse, nicht nur in bezug auf die Arbeit, sondern auch für jenen, der die Arbeit ausführt. Durch Ablehnung oder nachlässige Erfüllung berauben wir uns oft unersetzlicher Möglichkeiten. Und später, wenn unser Intellekt gewachsen ist, werden wir erkennen, daß das Versäumte nicht mehr nachzuholen ist, und wir werden voll Schmerz aufstöhnen: ”Die Glückseligkeit war so nah, so leicht erreichbar!” Unerforschlich sind die Wege des Karma, und wir wissen nie, welches Glied, welches Band uns die erhoffte Glückseligkeit bringen kann. Deshalb wollen wir kein einziges Band verlieren, das die weise Hand des Lehrers gewoben hat.

       Laßt uns die dunklen Schatten vertreiben! Sie stehen hinter unserem Rücken und flüstern – und wieviel Glück kann uns dadurch verlorengehen!

       Die meisten menschlichen Fehler und Laster wurzeln im Leichtsinn; daher werden wir, wenn wir dieses große Übel überwunden haben, mit riesigen Schritten der Vollkommenheit näherkommen.

       Eine weitere Bitte: Schreiben Sie Ihre Briefe an mich mit einem Durchschlag, und bevor Sie Ihren nächsten Brief schreiben, lesen Sie den vorhergehenden durch. Auf diese Weise werden Sie das Muster Ihres eigenen Geistes besser verstehen. Dadurch werden in Ihren Briefen weniger Widersprüche und Launen aufscheinen. Und wenn Sie etwas Neues miteinbeziehen, zeigen Sie auf, welche Aktivitäten dieses neue Verständnis bestätigt und verstärkt haben. Ich würde es auch gerne sehen, wenn Sie mehr Fragen stellen würden, wie man Ereignisse richtig verstehen soll, und nicht nur günstige Umstände auswählen würden. Zeigen Sie mehr Aufrichtigkeit und Konzentration, zeigen Sie ein breites Bewußtsein! Beseelt von dem gewiß nicht schlechten, aber falschen Wunsch, mir durch gute Nachrichten Freude zu bereiten, geben Ihre Briefe nicht immer die Wirklichkeit wieder.

       ”Es bleibt zuwenig Zeit, um das Öl in Euren Lampen zu verbrennen.” Bitte erkennen Sie, wie ernst dieser Hinweis ist. Für jene, die sich der Hierarchie des Lichts nicht in diesem Leben nähern, kann diese Verbindung für immer verlorengehen. Sie wissen, wie unangenehm es mir ist, jemandem Angst zu machen, wie sehr mein ganzes Wesen bestrebt ist, nur Freude zu bereiten, doch Sie wissen auch, wie beschränkt unsere Zeit ist.

       Sie dürfen den wundervollen Faden der Verbindung nicht zerreißen – der Sturz würde Sie weit davontragen. Seien Sie guten Mutes und guter Laune, und finden Sie Freude in den rettenden Hinweisen der Hierarchie des Lichts. Denken wir vor allem daran, daß der Magnet des Herzens die mächtigste Kraft ist, um die verschiedenen Energien umzuwandeln. ”Alle Ströme werden durch diesen Magneten transmutiert. Der Mensch wird von diesem Magneten angezogen; und deshalb befindet sich die transmutierende Kraft im Herzen.” (Unbegrenztheit I, § 349)

       Versuchen wir, diese Kraft in uns selbst zu entwicklen. Diese wird uns die höchste Freude am Dasein vermitteln.

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7. Oktober 1930

       Der Gedanke, eine Vereinigung der Frauen aus der ganzen Welt zu gründen, ist mehr als zeitgemäß. In den schweren Tagen des Umbruchs, der menschlichen Uneinigkeit, der Außerachtlassung aller höheren Prinzipien des Seins, welche die einzigen wahren Lebensspender sind und zur Evolution der Welt führen, muß sich eine Stimme erheben, die nach dem Wiedererwachen des Geistes und der Miteinbeziehung des Feuers der Heldentat in alle Lebensbereiche ruft. Diese Stimme muß natürlich die Stimme der Frau sein, die über Jahrtausende den Kelch des Leidens und der Erniedrigung getrunken und ihren Geist in größter Geduld geschmiedet hat.

       Lassen wir nun die Frau – die Mutter der Welt – sprechen: ”Es werde Licht!”, und lassen wir sie ihre feurigen Heldentaten bestätigen. Wie wird dieses Licht sein, und welche ihrer Errungenschaften werden die großen und feurigen sein? Das Banner des Geistes wird erhoben werden, und darauf wird geschrieben stehen: ”Liebe, Wissen und Schönheit”. Nur das Herz der Frau, der Mutter, kann unter diesem Banner die Kinder der ganzen Welt versammeln, ohne Unterschied des Geschlechts, der Rasse, der Nationalität und Religion.

       Die Frau – Mutter und Gattin, Zeugin der Entwicklung des männlichen Genius – kann ermessen, wie wichtig es ist, Gedanken und Wissen zu pflegen.

       Die Frau, die zur Schönheit anregt, kennt die ganze Kraft und die verbindende Macht der Schönheit.

       Die Frau – Trägerin der heiligen Kraft und des Geisteswissens – kann ”die Führende” werden.

       Wir wollen daher, ohne zu zögern, das erhabene Banner der Neuen Ära erheben, der Ära der Mutter der Welt. Möge jede Frau die Grenzen ihres häuslichen Herdes erweitern, um alle Herde der Welt miteinzuschließen. Diese zahllosen Feuer werden ihren eigenen Herd stärken und verschönern.

       Im Wissen, daß Begrenzung zu Zerstörung führt und daß Ausweitung etwas erschafft, wollen wir mit all unseren Kräften die Erweiterung unseres Bewußtseins anstreben, die Verfeinerung des Denkens und Fühlens, um mit dem daraus entstehenden schöpferischen Feuer unseren eigenen Herd anzufachen.

       Laßt uns in das Fundament der Einheit der Frauen das Streben nach wahrem Wissen integrieren, das keine menschlichen Begrenzungen und Einschränkungen kennt. Doch man könnte uns fragen, wie wahres Wissen erlangt werden kann. Unsere Antwort sollte sein: ”Unser Wissen ist in eurem Geist vorhanden, in eurem Herzen. Ihr aber müßt fähig sein, es zu erwecken!”

       Das Streben nach Schönheit dient als Schlüssel dazu. Dieses Wissen liegt in jedem Streben nach Allgemeinwohl; alle großen Lehren der Welt haben darauf hingewiesen. Es offenbart sich in jeder Naturerscheinung.

       Aber weil die Menschheit es verlernt hat, die kosmischen Erscheinungen zu beachten, hat sie den Schlüssel zu vielen Geheimnissen des Daseins verloren, und gerade diese Geheimnisse könnten helfen, die Ursachen für die gegenwärtigen Umwälzungen und das Elend zu verstehen. Während wir die Krieger des Geistes um uns sammeln, wollen wir sie dazu hinführen, dieses verborgene Wissen zu wecken.

       Die Menschheit sollte das majestätische kosmische Gesetz der Entsprechung, das Gesetz des dualen Ursprungs, als Grundlage der Existenz erkennen. Die Vorherrschaft des einen Ursprungs über den anderen hat Unausgeglichenheit und Zerstörung hervorgerufen, was überall im Leben wahrgenommen werden kann. Doch möge die Frau, die dieses Gesetz erkannt hat und das Gleichgewicht anstrebt, die Schönheit ihrer Weiblichkeit bewahren; sie darf die Zartheit des Herzens, die Feinheit der Gefühle, die Fähigkeit zur Selbstaufopferung und den Mut zur Ausdauer nicht verlieren.

       Die Frau, die Trägerin des heiligen Wissens, kann zu einer bewegenden Kraft werden, die mit feurigen Worten die bereiten Seelen entflammt. Es ist notwendig, jeder Frau das zu geben, was ihrem Bewußtsein entspricht, ohne ihr natürliches und individuelles Wachstum zu beeinträchtigen. Es ist notwendig, den Geist durch sorgfältige Kontakte auf der Grundlage der Lehre des Lebens zu erweitern. Jede Seele muß sich auf natürliche Art und Weise entwickeln, indem sie das Beste hervorbringt, was ihr aufgrund ihrer Bewußtseinsstufe möglich ist. Die Schönheit liegt in der Vielfalt, doch alles sollte eine gemeinsame Grundlage haben – das Streben nach Allgemeinwohl. Auf dem Banner der Mutter der Welt steht umfassende Zusammenarbeit. Laßt uns deshalb größtmögliche Toleranz üben!

       Schwestern des Goldenen Bergs – eine gefährliche, aber schöne Zeit liegt vor uns, eine Zeit großer Heldentaten. Ich sende Euch den Ruf meines Herzens. Rüsten wir uns mit flammendem Streben und mit Mut; tragen wir das Banner der Mutter der Welt – das Banner der Liebe, der Selbstaufopferung und Schönheit – über alle Hindernisse hinweg, um es in der Stunde des Sieges auf den Gipfeln der Welt einzupflanzen.

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13. Oktober 1930

       Ich habe eine Reihe von Briefen erhalten, welche mir einen Eindruck von Ihrer Arbeit sowie Ihrem Versuch, einige der Gesetze des Lebens anzuwenden, vermittelt haben. Ich war glücklich zu sehen, wie tief Sie in die Lehre eindringen. Die aus dem Buch ”Agni Yoga” zitierten Worte sind sehr aktuell. Es ist wirklich notwendig, die Nützlichkeit der schöpferischen Tätigkeit zu bestätigen, die mit mutigem Streben und festem Glauben an den endgültigen Erfolg gepaart ist. Wir müssen dem Feind geistesgegenwärtig entgegentreten. Der Feind ist oft nicht mehr als ein widerlicher, aber harmloser Käfer auf einer von der Sonne beschienenen Wand, und nur neurotische Individuen werden durch ihn erschreckt. Manche Feinde nehmen die Gestalt eines Yaks an, doch wir benutzen Yaks zum Überqueren gefährlicher Berggipfel. Auch ein Wolf wird manchmal im Schafspelz erscheinen, doch vor übermäßigem Vertrauen sind wir bereits gewarnt worden; und wir wissen, daß wir unsere Waffen in jedem einzelnen Fall anpassen müssen. So kann man zum Beispiel einen Tiger nicht mit einem für einen Sperling bestimmten Pfeil bekämpfen.

       Furchtlosigkeit und Strebsamkeit sind zwei Grundlagen der Lehre. Es ist fast unmöglich, etwas, was sich in strebender Bewegung befindet, aufzuhalten. Auf ähnliche Art und Weise überwindet der strebende Gedanke alle Hindernisse. Sie werden das neue Buch der Lehre bereits erhalten haben, und Sie werden darin viele wunderbare Aussagen finden. Machen Sie sich diese zu eigen und wenden Sie sie im Leben an. Beachten Sie alles, was über die Eigenschaften der Tat gesagt wurde. Nur die genaue Kenntnis der Lehre wird Ihnen die Geistesgegenwart für Ihre Antworten geben, denn die Lehre sieht jede Lebenslage vor.

       Es ist auch sinnvoll, sich in Erinnerung zu rufen, was über Wagemut gesagt wurde und wie sehr alle standardisierten Konzepte mißbilligt wurden, denn sie verhindern den Aufstieg, sowohl in Kleinigkeiten als auch in großen Dingen. Sie können über die Notwendigkeit neuer Wege sprechen, doch tun Sie dies taktvoll und vorsichtig, denn Unbeweglichkeit und Stumpfheit wollen nicht gestört werden. ”Es ist besser, sich gleich auf den Friedhof zu begeben, als durch tote Gesetze beschränkt zu werden.” (Agni Yoga, § 337)

       Alle Gesetze liegen in den Tiefen unseres Bewußtseins. So können wir, indem wir unser Bewußtsein vertiefen, diese Gesetze erfassen; dadurch erlangt man große Beweglichkeit. Doch was sehen wir in Wirklichkeit? Eine furchtbare Stagnation des Geistes! Länder, die tote Gesetze aufrechterhalten, zerfallen, weil sie sich den Gesetzen der Evolution widersetzen. Betrachten Sie alles mit den ”Augen eines Falken”. Studieren Sie die gegenwärtige Lage und die kommenden Ereignisse auf unserem Planeten! Man kann sagen, daß die kommenden Ereignisse bereits ihre Schatten auf die Erde werfen. Man kann die unter den Massen erwachende Kraft des neuen Bewußtseins und Verstehens nicht einsperren. Alle Verzögerungen verursachen nur eine noch größere Zerstörung. Wir aber sind keine Zerstörer – wir sind Schöpfer. Laßt uns daher eifrig Bastionen der Kultur, des Wissens über die LEBENDIGE ETHIK und der Schönheit errichten. Wissen und Schönheit sind die Grundlage und die Krone der kosmischen Evolution.

       Wie sehr wünsche ich mir, Ihre mutige Geduld, Ihre Furchtlosigkeit und Ihren Einfallsreichtum zu stärken! Nur der Gedanke und ein erweitertes Bewußtsein werden alles überwinden. Setzen Sie all Ihre Mittel ein, um Ihr Bewußtsein zu erweitern, indem Sie jede Zeile der Lehre in Ihrem Innersten aufnehmen. Ein tiefgehendes und vielseitiges Bewußtsein und die Anwendung der Gebote der Lehre im Leben werden Ihnen den Schlüssel zu jeder Situation in die Hand geben, weil Sie die Synthese beherrschen.

       Wenn wir die Hinweise mit den momentanen Ereignissen vergleichen, sehen wir, wie weise und angebracht jeder Hinweis war. Wie überlegt, wie sorgfältig wurde unser Bewußtsein für die nächste Stufe vorbereitet. Gesegnet sei die Hand, welche die Last erleichterte!

       Vor uns liegen Jahre eines hartnäckigen, aber schönen Ringens; doch das Ergebnis dieser Schlacht steht bereits fest. Deshalb sollten wir unsere Rüstung überprüfen und die Klingen unserer Schwerter schärfen. Es ist notwendig, die uns gegebenen Schilder immer bereit zu halten, denn wir müssen in jeder Situation den richtigen Schild erheben. Schreiben Sie sich jedes Gefecht auf und denken Sie so oft wie möglich daran sowie an Ihre Verteidigung und den Ihnen durch den jeweiligen Schild verliehenen Schutz. Die Zahl der Schutzschilde geht über die Anzahl der möglichen Anlässe hinaus. Ihre ganze Tätigkeit wird von ihnen gedeckt und beschützt. Übt gemeinsam! Jeder Mitarbeiter kann seine Findigkeit zeigen und die Kraft des Schildes unter einem neuen, unerwarteten Aspekt entfalten. Es ist besonders nützlich, Diskussionen mit solchen Übungen zu beenden. Sie können sich auch die Fragen des Feindes vorstellen und Ihre Antworten vorbereiten und üben.

       Wenn wir die Arbeit unserer Gesellschaft und Gemeinschaften verteidigen, wollen wir unsere wissenschaftlichen Expeditionen und die große Idee des Friedensbanners nicht vergessen, unsere internationalen Verbindungen und schließlich unseren Kampf gegen die grobe und unwissende Haltung gegenüber der kulturellen Schaffenskraft! Oft ist es schwer für uns, die ganze Bedeutung unserer aufbauenden Arbeit zu erfassen, und die bedeutendsten Daten und Fakten sind uns in wichtigen Augenblicken oft nicht klar; unser Gedächtnis kann nicht immer die notwendigen Gedanken aufbieten. Daher ist es so wichtig, das gedankliche Durchdringen unserer Aufgaben zu üben und unsere Schutzschilde und allgemeine Ansammlungen zu überprüfen. Für den Anfang müssen wir erkennen, daß wir ein großes Werk von weltweiter Wichtigkeit aufbauen und daß wir hinter unseren Schilden unverwundbar sind.

       Vielleicht ist das Konzept einer Stadt des Wissens dem Bewußtsein der Mitarbeiter weniger klar als die anderen Ideen. Deshalb will ich Ihnen einige Ideen für unsere äußere Verteidigung unterbreiten bzw. wiederholen. Was die innere anbelangt, steht Ihnen diese bereits zur Verfügung. Das Zentrum sollte sich zu einer Stadt des Wissens entwickeln. Diese Stadt sollte eine Synthese der wissenschaftlichen Errungenschaften bilden. Deshalb müssen alle Bereiche der Wissenschaft hier vertreten sein. Und da die Quelle des Wissens im Kosmos liegt, sollten die Mitarbeiter dieses wissenschaftlichen Zentrums aus allen Teilen der Welt stammen, das heißt, sie sollten alle Nationalitäten miteinschließen. Da außerdem der Kosmos in all seinen Funktionen unteilbar ist, sollten auch die Wissenschaftler der Welt in ihren Errungenschaften unteilbar sein, in dem Sinne, daß sie eng zusammenarbeiten. Die Lage dieses Zentrums im Himalaya ist bewußt und zweckmäßig ausgewählt, da sich hier unzählige Möglichkeiten bieten und die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt auf diese Höhen gerichtet ist. Die Entdeckung bisher unbekannter kosmischer Strahlen, die der Menschheit neue kostbare Energie vermitteln, ist nur auf den Berggipfeln möglich, denn diese feinsten und wertvollsten Energien kann man nur in den reinen Schichten der Gebirgsatmosphäre finden.

       Bilden Berge nicht die größten magnetischen Stationen? Wäre es nicht zweckmäßig, ihren Magnetismus und ihre Elektrizität zu erforschen? Würde das Studium magnetischer Ströme nicht die Sicherheit der Aerostatik erhöhen? Auf dem Gebiet magnetischer Ströme steckt die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen, und die sogenannten modernen Instrumente sind nichts anderes als Spielzeug, wohingegen ”gründliches Studium und Erforschen große Entdeckungen bringen könnten”. Der Grund, warum wir diese Forschungen in unserem Zentrum aufnehmen möchten, sind die besonders günstigen Bedingungen dieses Ortes. Wäre es nicht angebracht, allen meteorischen Niederschlägen, die auf die verschneiten Gipfel fallen und durch die Kraft der Bergströme in die Täler gebracht werden, Aufmerksamkeit zu schenken? Für astronomische Beobachtungen sind die Bedingungen hier ausnehmend gut, und im naheliegenden Kleintibet könnte man eine Abteilung der Hauptstation errichten.

       Auch in geologischer Hinsicht ist der Himalaya sehr interessant, und seine Höhlen bergen viele Geheimnisse für Archäologen, Zoologen und Anthropologen. Hier gibt es viele heiße Quellen sowie andere unerforschte Quellen und Salzseen, die nach Aussage der dort ansässigen Menschen viele nützliche Eigenschaften besitzen. Was Botanik, Zoologie und Ornithologie anbelangt, haben Sie bereits durch Briefe unseres Botanikers und Zoologen erfahren, wie zufrieden er mit den Ergebnissen seiner Arbeit ist. Auf diesen Bergen konzentrieren sich die seltensten Heilkräuter und Gräser, und die Vielfalt der botanischen Gattungen ist unübertroffen.

       In archäologischer Hinsicht ist unser Tal natürlich eines der ältesten und reichsten. Hier gibt es Spuren von alten buddhistischen Kulturen. Ganz bemerkenswert ist die Anzahl der lokalen Mundarten unter den Gebirgsstämmen; zwei Nachbardörfer verstehen einander oft schon nicht mehr. Auch feurige atmosphärische Erscheinungen können hier beobachtet werden, und das sogenannte ”Himalaya-Leuchten” wird hier häufig gesehen. Wir wollen hier unbedingt eine meteorologische Station errichten, um mit den Studien und Beobachtungen der magnetischen Ströme zu beginnen und haben eventuell vor, diese Station zu vergrößern, da die örtlichen Bedingungen so günstig sind. Im Zusammenhang damit möchte ich einige Hinweise anführen: ”Die weitere Bewegung magnetischer Ströme über der Erdoberfläche weist auf die Form der atmosphärischen Veränderungen hin. Beobachtungsstationen sollten an verschiedenen Stellen errichtet werden, und die Zusammenarbeit zwischen ihnen sollte so eng und genau wie möglich sein. Es ist wahr, daß das Problem in einem Mangel an Synthese liegt und daher viel Energie und wertvolle Studien umsonst sind. Deshalb benötigt man auf der Erde eine Organisation von wirklichen Mitarbeitern.” (Unbegrenztheit II, § 434)

       Denken wir an die vielen Möglichkeiten. ”Weite des Denkens und des Bewußtseins werden euer Prüfstein sein.” Haben Sie bemerkt, daß alle Pessimisten normalerweise ein enges Bewußtsein und eine dürftige Vorstellungskraft besitzen?

       Die Errichtung einer Stadt des zusammengeführten Wissens ist eine Aufgabe von weltweiter Bedeutung, und deshalb sollten wir keine Hilfe erbitten, sondern sie fordern. Wir arbeiten nicht für uns selbst, sondern für die Menschheit. Jeder von uns ist bereit, seine ganze Kraft für das Allgemeinwohl einzusetzen. Mögen auch andere Menschen dieses reine Streben verstehen und vom Wunsch, die Menschheit der Synthese des Wissens näherzubringen, entflammt werden.

       Bestehen Sie darauf, daß Ihre Mitarbeiter Ihre Schilde prüfen und reinigen. Sucht nach diesen Schutzschilden in jedem Hinweis, in jedem Gedanken aus den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK. Wir müssen die schönen aufbauenden Formeln zur Hand haben. Mit unserer ganzen Vorstellungskraft können wir nicht die Bedeutung der gegenwärtigen Ereignisse betreffend die kulturellen Aktivitäten erfassen. Laßt uns daher die Idee in uns aufnehmen, daß eine große Aufgabe von weltweiter Bedeutung erfüllt wird, und laßt uns in immerwährendem Streben die Steine für den Tempel des Wissens herbeitragen.

       Ich bitte nochmals alle Beteiligten, darüber nachzudenken, was Zusammenarbeit bedeutet. Dazu zitiere ich ein vom Lehrer angeführtes Beispiel:

       ”Kräfte, die gegeneinander wirken, zerstören einander. Kräfte, die entlang parallelen Linien in der gleichen Richtung wirken, offenbaren die Summe dieser Energien; und Kräfte, die für sich alleine wirken, werden geschwächt, entsprechend dem Winkel ihrer Abweichung. Die Menschen können nicht erkennen, daß dieses Grundgesetz der Physik auch ein grundlegendes Gesetz der Zusammenarbeit darstellt.” (Unbegrenztheit II, § 433)

       Deshalb sollten Sie Ihre Divergenzen bereinigen, damit sich Ihre Kräfte in dieselbe Richtung bewegen. Denkt an die Folgen der Abweichungen! Bei wahrer Zusammenarbeit wird keiner zurückgesetzt, und je mehr einer weiß und sieht, umso mehr kann er helfen. Je unwissender eine Person oder ein Volk ist, umso geringer ist die Zusammenarbeit. Doch wer würde sich schon gerne selbst als dumm und unwissend bezeichnen? Der Ausspruch ”Ich weiß nichts davon, ich mische mich nicht ein” ist sehr charakteristisch. Doch wer nichts weiß, wird vielleicht nie etwas wissen.

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3. Dezember 1930

       Wir freuen uns sehr über die Entwicklung Ihrer kulturellen Aktivitäten. Jeder im Leben angewandte kulturelle Gedanke ist ein kostbarer Schatz. Und wir haben einen unermeßlichen Vorrat an solchen Gedanken, die auf ihre praktische Umsetzung warten. Wer sich diesem Hort nähert, kann aus ihm schöpfen und ihn entsprechend seinem Streben nützen. Deshalb ist es unsere wichtigste Aufgabe, Streben in den Neuankommenden zu entfachen. Jeder, der entflammt wird, wird sein eigenes Potential entdecken und sich auf seine Weise entwickeln und so die allgemeine Schatzkammer bereichern. Doch um uns gegenseitig zu inspirieren, müssen wir dieses unauslöschbare Feuer in uns selbst tragen, es völlig rein halten und die kleinlichen, aus Selbstsucht geborenen Gedanken bekämpfen. Seien Sie versichert, daß ein aus Selbstsucht geborener Gedanke dem großen Plan der kosmischen Evolution widerspricht. Suchen Sie daher in allen Mißerfolgen nach diesem Wurm, der alle Fundamente zernagt. Suchen Sie nur ihn. Selbstsucht ist Begrenzung, doch Begrenzung führt zu Stagnation und Tod, während der Kosmos durch das Prinzip der Unbegrenztheit besteht.

       Wie kann dieser Wurm vernichtet werden? Nur durch Toleranz, Großmütigkeit und Verstehen des großen Gesetzes der Entsprechung, also durch die Erweiterung unseres Bewußtseins. All diese Schritte, die zum Ziel führen, sind in den Büchern der Lehre aufgezeigt. Laßt uns unser Leben mit diesen Schätzen bereichern und daran denken, daß das Streben des Geistes und des Willens unser Leben verwandeln kann.

       Der Geist, der seine Energie durch Streben zu entflammen versucht, bringt die Materie zum Schmelzen. Nach dem Schmelzen der Materie wird er sie verfeinern, und dann kann man die feinsten Erscheinungen wahrnehmen. Das ist die einzige Möglichkeit, um wahres Leben und Unsterblichkeit zu erlangen! Der Geist des Strebens muß die Grundlage des Lebens sein.

       Streben Sie dem Höchsten zu, denn jene, die einen kleinen Kreis ziehen, sind verloren und ihre Möglichkeiten entsprechend dem Radius ihres Kreises begrenzt. Ein begrenztes Bewußtsein zieht unvollkommene Energien oder geringe Möglichkeiten an. Und wenn auch auf Grund von Karma die Bahn des Geistes weite Möglichkeiten erfaßt, wird ein kleines Bewußtsein versuchen, aus ihnen einen Hühnerkorb zu bauen! Nur ein Bewußtsein, das die Welt mit ihren größten Taten begreift, kann mit dem Kosmos und mit den Großen Brüdern der Menschheit zusammenarbeiten.

       Erkenntnis und konkretes Verstehen des Magneten, der unseren Geist mit den höheren Energien verbindet, die uns die Erweiterung des Bewußtseins verleihen, können uns dem Bewußtsein des Kosmischen Magneten näherbringen und uns tatsächlich in den Strom der Kosmischen Evolution ziehen. Dies wird uns zu dem großen Mysterium führen – der Vollendung des Seins, was auch als Krone des Weltenalls bezeichnet wird.

       Entfachen Sie schnell die führenden Feuer Ihres geistigen Magneten durch das Erwecken des Herzens! Nur in der Vereinigung der Feuer des Herzens mit den Feuern des Geistes können wir Schöpferkraft erlangen und große Ergebnisse erzielen.

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       All Ihre Motive sollten durch Ihr Herz geprüft werden. Ihr Herz ist der einzige Richter, der die erworbenen kostbaren Energien ansammelt und behütet. Die Struktur dieser erworbenen und angehäuften Energien ist unsere Individualität und unsere Bestimmung. Das Gesetz der Entsprechung ist ein grundlegendes kosmisches Gesetz. Deshalb wird jede erworbene Energie eine identische Energie aus dem Raum anziehen und auch eine entsprechende Reaktion bei Menschen, mit denen man Kontakt, hat hervorrufen. Das ist eine Erklärung für Sympathien und Antipathien und auch der Grund, warum eine Person mit vielen Menschen in Kontakt kommen kann, während eine andere trotz aller Anstrengungen nur Widerstand hervorruft. Da aber alle Möglichkeiten vom Menschen ausgehen, ist die Bedeutung der Qualität der Energien, die wir ansammeln, ganz eindeutig.

       Die Ansammlung von Energieablagerungen kann sich nicht in einem einzigen Leben vollziehen. Tausende von Jahren sind nötig, um den Kelch zu füllen. Deshalb sind die ununterbrochenen, wohlwollenden Bestrebungen, welche die unschätzbaren Werte unserer Schatzkammer übergeben, so wichtig. Menschen, die über große Aufspeicherungen im Kelch verfügen, sind der Schatz eines Volkes. Manchmal fehlt nur noch wenig, damit der Kelch vollständig gefüllt ist, und dieses Wenige könnte in einem selbstlosen Leben erreicht werden. Doch durch Nachlässigkeit schieben die Menschen die Errungenschaften hinaus und werfen sich dadurch selbst zurück. Niemand und nichts kann die ewige Bewegung und die Umwandlung der Energien aufhalten. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder vorwärtszustreben oder zurückzufallen. Doch wer möchte sich schon dem Rückschritt weihen und sich dadurch mit dem kosmischen Abfall vereinen? Streben ist die große bewegende Kraft in allen Lebewesen!

       Nun einige Worte über Agni Yoga: Wie wollen wir Agni Yoga ohne Erweiterung des Bewußtseins verstehen? Alle Worte darüber und über die Errungenschaften werden ohne Überzeugungskraft sein, wenn wir das Feuer nicht in unserem eigenen Herzen entzünden. Jemand schreibt über die Notwendigkeit der Toleranz gegenüber jeder Auslegung. Dieser Gedanke ist richtig. Es ist jedoch notwendig zu lernen, jede individuelle Auslegung verständlich zu machen. Ansonsten entsteht ein solches Wirrwarr, daß selbst ein Lehrer sich darin verliert! Oft ist eine falsche Auslegung schädlicher als überhaupt keine. Jeder Unterrichtende muß seine volle Verantwortung für die richtige Auslegung der ersten Grundsätze erkennen. Er sollte höchste Vorsicht walten lassen, keine leichtfertigen Erklärungen der Lehre zu geben, die ihm selbst nicht klar sind und die er nur gibt, um seine Autorität nicht zu verlieren. In Zweifelsfällen ist es besser, ehrlich zuzugeben: ”Ich will eine Auslegung unterlassen, da ich mich mit dem Problem intensiver auseinandersetzen möchte.” Was mich anbelangt, bin ich immer gerne bereit, mit Hilfe des Großen Lehrers zu klären, was Ihnen unklar erscheint.

       Sie schreiben so schön über Ihr Streben nach Harmonie. Wenden Sie es im Leben an, denn alles ist nur im Leben und für das Leben von Wert. Zeigen Sie ein ausgeprägtes Unterscheidungsvermögen; vermeiden Sie Heuchelei. Flicken sind besser als Löcher, doch jeder würde lieber ein festes Gewebe haben; deshalb wollen wir versuchen, keine Löcher zu machen! Laßt uns strenge Disziplin in der Sprache üben. Laßt uns jedes Wort überlegen und daran denken, daß ”die Folgen eines Wortes nicht einmal durch einen Archaten aufgehoben werden können”. Laßt uns immerzu die Weisung befolgen, daß ”jedes Wort ein Lichtstrahl und kein Sargnagel sein soll”. Euer Geist muß erkennen, wann es zweckdienlich ist, die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie bitter ist, und wann es besser ist zu schweigen. Doch sowohl Schmeicheleien und Übertreibungen als auch Verharmlosungen sind unzulässig.

       Jeder von Ihnen hat besondere Fähigkeiten; niemand wurde benachteiligt. Deshalb dürfen Sie einander nicht beneiden. Doch es hängt natürlich von jedem einzelnen selbst ab, seine Fähigkeiten zu entwickeln. Und der einzige erlaubte Wettstreit unter den Mitgliedern einer Gruppe möge ein Wettstreit in dem Sinne sein, daß jeder versucht, in die beste Richtung zu streben und den Gedanken des Allgemeinwohls am besten umzusetzen. Jeder sollte verstehen, daß diese Fähigkeit in jedem individuellen Bewußtsein der einzige Gradmesser des Fortschritts ist und daß der Geist eine dementsprechende Stufe einnimmt – nicht höher und nicht tiefer. Ich möchte die Worte des Lehrers zitieren:

       ”Wenn über Selbstsucht gesprochen wird, kann diese nicht individuell ausgelegt werden. Alles im Leben, alles für das Leben. Der Lehrer sieht. Der Lehrer weiß. Der Lehrer wird nichts ohne Bezug auf das Leben behaupten. Wer seine eigenen Formeln wiederholt, kennt die Formeln des Lehrers nicht. Die alten Formeln werden nicht zu neuen Wegen führen. Man muß sagen: ‚Der Kanal der Selbstsucht errichtet seine Dämme überall‘.”

       Man muß auch darauf hinweisen, daß der Kanal der Selbstsucht die Verbindungsleitung durchschneidet. Denken wir daran, daß die Qualität eines Motivs uns entweder dem Lehrer näherbringt oder uns weit von ihm entfernt. Es gibt keinen Platz, wo sich jemand vor dem allessehenden Auge, das in die verborgensten Schlupfwinkel unseres Herzens dringt, verbergen kann. Es ist notwendig, die Macht des Geistes zu manifestieren und unermüdlich bestrebt zu sein, die hartnäckigen, schweren Anhäufungen auszurotten, da sonst keine Verfeinerung möglich ist. Nur die Verfeinerung aller Gefühle bringt die besten Möglichkeiten mit sich.

       Mein Herz sehnt sich danach, das Verständnis für die Lehre wachsen zu sehen; das Wachsen ernsten Strebens, das keine Belohnung erwartet; das Wachsen der Selbstlosigkeit; das Hingeben von nahezu allem für das Allgemeinwohl; das Wachsen einer richtigen Bewältigung der anvertrauten Aufgabe; und darüber hinaus das Wachsen des Verständnisses für die Entsprechung. Man muß verstehen, daß man sich in Aktivität und Spannung verausgaben kann; doch ohne Angemessenheit werden Aktion und Anspannung ähnliche Resultate bringen wie das Verhalten eines Eichhörnchens, das dauernd im Kreis herumläuft. Eine Handlung, die nicht angemessen ist, eine Handlung ohne das schöpferische Feuer des Herzens wird nie eine wertvolle Maßnahme darstellen.

       Ich begrüße die Methode, die angewandt wird, um bei Kindern Aufmerksamkeit zu entwickeln. Zu diesem Zweck ist es sehr nützlich, Bilder aus Kunstgalerien zu verwenden. So viel kann in diesen Kunstschätzen gesehen werden. Aufmerksamkeit ist eine Grundlage, um sich Wissen anzueignen. Aufmerksamkeit ist ein erster Schritt zur Verfeinerung der Wahrnehmung, und wir wissen, daß nur Verfeinerung eine Erweiterung des Bewußtseins bringt und daß schöpferische Kräfte durch die Zentren der feinen Wahrnehmung bestätigt werden. Je feiner, desto hochwertiger; je hochwertiger, desto mächtiger! Nichts verzögert die Evolution so sehr wie eine grobe Aufnahmefähigkeit!

       Wenn wir dem Hohen Bewußtsein näherkommen wollen, müssen wir vor allem unsere eigene Wahrnehmungsfähigkeit verfeinern. Nur wo Gleichgewicht vorhanden ist, wie man es bei einer Waage vorfindet, gibt es wahre Zusammenarbeit. Das ist der Grund dafür, daß die auf den Prinzipien der Harmonie basierende Struktur so sehr geschätzt wird. Die feine Wahrnehmung von Gedanken ist die Grundlage für eine wachsame Tat. Das Schaffen des Schönen baut auf diesem Prinzip auf. Der Grund, daß es so wenig Schönheit in den Werken der Menschen gibt, liegt darin, daß auch die besten Ideen nur teilweise ausgeführt werden und daher die Schönheit der ursprünglichen Absicht verzerrt wird.

       Denken Sie daran, daß Sie von Möglichkeiten umgeben sind, doch diese werden sich nur materialisieren, wenn Ihr Bewußtsein sie verwirklicht. Jeder Gedanke wird durch den Kontakt mit den Aufspeicherungen des Raumes geboren. Stellen Sie sich genau vor, wie viele ungenutzte Gedanken in den höheren Schichten des Raumes fliegen! Versuchen Sie, diese durch Verfeinerung Ihrer Wahrnehmungsfähigkeit einzufangen. Das bezeichnen wir als kosmische Zusammenarbeit, doch vorerst müssen Sie Ihre inneren Feuer entfachen.

       Es gibt keine größere Freude als die eines wachsenden Bewußtseins! In den Wellen des Bewußtseins liegt die ganze Freude des Seins!

       Ich ersuche Sie noch einmal: Bitte haben Sie ein offenes Herz für alle Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter. Lernen Sie es, tolerant zu sein, ohne zuviel Nachsicht zu zeigen. Inspirieren Sie durch das Feuer Ihres Herzens Ihre Mitarbeiter dazu, im Leben ihre besten Fähigkeiten zu entfalten. Versuchen Sie, Ihre Mitarbeiter in den höchsten Gefühlen von Hingabe und Dankbarkeit gegenüber dem Lehrer, der ihnen so viel gegeben hat, zu vereinen.

       Beeilen Sie sich zu lernen, wie man einander liebt und schätzt. Doch nichts erfordert so eine feinfühlige und aufmerksame Pflege wie die Liebe!

       Wenn Sie wenigstens einen kleinen Teil jener Toleranz und Fürsorge aufbringen könnten, wie sie das Große Herz offenbart hat, das uns aufgerufen hat, mit vereinten Kräften den Tempel zu bauen!

       Lauschen Sie dem Ruf des Herzens!

* * *

17. Dezember 1930

       In den Tagen des Sieges möchte ich Sie grüßen und Sie auf neue und noch anstrengendere Kämpfe vorbereiten! In den Tagen des Sieges möchte ich Sie an die Worte des Großen Lehrers erinnern: ”Seid vertraut mit dem Beben der Schlacht.” In den Tagen des Sieges wollen wir unsere Waffen gründlich überprüfen und unsere Schilde vorbereiten, denn unser Feind ist bereit und beobachtet mit wachsamem Auge unsere schwachen Stellen, um uns dort zu treffen. Er weiß, wie Sieg den Verstand einschläfert und Streben und Wachsamkeit vermindert. Deshalb müssen wir nach jedem Sieg mit verstärkter Kraft der nächsten, noch größeren Schlacht und dem Sieg zustreben. Ein Erschlaffen des Strebens endet in einer Niederlage. Nur ein erweitertes Bewußtsein erkennt die Gefahr der verminderten Wachsamkeit, die sich aus dem ersten Sieg ergibt.

       Laßt uns die Freude ständiger Wachsamkeit und permanenten Strebens kennenlernen. Diese Eigenschaften gehören zu den Grundlagen der Lehre und des Lebens. Nur Streben bringt uns zu den nächsten Stufen. Nur durch Wachsamkeit können wir erfolgreich alle Hindernisse überwinden. Der Lehrer ruft uns zur dringenden Arbeit um des Sieges willen. Der ganze Sieg hängt von der Stärke unseres Strebens ab. Wenn daher das Streben wegen der Kurzsichtigkeit eines beschränkten Bewußtseins oder wegen innerer Zwietracht und Uneinigkeit betreffend die Taten der Krieger abnimmt, ist die Niederlage unvermeidlich. Deshalb bitte ich Sie, sich nicht durch innere Zwietracht zu schwächen, wenn sich eine gefährliche Situation nähert. Es ist auch verhängnisvoll, einander zu bedrängen, weil derjenige, der bedrängt, sehr leicht das Schicksal des Bedrängten teilen kann.

       Auch ist es notwendig, ein genaues Urteilsvermögen zu zeigen, wenn Sie verantwortliche Positionen an neue Krieger vergeben. Lassen Sie sie Prüfungen bestehen und erheben Sie sie nicht zu früh in die ersten Reihen. Stellen Sie sich vor, welche Schwierigkeiten entstehen, wenn ein Mitarbeiter dieser Aufgabe nicht gewachsen ist!

       Lassen Sie es nicht zu, daß Außenstehende einen Ihrer Mitarbeiter in Ihrer Gegenwart kritisieren oder abfällig beurteilen. Versuchen Sie immer, die richtigen Worte zu finden, um Verleugnungen und Verurteilungen zu unterbinden – dafür werden Sie Respekt ernten. Solange Sie einig sind, werden Sie alle Hindernisse überwinden, doch die geringste Uneinigkeit in Ihrem Handeln kann einen Riß im Fundament hervorrufen, und was kann schon auf einem gespaltenen Fundament errichtet werden? Der erste Sturm würde so ein Gebäude zerstören. Schließen Sie sich enger zusammen und seien Sie bestrebt, auch die kleinsten Anweisungen des Lehrers zu erfüllen. Dies ist der einzige Weg zum Sieg.

       Sie müssen daran denken, daß der Guru keinen einzigen persönlichen Gedanken hegt; absolut alles ist auf den Dienst für das Allgemeinwohl gerichtet und diesem ergeben. Wer die Anweisungen ändert oder zu zweifeln wagt, ist selbst schuld. Alles, was nur halb ausgeführt wird, bringt auch nur halbe Ergebnisse. Wir wissen, daß eine volle Dosis einer heilsamen Medizin Leben erhält, während einer eine halbe nur vorübergehende Erleichterung bringt, die mit dem Tode enden kann. Laßt uns daher die wertvollen Weisungen ganz annehmen, um keine lebensspendende Energie zu verlieren. Wenn man die Anweisungen genau befolgt und sie präzise ausführt, resultieren daraus Gesundheit und der große Sieg, das große Licht. Früher war Gehorsam eine Stufe zur nächsten Einweihung. Wer die Disziplin des Gehorsams nicht in jeder Beziehung verwirklichen konnte, erreichte nie die höheren Stufen. Nur wer zu gehorchen und die Weisungen auszuführen verstand, konnte Verantwortung übernehmen und die ganze Unveränderlichkeit des Befehls verstehen.

       Dabei muß man verstehen, daß die erteilten Befehle den Geist eines Schülers niemals versklaven können, weil immer die Freiheit des persönlichen Ausdrucks bestehen bleibt, und wir wissen, wie unendlich wir die Fähigkeit der Erfüllung jeder Aufgabe verfeinern können. Nur ein Sklave des Gestrigen könnte einen Befehl verweigern. Nur ein schwaches Bewußtsein fürchtet, durch Erfüllung der Pläne des Guru seine Individualität zu verlieren. Sich nur auf die eigenen Aufspeicherungen zu verlassen und alles, was wir vom hohen Bewußtsein des Lehrers annehmen könnten, zurückzuweisen, bedeutet, jede neue Aufspeicherung abzulehnen. Individualität entsteht aus diesen neuen Aufspeicherungen, die sich mit den vorhergehenden verbinden.

       Besonders glücklich ist, wer aus dem Schatz des Großen Bewußtseins schöpfen kann. Ich möchte aus dem Buch ”Unbegrenztheit” zitieren: ”Der Gedanke des Gehorsams gegenüber dem Lehrer scheint den Menschen fremd zu sein. Doch wie kann der Geist verlieren, wenn der Lehrer das Führende Licht ist? Wie kann der Schüler sein Feuer verlieren, wenn der Lehrer alle Feuer entzündet? Wie kann der Schild des Lehrers den Schüler zurückhalten, wenn er von seinem Lehrer schon inspiriert wurde? Wie wenig will die Menschheit der wechselseitig Segen bringenden Arbeit zustreben! Doch die Menschheit muß lernen, selbständig zu handeln und alle vom Lehrer bestätigten Gedanken zu verwirklichen! So erfüllt die Kosmische Vernunft die Evolution. So muß die Menschheit lernen, durch höhere Maßnahmen aufzubauen. Indem ihr dem Lehrer folgt, nehmt ihr Seine Ideen in euch auf.” (Hierarchie, § 30)

       ”Wie könnten wir den Magneten jemals verstehen, wenn wir die Anweisungen des Herrn bezweifeln? Wie können wir den Feind besiegen, wenn wir die uns übertragene Macht bezweifeln? Wie können wir erwarten, etwas Starkes zu errichten, wenn wir die unumstößlichen Anweisungen der Hierarchie nicht anerkennen? Es mag scheinen, daß Ich Mich wiederhole, doch weil ihr so zögernd zur Tat schreitet, ist ein aufmerksames Studium der Anweisungen notwendig. Denkt daran, wie die Lehre den Fortschritt des Werkes fördert.” (Hierarchie, § 32)

       Ich rate Ihnen auch, Ihre Ansprachen in einem bestimmten Ton zu halten, denn nur Bestimmtheit führt die Menschen. Und nur ungewöhnliches Herangehen an eine Aktion zieht Aufmerksamkeit auf sich. Viele Leute mögen in einer ungewöhnlichen Verhaltensweise nur ”mangelnden Takt” sehen, doch darin würde sich nur ihre Beschränktheit zeigen. Nur Außergewöhnliches zieht an und hält starke und mutige Menschen. Alle großen Ereignisse sind nicht von den Massen vollbracht worden, sondern von den einzelnen starken Persönlichkeiten, und die Zeit wird sie hervorheben. Viele sind aufgerufen, doch wenige sind auserwählt. Erarbeiten Sie sich eine ungewöhnliche Sprache, eine Sprache der Kraft und Bestätigung, eine Sprache des Aufbaus, denn nur so eine Sprache eignet sich für die anvertraute Aufgabe. Alle Schwärmereien oder süßen Worte entspringen inkompetenter Sentimentalität und zerstörender Mittelmäßigkeit. Erinnern Sie sich, wie alle von Ihnen die Vorträge einer bestimmten Person bewundert haben? Doch zugleich haben Sie richtig bemerkt, daß sie nur kritisiert und angegriffen hat. Doch wir müssen kreativ sein, und wir wollen die richtige Richtung aufzeigen und bestätigen. Sie müssen daran denken, daß alle Lehren Lauheit verurteilen. Laßt uns deshalb feurig sein. Wir wollen uns entflammen, aber sehr sorgfältig unterscheiden, um keine Feuersbrunst zu entfachen, wenn es ausreicht, etwas zum Glühen zu bringen. Eine Erweiterung des Bewußtseins wird uns auf den richtigen Weg führen. Eine Erweiterung des Bewußtseins wird die Qualität des Denkens ändern. Eine Erweiterung des Bewußtseins wird die Macht des Sieges bringen.

       Vertreiben Sie kleinliche Gedanken. Vermeiden Sie Herabsetzung, denn die Herabsetzung der anvertrauten Arbeit gleicht der Herabsetzung Ihres Lehrers, was einem Verrat gleichkommen und die Grundlagen verletzen würde, auf denen Ihr eigenes Wohlergehen wie auch das Allgemeinwohl basieren. Vertreiben Sie alle Zweifel, denn wo es Zweifel gibt, wird die Bewußtseinsentwicklung gehemmt. Wer zweifelt und nicht vertraut, kann nicht auf das Vertrauen des Lehrers hoffen. Deshalb kann er unmöglich vorwärtskommen.

       Ich würde Sie so gerne lehren, jede Anweisung zu schätzen, jeden Hinweis des Lehrers und Guru, weil diese so kostbar sind! Finden Sie in sich den feurigen Impuls, der großen Aufgabe entgegenzustreben, das Licht der Kultur zu tragen. Stellen Sie sich vor, daß Sie in einem Glashaus wohnen und mit all Ihren Worten und Taten vorsichtig sein müssen. Erfüllen Sie Ihre ganze Arbeit mit der Schönheit des Dienens. Bleiben Sie freudvoll in der Schlacht, denn Sie wissen, daß Ihnen der Sieg bestimmt ist, vorausgesetzt, daß Sie von selbstaufopfernder Spannung erfüllt sind.

 

1931

7. Januar 1931

       Wer den Willen des Lehrers herabsetzt oder entstellt, vernichtet sich selbst. Wer seinen Guru herabsetzt, gleicht einem Menschen, der den Ast, auf dem er sitzt, absägt. Je größer unser Lehrer ist, desto größer sind wir selbst, doch dieser einfache Grundsatz wird nicht begriffen. Die ganze Geschichte der Menschheit beweist, daß die großen historischen Gestalten, die wahren Führer und Philosophen, ihren Lehrer, dessen Führung ihnen half, Giganten des Geistes zu werden und große Taten zu vollbringen, achteten.

       Das Buch ”Hierarchie” wird bald herausgebracht. Das unabänderliche kosmische Gesetz der Hierarchie wird in der gegenwärtigen Zeit so sehr mißachtet. Doch die Menschheit muß sich dieses Gesetzes wieder bewußt werden. Das Prinzip der Hierarchie ist ein primäres Gesetz und spendet Leben. Deshalb muß unser Bewußtsein dieses Gesetz durchdringen, wenn wir wachsen und unseren Teil zum Allgemeinwohl beitragen wollen.

       Das Gesetz der Kette der Hierarchie ist sehr stark und wird durch die Weiße Bruderschaft streng aufrechterhalten. Niemand kann das nächste Kettenglied überspringen, weil dieses Glied durch lange Vorbereitung und tausendjährige Ansammlungen geschaffen wurde. Laßt uns daher das nächste Glied festhalten, damit wir nicht die Verbindung mit der ganzen Kette verlieren.

       In der Ergebenheit und Dankbarkeit gegenüber dem Lehrer liegt so viel Schönheit! In der Lehre wird gesagt, daß die Flamme der Hingabe und Dankbarkeit über allen anderen feurigen Darbringungen steht. Leider sind diese zwei Eigenschaften unter den Bewohnern dieses Planeten besonders selten. Doch gerade der Besitz dieser Eigenschaften trägt in hohem Maße dazu bei, Giganten des Geistes und des Willens zu schaffen. Der mit herrlichen Talenten ausgestattete Geist, dem diese beiden Eigenschaften fehlen, wird eine bestimmte Grenze nicht überschreiten können.

       Es ist nützlich, alles hervorzuheben, was in den Büchern der Lehre über das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler steht. Es wird gesagt, daß jede dem Lehrer erwiesene Verehrung das rechte Verstehen der Lehre erkennen läßt. Doch wer die Führung als Last empfindet, kann sich dem Lehrer niemals nähern. Die Lehre ist nicht abstrakt, sondern gibt sehr praktische Anweisungen zur Anwendung im Leben. Laßt uns daher alles in unserem Herzen behalten, was über Hierarchie gesagt wurde, und laßt uns die Reinheit unserer Gedanken beachten, denn die Erhaltung der Reinheit der Gedanken gleicht dem Ozon.

       Ich zitiere aus dem Buch ”Hierarchie”:

       ”Gemeine Gedanken wurden mit kriechenden Reptilien verglichen. Nichts ähnelt diesem Abschaum des Bewußtseins mehr. Kann man ruhig in einem Lehnstuhl sitzen, wenn man weiß, daß unter diesem giftige Schlangen und Skorpione herumkriechen? Auf dem Pfad zur Hierarchie muß man sich von diesen Kriechtieren befreien. Vor allem sind Verurteilung und Lästerung gegenüber dem Lehrer nicht wieder gutzumachen. So muß jeder, der die Hierarchie schmäht, daran denken, daß dieser Leichtsinn und Frevel sein Karma für viele Zeitalter beeinträchtigt. Da es nur einen Weg – über den Herrn – zu dem einen Licht gibt, kann nur äußerste Unwissenheit die Zerstörung dieses einen Pfades zulassen. Man muß das Streben zu dem Höchsten als Essenz des Lebens ansehen und eine ehrerbietige Haltung gegenüber diesem Streben nach Heil einnehmen. Durch Herabsetzung des Hierarchen kann man sich selbst verurteilen und vielen Nahestehenden großen Schaden zufügen. Es wird Zeit, daran zu denken!” (§ 57)

       Es ist notwendig, den verbindenden Faden, der Wohlergehen und Segen spendet, festzuhalten.

       ”Man kann keinen Erfolg erwarten, wenn die Fundamente verrotten! Natürlich werden Wir tun, was notwendig erscheint, doch es ist wichtig, Leichtsinn und Verrat Einhalt zu gebieten. Verrat äußert sich in vielen Formen, doch sind sie nicht alle gleich? Man muß sich überlegen, wer das Recht besitzt, den bereits vorbestimmten Pfad zu erschweren. So viel Schönes ist uns bestimmt, und die Fristen nahen bereits. Möge der verbindende Faden erstrahlen!”

       ”Wenn der Raum durch den Nebel des Nichtverstehens getrübt wird, kann der schöpferische Strahl natürlich sehr schwer durchdringen. Jede Schicht wird entsprechend dem Grad ihres Strebens durchdrungen. Deshalb sind die irdischen Schichten so undurchdringlich. Daher müssen alle Manifestationen des suchenden Geistes in einem straffen Tempo vor sich gehen. Die Suche muß den Geist zu dem Magneten der Hierarchie hinziehen, denn jede Macht hat ihre Entsprechung auf der Erde. So lebensnah muß das Gesetz der Hierarchie angewendet werden.” (§ 58)

       ”Man muß auch wissen, daß die dunklen Kräfte versuchen, in die Fundamente einzudringen. Daher sollte man aufmerksam sein und alles mit größter Sorgfalt beobachten. Die finsteren Kräfte können sogar einen Schild des Lehrers benutzen. Nach außen hin werden sie den Namen des Guru preisen, während sie ihn hinterlistig unterminieren. Daher muß man auf der Hut sein und Widerstand leisten. Um einen Sieg zu erringen, ist es notwendig, sich der ganzen Wichtigkeit der Festung bewußt zu werden. Laßt uns daher alle Stellungen verstärken. Dabei muß man lernen, den Namen des Lehrers in Ehren zu halten. Die Macht des Sieges wird nur erlangt, wenn die Fundamente stark sind. Laßt uns daher die Fundamente hüten. Es ist notwendig, den Sieg zu behaupten; deshalb ist Vorsicht so notwendig.”

       All diese Weisungen betreffen die Erweiterung des Bewußtseins. Seien Sie wachsam; lassen Sie Vorsicht walten, denn der Feind könnte das Haus unter der Maske der Freundschaft betreten! Schließen Sie die Reihen und achten Sie auf Versuche, sie zu trennen. Schmeicheleien und das Entfachen von Ehrgeiz sind die zuverlässigsten Methoden, denn wem gefällt es nicht, Gutes über sich zu hören? Dies ist allen gemeinsam, und alle schwachen Stellen werden von den Finsteren zu ihrem Vorteil benutzt. Indem sie bei unserem Stolz ansetzen, setzen sie unmerklich das Höchste, was wir haben und wofür wir leben, herab. Seien Sie auf der Hut!

* * *

15. Januar 1931

       Ich will die Fragen über das Dienen beantworten. Dienst an der Hierarchie des Lichts ist Dienst am Allgemeinwohl. Natürlich erschließt Streben nach Allgemeinwohl die Tore zu höherem Wissen und Dienen. Doch ich möchte, daß Sie die Eigenschaften, die Sie vor allem entwickeln müssen, um auf dem Pfad des Dienens vorwärtszuschreiten, klar erkennen. Viele Leute träumen vom Allgemeinwohl und sind auch bereit, dafür zu arbeiten, solange ihre Gewohnheiten und ihr Wohlbefinden nicht beeinträchtigt werden. Doch wirklicher Dienst am Allgemeinwohl, der zu den Toren der Festung des Lichts führt, erfordert Opfer und die völlige Außerachtlassung alles Persönlichen, also völlige Selbstaufgabe. Wenn sich das Bewußtsein erweitert, wenn alle Gefühle und das Verständnis verfeinert werden, wird das Gesetz des Opfers als die höchste Errungenschaft angenommen. Da gibt es keinen Raum für Selbstmitleid, Angst vor der Zukunft, Gekränktsein und Neid, weil einem mit jedem Atemzug Erhabenheit, Schönheit und die höchste Freude des Dienens bewußt werden.

       Der reife Geist, der bewußt den Weg des Dienens wählt, kennt die Freude eines erweiterten Bewußtseins und das feurige Streben zum Höchsten Bewußtsein; er kennt die Freude, den Höchsten Willen zu erfüllen; er kennt die Freude der Entdeckung und der Bestimmung des Lebens. Und zur festgesetzten Stunde wird er die Erhabenheit und Schönheit des letzten Sakraments erfahren.

       Nachdem wir mit unserem Herzen die Bedeutung der großen Befreiung und die Krönung des Opfers verstanden haben, wollen wir danach streben, in uns Liebe, Hingabe, Dankbarkeit und Gehorsam der Hierarchie gegenüber zu entwickeln. Wir wollen bereit sein, jede Last auf uns zu nehmen, und daran denken, daß unser Weg um so kürzer wird, je schwerer die Last ist. Der Liebe und der Hingabe entspringen alle anderen Eigenschaften, die unseren Fortschritt fördern. Laßt uns diese wie kostbare Blumen pflegen; und weil diese Blumen des Geistes wachsen und einander nähren, wird die größte Liebe die beste Antwort bringen. Laßt uns deshalb den Großen Lehrer mit dem Feuer der Liebe umgeben. Wir wollen unsere Verehrung für ihn bewahren. Wir wollen ein sehr sorgfältiges und hohes Verstehen der Lehre und der Weisungen zeigen und voll Ehrfurcht mit bebendem Herzen der Schönheit und der Herrlichkeit dieser Schöpferkraft gegenüberstehen. Denken Sie daran, daß jene, die ein höheres Verständnis haben, höher aufsteigen werden.

       Und nun will ich aus der Lehre zitieren:

       ”Manche Menschen überschütten den Lehrer mit Alltagssorgen und glauben, am großen Dienen teilzunehmen. Die Lehre und das Dienen setzen vor allem die Erweiterung des Bewußtseins auf der Basis voraus, daß man die Lehre befolgt und den Lehrer verehrt. Wenn man die Unbegrenztheit erforscht, sollte man vor allem die Grenzenlosigkeit von Liebe und Hingabe erkennen. Es ist nicht weise zu sagen, daß die Liebe ausgeströmt und die Hingabe verwelkt sei, weil als Folge die Auflösung des Selbst zu befürchten ist. Man muß die Uneingeschränktheit von Liebe und Hingabe verstehen lernen und damit die ersten Schritte in Richtung Dienen und Yoga bewältigen. Man sollte sich diese Aufgabe zumindest zur persönlichen Entwicklung stellen. Man sollte nur in Richtung des Lehrers voranschreiten; nur dann erhält man Unterstützung. Doch den Lehrer mit Alltagsproblemen zu zermürben wird zu keinem Erfolg führen. Laßt uns die heilige und grenzenlose Liebe und Verehrung dem Lehrer gegenüber aufrechterhalten, als ein Heilmittel der Erneuerung”. (Hierarchie, § 59)

       Deshalb, meine lieben Freunde, müssen die grobe Vorstellung, das Spotten über heilige Begriffe durch kleine Bewußtseine aus Mangel an Entsprechung sowie die Herabsetzung des Höchsten und Grundlegenden aus unserem Leben völlig verbannt werden, wenn wir den Weg des Dienens beschreiten wollen.

       Manche suchen im Leben nach dem Glück, doch nur in der Erfüllung des Willens des Lehrers kann Segen empfangen werden. Es gibt keinen anderen Weg, und man muß mutig nach diesen wundervollen, tiefsinnigen Worten des Lehrers greifen und dauernd an sie denken: ”In Erfüllung Meines Willens gibst du Mir die Möglichkeit, deinen Willen zu erfüllen.” (Hierarchie, § 40) Denn wer sonst, wenn nicht der Lehrer kennt unsere geheimsten Wünsche und Bestrebungen? Wer sonst gibt uns die Möglichkeit, unsere Wünsche zu erkennen, indem wir sie durch die Lehre reinigen und ihnen Form verleihen, indem wir unser Bewußtsein erweitern? Wer würde so närrisch sein, sein eigenes Glück zu vernichten?

       Laßt uns innig bestrebt sein, den rettenden Willen zu erfüllen, der uns zum Dienst am Allgemeinwohl führt.

       ”Wenn der Gedanke bestrebt ist, den Höheren Willen zu erfüllen, wird eine direkte Verbindung mit dem Schild des Höheren Willens hergestellt.” (Hierarchie, § 61)

       Wie kann dieser Schild uns schützen, wenn wir die Weisungen nur teilweise befolgen? Deshalb werden jene Schüler, die bestrebt sind, die Vermächtnisse heilig zu halten und die geringsten Weisungen zu beachten, Schaffenskraft entwickeln und ihr Bewußtsein erweitern.

       Aus dem Buch ”Hierarchie”: ”Kann man den Kosmos verstehen, ohne bestrebt zu sein, in die höheren Sphären einzudringen? Nur diese Reihenfolge gibt allem Streben die Grundlage. Das Immerwährende existiert durch das Gesetz der Folgerichtigkeit weiter. Daher resultiert jede Isolierung im Verlust des Vorherbestimmten. So wird der Gedanke als der Träger des Gesetzes der Folge gezeugt. So bringt das Gesetz des Höheren Willens endlos etwas hervor.” (Hierarchie, § 61)

       ”Das Gesetz des Höheren Willens ist der Schöpfer zielführender Taten! Dieses Gesetz durchdringt den Raum, und nur die Erfüllung des Höheren Willens krönt unsere Taten. Kann man sich von den Weisungen des Höheren Willens abwenden, ohne den Sieg zu verlieren? Kann man bessere Wege finden, wenn der Schild des Lehrers durch die Hierarchie garantiert wird? Wer den Willen der Hierarchie ausführt, geht dem Sieg entgegen. Deshalb müssen die Schüler ihr Streben genau einsetzen, um den Höheren Willen zu erfüllen. Nur so werden wir Erfolg haben. Nur auf diese Weise werden wir den Sieg erlangen.”

       ”Hingabe an eine Idee, Hingabe an einen Führer bewirken Wunder. Zu allen Zeiten haben die Menschen die Bedeutung der Hingabe erkannt und entsprechend ihrem Bewußtsein verschiedene Methoden angewendet, von der Abnahme eines Eids bis zum Kirchenbann und der Inquisition. Und auch jetzt erheben sich nur die engstirnigen Verräter, voll von Neid und Zweifel, getrieben von der Furcht vor dem außergewöhnlichen Licht, gegen die unüberwindliche Macht der Hierarchie. Wir wollen ihnen sagen: ‚Erbärmliche Toren, ihr fürchtet alles Mächtige und Schöne; ihr fürchtet die Gedanken im Raum und die Schaffenskraft; ihr gehört nicht zu uns. Wir können in euren Höhlen keinen Platz finden, und ihr würdet euch in unseren geräumigen Gemächern nicht wohlfühlen, weil es in unseren Räumen jene modrige Schwüle nicht gibt, die ihr so sehr liebt.‘ ”

       Ich bestätige im Namen des Lehrers, ich bestätige durch meinen Geist, ich bestätige mit meinem Herzen, daß der Ergebenste der Größte sein wird. Wurde nicht gesagt, daß Ananda, der ergebenste Schüler Buddhas, tausendmal größer war als die anderen buddhistischen Archate?

       Beschäftigen wir uns mit bestimmten Vorgehensweisen unserer Feinde; wieviel strenger und eindrucksvoller sind diese als viele zaghafte Regeln von sympathisierenden Freunden. Die Feinde lehren uns, wie wir uns zu verteidigen und zu stärken haben, doch Freunde gestehen uns oft unseren größten Sieg nicht zu. Die weisen Römer pflegten zu sagen: ”Nenne mir deine Feinde, und ich sage dir, wer du bist.”

       Nehmen Sie mit dem ganzen Herzen diese Ausführungen auf und wenden Sie sie im Alltagsleben eifrig an. Wie eine Nadel von einem Magneten angezogen wird, so möge Sie unersättliches Streben zum großen Magneten hintragen. Den ganzen Sinn, die ganze Freude und Schönheit unserer Existenz birgt dieser Magnet. Vielleicht ist für Sie im Augenblick nicht alles ganz klar, doch wenn der Lehrer es für angebracht hält, will ich es näher erklären.

       Vergessen Sie die ständigen Prüfungen im Abstand von drei Jahren nicht. Es ist viel schwieriger, die gleichen Prüfungen wieder zu bestehen, weil die Umgebung sich geändert hat und es schwer ist, die verlorene Zeit aufzuholen sowie den verlorengegangenen Rhythmus zu finden, der, ohne auf die Verspäteten zu warten, weitergeht. Laßt uns deshalb mit unermüdlicher Anspannung arbeiten. Laßt uns unsere Schwingungen verstärken, damit wir die uns zugesandten Strahlen empfangen, die sonst an uns vorbeiziehen.

       Die Zeit ist kurz, und man sollte sich so viel Erfahrung aneignen. Die Arbeit geht voran; es wird schwer sein, wenn das Ausmaß der Arbeit über das Bewußtsein der Mitarbeiter hinauswächst. Erweitern Sie Ihr Bewußtsein, indem Sie sich von kleinlichen Gedanken, Gewöhnlichkeit und Mittelmäßigkeit befreien. Ein kleinlicher Gedanke vermag eine ganze Welt zu zerstören, genauso wie ein Riese auf einem Gebirgspfad über einen Grashalm in den Abgrund stürzen kann. Kleinliche Gedanken sind Sklaven eigen. Seid Könige des Geistes und erweitert Euer Denken in planetarem Ausmaß. Denkt daran, daß ein verfeinerter Organismus die Atmosphäre kleinlicher Gedanken nicht verträgt; er droht zu ersticken! Vermeidet deshalb Verurteilungen und sucht in jedem das Beste. Seid Könige des Geistes!

* * *

21. Januar 1931

       In dieser schweren Zeit, die wir jetzt erleben, wollen wir uns selbst über die Ursachen dieser Schwierigkeiten Rechenschaft ablegen. Mit voller Offenheit wollen wir die Hauptursache für diese Schwierigkeiten untersuchen. Wir werden sehen, daß die Wurzel dieses Übels weniger in äußeren Umständen liegt als im Mißverstehen der Weisungen, in deren Nichtbeachtung und Ablehnung und besonders in der Uneinigkeit der Mitarbeiter. Einigkeit ist die Grundlage jeder aufbauenden Tätigkeit, aber was zeigt sich?

       Kann der Schüler etwas erschaffen, kann er erfolgreich sein, wenn er nicht im Einklang mit den Geboten der Lehre tätig ist? Nein, tausendmal nein! Möge jeder in sich gehen und herausfinden, wie viele Weisungen nicht aufgenommen wurden, wie viele nur teilweise befolgt und wie viele kostbare Ratschläge überhaupt nicht angewendet wurden. Laßt uns ehrlich sein, denn ohne Aufrichtigkeit kann man den Weg nicht beschreiten.

       Versucht zu verstehen, meine lieben Freunde, daß jede Zelle unseres Körpers bei der Erfüllung des Höheren Willens vor Freude erbeben sollte, denn nur so können wir lernen und unser Bewußtsein erweitern. Je genauer man ihn erfüllt, umso mehr wird man sich nähern. Stellen Sie sich einen normalen Lehrer und einen ebensolchen Schüler vor. Was würde geschehen, wenn der Schüler gegen alle Erfahrungen und Weisungen des Lehrers Protest erheben und seine eigenen Methoden anwenden würde? Wieviel Energie würde dieser Narr verschwenden, um die Synthese des Lehrers zu erreichen! Durch Übergabe der Synthese aller Erfahrungen an einen Schüler hilft ihm der Lehrer, kostbare Zeit für weitergehenden und schnelleren Fortschritt sowie für individuelle Kreativität zur Verfügung zu haben. Was würde wohl mit der Evolution geschehen, wenn nicht ständig Erfahrungen weitergereicht würden?

       Wenn jeder nur durch persönliche Erfahrungen lernen könnte und die Führende Hand zurückweisen würde, hätten wir uns von den Ahnen der Steinzeit nicht weit entfernt! Ihr müßt erkennen, daß die Erfüllung des Willens unseres Lehrers nicht mit Unterordnung unserer Individualität unter einen fremden Willen gleichzusetzen ist, wie oberflächliche Menschen glauben, sondern höchstmögliche Entwicklung unserer Feinfühligkeit und Kreativität bedeutet, weil die Weisungen des Lehrers so viele Arten und Möglichkeiten der Erfüllung beinhalten. Doch normalerweise sieht und erfüllt ein Schüler kaum ein Zehntel davon. Können wir sagen, welche der nicht rechtzeitig erfüllten Weisungen mit den momentanen Schwierigkeiten zu tun hat? Jeder weiß, daß, wenn wir in einem Raum auf einen Gegenstand schlagen, das Echo an einer ganz anderen Stelle und auf einem unerwarteten Gegenstand erschallen kann. Laßt uns daran denken, daß dem allessehenden Auge nichts entgehen kann, daß wir alle laufend Prüfungen unterzogen werden, und daß derjenige, der mehr Talente hat, auch mehr leisten muß. Nur wenn wir uns ein besseres Verstehen der Hierarchie zu eigen machen, wird uns Höheres gegeben werden. Weist die vorbereiteten Möglichkeiten nicht von Euch und zerstört nicht, was Euch gegeben wurde. Werdet Ihr nachher nicht viel Energie für eine zweifelhafte Wiederherstellung aufbringen müssen? In diesem Zusammenhang will ich aus der Lehre zitieren:

       ”Wie lebhaft muß der Schüler die Macht der Aufnahmefähigkeit und die Tatsache begreifen, daß es nur ein Gesetz gibt, das den ganzen Kosmos regiert – den Höheren Willen; entlang dieser Linie vollzieht sich die Evolution des Geistes. Dieses Gesetz vereint alle zugehörigen und geoffenbarten Einheiten. Das ständige Streben nach Erfüllung des Höheren Willens führt zur Verfeinerung der Wahrnehmung. Nur dieser Weg bietet die Möglichkeit der entsprechenden Entscheidung im Erkennen und Erfüllen des Höheren Willens.” (Hierarchie, § 88)

       ”Auf diese Weise bringt die Höhere Vernunft auf der Erde durch die Macht der Hierarchie etwas hervor. Unsere Schaffenskraft erfordert in ihrem ganzen Umfang die Bestätigung der Hierarchie, in ihrem ganzen Verständnis, in ihrer ganzen Schönheit. Die Offenbarung des Verstehens der Hierarchie erschließt alle Möglichkeiten. Es ist richtig, das Gesetz der Hierarchie als den Gipfel der kosmischen Kreativität zu betrachten; aus ihr strömt Licht, zu ihr streben die Gedanken. So sollte man die besten Bestrebungen zu dem Gipfel der Hierarchie lenken. Nur wenn die höchste Bestätigung bewußt ins Leben integriert wird, kann das Höchste dem Höchsten gegeben werden.” (Hierarchie, § 83)

       ”Deshalb bringt jedes Streben, das zur Vereinigung des Schülers mit dem Lehrer führt, die Erkenntnis der höchsten Gesetze mit sich. Der Schüler, der den Lehrer zurückweist, offenbart so seine eigene Unwissenheit, weil er seine eigene Entwicklung hemmt. Jede Kraft, die den Geist nach oben zieht, beschleunigt die Entwicklung.” (Hierarchie, § 128)

       ”Ihr wißt bereits, wie angespannt die Zeit ist; und jenen, die von Furcht ergriffen sind, sagt, daß, wenn der Herr im Herzen wohnt, kein Haar vom Haupte fallen wird und für jeden ein Palast für den Körper und den Geist bestimmt ist. Doch haltet euer Herz rein, damit Ich dort eintreten und euch mit einem Panzer umgeben kann. Denkt daran, wenn ihr das, was ihr genommen habt, im Geist an den Herrn zurückgebt, wird Er es euch hundertfach lohnen. Lenkt eure Gedanken zum Herrn und laßt den Herrn in euer Herz eintreten. Ohne den Herrn wird es in dem leeren Herzen eng sein; und wie eine Erbse in einer getrockneten Schafsblase wird Zorn in eurem leeren Herzen toben. Füllt euer Herz so sehr mit dem Herrn, daß kein Feind eindringen kann. Friede sei mit euch!” (Hierarchie, § 79)

       Unser Weg besteht nicht aus Schlußfolgerungen, die für jeden nachvollziehbar sind. Sie können es bezeugen, denn bis jetzt vollzogen sich die Ereignisse nicht entsprechend der allgemeinen Logik. Beobachten Sie den Lauf der Ereignisse. Durch diese Erfahrung nähern Sie sich dem Vorherbestimmten. Sie werden bemerken, daß die Hand des Lehrers erst im letzten Moment eingreift; denken Sie an diese Regel. Wir sollten lernen, unabhängig zu handeln, aber daran denken, daß der Erfolg nur eintritt, wenn das Herz vom Herrn erfüllt ist. So ein Herz leuchtet wie ein Schwert des Lichts; es lodert, ist hilfreich und spendet Kraft. Deshalb rate ich, alle Kräfte des Geistes einzusetzen, um das Herz mit einem Panzer zu umgeben. Es hat genug Zweifel und Verurteilungen gegeben! Sie müssen die empfangene Weisung als Ergebnis, als unabänderliche Antwort betrachten.

       Vieles wurde zurückgewiesen, doch wir sollten nicht zurückblicken. Deshalb ersuche ich Euch, Euer Herz zu prüfen und es mit dem Bildnis des Herrn zu füllen. Der Lehrer hat schon viel kompliziertere Aufgaben als die momentanen Schwierigkeiten gelöst. Erinnern Sie sich, wie Sie vom Lehrer geführt wurden, als Ihr Herz ihm gehörte. In gleicher Weise wird Er alle jene führen, die Seine Weisungen befolgen. Erinnern Sie sich an das persische Märchen von dem Mann mit der langen Nase, der sich seine Nase am kleinsten Stein zerschlug?

       ”Wenn daher das höchste Streben zum Herrn dargeboten wird, sollten die aufgezeigte Bahn und der Brennpunkt gewahrt werden. Deshalb sollten all unsere Pfeiler geschützt werden, da Wolken aufziehen. Der Sieg ist uns vorherbestimmt, doch sollten alle Grundlagen geschützt werden, und das höchste Streben kann alle Möglichkeiten herbeiführen. Die Zeit ist ernst, aber wunderbar. Es ist eine Zeit der Vollendung und des Aufbaus. Es ist eine Zeit der höchsten Spannung und der irdischen Schlacht. Es ist eine Zeit, die ein großes Kapitel schreibt und eine großartige Zukunft aufbaut. Die Feinde toben so sehr, weil das höchste Gesetz ins Leben eintritt.” (Hierarchie, § 120)

       ”Möge jeder wie ein Fels sein und im Namen des Guru Verantwortung tragen. Sein Name ist ein Schild des Lichts! Möge jeder aufmerksam die Meinungen der sich nähernden Menschen anhören, doch die geringste Herabsetzung des Guru kennzeichnet den Feind am klarsten. Nur so werden wir lernen, Licht von Finsternis zu unterscheiden.”

       Die Aura des Guru (bezieht sich auf Prof. Roerich) ist der beste Prüfstein für die Neulinge, und jene, die versuchen, den Guru herabzusetzen, setzen auch die Hierarchie des Lichts herab. Laßt uns daher besonders wachsam und vorsichtig sein, wenn wir jenen begegnen, die herabsetzen und verleumden.

       Denkt Tag und Nacht an die große Zeit. Jede Unvorsichtigkeit, jede Leichtfertigkeit, jede Unaufmerksamkeit kann die schwersten Folgen haben. Legt Eure ganze Rüstung an und zeigt die unermüdlichste, die größte Ergebenheit gegenüber den Grundlagen, denn nur in ihnen liegt Eure Rettung in dieser bedrohlichen, aber schönen Schlacht. Denkt an die Worte von N. K. Roerich: ”Wir müssen auf den wahren Fakten aufbauen; all unsere Worte und Taten müssen klar sein wie Kristall, denn wir stehen im Blickfeld der ganzen Welt.”

* * *

13. Mai 1931

       Ich fahre fort, über die Hierarchie zu schreiben, da dieser Begriff, der die gesamten Grundlagen des Lebens, die Evolution des Geistes und den ganzen Aufbau umfaßt, noch nicht richtig verstanden wird. Wir müssen uns beeilen, ihn zu verstehen, da wir wenig Zeit haben, weil das schwerste Harmagedon tobt. Nur wenn wir mit unserem ganzen Herzen das große Prinzip der Hierarchie annehmen, können wir unser Bewußtsein erweitern, was für den Erfolg so notwendig ist. Wenn wir täglich in allem, was uns anvertraut ist, die größte Vorsicht walten lassen, werden wir unser Werk siegreich vollenden.

       Laßt uns vor allem ehrlich sein und bekennen, daß alle Schwierigkeiten und Fehlschläge durch Mißachtung der gegebenen Weisungen entstehen, durch Vergeßlichkeit, Leichtsinn, Zweifel und Mißgunst. Man kann den Wurm des Zweifels nicht verbergen; sogar ein unerfahrener Beobachter kann ihn wahrnehmen. Laßt uns gegen diesen Parasiten das wirksamste Mittel anwenden, und dieses Mittel ist Dankbarkeit gegenüber dem Großen Lehrer. Manchmal hilft es, sich mit den Millionen hin- und herschwankender Seelen zu vergleichen, die keine Vorstellung vom Morgen haben. Es ist nützlich zurückzuschauen und sich selbst Rechenschaft darüber abzulegen, was man war und was man geworden ist. Es ist hilfreich, unsere Vorstellungskraft einzusetzen und sich zu überlegen, wie sich unser Schicksal ohne die weise und wohlwollende Führung gestaltet hätte. Und schließlich sollte man ständig an das aufbauende Werk betreffend die Kultur der Zukunft denken.

       Wenn nach einer solchen ehrlichen und vielseitigen Prüfung unsere Herzen nicht mit Dankbarkeit, Ergebenheit und Liebe gegenüber dem Spender und Führer überfließen, dann sind sie vertrocknet und unser Bewußtsein ist eng geworden. Wenn unser Intellekt für einen Moment die ganze Macht, die ganze Schönheit und Unabänderlichkeit des großen Gesetzes der Hierarchie erfassen könnte, würden unsere niederen Gefühle und Gedanken in einem unbegrenzten Streben hinwegschmelzen, um den Zweck dieses führenden und schöpferischen Prinzips erfüllen zu können. Wir sollten daran denken, daß wir uns durch die Erfüllung der gegebenen Weisungen vor allem selbst helfen. Nie wird eine Weisung erteilt, wenn sie nicht auch angewendet und erfüllt werden kann. Die Unausführbarkeit besteht nur darin, daß unser kleines Bewußtsein nicht dazu bereit ist, daß wir nicht geistesgegenwärtig sind und die Angewohnheit haben, beim ersten Hindernis aufzugeben. Ein weiterer Grund liegt darin, daß wir Wert auf die Meinung von oberflächlichen, rohen und eitlen Menschen legen und Angst haben, weil wir uns fragen: ”Was werden sie über uns denken?” Doch wer wird etwas über uns denken? Es wird Zeit, gegen diese Furcht in jeder Weise anzukämpfen. Es wird Zeit, Eure eigene Macht und Würde zu erkennen. Ein großer Denker sagte einmal:

       ”Wer an der Meinung der Masse interessiert ist, wird sich nie über sie erheben.”

       Eigendünkel ist mit der Lehre unvereinbar, doch der eigenen Kraft zu vertrauen bedeutet nicht, eingebildet zu sein, und wenn dieses Vertrauen mit aufrichtiger Verehrung der Hierarchie gepaart ist, werden die besten Ergebnisse erzielt. Eigendünkel ist mit Verehrung der Hierarchie unvereinbar, das eine schließt das andere aus. Der Eingebildete wird die Weisungen nie genau befolgen, sondern sie immer entsprechend seinem eigenen Bewußtseinsstand, der durch Selbstsucht beschränkt ist, entstellen. Es ist sehr leicht, sich das Ergebnis verzerrter Weisungen vorzustellen! Werden diese oft nicht gerade die entgegengesetzten Ergebnisse bringen? Man sagt, daß ”eine verzerrte Weisung einem entgleisten Zug gleicht. Eine halberfüllte Weisung ist wie ein Haus ohne Dach oder wie eine halbe Dosis rettender Medizin, die Schaden oder Tod bringen kann.”

       Wenn wir diese für die ganze Menschheit bedrohliche Zeit unversehrt überstehen wollen, müssen wir uns in den Grundlagen der Lehre des Lichts bestärken und mit unserer ganzen Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und unserem Gefühlswissen die Lehre ohne Verzögerung im Leben anwenden, denn der Erfolg hängt vor allem von der rechtzeitigen Erfüllung ab. Alle Weisungen des Guru wurden und werden unter dem Aspekt der rechtzeitigen Erfüllung gegeben. Die verspätete Erfüllung einer Weisung kann Zerstörung verursachen oder zumindest sinnlos sein. Das Wissen über die Fristen ist ein wichtiges Wissen, denn in allen Lebensbereichen hängt der Erfolg von der Rechtzeitigkeit und vom Kennen der besten Richtung ab. Ihr, denen beides gegeben ist, müßt diese Schätze behüten!

       Jetzt können Sie sehen, wie die ganze Beharrlichkeit von N. K. (Nicholas K. Roerich), seine Ausführungen darüber, wie wichtig es ist, den öffentlichen Charakter unserer kulturellen Institutionen zu erhalten (und nicht nur das persönliche Interesse zu sehen), und sein ganzer Kampf gegen gewöhnliche Titel eine tiefe Bedeutung haben. Und die mangelhafte Umsetzung dieser Dinge brachte und wird noch viele Schwierigkeiten bringen.

       Der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, an dem Vertreter der Länder öffentlich die kulturellen Projekte in größerem Rahmen unterstützen werden. Mögen sich alle Frauen und die ganze jüngere Generation zum Schutz der Kultur vor jeder Unterdrückung und Verfolgung erheben; mögen sie diese lebensspendende Flamme mit ihrer ganzen Kraft behüten. Ohne dieses schöpferische Feuer können die Völker nicht leben. Zersetzung findet statt, wo die Kult-Ur ausstirbt. Ich wünschte, daß sich die mächtige ”Einheit der Frauen” Gehör verschafft und dem Geist der Jugend eine neue positive Richtung weist, die wahren Werte aufzeigt und hilft, durch die Integration eines neuen Verständnisses des Lebens und der Arbeit Lebensfreude zu finden. Frauen, Ihr seid an der Reihe, etwas Neues zu sagen!

* * *

       Einige Zitate aus dem Buch ”Hierarchie”: ”Wie viele unnötige Erscheinungen schaffen sich die Menschen selbst! Wie viele überflüssige karmische Schwierigkeiten bereiten sie sich selbst! Und dies alles nur, weil sie die Hierarchie nicht in ihrem Herzen aufnehmen wollen. Alle Bestätigungen können nur dann im Leben verwirklicht werden, wenn das Bewußtsein die Hierarchie akzeptieren kann. Alles Böse in der Welt wird aus der Ablehnung des großen Prinzips der Hierarchie geboren. Jeder Sieg wird nur durch das Prinzip der Hierarchie erfochten. Deshalb muß man sich der geoffenbarten Hierarchie so sicher sein.” (Hierarchie, § 276)

       Ich möchte noch einige Paragraphen über die Liebe anführen, denn die beiden Begriffe Hierarchie und Liebe sind untrennbar miteinander verbunden.

       ”Laßt uns auf den Begriff Liebe zurückkommen. In jedem Buch muß diesem fundamentalen Begriff ein besonderer Platz eingeräumt werden; denn unter dem Begriff der Liebe wird so viel Gegenteiliges verstanden. Es wurde aufgezeigt, daß Liebe ein führendes und schöpferisches Prinzip darstellt. Das heißt, daß Liebe bewußt, bestrebt und selbstlos sein muß. Kreativität erfordert diese Bedingungen. Und wenn Liebe durch Kraftlosigkeit, Trennung, Auflösung und Dienst an sich selbst gekennzeichnet ist, kann sie nicht den höchsten Begriff der Menschheit bilden, der den Wert der Heldentat preist. Das bis zum Rand mit Liebe erfüllte Herz wird tatkräftig und tapfer sein und seine Fähigkeiten ausbauen. Ein solches Herz kann ohne Worte beten und sich in Segen baden. Wie sehr bedarf die Menschheit der Erkenntnis des Feuers der Liebe! So ein Feuer gleicht einem purpurnen Stern der höchsten Spannung.” (Hierarchie, § 280)

       ”Es ist erforderlich, die fundamentalen Begriffe des Seins ganz genau zu erkennen. Die Liebe zur Heldentat bringen jene auf, die ein flammendes Herz besitzen; doch sie schreckt diejenigen ab, die ihre Schwächen lieben und die zögern, weil sie ihr eigenes illusionäres ‚Ich‘ umarmen. Liebe, die Welten bewegen kann, gleicht nicht der Liebe im Sumpf, wo die Gebeine der unbrauchbaren Überreste vermodern. Über dem Morast der Sümpfe findet man die Irrlichter des Zerfalls, doch das ewige schöpferische Feuer des Herzens irrt nicht umher; über die Stufen der Hierarchie steigt es entflammt zum Höchsten Licht auf. Liebe ist das führende schöpferische Prinzip. Unerträglich ist das Allmächtige Licht, doch die Hierarchie ist die Verbindung zu diesem blendendem Gipfel. Die Hierarchie führt einen erleuchteten Geist bis zu jenem Punkt, an dem man sogar erblinden kann. Liebe ist die Krone des Lichts.” (Hierarchie, § 281)

       Mit diesen schönen Zeilen will ich meinen Brief beenden. Freunde, füllt Euer Herz mit Liebe! Steht der große Adamant nicht an der Spitze unseres Tempels?

       Denken Sie daran und heißen Sie die Hindernisse willkommen! Nur diese Hindernisse werden den wundervollen Plan unseres lichtbringenden Kampfes bestätigen. Kommt der große siegreiche Abschluß nicht immer im letzten Moment? Oft waren wir Zeuge dieses wundervollen Gesetzes. Seien Sie standhaft! Das Recht ist auf Ihrer Seite, und es gab keinen Fall, in dem sich Vorherbestimmtes nicht erfüllt hat, wenn die engsten Mitarbeiter standhaft und ergeben waren. Kämpfen Sie mit Ihrer ganzen Kraft und mit einem freudvollen Geist! Tragen Sie jede Seite der Schwierigkeiten in die Schatzkammer Ihrer Erfahrung ein, denn nur diese Seiten und nichts anderes werden Ihnen die Krone des Sieges einbringen und Ihren Namen in der Kulturgeschichte bestätigen. Die Freude am Kampf ist ein grundlegendes Merkmal des Seins. Kampf verleiht die Macht des Geistes und das herrliche Geschenk der Unsterblichkeit. Überschätzen Sie die Bedeutung der gegenwärtigen Mißerfolge nicht. Versuchen Sie, aus allem zu lernen, und seien Sie bitte bereit, weitere Probleme zu überwinden und Fortschritte zu machen. Es gibt nichts Stärkeres als den menschlichen Willen, wenn er mit konzentrierter Kraft gelenkt und durch Liebe zur Hierarchie des Lichts gestärkt wird. Freuen Sie sich über die Ihnen anvertraute, große Aufgabe! Alles wird kommen, alles ist bereit, doch helfen Sie mit, indem Sie standhaft und der Hierarchie ergeben sind.

* * *

29. Mai 1931

       Es wurde gesagt: ”Es ist notwendig, die Vernunft und Gesinnung eines Königs zu erwerben.” Seid Könige des Gedankens und des Geistes. Seid die ergebensten, die eifrigsten Vollstrecker des Willens der Hierarchie. Nehmen Sie jede Weisung mit dem ganzen Herzen auf. Ergebenheit und Treue sind die wichtigsten Eigenschaften; deshalb werden sie heute so wenig geschätzt. Nur auf Treue kann man bauen, doch die Welt geht der Zerstörung entgegen, und deshalb rotten die Zerstörer diese fundamentale und aufbauende Eigenschaft aus. Treue ist jene Eigenschaft, die alles Große ziert; ohne Treue gibt es keine wahre Größe. Laßt uns daher diese schöpferische Kraft in all unseren Gedanken und Taten offenbaren.

       Wenn Ergebenheit im Herzen gepflegt wird, ist es nicht schwer, der rechten Richtung zu folgen. Während wir unser Streben fördern, müssen wir auch die für den Erfolg notwendige Wachsamkeit entwickeln. Laßt uns wie eine wachsame Mutter sein, deren Geist alle ihr Kind bedrohenden Gefahren fühlt und vorhersieht. Wer weiß, wie viele Schicksalsschläge durch einen wachsamen Geist abgewendet werden!

       In der Zeit der Gefahr und der großen Schlacht wollen wir an den Grundlagen festhalten und Unbesiegbarkeit des Geistes offenbaren. Jetzt ist es an der Zeit für mutige Taten, für breite Aktivität und überzeugende Bestätigungen. Laßt uns unsere Rüstkammer überprüfen, und wir werden sehen, daß sie unerschöpflich ist. Es ist nur erforderlich, für jeden Fall die geeignete Waffe zu wählen. Laßt uns die in unserem Besitz befindlichen Schätze untersuchen. Wir wollen die uns gesandten Perlen nicht entweihen, doch wenn es erforderlich erscheint, unseren Reichtum zu offenbaren, wollen wir dies auf eine kluge Art tun. Lassen wir es nicht zu, daß unsere wertvollsten Schätze geringgeschätzt werden, weil es manche gibt, die ihren wahren Wert nicht erkennen; aber wir sollten auch die kleinsten unter ihnen schätzen, denn der Wert ist nicht immer proportional zur Größe. Um es in allgemeine Worte zu fassen – es ist erforderlich, aus allem Nutzen zu ziehen und das Beste zu erreichen, denn diese Fähigkeit bedeutet, seine Kraft ökonomisch einzusetzen, und jeder weise Erbauer sollte sie besitzen. Wahre Wirtschaftlichkeit bedeutet nicht Verzicht auf die Grundlagen, sondern weise Anwendung in der Entsprechung.

       Alles wird sich zum Besseren wenden, wenn wir die Lehre ohne Abänderungen im Leben anwenden; wenn wir wahre Zusammenarbeit praktizieren; wenn wir aufhören, mit der einen Hand aufzubauen und mit der anderen zu zerstören; wenn wir verstehen, daß das begonnene Werk niemandem persönlich, sondern dem Allgemeinwohl dient; wenn wir verstehen, daß Nachlässigkeit, Unachtsamkeit und das Durchbrechen der Grundsätze durch einen einzigen Mitarbeiter als Nachlässigkeit aller Mitglieder betrachtet werden sollte – erst dann kann man die Bedeutung von Verantwortung verstehen. Der Begriff der Verantwortung hat nichts mit Entfremdung, Willensmangel oder damit zu tun, daß man immer tonangebend sein will. Verantwortung hat mit der Suche nach Gleichgewicht, Zweckmäßigkeit sowie der nur durch eifrige Zusammenarbeit erreichbaren Entsprechung zu tun.

       Jeder Mitarbeiter muß die Synthese sämtlicher Tätigkeiten aller Abteilungen vor Augen haben. Das ist nicht so einfach, doch man muß sich darin üben, weil es ohne Synthese unmöglich ist, richtig zu unterscheiden, und das macht es wiederum unmöglich, für jede Abteilung eine richtige Prognose zu stellen. Alle Gesellschaften oder Abteilungen bilden zusammen einen einzigen Organismus, und es ist unser aller Pflicht, für eine ganzheitliche Entwicklung und für sein Wachstum zu sorgen. Natürlich können ein gesunder Geist und ein gesundes Herz Unzulänglichkeiten anderer Organe leicht ausgleichen. Laßt uns daher diesen Grundlagen doppelte Aufmerksamkeit zuwenden!

       Wir bedauern, daß in den Berichten zu den besprochenen Problemen kein einziger Vorschlag unterbreitet und keine einzige Meinung geäußert wurde. Es ist kaum anzunehmen, daß auf so einer Bewußtseinsstufe eine einstimmige Entscheidung getroffen wurde. Es wäre daher ratsam, bestimmte Meinungen und Vorschläge in das Protokoll über die Sitzungen aufzunehmen und sie wieder in Betracht zu ziehen, wenn mehr Übereinstimmung erzielt worden ist. Dies könnte für die Geschichte der Institutionen sehr wertvoll sein, und viele Verleumdungen und Unannehmlichkeiten könnten vermieden werden. Wenn Aussagen nicht schriftlich festgehalten werden, können sie infolge Vergeßlichkeit abgeleugnet werden. Beispielsweise wäre es im Augenblick sehr wichtig zu wissen, welche Einwände und Vorschläge zu der Veröffentlichung der Broschüre über das ”Banner des Friedens” gemacht wurden. Wenn geäußerte Meinungen nicht niedergeschrieben werden, können vielleicht die wertvollsten verlorengehen. Die Menschen vergessen so schnell, besonders das, was für sie unangenehm ist . Doch das Wissen, daß unsere Meinung gedruckt werden soll, wird uns alle zwingen, uns zusammenzunehmen und unsere Kraft sinnvoll einzusetzen, denn jeder wünscht wohl, nur das Beste in Druck gehen zu lassen. Die Tatsache, daß kein einziger Gedanke, kein einziger Impuls – so vergänglich er auch sein mag – verlorengeht, weil er in unserer Aura und im Raum festgehalten ist, beunruhigt uns nicht, denn unser Vorstellungsvermögen ist zu begrenzt und unser Intellekt kann vieles nicht fassen. Wir wollen uns daher mit dieser wichtigen Erkenntnis selbst helfen und alles in einem Bericht niederlegen. Wir werden unser Verständnis ungeheuer erweitern, wenn wir unsere Entscheidungen prüfen und sie mit den Folgen vergleichen.

       Ich möchte Ihnen auch meine Gedanken über den Mangel an Vorurteilen und einen Mangel an Prinzipien mitteilen. So traurig es ist, es gibt Menschen, welche die Unvoreingenommenheit eines offenen Bewußtseins mit einem Mangel an Prinzipien verwechseln, obgleich diese beiden Begriffe einander entgegengesetzt sind. Der unvoreingenommene Verstand sucht nach grundlegender Wahrheit und übt daher immer seine Unterscheidungsfähigkeit. Und Unterscheidung ist der erste Schritt zu wahrem Wissen. Und wahres Wissen basiert immer auf strengen Prinzipien, sonst ist es kein wahres Wissen. Ein Prinzip kann in seiner Anwendung im Leben viele Hintergründe haben, doch seine Grundlage wird immer dieselbe sein: die Grundlage der Stichhaltigkeit oder der Wahrheit. Anders ausgedrückt ist ein Prinzip oder ein Gesetz immer zielführend, und wir wissen bereits, daß die kosmische Zweckmäßigkeit ein Grundsatz ist, der zur Schönheit führt. Deshalb müssen sich alle Taten eines unvoreingenommenen Menschen durch Wahrheit und Schönheit auszeichnen.

       Ein unvoreingenommener Mensch ist in seinen grundsätzlichen Überzeugungen stark, weil sie auf der führenden Wahrheit beruhen. Ein Mensch der keine Grundsätze hat, hat im allgemeinen keine Überzeugungen, da er sich selbst bewußt und freiwillig der Unterscheidungsfähigkeit beraubt hat, und sein Schicksal gleicht einem Ball, der von zufälligen Schlägen oder Umständen bewegt wird. Heißt es nicht in der Lehre über einen solchen Menschen: ”Oh Ball des Schicksals! Wohin wirst Du fallen und wo wirst Du abprallen? Das Licht wurde Dir gegeben. Beeile Dich, Ball, es rechtzeitig zu erreichen. Bezähme Deinen üblen, unkontrollierbaren Wirbel.” Mögen die Kräfte des Lichts uns vor üblen Strudeln schützen! Möge jeder von uns auf die errichteten Fundamente und Grundsätze bauen, um sie auch nicht durch Kleinigkeiten zu beeinträchtigen. Können wir aber immer jene Kleinigkeiten erkennen, die den Sturz verursachen können?

       Ich möchte aus dem Buch ”Hierarchie” zitieren: ”Manchmal kann man die kompliziertesten Gesetze durch einfachste Apparate demonstrieren. Das Karma-Gesetz ist komplex, doch nehmt die Ruhmkorff-Spule oder eine andere elektrische Spule, und ihr werdet eine anschauliche Vorstellung von Karma erhalten. Der Strom läuft ohne Unterbrechung entlang der Spirale, doch die Schutzwicklung unterliegt allen äußeren Einwirkungen. Außerdem berührt jeder Faden den Faden der vorhergehenden Runde und trägt die Auswirkungen der Vergangenheit mit sich. So verändert jede Stunde unser Karma, denn jede Stunde ruft die entsprechende Vergangenheit wach. So kann man die ganze Reihe der Erscheinungen aus der Vergangenheit berühren.”

       ”Doch dieses anschauliche Beispiel zeigt zugleich, wie unverletzlich das Geisteskorn ist; und wenn es den Höhen zustrebt, erhärtet es seine Schale, ohne die Vergangenheit zu fürchten. Karma ist nur für jene bedrohlich, die in Untätigkeit versinken. Doch ein strebender Gedanke befreit sich von der Last der Vergangenheit und strebt wie ein Himmelskörper vorwärts, ohne vom Weg abzuweichen. So kann man auch mit einem schweren Karma Befreiung erlangen.” (Hierarchie, § 295)

       ”Laßt uns sehen, wie die Menschen den Dienst an dem Herrn und der Hierarchie verstehen. Wer glaubt, nur durch Gebete aufsteigen zu können, ist vom Dienen weit entfernt. Wer glaubt, im Rahmen seiner Arbeit die beste Leistung für das Wohl der Menschheit zu erbringen, muß den Herrn in sein Herz aufnehmen. Wer seine eigene Bequemlichkeit nicht aufgibt, weiß nicht, wie man der Hierarchie dient. Wer die Weisungen der Hierarchie nicht akzeptiert, versteht nicht zu dienen. Nur wenn das Herz bereit ist, die vom Höchsten Willen gesandten Bestätigungen bewußt aufzunehmen, kann man sagen, daß der Dienst angenommen wurde. Wir sind weder Liebhaber von Beerdigungsriten noch von leeren Anrufungen des Herrn. Wir schätzen das Streben der Schüler im Dienst der Hierarchie. Man kann so leicht beobachten, wie jemand, der den Dienst im Geist nicht angenommen hat, den Herrn und die Hierarchie solange verehrt, wie dies für ihn angenehm ist. Wir sehen jede Anstrengung, die Hierarchie von der Last zu befreien, im Kleinen wie im Großen. Im Rahmen Unserer Schaffenskraft bestätigen Wir nicht durch Worte, sondern durch Taten. Daher bedauern Wir es, wenn Wir Verehrung in Worten wahrnehmen und nicht durch Taten.” (Hierarchie, § 295)

       ”Wenn der weise Guru (gemeint ist Prof. Roerich) die ganze Last der irdischen Schlacht trägt, müssen wir versuchen, seine Last zu erleichtern.”

       ”Das Streben der Menschen wird immer an ihrem Dienst für das Licht oder die Finsternis gemessen. Danach kann ihre Bestimmung im Leben beurteilt werden. Das schlimmste ist halbherziges Denken und Streben. Die Zerstörer vertrauen immer auf halbherziges Streben. Es gibt nichts Schlimmeres als einen halbherzigen Diener, denn er verbirgt sich hinter der Halbheit. Deshalb ist Uns ein offener Feind des Lichts lieber. Wir lassen die kleinen Würmer, die im Nebel zu den großen Schlachten kriechen, nicht ein. Deshalb muß Halbheit abgelehnt werden. Immer und überall sollte man den Umgang mit halbherzigen Menschen meiden. Wenn ein Schüler Halbheit offenbart, wirft ihn das um Jahrtausende zurück, und deshalb sollte man wissen, wann man das eigene Bewußtsein behaupten muß. Die Diener des Lichts werden Halbheit nicht zulassen.” (Hierarchie, § 302)

       ”Am schlimmsten ist es, wenn diese Halbheit jemanden befällt, der behauptet, auf dem richtigen Weg zu sein, weil dann Gedanke und Tat auseinanderklaffen. Daher ist Halbherzigkeit der Feind der Lehre, und wenn Wir diese in bezug auf die Hierarchie wahrnehmen, muß dieser zerstörende Umstand ausgerottet werden. Denn ohne Aufrichtigkeit kann es keinen Aufbau geben. Daher müssen die Schüler verstehen, wie wichtig es ist, aufrichtig bestrebt zu sein. Auf persönliche Bequemlichkeit, Eitelkeit, Selbstmitleid und Selbsttäuschung muß verzichtet werden, und man muß immer daran denken, daß die Hierarchie nicht belastet werden darf. Dies sollten jene bedenken, die das Dienen als ein Sich-Verlassen auf den Herrn und die Hierarchie mißverstehen.” (Hierarchie, § 303)

       So stehen wir in einer herrlichen und bedrohlichen Zeit, und nur durch die äußerste Anspannung unserer ganzen Kraft können wir siegen. Denkt auf breitester Ebene, besprecht miteinander, wie Ihr das Euch Übergebene am besten verstehen und anwenden könnt! Lernt es, Euch mit Würde dem Unwissenden und dem Zerstörer der Kultur zu widersetzen. Jetzt ist es erforderlich, die Idee des Friedensbanners umzusetzen. Man muß das Banner des Friedens und der Kultur als das wichtigste Symbol ansehen. Ich sehe, daß in ganz naher Zukunft die Liga der Kultur errichtet werden wird, in der sich die besten Vertreter des Denkens, Wissens und der Schaffenskraft sammeln und in der die Frauen ein volles Mitspracherecht besitzen werden; und diese Liga der Kultur wird die untergegangene Liga der Nationen ersetzen. Die Ereignisse in Spanien sollten der Welt wieder einmal beweisen, wie zeitgemäß die Idee des Friedensbanners ist! Neue Ereignisse nahen, und sie werden die Gegner der Kultur zwingen, sich in acht zu nehmen. Doch wird es dann nicht zu spät sein? Es ist notwendig, allen Unwissenden und all jenen, die versuchen, die Kultur zu unterdrücken, die richtige Antwort zu erteilen. Alle Werkzeuge stehen Euch zur Verfügung. Außerdem bestätigt jeder Tag ihre Rechtzeitigkeit.

       Heute muß jedes Land über die beste Art der Erhaltung seiner Kulturschätze nachdenken und darf auf keinen Fall versuchen, die Tätigkeiten, die das Volk und das Land bereichern, einzustellen. Diese Aktivitäten lenken die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Möglichkeiten der kulturellen Bedeutung Amerikas. Wir wollen uns nichts vormachen – Amerika hat bisher nicht zu den sogenannten führenden Kulturstaaten gezählt. Amerika wurde nur vom Standpunkt des Dollars und der technischen Zivilisation aus betrachtet. Die von Ihnen angeführten Worte eines offiziellen Vertreters Amerikas untermauern nur diese These. Würden wir zu solch einem Beamten über das Friedensbanner und die kulturellen Aktivitäten unserer Organisation sprechen, dann würde er sich wohl wundern: ”Worin liegt der Sinn, sich um so störende und unnötige Dinge zu kümmern? Doch da man sich unbedingt mit Kunst befassen will, warum investiert man seine zweifelsohne breitgefächerten Vorstellungen und seine Kunstkenntnisse nicht in die Organisation eines Spielklubs oder sagen wir in ein Kino. Das wäre verständlich, angenehm und sehr einträglich.” Solche Menschen werden die Bedeutung der Kultur nie erfassen. Wie sollen sie dann die historische Bedeutung der Vereinigung der wahren Vertreter der Kultur unter dem ”Friedensbanner” begreifen?

       In einem Aufsatz von N. K. findet man eine bemerkenswerte Definition von Kultur. Er sagte: ”Ein unwissender Mensch muß zuerst einmal zivilisiert werden; dann erzogen. Mit seiner Bildung wächst seine Intelligenz; dann kommt die Verfeinerung und Erkenntnis der Synthese, die durch die Annahme des Gedankens der Kultur gekrönt wird.”

       Kein einziger beschränkter Spezialist kann, unabhängig von seinen beruflichen Fähigkeiten, als kultureller Führer angesehen werden. Kultur bedeutet Synthese; Kultur versteht und kennt die Grundlagen des Lebens und der Kreativität, weil sie der Kult oder die Verehrung des schöpferischen Feuers, des Lebens, ist. Doch wer hat die Grundlagen des Lebens erkannt?

       Doch die neuen Ereignisse nähern sich, und alles wird neu bewertet werden. Das Bewußtsein wächst, und es gibt nichts, was dieses Wachstum aufhalten könnte; diese gigantische Welle überwältigt alles, was ihr in den Weg kommt. In Sicherheit ist man nur in einem Boot, das von der mächtigen Hand eines Steuermanns gelenkt wird, der nicht von dieser Welt ist. Allen, die in dem Boot sitzen, wird geraten, einander nicht zu stoßen, die Sitze nicht zu wechseln, sich nicht hinauszulehnen und nicht zurückzuschauen. Stattdessen sollten sie sich bemühen, den Rhythmus des dahineilenden Bootes zu teilen, das nicht mehr stehenbleiben kann, auch wenn jemand über Bord fällt, denn die Rettung der übrigen Menschen hängt gerade von dieser Eile ab. Laßt uns daher alle Feuer unseres Geistes sammeln und im Bewußtsein das Tempo unserer Arbeit erhöhen; wir wollen uns in Gedanken erheben, damit wir die Herrlichkeit der Ereignisse und das Zeitgemäße erkennen können. Vermeiden Sie Gleichgültigkeit gegenüber Einzelheiten, die Ihnen unbedeutend erscheinen. In dieser Zeit sollte die kleinste Einzelheit beachtet werden, die geringste Tat sollte vorsichtig in Angriff genommen werden. In diesen Tagen der äußersten Spannung käme Leichtsinn einem Verrat gleich. Besonders schwer wird alles, wenn der richtige Augenblick verpaßt wurde.

       Beobachten Sie, wie viele wundervolle Dinge sich ereignen! Die Teile des zerbrochenen Mosaiks werden von einer mächtigen Hand gesammelt und zu einem herrlichen Bild zusammengefügt. Die Einzelheiten treten unerwartet deutlich hervor, und ein aufmerksamer Geist wird erkennen, daß in diesem komplizierten Muster die Schichten einer wundervollen neuen Stufe der Evolution hervorgehoben sind.

       Meine Freunde – spannt Euer Bewußtsein an und schmiedet die Zukunft. Festigt Euch in den schönen und gesetzlichen Grundlagen und lernt, sie zu schützen! Denkt daran, daß nur der Gedanke siegen kann. So solltet Ihr immer die Antwort bereit haben, die Euren Gegner hilflos macht. Wie können wir gewinnen? Nur durch die Macht des Gedankens und die Kraft überzeugender Argumente.

* * *

 

3. Juni 1931

       Ich möchte weitere Zitate aus dem Buch ”Hierarchie” anführen, die ich als sehr zeitgemäß erachte:

       ”Beobachten wir die Arbeit der Finsteren. Es ist notwendig, ihre besonderen Gewohnheiten zu beachten. Sie werden sich nie über einen unbedeutenden Menschen empören; sie wissen, daß die ersten Stufen des Dienens für sie besonders nützlich sind. Ein unbedeutender Mensch ist auch im Falle des Verrats nebensächlich. Gerade Verrat ist die Hauptgrundlage des Unterminierens durch die Finsteren. Um verraten zu können, muß man etwas wissen. Dieses relative, noch nicht durch Hingabe gefestigte Wissen kann man auf den ersten Stufen finden. Man muß wissen, daß Verurteilung auf eine schwankende Ergebenheit wie Feuer wirkt. Es ist traurig, mit welch unmerklichen Abweichungen sich der Schüler selbst in Gleichgültigkeit zu verstricken beginnt, während er viele Worte der Rechtfertigung vorbringt. Wie die Klinge eines Messers verliert das Herz sein Schutznetz. Ohne Scheide verletzt die Klinge den Träger selbst. Doch solche Stachel führen nicht zur Heldentat, sondern erzeugen Gereiztheit. Wenn ein Tag mit Demütigungen des Lehrers erfolgreich vorüberging, warum sollte nicht auch der nächste Tag mit Lästerungen des Höchsten erfüllt sein? Ist jedoch der silberne Faden einmal gerissen, so ist die Klinge der Versteinerung schon unwiderruflich geschärft.” (Hierarchie, § 311)

       ”Man muß die Schwankenden beobachten, denn ihre ansteckende Wirkung ist groß. Oft sind sie gerade dabei, in die schwarze Masse zu versinken, doch die von ihnen verbreitete Lästerung trifft viele Unschuldige. Ihr müßt euch selbst gegen Gleichgültigkeit rüsten; sie zersetzt jedes Vorhaben, und welches Feuer kann aus der Kälte der Gleichgültigkeit entstehen? Die Manifestation der Bestätigung des Lehrers ist wie das Gießen von Blumen. Der bewässerte Garten wird nicht verdorren. Wir sind bemüht, das Werk voranzubringen. Wir bestätigen neue Dimensionen. Gleichgültigkeit gegenüber unseren Bestätigungen ist nicht zulässig.” (Hierarchie, § 312)

       ”Wenn der Geist mit Streben erfüllt ist, gibt es keine Gleichgültigkeit. Wenn der Geist entflammt ist, gibt es keine Gleichgültigkeit. Diese Eigenschaft macht immun gegen Gleichgültigkeit. Nur wenn der Geist zu Egoismus neigt, ist sein Tod nicht fern. Deshalb sollte man den Geist durch Flammen gegen Gleichgültigkeit schützen, wo sich das durch mangelndes Streben entstandene Übel einnisten will, wo dieses Übel einen Schlag, der seine Wirkungen bringen wird, zufügen will. Es ist sehr schwer, die Wurzeln des Übels, das durch Gleichgültigkeit entsteht, zu entdecken. Nur im endlosen, wachsamen Streben kann man Schutz für den Aufbau finden. Wenn man ein großes Werk aufbaut, muß man verstehen, daß Egotismus und Gleichgültigkeit unzulässig sind. Deshalb fordern Wir, daß der erste Gedanke dem Lehrer gewidmet wird. Kann man Fortschritte machen, wenn der Schüler sich selbst auf den ersten Platz stellt? Legten Wir nicht allem die Schönheit zugrunde? Deshalb muß jeder Gedanke als Grundlage einer großen Struktur geschätzt werden. Die Zukunft ist groß.” (Hierarchie, § 313)

       ”Unter den Arten des Mutes ist der überzeugendste der Mut des flammenden Herzens, wenn der Krieger in voller Entschlossenheit, im vollen Bewußtsein der Heldentat nur den Weg des Fortschritts kennt. Mit diesem Mut ist nur der äußerste Grad des Mutes aus der Verzweiflung vergleichbar. Mit der gleichen Eile, mit der der Mut eines flammenden Herzens die Zukunft bewältigt, flieht Verzweiflung vor der Vergangenheit. Wo der Mut eines flammenden Herzens fehlt, möge es den Mut der Verzweiflung geben. Nur so kann der Krieger siegen, wenn der Angriff gewaltig ist. Alle anderen Arten von Mut sind bedeutungslos, weil sich in ihnen Halbheit verbirgt. Diese an Feigheit und Verrat grenzende Eigenschaft muß vermieden werden.” (Hierarchie, § 314)

       So möge jeder sich mit dem Mut rüsten, der seinem Geist nahesteht. Glücklich ist, wer die Tapferkeit eines flammenden Herzens besitzt! Ihm fällt alles leicht, und freudvoll ist die Schlacht unter der Führung der Hierarchie des Lichts. Er wird die ihm anvertrauten Waffen heilig halten und an alle Gebote und Weisungen denken, weil alles in seinem flammenden Herzen enthalten ist und nicht in toter Schrift. Es wird nicht notwendig sein, ihn an die gleichen Vorschläge zu erinnern und auf die an der Wand hängenden, vergessenen Schilde hinzuweisen. Sein Herz wird eine unerschöpfliche Quelle der Kraft sein. Sein Bewußtsein wird nicht geteilt sein, weil das Ziel der Heldentat vor ihm erstrahlt, und all seine Gedanken und Bestrebungen werden wie Stahlpfeile fliegen, den Befehlen der Hierarchie des Lichts gehorchend.

       Es wird Zeit, das Bewußtsein zu läutern und alte Gewohnheiten abzulegen, weil die Zeit nicht stehenbleibt. Es wird schrecklich sein, wenn die Ereignisse uns überfordern. Ich bitte Sie, die alten Mißverständnisse zu vergessen und nur daran zu denken, wie das gemeinsame Werk gefördert werden kann. Jeder muß einen maximalen Beitrag leisten. Lernen wir die kleinen Stiche verletzter Eigenliebe zu übersehen. Wir müssen erkennen, warum uns die von einigen Mitarbeitern verursachten kleinen Komplikationen nicht kränken sollten. Wer Kleinlichkeit mit einem Lächeln begegnet, wird siegen. Und verachtenswert ist, wer seinem Mitarbeiter Steine vor die Füße wirft! Er wird dem Blick des Herrn nicht entfliehen können! Es heißt: ”Diese Steine werden für ihn zu einem Berg anwachsen.”

* * *

       Sie fragen, wie Sie jene anleiten sollen, die den Wunsch äußern, die Bücher der Lehre zu studieren. Vor allem ist es notwendig, die Persönlichkeit solcher Menschen kennenzulernen, ihre Lebensumstände, ihren Beruf, ihre Fähigkeiten etc. Auf jeden Fall können Rat und Führung nur individuell gesehen werden. Es ist ratsam, sie zu fragen, in welchem Maß die Ideen der Lehre ihren Alltag beeinflussen, in welchem Maß sich ihr Leben geändert hat. Aber am besten ist es, ihre Lebensweise selbst zu beobachten. Wenn die Lehre für sie nicht mehr ist als eine angenehme Anregung, die sie ablenkt, ist es besser, sich um solche Leute nicht zu bemühen. Sie sollten die Lehre – und vielleicht mit einem besseren Resultat – alleine studieren. Was das Interesse an den höheren Welten betrifft, ist es nicht ratsam, über Details des Lebens in den höheren Welten zu Menschen zu sprechen, die nicht einmal ihre Verantwortung auf der Erde erkennen – dies wäre mehr als leichtsinnig. Natürlich wird in den Büchern der Lehre oft darauf hingewiesen, daß die Menschen sich des Lebens in den höheren Welten und ihrer Verbindung mit dem Kosmos bewußt werden müssen. Laßt daher jeden auf seine Art diese Bereiche erkennen. Doch der Wunsch, mehr zu wissen als in den Büchern der Lehre steht, und die Unfähigkeit, das Recht auf so ein Privileg zu untermauern, zeugen von Leichtfertigkeit und schädlicher Neugierde. Es ist notwendig, besonders auf jene Menschen zu achten, die von An-fang an nach besonderem, für andere nicht zugänglichem Wissen verlangen. Gewöhnlich sind das Leute, welche die Lehre im Leben nicht anwenden.

       Eine charakteristische Frage mancher Menschen, die ein Buch der Lehre gelesen haben, lautet: ”Ist es möglich zu erfahren, welche die sieben Bestandteile der erwähnten Emulsion sind?” Oder: ”Handelt es sich bei dem erwähnten Präparat L. nicht um Salze der Zitrone?” Oder: ”Könnte der Rhythmus von Mahavan und Chotavan sowie die Formel der psychischen Energie – könnte mir dies nicht alles zugesandt werden?” Doch sie verlieren kein Wort über die wahren Grundlagen der Lehre. Es ist erstaunlich, daß solche Fragen von sogenannten intelligenten Menschen gestellt werden! Diese Menschen lesen die Bücher, ohne deren Inhalt zu begreifen. Oft erinnern solche Menschen an junge Spatzen. Sie picken nach dem ersten Korn, das sie erblicken, doch sobald sie ein anderes bemerken, verschmähen sie das erste. Dann fliegen sie zu dem dritten, und so weiter. Im Ergebnis verlieren sie, anstatt zu gewinnen.

       Deshalb sollten die Leute, die sich der Lehre nähern wollen, gründlich prüfen, in welchem Maße sie durch die Auseinandersetzung mit der Lehre ihre Gewohnheiten geändert haben. Wie steht es mit ihren Vorurteilen? Haben sie ihr Leben geändert oder nur ihre Worte? Sie sollen sich selbst oder dem erwählten Guru ihre Gedanken gestehen. Es gibt zu viele Papageien, warum sollte man sie noch vermehren? Oft bringen Papageien ihre Besitzer in peinliche Situationen. Sie bringen Lästerungen hervor anstelle von Anerkennung – oder umgekehrt.

       Es ist wichtig, seine schlechtesten Gewohnheiten zu erkennen und augenblicklich zu beginnen, sie auszumerzen. Die Schüler sollten täglich in ihren Tagebüchern festhalten, was in dieser Beziehung erreicht wurde. Mögen sie vorerst mit einer Gewohnheit ringen, denn es ist nicht leicht, sich zu ändern. Sehr sinnvoll ist es, die Qualität des Denkens zu beachten und keine boshaften, kleinlichen oder überhaupt unbedeutende Gedanken zuzulassen. Die Läuterung des Bewußtseins ist der erste Schritt. Nachher unterweisen wir den Schüler im Denken: wie man in eine Richtung denkt, ohne auch nur für einen Moment abgelenkt zu werden. Es ist wunderbar, wenn man sich auf das Bild des Lehrers konzentrieren kann.

       Ich sende Ihnen meine besten Wünsche. Möge Ihr Bewußtsein wachsen und sich erweitern! Welche Freude gibt es in der Einigkeit solcher Bewußtseine! Es gibt kein Hindernis, das diese Macht nicht überwinden könnte.

       Ich wollte diesen Brief beenden, doch ich denke, daß es nützlich wäre, einige Paragraphen aus der Lehre zu zitieren, da sie sehr passend sind:

       ”Die Neugestaltung der Welt verstärkt alle Kräfte des Kosmos. Wenn die Menschheit verstehen würde, daß jede Neugestaltung das Streben des Geistes erfordert, wäre es leicht, die Welt ins Gleichgewicht zu bringen. Doch die Völker denken nicht darüber nach, was sie in die Waagschale legen und wie das Gleichgewicht erlangt werden kann. Das Chaos der Gedanken ist für die Menschheit so negativ, und die hin- und hergeworfenen Völker sinken in die Tiefen, ohne Maßnahmen zur geistigen Veränderung zu ergreifen. Deshalb ist es an der Zeit zu erwägen, ob man dem suchenden Geist eine Antwort gibt. Wenn die kosmischen Störungen eine starke Spannung erfordern, muß die Menschheit wissen, wo sie nach dem Zentrum der Rettung suchen soll. Daher wird die Suche nach einem geistigen Zentrum unvermeidlich zur Hierarchie führen. Die Menschheit hat die notwendige Formel der Rettung verloren. Der Rettungsanker ist der Brennpunkt der Hierarchie. Nur bewußtes Streben und die Bestätigung der Hierarchie werden Rettung bringen. Ja, ja, ja! Deshalb gaben Wir die Grundlagen für die Taten und Arbeiten, die auf Schönheit basieren.” (Hierarchie, § 315)

       Man muß volles Verständnis für alle Gedanken und Schätze der Schönheit offenbaren. Es ist auch notwendig, die Feuer der Zentren zu verstehen. Nur so können wir den Sieg erringen. Natürlich wollen uns die finsteren Kräfte verletzen. Es ist notwendig, sie zu beobachten; ihre Furcht ist groß. Laßt uns die Grundlagen behüten.

       ”Die Schüler auf dem Weg des Dienens müssen das beste Streben ihres Geistes und Bewußtseins aufwenden. Wenn man etwas schaffen will, sollte man verstehen, daß nur die Anwendung der besten Offenbarungen entsprechende Ergebnisse bringt. Wir erwarten keine guten Ergebnisse, wenn der Geist nicht sein bestes Streben aufwendet! Oft wundern sich die Menschen, warum ihre Unternehmungen erfolglos verlaufen. Fragen wir sie, ob sie ihr Bestes gegeben haben. Haben sie sich nicht selbst durch Oberflächlichkeit, Unbeweglichkeit, Nachlässigkeit und Mangel an Hingebung zur Hierarchie gestört? Man muß die Entsprechung von Ursache und Wirkung erwarten. Man muß verstehen, daß jede unbedachte Tat, jede nicht zielgerechte Handlung viele unnötige und schädliche Folgen bringen kann. So müssen die Schüler auf dem Pfad ihre besten Bestrebungen und Hingabe zur Hierarchie entfalten.” (Hierarchie, § 317)

       ”Man muß vor allem sich selbst gegenüber wachsam sein und unermüdlich die Schaffenskraft beachten, welche die Heilige Hierarchie umgibt. Nur wenn sich Schüler diese Eigenschaft erarbeiten, kann man hoffen, daß sich der gewünschte Erfolg einstellt. Deshalb sollte man gegenüber allem, was um den Brennpunkt herum vor sich geht, äußerste Gewissenhaftigkeit und Wachsamkeit offenbaren. Jeder unbemerkte Fehler wird seine eigene Blüte treiben.” (Hierarchie, § 318)

       ”Man fragt, warum Wir mit der Zerstörung der Feinde so oft zögern. Es gibt viele Gründe. Wir wollen zwei nennen: Erstens sind es karmische Bindungen. Man kann einem Nahestehenden durch einen Schlag auf an ihn karmisch gebundene Feinde leicht Schaden zufügen. Man kann dies mit einem sehr heiklen chirurgischen Eingriff vergleichen, bei dem ein Chirurg ein krankes Glied deshalb nicht entfernt, weil dadurch eine Hauptarterie gefährdet wäre. Durch die karmischen Bindungen sind die wechselseitigen Beziehungen ungewöhnlich komplex. Lieber sondern wir den gefährlichen Reisegefährten ab, als die ganze Karawane aufzuhalten. Der zweite Grund ist, daß Feinde sich als Quelle der Energieanspannung erweisen. Nichts kann die Energie so sehr vermehren wie ein Gegenangriff. Warum sollten wir deshalb künstliche Hindernisse schaffen, wenn die Finsteren mit ihren ganzen Kräften dafür sorgen, unsere Energie zu vermehren?” (Hierarchie, § 319)

       ”Es ist notwendig, die ganze Bedeutung des Kampfes der Welt zu verstehen, wenn anstatt der Giftgase die Projektile der psychischen Energie umherfliegen. Es ist notwendig, ungewöhnliche Ereignisse zu beachten. Der Gedanke der Kultur wird überleben, und Sie haben recht, wenn Sie an die Weltherrschaft der Kultur glauben …”

       Meine Freunde, bitte erkennen Sie, auf welch festem Boden Sie stehen, wenn Sie alle Errungenschaften der Kultur verteidigen. Seien Sie guter Stimmung und finden Sie die notwendigen feurigen Worte! Vergessen Sie nicht, daß nur Begeisterung, Glaube und eifriges Streben den Geist der von Ihnen angesprochenen Menschen erwecken und entflammen kann. Entzünden Sie das schöpferische Feuer in Ihrem Herzen. Ich sende Ihnen einen Befehl: ”Greift an, als ob Euch Feuer verfolgen würde.”

       Denken Sie daran, wie Tamerlan der Große einen seiner mächtigsten Siege errang! Er setzte die Steppe hinter seinen Armeen in Brand. Vom Feuer verfolgt stürmten die Armeen vorwärts und schlugen den ihnen an Stärke überlegenen Feind. Verstehen Sie die Größe dieser furchtbaren Zeit. Erkennen Sie, daß hinter Ihnen alles in Brand steht und die einzige Rettung vor Ihnen liegt. Streben Sie vorwärts und halten Sie sich an dem Ihnen anvertrauten Banner fest.

       Wir möchten in Ihren Briefen den Aufstand Ihres Geistes erkennen und Ihren Eifer. Suchen Sie nach feurigen Mitarbeitern, welche die Bedeutung der Kultur begreifen. Erkennen, doch verwerfen Sie alles Tote und Unwissende, und heißen Sie den Kampf immer willkommen. Sie können Ihre Möglichkeiten nur durch Kämpfen vermehren.

       Sie sollten voll Kraft über Ihre internationalen kulturellen Tätigkeiten sprechen können! Der Pakt zur Verteidigung der Kulturschätze und das Interesse, das er in den kulturellen Kreisen der Welt geweckt hat – Sie haben viele Briefe erhalten, die dieses Interesse bestätigen – das allein gibt Ihnen das Recht, Aufmerksamkeit und Förderung Ihrer Anstrengungen, das Niveau des kulturellen Standards Ihres Landes zu heben, zu verlangen. Weisen Sie darauf hin, daß die Namen derer, die helfen, menschenfreundliche und kulturelle Ideen zu entwickeln, in die Geschichte eingehen. Erwähnen Sie, daß der weltweite Widerhall auf den Aufruf, einen Pakt zur Verteidigung der Kulturschätze zu unterstützen, beweist, daß das Bewußtsein der ganzen Menschheit erwacht ist und sie danach verlangt, die Schätze der menschlichen Kreativität zu verteidigen. Daher sollte jede Regierung, die im Einklang mit der Evolution voranschreitet, diese kosmischen Forderungen vernehmen und die Errungenschaften der Kultur schützen. Der Raum ist erfüllt von diesen Forderungen. Es ist unbedingt notwendig, gegen die herannahenden Ereignisse, die durch Erschütterungen der finsteren Kräfte hervorgerufen werden, anzukämpfen. Es werden noch einige Jahre vergehen – und vieles wird geschehen, was nicht mehr gutzumachen sein wird.

       Sammeln Sie alle Tatsachen, sehen Sie das Ihnen zur Verfügung stehende Material durch – und bestätigen Sie sich Ihre Unbesiegbarkeit. Sie sind Vertreter der Neuen Epoche, der Epoche der umfassenden Zusammenarbeit und der Verkündigung der Vorherrschaft der Kultur.

       Die Zeichen sind viel gefährlicher, als die Leute glauben. Unterirdische Feuer brechen durch, und viele Dinge werden wie Stroh in Flammen aufgehen. Nur die Blinden erkennen nicht, auf welchem Vulkan sie wohnen!

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11. Juni 1931

       Der Aufruf zur Schlacht und der Befehl zu einem Angriff, als würde das Feuer hinter Ihnen toben, hat Sie bereits erreicht. Wir bitten Sie, die Befolgung dieses Befehls nicht hinauszuschieben, da es wirklich Feuer hinter Ihnen gibt, und jeder falsche Schritt, jede Verzögerung kann Sie verbrennen. Schreiten Sie voran, ohne zurückzublicken, denn man muß soviel wie möglich vor der Zerstörung retten. ”Möge man in Amerika verstehen, daß die Krise im Land selbst nichts anderes ist als ein Schlachtfeld.” Es gibt keine bessere Möglichkeit! Die Lehre besagt, daß der menschliche Geist nie erwachen wird, solange er in glücklichen und bequemen Häfen weilt. Deshalb sind geistiger Aufstieg und die Erkenntnis der wahren Werte nur in den Tagen der Erschütterung zu erwarten. Die bedrohliche Zeit wird viele zwingen, einen Ausweg und Rettung zu suchen. Versuchen Sie, Ihr Bestes zu geben, und verbinden Sie sich ohne Verzögerung mit dem großen Brennpunkt! Möge sich niemand durch die scheinbare Ruhe täuschen lassen, denn sie ist trügerisch – diese Ruhe kann gefährlicher sein als ein Sturm.

       Kämpfen Sie mit Ihrer ganzen Kraft! Bestehen Sie auf Ihren Rechten im Namen des Großen Allgemeinwohls, im Namen der Kultur! Halbheit ist immer schädlich. Suchen Sie den umfassenden Sieg und völlige Befreiung, so daß Ihre ganze Kraft auf die Erweiterung der Kultur Ihres Landes gerichtet ist. Aktivität ist heute notwendig, Aktivität auf breitester Basis. Fürchten Sie die erhöhte Zahl Ihrer Komitees und die vermehrte Arbeit nicht; Ihre Arbeit ist schön und Ihre Taten entsprechen dem Gesetz wie all Ihre Absichten. Sie sollten so großräumig wie möglich aussäen, denn Sie können nie sagen, woher die größte Ernte kommen wird. ”Die Glocken aller Länder sind erforderlich, und ihr Erklingen ergibt eine Symphonie.” In der Zeit des beginnenden Niedergangs und der Zerstörung werden wir aufbauen und etwas schaffen; wir werden alle kulturellen Errungenschaften schützen und die Grundlagen des Seins bestätigen.

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17. Juni 1931

       Wir sind besonders glücklich über Ihren Mut und Ihre Kühnheit, über Ihr Vorwärtsstreben und Ihre Pläne für die Zukunft. Nur wer geistig bestrebt ist, kann den Abgrund überqueren – in der Tat einen Abgrund, denn sind wir nicht Zeuge, wie sich so viele selbst zerstören? Allein das ”Requiem” der amerikanischen Banken ist äußerst bezeichnend. Der ungesunde, aufgeblähte, unausgeglichene Wohlstand des Landes kann sich nicht lange halten. Das verborgene Geschwür muß aufbrechen, und wehe jenen, die es versäumen, dem Übel durch Verbesserung der geistigen Gesundheit der ganzen Bevölkerung rechtzeitig Einhalt zu gebieten!

       Wie blind sind jene, die glauben, daß sie durch Rückzug, durch Mißbrauch des ”Kelches der Welt” bestehen und gedeihen können! Die Strafe naht und wird unvermeidlich über sie hereinbrechen. Fürchterlich wird diese Strafe in ihrer kosmischen Entsprechung und Gerechtigkeit sein, denn man kann nicht den wichtigsten Teil des planetaren Organismus plündern, ohne sich selbst zu vernichten. Deshalb richten Sie, scharfsichtig wie ein Falke, den Blick weit nach vorn. Verfolgen Sie die Ereignisse und sehen Sie die Zukunft voraus.

       Die künftige Liga der Kultur wird ihre Autorität offenbaren und das Gleichgewicht in dieser Welt festigen; doch jetzt ist es noch zu früh, um darüber zu sprechen. Obwohl diese Liga bereits im Unsichtbaren besteht, sollte vorerst das Banner des Friedens unterstützt werden. Die Leute müssen von der Bedeutung des Wertes geistiger Schöpferkraft erfüllt sein und jede derartige Manifestation achten. Die Träger des geistigen Feuers werden die wahren Schätze ihres Landes sein. Mögen vor allem die Frauen die ganze Bedeutung des Banners des Friedens und der Kultur erkennen und in kraftvoller Einigkeit nicht nur theoretisch, sondern praktisch die Steine für den Bau der Neuen Welt herbeitragen. Berge bestehen aus Steinen. Laßt uns auch den kleinsten Stein nicht verschmähen!

       Wieder muß ich Ihnen schreiben und Sie bitten, allem, was über Verantwortung gesagt wurde, doppelte Aufmerksamkeit zu schenken. Wir freuen uns auf die Zeit, in der dieser Begriff vom menschlichen Bewußtsein richtig erfaßt und dann das wahre, erfolgreiche und schöpferische Werk beginnen wird.

       Ich habe schon oft geschrieben, daß Verantwortung nur von jenen richtig verstanden wird, die in ihrem täglichen Leben die beste Zusammenarbeit verwirklichen. Jeder, der für eine bestimmte Abteilung verantwortlich ist, trägt die persönliche Verantwortung für schöpferische Erfüllung. Doch jeder Direktor muß verstehen, daß er nur ein Mitglied einer umfassenden Organisation ist und mit den anderen Mitgliedern harmonisch zusammenarbeiten muß, um das normale Wachstum der Organisation nicht zu stören und damit seine eigene Kapazität nicht zu beeinträchtigen. Jeder muß mit seiner ganzen Aufmerksamkeit die allgemeine Entwicklung sicherstellen. Natürlich ”ist es lächerlich, wenn sieben Leute einen Stuhl tragen”, wie N. K. sagte. Doch man muß miteinander besprechen, wo der Stuhl hingestellt werden soll; denn nur durch allgemeine Übereinstimmung wird er so hingestellt werden, daß sich keiner der Mitarbeiter an ihm die Nase zerschlägt.

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       Zeit, Zeit, Zeit! Bis wir die Bedeutung der Zeit nicht genau erkannt haben, werden viele Möglichkeiten verstreichen. Wie können wir eine erfolgreiche Zukunft aufbauen, wenn wir nachlässig und immer zu langsam sind? Wir müssen dem kosmischen Rhythmus folgen, der ”presto prestissimo” anzeigt. Überlassen wir alle Moderati, Diminuendi und Morendi unseren Feinden. Es gibt keine größere Zeit in unserer Geschichtsepoche!

       Warum schweigen die Gesellschaften aus Südamerika? Ich hoffe, ich werde in diesem Fall kein Prophet sein, wie im Fall des Präsidenten von Peru! Man kann ein sehr redegewandter und erfolgreicher Vortragender sein, doch nur der Magnet des Geistes kann gute Ergebnisse gewährleisten. Doch der geistige Magnet kann sich nur bei aufrichtiger Bestrebung und vollständiger Selbstaufopferung entwickeln. Die Fruchtbarkeit jeder Tat geht vom Magneten des Herzens aus.

       Es ist auch notwendig, der Presse gegenüber eine sehr vorsichtige, aufmerksame und kultivierte Haltung einzunehmen. Viele von unseren Feinden verfaßte Artikel, die Sie noch erschrecken, erfreuen uns, weil sie bei den Lesern Interesse wecken und uns gleichzeitig nicht wirklich herabsetzen können. Schrecklich ist die farblose und ”genaue” (ihrem Bewußtsein entsprechende) Übermittlung von Tatsachen durch sogenannte ”freundliche” Menschen. Doch die Verzerrung von Tatsachen durch Feinde ist immer verblüffend und dient uns sehr. Jetzt ist die Zeit der ”Heißen” und ”Kalten” – alle ”Lauen” werden ausgestoßen.

       Empören Sie sich mit Ihrem ganzen Geist; seien Sie mutig; seien Sie sich der großen Zeit bewußt und dessen, was Sie besitzen!

       Erkennen Sie Ihre persönliche Bedeutung ohne Eigendünkel, Hochmut und Überheblichkeit. Der Hochmut der Unabhängigkeit entfernt uns von der segensreichen Suche und somit vom weiteren Fortschritt. Ohne Suche kann man den Strahl der Hierarchie weder finden noch ihm begegnen oder ihn aufnehmen.

* * *

       Ich hoffe sehr, daß Sie den heranwachsenden Krieger nicht verziehen! Lehren Sie ihn, beflissen, aufmerksam und ausdauernd zu sein. Entwickeln Sie in ihm den Sinn für Zusammenarbeit, das Gefühl der Hilfsbereitschaft und des Mitleids gegenüber Tieren und Notleidenden. Lehren Sie ihn von frühestem Alter an zu helfen. Kinder sind so glücklich darüber, wenn Erwachsene sie um Hilfe bitten. Sie können die Gelegenheiten für diese Hilfe herbeiführen. Sie müssen ihn lehren, folgsam und höflich gegenüber Erwachsenen zu sein. Lehren Sie ihn, an andere Menschen zu denken und darüber glücklich zu sein, wenn er sie trösten kann. Am schrecklichsten ist es, in einem Kind Selbstsucht und Geiz zu züchten, da diese Laster in ihm das Wachsen des Geistes beschränken. Es gibt nichts Schrecklicheres als eine egotistische und gemeine Person. Kein Wunder, daß in der Literatur aller Völker diese schrecklichen Laster der Menschheit in unsterblichen Bildern verewigt wurden. Die schlechten Eigenschaften haben den gegenwärtigen Niedergang der Menschheit gebracht und werden zu einer schrecklichen Katastrophe führen. Sterilität in der Kreativität ist das Ergebnis von Egotismus. Laßt uns sehen, was die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK sagt: ”Individualität und Egoismus sind wie Geburt und Tod. Das Entstehen der Individualität zeigt den Aufbau einer Neuen Welt, während Egotismus sich in den toten Vulkanen des Mondes spiegeln kann. Doch Egotismus tötet nicht nur den Betroffenen ab, sondern schädigt die Umgebung durch Unfruchtbarkeit, wogegen Individualität in allen angrenzenden Lagern Feuer entzündet. Zusammenarbeit ist die Krone der Individualität, doch die Geißel des Egotismus ist wie der Stachel eines Skorpions. Kann man auf Egotismus bauen? Nicht mehr als auf eine Schlange! Doch wahre Individualität beinhaltet die Grundlage der universellen Gerechtigkeit. Wir müssen Individualitäten sammeln, da ein neuer Diamant geschliffen werden muß, doch der Egotist muß viele Inkarnationen auf sich nehmen. Dieses Gesetz kann natürlich durch das Feuer des Herzens durchbrochen werden. Deshalb kann man dem Egotisten nur raten, sich durch die Nähe eines feurigen Herzens zu entzünden.” (Hierarchie, § 342)

       ”Nicht ohne Grund entzünden Wir die Leuchttürme eines feurigen Herzens – als Stätte der Zuflucht für den Wanderer. Ein feuriges Herz hat es nicht leicht, doch es opfert sich für seine Nachbarn, was genau dem Gebot des Segens entspricht. Doch Freude ist eine besondere Art der Weisheit.” (Hierarchie, § 343)

       Laßt uns über alle Schwierigkeiten, die Schuld und all den Verrat hinwegstreben. Das erweiterte Bewußtsein wird uns dabei helfen; deshalb richten wir es dorthin, wo bald das Große Licht entzündet werden wird. Die Waage befindet sich in den Händen des Höheren Willens, und was kümmert uns die Zwietracht, die sich in Blindheit gegen uns richtet? Die Gerechtigkeit des Raums kann nicht umgangen werden. Die ganze Geschichte der Menschheit beweist das. Was blieb von denen übrig, die sich über die großen Arbeiter für das Wohl der Menschheit gestellt haben? Ihre Namen sind völlig in Vergessenheit geraten und wurden mit stiller Verachtung bestraft.

       Ich möchte einige bemerkenswerte Zeilen anführen: ”In maßlosem Leid und Entbehrungen, in Hunger, Blut und Schweiß nahm Rußland die Last auf sich, die Wahrheit für alle zu suchen. Rußland sucht und kämpft, Rußland sucht das Reich des Lichts …”

       ”Das Pathos der Geschichte übersieht jene, die mit ihrem beschränkten Wissen über die Wahrheit zufrieden sind und die eingebildet und selbstgefällig sind. Die feurige Begeisterung kommt nicht zu den ”beati possedentes”, sondern zu denen, deren Geist angespannt ist. Die Schwingen der Engel bringen das Wasser der Quelle in Bewegung.”

       ”Es scheint, als gäbe es in der Welt keine Veränderungen – außer jener, daß es in der bequemen zivilisierten Welt kein Rußland mehr gibt. Und durch sein Nichtvorhandensein gibt es eine Veränderung, da in dieser besonderen ‚Nichtexistenz‘ Rußland in einer gewissen Weise zu einem ideologischen Zentrum der Welt wird.”

       ”In die Sprache der Wirklichkeit übersetzt würde dies bedeuten, daß auf der Bühne der Weltgeschichte eine neue, kulturell-geographische Welt erschienen ist, die bisher nicht die Bedeutung einer führenden Macht hatte. Wir blicken in die Zukunft. Bewegt sich die Göttin der Kultur nicht vom europäischen Westen, wo sie für so lange Zeit verweilte, in den Osten? Schreitet sie nicht zu den Hungernden, den Armen, zu jenen, die soviel erlitten haben?”

       ”Wir stehen unter der Macht der Vorahnung. Es gibt eine Gefahr der Einbildung durch Vorahnung – eine bestimmte Art von Einbildung, die Einbildung von Leid. Einbildung zu dulden bedeutet, sich geschlagen zu geben. Was man als Wahrheit ansieht, sollte man nicht verbergen. Doch mit bloßen Vorahnungen kann man sich nicht zufriedengeben. Geschichte entsteht nicht durch Quietismus, sondern durch die heroischen Errungenschaften jener, die nach Vollkommenheit streben. Die Eingebildeten verlieren den Segen des Suchens und sind zur Unfruchtbarkeit verurteilt. Es gibt nichts Unvermeidliches; es gibt alle Möglichkeiten.”

       ”Nur durch intensive schöpferische Tätigkeit, nur dadurch, daß man keine Angst davor hat, seine Fehler und Schwächen einzugestehen, nur um den Preis beständiger Anstrengungen, die sich in den Formen der ‚Plastischen Welt‘ materialisieren (die unserem Willen erschlossen ist), werden Möglichkeiten zur Wirklichkeit.”

       (Geschrieben 1921)

30. Juni 1931

       Sie schreiben, daß auch gute Leute das Buch HIERARCHIE nicht verstehen. Dies zeigt uns wieder einmal, wie vorsichtig man sein muß, um jene nicht zu erschrecken, deren Bewußtsein noch nicht ausreichend entwickelt ist. Der Wachstumsvorgang des Bewußtseins und die Aufnahme von neuen Gedanken geht sehr langsam vor sich. Jede Art von Zwang ist daher gefährlich. Nur ein entwickeltes Bewußtsein kann das Gesetz der Hierarchie vollkommen erkennen und inbrünstig aufnehmen. Denken wir daran, daß auch unser Bewußtsein auf die Aufnahme dieser großen Grundlagen der kosmischen Schöpfung und der Evolution schrittweise vorbereitet wurde. Bitte versuchen Sie, gegenüber Neulingen höchste Geduld zu üben und verlangen Sie nicht zuviel. Äußerste Anspannung können wir nur von den engsten Mitarbeitern verlangen, deren Bewußtsein gemeinsam mit ihrer Arbeit wächst.

       Sie kennen die Bedeutung der kosmischen Schlacht, die vor sich geht. Sie wissen, daß je direkter der Weg ist, umso schwieriger und verantwortungsvoller ist die Errungenschaft. Sie wissen, daß das Hindernis ein Zeichen schneller Errungenschaft ist. Sie sind gewohnt, Schwierigkeiten durch Bestrebung des Geistes zu überwinden, und sie waren Zeuge vieler Siege.

       Sie sollten nicht glauben, daß sich die Lebensbedingungen in der Welt rasch verbessern werden. Nein, die vorhergesagte, bedrohliche Zeit ist jetzt in ihrer ganzen Härte angebrochen, und alles wird noch komplizierter. Halten Sie daher, da Sie über ein bestimmtes Wissen verfügen, alle Warnungen, Winke und Weisungen heilig. Nur durch verstärkte Zusammenarbeit, durch prompte und genaue Erfüllung der Vorschläge werden Sie in dieser beschwerlichen Zeit vorankommen.

       Nehmen Sie sich in acht vor Mitarbeitern mit einem kleinen Bewußtsein, denn ein unentwickeltes Bewußtsein wird versuchen, alles herabzusetzen. Doch wir wissen, daß Zerstörung besonders durch Herabsetzung und Mißachtung entsteht. Angemessenheit ist eine sehr schwer zu erlangende, jedoch notwendige Eigenschaft.

       Ohne sie kann man weder Fortschritte machen noch etwas aufbauen. Die Lehre besagt, daß ohne die Eigenschaft der Entsprechung eine Person nicht als geistig entwickelt betrachtet werden kann.

       Bitte erkennen Sie die Bedeutung des von Ihnen in Angriff genommenen Werkes! Wie können Sie von anderen Menschen Verständnis erwarten, wenn Sie selbst nicht überzeugt sind? Wie können wir unseren Mitarbeitern Kraft spenden, wenn es uns selbst daran mangelt? Das Friedensbanner und die Einheit der Frauen im Namen der Neuen Ära der Kultur sind zwei gigantische geschichtliche Herausforderungen. Bitte versuchen Sie zu erkennen, wie ernst die Situation der Welt ist, und wenden Sie all Ihre Fähigkeiten auf, um diesen rettenden Ideen zum Durchbruch zu verhelfen. Jeder Ihrer Schritte sollte gründlich durchdacht werden und Ihrer großen Aufgabe entsprechen. Doch hören Sie nicht auf die Ratschläge, die der farblosen Konventionalität entspringen! Jede Verzögerung wird noch schlimmeres Strandgut mit sich bringen. Halten Sie das Banner der Kultur und die erhaltenen, reinen Bestätigungen aufrecht. ”Säen Sie weiträumig; es ist nicht richtig, die kostbare Saat nur im eigenen Garten zu verstreuen.” Am wichtigsten ist es, die Beschuldigungen des Feindes nicht zu fürchten, denn all unsere Opfer für das Allgemeinwohl tragen keine Spur von Selbstsucht oder Zerstörung in sich! Bestehen Sie im Namen der Opfer, die Sie für Ihr Land bringen, auf Ihren Rechten!

       Ich befürchte, daß viele wunderbare Ratschläge und Erklärungen von N. K. nicht angewendet und in der Verteidigung Ihrer Rechte nicht zitiert werden. Seien Sie nicht träge und lesen Sie sie erneut! Denken Sie daran, daß nicht alles sofort aufgenommen werden kann. Doch wenn Sie bestimmte Aussagen aufnehmen oder sich ihrer erinnern, werden Sie viele Dinge vereinfachen können. Auch werden Sie ein wachsames und lebhaftes Denken entwickeln, was sehr wichtig ist. Vergessen Sie nicht, daß wir durch Gedanken siegen.

       Darüber hinaus lassen Sie sich durch die oberflächliche Liebenswürdigkeit, die zu nichts führt, nicht beeindrucken. Unterscheiden Sie zwischen wahrer, ehrlicher Freundlichkeit und scheinheiliger Liebenswürdigkeit! Eine gute Schlacht wird früher zum Sieg führen als flüchtige Freundlichkeit. Greifen Sie tapfer an; halten Sie Ihre Waffen und Schilde bereit – fordern Sie! Manche von unseren Mitarbeitern haben für ihre Errungenschaften noch keinen harten Kampf geführt. Sie haben die Höhen zu rasch erreicht. Daher können sie die Errungenschaften anderer, die hart zu kämpfen hatten, nicht wirklich schätzen. Wachsen Sie in Ihrem Bewußtsein! Denken Sie an die Bedeutung unserer Zeit, die große Möglichkeiten bietet. Lassen Sie sich durch Gedanken inspirieren, und jedes kleine Boot wird eine wertvolle Ladung bringen! Bitte bedenken Sie, daß wir es heute mit der großen Masse zu tun haben, weil die Menschen das lebendige Feuer der schöpferischen und aufbauenden Arbeit schon aufnehmen können. Unter den gewöhnlichen Menschen gibt es viele suchende Seelen, die zu Opfern im Namen des Allgemeinwohls fähig sind.

       Ich erwähne hier einige sehr bedeutende Ratschläge: ”Seien Sie durch die Notwendigkeit scheinbarer Wiederholungen nicht beunruhigt. Erstens wird nichts wiederholt, auch die gleichen Worte erscheinen zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschieden. Zweitens sollte man Tag und Nacht über die Hierarchie nachdenken. Sie haben recht, daß die Hierarchie der Knechtschaft zu Ende gegangen ist, doch das Entstehen bewußter Hierarchie wird von menschlichem Leid begleitet. Es gibt zuviel Sklaverei in der Welt, und jede Flamme des Bewußtseins wird unterdrückt. Sklaverei und eine bewußt erkannte Hierarchie sind Gegensätze wie Tag und Nacht. Lassen Sie sich daher nicht davon abhalten, sich die Hierarchie wiederholt bewußt zu machen – die Hierarchie der Freiheit, die Hierarchie des Wissens, die Hierarchie des Lichts. Mögen jene, die den Beginn der Neuen Welt nicht erkennen, spotten, denn jeder Begriff der Neuen Welt erschreckt sie. Ist Unbegrenztheit nicht erschreckend für sie? Bedeutet Hierarchie nicht eine Last für sie? Unwissende Despoten wie sie verstehen den Aufbau der Hierarchie nicht. Da sie Feiglinge sind, schrecken sie vor einer Heldentat zurück. So wollen wir die wichtigsten Begriffe des großartigen anbrechenden Zeitalters – Unbegrenztheit und Hierarchie – abwägen.” (Hierarchie, § 345)

       ”Hierarchie muß als evolutionäres System begriffen werden. Für jene Seelen, welche die Sklaverei noch nicht ausgelebt haben, sollte man wiederholen, daß Hierarchie nichts mit Despotismus zu tun hat. Auch ein Schornsteinfeger muß aufs Dach steigen, um den Schornstein zu kehren. Das kann man von unten nicht machen. Man kann ohne einen Schlüssel für alle Instrumente keine Symphonie komponieren. Es gäbe noch viele Analogien, angefangen von einem Scherz bis zu den rührenden Beispielen der Bienen, Ameisen und Schwäne. Doch das beste Beispiel für die heutige Menschheit ist der Vergleich mit der Chemie. Es ist leicht zu verstehen, daß eine Reaktion nur unter bestimmten Bedingungen stattfinden kann. Auch Hierarchie entspricht völlig den astrochemischen Prinzipien, die auch ein Neuling der Wissenschaft nicht leugnen wird. Wir sind uns mit Recht bereits über die Notwendigkeit der Entdeckung der psychischen Energie einig; für die Koordination ihrer Erkenntnis ist die Hierarchie genauso unentbehrlich wie ein hilfreicher chemischer Prozeß.” (Hierarchie, § 351)

       ”Viele Salzsäulen sind über das Antlitz der Erde verstreut. Nicht nur Lots Weib blickte zurück in die Vergangenheit, sondern es gab Unzählige, die zurückgeschaut haben. Was wollten sie in der in Flammen stehenden Stadt sehen? Wollten sie vielleicht dem alten Tempel Lebewohl sagen? Haben sie vielleicht ihren behaglichen Herd gesucht oder gehofft, daß sie das Haus ihres verhaßten Nachbarn beim Einsturz beobachten könnten? Sicherlich hat sie die Vergangenheit für lange Zeit festgehalten. Nun aber muß man Erleuchtung und Gesundung der Kraft für die Zukunft anstreben. So sollte es immer sein, doch es kommen kosmische Knoten, wo eine heftige Vorwärtsbewegung besonders dringend ist. Man sollte über die Vergangenheit nicht beunruhigt oder traurig sein. Fehler sind naheliegend, doch die Karawane wartet nicht, und die Ereignisse drängen uns vorwärts. Wir beeilen Uns und rufen euch auf, euch zu beeilen. Die Zukunft ist voller Arbeit, doch vor uns gibt es keine Finsternis.” (Hierarchie, § 347)

       ”Manche Menschen können Unsere laufenden Hinweise auf die Schlacht nicht ertragen. Sie sollten es nicht als Schlacht sehen, sondern als Öffnen der Tore. Das Öffnen erfordert ebenfalls Energie; doch euch kann ohne scheinheilige Verschönerung gesagt werden, daß der Kampf des Lichts gegen die Finsternis unaufhörlich vor sich geht. Viele Krieger bewähren sich in diesem Kampf, sonst würden wir wieder vom Chaos verschlungen werden. Oft fragen die am Kampf Beteiligten, warum sie sich in ihrer physischen Hülle nicht an die Heldentaten ihrer feinstofflichen Körper erinnern. Doch von Uns aus wäre es ein Verbrechen, dies zuzulassen. Das Herz würde die Erkenntnis einer so großen Schlacht nicht aushalten. Nur ein besonders flammendes Herz behält die schwarzen Geschosse in seinem Bewußtsein. Das Herz setzt entweder durch die Erkenntnis des Bewußtseins oder durch Sklerose aus. Doch die kosmische Schlacht kann das stärkste Herz zerstören.”

       ”Laßt uns an die Schlacht denken. Wenn der Zusammenprall so ein riesiges Ausmaß annimmt, kann das unterirdische Feuer nur schwer ins Gleichgewicht gebracht werden, und die Schichten der magnetischen Ströme durchkreuzen sich. Doch wir wollen nicht leugnen, daß diese Perturbation neue Möglichkeiten bringt.” (Hierarchie, § 354)

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20. Juli 1931

       Ich war so traurig zu hören, daß unser Zug wieder entgleist ist. Ist es möglich, daß eine so klar dargelegte Struktur nicht verstanden worden ist? Seit zwei Jahren wird täglich wiederholt, daß es notwendig ist, jede Ihnen übermittelte Perle des Wissens zu schätzen. Ich hörte kürzlich: ”Eine weitere Perle ging verloren.” Wann werden wir es lernen, diese Perlen nicht wegzuwerfen, sondern jedes Körnchen sorgfältig zu wiegen, um seinen Wert nicht zu verringern? Können Sie Erfolg erwarten, wenn die wahren Werte weggeworfen und durch billige Surrogate ersetzt werden? In unseren Belangen sollte von minderwertigen Taten Abstand genommen werden. Tausende Augen in der ganzen Welt beobachten unsere Institutionen. Dies verpflichtet uns, die höchsten Fähigkeiten und maximale Entschlossenheit zur Erfüllung des übergebenen Programms aufzuwenden. Verfügen wir über so wenig individuelle Schaffenskraft und Wachsamkeit, daß jeder finstere Außenseiter unsere Möglichkeiten durch seine Gemeinheit und seine überholten Maßstäbe vernichten kann? Sicherlich nicht. Wir brauchen weitsichtige, mutige und gebildete Mitarbeiter. Mir scheint, daß Sie mit Ihren Beschützern nicht weit kommen werden. Welchen Sinn haben Ratgeber, die beim ersten Widerstand alles aufgeben?

       Wir und unsere Mitarbeiter müssen wissen, wie wir unsere Rechte verteidigen können. Wir müssen bei jedem Widerspruch zehn neue Argumente und Angriffspunkte haben. Vor allem müssen wir verlangen, daß unsere kulturelle Tätigkeit voll verstanden wird. Wir müssen fähig sein, das Bewußtsein unserer Mitarbeiter mit unserem eigenen zu vereinen. Es ist natürlich nicht sinnvoll, sofort gleiche Gedankengänge zu erhoffen, doch wir müssen ihre Ideen verfolgen und, wenn es notwendig erscheint, sie taktvoll berichtigen. Wir haben bereits ein erfolgreiches Beispiel so einer Führung kennengelernt. Deshalb müssen auch Sie wachsam sein und die Gedanken Ihrer Ratgeber und Mitarbeiter richtigstellen. Wir dürfen die Lehre nicht nur hören und uns mit ihr verbunden fühlen, sondern wir müssen aktiv und kreativ unsere Aufgaben erfüllen.

       Es scheint, daß das ”Requiem” der Banken wie auch alle gegenwärtigen und bevorstehenden Ereignisse in ausreichendem Maße beweisen, wie richtig, wie weise und wie zeitgemäß alle Hinweise waren. Laßt uns daran denken, wie viele dieser Weisungen nicht rechtzeitig erfüllt oder aber verdreht wurden! Wie gerne würde ich sehen, daß Sie furchtlos sind. Wie gerne würde ich Sie wie ein Löwe brüllen hören. Die Macht des Geistes kann alles bezwingen. Alles Kleine und Minderwertige fürchtet sich vor der Macht, während alles Große Achtung vor ihr hat. Deshalb sollt Ihr wie Löwen voranschreiten!

       Bitte besprechen Sie mit solch unzuverlässigen Mitarbeitern keine Ideen, die Sie selbst noch nicht vollständig aufgenommen haben. Jede große Idee kann durch taktloses Verhalten zerstört werden. Vergessen Sie nicht, daß wir hoffen, durch die Mitglieder der Frauenorganisationen und durch andere kulturelle Gesellschaften unterstützt zu werden. So viele gute Verbindungen wurden geknüpft, und man könnte die Verbreitung der Postkartenreproduktionen ”Das Reich der Kultur” ansprechen. Drei Millionen Käufer bedeuten drei Millionen Dollar! Wie viele Frauen würden im Namen ihrer Frauenehre einen Eindollaranteil erwerben!

       Freunde, ich möchte Euch sagen, was versprochen wurde, wird kommen, und es ist wirklich nicht fern! Öffnet Eure Augen weit und strengt Euch an, Euer Bewußtsein zu erweitern und zu verfeinern! Und was könnte dazu mehr beitragen als wachsame und schöpferische Anwendung der Regeln der Lehre? Entwickelt Eure Kreativität! Vertieft Euch in jede Idee! Die Ideen wachsen, zusammen mit dem Entstehen neuer Möglichkeiten, doch diese Möglichkeiten sollten nicht versäumt werden. Die Zeit wird kommen, in der das Friedensbanner und das Banner der Kultur die ganze Welt bedecken werden. Fühlt Ihr die Schönheit und die Macht dieses Symbols?

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21. August 1931

       Bitte lesen Sie meinen Brief vom 29. Juli öfters durch. In diesem Brief werden Sie einen Rat des Lehrers finden, der sofort in die Tat umgesetzt werden muß. Nehmen Sie diesen Rat mit Ihrem ganzen Herzen an und befolgen Sie ihn sowohl in kleinen als auch in großen Belangen. Wer weiß, worin das Große und das Kleine liegt? Wer weiß, wo der kleine Grashalm ist oder das Sandkörnchen, über das der Riese in den Abgrund stolpert?

       Laßt uns deshalb wachsam sein und laßt uns nichts verharmlosen! Laßt uns die Gefahren unserer Zeit klar erkennen und die Bedeutung dessen, worauf alles beruht. Laßt uns daran denken, daß jede Herabsetzung und jedes Versäumnis das Werk und all unsere Mitarbeiter herabsetzt und zerstört – und dies zehnfach, denn so eine Auflehnung richtet sich gegen die Bestätigung der Hierarchie. Vor langer Zeit wurde gesagt, daß ”eure ganzen Koffer leer und eure Schreibfedern trocken bleiben werden, wenn ihr die Bestätigung der Grundlagen nicht versteht. Wenn die Zeit, als die Schule errichtet wurde, schwer war, so ist sie jetzt noch tausendmal schwieriger. Wenn die Zeit, als ihr auf Reisen wart, als schwierig erachtet wurde, so ist diese jetzt noch tausendmal schwieriger. Wenn diese Zeit groß war, so ist sie jetzt tausendmal größer.”

       Denken wir daran und lassen wir uns nicht einschläfern oder beschwichtigen, lassen wir uns durch die Schmeicheleien und die angenehmen Worte der zahlreichen finsteren Kräfte nicht verleiten. Die Umstände werden immer komplizierter werden. Folgen Sie deshalb dem Lehrer. Wenn Sie Herabsetzungen unterlassen, wird Sie Ihr Guru durch alle Gefahren tragen und Sie in Sicherheit bringen. Es gibt gewisse Zeiten, in denen Herabsetzungen sowie Verheimlichungen schlechter sind als die grausamsten Belästigungen und Verleumdungen. Kein Wunder, daß Herabsetzung und Verheimlichung vom Großen Lehrer als subtiler Verrat angesehen werden. Ist es wirklich möglich, daß wir so viel Schuld auf uns geladen haben? Wir wissen ja, daß der Wunsch nach Selbstverherrlichung um den Preis der Herabsetzung des Führers zu nichts führt. Indem wir den Lehrer verherrlichen, verherrlichen wir doch uns selbst. Indem wir ihn herabsetzen, vernichten wir uns selbst. Das kosmische Gesetz der Entsprechung kann man nicht umgehen. Geschichte wurde in Zeiten gemacht, in denen an der Spitze einer Bewegung ein Führer stand, der von ergebenen und bewußten Mitarbeitern umgeben war, die jeden Moment bereit waren, für den Sieg der Sache alles zu opfern. Und halten wir nicht auch ihre Namen neben dem des Führers in Ehren? Sogar in der Schule lernen wir die Namen der Mitarbeiter großer Führer, Lehrer und Denker kennen. Und weist die Geschichte nicht auf die Abtrünningen hin? Werden sie nicht mit Verachtung erwähnt?

       Laßt uns daran denken, daß sich alle Möglichkeiten nur durch den Strahl des Lehrers ergeben, durch den von diesem Strahl erleuchteten Weg. Doch wenn wir voller Zweifel sind und uns aufgrund von mangelndem Vertrauen und aus Furcht abwenden, dann verlassen wir natürlich den durch den Strahl erleuchteten Weg, geraten in die Finsternis und riskieren im besten Fall nur eine gebrochene Nase!

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       Wir erhielten ein Buch, ein geliebtes Buch, in ungefälliger und billiger Form herausgebracht. N. K. war so unglücklich darüber, daß er sich augenblicklich hinsetzte und einen Artikel über die Liebe zum Buch schrieb. Solange wir nicht verstehen, daß die Qualität verfeinert werden muß, wird unser kulturelles Wachstum keine Fortschritte machen. Und wie können wir von der Verfeinerung des Bewußtseins und der Kultur sprechen, wenn wir nicht erkennen, was dies bedeutet? Natürlich kann man Vollkommenheit nicht sofort erreichen, doch Verschlechterung der Qualität ist eines Schülers unwürdig. Es ist auch sehr ärgerlich, billige Postkartenreproduktionen von Gemälden zu sehen. Wer so eine erbärmliche Qualität zuläßt, diskreditiert den Künstler. Ist uns die alte Wahrheit nicht bekannt, daß der Kauf von billigen Dingen auf die Dauer gesehen teuer ist? Erinnern Sie sich nicht, daß wir nach bestimmten Ausgaben gezwungen waren, wieder Geld für den Neudruck bereitzustellen? All unsere Vorhaben sollten entsprechend eingeleitet werden. Wir müssen die höchste Qualität suchen und fordern. Nur auf diese Weise können wir der Kultur dienen.

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       Ebenso sind wir um die Bekanntmachung und Veröffentlichung unserer Bücher besorgt. Hier muß es ein bestimmtes System geben, eine bestimmte Organisation für diesen wesentlichen Bereich. Wir müssen eine Person finden, die diese Arbeit liebt und mit ihr vertraut ist, die Rechenschaft über den Verbleib und die Bezahlung der Bücher ablegt und die ein Konzept entwirft, in welche Kataloge unsere Bücher aufgenommen werden sollen und wie der beste Absatz zu erzielen ist. Es gibt so viele Buchläden auf der ganzen Welt! Wir müssen auch darauf achten, daß unsere Publikationen ohne Verspätung herauskommen! So viele Möglichkeiten wurden verpaßt, weil Dinge verschleppt wurden. Die Veröffentlichungen müssen zu einer Einnahmequelle werden.

       Ich weiß, daß Sie all diese Ratschläge mit der richtigen Einstellung annehmen werden, denn Sie haben dies bereits bewiesen, doch kann ich über gewisse andere Mitarbeiter dasselbe sagen? Manche werden gekränkt sein, doch wenn sie so empfindlich sind, setzen sie nur sich selbst herab, denn sie zeigen, daß sie von Selbstvervollkommnung noch weit entfernt sind und die Erhabenheit des Geistes für sie unerreichbar ist. Der König des Geistes freut sich über jede Gelegenheit, sich selbst zu vervollkommnen. Er wird nie in alte Fehler verfallen, und ausgemerzte, gesühnte Fehler bedeuten einen Schritt nach vorn, eine Annäherung an das Ziel. Laßt uns deshalb erkennen, wie ernst und fordernd die gegenwärtige Zeit ist. Wir wollen der Hierarchie folgen und alle Vorschläge umsetzen.

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       In dieser Zeit kann keine Schwäche entschuldigt werden, auch wenn sie auf gute Motive zurückzuführen ist. Der Einsatz ist hoch, und wir werden nur durch Bestätigung weiterkommen. Sie müssen sich bewähren und wohlwollende Gedanken verbreiten. Verwenden Sie all Ihr Wissen und die ganze Kraft der Botschaften, die Sie von der erhabenen Quelle des Wissens und der Schöpferkraft erhalten haben, für eine umfassende Verbreitung. Versuchen Sie, im Namen der Kultur die große Aufgabe des Schaffens einer neuen Stufe zu erkennen – die Epoche des verfeinerten Bewußtseins, der beispiellosen Entdeckungen in der Wissenschaft und der weltweiten Zusammenarbeit.

       Die Sättigung des Raumes muß nach allen Richtungen hin stattfinden. Nicht eine einzige Möglichkeit darf verpaßt werden. Sie müssen fähig sein, einen kleinen Hinweis für eine große Tat zu nutzen. Die Macht der Sättigung des Raumes ist groß. Möge das Bild Ihres Guru auf der ganzen Welt in Erscheinung treten. Lassen Sie es nicht zu, daß es bis zur Bedeutungslosigkeit herabgesetzt wird. Haben Sie keine Angst davor, sich lächerlich zu machen – Sie können einem Spötter immer sagen: ”Sie lachen über sich selbst. Versuchen Sie, mehr zu wissen.” Spott ist ein sicheres Zeichen für Unwissenheit, ein wirklich Wissender würde nie etwas lächerlich machen.

       Wir sind sehr glücklich zu hören, daß Sie einen neuen Mitarbeiter gefunden haben. Wir heißen ihn im Dienst für das menschliche Wohl sehr herzlich willkommen. Sein Name wird in unseren Herzen wohnen, weil wir jeden schätzen, der von Anfang an bereit ist zu helfen und das Wachstum der jungen Saat unterstützt. Der beste Baum wird zu Recht ihm gehören. Wenn der Baum wächst, werden viele in seinem Schatten Schutz suchen. Doch nur wenige nehmen die Bedeutung und Macht dieser Saat wahr. Laßt uns daher die Neuankömmlinge besonders schätzen. Freude und herzliche Grüße an den neuen Mitarbeiter.

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       Wir haben aus Amerika Briefe erhalten, aus denen hervorgeht, daß auch prominente Geschäftsleute ihren Einfluß nicht aufrecht erhalten und die Ereignisse ins Gleichgewicht bringen können. Das gleiche bewahrheitet sich auf der ganzen Welt. Die alten Verhaltensweisen sind überlebt, und die neuen, aufbauenden werden noch nicht angenommen. Das Bewußtsein der Massen wächst über das des Führers hinaus. Dämme, die errichtet wurden, um das Wachstum des Bewußtseins einzuschränken, sind immer gefährlich; es ist unvermeidlich, daß sie durch schreckliche Umwälzungen zerstört werden. Und da das Gesetz der Entsprechung unveränderlich ist, ist die Niederlage umso vernichtender, je stärker der Widerstand ist. Der wahre Führer steht immer an der vordersten Front der Ereignisse. Doch er sollte sich an der Hierarchie des Lichts festhalten.

       Die Rettung der Welt liegt in einer neuen Formel, in einer neuen geistigen und kulturellen Einstellung zu den Fragen des Lebens, sei es auf Regierungsebene oder im Privatleben.

       Das Banner des Friedens und der Kultur wird, sobald man es voll erkannt hat, zur Grundlage für eine neue Kreativität werden. Angefangen bei den Schulen müssen die künftigen Generationen die grundlegende Bedeutung der aufbauenden und schöpferischen Arbeit in all ihren Aspekten begreifen. Die Neue Welt hat keinen Platz für den Luxus der Zerstörung; undifferenzierte und wilde Gewalt kann hier nicht bestehen. Diese Anforderungen werden sich zwar nicht sofort und überall erfüllen, doch man kann bereits erkennen, wo die Dämmerung anbricht.

       Sogar jetzt wird die Idee des Friedens und der Kultur so unterschiedlich aufgefaßt! Die Mehrheit assoziiert Kultur mit oberflächlicher Zivilisation, mit dem ganzen wertlosen Luxus, der eine solche Zivilisation begleitet, während sie unter Frieden ”eine friedvolle Eroberung” der Märkte und Diskussionen über Abrüstung versteht. Darunter verstehen die Menschen das Ersetzen der alten, überholten Waffen durch neue und wirksamere. Es ist bedrückend, über den Zustand der Welt nachzudenken! Die Lage ist schrecklich, und es wird noch schlimmer werden, da es unmöglich ist, jene, die in ihrer Blindheit bereits dabei sind, in den Abgrund zu stürzen, aufzuhalten. Sobald sie in Bewegung geraten, rollen sie umso schneller, je näher sie dem Boden kommen. Doch wir wissen, daß es eine Festung des Wissens und des Geistes gibt und daß jenen, die das Licht suchen, immer geholfen wird. Laßt uns darum unsere noch unwissenden, geistigen Brüder dazu aufrufen, sich unter dem Banner der Kultur mit uns zu vereinen! Das Feuer des Geistes und das erleuchtete Bewußtsein werden dem Schrecken der Zerstörung Einhalt gebieten. So laßt uns die gute Saat ausstreuen, sie wird zur rechten Zeit Früchte tragen.

       Die Antwort, die Sie bezüglich des Banners des Friedens und der Kultur erhalten haben, ist sehr charakteristisch. In solch einer Antwort ist die ganze Ohnmacht, die ganze Unfähigkeit, die vorhandenen Möglichkeiten zu verstehen, enthalten; sie enthüllt krasse Verantwortungslosigkeit. Welch schöne Geste, die in die Geschichte eingeht, könnte es sein, an der Konferenz des Paktes und des Friedensbanners teilzunehmen! Doch kleine und gewöhnliche Geister geben sich damit zufrieden, im Hintergrund zu bleiben. Was kümmert sie die Geschichte, wenn ihr Bewußtsein den Gedanken der Verantwortung nicht begreift, von Verantwortung auf weltweiter Ebene ganz zu schweigen. Ihre Vorstellung von Verantwortung reicht über den Wunsch, sich einen warmen und bequemen Platz zu sichern, nicht hinaus. Und dafür eignen sich Gewöhnlichkeit, Trägheit und Unwissenheit hervorragend. Doch sie vergessen eines: die Zustände ändern sich, und in gewissen Situationen können nur außergewöhnliches Verhalten und feurige Bereitschaft des Geistes Rettung bringen und die geliebte Bequemlichkeit und Glückseligkeit bewahren. Die Welt ist voll von Robotern, Schattengestalten und aktiven Mitarbeitern des Bösen. Sollten wir nicht die Roboter, die gedankenlos die überlebten Formeln wiederholen, und die Schattengestalten, die sich nicht gegen das Böse auflehnen, zu den Mitarbeitern des Bösen zählen?

       So laßt uns Trägheit und Unwissenheit in uns und in unseren engsten Mitarbeitern bekämpfen, und seid nicht niedergeschlagen über die zufälligen Neuankömmlinge. Doch mit einem Lächeln wollen wir in unseren Aufzeichnungen eine weitere Seite über Unwissenheit und Stagnation schreiben, welche gemeinsam das Karma eines ganzen Landes schaffen.

       Wir sollten nicht auf Schmeicheleien hören. Groß ist die Verachtung eines Schmeichlers, wenn er bemerkt, wie leicht wir auf seine manchmal ziemlich grobe List hereinfallen. Wir wollen nicht wie käufliche Sklaven sein, sondern den Stolz und die Unabhängigkeit eines Herrschers des Geistes entwickeln, der keine Schmeicheleien kennt. Nichts erniedrigt und vernichtet eine Person so sehr wie Empfänglichkeit für Schmeicheleien. Wer Schmeicheleien liebt, ist ein Sklave des Gestern. Eine Person, die sich der Schmeichelei schuldig macht oder ihr unterliegt, kann kein enger Mitarbeiter werden. Die Bestechlichkeit solcher Leute ist groß – laßt uns daran denken!

       Es freut mich zu hören, daß sich die Mitarbeiter bemühen, enger zusammenzuarbeiten und Gerechtigkeitsgefühl entwickeln. Ein starker Geist weiß, wie er sich von bestimmten Atavismen befreien kann, während das Gemeinschaftsgefühl und das Wahrnehmen des großen Bildnisses des Lehrers daran erinnern, daß bewußte Zusammenarbeit edel und freudvoll ist. Ein durch Liebe erwärmtes Herz wird eine herrliche Anziehungskraft ausstrahlen. Das Streben des Geistes bringt Mut und Gerechtigkeit.

       Ihr seid uns alle teuer; sind wir nicht durch dieselbe Lehre, durch denselben Lehrer vereint? Wenn es uns gelingt, die flüsternden Schatten, Gereiztheit, Überempfindlichkeit und sorgloses Verhalten gegenüber der Arbeit zu vertreiben, werden wir mit riesigen Schritten voranschreiten. Ist es nicht schmerzlich, unbeweglich zu sein, an derselben Stelle zu verharren? Das größte Hindernis ist Überempfindlichkeit, sie hält uns zurück und zerstört dadurch unsere Strebsamkeit. Herrliche Möglichkeiten entgehen uns, wenn wir damit beschäftigt sind, Beschimpfungen und Verletzungen zu untersuchen, die wir uns in den meisten Fällen einbilden und selbst suggerieren. Wir wollen diese destruktiven Gewohnheiten ablegen und uns mit ganzem Herzen der Erfüllung der uns anvertrauten Aufgabe widmen! Legen wir unser ganzes Interesse, unser ganzes Leben in unsere Arbeit, und es wird ein Wunder geschehen. Gerade diese Selbstverneinung wird uns viele unerwartete und erhabene Freuden bringen.

       Eine selbstsüchtige Person verurteilt sich selbst zu fürchterlicher Einsamkeit und gerät in Vergessenheit. Glück liegt darin, Liebe zu schenken; und glücklicher als derjenige, der geliebt wird, ist derjenige, der liebt. Wenn diese Wahrheit erkannt wird, wird sich alles Glück verwirklichen. Lernen Sie zu lieben, bemühen Sie sich, alles Schöne zu lieben und entwickeln Sie ein aktives Mitgefühl für alles, was noch unvollkommen ist. Seien Sie freundlich und höflich zu Ihren Untergebenen, denn darin liegen das Vorrecht und die Zierde des Geistes!

       Ich liebe die Geschichte über Akbar, die beschreibt, wie ihm bei einem feierlichen Fest alle Radschas und Untergebenen Geschenke überreichten und er aus diesen zahlreichen kostbaren Geschenken das bescheidenste aussuchte, es an sein Herz drückte und sich den Versammelten zeigte. Damit brachte er zum Ausdruck, wie sehr er um den geringsten seiner Untertanen besorgt war und betonte zugleich, daß er keine luxuriösen Geschenke liebte, sondern jene, die von einem ergebenen Herzen kommen. Laßt uns auch so handeln, beurteilen wir nicht nach äußerer Erscheinung und Rang, sondern nach dem Gedanken und innerer Güte. Und natürlich verbergen sich die besten Gedanken und die ergebensten Herzen oft unter ärmlicher Kleidung und auf unwichtigem Posten. Schätzen Sie Ihre bescheidenen Mitarbeiter! Sowohl Pünktlichkeit als auch Höflichkeit wurden früher als Vorrecht der Könige angesehen.

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7. Oktober 1931

       Wir freuen uns, daß Sie die Bedeutung der Fristen erkennen und sind für jede Eile dankbar. Da sich die Ereignisse überschlagen, wird es immer dringender, die Entwicklung des Werkes zu beschleunigen. Nur ein entwickelter Geist kann die Notwendigkeit, mit dem Rhythmus des Kosmischen Magneten voranzuschreiten, erkennen. Alle, die zögern und hinterherhinken, gehören den niederen Bewußtseinsstufen an, und eine solche Denkweise kann uns nur traurig stimmen. Wir sollten ihnen einen Teil ihrer Last abnehmen und jenen übergeben, die nach vorne blicken und der Evolution entgegenstreben.

       Bereiten Sie sich Ihre Mitarbeiter vor; vergessen Sie nicht, was über das Austauschen verwelkter Rosen durch wilde Blumen gesagt wurde! Bemühen Sie sich, jeden Tag etwas zu lernen, und danken Sie jedem Mitarbeiter, der Ihnen behilflich ist, die richtige Haltung gegenüber kleinlichen persönlichen Beschimpfungen zu entwickeln und sich davon zu befreien. Nur wenn wir versuchen, das Wesentliche zu verstehen, lernen wir es, die Angriffe eines ungebildeten Herzens zu übersehen. N. K. denkt immer mit Dankbarkeit an seine feindlichsten Kollegen, weil sie es waren, die ihm halfen, sein wachsames Auge, seinen Verstand und eine besondere Stärke und Disziplin des Geistes zu entwickeln. Auch Sie müssen lernen, das Verhalten der zänkischen Leute als Laune zu betrachten, die sie nicht verletzen kann, sondern in Ihnen nur Mitleid hervorruft für jene, die zu den unsinnigen Gewohnheiten der Kindheit zurückkehren.

       Wir wissen, wie schwer das Leben heute ist, und wir sind unglücklich über jeden Mangel an Verständnis, über jede Verzögerung, über alles, was den Fortschritt erschwert. Die Vernachlässigung der eigenen Pflichten kann nie gesühnt werden. Sie haben keine leichte Aufgabe, doch einfache Dinge tragen nicht zur Vervollkommnung bei. Reines Streben wird vom Großen Lehrer immer unterstützt. Seien Sie siegreich! Der Große Lehrer ist immer bereit, dem strebenden Schüler zu helfen, doch diese Hilfe kommt erst, wenn der Schüler selbst alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Darin liegt die größte Weisheit und ein großes kosmisches Gesetz der Evolution. Nur an der äußersten Grenze der Anspannung werden unsere Kräfte in feinste Energien verwandelt. Unsere Gedanken sind bei Ihnen, und wir wissen, daß alles eintreten wird, wenn wir nicht selbst durch unsere Selbstsucht, Trägheit und unsere oberflächliche Einstellung gegenüber den Ratschlägen des Lehrers den silbernen Faden zerreißen.

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       Um die Höhe eines Berges richtig einschätzen zu können, muß man dies aus einer bestimmten Entfernung tun. Das gleiche gilt für die Arbeit. Manchmal ist es ratsam, von ihr Abstand zu nehmen, um ihre kulturelle Bedeutung zu erkennen. Es ist notwendig, die kulturelle Bewegung in ihrem weltweiten Ausmaß zu erkennen, und dies ist das Wichtigste; denn wenn wir das nicht erkennen, wird es unseren Taten an der Angemessenheit mangeln, und ohne diese ist Erfolg unmöglich. Warum bestehen alle Lehren auf der Notwendigkeit des Glaubens, oder auf dem vollkommenen Verstehen einer erteilten Aufgabe? Deshalb, weil das intuitive Wissen oder der Glaube aus dem Menschen einen Riesen macht. Indem er den Zweifel vernichtet, schafft solch ein Glaube eine unbesiegbare Ausdauer, die unbedingt zum Ziel führt. Beschränkt durch unseren physischen Körper können wir die kulminierenden Ereignisse nicht durchschauen. Wir können daher das Vorbestimmte nicht von selbst erfüllen. Mangelt es uns aber an Glauben, verlassen wir die vom Lehrer vorgegebene Richtung, oder indem wir die Vorgaben mißverstehen, zerbrechen die dargestellten Verbindungen, in denen wir einen notwendigen Bestandteil darstellen und handeln müssen. Glaube ist großes Wissen und Weisheit. Ein Mensch, dem es an Glauben oder Wissen mangelt, gleicht einem Wetterhahn. Er ist von den äußeren Bedingungen abhängig, die sich ständig ändern und die er in seiner Blindheit nicht voraussehen und nicht vermeiden kann.

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       ”Es ist richtig, die Grundsätze des Friedensbanners zu bestätigen, wann immer es möglich ist. Bitte denken Sie daran, daß sich unerwartet neue Möglichkeiten bieten. Sich dem Übel zu widersetzen bringt neue Möglichkeiten.” Die gegen das Friedensbanner verfaßten Artikel sind so niederträchtig, daß man sich nur wundern kann, daß Menschen solche Gedanken hervorbringen können. Ich bin etwas verwundert betreffend die Liga der Nationen. Warum ist man an der Meinung und Unterstützung so einer Organisation derart interessiert? Es scheint, daß eine Bewegung der kulturellen Vereinigung und die Entwicklung eines wahren Verständnisses für die geistigen Errungenschaften in der Kunst innerhalb der jüngeren Generationen so wesentlich ist, daß es der Genehmigung dieser totgeborenen Organisationen nicht bedarf. Jede weitsichtige Regierung sollte im Pakt des Friedensbanners gerade eine Bewegung für den Schutz, die Ordnung und die Kreativität sehen. Daher sollte der Umstand, ob die Liga das Banner genehmigt oder nicht, die Errichtung des großen Banners der Kultur auf keinen Fall beeinflussen.

       Ist es möglich, daß die Frauenorganisationen in Amerika teilnahmslos zusehen und das Banner der Kultur nicht unterstützen? Ich hoffe, wir überschätzen ihre geistige Aufnahmefähigkeit nicht. Lange vor der ersten Konferenz in Brügge lernte ich den wahren Wert vieler moderner Organisationen kennen, und ich verstand, wie hart man arbeiten muß, um das Bewußtsein der Massen zu wecken und ihnen die wahren Werte sowie die kulturelle Schaffenskraft verständlich zu machen. Dies kann nur durch beständige und systematische Verbreitung von Ideen erreicht werden, doch nicht durch konvulsive Ausbrüche. Laßt Euch deshalb durch die Gleichgültigkeit der Regierungen und anderer Gruppen der zivilisierten Gesellschaft nicht entmutigen, doch setzt all Eure Kräfte ein, um oberflächliches Denken unter den engsten Mitarbeitern auszurotten und ihr Verständnis für die zwingende Notwendigkeit, diese Idee zu erfüllen, zu vertiefen.

       ”So rate Ich noch einmal, die Lehre in die täglichen Pflichten zu transformieren. Ich rate zu beobachten, inwieweit die Umgebung erfolgreich gestaltet wird. In kleinen Gruppen sollte man wechselseitige Gedanken besonders beachten, um den Strom nicht zu belasten und zu unterbrechen. Viele Lehren raten zu dieser einfachen Disziplin, doch jedes Buch sollte daran erinnern, weil das Grundlegende und überaus Notwendige im Leben nicht angewendet wird. Und für Uns bedeutet es ein großes Glück, wenn Wir jemandem so vertrauen können wie Uns selbst. Wie mächtig ist die Zuflucht des offenen Herzens.” (Herz, § 16)

       ”Unaufhörlich und immerzu strömt die Lehre des Lebens auf die Erde ein. Man kann sich das irdische Sein ohne diese Verbindung mit der unsichtbaren Welt nicht vorstellen. Wie ein Rettungsanker, wie das führende Licht stärkt die Lehre unseren Fortschritt in der Finsternis. Doch inmitten der Fülle des Wohlwollens, das uns wie die Wellen des Meeres umgibt, kann man, einen Rhythmus von besonderer, bestimmter Ausdehnung wahrnehmen; zu diesem Zeitpunkt erscheinen die Lehren. So kann man durch Beobachtung des Wachsens und Untertauchens, die zusammen die Entwicklung der Existenz beschreiben, den Rhythmus dieser ganzen Welt erklären.” (Herz, § 17)

       ”Unterbrechung des Rhythmus kann auf viele Umstände zurückgeführt werden, doch das beste Mittel, diese Störung zu vermeiden, ist Einigkeit. Wendet euch an Uns, wo über alles entschieden wird. Als Vergleich – wie ein Staubkorn den Stillstand eines riesigen Rades bewirken kann, so unterbricht ein gestörter Rhythmus den Strom. Gerade jetzt ist die Zeit der großen Anspannung. Die Möglichkeiten sind so nahe, die Ereignisse ballen sich bereits zusammen, und das Schreckliche wird sich als Rettung erweisen.” (Herz, § 18)

       Laßt uns den rettenden Strom nicht unterbrechen!

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21. Oktober 1931

       Die letzte Post brachte uns die Schilderung eines sehr bezeichnenden Gesprächs. Was für ein schönes Beispiel für Schwachsinn und Verfall! Was kann man tun, wenn die offiziellen Vertreter diverser Organisationen nicht dazu imstande sind, die Bedeutung der Erziehung zu begreifen? Für sie ist das Wort ”Kultur” gleichbedeutend mit allem, was sie verachten, was sie als ”abstrakte Ideen” bezeichnen, oder sie assoziieren es mit etwas, was ihre geliebten Gewohnheiten stören könnte!

       Es wäre nicht angebracht, vor solchen Menschen die Namen Pawlow, Bechterew, Pupin, Abel, Millikan, Rutherford, Einstein, Jagadis Bose oder Tagore auszusprechen.

       Die Worte Buddhas, des Herrn, daß ”Unwissenheit das größte Verbrechen ist, weil sie den Menschen das ganze Elend bringt”, sollten mittlerweile im Bewußtsein der Menschen verankert sein. Solange die Führer der Länder keine herausragende Denkfähigkeit und vor allem keine geistige Synthese besitzen, die es ermöglicht, alle Strukturen des Seins zu erfassen, wird es keinen wirklichen Fortschritt geben. Doch da es in der Natur keine Unbeweglichkeit gibt, werden sich alle unwissenden Menschen zurückentwickeln, von Degeneration und Zersetzung begleitet. Sind wir nicht schon Zeugen dieser Abläufe? Einige hervorragende Wissenschaftler haben bereits auf die bedrohlichen Anzeichen so einer Degeneration hingewiesen, die in der jüngeren Generation durch ein Ansteigen der psychischen Krankheiten und des Schwachsinns zu finden sind. Und viele Leute fragen sich, ob diese traurigen Abnormitäten falscher Erziehung und mangelhafter Bildung zuzuschreiben sind. Im allgemeinen fehlt der modernen Erziehung die kulturelle Grundlage, die vor allem eine Entwicklung der Synthese in den Fähigkeiten des Menschen miteinschließen sollte. Einseitige Spezialisierung führt immer zum Verlust des Gleichgewichts und resultiert in psychischen Krankheiten, wie wir heute vielfach beobachten können.

       Laßt uns Furcht und Spott vergessen und unter dem Banner der Kultur kühn dem Sieg entgegenschreiten! Doch denken Sie immer daran, daß Sie in einem sehr verantwortungsvollen, vorbereitenden Stadium an der Arbeit teilnehmen, das einer verfeinerten Intuition und strenger Aufmerksamkeit bedarf, damit dem wachsamen Auge keine Einzelheit, ob nützlich oder schädlich, entgehen kann. Es ist auch notwendig, im Umgang mit Menschen äußerst taktvoll zu sein. Denken Sie daran, daß offene Feinde weniger gefährlich sind als die Massen der kleinen Würmer. Der festeste Schritt kann in diesem Sumpf versinken.

       Laßt uns auch Geduld üben, denn ohne Geduld kann nichts erreicht werden. Sehr oft geben Menschen nach einem großartigen Anfang aus Mangel an Geduld einfach auf. Sie vergessen, daß alle großen Aufgaben von Schwierigkeiten begleitet werden, doch indem sie diesen Schwierigkeiten ausweichen, verurteilen Sie sich selbst zu einem ermüdenden Kreislauf, der sich endlos wiederholt. Man kann die folgenden Stufen nicht überspringen, ohne die ersten gemeistert zu haben. Natürlich können wie durch außergewöhnliche Strebsamkeit alle Stufen schneller bewältigen. Doch unsere Füße sollten jede Stufe berühren. Der Grad des Strebens wird die Dauer des Verweilens auf der jeweiligen Stufe bestimmen. Deshalb müssen wir uns mit unserer ganzen Kraft auf eine neue und höhere Stufe vorbereiten und daran denken, daß unsere Zeit begrenzt ist. Sie müssen wissen, daß unsere Geduld durch unser Wissen unterstützt wird; wir wissen, daß es eine krönende Stufe gibt. Wir wissen auch, daß unser Warten nicht zu lange andauern wird. Doch die vorbereitenden Stufen erfordern Scharfsinn, Vorsicht und Feingefühl. Beeilen Sie sich und fliegen Sie auf den Schwingen der großen Epoche des Gleichgewichts des dualen Ursprungs sowie der umfassenden Zusammenarbeit und Kultur, die auf geistigem Wissen basieren.

       Den Augen des Herzens wird nichts entgehen, denn sie werden fühlen und leiten. Lodern Sie wie eine Fackel; entzünden Sie alles mit reinigenden Flammen; erleuchten Sie die beste Richtung! Vereinigt Eure Herzen in dieser herrlichen Tätigkeit, in dieser geistigen Bestrebung! Bemühen Sie sich, auf alle Rufe zu erklingen, auf alle stärkenden Gedanken und alle Fluide der Herzensenergie zu achten – all dies strebt Ihnen in einer feurigen Bewegung zu und will Ihnen Hilfe bringen!

       Durch vereinte Anstrengung wollen wir die enorm schwere Last heben. Das Heben dieser Last ist nur am Anfang schwer. Sobald sie von der Erde emporgehoben worden ist, wird sie leichter werden als eine Feder.

       Laßt uns nicht vergessen, daß der Haupterfolg der Finsteren in ihren Methoden besteht, Uneinigkeit hervorzurufen. Sie haben Erfolg, wenn die Mitarbeiter es versäumen, den Ernst des Augenblicks zu erkennen, und wenn die Mitarbeiter nachlässig sind und dringende Angelegenheiten unbeachtet lassen. Wir müssen daran denken, daß Reizbarkeit und Überempfindlichkeit die einfachsten Kanäle sind, durch welche sich alles Finstere nähern kann.

       ”Es ist richtig, daß der Angriff letztendlich nur Nutzen bringen wird. Ihr müßt aber lernen zu warten, bis die Blume des Satans erblüht ist. Der Kampf ist heftig, und ihr müßt sehr vorsichtig sein. Achtet auf eure Gesundheit; schwächt euch nicht durch Gereiztheit. Haltet den silbernen Faden fest und reinigt eure Gedanken!”

       N. K. beendet gerade seine ”Einführung” zu Spinoza und Goethe. Die Sprache ist herrlich, und sie sollte so übersetzt werden, daß die Schönheit des Originals erhalten bleibt. Wenn wir die Schilderungen von Spinozas Leben lesen, können wir wieder einmal sehen, wie notwendig alle Angriffe und Verleumdungen waren, wie diese sein Bild im Bewußtsein der nachfolgenden Generationen verstärkt haben und es klarer erscheinen ließen. In diesem Stadium unserer Evolution sind alle Arten von Judassen und alle finsteren Kräfte des unwissenden Widerstandes absolut notwendig. Geben uns denn diese Kräfte der Finsternis nicht die Möglichkeit, unsere ganze Kraft und unsere Wachsamkeit anzuspannen und den Bereich unserer Tätigkeit zu erweitern? Sind nicht sie es, die Informationen über uns verbreiten und dadurch die Aufmerksamkeit wertvoller Menschen auf uns lenken? Anfangs mögen sich solche Leute aus Neugierde oder Empörung nähern, doch später wird die Größe ihres Geistes sie befähigen, den wahren Wert der Dinge zu erkennen, und sie werden unsere Freunde werden. Es gibt viele Freunde, die zur Zeit die Maske des Feindes tragen. Solche Metamorphosen kommen im Leben manchmal vor..

* * *

       Möge in dieser Zeit das Gefühlswissen entwickelt werden. Möge nichts Wertvolles außer acht gelassen werden. Man bedenke, daß die unbedeutendste Kleinigkeit sich als starke Waffe gegen den Feind erweisen kann. Wie viele schöne und sofort einsetzbare Formeln befinden sich in Ihrem Arsenal! Lernen Sie es, sie anzuwenden, damit Sie Ihre Gegner entwaffnen können! Ihre Sprache soll eindrucksvoll sein; berücksichtigen Sie die Mentalität Ihres Gesprächspartners und stützen Sie Ihre Reden immer auf positive Fakten, von denen Sie über einen beachtlichen Vorrat verfügen! Die Schwierigkeit besteht darin, daß wir Ereignisse nicht immer richtig einschätzen und oft eine bestimmte Einzelheit oder Tatsache von scheinbar geringer Bedeutung überhaupt nicht in Betracht ziehen. Man muß daran denken, daß alles, was im Zuge des aufbauenden Werkes für die Hierarchie entsteht, eine tiefe Bedeutung hat, und wenn diese heute noch nicht offensichtlich ist, kann morgen jeder darüber sprechen. Wer kennt die Wege der Evolution? Wer kann vorhersagen, wie das heutige Chaos enden wird? Wer weiß, welche Kräfte sich erheben werden? Deshalb handeln Sie mutig, doch mit Scharfblick und voll Vertrauen zur Hierarchie des Lichts!

       Mögen alle Mitarbeiter den Kampf bis zu seinem Ende durchstehen. Der Kampf wird schwierig sein, doch die Hilfe wird nicht ausbleiben, wenn Sie fest entschlossen sind; dann werden Sie aus allem als Sieger hervorgehen. Nur eine Voraussetzung ist absolut unabdingbar: volles Vertrauen bis zum Ende, bis zur Grenze der Verzweiflung. Die unbesiegbare ”Tactica adversa” wird die Feinde zur Absurdität führen, und als Ergebnis werden alle feindlichen Angriffe aufgrund ihrer offensichtlichen Widersinnigkeit zersprengt werden. Denken Sie daran, wenn das Böse und die Gemeinheit sich häufen und ihren Höhepunkt erreichen; dann können Sie das Zentrum mit ”einem einzigen Pfeil” durchdringen. Denken Sie auch daran, daß nur aus dem Kontrast zwischen Licht und Finsternis Möglichkeiten entstehen, etwas zu schaffen. Alle kosmischen Gesetze spiegeln sich im menschlichen Leben wider. Tragen Sie die Last dieser Zeit sorgfältig und mutig noch ein bißchen länger, und die Hilfe wird Sie zur rechten Zeit erreichen!

       Darüber hinaus sorgen Sie bitte dafür, daß wir der Öffentlichkeit nicht auf blumige oder künstliche Art und Weise präsentiert werden, sondern daß mit Fakten gearbeitet wird. Und betreffend die Persönlichkeit von N. K. ist es sehr wichtig aufzuzeigen, wie N. K. jedem, der mit ihm Kontakt hat, einen schöpferischen Ansporn verleiht und daß er in der Arbeit höchste Qualität verlangt. Weisen Sie hin auf diese wunderbare Fähigkeit, aus jedem das Beste herauszuholen, und auf die beeindruckenden Ergebnisse, die durch diese Art von Führung erreicht werden. Betonen Sie, daß er lehrt, durch Konzentration auf die positiven Aspekte aus jedem Umstand Nutzen zu ziehen. N. K. ist nicht nur ein gütiger Prophet, der zu reinem Denken, Enthaltsamkeit und Verzeihung aufruft, wie ihn die Menschen kennen, sondern er ist auch ein wahrer Führer und aktiver Erbauer, denn er kennt den Lebenskampf und rüstet seine Mitarbeiter für die Teilnahme an diesem Kampf. Er kämpft gegen alles Finstere und Unwissende. Manchmal scheint es, als wären seine Weisheit und seine Vorausschau grenzenlos, und seine nächste Umgebung kann bestätigen, daß er Ereignisse vorausgesagt hat, die später eingetreten sind und von vielen bezeugt werden können. Hat er nicht so oft den richtigen Weg aufgezeigt, den die Menschheit einschlagen sollte, um Leid zu vermeiden?

       Die Grundvoraussetzung für die Rettung liegt in seinem Ruf nach Einheit der ganzen kulturellen Welt und nach Erziehung der jungen Menschen in einem neuen Verständnis des schöpferischen Gedankens und der breiten Zusammenarbeit, basierend auf dem Begriff der großen Kultur, der Cult-Ur, oder dem Kult des Lichts. Viele Seiten von N. K.s Persönlichkeit könnte man besser verstehen, indem man seine Einführung zu Spinoza und Goethe liest. N. K. ist der gleiche ”Sonnenträger” wie er Goethe in seinen Ausführungen schildert. Können Sie die ganze Kraft fühlen, die unsichtbare Macht dieses Menschen, der das Leben mit Sonnenlicht erfüllt? Die Sonne seines Lebens verbrennt alles Finstere, Unheilvolle und Zerstörende. Man kann viele überzeugende und schöne Fakten finden. Doch man sollte Vergleiche vermeiden. Möge jeder große Geist in seiner eigenen Kraft und in der Schönheit seiner eigenen Heldentaten erstrahlen. Es ist wirklich nicht unsere Angelegenheit, Vergleiche anzustellen. Jeder große Geist erfüllt die ihm gestellte Aufgabe, und jede persönliche Erscheinung ist schön in ihrer Einzigartigkeit. Vor langer Zeit wurde gesagt: ”Wie können wir das Licht der fernen Sterne vergleichen?” Dieser Ausspruch läßt sich auf viele Fälle anwenden.

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8. November 1931

       Ich erhielt Ihren freundlichen und aufrichtigen Brief und möchte Ihnen sagen, daß ich von dem Gefühl der Freude, das Ihnen durch die Beschäftigung mit der Lehre zuteil wurde, besonders gerührt war. Das Ausmaß dieser Freude ist in der Tat das wahre Maß für unsere Bereitschaft, die Grundlagen der Lehre des Lichts in uns aufzunehmen. Bewahren Sie diese Freude und Dankbarkeit auch im grauen Alltag des Lebens, denn darin liegt der schnellste Weg, Ihr Bewußtsein zu erweitern. Und dies ist das Ziel der Lehre!

       Wenn ich danach urteile, was ich aus Briefen enger Mitarbeiter über Sie erfahren habe, fühle ich, daß Sie nach dem Ruf nicht auf den ersten Stufen stehenbleiben, sondern genügend Mut finden werden, den vor Ihnen liegenden schwierigen Weg zu beschreiten. Wenn Sie die Bücher der Lehre lesen, wenden Sie bitte alles, was hier gesagt wird, vor allem für sich selbst an. Viele lesen die Lehre, doch die meisten Menschen glauben, daß das, was dort geschrieben steht, für andere gilt und nicht für sie selbst. Sie beachten das, was hauptsächlich sie selbst betrifft, gar nicht oder lehnen es ab. So verzögern sie ihren Fortschritt. Doch ein wahrer Schüler wird alles auf sich selbst beziehen. Und wer kann schon sicher sein, daß er nicht bestimmte gute und auch noch schlechte Eigenschaften besitzt, die sich noch im Embryonalstadium befinden? Doch wenn wir alles vor allem bei uns selbst anwenden, wird es uns gelingen, in die Tiefen unseres Wesens einzudringen und vieles zu entdecken, was uns überraschen wird. Diese unerwarteten Entdeckungen werden unter der Voraussetzung, daß wir wirklich bereit sind, den Weg der Selbstvervollkommnung, den die Lehre beschreibt, zu beschreiten, unserem Fortschritt sehr dienlich sein.

       Es ist absolut notwendig einzusehen, daß vom Schüler volles Vertrauen verlangt wird, auch wenn ihm manches nicht klar erscheint. Mit der Erweiterung des Bewußtseins wird vieles, was ihm widersprüchlich erschien, seinen Platz finden. Mein Lieblingsausspruch ist: Volles Vertrauen bis zum Ende! Beherzigen Sie das – es ist der kürzeste Weg! Wenn Sie diesen Weg beschreiten, wird Sie Freude begleiten!

       Ich kann Ihnen auch sagen, daß jemand, der sich ernsthaft dem Dienst des Lichts weiht, geistig nie mehr allein ist. Lernen Sie es, in allen Augenblicken Ihres Lebens daran zu denken, daß Sie von dem Auge des Adlers und dem Flammenden Herzen des Einen, der Sie rief, beobachtet werden! Nur unser grober Körper und die unzureichende Verfeinerung unserer Sinne hindern uns daran, Seine Gegenwart wahrzunehmen. Doch das schöne Erlebnis, das Sie bereits hatten und von dem Sie mir berichteten, ist ein gutes Zeichen; es bedeutet, daß sich solche Erlebnisse häufen können. Doch haben Sie Geduld, denn ”wir kennen weder den Tag noch die Stunde” (Blätter des Gartens Morya II, § 165) Diese Worte beinhalten eine tiefe Wahrheit. Das Ziel des Lehrers ist es, unseren Körper nicht zu schwächen, sondern ihn zu stählen für die höchste Aufnahmefähigkeit, was äußerste Sorgfalt erfordert. Freude, Dankbarkeit und Vertrauen sind dafür die besten Mittel.

       Lieben Sie und helfen Sie anderen, lieben zu lernen! Ich grüße Sie auf dem Weg des Lichts und sende dem lieben neuen Mitarbeiter die ganze Freude meines Herzens!

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Dezember 1931

       In diesem schweren Augenblick Ihres Lebens sendet Ihnen mein Herz die ganze Entschlossenheit und das Streben meines Geistes. Sie wissen, daß die Stunde der Großen Schlacht geschlagen hat. In allen Lehren sind zu verschiedenen Zeiten viele Prophezeiungen und Offenbarungen gegeben worden. Das Große Harmagedon hat gegen Ende des Jahres 1931 eingesetzt, beginnend mit der Großen Schlacht, auf die der Lehrer uns vorbereitet hat. Wir müssen das Ausmaß dieser Schlacht, die auf allen Ebenen oder Welten vor sich geht, verstehen. Wir müssen die Unerbittlichkeit unserer Zeit verstehen und wissen, daß der himmlischen Schlacht die irdische folgt. Wir sollten deshalb nicht überrascht sein, wenn sich die Ereignisse häufen. ”So viel ist über die Himmlischen Heerscharen, über Michael, den Archistrategen, gesagt worden, über das Erscheinen eines bestätigten Führers und das ganze Unheil. Deshalb sage Ich – Vorsicht!” (Herz, § 176)

       Wir befinden uns nicht mehr am äußeren Rand der Schlacht, sondern in vorderster Reihe. Während wir das uns anvertraute Banner tragen, wollen wir ganz nahe am führenden Hierarchen bleiben. Denken Sie daran, denn die feindlichen Geschosse bersten nur inmitten der letzten Reihen, wie es mir in der wunderbaren Vision der siegreich vom Führer geleiteten Armee gezeigt wurde. Lassen Sie Ihre Herzen unter den schweren Angriffen der Finsteren nicht erzittern, denn die Nähe des Großen Herzens wird Ihnen die für den Widerstand nötige Kraft verleihen. Laßt uns unerschrocken das königliche Wesen des Geistes offenbaren! Laßt uns in die Geschichte unseres Lebens eine Seite der Tapferkeit und der großen Tat einschreiben! Man soll von uns nicht sagen:

       ”Kaum wurde die Große Schlacht erwähnt, zeigt schon so mancher Müdigkeit. Was wird so einer sagen, wenn er das große Heer des Feindes sieht?” (Herz, § 180)

       In diesem Zusammenhang möchte ich einige Prophezeiungen erwähnen, die auf die Große Schlacht Bezug nehmen:

       ”Jede Yuga hat ihre bedeutsame Phase, als Vorbereitungsperiode, doch es können Beschleunigungen eintreten, welche alle Kräfte ungewöhnlich verstärken. Man darf die große entscheidende Schlacht nicht nur als Krieg verstehen. Die Offenbarung dieser Schlacht geht viel tiefer. Sie wird sich auf die ganzen feinstofflichen und irdischen Welten erstrecken. Sie wird nicht nur in Schlachten zum Ausdruck kommen, sondern auch in ungewöhnlichen Zusammenstößen zwischen den Völkern. Die Grenzen zwischen den Kriegführenden werden genauso verworren sein wie die zwischen Gut und Böse. Viele entscheidende Schlachten werden für das irdische Auge nicht wahrnehmbar sein. Die Zusammenstöße in der Feinstofflichen Welt werden auf dem irdischen Weg als Katastrophen in Erscheinung treten. Genauso wird sich irdischer Mut in den Feinstofflichen und in den Feurigen Welten widerspiegeln. Die Große Schlacht wird das erste Verbindungsglied zwischen den Welten darstellen. So können in allen Richtungen schnelle Taten erwartet werden. Zusammenarbeit hat in dieser Schlacht eine ungeheure Bedeutung. Der Stern des Flammenden Herzens bringt bereits große Hilfe. Diese Hilfe mag nicht immer sichtbar sein, doch man sollte an das Beispiel des Schriftstellers denken, der großen Einfluß ausübt, ohne daß er seine Leser kennt. Dasselbe gilt für die Zusammenarbeit der beiden Welten. In den Tagen der Schlacht muß man sehr angespannt sein. Dies schließt natürlich die tägliche Arbeit nicht aus, und bei jeder Arbeit muß man daran denken, sie in Gedanken für das Wohl des Lichts auszuführen. So muß man bei jedem feindlichen Pfeil erkennen, daß dieser Schlag im Namen der Großen Schlacht empfangen wird.” (Herz, § 180)

       ”Ich möchte, daß die gegenwärtige Zeit den Wendepunkt in eurem Leben darstellt. Was gestern möglich war, mag morgen nicht mehr möglich sein. Gestern noch unmöglicher Mut kann morgen aufgebracht werden. Die Schlacht auf der Erde wird genauso schrecklich sein wie in den feinstofflichen Welten. Die Welt ist in zahllose Splitterparteien zerbrochen. Nur vollkommenes Streben zu Uns wird euch retten. Das geringste Zeichen von Aufruhr und Feindseligkeit unter euch wird Mich schmerzlich berühren. Denkt daran! So bestätige Ich die Entfaltung Unserer Taten trotz der unerhörten Angriffe! Doch in dieser Schlacht gibt es keine Versöhnung. Wir werden Unruhen in Europa wahrnehmen, wir werden Zeugen des Verrats sein, doch die Große Schlacht wird die Probleme der Welt lösen. Wir sollten auch erkennen, daß das Licht unbesiegbar ist. Die Manifestation der Finsternis ist ein Zeichen von Unwissenheit. Ich wiederhole, daß wir morgen ganz anders aufwachen werden. In der Feinstofflichen Welt finden entlang der Linie der toten Herzen Zusammenstöße statt. Ihr werdet die Auswirkungen auf der Erde bald wahrnehmen: überall wird man Unvereinbarkeit vorfinden. Der Niedergang von Ländern, Epidemien und Mißernten werden in Erscheinung treten, und die Welt wird aufgespalten werden.”

       So stehen alle Kräfte im Widerstreit. Die Lage der Welt ist schrecklich, und es ist wichtig durchzuhalten, bis die neuen Umstände hilfreich sein können. Jeder sollte standhaft sein.

       ”Abgesehen von der Tatsache, daß die finsteren Kräfte in allen Ländern aktiv sind und ihre Verbündeten in verschiedenen Gruppen beeinflussen, werden einige von uns aufgrund ihrer Engstirnigkeit schwach werden. Es ist absolut notwendig, die Stellung zu halten, bis sich neue Umstände ergeben haben. Diese gegenwärtige Periode ist unvermeidlich, doch man muß sie als einen Weg in die Zukunft hinnehmen. Doch wir müssen sehr vorsichtig sein …”

* * *

1932

5. Mai 1932

       Sie machen eine schreckliche Zeit durch, und Sie sollten sich sehr anstrengen, um die innere Eintracht zu bewahren. Nur die Eintracht der Herzen kann den Feind bezwingen; er kann diesen Panzer niemals durchdringen! Und alle feindlichen Angriffe werden durch die segensreiche Energie, die von vereinten Herzen ausströmt, abgewehrt. Dies ist keine Abstraktion, sondern eine große wissenschaftliche Wahrheit. Seien wir nicht leichtsinnig und unwissend. Sie wissen bereits aus den Büchern der Lehre, daß durch menschliche Gereiztheit und Zwietracht im Megaphon des Raumes ein schrecklicher, zerstörender Wirbel entsteht und wie die negativen Kräfte, einschließlich Krankheit, von diesem Strudel angezogen werden.

       Ist es möglich, daß einer aus unseren Reihen aus schmachvoller Willensschwäche das Mißlingen des Werkes zulassen würde? Dies würde ihn ins Unglück stürzen, und er würde dies erst erkennen, nachdem sich die Augen seines Herzens geöffnet haben. Einigkeit lautet jetzt der Schlachtbefehl, und ohne die Befolgung dieses wichtigen Befehls kann es keinen Sieg geben. Es ist sehr nützlich, die Weisungen erneut zu lesen, da sie nicht nur für einen bestimmten Tag erteilt wurden; und es ist gut, sie immer im Gedächtnis zu behalten. Letztes Jahr wurde zum Beispiel die Bedeutung des Banners zum Schutz der Kunstschätze im Kriegsfall ständig betont, so daß der Gedanke schließlich aufgenommen wurde. Erinnern wir uns an die Zweifelnden, als das Rote Kreuz errichtet wurde! Welche Schwierigkeiten hatte diese Bewegung in den Verhandlungen mit den unwissenden Beamten zu überwinden, durch deren Hände dieses humanitäre Projekt gehen mußte. Manchmal könnte man meinen, daß das menschliche Gewissen zurückfällt anstatt sich weiterzuentwickeln.

       Ich bitte Sie mit meinem ganzen Herzen: denken Sie an die Einigkeit! Mein Herz ist um jeden von Euch besorgt. Ich würde die Mühsal der gegenwärtigen Zeit gerne erleichtern, doch solche Zeiten sind absolut erforderlich. Laßt uns energische Anstrengungen unternehmen, um einander so viel wie möglich zu helfen. Mögen alle Schwierigkeiten unsere Taten, die das Allgemeinwohl fördern, verschönern und erheben.

       Meine mutigen Kämpfer, denkt an die Einigkeit!

       Ich zeichne diesen Brief mit ”Woodpecker”!

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28. Juni 1932

       Genauso wie wir fähig sein müssen, jedem, der zu uns kommt, alles zu geben, was er aufnehmen kann, müssen wir von jedem das entgegennehmen, was er für das Allgemeinwohl bieten kann. Vertreiben Sie die Neuankömmlinge nicht!

       Haben Sie keine Angst vor übermäßiger Anspannung; nur gespannte Saiten erklingen. Und wir wissen, daß entsprechend dem kosmischen Gesetz nur durch äußerste Anspannung Energien transmutiert und Formen verfeinert werden können. Dieses Gesetz stellt für alle Lehren zwei Grundregeln auf. Erstens muß der Schüler für die geistige Vervollkommnung seine ganze Kraft aufwenden. Dabei werden bestimmte Grenzen eingehalten, denn der Lehrer achtet darauf, daß diese Anspannung der Gesundheit des Schülers nicht schadet. Zweitens ist jedes Teilchen bewußter psychischer Energie sehr kostbar, und deshalb kann der Lehrer dieses nur abgeben, wenn alle irdischen Möglichkeiten und Mittel ausgeschöpft worden sind. Diese zwei Regeln erklären, warum Hilfe erst im letzten Moment gewährt wird, in der Phase der Verzweiflung. Doch wie viele schwache Seelen sind unfähig, bis zu dieser Grenze durchzuhalten, und so verurteilen sich diese Seelen zum Abstieg und zu einem sich ständig wiederholenden, mühsamen Aufstieg! Es gibt viele solche Sisyphusse, die ihre Steine der Feigheit und des Zweifels vor sich herwälzen.

       Die ganzen Verwirrungen und scheinbaren Widersprüche werden dadurch verursacht, daß das unentwickelte Bewußtsein Schwierigkeiten hat, die Antithese zu erfassen. Doch solange man diese nicht erkennt, kann man geistig nicht vorankommen. Das Erfassen der Antithesen ist für die meisten Menschen das größte Problem. Doch in jeder geistigen Lehre ist diese sehr wesentlich; zum Beispiel: völlige Gleichgültigkeit gegenüber Ruhm einerseits und Selbstbestätigung andererseits; Ablehnung von Besitz, doch gleichzeitig inmitten von Besitztümern zu leben; vollständige Befreiung von weltlichen Wünschen, doch gleichzeitig tiefes Interesse an der irdischen Arbeit zu hegen. Alle diese Antithesen sollten im Bewußtsein des Schülers in Einklang gebracht werden. Man muß begreifen, daß jeder Verzicht primär im Geiste erreicht wird.

       Denken Sie daran, wie Buddha einen seiner Schüler wegen Besitzgier ermahnte, obwohl dieser seinen ganzen Besitz aufgegeben hatte, während Er einem anderen gestattete, seinen ganzen Besitz zu behalten. Warum? Weil sich der eine von ihnen, trotz der tatsächlichen Aufgabe seiner Besitztümer, in Gedanken dauernd mit dem Besitz befaßte, während der andere, obwohl er den Besitz behalten hatte, mit diesem nicht verbunden war. Es gibt so viele Menschen, die ihrem Besitz gegenüber scheinbar gleichgültig sind, doch in Gedanken begehren sie andauernd mehr. Es gibt so viele sich selbst als ”anspruchslos” bezeichnende Menschen, die ”niemals daran denken würden, Aufmerksamkeit zu erregen”, doch in ihrem Inneren die Hoffnung hegen, beachtet zu werden.

       Und was soll man über jene denken, die fasten und sich nach der Nahrung sehnen, auf die sie verzichten? Und über jene, die hoffen, für ihre Arbeit und Aufopferung doppelt entlohnt zu werden? Arme, in Illusionen verhaftete Gefangene! Wer kann ihnen erklären, daß ihre Anstrengungen vergeblich sind und ihnen niemals freudvolle Befreiung bringen werden, sondern eher ihr Herz verhärten werden? Geistige Befreiung kann nicht durch Gewalt erreicht werden, sondern durch die Erkenntnis des Herzens. Wer sich von allen irdischen Bindungen befreit hat, wird darüber nicht sprechen, weil der Verzicht für ihn natürlich, einfach und selbstverständlich ist. Diese ”selbstverständliche” Haltung ist die wichtigste Errungenschaft, denn wenn nur das geringste Bedauern im Raum steht oder man andere verurteilt, werden alle Anstrengungen fruchtlos sein. Die Schüler sollten gegen ihre niedere Natur nicht durch Selbstquälerei ankämpfen, sondern durch die Entwicklung des Herzens und den Lebensatem der Weisheit, den sie aus der Lehre des Neuen Lebens schöpfen sollten.

       Meistens kommen Verurteilungen von Menschen, die selbst unter solchen Abhängigkeiten leiden. Das sind Pharisäer, die für ihre rauchenden Kerzen großen Lohn erwarten! Würde ihnen der Lohn zuteil, würden sie ihn nicht schätzen. Sie würden sich wie ein Hahn benehmen, der eine Perle findet!

* * *

       Alle, welche die Hierarchie nicht anerkennen, sollten daran erinnert werden, daß es laut der physikalischen und geistigen Gesetze keine Tätigkeit oder Arbeit gibt, die sich ohne zentralen Punkt entwickeln kann. Jedes Land hat seinen zentralen Punkt in einer Regierung, jede politische Partei hat ihre Vertreter, und jede Firma, jede Einrichtung hat ihre Verwalter. Jede Energie muß sich im Brennpunkt sammeln, um in Erscheinung treten zu können. Die Evolution im Kosmos baut völlig auf diesen Brennpunkten, diesen Verbindungsstücken, Gliedern, Knoten – oder wie immer man sie nennen will – auf!

       Verweisen Sie jene, die Mühe haben, dies zu verstehen, auf das Kapitel über das Opfer im Buch ”Blätter des Gartens MORYA, Bd. I, § 297. Verzicht bringt so viel Freude! Doch der entgegengesetzte Begriff ist furchtbar. Die Last der Welt, der Kelch der Erlösung, das Trinken des Giftes der Welt – das sind die verschiedenen Missionen auf dem Weg der großen Verantwortung und des Lichts. Und diese extremen Lasten werden nur jenen aufgebürdet, die den Gedanken der Befreiung verstehen. Ich glaube, daß sich weitere Erklärungen erübrigen.

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       Vergessen Sie Ihre kulturellen und internationalen Verbindungen nicht! Wenn wir sie nicht selbst pflegen, wer sollte dies für uns tun? Die Zeit wird kommen, in der sich die Dinge regeln werden, doch jetzt müssen wir ständig kämpfen und hart arbeiten. Das Ausmaß der kulturellen Aufgaben sollte Sie ständig beschäftigen. Und bitte übersehen Sie auch die kleinsten Hinweise nicht! Sie mögen Ihnen unwichtig erscheinen, doch Sie können nie wissen, wie bedeutungsvoll sie sind. Alle beziehen sich auf das ganz Große, obwohl es manchmal aussehen mag, als würden sie mit der täglichen Arbeit nicht direkt in Zusammenhang stehen. Denken Sie daran, daß auch die kleinsten Fliegen tödliche Seuchen verbreiten können! Bedenken Sie in allem immer die Reichweite! Nur ein weites Denken bringt uns hinter die ganzen Schliche unserer Feinde.

* * *

7. Juli 1932

       Mögen die Schüler genau erkennen, welch schädliche Folgen es nach sich zieht, den weisen Rates des Lehrers abzulehnen. Sie sollten weder zweifeln noch enttäuscht sein, wenn die Befolgung des Rates nicht sofort gute Ergebnisse bringt. Wir sollten nie vergessen, daß wir oft nicht wissen, welches Ergebnis der Lehrer beabsichtigt. Oft ist es unseren Erwartungen völlig entgegengesetzt! Manchmal möchte der Lehrer eine Brücke über den Abgrund schlagen, und wir können nie sagen, wo die Person, der Gegenstand oder das Wort zu finden ist, das als Brücke benutzt werden kann! Eine sorgfältige Erfüllung des Befehls – das ist alles, was von uns erwartet wird. Die Bedeutung und das Ergebnis des befolgten Hinweises werden zur rechten Zeit enthüllt werden.

       Nun einige Paragraphen aus der Lehre:

       ”Oft befindet sich der Lehrer in einem sehr schwierigen Verhältnis zu seinem Schüler. Der Schüler verspricht, alle Befehle des Lehrers zu befolgen, doch sobald er einen erhält, findet er sofort Gründe, um ihn zu ändern. Der Lehrer hat ähnliche Schwierigkeiten, wenn Er der Untätigkeit beschuldigt wird. Versetzt euch in die Lage eines Bogenschützen, der sich auf seinen Schuß konzentriert, und hinter ihm schreit jemand: ‚Warum schießt er nicht?‘ ”

       Kleine Kinder gehorchen der führenden Hand, ohne den Grund zu kennen. Doch Erwachsene versuchen der vorbereiteten Reaktion je nach ihrer Stimmung etwas hinzuzufügen. Man kann sie mit Menschen vergleichen, die, wenn ihr Haus zu brennen beginnt, unersetzbare Schriften unbeachtet lassen, doch ihr geliebtes Bettzeug retten.”

       ”Woher kommt diese Mißachtung des Befehls? Ebenfalls vom Mißtrauen. Es ist unbegreiflich, wie bereitwillig die Geschenke des Lehrers angenommen, Seine besten Befehle aber mißachtet werden. Wie viele wohldurchdachte Mitteilungen wurden zurückgewiesen, wie viele wirkungsvolle Taten aus Leichtsinn zunichte gemacht. Die eine Hand erweist Ehrerbietung, während die andere die Perlen in den Abgrund streut. Wir vergessen die Tatsache, daß wir den Raum vergiften, wenn wir ihn mit persönlichen Sendungen durchdringen, und daß der erwählte Führer mit Seiner Erfahrung den Schüler nicht demütigen wird. Wie sehr muß man daher Zusammenarbeit, die stark im Vertrauen ist, schätzen!”

       ”Wenn ihr selbst zu Lehrern werdet, besteht auf der sofortigen Ausführung eines Befehls. Erteilt nicht zu oft Befehle; sie könnten zu etwas Alltäglichem werden. Doch wenn es die Arbeit erfordert, erteilt einen prägnanten Befehl. Man soll spüren, daß ein Befehl unwiderruflich ist. Es muß einem leichter fallen zu folgen, indem man eigenständige Arbeit mit Zusammenarbeit verbindet. Der entstellte Befehl gleicht einem entgleisten Zug …” (Agni Yoga, § 278)

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6. Oktober 1932

       Ich sende Ihnen die ersten Seiten des neuen Buchs ”Feurige Welt”, in der Hoffnung, daß diese unerschöpfliche Quelle der Weisheit Ihr Herz ständig nähren wird. Schöpfen Sie daraus Ihre ganze Kraft, den ganzen Schutz und alle Möglichkeiten; all dies und noch viel mehr ist in diesem Schatz enthalten, der aus der Ewigen Quelle kommt .

       Wenn Sie über das große schöpferische Feuer – den Lebensspender – lesen, sollten Sie versuchen, in sich das unsere Herzen erwärmende Feuer zu entfachen. Verhalten wir uns wie die alten Priester, die das Feuer, sobald es entzündet war, sogar unter Androhung des Todes hüten mußten. Im Hüten des Feuers verbarg sich ein großartiges Symbol, denn das Erlöschen der Flamme des Geistes bedeutet den Tod der Seele. Das Feuer des Herzens wird uns davor bewahren, Dinge hinauszuzögern oder zu entstellen, wie auch davor, jemanden oder etwas zu fürchten, denn es wird unser Bewußtsein erleuchten, indem es die feurige Intuition zum Leben erweckt. Es heißt: ”Laßt uns wie jene sein, die den Großen Advent erwarten, indem wir den Schritten Beachtung schenken und wissen, daß unsere Herzen dem Dienst an der Menschheit gewidmet sind. Lassen wir es nicht zu, daß Schwäche oder Ablehnung in unsere Herzen eindringen, denn diese Unzulänglichkeiten werden die Zungen der Flammen gegen uns wenden. Wir wollen uns durch den Kampf für die Kultur des Geistes und für die Rechte des Daseins nicht erschrecken lassen, denn nur durch die geistigen Werte kann die Welt bestehen bleiben. Möge dieser Aufruf zum Kampf Sie nicht verwirren. Die Unbeweglichen sind in einer tausendmal größeren Gefahr als die Strebenden. Natürlich sollten sie mehr in Gedanken und mit dem Herzen streben als mit den Füßen!” (Feurige Welt I, § 36)

       ”Und denkt daran, daß es auf dem großen Weg besser ist, verleumdet zu werden, als gegen die Entscheidung der Kräfte des Lichts zu handeln. Wir sollten uns daran gewöhnen, verleumdet zu werden, denn es gibt keinen feurigen Weg ohne diese Blumenteppiche des Bösen.” (Feurige Welt I, § 35)

       ”Dies betrifft alle Freunde, die zweifeln und unsicher sind und die nicht verstehen, woher die vielen Angriffe kommen. Doch erinnern wir die Bigotten und Scheinheiligen an die Lehre und an das Schicksal des Großen Lehrers, den sie noch immer unaufhörlich kreuzigen.”

       Die extreme Last wird nur vom feurigen Herzen freiwillig auf sich genommen. Wir wollen diese feurigen Herzen sein; laßt uns die größere Last auf uns nehmen, die uns rascher zur Befreiung führt. Und während jene, welche die Last nicht zur Gänze angenommen haben, zu dem zurückgelassenen Teil zurückkehren müssen, werden wir mit der ganzen Freude unseres Herzens die nächste, vor uns liegende Aufgabe erfüllen. Möge niemand so tief sinken, daß er er sich gestattet, seine Leistungen oder sogenannten Opfer aufzuzählen. Dies würde den Weg blockieren. Alle wahren Beiträge und Opfer werden auf der inneren Waage des Gewissens gewogen, die in jedem Menschen existiert.

       Wenn wir unsere Leistungen aufzählen (auch wenn dies in den verschwiegensten Tiefen unseres Inneren geschieht), berauben wir uns des Privilegs, etwas zum Wohle der Welt beizutragen. Das Feuer eines solchen Opfers wird sich auf der Erde verbreiten wie das Feuer des vom biblischen Kain dargebrachten Opfers. So lebendig sind alle alten Symbole. Die Kräfte des Lichts schätzen freudvoll dargebrachte Opfer, denn nur diese bewirken etwas und sind siegreich. Wir sollten das Buch über das Opfer in unserem Herzen tragen.

       Vergessen Sie nicht, daß die Eigenschaften des Opfers vielfältig sind. Daran sollten wir jene erinnern, die seit dem Beginn ihrer Annäherung an die Lehre für ihre angeblichen Opfer einen sofortigen Lohn erwarten. Sie mögen sich folgende Worte zu Herzen nehmen: ”Die Lehre über das Opfer wurde euch bereits gegeben. Opfer ist Macht; Macht bedeutet Möglichkeiten; folglich ist jedes Opfer vor allem eine Möglichkeit.”

       ”Es ist an der Zeit, die Scheinheiligkeit zu beenden, daß Opfer Entbehrung ist. Wir nehmen keine Entbehrungen an, sondern gewähren Möglichkeiten.”

       ”Laßt uns sehen, welche Möglichkeiten sich aus den sogenannten Opfern ergeben. Wo ist ein wahres Opfer, das erniedrigen kann? In Unserer Schatzkammer gibt es eine große Sammlung von Opfern, und jedes war demjenigen von Nutzen, der es gebracht hat. Wir sprechen nicht gern über das Opfer, denn es ist in Wahrheit eine sich lohnende Tat.”

       ”Kaufleute lieben es, über die Ausgaben zu jammern und Verluste vorzutäuschen. Doch wer wirklich Vorsorge für das Leben trifft, betrachtet jede Ausgabe als sich lohnenden Einsatz. Ihr habt nicht durch Opfer verloren, sondern durch Raub und Plünderung.”

       ”Christus hat uns geraten, geistigen Reichtum auszuteilen. Doch da man den Schlüssel dazu noch nicht gefunden hat, haben die Menschen diesen Rat auf durch Plünderung erbeutetes Geld angewandt. Zunächst wird gestohlen, um dann unter Tränen etwas abzugeben, und schließlich ist man noch über seine eigene Güte entzückt. Als ob der Lehrer Stühle und alte Mäntel gemeint hätte, als er vom Verteilen sprach! Der Lehrer meinte unwägbaren Reichtum. Nur die geistige Gabe kann die Waagschalen in Bewegung versetzen.”

       ”Laßt uns die Reihen der Mitarbeiter untersuchen. Ist jemand von euch beraubt worden? Nein, alle sind bereichert worden. Ist es denn keine Bereicherung, ein Neues Reich zu regieren? Dieses Reich ist so wohlhabend, daß man, ohne besonderen Schaden anzurichten, auch einen Teil des Porzellans zerschlagen kann. Bestimmt nimmt die Hilfe zu, und sogar in das mit Dankbarkeit gefüllte Buch kann man Einsicht nehmen.”

       ”Ich rate den Unternehmern, für alle Ämter Vertreter bereitzuhalten.”

       ”In einem großen Unternehmen basiert das Geschäft auf dem Geschäft selbst und nicht auf der Persönlichkeit.”

       ”Wer kann behaupten, daß er der Gebende war? Wir werden Unsere Bücher aufschlagen und nachweisen, wieviel jeder erhalten hat; denn es ist ja durchaus nicht leicht zu opfern, wenn das Opfer eine Möglichkeit ist, und die Möglichkeit bringt Nutzen, und dieser Nutzen ist eine gute Zusammenarbeit, und Zusammenarbeit ist der Stein Alatir, der entweder zur Auferstehung führt oder verbrennt.”

       ”Selbstverleugnung kann die Tore des Verstehens öffnen, und das hinfällige Opfer von unnützen Dingen wird mit der Selbstsucht auf einem Ast schaukeln.” (Blätter des Gartens MORYA II, § 183)

* * *

12. Oktober 1932

       Ich war über die von Ihnen erlebte Einigkeit, die Sie in Ihrem letzten Brief beschreiben, sehr glücklich. Doch es scheint, daß eine noch größere Einigkeit erforderlich ist, denn man hat mich gebeten, Ihnen folgendes zu schreiben: ”Große Einigkeit ist erforderlich. Wenn der Weg breit ist, braucht ihr einander nicht zu stoßen. Ihr dürft nicht vergessen, daß auch ein kleiner Stein hart treffen kann. Der Kampf gegen die finsteren Mächte muß die edelsten Gedanken hervorrufen. Laßt uns rein und vorsichtig sein.”

       Die erweiterte Denkweise verpflichtet uns dazu, mit unseren Gedanken und Taten doppelt vorsichtig zu sein, vor allem untereinander und gegenüber den Menschen, die mit uns in engem Kontakt stehen. Denken Sie daran, daß uns Tausende von Augen mit großer Aufmerksamkeit beobachten. Wir sollten uns nichts vormachen – diese Aufmerksamkeit entspringt dem Wunsch, unsere Schwachstellen zu finden, damit dort ihre negative Arbeit ansetzen kann. Es ist sehr wichtig, daß die Mitarbeiter einander achten und sich vor den Angestellten und Außenstehenden nicht gegenseitig herabsetzen. Kleinigkeiten wie scharfe Worte, Witze auf Kosten des anderen oder ein ironisches Lächeln etc. untergraben bei anderen Leuten die Achtung. Auf keinen Fall sollten Sie es zulassen, daß Außenstehende durch boshafte Anspielungen Ihre Achtung verlieren. Wenn man die Achtung anderer einmal verloren hat, kann das nicht wieder rückgängig gemacht werden; und diese Achtung kann so leicht verlorengehen, z. B. durch unpassende Bemerkungen. Öfter als einmal wurde gesagt:

       ”Nicht einmal im Spaß solltet ihr einander herabsetzen oder kritisieren. Es wird Zeit, daß ihr den Schaden, den kleine Fliegen anrichten können, erkennt. Der Stich einer kleinen Fliege kann den ganzen Organismus vergiften. Sie müssen daran denken, daß die Feinde nicht versuchen werden, durch das Tor einzudringen, sondern durch die kleinsten Spalten.”

       Wenn man miteinander streitet, schafft man nicht nur einen Spalt, sondern ein weit geöffnetes Tor!

       Bei gefährlichen Angriffen der finsteren Kräfte ist sogar die leiseste Andeutung von Verurteilung verhängnisvoll. Stellen Sie sich vor, wie viele hilfreiche Menschen davon vertrieben werden könnten. Es heißt: ”Hilfreiche Menschen werden euch gesandt, doch ihr müßt sie zu halten verstehen.”

       Versetzen Sie sich in die Lage der Menschen, die von Ihren kulturellen Aktivitäten gehört haben und nach einer Begegnung mit Ihnen feststellen mußten, daß Sie sich von anderen Menschen überhaupt nicht unterscheiden! Wie wird sich diese Erkenntnis auf ihr Verhalten Ihnen gegenüber und Ihre Arbeit auswirken? Denken Sie auch an jene, die über die Bücher der Lehre zu Ihnen kommen. Wie enttäuscht werden sie sein, wenn sie herausfinden, daß Sie die Grundsätze der Lehre nicht beachten! Denken Sie an Ihre große Verantwortung! Ich will die Mannigfaltigkeit dieser Verantwortung nicht noch erweitern, aber sie sollte allen, welche die sieben Bücher der Lehre besitzen, klar sein. Doch Sie müssen sowohl darüber als auch über die Folgen von geistiger Taubheit und Nachlässigkeit intensiver nachdenken.

       Ihr Leben wird wie ein wunderbares Märchen sein, wenn Sie die jeden Tag gegenwärtige Höhere Führung und Ihre eigene Verantwortung erkennen. Sie werden soviel Freude erleben, wenn Sie die Verantwortung mit Ihrem ganzen Herzen annehmen und Ihr Märchen nicht mit dem Staub der Alltäglichkeit bedecken! Sie müssen wissen, wie man den Staub entfernt, und alles, was in Ihrer Umgebung und bei Ihrer Arbeit vor sich geht, ohne Vorurteile betrachten.

       Wir wollen uns vervollkommnen und uns selbst gegenüber besonders kritisch sein. Laßt uns mit dem Feuer unseres Herzens alle Weisungen der Lehre erleuchten und in der Stunde der Gefahr eng verbunden sein. Nur für einen oberflächlichen Geist bleibt diese Forderung eine abstrakte ethische Vorstellung, die man im Alltag nicht umsetzen kann. Doch ein ernsthafter Mitarbeiter und vor allem ein Schüler wird sich mit dem ganzen Feuer seines Herzens auf diesen Gedanken konzentrieren, weil er weiß, daß Einigkeit die Grundlage und die Stärke des ganzen Werkes bedeutet. Deshalb sollte bei all Ihren Entscheidungen der Wunsch nach Einigkeit an vorderster Stelle stehen. Mehr als je müssen sich all diese Institutionen ergänzen.

       Unsere vordringlichste Pflicht ist es, den Plan unserer kulturellen Aktivitäten umzusetzen und weiterzuentwickeln. Jeder sollte sich nicht nur auf seine spezifische Arbeit und sein Fachgebiet beschränken. Nur auf objektive und kluge Weise wird er erkennen, was besonders dringend ist und der Unterstützung bedarf und welche Arbeit eventuell zurückgestellt werden kann. Einseitigkeit ist unzulässig unter den Erbauern. Wir kennen den großen Plan unseres Werkes, und diese umfassende Schaffenskraft kann nicht auf zwei Gesellschaften oder auf ein Land beschränkt werden.

* * *

10. November 1932

       Kürzlich war ich sehr deprimiert, denn ich fühle, daß das Fundament zerfällt. Wie kann es sein, daß sich die Herzen einiger Mitarbeiter so verhärtet haben und sich ihr Bewußtsein so getrübt hat, daß sie den Abgrund nicht sehen, in den sie zu stürzen drohen? Können sie die schreckliche Gefahr dieser Zeit nicht erkennen und ihren Dienst für die Finsteren einstellen? Habe ich nicht gesagt, daß bereits ”jedes böse Wort, jede Unstimmigkeit eine Ermutigung für die Finsteren bedeutet”? Und denken Sie daran:

       ”Das fürchterliche Messer ist nicht in eurer Tasche, sondern auf eurer Zungenspitze. Einmal werdet ihr erkennen müssen, daß ein Wort und ein Gedanke nicht ausgelöscht werden können. Jeder, der an das Allgemeinwohl denkt, möge sich freuen – und umgekehrt. Die Sitten und Bräuche der Finsteren sind nicht nach Unserem Geschmack.”

       Sie sollten sich zu Ihrem eigenen Wohle in Erinnerung rufen, was gesagt und unaufhörlich wiederholt wurde. Nur durch vereinte Anstrengungen können wir das Ziel erreichen. Es tut weh, daran zu denken, wie viele wunderbare Möglichkeiten aufgrund verborgener Zwietracht ungenützt vorübergingen! Was kann auf einer Aura der Gereiztheit, der Beleidigungen und der Unfreundlichkeit aufgebaut werden? Das Prinzip des Magneten ist gründlich besprochen worden. Wir können uns nicht mit Unwissenheit entschuldigen! Vom ersten Tag an wurde die Notwendigkeit der Harmonie betont, doch offensichtlich vergeblich. Das schlimmste ist, daß der Sinn für Ehrlichkeit verlorengegangen ist und man bereit ist, den anderen zu beschuldigen, wobei man vergißt, daß die innere Seele für den Guru ein offenes Buch ist. Es wird Zeit, daß wir uns für unser kindisches Wesen schämen und daß wir verstehen, daß wir uns nicht besser benehmen als Verräter, wenn wir den Weisungen nicht folgen. Verzeihen Sie diese harten Worte, doch mein Herz blutet, wenn ich sehe, mit welcher Hartnäckigkeit Sie sich immer wieder Steine in den Weg legen. Stellen Sie sich vor, was aus Ihnen werden wird, wenn Sie nicht mehr durch die Lehre geführt werden. Wohin werden Sie gehen? Welchen Weg werden Sie einschlagen? Wer wird Sie erhören und Ihnen in Ihrer Not helfen? Wer wird Ihnen den Weg aus dieser schwierigen Lage aufzeigen? Die bedrohliche Zeit, die fürchterliche Zeit kommt auf uns alle zu. Und denken Sie daran, daß es Ihnen erlaubt wurde, für die Rettung von so vielen und so vielem zu arbeiten! Sind Sie dabei auf dem richtigen Weg? Ist dies der Weg, das Vertrauen des Einen, der Sie rief, zu rechtfertigen?

       Ich möchte, daß Sie meinen ganzen Schmerz und meine ganze Sehnsucht fühlen, Sie in völliger Harmonie arbeiten zu sehen, in der Erkenntnis der ungeheuren Verantwortung für Ihre Arbeit. Wie kann ich Ihnen dies am besten verständlich machen? Wie kann ich Sie in diesem Verständnis bestärken? Ich verabscheue Drohungen, doch wie könnte ich es unterlassen, Sie zu warnen, wenn ich sehe, wie jemand in den Abgrund stürzt und die anderen mitreißt. Wie kann man ihn zurückhalten?

       Vor einiger Zeit dachte ich, daß die endlosen Aufrufe zur Einigkeit wirklich verstanden worden sind. Ich hoffte, Sie würden verstehen, daß Freundlichkeit wichtig ist, – nicht damit Ihre Autorität bestätigt und Ihre Eitelkeit befriedigt wird, sondern wenn Sie in vielen Dingen um der erfolgreichen Zusammenarbeit willen nachgeben sollen.

       Aufrichtige Worte werden geschrieben, doch Sie sollten Freundlichkeit und Aufmerksamkeit im Handeln zeigen – Worte gleichen fließendem Wasser. In meinen Träumen sah ich einen von Ihnen als treuen Fahnenträger im Namen unseres Guru. Ich träumte, daß die Worte des Erwählten voll Anziehungskraft und Schönheit waren. Seit dem Zeitpunkt, als bekannt wurde, daß die Neue Gesellschaft errichtet werden soll, sind sieben Jahre vergangen – eine lange und in jeder Hinsicht bedeutungsvolle Zeit. In dieser Zeit hätte eine völlige geistige Erneuerung stattfinden können, wenn wahres Streben vorhanden gewesen wäre. Es wurde genau erläutert, in welchen Kreisen diese Worte gesprochen und welche Verbindungen aufgenommen werden sollen. Doch wenn wir zurückschauen, müssen wir zugeben, daß der innere Zustand diese Entwicklung verhindert hat. Wenn es auch in den ersten Jahren diverse Hindernisse gab, die nicht leicht zu beseitigen waren, so entstanden doch 1926 viele neue Möglichkeiten; doch die alten, nicht ausgelebten Gewohnheiten setzten sich durch. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, daß sich Eure Herzen wieder entflammen werden und Ihr durch feurige schöne Taten in Erscheinung treten werdet. Die Errungenschaften können so großartig sein!

       Es ist so traurig, vorwurfsvolle Briefe zu schreiben, anstatt von freudvollen Neuigkeiten über die erfolgreiche Arbeit anderer Gruppen und Mitarbeiter berichten zu können.

       Es bricht mir das Herz zu wissen, daß wertvollste Energie für sinnlose, im Nachhinein korrigierende Arbeit vergeudet wird, daß alle Warnungen umsonst waren und daß all das in einer schrecklichen Zeit geschieht, in der die finsteren Kräfte ihren härtesten und aggressivsten Angriff durchführen. Zu so einer Zeit, wo Ihr ein Maximum an Energie und innerer Festigkeit zur Bewahrung all Eurer Errungenschaften hättet entwickeln sollen! In großer Traurigkeit bitte ich Euch, mir zu helfen – findet den Mut für Geduld und Versöhnlichkeit.

       ”Gesegnet seien jene, die Frieden stiften!”

       Versucht zumindest, meine Besorgnis und meinen Kummer ein bißchen zu lindern. Vielleicht war es mein eigener Fehler. Wer weiß, vielleicht konnte ich Euch nicht genügend einigen, konnte Euch nicht mit der Liebe zum Großen Herzen und dem Streben nach selbstloser Tat erfüllen. Vielleicht ist es mir nicht gelungen, Euch durch mein persönliches Beispiel zu zeigen, wie Ihr die Lehre im täglichen Leben anwenden sollt, und Eure Herzen mit dem Feuer der Selbstvervollkommnung und der ungeheuren Verantwortung zu entflammen. Ihr könnt der Lehre und dem Dienst nicht näherkommen, ohne für all Eure Taten verantwortlich zu sein.

       Bitte helft mir in meiner Verantwortung für Euch! An jeden von Euch ergeht ein Ruf meines Herzens! Helft mir!

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17. November 1932

       Es fällt mir schwer, meinen Schmerz auszudrücken. Wieder sehe ich, daß der innere Zerfall seinen schrecklichen Lauf nimmt. Ich sehe, daß das Bewußtsein einiger Mitarbeiter nicht wächst und die Schätze der Lehre wie leere Worte aufgenommen werden. Die innere Unzuverlässigkeit ist so gefährlich. ”Ihr könnt jeden Streit gewinnen, ihr könnt neue Freunde finden, doch der innere Verfall wird euren besten Freund vertreiben. Wenn viel Pfeffer in der Luft ist, fangen die Menschen an zu nießen. Auf die gleiche Art und Weise kann Imperil verstreut werden. So oft habt ihr gesehen, wie neue Umstände entstanden sind, doch man muß wissen, wie man mit ihnen fertig wird. Deshalb solltet ihr letztendlich verstehen, wie ansteckend Imperil ist. Ihr könnt euch dem Zerfall gegenüber nicht sorglos verhalten. Dieser Prozeß ist so ansteckend wie Lepra. Es gibt nur Aufbau oder Zerfall – eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.” (Feurige WeltI, § 161)

       Wer würde schon den Zerfall wählen? Im Moment passieren alle Ereignisse mit so einer enormen Geschwindigkeit, daß es unmöglich ist, auf den ersten Stufe stehenzubleiben. Es heißt: ”Wir können keine gewaltsame Stärkung empfehlen. Wir können durch Gewalt weder vor Lepra schützen noch jemanden vom Imperil abhalten. Freundlichkeit kann nicht durch Zwang erreicht werden. Ihr könnt das Herz nicht einfach zum Wachsen zwingen, denn der schöne Garten wird nur durch schöne Taten wachsen. Verleumdung der Hierarchie ist nicht wieder gutzumachen.” (Feurige Welt I, § 161)

       Da ich dieses Gesetz kenne, bin ich verzweifelt darüber, daß ich nicht helfen kann; denn was kann ich tun, wenn nicht einmal die Worte des Guru angenommen werden? Wie kann ich erwarten, daß der starke und heftige Wunsch meines Herzens Eure verhärteten Seelen und Euer getrübtes Bewußtsein erreichen wird? Der Gedanke ist schrecklich, daß sich die Reihen lichten könnten und daß jemand ganz allein zurückbleibt, daß das große Privileg der Annäherung an das Licht um der abscheulichen Selbstsucht willen, dem ewigen Feind des Lichts, aufgegeben werden kann! Und dies alles nach 12 Jahren Jüngerschaft! Abgesehen von der persönlichen Vernichtung kann die innere Zwietracht in der Zerstörung des ganzen Werkes resultieren! Die schreckliche Gefahr besteht darin, daß wir uns, anstatt uns auf das Wesentliche – auf unseren kulturellen Aufbau, der uns zusammenhält – zu konzentrieren, angewöhnen, uns auf unbedeutende Angelegenheiten zu konzentrieren, auf Zwietracht, Beleidigungen und Neid.

       Wie können wir unsere Stellungen halten? Wie können wir erwarten, erfolgreich zu sein? Werden uns die Freunde nicht weglaufen, wenn sie die verschmutzte Atmosphäre spüren?

       Ich bedaure, daß ich eine weitere traurige Stelle anführen muß: ”Man muß lernen, Arbeit nicht zu verschwenden. Blockierte Menschen vernachlässigen die wichtigsten Dinge. Beachtet, daß die zwei Briefe, die ihr erhalten habt, keine wesentlichen Inhalte aufweisen. Ich beschuldige weniger die Verfasser, sondern jene, welche die Verwirrung verursacht haben. So eine Außerachtlassung der wichtigsten Dinge ist gefährlich. Ein Mensch, der seinen Bruder verwirrt, macht sich schuldig. Auch sein eigenes Leben wird nicht glücklich sein; sein Leben wird finster sein, da sein Bewußtsein durch Unwesentliches verwirrt sein wird. Sobald man erkennt, was wesentlich ist und sich darauf konzentriert, befindet man sich auf dem Weg zum Sieg. Doch diesen Weg zu verlassen heißt, für die Nahestehenden zur Last zu werden.” (Feurige Welt I, § 146)

       ”Die Unterscheidung zwischen dem Wichtigsten und dem Unwichtigsten ist die Prüfung, die jeder in seinem Bewußtsein deutlich vollziehen muß. Niemand hat das Recht, jemandes Herz zu durchstoßen oder jemandem Kopfzerbrechen zu machen, während unersetzbare Schätze verlorengehen! Was die Leute nicht wahrnehmen, erachten sie nicht als unersetzbar.” (Feurige Welt I, § 147)

       Jenen, die voller Zweifel sind und denen es an Standhaftigkeit mangelt, schlage ich vor, aus den Büchern der Lehre alles herauszuschreiben, was über Zweifel, Wankelmütigkeit und Mißtrauen gesagt wird. Heutzutage gibt es eine besonders große Anzahl von wirklichen Dienern der Finsternis. Es ist sehr hilfreich, alle Schilderungen dieser hassenswerten Eigenschaften zur Hand zu haben und sie mehrmals durchzulesen.

       Obwohl eine nur rein äußerliche Einigkeit nicht von sehr hohem Wert ist, ist sie doch besser als keine. Die tierhafte Seite des Menschen setzt sich aus Gewohnheiten zusammen. Deshalb ist es möglich, sich bestimmte gute Verhaltensweisen anzugewöhnen, indem man sich selbst beobachtet. Letztendlich werden Sie eine kleine Flamme in Ihrem Herzen entzünden, und dann wird – in einem Augenblick der Erleuchtung – dieser langwierige, quälende Prozeß der Übung von guten Eigenschaften ein erfreulicher Teil ihres erleuchteten Bewußtseins werden. Ich ersuche Sie noch einmal, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Selbstbetrug ist die schrecklichste Sünde. Er verletzt das Bewußtsein und führt zum sogenannten Tod des Geistes.

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10. Dezember 1932

       Worüber muß ich schreiben? Über das altbekannte Thema, über die große Einigkeit als einzige Rettung. In der Zwischenzeit wurde bereits alles gesagt, alle Gründe wurden erläutert, doch die Folgen der Uneinigkeit sind noch vorhanden. Einer von Ihnen wird nun den Befehl erhalten, die ganze Zeit die Weisungen des Lehrers unablässig zu wiederholen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß von nun an alle Ratschläge und Weisungen niedergeschrieben und mit viel Liebe und Sorgfalt gelesen werden, damit sie nicht vergessen oder entstellt werden.

       Schlagen Sie im Buch Ihres Lebens eine neue Seite auf und füllen Sie diese mit schönen Taten, mit Geduld, Verständnis und Edelmut! Es heißt: ”Es hat keinen Sinn, im Staub zu wühlen.” Das ganze Graben im Staub von gestern wird zu nichts führen und nur Eure Augen und Eure Nasen reizen. Bitte hört damit auf, denn es ist unter Eurer Würde. Wie viel Zeit wird für produktive Arbeit frei werden, die jetzt dringender erforderlich ist als jemals zuvor. Es bleibt so wenig Zeit, um unsere Fundamente und den Magneten unserer Arbeit zu verstärken. Die Festigung des Fundaments ist unsere vordringlichste Pflicht, wenn wir den versprochenen Erfolg anstreben wollen! Erkennen Sie, welch festes Fundament erforderlich ist, um den versprochenen Erfolg zu erzielen! Möge weder ein trivialer Gedanke noch Mißtrauen Ihre siegreiche Bewegung aufhalten! Möge Ihr Herz fühlen, daß meine Bitte nichts Persönliches enthält, sondern nur meine Sorge um den herrlichen Plan! Die Weisungen müssen mit ganzem Herzen angenommen werden. Sie müssen sich mit größtmöglicher Entschlossenheit darauf konzentrieren; nur dann wird Ihr Verständnis wachsen, wodurch viele Dinge erleichtert werden.

       Es ist falsch, die Kräfte, die alles in Bewegung halten, über Gebühr zu belasten. Es ist schwer zu glauben, daß der östliche Begriff des Lehrers und diese Art von Achtung vor Ihm im Westen tot sind. Ergründen Sie, was es heißt, die Kräfte des Lichts zu überlasten und welchen Preis Sie selbst dafür zahlen.

       ”Jene werden kommen, die auslöschen, verleumden und verletzen – die finstersten Seelen. Zerfall, der einmal begonnen hat, kann man nicht aufhalten. Doch die Weisen werden nicht zurückschauen, denn sie wissen, daß das Feuer unsterblich ist, wenn es angefacht wird.” (Feurige Welt I, § 232)

       Kein Wunder, daß ich darauf bestehe, die Weisungen des Lehrers zu wiederholen. Sogar die bloße Wiederholung kann die Fundamente stärken. ”Es ist nicht richtig, im Staub zu wühlen, wenn Wolken aufziehen. Es ist nicht richtig, sich umzusehen, wenn man den Weg entlang dem Abgrund beschreitet . Ich erinnere euch daran, daß das Hauptfundament einen Anker für alle darstellt.” (Feurige Welt I, § 233)

       ”Vereinigt euch einfach im Namen der Rettung. Wären wir fähig, alle Sterne zu zählen und alle unbekannten Tiefen auszuloten, so könnten wir doch nicht die gegenwärtige Zeit verbessern. Mit dem ganzen Mut unseres Herzens müssen wir den Terror der Finsternis erkennen, der auf uns zukommt, wenn die Feuer erlöschen. Viele glauben, daß Einigkeit ein veralteter, überflüssiger Begriff sei. Sie glauben, daß ihre Individualität in der Absonderung besser behütet ist – dies ist die Logik der Finsteren. Doch bei gefährlichen Epidemien denkt man manchmal an einfache Mittel und findet Hilfe darin. Dieses einfache Mittel ist Einigkeit, auf eindeutige Art und Weise vernichtet sie die Finsternis. So möge das Schwert über dem Drachen nicht schlafen.” (Feurige Welt I, § 234)

       ”Ich kann euch nur raten, an die Weisungen zu denken. Die Zeiten sind kompliziert, und der Faden sollte nicht verlorengehen. Deshalb bitte Ich Sie, sie an die genaue Befolgung der Anweisungen zu erinnern.”

       Ich hoffe, daß die Ihre Sicht behindernden Wolken wegziehen und Sie mit dem Herzen und Ihrem Geist verstehen, welche Folgen durch Uneinigkeit entstehen. Wir wollen niemanden und nichts verurteilen, doch uns ehrlich prüfen und alles ausrotten, was unseren Fortschritt hemmt.

* * *

29. Dezember 1932

       Die Schlacht des Harmagedons kann kein direkter und einfacher Siegeszug sein, weil auf beiden Seiten Große Kräfte miteinbezogen sind. Der Sieg der Kräfte des Lichts liegt aber auf der Hand, da sie mit dem Kosmischen Magneten verbunden sind. Dieser zieht die größten Kräfte an, denen die Finsteren nicht standhalten können. Das Element des reinen Feuers verbrennt sie. Doch wir müssen Geduld haben. Die Schlacht wurde von den Finsteren begonnen, denn in ihrer Wut versuchen sie, so viel wie möglich zu zerstören, bevor ihre Zeit zu Ende geht. Von ihnen und ihren besten Mitarbeitern – den Lauen und Gleichgültigen – kommen der ganze Terror der Aufstände und der Gewalt. Sie versuchen, durch allgemeine geistige Verarmung Verwirrung und völlige Unordnung zu schaffen. Die schweren Ströme des Saturns und andere ungünstige Kombinationen der Planeten sind für sie besonders hilfreich. Im Augenblick konzentrieren sich alle Kräfte des Lichts darauf, die durch die Finsteren gestörten Elemente zu zügeln. Niemand kann sich vorstellen, wieviel göttliche Energie nur dafür aufgewendet wird, um die unterirdischen Feuer unter Kontrolle zu halten! Die Finsteren versuchen mit allen Mitteln, alles zu vernichten, was hell und rein ist. Deshalb ist Einigkeit so notwendig. Es heißt: ”Nehmt die unfaßlichen Angriffe wahr, die den ganzen Planeten schwächen. Nicht zufällig werden ständig Strahlen zur Verteidigung entsandt. Ernste Gefahren sind bereits abgewendet worden.” In der letzten Woche hörte man in unserem Tal Prophezeiungen über ein großes Erdbeben, das am 22. Dezember ausbrechen, drei Tage andauern und unser ganzes Tal zerstören sollte. Doch am 21. Dezember fiel plötzlich sehr viel Schnee und die Temperatur sank. Dies hielt bis 27. Dezember an. Es wurde uns gesagt: ”Achtet auf die Prophezeiungen der Leute, die oft die kosmischen Ereignisse genau voraussagen. Natürlich kann man sich nicht völlig darauf verlassen.”

       Weiters wurde uns gesagt: ”Wir können bestätigen, daß die tödliche Gefahr abgewendet wurde. Ihr wißt, wie viele Ströme benutzt wurden. Außerdem bildete sich durch den Meteorschnee Eisdampf. Es ist völlig verständlich, daß ihr Anspannung und Unbehagen verspürt. Die Finsteren hatten keinen Erfolg, doch ihr wart Uns behilflich, weil ihr Unsere Ströme nicht gestört habt, indem ihr harmonisch vereint wart. Man muß verstehen, daß auch indirekter Widerstand gegen die Strahlen gefährlich ist, ganz zu schweigen von wirklichen Auseinandersetzungen und Streitigkeiten, welche die wertvollen Ströme lähmen. Viele andere schreckliche Dinge werden von den Sataniden geplant. Haltet Unsere Hand fest. Ich spreche zu denen, die es angeht.”

       ”Beachtet, wie sich Lähmung und Uneinigkeit in ihrer Wirkung gleichen. Lähmung tritt nicht unmittelbar nach falschen Taten in Erscheinung. Lähmung erfordert eine langwierige Behandlung und ist oft unheilbar. Deshalb fordere Ich Einigkeit. Seid über alle Launen und Erinnerungen erhaben. Ich verlange Einigkeit, sonst verweigere ich die Heilung. Die Einigkeit muß stark sein. Laßt Scheinheiligkeit nicht zu – die Zeiten sind viel zu gefährlich. Welcher Mitarbeiter kann sagen, wann und durch wen die Ohnmacht verursacht wurde? Wo ist jene Stelle, jene Aura, jene Verbindung, welche die Lähmung des mächtigen Rettungsstrahls hervorrief? Wer weiß, wieviel Zeit aufgewendet werden muß, um die Aura zu heilen, die durch ihre Reizbarkeit die Verbindung mit der Hierarchie unterbrach? Währenddessen verliert der Feind keine Zeit und bedient sich des schwarzen Feuers, das gerade dann so leicht entzündet und angefacht werden kann, wenn der Magnet der Reizbarkeit in Erscheinung tritt. Das schwarze Feuer ist nichts anderes als die von den Finsteren so geliebte Gereiztheit. In diesem Augenblick sind die Bedingungen für sie günstig. Deshalb ist besondere Vorsicht vonnöten. Denkt daran, daß der Strahl dort, wo er angenommen wurde, stärker ist als jede Rüstung. Daher suchen die Sataniden nach den schwachen Stellen, um durch diese Spalten einzudringen. Es ist ihnen egal, durch wen oder in welchem Teil der Welt sie diese Lücken suchen müssen. Sie werden jede Gelegenheit wahrnehmen, in der Hoffung, daß Meine Strahlen nicht die ganze Welt erfüllen können. Sie benutzen die seltsamsten Masken, um unsere Wachsamkeit zu umgehen. Ihr habt recht, die Sataniden sind über die ganze Welt verstreut. Wir kennen die Verräter, und Wir wissen auch, daß nur Einigkeit beschützen und zum Sieg führen kann. Die rechten Umstände werden kommen, doch wir müssen ihnen gerecht werden.”

       ”Ich möchte die ganze Energie auf äußere Ereignisse lenken. Daher ist eure Einigkeit wichtig, damit der Kelch intakt ist. Einigkeit ist immer gut, doch unter bestimmten kosmischen Umständen ist sie besonders wichtig. Stellt euch vor, was geschieht, wenn jemand die Hand stößt, die den bis zum Rand gefüllten Kelch erhebt! Welch ein Feuer kann von den verschütteten Feuertropfen ausgehen! Als Ich über die Zeit sprach, in der die genaueste Erfüllung der Weisungen erforderlich ist, meinte Ich diese besondere Zeit. Ihr könnt euch vorstellen, daß Ich diese Energie ansammle – laßt nicht einen Skorpion entkommen!”

       Ich hoffe, daß diese liebevollen und strengen Warnungen den richtigen Eindruck hinterlassen und Bedauern aufkommt, wenn nicht für andere und für das Werk, dann wenigstens für Euch selbst.

       Ich flehe Euch an, den Mut aufzubringen, den größten inneren Feind zu bekämpfen – die Uneinigkeit. Jeder unterstützt sie zwar, doch die Überwältigung dieses Feindes würde den Sieg sicherstellen. Wir müssen uns selbst klarmachen, daß Scheinheiligkeit unter Mitarbeitern unmöglich ist, und laßt uns Geduld und Freundlichkeit üben, was wirklich nicht so schwierig ist, wenn das Herz durch das Streben zu unserem Lehrer entflammt ist. Doch jeder, ohne Ausnahme, muß dies tun. Möge jeder Mitarbeiter alles, was eben gesagt wurde, vor allem für sich selbst anwenden; er darf es nicht ablehnen als etwas, was nicht ihn, sondern seinen Nachbarn betrifft. Meistens schiebt der, der wirklich aufmerksam sein sollte, in selbstsüchtiger Art und Weise alles auf seinen Nachbarn. Doch der weise und wahre Schüler wird alles zuerst auf sich beziehen und es nicht auf andere abwälzen, denn wie könnte er sich sonst vervollkommnen? Laßt uns auch ein für allemal von allen Kränkungen absehen und sie als wirkliches Gift betrachten. Der Schüler darf nicht empfindlich sein, sonst ist er weit vom Fortschritt entfernt.

       Vor langer Zeit wurde gesagt: ”Es macht keine Ehre, einen Garten aus Beleidigungen anzulegen.” Und weiter: ”Eine Person, die sich beleidigt fühlt, hält sich an diesen Beleidigungen fest und verliert die Beweglichkeit des Denkens; und wenn wir diese Beweglichkeit verlieren, stumpfen wir unvermeidlich ab. Bei allem sollten wir uns den Sinn für Proportionen bewahren, da wir das große Ausmaß unseres Werkes kennen! Wo wird da Platz für Kränkungen sein? An die vier Grundlagen, die zu Beginn der Lehre gegeben wurden, sollte man immer denken.” (Blätter des Gartens Morya II, § 234)

       Ich will sie Euch in Erinnerung rufen: 1.) Verehrung der Hierarchie, 2.) Einigkeit; 3.) Entsprechung, 4.) Große Geduld. Wir wollen nicht zurückblicken in die finstere Ecke, wo sich alle schlechten Gewohnheiten angehäuft haben? Sie berauben uns nur der Freude. Mit unserem ganzen Herzen wollen wir dem Lehrer des Lichts zustreben, der uns unermüdlich seine Strahlen der Freude und der liebevollen Sorge sendet. Öffnen wir unser Herz, um diesen Segen zu empfangen.

       Verwirrt durch Eure Uneinigkeit nicht die Neuankömmlinge oder jene, die sich Euch bereits angeschlossen haben. Es ist so schädlich für Euch, für das Werk und für die anderen. Wir können diesen Schaden vorhersehen und grämen uns sehr. Die Neuankömmlinge sollten inspiriert und nicht durch Unsinn verwirrt werden. Ich leide, wenn ich sehe, daß wir, obwohl wir die Grundsätze der Einigkeit verkünden, in Uneinigkeit leben. Wie können wir auf diese Weise etwas aufbauen und vereinen? Nur das persönliche Beispiel inspiriert und bringt einen vorwärts.

       Ich hoffe, Sie werden Ihren ganzen Eifer für eine tolerante und verständnisvolle Zusammenarbeit einsetzen. Ich weiß, daß es schwer ist, doch um so herrlicher werden Ihre Errungenschaften sein.

Briefe nach Europa

1931

24. April 1931

       Ich möchte Ihnen einige Worte meines Herzens senden. Die Weisheit des Altertums besagt, daß aufrichtige Worte nie blumenreich sein können. Deshalb sage ich Ihnen in aller Einfachheit, daß wir tief gerührt sind über Ihr stetes Streben zur Lehre und über Ihre schöpferische Arbeit, die so reich an schönem Empfinden ist.

       Aufrichtigkeit und Einfachheit sind zwei mächtige Magnete. Die große Kunst der menschlichen Verwandtschaft gründet darauf. Sehr wenige erkennen die Wichtigkeit dieser Kunst, die das Fundament des Aufbaues und der Evolution darstellt! Diese in Vergessenheit geratene Kunst, die soviel Feingefühl und Wachsamkeit sowie Synthese des Geistes erfordert, muß unverzüglich ins Leben eingeführt werden. Sie ist die wesentlichste Erfüllung; und wie könnten wir die Neue Welt der Schönheit und mächtigen Zusammenarbeit ohne sie aufbauen?

       Es scheint mir, daß Ihre Beständigkeit und Ihre herzhafte Annäherung beispielgebend sein werden – ein Lichthaus, das andere in die rechte Richtung führt. Sie werden sie freudvoll rufen, Sie werden sie lehren, Hindernisse und den Kampf zu lieben, denn wie sonst könnte ihr inneres Feuer entflammt werden? Sie werden ihre Aufmerksamkeit auf das freudvolle Dienen der Allgemeinheit lenken; und den ganz Mutigen werden Sie die Freude der Selbstverleugnung einflüstern, sich in ständiger Bereitschaft völlig dem Dienst der Großen Hierarchie des Lichts hinzugeben!

       Wir senden Ihnen (und wir werden es auch weiterhin tun) Seiten aus den Büchern der Lehre. Sie werden Ihnen eine große Hilfe sein, die jungen Seelen zu stärken, einschließlich solch liebenswerter wie der unseres kleinen Freundes Serioscha.

       Nehmen Sie diese Worte, die aus unserem für Sie geöffneten Herzen kommen, entgegen. Wir denken oft an Sie und räumen Ihnen bei allen unseren Arbeiten einen Platz ein.

       Übermitteln Sie herzlichste Grüße an alle Ihnen Nahestehenden; denn wer Ihnen nahesteht, ist auch uns nahe.

28. August 1931

       Sie haben recht, ”Agni Yoga völlig zu verstehen und im Leben anzuwenden, ist nicht jedermanns Aufgabe”, doch ohne Anwendung im Leben ist Wissen wertlos und wird keine Ergebnisse zeitigen. Die ersten Formeln, die ein Schüler sich aneignen sollte, sind folgende: ”Alles fürs Leben – nichts sollte abstrakt sein; alles soll mit menschlichen Händen und Füßen geleistet werden. Ohne Anspannung aller Kräfte ist keine Umwandlung (oder Vervollkommnung) möglich.” Wir alle wissen, daß bei physikalischen und chemischen Experimenten nur an der Grenze äußerster Spannung neue Formeln geboren werden. Wir müssen daher, die große im Kosmos bestehende Übereinstimmung nützend, laufend bestrebt sein und alle unsere Fähigkeiten verstärken.

       Die Lehre verlangt vom Schüler vor allem selbständige Tätigkeit. Die Lehre weist in reichlich gegebenen kostbaren Weisungen die Richtung, doch der Schüler muß selbst ”mit eigenen Händen und Füßen” seinen Pfad aufbauen. Erwartet daher keine fertigen Formeln. Aus kleinen Weisungen errichtet den großen Aufbau.

       Nun möchte ich Ihre Fragen beantworten.

       1.) Die verschiedenen Yogasysteme sind teilweise in europäische Sprachen übersetzt worden. Die besten Arbeiten sind jene von Patanjali, Vivekananda und Avalon. Zusätzlich zu diesen wäre es für Ärzte ratsam, mit dem kürzlich erschienenen kleinen Buch eines indischen Doktors der Medizin bekanntzuwerden. Wir wollen versuchen, es für Sie zu beschaffen. Doch Agni Yoga ist die Synthese aller Yogasysteme.

       2.) Moschus ist ein Ablagerungsprodukt der Substanz unbewußter psychischer Energie, über die in den Agni Yoga-Büchern soviel gesagt ist. Moschus hat mit Narkotika, die den Intellekt töten, nichts gemein. Er ist kein reguläres Anregungsmittel im vollen Sinn des Wortes. Er stellt das Gleichgewicht im Nervensystem her; er reguliert das sympathische Nervensystem, das bei einem vorgeschrittenen Yogi sehr stark vibriert. Es ist wahr, daß bei Anwendung von Moschus das Nahrungsbedürfnis nachläßt, weil psychische Energie durch Stärkung des Nervensystems auch den physischen Körper nährt. Dosis: Eine mittelgroße oder kleine Pille einmal täglich. Manche nehmen jedoch gleich zwei Pillen, was eine beachtlich starke Dosis darstellt. Es ist schwer, einen Ersatzstoff für Moschus zu finden. Das Nächstliegende ist Castoreum und das von Dr. Pell erwähnte Spermin. ”Ablagerung des unbewußten Feuers” ist ebenfalls eine Erklärung der Substanz, psychische Energie; daher kann Moschus auch als ein solches Feuer betrachtet werden. ”Phosphor des Geistes” ist eine andere Benennung für dieselbe psychische Energie. Und Sie wissen bereits, daß psychische Energie die höchste, durchdringendste und die höchst umwandelnde Energie ist, die vor allen Krankheiten schützt und vor vielen anderen Dingen. Natürlich, sie wirkt in einer wundersamen Weise nur, wenn sie bewußt beherrscht oder wenigstens erkannt wird. Doch auch die unbewußte Ablagerung dieser Substanz ist sehr kostbar.

       3.) Baldrian fällt in die Kategorie der ”Lebensspender” und seine Bedeutung kommt der des Blutes im Körper gleich. Okkult wird Baldrian als das Blut des Pflanzenreiches betrachtet. Er sollte dauernd wie tägliche Nahrung eingenommen werden. Er kann in flüssiger Form verwendet werden, angesetzt in Alkohol, doch ohne Beifügung von Zusätzen wie Äther. Dosis: 10-45 Tropfen. Doch am besten ist Baldriantee, (ein Aufguß aus Baldrianwurzeln), ein- oder zweimal täglich zu trinken.

       Im allgemeinen denken Sie daran, daß Narkotika für die Anhänger des Agni Yoga nicht zu empfehlen sind. Auch Rauchen ist schädlich sowie der übermäßige Genuß von Alkohol. Fleisch ist ebenfalls schädlich, weil es den Körper mit zersetzenden Teilchen anfüllt. Gewiß, als Arzt wissen Sie, wie konsequent man seine Gewohnheiten ablegen sollte, um schädliche Wirkungen zu verhüten. Doch gibt es viele Menschen, welche dies allmählich umsetzen könnten? Trinkern und Rauchern ist Agni Yoga jedoch unzugänglich.

       4.) Zedernharz oder andere Harze und Teere, z. B. Eukalyptus, sind die Produkte der psychischen Energie der Bäume, und daher sind sie besonders bekömmlich zur Stärkung, Reinigung und Heilung etc. Von diesen Eigenschaften wissend, sollte jeder versuchen, sie in bestmöglicher Weise anzuwenden. Das beste Harz liefern die sibirischen Zedern.

       Gereinigte Harze oder ihre Öle können auch innerlich angewendet werden. Dosis: 5 Tropfen oder mehr. Alles ist sehr individuell. Vielleicht wird Ihre Intuition Ihnen helfen, die erfolgreichste Zusammensetzung zu finden.

       Die Ausstrahlungen von Nadelbäumen sind natürlich unersetzlich. Nadelbäume speichern wie elektrische Apparate Lebenskräfte, einen konzentrierten Vorrat an Prana oder Naturovaloris. Die Druiden betrachteten einen Kelch mit Koniferenessenz als einen Lebenskelch.

       Es ist immer wohltuend, in Räumen kleine Nadelbäume zu haben oder Koniferenessenz zu versprühen. Auf diese Weise wird die Atmosphäre gereinigt und die unerwünschten Wesenheiten, welche die menschlichen Ausstrahlungen so zahlreich umgeben, werden davongetrieben.

       Pfefferminzessenz ist für diesen Zweck ebensogut – entweder in der Luft versprüht oder heißem Wasser zum Verdampfen beigefügt. Eine Schale solchen Wassers sollte neben der Schlafstelle aufgestellt werden. In allen von Ihnen erwähnten Fällen wäre dies nützlich.

       5.) Pfefferminze- oder Mentholpräparate sind vor allem für Lokalanästhesie unersetzlich wie auch für Erleichterungen bei Entzündungsprozessen, die bei den Yoga-Anfängern oft auftreten. Die meisten Schmerzen des Yogi rühren von Entzündungen der Nervenzentren und Drüsen her, weil die Nervenkanäle mit den Drüsen eng verbunden sind. Daher ist der allgemein bekannte ”Migränestift” sehr nützlich sowie auch die Verwendung von Baume Bengúe, das sehr viel Menthol enthält. Dies wurde durch persönliche Erfahrung erprobt.

       6.) Es ist ratsam, den Scheitel vor direkter Sonnenbestrahlung zu schützen. Deshalb raffen die Yogis ihr Haar in einem Knoten am Scheitel des Hauptes zusammen. Außer Hitze enthalten Sonnenstrahlen einen bestimmten ”Chemismus”, der in Zeiten der Vermehrung der Sonnenflecken schädlich sein kann. Im allgemeinen sollte man bei Zentrenöffnung Sonnenbestrahlung meiden. Ausgedehnte Körperübungen wie Leistungssportarten sind ebenfalls schädlich.

       7.) Das ”Dritte Auge” hat sicherlich seinen physischen Nährboden im Zentrum des Nervensystems. Wenden Sie strenge Aufmerksamkeit den beiden Gehirndrüsen – Hypophyse und Zirbeldrüse – zu. Die Molekularbewegungen der Hypophysendrüse entwickeln psychisches Sehen, doch für geistige Sicht – höchste Sicht – sollte sich auch die Zirbeldrüse bewegen. Wenn das Rotieren und die Emanation dieser beiden Drüsen sich vereinen, erzielt dies die höchsten Ergebnisse.

       Ich möchte Ihnen auch raten, den Nervenzentren größte Aufmerksamkeit zu schenken, da diese oft nicht bewußt erkannt werden, und nur teilweise geöffnet zeigen sie oft Symptome von Tuberkulose, Asthma, Rheumatismus und anderen Krankheiten. Eines der wichtigsten Zentren im Prozeß des Yoga ist das Zentrum des Solar plexus, doch wird ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt. Es erzeugt viele schmerzhafte Empfindungen bei der Entwicklung im Yoga-Prozeß.

       Ich befürchte, Sie werden mit meinen kurzen Erklärungen nicht ganz zufrieden sein, doch es ist notwendig, eine individuelle Intuition und Initiative zu entfalten, da es ohne diese Eigenschaften keinen wahren Fortschritt geben kann. Wie Sie feststellen sollen, verlangt Agni Yoga vor allem eine geistige Entwicklung. Ohne diese sind alle Anweisungen und sekundären Maßnahmen nutzlos. Daher wünsche ich Ihnen aus tiefstem Herzen, daß Sie nicht nur auf physischer Ebene, sondern vor allem auf geistiger Erfolg haben mögen. Sie werden auch in letzterem Fall Hilfe erhalten, selbst wenn Sie dies nicht sofort zu erkennen vermögen.

       Vermeiden Sie jede Magie und Pseudookkultismus! Ohne eine gründliche Entwicklung und Erweiterung des Bewußtseins könnten die ganzen weitverbreiteten Suggestionen für das Austreten aus dem Astrosom sowie Verkörperungen, Beschwörungen und andere Manifestationen schädlich sein.

       Beginnen Sie vor allem mit Ihrer geistigen Entwicklung sowie ganz unvoreingenommen mit wirklich wissenschaftlichen Forschungen. Das Übrige wird ganz natürlich folgen. Was halten Sie von der Heilung mit Farbstrahlen?

       Zum Schluß möchte ich Sie daran erinnern, daß die Neue Ära unausweichlich ist. Feurige Energien in ihrer größten Anspannung nähern sich der Erde, und wenn sie nicht aufgenommen, erkannt und assimiliert werden, verursachen sie schreckliche Erdbeben und andere kosmische Störungen sowie Revolutionen, Kriege und neue Epidemien. Wir befinden uns jetzt genau am Beginn der Neuen Zeit, einer Neuen Rasse, und daher möge unsere Zeit mit jener von Atlantis verglichen werden, dessen Existenz unseren Wissenschaftlern immer mehr und mehr verdeutlicht wird.

       Beachten Sie alle ungewöhnlichen und zerstörenden Zeichen in allen Lebensbereichen, und viele Dinge werden Ihnen klarer erscheinen. Sie werden sehen, wo die Funken der Neuen Ära sind, des Zeitalters geistigen Wissens und der Zusammenarbeit der Menschen im Zeichen der Kultur. Die Erkenntnis des Kommens dieser großen Zeit sollte die Kraft jeder feinfühligen Person verstärken und sie freudvoll hinlenken zur aufbauenden Arbeit für das Allgemeinwohl unter dem Banner, das wir das ”Banner des Friedens und der Kultur” nennen.

26. Dezember 1931

       Ihr Programm über die erzieherische Tätigkeit ist wirklich vortrefflich. Alles, was Sie aufzeigen, ist sehr wichtig, und wenn es in der verfeinerten Vorstellung des Herzens angewendet wird, wird es wunderbare Ergebnisse zeitigen. Wir nehmen natürlich an, daß die vorgeschlagenen Kuratoren (nicht nur Männer, sondern auch Frauen) keine formellen Beamten sind, sondern wirklich geistig fortgeschrittene und erfahrene Berater in Fragen der Erziehung.

       Darüber hinaus sollte die Idee des Pazifismus nicht als etwas Passives und daher Negatives angesehen werden, sondern als reines, aktives Friedensschaffen. So ist es allgemein ratsam, den eher spezifischen Ausdruck ”Pazifismus” durch das schöne Wort ” Friedensaufbau” zu ersetzen.

       Bestimmte Information über die Legenden können Sie dem Essay von N. K. ”Die Seele der Völker” entnehmen. Natürlich hat jedes Land seine Epen, und seine Menschen haben ihre eigenen, ihnen teure Helden. Deshalb sollte man die Vorstellungen der jungen Generation nicht beschränken und den jungen Menschen die Möglichkeit bieten, bekanntzuwerden mit dem, was ihre Herzen für das Heldentum und für das Gute entflammt. Doch es ist einerlei, in welchem Lande bestimmte heroische Taten vollbracht werden! Wenn Sie die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK studieren, werden Sie viele wertvolle Gedanken zu allen Problemen finden, da diese an verschiedenen Stellen ausführlich erörtert wurden.

       Wahrlich, Ihr Land sollte die jetzt verwirklichte Idee der ”Schwestern des Goldenen Berges” begrüßen. Sind die von Ihnen erwähnten Krankenschwestern nicht wahre Vertreter des Allgemeinwohls und einer Neuen Ära? Es ist ausgezeichnet, daß Sie eine kleine Gruppe – eine geistige Gemeinschaft haben, die sich in geistiger Disziplin übt und in der alle einander helfen, gute Taten zu vollbringen und das Ideal der Freude – als eine besondere Weisheit – zu verwirklichen.

       Sie wissen, wie wichtig es ist, Initiative zu entwickeln und jede gute Möglichkeit zu fördern; denn für jene, die der Unbegrenztheit gegenüberstehen, ist nichts unmöglich, ungeachtet dessen, wie schwer das tägliche Leben auch sein mag. Es ist richtig, daß Sie über die kommende Generation nachdenken, denn nur für die Zukunft hüten wir die Gebote der Vergangenheit. Und im Namen dieser leuchtenden Gebote, die jedes Herz öffnen und unsere Hoffnungen verwirklichen werden, senden wir Ihnen unsere Grüße. Nur die erhabenste und verfeinerte Kultur wird all die unnötigen und zerstörenden Merkmale besiegen und jene Armee des Geistes schaffen, die, in aktivem Friedensaufbau, die leuchtende Zukunft der Menschheit schaffen wird.

1932

15. Januar 1932

       Noch einmal möchte ich Ihnen sagen, wie glücklich ich war, über Ihr Programm zu erfahren. Wenn ich daran denke, daß unter den Mitgliedern Land- und Stadtlehrer sind, die ein Drittel ihres Gehaltes aufwenden, um zu Ihren Versammlungen zu fahren, fühle ich mich sehr gerührt. Wieder einmal ist bewiesen, daß die besten Gedanken und Taten nicht inmitten von Überfluß und Luxus geboren werden.

       Es ist vollkommen richtig, daß Sie der Literatur für Kinder und Jugendliche soviel Aufmerksamkeit schenken. Dies ist ein sehr wichtiges Problem, da nicht nur in der Kindheit, sondern auch für die spätere Geistigkeit einer Person sehr viel von den ersten und daher stärksten Eindrücken abhängt. Oft konnte ein gutes Buch die Folgen einer unvollkommenen Umgebung in der Familie wieder gutmachen! Bestimmt, es gibt viele wertvolle Bücher des Schrifttums der Vergangenheit. Man muß nur richtig wählen und alles verwerfen, was schädlich ist.

       Beinahe jeder weiß, daß sowohl das materielle als auch das geistige Wohl ganzer Länder von den in das Bewußtsein der Kinder gelegten Fundamenten abhängt. Nichtsdestotrotz wird in dieser Richtung fast nichts getan. Ich stimme Ihnen zu, daß Bücher, die von heroischen Taten handeln, sehr wichtig sind; solche Bücher können die Mentalität eines Kindes beeinflussen und werden vor den schrecklichen Übeln von heute, wie oberflächlichem Verhalten gegenüber heiligen Begriffen und minderwertiger Qualität des Denkens, bewahren. Solange dies nicht erkannt wird, wird der ganze Aufbau des Lebens auf Sand errichtet, und er wird mit der ersten Erschütterung zerfallen und zusammenstürzen.

       Lehrt die Kinder, die Bedeutung jedes Gedankens sowie jeder Tat zu verstehen, genauso jede Offenbarung der Natur, die auf unfehlbaren Gesetzen beruht. Sagt ihnen, daß die Verletzung dieser Gesetze schwere Folgen nach sich zieht. Weist darauf hin, daß die Lebens- und Schaffenskraft sowohl der Menschen als auch anderer Kreaturen des Naturreiches von der unsichtbaren Welt und den unsichtbaren Schwingungen der großen geistigen Weisen der Vergangenheit und Gegenwart abhängt. Kinder sind bereit, das Unsichtbare als Wirklichkeit anzunehmen, weil ihre Gemüter noch nicht durch zerstörenden Zweifel verdorben sind. Darüber hinaus gibt es heute sehr viele Experimente mit Strahlen, die den feinstofflichen Einfluß des Unsichtbaren beweisen. Auch Beispiele wie photographische Negative werden für das kindliche Gemüt sehr überzeugend sein. Die kompliziertesten Szenen können auf einem Negativ festgehalten werden, sie sind jedoch erst durch das Entwickeln mit chemischen Präparaten wieder sichtbar. Gleicherweise hält ein empfindlicher Film ferne Sterne fest, die mit dem stärksten Teleskop nicht wahrgenommen werden können. Und ebenso bewahrheiten sich wissenschaftliche Berichte anderer Manifestationen, die für das physische Auge unsichtbar sind. Es ist notwendig, das kindliche Gemüt von dem Bestehen der uns umgebenden feinstofflichen Sphären nachhaltig zu beeindrucken und die Angst vor dem Tod und der Berührung mit der feinstofflichen Welt auszumerzen. Die feinstoffliche Welt ist genauso selbstverständlich wie unser irdisches Leben; und wird die Sublimation der irdischen Welt erkannt, erschließt sie uns unaussprechliche Schönheit. Daher muß den Kindern die Angst vor dem Tod genommen werden, denn sie ist eine Illusion – genauso die Angst vor den sogenannten Geistern. Gewöhnlich fürchten sich Kinder, da sie ein offenes psychisches Sehen auszeichnet, nicht vor dem, was sie sehen, solange die Erwachsenen sie nicht durch ihr spöttelndes Verhalten und mit ihren Geistergeschichten und ”jener tödlichen Grabeskälte” beeinflussen. Diese ”tödliche Kälte” ist nichts anderes als eine einfache chemische Reaktion der Berührung des Feinen mit dem Groben (Gruseln!).

       Ich bin froh, daß Sie bestimmte Wahrnehmungen der Feinstofflichen Welt haben. Ihre Schilderungen scheinen richtig zu sein, denn der Seher – nach seinem eigenen Geist urteilend – weiß es besser. Die Symbole sind sehr individuell und entsprechen dem Bewußtsein des einzelnen. Sehr oft haben dieselben Symbole für jeden eine andere Bedeutung. Lauschen Sie der Stimme Ihres Herzens und Sie werden nicht irren!

24. November 1932

       Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Ihr Lebensbericht rührt mich sehr, denn alle Ihre Hilfeleistungen sind mir besonders teuer. Welche Arbeit kann höher sein als das Heilen von physischer und geistiger Unordnung? Und besonders in dieser fürchterlichen Zeit der Uneinigkeit und der drohenden Zeichen neuer, unbekannter Epidemien. Ich bin sicher, daß Sie eine geistige Annäherung in der Behandlung der Krankheiten des Körpers finden werden und wünsche Ihnen für Ihre Aufgaben viel Erfolg.

       Ich begrüße die Idee unseres teuren Felix Denissowitsch, Sie mit einer so wichtigen und verantwortungsvollen Aufgabe zu betrauen, viele verstreute kleine kulturelle Gesellschaften zusammenzubringen und sie unter der Liga des Banners des Lichts zu vereinen. Natürlich stimme ich mit meinem ganzen Herzen Ihrer Idee betreffs der Liga der Kultur zu. Die Kuppel der Kultur ist allumfassend; die Liga der Kultur ist wie ein großer Tempel, in dem jeder, der sich vervollkommnen und der Menschheit dienen will, Platz findet. Jeder, der mit Recht nach Vervollkommnung strebt, sei es in der Wissenschaft, in der Kunst oder auf anderem Gebiet, steuert einen Stein bei zum Aufbau der großen künftigen Liga der Kultur. Mögen alle diese Baumeister sich sammeln, und möge es in ihrer Arbeit weder Grenzen noch Beschränkungen geben! Wer immer sein Bestes geben will, wer immer an seinen Mitmenschen denkt, dem gebührt ein Platz in diesem Tempel. Es ist sehr wünschenswert, Gruppen von kulturell Schaffenden zusammenzuschließen, und es wäre ausgezeichnet, wenn verschiedene Nationalitäten sich zusammenfänden. Alle Gesellschaften sollten ihren ursprünglichen Namen beibehalten und nur den kleinen Zusatz ”Kulturliga” beifügen. Wenn dies aus irgendwelchen Gründen nicht erwünscht ist, möge man einfach auf die Angliederung zur Liga hinweisen.

       Auf diese Weise würden alle Individualitäten verschiedener Organisationen Mitglieder der Welt-Kulturliga.

       Jetzt möchte ich die verschiedenen Gesellschaften erwähnen, die für Angliederung an die Kulturliga in Betracht kommen:

       Erstens – die Friedensgesellschaften; zweitens – Gesellschaften für geistige Entwicklung, die sich mit dem Studium der Religion und Philosophie befassen; drittens – Vertreter der Wissenschaften; viertens – Künstler; fünftens – Organisationen für Mutterschaft und Erziehung; sechstens – für Handwerk und Arbeit; siebentes – für Zusammenarbeit und Industrie; achtens – für Sicherheit; neuntens – für Landwirtschaft und Baukunst; zehntens – Organisationen für Gesundheitswesen und Schutz.

       Es ist leichter zu streichen als hinzuzufügen, deshalb dieses weite Ausmaß für Sie. Schreiten Sie voran mit Ihrem großen Programm und lassen Sie sich durch kleine Unstimmigkeiten nicht entmutigen. Die Fähigkeit, sich zu fügen, ist absolut erforderlich, besonders am Anfang. Üben Sie daher Geduld und Toleranz. Mit Toleranz, Freundlichkeit und Geduld kann man die hartnäckigsten Gegner zur Einsicht bringen. Ich genehmige Ihnen auch Ihre ”Tasse Tee” – mäßige, reine Nahrung wird nie ein Hindernis sein, und wie Sie sagen, kann sie zu einer gewissen Vertrautheit beitragen.

       Sie erkennen natürlich, daß jeder Beginn seinen Brennpunkt der Vereinigung haben muß, und gesegnet sind jene, die dies verstehen und annehmen, da dies ihre eigene Position stärkt. Es ist sehr wichtig, die Errungenschaften zu verstärken, also viel Glück für Sie! Beginnen Sie zu vereinen, dabei im weitesten Maße den Grundsatz der Toleranz anwendend, den Kanon ”Mit Deinem Gott”. Doch hüten Sie sich vor Verrätern, denn die Verseuchung durch sie ist groß. Es ist unsere Pflicht, alles zu schützen, was uns im Vertrauen unter der Kuppel des Tempels der Kultur vereint! Schwäche und Nichtwidersetzung gegen das Böse gelten für uns nicht! Wenn nötig, erheben wir das Schwert der Empörung des Geistes und verteidigen das uns Anvertraute.

       Sie sind mit einer großen Aufgabe betraut worden. Lassen Sie uns aufrichtig zusammenarbeiten in dieser schweren, aber freudvollen Aufgabe! Leuchtend ist die Zukunft! Freudvoll ist Arbeit im Namen der Schönheit!

1933

1933

       Ich beeile mich, Ihre Fragen über Besessenheit zu beantworten. Alle Ihre Fragen bestehen zu Recht. Man sollte wissen, daß es eine große Zahl dieser Fälle gibt. Es gibt viele Arten und Grade von Besessenheit, und die Besitzergreifer selbst können verschiedene Absichten haben.

       Wir kannten zum Beispiel eine fromme alte Dame, die von ihrem Urgroßvater – einem Bischof – besessen war. Es gab nichts Schlechtes in ihr. Sie war eine wohltätig Schaffende und predigte die Ideen ihres Urgroßvaters, des Bischofs, der scheinbar Zeit seines Lebens seine Aufgabe nicht erfüllte. Nichtsdestoweniger sind solche Fälle sehr traurig, da eine besessene Person immer allmählich ihren eigenen Willen verliert und ein Opfer des Besitzergreifers wird. Das ganze Leben eines solchen Opfers wird ohne wahre Errungenschaften und Aufspeicherungen verbracht. Die Menschen fürchten sich so sehr, ihre Individualität und Willensfreiheit zu verlieren. Gleichzeitig aber besitzen die meisten von denen, die sich ihrer ”Individualität” (im wahrsten Sinne des Wortes) so bewußt sind, keine; sie sind, viel öfter als gewöhnliche Leute, besessen. Die meisten Menschen glauben, daß Individualität, streng ausgedrückt, Ichsucht sei. Es wäre sehr interessant, eine Anzahl von Leuten zu fragen, was sie unter Individualität verstehen. Die Antworten würden wohl sehr seltsam ausfallen!

       Seien Sie bitte wegen der langsamen Entwicklung in bezug auf die Liga der Kultur und der Frauenvereinigung nicht enttäuscht. Nichts sollte erzwungen werden. Es ist gut, wenn sich vorerst eine ganz kleine Gruppe bildet. Prüfen Sie sehr sorgfältig die Neuankommenden. Es ist eine große Kunst, die Leute entsprechend ihrem Bewußtsein anzusprechen, um ihnen nicht mehr und auch nicht weniger zu geben, als sie im Augenblick erfassen können.

       Wissend, daß Verleumdung und üble Nachrede fast immer aus Neid entstehen, sollten Sie sehr ruhig bleiben, doch Sie sollten versuchen, die Ursache herauszufinden. Den Feind zu kennen, ist fast der halbe Sieg. Sie müssen auch immer daran denken, daß ein wahrer Individualist nie auf Schmähungen hören wird. Er wird weder eine Person deswegen verurteilen noch andere in ein schlechtes Licht bringen.

       Es wäre zu wünschen, daß die Mitglieder der Frauenvereinigung ihr Werk mit den Aufgaben der Selbstvervollkommnung und Selbsterziehung beginnen würden und versuchten, dies mit vereinten Anstrengungen im Leben anzuwenden. In der kommenden Ära der Mutter der Welt wird eine große Anzahl kultivierter Frauen in verschiedenen Wissensgebieten benötigt, so z. B. auf dem Gebiet der Kunst, des Handwerks etc. Jede Frau sollte auch eine geübte Krankenschwester sein oder wenigstens die Grundlagen der Hygiene und Medizin kennen. Und wäre es nicht wunderbar, wenn sie geistiges Heilen lernten?

       Wozu sich in Gruppen und Gesellschaften sammeln, wenn der Wunsch für Selbstvervollkommnung und bereitwillige Hilfe anderen Genossen gegenüber nicht vorhanden ist? Man trifft sich doch nicht zu nichtigen Plaudereien und herkömmlichen Gesellschaftsabenden! Alle Neuankommenden sollten die bedrohliche Zeit erkennen und ihr völlig vorbereitet begegnen. Es ist notwendig, das Bewußtsein zu erweitern, die Ereignisse zu beachten und zu erkennen, wie ungewöhnlich die Zeit ist. Deshalb denke ich, daß sich Gruppen bilden sollten, in denen man mit den Grundlagen der LEBENDIGEN ETHIK bereits vertraut ist. Und vor allem – missionieren Sie nicht! Auf solche Art herbeigezogene Menschen werden nicht von Nutzen sein. Wie immer und in allem ist Qualität und nicht Quantität wichtig.

       Man könnte viele Aktivitäten vorschlagen, doch wenn sie vom Bewußtsein der Mitglieder nicht erkannt werden, kann daraus nichts werden. Es ist wichtig, daß die Mitglieder selbstständiges Denken entwickeln, um erfolgreich zu sein. Wir sehen es jeden Tag. Wir sehen, wie lange es dauert, bevor selbst fortgeschrittene Schüler die gegebene Lehre begreifen. Sie stärkt unsere Gedanken, die natürlich von der Liebenden Hand schon eine Zeitlang geführt wurden, ohne zwingenden Prozeß der Aufspeicherung.

       Seien Sie daher durch den langsamen Fortschritt nicht enttäuscht. Es wird die Zeit kommen, wo Ihre Arche nicht groß genug sein wird, um alle jene zu fassen, die Rettung suchen. Die Zahl der Unreinen wird größer sein als jene der Reinen, und Sie, der Noah von heute, werden sich in einer sehr schwierigen Lage befinden! Ihre Tätigkeit ist sehr wertvoll und wir schätzen sie sehr. Es wäre wünschenswert, mehrere solcher Mitarbeiter zu haben!

27. Januar 1933

       Herzlichen Dank für Ihren Brief, in dem Sie sehr angenehme Bestrebungen zum Ausdruck bringen. Ich will versuchen, alle Punkte zu beantworten.

       1.) Ihre Meinung, daß die ”Kulturliga” von starken Persönlichkeiten bekämpft werden könnte, kann sich nur auf die ganz Unwissenden beziehen, welche die bedeutende Idee einer Kulturliga nicht erkennen. Jedoch, wenn Sie erklären, daß der Zweck der Liga die Verfeinerung des Bewußtseins durch wahre geistige Erleuchtung ist und daher echte Individualität nicht zerstören kann, wird wohl kaum jemand an Bekämpfung denken – das sind unwissende Vorstellungen. Verfeinerung des Denkens ist in der Tat ohne ausgeprägte Individualität nicht möglich. Die Schwierigkeit liegt darin, daß die Menschen Individualität immer mit Ichsucht verwechseln. Letztere schließt Zusammenarbeit aus und ist daher unsozial.

       Es ist sehr wichtig, zwischen diesen großen entgegengesetzten Begriffen: Selbstsucht und Individualität – unterscheiden zu lernen. Selbstsucht ist die schrecklichste Geißel der Menschheit, die Quelle der Zerstörung und vor allem der Selbstzerstörung. Selbstsucht ist tödlicher Separatismus. Die alte Wahrheit, daß der Kosmos und seine Menschheit ein wesentliches Ganzes bilden, wird wirklich wenig erkannt, doch sie sollte in das Bewußtsein der Menschen eingehen. Was würde geschehen, wenn jemand versuchte, ein Körperglied vom ganzen Organismus zu trennen! Individualität ist ein lebenserhaltendes Gefäß. Individualität ist Schönheit, ist die Krone des Menschen, die Synthese aller seiner Aufspeicherungen. Doch wie kann er aufspeichern, wenn er sich von allen anderen Lebenserhaltern absondert? Individualität ist wie von der Biene ”Mensch” von besten Blumen verschiedener Wiesen gesammelter Honig. Doch wie kann eine Person Honig sammeln, die sich selbst in die Finsternis der Selbstsucht sperrt?

       Der Gedanke an die Kulturliga ist mehr als zeitgemäß. Es gibt auf der einen Seite ungeheure tödliche Erscheinungen von Selbstsucht, auf der anderen nicht minder schrecklichen groben Materialismus, der das schöpferische Feuer des Geistes hemmt, der entpersönlicht und durch Herabsetzung des Menschen bis zur Nichtigkeit nivelliert. Die Kulturliga sollte Erziehungsprobleme im Licht der neuen Geistigkeit beleuchten. So würde die heranwachsende Generation eine neue Auffassung über Erziehung erhalten und die wahren Werte des menschlichen Geistes schätzen lernen, die in vielen Fällen vollkommen verlorengegangen sind. Und so mögen kleine Gruppen der Kulturliga gebildet werden. Mit der Zeit werden sie sich entwickeln, doch diese Gruppen mögen die ungeheure Bedeutung ihrer Aufgabe erkennen. Bedrohlich und hartherzig ist unsere Zeit, und die erkennenden Persönlichkeiten jedes Landes sollten alle geistigen Mittel aufwenden, um sich dem Aberglauben zu widersetzen. Zweifellos sucht jeder einen Ausweg aus dieser Verwirrung, doch die Mehrheit rennt mechanischen Lösungen nach, vergessend, daß die wahre Änderung nur durch Bewußtseinserweiterung und Annahme der geistigen Führerschaft erreicht werden kann. Es ist gesagt, daß die Lebensprobleme nur durch Bewußtseinserweiterung gelöst werden können. Man kann sehen, wie mechanische Hypothesen die Hoffnungen der Menschen irreführen. Es ist das, was die Alten ”Maja” nannten – eben das, was durch den seichtesten Schlag zerstört werden kann.

       2.) Sie schreiben, daß die Mitglieder Ihrer Gruppe sich sehr voneinander unterscheiden. Doch darüber sollten Sie weder besorgt sein noch sollten Sie zu streng urteilen. Jeder hat seine eigene Art der Annäherung. Wieder möchte ich Worte aus der Lehre zitieren: ”Manche wählen das Leichteste, andere ziehen das Schwerste vor. Manche können nicht sprechen, doch sie sind sehr scharfsichtig. Andere sind mit Worten beschenkt und fliegen ihnen nach. Einige erkennen das Bedeutsame, doch es gibt andere, die es vorziehen, im Hintergrund zu bleiben. Endlos können Wir diese Unterschiede aufzählen, doch nur das Feuer des Herzens wird die Person rechtfertigen. So werden Wir nie müde, über die Verschiedenartigkeit zu sprechen. Der Gärtner weiß, wie er seine Pflanzen einsetzen muß, sonst wäre er nicht der Meister des Gartens.”

       Beachten Sie die Worte: ”Nur das Feuer des Herzens wird die Person rechtfertigen”. Deshalb sollte besondere Sorgfalt dem zugewendet werden, bei dem die Feuer der Hingabe entflammt sind. Es macht nichts, wenn sie anfangs fanatisch sind. Wenn die Schüler die Lehre des Lebens besser begreifen, wird sich ihr Bewußtsein weiten; durch wahre Hingabe, welche wirklich eine Sublimation des Fanatismus ist, werden sie entflammt werden. Kostbar sind die entflammten Feuer! Die Schüler haben ganz recht in ihrem Wunsch, anderen Lesestoff beiseite zu legen und sich nur auf die Bücher der Lehre zu konzentrieren, um ihr Denken nicht zu zersplittern. Für den ernsten Studierenden, der ein Schüler der Hohen Hierarchie und nicht nur ein Hörer bleiben will, ist eine solche völlige Versenkung auf den ersten Stufen der Hingabe sehr wesentlich; sie sollte solange fortgesetzt werden, bis völlige Erkenntnis erlangt wird. Wie kann ein Schüler sonst die Vereinigung mit dem Bewußtsein seines Lehrers erreichen? Wie kann er sonst den silbernen Faden weben, der ihn mit seinem Lehrer vereint? Wie Sie bereits wissen, erschließt nur diese Vereinigung mit dem Lehrer alle Möglichkeiten. Und diese Vereinigung wird durch hartnäckigste Anstrengungen und unermüdliches Streben zu dem Einen Brennpunkt gebildet. Auch eine zarte Pflanze wird eingezäunt, damit sie keinen Schaden erleidet.

       Jene, welche die Worte der Lehre auswendig lernen, haben nicht unrecht. Auch in der Schule lernen die Schüler den Stoff auswendig, um ihr Gedächtnis zu stärken. So kann auch die Lehre, wenn das Bewußtsein entflammt ist, durch kurze feste Formeln gefestigt werden. Für manche ist es leichter, durch Auswendiglernen des Originals den Sinn zu erfassen. Hindert niemanden daran, den Pfad seines Karma zu beschreiten! ”Wenn in einer Person die eigenen Feuer entflammt sind, ist es besser, nicht zu zwingen!” – so spricht die Lehre.

       Sie haben daher recht, wenn Sie diese Feuer der Hingabe nicht ersticken; mögen sie brennen. Ihr Brennen ist bereits eine Reinigung der umgebenden Atmosphäre. Und wer weiß, wie viele andere kleine Feuer sie entzünden können, ohne es zu wissen! Stark ist die Macht der Feuer des Herzens, obgleich sie unsichtbar sind.

       Im Osten versichern einem die Leute, daß die Anwesenheit eines Bhakti Yogi den Raum im Umkreis von vielen Meilen so stark reinigt und heiligt, daß die umliegenden Dörfer geistig erhoben werden. So wollen wir jede Erscheinung der selbstlosen Liebe schätzen.

       3.) Nun zu Ihrer Frage, wie man die rechte Information über die Ereignisse erlangt. Ich will mit den Worten der Lehre antworten: ”Der Guru kann seine Schüler fragen ‚Was machst Du‘… ‚Was wünschst Du Dir‘… ‚Was quält Dich‘… ‚Was erfreut Dich‘? Diese Fragen besagen nicht, daß der Guru die Zustände des Schülers nicht kennt. Im Gegenteil, mit vollem Wissen will der Guru erfahren, was der Schüler selbst als das Wichtigste betrachtet. Aus Mangel an Erfahrung mag der Schüler auf den unbedeutendsten aller Umstände hinweisen. Daher fragt der Lehrer nicht nur aus Höflichkeit, sondern als Bewußtseinsprüfung für den Schüler. Deshalb sollte man die Antworten an den Lehrer sorgfältig abwägen. Nicht die sogenannten Annehmlichkeiten sind von Bedeutung, sondern für den Lehrer ist die ständige Bewußtseinsentwicklung wichtig.”

       Der Schüler muß auch an die Teilbarkeit des Geistes denken. ”Man muß im Bewußtsein so bestrebt sein, daß man im Geist die Anwesenheit des Lehrers erkennt.” (Feurige Welt, Bd. I)

       Sie sollten in der Lehre über die Teilbarkeit des Geistes lesen. Alles, so auch die Teilbarkeit des Geistes, hat verschiedene Grade, doch bei Entwicklung erreicht sie manchmal einen kosmischen Maßstab, und dann ist ihre Nutzung wirklich vielfältig. Nicht immer ist es möglich, im physischen Gehirn alle Eindrücke im Detail festzuhalten, da in der verunreinigten Atmosphäre das Herz dies nicht aushalten könnte. Nichtsdestoweniger können die Ereignisse heftig gefühlt werden. N. K. und ich wissen zum Beispiel immer über die akuten Augenblicke im Leben unserer Mitarbeiter Bescheid. Manchmal ist dieses Wissen so greifbar, ein andermal sind es bestimmte schmerzliche Gefühle, die mit den bestimmten Ereignissen zeitlich ganz genau übereinstimmen. Ebenso oft fühlen wir dann, als würde unsere psychische Energie sich entfernen. Oft nehmen wir ganz weit voraus die Ergebnisse wahr. Wir sind oft so stark in Anspruch genommen, daß wir sogar Schwindelgefühle und eine flüchtige Abwesenheit verspüren. Dann wissen wir mit Bestimmtheit, daß unsere Energie wo anders gebraucht wurde. Vielfältig sind die Erscheinungen der Teilbarkeit des Geistes!

       Im Leben des Schülers gibt es viele Geheimnisse. Wahre Schülerschaft verfeinert alle Gefühle eines Schülers. Wahrlich, er wird zur goldenen Harfe unter der Hand des Lehrers. So viel Freude verleiht die Vereinigung im Bewußtsein. Wir haben viele ständige Beweise einer solchen Vereinigung mit unseren alten Mitarbeitern. Oft hören wir ihre Stimmen und kennen ihre Schwierigkeiten. Wir sehen auch das Bild ihres Geistes. Immer geben unsere Briefe auf ihre Nöte Antwort, obgleich sie wissen, welche Entfernung uns trennt.

       Wir sind von vielen Wundern umgeben; wir müssen sie nur wahrnehmen. Wahrlich, wundervoll ist das Leben eines Schülers. Doch es ist nicht leicht, denn er trägt eine ungeheure Verantwortung, und es gibt so viele Schwierigkeiten, besonders in den Tagen des Harmagedons, wenn alle Finsteren versuchen, ihn anzugreifen. Doch mit der Bewußtseinsentwicklung verwandeln sich diese Schwierigkeiten in Freude, weil das Herz, erfüllt von Ergebenheit zum Lehrer, durch Bewältigung dieser Hindernisse seine Hingabe erproben will. Selbstaufopferung wird so natürlich, so voller Freude. Der ganze Geist ist bereits von irdischen Dingen so gelöst und erkennt, wo seine wahre Heimat ist. Das einzige, was übrigbleibt, ist der Wunsch, die Aufgabe so gut wie möglich zu erfüllen, um das Vertrauen des Lehrers zu rechtfertigen, ohne Sorge um die Ergebnisse. Im Osten sagt man: ”Wir müssen arbeiten, ohne die Ergebnisse zu kennen.” Ich verstehe es in der Art, daß wir es lernen müssen, unsere Arbeit so gut wie möglich zu verrichten, und zwar aus Liebe und nicht um des Lohnes willen. Nur dann wird unsere Arbeit schön sein. Der Schlüssel zu allen Errungenschaften liegt in solch selbstloser Liebe für jede von uns verrichtete Arbeit.

       4.) Nun zu Ihrer Bemerkung, daß ”die Lehre das ganze Leben in Anspruch nimmt und nicht nur mit einer Anzahl von Büchern in Zusammenhang steht”. Ich muß zustimmen, das Leben ist der beste Lehrmeister, und ohne Leben kann nichts erfahren werden. Doch jemand muß unsere Augen öffnen, und ohne das führende Prinzip würde die ganze Evolution für endlose Zeiten gebremst werden. Daher sind die Bücher der Lehre so wichtig. In präzisen Formeln sind hier das Grundwissen und die in Zeitaltern gesammelten vielfachen Erfahrungen niedergelegt. In den Büchern der Lehre wird ein studierender Schüler auf die schwierigsten Lebensprobleme Antwort finden. Von verschiedenen Gesichtspunkten aus beleuchtet sind auch viele konkrete Bestätigungen auf allen Gebieten der Wissenschaft. Und der richtige Zugang zur Wissenschaft kann nur nach ernsthafter vielseitiger Aneignung der Lehre gefunden werden. Nur dann können wir uns auf das Wichtigste konzentrieren, ohne unnütze Jahre auf einem falschen Pfad zu verbringen.

       Die Bücher der Lehre, die natürlich alle Perlen des Ostens beinhalten, sowie die ”Geheimlehre” und ”Die Briefe der Mahatmas” spenden dem Geist und Gemüt wahre Nahrung, und es ist zweifelhaft, ob ein Leben ausreicht, dies alles gründlich zu studieren. Die Geheimlehre kennend, auch wenn nicht vollständig, freuen wir uns, wenn wir sehen, daß die Wissenschaft durch neue Entdeckungen immer mehr und mehr bestätigt, was uns in diesen Bänden gegeben wurde. Ich persönlich ziehe es deshalb vor, mich gründlich mit der Lehre vertraut zu machen. Sie bewahrt vor Rückschritt oder vor noch Ärgerem, nämlich davor, in den eigenen Berechnungen nicht richtig zu liegen. Wir sind bereit, alle Bereiche der Wissenschaft aufzunehmen, besonders wenn sie von orthodoxer wissenschaftlicher Beschränkung frei sind. Vorurteile und Aberglauben können in der Wissenschaft noch stärker vertreten sein als in der Religion. Doch um sich von solchen Vorurteilen und Aberglauben zu befreien, ist es notwendig, den Weg der Lehre zu befolgen, der klar und streng den Aufstieg zur Synthese wahren Wissens aufzeigt.

       So versuchen Sie, in Fragen des Aberglaubens und der Vorurteile richtig zu unterscheiden! Und bitte, glauben Sie nicht, daß ich im allgemeinen gegen andere Bücher bin. Ich muß jedoch sagen, daß es wenige gute Bücher gibt, und selbst die besten enthalten, neben schönen Seiten, oft eine Menge schädlichen Unsinns. Deshalb ist es sehr wichtig, ein unvoreingenommenes offenes Bewußtsein zu pflegen und die Fähigkeit des Unterscheidungsvermögens zu erlangen.

       Nun dürfte ich alle Ihre Fragen beantwortet haben. Denken Sie bitte daran, daß es mich immer freut, soviel wie möglich beantworten zu können. Sollten Sie nicht allem zustimmen, bringen Sie Ihre Einwände. Meinungsaustausch ist immer nützlich, denn er schärft das Denken. Und so wollen wir uns von jedem Zwang freihalten und größte Toleranz, Fürsorge und Wohltätigkeit offenbaren. Möge jeder sich seinen Fähigkeiten entsprechend entwickeln. Nur vorsichtige Berührungen sind gestattet, sonst könnten wir eine Nachtigall aufschrecken, die unseren Garten besucht!

10. Mai 1933

       Meiden Sie den Schlaf nicht. Schlaf ist wohltätig und für die Nahrung unseres feinstofflichen Körpers absolut notwendig. Nur während des Schlafes können wir ihn leicht verlassen und ihn intensiv mit den feinsten Energien nähren, abgesehen von den großen Lektionen, die wir in diesem Zustand erhalten. Wir lernen nicht nur, in verschiedene Sphären einzudringen, sondern wir erfüllen auch die Aufträge unseres Lehrers, und oft nehmen wir an Kämpfen gegen finstere Kräfte teil. Warum sollten wir uns eines so großen Vorrechts berauben, das vor allem den Schülern der Großen Weißen Bruderschaft eingeräumt ist?

       Alles Erzwungene widerspricht der Lehre des Lichts. Wenn es notwendig erscheint, unser Nahrungsbedürfnis zu vermindern, wird der Organismus es anzeigen. Das gleiche gilt für den Schlaf. Oft ist die Arbeit in der Feinstofflichen Welt von größerer Bedeutung als die Arbeit in der physischen Welt.

       Die Lehre sagt, daß wir beim Übergang in den Schlafzustand in die jenseitigen Welten eintreten; und dies sollte sich ganz natürlich vollziehen. Wir müssen nur üben, auf der Hut und aufmerksam zu sein, und die Feinstoffliche Welt wird sich uns in dem Moment erschließen, wo wir das Nötige, was wir brauchen, sehen und hören. Wenn ich mein eigenes Experiment, das auf Weisung und unter Aufsicht des Lehrers ausgeführt wurde, beschleunigen wollte, pflegte ich zu bitten ”Was kann ich tun? Welches Verfahren ist für den Zweck das beste?” etc. Ich erhielt immer die gleiche Antwort: ”Bleibe nur gelassen”. In dieser Gelassenheit und Ausgeglichenheit liegt das ganze Geheimnis der Errungenschaft. Und jetzt, in den Tagen des furchtbaren Kampfes der Kräfte des Lichts gegen die Finsternis, hören wir das gleiche: ”Seid vorsichtig, hütet eure Gesundheit; das ist das Wichtigste.”

       Sie sollten auch daran denken, daß die Ströme sehr schwer sind und für alle feinfühligen Organismen zeitweilig Seelenqualen, Schwindelgefühl und Depression hervorrufen. Doch den Grund für solche Depressionen kennend, sollten Sie geduldig den Wechsel der Ströme und ihre neue Richtung abwarten. Und so, mein Lieber, betrachten Sie diese periodischen Seelenqualen und Depressionen nicht als Untertauchen des Geistes, d. h. als Fehler und Unbeständigkeit. Viel öfter sind sie die Folge wechselnder Ströme. Es ist darauf hingewiesen, daß ”diese Ströme wie ein Klirren von Schwertern” sind. Laßt uns immer an das große Glück denken, Mitarbeiter der Kräfte des Lichts zu sein. Der in Liebe ausgesprochene Name des Großen Lehrers wird uns immer schützen.

       An keiner Stelle behauptet die Lehre, daß es wünschenswert oder möglich wäre, ohne Schlaf auszukommen. Das einzige, das erwähnt wurde, ist, daß es in Höhen von 21.000 Fuß möglich ist, fast ohne Schlaf auszukommen. Doch wo gibt es Leute, die in solchen Höhen leben und leben können? Auf unserer Reise durch Zentralasien haben wir die Richtigkeit des Gesagten bestätigt gefunden. Doch das Wohnen in den Tälern verlangt nach Schlaf. Als wir z. B. in Städten weilten, wurde uns gesagt, nicht weniger als sieben oder acht Stunden zu schlafen. Das gleiche gilt für die Nahrung. In den Höhen sollte die Nahrungsmenge herabgesetzt werden; und dies geschieht ganz natürlich, weil der Organismus nicht viel verlangt. Doch in den unreinen Städten ist Nahrung erforderlich.

       Auch in Höhen von 7.000 Fuß, während eines Experiments mit feuriger Energie, war ein größerer Gewichtsumfang angezeigt, damit die Nerven nicht zu sehr freiliegen. In alten Lehren wird immer auf den ”Goldenen Mittelweg” oder das Gleichgewicht hingewiesen. Und von jenen, die sich dem großen Wissen nähern wollen, wird erwartet, daß sie nicht dem Extrem verfallen. Nichts wird so entstellt wie der Begriff Gleichgewicht. Es scheint, daß dies bei den Leuten hauptsächlich wegen der Schwierigkeit, Disziplin zu üben, geschehen ist und noch geschieht. Es scheint für sie leichter zu sein, ins Extrem zu verfallen, sich einem erschöpfenden Fasten hinzugeben und sich Fesseln aufzuerlegen, sowie allgemein Strenge zu üben, als Wachsamkeit und Selbstbeherrschung zusammen mit voller Erhaltung der Kraft zu erlangen. Doch ohne Selbstbeherrschung kann nichts erreicht werden.

       Und wieder muß ich hinzufügen, daß Nahrung und Schlaf absolut notwendig sind, daß es aber verschiedene Normen für verschiedene Organismen gibt. Es ist ratsam, als warnendes Zeichen auf plötzlichen Kräfteverfall zu achten, nicht erst, wenn er allmählich offensichtlich wird. Deshalb vermeiden Sie jeden Abbau, und versuchen Sie mit all Ihrer Macht, die kostbare Substanz der feurigen Energie zu erhalten.

19. Juni 1933

       Ich erhielt Ihren ”Aufruf an die Frauen” und muß sagen, daß ich ihn sehr gutheiße. Es ist gerade das, was notwendig ist und wie Sie sagen, wird er an das Bewußtsein der Menschen appellieren. Es ist wirklich notwendig, diesen Aufruf soweit wie möglich zu verbreiten, damit die Ideen von vielen aufgenommen werden. Die Zeit ist kurz und manchmal fürchte ich, daß wir nicht alles werden erfüllen können. Die neue Welt naht, und wir müssen Gruppen von Menschen vorbereiten, die imstande sind, die neuen Vorstellungen einzuführen. Das Erwachen der Frau geht auf der ganzen Welt vor sich. Schon seit 1920 begannen die Frauen des Fernen Ostens, für ihre Rechte zu kämpfen und das gleiche trifft für die Frauen Indiens zu. Die indischen Frauen erreichen trotz Schwierigkeiten wunderbare Ergebnisse.

* * *

       In dem mir zur Begutachtung übergebenen Satz wäre es mir lieber, wenn Sie das Wort ”kriegerisch” durch das Wort ”angriffsfreudig” ersetzen würden – wenn Sie nichts dagegen haben. Erstens, weil in diesem besonderen Fall das Wort ”angriffsfreudig” einen größeren Schwung hat, und zweitens, weil ich persönlich den Begriff Krieger sehr liebe und man ihn nicht im negativen Sinn verwenden kann. In allen religiösen Lehren werden die Menschen, die den geistigen Pfad beschreiten, Krieger genannt. Alle Bodhisattvas und auch Buddha sieht man auf den meisten heiligen Bildern mit einem Schwert in der Hand oder neben sich – als unverletzliches Attribut.

       Denken wir an unsere eigenen Heiligen – Michael, den Archistrategen und den Hl. Georg, den Siegreichen. Auch an den großen Beschützer und Erzieher des russischen Landes, den Hl. Sergius von Radonega – segnete er nicht Prinz Dmitry zu Beginn des großen historischen Kampfes gegen die Tartaren, und sandte er nicht seine eigenen Mönche zu Hilfe? Wahrlich, sind nicht alle heldenhaften Weisen Krieger für das Allgemeinwohl? Und hören wir nicht oft von den gegen die Finsternis und die satanischen Horden ausgesandten leuchtenden Pfeilen? Der Kampf gegen das Chaos ist die wahre Lebensgrundlage des Kosmos. Und dieser Kampf verstärkt die Spannung im Verhältnis zum Aufstieg und wechselt nur in der Qualität und in den Motiven. Nichts ist vergleichbar mit der Härte des Kampfes gegen das unsichtbare Chaos.

       Ich will eine Seite aus der Lehre zitieren: ”Manche Menschen mögen denken, wie leicht es für die Herrscher ist, wenn Sie die Grenzen der irdischen Lasten überschritten haben! Doch wer immer dies ausspricht, kennt den Bereich der Wirklichkeit nicht. Genauso wie es auf Erden ist, so ist es auch im Himmel. Die irdischen Lasten werden zurückgelassen, doch unvergleichliche kosmische Sorgen nehmen ihre Stelle ein. Wirklich, so schwer es auf Erden ist, um so schwerer ist es im Himmel. Laßt uns die Augenblicke des Devachan nicht zählen, wenn Illusion die morgige Arbeit verdeckt. Doch die Tätigkeit inmitten des Chaos kann nicht leicht sein. Ihr leidet durch Finsternis und Chaos. In allen Aufenthaltsorten ist es aus vielen Aspekten der Finsternis und desselben Chaos genauso schwer.

       Doch glücklicherweise fühlt ihr nur die Angriffe des Chaos und seht nicht seine düsteren Bewegungen. Freilich, wegen der Unwissenheit und ihrer sklavischen Unterwürfigkeit der Finsternis ist es schwer für die Menschen. Aber besonders schwer ist es, wenn man die Bewegungen der Massen der Materie sieht, die sich in Chaos verwandelt. Wenn das zerstörerische unterirdische Feuer versucht, die Erdkruste vorzeitig zu durchdringen, oder wenn die Gasschichten den Raum vergiften, überschreiten die Schwierigkeiten jede irdische Vorstellung. Nicht Lasten, sondern nur Vergleiche helfen jetzt über die Schwierigkeiten zu sprechen, denn die Unwissenden denken, daß Hymnen und Harfen das Los der Himmelsbewohner sind. Solch ein Irrtum muß zerstreut werden. Nirgendwo gibt es Hinweise, daß es nur auf der Erde schwer ist; zum Vergleich muß gesagt werden – wenn man hier von Teufeln belästigt wird, so wird der Erzengel vom Satan selbst bedroht. So muß man die Tat und die immerwährende Schlacht mit dem Chaos verstehen. Man muß es als den einzigen Pfad erkennen und lieben lernen als das Zeichen des Vertrauens des Schöpfers.” (Feurige Welt, Bd. II)

       Deshalb liebe ich das Wort ”Krieger” so und bewundere jede heldenhafte und mutige Tat. Von Natur bin ich selbst ganz mutig und kriegerisch. Nirgends ist gesagt, daß wir uns dem Übel nicht widersetzen sollen, und hat nicht selbst Christus jene davongetrieben, die spotteten und die Heiligkeit des Tempels verletzten?

       Daher muß jede Mutter ihre Kinder im Geist großer Taten, Heldentat und Selbstverleugnung für das Allgemeinwohl erziehen. Dies ist keine Billigung des Krieges im üblichen Sinn, doch wir können uns nicht täuschen – wir leben inmitten des schrecklichsten und vernichtendsten aller Kriege, denn der geistige Krieg ist weit erbitterter als jeder andere. Daher ist es so wichtig, Mut und Furchtlosigkeit zu pflegen, die Eigenschaften, die der Schüler der Meister des Lichts vor allem entwickeln sollte. Jedoch, wenn eine starke Verbindung mit der Hierarchie besteht, bilden sich Mut und Furchtlosigkeit vollkommen von selbst, da die Hand der Hierarchie die Menschen immer vor Gefahr zurückhalten und den Weg des Sieges aufzeigen wird. Doch ich wiederhole, dies ist nur dann so, wenn das Bild des Meisters ständig im Gedächtnis gehalten wird. Öfter als einmal hatten wir Gelegenheit, diese wundervolle Einwirkung zu erfahren. In einem Moment der Gefahr wurden wir plötzlich außerordentlich ruhig, und wir wußten, daß alles gut ausgehen würde.

       Ich persönlich ziehe die mutige selbstaufopfernde Erfüllung einer patriotischen Pflicht dem Verhalten der heutigen Jugend eines bestimmten Landes vor, die sich in einer Resolution äußert, im Kriegsfall für ihr Land nicht zu kämpfen. Sie mögen fragen, wie sich dies mit dem Friedensbanner verhält, und sie mögen auch denken, daß ich insgeheim eine Befürworterin des Krieges wäre! Nein, für mich ist Krieg unaussprechlich schrecklich! Ich kann mir keine schlimmere Manifestation der Unwissenheit vorstellen! Doch da wir in einer Welt leben, in der die physische Macht noch höher eingeschätzt wird, müssen wir der jungen Generation den Gedanken der Ungesetzlichkeit des Tötens und der Gewalttätigkeit einflößen, doch gleichzeitig müssen wir lehren, sich nicht davor zu fürchten, die Pflicht für sein Land zu erfüllen, da dies schön und mutig ist. Wer wollte ein wehrloses Schaf gegen einen Wolf oder Tiger sein? Aber Tiger und Wölfe lauern in jeder ungeschützten Ecke. Solange es keine wirkliche Zusammenarbeit unter den Völkern gibt, werden wir ständig von Kriegen und Angriffen bedroht sein. Nur die Weltliga der Kultur könnte, richtig verstanden, die vielen Probleme der Zukunft, die heute unlösbar scheinen, lösen.

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       Mögen die Frauen im Kampf um ihre Rechte an den so notwendigen Mut denken. Doch mögen sie Mut nicht als Gewalttätigkeit verstehen, wie im Fall der Suffragetten, die Fenster einschlugen und Briefkästen verbrannten! Solche Maßnahmen sind sehr häßlich. Doch es gibt andere Wege, um wirklichen Mut zu zeigen. Vor allem wird dies im ernsten Streben nach Wissen und Schönheit zum Allgemeinwohl sein.

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       Laßt uns jetzt über das Gefühlswissen sprechen. Jemand sagte: ”Oft hat eine einfache Frau ein besseres Gefühlswissen als eine Universitätsabgängerin.” Hier muß ich bemerken, daß solch eine Frau vielleicht in dem Sinne ”einfach” ist, als sie keine soziale Stellung oder Ausbildung besitzt, doch nicht einfach in dem Sinne, daß es an geistiger Gelassenheit mangelt. Die Menschen verwechseln meist das Gefühlswissen, das ein Ergebnis von Erfahrungen vieler Inkarnationen ist, mit einem bestimmten Psychismus. Dieser offenbart sich in mehr oder weniger richtigen Vorahnungen, Träumen und bestimmten, dem Bewußtsein entsprechenden Wahrnehmungen des astralen Planes. Auf der anderen Seite erkennt Gefühlswissen unfehlbar, es erkennt geradezu das Wesen der Dinge, sowohl die Richtung der Evolution als auch die Zukunft. Gefühlswissen ist die Synthese der Geistigkeit, und natürlich besitzt es nur ein entwickelter Geist mit einem gespeicherten Kelch, unbekümmert dessen, wie bescheiden seine Stellung im Leben ist. Oft wird die bescheidene Stellung zweckdienlich für eine bestimmte Aufgabe gewählt. Wer der Stimme seines Herzens lauscht, wird um so leichter sein Gefühlswissen erwecken. Das Herz ist der beste Lehrer in allen Lebensfragen.

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       Und jetzt wollen wir uns dem Thema Abtreibung zuwenden. Sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen, ist jetzt sehr zeitgemäß. Hier erscheinen laufend die schauderhaftesten Artikel darüber, und einige von ihnen sind mit der Billigung des Klerus geschrieben. Zu diesem Thema möchte ich einige Paragraphen aus der Lehre anführen: ”Im Moment der Empfängnis erhält der Geist Verbindung mit dem Embryo. Er tritt zu Beginn des vierten Monats ein, wenn sich die ersten Nerven- und Gehirnkanäle bilden. Mit der Kräftigung der Wirbelsäule setzt die nächste Stufe der Besitzergreifung des Körpers ein. Wundervoll ist der Moment der Geburt, wenn das Bewußtsein des Geistes leuchtend aufblitzt und sich dann mit der Materie verbindet. Es gibt auch Fälle,wo bei der Geburt Worte gesprochen werden. Die endgültige Besitzergreifung des Körpers findet im siebenten Lebensjahr des Kindes statt.” Es ist gesagt: ”Genauso, wie die Hungernden zur Nahrung getrieben werden, so wird der Geist zur Inkarnation gelenkt, denn nur die Materie kann neue Impulse verleihen.”

       Ist es daher nicht hart, wie viele Leiden der zur Inkarnation vorbereitete Geist auf sich nimmt durch den erzwungenen Abbruch von bereits begonnenem Leben, wodurch die von Karma geplante Inkarnation verhindert wird? Welch ein schweres Karma bereiten sich die unwissenden und verbrecherischen Eltern!

* * *

       Ich möchte mir erlauben, einige Worte über die Kunst von N. K. hinzuzufügen. Seine Kunst wird wegen ihrer Reinheit, Durchsichtigkeit und einer unendlichen Mannigfaltigkeit an Farbenkombinationen geschätzt, die zusammen mit einer ungewöhnlichen Macht und Tiefe des Tones wirken. Jedes Gemälde ist eine schöne, harmonische Farbensymphonie. Wir wissen, daß die Farben, die Schattierungen und ihre Harmonie auf den Betrachter eine okkulte Wirkung ausüben. Es ist bekannt, daß schöne Gemälde Heilkraft ausstrahlen; und wir hatten viele Gelegenheiten, dies zu bezeugen. Für solche Wirkungen muß man jedoch ein offenes Herz und ein offenes Auge besitzen. Es ist gesagt: ”Wenn Finsternis in uns ist, kann es sein, daß wir vor den schönsten Kunstwerken in tiefer Finsternis verharren.”

       Doch nicht weniger Beachtung sollte der außergewöhnlichen Begabung von N. K. für Komposition geschenkt werden, die in ihrer Art ganz selten ist. Alle eigenartigen – um es gelinde auszudrücken: Abweichungen im Leben der Kunst, die wir zeitweilig bemerken, entstehen hauptsächlich aus Mangel an Begabung für Komposition. Doch jedes Werk von N. K. fällt auf durch seine Harmonie in der Kombination aller seiner Teile, und diese Harmonie verleiht wirkliche Überzeugungskraft. Es kann weder etwas hinzugefügt noch hinweggenommen werden. Alles ist gerade recht. Diese Harmonie von Formgebung und Farbe, diese Meisterschaft ist jene Gabe, die einem großen Schöpfer eigen ist. Die Werke von N. K. sind vor allem auch wegen der Schönheit ihrer Gedanken, die in Erhabenheit doch einfach und manchmal tief ergreifend in den Bildnissen zum Ausdruck kommen, unvergleichlich.

       Für mich, einer ständigen Zeugin seiner Kunst, ist sie eine Quelle nie endender Bewunderung – die unerschöpflichen Gedanken, kombiniert mit Kühnheit und unerwarteten Farbkombinationen! Genauso bemerkenswert ist die Leichtigkeit und Sicherheit, mit der er seine Bilder entwirft. Sie sprechen wirklich, leben auf seiner Leinwand, und sehr selten mußte er von seiner ersten Skizze etwas ändern oder weglassen.Wahrlich, den Verlauf seines Schaffens verfolgend, weiß man nicht, was bewunderungswürdiger ist – die Schönheit des Gemäldes oder die Meisterschaft der Ausführung.

* * *

       Ich stimme nicht zu, daß es der griechischen Kunst an Geistigkeit mangelt. Ich glaube, daß die Geistigkeit der alten Griechen höher war als unsere heutige, was durch ihre hohe Philosophie und die Leistungen ihrer großen Schaffenden, Schöpfer und Denker bewiesen ist. Ihre Philosophie brachte große Ideen in schöne edle Formen. Es scheint mir, daß wir es sind, denen die Geistigkeit verlorenging und damit die Fähigkeit und der Sinn, Schönheit zu schätzen. Die Tatsache, daß Kunst der Ausdruck des Charakters eines Volkes und der Bedingungen der Natur ist, aus denen sie hervorging und sich entwickelte, wird von anderen Menschen, die in unterschiedlicher Umgebung leben und schaffen, sehr oft nicht verstanden. Zum Beispiel würde die Marmorstatue der Griechen nicht in unser nördliches Klima passen, doch sie war schön unter der strahlenden Sonne, auf dem purpurnen Sand mit einem Hintergrund von türkisblauer See und den dunklen Zypressen Griechenlands.

       Kunst in all ihren Offenbarungen und in all ihren herkömmlichen Formen bleibt grundsätzlich geistig. Sie erweckt unser Sehnen nach Schönheit, nach dem Höchsten, und hier liegt ihre hauptsächliche und große Bedeutung. Wie Sie richtig schreiben: ”Das wahre Problem der Kunst ist, den Menschen zum Begreifen der Schönheit zu lenken”. Wahrlich, das echte Streben zum Schönen wird uns zum Verständnis für die höhere Schönheit der Gesetze lenken, die das Universum regieren und im vollkommenen Geist und im vollkommenen Herzen zum Ausdruck kommen.

* * *

       Und so erfüllen Sie Ihre Aufgabe, physische Gesundheit zu regenerieren und die Saat geistigen Wissens auszustreuen, wo immer es erforderlich ist. Die Hauptsache ist, dies entsprechend dem Bewußtsein Ihrer Patienten zu tun! Zuviel zu geben ist noch gefährlicher, als zu wenig zu geben. Fragen Sie Ihr Herz!

       Schreiben Sie über sich, und denken Sie daran, daß unsere Gedanken oft bei Ihnen sind. Sagen Sie den Freunden, sie mögen alle Zweifel vertreiben, denn diese sind unsere gefährlichsten Feinde!

       Und welche Zweifel könnten wir hegen, wenn die reine Lehre uns solch klare und schönen Lösungen bietet, wo nichts und niemand benachteiligt, sondern alles unbegrenzt erhöht und erweitert wird. Der Segen der Kräfte des Lichts sei mit Ihnen!

1934

8. Februar 1934

       Ihre ausgezeichnete Arbeit brachte uns viel Freude. Gerade das ist heute besonders notwendig. Wir müssen das Bewußtsein der Menschen wecken, das in modrigen Vorurteilen stagniert und durch die bedrohlichen Ereignisse niedergedrückt wird. Das Morgenlicht der Neuen Zeit dämmert aus der Ferne, und es ist erforderlich, ihm mit neuerwachtem Geist gegenüberzutreten. Ich sehe der Fortsetzung Ihres Werkes entgegen, das gedruckt und weithin verteilt werden sollte.

       ”… Mitarbeitern möge vorgeschlagen werden, sich an solche Arbeiten zu gewöhnen. Sie können ihnen entsprechende Abschnitte aus der Lehre wählen und sie mit anderen Vermächtnissen vergleichen. Auf diese Art können die Eindrücke der Zeiten auf die eine Wahrheit beobachtet werden. Die Erforschung dieser Evolution wird an sich eine sehr notwendige Arbeit sein. Wir sind gegen Verurteilung, doch der Vergleich kommt dem Polieren des Steines gleich. Durch Liebe zur Sache kann man neue Vergleiche ziehen und schöne Berührungspunkte finden. Solche Meditationen sind wie Blumen auf einer Wiese.” (Feurige Welt, Bd. II) Behalten Sie dieses Programm im Gedächtnis.

       Sie schreiben: ”Kein Wunder, daß Christus es nicht für möglich befand, diese Wahrheit (das Gesetz der Wiederverkörperung) den unentwickelten menschlichen Gemütern direkt und offen zu enthüllen”. Doch ich glaube, es wäre richtiger zu sagen, daß, obwohl das Gesetz der Wiederverkörperung ein Eckpfeiler jeder alten Religion des Ostens war, die Religion der Juden natürlich nicht ausgenommen, es bereits zur Zeit Jesu durch die Priesterschaft übel entstellt wurde und seine Reinheit nur bei einzelnen Sekten erhalten geblieben ist. Im Neuen Testament haben wir viele Beweise für das Wissen der Juden; Christus selbst bestätigt es. Zum Beispiel im Matthäus-Evangelium (17:10,13): ”Da fragten ihn die Jünger: Die Schriftgelehrten sagen aber doch, zuerst müßte Elias kommen. Und Jesus antwortete ihnen: ‚Wohl wird Elias kommen und alles erneuern. Doch ich sage euch: Er ist bereits gekommen, nur haben sie ihn nicht erkannt, sondern ihm angetan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch ihn leiden.‘ Da verstanden die Jünger, daß er zu ihnen von Johannes dem Täufer redete.” Und im Evangelium des Hl. Johannes (9:1-3): ”Einmal sah Jesus im Vorübergehen einen Mann, der von Geburt an blind war. Seine Jünger fragten ihn: ‚Meister, wer hat gesündigt, der oder seine Eltern, daß er blind geboren ist?‘ Jesus antwortete: ‚Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern es ist geschehen, damit Gottes Werke an ihm offenkundig werden.‘ ” In der Tat, wie konnte eine von Geburt an blinde Person für ihre Sünden verantwortlich sein ohne das Gesetz der Wiederverkörperung! Es gibt andere sehr klare Hinweise, doch die sollten Sie selbst herausfinden.

       Sie schreiben, daß der ”östliche Mensch aufgrund seines Wissens von Wiederverkörperung so passiv wurde, was schließlich in einem langsamen Lebenstempo, Stagnation und Leblosigkeit endete.” Dies ist nicht ganz so. Viele andere Gründe sind für diese Stagnation verantwortlich. Gewiß, all dies härtet und entwickelt die Kraft des Menschen: Härte der Natur, Härte der klimatischen Bedingungen und der Kampf ums Dasein fehlen beinahe gänzlich im Osten. Auf der anderen Seite begünstigten klimatische und andere Bedingungen das beschauliche Leben. Doch das Hauptübel Indiens, das in Stagnation und Degeneration endete, liegt nicht im Wissen über die Wiederverkörperung, sondern im toten System der Kasten. Dieses System mit seinem Verlust an wahrem Wissen um die Vergangenheit und mit der Korruption der herrschenden Klassen wurde wie zu einem Schraubstock für ein sehr fähiges Volk von vielen Millionen. Wer nicht in Indien lebte, kann sich diesen Schrecken der Sklaverei nicht vorstellen! Zur Zeit gibt es, abgesehen von den vier Hauptkasten, eine ungeheure Zahl von so vielen verschiedenen Unterteilungen – so viele wie es Beschäftigungen und Berufe gibt. Jede Kaste ist begrenzt durch alle Arten sinnwidriger Verbote, und je höher die Kaste, desto mehr Verbote; daher die bekannte Degeneration der höheren Kasten.

       Auch wenn wir die unübertrefflichen Höhen ihrer geistigen Grundlehren nehmen und auf der anderen Seite die Habsucht und Unwissenheit der meisten Vertreter ihrer gegenwärtigen Priesterschaft, ist es schwer zu verstehen, wie solche Sinnwidrigkeit, solch schreiende Rohheit, solch verbrecherische Mißgestaltung von Formen stattfinden konnte! Doch das ist die traurige Wirklichkeit. Abgesehen vom Kastenwesen bringen die Kinderehen Degeneration. Man sieht nicht selten, daß ein neunjähriges Mädchen mit einem sechzigjährigen Mann verheiratet ist; es ist bereits eine verkrüppelte Mutter von einem noch ungeborenen Kind. Ja, es gibt viele Wunder in Indien, doch auch viele schreckliche Dinge! Es ist, als würde sich das Gesetz bestätigen: ”Je leuchtender das Licht, um so tiefer die Finsternis”. Das erklärt, daß man nirgendwo anders solcher Geistigkeit und Verfeinerung begegnet wie hier. Könnte dieses schöne Land im Heilen der schrecklichen Geißel, die es zerstört, Fortschritte erzielen, so würde die Entwicklung dieses Landes die ganze Welt in Staunen versetzen. Es gibt Anzeichen der Wiederbelebung. Die Frau Indiens ist erwacht, und ihr Herz reagiert auf die Leiden der Entwürdigten; deshalb ist es ihr beschieden, ihr Land wiederzubeleben.

       Jederzeit will ich Ihnen gerne helfen, falls für Sie irgendwelche Fragen oder Mißverständnisse auftauchen sollten. Ihre Arbeit, in der Sie so klar die Fundamente des Seins besprechen, ist sehr wertvoll, und wir hoffen, daß Sie mit dem Schreiben in dieser Richtung fortfahren werden. Die Lehre des Lebens zeigt so viele neue, unberührte Themen auf!

       Wir freuen uns zu sehen, daß Sie die Lehre so gut anwenden. Wenden Sie sie frei und auf breiter Ebene an; diese Samenkörner sind für großartiges Säen gegeben. Darüber hinaus ist vieles nur in Andeutungen gegeben und wird nur teilweise enthüllt, doch die breite Masse muß vorbereitet werden, und es sind detaillierte Erklärungen erforderlich, um ihre Aufnahmefähigkeit zu steigern.

       Das Studium der Werke von H. P. Blavatsky würde Ihnen helfen, viele Dinge zu verstehen.

17. Februar 1934

       Alles, was Sie über die sogenannten okkulten Gruppen sagen, überrascht uns nicht, sondern bestätigt nur unsere Vermutungen, da wir die traurige Lage in vielen Organisationen kennen und wissen, daß die Natur des Menschen überall die gleiche ist. Es ist immer das gleiche Übel: Mangel an Toleranz und eine schreckliche Exklusivität, die alle Grundlagen zerstört. Die Vorsitzenden von vielen Gesellschaften und Logen erheben das Recht auf ein ausschließliches Monopol und eine Autorität über alles, was die von der Großen Bruderschaft gegebene Lehre betrifft, wobei manche der einzige Kanal sein wollen, durch den die Hohe Lehre übergeben werden kann. Doch in ihrer armseligen Vorstellung übersehen sie, daß die Große Bruderschaft die Evolution der ganzen Menschheit lenkt, sich nicht auf einen oder selbst zehn Ströme oder allenfalls vorübergehende Empfänger beschränken kann.

       Die Große Bruderschaft arbeitet unaufhörlich für das Allgemeinwohl der ganzen Welt und nutzt daher alle Möglichkeiten, um ihre rettende Lehre voranzubringen. Das Schiff der Menschheit sinkt, und nur der Blinde und Einfältige bemerkt die ganze Gefahr des heutigen Lebens nicht.

       Gewiß, die Große Hierarchie des Lichts hat auf dem irdischen Plan Mitarbeiter verschiedener Stufen, bewußte und unbewußte und auch die besonders Bevollmächtigten und Teuren. Es gibt außerdem eine ganze Anzahl von Personen, die schöne Mitteilungen empfangen, ohne oft selbst das wahre Bild ihres Boten zu kennen, doch sie alle tragen Körner für die große Saat bei. Es wäre sehr unwissend, die Große Hierarchie des Lichts mit irgendwelchen Beschränkungen oder herkömmlichen Formen in Verbindung zu bringen! Die Hierarchie lebt und wirkt, das Gesetz der großen Zweckdienlichkeit nutzend, das einzige Gesetz, das wahre Evolution gewährleistet.

       Es gibt auch keinen Zweifel darüber, daß die Große Bruderschaft für die Erneuerung des menschlichen Bewußtseins und die Einführung einer neuen Stufe der Lehre zur gegebenen Zeit eine oder zwei Personen ausersieht. Dies war bei Frau Blavatsky der Fall und nach ihrem Tod bei Frau Francia la Due, durch die der Meister Hilarion seine Lehre übergab. Leider starb Francia la Due im Jahre 1923. Sie war die Begründerin einer Gesellschaft in Kalifornien und die Herausgeberin der Zeitschrift ”Temple Artisan”, in der die Botschaften veröffentlicht wurden. Doch ich wiederhole, daß es neben solchen Hauptempfängern, die das ”Meer der Lehre” empfangen, wie es einer der Großen Meister ausdrückte, viele andere gibt, durch die kleine individuelle Mitteilungen gegeben werden, und wir kennen eine ganze Anzahl von feinen kleinen Büchern, meist automatisch geschrieben, oder was seltener vorkommt, nach Diktat. Und die Schönheit des ethischen Wertes solcher Bücher ist nicht etwa geringer, weil sie ohne Zustimmung von bestimmten Autoritäten geschrieben wurden! Soviel ich weiß, erleuchtete auch nicht nur ein einziges Buch, das ihnen aus der Großen Quelle gegeben wurde, eine dieser ”Autoritäten” in ihrem ganzen Leben. Im Gegenteil, solche Bücher wurden von ihnen systematisch kritisiert, verurteilt und verbannt. Wäre es nicht ganz zweckmäßig, sich darüber zu informieren? Warum bringen sie nicht die Fortsetzung des ”Buches Dzyan”? Eine Fortsetzung gibt es. Es wäre auch interessant zu wissen, was solche Lästerer der LEBENDIGEN ETHIK (die sie gar nicht studiert haben) über die von Francia la Due und William Dower gegründete Gesellschaft und die von ihnen erschienenen Bücher denken. Diese Gesellschaft wurde in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts gegründet und hat in anderen Ländern ihre Gruppen.

       Die von ihnen gegebene große Lehre widerspricht den Ausführungen der LEBENDIGEN ETHIK nicht. Wir stehen in freundschaftlichen Beziehungen und schließen einander nicht aus! In den Vereinigten Staaten besteht die Arcane School, die für das Studium der Bücher des Agni Yoga eigene Klassen unterhält. Die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK sind in vielen Ländern verbreitet und ziehen viele neue Gruppen an. Es gibt heute viele suchende Seelen, doch gewiß, Unduldsamkeit wird niemanden anziehen.

       Einige Autoritäten fanden, nachdem sie ein Buch des Agni Yoga gelesen hatten, darin eine große Gefahr und verboten ihren Anhängern, es zu lesen. Wir werden natürlich nicht versuchen herauszufinden, worin sie die Gefahr zu bemerken glaubten, da wir die gegebene Lehre niemals aufzwingen. Doch jene, die durch eine solche Feststellung verwirrt wurden, mögen sie für sich herausfinden. Was würden diese selbsternannten Autoritäten sagen – und einer von ihnen gibt vor, zur Großen Hierarchie der Sonne zu gehören –, wenn wir ihnen über die erstaunlichen Begegnungen und Erscheinungen erzählten, die wir erfahren haben und ihnen die heiligen Gegenstände zeigten, die uns anvertraut wurden? Wahrscheinlich würden sie uns als Betrüger ansehen. Und in ihrer ”rechtschaffenen Entrüstung” würden sie sich mit den Fanatikern und Bigotten der Kirche verbünden und uns jetzt und für immer verdonnern und verdammen!

       Es ist sehr bedauerlich, daß solche wertvollen Bücher wie ”Die Briefe der Mahatmas” und die Briefe von H. P. Blavatsky noch nicht ins Russische übersetzt wurden; sie sagen über die Umgebung von H. P. Blavatsky viel aus.

       Doch alle diese Angriffe sind nicht wichtig. Wirklich schrecklich ist dagegen die Unduldsamkeit mancher Kirchen. Wahrlich, ”… am schwierigsten von allem ist die Enthüllung der wahren Gestalt Christi”, wie es einer der Großen Lehrer ausdrückte. Die Hauptursache der Intoleranz ist Unwissenheit. Doch die Dinge können so nicht weitergehen, und die neue Generation verlangt bereits nach einer neuen Auslegung der Fragen des Geistes und des Seins, auf welche die geistigen Autoritäten ihre Antwort geben müssen, um nicht ganz ignoriert zu werden. Das Bewußtsein der Massen wächst und erweitert sich, man kann es nicht in mittelalterlichen Folterkammern eingesperrt halten! Die westliche Kirche ist bereits alarmiert, doch um ihre Autorität nicht ganz zu verlieren, beginnt sie, die Entwicklung der Wissenschaft sowie auch einige der östlichen Lehren zu verfolgen. Manche Priester lassen sogar das Vorhandensein der Großen Bruderschaft gelten. Und wahr gesprochen, was ist die Hierarchie des Lichts anderes als die ”Jakobsleiter”? – wieder andere schenken dem Gesetz der Wiederverkörperung Aufmerksamkeit. Das Neue Testament, die Worte Christi selbst, bestätigen dieses Gesetz, das ein Eckpfeiler der ältesten Religionen war. Aus diesen Quellen entlehnte die Christenheit später ihre sämtlichen Symbole und Zeremonien.

       Kürzlich wurde auf einer Bischofskonferenz in den Vereinigten Staaten vorgeschlagen, die Werke des großen Origenes zu studieren. Das ist ein großer Schritt nach vorn, da das Studium der Werke Origenes’ den kirchlichen Rahmen und die Dogmen zu sprengen vermag. Wir sollten nicht vergessen, daß das Gesetz der Reinkarnation erst im 6. Jahrhundert auf dem Konzil in Konstantinopel abgelehnt wurde. Und von uns wird erwartet, die Autorität der Kirchenväter als Offenbarung und Dogma anzunehmen, die mit großem Ernst solche Fragen wie ”Wie viele Geister auf einer Nadelspitze Platz finden” oder solche Perlen wie ”Ob die Frau eine Seele hat?” diskutierten. Und diese ehrwürdigen Väter, die Erzieher unseres Bewußtseins, schämen sich nicht, sich zu ohrfeigen und einander an den Haaren und Bärten zu ziehen. Auch jetzt gibt es Leute, ganz respektabel erzogen, die aufrichtig glauben, daß sie am Jüngsten Gericht in ihrem physischen Körper vom Tod auferstehen werden! Das ist der Hauptgrund, warum sie so gegen Kremation sind. Wie ist diese Selbsttäuschung zu verstehen, als Hypnotismus oder als Atavismus?

       Es ist Zeit zu verstehen, daß die Welt erneuerte Seelen braucht, die rasch, intensiv und gründlich erkennen, daß das Wesen der heutigen Ereignisse ein offensichtlicher Beweis der Nutzlosigkeit überholter Ideen und Strukturen ist und daß inmitten unerhörter Zerstörung die neuen Ideen der großen Toleranz und kulturellen Führerschaft geboren werden, die wie Blitze gegen einen schwarzen Himmel aufleuchten.

       Dennoch kennen wir unter den russisch-orthodoxen Priestern einige denkende und duldsame Leute. Sie waren unsere wirklichen Freunde. Ich bin sicher, daß wir auch in dem Neuen Land lichterfüllte Seelen finden werden. Nun, was die Freimaurerlogen betrifft, ist es ganz sicher, daß es unter ihnen viele rein politische und gefährliche gibt. In manchen Ländern, mit wenigen Ausnahmen, ist Freimaurerei in Kulissenzauber entartet. Solch ein Niedergang von ursprünglich hochethischen und schönen Anfängen ist sehr tragisch, und die Großen Lehrer grämen sich darüber unsäglich. Bedenken Sie auch, daß es heute unerhört viel schrecklichste Magie und Zauberei gibt, und dies fast überall. Oft werden nicht schlechte, aber unwissende Menschen in diesen schwarzen Netzen gefangen. Deshalb sind die Großen Lehrer gegen jede Art von Magie. Die schwarzen Logen sind gerade jetzt so aktiv, und daher ist es so wichtig, daß die Kräfte des Lichts sich unverzüglich vereinen und mit bewußter Aktivität gegen die dunklen Kräfte des Übels vorgehen. Doch leider, gegenwärtig herrscht unter ihnen viel weniger Einigkeit als unter den schwarzen. Diese sind in Furcht vereint und werden aktiv durch diese getrieben.

* * *

       Sicherlich, Lästerung gegen die Lehre ist keine Kleinigkeit, denn diese Lästerung richtet sich gegen den Heiligen Geist. Und furchtbar ist das Los der Lästerer in allen Welten. Doch um den Lästerern Einhalt zu gebieten, ist es notwendig, die Hörer aufzuklären. Groß ist die Unwissenheit! Das beweist jeder Schritt. Jedoch manchmal ist völlige Unwissenheit besser als geringes Wissen, denn gerade Halbwissen schafft Eigendünkel und versperrt so alle Möglichkeiten. Die Menschen haben sich an alle Arten von Verboten und Begrenzungen gewöhnt. Und vor allem fürchten sie das weite Denken, weil sie fühlen, daß weites Denken größere Verantwortung erfordert. Doch wer will Verantwortung auf sich nehmen? Jeder versucht, dies zu vermeiden und sich an einen anderen anzulehnen. Ganz allgemein, wenn es zur gegebenen Zeit weniger Verbote und Verneinungen gäbe und man die Notwendigkeit der Verantwortung stark unterstreichen würde, müßten viele den bitteren Kelch der Erniedrigung und des Leides nicht leeren. Deshalb kann an alle Verneiner der eine Rat gegeben werden: Verneinet nicht, sondern wisset mehr!

* * *

       Große Unwissenheit und einen erstaunlichen Mangel an Vorstellungsvermögen bekunden auch jene, die glauben, daß die gegebene Lehre in ihrem ganzen Umfang nur von einer Person niedergeschrieben wurde. Dies wäre unmöglich, unabhängig davon, wie geistreich diese Person auch sein möge. Wahrlich, Zeitalter an Lebenserfahrung und unermüdliches Studium des menschlichen Wesens, dazu all die kosmischen Einflüsse, waren erforderlich, um alle die in der Lehre angeführten Fragen und Probleme zu durchdenken und sie so vollkommen und allumfassend zu beleuchten.

       Wahrlich, das Leben ist erfüllt von Wundern, wenn wir an alles mit einem offenen Herzen und mit Streben nach Schönheit und Selbstvervollkommnung herangehen und nicht mit allerlei mechanischen Mitteln, wie künstlicher Meditation, Konzentration und dergleichen, sondern in der großen Tat des Alltagslebens. Diese große Lebenstat mit all ihrer strengen Schönheit übt N. K.. Sein Leben ist das Leben völliger Selbstlosigkeit: er lebt für den großen Dienst an der Menschheit. Nichts gehört ihm und er selbst gehört sich nicht. Die seinem Wesen eigene große Toleranz zieht wie ein Magnet ganz unterschiedliche Menschen an und schart sie um seinen Namen. Diese Weisheit des Meisters ist auch seine Weisheit. Wäre es anders, wie könnte er ein solcher Prophet sein? Wie könnte er in der ihm anvertrauten Aufgabe bei den furchtbaren Hindernissen durch die Finsteren – am Ende der Kali Yuga, in dem schrecklichen Harmagedon – so erfolgreich sein?

* * *

       Und nun muß ich Ihnen sagen, wie weise Sie sind, mit allem, was Ihnen anvertraut wurde, so vorsichtig umzugehen. Doch fürchten Sie die Feinde nicht, denn sie verhelfen uns zu phantastischen Kräften und Möglichkeiten, denn in ihrer ungestümen Bosheit ermatten sie und lenken auf ihre Art die Aufmerksamkeit der Leute auf sie. Wir sind in unserem Leben vielen Feinden begegnet, doch sie haben uns nur zum Erfolg verholfen. Laßt uns daran denken, was in den Büchern der Lehre über Verleumdung geschrieben steht: ”Mögen die Verleumder die Liste derer durchsehen, die von ihnen verleumdet wurden. Wird diese nicht Namen jener aufweisen, die die menschlichen evolutionären Entdeckungen gefördert haben? Laßt uns daher Verleumdung als die Fackeln der Wilden bezeichnen. Doch beim Durchschreiten der Nacht ist jedes Feuer von Nutzen!”

       So haben wir durch Erfahrung die Nützlichkeit der Feinde erkannt. Ich will mit dem Lob der Feinde enden.

* * *

       Was die Verbreitung der Lehre anbelangt, seien Sie bitte nicht zu sehr enttäuscht. Sie sollten nie jemanden zwingen. Durch solchen Druck entsteht nur großer Schaden. Denken Sie daran, wie die Lehre vor jedem Zwang warnt: ”Die Lehre ist sich ihres Wissens bewußt und wird sich nicht im Bazar zur Schau stellen … Die Grenzlinie zwischen Behauptung und Aufdrängen ist sehr fein. Man kann sich oft sehr leicht ohne jeden Nutzen erniedrigen. Jeder Tropfen, der danebenfällt, verwandelt sich in ätzende Säure. Doch ein erzwungenes Anschwellen bedeutet nur Wassersucht, und ihr wißt, daß diese unheilbar ist. Deshalb nur Qualität, nicht Quantität.”

       ”Wer anklopft, nimmt die Verantwortung auf sich, doch die Gezwungenen werden zum Mühlstein um den Hals des Glöckners. Deshalb laßt die Glocke nur zur rechten Zeit erklingen. So werdet ihr Zwang vermeiden.”

       Und so beunruhigen Sie sich nicht wegen der Verbreitung der Lehre des Lichts. Die Lehre wird auf unerwartete Weise verbreitet. Halten Sie nur Ihr Herz auf der Hut und ignorieren Sie das Klopfen der Leidenden und der Kommenden nicht!

17. April 1934

       Ihr Brief erreichte uns fast gleichzeitig mit der traurigen Nachricht über das Hinübergehen unseres lieben, unvergeßlichen Felix Denissowitsch. Wir haben einen wirklichen Freund und einen ergebenen, selbstaufopfernden Mitarbeiter verloren. Wir hatten viele Zeichen bezüglich des bevorstehenden Verlustes. Das Gehirn versuchte, sie nicht wahrzunehmen, doch das Herz zog sich in Schmerz zusammen. Dieser Verlust bedeutet für alle unsere Freunde und Mitarbeiter einen großen Schlag. Wie Sie sagen, er konnte mit seinem Herzen wirklich vereinen und wärmen. Die beste Ehrung zum Gedanken an F. D. wird natürlich die Vereinigung aller seiner Mitarbeiter sein sowie die Stärkung und Entwicklung des von ihm begonnenen großen Werkes. Daher schätze ich es sehr, daß Sie sich für alle in Angriff genommenen Werke so verantwortlich fühlen, und ich beeile mich, alle Ihre Fragen der Reihe nach zu beantworten:

       1.) Natürlich, die Gesellschaft für die Vereinigung der Frauen braucht die Hand einer Frau. Jedoch die Mitwirkung des Mannes ist nicht unerwünscht und kann sehr wohltätig sein. Oft ist der Mann ein besserer Mitarbeiter, Verteidiger und Beschützer der weiblichen Rechte als viele Frauen.

       2.) Die von Ihnen ausgearbeiteten Statuten über die Vereinigung der Frauen sind vortrefflich, möge Gott helfen, sie wenigstens teilweise zu verwirklichen. Ich befürworte vor allem den Punkt über die gleiche Bildung für beide Geschlechter, oder wie Sie es nennen, die ”Gleichberechtigung”. Dies ist eine sehr wichtige Sache. Gleiche Bildung zerstört das schädliche Gefühl des Vorrechts gegenüber den Frauen, und das verleiht in vielen anderen Beziehungen das notwendige Gleichgewicht. Gleichberechtigung sowohl der Geschlechter als auch aller Völker sollte einer der ersten Grundsätze jeder Regierung sein. Alles, was die Erziehung und Schulbildung der Kinder betrifft, ist mir sehr teuer, und ich werde meine Gedanken darüber mitteilen.

       3.) Sie haben ein sehr schmerzliches Problem unserer heutigen Zeit berührt – die Frage der legalen Abtreibung. Zu diesem Thema gibt es keine zwei Meinungen – Abtreibung ist in jedem Fall Mord. Deshalb sollte ihr nur stattgegeben werden, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Doch es ist falsch anzunehmen, daß eine Frau, die sich der Abtreibung schuldig machte, immer niedere Geister anzieht. Das Karma der ganzen Familie muß in Betracht gezogen werden. Oft kann man bemerken, daß in einer Familie, wo ein Kind dabei ist, das nichts taugt, die anderen Kinder nicht schlecht sind. Karma bindet Gruppen von Menschen für lange – für viele Tausende von Jahren. Und oft hat selbst ein hoher Geist keine unbescholtenen Eltern. Die Finsteren wehren sich besonders gegen die Reinkarnation von hoch entwickelten Geistern und versuchen alles, solche Inkarnationen zu verhindern, die für sie gefährlich sind. So ist es wieder einmal nicht das Fegefeuer der Feinstofflichen Welt, das die Wiederverkörperungen von Geistern verhindert, sondern nur das Verbrechen der Eltern. Es gibt kein mächtigeres Fegefeuer als das irdische Leben, wenn alle potenziellen Möglichkeiten der Individualitäten verstärkt werden. In der Lehre ist gesagt: ”Wie die Hungernden nach Nahrung verlangen, so verlangt der Geist, der bereit ist zu inkarnieren, eine neue Wiedergeburt. Man kann sich daher vorstellen, welches Leid – auf Grund von künstlicher Verhinderung – der Geist erdulden muß. Der Geist erhält im Moment der Empfängnis Verbindung mit dem Embryo und tritt im vierten Monat allmählich in den Körper ein, wenn sich die Nerven- und Gehirnkanäle bilden. Daher ist Abtreibung nur in Ausnahmefällen zulässig.

       4.) Natürlich sollte die Frau nicht nur physische Lebensspenderin sein; sie hat ihre anderen hohen Pflichten. Und zu diesem Zweck besteht die natürliche Enthaltsamkeit, die leicht durchgeführt und so der Zuwachs der Familie reguliert werden kann. Dies ist gut möglich, wenn das Herz und den Kopf hohe Interessen beschäftigen. Ich erwarte natürlich viele Einsprüche, doch ich bestehe darauf. Es besteht kein Zweifel darüber, daß dies beim gegenwärtigen sittlichen Zustand der Familien sehr schwer ist, doch es gibt bereits solche Familien, und sie werden in Zukunft zunehmen. In früheren Zeiten verstanden es die Menschen, die Geburtenregelung nach den Mondphasen zu bestimmen. Später wurde dies als schwarze Magie betrachtet, doch heutzutage wären solche Maßnahmen besser als die schrecklichen Abtreibungen, die Frauen zu Krüppeln machen und damit auch die kommenden Generationen.

       Jetzt will ich über zwei von Ihnen im Zusammenhang mit diesem Problem erwähnte Fälle sprechen. Ihr erster Fall betrifft eine Frau, die ”aus Liebe zu Kindern” den Beruf einer Lehrerin wählte. Der Fall ist sehr unlogisch; da sie es für ein Vorurteil hielt, sich vor einem unehelichen Kind zu fürchten, hätte sie bei dieser Meinung bleiben sollen. Und als sie sich nun doch zu einem unehelichen Kind entschlossen hatte, so konnte sie nicht erwarten, daß es legitimiert wird. Darüber hinaus müßte sie die Vorschriften der Schule gekannt haben. So offenbart sich in diesem besonderen Fall sehr viel Leichtsinn, und ich würde sagen, eine sehr gefährliche Leichtsinnigkeit, da sie in Verbrechen endete. Doch was mir sehr widersprüchlich erscheint, ist ihre ”große Liebe zu Kindern”, denn diese Liebe müßte sie vor solch einem unsinnigen Schritt zurückgehalten haben.

       Im weisen Indien wird die ausschließliche Liebe zum eigenen Kind als eine Art tierischer Egoismus betrachtet. Wo es so viele unglückliche Waisen um uns herum gibt, können wir da so teilnahmslos sein und keine großen mütterlichen Gefühle für sie haben? Diese Frau könnte mit ihrer ”großen Kinderliebe” eine dieser unglücklichen heimlosen Waisen adoptieren und so ihre Liebe zu Kindern unter Beweis stellen. In solch einer Tat wäre so viel Edles, und vielleicht würde sie ihren wirklichen Sohn oder ihre wirkliche Tochter aufziehen. Karma führt uns in erstaunlicher Weise mit Seelen zusammen, die aus der Vergangenheit Beziehungen zu uns haben.

       Sie schreiben, daß sie das Buch ”Schwester Beatrice” gelesen hat. Doch Schwester Beatrice wurde von einer großen Liebe getrieben, während diese Frau nur von dem Wunsch sprach, ein Kind zu haben. Das ist unvereinbar. Ich werde nie einen Stein auf eine Frau werfen, die aus grenzenloser Liebe alle Herkömmlichkeiten außer acht ließ, vorausgesetzt, daß sie ihr Glück nicht auf das Unglück anderer aufbaut. Verpflichtungen gegenüber einer Familie und Kindern erachte ich als heilig.

       Im zweiten Fall, den Sie schildern, verdient die Frau mehr Mitgefühl. Doch auch in ihrem Fall können wir, solange der Wunsch herrscht, ein eigenes Kind zu haben, den weisen Ausspruch über den Egoismus solcher Liebe anwenden. Um richtig urteilen zu können, ist es vor allem notwendig, die wirklichen Beweggründe und Umstände zu kennen. Doch immer und in allem ist die Harmonie des Herzens und des Intellekts sehr wichtig, dieses große Gleichgewicht, das die Grundlage der Vervollkommnung ist und von allen großen Lehren bestätigt wird. Ein starkes Muttergefühl kann sich nicht nur auf die Liebe zum eigenen Kind erstrecken, solche Beschränkung sollte ausgelebt werden. Und sehr oft stehen uns fremde Kinder geistig näher als die eigenen. Geistige Verwandtschaft bindet stärker als die Bande des Blutes.

       5.) Sie fragen ”Hat jede Frau das Recht auf ein eigenes Kind?” Wenn wir die Frage vom kosmischen Standpunkt aus betrachten, dann gewiß, ja. Doch mit den von Menschen vorgenommenen Entstellungen haben die kosmischen Gesetze nichts gemein.

       Daher möchte ich sagen, daß nicht jede Frau ein Recht auf ihr eigenes Kind hat. Der Begriff der Familie ist ein heiliger Begriff. Doch wie die Dinge heute liegen, gibt es nichts oder fast nichts Heiliges mehr in ihr. Viele Familien sind sündhaft. Und ich wiederhole, daß ich nie eine Frau verurteilen werde, die sich in aufrichtiger Liebe hingibt, da wir wissen, daß viele Herkömmlichkeiten und alle möglichen Umstände die Legalisierung solch einer Verbindung hindern. Viel sündhafter ist es, ein aus solch einer Verbindung geborenes Kind zu strafen. Doch heute gibt es viele Männer und Frauen, die es wegen tiefgreifender geistiger Verdorbenheit nicht verdienen, Kinder zu haben.

       6.) Die von Ihnen angeführten Zeilen aus dem Buch von Ernst Bergman geben künftige Gedanken wieder und befassen sich mit den nächstliegenden Aufgaben. Wird in der Lehre nicht auf die hohe Bedeutung der Frau in ihrer ganzen Tätigkeit im Leben hingewiesen? Ist nicht aufgezeigt, daß der Grund für so viele Mißstände unseres Planeten und der Menschheit auf den Mangel des Gleichgewichts zwischen den beiden Geschlechtern zurückzuführen ist? Der Kosmos gründet auf diesen Anfängen, und nach kosmischem Maßstab sind beide Anfänge gleich groß und notwendig, denn einer kann ohne den anderen nicht bestehen. Doch was sehen wir im Leben und in den von Menschen eingeführten Bräuchen? In manchen Ländern wird die Frau bis zur Sklaverei erniedrigt, und selbst in mehr zivilisierten Ländern werden dem Mann alle Vorrechte eingeräumt.

       Zweifellos ist es in vielen Beziehungen der eigene Fehler der Frau, besonders jetzt, wo sie versucht, die Rolle des Mannes nachzuahmen, anstatt ihr eigenes Wesen und ihre Originalität zum Ausdruck zu bringen. Das Ergebnis ist ein unwürdiges Zerrbild. Natürlich, es gibt keine Begrenzungen der geistigen Schaffenskraft des einen oder anderen Geschlechts. Die Schaffenskraft des Gedankens, der Kunst sowie des Lebensaufbaues ist geistiger Natur und daher beiden Geschlechtern eigen. Beide Geschlechter haben ihre eigenen Wesenszüge, und dies verschönert das Leben. Diese Wesenszüge sollten sehr stark zum Ausdruck kommen, um die vollkommene Schönheit des Romantischen und des Heldentums zu beleben. Nach Verfeinerung des Bewußtseins und der Gefühle wird die schöne Bestimmung beider Geschlechter lebhaft in Erscheinung treten.

       Zum Abschluß darf ich Ihnen sagen, daß viele Familien sich zu unrecht als solche bezeichnen, weil sie kosmisch gesehen ungesetzlich verbunden sind. Wahrlich, viele Verbindungen, die nur durch die menschlichen Gesetze bestehen, sollten als illegal betrachtet werden. Richtige, d. h. kosmische gesetzliche Verbindung ist eine große Wissenschaft der Zukunft. Diese Wissenschaft wird auf unveränderlichen kosmischen Gesetzen begründet sein. Vieles ist über die Seelenverwandtschaft gesagt worden. Doch wer kennt und versteht diese Wahrheit in der ganzen Größe des kosmischen Gesetzes? Sie erinnern sich, daß in den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK gesagt ist, daß sich die Menschen entsprechend den Elementen verbinden sollten. Nur Eltern, die demselben Element angehören, können gesunden und ausgeglichenen Kindern das Leben schenken. ”Und im Leben sehen wir oft, daß Feuer mit Wasser oder Luft mit Erde verbunden ist. Der Niedergang ganzer Völker ist die Folge solcher Vermischung.” Die Zeit wird kommen, wo diese Wahrheit in ihrer ganzen Herrlichkeit verstanden wird und die Menschen sie als das Wesentlichste im Leben anwenden werden. Die Lebensformen und alle Funktionen der Menschheit müssen entsprechend den kosmischen Gesetzen erneuert werden. Dies wird dann geschehen, wenn die Menschheit um ihren Fortbestand und ihre Evolution auf diesem Planeten besorgt ist – andernfalls erwartet uns das Los der Lemurier – Zerstörung durch Feuer.

       7.) Gewiß, ich billige den Kampf gegen die Abtreibung, doch wie wollen Sie gegen dieses Übel ankämpfen? Es gibt keine Gesetze, die etwas erhalten oder verbieten können. Deshalb denke ich persönlich, daß man vor allem für die Hebung des Bewußtseins der heranwachsenden Generationen kämpfen und sie auf das Begreifen der menschlichen kosmischen Aufgabe des Allgemeinwohls nach kosmischem Maßstab hinlenken muß. Es ist wichtig, den Weltmaßstab festzulegen. Wieder kommen wir auf die gleiche fundamentale Frage zurück: Erziehung und Bildung. Wie der Große Geist es ausdrückte: ”Die Quelle allen Leidens ist Unwissenheit”, was so wahr ist; und die Geschichte der Menschheit mit allen ihren finsteren Seiten der Verfolgung der besten Vertreter des Wissens beweist es.

       8.) Ohne Zweifel hat jede Mutter und jedes Kind ein Recht auf Sicherheit, und so kann es auch keine Unterteilung in legitim und illegitim geben. Doch wir können noch weitergehen und sagen, daß jeder Bürger ein Recht auf Sicherstellung der Arbeit hat. So vieles muß geändert werden, und hier sollte die Stimme des Herzens der Frau helfend eingreifen.

       9.) Sie fragen, ob es im Plan der Weißen Bruderschaft liegt, die alten Familienformen zu erhalten und sie geistig zu beleben? Die Formen selbst sind natürlich bedeutungslos. Die Hauptsache ist das geistige Bewußtsein, das diese Formen beseelt. Ich beantwortete diese Frage bereits, als ich über die große Wissenschaft der Zukunft sprach, die auf unveränderlichen kosmischen Gesetzen beruht. Deshalb sollten wir uns um die neuen Formen nicht sorgen, sondern sollten die alten mit neuem Verstehen beseelen. Ich füge folgende Zeilen aus der Lehre hinzu: ”Wenn die Menschheit den kosmischen Gesetzen anstatt den sogenannten Neuerungen und Statuten mehr Beachtung schenken würde, könnte das Gleichgewicht hergestellt werden, das immer mehr und mehr verletzt wird, beginnend mit dem Gesetz des Entstehens und endend mit der ”kosmischen Krönung”. Die bestätigten Gesetze sind einheitlich. Auf allen Ebenen müßte die Einheit bestätigt werden. Der Weg der Evolution ist wie ein Faden, der sich durch alle physischen und geistigen Grade spannt; und deshalb können Regierungen und Gesellschaftssysteme die kosmischen Gesetze für ihre Verbesserungen anwenden.”

       10.) Und nun was die Gruppen betrifft. Es ist wünschenswert, die Gruppen entsprechend den Bewußtseinsebenen zu bilden. Doch der ideale Weg wäre, die Menschen entsprechend der Zusammensetzung oder Farbe ihrer Aura zu gruppieren, weil der die harmonischen Auren verbindende Strahl die Macht erhöhter Anziehung gewinnt, wogegen disharmonische Verbindungen einander abstoßen. Zwei harmonische Auren gewähren Erfolg, weil die Wirkung vereinigter Strahlen jedes Unternehmen fördert. Doch da wir von der Bestimmung und selbst der Farben der Auren noch weit entfernt sind, obwohl man in dieser Richtung einen Fortschritt erzielte, bleibt nur zu tun übrig, Leute zu vereinen, die miteinander sympathisieren. Der Lehrer sollte die Charaktere seiner Schüler aufmerksam beobachten.

       In der Lehre des Lebens gibt es auch darüber einen Hinweis ”Die Anweisungen sollten zweckmäßig sein. Dem, der einen geistigen Fortschritt zeigt, sollten Möglichkeiten weiterer Förderung geboten werden. Würde das schnellste Boot seine Segel einziehen, um die Frontlinie auszurichten, wäre das nicht eine Verringerung seiner Möglichkeiten? Der Lehrer sollte mit wachsamen Augen jene erkennen, die gute Fortschritte machen. Sie sollten nicht gelobt, doch ihr Pfad geebnet werden. Es ist ratsam, Interimskurse abzuhalten; diese Stufen anwendend, werden die Schüler schneller aufsteigen. Verberget ihnen die Schwierigkeiten nicht! Denn für einen bestimmten Bewußtseinstyp ist jede heroische Regung bereits eine Quelle des Lichts und der Freude. Es hängt auch vom Lehrer ab, die Richtung der Gedanken des Schülers zu bestimmen, da eine schlechte Wegzehrung sehr verderblich ist; sie kann die besten Arbeiter vertreiben. Jedes starre Programm ist wie ein Leichnam, der unter der Sonne des Wissens unerträglich wird.”

       Sie führen einige Paragraphen aus dem Buch ”Agni Yoga” an und vermuten ganz richtig, daß es zum Zusammenstellen von Gruppen notwendig ist, diese Weisungen zu befolgen. Man muß beachten, daß diese Anweisungen drei verschiedene Gruppen im Auge haben. Während die Anweisungen laut § 137 eine Gruppe eng verbundener Mitarbeiter betreffen, beziehen sich jene in § 310 auf Menschen im allgemeinen und nicht auf enge Mitarbeiter im besonderen, denen gegenüber man Toleranz üben sollte, denn von den engsten Mitarbeitern wird als selbstverständlich angenommen, daß sie nicht in ”verschiedene Richtungen” schauen und die Fabel vom Hecht, Krebs und Schwan illustrieren. § 311 handelt von einer Gruppe, die noch geformt und vorbereitet wird, um sich mit der Lehre zu vereinen.

       Die Vereinigung der Bewußtseine geschieht nicht sofort, sie wird durch große Anstrengung erreicht. Viel gegenseitige Geduld, Takt, Aufrichtigkeit und Edelmut sollten geübt werden. Doch wenn sie erreicht ist, wird wirklich alles möglich, da man ständig unter Höherer Führung steht.

       Es ist schwer, harmonische Gruppen zu bilden, doch noch schwerer ist es, einen passenden Lehrer zu finden. Besonders wichtig ist es, bereits für die Anfänger erfahrene Lehrer zu haben. Die Fähigkeiten des Lehrers entwickeln sich allerdings auch bei der gemeinsamen Arbeit. Auf diese Art lernen Lehrer oft von Menschen, deren Bewußtsein noch gering entwickelt ist, mehr als von jenen, die ungefähr auf der eigenen Ebene liegen. Dies kommt daher, weil die Einfachen uns durch ihre Fragestellung zwingen, Findigkeit zu üben, um unsere Erklärungen ihrer Aufnahmefähigkeit anzupassen. Es ist eine ausgezeichnete Übung für klares Denken. Wahrlich, indem wir lehren, lernen wir.

       Ja, in allen Fragen sollten wir unser Gefühlswissen oder Herz sprechen lassen, es gibt keinen anderen Maßstab. Jeder Fall ist unterschiedlich und ursprünglich, besonders wenn es ein außergewöhnliches Zusammentreffen von Umständen gibt. Und für alles muß das Herz die richtige Entscheidung treffen.

       Nun haben Sie die Schwelle neuer, verantwortlicher Arbeit betreten. Das ”brennende Herz” – wie Sie es so schön ausdrücken –, das es verstand, Freude zu bereiten, hat uns verlassen. Doch jeder sollte lernen, diese Freude in sich zu finden, denn in uns ist Licht. Das ”brennende Herz” entfachte das Feuer. Es ist Ihre Pflicht und jene der engsten Mitarbeiter, dieses Feuer zu bewahren und es zu einer unauslöschlichen Flamme anzufachen. Das begonnene Werk ist so groß, so schön, so allumfassend und wichtig, daß man wirklich frohlocken sollte angesichts der Tatsache, daran teilzuhaben. Was kann größer sein als Arbeit für das Allgemeinwohl und für die Hierarchie des Lichts?

       Große Ereignisse nahen, und es werden viele Mitarbeiter benötigt. Jene, welche die Grundlagen der LEBENDIGEN ETHIK erfaßt haben, sollten helfen, das Gleichgewicht des Lebens zu erhalten und die kommende Epoche zu bestätigen, die auf wahrem Begreifen des Geistes der Schönheit und Zusammenarbeit beruht.

       Und daher – viel Glück in Ihrer neuen Aufgabe; seien Sie tapfer und freudvoll, denn die Führende Hand wird jene nicht verlassen, deren Streben aufrichtig ist.

11. April 1934

       Sie fragen um Rat, wie Sie in der Arbeit und in der persönlichen Entwicklung erfolgreich sein können. Sie besitzen doch die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK, in denen die wertvollsten Anweisungen und Ratschläge gegeben sind, und wenn nur ein Zehntel davon befolgt wird, werden größte Ergebnisse nicht ausbleiben. Ich kann nur hinzufügen, daß für rascheste Selbstvervollkommnung und Entwicklung der Geistigkeit ein stetes Denken an den Höchsten Hierarchen das Wesentlichste ist; das ist jene heilige Konzentration, über die so viel geschrieben und die so oft mißverstanden wird. Wenn wir Tag und Nacht jeden Augenblick an das Leuchtende Bildnis denken und alle unsere Arbeiten in Seinem Namen ausführen, werden wir allmählich jene heilige Einheit herstellen, die uns schließlich die große Macht der Hiero-lnspiration verleiht.

       Da ich Ihre schriftstellerischen Fähigkeiten kenne, würde ich Ihnen raten, sie für feurige Invokationen zur Erweckung und Belebung des Geistes zu nutzen. Wahrlich, die Zukunft liegt in der Auferstehung des Geistes! Nachdem Sie die Bücher der Lehre gelesen haben, dürften Sie zweifellos erkannt haben, in welch kritischer Zeit wir leben, und um den langsamen Fortschritt des Bewußtseins wissend, werden Sie verstehen, daß kein Augenblick vergeudet werden soll. Selbst das Bestehen unseres Planeten wird auf der kosmischen Waage gewogen, und allein die Menschheit kann die eine oder die andere Waagschale entscheidend beeinflussen. Die Umgestaltung der Welt geht vor sich, und wir müssen uns ernst entscheiden, ob wir mit dem Kosmischen Magneten voranschreiten oder das Los kosmischen Niedergangs auf uns nehmen wollen.

       Die Schwierigkeit besteht bei den meisten Menschen, die mit der Lehre bekannt wurden, darin, daß sie die allumfassende Weisheit und Schönheit zwar bewundern, doch sie betrachten sie nur als schöne poetische Schöpfung; sie verstehen das Wesentliche der Lehre nicht und bemühen sich auch nicht, sie im Leben anzuwenden; sie legen keine einzige Gewohnheit ab und verzichten nicht auf die geringste Bequemlichkeit. Währenddessen sind die bedrohlichen Zeichen des feurigen Sturmes, von dem in der Lehre soviel gesprochen wird, bereits offensichtlich, und jene, die geistig nicht erwacht und gestärkt sind, werden durch die nicht zu verhindernden schrecklichen Epidemien zu Tausenden dahingerafft werden.

       Es ist Zeit, an die Hygiene des Geistes zu denken. Hygiene des Körpers ist nicht so wichtig wie Hygiene des Geistes. Weder Vitamine und Injektionen noch Impfungen werden den retten, dessen psychische Energie erschöpft oder erstarrt ist. Wie wichtig ist das Verständnis für die tiefe Bedeutung des Wortes ”Dienst”, großer Dienst, große Taten für die Rettung der Menschheit! Das Wort ”podwig” ist so schön! (”podwig” läßt sich aus dem Russischen schlecht übersetzen; das Wort bedeutet große oder heroische Tat in Zusammenhang mit geistiger Errungenschaft). Es birgt den Gedanken der Selbstvervollkommnung und Selbstverleugnung in sich, was nicht nur den Fortschritt des persönlichen Bewußtseins bewirkt, sondern den des ganzen Landes. Wahrlich, die Zeit ist da, zu ”podwig” (Heldentat) aufzurufen! Die ganze Welt, alle Länder befinden sich in einem schrecklichen Kampf, und nur der geistig Starke wird siegen. Wir sollten nicht der Täuschung unterliegen, daß alles sich von selbst entscheiden wird. Nein, jedes Land muß erkennen, daß es nur überleben kann, wenn seine besten Vertreter begreifen, daß der Kampf gegen die Unwissenheit und gegen die Kräfte der Zerstörung nicht hinausgeschoben werden darf. Alle Länder werden geprüft. Werden viele durchkommen? In den Feinstofflichen Welten ist die Landkarte der Zukunft bereits entworfen, doch vielem kann noch abgeholfen werden.

       Und so, seien Sie feurig beseelt! Schreiben Sie feurige Artikel für die Verteidigung der Kultur des Geistes; preisen Sie ”podwig” und Heldentum, denn in der Lehre ist gesagt: ”Wo der Gedanke an das Heldentum verschmäht oder gar als ungebührlich erachtet wird, gibt es tatsächlich Verfall. Nach diesen Merkmalen kann man die Gebrechlichkeit der Völker beurteilen. Die letzten Worte des Großen Geistes zu Seinen Brüdern, als Er die Erde verließ, waren: ”Schaffet Helden!”

       Die Zeit ist gekommen, wo wir heldenhaft sein und Helden schaffen müssen.

26. April 1934

       Ich war so glücklich, von meinen fernen Mitarbeitern Briefe zu erhalten. Wir sind alle durch dieselbe Lehre vereint und sollten uns wie eine große Familie fühlen. Wenn es auch noch nicht möglich ist, physisch beisammen zu sein, so ist es gut zu wissen, daß diese Zeit kommen wird. Und so wollen wir uns auf diese große Zeit des Feiertages des Geistes und des Herzens vorbereiten. Wir wollen uns strenges geistiges Fasten auferlegen, damit wir in vollkommener Reinheit des Körpers und des Geistes am Osterabend eine Auferstehung des Geistes willkommenheißen können. Laßt uns in unserem ganzen Denken dieser nahen Zukunft entgegenstreben, viele der mühseligen und schwierigen Dinge des Alltags werden leichter zu ertragen sein, denn wir werden in unserem Herzen die unvermeidlichen Mühen und Schwierigkeiten als Teil einer großen Prüfung und der Freude der Zukunft erleben.

       Bitte sagen Sie den lieben Mitarbeitern, sie mögen die Flamme ihres Herzens bewahren und alle ihre schöpferischen Kräfte aufwenden, um den sehnsüchtigen Herzen die frohe Botschaft der Lehre zu vermitteln. Alle, die nach Wissen streben, sind uns sehr teuer. Ohne schwere Prüfung kann der Mensch nicht zur Erkenntnis gelangen, und glücklich sind jene, die solche Prüfungen bereits in der Jugend erfahren. In der uns zugeteilten Arbeit sollten wir alle unseren Geist erprobenden, schwierigen Augenblicke schätzen und uns mit dem Leben und der Seele eines Volkes vertraut machen. Es ist ganz richtig anzunehmen, daß die Menschheit durch ein großes Wunder der Erleuchtung gerettet wird. ”Das Wunder wird zur vorbestimmten Zeit geschehen!”

       Ich bin froh, daß Sie sich für das von den Großen Lehrern geplante Werk des Allgemeinwohls ernstlich entschlossen haben. Ohne solch einen Entschluß kann man auf dem Pfad nicht vorankommen. Uns wurde folgendes Gebet gegeben: ”Dir, o Herrscher, will ich in allem dienen – immer und überall. Möge mein Pfad eine Heldentat der Selbstlosigkeit sein! Möge dies auch Ihr Gebet sein und das eines jeden, der mit ganzem Herzen den Pfad des Dienstes an der Menschheit betritt. Im Zusammenhang damit möchte ich aus der Lehre nachfolgendes anführen: ”Wenn der Schüler in seinem Herzen die Freude des Pfades erkennt, eines Pfades ohne Schwierigkeiten, weil sich alles in die Freude des Dienens verwandelt, dann können ihm die Großen Tore erschlossen werden. Bei den höheren Erscheinungen muß der Schüler in seinem Herzen der gewaltigen Leistungen des Lichtes gedenken. In den schrecklichen Erscheinungen muß er die Anstrengungen der Finsternis erkennen. Der Schild des Lichtes trägt die Inschrift: ”Herrscher, ich komme allein, ich komme in einer geoffenbarten Heldentat. Ich will das Ziel erreichen, und ich werde es erreichen!” Weiter steht auf dem Schild des Lichts geschrieben: Ehrlichkeit, Hingabe und Selbstverleugnung. Doch furchtbar ist der Ansturm der Finsternis. Möge die Hand des Schülers davor bewahrt bleiben, auf diesen bleibenden Schriftrollen: Lüge, Scheinheiligkeit, Verrat, Selbstsucht … einzuschreiben.

       ”Unter den für den Aufstieg besonders schädlichen Erscheinungen sei halbherziges Dienen hervorgehoben. Man kann nicht vorankommen, ohne diese fürchterliche Halbheit auszumerzen. Es muß daran erinnert werden, daß der Schüler, sobald er einen Lehrer erwählte, immer mit Rücksicht auf die schädlichen Folgen der Halbheit handeln muß. Nicht nur ein offensichtlicher Verrat ist gefährlich (dagegen kann man offen mit dem Schwerte ankämpfen), sondern diese verderblichen Schliche der Halbheit sind so schädlich.”

       ”Das Bewußtsein der Menschen muß auf den Pfad der Ehrlichkeit gelenkt werden. Die Menschen müssen verstehen, daß aufrichtiges Dienen das Wichtigste ist. Womit kann man das Wachsen des Geistes festigen, womit kann man die Hingabe zur Hierarchie bekunden, womit kann man das Bewußtsein läutern? Nur durch dieses eine Gesetz – Ehrlichkeit des Dienens. So laßt uns immer an die Schädlichkeit der Halbheit denken. Die Leistungen der Finsteren zeigen alle nur halbe Entscheidungen und Taten; daher sollte man auf dem feurigen Pfad an die Folgen der Halbheit denken. Wäre es möglich, alle Errungenschaften der Feinstofflichen Welt zu offenbaren, die Menschheit wäre entsetzt über die grauen Schatten der Zerstörung, Halbheit, des Verrats, der Streitsucht, Heuchelei, Unduldsamkeit und Selbstsucht. So laßt uns auf dem feurigen Pfad an die gefährliche Unterminierung durch Halbheit denken.” (Feurige Welt, III. Band).

       Daher mögen alle Neuankommenden nicht sofortige Erleichterung und besondere Ergebnisse erwarten, wenn ihr Herz und Geist noch nicht reif sind, dem Lichte zu dienen. Es ist gesagt ”Man sollte die Lehre wie das letzte Feuer, das letzte Stück Brot, das letzte Wasser hegen. Man muß Liebe offenbaren und hüten – als die letzte Möglichkeit und den letzten Tropfen Wasser.” Solch ein Streben würde unsere Möglichkeiten vermehren. Ein wahrer Schüler strebt vorwärts, getrieben von der unwiderstehlichen Liebe zum Lehrer des Lichts.

       Nun möchte ich Ihre Fragen beantworten:

       1.) Sie haben natürlich recht, daß man die Lehre vor allem im Leben anwenden muß, um sich zu vervollkommnen. Wie können wir sonst andere, aufrichtig bestrebte Seelen anziehen? Jeder, der sich der Lehre nähert, ist verpflichtet, diese empfangenen Saatkörner auszustreuen. Doch wie könnte diese Saat erfolgreich sein, wenn wir selbst nicht fähig sind, die uns anvertrauten Saatkörner zu erproben und zu schätzen? Wird es viele geben, die unsere Saatkörner werten? Viele von ihnen werden die Keimlinge dieser Saatkörner sehen wollen. Daher ist das konkrete persönliche Beispiel jener, welche die Saatkörner besitzen, sehr wichtig. Es ist wichtig, die Wirklichkeit der Lehre zu bekunden, zu beweisen, in welchem Maß sie den Charakter und das Leben eines Menschen zu verändern vermag. Vor langem wurde gesagt ”Glaube ohne Tat ist tot”. So wird die Lehre, im Leben nicht angewendet, keinen Nutzen bringen.

       2.) Sie fragen, ob Sie die Meditationen fortsetzen sollen. Alles, was die Gedankenkonzentration fördert, ist nützlich. Zur Klarheit und Kristallisation des Denkens sollte angeregt werden. Gerade jetzt nimmt das chaotische Denken überhand, und man sollte besonders auf der Hut sein. Man sollte sein Denken anspannen und kein unkontrolliertes Denken zulassen. Konsequenz des Denkens und Handelns sind für die Erweiterung des Bewußtseins so wichtig.

       Ich habe Ihre Meditationen gelesen; das Thema über den Gedanken ist sehr umfangreich. Wahrlich, der Gedanke ist das Universum! Daher ist es ratsam, diese Frage ausführlich zu behandeln und so konkret wie möglich zu gestalten. Es ist auch sehr nutzbringend, darüber zu meditieren: Der Gedanke als Gestalter des Karma. Das Thema ”Und Wir öffnen die Tore” sollte ausführlich behandelt werden. Versuchen Sie, den ganzen Pfad des Aufstiegs in sieben Tore zu unterteilen und die Aufeinanderfolge der Eigenschaften aufzuzeigen, die entwickelt werden müssen, um diese Tore zu erschließen, wenn nicht alle, so wenigstens vier. Ein anderes Thema – ”Lächle über die Schwierigkeiten auf dem Pfad” – sollte ebenfalls erörtert werden. Sie sollten klar hervorheben, was uns wirkliche Kraft verleiht, alle Schwierigkeiten zu meistern, ”über sie zu lächeln” und aufzeigen, aus welch unerschöpflicher Quelle Freude entspringt; so vermögen Sie die Gedanken ”Freude als die höchste Weisheit” zu vertiefen. Dies sind nur kurze Vermerke. Solche Meditationen über Themen aus der Lehre sind sehr wertvoll. Sehr gut wäre es auch, die Themen ”Einfachheit” und ”Heldentat” (Podwig) zu wählen. Diese beiden Begriffe werden in den Büchern der Lehre besonders hervorgehoben.

       Nun möchte ich über ihre vierte Meditation sprechen:”Die Eigenschaft der Luft und die Gelassenheit des Geistes”. In dieser Meditation kann ich dem Satz ”Zuerst müssen wir den Tempel vorbereiten und dann die Seele erziehen” nicht zustimmen. Der Geist baut den Tempel und nicht umgekehrt. Allerdings sind das Psychische und das Physische eng verbunden, und zur Vervollkommnung ist völlige Ausgeglichenheit nötig; ohne den Körper können wir bestehen, doch ohne Geist sind wir völlig tot. Ich zitiere aus der Lehre: ”Es wurde richtig gesagt, daß der Geist ohne den Körper leben kann, denn ein mißgestalteter Körper kann eine leuchtende Seele bergen, doch ein Körper kann, trotz aller äußeren Vollendung, keinen Geist enthalten, der nicht den Aufspeicherungen der Vergangenheit entspricht. Es ist richtig, da der menschliche Geist vielfach unterdrückt wird, sind Krankheiten oftmals ein Segen, denn sie vereinen den Geist mit der Feinstofflichen Welt. Jede Erscheinung gründet auf zwei Grundsätzen, die den Maßen der feinstofflichen sowie denen der physischen Welt entsprechen. In der Tat, diese Maße sind oft gegensetzlich proportioniert.” In den Büchern der Lehre gibt es eine Stelle über die Gefahren, unentwickelten, sündhaften Seelen einen gesunden Körper zu verleihen; wahrlich, das Übel würde noch mehr triumphieren. Daraus ergibt sich, daß wir uns mehr auf die Entwicklung des Geistes konzentrieren und den physischen Körper nur so weit pflegen sollten, wie es allgemein erforderlich ist. Und den bekannten Ausspruch ”Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist” würde ich umgekehrt anwenden: ”Ein gesunder Geist besitzt einen gesunden Körper”. Wenn wir uns nur um die Stärkung des Körpers bemühen, werden wir nie vorankommen. Ich ermutige alle Mitarbeiter, meditieren zu lernen.

       Ist jemand schriftstellerisch begabt und hat er das Wesen der Lehre in sich aufgenommen, dann ist es sehr nützlich, kleine Broschüren zu verfassen, in denen die Gedanken der Lehre für die breite Masse kommentiert werden. Diese kurzen Kommentare sind sehr wichtig! So wäre es beispielsweise sehr wertvoll, über die Bedeutung des Lehrers zu schreiben, über die Macht und Bedeutung der Gedanken, über psychische Energie usw. Die in der Lehre gegebenen Erklärungen müßten gesammelt und vereinfachende Kommentare hinzugefügt werden. Im allgemeinen gibt es endlose Möglichkeiten, in der Lehre mitzuarbeiten, und ich begrüße es immer, wenn schriftstellerische Fähigkeiten genutzt werden. Soviel Arbeit sollte in nächster Zukunft getan werden, so viele Hände werden auf allen Gebieten benötigt. Immer sollte man versuchen, so viel wie möglich zu lernen, entsprechend der Reichweite des Fassungsvermögens und mit dem Vorsatz, das Wissen zu nutzen und anzuwenden.

       3.) Sie fragen, ob Sie sich mit dem Studium der Heilkräuter befassen sollen? Alles Wissen ist nutzbringend, und dieses Gebiet ist wirklich edel und äußerst interessant.

       4.) Sie möchten wissen, wie die Lehre im Leben anzuwenden ist. Mit aller Einfachheit, mit dem ganzen Herzen, genauso wie es in den Büchern der Lehre aufgezeigt ist. Allerdings können sich Mißverständnisse und Fragen bezüglich bestimmter Ausführungen in der Lehre ergeben. Zögern Sie nicht zu fragen, ich werde mich immer darüber freuen, Ihnen helfen zu können. Die Lehre wurde fürs tägliche Leben gegeben und enthält oft Antworten, Fragen und Erklärungen für bestimmte Ereignisse, und so mögen diese Stellen für jene, die mit der Lehre nicht so vertraut sind, nicht immer klar sein. Ich bin oft auf Auslegungen gestoßen, die in bestimmten Stellen das Gegenteil von dem aussagten, was in der Lehre gemeint ist. Dies ist unvermeidlich, und daher bin ich immer froh, Ihre Fragen in bezug auf die Lehre beantworten zu können. So werden wir die notwendige geistige Verbindung herstellen; wo es keine Fragen gibt, kann es keine Lehrer geben. Und da wir in verschiedenen Erdteilen leben, hilft ein direkter Kontakt sehr, weil es so wichtig ist, ständige und lange Verständigung zwischen Auren zu unterhalten. So wollen wir die Gedanken und Bestrebungen des Herzens austauschen und uns unsere auf Papier festgehaltene psychische Energie senden.

       Mein Herz ist voll des Wunsches, Freude zu bereiten und jedem Hilfe angedeihen zu lassen. Bitte denken Sie an den Ernst und die Feierlichkeit des Augenblicks und verstärken Sie alle Kräfte für die Selbstvervollkommnung. Die Zukunft ist groß und schön.

5. Mai 1934

       Es ist unrichtig, den feinstofflichen Körper als formlos zu bezeichnen, da seine Gestaltlosigkeit relativ ist. Die Lehre spricht von Unkörperlichkeit, doch nicht von Gestaltlosigkeit. Darüber hinaus wird in den esoterischen Lehren behauptet, daß diese uranfänglichen feinstofflichen immateriellen Körper schöne Formen hatten. Man kann nicht sagen, daß sie mit unserer gegenwärtigen physischen Form nichts gemein hätten. Wir sollten daran denken, daß ja der feinstoffliche Körper der Prototyp des physischen Körpers ist. Natürlich, der primitive, physische, hochtierische Typ war in seiner Erscheinung vom feinstofflichen Körper oder von der ihm eingelagerten geistigen Wesenheit weit entfernt.

       Viel richtiger und verständlicher wäre es zu sagen, daß das menschliche Wesen am Beginn der irdischen Evolution zwar keinen Intellekt besaß, doch in seiner geistigen Entwicklung uns voraus war. Geistigkeit ist vor allem Bewußtsein, und Bewußtsein ist die Grundlage des Universums. Jedes Atom hat sein Bewußtsein, denn wo immer es Leben gibt, gibt es Bewußtsein; allerdings sind die Abstufungen endlos. Es ist wahr, daß es in der feinstofflichen Welt halbbewußte oder auch unbewußte posthume Zustände gibt, doch nur in Fällen, wo Geistigkeit entweder schlummert, nicht vorhanden ist oder wenn eine Person im irdischen Leben versäumte, höhere Fähigkeiten zu entwickeln und so die Verbindung mit ihren geistigen Zentren löste. Allein diese Verbindung verleiht uns die wahre Unsterblichkeit eines Gottmenschen oder Archaten; wenn die Einheit des Gemüts geistiges Bewußtsein erlangt, vermag man die Bezeichnungen ”Gefühlswissen”, ” Hellsichtigkeit” und ” Hellhörigkeit” zu verwenden. Wenn man daher von der Geistigkeit des ursprünglichen Menschen spricht, ist es besser, Ausdrücke wie ”geistiges Bewußtsein”, ”geistiges Sehen” und ”geistiges Hören” zu verwenden.

       Ich will jetzt einige Aussprüche aus meinem Buch, das ich nun bald zusammenstellen möchte, anführen, die Ihnen von Nutzen sein könnten: ”Die geheime Lehre besagt, daß der Hermaphrodit in Wirklichkeit nie existierte. Es gab einige individuelle, mißglückte Fälle, die aber bald verschwanden. Doch die Theorie von den Zwillingsseelen hat eine reale Grundlage und ergänzt in gewisser Weise das Symbol des Androgyn. Alle Symbole des Androgyn bezwecken, auf die Notwendigkeit der Zwillingselemente im Kosmos nebst allen Ergänzungen für die Erhaltung des Lebens und des Gleichgewichts hinzuweisen. Alle Legenden über die Seelenverwandtschaft gründen auf einer großen Wahrheit, weil im ursprünglichen Gesetz die Einheit der zwei Elemente im Grunde bestimmt ist … Feuer ist seiner Natur nach dual, daher war in den alten Mysterien über jedem Kelch eine duale Flamme. Alle Götter der alten Mysterien hatten ihre Gattinnen, welche die kosmische Energie personifizierten. Alle Schriften und heiligen Bildnisse weisen auf dieses fundamentale kosmische Gesetz hin. Differenzierung resultiert aus der Trennung der Elemente, und getrennte Elemente werden in ferne Sphären getrieben. Der Magnet, der in den Elementen seit Äonen bestand, wird nach vollständiger Umwandlung und Reinigung der Elemente diese sammeln und wieder vereinigen. Dies wird die ”Große Krönung” oder ”Die Krone des Kosmos” genannt.

       Bis jetzt wurde dieses Wissen zweckdienlich verborgen gehalten, weil die Menschen nicht bereit waren, es in seiner ganzen Reinheit und Schönheit anzunehmen. Doch die Menschheit hat in dem Augenblick ihren Wendepunkt erreicht, wo Geistigkeit herrscht, andernfalls droht dem Planeten der Untergang. So muß dieses geheime kosmische Gesetz allmählich Eingang finden und aufgenommen werden, damit die fürchterlichen sexuellen Ausschweifungen gebändigt und gereinigt werden.

       In der geistigen Vereinigung der Dualelemente liegt eine große Schönheit, doch auf der physischen Ebene sind die Dinge vom Geistigen weit entfernt. Ein Formenwechsel kann sich in Übereinstimmung mit der Bewußtseinserweiterung vollziehen. Schöne Gefäße sollten nur in schöner Umgebung verwendet werden. Doch in allem muß der Befehl des Geistes vorherrschen. So hat der häßliche Hermaphrodit oder die Menschen mit zwei Wirbelsäulen oder anderen phantastischen Besonderheiten, die in den Vorstellungen einiger unwissender und häßlich denkender Schreiber leben, keinen Platz in der künftigen Evolution. Evolution schreitet fort auf dem Weg der Schönheit, und die künftigen Rassen werden entsprechend ihrem geistigen Fortschritt verbessert und verfeinert werden. Zu Ende der sechsten und zu Beginn der siebenten Rasse wird sich die Materialisation des Astralkörpers vollziehen. Diese Verbesserung der Formen und das Wachsen der Geistigkeit könnte durch richtige Vereinigung oder Ehe beschleunigt werden. Die Große Bruderschaft ist bereit, der Menschheit zu helfen, dieses heilige Wissen zu nutzen.

       Jetzt gehe ich zur nächsten Frage über. Trennung der Geschlechter bedeutet, daß nach dem Versenken in die grobe Materie der Magnet der Elemente schwach wurde und die Menschen begannen, sich zu vermischen und unrichtig zu vereinigen, nicht dem Naturgesetz entsprechend. Der große Märtyrer Origenes drückt es wunderbar aus: ”Witwen sind jene Seelen, die den unzulässig angetrauten Gatten verließen, aber Witwen bleiben, weil sie noch nicht so vollkommen sind, um mit ihrem Himmlischen Bräutigam vereint zu werden.” Allerdings müssen wir in Betracht ziehen, daß gemäß Ruffin, dem Biographen des Origenes, dessen Schriften viele ”Berichtigungen” erfuhren; andernfalls wären sie nie veröffentlicht, ja sogar vernichtet worden. Es ist offensichtlich, daß auch hier eine ”Berichtigung” vorgenommen und das Wort ”Bräutigam” (Bridegroom) mit dem Großbuchstaben ”B” geschrieben wurde, um zu verstehen zu geben, daß Christus gemeint war. Doch an anderer Stelle desselben Werkes – ”über die Elemente” –, wo auch von Frauen gesprochen wird, die nicht mehr mit ihrem legitimen Gatten leben, sondern allein gelassen als Witwe betrachtet werden, weil sie ihren Bräutigam noch nicht verdienen, ist das Wort ”Bräutigam” (bridegroom) mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben. Sicherlich gibt es auch entgegengesetzte Fälle, wo der Bräutigam seine Braut noch nicht verdient, doch konnten solche Dinge früher geschrieben werden!? Ist es nicht ein Verspotten der heiligen Dinge, wenn die heutige Kirche erklärt, daß ökumenische Heirat (obwohl symbolisch), Christus im Auge hat? Ich war darüber immer empört. ”

       Und jetzt zu Ihrer Frage über Karma. Ein Mensch kann in jedem Leben einen bestimmten Teil seines alten Karma, das ihn in einer Inkarnation ereilt, abtragen; und er schafft natürlich auch neues Karma. Doch ist sein Bewußtsein fortgeschritten, kann er das aufgespeicherte Karma schneller ausleben und das von ihm neu geschaffene Karma wird von höherer Qualität sein. Darüber hinaus wird infolge des gereinigten Denkens das alte Karma nicht mehr so schrecklich für ihn sein, und die gereinigte Aura wird auf die Rückschläge ganz anders reagieren. Auf diese Weise kann sich der Mensch aus dem scheinbar verhexten Kreis des Karma befreien. Doch das trifft nur für das irdische Karma zu, das den Menschen zur Erde zieht, denn solange es Bewußtsein und den Gedanken gibt, kann Karma nicht ausgelöscht werden. Karma, das sich in Übereinstimmung mit den kosmischen Gesetzen vollzieht, wird seine Qualität unendlich verbessern und neue Kreise ziehen, sich aus ihnen befreien und so bis ins Unendliche.

       Individuelles Karma ist immer das grundlegende und wird erstens durch Veranlagung, Gedanken und Beweggründe des Menschen gebildet – Taten sind sekundäre Faktoren. Die Buddhisten sagen ”Karma ist der Gedanke”. Wäre es anders, könnte der Mensch sich nie von Karma befreien. Wahrlich, das individuelle Karma, das fundamental und bestimmend ist, kann sowohl die Entstehung als auch die Tilgung aller anderen Arten von Karma beeinflussen. Indem der Mensch sich selbst schadet, schadet er anderen. Im Kosmos ist alles verbunden und verflochten, und vom gesamten Rest des Karma kann nichts abgetrennt werden. Individuelles Karma kann daher von anderen Karmaarten, wie Gruppenkarma, Rassenkarma etc., nicht getrennt werden. In der Lehre ist gesagt, Funken des Schaffens sickern auf dem Pfad des Karma nur mit Schwierigkeit durch und noch weniger wird die karmische Wahrheit verstanden. Die eigene Einschätzung des Karma kommt nicht von außen. Jede Zelle birgt Karma. Der Geist trägt seinen Erfolg und seine Rüstung mit sich.”

* * *

       Wenn die Einteilung in Klassen und Kasten in der Vergangenheit ihren Zweck erfüllte, so ist sie heute doch vollkommen unsinnig und stagnierend. Klassen und Kasten sind für das große Mißverständnis zwischen der sogenannten ”gebildeten” Klasse und dem gemeinen Volk verantwortlich. Diese schreckliche Kluft, dieser Bewußtseinsunterschied, ist sehr tragisch und bedroht nun unsere ganze Kultur. Es gibt jedoch einen großen Fortschritt im Bewußtsein der breiten Massen; die Menschen fühlen instinktiv die fundamentale Gleichheit des Geistes. Doch in ihrer Unwissenheit können sie das große Prinzip der wahren gesetzmäßigen Hierarchie, das dem Gesetz der Evolution zugrunde liegt, nicht wahrnehmen, und so nehmen ihre schrecklichen Proteste auf dem ganzen Planeten kein Ende. Das Hauptproblem der Regierungen sollte daher die Bildung der Massen sein, andernfalls wird die Hydra der Finsternis alles verschlingen. Wissen allein sollte ein Vorrecht einräumen, nicht Klassenbewußtsein. Die Anhänger der Klassensysteme berauben sich des wahren Wissens und entfachen die Leidenschaften des finsteren Bewußtseins. Furchtbar, schrecklich ist die Hydra der Finsternis und Unwissenheit!

       Es ist unrichtig zu denken, daß das Vermischen der Klassen das Karma der Menschen negativ beeinflussen könnte. Gegenwärtig bietet die gesunde, geistig vernünftige Bauernfamilie die beste Umgebung für einen hochentwickelten Geist. Ob einer in einem Palast oder in einem Winkel einer Schusterhütte geboren wurde, sollte nicht als das Ergebnis der Klassenvermischung angesehen werden, denn dies geschah eher zum Zweck der Erfüllung eines persönlichen Karma oder eines anderen bestimmten Auftrages. So war Jakob Böhme ein Schuster, doch dies aus dem einen Grund, weil er zu jener Zeit damit seine große Aufgabe am besten erfüllen konnte, – im vergleichenden Frieden. Das schreckliche Karma der Menschheit ist die Folge der Verletzung der kosmischen Gesetze, beginnend mit der Geburt, doch es ist nicht die Folge der Vermischung der sozialen Schichten. So wird die Heirat in Zukunft wissenschaftlich gehandhabt werden. Es ist gesagt, daß die Menschen sich entsprechend ihrer Verwandtschaft mit bestimmten Elementen verbinden sollten.

       Durch Mißachtung dieser fundamentalen Gesetze schuf sich der Mensch das bittere Karma des Niedergangs. Der Kontrast zwischen den Aufspeicherungen eines hochentwickelten Geistes und der bescheidenen Umgebung, in die er hineingeboren wurde, ist nicht von solcher Bedeutung wie die Disharmonie zwischen den Grundelementen der Eltern. Diese ist die Ursache aller Arten geistiger Degeneration. Nur durch Armut und Not wird die Macht eines starken Geistes entwickelt. Die Anstrengungen, die er vollbringt, um die Schwierigkeiten zu bewältigen, sind wertvoller und wohltätiger als Erfolg.

       Nun über die HERREN des KARMA. Viel Verwirrung umgibt diesen Begriff. Kann man sich vorstellen, daß durch die Herren des Karma den Milliarden von inkarnierten Seelen das Karma zugeteilt wird? Doch wir hören solche Absurditäten. In den Büchern der Lehre lesen wir: ”Für den Dienst des Lichts offenbarte Kräfte greifen nicht in Karma ein, wie manche, die in die Bedeutung des Karma nicht eingeweiht sind, glauben. Die Kräfte des Lichts verfolgen die menschlichen Taten, weisen die Richtung, doch sie greifen nicht in das Leben ein. Dafür gibt es viele Beispiele. Es erscheinen Boten, Warnungen werden gesandt, die Richtung wird aufgezeigt, der Pfad gewiesen, doch die Wahl unter den vorbestimmten Möglichkeiten wird vom menschlichen Willen bestimmt. Auf diese Weise wird die Zusammenarbeit zwischen zwei Welten offensichtlich.”

       Gerade Selbständigkeit des Geistes kann ein besseres Karma zur Folge haben. So erklärt es sich, warum die Kräfte des Lichts den Geist nicht von verschiedenen Handlungen abhalten, die oft das zunichte machen, was festgesetzt war. Oft sind die Menschen verwirrt darüber, daß andere Pfade nicht aufgezeigt werden. Gleicherweise wundern sie sich, daß die Sendungen über verschiedene Kanäle bestätigt werden. Sie wundern sich darüber, warum die Kräfte des Lichts verschiedene Strömungen nicht abwehren. Laßt Uns darauf antworten: ”Die Kräfte des Lichts berühren das menschliche Karma nie. An dieses Gesetz muß auf dem Pfad zur Feurigen Welt gedacht werden.

       Das Gesetz des freien Willens verbietet Uns, eine Erscheinung zu klären, die finster zu sein scheint. Dasselbe Gesetz weist auf unsere sich kreuzenden Wege hin, wenn der freie Wille ein Herz zu einem Herzen lenkt.” (Feurige Welt, III)

       Die Verbreitung von Karma in der Feinstofflichen Welt im Zwischenstadium der Seele könnte stärker hervorgehoben werden. Ich führe einen Paragraphen der Lehre an: ”Karma erstreckt sich auf alle Handlungen in allen Welten. Genauso wie Karma beschleunigt werden kann, kann es auch hinausgeschoben werden. Eine Verstärkung des Karma wirkt sich auf das nachfolgende Leben aus. Auch alle Zwischenstadien werden von einer Erschwerung des Karma beeinflußt. Die Feinstoffliche Welt ist mit der irdischen in enger Verbindung, und es ist notwendig, das Denken in dieser Richtung zu verstärken. Wer die Bedeutung der Verbindung dieser zwei Welten versteht, wird in seinen irdischen Taten vorsichtig sein. Vorsicht gegenüber allen Energien kommt dem strebenden Geist zugute. Ein Haupthindernis ist Unverständnis gegenüber der Wirklichkeit des räumlichen Lebens, daß nämlich alles umgewandelt wird und daher alles gesühnt wird. Richtig ist auf das Gesetz des Karma hingewiesen worden, auf das Gesetz des Karma in Unendlichkeit. Vollkommene Bestrebung reicht bis in die Unendlichkeit, und so unbegrenzt sind auch die Möglichkeiten. Laßt uns auf dem Pfad zur Feurigen Welt ein bewußtes Verhalten zum Karmagesetz bekunden …

       Umwandlung der Zentren stärkt die schöpferischen Energien, die für den Übergang in die Feinstoffliche Welt erforderlich sind. Jedes geistige Streben erzeugt Ablagerungen, die beim Übergang in die Feinstoffliche Welt einen Aspekt von feinen Energien annehmen. Daher ist es so wichtig, in die höheren Sphären zu streben. Entzückung des Geistes und Freude des Herzens verleihen jene Energien, die den feinstofflichen Körper nähren. In der Tat, nur ein mit höheren Impulsen erfülltes Gefühl verleiht die nötigen Energien. Man muß verstehen, daß Imperil und grobe irdische Wünsche häßliche Geschwüre erzeugen, die der Geist im feinstofflichen Körper heilen muß. Geschwüre des Geistes werden in die feinstoffliche Welt hinübergenommen, wenn man sich nicht auf Erden von ihnen befreit. Befreiung von der physischen Hülle bedeutet nicht Befreiung von geistigen Geschwüren. Wenn der vor der Trennung von der Erde stehende Geist erkennt, wie er seine Energie genutzt hat, dann hat das Bewußtsein einen großen Teil gutgemacht. Doch das Bewußtsein muß zum Gedanken an die höheren Welten gelenkt werden. Selbst der schwerste Verbrecher kann auf das Verständnis für die Last des Karma hingelenkt werden, doch dafür ist es notwendig, die sozialen Zustände zu ändern. So sollte man sich auf dem Pfad zur Feurigen Welt an den Gedanken der Umwandlung der Zentren gewöhnen, denn Befreiung vom Körper bedeutet nicht Befreiung von geistigen Geschwüren.” (Feurige Welt, III)

       Bitte verwenden Sie okkulte Literatur mit äußerstem Unterscheidungsvermögen. Und werden Sie nicht zu abstrakt; die Dinge müssen so konkret wie möglich vorgestellt werden.

6. Mai 1934

       Sie sagen, Sie seien monogam. Dies ist zweifellos sehr wichtig für jeden ernsthaften Schüler. Doch für den wahren Fortschritt sollte die hingebungsvolle Liebe auf einen einzigen Lehrer gerichtet sein. Es gibt einige Lehrer der Großen Bruderschaft, die Schüler annehmen und sie lenken. Jeder, der den Pfad der Schülerschaft betritt (und dies bedeutet nicht nur Studium okkulter Schriften), muß sich zuerst in der Tiefe seines Herzens für den ihm am nächsten stehenden Lehrer der Bruderschaft entscheiden und sich ohne jedwede Einschränkung oder Bedingungen der Hohen Führung völlig hingeben. Doch sehr oft vergeudet der Gerufene und Strebende im Wunsch nach unverzüglichem Fortschritt seine Kräfte und sucht gleichzeitig nach anderen Großen Lehrern und Lehren. Durch diese Zwei- und Dreiteilung verwirkt er seinen Platz in der Stufenleiter des Aufstiegs. Überlegen Sie alles, was in der Lehre über die Wahl des Lehrers gesagt ist!

       Ich will nun einen Paragraphen aus der Lehre anführen: ”Sich im Herzen auf den Herrscher zu festigen, ist die erste Bedingung auf dem Pfad zur Feurigen Welt. Ohne diese feurige Forderung kann man die bestimmten Tore nicht erreichen. ”Führung” muß allerdings im Geist und im Herzen erkannt werden, denn nur die Hand des Herrschers anzunehmen, ohne ihm mit dem Herzen ergeben zu sein, ist unzulänglich. Das Gesetz, das den Lehrer mit dem Schüler vereint, muß verstanden werden, denn ohne feurige Hingebung an den Herrscher kann es keine Verbindung geben. Eine völlige Annahme der Führung bedeutet eine bewußte Verwandtschaft, denn man muß im Herzen die Wärme fühlen, die aus den Tiefen des Geistes aufsteigt. Es ist besonders notwendig zu fühlen und zu erkennen, wodurch das Wesen des Herrschers mit jenem des Schülers verbunden ist. So muß man daran denken, daß auf dem Pfad zur Feurigen Welt Schwingungen und Karma verbindende Glieder darstellen.” (Feurige Welt, III)

       Ja, es ist äußerst gefährlich, auf den ersten Stufen seine Kräfte zu zerstreuen. Vergessen Sie die Jahre der Bewährung und die Anpassung des Organismus nicht. Alle echten Schüler, die den Pfad des Dienens beschreiten, müssen diesen Prozeß durchmachen. Selbst ganz hohe Geister sind davon nicht ausgenommen. Alles vorher Gesagte ist für einen theoretischen Okkultisten natürlich nicht durchführbar. Doch wenn ich Sie recht verstehe, wollen Sie in die Gruppe echter Schüler eingereiht werden, und wie Sie sagen, ist es Ihr einziger Wunsch, dem Lehrer zu begegnen und unter seiner Führung zu arbeiten. Ich bin bestimmt noch niemandem begegnet, der, nachdem er, wenn auch nur oberflächlich, mit der Lehre bekannt geworden ist, nicht seine irdischen Lasten abwerfen und sich mit dem Lehrer und seiner Gemeinschaft verbinden wollte. Gewöhnlich wollen jene, die von der Lehre nur ganz oberflächlich etwas hörten, gleich in die Gemeinschaft der Großen Bruderschaft aufgenommen werden! Viele von ihnen haben nicht die geringste Vorstellung davon, daß ihr physischer Körper der ungeheuer angespannten Atmosphäre, die dieses Bollwerk umgibt, wohl kaum gewachsen ist. Man muß bedenken, daß hier auf Erden, inmitten der geistigen Kämpfe, inmitten aller Lasten und Schwierigkeiten des Lebens, inmitten aller prüfenden Kleinigkeiten des Alltags, eine Umwandlung des Organismus und der Nervenzentren vor sich gehen muß. Nur dieser Kampf erweckt die notwendigen Energien für die Umwandlung und das Ausleben aller primitiven Gewohnheiten und Neigungen. Das irdische Leben ist wahrlich ein Fegefeuer, und ohne dieses zu durchschreiten, ist es nicht möglich, ins Paradies einzutreten oder in die Bruderschaft zu gelangen. Diese Feuer der höheren Energien würden sonst die überlastete Aura verbrennen. Die Gemeinschaft der Bruderschaft ist von der allgemeinen irdischen Umgebung zu weit entfernt, um den notwendigen Prüfstein abzugeben.

       Darüber hinaus greifen die Herrscher ohne Ausnahme nie in das Karma des Menschen ein. Allein Karma kann eine Person in Ihre Gemeinschaft führen. Wenn daher solch ein Karma reif ist, kann nichts seine Verwirklichung aufhalten, ausgenommen der Mensch selbst. Möge dieses Gesetz Sie anfeuern! Wenden Sie Ihre ganze Bestrebung auf, um im Leben das zu üben, was Sie den Büchern der Lehre entnommen haben; überlassen Sie das übrige Ihrem Karma und dem großen Wissen des Herrschers.

       Nicht immer war es den Großen Seelen, die bestimmte Aufgaben zu erfüllen hatten, möglich, in ihrem irdischen Leben die Gemeinschaft der Großen Bruderschaft aufzusuchen. So ist beispielsweise Apollonius von Tyana in die Bruderschaft gerufen worden, doch da Er in seiner Inkarnation als Origenes die sehr schwierige Aufgabe auf sich nahm, die Reinheit der Lehre Christi zu erhalten, litt er im Gefängnis, anstatt in der Heimstätte der Bruderschaft zu weilen und hier an der freudvollen Arbeit teilzunehmen.

       Sagen Sie den Freunden, daß sie das Ende der Welt nicht 1936 zu erhoffen haben, wie dies vorausgesagt wird. Dergleichen wird nicht geschehen; es werden zwar wichtige Ereignisse eintreten, doch seien Sie versichert, daß es für jene, die mit ihrem ganzen Herzen an den Großen Lehrer gebunden sind, keine Gefahr gibt, durch kosmische Kataklysmen und Katastrophen vernichtet zu werden. Zur gegebenen Zeit werden alle verstreuten Weggefährten gesammelt werden, doch nicht gerade im Himalaja, weil es auch andere, nicht minder wichtige Orte gibt. Man sollte den Raum nicht mit festgesetzten Fristen belasten; doch es ist ratsam, geistig immer wachsam und zum Hinübergehen bereit zu sein. Obwohl es für die Zukunft die beste Übung ist, vorbereitet zu sein, um sich jederzeit trennen zu können, sollte man umso mehr Gewissenhaftigkeit und Fürsorge im täglichen Umgang bekunden.

* * *

       Die Errungenschaften des Hatha Yoga sollte man nicht überschätzen und glauben, daß ”die Adepten des Hatha Yoga in der Fähigkeit, Kundalini zu entfachen und verschiedene Siddhis zu erreichen, mit jenen des Raja Yoga auf einer Stufe stehen oder daß sie Seligkeit und Überwindung der Materie erlangen”. So ist es nicht! Die erlangte Stufe der Glückseligkeit solcher Adepten ist sehr relativ, und durch Hatha Yoga erlernen sie es nie, die Materie zu überwinden (in dem Sinn, wie es die Großen Lehrer verstehen). In der Lehre ist gesagt: ”Wir kennen keinen, der durch Hatha Yoga das Ziel erreichte.”

       Auch die Entwicklung der niederen Siddhis, welche die Hatha Yogis durch beharrliche und furchtbar schwierige mechanische Übungen erlangen (die westliche Literatur kennt nicht die Hälfte von diesem Entsetzlichen), ist nicht dauerhaft, und in ihren späteren Inkarnationen können diese Siddhis alle wieder verlorengehen. Wertvoll und von Dauer sind nur jene Errungenschaften, die sich ganz natürlich vollziehen, denn sie sind das Ergebnis innerer geistiger Entwicklung und können nicht verlorengehen. Nur auf diese Weise können die mächtigsten Erscheinungen erreicht werden. Hatha Yoga-Übungen sollten ein leichtes und sehr vorsichtiges Pranayama, das die Gesundheit stärkt, nicht überschreiten, andernfalls können sie schaden und zu Mediumismus, Besessenheit und Wahnsinn führen.

       Ganz richtig erachten die Inder von hoher geistiger Entwicklung den Hatha Yoga als sehr unangebracht und sagen, daß er bestenfalls für ”fettleibige und kranke Menschen” geeignet erscheint. Auch Vivekananda, von dem man jetzt sehr viel spricht, obgleich er Beispiele von gräßlich dämonischen Personen anführte, von denen er wußte, daß sie erstaunliche Wunder vollbrachten und aufgegebene Kranke durch einen Blick heilen konnten, war sehr gegen die sogenannten Siddhis und diese Wunder eingenommen.

       Für alle geistigen Lehrer ist daher der Magnet ihres Herzens die wesentlichste Prüfung, ihre okkulte Fähigkeit, die Umgebung geistig zu verändern und das Bewußtsein sowie das ganze Wesen ihrer Schüler zu verwandeln. Ihre Fähigkeiten liegen nicht in den sogenannten Wundern. Den feurigen Strahl der Synthese erlangt man durch offene Zentren und nicht durch niedere Siddhis. Wenn das Bewußtsein nicht mit dem Hohen Ideal in Wechselbeziehung steht, kann Pranayama nie die notwendige Reinigung verleihen und gute Ergebnisse zeitigen. Die höheren Yogaarten benötigen kein Pranayama. Jeder Kuli in Indien kennt Pranayama; der Durchschnittsinder vollführt es täglich, und trotzdem ist man von geistiger Errungenschaft weit entfernt. Verlassen Sie sich daher nicht nur auf Pranayama.

       Die höchste Errungenschaft eines Yogi ist das Öffnen des Auges Dangma; dies darf jedoch nicht mit Hellsehen verwechselt werden. Es ist das Erwachen der Wahrnehmungsfähigkeit, die nicht durch mechanische Mittel entwickelt werden kann, sondern das Ergebnis von Aufspeicherungen unaufhörlichen geistigen Strebens in Tausenden von Jahren ist, und dies offenbart sich durch im ”Kelch” gespeicherte feinste Energien. Ein echter Yogi sollte sein Bestes versuchen, diese alten Aufspeicherungen zu heben und neue zu sammeln und zu bewahren, andernfalls ist er nur ein belesener Okkultist.

       Ganz irrig ist es auch zu glauben, daß ”ohne die selbstlose Arbeit der Hatha Yogis die okkulte Wissenschaft nie die richtige Vorstellung von der Astralebene erlangt hätte…” Solch eine Behauptung gleicht einer Feststellung, wonach Ruhmkorff und Crookes ohne die Arbeit heutiger unerfahrener Kollegen die Grundlagen der Physik und Chemie nicht zugänglich gewesen wären! Oder daß ein Agrarfachmann von der Zusammensetzung des Bodens weniger verstände als ein gewöhnlicher Bauer.

       Darüber hinaus ist der Unterschied zwischen Raja Yoga und Hatha Yoga gerade ein qualitativer und nicht ein quantitativer, wie Sie glauben. Hatha Yoga kommt über niedere psychische Phänomene nicht hinaus und es gibt keinen Fall, wo ein Hatha Yogi zum Raja Yogi wurde – ihre Wege sind gänzlich verschieden. Die wahren ”wirksamen Perlen” enthalten Raja, Jnana, Bhakti und Agni Yoga, aber nicht Hatha Yoga, wie manche unwissende Leute glauben. Auch kann man künstliche Perlen den echten nicht gleichsetzen. Folgende Gedanken sind mir darüber hinaus nicht ganz verständlich: ”Nichtsdestoweniger verleiht auch Hatha Yoga seinen Adepten wirksame Perlen hoher Errungenschaften; ähnlich muß jeder Okkultist die Errungenschaft des Agni Yoga als einen ungeheuren Sieg des Geistes über das Fleisch erachten …” Hier wird Agni Yoga mit Hatha Yoga wieder auf dieselbe Ebene gesetzt, wogegen diese zwei Yogasysteme einander doch diametral gegenüberstehen. Es ist gesagt: ”Wahrlich, es muß gründlich erkannt werden, daß Agni Yoga mit Hatha Yoga nichts gemein hat!” Agni Yoga befaßt sich mit der höchsten feurigen Umwandlung der Zentren, was durch keine mechanischen Methoden erreicht werden kann, sondern eine direkte überwachende Einwirkung des Großen Lehrers erfordert. Die große Errungenschaft des Agni Yoga kann nur von einem Geist erlangt werden, der im Zentrum des Kelches über in Jahrhunderten gesammelte geistige Aufspeicherungen verfügt, während gerade das für Hatha Yoga völlig unwichtig erscheint.

       Eine andere für Agni Yoga sehr wichtige Sache ist es, daß die Errungenschaften im täglichen Leben erreicht werden müssen, wohingegen alle anderen Yogasysteme (ausgenommen Karma-Yoga) die Zurückziehung aus dem Leben verlangen und so für die gegenwärtige und künftige Evolution unzulänglich sind.

       Es ist ebenfalls ein Irrtum, jeden Anfänger im Yoga als einen ”Yogi” zu bezeichnen. Yoga – oder Vereinigung – wird nur durch harte und ständige geistige Übungen erreicht und kann, wie oben gesagt, nur durch karmische Aufspeicherungen beschleunigt werden. Daher ist es unrichtig zu sagen, daß ein Raja Yogi manchmal zum Fanatiker wird, ein Jnana zum intellektuellen Spekulanten und ein Bhakti zum Glaubenseiferer, der sich über ”gerechte Bestrafung” der Ketzer freut. Es wäre richtiger zu sagen, daß ”jene, denen entsprechende Veranlagungen anhaften, in ihren späteren Inkarnationen Raja Yogi werden können, was sich vorerst in Fanatismus äußert; daher jene, die zu Jnana neigen, als intellektuelle Pedanten erscheinen, und jene mit Hang zum Bhakti heute Bigotte sein können.” Hat man jedoch einmal die Stufe des echten Yoga erreicht (ob Raja, Bhakti oder Jnana), kann es eine Entartung der führenden Grundsätze auf solch starke Weise wirklich nicht mehr geben. Ein König des Geistes kann nicht fanatisch werden, und ein Jnana-Philosoph, der über das Auge Dangma verfügt, kann kein eitler intellektueller Pedant sein, noch kann ein Bhakti – ein Herrscher des kosmischen Magneten des allumfassenden Herzens – sich über ”gerechte Bestrafung” freuen. Wenn die Lehre andeutet, daß ”Zeichen des Hatha Yogi in einem unerträglichen Athleten, Zeichen des Bhakti Yogi in einem Bigotten und Zeichen des Raja Yogi in einem Fanatiker” vorhanden sind, wird auf die charakterlichen Veranlagungen hingewiesen, die zu der einen oder anderen Art von Yoga führen können, sobald sie durch geistiges Feuer umgewandelt werden. Doch nicht umgekehrt!

       Man sollte auch einsehen, daß Hatha Yoga vor allem deshalb gefährlich ist, weil er den Astralkörper stärkt, so daß dieser für eine lange Zeit in den niederen Astralebenen festgehalten wird, was die Evolution des Geistes hindert. In den Tempeln Indiens war und ist es auch heute noch Brauch, für bestimmte niedere Phänomene astraler Art Hatha Yogis zu halten. Diese werden angehalten, ein sehr reines Leben zu führen, in höhere geistige Mächte werden sie aber nie eingeweiht. Und wenn solch ein Hatha Yogi aus dem Tempel scheidet, wird er nie wieder aufgenommen, denn es kann sein, daß er, frei geworden von der hohen Überwachung, in die niederen Sphären der Feinstofflichen Welt gerät, und solch ein Yogi wird ein Opfer und oftmals Werkzeug der finstersten Kräfte. Das ist der Grund, warum die Hierophanten in Ägypten es vermieden, medial veranlagte Schüler sowie lymphatische Diener aufzunehmen. Kein einziges Medium, kein Lymphatiker kann ein echter Agni Yogi werden.

       Die Großen Lehrer sorgen sich über das Vorherrschen des niederen Psychismus auf Kosten echter Geistigkeit. Ohne das Verstehen und die Anwendung der LEBENDIGEN ETHIK, ohne Geistigkeit, kann der niedere Psychismus zu beklagenswerten Folgen führen. Um als Schüler aufgenommen zu werden, ist es daher vor allem notwendig, Selbstvervollkommnung zu üben, sich moralisch und geistig zu bessern und die Lehre im Leben anzuwenden. Dies wird das Bewußtsein erweitern und das notwendige Gleichgewicht verleihen. Die Lehre ist schön und wahr, wenn sie erkannt wird, doch Tricks des Pseudookkultismus sowie der Magie führen nicht zur echten Schülerschaft.Wenn das Gefäß aus der Höheren Quelle gespeist werden soll, muß die entsprechende hohe Schwingung hergestellt werden. Die Anwendung der LEBENDIGEN ETHIK im Leben ist der schnellste Weg zum Ziel.

       Groß ist die Aufgabe, das Bewußtsein der Menschen durch Heldentat (”Podwig”) zu entfachen, weil das menschliche Wesen dadurch verwandelt werden kann. Vielleicht war nie im Leben der Gedanke an die Heldentat von solcher Bedeutung wie gerade jetzt. ”Podwig” – welch schönes Wort! Wie ausdrucksvoll! Ungeachtet dessen, wie bemerkenswert es ist, gibt es in keiner anderen westlichen Sprache ein Äquivalent dafür. So bedenken Sie bitte, daß Vereinigung mit dem Lehrer nur über das Herz, durch reines Denken sowie die stete unermüdliche Arbeit der Selbstaufopferung erreicht werden kann.

       Und nun eine weitere Warnung: Theoretischer Okkultismus ist sehr gefährlich. Der Markt ist mit vielen schädlichen Büchern überfüllt. Vielleicht (und es ist gut so) wurden nicht alle in die russische Sprache übersetzt. Es ist gesagt, daß ”viele von ihnen durch Hände geschaffen wurden, die jeder Schönheit, jedes Wissens und jeder Ehrlichkeit ermangelten.”

       Vom großen Lehrer wurde gesagt, daß ”nur Frau Blavatsky echtes Wissen besaß”, und es ist unsere Pflicht, das Gedenken an diese große Märtyrerin zu rehabilitieren. Würden Sie alle verleumderischen Schriften über Frau Blavatsky kennen sowie den ganzen Verrat und die Hinterlist, von der sie umgeben war, Sie wären entsetzt. Soviel Undank, Verwerflichkeit und Unwissenheit! Und vor allem aus letzterer rührt die ganze Niedertracht her.

* * *

       Sie fragen, ob Sie in dem Artikel ”Das Friedensbanner” nicht zuviel gesagt haben. Meine Antwort ist: Durch zu viele Untersagungen kann man Furcht erregen und die Bestrebung hemmen. Oft mag sogenannte Sorglosigkeit, wenn die Absichten gut sind, gut ausgehen, doch machen Sie daraus keine Regel. Sorgfalt und Vorsicht gehören zu den ersten Eigenschaften jedes Schülers, denn es muß ihm bewußt werden, mit welchen Energien er es zu tun hat.

       Ich bitte Sie, über meine Bemerkungen nicht ungehalten zu sein. Ich weiß, daß Sie mutig sind und ein echter Schüler und Mitarbeiter werden können, und daher schreibe ich Ihnen ohne Sentimentalität und Komplimente. Sie wissen, was die Lehre sagt: ”Die Lehre ist kein Honiglecken… nur wer stark ist im Geist, kann das Ziel erreichen und als Schüler angenommen werden.” Die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK ist in ihrer Lebendigkeit und Strenge sowie in der Kürze ihrer klaren Regeln schön.

25. Mai 1934

       Sie schreiben, daß die Menschen heute unfähig sind, geistige Ideen wahrzunehmen. Doch gab es je bessere Zeiten? Es scheint mir, daß es heute ein stärkeres Suchen nach Wahrheit gibt als je zuvor. Ernste Schwierigkeiten zwingen viele, über bestimmte Dinge nachzudenken und den gegenwärtigen Ereignissen tiefer auf den Grund zu gehen. Wir hatten das Glück, herrlichen Seelen zu begegnen, und viele von ihnen, obwohl sie großes Elend durchzumachen hatten, blieben standhaft und gaben ihre selbstlose Arbeit für das Allgemeinwohl nicht auf.

       Sie haben recht: Wir brauchen Synthese in unserer Zeit, doch die Menschheit kann sie nicht annehmen oder erkennen, denn Synthese oder Erleuchtung des Geistes ist eine der seltensten Errungenschaften. Diese Synthese ist eine Aufspeicherung vieler Energien, die in vielen selbstlosen Leben kristallisiert wurden. Gibt es aber viele selbstlose Arbeiter für das Licht? Daher kann die öffentlich gelehrte und gepredigte Synthese nicht die richtigen Ergebnisse zeitigen. Wie Sie selbst sagen, werden die Vorträge von vielen besucht, die dafür nicht reif sind und oft nur aus Neugierde kommen. Echte Suchende sind erwünscht, die soviel wie möglich aufnehmen können. Die geistigen Führer sollten natürlich über geistige Synthese verfügen und sie weise offenbaren. Sie sollten jeden Fall individuell studieren und entsprechend der Aufnahmefähigkeit gerade soviel mitteilen, als notwendig erscheint. Der Führer sollte für jeden die richtigen Worte finden. In seinem allumfassenden Herzen sollte für jeden Platz sein, der aufrichtig seine Hilfe sucht. Niemand sollte ihn mit dem Gefühl verlassen, durch die Breite seines Standpunktes beklemmt zu sein. Er sollte genau wissen, was eine Person aufnehmen kann, dann kann er Freude vermitteln.

       Sie schreiben, daß es in ihrem Land vielleicht leichter sein wird, die Synthese herzustellen. Wollen wir hoffen, daß der erwählte Führer solche Synthese besitzt, denn wahrlich, man kann in erster Linie nur durch Synthese aufbauen; das Unheil der jetzigen Zeit entsteht durch Mangel an Synthese im Geist der Führer.

       Ich zitiere aus der Lehre: ”Der Führer steht auf dem Gipfel, der nie verlassen werden kann. Nur ein geborener Führer kann die Grenze zwischen entgegengesetzten Begriffen herausfinden. Hinter verborgenen Grenzen wird der Teppich des Sieges gewoben. Jeden Tag, jede Stunde bezwingt der Führer Rätsel. Hier findet er Nachsicht und da bedarf es der Strenge. Natürlich, eines ergibt das andere, doch dazwischen ist ein Schwert der Gerechtigkeit. Nachsicht kommt aus dem Licht, doch Charakterschwäche aus der Finsternis. Dazwischen liegt auf dem Gipfel das Schwert des Führers. Schmal ist die Stelle, wohin das Schwert gelegt werden kann. Genauso schmal ist die Grenze zwischen Mut und Grausamkeit. Nur das Herz des Führers kann die Grenze fühlen.

       Das Rätsel der Gerechtigkeit ist nicht nur in großen Dingen; das ganze Leben ist erfüllt von diesen Rätseln. Daher teilt der Führer die Dinge nicht in ”Großes” und ”Kleines”. Die Aufmerksamkeit des Führers ist allen Entscheidungen gegenüber gleich wachsam. Der Führer bittet nicht um Rat, doch er ist immer bereit, Rat anzunehmen. Er kommt nie zu spät und wird durch langes Verweilen niemanden aufhalten. Er kennt den Vorzug, unerwartet zu erscheinen, und er kann im voraus die benötigte Zeit berechnen. Er sorgt sich nicht über Verleumdung, und er versteht, jedes Wort richtig zu gebrauchen. Er läßt sich nicht bestechen, da er nicht der Versuchung irdischen Wohlstands unterliegt. Er versteht die Bedeutung der Farbe und des Tons, denn er ist ein Heiler der Menschenherzen. Er freut sich über die Wahrheit, doch Illusion lehnt er ab. So ist der Pfad des Führers der Pfad der Wahrheit ”.

       So viele Vorschläge werden den Führern auf den Buchseiten der LEBENDIGEN ETHIK gegeben. Jedes Buch spricht von Toleranz, von der Fähigkeit des Erfassens und Begreifens – sind diese nicht wirklich die Grundlagen der Synthese?

26. Mai 1934

       Beigefügt finden Sie die Antworten auf Ihre Fragen:

       1.) Die Vorstellung der Einheit des Kosmos wurde der Menschheit in frühesten Zeiten in der ”Ersten Offenbarung” gegeben – deren Andenken in vielen heiligen Überlieferungen von Bildern und Schriften des Altertums bewahrt ist.

       2.) In alten Zeiten gab es in allen Nationen – wie auch noch heute – immer zwei Typen von Religion: eine für die Eingeweihten und eine für die Massen. Mit anderen Worten, eine esoterische und eine exoterische; und erwägt man den Entwicklungszustand der Massen jener Zeit, so ist das ganz selbstverständlich.

       3.) Für die Eingeweihten waren die Götter nur Personifikationen bestimmter kosmischer Kräfte. Dies erklärt oft die seltsamen Aspekte dieser Götter wie auch die tierähnlichen Symbole.

       4.) Moses war wahrhaftig ein großer Führer, und Sie sagen ganz richtig, daß er der Schöpfer Israels war. Moses war jedoch nicht verantwortlich für die Vorstellung des Monotheismus; diese Vorstellung bestand seit ältesten Zeiten. Daher ist die Ansicht, das jüdische Volk habe diese Vorstellung in die Welt gebracht, unrichtig.

       Moses war als Schüler der ägyptischen Priester in deren geheimes Wissen eingeweiht: Einheit des Kosmos, Einheit in seiner ganzen Vielfalt. Und die Vorstellung der Einheit bestätigte er als Monotheismus – genau gesagt, den Massen gegenüber, indem er Jehovah als einen Aspekt der Göttlichkeit darstellte. Es gab aber auch andere Gründe, warum das Bild Jehovahs zum Herrschenden Element oder Gott für das jüdische Volk wurde. Denken wir nur daran, wie weit fortgeschritten die Wissenschaft der Astrologie im alten Ägypten war. Jehovah war mit Saturn verbunden und Israel wurde als individuelles Volk unter diesem Planeten geboren.

       Obgleich die Vorstellung des Monotheismus in der exoterischen Religion der Juden besonders hervorgehoben wird, ist ihr heiliges Pantheon so reichhaltig wie jenes anderer Menschen, einschließlich der Christen: die Hierarchie der Kräfte, die Jakobsleiter und alle von der katholischen Kirche verehrten Planetaren Geister.

       5.) Moses war ein Jude, und alle Hinweise auf seinen ägyptischen Ursprung sind falsch. Auch vom rein psychologischen Standpunkt aus ist solch eine Meinung sehr unkritisch; die ganze Wesensart, die gesamte Entwicklung widerspricht dieser Epik des Moses total.

       6.) Moses war ein Führer und Herrscher im wahrsten Sinne dieser Begriffe, und ihm oblag die schwierige Aufgabe, aus einem Nomadenstamm, der sehr lange versklavt war und folglich viele negative Eigenschaften entwickelte, ein einheitliches Volk zu schaffen. Aus solch einem Stamm mußte er einen Staat aufbauen und ihm die Grundlagen des Aufbaus sowie eine Staatsform verleihen. Alle Andeutungen über die Grausamkeit und Rachsucht seiner Gesetze sind ganz unbegründet; studiert man seine Gesetze objektiv, dann ist man erstaunt, wie weise und barmherzig sie sind. Sie sind in mancher Hinsicht edelmütiger als unsere heutigen Gesetze. Und wenn wir als Realisten unsere eigene von Schrecken und grausamsten Verbrechen erfüllte Zeit betrachten, müßten wir die Grausamkeiten Moses’ richtig zu beurteilen wissen.

       Darüber hinaus: Würden Sie die Vernichtung von wilden, tiergleichen Menschen als grausam erachten? Denn es gab unter den aus Ägypten ausgewiesenen Israeliten viele unzivilisierte, tierähnliche Kreaturen – auch die Bibel stellt dies fest. Der Führer hatte das beste Menschenmaterial zu retten, aus dem er die künftige Nation aufzubauen hoffte. Daher war Strenge aus Gerechtigkeit und Barmherzigkeit notwendig. Strenge und Barmherzigkeit beruhen auf demselben Prinzip.

       7.) Auch in bezug auf den viel zitierten Ausspruch ”Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn” (Exodus 21:24), der immer als Beispiel der Rachsucht angesehen wird, glauben Sie nur nicht, daß dieser etwas mit dem unvermeidlichen Karmagesetz zu tun hat. Erwägen Sie folgende Worte Christi ”Ihr habt gehört, daß den Alten gesagt wurde: Du sollst nicht töten, wer aber tötet, der soll dem Gericht verfallen. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen. Wer aber seinem Bruder sagt ”Raka” (= ein Ausdruck der Verachtung), der soll dem Hohen Rat verfallen, wer aber sagt Du Tor (oder Du Gottloser), der soll der Feuerhölle verfallen” (Matth. 5:21-22). Diese von Christus gesprochenen Worte finden wir weit strenger als die Worte Moses’, wenn wir dabei nicht das Karmagesetz in Betracht ziehen. Laßt uns daher gerecht sein.

       Dann im gleichen Kapitel (17-18) sagt Christus: ”Glaubt nicht, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten zu zerstören. Nicht zum Zerstören, sondern zum Erfüllen bin ich gekommen. Wahrlich, ich sage euch, bis der Himmel vergeht mitsamt der Erde, wird nicht ein Jota oder ein Strichlein vom Gesetz vergehen, bevor alles geschehen ist ”. Und die Juden lebten, wie wir wissen, nach dem Gesetz Moses’. Die folgenden Verse (38-39) im selben Kapitel mögen etwas widersinnig erscheinen: ”Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ”Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn”. Ich aber sage euch: Widersteht dem Bösen nicht. Vielmehr, schlägt dich einer auf die rechte Backe, so halte ihm auch die andere hin”. Doch diese Feststellung Christi müssen wir auch mit dem Karmagesetz in Zusammenhang bringen. Ich will versuchen, dies noch näher zu erklären.

       Stellen wir uns vor, daß Moses sich dem Bösen nicht widersetzt und den übelsten und grausamsten Elementen erlaubt hätte, die Besten, die eine Vorstellung von Moral und Ordnung hatten, zu vernichten. Was wäre dann aus seiner Aufgabe geworden?! Seine Pflicht als Führer und irdischer Gesetzgeber war, sein Volk zu schützen und Ordnung aufrechtzuerhalten. Daher war es grundsätzlich notwendig, sich dem Bösen zu widersetzen. Alle Lehren des Altertums fordern, gegen das Böse aktiven Widerstand zu leisten. So pflegte Chinas weiser Gesetzgeber Konfuzius zu sagen ”Gutes für Gutes, doch für Böses Gerechtigkeit.”

       Im Kosmos tobt ein fortwährender Kampf zwischen dem sichtbaren und dem unsichtbaren Chaos. Es ist der Kampf der Kräfte des Lichts gegen die der Finsternis. Christus selbst widersetzte sich aktiv gegen das Böse, sofern wir dem Evangelium Glauben schenken wollen. Denken wir an die Vertreibung der Händler aus dem Tempel und an all seine strengen Anklagen gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Müßten wir Ihn nicht des Widerspruchs bezichtigen? Und wieder werden wir, wenn wir uns bemühen, die Worte Christi objektiv zu lesen, eine in ihrer Barmherzigkeit strenge Lehre wahrnehmen. Daher betrachte ich die Worte ”Widersteht dem Bösen nicht. Vielmehr, schlägt dich einer auf die rechte Backe, so halte ihm auch die andere hin” vom Standpunkt des Karma aus. Wenn dieses Karmagesetz ”Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn” unumgänglich und absolute Gerechtigkeit ist, so bedeutet es auf keinen Fall, daß wir es persönlich auf diese Weise erfüllen sollten. Tun wir es, so werden wir aus dem magischen Kreis von Karma nicht herauskommen. In der Tat, wir müssen unseren persönlichen Feinden vergeben, denn wer weiß, ob der erhaltene Schlag nicht ein nach dem Karmagesetz wohlverdienter Rückschlag ist? Doch durch Vergeltung eines solchen Schlages mit einem Rachegefühl im Herzen leben wir Karma nie aus, sondern wir verlängern und verstärken es auf für uns übelste Weise. Indem wir unseren Feinden vergeben, vermindern wir darüber hinaus die Summe des Übels im Weltenraum und werden gegen viele Schläge immun. Gleicherweise laßt uns die Worte ”Liebet eure Feinde …” verstehen. Jedoch trotz allem müssen wir uns dem Bösen widersetzen, wenn wir nicht ganz von ihm überwältigt werden wollen.

       Es gibt viele Arten, sich dem Bösen zu widersetzen. Vor allem durch die Kraft des Geistes und ohne Haß geleisteter Widerstand ist, okkult gesprochen, hundertfach stärker. Alle diese Behauptungen Christi beweisen, daß Er ein Eingeweihter war und die Stärke des Rückschlags kannte. In diesem Sinne sollte man auch die Worte im Deuteronomium (5. Buch Moses) ”Mein ist die Rache und Vergeltung” verstehen. Der Apostel Paulus verwendete diesen Denkspruch in seiner Epistel an die Römer. Wir sehen wieder, daß Christus nicht kam, um zu vernichten, sondern um das Gesetz zu erfüllen.

       Außerdem kennen wir die Gesetze des Moses nicht genau und vollständig. Laßt uns nicht vergessen, daß die ganze Bibel rekonstruiert ist, abgesehen von den vielen Ungenauigkeiten und Auslassungen in den zahlreichen Übersetzungen. Wir brauchen gar nicht das Alte Testament zu erwähnen, auch im Neuen Testament gibt es viele Widersprüche; zum Beispiel gibt es Unterschiede zwischen der englischen und russischen Version.

       8.) Die Kabbalah, wie jedes andere religiöse und philosophische System, ist ein Widerhall der Heiligen Lehren des Ostens – durch die Veden, Upanishaden, die Lehren von Ägypten, Chaldäa, Assyrien, von Orpheus, Pythagoras u. a. Auf jeden Fall ist das Substrat der Kabbalah anderen Systemen sehr ähnlich. Die Grundlagen der Kabbalah stammen aus dem fernen Altertum. In der ”Geheimlehre” von H. P. Blavatsky ist darauf hingewiesen, daß die Juden ihre Begriffe der Kosmogonie von Indien, Chaldäa und Ägypten entlehnt haben. Folglich mußte Moses, da er ein Schüler der ägyptischen Priester war, die Karmalehre gekannt haben. In der ”Geheimlehre” ist ebenfalls aufgezeigt, daß das jüdische Volk ursprünglich aus Indien kam. Einer der niederen Tamilenstämme kam aus Indien, und vermischte sich auf seinen Wanderungen durch Heirat mit den semitischen Stämmen.

       Weiter ist in der ”Geheimlehre” gesagt ”Da die Juden die Lehre Christi nicht annahmen, schlossen sie sich selbst von der weiteren geistigen Evolution aus.” Dies stellt einen Fall dar, der Seite an Seite mit anderen ähnlichen Fällen steht. Durch Ablehnung der von Christus gebrachten reinen alten Lehre sowie durch die Zulassung, daß er getötet und seine Jünger verfolgt wurden, haben die Juden sich ein schweres Karma aufgeladen. Auf die gleiche Art bereitete sich das indische Volk sein trauriges Schicksal durch Nichtannahme der Lehre Buddhas und durch Verfolgung seiner Schüler. Buddha brachte Indien Freiheit durch Ablehnung des Kastensystems; doch durch Ablehnung des Buddhismus wählte Indien Sklaverei. Die theoretische Annahme der Lehren Buddhas und Christi ist eine Sache für sich, doch es ist eine ganz andere Sache, sie zu befolgen und über das Herz zu verwirklichen. Ein wahrer Nachfolger Christi oder Buddhas ist, wer die einzige grundsätzliche und universelle Doktrin erkennt und danach lebt. Nur solch ein Nachfolger beschreitet den Weg der Evolution.

       Die Lehre Christi ist bis zur Unkenntlichkeit entstellt, und jetzt ist für die christliche Welt die Zeit gekommen, ihr Karma selbst zu bestimmen.

       9.) In dem Bestreben, ihre Kastenvorrechte zu wahren, fahren die Brahmanen fort, in unwissenden Gemeinschaften den fürchterlichsten Aberglauben zu hegen. In diesem Konglomerat von Aberglauben und Riten, deren ursprüngliche Bedeutung verlorenging, ist es schwierig, die Funken einstmals großen Wissens zu erhaschen. Doch die Brahmanen lehnen das Gesetz der Wiedergeburt nicht ab und fürchten es nicht, da sie davon überzeugt sind, daß jeder Brahmane als ”zweimal Geborener” in keiner niedereren Kaste inkarniert. In alten Zeiten bedeutete die Bezeichnung ”zweimal geboren” geistige Geburt oder Einweihung, doch später wurde sie zum kennzeichnenden Merkmal allgemein angeborener Eigenschaften jedes Brahmanen.

       Die meisten Brahmanen sind regelrechte Parasiten am kranken Körper Indiens. Die Degeneration dieses Landes ist ein unmittelbares Ergebnis des schrecklichsten, grausamsten Kastensystems. Doch heute lehnen sich die gebildeten Klassen Indiens bereits gegen die strenge Begrenzung der Kasten auf. In manchen Teilen Indiens ist es den unteren Kasten schon gestattet, die Tempel zu besuchen. Auch die Frauen Indiens erwachen bereits, und dies kann zum Hauptfaktor der Regenerierung des ganzen Landes werden.

       10.) Nun über die Schutzengel. Es ist wahr, daß jedes menschliche Wesen seinen eigenen Schutzengel hat. Doch wir dürfen diese Schutzengel nicht nur als Wesenheiten aus den höheren Sphären verstehen, sondern häufig auch als unseren eigenen Geist, unsere höhere Triade oder unser wahres individuelles Ego, das leider sehr selten eine Person befähigt, seiner Stimme zu lauschen. Manchmal ist diese Stimme als unser Gewissen bekannt.

       Wahr ist auch, daß viele Menschen durch verstorbene Freunde und Verwandte geführt werden, die ihnen Hilfe angedeihen lassen.

       Die wahren Schutzengel sind die Großen Geister der Hierarchie des Lichts, (die Große Heilige Bruderschaft), welche die menschlichen Nöte und die Evolution überwachen. Einige dieser Schutzengel werden (allerdings in den seltensten Fällen) zu Führern von außergewöhnlichen Individuen. Ihr Strahl sucht ständig nach neuerwachten Bewußtseinen und jenen entflammten Herzen, um sie zu schützen und zu lenken. Doch in unserer Zeit sind die vermeintlichen Schutzengel leider größtenteils finstere Besessene aus den niederen Sphären, deren Stimme viel leichter aufgenommen wird, da sie sich von den irdischen Wünschen nicht unterscheidet. Doch wehe denen, die solch einer Annäherung stattgeben!

       Hier möchte ich einen Paragraphen aus der Lehre anführen: ”So viele Entstellungen, so viele Ungenauigkeiten haben sich in die Lehren eingeschlichen. Wahrlich, jede Bestrebung zur Reinheit ist großer Dienst. Jedes Bestreben, die Wahrheit wiederherzustellen, wie sie der Menschheit übergeben wurde, ist feuriges Dienen. Die wahrgenommenen schwarzen Fäden stellen nicht nur die Finsternis der irdischen Atmosphäre dar, sondern auch jenes Gewebe, das das menschliche Gemüt und das Herz bedeckt. Man kann sich schwer vorstellen, wie viele Gemüter durch üble Auslegungen getrübt wurden; jeder Mensch ist mit Spannung erfüllt, neue Auslegungen zu suchen, geht jedoch weiter von der Wahrheit ab. Die Zersplitterung wird lebhaft bestätigt in den Religionen, in der Wissenschaft und im ganzen Schaffen. Jede Welt steht mit einer anderen in Wechselbeziehung. Jede Wahrheit entspringt einer anderen Wahrheit. Wahrheit wird nur dem offenen Herzen enthüllt. So gibt das gespannte Bewußtsein, das den Puls des Kosmos fühlt, mit leuchtenden Gedanken den eigenen Pulsschlag weiter. Wahrlich, großartig ist der dem feurigen Herzen enthüllte feurige Puls.” (Feurige Welt, Bd. III)

2. Juni 1934

       Sie sagen, daß Sie müde sind, daß Sie gegen Depression ankämpfen und nicht sicher sind, ob Sie diese überwinden können. Aber selbstverständlich werden Sie das! Denken Sie daran, daß diese Stimmungen nicht immer aus Ihrem Inneren kommen; sie sind oft das Ergebnis einer unerhörten Spannung in der uns umgebenden Atmosphäre. Sobald der Strom in eine andere Richtung verläuft, wird sich auch die Stimmung ändern. Sie schreiben ganz richtig, ”daß ein überwältigter Krieger hoffen kann, unerwartete und wundervolle Hilfe zu erhalten.” Jedoch dieser wundervollen Kraft ist es überlassen, wann die Hilfe gewährt wird. Wie oft befanden wir uns in den schwierigsten Verhältnissen und dachten, sie nicht länger zu ertragen, aber dann erfuhren wir, daß man doch noch mehr aushalten kann, und erst als unsere eigenen Hilfsquellen gänzlich erschöpft waren, wurde uns Hilfe zuteil und immer auf die unerwartetste Weise.

       Aus der ”Lehre des Lebens” wissen Sie bereits, daß wir durch Überwindung von Hindernissen wachsen und nur so lernen, unsere Fähigkeiten zu schärfen. Und wirklich, wie können wir anders unseren Geist stählen? Glauben Sie ja nicht, daß die Schüler und die Diener des Lichts einen mit Rosen bedeckten Pfad wandeln. Nein, ihr Pfad ist dornenvoll; und je näher dem Licht, umso schwieriger und verantwortungsvoller sind die Aufträge, die sie erhalten. Der Pfad der Lehre – der Pfad des Dienens – ist vor allem der Pfad der Selbstverleugnung und des Opfers. Doch freudvoll ist dieser Pfad, wenn das Herz reich ist an Liebe zur Hierarchie des Lichts – die Dornen verwandeln sich in duftende Freesien! Ein Beispiel solchen Dienens wird von N. K. gegeben. Würden Sie seine Lasten kennen, Sie wären entsetzt, wie ungeheuer diese sind! Doch er ist mit solch einer Liebe, Ergebenheit und einem Streben erfüllt, daß er alles mit großer Freude auf sich nimmt und bereit ist, sich ganz dem Allgemeinwohl zu widmen.

       Und ist es nicht freudvoll zu erkennen, daß wir unsere Pflicht gegenüber der Menschheit erfüllen? Welch schöner und mächtiger Begriff liegt in der Pflichterfüllung! Alle Helden erfüllten ihre Pflicht. Und Sie, als Kämpfer, sollten diesen Gedanken der Pflichterfüllung besonders schätzen. Daher bin ich fest überzeugt, daß Sie diese Depression, alle Einflüsterungen der Finsternis sowie jede Furcht und jeden Zweifel überwinden werden. Sie schreiben, daß Sie ihre Waffe besitzen; wenn daher ihr Bewußtsein wirklich denkt, eine Waffe zu sein und nicht nur ein Symbol, dann werden Sie gewinnen! Die Lehre ist – gut verstanden und angewendet – unsere beste Waffe!

       Allerdings sind die materiellen Mühen oft schwierig zu bewältigen, doch im Vergleich zu den geistigen Geschwüren sind sie nichtig. Der materielle Mangel kann, wenn der Geist stark ist, oft augenblicklich behoben werden, doch die geistigen Geschwüre erfordern jahrelanges Heilen. Ich hoffe, Sie nehmen mir diese ”moralische Lektion” nicht übel, doch ich habe das Verlangen, Ihnen darzulegen, daß die Möglichkeiten gegeben sind, Ihre materiellen Angelegenheiten zu verbessern. Wissen Sie, was Ihnen die nahe Zukunft bringen kann? Und ich bitte Sie ernstlich, in diesen kommenden Jahren tapfer zu sein. Wahrlich, es sind nur noch einige Jahre, bevor die große Veränderung eintreten muß. Viel wird sich ändern und es ist notwendig, unsere Kräfte zu erhalten. Die ganze Welt jammert und erfährt die unglaublichste materielle Krise, die das Ergebnis vollständiger geistiger Verkommenheit ist. Und nur jene, deren Geist stark ist, können hoffen zu überstehen. Das vorerwähnte Harmagedon ist keine Mythe, sondern eine fürchterliche Realität. Seien Sie daher stark! Gott ist mit den Tapferen!

       Sehr gefreut habe ich mich darüber, daß Sie die Werke Vivekanandas und Ramakrishnas schätzen. Ihre Bücher waren und sind unsere wertvollsten Freunde. Leider haben diese beiden großen Geister uns schon verlassen. Vivekananda starb im Jahre 1901 und Ramakrishna noch früher. Können Sie Englisch lesen? Und welche Bücher von Vivekananda und Ramakrishna besitzen Sie? Meine Bücherei besteht leider nur aus fremdsprachigen Büchern, zum Großteil aus englischen. Ich besitze fast keine russischen Bücher. Doch wenn Sie Englisch lesen können, würde ich Ihnen gerne die Bücher über Vivekananda senden, die ich besitze, obwohl ich keine anderen Bücher von ihm habe als seine Vorträge. Er starb sehr jung, er war erst vierzig, doch er erfüllte eine ungeheure Aufgabe. Er stellte die wahre Verbindung zwischen Ost und West her. Dies war das erste Mal, daß klar und mit Liebe Indiens majestätische Vorstellungen, seine Weltanschauung sowie die hohen Prinzipien der LEBENDIGEN ETHIK im Westen eingeführt wurden. Und vielleicht beeinflußte er das Bewußtsein unserer Landsleute mehr als selbst unsere eigene große Elena Petrowna Blavatsky.

       Sie kennen das Sprichwort: ”Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande”, was sich besonders auf unsere Leute bezieht. Doch die Zeit wird kommen, wo die Russen die ganze Größe der von H. P. Blavatsky der Welt überbrachten Lehre erkennen und der großen Frau, die für diese Ideen litt, Achtung zollen werden.

       Haben Sie die Perle der indischen Literatur, ”Die Bhagavad Gita” gelesen? Diese Schrift ist von dem Dichter Baltrushaitis ins Russische übersetzt worden. Einer der hiesigen Freunde in Amerika lieh sich dieses Buch, doch, wie so oft, vergaß er, es zurückzugeben.

       Sie haben recht, es gibt kein Verbrechen, das ärgere Auswirkungen hätte als Unwissenheit. Pseudopatriotismus und Pseudoreligion werden vergehen, und anstelle dieser sterbenden Schreckbilder wird eine künftige Ära neuen, freudvollen, aufbauenden Lebens treten, der die große Zusammenarbeit der Menschen zugrunde liegt. Es wird eine Wiederbelebung und Reinigung der Testamente aller großen Lehrer sein. Das Schicksal Rußlands wird es sein, seiner Bevölkerung eine wahre Mutter und keine Stiefmutter zu werden. Wahrer Patriotismus und Chauvinismus sind Gegensätze. Der eine Begriff basiert auf Toleranz und ist daher wachsend, während der andere auf Haß beruht und somit im Aussterben ist. Die Gesetze sind überall die gleichen.

       Haben Sie vielleicht über das von N. K. errichtete Friedensbanner gehört? Es wurde als unpatriotisch erklärt! Sind Sie nicht erstaunt? Doch so ist die Tatsache, wir erhielten einen Anklagebrief in dieser Sache. Jemand sah in dieser großen Idee eine Mißachtung der Aufgaben unseres Vaterlandes! N. K. wurde beschuldigt, ein Internationalist zu sein, gleichgültig gegenüber den Leiden seines Vaterlandes. Wir mußten diesen Brief sogar bestätigen. Ich will einige Auszüge aus diesem Brief zitieren, was meine allgemeine Antwort für alle ähnlichen Pseudopatrioten darstellt, mit denen auch Sie zu tun haben: ”Nur breite Aufbauarbeit auf weltweiter Ebene, inspiriert durch den Genius des betroffenen Volkes, kann die Bedeutung eines Landes sowie seine Position unter anderen Ländern heben. Können Sie sich vorstellen, daß die ”Lehnstuhl-Kritiker”, die nörgeln, bloßstellen und spotten, überhaupt helfen können? Können sie mehr tun als jene, deren Energie für die Entwicklung der Kultur aufgewendet wird? Wird diese kulturelle Erhebung nicht wahres Ansehen für ein Land erwecken? Für jeden ernsten Aufbau ist es vor allem erforderlich, ein mächtiges Zentrum zu haben. Doch ein Zentrum, das einen beschränkten Nationalismus widerspiegelt, kann in der Weltstruktur nicht erfolgreich sein. Wo gibt es solch ein Land in der Welt von heute, das ganz allein von einer Rasse aufgebaut worden ist?

       Und wenn manche Leute glauben, daß beschränkter Nationalismus dem Patriotismus gleichkommt, so irren sie sehr. Und wenn auf den ersten Blick kurzsichtige Leute darin eine Macht sehen, so werden sie entdecken, daß mit der weiteren Entwicklung solch eine Bewegung in Selbstvernichtung endet. Jede freigesetzte Macht ist ein Bumerang; und daher müssen wir sehr vorsichtig sein, wie wir diese Mächte in den Raum werfen, denn durch das Gesetz des Rückschlags werden sie uns früher oder später entweder zerstören oder erheben, abhängig davon, wie wir sie nutzen.

       Patriotismus unterscheidet sich von Chauvinismus sehr. Er besteht aus selbstloser Liebe zu einem Land, zusammen mit Achtung vor anderen Völkern, die in verschiedener Weise zum Wachstum und zur Entwicklung des eigenen Volkes beigetragen haben. Die wahre Macht und Schönheit eines Landes liegt in seiner Vielfältigkeit, in seinen umfassenden Möglichkeiten, die die fundamentale Einheit des Vaterlandes nicht ausschliessen. Und wer diese Einheit in der Verschiedenheit zu offenbaren versteht, ist wirklich ein großer Führer. Der beschränkte Nationalismus hat Deutschland degradiert, und sollte er wieder aufleben, könnte er es vernichten. Patriotismus ist ein hohes, sehr edles und heiliges Gefühl, doch beschränkter Nationalismus oder Chauvinismus ist Selbstvernichtung. Es genügt nicht, die Zeitungen zu lesen und den politischen Führern zu lauschen, um die Entwicklung der Ereignisse zu verstehen. Vielleicht ist es sogar besser, dieser Information nicht zuviel Aufmerksamkeit zu schenken, da sie oft noch größere Verworrenheit schafft. Heute gleicht die menschliche Mentalität wie das ganze Leben einem Schiff, das ohne Segel oder Steuer inmitten der chaotischen, stürmischen Elemente dahintreibt. Um das geschaffene Chaos zu verstehen, um die Richtung zu kennen, die zur Rettung und zur großen Zukunft führt, und vor allem, um die rechte Frist zu erkennen, sollte man über eine große geistige Schau verfügen und auch die Hohe Führung oder die sogenannte Hiero-Inspiration kennen …”

       Und nun möchte ich etwas über einen bestimmten Priester sagen. Es ist eine Lüge, dreifache Lüge, daß er N. K. persönlich kannte. Er begegnete N. K. nie, doch hatte er einen kurzen und sehr bezeichnenden brieflichen Kontakt mit ihm. Aus dieser Verbindung muß ich wohl einige Auszüge bringen, um ein Bild von der Persönlichkeit dieses Priesters zu geben. Wir erhielten seine Broschüre aus Paris. Nachdem wir sie gelesen hatten, bat ich N. K., ihm über sein Büchlein einen freundlichen Brief zu schreiben und ihm zu sagen, daß wir gerne einige seiner Werke lesen möchten. Gleichzeitig mit dem sehr herzlichen Brief sandte ihm N. K. sein Buch ”Das Reich des Lichts” und einige Reproduktionen seiner Gemälde. Die Antwort war niederschmetternd und erschütternd. Sie war eine wahre Erwiderung eines beschränkten Sektierers, geistig arm und äußerst grausam. Ohne daß er N. K. persönlich kannte oder über sein selbstloses Wirken für das Gute und Schöne im Namen der Geistigkeit etwas wußte, erlaubte sich dieser ”ehrwürdige” Priester am Ende seines Briefes folgende Schmach: ”Ihr Pfad, N. K., ist kein evangelischer. Die Leute machen ein Idol aus Ihnen (und in Amerika wird dies leicht zu einer Quelle finanziellen Einkommens), doch Sie gebieten solchen Leuten keinen Einhalt … (die letzten Worte waren unterstrichen im Originalbrief). Ihr Buch wird keine Person von der Welt relativer geistiger Werte und Begriffe abbringen, und was der von Ihnen auch noch unterstützte Kult Ihres Namens betrifft, so ist dies mehr als alarmierend für uns ” (Wieder unterstrichen).

       Wer sind diese ”uns”? Jene unwissenden Pharisäer, die den Namen Christi verschachern? Dieser Priester (ein Mönchpriester der russisch-orthodoxen Kirche) erkannte nicht, daß N. K. von seinem ganzen Wesen her ein Lebenserbauer ist, ein Führer der Kultur und daß die herkömmlichen Maßstäbe eines Mönches unangebracht sind!

       In Erwiderung auf diesen grausamen, widerwärtigen Brief schrieb N. K. eine wunderbare Antwort voller Duldsamkeit und Höflichkeit, und er sprach auch von seiner kulturellen Tätigkeit. Nirgendwo, nicht mit einem einzigen Wort verletzte er den Mann. Dieser Brief wurde, wie von solch ”höflichem und rechtschaffenen Priester” zu erwarten war, bestätigt, doch mit so viel Verleumdung, wie er sie nur von den neidischen Verleumdern sammeln konnte. Er zögerte nicht, spottend alles herunterzuziehen, was uns heilig ist, nach seiner Ansicht jedoch eine Offenbarung des Teufels und der Scherz eines Antichristen ist! Nachdem er vernahm, daß wir die östlichen Lehren verehren, brachte er aus den Werken bestimmter Orientalisten einige Auszüge, um zu beweisen, daß diese Lehren ketzerisch seien. Diese vorher angeführten Werke werden von den heutigen Sanskritisten nicht nur als überholt betrachtet, sondern sie werden von allen gut gebildeten Orientalisten gänzlich abgelehnt, weil man sie als ungelehrt und, was ihre entstellende Übersetzung aus dem Sanskrit betrifft, als sehr unzuverlässig erachtet. Und hier offenbarte unser Briefschreiber seine Schwäche. Erst seit den letzten zehn Jahren begann der Westen in Sanskrit (dieser schwierigsten Sprache) etwas Höheres zu erkennen, und nun schreien einige, daß ungeheure Verstümmelungen in den ersten Übersetzungen enthüllt wurden. So zitierte er zum Beispiel aus Bunges ”Die Geschichte des Heidentums”: ”Das wahre Wesen der Welt ist nicht Gottheit, nicht die Ursprüngliche Kraft, sondern die absolute Leere, völliges Nichts. Alles entstand aus dem Nichts, durch das Nichts, und wird wieder in das Nichts zurückkehren, denn seit Anfang an war Nichtsein. Alles ist Leere der Leerheiten im Himmel und auf Erden, denn Himmel und Erde sind gleich leer. Über den Wolken des aufgelösten Universums herrscht das ewige Nichtsein …”

       Und weiter folgten ähnliche Absurditäten, ein Auszug aus ”Religiöses Bewußtsein des Heidentums”, ein Beitrag von Professor Vedensky. Ich möchte nur den Schluß zitieren: ”Wenn es für einen Buddhisten im Leben überhaupt ein Ziel gibt, so kann es nur ein negatives sein – das Entfliehen aus diesem trügerischen unsinnigen Leben, voll der Bitterkeit und des Leidens, in ein Nirvana des Nichtseins …”

       Auf diese offensichtliche Entstellung und gleichermaßen unwissenden Zitate antwortete N. K. folgendermaßen: ”Was Ihre Zitate betrifft, möchte ich sagen, daß der Autor eines dieser Bücher offensichtlich keine Fremdsprachen beherrscht und sich wahrscheinlich nur sehr unzulänglicher und entstellter Übersetzungen bediente (sowohl von Bunge als auch von Keppen); noch kannte er das ”Summa Summarum” der östlichen Weltanschauung, die vor allem feststellt: ”Aus nichts kann nichts entstehen” – und zweitens: ”Es gibt keine Leere”. Erschließen diese zwei Feststellungen nicht den Weg zu Gott? Vergessen wir nicht, daß im Osten der Höchste Begriff wegen tiefer Verehrung nicht ausgesprochen wird. Man kann zwar die verhängnisvoll entstellten Begriffe auswählen und ihnen nachspüren; aus vielen Quellen kann man jedoch schönste Seiten voll des alldurchdringenden göttlichen Geistes, allbarmherzig zu allen Kreaturen finden.

       Wie z. B. für ”Nirvana”, was entsprechend dem ursprünglichen östlichen Begriff ”das Transzendentale” bedeutet, oder der Höchste Zustand des Seins, der von dem gewöhnlichen menschlichen Gemüt nicht erfaßt werden kann; mit anderen Worten, es ist ein völliger Kontrast zum Nichtsein. So unwissend sind unsere westlichen Übersetzer und Kommentatoren, auf die wir angewiesen sind!”

       Dieser Brief von N. K. ist nur mit einer kurzen Notiz bestätigt worden; wahrscheinlich fühlte der Priester, daß ihm sein Widersacher mit seinen Fähigkeiten überlegen war. Er brachte den Wunsch zum Ausdruck, N. K. zu besuchen und schämte sich nicht hinzuzufügen: ”Glauben Sie mir, ich möchte gerne fühlen, daß Sie höher und besser sind als ich.” Ein wahres Gebet eines Pharisäers. ”Gott ich danke Dir, daß ich nicht bin wie die übrigen Menschen … oder wie diese Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich gebe den Zehnten von allem, was ich erwerbe” (Lukas 18:11-12). Geht nicht aus diesen Worten des ”geistigen Vaters” hervor, daß er an dem krankt, womit er in seinem ersten Brief N. K. beschuldigte? Ist nicht gesagt, daß, ”wer den Balken in seinem Auge hat, den Splitter in dem seines Bruders sieht?”

       Und diese letzte Notiz ließ N. K. nicht ohne Antwort. Er sandte ihm einen warmherzigen, weisen Brief. Ich möchte nur den Schluß anführen (zu Beginn bedankte sich N. K. für die ihm gesandten Bücher): ”Vielleicht werden wir uns einmal begegnen und gütlich von Herz zu Herz sprechen. Ich kann Ihnen versichern, daß ich mich freute, in Ihrem Buch bestimmte Dinge zu finden. Bis zum Äußersten meiner Kraft bemühte ich mich, an die ursprünglichen Quellen der Großen Testamente heranzukommen und allen späteren Hinzufügungen auszuweichen, die manchmal an Entweihung und Spott der heiligen Dinge grenzen. ”Sehet allen Euren Werken auf den Grund und vertieft das Gute”; dies waren die Worte des Vaters Johann von Kronstadt, die er mir gab. Sie kennen gewiß alle finsteren Verleumdungen, die um Vater Johann verstreut und von leichtsinnigen Menschen nachgesprochen wurden. Doch ist verleumdet werden nicht das Zeichen wahrer Geistesgröße? Und in der Hoffnung, Ihnen persönlich zu begegnen, sende ich Ihnen bis dahin meine besten Wünsche …”

       Das war das Ende einer bezeichnenden Verbindung. Doch sie bleibt ein sehr kurioses Beispiel der Unwissenheit, des Pharisäertums und der Grausamkeit unserer ”geistigen Führer”. Dieser Priester sagte die Wahrheit, als er bekannte, daß der Klerus für den Niedergang der Kirche verantwortlich ist.

       Da Sie die Bücher von Vivekananda und Ramakrishna bewundern, dürfte es Sie interessieren, was dieser ”erleuchtete Priester” über sie aussagte: ”Im Augenblick lese ich eines der reinsten, geistigen und edlen okkulten (wieso okkult?) Bücher, ”Das Evangelium des Ramakrishna”, mit einem Vorwort von Swami Abhedannanda. Schon im Vorwort bin ich erstaunt über den Mangel an wahren geistigen Werten. Zum Beispiel: ”Bevor er sich mit den Leuten auseinandersetzte und sie überhaupt zu lehren begann, widmete sich Ramakrishna zwölf Jahre dem Studium der Dogmen und Zeremonien aller Religionen, nahm voll des Glaubens und der tiefen Verehrung an ihren Gottesdiensten und Riten teil, so daß er durch Erfahrung erkennen konnte, wohin all diese Religionen führen ... Und schließlich erkannte er durch Befolgen ihrer Methoden die der einzigen Gottheit in ihnen allen.” Dies allein soll ausreichen, um meine Bestürzung darüber zu verstehen, wie solche Absurdität mit der Offenbarung Christi gleichgestellt werden konnte … ”

       Richtiger gesagt sollte der letzte Satz des Priesters in die Kategorie der ”Absurditäten” eingegliedert werden. Und er hätte besser getan, vor der Verurteilung und dem Verfluchen anderer Religionen und Lehren dem ehrlichen Beispiel von Ramakrishna und Vivekananda zu folgen und zu versuchen, die wahren Grundlagen jeder Lehre und Religion durch Teilnahme an ihren Gottesdiensten zu studieren und erst nachher seine Meinung abzugeben. Doch ohne ein Prophet zu sein, kann man sagen, daß der ”erleuchtete Priester” nicht über den Geist der Güte und Duldsamkeit verfügte, die Vivekananda besaß, was dieser so herrlich in folgendem zum Ausdruck brachte: ”Hätte ich in der Zeit Jesu von Nazareth in Palästina gelebt, ich hätte seine Füße nicht mit meinen Tränen, sondern mit meinem Herzblut gewaschen!” Vivekananda erfühlte die wahre Schönheit des Bildnisses Christi – ohne die durch die Geistlichen verursachten Entstellungen. Doch Christus von Herzen Tribut leistend, vergaß Vivekananda nicht die Großen Gestalten seiner eigenen Religion. Welcher von beiden ist der Größere? Der Geist jenes Priesters ist so weit entfernt von dem allumfassenden Ausspruch der Bhagavad Gita: ”Auf welchem Pfad du auch zu Mir kommst, auf jedem Pfad will ich dich segnen; denn alle Wege sind Mein.”

       In diesen herrlichen Worten ist klar aufgezeigt, daß die Form der Religion wirklich nichts ausmacht, denn die Idee ist es, die wesentlich ist. Wahrlich unsere geistigen Führer sind weit von solch einer Weisheit, dieser Großmut, Toleranz und allumfassenden Sicht entfernt! Jeder weiß: ”Wie im Makrokosmos, so im Mikrokosmos”. Sollte daher unser Herz nicht allumfassend sein wie das Kosmische Herz? Könnte eine Vorsehung so schrecklich ungerecht sein, daß der weiseste, der gnadenvollste Gott seinen Sohn nur zu einem besonderen Volk gesandt haben sollte? Dann bleiben andererseits genauso wie vorher die Billionen von Menschen – ”die Kinder unseres Himmlischen Vaters ” (wenn wir an die Worte Christi selbst glauben) – Ausgestoßene, trotz der Tatsache, daß viele von ihnen eine viel höhere Moral besitzen als jene, die bevorrechtigt waren, unter dem Schutz der christlichen Kirchen geboren zu werden!

       Sie sollten nicht glauben, daß die Worte dieses Priesters Schaden bringen konnten; im Gegenteil, es ist immer gut, wenn eine Person ihr wahres Wesen offenbart. Wir haben es nicht nötig, uns wegen der Anklage der Häresie zu ängstigen. Das Bildnis des wahren Christus – des Lehrers – wohnt in unseren Herzen und Gemütern, und wir stimmen Vivekanandas Worten über Christus vollkommen zu. Jedoch sehen wir in Christus einen Gottmenschen und nicht einen beschränkten Sektierer, der jeden in die Reihen der ”Antichristen” verdammt, der nicht die kirchlichen Begrenzungen und Entstellungen seiner Lehre annimmt. Wir haben eine Menge Anhänger sogar unter den offiziellen Vertretern der verschiedenen Kirchen. Man kann den gesamten Fortschritt nicht aufhalten, und es ist unmöglich, die Mentalität der alten Priester zu teilen, dieser Schöpfer der christlichen Dogmen, die beispielsweise bei ihren Synoden ernstlich erörterten, wie viele Geister auf einer Nadelspitze Platz fänden, oder ob die Frau eine Seele besitze und ähnliche Prachtstücke ”tief geistiger” Offenbarung. Nebenbei zogen diese heiligen Männer auf ihren Konzilen einander an den Bärten und ohrfeigten sich gegenseitig! Vergessen wir nicht, daß das Gesetz der Wiedergeburt erst im sechsten Jahrhundert auf dem Konzil zu Konstantinopel (553) von diesen weisen Männern widerrufen wurde. Nein, die Zeit ist gekommen, um zu prüfen, die hinzugefügten Entstellungen abzuwerfen und zu den ursprünglichen reinen Quellen zurückzukehren.

       Für die Kirchenväter wäre es ratsam, sich das Vermächtnis Christi und seiner Lieblingsjünger ”Liebet einander” in Erinnerung zu rufen. Dann würde alles seinen rechten Platz einnehmen. Es ist auch dringend notwendig, in die Werke des großen Origenes Einblick zu nehmen und sie zu studieren, dieses wahre Licht des Christentums. Seine Werke werden jetzt von einigen westlichen Geistlichen in Amerika studiert. Diese Väter verstehen, daß das Bewußtsein ihrer geistigen Gemeinden neuer Nahrung bedarf und nicht mit den naiven Vorstellungen, die vielleicht einmal für die Zähmung von halbwilden, zum Christentum bekehrten Stämmen notwendig waren, zufriedengestellt werden kann. Um ihren Einfluß nicht endgültig einzubüßen, beeilen sich einige Mitglieder des westlichen K!erus, ihr Wissen zu erneuern und zu vergrößern. Würden unsere ”geistigen Väter” ihrem Beispiel folgen, könnten wir viele gute Ergebnisse erwarten!

       Denken Sie nur daran, wie viele klare Hinweise über Wiedergeburt, über das Karmagesetz im Neuen Testament gegeben sind, genau mit den Worten Christi selbst! Doch unsere ”geistigen Väter” weichen diesen Fragen konsequent aus! Möge Gott ihr Richter sein!

       Heute erleben wir eine fürchterliche geistige Krise, eine schreckliche, alles zersetzende Gottlosigkeit, die sich aus dem beschränkten toten Sektierertum, dem erschütternden Dogmatismus sowie aus dem Niedergang der Moral unter den Vertretern der Kirche ergibt. Wir haben nie gegen eine Religion oder Kirche gesprochen, da es besser ist, etwas Religion zu besitzen oder einer Kirche anzugehören als keinerlei Halt zu haben. Doch wir werden immer gegen den Mangel an Toleranz, Moral und Wissen sprechen. Priester sind notwendig, aber sie sollten wahre geistige Führer und fortschrittlich sein und nicht weiter in den Fesseln der dunklen Unwissenheit des Mittelalters verharren. Der Geist der Inquisition ist noch sehr stark. Glauben Sie, wenn Christus jetzt auf die Erde käme, Er könnte der Kreuzigung entgehen? Könnte er wohl bestenfalls der Lynchjustiz entkommen oder dem lebenslänglichen Gefängnis, mit dem Titel ”Antichrist”?

       Bedrohliche Ereignisse nahen, und es ist besonders tragisch das Ansteigen der Uneinigkeit in allen Lebenssphären zu bemerken. Soviel Unausgeglichenheit, niedere Verleumdung, Neid und Haß unter jenen, die das Werk der Vereinigung gestalten sollten! Es ist Zeit, die vor uns liegenden Probleme der Rettung der Menschheit und des Planeten zu verstehen. Und die Rettung liegt in den Händen der Menschen selbst; doch sie schüren das Feuer des Hasses und der Uneinigkeit und verstärken dadurch die Gefahr einer fürchterlichen Zeit. Niemand will glauben, daß das vorausgesagte Harmagedon keine Mythe ist, aber es ist wahrlich eine schreckliche Wirklichkeit und eine große Gefahr. Nichtsdestoweniger sollten wir den Mut nicht verlieren, denn jene, die den Ruf vernahmen und bis zum Ende aushalten, werden schließlich gerettet werden. Denken Sie an die Kürze der Zeit, und möge dieses Wissen Sie stärken. In allen Ihren Taten, in allen Verbindungen – denken Sie an den Grundsatz, der Sie lehrt ”Duldsamkeit, Großmut und Streben in die Zukunft!”

7. Juni 1934

       Die Menschheit erlebt nun die Zeit der Umwandlung von der Evolution des Intellekts zur Evolution der Geistigkeit. Diese Zeit ist durch die Errungenschaft der Vorherrschaft des Geistes über den Intellekt gekennzeichnet. Beim Rassenwechsel wird dieser Übergang vervollkommnet werden. So nimmt die sechste Rasse jetzt ihren gerechten Platz ein. Wie Sie wissen, wird jeder Rassenwechsel von kosmischen Kataklysmen begleitet. Solch eine Reinigung ist für die Entwicklung der neuen Rasse erforderlich. Diese kosmischen Kataklysmen sind die Auswirkung der Verschiebung der Erdachse.

       Die heutigen Wissenschaftler weisen ganz eindringlich auf diese Verschiebung hin, die vor einiger Zeit begann und laufend Katastrophen nach sich zieht.

       Gerade die sechste Rasse muß die Neue Ära einleiten. Diese vorbereitende Periode ist sehr mühevoll. Doch wäre es falsch zu glauben, daß die sechste Rasse in einem eigenen Land oder Volk geboren wird; sie ist weit verbreitet. Gewiß, den Hauptkern der sechsten Rasse wird es geben, und zur Zeit der Katastrophe werden sich ihre Angehörigen an sicheren Stellen sammeln.

       Die große feurige Reinigung nähert sich. Daher ist es so wichtig, das Denken und das Herz zu läutern und bemüht zu sein, die Feuer des Raumes aufzunehmen.

       Beim Rassenwechsel kommt immer eine Große Offenbarung, und – wie gewöhnlich – können nur jene sie aufnehmen, deren Bewußtsein dem nächsthöheren Entwicklungsgrad angehört, d. h. der neuen kommenden Rasse. Der Rest wird soweit profitieren, als er dazu fähig ist. Falsch jedoch ist es zu glauben, daß die übrigen Rassen vertilgt werden. Die besten werden gerettet, doch auch andere werden gedeihen. Nur der Abfall, der mit der Evolution nicht Schritt halten kann, wird aussterben oder völlig entarten; wir können Beispiele solcher Entartung unter vielen primitiven Völkern wahrnehmen. So sind die Ureinwohner Australiens die entarteten Nachkommen von Subrassen, die einmal der großen dritten Rasse angehörten. Die Rasse war uns in ihren Errungenschaften überlegen, denn die Großen Söhne der Vernunft waren in ihr inkarniert.

       Und warum glauben Sie, daß es eine Zerstörung unseres Planeten nicht geben kann? Ach, gerade diese Gefahr bedroht uns. Wahrlich, die Großen Kräfte des Lichts versuchen über alle Maßen, unseren Planeten zu retten. Lesen Sie aus dem Buch von Josefine St. Hilaire ”Auf östlichen Kreuzwegen” (On Eastern Crossroads) die beiden Kryptogramme ”Gold” und ”Finsternis”. Diese Legenden sind aus einer Hohen Quelle empfangen worden.

       ”Wahrlich, der menschliche Geist wird als Sprenger und Auslöser für Vulkane in Erscheinung treten”.

       ”Wahrlich, es ist gerade diese Finsternis, die ihre früheren Standorte zu verlassen beginnt. Auf ihrem Weg verzehrt sie alle Elemente, und das braune Gas drängt die Elemente der Zerstörung in diese Ritzen”!

       Und diese Finsternis ist mir gezeigt worden. Der schreckliche Angriff, den ich erlebte, war so stark, daß ich fast erkrankte, und in den folgenden Tagen war ich unfähig, mein Gleichgewicht zurückzugewinnen.

       Denken Sie daran, wie in der Lehre gesagt ist, daß das Schicksal des Planeten völlig in den Händen des Menschen liegt und daß der Mensch auch die Erdbeben auslöst. Nehmen Sie diese Feststellungen wörtlich. Denn gerade die niederen Gedanken und Begierden der Menschheit (nicht nur auf der Erde, sondern auch in den niederen Sphären der Feinstofflichen Welt) schaffen diese fürchterliche erstickende Atmosphäre um die Erde, die die Verschmelzung der Feuer des Raumes mit dem unterirdischen Feuer fördert. Nur reine, feurige Seelen können diese Atmosphäre tilgen – wie Blitzableiter. Das ist der Grund, warum die Ära des Feuers so gefährlich ist: sie bringt sowohl Reinigung als auch fürchterliche Krankheiten, vor allem die Zerstörung sämtlicher verdorbenen Gemeinschaften und den Anstieg von Epidemien – alles vom unterirdischen Feuer verursacht. Nur jene, deren Aura ausreichend gereinigt ist und die das Feuer des Raumes aufnehmen können, werden überstehen.

       Daher ist es so dringend notwendig, die Grundlagen der Lebendigen Ethik im Leben anzuwenden, durch Reinigung des Denkens sowie durch die Tat, um unsere Energien umzuwandeln. Die Wellen der Raumfeuer werden vor allem in den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts sehr stark sein. Doch auch die kommenden Jahre werden viele Explosionen bringen. Die große Prüfung unseres Planeten ist nahe. Bedrohlich ist die Zukunft. Hoffen wir, daß durch große Katastrophen die Menschheit ihre Lektion lernt, die geistige Führerschaft annimmt und so ihr Schicksal ändert.

       Die Herren des Lichts treffen allerdings alle Maßnahmen, um den Planeten vor diesem fürchterlichen Los zu retten. Wählt die Menschheit Zerstörung, wird ihr besserer Teil (und gehören viele dazu?) auf höhere Planeten versetzt werden. Die Durchschnittsmasse wird auf einen Planeten kommen, ähnlich dem unseren, der sich der Erde nähern wird, falls sich die Explosion ereignet. (Zur Zeit ist dieser neue Planet noch nicht sichtbar). Der Rest der Menschheit wird dem Fürsten der Erde folgen und mit ihm auf den Saturn verbannt werden. Doch o wehe! – niemand erkennt, welche Verzögerung in der Evolution der größte Teil unserer irdischen Menschheit im Falle der Zerstörung unseres Planeten erleidet. Wie viele Äonen werden vergehen, bevor die ”neue Erde” geeignete Körper hervorbringen kann!

       Daher ist es wichtig, das Bewußtsein der Menschen zu wecken und ihnen bewußt zu machen, daß sie sich selbst eine sehr kritische und gefährliche Situation schaffen. Der Osten weiß von dieser gefährlichen Zeit seit langem. In alten Schriftenrollen wird auf Zeiten von Annäherungen der feurigen Energien hingewiesen, die den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts entsprechen. Es ist interessant zu verfolgen, wie die Berechnungen der Hierophanten des alten Ägypten aufweisen, daß das Jahr 1936 sehr bedeutend ist; und weiter wird auf den gesamten Zeitraum, in dem das Schicksal unseres Planeten entschieden werden soll, hingewiesen. Dieses Schicksal wird entweder eine schöne Zeit des Großen Gleichgewichts sein oder andernfalls das Ende – eine endgültige totale Explosion. So liegt das Schicksal unseres Planeten in den Händen der Menschheit. Versuchen Sie daher in Ihren Schriften, die Rolle des Menschen in allen Angelegenheiten – sowohl der Vereinigung als auch der Reinigung der Atmosphäre – nachdrücklich hervorzuheben. Wahrlich, der Mensch ist beides, Entfacher und Löscher des unterirdischen Feuers. Erwähnen Sie auch die uns unermüdlich bewachende und helfende Hierarchie des Lichts!

       Ja, unzählige Welten werden geboren und zerstört in Unendlichkeit, und wer kann alle Gründe für diese Zerstörung nennen? Liegt nicht in der Mißachtung kosmischer Gesetze und in der Entstellung aller höheren Lebensprinzipien die Hauptursache kosmischer Kataklysmen? Die kosmischen Gesetze sind unabänderlich, und alles, was versäumt, im Rhythmus mit der evolutionären Umwandlung zu gehen, wird vernichtet. Es fällt als Abfall zurück für Erneuerung. Die Menschen sollten sich bemühen, die Ereignisse auf dem Planeten zu verstehen. Aus einem der Bücher der Lehre zitiere ich einige Paragraphen, die für unsere Zeit bedeutend sind. ”Bei der Umgestaltung räumlicher Bestätigungen, hervorgerufen durch die Anhäufungen irdischen Aufbaus, müssen für die Beseitigung finsterer Zusammenballungen alle Maßnahmen getroffen werden. Jeder irdische Aufbau erweist sich als Resonanz der überirdischen Sphären. Unsere feurige Periode ist mit besonderen Energien gesättigt, die vor den bestimmten Fristen ins Leben eingehen müssen. Denn die Feurige Periode kann Erscheinungen schaffen, sobald die Zeit naht, wo die Menschheit sich erheben kann, ihnen zu begegnen. Der feurige Aufbau muß daher als der Beginn der Neuen Epoche verstanden werden. Der Geist muß sich im Verstehen der räumlichen Feuer behaupten, denn nur feurige Assimilation kann die erforderlichen Energien erzeugen. Die Offenbarung der feurigen Fristen nähert sich. Möge sehen, wer kann, denn eine Große Zeit naht!” (Feurige Welt III, § 166)

       ”Vor der großen Umgestaltung der Welt offenbaren sich alle finsteren Kräfte zwecks Umwandlung zum Besseren. Was in der Welt vor sich geht, bedeutet keine Evolutionsstufe, doch es kann in der Tat gesagt werden, daß das, was in Erscheinung tritt, das Tiefste, das Dichteste, das von den Kräften der Finsternis Gesättigste ist. Aber groß ist das Werk, das alles sammelt, was dem großen Wiederaufbau dient. Genauso wie die verdichteten Schichten der irdischen Sphären sich für die Schlacht bereit machen, so stehen die Kräfte des Lichts auf der Wacht. Der Zustand, den der Planet durchmacht, kann mit einer Esse Kosmischen Feuers verglichen werden. Alle dichten Energien sind in Spannung entflammt, und auf der Wacht steht das Feurige Recht. Feurige Schöpferkraft sammelt alle feurigen Energien – so wird durch die Spannung der beiden Pole die Welt erneuert. Es ist notwendig, diese ungestümen Energien klar zu unterscheiden.” (Feurige Welt III, § 167)

       ”Eine feurige Epoche hat begonnen. So wie man gegenwärtig physikalische Erscheinungen studiert, so werden die feurigen Erscheinungen der Zentren erforscht werden. Agni Yoga erscheint als ein Vorläufer der Großen Epoche – ja, ja, ja!” (Feurige Welt III, § 168)

       Sie kennen den Grundsatz der Kräfte des Lichts, in persönliches Karma nicht einzugreifen; daher werden alle Warnungen in Hinweisen gegeben. Der Mensch muß selbst unterscheiden, wofür er diese Warnungen erhält und sie befolgen, denn wie könnte man anders lernen? Gerade die finsteren Kräfte wenden alle Methoden an, um sich in reine Vorhaben einzuschleichen und sie zu zerstören.

       In dem Wunsch, die reinen Anfänge zu stören, gehen die finsteren Kräfte in den Tempel, die Formel der Lehre sprechend, schläfern sie das Mißtrauen ein und verführen Narren durch das Versprechen, die Entwicklung ihrer psychischen Energie zu beschleunigen. Zur Erfüllung ihrer üblen Vorschläge müssen sie natürlich das Sperrnetz der Aura zerstören. Diese hinterlistige Hilfe wird erreicht durch verschiedene Vorschriften und Methoden, die darauf hinzielen, den Organismus ihrer Opfer zu schwächen. So durchdringen die Finsteren das Sperrnetz durch diese Bresche. Daher wird in der Lehre soviel über das Sperrnetz und das Reinhalten der Aura gesprochen, um die Annäherung der Finsteren zu verhindern. Und die beste Gegenmaßnahme ist völlige Hingabe an einen einzigen Lehrer. Jede Abweichung vom erwählten Pfad, wenn auch nur vorübergehend, kann uns in die Macht der Finsternis werfen.

       Ich will eine Seite aus der Lehre anführen, deren weite Verbreitung ich empfehle: ”Die Kräfte der Finsternis bedrängen mit verschiedenen Mitteln und werden sogar in Schichten, die sich in der Nähe des Lichts befinden, bestätigt. In den Feinstofflichen Sphären ist diese Annäherung natürlich unmöglich, doch in den irdischen Schichten, wo die Atmosphäre mit infizierten Gasen so verdichtet ist, versuchen die Kräfte der Finsternis entschieden, sich dem Lichte zu nähern. Ein Zerstörungsimpuls zwingt die Kräfte der Finsternis zu diesen Lichtfackeln der Wahrheit. Die Feinde, die ein Schwert erheben, sind nicht so gefährlich wie jene, die in der Maske des Lichts eindringen. Es gibt bewußte und unbewußte Instrumente der Finsternis. Besonders die unbewußten schaffen allem Anschein nach im Verein mit dem Guten, und diese Unheilträger infizieren jedes reine Beginnen. Doch bewußte Diener des Bösen treten mit eurem Gebet in den Tempel ein – und wehe den Urteilslosen! Finstere Schlingen werden ihnen gelegt. Es ist unerlaubt, in das Allerheiligste Feinde des Geistes einzulassen. Djins können auf der irdischen Ebene dienlich sein und mögen auch einen Tempel bauen, doch die geistige Ebene ist für sie unzugänglich. So laßt uns auf dem Pfad zur Feurigen Welt daran denken, daß die Diener der Finsternis in das Allerheiligste einzudringen versuchen.

       Für Erscheinungen kosmischer Energie ist es vor allem notwendig, Vorsicht walten zu lassen. Der Mißbrauch von Energien, verbunden mit jeder Bestätigung kosmischer Kraft, ist eine Gefahr. Nur bewußtes und vorsichtiges Verhalten kann vor fürchterlichen Folgen bewahren. Aus der Feinstofflichen Welt herbeigerufene Kräfte erfordern eine Beherrschung, wie sie nur ein starker Geist zu offenbaren vermag. Andernfalls bewirkt diese ungezügelte Kraft ein kosmisches Chaos. Wenn feurige Fristen nahen, ist es sehr notwendig, dies zu wissen, denn die Auswirkungen von Anrufungen werden ungeheuerlich sein.” (Feurige Welt, Bd. III)

       Überall sprudeln schwarze Logen hervor, mit den schändlichsten schwarzen Messen und Beschwörungen. Die Zeitungen sind voll von diesen Berichten, doch die öffentliche Meinung scheint sich über dieses große Verbrechen und Unheil keine Gedanken zu machen.

* * *

       Es ist ein schwerer Irrtum zu glauben, daß man durch übermäßige Anstrengung in der Arbeit oder durch höchstmöglichen Verzicht auf Schlaf oder Nahrung den Vorrat an psychischer Energie entwickeln und vermehren könne. Die richtige Entwicklung einer hohen Qualität psychischer Energie ist nur durch Bewußtseinserweiterung und die Hilfe der Großen möglich. Doch das Band des Herzens, das den Schüler mit dem Lehrer verbindet, sollte stark sein! Alle erzwungenen Methoden und Übungen können nur zu niedersten Erscheinungen der psychischen Energie führen oder zur Entwicklung von Mediumismus oder gar zur Besessenheit, ja sie können sogar den Tod herbeiführen. Daher haben alle Lehren immer den goldenen Mittelweg oder das Gleichgewicht hervorgehoben; auf die Gesundheit sollte geachtet werden. Schlaf ist absolut notwendig, denn während des Schlafes wird unser feinstofflicher Körper von Lebenssubstanzen der Feinstofflichen Welt genährt, die mit den höheren Energien in Berührung kommen. Dieser Nahrung beraubt, verfällt der Geist. In der verunreinigten Atmosphäre der Städte ist es notwendig, wenigstens sieben bis acht Stunden zu schlafen. Auch die Nahrung sollte vitamreich sein. Alle Extreme sind schädlich.

       Unter der in der Lehre erwähnten Spannung ist nicht physische Überanstrengung, sondern Wachsamkeit und Beweglichkeit des Bewußtseins zu verstehen. Diese Vitalität als erwachtes und erweitertes Bewußtsein verdoppelt die Kräfte des Menschen. (Wachsamkeit des Bewußtseins bedeutet jedoch nicht, daß man sich bemüht, ohne Schlaf auszukommen). Auch die Zentrenöffnung geht nur durch Bewußtseinserweiterung vor sich. Doch das Öffnen der Zentren ist nicht die endgültige Errungenschaft; danach erfolgt erst ihre feurige Umwandlung. Der Pfad der Jüngerschaft ist nicht so leicht, wie viele glauben. Er ist für jene leicht, die bestrebt waren, ihren ”Kelch” zu füllen. Vermuten Sie daher nicht in jeder Art psychischer Erscheinung ein Öffnen der Zentren. Sollte es auch ein leichtes Öffnen eines der Zentren geben, so gibt es jedoch viele Abstufungen bei diesen teilweise geöffneten Zentren. Denken Sie daher daran, was in der Lehre über die ”Ringe der Scharfsichtigkeit und des Hörens” gesagt ist.

* * *

       Sie können die Lehre ”Die Lebendige Ethik” nennen, wenn Sie die östliche Bezeichnung, die für manche Menschen befremdend klingt, vermeiden wollen. Ich sprach bereits über das Studium der Lehren des Origenes. Der Geistliche R. N. in Amerika, ein großer Freund und Verehrer von N. K., war ein wunderbarer Prediger und sprach viel über die Begriffe Wiedergeburt und Karma. Viele Anhänger besuchten seine Vorträge. Das Evangelium Christi ist voll von Hinweisen auf diese Gesetze. Warum sollten wir sie ignorieren? Es ist sehr wichtig, alle Beschlüsse der Kirchenkonzile sorgfältig durchzusehen. Welches Maß an Unwissenheit, Gier und sogar Verbrechen könnte zum Vorschein kommen! Wenn wir einen Blick in die Geschichte der Kirche und des Papsttums werfen, werden wir entsetzt sein! Und man fragt sich, ob jene, die vorgesehen waren, dem von Christus aufgezeigten Großen Licht zu folgen, nicht von finsteren Kräften gelenkt wurden! Und wird Christus nicht noch heute gekreuzigt? Diese Aufgabe, die Religionssysteme zu reinigen, ist nicht leicht und schafft viele Feinde, doch im weiteren Verlauf vielleicht sogar mehr Freunde! Deshalb muß man vorsichtig abwägen, ob man bereit ist oder nicht, diese Last auf sich zu nehmen. Selbst wenn man diese Aufgabe beschränken würde, könnte für die Hebung des menschlichen Bewußtseins viel getan werden. Wenn sich jemand entschließt, dieses Werk zu beginnen, so möge er sich darauf gründlich vorbereiten; er möge unwiderlegbare Beweise sammeln, so daß jede Frage von einem Standpunkt aus beantwortet werden kann, der sehr lebendig, verständlich und wohlwollend ist. Alles Abstrakte muß vermieden werden. Es ist wichtig, die Lebensgrundsätze aller Großen Lehren hervorzuheben. Es wird ihm bestimmt viel Segen bringen! Doch ich wiederhole, daß es heftigen feindlichen Widerstand geben wird. In Amerika könnten solche Aufgaben leichter sein, denn in diesem Land gibt es nicht so viele Vorurteile wie in anderen Ländern, die die Denkkraft versklaven und verwirren.

       Jedoch auch in den Vereinigten Staaten war das Leben unseres Freundes R. N. kein leichtes; die ihm nahestehenden Pfarrer waren sehr gegen ihn eingestellt.

       Und jetzt möchte ich Ihnen sagen, seien Sie wegen ihrer depressiven Stimmung nicht beängstigt. Diese Stimmungen reflektieren oft nur die unglaubliche Spannung der uns umgebenden Atmosphäre. Ein Wechsel der Ströme wird einen entsprechenden Stimmungswechsel bringen. Seien Sie daher ruhig und warten Sie geduldig, bis diese schweren Ströme sich ändern. In der Zwischenzeit strömt Ihnen neue Kraft zu.

* * *

Gold

       Das für den Planeten vernichtende Gas ist entdeckt. Es ist in reinem Gold enthalten. Man muß es zurückhalten.

       Natürlich binden Steine und Metalle die Menschen oft an die Tiefen des Planeten und werden zu Nestern der Ansteckung. Die weitverbreitete Verehrung des Goldes zwang Uns, ihm unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Auch komplizierte Forschungsversuche wurden angestellt, die Wirkung des Goldes für verschiedene Erscheinungen Kosmischer Kräfte anzuwenden. Es besteht kein Zweifel darüber, daß dieses Metall mit machtvollen Lichtemissionen besonders gesättigt war. Und die Goldadern leiten das astrale Licht in die Tiefen der Erde. Wenn daher die Astralwelt gut geordnet ist, vermag die Rolle des Goldes eine wohltätige zu sein. Doch gerade dieser Leiter kann die Sicherung vor einer Explosion werden. Man kann sich vorstellen, wie leicht dieses Metall das braune Gas weiterleiten kann, das durch den Schrecken der Astralwelt verdichtet wird. Und der Geist wird als Explosions- und Antriebskraft für Vulkane erscheinen.

Finsternis

       Absolute Finsternis ist der Antipode des Lichts. Sie ist der Feind alles Bestehenden, sie ist die Verneinung des Lebens. Sie ist der Erwürger und Vergifter. Was ist sie denn? Sie ist das Produkt des unvollkommenen Geistes. Es gibt keine ausreichenden Worte, diesen Druck und diese Erstickung zu beschreiben. Auf diesen Feind des Planeten können nicht viele schauen, ohne zu erkranken.

       Diese Finsternis beginnt, ihre bisherigen Orte zu verlassen. Auf ihren Wegen zerfrißt sie alle Elemente, und das Gas zwingt die Kräfte der Zerstörung in dieses Vakuum.

       Aus ”On Eastern Crossroads” (Auf östlichen Kreuzwegen), Legenden und Prophezeiungen aus Asien, von Josephine Saint-Hilaire.

14. Juni 1934

       Alles, was Sie schreiben, ist sehr gut, doch wollen wir hoffen, daß das Land nicht zulange auf dem Niveau beschränkten Nationalismus bleibt. Dieser Übergangszustand ist allerdings unvermeidlich, doch je kultivierter die Leute sind, die das Land vertreten, um so eher werden sie dieser Frage ihr Augenmerk zuwenden. Wahrer Patriotismus und Chauvinismus sind völlige Gegensätze. Der erste Begriff ist allumfassend und daher entwicklungsfähig, während der andere ausschließlich einengend und daher tödlich ist. Die Gesetze sind überall die gleichen. Wenn jemand glaubt, daß beschränkter Nationalismus dem Patriotismus gleichkommt, so irrt er. Nur der Kurzsichtige kann solchen Nationalismus als stark erachten. Wahrer Patriotismus sollte sich nicht nur in hingebungsvoller Liebe zu seinem Land und allen Erscheinungen seines Volksgenius offenbaren, sondern auch in Sorge um und Achtung für jedes seiner Teilvölker, das zum Aufbau seiner Kultur beitrug. Die Aufgabe des Volksgenius ist es, die Errungenschaften aller in einem Land wohnenden Minderheiten und Nationalitäten wahrzunehmen, sie zu vereinen und dieses Konglomerat schöpferischer Ausdrucksformen in ein synthetisches Ganzes zu vereinen.

       Völker und Länder müssen lernen, ihren Charakter und ihre Individualität zu bewahren, indem sie sich mit den auf ihren Wiesen wachsenden Blumen schmücken! Doch jede erzwungene Isolation ist im Zeitalter der Zusammenarbeit und Vereinigung (auch wenn im gegenwärtigen Zustand diese Vereinigung in sehr mechanischen Errungenschaften vor sich geht) verderblich. Doch die Zeit bis zur nächsten Stufe, wo ganze Länder zur kulturellen, geistigen Zusammenarbeit und gegenseitigem Austausch bestrebt sein werden und jedes seine Blumen der Errungenschaft anbieten wird, ist nicht mehr fern. Für diese neue Stufe bereitet uns die Lehre des Lebens vor. Warten wir daher weise, bis die unvermeidliche Periode übertriebenen Nationalismus’ ausgelebt ist, und versuchen wir in der Zwischenzeit, unser Bestes zur Vereinigung beizutragen und alles Trennende zu vermeiden.

       Befolgen Sie bitte auch den Rat, sich nicht mit jenen auseinanderzusetzen, deren Bewußtsein sich weigert, mit der Zeit zu gehen, denn es ist ganz hoffnungslos. Wir sollten den uns erteilten Rat, niemanden herbeizurufen oder zu zwingen, immer befolgen, weil nur ein bereiter Geist ein erweitertes Verstehen aller Lebensprobleme anzunehmen vermag.

       Was den angeblichen östlichen Einfluß auf die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK angeht, wollen wir objektiv sein und uns fragen, ob es eine Lehre oder Philosophie gibt, die nicht im Osten entsprang. Unsere sogenannte westliche Philosophie ist nur ein Abbild östlichen Denkens. Das Christentum selbst kam aus östlichen Händen. Um daher die Lehre Christi völlig zu verstehen, muß man entweder ein geborener Orientale sein oder die Grundsätze, auf denen die Lehre Christi aufbaut, gründlich studieren.

       Es ist ganz sicher, daß das heutige Christentum und die ursprüngliche Lehre Christi selbst zwei ganz verschiedene Dinge sind – genauso wie der heutige Lamaismus und die ursprüngliche Lehre Gautama Buddhas völlige Gegensätze sind. Die eine Lehre entspringt dem Geist, die andere ist ein Produkt menschlicher Unwissenheit und Habgier. All das schreibe ich Ihnen, es ist jedoch nicht für die beschränkten Dogmatiker bestimmt, mit denen sich auseinanderzusetzen zwecklos ist. Viele Seelen benötigen kleine Umzäunungen, um sich zu schützen, genauso wie scheue Pferde Scheuklappen brauchen. Im Osten gibt es ein Sprichwort, das besagt: ”Es ist gut, in einem Tempel geboren zu werden, doch sehr schlecht, dort zu sterben”. Es gibt so viele Abstufungen des Bewußtseins, als es Grade in der Unendlichkeit gibt; folglich gibt es so viele Gesetze und Aspekte der Wahrheit, als es Bewußtseinsgrade gibt.

       Über den Friedenspakt und das Friedensbanner schreiben Sie, daß diese Idee bei manchen Leuten keinen Anklang finden wird, weil sie gegen Pazifismus sind. Doch wieso beachten diese nur eine Seite des Fortschritts? Der Pakt erwähnt vor allem die Bedeutung des Banners in Kriegszeiten und ähnlichen zerstörerischen Ereignissen. Das Rote Kreuz zum Beispiel ist in Friedenszeiten eine gute Sache, doch seine hauptsächliche Bedeutung tritt im Krieg in Erscheinung. Genauso ist das Banner des Friedens gerade jetzt, wo sich die Länder am Rande bedrohlicher Ereignisse befinden, als Schutzmaßnahme sehr erforderlich. Die bedeutendsten militärischen Autoritäten von Frankreich und Amerika waren die ersten, die das Banner billigten; und die offizielle Anerkennung des Paktes setzt sich weiter durch. So hat die Republik Panama den Pakt und das Banner des Friedens offiziell anerkannt. Gleichermaßen hofft die Panamerikanische Union, welche die Ratifizierung des Paktes plant, diese dringende kulturelle Aufgabe 1935 zu erfüllen.

       Nun, hinsichtlich der Liga der Kultur schreiben Sie, daß Sie planen, diese in einer bestimmten Gesellschaft zu errichten, die solches Werk gutheißt. Dies ist ausgezeichnet, möge dieses Werk auch wissenschaftliche und künstlerische Gruppen einbeziehen. Es scheint mir, daß sich diese Gruppen, die Sie aufbauen wollen, vorzüglich entwickeln werden. Mit der Zeit könnte dies zu einer guten Schule erweitert werden, so einer Art Volksuniversität; doch sollte dies allerdings auf dem sich selbst tragenden Prinzip beruhen, und wie immer, sollte entsprechend der Möglichkeit im kleinen Rahmen begonnen werden. Man soll nichts übertreiben, das ist die Grundregel. Daher sollte man nicht auf die Annahme der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK dringen. Solange die Menschen nicht schlecht sind und solange sie vor allem keinen Verrat üben, sind die Dinge akzeptabel. Die Zeit bringt es an den Tag, ”wer wer ist”. Denken Sie daran, daß der Kanon ”Durch deinen Gott” höher zu werten ist als der ”Durch meinen Gott”.

       Ja, Sie haben tatsächlich Berge von Arbeit. Doch sollten die Mitglieder der Gesellschaft nicht zu viele Dinge auf einmal in Angriff nehmen. Alle Aufgaben sollten in Grenzen bleiben, und diese Grenzen werden sich erweitern, sobald es erforderlich ist.

       Und nun bezüglich derer, die sich abwenden. Sie wissen, wie alle alten Lehren das Lösen der Verbindung mit einem Lehrer und den Austausch gegen einen anderen sahen. Ist das Band zerrissen, kann es niemand mehr knüpfen. Nur der Abgefallene selbst kann, nach vielen Schwierigkeiten und Anstrengungen, sich zu vervollkommnen, seinen Fehler voll erkennen und den Lehrer bitten, ihn wieder aufzunehmen, doch kein anderer kann dies für ihn tun. Deshalb ist es notwendig, die Neuankommenden, die nach geistigem Fortschritt streben, zu warnen. Sie müssen sich vorerst entscheiden, ob sie bereit sind, sich der Höheren Führung völlig und bedingungslos hinzugeben. Oft läuft eine Person, im Wunsch augenblicklich voranzukommen und großes Wissen zu erwerben, anderen Lehren und Lehrern nach, und so spaltet sie sich zweifach, oft auch dreifach und verliert, was sie bereits gewonnen hatte. Doch die Grundregel jeder Lehre fordert die Bestätigung eines ganz bestimmten Lehrers sowie die Verehrung aller Glieder der hierarchischen Kette. Der Hohe Hierarch hat seine eigenen Vertrauten, und keiner der nahenden Schüler kann das nächste Glied überspringen ohne die Gefahr, seinen Platz in der ganzen Kette zu verlieren. Doch all dies betrifft nur die ernsthaften Sucher und jene, die sich fest entschlossen haben, den Pfad des Großen Dienens zu wandeln. Alle übrigen mögen aus den Büchern der Lehre Nutzen ziehen, ohne den Anspruch zu erheben, den Pfad der Schülerschaft zu beschreiten oder besondere Führung zu erlangen. Sie brauchen die Quelle der Lehre nicht zu kennen. Es ist gesagt worden, daß viele die Lehre in Zurückgezogenheit lesen werden. Wir kennen solche Leute, sie denken niemals über den Ursprung der Lehre nach. Daher sollten jene, die den schnelleren Weg der Bewußtseinserweiterung wählten, sich das Gesetz der Hierarchie zu eigen machen; anders ist kein wirklicher Fortschritt möglich. Die Jakobsleiter ist eine große Realität und die Grundlage des ganzen Kosmos. Und jetzt weisen Sie die Neuankommenden darauf hin, daß jede Lehre empfiehlt, den goldenen Mittelweg einzuschlagen. Alles, was erzwungen oder übertrieben wird, ist zu verurteilen. Wenn daher von der Reduzierung der Nahrung und des Schlafes gesprochen wurde, so war damit deutlich gemeint, daß der Geist, sobald er dazu bereit ist, von selbst anzeigt, was erforderlich ist. Man könnte Schlaf und Nahrung bis aufs äußerste beschränken, doch das endgültige Ergebnis wäre ein sehr trauriges, nämlich eine Schwächung des Organismus, Wahnsinn oder sogar der Tod. Eine Person, die normal sieben oder acht Stunden schläft, ausreichend ißt und innerlich bestrebt ist, ihre Gedanken zu reinigen, kann ausgezeichnete Ergebnisse erzielen. Allerdings wurde darauf verwiesen, daß man im Gebirge mit weniger Schlaf und Nahrung auskommt; doch in der verunreinigten Atmosphäre der Stadt, so wird stark angeraten, soll man ausreichend Nahrung zu sich nehmen, was allerdings so zu verstehen ist, daß nicht die Nahrungsmenge, sondern die Qualität und der Nährwert der Elemente und Vitamine wichtig sind. So ist Vegetarismus auch deshalb vorzuziehen, weil das Fleischessen die Ursache vieler ernster Vergiftungen und Krankheiten ist.

       So sagt ein Buddhist: ”Wenn Geistigkeit allein durch vegetabile Kost erreicht werden könnte, hätten der Elefant und die Kuh sie lange erreicht”. Es ist auch gesagt, daß ”Asketismus zur Befreiung von irdischen Fesseln wertlos ist. Es ist viel schwieriger, einen geduldigen Menschen zu finden, als einen, der sich von Luft und Wurzeln nährt und in Rinde und Blätter kleidet. Ist ein Mensch durch Hunger und Durst zu sehr geschwächt, um seine Gefühle und Gedanken zu prüfen, wie kann er dann jenes Ziel erreichen, das nur durch einen klaren Verstand und ein erweitertes Bewußtsein erreichbar ist?” Weiterhin ist gesagt: ”Damit die Saiten der Vina harmonisch klingen, sollten sie weder zu straff gespannt noch zu schlaff sein. Wahrlich, jede übermäßige Anstrengung entkräftet und endet in Passivität und Trägheit.”

       Daher übt Euren Sinn für Entsprechung. Kennet die Grenze der Anspannung und haltet das Gleichgewicht in Euren Fähigkeiten!

       Der Verzicht auf irdische Ausschreitungen sollte im Geist geleistet werden, im Bewußtsein. ”Wer fastet und sich in Gedanken nach Essen verzehrt, ist schlechter als einer, der zu seinen Mahlzeiten Fleisch einnimmt.” Es ist gut, immer daran zu denken, daß der bereite Geist alle Ausschreitungen meidet; er denkt darüber nicht nach, alles ergibt sich auf natürliche Weise. So liegt die wichtigste Errungenschaft in der Reinigung und Erweiterung des Bewußtseins; alles andere ist sekundär.

       Es ist auch äußerst dumm zu glauben, daß der Vorrat an psychischer Energie durch zuviel Arbeit und zuwenig Schlaf entwickelt und vermehrt werden kann. Die natürliche Entwicklung psychischer Energie von hoher Qualität ist nur durch Erweiterung des Bewußtseins und durch die Hilfe der Hohen Quelle möglich. Alle erzwungenen Methoden und Übungen führen nur zu den niederen Erscheinungen dieser Energie, oder anders gesagt, sie enden mit der Entwicklung von Mediumismus, Besessenheit und selbst mit dem Tod. Aus diesem Grund ist es wichtig, jeden darauf hinzuweisen, daß der goldene Mittelweg und die Erhaltung der Gesundheit wichtig sind.

       Die Weisung, reine vegetarische Nahrung zu sich zu nehmen, beruht nicht auf Sentimentalität, sondern auf rein medizinischer Erwägung. Wer den Pfad des Dienens und der wahren Jüngerschaft beschreitet, sollte in allem rein sein. Man muß auch darauf hinweisen, daß Schlaf außerordentlich wichtig ist. Wenn der Körper nicht stört, wird der Geist vor allem durch die belebende Substanz der Feinstofflichen Welt gut genährt. Dieser Nahrung beraubt, erlischt der Geist.

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       Ich war sehr erstaunt über die Anzahl der Mitglieder. Wenn alle von ihnen den ersten Anforderungen der LEBENDIGEN ETHIK entsprechen, ist es eine große Freude. Jedoch sollten wir immer daran denken, daß Qualität wichtig ist und nicht Quantität. Menschenkenntnis ist die erste Prüfung jedes Führers. Deshalb wollen wir mit den Neuankommenden vorsichtig sein, besonders mit jenen, die nur die Formel der Lehre im Munde führen. Eine große Armee hatte nie die Gewähr des Sieges; wichtig ist der sie vereinende Geist.

       Oft entnehmen wir den Briefen, die wir erhalten, daß viele Leute einige Weisungen der Lehre falsch auslegen. Fast alles, was in einem erweiterten, allumfassenden Sinn gemeint ist, wird persönlich, entsprechend den häuslichen Forderungen, aufgefaßt. Und dieser grobe Wunsch nach Entsprechung vernichtet das Ergebnis. Ich gebe zu, daß manche Gedanken schwer zu begreifen sind, obwohl die Lehre im Hinblick auf Erfahrungen und Ereignisse im täglichen Leben gegeben war und ist. Das ist der Grund, warum manche Weisungen als unzureichend erscheinen und nur von jenen verstanden werden können, die den Schlüssel dazu besitzen. Wenn Sie in Verlegenheit sind, zögern Sie bitte nicht zu fragen, ich werde gerne erklären, wo ich kann.

       Leute, die den Anspruch auf die richtige Auslegung der Lehre erheben, machen sich meist gerade des Gegenteils schuldig.

       Seien Sie nicht erstaunt, wenn die besonders Eifrigen und Ungeduldigen sich wie Besessene verhalten. Es sollte daran gedacht werden, daß vor allem Fanatiker Besessene sind. Die Grade der Besessenheit sind verschieden, und manchmal gibt es Fälle, die nicht sehr schlimm sind. So kannten wir einmal eine sehr freundliche alte Dame, die unter völliger Überwachung ihres Onkels stand, eines englischen Bischofs. Ständig hielt sie Reden in der gleichen Art und Weise wie der Bischof zu seinen Lebzeiten. Es ist durchaus möglich, daß sie einigen Leuten sogar half, doch für sie selbst war dieser Zustand eher schädlich, denn das Wachstum ihres Geistes kam gänzlich zum Stillstand; sie war nur ein gehorsames Werkzeug ihres Besitzergreifers.

30. Juni 1934

       Die Lehre des Lebens, die einen neuen Aspekt der einen ewigen Wahrheit enthält, hat nicht die Absicht, die großen Lehren früherer Zeiten zu ersetzen. Sie bringt deren feurige Reinigung und Bestätigung. Sagte nicht Christus, daß Er weder gekommen sei, die Propheten noch das Gesetz zu vernichten, sondern es zu erfüllen? Wahrlich, jeder neue Lehrer wird zum Gesetzgeber und gleichzeitig zu einem feurigen Reiniger des Gesetzes. Studieren wir die historischen Offenbarungen der Großen Lehrer, so werden wir feststellen, daß Sie dann erschienen, wenn die früheren Lehren ihre ursprüngliche Reinheit verloren hatten und völlig entstellt waren.

       Wahrlich, die Lehre des Lebens verneint keine vorhergehende Lehre, sondern vertieft sie und befreit sie von in Zeitaltern angesammelten weltlichen Ansammlungen.

       Der Ihnen mitgeteilte Paragraph aus der Lehre bietet ein ganzes Arbeitsprogramm. Es wird empfohlen, die Lehre mit anderen Testamenten zu vergleichen; die gleiche Wahrheit wird trotz der Spuren der Zeit gefunden werden. Wir sollten deshalb weder kritisieren noch herabsetzen, sondern versuchen, schöne Vergleiche und Berührungspunkte zu finden.

       Es ist wichtig, mit den Grundlagen aller großen Lehren vertraut zu sein. Dieses Wissen wird einem helfen, die Lehre des Lebens und die Lehre Christi in sich aufzunehmen. Wir sollten daran denken, daß alle großen Lehren aus ein und derselben Quelle stammen; man kann daher nicht die eine annehmen und die anderen ablehnen. Der Osten schätzt die Bedeutung der Fortsetzung der Lehren sehr und verehrt nur Lehrer aus der Kette der Hierarchie. Ein Lehrer, der die Fortsetzung der Lehren leugnet und nur seine eigenen Lehren gelten läßt, wird im Osten ”wurzelloser Baum” genannt. Und niemand ist gewillt, solch einen Lehrer anzuhören. Wir wollen daher weder kritisieren noch herabsetzen, sondern vergleichen und schöne Verbindungen und neue Erweiterungen der einen Wahrheit herausfinden.

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       Wenn jemand erklärt, daß ”in der Neuen Ära eine Mutter das Kind einer anderen genauso lieben muß wie ihr eigenes”, so ist diese Feststellung viel zu stark und daher nicht überzeugend. Man kann von einer irdischen Mutter keine übermenschlichen Gefühle erwarten. Wir müssen ihr das natürliche Recht, ihr eigenes Kind mehr zu lieben als ein fremdes, zugestehen. Doch wir wollen hinzufügen, daß eine wahre Mutter in ihrem Herzen auch Platz für das Kind einer anderen findet. Ihrem allumfassenden Herzen sollten alle Kinder teuer sein. Die beschränkte Liebe ist schrecklich, doch auch allumfassende Liebe hat ihre Abstufungen.

       Es gibt sieben Hauptzentren, und diese entsprechen den sieben Prinzipien des Menschen. Aber zur vollständigen Krönung muß man alle neunundvierzig Feuer entfachen, die sämtliche Feuer aller Zentren und ihrer Verzweigungen umfassen. In der Lehre werden einundzwanzig Zentren genannt, weil ihr Öffnen gleichzeitig das Öffnen der restlichen Zentren und ihrer Verzweigungen mit sich bringt. Alle geistigen Zentren hängen vom Herzen ab. Das Herz ist der großartige Sammler und Wandler aller Energien. Man kann es aufgrund dieser Rolle als die Sonne des Organismus bezeichnen.

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       Die Dualität, bestehend aus dem siebenten und dem sechsten Prinzip, wirkt nicht als eine bewußte Einheit auf der physischen Ebene des Seins. Daher muß der Mensch, um wahre Unsterblichkeit zu erlangen und eine bewußte Offenbarung auf allen Ebenen zu erreichen, d. h. um ein Archat zu werden, ein Buddha oder ein Dhyan Chohan, die drei Prinzipien (das vierte, fünfte und siebente) hier auf Erden vereinen und sie im sogenannten sechsten Prinzip verschmelzen. Das siebente Prinzip ist die ewige Lebenskraft, die im ganzen Kosmos besteht. Vielleicht ist es daher besser zu sagen: ”Die Absolute Vernunft und das Vollkommene Herz sind eines Ursprungs, entsprechen dem höheren Aspekt des Menschen, wobei sein Geist, seine Vernunft und alle seine Gefühle feurig umgewandelt werden und sich im Herzen zentralisieren – kurz gesagt, wenn der Verstand zum Herzen und das Herz zum Verstand wird. Mit diesem Wissen wird es dem Leser möglich sein, viele Verwirrungen zu vermeiden.

       Sie bringen das sechste Prinzip mit dem Herzen in Zusammenhang, und dies ist völlig richtig, denn nichts kann dem Herzen entgehen. Alle Energien werden dort umgewandelt. Doch es gibt viele, die meistens das sechste Prinzip, d. i. Budhi, mit dem Gehirnzentrum identifizieren, und diese könnten Ihnen widersprechen. Jedenfalls manifestiert sich gerade das sechste Prinzip in seinem höchsten Aspekt im Herzen.

       Hie und da hören wir die Bemerkung, daß die Bücher des ”Agni Yoga” so wie andere Schriften keine endgültigen und vollständigen Richtlinien geben, was zu tun ist und wie es zu tun ist. Dies ist ein großer Irrtum. Gerade Agni Yoga gibt, genauso wie andere Schriften, die entscheidendsten und klarsten Richtlinien zum Handeln. Doch die Menschen beachten das Wesentliche nicht und suchen nach sekundären Anweisungen. Wie im täglichen Leben suchen sie nach Apothekendosierungen oder Patentrezepten. Man vergißt, daß auch ein gewöhnlicher, doch gewissenhafter Arzt sich in erster Linie um den Allgemeinzustand seines Patienten kümmert und die Dosierung seiner Medizin vor allem dem Zustand des Patienten und dessen Organismus anpaßt. Alle Lehren, einschließlich Agni Yoga, verweisen immer auf das Wichtigste und das Sekundäre; die untergeordneten Maßnahmen werden dem einzelnen überlassen, damit er seiner Eigenart oder seinem individuellen Organismus entsprechend wählen kann. Es wäre ein großer Fehler, für alle dasselbe zu verschreiben. Sobald die Grundlagen verstanden und im Leben angewendet werden, ergibt sich das Übrige von selbst.

       Die Schwierigkeit rührt von der Unfähigkeit der Leute her zu erkennen, daß die Grundlage der Errungenschaft nicht in mechanischen Mitteln liegt, sondern in der Umwandlung des inneren Menschen, dessen Sphäre im Gedankenbereich liegt. Alle Lehren der ganzen Welt heben die Bedeutung der Reinigung in Gedanken, Worten und Taten besonders hervor. Es sind die drei Grundlagen für jene, die sich über den Durchschnittsmenschen erheben und die ”Götter” erreichen wollen. So sprach Zoroaster, und so haben alle Großen Lehrer gesprochen, vom ersten bis zum letzten.

       Darum wollen wir gerecht sein und uns fragen: ”Wurde nicht in den Büchern der Lehre des Lebens auf die für die Umwandlung des inneren Menschen notwendigen Eigenschaften hingewiesen? Werden diese Eigenschaften nicht von allen Seiten und Gesichtspunkten her beleuchtet?” Darüber hinaus werden hier auch die Hilfsmittel gegeben. Studieren Sie die Bücher gründlich, und Sie werden viele Vorschläge finden, sogar die Apothekenverschreibungen! Auch ist es empfehlenswert, sich alle von einem Schüler zu erwartenden Eigenschaften herauszuschreiben. Sie werden überrascht sein, wie zahlreich diese sind! Wahrlich, viele Leben sind erforderlich, um diese Vervollkommnung zu erreichen. Und dann – haben wir nicht die Unendlichkeit vor uns?

       Und nun möchte ich mich mit der Frage über das Lesen anderer Bücher im allgemeinen befassen. Scheinbar beschäftigt diese Frage jeden. Natürlich gibt es keine Einwände gegen das Lesen von Büchern verschiedener Wissensgebiete, wie der Kunst und Geisteswissenschaft; denn man sollte immer sein eigenes Wissen erweitern, und dabei ist es sehr wichtig, hinsichtlich der Qualität die richtige Auswahl zu treffen. So warne ich immer vor pseudookkulten Büchern. Und hat jemand die Fähigkeit, alle Schätze aus den Büchern der Lehre des Lebens zu ziehen, die alle Lebensprobleme behandeln und neue Wege des Wissens aufzeigen, und bietet sich ihm weiter die Gelegenheit, die ”Briefe der Mahatmas” wie auch einige Werke von H. P. Blavatsky kennenzulernen, dann erscheint ihm das Lesen minderwertiger Bücher sicher als Zeitverschwendung. Mit wenigen Ausnahmen sind diese anderen Bücher oft nur ein Echo – häufig ein falsches – der oben erwähnten. So gründet z. B. Esoterischer Buddhismus von A. P. Sinnett ganz auf den Briefen der Mahatmas, die Sinnett von H. P. Blavatsky empfing. Doch alle diese Briefe sind weit präziser und vollständiger in dem Buch ”Mahatma Letters” wiedergegeben. Ich persönlich empfehle immer, östliche Philosophie zu lesen, vorausgesetzt allerdings, daß sie nicht durch Übersetzung entstellt ist.

       Es wäre ausgezeichnet, wenn alle Mitarbeiter mit den Grundlagen des Buddhismus vertraut wären, mit den Upanishaden, der Bhagavad Gita, den Lehren des Konfuzius, Lao Tse, Zoroaster, Hermes und anderen. Ein großes Hindernis ist allerdings, daß wenige Bücher ins Russische übersetzt wurden. Richtig verstanden, können diese Lehren das Bewußtsein stärken sowie helfen, die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK in sich aufzunehmen. Auch liebe ich sehr die vier Bände, welche dem Leben des Ramakrishna und Vivekananda gewidmet sind. Wenn man diese Bücher liest, ist man von der Feinheit des Gefühls und des Denkens des Ostens fasziniert. Gut sind die Werke von Schwester Nivedita über Indien und ihren Lehrer Vivekananda. Es gibt überhaupt viele schöne östliche Bücher.

       Allerdings gibt es viele Menschen, die, nachdem sie verschiedene Theorien, die sich mit den Grundlagen der verschiedenen Yogas beschäftigen, gelesen haben, diese mit den Büchern der Lehre des Lebens vergleichen und über die scheinbaren Abweichungen enttäuscht sind. Das ist der Grund, warum für Anfänger, die in ihrem Wissen über die wahre Lehre nicht so gefestigt sind, das Lesen schlechter Bücher, die über okkulte Dinge berichten, so gefährlich ist. Viel Leid rührt von geistigen Irrtümern her. Zum Schluß möchte ich einen Paragraphen aus der Lehre über die Bewertung von Büchern zitieren:

       ”In Büchern niedergelegte Irrtümer gleichen einem schweren Verbrechen. Unwahrheit in Büchern muß als schwerwiegende Verleumdung gerichtlich verfolgt werden. Die Lüge eines Redners soll entsprechend der Zahl seiner Zuhörer bemessen werden. Die Lüge eines Schriftstellers sollte entsprechend der Zahl seiner verkauften Bücher verfolgt werden. Die Volksbibliotheken mit Unwahrheiten anzufüllen, ist ein schweres Vergehen. Zwar sollte man neue Ansichten und Strukturen nicht behindern, aber falsche Aussagen sollten nicht in die Irre führen dürfen, denn Wissen ist das Rüstzeug der Gemeinschaft, und die Verteidigung dieses Wissens ist die Pflicht aller Mitglieder.

       Spätestens nach einem Jahr müssen Bücher überprüft werden, sonst wird die Zahl der Geschädigten zu groß. Besonders notwendig ist es, dasjenige Buch zu schützen, dessen Verdienst gerade erschüttert wird. Die Regale der Bibliotheken sind voll von Abzessen der Lüge. Es sollte nicht zugelassen werden, diese Parasiten aufzubewahren. … Es ist unanständig und unmöglich, ein lügenhaftes Buch zum Lesen anzubieten.

       ”Warum die beste Ecke des Heimes in einen lügnerischen Possenreißer verwandeln? … Mit dem Problem des Buches muß man sich auseinandersetzen!” (Gemeinschaft, § 94)

       Auch an anderer Stelle der Lehre wird dieses Thema behandelt, und ich werde darüber noch schreiben. In erster Linie sollten die Kinder geschützt werden, da sowohl viele geistige als auch physische Krankheiten der Kinder vom Lesen solch ungeeigneter, schlechter Bücher herrühren.

       Würden die Leser der Lehre des Lebens oder der LEBENDIGEN ETHIK über alle Lebensprobleme tiefer nachdenken, über alle neuen Wissenbereiche, die darin behandelt werden, und könnten sie sich entschließen, diese gründlich zu studieren, es gäbe ausreichend Material, nicht nur für ein, sondern für mehrere Leben. Doch gewöhnlich lesen die Menschen nur mit den Augen und nicht mit dem Herzen, und so streifen die bedeutendsten Hinweise, die größten Offenbarungen ihr Bewußtsein nur, ohne die geringste Spur zu hinterlassen. Betrübt erkenne ich dies, da ich zu so vielen Aussagen in den Werken den Schlüssel besitze. Diese Bücher sind für die ganze Denkart richtungweisend; sie erschließen neue Gebiete, sie setzen neue Wegweiser für die gesamte wissenschaftliche Forschung. Diese Bücher sind so lebenswichtig, weil sie in die Zukunft führen. Die Bücher der Lehre sollten für jene Wissenschaftler, deren Bewußtsein nicht durch Vorurteile getrübt ist, ein immerwährender Born des Wissens sein.

       Eine von Vorurteilen freie, in die Zukunft schauende Person nimmt an der Gestaltung der Zukunft bereits teil und erleichtert so das gegenwärtige Leben. Technisches Wissen und alle Arten von Vergleichen sind ganz brauchbar, doch es kommt die Zeit, wo alle diese Informationsquellen nur für bestimmte technische Fragen von Nutzen sind. Das wahre Wissen kann nur erlangt werden, wenn die in der Lehre gegebenen Weisungen aufgenommen und angewendet werden; wenn dieses Vorgehen keinen einzigen Tag aussetzt; wenn die feurige Formel vorwärtsbewegt, die nächste Stufe der Bewußtseinserweiterung und weitere Errungenschaften aufzeigt und den Schleier in die Erhabene Unendlichkeit immer weiter öffnet.

       Niemand sollte daher glauben, daß es verboten sei, unterschiedliche Bücher zu lesen, das wäre absurd. Doch mögen die Menschen den Wert der Bücher unterscheiden lernen. Es ist sehr nützlich, die letzten Errungenschaften der Wissenschaft zu kennen, um zu erfassen, wie nahe diese letzten Entdeckungen den Bestätigungen des Heiligen Wissens kommen.

       Lange habe ich davon geträumt, eine Zeitschrift herauszubringen (von unserem Zentrum), die sich mit allen Errungenschaften des Lebens befaßt. Ich wollte der breiten Masse von Lesern einen vollkommenen Überblick geben über den allgemeinen Verlauf der Errungenschaften der Wissenschaft, der Kunst und des sozialen Lebens und auf die gesamte Denkrichtung hinweisen. Bisher gab es zur Erfüllung dieses Wunsches keine Möglichkeit, doch später wird es wohl dazu kommen.

       Bis dahin möchte ich nochmals sagen, daß keiner glauben möge, es wäre verboten, sein Denken aus Quellen zu nähren, die für das jeweilige Gemüt besser geeignet sind. Es gibt keine Verbote, sondern nur Warnungen vor falscher Information.

6. Juli 1934

       Was Sie über die Theater schreiben, ist äußerst traurig, doch in anderen Ländern stehen die Dinge nicht besser. Das Radio und das Kino verdrängen wahre Kunst, und der direkte Einfluß der heiligen, feurigen, geistigen Schaffenskraft nimmt ab. Das gleiche gilt für die Photographie, denn so wertvoll sie auch auf vielen Gebieten ist, werden die unschätzbaren Kunstwerke, die Gemälde im normalen Heim und in Gebäuden mehr und mehr verdrängt. Leider müssen auch wir dieses Stadium der langsamen Evolution des menschlichen Geistes durchleben. Doch mit dem Wachstum und der Verfeinerung des Bewußtseins sowie der richtigen Erziehung der jungen Generation, wo dem menschlichen Genius Achtung erwiesen wird, wird am Ende alles seinen richtigen Platz einnehmen. Jedoch gibt es hier viel zu tun. Besonders notwendig ist es, die Geschmacksrichtung und das Verstehen der Durchschnittsmenschen in allen Sphären der Schaffenskraft soweit als möglich zu heben. Und dafür ist das Theater natürlich ein ausgezeichnetes Mittel. Doch solange es an den führenden Regierungsstellen keine hochkultivierten Leute gibt, wartet man vergeblich auf wahre Entwicklung kultureller Errungenschaften. Die Richtung wird immer von den Führern festgesetzt, und trotz der sogenannten Demokratie und vielgerühmten Individualität folgt jeder wie hypnotisiert den von den Regierenden festgesetzten Normen. Und in der Tat, größtenteils ist diese Norm nicht sehr hoch.

       Schön sind die Dramen von Kalidasa und die Theaterstücke von Tagore, doch ich würde Ihnen empfehlen, auch die Legenden und schönen historischen Episoden aus dem Leben Ihres eigenen Landes nicht zu übersehen. Jedes Land hat seine Schätze, die man nicht vergessen sollte. Jedes Volk sollte seine Grundlagen kennen, jene Grundlagen, die seine Wesenszüge prägten. Wir nähern uns jetzt – oder besser gesagt, wir befinden uns bereits in ihnen – den bedrohlichen heldenhaften Zeiten, in denen viele Völker einer Prüfung unterzogen werden. Es scheint mir daher, daß alles Heldenhafte, alles, was das Bewußtsein eines Volkes hebt und die Errungenschaften des Geistes erweckt, zur Zeit besonders angeregt werden sollte. Sie wissen, daß ich sehr gegen beschränkten Nationalismus oder Chauvinismus bin, doch immer bin ich tief gerührt, wenn die Volksgenossen in ihrem eigenen Land allem Schönen und Heldenhaften mit Achtung begegnen. Mißverstehen Sie dies nicht als Aufruf zum Militarismus! Nein, doch die Ereignisse sind so, daß jeder von uns bereit sein sollte, ein Krieger des Geistes zu sein und den Mut aufzubringen, unsere geistigen Errungenschaften mit geistigen Waffen zu verteidigen. Es ist ein Trost, von den geistigen Forschungen der jungen Generation zu hören: wir sollten dieses Faktum nicht übersehen und bereit sein, ihr das zu geben, wonach sich ihr Geist sehnt. Die Lehre des Lebens oder LEBENDIGE ETHIK ist auf alle Fragen des Geistes genau die richtige und allumfassende Antwort! Kein einziges Gebiet, kein Lebensproblem wird in diesen Vermächtnissen vernachlässigt. Im Gegenteil, jede Lage wird von verschiedenen Seiten und Gesichtspunkten her behandelt und die praktische Anwendung empfohlen. So viele schöne Dialoge können mit suchenden Seelen geführt werden! Vertreiben Sie vor allem jene nicht, die anklopfen. Gleichzeitig muß sorgfältig Unterscheidung geübt werden, um die Annäherung jener zu verhindern, die zweifeln.

       Auch ist es eine Freude zu hören, daß Sie das Kommen der Neuen Ära fühlen. Ja, sie kommt und nichts kann sie aufhalten. Die Landkarte der ganzen Welt ändert sich. Vielen Ländern steht Schweres bevor, doch selbst jetzt, inmitten der Finsternis, gibt es Zeichen des Lichts. Ich möchte eine Seite aus der Lehre zitieren: ”Die bestehenden Lebensformen entsprechen der Prägung durch den Geist eines Volkes. Man kann den Niedergang oder Aufstieg eines Volkes nicht nur von historischen Fakten aus, sondern auch nach den begleitenden Ausdrucksformen der Schaffenskraft beurteilen. Wird der Geist von Rauheit und Unwissenheit beherrscht, widerspiegelt sich dies in den Gesetzen und Lebensbräuchen. Nach dieser Übereinstimmung kann man alle Grundzüge der Zeit verfolgen. Die gesetzten Lebensformen verleihen den verschiedenen Geschichtsepochen sicherlich eine klare Färbung. Wodurch kennzeichnen sich die ersten drei Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts? Kriege, Terror, Grausamkeiten, Verrohung und die schrecklichen Verleumdungen! Doch inmitten all dieser Finsternis kann man Lichtformen erkennen, mögen sie auch nicht so zahlreich über das Antlitz der Erde verstreut sein. Das Gleichgewicht des Lichts wird nicht durch Quantität, sondern durch innewohnende Kraft, nicht durch Ansturm, sondern durch geistiges Heldentum geschaffen. So laßt uns auf dem Pfad zur Feurigen Welt von der Bedeutung erhabener Formen erfüllt sein, und laßt uns vor allem das Licht jener Augen schätzen, die der Menschheit die Macht der Schönheit bringen.” (Feurige Welt, III. Bd.)

       So laßt uns die Lichtformen schaffen. Möge ihre geringe Zahl uns nicht beunruhigen, solange die innewohnende Kraft groß ist.

21. Juli 1934

       Ihr Streben zum Lehrer ist schön, und wächst es in seiner Intensität und im Verstehen des Großen Bildnisses, so kann viel erreicht werden. Beschränken Sie sich nicht auf eine Zeit oder auf ihre eigenen Prämissen und Bedingungen, sondern vertrauen Sie sich mit Ihrem ganzen Herzen der Hohen Weisheit an und alles wird so verlaufen, wie es am besten für Sie ist. Manchmal wird das Angstvolle, das Unzugänglichste zur Hauptquelle unseres Glücks.

       Sie schreiben, es sei Ihnen klar, daß ”nicht der Schüler den Lehrer erwartet, sondern der Lehrer den Schüler”, doch muß ich diese sehr kategorische Feststellung erläutern. Jede schöpferische Tätigkeit, jede Erscheinung bedarf der Gegenseitigkeit und Übereinstimmung. Gibt es also kein Erwarten, kann es auch keine Antwort geben. Wo es keine Erwartung gibt, da ist kein Streben, doch uns wurde aufgegeben, ein äußerst wachsames und intensives Streben einzusetzen.

       Gerade das große Vermächtnis ”Ist der Schüler bereit, erscheint der Lehrer” wird so selten verstanden. Es gibt nicht viele, die sich fragen, was diese Bereitschaft wirklich ist. Verlangt diese Bereitschaft nicht bestimmte Eigenschaften? Das Schwierige ist, die Menschen wollen nicht erkennen, daß auf der Grundlage dieser Bereitschaft und aller Errungenschaft das Streben nach einem großen Ideal beruht, eine feurige Umwandlung aller unserer Gefühle, unseres ganzen Charakters. Die Menschen würden eher etliche Ausschreitungen aufgeben und gedankenlos mechanisch ihr Pranayama abhalten, als eine Gewohnheit abzulegen, die sie auf dem Weg zur geistigen Errungenschaft behindert. Doch wie gesagt wurde, haben mechanische Mittel keinen Wert. Die Umwandlung des inneren Menschen kann nicht automatisch errungen werden, und diese Umwandlung ist das Hauptziel aller wahren Lehren. Deshalb muß man immer daran denken, daß alle Großen Lehrer sich mit dem inneren Menschen befaßten, dessen Reich in der Sphäre der Motive und Gedanken liegt. Daher bedarf nicht ein einziger hoher Raja oder Agni Yogi mechanischer Mittel oder körperlicher Übungen. Ihre einzige Erwägung ist die Konzentration auf das erwählte Große Ideal, auf das unerschütterliche und unentwegte Streben, sich zu Ihm zu erheben. Solch eine Konzentration besteht unaufhörlich. Was immer solch ein Yogi oder Schüler tut, sein Denken beschäftigt sich mit seinem Ideal. Alles wird im Namen dieses Ideals geleistet, und in seinem Herzen fühlt er immer die Liebe und die Gegenwart dieses Bildnisses. Dies ist die in der esoterischen Philosophie aufgezeigte wahre Konzentration, die sich nur mit der inneren Welt, der Welt des Noumenon (= das mit dem Geist zu Erkennende) befaßt.

       Das gleiche trifft für das Gebet eines Schülers zu; es ist genau das gleiche unaufhörliche Streben des Herzens und das Sein in der Gewärtigkeit des erwähnten Bildnisses. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Geschichte über den großen Konfuzius. Er war einmal krank, und seine Freunde, die glaubten, er läge im Sterben, mahnten ihn, seine Gebete zu sprechen. Der Weise lächelte und sagte: ”Mein Gebet hat schon längst begonnen”. Und in der Tat, war nicht sein ganzes Leben ein unaufhörlicher Dienst am Großen Ideal, was das wahre Gebet zum Höchsten bedeutet?

       Wenn solch eine ständige Gewärtigkeit des erwählten Bildnisses ins Leben eines Schülers eintritt, ihn nichts mehr ablenkt, dann ist wahre Bereitschaft vorhanden; der Lehrer erscheint, der Schüler wird angenommen und steht nun unter Beobachtung. Es kann natürlich auch einige Mitteilungen durch Individuen geben, und manchmal werden erstaunliche kleine Büchlein der Grundlage der Lehre vorgesetzt, gegeben durch reine Psychiker, doch wahre Schülerschaft ist etwas ganz anderes. Beinahe niemand erkennt, welche Bürde sich der Lehrer durch Annahme eines Schülers auflädt. Daher können die Großen Lehrer, welche die Welt überwachen, die universalen Vorgänge einem guten Ende zuführen und an gigantischen kosmischen Schlachten teilnehmen, nur jene aufnehmen, an denen Sie keinen Zweifel mehr hegen. Nur jene können aufgenommen werden, die viele Feuerproben bestanden und ihre Bereitschaft sowie Ergebenheit bewiesen haben, und dies nicht unter bequemen Umständen, sondern am Rande des Abgrunds; daher die kleine Zahl der angenommenen Schüler.

       Hat der Lehrer einen Schüler angenommen, stellt er eine unsichtbare Verbindung zu ihm her und nimmt ihn in sein Bewußtsein auf. Von diesem Augenblick an weiß der Lehrer alles über den Schüler. Er kennt jeden seiner Gedanken und jedes seiner Gefühle – auch die flüchtigsten, und dementsprechend führt er seinen Schüler. Für den Schüler beginnt vom Augenblick seiner Aufnahme an ein ganz neues Leben. Seine schlummernden Energien erwachen und ihre Entwicklung und Umwandlung wird beschleunigt. Eine wahre Batterie von unsichtbaren, doch mächtigen Strahlen wird auf ihn gelenkt, die entsprechend der Steigerung des Strebens und dem Wachstum des Bewußtseins des Schülers sowie der Verfeinerung seines Organismus immer mehr von ihm wahrgenommen werden. Der Zweck dieses Verfahrens ist, das innere Selbst umzuwandeln, zu verfeinern und die drei Körper für selbständige Arbeit auf ihren entsprechenden Ebenen zu trennen. Die Anspannung eines Schülers ist groß. Seine physische Kraft nimmt zeitweilig ab, und er muß eine bestimmte Lebensweise einhalten, ohne seine regulären Pflichten zu vernachlässigen. Diese Strahlen kann der Schüler allerdings nur in sich aufnehmen, wenn er bis aufs äußerste bestrebt ist. Alles erfordert eine Gegenseitigkeit, Anpassung und Übereinstimmung! Daher gibt es ohne Erwartung keine Erfüllung.

       Anscheinend bestehen Sie neuerdings darauf, daß ”nicht der Schüler den Lehrer erwartet, sondern der Lehrer den Schüler”; mag sein, daß ich Sie nicht verstehe. Mit meinem Herzen verstehe ich Sie, doch ein bestimmter Nachdruck ist erforderlich. Sie selbst müssen sich mit unentwickelten Seelen befassen und mit ihnen reden, und wenn Sie zu ihnen über den Lehrer und Schülerschaft sprechen, müssen Sie vor allem betonen, daß ohne Streben und feste Entschlossenheit nichts erreicht werden kann. Vieles wurde über die Schädlichkeit der Halbheit gesagt. Der Lehrer erwartet nur den, der vollkommen ernsthaft und zuverlässig mit bestem Willen erfüllt dem Ziele zustrebt. Und ist das letzte Hindernis, das den Schüler vom Guru trennt, überwunden, streckt ihm der Guru seine Hand entgegen. Am Fuß des Berges befinden sich viele, die hoffen, den Pfad zu beschreiten, doch es ist sicher, daß die Lehrer nicht auf alle warten! Denn der Gipfel ist hoch und eng der Pfad, und viele werden sich fürchten und aufgeben, ohne den halben Weg beschritten zu haben. Nur nach Überschreiten eines bestimmten Punktes kann ein Schüler hoffen, die Aufmerksamkeit des Guru auf sich zu lenken. Es wäre wirklich verlorene Zeit und eine unermeßliche Mühe, sich mit den Sprüngen unbeständiger Wanderer des Geistes zu befassen.

       Es gibt auch die vorherbestimmten Schüler, die bereits in ihren früheren Leben Schüler waren; und solch ein Schüler steht in der gegenwärtigen Inkarnation von Geburt an unter der hohen Führung seines Lehrers. Die Bedingungen seiner Geburt werden vom Lehrer bestimmt, und von früher Kindheit an kennt er seinen Lehrer. Für solche Geister gibt es daher keine Abweichung, und die Ereignisse ihrer Leben tragen sie wie ein unaufhaltsamer Strom zum vorbestimmten Ufer.

       Ich möchte Ihnen eine Seite aus der Lehre anführen:

       ”Wahrlich, beim Aufstieg des Geistes sollte man das Symbol des Gipfels als Ziel ins Auge fassen. Jeder Schüler sollte daran denken, daß das Meiden des Gipfels den Wanderer vom Pfade wegführt. Jede übermäßige Last behindert den Wanderer. Jeder Gipfel ist steil, und jedes unnötige Haften an der irdischen Welt läßt den Wanderer zurückbleiben. Es ist schwierig, sich am Abhang zu halten; so laßt uns an den Gipfel denken, wenn wir zum Aufstieg antreten. Es ist schwierig, den Gipfel zu erreichen, wenn der Geist die Grundsätze der Hierarchie nicht erfaßt …”

       ”… Die Abhänge sind steil, und man sollte daran denken, daß nur der Fuß des Berges breit ist …” (Feurige Welt, III. Bd.)

       Auf mein Angebot, Ihnen beim klareren Verstehen einiger schwieriger Stellen der Lehre zu helfen, schreiben Sie, daß Sie mich nicht mit persönlichen Fragen belästigen wollen und es für mich Zeitvergeudung wäre.

       Ich muß Ihnen sagen, daß Sie unrecht haben. Glauben Sie nur nicht, daß das Säubern der Lehre von unrichtigen Kommentaren etwas Persönliches oder Nutzloses ist, Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Entstellungen sich um die Lehre sammeln. Gerade die Großen Lehrer bestehen auf dieser Reinigung. Deshalb sollte jeder, der verstehen kann und ernstlich wünscht, den Pfad der Schülerschaft zu beschreiten, lernen, sein Verstehen zu vertiefen.

       Viele Hinweise sind in der Lehre verstreut, und in dem forschenden Geist eines ernsten Lesers kann das Interesse geweckt werden; er kann den Pfad vorbereitender Jüngerschaft beschreiten. Und dann bin ich gern bereit zu helfen, es wird für mich keine verlorene Zeit sein. Jedoch zum Beantworten der Fragen Neugieriger habe ich wirklich keine Zeit. Darüber hinaus, – wozu unwilligen Geistern Wissen abgeben? Es wird für sie nicht von Nutzen sein, sondern ihren Geist noch mehr verwirren. Wissen Sie, welche Fragen mir am häufigsten gestellt werden? ”Welches sind die sieben Bestandteile der Emulsion, die einen Yogi ausmachen? Was ist das Wasser L.? Wie viele Karotten sollte man täglich essen?…” usw. Und dies alles, wo die Bücher der Lehre voll sind von den tiefsten Mysterien und Lebensgrundlagen sowie entsprechenden Erklärungen. Doch daran sind sehr wenige interessiert.

       Wenden wir uns jetzt Ihrer Frage zu. Sie fragen: ”Was bedeuten Mahavan und Chotavan?” Wörtlich bedeuten diese Begriffe großer Rhythmus und kleiner Rhythmus.

       Mahavan und Chotavan sind die kosmischen Rhythmen, Rhythmen des Raumfeuers; zu bestimmter Zeit werden diese Rhythmen von jenen gefühlt, die auf dem Pfade des Agni Yoga schreiten. Sie werden nur kurze Zeit gespürt; andernfalls wären sie schwer zu ertragen, denn sie folgen einander mit großer Eile und Heftigkeit. Alle diese Rhythmen und den Rhythmus des zweifachen Dodekaeders habe ich selbst erlebt, doch es ist sehr schwer, sie zu beschreiben. Ich kann nur sagen, daß jede Zelle des Organismus mit diesem Rhythmus schwingt, wobei das Herz (was interessant ist zu beobachten) seinen üblichen, doch leicht gesunkenen Puls fortsetzt.

       Glauben Sie, daß diese Mitteilung auf den ersten Stufen dienlich sein kann? Alle diese feurigen Erfahrungen und Rhythmen treten auf, sobald ein Schüler das Stadium der Anpassung an das Raumfeuer erreicht hat. Wenn die Menschen von diesen Rhythmen hören, werden sie sie nur als etwas Mechanisches ansehen, sie werden, wie es in der Lehre heißt, den Kriegstrommler für den ”erfolgreichsten Rhythmiker” halten.

       Nun zu Ihrer nächsten Frage: ”Wie ist der Wandel der Blutsverwandtschaft in geistige Verwandtschaft zu verstehen?” Dies scheint mir sehr klar und offensichtlich zu sein! Im Leben können wir beobachten, daß uns oft Menschen ganz verschiedener Nationalität durch ihre geistige Entwicklung näherstehen als Blutsverwandte. Dafür gibt es viele Erklärungen; manchmal ist es das Karmagesetz, manchmal ist es die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Element, oder es kann eine Ähnlichkeit potentieller Energien geben, die im Geisteskorn eingelagert sind.

       Selbst wenn wir einfache Beispiele aus dem Alltagsleben herausgreifen, können wir von einer vernünftigen Person, z. B. jemandem, der sein Geschäft verbessern will, eher Zusammenarbeit mit fähigen und mit solcher Arbeit vertrauten Menschen erwarten als mit Verwandten, die sich offensichtlich als unfähig und manchmal sogar als nachteilig erweisen.

       Jeder von uns hat direkte Pflichten gegenüber seiner Familie, doch wollen wir sie nicht übertreiben. Häufig offenbaren Familien eine völlige Spaltung und Gegnerschaft; sie bilden einen Herd geistigen Zerfalls. Wäre es richtig und feinfühlig, für eine künstliche Aufrechterhaltung von Bindungen – die in den meisten Fällen unzulässig sind, weil sie gegen das höhere Gesetz verstoßen – Kraft zu verschwenden und die hohen Ideale zu opfern? Genau gesagt, deshalb unzulässig, weil viele durch menschliche Gesetze gerechtfertigte Bindungen auf Erden vom Standpunkt des kosmischen Gesetzes als illegal zu betrachten sind. Genau gesagt, schreckliche Verbrechen, Degeneration ganzer Völker und ein Niedergang der Zivilisation rühren von vielen solchen falschen Verbindungen her. Die Frage der kosmischen Gesetzmäßigkeit der Familie ist sehr tiefgreifend, sie berührt das Sein selbst.

       Das Verständnis für die Schaffung von richtigen gesetzmäßigen Verbindungen ist eine große Wissenschaft der Zukunft; und diese Wissenschaft wird auf unabänderlichen kosmischen Gesetzen beruhen.

       Viel ist über die Seelenverwandtschaft gesprochen worden, doch wer kennt und versteht diese Wahrheit in der vollen Größe des unabänderlichen kosmischen Gesetzes? Die Lehre besagt, daß sich die Menschen entsprechend den Elementen vereinen sollten. Nur Eltern, die demselben Element angehören, können ausgeglichene Nachkommen haben. Wogegen wir im Leben oft wahrnehmen, daß sich Feuer mit Wasser oder Luft mit Erde vermischen. Wahrlich, Sterilität und Degeneration ganzer Völker ergeben sich aus solchen Vermischungen. Es wird die Zeit kommen, wo die Menschheit diese Wahrheit verstehen und für richtig halten wird. Die Lebensform und menschlichen Funktionen müssen dem kosmischen Gesetz entsprechend aufgebaut werden, wenn die Menschheit auf diesem Planeten weiter bestehen und sich entwickeln will; andernfalls droht uns das Schicksal von Atlantis.

       Und für jene Scheinheiligen, die, nachdem sie über geistige Verwandtschaft anstelle von Blutsverwandtschaft gelesen haben, ihre Entrüstung und Verleumdung der Lehre zum Ausdruck bringen, ”weil familiäre Pflichten herabgewürdigt werden”, möchten wir die Worte Christi, zu dessen Lehre sie sich bekennen, ins Gedächtnis rufen: ”Wahrlich, ich sage euch, jeder, der Haus, Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Acker um meinetwillen und um der Frohbotschaft willen verläßt, wird hundertfältigen Lohn erhalten… und in der kommenden Weltzeit: Ewiges Leben ” (Markus 10:29-30). Welch deutliche Bestätigung des Gesetzes der Wiedergeburt ist in diesen und in den gleichen Worten aus dem Evangelium des Hl. Lukas (18:29-30) enthalten! Bedeutsam ist auch die Bestätigung: ”Selbst von Eltern, Brüdern, Verwandten und Freunden werdet ihr ausgeliefert werden, und einige von euch wird man töten” (Lukas 21:16).

       Mögen die Fragesteller auch für die folgenden Worte Christi eine Erklärung finden: ”Glaubt nur nicht, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Sohn mit seinem Vater zu entzweien, die Tochter mit ihrer Mutter, die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer Sohn und Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert” (Matth. l0:34-38).

       Mir scheint, nach diesen Worten klingt die Feststellung, die geistige Verwandtschaft trete an die Stelle der Blutsverwandtschaft, eher bescheiden! Es gibt keine größere Sünde als die Ausübung von Zwang auf den menschlichen Geist. Und wie oft können wir wahrnehmen, daß gerade die Nahestehenden uns solche Bürde auferlegen. Der Geist verträgt keinen Zwang und wehe den Bezwingenden!

       Würden Sie lieber zu jenen über die Lehre sprechen und sie diskutieren, die sie hassen, oder sich lieber einen Gleichgesinnten suchen nach dem weisen Ausspruch: ”Gebet das Heilige nicht den Hunden und werfet auch eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zertrampeln und sich umwenden und euch zerreißen” (Matth. 7:6)? Dies weist ebenfalls auf die Notwendigkeit hin, Blutsverwandtschaft durch geistige Verwandtschaft zu ersetzen.

       Alles ist gut und schön, wenn die Familie aus geistig vereinten Mitgliedern besteht. Wenn nicht, so hat keiner das Recht zu verurteilen, wenn ein Familienmitglied sich außerhalb seiner eigenen Familie Gleichgesinnten anschließt. Nur die geistigen Bande, die Bande des Herzens, sind von Bedeutung und können uns über Jahrtausende binden, wogegen die Bande des Blutes vorübergehend sind, und die Pflicht ihnen gegenüber mag als ein Teil karmischer Schuld angesehen werden. Wieviele Väter kennen ihre Söhne und Töchter nicht! Wollen wir daher nicht scheinheilig sein.

       Laßt uns hinsichtlich dieser Frage nicht sentimental sein, doch erkennen wir die wahre Pflicht eines Familienmitgliedes. Wenn wir reif genug werden, um zu verstehen, was wahre, gesetzmäßige Heirat bedeutet, wird sich die Frage der Bluts- und geistigen Verwandtschaft von selbst lösen. Doch bis dahin laßt uns die Vervollkommnung des inneren Menschen unterstreichen; denn gerade diese Selbstvervollkommnung wird uns helfen, viele Lebensprobleme zu lösen.

* * *

       Und jetzt – welches sind die sieben astralen Eigenschaften? Sie entsprechen genau den fünf Sinnen, die im irdischen Körper tätig sind, dazu kommt der sechste (das Gefühlswissen oder die sogenannte Intuition, die noch selten ist) und dann der siebente (Synthese oder Geistigkeit). Die astralen Gefühle bestehen in der gleichen Weise wie die physischen, doch als ihr feinstoffliches Gegenstück. Man kann sie nicht trennen – Einheit offenbart ihre Harmonie. Es besteht eine vollkommene Entsprechung zwischen dem feinstofflichen und physischen Körper. Daher muß der Grundsatz ”wie oben, so unten” stets gegenwärtig sein.

       Doch in der Tat, genauso wie die äußeren Gefühle oder Energien sich nur unter geeigneten Bedingungen offenbaren, so offenbaren sich auch die geistigen Fähigkeiten nur, wenn auf der inneren Ebene die astralen oder geistigen Bedingungen geschaffen werden. Die äußere Welt ist nur ein Widerschein der inneren.

       Und nun über die Einsamkeit. Mit der Bewußtseinserweiterung, mit der Erweiterung des Denkhorizonts, wird eine Person unweigerlich Einsamkeit verspüren. Jede gebildete und kultivierte Person hat, sobald sie sich über den allgemeinen Durchschnitt erhebt, Schwierigkeiten, sich an das Denken anderer Leute anzupassen. Was sollen aber jene sagen, die ihren geistigen Horizont bis zu den fernen Welten erhoben haben? Wer es lernt, nicht oberflächlich zu urteilen und nicht den Augenschein für Wirklichkeit zu halten; wer die Folgen sieht, in die die Menschheit verwickelt ist, der kann die wahren Ursachen der Ereignisse begreifen; wer versteht und weiß, daß das sogenannte Unsichtbare alle wahren Gründe, alle mächtigen Faktoren unseres Seins birgt; und wer die ganze Schönheit der höheren Welten kennt, ihre Gedanken, ihre Pläne bezüglich der Schönheit ihres Schaffens – kann er sie mit Menschen teilen, die sich von der irdischen Ebene nicht erhoben haben? Wer wird ihn verstehen? Und muß er sein Wissen nicht verbergen, um unfreundlichen Gefühlen auszuweichen und keinen Schaden zu verursachen? Er kann nur jene Art von Persönlichkeit zeigen, die von seinen Mitmenschen, welche belanglosen Augenschein für Wirklichkeit halten, geschätzt wird.

       In der Lehre ist treffend gesagt, daß ”jene, die eine kostbare Formel entdeckten, sie nicht zum Fenster hinausschreien können, weil der damit angerichtete Schaden größer sein würde als der Nutzen”. Es ist schwer, zusammenzuarbeiten und sich entsprechend dem Bewußtsein seiner Gesprächspartner zu unterhalten; es erfordert oft eine ungeheure Anspannung. ”Wenn es schwer ist, ein kleines Schwert in eine große Scheide zu stecken, wie viel schwerer ist es, ein großes Schwert in eine kleine Scheide zu stecken”? So ist der Geist einer solchen Person von dem Wunsch erfüllt, den Menschen durch das Licht der großen Lehre Freude zu bereiten, doch sie muß schweigen und sich dem Bewußtsein jener anpassen, die sie umgeben, damit diese die Zusammenarbeit annehmen, die nur auf ihr Wohl bedacht ist. Das ist die große Einsamkeit.

       Wahrlich, der Agni Yogi ist beides, ”die Lampe der Wüste” und ”der Löwe der Wüste”.

       Zum Schluß möchte ich hinzufügen, daß wir jeden, der Bewußtseinserweiterung erlangte, trotz dieser Einsamkeit beglückwünschen können. Nichts anderes kann der unbegrenzten Fortdauer der Möglichkeiten Sinn verleihen. Nur das geistige Wissen kann dem Menschen einen Platz in der Unendlichkeit zuteilen, wo es keine Einsamkeit gibt, sondern nur eine mächtige Anziehung zur Erhabenheit der Feurigen Welt.

       Uns ist ein gewisser Berührungspunkt gegeben, nach dem wir den Grad unserer Nähe zur Hierarchie des Lichts beurteilen können; es ist jenes heilige Beben des Herzens in erhabener Verehrung und Liebe zur Hierarchie des Lichts, das in allen unseren Worten und Taten eingedenk dieses großen Begriffs zum Ausdruck kommen sollte.

       Denken Sie daran, daß die genaue geographische Lage des Hauptbollwerks niemals bekanntgegeben werden kann, auch nicht jene der persönlichen Ashrams. Ebenfalls gleichen alle verfügbaren Bilder den Großen Lehrern nur wenig, oder sie haben mit den wahren Bildnissen der Meister überhaupt nichts Gemeinsames. Viel Unsinn ist über den erhabenen Begriff Bruderschaft verbreitet worden.

* * *

       Ich erhalte oft Informationen über die Wiedergeburt von H. P. Blavatsky. Einige englische Theosophen identifizieren sie mit einem in Indien geborenen kleinen englischen Mädchen. Außerdem erhalte ich oft Briefe, in denen mich Leute als H. P. Blavatsky ansprechen und um Erlaubnis bitten, mich zu besuchen! Doch ich versichere Ihnen, ich bin keine Wiedergeburt von H. P. Blavatsky. H. P. Blavatsky inkarnierte vor ungefähr vierzig Jahren, und im Jahre 1924 gelangte sie in ihrem physischen Körper sicher in das Hauptbollwerk.

       Ich bin sehr gerührt über Ihre Verehrung gegenüber H. P. Blavatsky. Es wäre wunderbar, wenn Sie einen Artikel über diese Löwenherz-Frau schreiben würden. Es wäre schön, wenn jemand ihrem Gedenken einen ersten Grundstein legen würde.

1. August 1934

       Die Hauptkraft des Moschus liegt sozusagen in ”seinem feurigen Laboratorium”, das die Kräfte der Zentren stärkt und so die schwächeren Organe mit Feuer nährt. Es muß verstanden werden, daß der feinere Organismus auf das Nähren mit Feuern positiv reagiert, während jene, die durch irdische Anziehung beeinflußt werden, das Gegenteil erfahren. Es können vorübergehende Krankheitserscheinungen auftreten, doch wird Moschus regelmäßig eingenommen, so können diese seltsamen Wirkungen verhindert werden. Die feurige Beschaffenheit des Moschus ist seine hervorstechendste Eigenschaft. Es muß auch verstanden werden, daß in einem feurigen Organismus die Wirkung von Moschus durch die feurigen Zentren verstärkt wird. Die Macht der feurigen Zentren sollte mit großer Sorgfalt beobachtet werden. Die Umwandlung der Zentren, welche die psychische Energie so mächtig anspannen, stärkt auch die Wirkung der feurigen Substanzen. Wenn wir daher über Moschus sprechen, müssen wir die innere Wirkung beachten, die diese feurige Substanz auslöst. Daher wird feines Begreifen feine Methoden bringen; das ist das Hauptproblem für die Verwirklichung der feurigen Umwandlungen. Alle unsere Bestrebungen müssen sich auf Vereinigung des Inneren mit dem Äußeren richten, doch wenn wir nur auf die äußeren Wirkungen bauen, so werden wir nur Teilergebnisse erhalten. Sehr richtig ist daher Ihre Bemerkung: ”Wenn der Neophyt begierig Moschus gebraucht und von diesem kostbaren Präparat täglich große Dosen zu sich nimmt, wird er kaum ein gutes Ergebnis erzielen, denn dies ist nur ein Hilfsmittel.” –

       Doch da dieses Präparat wegen seiner Unersetzlichkeit und Harmlosigkeit zur Erhaltung des Gleichgewichts zum allgemeinen Gebrauch gegeben ist und es auch ein Schutz gegen viele Krankheiten ist, einschließlich Krebs, sollte man versuchen, diese kostbare Substanz, die jetzt wesentlich billiger ist, zu erhalten. Darüber hinaus hinterlassen die meisten Herzmittel, ausgenommen Strophantin, schädliche Ablagerungen und können, wenn längere Zeit eingenommen, den Organismus vergiften.

       Moschus ist nach allen alten Quellen mit der Sonne verwandt und nicht mit der Venus. Und es ist unrichtig zu sagen, Moschus zähle zur Kategorie geschlechtserregender Mittel. Wahr ist, daß die mächtige ausgleichende Wirkung dieses Präparats alle normalen Funktionen des Organismus wiederherstellt, doch es kann nicht als sexuelles Reizmittel angesehen werden. Wenngleich bekannt ist, daß die Weibchen in der Begattungszeit durch den Duft der Moschusabsonderung der Männchen in Büschen und auf Felsen diese auffinden, so dürfen wir nicht vergessen, daß das, was lediglich den Instinkt in einem Tier steigert, eine bewußte verstärkte Wirkung in den feinen Zentren eines menschlichen Wesens hervorrufen kann. Und Moschus hat genau diese Eigenschaft. Daher ist Moschus für die geistige Arbeit besonders nützlich.

       Die Forschungen in ayurvedischer und tibetischer Medizin weisen darauf hin, daß Moschus in beinahe allen tibetanischen und in vielen indischen Medikamenten Verwendung findet. In Indien wurde er seit alters verwendet. Die indische Medizin ist älter als die arabische.

* * *

       Und nun eine interessante Mitteilung über die Bedeutung von Düften. In dem Buch ”Fünf Jahre Theosophie” gibt es einen ausgezeichneten Artikel von dem Mediziner Dr. L. Salzer. Er ist benannt ”Odorigen and Jiva”. Der Verfasser setzt sich darin mit der Rolle und der Bedeutung des Duftes auseinander.

       In amtlichen Arzneibüchern finden wir oft eine Bemerkung wie ”Ihr Verhalten gleicht dem ätherischen Öls”. Dazu müssen wir sagen, daß diese Feststellung äußerst ungerechtfertigt ist, da jede aromatische Substanz ihre eigene Wirkung ausübt, nur hat man sie noch nicht gründlich analysiert. Die sogenannten ätherischen Öle, diese charakteristischen Besonderheiten bestimmter Pflanzen, werden für die Zukunft sehr bedeutsam sein. Doch soweit hat man dies noch nicht erkannt, und daher sind solche Artikel wie ”Odorigen and Jiva” Wegweiser der Zukunft.

       Ich möchte Auszüge aus diesem Artikel anführen: ”Daß diese starkriechenden Substanzen auf keinen Fall träge Körper sind, kann aus ihrer Flüchtigkeit gefolgert werden, da, wie in der Physik bekannt, Flüchtigkeit einem Zustand atomistischer Tätigkeit entspringt. Prevost beschrieb zwei Phänomene, die bei geruchsstarken Substanzen beobachtet werden können. Erstens, wenn ins Wasser getropft, sie sich zu bewegen beginnen; und zweitens, daß sich eine dünne Wasserschicht auf vollkommen reiner Glasplatte zurückzieht, sobald solch starkriechende Substanz wie Kampfer hinzukommt. Monsieur Ligeois hat ferner gezeigt, daß die auf Wasser getropften Teilchen einer starkriechenden Substanz einer schnellen Teilung unterliegen und die Bewegung von Kampfer oder Benzolsäure gehemmt oder sogar eingestellt wird, wenn eine starkriechende Substanz mit dem Wasser, in dem sie sich bewegen, in Berührung kommt.

       Auf Grund dieser Beobachtung, daß geruchsintensive Substanzen, wenn sie mit flüssigen Körpern in Berührung kommen, in eine besondere Bewegung geraten und dem flüssigen Körper die Bewegung gleichzeitig weitergeben, können wir einwandfrei den Schluß ziehen, daß diese spezifische formende Fähigkeit des Protoplasmas nicht diesem selbst, da es überall gleich ist, eigen ist, sondern den spezifischen, geruchsstarken Substanzen.”

       Nun eine weitere nützliche Information: ”Die Alten erwähnten die Wissenschaft der ”Merkmale oder charakteristischen Züge”. Der Mensch, der die Wesenszüge (wie Form, Geruch, Gattung) einer Pflanze kennt, könnte das Wissen für medizinische und andere Zwecke ”ohne die Notwendigkeit blinder Experimente und zufälliger Entdeckungen” anwenden. Das gleiche bezieht sich auf das Mineral- und Tierreich. Dies wird die ”Wissenschaft der Entsprechung” genannt. Und da die ganze Natur nach einem bestimmten Plan aufgebaut ist, kann ein geistig aufgeschlossener Forscher diese ”Übereinstimmungen” in allem aufspüren. Paracelsus verstand diese Wissenschaft, und seine Wunder waren die Ergebnisse der Anwendung dieser Prinzipien. Astrologie ist der erste Schritt auf diesem wissenschaftlichen Gebiet. Der Artikel ”Odorigen and Jiva” wurde übrigens Frau Blavatsky einmal von ihrem Guru übergeben. Er wünschte, daß er in der Zeitschrift ” Lucifer” erscheine, glaube ich. Würden die Russen anstatt der Bücher von L. die Artikel von H. P. Blavatsky übersetzen, wäre der Nutzen groß. Für die Wunderliebhaber gibt es im ersten Band von Olcott’s ”Alten Tagebuchblättern” und in der ”Okkulten Welt” von A. P. Sinnett deren viele. Viel Licht könnte allerdings durch die ”Briefe der Mahatmas” auf die ganze Bewegung geworfen werden sowie durch die ”Briefe von H. P. Blavatsky an A. P. Sinnett”.

* * *

       Nehmen Sie zur Kenntnis, daß Soma nicht der Ätherkörper ist. Soma ist eine feinstoffliche Absonderung der Drüsen, die eine Art Schutznetz für die Zentren bildet. Mit solchem Schutz kann daher die Umwandlung der Zentren fortgesetzt werden, da sie durch die Isolierung der Zentren weniger gefährlich ist. Auch unter dem Schnee leben und wachsen einige Pflanzen. Manchmal entwickeln sich die wundervollsten Pflanzen unter reinem Schnee. So bietet Soma Schutz vor Zentrenbrand.

* * *

       Man sollte nicht sagen, daß der Ätherkörper der Niederschlag psychischer Energie ist. Wie könnte das sein, da der Ätherkörper nach dem Tod des Menschen im Bereich irdischer Anziehung verbleibt und schnell zerfällt, wogegen gerade die Anhäufung psychischer Energie den Geist nach dem Tod in die von ihm selbst bestimmte Höhe emporträgt?

       Der Ätherkörper oder die feinstofflichen Fluide, die dem physischen Körper entströmen, sind Ausstrahlungen der physischen Zentren. Der Ätherkörper festigt den physischen Körper und stärkt den Astralkörper, da er ein Bindeglied dieser beiden Körper ist.

       Überschätzen Sie die Bedeutung von Pranayama nicht! Die von echten Raja Yogis geübte Atemtechnik hat mit gewöhnlichem Pranayama wenig zu tun! Die Hatha Yogis sind nur an der Überwachung der Lebensatmung der Lungen interessiert, wogegen die alten Raja Yogis Pranayama als ein geistiges Atmen betrachteten. Wahrlich, nur die Beherrschung dieses geistigen Atmens verleiht Hellsichtigkeit, die Funktion des dritten Auges herstellend und zu den wahren Errungenschaften von Raja Yoga führend.

* * *

       Und nun einige Antworten auf Ihre Fragen:

       1.) Für die Wissenschaft der Zukunft ist es weit wichtiger zu erfahren, daß Moschus alle Nervenzentren mit feuriger Energie nährt als seine okkulte Geschichte zu kennen.

       2.) Alles im Kosmos ist nach einem Prinzip aufgebaut; daher die große Übereinstimmung zwischen allen Organismen der verschiedenen Naturreiche. Wenn daher von der Herzensenergie der Natur gesprochen wird, muß man in jedem Organismus der Natur die belebende magnetische Substanz suchen, die der Ablagerung der Herzensenergie entspricht. In der Lehre sind einige besonders klare Beispiele von Ablagerung dieser Substanz erwähnt. Deodar oder Zeder, Moschus und Bernstein gehören zu den Lebensspendern.

       3.) Wenn physisches Feuer der beste Reiniger ist, um wieviel stärker ist die Substanz, die das lebenspendende Feuer in uns vermehrt! So oft wird in der Lehre erwähnt, daß psychische Energie ein Allheilmittel gegen alle Krankheiten ist. Die Entdeckung des Kristalls der psychischen Energie würde vielen Krankheiten ein Ende bereiten. Alle bösartigen Krankheiten, wie z. B. Krebs, sind nur in einem völlig erschöpften Organismus ohne psychische Energie möglich. Es wäre interessant, das Blut eines Krebskranken zu untersuchen und es mit jenem eines gesunden Menschen zu vergleichen. Viele nützliche Entdeckungen könnten auf diese Weise gemacht werden. Übrigens werden solche Untersuchungen bereits angestellt.

       4.) Alles, was zum Reinen und Guten bestrebt ist, sollte gefördert und geschützt werden. Doch es muß verstanden werden, daß kein einziger Lehrer der Bruderschaft nach jahrelangem Aufenthalt im Bollwerk während der Zeit des Harmagedons unter Menschen leben kann.Wenn selbst fortgeschrittene Schüler sich nicht lange in Tälern aufhalten und bestimmte Auren ertragen können, um wieviel schwieriger ist es für die Lehrer der Weißen Bruderschaft! In dem Buch ”Die Briefe der Mahatmas” ist erwähnt, daß der Große Lehrer K. H. nach Kontakt mit den Tälern und den Menschen schwer erkrankte. Der Große Lehrer K. H. ist auf Geheiß des Herrschers von Schambhala für längere Zeit nach Tibet zurückgerufen worden, um sein Schutznetz wiederherzustellen. Gewiß können sich die Mahatmas vor den Einflüssen der Massen abschirmen, doch durch solch eine Verteidigung würden viele sich plötzlich in der Feinstofflichen Welt vorfinden; daher nutzen die Mahatmas diese Macht nicht. Wenn der Große Lehrer M. für Treffen mit Frau H. P. Blavatsky Sikkim besuchte, rauchte er zum Schutz immer ein spezielles Ozonpräparat. Das war übrigens der Beginn jener Mythe, daß Mahatma M. Tabak rauchte. H. P. B. erwähnte in ihrer Beschreibung über das Treffen mit M. M. eine indische Pfeife, doch vergaß sie hinzuzufügen, um welche Pfeife es sich handelte und womit sie gefüllt war. So entstehen Mythen.

       5.) Und nun, was ist das Feuer Aryavarta? ”Aryavarta” bedeutet das Land der Arier. Dies ist der alte Name von Nordindien, wo nach der Zerstörung von Atlantis die ersten Neuankömmlinge aus Zentralasien siedelten. Dieser Name bezieht sich hauptsächlich auf die Gebirgstäler der Himalajaketten, doch nicht auf das ganze Flachland Indiens. Unser Ashram befindet sich in dem ältesten und heiligsten Aryavarta. Das Feuer von Aryavarta bezeichnet den großen Geist und die innere Kraft dieses Volkes. Die Indo-Arier nennen sich ebenfalls Aryavartas.

       Der ‚Balsam der Mutter der Welt‘ ist ein von meinem Sohn Swetoslaw hergestelltes wunderbares Heilmittel, es basiert auf einem der ältesten Rezepte, doch mit zusätzlichen neuen Bestandteilen. Es ist vor allem bei der Behandlung von alten bösartigen Wunden unersetzlich.

       6.) Was bedeutet ”Santana mit dem Herzen durchschreiten”? ”Santana” bedeutet Strom. Im Buddhismus wird die Kette unserer Leben in ihrem steten Fließen mit einem Strom verglichen. Daher bedeutet ”Santana mit dem Herzen durchschreiten”: alle Leben in unermüdlichem Streben des Herzens zu durchschreiten.

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       Wenn Sie das von Ihnen erwähnte Buch lesen, vergessen Sie nicht, was ich Ihnen in meinem letzten Brief über Visionen und Träume sagte. Alles Unechte in den von Ihnen beschriebenen Einweihungsszenen wird Ihnen klar werden. Die Großen Lehrer würden nie ihre kostbare Zeit mit solch kindischen Vorstellungen vergeuden. Wahre Einweihung bedarf keiner Rituale. Sie vollzieht sich, wenn der innere Mensch bereit ist, und nur der Große Lehrer ist zugegen, da Er den verwandelnden Strahl lenkt, den der Schüler in sich aufnehmen muß.

       Denken Sie daran, was in dem Buch ”Blätter des Gartens MORYA”, Bd. II, § 328, über den höchsten letzten Akt aller Mysterien gesagt ist. ”… Der höchste und letzte Akt aller Mysterien zeichnet sich durch das Fehlen jeglichen Zeremoniells aus. Oft spricht der Einweihende zum Neophyten: Du bist zu Mir hierher gekommen, nun bist du im Besitz des Geheimnisses; doch was kann Ich dir noch geben, wo sich die Krone der Vollendung in dir selbst befindet?! Setze dich, öffne die letzten Tore und Ich will dir den letzten Aufstieg durch Mein Gebet erleichtern.” Denken Sie immer daran, daß es dort, wo die würdevolle Einfachheit verlorenging, keine Schönheit gibt. Daher kann es dort die Große Nähe nicht geben. Vergessen Sie auch nicht, daß alle Zeremonien auf Erden für die Erde geschaffen wurden – gerade für das irdische Bewußtsein; wogegen die höchsten Mysterien geheimgehalten wurden und bar jedes Zeremoniells waren.

8. August 1934

       Man sollte das Leben auf der irdischen Ebene nicht als unreal oder für weniger real als das in den anderen Welten betrachten. Nur das irdische Leben verleiht die Grundlage für unsere weitere Vervollkommnung und bewußtes Sein in der Feinstofflichen Welt. Nur hier, im Laboratorium dieses Lebens, können Wir neue Antriebe und Energien erwerben und sie augenblicklich in höhere Aufspeicherungen für das weitere Sein in den Feinstofflichen Welten umwandeln. Wahrlich, ein auf der Erde bewußtes Leben gewährt die Wirklichkeit von Leben in anderen Welten, denn im Kosmos herrscht vollkommene Übereinstimmung. Je weiter, je tiefer daher unser Bewußtsein ist, um so feiner sind unsere Gefühle – um so leuchtender und schöner ist für uns die Wirklichkeit aller anderen Sphären.

       Die östlichen Lehren, die von Maja oder Illusion sprechen, meinen an erster Stelle die ewige Veränderlichkeit aller Dinge im Universum. (Der Buddhismus sagt: ”Es gibt keine Beständigkeit im Kosmos, da selbst der einfachste Gegenstand in zwei aufeinanderfolgenden Momenten verschieden ist.”) Zweitens, durch den Hinweis auf die vorübergehenden Zustände auf unserer Erde, genauso wie in den darauf folgenden Welten, versuchen sie, uns zu lehren, nicht zu sehr an unserem irdischen Körper zu haften und uns nicht den niederen irdischen Anziehungen hinzugeben, sondern lieber zur ewigen Erneuerung (d. h. Evolution) und zu neuen Eroberungen bestrebt zu sein. Sie empfehlen uns, um schöne geistige Aufspeicherungen bemüht zu sein, da wir nur auf diese Weise ein wirkliches Sein in den Feinstofflichen Welten fortsetzen können und beim nächsten Verweilen auf Erden ein bewußteres Leben haben werden. Denken Sie daran, daß für den Geist mit einem geringen Bewußtsein und ohne Bestrebung das Leben in der Feinstofflichen Welt, trotz ihrer vollkommenen Realität, sehr trüb sein kann. Daher ist es richtig zu sagen, daß alle Welten insoweit real sind, als unser Bewußtsein imstande ist, sie zu erfassen. Gerade die Maja der Alten gleicht unserem Gesetz der Relativität. So ist in Band I, § 322 des Buches ”Feurige Welt” gesagt: ”Die ganze Wahrnehmbarkeit der Feinstofflichen Welt ist relativ, sie variiert entsprechend der Bewußtseinsentwicklung.”

       Seltsam ist der Ausdruck Ihres Korrespondenten, ”daß nicht nur das Bewußtsein eines Menschen unsterblich ist, sondern auch der eigentliche Mensch”. Doch Bewußtsein ist, wie Sie richtig feststellen, der eigentliche Mensch! Da das Bewußtsein eine Verbindung von hohen und niederen Energien ist, muß es natürlich gemäß dem Grad und der Ebene, auf der dieses Ego (oder Bewußtsein) sich befindet, sein entsprechendes Gefäß besitzen.

       ”Das Bewußtsein enthält sowohl alle Spuren vergangener Leben, Eindrücke jeder Erscheinung als auch jeden Gedanken und das Streben zur Öffnung eines weiten Horizonts. Das Bewußtsein wird vom ”Kelch” und vom Herzen genährt, und jede komprimierte Energie ist – untrennbar mit dem Geist verbunden – im Bewußtsein eingelagert. Wird der Geist vom Körper getrennt, bewahrt er die völlige Verbindung mit den höheren und niedrigeren Energien. Gewiß, der Lehrer lenkt weise, indem er auf die lebendige Umwandlung hinweist. In der Tat, durch die Unsterblichkeit des Geistes werden alle Äußerungen der Lebensenergie bewahrt. Aus den Ablagerungen bilden sich die künftigen Kristalle; und Gedanke, Herz und Schaffenskraft sowie alle anderen Erscheinungen sammeln diese Energie. Das gesamte feurige Potential des Geistes besteht aus Ausstrahlungen von Lebensenergie. Spricht man daher von Geist und Bewußtsein, so muß der Geist als Kristall aller höheren Erscheinungen angesehen werden. Die Alten wußten von der kristallenen Eigenschaft des Geistes, und der Geist offenbarte sich in allen höheren Erscheinungen als Feuer oder Flamme. Daher ist es so wichtig, die wahre Bedeutung feuriger Umwandlung zu verstehen. Wahrlich, Geist und Materie verfeinern sich impulsiv zur Erlangung des höheren feurigen Bewußtseins.” (Feurige Welt, Bd. III)

       Weiterhin schreibt Ihr Briefpartner, daß ein entwickeltes Ego sich den physischen Körper nach seiner Vorstellung aufbaut. Ja, natürlich kann ein entwickeltes Ego selbst in der Struktur des physischen Körpers viele Verbesserungen vollbringen; jedoch sind alle Offenbarungen auf der physischen Ebene zugleich abhängig von den Gesetzen eben dieser Ebene. Deshalb trägt auch das entwickelte Ego, wenn es in eine bestimmte Rasse oder Nationalität hineingeboren wird, die Wesenszüge dieser Rasse. Sie können Ihrem Briefpartner sagen, daß in allen von ihm erwähnten Inkarnationen des Großen Lehrers immer die Merkmale der entsprechenden Rasse und Nationalität, in welcher Er inkarnierte, offensichtlich waren.

       Falsch ist auch die Meinung, daß das Studium der Astrologie einen Menschen zurückhält. Bis jetzt ist Astrologie vor allem als eine Wissenschaft der Zukunft erachtet worden. Doch es ist wahr, daß Astrologie in Händen von ”modernen Adepten” von Zuverlässigkeit weit entfernt ist. Auch hier in Indien sind nur wenige gute Astrologen übriggeblieben.

       Astrochemie ist eine Wissenschaft der allernächsten Zukunft. Sowohl der Chemismus der Sonnenflecken als auch der Einfluß des Mondes werden bereits studiert. Bald wird auch der Chemismus der nächsten Planeten erforscht werden. Dies wird einen weiteren Schritt zur offiziellen Anerkennung der Astrologie bedeuten, denn Astrochemie ist die Grundlage der Astrologie. Doch die esoterische Astrologie ist unter den modernen Astrologen wenig bekannt. Der Schlüssel zu ihr liegt in den Händen der Großen Lehrer, und diese geben ihn nur den engsten Schülern – und nur dann, wenn ihre Mission es erfordert. Das Wissen über die geheimen Berechnungen esoterischer Astrologie in Händen des Bösen oder Verantwortungslosen könnte die Zerstörung der Welt verursachen.

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       Sie haben recht, daß gegenwärtig soviel Phantastisches und meist mittelmäßiger Unsinn über die Großen Lehrer geschrieben wird. Sehr viele schädliche Entstellungen wurden um die Großen Bildnisse zusammengetragen, genauso wie um alle Lehren. Wahrlich, die Zeit der feurigen Reinigung ist jetzt gekommen, wie von den Großen Lehrern vorausgesagt. Doch der phantastische Unsinn mancher Schreiber ist vielleicht nicht so gefährlich, denn sie legen wenigstens etwas in ihre Schriften, was sie als das Maximum an Kraft, Erhabenheit und Schönheit erachten. Viel gefährlicher sind diese bewußt oder unbewußt falschen Behauptungen von Personen, deren Autorität sich für viele Jahre festigte. Ihre Empörung besteht völlig zu Recht; allerdings, über solche Inkarnationen wie von Alexander dem Ersten oder Dmitri Donski wird in keinem der Bücher über die Leben der Großen Lehrer berichtet.

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       Recht haben Sie auch, wenn Sie meinen, daß in allen Versuchen der Finsteren ein bestimmtes System vorhanden ist. Gerade sie sind bestrebt, jedes reine Beginnen in Mißkredit zu bringen. Und der leichteste Weg, dies zu erreichen, ist es, finstere oder verantwortungslose Personen in die Zentren wohltätiger Aktivitäten hineinzubringen. Das ist der Grund, warum in den Büchern der Lehre so darauf bestanden wird, Neuankommende genau zu erkennen. Unterscheidungsvermögen ist der Schlüssel zur Errungenschaft und zum Erfolg. Daher ist der Gedanke, Gruppen für das Studium von Wissenschaft und Kunst zu bilden, weise und in jeder Hinsicht nützlich. Solche Studien stimmen mit den in der Lehre aufgezeigten Aufgaben der Selbstvervollkommnung mehr überein als vieles andere. Darüber hinaus würde dies eine gute Gelegenheit bieten, die Charaktere der Studierenden zu beobachten, um in die Lehre der Lebendigen Ethik nur gründlich geprüfte Personen aufzunehmen.

       Wissenschaft, Kunst und die LEBENDIGE ETHIK bilden eine schöne Dreiheit. Machen Sie es sich daher zur Regel, daß es nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität ankommt; lassen Sie jene ziehen, die auf dem Pfad des Lichts nicht folgen können. Denken Sie daran, daß Buddha einmal, nachdem er seine Predigt beendet hatte, von 5.000 seiner Anhänger verlassen wurde und nur eine kleine Gruppe übrigblieb. Doch der Große Lehrer lächelte und sagte: ”Es ist gut, daß sich die Spreu vom Weizen trennte; es verbleibt die Gemeinschaft, die in ihrer Einigkeit stark ist.” Ja, die Großen Lehrer schätzen eine engverbundene Gruppe geprüfter Mitarbeiter und suchen keine Menschenmassen.

       Ich möchte aus der Lehre folgendes zitieren: ”Nicht ohne Grund wählten die alten Weisen für sich die Beschäftigung mit Kunst oder mit dem Handwerk. Jeder mußte sich einige Handfertigkeiten aneignen. Sie sahen darin ein Konzentrationsmittel. So stärkt jeder in seinem Streben zur Vervollkommnung den Willen und die Aufmerksamkeit. Auch an den uns zugegangenen Gegenständen kann man eine hohe Qualität an Kunstfertigkeit wahrnehmen. Gerade jetzt ist die Zeit gekommen, sich wieder handwerklicher Arbeit zuzuwenden. Man kann die geistigen Begrenzungen nicht mit den Grenzen der Maschine gleichsetzen. Man muß sich die Zeit nehmen, Qualitätshandarbeit zu schaffen, die die Vorstellung wieder belebt. Gerade Qualität und Vorstellungskraft sind auf den Stufen der feurigen Errungenschaft miteinander verbunden.” (Feurige Welt, II. Bd.)

       Glauben Sie nicht, daß dies ein herrliches Gebot zur Formung neuer Gruppen ist?

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       Auf die von Ihnen erwähnte Bemerkung eines Ihrer Widersacher, ”in den Büchern der Lebendigen Ethik wären zu viele drohende Warnungen, und dies sei nicht die Methode Christi”, könnte geantwortet werden, daß diese Person die Lehre Christi nicht kennt oder versteht, eine Lehre, die in ihren Angriffen gegen die Scheinheiligen sowie in ihrem Streben zum selbstlosen Dienst an der Menschheit streng ist. Auch könnte man auf verschiedene ernste Warnungen in den Worten Christi hinweisen. Allerdings, schwache Herzen ziehen es vor, ihre widerlichsten Verdrehungen mit dem allesverzeihenden Lächeln eines Bildnisses Christi zu verdecken, das sie in gotteslästerlicher Art selbst schufen. Wie ungerecht, grob und bedeutungslos wäre solch eine nachsichtige und alles verzeihende Liebe! Seit langem ist gesagt worden, daß ”alle Wasser von Urdar und Uruvela die von solch gotteslästerlichen Händen verursachte Beschmutzung des Gewandes Christi nicht reinwaschen.” Wahrlich, die Zeit für die feurige Reinigung der Großen Bildnisse der Lehrer und ihrer Vermächtnisse ist gekommen!

       Denken Sie daran, daß Besessene immer in gotteslästerlicher Weise über die Lehre sprechen; das ist ein ihnen eigener Wesenszug.

       Und nun zu Ihren drei Fragen. ”Siddha” ist ein Heiliger und Weiser, der bereits eine beinahe gottähnliche Stufe erreicht hat. ”Siddhi” sind Merkmale der Vervollkommnung oder die durch ein reines Leben erworbenen phänomenalen Fähigkeiten und Kräfte der Yogis. ”Saddhu” ist eine heilige Person, ein geistiger Lehrer, und diese Benennung wird derzeit fast für alle Wandermönche und Pilger angewandt.

       Sie fragen nach dem Begriff ”Khatak der Mutter der Welt”. ”Khatak” ist die heilige Seidenschärpe, die Mongolen und Tibetaner allen geistigen Vertretern und besonders geachteten Persönlichkeiten als Zeichen der Verehrung überreichen. In buddhistischen Schreinen sind alle Heiligenbilder mit diesen Seidenschärpen verhüllt oder darin eingehüllt, deren Länge von einem bis zu fünf Yard reicht und die eine Breite von einem Viertel bis zu einem Yard aufweisen. In Tibet sind die Schärpen weiß und gelb und in der Mongolei blau und gelb. Manchmal sind sie mit Heiligenbildern oder Glückszeichen durchwirkt. Der Khatak ist ein Symbol des Schutzes und der Hilfe. Auf den heiligen Gemälden Tibets und der Mongolei, den sogenannten Tankas oder Bannern, kann man vielfach bildlich dargestellt sehen, wie ein Heiliger aus der Feinstofflichen Welt einem Sünder in den niederen Sphären einen Khatak hinunterreicht, auf dem der Sünder aufsteigt.

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       Der Große Geist an der Spitze des Neuen Zyklus muß die Synthese aller großen Bildnisse jedes vergangenen Zyklus in sich vereinen. Daher umfaßt die Synthese von Maitreya alle Strahlen.

11. August 1934

       Ich kann Ihrer Feststellung, ”der Verdienst der Inquisition läge darin, durch Verbrennen von ungefähr zehn Millionen Hexen und Zauberern die Massen von schwarzer Magie und Satan gewidmeten nächtlichen Orgien abgehalten zu haben”, nicht beistimmen. Wahrlich nicht! Durch Töten von Millionen ihrer Opfer schuf die lnquisition die fürchterlichste unheilvolle Besessenheit. Wir wissen aus den Geheimen Lehren, daß die vor Ablauf ihres Lebensimpulses gewaltsam in die Feinstoffliche Welt getriebenen Seelen über einen noch nicht erschöpften Vorrat an magnetischer Anziehungskraft verfügen. Da sie wegen der niederen Entwicklung ihres Bewußtseins die Ströme der höheren Schwingungen nicht aufnehmen können, sind sie an die Erde gebunden. So drängen sie danach – ganz gleich durch welche Mittel –, mit diesen Lebenskräften in Berührung zu kommen. Nach der Inquisition zog Ingrimm und Rachsucht diese Opfer zu ihren Verfolgern. Indem sie ihre Mörder besessen machten, zwangen sie diese, noch ärgere Verbrechen zu begehen; manche trieben sie bis zum Selbstmord, um die Ausstrahlung des Blutes genüßlich zu absorbieren und, wenn auch nur für kurze Zeit, die Illusion des Lebens zu erfahren.

       Nein, die Inquisition ist nicht nur zur Verfolgung von kläglichen Hexen und Zauberern (meistens waren es Medien) eingerichtet worden, sondern um alle andersdenkenden Menschen und die persönlichen Feinde der auf absolute Macht erpichten Vertreter der Kirche zu vernichten. Zu den sogenannten Feinden der Kirche zählten vor allem die aufgeklärten Geister, die sich für das Allgemeinwohl einsetzten, sowie die wahren Nachfolger des Testamentes Christi. Freilich, die leichteste Art, die Feinde zu vernichten, war, sie zu beschuldigen, mit dem Teufel im Bunde zu sein. Diese teuflische Psychologie versuchten die sogenannten ”Hüter der Reinheit der christlichen Grundsätze” auf jede mögliche Art dem Bewußtsein der Massen einzuflößen. Kein Wunder also, wenn an jenen Tagen Visionen von Nonnen und Mönchen den Stempel satanischen Einflusses trugen, da sie voller teuflischer Bilder und aller Art häßlicher Versuchungen waren.

       Die Verfolgung der armseligen Hexen und Zauberer, der Medien und Besessenen war nur ein Vorwand. Die Inquisition wurde geschaffen, um ungehemmt die Herrschaft über die arme, geängstigte Bevölkerung zu erlangen. Die wirksamsten Mittel, dies zu erreichen, waren Erpressung und Vernichtung aller jener, die bestrebt waren, Licht in die Finsternis des Mittelalters hineinzutragen, – jener, die zu unabhängig waren, die es wagten, vom Allgemeinwohl zu sprechen und sich gegen dieses durch die Vertreter der Inquisition verkörperte Teufelsreich aufzulehnen. Die Errichtung der Inquisition war eine schreckliche Karikatur Göttlichen Gerichts. Sie wurde vom Fürsten dieser Welt angestiftet, um den menschlichen Glauben an die Reinheit, Güte und Gerechtigkeit der Kirche für immer zu verfälschen.

       Es ist erbaulich, die von ihren eigenen Geistlichen geschriebenen Biographien von Heiligen der katholischen Kirche zu lesen. Diese Kirchengeschichte ist eines der blutigsten Kapitel in der menschlichen Geschichte überhaupt. Ein anderes unvergeßliches Verbrechen war das Blutbad der Bartholomäusnacht, das mit Massenmord gleichbedeutend geworden ist. Ich rate Ihnen, den ”Großinquisitor” von Dostojewski wieder zu lesen. Unzweifelhaft ist dieses Werk von seinem inspirierten Geist diktiert worden. Auch im Westen wurde im letzten Jahrhundert ein bemerkenswertes Buch von E. D. White veröffentlicht: ”Der Kampf der Religion mit der Wissenschaft”.

       Sie handeln richtig, wenn Sie vor dem Interesse am Spiritismus warnen. Ich muß hinzufügen, daß in früheren Zeiten alle magischen Rituale und Handlungen in Ehren gehalten und von den Vertretern der westlichen Kirchen genau befolgt wurden und daß von ihren Nachfolgern und Anhängern auch heute noch Magie betrieben wird. Denken wir an die Zauberbrüder von Papst Honorius und andere. Über die ganze Welt verbreiten sich viele schwarze Logen. Wie könnte es auch anders sein? Wir befinden uns jetzt inmitten der in den meisten alten Prophezeiungen und Schriften der Völker vorausgesagten Größten Schlacht. Wir nähern uns der vom Archistrategen Michael geführten großen entscheidenden Schlacht zwischen den Armeen des Lichts und den Horden des Fürsten dieser Welt. Wir nähern uns dem Tag des Großen Gerichts, wo die ganze Armee von Gog (barbarisches Volk der Bibel, welches in der Endzeit untergeht – Anm. des Herausgebers) vernichtet werden muß. Doch unabänderlich ist das Gesetz des Lichts; die Finsternis wird niedergeschlagen werden.

       Ganz richtig bezeichnen Sie den Spiritismus und alle magischen Praktiken als ”geistige Entartung”. Spiritismus führt auf Abwege; er öffnet den entkörperten Wesenheiten, die meistens der niederen Sphäre der Feinstofflichen Welt angehören, das Tor; Spiritismus dient der Evolution ebensowenig wie Magie. Es kann beobachtet werden, daß viele, die okkulte Schriften lesen, sich auf alles stürzen, was sich in der einen oder anderen Art mit Psychismus befaßt und auf die Möglichkeiten zur Erwerbung verschiedener psychischer Kräfte hinweist. Doch fast niemand denkt daran, ”Was geistige Entwicklung” bedeutet! Wie man das Gefühlswissen in sich erweckt, was den einzigen Weg darstellt, um wahre geistige Erleuchtung zu erlangen.

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       Sie fragen, ob man einen irdischen Lehrer haben soll, wenn man bereits als enger Schüler vom Großen Meister aufgenommen worden ist? Doch lassen Sie mich daran erinnern, daß auch Sie eigene Gruppen bilden und die Lehrer bestimmen! Warum tun Sie das? Tun Sie es nicht, um die Aufnahme der ersten Stufen der Lehre besser zu gestalten und folglich den weiteren Fortschritt zu ermöglichen? Und wie würden Sie solche Lehrer bezeichnen? Sind sie nicht auch irdische Lehrer? Und waren nicht auch die großen Religionsstifter und Philosophen zu ihrer Zeit ”irdische Lehrer”? Verspotteten die Menschen sie nicht und lehnten sich gegen sie auf? Und jetzt werden sie von denselben Widersachern in den Rang der Götter und Großen Erleuchteten erhoben!

       Haben Sie je darüber nachgedacht, warum wir in der Großen Gemeinschaft oder Bruderschaft meistens solchen begegnen, die Orientalen von Geburt sind? Hat dies nicht etwas mit dem spezifischen Wesen der Menschen des Ostens zu tun, einem Wesenszug von ganz besonderer Eigenart? Genauso ist es. Und die erste dieser Eigenschaften, die sich dem Bewußtsein der Menschen im Laufe von Jahrhunderten einprägte, ist gerade die Hingebung an den Guru! Im Osten wird das Band zwischen Schüler und Guru auch jetzt noch, über jede Blutsverwandtschaft hinaus, als das heiligste betrachtet. Und okkult gesehen, ist dies ganz richtig, denn der Lehrer schafft das Bewußtsein des wahren Menschen, des inneren Menschen, des Trägers von Karma; daher übernimmt der Guru auch Verantwortung für einen Teil des Karmas seines Schülers. Die Auswahl von Schülern muß darum mit größter Überlegung und Sorgfalt getroffen werden.

       Doch jene, die vom Verstehen des heiligen Begriffs der Jüngerschaft noch weit entfernt sind, dürfen von uns nicht gezwungen werden. Mögen sie ihren eigenen Weg gehen. Der kürzeste Weg, der Weg des Herzens, wird selten erreicht – oder besser gesagt, selten gewählt. Er erfordert einen hohen Grad an Ergebenheit, dieser seltensten Eigenschaft des Edelmuts, die in unserem Zeitalter in negativer Verkehrung in Erscheinung tritt, indem sie hauptsächlich durch Hingabe an das ”goldene Kalb” ersetzt wird.

       Sie fragen, ”warum so viele gute Aktivitäten sich nicht entwickeln können”? Meine Antwort ist, ”weil die Kette mit der Hierarchie zerrissen wurde”. Das Gesetz der Hierarchie ist unabänderlich, denn es ist ein kosmisches Gesetz. Niemand kann ein vom kosmischen Gesetz und den Großen Lehrern festgesetztes Glied überspringen. Mögen die Blinden sich vorübergehend selbst betrügen, doch bitter wird ihr Erwachen sein. Achten wir daher jeden, der das Licht der Lehre bringt. Ich will Ihnen ein wunderbares Beispiel an Ergebenheit nennen.

       In der Großen Gemeinschaft gibt es einen Bruder, der im 17. Jahrhundert ein berühmter Chemiker war. In seinem irdischen Leben hatte er einen Diener, der ihm mit Leib und Seele ergeben war und die meiste Zeit seines Lebens im Laboratorium des Meisters verbrachte. Trotz geringer intellektueller Entwicklung wurde dieser Diener infolge seiner tiefen Ergebenheit nach seinem Tod in die Gemeinschaft aufgenommen; und jetzt, in seinem feinstofflichen Körper, kann er seinem Meister nach wie vor helfen. Wahrlich, Hingebung wirkt Wunder; es ist die erste Eigenschaft, welche Geistigkeit bewirkt. In der Tat, Geistigkeit ist ohne diese Eigenschaft unmöglich!

       Nach solchem Beispiel von Hingabe mag es für viele klarer erscheinen, warum die Bedeutung des Lehrers und der hierarchischen Kette so hervorgehoben wird. Damit möchte ich meine Erläuterungen abschließen und nochmals darauf hinweisen, daß alle, die sich bemühen, diese Lehre im Leben anzuwenden, zweifellos unter dem Strahl des Großen Lehrers stehen; und die Aufnahme in den engeren Jüngerkreis hängt nur ab von Beharrlichkeit und früherem Karma. Laßt uns daher mutig sein und freudvoll dem großen Ziel, – ich möchte sagen, dem größten Ziel –, zustreben, denn den Pfad wahren Dienens zur Hierarchie des Lichts beschreitend, erfüllen wir den Zweck des Lebens nach kosmischem Gebot.

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       Manche sagen, daß es in den höheren Welten nichts Böses gäbe; doch ich möchte es so formulieren: In den höheren Welten gibt es nichts bewußt böse Wirkendes, doch sind auch dort – wie überall – Licht und Schatten unvermeidlich, denn Licht und Schatten bestimmen das Große Gleichgewicht des Universums.

12. August 1934

       Intellekt und Gelehrsamkeit waren niemals die Hauptfaktoren zur Annäherung an die Quelle der Wahrheit. Oft entwickelt sich Intellekt auf Kosten des Herzens und erstickt das große Feuer des Gefühlswissens. Unausgeglichenheit zwischen dem Intellekt und dem Herzen wird die Große Wahrheit entstellen wie ein gewölbter Spiegel. Die Menschen geben jede große Idee nach ihrem eigenen gekrümmten Spiegel wieder; daher gibt es solche Entstellungen der Lehren, solche Karikaturen der Großen Gestalten. Es ist gesagt worden: ”Die Reinigung des Bewußtseins und der Lehren ist die größte Aufgabe unserer Zeit.” Zur Zeit wimmelt es von ”Eingeweihten”, ”Hierophanten” und ”großen Inkarnierten” usw. Doch man kann die Betrüger leicht erkennen. Es mangelt ihnen vor allem an Einfachheit und Bescheidenheit. Während die großen Eingeweihten oder Beauftragten in ihrem Leben ganz einfach sind und versuchen, sich nach außen hin durch nichts zu unterscheiden und über ihre Errungenschaften schweigen, lieben es die Selbstbetrüger, sich mit Geheimnissen zu umgeben, sie reden über ihre großen Einweihungen genauso, wie sie sich hochklingende Titel und Namen zulegen, ohne selbst zu wissen, worin wahre Einweihung besteht. Wahre Einweihung hat nichts mit irgendwelchen für die Masse ersonnenen Ritualen zu tun; Einweihungen können an verschiedenen Orten und in Wohnungen stattfinden; sie bedürfen nur einer Bedingung – der geistigen Bereitschaft des Schülers. Und diese Bereitschaft wird vom ”Thermometer” in den Händen der Großen Lehrer nachgewiesen. Einweihung besteht in der Aufnahme der höheren Strahlen unterschiedlicher Stärke und Qualität. Oft befinden sich solche, die aufrichtig zum Guten bestrebt sind, unter dem Einfluß dieser hohen Strahlen, obwohl sie dies zu Anfang gar nicht vermuten. Die Vorbereitung für die Aufnahme der höheren Strahlen ist oft sehr langwierig; alles hängt von den Aufspeicherungen des Schülers ab.

       In Hingabe und Liebe zur Großen Hierarchie des Lichts wird alles, selbst das Mühsamste und Schwierigste, gelöst und überwunden. Daher – viel Glück!

       Herzlichen Dank dafür, daß Sie durch Ruhe und Besonnenheit den Versuchungen und Angriffen der Finsteren standhielten. Wir haben oft Warnungen über geplante Intrigen und Unterdrückungen vernommen, doch bei Nachforschung erwiesen sie sich in den meisten Fällen als Machenschaften der Feinde, die hofften, die Schwachen einzuschüchtern und so die Kraft der ganzen Bewegung zu schwächen. Doch Sie handelten ausgezeichnet und weise, indem Sie alle Märchen und Gerüchte ignorierten; Prüfen und Aufklären erwiesen sich als beste Taktik. Wir haben nichts zu fürchten, denn es gibt nichts Ungesetzliches in unserer Tätigkeit. Im Gegenteil, sie stützt die besten Fundamente, auf denen das Leben gründet. Die LEBENDIGE ETHIK ist jetzt so nötig! Wie ich einer unserer Mitarbeiterinnen schrieb, ist es wichtig, erzieherische und kulturelle Ideen zu hegen, ohne für die Lehre zu werben oder sie gar jemandem aufzudrängen. Dies gilt umso mehr, als sich die in der Lehre aufgezeigten Grundsätze und Ideen nicht durch irgendwelche Spezifikationen oder Besonderheiten auszeichnen, sondern unter dem Begriff LEBENDIGE ETHIK so wundervoll in die Praxis umgesetzt werden können. Der Lehre können viele Themen für Vorträge entnommen werden. Jetzt ist es wichtig, das Bewußtsein jener zu heben und zu erweitern, die bereit sind, dem Licht zu folgen. Dieses Licht kann jedoch nur entsprechend der Entwicklung des menschlichen Bewußtseins enthüllt werden, mit einfachen Methoden, wodurch, ausgehend von zugänglichen Vorstellungen, eine allmähliche Erweiterung dieser Begriffe vom Einfachsten bis zu Weltmaßstäben erreicht wird.

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17. August 1934

       Wie ich bereits des öfteren erwähnte, ist es sehr wichtig, die erzieherischen und kulturellen Ideen ins Leben hineinzutragen, ohne den Menschen die Bücher der Lehre aufzuzwingen. Umso mehr, als die in der Lehre enthaltenen Grundsätze und Ideen keinen besonderen Stempel tragen und mit dem allgemeinen Begriff der LEBENDIGEN ETHIK vereinbar sind. Der Lehre des Lebens können viele Themen für Vorträge und Aufsätze entnommen werden. Die grundlegende Regel muß es daher sein, nicht zu missionieren und nicht aufzudrängen. Da es wichtig ist, das Bewußtsein jener zu heben, die fähig sind, mit der Evolution Schritt zu halten, sollte durch einfache Methoden und Vorstellungen allmählich eine Erweiterung der Begriffe bis zum vollen Umfang erreicht werden. Allerdings verstehe ich sehr gut, daß es schwierig ist, sich stets dem Bewußtseinszustand der Massen anzupassen, doch die große Freude, dauernd aus der unerschöpflichen Quelle des Wissens und der Schönheit schöpfen zu dürfen, ist uns vorbehalten.

       Sie dürfen nicht glauben, daß Sie uns mit Sorgen belasten. Denn worin besteht unsere Arbeit? Wofür arbeiten wir? Jede Sorge um die Kultur bereitet uns Freude.

       Wo es keine Sorge gibt, da gibt es keine Liebe. Denken Sie daran, was gesagt ist: ”Belastet Mich mehr, legt mir die Last der Welt auf, Ich aber werde meine Kräfte noch vervielfältigen. Wenn Wir im Garten der Schönheit wandeln, fürchten Wir die Lasten nicht.” (Blätter des Gartens MORYA, I, § 368). Daher ist Ihr Entschluß, solch ”negative” Arbeiten nicht zu übernehmen (weil, wie Sie sagen, dadurch Schwierigkeiten in unser Leben hineingetragen würden), nicht richtig. Und zwar ist es deshalb nicht richtig, weil es keine negative Arbeit gibt, wenn für aufbauende Ziele gearbeitet wird. Darüber hinaus kann uns nichts Negatives oder Unangenehmes schrecken; unser Leben ist voll von großen Sorgen – es ist fast unvorstellbar! Zu Ihrer Feststellung, ”daß es besser ist, diese Dinge durch eigene Anstrengung zu regeln”: Es ist immer ratsam, den höchsten Grad selbständiger Tätigkeit sowie Wachsamkeit für die Überwindung von Hindernissen zu entwickeln, – wie könnten wir sonst Erfahrungen sammeln? Im schwierigsten Augenblick, wenn alle Mittel erschöpft sind, wird der RAT erteilt, doch auch seine Ausführung erfordert Wachsamkeit und Fähigkeit.

       Sie fragen: ”Gibt es in der Initiative, wenn sie auf das Allgemeinwohl und den Dienst gerichtet ist, Selbstsucht?” Natürlich nicht, doch das menschliche Wesen ist so kompliziert, daß einzig und allein das reine Gefühlswissen die Motive unterscheiden kann. Aus diesem Grund bestanden und bestehen noch alle Lehren auf der Entwicklung des Gefühlswissens, ohne das es keine wahre Geistigkeit geben kann. Im menschlichen Wesen gibt es so viel durch Jahrhunderte aufgespeicherte Selbsttäuschung, daß es nicht leicht ist, plötzlich ein unparteiischer Richter der eigenen Beweggründe zu sein.

       Von den Großen Lehrern wird jede Arbeit entsprechend dem Grad der Selbstlosigkeit, die in sie hineingelegt wurde, bewertet. Daher müssen die engsten Mitarbeiter die Selbstlosigkeit im Dienen erkennen, und unter allen Umständen sollte jeder sein Bestes geben. Es steht uns nicht zu, darüber zu richten, wer mehr und wer weniger leistet. Was wichtig erscheint, ist das innere Feuer, das wir in die uns anvertraute Arbeit hineinlegen. Die Zeit ist ein großer Gestalter, und im Verlauf der Zeit klärt sich vieles und nimmt die unerwartetsten Formen an. Der wahre Schüler lebt mit dem Herzen, denkt und urteilt mit dem Herzen; und dadurch entwickelt er in sich einen so machtvollen Magneten, daß alle Neuankommenden von ihm angezogen werden. Nach diesem Magneten kann man eine Person beurteilen. Der Magnet wird durch viele Aufspeicherungen aufgebaut und entwickelt, – und solch einen Magneten kann man nicht verbergen. Selbst ein gewöhnlicher Magnet wirkt durch scheinbar undurchdringliche Hindernisse, doch um wieviel mächtiger ist die alles durchdringende Kraft eines geistigen Magneten! Deshalb sollten wir uns vor allem um unseren eigenen individuellen Magneten kümmern und seine Kraft in solchem Maß entwickeln, daß er imstande ist, etwas davon an jene abzugeben, die ihrer bedürfen.

       Freundlichkeit in der Zusammenarbeit trägt sehr dazu bei, diese Kraft auszustrahlen; und wird dies geübt, so erhöht sich ihre Stärke. Die Menschen leben auf, wenn sie mit einer machtvollen magnetischen Aura in Berührung kommen. Natürlich kann man keine augenblickliche Erneuerung erwarten; es bedarf in allem einer angemessenen Zeit. Doch durch ein herzliches Verhalten und verantwortliche Aufmerksamkeit können Wunder geschehen. So muß man in allem Geduld üben. Dies sollte unsere erste und absolut wesentliche Disziplin sein. Es wurde gesagt: ”… die großartigste Person ist die, welche die größte Geduld besitzt”. Laßt uns diese weise Regel befolgen und wirklich Geduld üben. Die Zeit ist so bedrohlich, so großartig, daß wir die Umstände nicht erschweren sollten.

       Wahr gesprochen, jeder sollte nur den einen Gedanken hegen – wie er die geistige Entwicklung beschleunigen könnte. Denn nur der Geist kann uns erheben und uns über den Abgrund tragen. Unter den Füßen der Menschheit öffnen sich viele Abgründe. Es ist gesagt: ”Die Lehre kommt zur bedrohlichen Stunde, um jene zu sammeln und zu retten, die dem Licht folgen können.”

       ”Das Schicksal der Länder wird auf der Kosmischen Waage gewogen. Jene, die mit dem Kosmischen Magneten voranschreiten, werden das Licht der Zukunft erblicken; doch jene, die gegen alle erleuchteten Anfänge vorgehen, werden die volle Last des Karma verspüren. Die Schlacht zwischen Licht und Finsternis durchdringt den ganzen Weltenraum. Alle Begebenheiten werden auf der Kosmischen Waage gewogen! Jede Stunde trägt eine neue kosmische Welle herbei, und auf der Kosmischen Waage werden stündlich neue Schwankungen angezeigt. Der Raum erklingt von den neuen Verheißungen, die zur Feurigen Welt führen. In der kosmischen Spannung werden neue feurige Möglichkeiten geschaffen. Laßt uns auf dem Pfad zur Feurigen Welt in jeder Tat, in jeder Bestrebung das Gesetz des Kosmischen Magneten begreifen.” (Feurige Welt, III. Bd.)

* * *

       Das Leben ist sehr kompliziert, und nur das mit dem Höheren Willen verbundene Bewußtsein kann die rechte Richtung wahrnehmen und sein Schiff durch alle Stürme steuern. Doch die Stürme sind unvermeidlich und sowohl für das Schiff als auch für den Steuermann und die ganze Mannschaft von Nutzen; denn nur so werden Kraft und Standhaftigkeit erprobt sowie Furchtlosigkeit und Wachsamkeit entwickelt.

       Man muß allerdings fähig sein, bösartigen Verleumdern harten Widerstand zu leisten, wenn sie von jener Sorte sind, die wirklichen Schaden zufügen. Oftmals jedoch ist Verleumdung nicht mehr als ein Spatzengezwitscher, und dann mag man wohl erwägen, ob es zweckmäßig wäre, eine Kanone abzufeuern.

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       Die Gruppenleiter sollten nicht nur Lesungen halten, sondern auch mit Schülern die Fragen diskutieren, die sich im Zusammenhang mit der Lehre ergeben. Auf alle Fälle sollten Fragen gestellt werden, doch ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, die Schüler dazu zu bewegen. Sie haben es lieber, daß der Lehrer ein Thema wählt und es erörtert. Doch das Wichtigste ist für sie, Fragen zu stellen, denn nur durch die Fragestellung kann man sowohl auf die Richtung des Gedankens als auch auf die Höhe des Bewußtseins schließen. Außerdem ist es für den Lehrer selbst die beste Übung. Oft gehen die Schüler vom unerwartetsten Gesichtspunkt an die Frage heran und geben so dem Lehrer die Möglichkeit, sein eigenes Verstehen zu erproben. Der Lehrer wird gemacht und nicht geboren! Wahrlich, wir lernen, indem wir lehren!

       Und hinsichtlich der Frage, ”auf welche Art die Mehrheit der Frauen mitarbeiten könnte”, müssen wir vom grundlegenden Gedanken ausgehen. Daher möchte ich sagen, sie könnten mithelfen bei der Aufgabe, das Gleichgewicht der Welt herzustellen. Wahrlich, der bestehende Zustand des gestörten Gleichgewichts bedroht sowohl die Menschheit als auch den ganzen Planeten. Wie kann die Welt bestehen, wenn die Grundlagen des Lebens verletzt werden! Darüber wurde in der Lehre vieles gesagt, und die gegebenen Weisungen lassen sich noch ausbauen. Ich will einige Bestätigungen zitieren: ”Das Banner des großen Gleichgewichts der Welt muß von der Frau erhoben werden. So ist die Zeit gekommen, wo die Frau für die ihr genommenen Rechte wie auch für jene, die sie freiwillig aufgab, kämpfen muß.”

       Der allgemeine Verfall, dem wir heute gegenüberstehen, der drohende Niedergang vieler Länder sind das Ergebnis des ständig gestörten Gleichgewichts durch die Unterwürfigkeit und Unterdrückung der Frau. Durch die Erniedrigung der Frau erniedrigt sich der Mann selbst; und ohne Wiederbelebung wahrer Ritterlichkeit und Güte kann der Geist sich nicht erheben.

       Es wurde auch gesagt: ”Wie der Lehrer durch seine Schüler schafft, so schafft die Frau durch das männliche Prinzip. Somit hebt die Frau den Mann empor.” Folglich muß sich die Frau in solch einem Grad geistig, moralisch und intellektuell erheben, daß sie den Mann mit sich ziehen kann. Erinnern Sie sich an das Gemälde von N. K. ”Sie, die führt”? So muß die Frau den ihr bestimmten Platz einnehmen. Sie muß nicht nur ein gleichwertiger Mitarbeiter in der Gestaltung des ganzen Lebens werden, sondern auch ein Inspirator. Die größte Aufgabe besteht darin, die Menschheit im Streben nach großen Taten und Schönheit zu vergeistigen und gesunden zu lassen. Doch die Frau muß sich zunächst selbst ändern! Daher muß der Aufruf an die Frau vor allem ein Aufruf zur Selbstvervollkommnung sein, zur Wahrung ihrer Würde und ihrer großen Bestimmung, die Grundlagen des Seins zu legen und den Antrieb zur Schöpferkraft und Schönheit zu wecken. Es ist gesagt: ”Das Gleichgewicht der Welt kann ohne das wahre Verstehen des Uranfangs nicht hergestellt werden … Darum laßt uns im Bewußtsein die Kraft des Gleichgewichts als den Antrieb des Seins, des Uranfangs und der Schönheit bestätigen. Folglich ist es unerläßlich, das Weibliche Prinzip im Geist zu bejahen.” (Feurige Welt, III. Bd.)

       Als Motto würde ich anführen: ”Geistigkeit, Heldentat, Schönheit”. Diese Dreiheit umfaßt alles.

       Nun zu der Frage, die Ihren Geist so sehr beschäftigt: ”Wie kann man feststellen, zu welchem Element jemand gehört?” Sicherlich, das Horoskop könnte es enthüllen. Auch mit den geringen Kenntnissen, über die die moderne Astrologie verfügt, kann das in einem Menschen vorherrschende Element bestimmt werden. Doch das esoterische Wissen ist scharf auf den grundlegenden Ursprung des Geisteskornes ausgerichtet.

       Darüber hinaus müssen sich die Menschen nicht nur nach den Elementen und dem Leitstern, unter dessen Strahl das Geisteskorn (nicht die Persönlichkeit!) geboren wurde, vereinen, sondern man muß ein anderes kosmisches Grundgesetz in Betracht ziehen, genannt ”Das Kosmische Recht”. Daher hat die Legende von den Dualseelen eine tiefe Bedeutung. Und dieses Gesetz ist in den Sternen aufgezeigt. Die Alten konnten diese Zeichen lesen; der Schlüssel dazu wurde den Hohen Eingeweihten übergeben. Doch heute würde solch ein Wissen in den Händen der entarteten Menschheit mehr Unheil und Verworrenheit bringen als Wohlergehen und Glück. Deshalb sind die Großen Lehrer so bemüht, Geistigkeit zu erwecken und das Bewußtsein zu erweitern, denn Sie möchten der Menschheit das Wissen über die großen Gesetze übergeben. So kann von diesen Gesetzen jetzt nur gesagt werden, daß sie in Reichweite der Wissenschaft der Zukunft liegen. Nichtsdestoweniger ist es notwendig, das Bestehen dieser Gesetze zu erwähnen, damit die Wissenschaftler allmählich beginnen, in dieser Richtung zu forschen.

       Freilich, selbst eine oberflächliche Kenntnis von Astrologie kann oft helfen, mehr oder weniger harmonische Bande zwischen Menschen zu knüpfen oder auf günstige und ungünstige Daten hinzuweisen. Doch in den Händen unverantwortlicher oder bösartiger Menschen kann dieses Wissen sehr leicht Schaden verursachen. Der Schlüssel für alle Rätsel liegt im Menschen selbst und ist immer zu seiner Verfügung. Es gibt Menschen, die es verstehen, diesen Schlüssel zu gebrauchen, und ihr Leben gestaltet sich wundervoll. Laßt uns darum eifrig bemüht sein, die Auferstehung des Geistes zu beschleunigen; denn der Schlüssel zu vielen Geheimnissen wird in die verdienten Hände gelegt werden. Die Zeit naht.

       Es tut mir aufrichtig leid, daß ich Ihnen nicht diese Freude bereiten kann, doch es ist mir nicht gestattet, Ihnen die Geheimnisse des esoterischen Wissens zu enthüllen. Laßt uns in der Kenntnis vom schönen Gesetz des Kosmischen Rechts Trost finden und uns bemühen, den Magneten des Herzens zu reinigen, der dann einen entsprechenden Magneten anziehen kann und wird. Doch wegen der Unmoral, die durch viele Jahrhunderte herrschte und in vollem Ausmaß weiter besteht, wanderten die Seelen, die harmonisieren sollten, weit auseinander, so daß sie sich oft sogar feindlich gegenüberstehen. Karma ist ein unerbittliches Gesetz. Daher müssen wir bemüht sein, den Magneten unseres Herzens zu reinigen. Wir müssen aus dem Kreis unseres Karma herausgelangen, der uns an unsere eigenen Taten bindet und die kosmisch festgesetzte Vereinigung hinausschiebt. Nur solch eine Vereinigung kann die Schaffenskraft verstärken und eine schöne Nachkommenschaft gewährleisten.

       Ich möchte unterstreichen, daß die Gleichwertigkeit der Geschlechter sowie die der Völker als erste Grundsteine jeder Regierung erachtet werden müssen. Den ersten Teil dieser Feststellung habe ich bereits erörtert, doch ich darf hinzufügen: Da das Gleichgewicht der Welt auf dem dualen Ursprung beruht, muß die Gleichwertigkeit der Geschlechter als kosmisches Gesetz betrachtet werden. Nur der Unwissende kann Einspruch erheben.

       Was den Status der verschiedenen Rassen betrifft, die die Bevölkerung mancher Länder ausmachen, spreche ich dafür, daß unabhängig von der Nationalität alle Bürger eines solchen Staates nach den grundlegenden Regierungsgesetzen ohne die geringste Ausnahme – ob Vorrecht oder Einschränkung – gleich behandelt werden sollten. Allerdings beziehen diese Grundgesetze nicht die Frage der Religion und auch andere sekundäre Angelegenheiten mit ein, die von gesetzlicher Einschränkung freigehalten werden sollten und gemäß den örtlichen Gebräuchen und Verhältnissen variieren können. Ein grundlegendes Merkmal der Gesetze sollte die Beweglichkeit der Anwendung sein. Wenn wir uns auf tote Buchstaben des Gesetzes beschränken, können wir uns ebensogut auf den Friedhof begeben!

       Ich interessierte mich nie für Politik und für äußere Regierungsformen, denn ich bin tief davon überzeugt, daß nicht die Form wichtig ist, sondern der Geist, der sie durchdringt und motiviert. Ich war schon immer der Meinung, daß jedes Regierungssystem vor allem vom gesunden Menschenverstand unter Beachtung des Allgemeinwohls geleitet werden sollte. Keine anderen Motive sind für solch eine verantwortliche und – ich möchte sagen: heilige Aufgabe stichhaltig. Ich muß bekennen, daß mich kein anderes System so sehr empörte wie die gegenwärtige Methode, das Haupt einer Regierung von unwissenden Massen wählen zu lassen. Ich sah genug von dieser abscheulichen und verbrecherischen Komödie; Bestechung, so sagt man, ist illegal, doch bei solch einem verantwortungsvollen, heiligen Akt wie der Wahl des Vertreters eines Landes, werden große Summen ausgegeben, und die offensichtlichste Bestechung wird geübt, abgesehen von anderen Maßnahmen, die nicht weniger anekeln. So kann man am Tag vor der Wahl in einigen der wichtigsten Zeitungen eines Landes Namen von möglichen Vertretern eines Staates finden, – heute verleumdet als die größten Halunken, und am Morgen oder am Abend nach der Wahl läßt dieselbe Zeitung die höchsten Lobpreisungen über die ungewöhnlichen und erhabenen Eigenschaften des Erwählten vom Stapel. Auf diese Art wird das Bewußtsein der Menschen bestochen.

       Der gesunde Menschenverstand sollte uns sagen, daß die unwissenden Massen, die zudem von ihren niederen Instinkten getrieben werden, nicht die Richter des Höchsten sein können. Das Recht, einen Regierungsvertreter zu wählen, sollte nur sittlich hochstehenden, d. h. kultivierten und gebildeten Menschen oder Vertretern eines Landes zustehen. Doch leider herrscht in einer Zeit, in der es notwendig erscheint, die besten und vertrauenswürdigsten Menschen an der Spitze der Belange zu sehen, die Macht der Massen vor. Wenn ein Land auch nur tausend seiner besten Vertreter auf allen Gebieten des Wissens und der Unternehmen verlieren sollte, würde solch ein Land sehr bald auf ein niederes Niveau absinken.

       Ja, die Zeit ist gekommen, wo die Frau bereit sein sollte, sich an den Lasten und Aufgaben der Regierung zu beteiligen. Der Frau als Lebensspenderin, die die ersten Fundamente der Erziehung legt, steht auch das Recht zu, für jene, die sie zur Welt bringt, bessere Bedingungen zu schaffen. Ihr gesunder Menschenverstand und vor allem ihr Herz werden ihr für die Entscheidung das Richtige eingeben. Wenn wir die historischen Fakten und echten Biographien vieler großer Männer hernehmen, werden wir feststellen, daß die Quelle ihrer Impulse sowie ihr Hauptberater eine Frau war. So inspirierten im alten Ägypten die Oberpriesterinnen die Hierophanten durch Übermittlung des Willens ihrer Göttinnen. Daher nannte man sie die Inspiratoren der Führer des Volkes.

       Die große Zeit der Frau ist im Anbruch. Wahrlich, die Frau hat eine zweifache Aufgabe zu erfüllen: sich selbst und dazu ihren ewigen Begleiter, den Mann, zu erheben. Alle Kräfte des Lichts erwarten diese große Tat. Der Stern der Mutter der Welt hat die große Frist aufgezeigt. Alle Schriften weissagen, daß die Frau den Kopf des Drachen zerschlagen wird. Möge das Herz der Frau zu dieser selbstaufopfernden Tat entflammen. Möge sie furchtlos das leuchtende, aber spaltende Schwert des Geistes erheben.

       Zur bestimmten Stunde werden wir die brennenden Herzen und die bereiten Hände aufrufen, den Kelch der Rettung der Welt zu erheben!

       Möge jeder Tag unseres Lebens im selbstaufopfernden Dienst für diese große Tat aufgewendet werden!

       Die Große Mutter naht!

23. August 1934

       Wenn Christus vom Ende der Welt und vom Tag des Gerichts sprach, konnte er damit nicht den endgültigen Abschluß der Evolution unseres Planeten gemeint haben. Würde nämlich diese ihren natürlichen Entwicklungsverlauf nehmen, dann müßte der Planet seine siebente Runde beginnen, und seine Menschheit würde mit all ihren Subrassen in die siebente Rasse aufsteigen, so daß es bei der Krönung solch einer Evolutionsrunde keinen Tag des Gerichts geben könnte. Denn nach dieser Zeit hätten die Menschheit und der Planet den Zustand der höheren Welt erreicht, wo die bösen Kräfte keinen bewußten Widerstand gegen das Gute leisten können.

       Doch Christus Jesus wußte natürlich von dem schweren Karma der Menschheit. Er wußte von der drohenden Gefahr und meinte daher das nahende Scheiden der Rasse, das immer von fürchterlichen Kataklysmen begleitet ist und durch das große Aussondern der guten Saatkörner das Heranrücken des Endgerichts erahnen läßt. Da Er ein Eingeweihter war, wußte Er, daß diese Katastrophe der Letzte Tag werden könnte, infolge des schrecklichen geistigen Verfalls der menschlichen Rasse. Es ist durchaus möglich, daß es nicht genügend Gegenkräfte oder, besser gesagt, freigewordene Energien gibt, um den Planeten vor der endgültigen ungeheuren Explosion zu retten. Für diese Explosion bietet der Fürst der Welt alle seine Anstrengungen auf, da er weiß, daß für ihn eine gereinigte, von den feurigen Energien durchdrungene Atmosphäre der Erdsphäre unerträglich wäre und seine weitere Anwesenheit hier unmöglich machte. Daher ist er bemüht, den Planeten zu sprengen, um, wie es heißt, ”auf einem Wrack davonzusegeln”. Spricht nicht auch der Apostel Petrus von dieser Rassenverschiebung im 2. Epistel 3:9-13? Auch in den Offenbarungen (21:1) und Isaiah (66:22) wird darauf hingewiesen.

       In der Lehre wird ausdrücklich darauf verwiesen, daß des Menschen Geist als Zerstörer des Planeten wirken kann. Es ist auch erwähnt, daß die Zahl Jener, Die dies überstehen können, sehr klein ist und daß auf Ihnen die ganze Last zur Erhaltung des Gleichgewichts des Planeten ruht. Ein starker Geist kann ein ganzes Gebiet vor Erdbeben bewahren. So entsandten in den alten Zeiten die Großen Lehrer die fortgeschrittenen Schüler an Stellen, die von Erdbeben bedroht waren.

* * *

       Nicht Verminderung der Nahrung, sondern unzureichender Schlaf schwächen den Organismus. Der Mensch braucht nicht viel Nahrung. Für jeden, der geistig arbeitet, ist es vollkommen ausreichend, zwei oder höchstens drei Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen. Zwei oder drei Früchte, Gemüse, etwas Getreidenahrung, Milch und Butter sind die beste Diät. Doch für jene, die gewohnt sind, Fleisch in großen Mengen zu sich zu nehmen, mag es schwer sein, sich plötzlich auf Pflanzen- und Getreidenahrung umzustellen; dies kann sogar unerwünschte Reaktionen im Organismus auslösen. Daher erscheint Vorsicht und ein allmählicher Übergang geboten. Nebenbei, jeder Fall ist individuell! Doch vergessen wir nicht, daß die meisten Krankheiten der Menschen von aller Art Übermaß herrühren, vor allem vom Überessen. In Amerika, wo die Menschen hart arbeiten und wenig essen, sind sie sehr widerstandsfähig, und die Langlebigkeit ist hier viel häufiger zu beobachten als in vielen anderen Ländern, wo die Menschen sich gewohnheitsgemäß überessen. (Anm. des Herausgebers: Der von Frau Roerich gebrachte Hinweis betrifft Beobachtungen aus den Jahren 1920-1930, in welchen sich die Amerikaner noch weitaus naturgemäßer ernährten).

       Viele naive Menschen glauben, daß die Finsteren nur durch Böses wirken, sei es durch Korruption oder irgendein Verbrechen. Wie unrecht haben sie! Nur die groben und relativ unbedeutenden finsteren Kräfte wirken auf diese Weise. Weit gefährlicher sind jene, die sich in die Maske des Lichts kleiden. Da fliegen die armen verblendeten Menschen, die nicht das echte Unterscheidungsvermögen des feurigen Herzens besitzen, wie die Motten in das sie verzehrende Feuer. Unwissenheit und Mangel an Gefühlswissen treiben sie in die Arme der Finsteren und berauben sie für lange Zeit der heilsamen Einwirkung und Hilfe der Strahlen des großen Bollwerks des Lichts. Harmagedon ist schrecklich; die finsteren Kräfte ringen um ihre Existenz. Verzweiflung vereint sie und macht sie in dem Bemühen, ihr Ziel zu erreichen, so beharrlich. Der Fürst der Welt hat viele begabte Mitarbeiter, bewußte und unbewußte, und es ist irrig zu glauben, daß sie nicht schlau und spitzfindig wären. Sie sind sehr schlau und erfinderisch, und ihr Wirken paßt sich ganz dem Niveau der Opfer an. Doch ihnen allen mangelt es an Herzenswärme. So verwoben mit Licht ist die Finsternis auf unserer Erde. Die Netze der Finsternis werden von geschickten Händen gesponnen.

       Viel Schreckliches wird verübt. Viele abscheuliche Zaubereien breiten sich über die ganze Erde aus. Die dichtesten Bevölkerungszentren werden von den Hauptkräften der Finsternis für sich als Zentren erwählt. Die ganze Höllenbrut ist auf die Erdoberfläche gekrochen; und ihre beste Waffe ist die unwissende Masse. Darum ist die Einigkeit der Weißen und der ihnen nahestehenden Kräfte so wichtig! Aber letztere werden so leicht gräulich und füllen die Reihen jener, von denen in der Bibel gesagt ist: ”Weil du lau bist und weder kalt noch heiß, so will ich dich aus Meinem Munde speien.” Nur die Macht der Hingabe und das Streben, der großen Hierarchie des Lichts zu dienen, kann vor den weit ausgelegten Netzen des Fürsten der Welt schützen.

       Laßt uns unsere Kraft verstärken, damit wir durch Reinheit der Gedanken einen undurchdringlichen Panzer schaffen. Den Versuchungen der Finsteren durch die sie sich bemühen, in unsere Aura einzudringen, kann man nicht entgehen, aber wenn das Schutznetz stark genug ist, werden diese Angriffe leicht abgewehrt, ohne uns Schaden zuzufügen. Gewöhnlich richten sich die Angriffe auf unser schwächstes Organ. Doch die durch Hingabe gesättigte Aura kann jedem Angriff der Finsteren standhalten. Dennoch sollten wir es nicht für einen einzigen Augenblick wagen zu zweifeln oder vom Brennpunkt des Lichts abzuweichen. Ergebenheit und Reinheit der Motive sind unser einziger Anker im Chaos der tobenden Elemente.

29. August 1934

       Laßt uns über die angenommenen und ausersehenen Schüler sprechen sowie über Schüler- und Jüngerschaft im allgemeinen.

       In ihrer Unwissenheit denken viele, wenn sie die Bücher der Lehre lesen und von dem Wunsch erfüllt sind, Schüler von diesem oder jenem Großen Lehrer der Weißen Bruderschaft zu werden, daß sie angenommen und willkommen geheißen werden.

       Doch fast niemand denkt darüber nach, welche Verdienste er sich in seinem Leben oder, besser gesagt, in seinen vielen Leben geschaffen haben muß, um dieses größten aller Vorrechte teilhaftig zu werden. Es ist wahrlich das größte, und bevor man hoffen kann, dieses Vorrecht zu erlangen, sollte man erkennen, was dies bedeutet. In ihrer Ahnungslosigkeit denken die meisten, daß die Großen Lehrer verzweifelt nach Schülern suchen und jeden, der nicht gerade schlecht ist und aufgenommen werden möchte, mit offenen Armen aufnehmen. Es gibt keine größere Verblendung! Die Lehrer suchen nicht nach Schülern, weil die grundlegende Regel bestimmt, daß der Schüler den Lehrer suchen und IHN finden muß. Gleichzeitig ergreifen die Lehrer wirklich jede Möglichkeit ausgedehnter Hilfe durch alle geeigneten Kanäle. Dies erklärt, warum wir gelegentlich schöne Büchlein finden, die automatisch über reine Psychiker geschrieben wurden. Oft hören diese Psychiker, nachdem sie als Kanal dienten, nichts mehr von dem wirklichen Autor, der durch sie den einen oder anderen kostbaren Edelstein übermittelte. Meistens kennen sie sogar den Namen des Autors nicht, da die Weisheit sehr oft von einem Großen Lehrer über einen Schüler gegeben wird, der selbst bereits in die Feinstoffliche Welt hinüberging. Darüber hinaus müssen sich die Psychiker keiner besonderen Disziplin unterwerfen, was aber für die angenommenen Schüler von solcher Bedeutung ist. Das wesentliche, unfehlbare Zeichen der Nähe zum Lehrer ist das ”Meer der Lehre”, das sich fortwährend über den Schüler ergießt, zugleich die genaue Kenntnis seiner Quelle. So entsteht auch das weite aufbauende Werk des Schülers, so vollzieht sich der Empfang der Weisungen, die Kenntnis der Zukunft und der genauen Fristen, und das alles bestimmt das ganze Wesen und die Lebensweise solch eines Schülers.

       Das große Vermächtnis: ”Wenn der Schüler bereit ist, wird der Lehrer erscheinen”, wird nur von wenigen verstanden. Fast keiner erkennt, daß diese Bereitschaft bestimmte Eigenschaften und Bedingungen erfordert. Ich habe darüber bereits geschrieben, doch ich wiederhole es gerne mit weiterer Stellungnahme.

       Bei der Frage der Annahme eines Schülers spielt sein Karma die Hauptrolle. Im Zusammenhang mit der Schülerschaft ist es vor allem sehr wichtig, das Karmagesetz zu kennen und in jeder Hinsicht zu begreifen. So kann eine mit Karma belastete Person nicht hoffen, ein nahestehender Schüler zu werden. Nur jene, deren irdisches Karma fast abgetragen ist, können in den engsten Schülerkreis aufgenommen werden. Es gibt wenige, die erkennen, welch eine schwere Last der Lehrer durch Annahme eines Schülers auf sich nimmt. Daher nehmen die Großen Meister, die zur Erhaltung des Gleichgewichts den Weltprozeß ständig verfolgen und lenken und die gigantischen kosmischen Schlachten leiten, nur jene auf, an denen Sie keinerlei Zweifel hegen, die schon alles durchgemacht haben, durch viele feurige Prüfungen gereinigt wurden und in diesem Leben erneut ihre Bereitschaft, Hingabe und Selbstlosigkeit erkennen lassen, und zwar nicht unter Bedingungen des Komforts, sondern am Rande des Abgrunds. Das sind eben jene, deren geistige Zentren nicht nur geöffnet sind, sondern eine feurige Umwandlung durchmachen. Daher die kleine Zahl der engsten Schüler.

       Sie werden fragen, worin die Last des Lehrers besteht. Ich versichere Ihnen, daß sie gewaltig ist. Das ganze Ausmaß dieser Spannung ist ohne Kenntnis der okkulten Gesetze beinahe unvorstellbar. Durch Annahme eines Schülers nimmt der Lehrer ihn in sein Bewußtsein auf und knüpft zu ihm ein unsichtbares, doch stets wirksames Band. Von diesem Augenblick an weiß der Lehrer in jedem Moment, was mit seinem Schüler vorgeht. Er kennt jeden seiner Gedanken, selbst den flüchtigsten, und er lenkt den Schüler entsprechend. Man muß daher verstehen, wie schwer, wie unerträglich für das Hohe Bewußtsein des Lehrers durch ungeläutertes Denken des Schülers hervorgerufene unharmonische Schwingungen sein würden, wie unstatthaft bei solch einem nahen, heiligen Band mit dem Lehrer jede unausgelebte Lust sein würde. Jede disharmonische Schwingung unterbricht den Strom dieser Verbindung, und falls sich dies wiederholt, kann sie abbrechen. Doch jedes Trennen des Fadens ist, okkult gesprochen, sehr schmerzhaft und bleibt nicht ohne Folgen. Der Schmerz des Lehrers unterscheidet sich von jenem des Schülers ganz gewaltig. Doch dies ist nur ein Teil der Last; der andere kann jetzt nicht erörtert werden. Aus diesem Grunde erfolgt die Annahme des Schülers mit äußerster Vorsicht und wird als die Gewähr des größten Vorrechts angesehen.

       Vom Augenblick der Annahme an beginnt für den Schüler infolge der enormen inneren und äußeren Spannung ein neues und gewiß kein leichtes Leben. In dieser Spannung werden nicht nur alle seine Energien erweckt (dies findet teilweise im vorbereitenden Stadium statt), sondern es erfolgt auch ihre beschleunigte Entwicklung und Umwandlung. Eine ganze Batterie von unsichtbaren, doch mächtigen Strahlen wird auf den Schüler gerichtet. Diese Strahlen werden mehr und mehr verstärkt und variieren in ihrer Eigenschaft entsprechend dem Streben und der Bewußtseinserweiterung des Schülers sowie der Verfeinerung seines Organismus. Dies geschieht, um den inneren Menschen zu entwickeln, seine drei Körper zu verfeinern und für selbständige Tätigkeit auf den entsprechenden Ebenen zu trennen. Die Spannung des Schülers ist groß, seine physische Kraft nimmt zeitweilig ab, doch ohne seine Alltagspflichten aufzugeben, muß er nach bestimmten Regeln leben. Größere Höhen, reines Prana und eine gewisse Isolierung sind erforderliche Bedingungen solch einer Prozedur. All diese Strahlen kann der Schüler nur aufnehmen, wenn er höchstes Streben offenbart. Alles erfordert Gegenseitigkeit, Entsprechung und Harmonie.

       Diese Harmonie finden die Großen Lehrer bei den sogenannten ausersehenen Schülern. So werden jene bezeichnet, die in ihren früheren Leben Schüler der Großen Führer waren oder durch ein Band der Hingabe und Liebe mit Ihnen verbunden waren. Solch ein Schüler steht in seiner gegenwärtigen Inkarnation vom Moment der Geburt an unter der Hohen Führung des Lehrers. Die Bedingungen seiner Geburt werden vom Lehrer bestimmt, und entsprechend seiner Mission treten die wichtigsten Fähigkeiten in Erscheinung. Solch ein Schüler trägt den vollen Kelch. Von frühesten Tagen an kennt er den Lehrer, kennt sein Bild. Solche Geister sind daher nicht imstande sich abzuwenden, und die Ereignisse ihrer Leben tragen sie wie ein unaufhaltsamer Strom zu den bestimmten Ufern.

       Gesegnet ist das Karma jener, die sich in ihren früheren Leben durch Hingabe und Liebe mit einem dieser Großen Geistwesen oder ihren engsten Schülern verbanden; solches Karma ist der kürzeste Weg zum Ziel. Daher ist die hierarchische Kette so heilig; und deshalb sollte man in diesem Leben Liebe und Hingabe offenbaren, jene Eigenschaften, die die ersten Bedingungen auf dem Pfad der Annäherung sind.

       Die zweite Bedingung ist Streben und Bereitschaft, sich für den Dienst am Allgemeinwohl zu opfern; denn niemand wird zur Annäherung zugelassen, wenn es seine Absicht ist, Wissen zur persönlichen Verherrlichung zu erlangen – das ist der Weg des Schwarzmagiers. Werden jedoch Selbstentsagung und Streben im Herzen bestätigt, dann werden sie zur zweiten Natur. Die Anwendung der Lehre an sich selbst und im Alltagsleben wird zur Freude, und dann sind Fortschritte und auch das Erreichen des heiligen Zieles gesichert. Doch man muß sich fragen und aufrichtig darauf antworten, ob solch feuriges Streben und Selbstlosigkeit wirklich vorhanden sind, oder ob man den verborgenen selbstsüchtigen Wunsch hegt, höheres Wissen für eigennützige Zwecke zu erlangen. Das geringste Zeichen solch versteckten Wunsches wird zum größten Hindernis auf dem Pfad des geistigen Aufstiegs. Für Erfolg ist Verständnis genauso nötig wie die Bereitschaft, eine Heldentat zu vollbringen – die große Selbstaufopferung im Leben.

       Über den Begriff Heldentat als notwendige Bedingung muß ernstlich nachgedacht werden. Das gründliche Verstehen aller Eigenschaften, die der Begriff Heldentat umfaßt, ist vor allem wichtig. Daher ist es zweckmäßig, sich aus den Büchern der Lehre alle hier aufgezählten Eigenschaften sowie auch jene Untugenden herauszuschreiben, die als Hindernis auf dem Pfad gelten. Wahrlich, für die Menschen ist es am schwersten zu erkennen, daß das Streben zum Höchsten Ideal, die feurige Reinigung der Gefühle und des ganzen Charakters das Fundament der Jüngerschaft sowie der gesamten geistigen Errungenschaft sind.

       Ich will Ihnen eine Seite anführen, die ich gerade einem meiner Brieffreunde sandte: ”Für die Menschen ist es viel leichter, von bestimmten Exzessen abzulassen sowie mechanische Übungen und Pranayama zu betreiben, als eine einzige Gewohnheit aufzugeben, die einen Stolperstein auf dem Pfad des geistigen Fortschritts bedeutet. Doch wie gesagt wurde, betrifft alles Mechanische nur den äußeren Menschen, es kann den inneren Menschen nicht verwandeln und ist daher wertlos; die Umwandlung des inneren Menschen ist das einzige Ziel aller wahren Lehren. Daher muß nachdrücklich daran erinnert werden, daß alle Großen Lehrer nur um den inneren Menschen bemüht sind, dessen Sphäre im Reich der Gedanken liegt. So bedarf weder ein Raja Yogi noch ein Agni Yogi einer mechanischen physischen Übung. Die einzige erlaubte Konzentration ist die mit unfehlbarer und andauernder Entschlossenheit auf das erwählte Hohe Ideal gerichtete Konzentration. Und solch eine Konzentration setzt nie aus, ohne Rücksicht darauf, was der Yogi oder der Schüler unternimmt. Alles wird im Namen des erwählten Bildnisses geleistet. Das Gebet des Schülers besteht vor allem in diesem ständigen Streben des Herzens und in der Vergegenwärtigung des erwählten Bildnisses. Wenn solch eine innere Vergegenwärtigung verwirklicht ist, wenn sich der führende Geist in dem erwählten Bildnis so festigte, daß es keinen Rückzug mehr geben kann, dann wird die wahre Bereitschaft offenbart und der Lehrer zögert nicht.

       Für jeden, der den Pfad der Jüngerschaft betritt und nicht nur die Bücher über Okkultismus studiert, ist es absolut wichtig, sich in der Tiefe seines Herzens zu entscheiden, welcher der Großen Lehrer der Bruderschaft ihm am nächsten steht, um sich dann ohne jede Einschränkung oder Bedingung völlig dieser Hohen Führung anzuvertrauen. Der Anfänger wird von dem erwählten Großen Lehrer nicht notwendigerweise eine Botschaft erhalten, doch die Hoffnung darf nicht aufgegeben werden. Große Geduld und Mut müssen entwickelt werden. Trotz des Schweigens des Großen Lehrers muß der Aspirant sein Streben fortsetzen und an seiner Vervollkommnung arbeiten, stets seine Fähigkeiten für das Allgemeinwohl einsetzend.

       Leider gibt es nicht wenige Fälle, wo jemand, vom Wunsch beseelt, schnell voranzukommen und mehr Wissen zu erlangen, sich auf die Suche nach anderen Lehren und Lehrern begibt und sich zersplittert, wodurch er seinen Platz auf der Leiter des Aufstiegs verliert. Bedenken wir, was in der Lehre über die Wahl des Lehrers gesagt ist: ”Im Herzen den Herrscher bestätigt zu finden, ist die erste Bedingung auf dem Pfad zur Feurigen Welt. Ohne diese notwendige Voraussetzung kann man nicht zu den vorbestimmten Toren gelangen. Führung muß allerdings im Geist und im Herzen erkannt werden, denn allein die Hand des Herrschers anzunehmen, ohne Ihm mit dem Herzen ergeben zu sein, ist unzureichend. Das Gesetz, das den Lehrer mit dem Schüler vereint, muß verstanden werden, denn ohne vollkommene Hingabe an den Herrscher kann es keine Verbindung geben. Eine uneingeschränkte Annahme der Führung bedeutet eine bewußte Verbindung, denn die aus den Tiefen des Geistes aufsteigende Wärme muß mit dem Herzen verstanden und gefühlt werden. Vor allem ist es notwendig zu erkennen und zu fühlen, wodurch das Wesen des Herrschers mit dem des Schülers verbunden ist. Nie darf man vergessen, daß auf dem Pfad zur Feurigen Welt Schwingungen und Karma die verbindenden Glieder sind.” (Feurige Welt, III. Bd.)

       Der Schüler muß daher seinen Organismus durch Verfeinerung der Wahrnehmungsfähigkeit vorbereiten, denn wer außer dem Großen Lehrer weiß, ob das Karma des bestrebten Schülers für seinen Erfolg förderlich ist oder nicht? Wenden Sie daher Ihre äußersten Anstrengungen und Bestrebungen für eine bessere Kenntnis der Lehre und ihre Anwendung im Leben auf und überlassen Sie das Übrige Ihrem Karma und dem großen Wissen des Herrschers!

       Ich darf Sie ermuntern, wenn ich sage, obwohl der Pfad der Vorbereitung für die Jüngerschaft so lang ist und es auf diesem Pfad viele Hindernisse und Prüfungen gibt, so verleiht die Meisterung dieser Schwierigkeiten Freude, Errungenschaft und Offenbarung. Sie müssen auch wissen, daß diese Prüfungen nicht künstlich geschaffen werden, sondern mit dem inneren Verhalten und dem Geist des Schülers in Zusammenhang stehen – ihm eine Chance bieten zu zeigen, wie er inmitten allgemein belastender Umstände im Falle plötzlich auftretender Schwierigkeiten handeln würde. In der theosophischen Literatur wird von sieben Prüfungsjahren für die erste Zeit gesprochen, worauf eine weitere Frist von sieben Jahren folgt. Doch diese Zeit kann entschieden verkürzt werden oder auch verlängert. Alles hängt vom Karma des Schülers und von seiner inneren Entwicklung und Bestrebung ab. Denn es ist notwendig, das allmähliche Öffnen der höheren Zentren zu erlangen; anders ist es nicht möglich, als Schüler angenommen zu werden. Denken Sie jedoch daran, daß vor dem 30. Lebensjahr nicht alle Zentren ohne schrecklichen Schaden für den Organismus geöffnet werden können. Das Öffnen der Zentren zu erzwingen, kommt dem Selbstmord gleich.

       Und jetzt möchte ich auf die Gefahren des Psychismus hinweisen, denn auf den ersten Stufen ist dieser Zustand für den Schüler besonders gefährlich. Psychiker stehen in Kontakt mit den niederen Sphären der Feinstofflichen Welt, und sie halten die Stimmen von Wesenheiten aus diesen Sphären oft fälschlich für einen echten Ruf und für Stimmen der Großen Lehrer, als welche diese Wesenheiten sich auszugeben versuchen. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß diese Stimmen immer zu bösem Handeln, Verderbtheit und Verbrechen verleiten. Nur die primitivsten und niederen Kräfte versuchen es auf diese Weise. Viel gefährlicher sind jene, die sich in der Maske des Lichts der Lehre nähern. Wir kennen viele Fälle solch ”führender” Stimmen und ”heller” Visionen. Deshalb warnen die Lehrer immer vor Psychismus, von dem jene betroffen werden, die Pranayama üben.

       Will jemand, der noch zu einem gewissen Grad mit Psychismus behaftet ist, den Pfad des Lichts beschreiten, so muß hier sorgfältig unterschieden werden; denn man darf nicht vergessen, daß im alten Indien und Ägypten nicht ein einziges geborenes Medium als Schüler aufgenommen wurde, ja es war einem solchen nicht einmal gestattet, das Allerheiligste des Tempels zu betreten. Doch heute halten sich Menschen, die über die niedersten psychischen Fähigkeiten verfügen, für geistig besonders fortgeschritten. Die Verblendung ist groß! Psychismus und wahre Geistigkeit stehen diametral zueinander. Ein starkes Auftreten von Psychismus hemmt das Wachstum des Geistes. Deshalb sollten alle, die auf ihre psychischen Phänomene so stolz sind, sehr vorsichtig sein. In der Lehre ist gesagt ”Die Heiligen des Großen Dienens sind frei von Psychismus, weil sie im Geist ständig zur Hierarchie bestrebt sind und ihr Herz auf die Schmerzen der Welt erklingt. Psychismus ist ein Fenster zur Feinstofflichen Welt, doch der Lehrer sagt zum Schüler: Wende dich nicht so oft zum Fenster, schaue in das Buch des Lebens.”

       ”Psychismus erweist sich oft als entkräftender Einfluß, doch das Große Dienen liegt im Gefühlswissen. Daher warnen Wir erneut vor Psychismus – davor, zurückzublicken ohne entscheidendes Ziel für die Zukunft. Die geistig schwachen Psychisten sind oft ein willkommener Fang für die Sataniden.”

       Seien Sie daher bemüht, den großen Unterschied zwischen Psychismus und dem erhabenen Gefühlswissen zu erkennen. Versuchen Sie, der Stimme des Herzens zu lauschen; läutern und erweitern Sie Ihr Denken, um Ihr Gefühlswissen zu verfeinern!

       Mein erster Rat für Sie ist, aus den Büchern der Lehre alle Eigenschaften herauszuschreiben, die für den, der als Schüler angenommen werden will, wichtig sind. Dann dringen Sie tief in Ihr Innerstes ein, um Ihre schlechten Eigenschaften zu erkennen. Wählen Sie eine davon aus und versuchen Sie mit aller Macht, diese loszuwerden, indem Sie sie in eine positive umwandeln. Nachdem Sie eine Ihrer Gewohnheiten losgeworden sind, gehen Sie an die nächste heran und so fort. Dies ist alles nicht so leicht, doch Leichtes ist für den zur feurigen Welt führenden königlichen Pfad ungeeignet.

       Ich glaube, es wäre auch noch nützlich, Ihnen einen weiteren Paragraphen aus dem Buch ”Feurige Welt” zu zitieren: ”Einem feurigen Geist ist die Fähigkeit verliehen, feine Energien aufzunehmen. Nur das feurige Bewußtsein kann einen Strom feiner Energien lenken. Die Mitteilungen müssen daher sehr genau geprüft und unterschieden werden, und zwar deshalb, weil die Menschheit es sich zur Gewohnheit machte, das Höchste auf der niedersten Ebene zu sehen, wodurch die Bildnisse der Herrscher so entstellt wurden. Wahrlich, die Menschen sind gewöhnt zu denken, daß Höheres dem Niederen dienen sollte, doch sie erkennen nicht, daß nur wahres Dienen jemandem das Recht auf einen Platz in der Kette verbürgt. Mißverstandene Mitteilungen zeitigen Ergebnisse, die den Raum verseuchen … Daher möchten Wir jeden vor Entstellung und vor falschen Mitteilungen warnen. – Aber, was kann ein Medium oder ein mit Imperil vergifteter Empfänger schon enthüllen? Daher ist es notwendig, die profanen menschlichen Zutaten zu entfernen und solche Mitteilungen in Zukunft zu vernichten. In der Feurigen Welt kann nur das feurige Bewußtsein ein echter Empfänger Unserer Sendungen sein.”

       Und so lesen Sie meinen Brief aufmerksam und fragen Sie sich ernsthaft: Sind Sie imstande, ein Leben voller Entsagung und mutiger, intensiver Arbeit für das Allgemeinwohl zu wählen? Können Sie geduldig auf eine Botschaft von dem Großen Lehrer warten, trotz möglicher Jahre des Schweigens? Doch wenn Ihnen der Pfad des Herzens vertraut ist (er erfordert große Standhaftigkeit und Ergebenheit, diese seltensten aller edlen Eigenschaften), wird Ihr Weg plötzlich verkürzt und zugleich schön werden. Alles liegt in der Hand des Menschen selbst. Möge diese Wahrheit Sie ermuntern und inspirieren.

       Ich wünsche Ihnen aufrichtig, in Ihrem Herzen die strebende Liebe zum Großen Bildnis zu entdecken und für die hohe Aufgabe bereit zu sein. Die Zeit ist so unheilvoll, daß alle, die den Ruf vernommen haben, die Bedeutung der Heldentat erkennen und wahre Helden werden müssen. So werden Sie ein Held!

8. September 1934

       Wir erzwingen niemals, und wir drängen auch die Bücher der Lehre niemandem auf. Alle unsere Einrichtungen sind vor allem kultureller und erzieherischer Natur; es werden Vorträge über verschiedene Themen gehalten, Konzerte gegeben und, soweit möglich, Vorlesungen über Kunst, Religion und Wissenschaft gehalten. Denn ein aufgeklärtes Bewußtsein kann die Begriffe der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK besser aufnehmen. Für einen primitiven, unkultivierten und undisziplinierten Geist ist es unmöglich, die kosmische, alles umfassende Lehre zu erfassen und zu verstehen, die seit ältesten Zeiten aus der einen Quelle des Wissens und des Lichts strömt. Die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK umfaßt alle Lebensbereiche und zeigt alle Arten möglicher Verbesserungen auf. Daher sollte jeder, außer ständiger moralischer Vervollkommnung, wenigstens eine Kunstart oder ein Handwerk erlernen und ausüben. Der Gedanke an die Aufgabe der Frau beschäftigt mich seit frühester Jugend. Ich nannte meine Vorstellung ”Die Gemeinschaft der heldenhaften Schwestern”; denn ich stellte mir vor, daß sie in die harten Lebensbedingungen unseres Landes Licht und Freude hineintragen würden.

       Diese Gemeinschaft könnte sich auf verschiedene Tätigkeitsbereiche erstrecken. Das heißt, einige Schwestern könnten sich der Medizin widmen, andere der Landwirtschaft, und wieder andere könnten als Lehrerinnen und Vortragende in verschiedenen Wissensgebieten wirken und auch soziale Probleme auf volkstümliche Art behandeln. In solch einer Gemeinschaft wäre allerdings auch das Studium und Lehren von Künsten wichtig, und zwar im Zusammenhang mit der Erforschung der Bedeutung der Farbe, des Tons und des Dufts und deren Wirkung auf die allgemeinen Lebenszustände und -bedingungen des Menschen. Die Aufgabe der LEBENDIGEN ETHIK wäre es, die ganze wohltätige Bewegung der Heldenschwestern zu verschönern. Solche Träume hatte ich, die allerdings mit der Erweiterung des Bewußtseins wuchsen. Jetzt ist die Zeit gekommen, an die nahe Zukunft zu denken und bestrebt zu sein, Seelen zu gewinnen, die bereit wären, diese Aufgabe selbstlos zu übernehmen. Eine ganze Armee solcher Schwestern und Mitarbeiter wäre erforderlich, um den geistigen Hunger der Menschen zu stillen. Jetzt ist es Zeit, die Reihen mit fähigen Lehrerinnen zu füllen. Könnten Sie daher etwas Ähnliches, wie es dieses Programm aufzeigt, in Ihrer Gruppe verwirklichen, so wäre das in vieler Hinsicht wohltätig. In den Büchern der Lehre wird über solche Schwestern sehr schön gesprochen: ”Mögen sie von den Menschen geliebt werden. Mögen die Menschen sagen: Eine Teure kommt in unser Dorf.”

       In den Studiengruppen der LEBENDIGEN ETHIK sollte vor allem berücksichtigt werden, den Gedanken guter Taten und selbstlosen Dienens für den Nächsten und für das Allgemeinwohl zu vermitteln. Jeder Pseudookkultismus, alle mechanischen Übungen zur Entwicklung von Psychismus sind streng verboten. Die Schüler müssen bemüht sein, sich geistig zu entwickeln und Gefühlswissen zu erwecken, was nur durch Reinigung des Herzens und vorurteilsfreies Denken möglich ist; vor allem die Bewußtseinserweiterung und die Entflammung des Herzens werden den Wunsch aufkommen lassen, große Aufgaben zu übernehmen. Freilich, solch ein Programm kann nur von wenigen bewältigt werden, da nur wenige Schönheit und ihren Begleiter, die Einfachheit, verstehen und schätzen. Die meisten ziehen es vor, das Bewußtsein mit komplizierten Formeln zu belasten, die sie kaum verstehen, um dann in psychischen Phänomenen zu schwelgen. Sie erkennen nicht, daß der ganze Psychismus, der jeder Höheren Führung entbehrt, ein Hindernis auf dem Pfad wahrer geistiger Entwicklung ist. Ich habe auf die Gefahren des Psychismus bereits hingewiesen und will im Zusammenhang mit Ihren seltsamen Erfahrungen, die ich Ihnen erklären soll, später darauf zurückkommen. Doch jetzt möchte ich mit meinen Ausführungen über die Aufgabe der Frauen fortfahren.

       In Anbetracht der von Ihnen aufgezeigten Schwierigkeiten möchte ich für diese Aufgabe der Frauen eine besondere Gruppe wählen. In diese Gruppe würde ich nur solche aufnehmen, die in ihrem Denken gefestigt sind und verstehen, daß Hingabe eine der seltensten Eigenschaften ist. Diese Gruppe könnte fortfahren, die Bücher der Lehre der LEBENDIGEN ETHIK zu studieren. Für die übrigen könnte vorgeschlagen werden, durch Sammeln weiterer Informationen und durch Aufklärung vorerst ihr Bewußtsein vorzubereiten, was durch Vorträge und organisiertes Studium in Übereinstimmung mit einem im Frauen-Aufgabenzentrum erstellten Programm geschehen könnte. Ich glaube nicht, daß man von einer religiösen Gruppe mit kirchlich eingestellten Menschen etwas Produktives oder Nützliches erwarten kann. Gerade der engstirnige Dogmatismus hat alle Vermächtnisse Christi entstellt und ist von der Evolution der Zukunft weit entfernt! Ich dachte, daß Ihr Priester eine jener aufgeklärten (und leider seltenen) Seelen wäre, die erkannt haben, daß man mit totem Dogmatismus nicht in den Strom der Evolution eintreten kann. Wir persönlich hatten das Glück, vielen aufgeklärten Priestern zu begegnen. Doch mit engstirnigen Geistlichen kommt es früher oder später zum Konflikt; darüber gibt es keinen Zweifel. Da es so viel unbeständiges und trennendes Denken gibt, würde ich keine eigene religiöse Gruppe bilden. Jedoch die Gruppe, die LEBENDIGE ETHIK studiert, würde ich von den übrigen trennen und nur mit größter Vorsicht neue Mitglieder aufnehmen. Lassen Sie sich nicht durch Quantität leiten und denken Sie immer an Qualität! Ziehen Sie immer das Bewußtsein der Menschen in Betracht. Selbst jene, die den Pfad der Jüngerschaft beschritten haben und sich für fortschrittlich halten, sind über den ersten ihnen geoffenbarten neuen Aspekt der Wahrheit überrascht und beginnen manchmal, über heilige Dinge zu spotten. Aus diesem Grunde ist die Annahme eines Schülers eine solch seltene Sache, und es ist gesagt worden, daß man sie an den Fingern einer Hand zählen kann. Jene, die sich für den Pfad des Schülers auf Probe entschlossen haben, müssen viele Prüfungen über sich ergehen lassen, bevor sie hoffen können, für die Auswahl wahrer Jüngerschaft in Betracht zu kommen.

       Toter Dogmatismus tötet die leuchtende Lehre Christi; das ist der Grund, warum in unserem Land die Kirche so schnell verfiel. Und in anderen Ländern sitzt sie ebenfalls auf der Anklagebank. Der Unterschied liegt wirklich nur darin, daß die Vertreter anderer Kirchen aufgeklärter sind und erkennen, daß sie die Gesetze der Evolution befolgen und den Forderungen unserer Zeit nachkommen müssen. Daher geben viele Vertreter der westlichen Geistlichkeit das mittelalterliche Denken auf und beginnen, das Gesetz der Reinkarnation anzuerkennen. Kürzlich wurde auf einer Versammlung von Bischöfen beschlossen, die Werke des Origenes zu studieren, – des Märtyrers der Unwissenheit seiner Zeitgenossen – ein Licht wahren Christentums. Ja, von der Kirche wird die große Sünde begangen, das Denken der ihr anvertrauten Menschen zurückzudrängen und sie im Zustand der Unwissenheit und Finsternis des Mittelalters zu halten. Doch für einen vorurteilslosen Geist, der durch ewige Verdammnis nicht erschreckt werden kann (wie läßt sich dies mit der ”Allbarmherzigkeit” ihres Gottes vereinbaren?), genügt es, die Geschichte der Kirchenkonzile und des Papsttums zu lesen, um gänzlich und für immer die Achtung vor den meisten Kirchenvertretern zu verlieren. Denken wir an die Zeiten der Inquisition! Denken Wir an die großen Geister, die unter ihr zu leiden hatten! Vergessen wir auch die Bartholomäusnacht nicht! Lesen wir die von Priestern geschriebenen Biographien der Heiligen, in denen die Verbrechen der Kirchen beschrieben werden! Die wahren Dokumente, d. s. die Episteln der Heiligen an die Oberhäupter der Kirche, sind erhalten geblieben; und in solchen Briefen wird strenge Anklage gegen blutige Verbrechen erhoben. Doch Sie können widersprechen und mir sagen, daß sich zwar die westliche Kirche solcher Verbrechen schuldig machte, doch nicht unsere orthodoxe!

       Dann möchte ich Sie an die Zeit des Patriarchen Nikon erinnern, der anstelle des Didactylus-Kreuzes das Tridactylus-Kreuz einführte. Dieses Kreuz ist von dem wahren Nachfolger Christi, dem großen Erbauer und Gründer des Heiligen Russland, Sergius von Radonesch, verwendet worden. Unter Nikon sind jene, die das Zweifingerkreuz benutzten, gemartert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. War der verehrte Hl. Sergius vielleicht auch ein Ketzer? Liest man aufmerksam die Geschichte der Kirchenkonzile, so kann man viel Interessantes entdecken, das für die Bewußtseinshöhe jener Kirchenmänner, welche die noch heute in vollem Ausmaß bestehenden Dogmen diktieren, charakteristisch ist. So kann man finden, daß das Gesetz der Reinkarnation beim Konzil zu Konstantinopel im sechsten Jahrhundert n. Chr. abgelehnt wurde, obwohl das Evangelium selbst Worte Christi enthält, die sich offensichtlich auf das Gesetz der Reinkarnation beziehen. Wenn die Menschen, anstatt sich mit den Schulbüchern zufriedenzugeben, sich der Mühe unterzögen, die fundamentale Lehre Christi zu studieren – und dies womöglich im Urtext der Evangelien – ihnen ginge ein neuer Sinn der Worte auf, und in ihrer geistigen Sicht enthüllte sich ihnen das wahre Bildnis Christi. Seit langem ist von allen Großen Lehrern gesagt worden, daß Unwissenheit das größte Unglück ist. Und so ist es wirklich. Was sonst als die Finsternis der Unwissenheit züchtete die Inquisition? Die Inquisition ist der fürchterlichste unausmerzbare Schandfleck auf den goldenen Meßgewändern der christlichen Kirche und zugleich eine schreckliche Karikatur des Gerichtes Gottes. Sie wurde vom Fürsten der Finsternis angestiftet, um den Glauben des Menschen an die Reinheit, Milde und Gerechtigkeit der Kirche zu erschüttern und zu zerstören.

       Denken wir an alle Großen, die unter der Inquisition zu leiden hatten und an jene, die ihr leuchtendes Wissen unter der Maske der Torheit oder unter den kompliziertesten Symbolen, deren Schlüssel – zum Verhängnis der Menschheit – verlorenging, verbergen mußten. Denken wir auch an die zahlreichen Bücher, voll des Lichts und der Güte, deren Verlust nicht wiedergutzumachen ist und von den besten Geistern späterer Epochen als das größte Unglück betrachtet wurde. Natürlich ist man über das Verbrennen der Alexandrinischen Bibliothek entrüstet, doch über das durch die Inquisition entfachte Feuer, das über Jahrhunderte hinweg unentwegt die Perlen menschlichen Genius auf dem Scheiterhaufen verzehrte, ziehen die Heuchler es vor zu schweigen!

       Die Liste der Taten zum Schaden der Menschheit ist lang; diese Liste über die Märtyrer des Wissens und des Lichts, und sie setzt sich – zur Schande der Menschheit – noch in unserem ”aufgeklärten” Zeitalter fort.

       In der Lehre ist erwähnt, daß die Priester in jeder Retorte eines Alchimisten die Hörner des Teufels sahen! Und auch jetzt sehen sie in den Büchern der Lehre des Lichts das Zeichen des Antichristen. Wahrlich, jeder sieht seine eigene Widerspiegelung.

       Öffnen und reinigen wir daher unser Bewußtsein. Allerdings das Unglück war, daß in unserem Land alle Lichtträger verbannt wurden. So sah sich unsere große Landsmännin H. P. Blavatsky veranlaßt, das Licht der Lehre nach Amerika und Europa zu tragen, weil das Bewußtsein der russischen Gesellschaft dafür nicht reif war.

       Die in den Büchern erwähnte Internationale Regierung ist die Große Hierarchie des Lichts; und für uns Christen, die wir die religiöse Terminologie von den Juden entlehnt haben, ist es natürlich die Jakobsleiter, von der im zweiten Band der ”Blätter des Gartens MORYA” genau gesprochen wird. Und für den Osten ist es das Große Schambhala, oder Shabistan, oder der Berg Meru. Es gibt noch manch andere Namen, denn sie variieren je nach Volk und Land.

       Ebenso war es mit der Freimaurerei – zu Anfang eine große, herrliche Bewegung, oft von Großen Seelen geleitet; und in solchen Fällen wurde sie von den Vertretern der Kirche mit besonderem Eifer verfolgt.

       Doch so wie sich die Kirche von der einen Lehre Christi abwandte, verblieb auch der Freimaurerei nichts von der früheren Größe ihrer Vermächtnisse. In beiden Organisationen blieb nur die Form – nichts als tote Dogmen und Rituale. Deshalb sollte eine Wiederbelebung des Geistes der früheren Kirche, voll der reinen Essenz der Lehre Christi, den gegenwärtigen Niedergang ablösen. Der Originaltext der Vermächtnisse Christi muß in seiner ursprünglich reinen Form wieder erstehen.

       Man könnte die Kirchenhäupter fragen, warum sie, als Vertreter der strahlenden Lehre, gegenseitige Schmähung und Zwistigkeiten zulassen. Eine Kirche schließt die andere aus. Und wer sonst als sie sollte heute Einigkeit bringen? Sie hätten die große Aufklärung durchführen sollen. Ich möchte sagen, eine planetare Aufklärung. Hätten sie es getan, würde die große Duldsamkeit auf uns zukommen, welche die vielfältigen Aspekte und Manifestationen der großmächtigen, alles durchdringenden, allseienden, allumfassenden Gottheit zu umfassen vermag, die niemals auch nur eine einzige Welt, einen einzigen Sohn, eine einzige Offenbarung von sich ausschließt.

       Daher zerstört die Lehre der LEBENDIGEN ETHIK nichts, verwirft nichts, sondern ruft auf zur Reinigung des Herzens und des Denkens. Doch die Unwissenheit der Finsternis bekämpft immer wütend das Licht. Der erste Impuls der Wütenden ist, alles zu vernichten und zu töten, was ihnen nicht klar erscheint. Unduldsamkeit ist das Zeichen von Unwissenheit. Duldsamkeit ist die Krone des Großen Wissens. Nach diesem Zeichen sollten Sie die Wertigkeit Ihrer Gruppenleiter bestimmen.

       Und jetzt möchte ich Ihre Fragen der Reihe nach behandeln. Sie fragen, wie die Worte ”Weiche Flammender! … warum kehrst Du Dein Antlitz ab?” zu verstehen sind. Diese Worte könnten für die von Ihnen erwähnten Fälle genau angewendet werden. Erschrecken diese Leute nicht durch das Feuer des Lichtträgers? Sagen sie nicht ”Weiche Flammender! Verstelle nicht des Himmels Tore?” Und wieder die Antwort des Feurigen Boten: ”Mein Anblick bereitet dir Schmerzen; deine Schwingen sind noch nicht ausgebreitet!” (Blätter des Gartens MORYA 1, § 9)

       Sehr listig gewoben sind die Netze von Aberglauben und Vorurteil – diese Ausgeburt der Unwissenheit, die die Schwingen des Geistes umgarnt. Furcht befällt die Seele, die den Pfad des Lichts nicht kennt und die sie umgebende Dämmerung nicht durchdringen kann. ”Wissen kommt nicht so leicht, wenn der Geist verwirrt ist.” Es gibt viele kranke Seelen, und niemand kann ihnen helfen; denn die Läuterung muß aus der Tiefe des Herzens und des Geistes kommen. Doch mögen sie schließlich in den Büchern der Lehre über Verrat und Schmähung nachlesen und dann den eigenen Pfad wählen.

       Und jetzt zu den von Ihnen beschriebenen Zuständen. Gewiß, die Vision von Lichtformation weist auf den Beginn einer gewissen Zentrentätigkeit hin. Es ist aber ratsam, sehr vorsichtig zu sein; ein leichtes, kurzes Pranayama, ohne den Atem zu lange anzuhalten, kann nicht schaden. Pranayama sollte jedoch nicht auf jene Art durchgeführt werden, die auch mit Gymnastik verbunden ist, wie nach Anweisung aus Büchern von verschiedenen Pseudo-Yogis. Diese Art kann plötzlich zu gänzlich unerwarteten verheerenden Folgen führen! Daher bitte ich Sie, sehr vorsichtig zu sein. Ich habe nie irgendwelche Übungen durchgeführt, auch nicht einfaches Pranayama. Um Ihnen die Wahrheit zu sagen, ich hatte immer eine instinktive Abneigung gegen alle künstlichen Methoden, wenn ich mich mit dem heiligen Feuer des Herzens befaßte. Vergessen Sie nicht, daß intensives Pranayama zu Psychismus und Mediumismus führt, den Antipoden echter Geistigkeit. Um die Schädlichkeit mechanischer Methoden zu unterstreichen, will ich die Worte von H. P. Blavatsky aus dem III. Band der ”Geheimlehre” zitieren: ”Die Wissenschaft von Hatha Yoga beruht auf dem ”Anhalten des Atems” oder Pranayama. Unsere Meister sind einmütig gegen diese Übung. Denn was ist Pranayama? Wörtlich übersetzt bedeutet es ”Tod des Lebensatems”. – Einige ungeduldige Schüler, die wir in Indien persönlich kennenlernten, führten die Übungen des Hatha Yoga durch, unsere Warnungen mißachtend. Bei zweien führte dies zu Schwindsucht, woran der eine starb; andere wurden fast irrsinnig; wieder ein anderer beging Selbstmord; und einer schließlich entwickelte sich zu einem regelrechten Zauberer, einem Schwarzmagier, doch seine Karriere wurde – zum Glück für ihn – durch den Tod beendet.”

       Messen Sie daher dem Pranayama keine zu große Bedeutung bei. Die Atemwissenschaft, mit der sich die wahren Raja Yogis befassen, hat mit Pranayama wenig zu tun. Die Hatha Yogis sind daran interessiert, den Lebensatem der Lungen zu beherrschen, während die alten Raja Yogis Pranayama als geistiges Atmen verstanden, denn nur die Beherrschung dieses geistigen Atmens verleiht einen hohen Grad an Hellsichtigkeit und die Wiederbelebung der Tätigkeit des dritten Auges, zusammen mit allen wirklichen Errungenschaften des Raja Yogi. Sie wissen, wie sehr die Großen Lehrer die Entwicklung von Psychismus mißbilligen. Ich zitiere: ”Zur Zeit, wo der eine seine Seele für das Wohl der Welt opfert, sitzt der andere auf dem Wasser. Während der eine sein Herz für die Rettung seines Nächsten darbietet, tappt der andere zwischen den Erscheinungen der Feinstofflichen Welt umher. Die Heiligen des Großen Dienens sind frei von Psychismus, weil sie im Geiste immer zur Hierarchie bestrebt sind und ihr Herz auf den Schmerz der Welt erklingt. Psychismus ist ein Fenster in die Feinstoffliche Welt, doch der Lehrer sagt dem Schüler: Wende dich nicht so oft dem Fenster zu, schaue in das Buch des Lebens.”

       ”Psychismus erweist sich oft als ein schwächender Einfluß, doch das Große Dienen liegt im Gefühlswissen. Daher warnen Wir vor Psychismus, vor dem Zurückblicken ohne entscheidende Aufgabe für die Zukunft. Die geistig schwachen Psychisten sind oft ein vergnüglicher Fang für die Sataniden.

       Wahrlich, im Großen Dienen liegt das Gefühl der Verantwortlichkeit. Doch an diesen Kelch sollte man sich gewöhnen, weil es keinen kürzeren Weg gibt, ohne ihn zu leeren. Das Herz, das zur Hierarchie bestrebt ist, fühlt, wie notwendig und heilsam der Kelch des Opfers ist. Für manche ist er nur ein Gegenstand des Spottes und der Verdammung, doch für andere ist er ein kostbarer Schatz. Es ist Unser großer Wunsch, daß wahres Gefühlswissen entwickelt wird.” (Feurige Welt, II. Band).

       ”Das Gebiet Psychismus ist so komplex, so fürchterlich und birgt für die irregeleiteten ”Adepten” viele Überraschungen. Es gibt viel bewußten und noch mehr unbewußten Betrug in den Visionen der Medien und undisziplinierten Psychiker. Ohne die Höhere Führung kann man in diesen Sphären nie sicher sein. Nur ein Schüler, der unter direkter Führung der Großen Lehrer steht, kann diese Visionen unterscheiden. Um genau zu sehen und zu verstehen muß man lernen, den niederen Manas zu beherrschen und darf es nicht zulassen, daß er sich beeinflussen läßt. Es gibt viele Beispiele von Visionen, wo der höhere Manas die große Wahrheit erfaßte, doch das Gefühl der Selbstsucht schaltete den niederen Aspekt ein, und durch das Dazwischentreten des niederen Manas fügte dieser nicht nur eigenes hinzu, sondern entstellte den ganzen Sinn der geoffenbarten Wahrheit.”

       So muß immer wieder auf den Schaden von psychischen Erscheinungen hingewiesen werden. Im alten Indien war es Fakiren und Medien nicht gestattet, das Allerheiligste des Tempels zu betreten. Gleicherweise nahmen die Hierophanten Ägyptens keine Medien und Psychiker als Schüler auf. Sie lehnten sogar lymphatische Diener ab. Geistige Errungenschaft offenbart sich im Grad des Gefühlswissens. Über Mediumismus habe ich vorher bereits geschrieben, doch diese Frage ist so grundlegend, daß es notwendig erscheint, sie von allen Seiten her zu beleuchten und sich immer wieder mit ihr zu befassen. Man muß erkennen, daß Mediumismus und Zentrenöffnung grundverschiedene Dinge sind. Denken Sie daran, daß in einem der Bücher der Lehre Medien als Herberge für entkörperte Lügner bezeichnet werden! Ebenso ist Psychismus von der feurigen Umwandlung der Zentren weit entfernt. Laßt uns daher zu wahrer Jüngerschaft und zum Dienen bestrebt sein, was sich in steten heldenhaften Errungenschaften sowie in selbstloser Arbeit für das Allgemeinwohl kundtut. Alles andere wird sich zur rechten Zeit ergeben, ohne mechanische Methoden, die uns in der wahren geistigen Entwicklung nur aufhalten.

       Sie schrieben so rührend, daß Sie sich von dem Begriff ”Mutter” so angezogen fühlen. Das ist es, was mich bewegt, Ihnen wie einer Tochter zu schreiben. Es beunruhigt mich, daß Sie sich in Ihrem Eifer und aus Unwissenheit unheilbar verletzen könnten. Über allen physischen Übungen steht das Streben des Herzens zum Großen Bildnis. Wollen wir uns nicht mit mechanischen Übungen befassen, sondern uns anstrengen im wirklichen Dienst zum Feurigen Herzen Dessen, Der in riesiger Spannung immerwährend Wache hält und jetzt im Kampf gegen die Finsternis an der Spitze der Kräfte des Lichts steht. Harmagedon ist kein weltenfernes Märchen mehr, es ist eine bedrohliche, fürchterliche Wirklichkeit. Daher sind jene, die dienen und in Zwietracht stürzen und Uneinigkeit schüren, Verbrecher. Kann es sein, daß Menschen gänzlich blind und taub werden können und die unheilvollen Zeichen der Großen Schlacht nicht wahrnehmen?

       Das Werk von St.Yves d’Alveidre ”Agarta” ist weder eine beachtenswerte noch eine wahre Mitteilung. In Wirklichkeit hat er das Agarta seiner Vorstellung – das Blendwerk der Feinstofflichen Welt – besucht. St. Yves war ein typischer Psychiker und ein Medium. Daher weichen seine Beschreibungen von der Wahrheit so sehr ab. Sein Agarta steht bestimmt nicht mit der Weißen Bruderschaft in Verbindung. Voller Betrug ist das Gebiet des Psychismus. In der Feinstofflichen Welt gibt es viele, die die Großen Lehrer verkörpern wollen.

       Ich muß sagen, daß mich Ihre Zeilen über H. P. Blavatsky sehr schmerzhaft berührten. Ich spüre darin das Echo der vulgären Ansichten, die für Personen eines bestimmten Typs charakteristisch sind. Ich versichere Ihnen, daß H. P. Blavatsky zweifellos zu den feurigen Boten der Weißen Bruderschaft gehörte. Ganz gewiß war sie eine Überbringerin des ihr anvertrauten Wissens. Von allen Theosophen hatte nur H. P. Blavatsky das Vorrecht, die Lehre unmittelbar von den Großen Lehrern in einem ihrer Ashrams in Tibet direkt zu empfangen. Sie war der große Geist, der die schwierige Aufgabe übernahm, der im toten Dogma verlorenen Menschheit – auf dem Weg zum Atheismus befindlich – den Antrieb zu geben, die großen heiligen Lehren des Ostens zu studieren. Genaugenommen war es nur durch H. P. Blavatsky möglich, sich der Weißen Bruderschaft zu nähern, denn sie war das Bindeglied in der hierarchischen Kette. Die anderen in ihrer Umgebung standen weit hinter ihrem feurigen Geist und Herzen zurück; denn in ihrem Eigendünkel glaubten sie, die Höhen allein zu erreichen, das hierarchische Bindeglied genauso ignorierend wie seine Bedeutung. In ihrer Eifersucht verleumdeten und kritisierten sie sie und zogen über sie her, über die eine, die ihnen alles gab und ihnen vertraute. Doch alle diese irregeleiteten Menschen erreichten nichts, denn das Gesetz der Hierarchie ist unabänderlich. Für das Wohl des allgemeinen Werkes korrespondierten die Mahatmas mit einigen ihrer Mitarbeiter, aber nicht einer von diesen Leuten wurde als Schüler zugelassen. In den Schriften von H. P. Blavatsky und in den Briefen der Mahatmas werden Sie den Nachweis finden, daß H. P. Blavatsky das hierarchische Bindeglied war. Wird ein solches außer acht gelassen, so muß das zwangsläufig zu Mißerfolg führen. Und daher sind jetzt die Irregeleiteten, die in die Feinstoffliche Welt hinübergingen und dort von ihren Anhängern umgeben sind, von der Weißen Bruderschaft weiter entfernt denn je, wogegen unsere große Landsmännin aufgrund ihres feurigen Strebens fast augenblicklich nach ihrem Tod in Ungarn inkarnierte. Jetzt waren es zehn Jahre, daß sie in ihrem physischen Körper im Hauptbollwerk eintraf, um unter dem Namen des Bruders X für die Rettung der Menschheit zu arbeiten. So wirkt Kosmische Gerechtigkeit. H. P. Blavatsky war eine große Märtyrerin im wahrsten Sinn des Wortes. Neid, Verleumdung und Verfolgung der Unwissenden töteten sie, und ihr Werk blieb unvollendet. Der abschließende Band der Geheimlehre konnte nicht mehr gebracht werden. So berauben sich die Menschen des Höchsten.

       Ich verehre den großen Geist und das feurige Herz unserer Landsmännin sehr und weiß – im Rußland der Zukunft wird ihr Name gebührend geehrt werden. H. P. Blavatsky sollte wirklich unseren Nationalstolz wecken. Große Märtyrerin für Licht und Wahrheit! Ewiger Ruhm möge mit ihr sein!

* * *

       Über den Kelch des Ostens habe ich bereits geschrieben. Wissen Sie, daß im Osten Mahatma ”große Seele” bedeutet – eine Seele, die ihre irdische Aufgabe erfüllte und nun für das Wohl der ganzen Welt arbeitet? Daher kann man nicht sagen, daß ein bestimmter Mahatma Christen nicht anerkennt; weil ein Mahatma, der alles Wissen in sich birgt, kein Sektierer sein kann.

       Wenn Sie aufmerksam und objektiv den ”Brief über Gott” in den Briefen der Mahatmas lesen, werden Sie sehen, daß der Mahatma den schändlichen, frevelhaften, gotteslästerlichen, anthropomorphen Begriff eines persönlichen Gottes – grausam mit ewiger Verdammnis alle sogenannten Ketzer strafend und alle in seinem Heiligen Namen verübten Verbrechen rechtfertigend – ablehnt! Solch ein Gott kann wahrhaftig nicht die Billigung und Achtung eines Mahatma erfahren. Keinesfalls aber kann man das Buch ”Briefe der Mahatmas” als atheistisch bezeichnen, denn wie könnten Sie, Die die Unsterblichkeit der Seele verkünden, etwas mit totem Atheismus zu tun haben? Sie haben ganz recht – für dieses Buch sind die Menschen noch nicht reif. Doch bitte, weisen Sie darauf hin, daß die Mahatmas durch keine Äußerung verdammt werden sollten. Groß wird das Erstaunen und, wenn ich so sagen darf, die Demütigung vieler sein, sobald sie herausfinden, wer in Wirklichkeit der Führende Mahatma ist. Große Bildnisse haben viele Aspekte und Namen.

       Zum Schluß möchte ich Sie bitten, durch meinen Brief, der vielleicht etwas streng ist, nicht beunruhigt zu sein, doch es schmerzt mich, wenn ich sehe, wie wenige es sind, die erkennen, wie bedrohlich die Zeit ist, in der wir leben. Man scheint dies nicht zu verstehen, wahrlich, für viele ist die letzte Chance gekommen; und sie kriechen weiter in der Finsternis der Unwissenheit und suchen Gegensätze, wo es keine gibt, die Hörner des Teufels sehend und das Siegel des Antichristen, weil ihr Bewußtsein an die Erde gebunden ist. Sie können nicht selbständig denken, und blind rennen sie gegen die durch das Phantom der ewigen Verdammnis seitens ihres ”Barmherzigen” Gottes errichteten Schranken! Wahrlich, es ist gesagt ”Das ganze Wasser von Urdar und Uruvela reicht nicht aus, um die von gotteslästerlichen Händen auf den Gewändern Christi und Buddhas zurückgelassenen Schandflecken abzuwaschen”. Glauben Sie mir, der Geist der Inquisition ist noch stark. Würde Christus heute auf Erden erscheinen, so entginge er vielleicht der Kreuzigung und dem Scheiterhaufen, doch kaum der Schmach, zu einem Antichristen gestempelt zu werden, oder gar der Verurteilung zu lebenslänglichem Kerker. Ich empfehle Ihnen, Dostojewskis ”Der Großinquisitor” zu lesen.

* * *

       ”Die Menschheit mißt nur jenen Begriffen Bedeutung bei, die in einem Durchschnittsbewußtsein enthalten sind; sie formt und prägt alles nach diesem Bewußtsein. Warum werden denn die Höheren Begriffe nicht einbezogen? Warum gibt es soviel Entstellung, warum so viele Herabsetzungen? Weil tatsächlich das Wesen des menschlichen Suchens und Strebens gesunken ist. Doch die Aufgabe der Neuen Welt ist es, das Bewußtsein zu wecken und der Welt die vorbestimmten Bildnisse der Schönheit wiederzubringen. Schaffenskraft des Geistes muß durch die Tat zum Aufstieg gelenkt werden. Vor allem darf das Höhere nicht herabgezogen und am Aufstieg gehindert werden. Daher wird die erste Forderung sein, das Göttliche Bildnis der Göttlichkeit entsprechend zu schaffen. Wenn das menschliche Bewußtsein aufhört, die Göttlichkeit auf irdische Art darzustellen, dann werden die Errungenschaften des Geistes feurig sein”. (Feurige Welt, III. Band)

* * *

       Mögen die Mitarbeiterinnen Ihnen gegenüber die kleine Flamme der Dankbarkeit hegen. Sie wiesen Ihnen den Pfad und verbanden sie mit der Lehre des Lichts, wodurch Sie ihrem Geist Inspiration und Freude vermittelten. Hingabe ist die seltenste Eigenschaft; sie führt schneller zum Ziel als alles andere. Mögen Sie sich festigen in der Lehre des Lichts; scheint Ihnen aber etwas nicht klar genug, so fragen Sie. Ich werde gerne erklären, soweit ich kann. Es ist sehr wichtig, die Zweifel gleich zu Beginn zu zerstreuen. Wenn der große Begriff der Hingabe Ihrem Geist teuer ist, sollten Sie aus den Büchern der Lehre alles herausschreiben, was über diese königliche Eigenschaft gesagt wurde. Wenn Sie diese Notizen wiederholt lesen, können Sie diese Manifestation wahrer Geistigkeit in Ihrer Seele verankern. In der Lehre ist gesagt: ”Hingabe ist die Grundlage der Geistigkeit.”

       Ich rufe alle, die bereit sind, ihre sämtlichen Fähigkeiten und ihre Energie in den Dienst der Menschheit zu stellen. Denn die Zeit ist nah, wo jeder intelligente Helfer unentbehrlich wird. Es ist so wichtig, den Menschen Achtung vor dem Wissen und vor jedem Lehrer einzuflößen. Jeder Lehrer sollte als ein Vertreter des Lichts und des Fortschritts angesehen werden.

12. September 1934

       Sie glauben, der Autor von ”Brief über Gott” wäre verblüfft gewesen, wenn er gewußt hätte, daß Sergius von Radonesch alle Heldentaten seines langen Lebens im Namen dieses ”himmlischen Tyrannen” vollbrachte. Darf ich Ihnen mit einem Passus aus dem Buch ”Herz” antworten?” … Vermeidet Streitgespräche über das, was unbestreitbar ist. Kürzlich wunderte Ich Mich über einen Streit zwischen den Anhängern von Jeanne d’Arc, Sergius und Moses. Alle erklärten, daß ihr jeweiliger Beschützer nicht mit den anderen übereinstimme. In Kenntnis der Wahrheit aber war es traurig, diese zu Mißklang führenden Einwände anzuhören … ”

       Vielleicht verstehen Sie diese Worte nicht, und darum möchte ich versuchen, sie zu erklären. Jeder möge und sollte sich einen individuellen Beschützer wählen, zu dem sein Herz besonders hingezogen wird, doch deshalb hat niemand das Recht, einen anderen Lehrer herabzusetzen oder abzulehnen. Es kann tatsächlich vorkommen, daß unter verschiedenen Namen dieselbe Person gemeint ist. Die Großen Bildnisse hatten und haben viele Aspekte und Namen. Wissen Sie, welche großen Namen im Buch der Leben des Führenden Mahatma geschrieben stehen? Wahrlich, nur die Mahatmas – vor allem der Führer unter Ihnen – kennen die Wahrheit. Hüten Sie sich daher, in Ihrer Unwissenheit Gotteslästerung zu begehen.

       Und jetzt, wenn Sie den ”Brief über Gott” aus dem Buch ”Die Briefe der Mahatmas” aufmerksam und objektiv lesen, werden Sie finden, daß der Mahatma nur einen gotteslästerlichen, weil zu menschlichen Begriff eines persönlichen Gottes ablehnt: – einen grausamen und ungerechten Gott, mit ewiger Verdammnis jeden Ketzer züchtigend und alle in seinem Namen und zu seiner eigenen Glorifizierung zugelassenen Verbrechen rechtfertigend. Das ist der Gott des kirchlichen Dogmas, der nur jenen den Eintritt in Sein Reich gewährt, die, durch das Opfer seines Sohnes gesühnt, an dieses Opfer glauben. Wenn wir darüber hinaus die Tatsache beachten, daß die Mehrheit der Menschheit seit ihrem Bestehen außerhalb des Schoßes der christlichen Kirche geboren wurde und wird, dann müssen wir von diesem Blickpunkt aus annehmen, daß der größte Teil der Menschheit zu ewiger Verdammnis verflucht ist. Kann es denn ihr Fehler sein, daß der ”Barmherzige Vater” beschloß, seinen einzigen Sohn zu einer bestimmten Zeit, in ein besonderes Land zu einem bestimmten Volk zu entsenden? Warum die anderen bestrafen? Kann es sein, daß die Billionen von Seelen dazu verdammt sein sollten, für immer im Höllenfeuer zu brennen, nur weil es ihnen nicht vergönnt war, das Evangelium des Sohnes zu hören? Die Mahatmas kennen einen Gott dieser Art nicht, noch könnten Sie einen solchen verehren. Doch es ist ganz unmöglich, die Mahatmas als Atheisten zu bezeichnen. Wie könnten Sie, Die die geistige Unsterblichkeit verkünden und selbst erlangt haben, etwas mit totem Atheismus zu tun haben? Lesen Sie aufmerksam – widersetzen sich die Mahatmas nicht sogar dem Agnostizismus? ”Man kann uns Pantheisten nennen – nie Agnostiker”. Und weiter: ”Nachdem wir die Gnosis gefunden haben, können wir ihr nicht den Rücken kehren und Agnostiker werden”.

       Sie zitieren die tief philosophische Feststellung des Großen Mahatma: ”Nie und nimmer hat jemand Ihn oder Es – Gott gesehen; wenn er (oder es) nicht selbst das wahre Wesen und die Natur dieser unbegrenzten ewigen Materie, ihre Energie und Bewegung ist, können wir ihn nicht als ewig oder unendlich oder selbstbestehend betrachten. Wir lehnen es ab, ein Wesen oder ein Sein anzuerkennen, von dem wir absolut nichts wissen, weil es (oder er) (a) keinen Platz im Vorhandensein jener Sache hat, deren unwiderlegbare Eigenschaften und Qualitäten wir gründlich kennen, (b) weil, wenn er (oder es) nur ein Teil jener Sache ist, es lächerlich ist zu behaupten, er sei der Beweger und Beherrscher desjenigen, von welchem er selbst nur ein abhängiger Teil ist; und schließlich (c) weil, wenn man uns sagt, daß Gott selbstbestehender reiner Geist ist, unabhängig von der Materie – eine separate kosmische Gottheit, Wir darauf antworten, daß wenn Wir die Möglichkeit einer solchen Unmöglichkeit zulassen, d. h. sein Vorhandensein, dann behaupten Wir dennoch, daß ein rein immaterieller Geist weder ein intelligenter bewußter Herrscher sein noch die ihm von der Theologie zugedachten Attribute haben kann; und solch ein Gott wird wiederum nur zu einer blinden Kraft … Mit anderen Worten, Wir glauben allein an die Materie, an die Materie als sichtbare Natur und Materie in ihrer Unsichtbarkeit als den unsichtbaren, allgegenwärtigen, alle Energien in sich tragenden Proteus mit ihrer unaufhörlichen Bewegung, die ihr Leben ist und das die Natur aus ihr zieht; denn sie ist das große Ganze, außerhalb dessen nichts bestehen kann.”

       Sie sind wegen der Verherrlichung der Materie entrüstet. Ist Ihnen denn nicht bekannt, daß im Esoterischen Materie und Geist eins sind – daß Materie nur die Differenzierung von Geist ist? Ist Ihnen nicht bekannt, daß Materie in Wirklichkeit Energie ist, da eines ohne das andere nicht existieren kann? Daher ist vom Geist getrennte Materie nur Illusion. Ist Ihnen nicht bekannt, daß alles aus dem einen Element kommt und daß dieses Element als das Göttliche Prinzip anzusehen ist, dreieinig in seiner Offenbarung? Ist Ihnen nicht bekannt, daß Geist, der Materie beraubt, nicht in Erscheinung treten kann? Mit anderen Worten Geist bedarf der Materie, um in Erscheinung treten zu können. In der Tat, wir können uns weder im Handeln noch im Denken von der Materie trennen. Ich will Ihnen dieselben Gedanken aus der ältesten indischen Schrift, dem Agni Purana, übersetzen: ”Diese Natur ist unfaßbar und übersteigt alle Dimensionen und alles Begreifen. Endlos sind die Embryos von Welten und Systemen, die unter der Schwinge von Mutter Universum fortlaufend geboren werden. Puman oder das subjektive Element (das Brahma der Vedantisten) besteht in seiner Potentialität in der Tiefe der Kosmischen Natur, genauso wie Feuer in einem Stück trockenen Holzes verborgen und Öl im Herzen des Sesambaumes vorhanden ist. Dieses Puman oder subjektive Element liegt als psychischer Zeuge oder geistiges Element gänzlich neutral und frei von jeder Tätigkeit verborgen in der Natur.

       Diese Vereinigung von Puman und Natur kommt zustande durch eine besondere Kraft, die als Vishnu-Shakti (Energie) bekannt ist, das alle Embryos und grundlegenden Eigenschaften aller Wesen und der Materie enthält und folglich aus dieser Vereinigung von Kosmischer Natur mit ihrem Gemahl Puman hervorgehen muß. Die hier erwähnte Kraft ist ein aktiver Mediator zur Erfüllung ihrer Vereinigung, wenn sie sich in gegensätzlichen Stadien befinden und getrennt sind, oder andernfalls ist es eine Kraft, die diese Verbindung, aus der das Universum als ein notwendiges Ergebnis geboren wurde, zersetzt, zerstört.

       Götter und andere himmlische Wesenheiten werden aus dieser wechselseitigen Aktion von Natur-Universum und der bewegenden Aktion der Vishnu-Kraft geboren, die durch den Impuls ersterer in die Bewegung hineingelegt wird.”

       Sie können den gleichen Gedanken in der hermetischen Philosophie finden, obwohl in anderer Terminologie. Ja, die Vorstellung der Gottheit, der Unerfaßbaren Quelle aller Wesenheiten, war in alten Zeiten majestätisch. Dieses Kosmische Gesetz gab jedem von ihm ausgehenden Funken sämtliche Eigenschaften mit – freie Wahl in der Anwendung dieser Eigenschaften gewährend: für Aufbau oder Zerstörung.

       Und jetzt wollen wir uns wieder der Feststellung des Mahatma zuwenden, daß ”kein Mensch Gott je gesehen hat”. Natürlich erkennen Sie, daß dies dem Evangelium entnommen ist und daß es die authentischen Worte des Apostel Johannes sind, den einen Ketzer oder Antichristen zu nennen noch niemand wagte. So lesen wir im Evangelium des Johannes (1:18): ”Niemand hat Gott jemals gesehen”; und die gleichen Worte erscheinen in der Ersten Epistel (4:12). Besonders mit diesen Worten gibt uns Johannes zu verstehen, daß Gott auf Grund seiner Natur nicht gesehen werden kann. Ferner sagt Johannes: ”Gott ist Geist, und die Ihn verehren, müssen Ihn im Geist und in Wahrheit verehren” (Johannes 4:24). Weiter lesen Wir: ”Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis begreift es nicht” (Johannes 1:5). Wir aber wissen, daß Licht Materie plus Bewegung ist. So gibt es in der Bibel viele Hinweise über den ”Unbekannten Gott” und die feurige Natur dieses Gottes. Im Deuteronomium (4:24) sagt Moses: ”Denn der Herr dein Gott ist ein verzehrendes Feuer – eben ein eifriger Gott”. Genauso sagt Matthäus (5:8): ”Gesegnet sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen”. Auch sollte man an die Worte des Apostels Paulus in seiner Zweiten Epistel an die Korinther denken (3:6): ”Der Buchstabe tötet, doch der Geist verleiht Leben”. Verwerfen wir daher den toten Buchstaben und mittelalterliche Dogmen und entzünden wir in uns das Feuer des Geistes, wann immer wir uns diesem Heiligsten Begriff geistig nähern. ”Gott ist grenzenlos, unbegrenzt, unfaßbar – sonst wäre Er nicht Gott”. Der Gott der Mahatmas ist ein Kosmischer Gott, oder besser gesagt: der Kosmos Selbst. Ist nicht gesagt, daß er allgegenwärtig, alldurchdringend, allseiend ist? Und weiter: ”Denn in Ihm leben wir und bewegen uns und haben unser Sein” (Apostelgeschichte 17:28). Dies alles steht in der Bibel. Gleicherweise ist in der Lehre erklärt, daß die Menschen ”die Bedeutung von Gott und Bodhisattva nicht verstehen”. Sie verstehen sie wirklich nicht!

       Es ist, wie der Große Origenes sagte: ”Unser Verstand allein ist unfähig, Gott Selbst zu begreifen, doch er kann Ihn durch die Schönheit seiner Schöpfungen und die Herrlichkeit der Natur als den Vater alles Seins intuitiv erfassen.”

       Gleicherweise verstehen die Mahatmas Gott in der Göttlichkeit der Natur – in beidem, in ihrer Sichtbarkeit und in ihrer geistigen Unsichtbarkeit.

       ”Die Massen brauchen zur Verehrung immer eine Persönlichkeit, sie schaffen das Höchste Bildnis nach dem Maß ihres eigenen Bewußtseins, während die Höheren durch alle Manifestationen hindurch dem Prinzip zustreben.”

       Und Origenes fährt fort: ”Wir können daher nicht glauben, Gott wäre eine besondere Verkörperung oder überhaupt verkörpert. Gott ist unkomplizierte Geistige Natur, jede Komplexität ausschließend. Er ist Vernunft und gleichzeitig Quelle und Ursprung jeglicher Vernunft in Natur und Schöpfung. Gott, der Ursprung von allem, sollte nicht als komplex betrachtet werden, da es sonst scheinen könnte, daß die Elemente, die ja alles, was als komplex bezeichnet wird, geschaffen haben, vor ihrem eigentlichen Ursprung existierten.” (Origenes: ”De principies”)

       Dies ist wahres philosophisches Denken – sehr nahe und ich würde sagen identisch mit allen alten Philosophien.

       Wahrlich, würden unsere Kirchenväter dem Beispiel einiger westlicher Priester folgen und die Werke des Origenes, des großen Lichtes der Christenheit, studieren – die Symbole und Sakramente der Christenheit würden in ihrem wahren Licht enthüllt und die starren eisernen Fesseln der kirchlichen Dogmen abfallen; und die Kirche – der Leib Christi – würde auferstehen. Selbst kleine Kinder beginnen logischer zu denken als unsere grauhaarigen Lehrherren!

       Ja, die westlichen Kirchenväter haben erkannt, daß das Bewußtsein ihrer geistigen Herde anderer Nahrung bedarf und die naiven Behauptungen, die für die Zähmung halbwilder, zum Christentum bekehrter Stämme vielleicht einmal erforderlich waren, nicht mehr länger angenommen werden können. Um ihren Einfluß nicht einzubüßen, beeilen sich einige Vertreter der westlichen Kirche, ihr Wissen zu erweitern und die falschen Begriffe aufzugeben. Denken Sie daran, wie viele klare Hinweise in den Evangelien über Reinkarnation und das Karmagesetz von Christus Jesus Selbst gegeben wurden! Doch die Priester weichen diesem Argument geschickt aus. Zweifellos wissen Sie, daß das Gesetz der Reinkarnation im sechsten Jahrhundert durch das Konzil von Konstantinopel abgelehnt wurde! Kann es aber sein, daß ihre Kenntnisse seit dieser Zeit keine Fortschritte machten? Eines dieser Konzile erörterte auch die Frage, ”ob die Frau eine Seele besitze?” Liest man diese historischen Berichte der Finsternis und Unwissenheit, so stößt man auf viele ähnliche ”Perlen”. Und jetzt, in Anbetracht der fürchterlichen Krise, die die Menschheit aufgrund der Verbreitung des schrecklichen, alles entstellenden Atheismus durchmacht, der vom toten Dogmatismus und vom Verfall der Moral unter den Priestern herrührt, sollte in der Tat die ganze Priesterschaft einen völlig neuen Standpunkt gegen jede Art von Unduldsamkeit, Unwissenheit und Unmoral einnehmen. Sie sollten wahre geistige Führer werden und mit der Zeit gehen, anstatt mit den Ketten finsterer Unwissenheit beladen einherzuschleichen. Wie in der Lehre gesagt ist: ”Nach Origenes breitete sich die Verfälschung des Christentums aus”. Und weiter lesen wir: ”… Entsetzen ergreift einen angesichts des religiösen Aberglaubens im Altertum. Origenes schritt auf den noch heißen Kohlen der alten Welt. Die Gebote Jesu kennend, litt er unter der Unwissenheit der Massen. Er kannte die Geheimnisse der alten Mysterien und litt unter dem Unverständnis gegenüber der Einen Quelle. In Kenntnis der Lehre Jesu litt er unter der Errichtung von Kirchen … Da er ein Verfechter des Wissens war, empörte ihn der geistige Verfall der Priesterschaft.” (Blätter des Gartens MORYA, II, § 244)

       Es ist wichtig, daran zu denken, daß die fortschrittlichsten Priester zu allen Zeiten von der herrschenden Kirche verfolgt wurden. Wieviel von seinen eigenen Anhängern ausgestreute Verleumdung umgab unseren zeitgenössischen Vater Johann von Kronstadt! Denken wir an die ”Optina Pustin” (russ. Klostergemeinde), jene wunderbare geistige Gruppe – wieviel Verfolgung erlitt sie durch jene hohen kirchlichen Würdenträger! Denken wir auch an vieles andere, was in einem kurzen Brief nicht alles gesagt werden kann.

       Und nun wollen wir uns mit den Worten befassen, die Sie so entrüsteten. ”Ich will auf die größte, die Hauptursache jener Übel hinweisen, um derentwillen die Menschheit verfolgt wurde. Es ist die Religion, unter welcher Form und welchem Volk auch immer; es sind die Priesterkaste, die Priesterschaft und die Kirchen.” Wenden wir uns den Geschichtsberichten zu, so werden wir sehen, daß dies der Wahrheit völlig entspricht. Tatsächlich ist es für die Studierenden der Religions- und Kirchengeschichte im allgemeinen die unbestreitbare und schockierende Wahrheit. Zu allen Zeiten und bei allen Völkern ist die Frage der Religion sehr akut und furchtbeladen; kein anderes menschliches Problem ist mit Blutvergießen so eng verbunden. Es gab keine so grausamen Kriege wie jene Religionskriege.

       Denken wir an den kriegerischen Fanatismus der Moslems. Vergessen wir nicht, daß die Buddhisten in Indien verfolgt und dann von den Brahmanen ausgerottet wurden. Auch heute sind blutige Gewalttaten zwischen Moslems und Hindus keine Seltenheit. Gleicherweise wurden (und werden noch) in einigen chinesischen Provinzen buddhistische Lamas grausam verfolgt. Und Sie müssen zugeben, daß die Inquisition der entsetzlichste Schandfleck in den Annalen des Christentums ist. Die Inquisition war bestimmt nicht eingerichtet worden, nur um Hexen und Zauberer (meistens waren es Medien und Ketzer) zu verfolgen, sondern zum Zweck der Vernichtung aller andersdenkenden Menschen, aller persönlichen Feinde der Kirchenvertreter; letztere hatten beschlossen, die absolute Macht zu erlangen. Vor allem waren die aufgeklärten Arbeiter für das Allgemeinwohl, die wahren Nachfolger der Testamente Christi, die Feinde der Kirche. Und die leichteste Art, den Feind zu vernichten, war, ihn zu beschuldigen, mit dem Teufel im Bunde zu stehen.

       Die sogenannten ”Hüter der Reinheit der christlichen Prinzipien” versuchten, diese teuflische Psychologie mit allen möglichen Mitteln in das Bewußtsein der Massen einzuträufeln. Kleine Wunder dieser Tage, Visionen der Nonnen und Mönche trugen den Stempel satanischen Einflusses und waren voller teuflischer Bildnisse und jeder Art häßlicher Versuchungen.

       Die Verfolgung der unheilvollen Hexen, Zauberer, Medien und Besessenen diente nur als Vorwand. Die Inquisition wurde errichtet, um uneingeschränkte Herrschaft über die arme erschreckte Bevölkerung zu erlangen. Die wirksamsten Mittel, um dies zu erreichen, waren Erpressung und die Ausrottung jener, die bestrebt waren, Licht in die Finsternis des Mittelalters zu bringen – aller jener, die selbständig waren und es wagten, über das Allgemeinwohl zu sprechen und sich gegen das durch die Vertreter der Inquisition verkörperte Reich des Teufels aufzulehnen. Die Einrichtung der Inquisition war eine schreckliche Karikatur Göttlicher Gerechtigkeit. Sie wurde vom Fürsten der Finsternis eingeleitet, um den Glauben des Menschen an die Reinheit, Güte und Gerechtigkeit der Kirche zu verfälschen und zu vernichten.

       Es ist aufschlußreich, sich der Zeiten der Inquisition zu erinnern, der Bartholomäusnacht und der ganzen Geschichte des Papsttums und der Kirchenkonzile, in denen die ehrwürdigen geistlichen Väter einander ohrfeigten und an den Haaren zogen! Vor solch einer Kirche und ihren Dogmen kann es keine Achtung geben, sondern nur Empörung und Entsetzen über solch abscheuliche Verbrechen, solch ungeheuren selbstsüchtigen Eigendünkel sowie Habgier und Unwissenheit, zugelassen im Namen DESSEN, DER gegen jede Gewalt auftrat und das Gebot gab, den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

       Denken wir an alle diese Großen, die unter der Inquisition litten oder die ihr leuchtendes Wissen unter der Maske der Torheit oder unter den kompliziertesten Symbolen, deren Schlüssel – zum Schaden der Menschheit – beinahe verlorenging, verbergen mußten. Denken wir an die Berge vernichteter Schriften, Werke voller Licht und Güte, deren Verlust nicht wiedergutzumachen ist und von den besten Geistern aller Zeiten als das größte Unglück erachtet wurde! Es ist eine abgekartete Sache, über das Verbrennen der Alexandrinischen Bibliothek empört zu sein, doch diese Heuchler werden es vorziehen, über die seitens der Inquisition angezündeten Feuersbrünste, die durch Jahrhunderte auf dem Scheiterhaufen die Perlen menschlichen Genius verzehrten, zu schweigen. Lang ist die Liste der Märtyrer des Wissens und des Lichts, und solch hervorragende Namen wie Giordano Bruno, Jan Hus und Jeanne d’Arc werden der Menschheit und denen, die am Scheiterhaufen vom Vorhandensein des Teufelsreiches in der Zeit der Inquisition Zeuge waren, im Bewußtsein bleiben!

       Es ist lehrreich, die von den eigenen Priestern geschriebenen Biographien der Heiligen der katholischen Kirche zu lesen. Es sind authentische Schreiben von Heiligen an die Kirchenoberhäupter, worin sie deren blutige Verbrechen verurteilen. Gerade diese Verbrecher lenkten und formten das Bewußtsein der Massen. Die Geschichte der Religion stellt das Finsterste, blutigste Kapitel in der Geschichte der Menschheit dar!

       Sie werden mir vielleicht sagen, daß die Inquisition nicht von unserer orthodoxen, sondern von der westlichen Kirche geschaffen wurde. Dann möchte ich Sie an die Zeiten des Patriarchen Nikon erinnern, der das Dreifingerkreuz einführte, anstelle des Zweifingerkreuzes, das von dem wahren Nachfolger des Evangeliums Christi, dem großen Erbauer und Gründer des Heiligen Rußlands, dem verehrten St. Sergius von Radonesch, verwendet wurde. Unter Patriarch Nikon wurden alle, die sich mit zwei Fingern bekreuzigten, verfolgt, gemartert und verbrannt. Sollte der verehrte Sergius auch als Ketzer anzusehen sein? Lesen wir aufmerksam die Berichte der Kirchenkonzile, so werden wir viele interessante Dinge finden, die für das Niveau des Bewußtseins jener Kirchenväter charakteristisch sind, die das Dogma diktieren, das heute noch in unveränderter Strenge besteht. Würden die Menschen, anstatt sich mit den Schulbüchern zufriedenzugeben, sich der Mühe unterziehen, die Grundlagen der Lehre Christi, womöglich in der Originalsprache der Evangelien, ernsthaft zu studieren, sie würden einen neuen Sinn in den Worten entdecken und ihrem geistigen Auge würde das wahre Bild Christi enthüllt werden – das große Bildnis, dem der verehrte Hl. Sergius sein strenges Leben widmete, was ihm die Feindschaft der Priester dieser Zeit einbrachte.

       Und worin besteht die größte Sünde der Kirche? Sie besteht darin, daß sie durch Jahrhunderte ihren Anhängern das Gefühl der Verantwortungslosigkeit einpflanzte. Von Kindheit an ist den Menschen beigebracht worden, daß eine Person das größte Verbrechen begehen kann, solange sie nachher beichtet und der Priester sie durch Vergebung von jeder Last befreit. Dieser Prozeß des Sündennachlasses gegen Gebühr kann weitergehen; vielleicht wird der Schüler nur noch höhere und immer höhere Gebühren zu entrichten haben. Warum nicht sündigen, wenn Vergebung mit Münzen erlangt werden kann? Wieviele Kirchen wurden auf den Tränen von Waisen gegründet und gebaut! Woher ist das Geld für die Errichtung der großen Kathedralen oft gekommen? Wie viele Kerzen sind vor den Heiligen Bildnissen von Verräterhänden angezündet und aufgestellt worden?! Wahrlich, es ist gesagt: ”Groß wäre die Bestechlichkeit Christi, wäre er bereit, Verrat für eine Kerze zu bemänteln! Solche Kerzen sind Abscheulichkeiten. Christus bedarf solcher Verehrung nicht; besudeln diese Kerzen nicht die heiligen Meßgewänder?”

       Welchen Mangel an Verständnis drückt das Gebet: ”Ich, untergebener Priester, vergebe dir durch die mir von Gott verliehene Macht deine Sünden!” aus. Ja, dem reuigen Sünder durch Bezahlung Vergebung zu gewähren, ist das größte Verbrechen. Die Bestechung der Gottheit mit Gold – ist dies nicht schlimmer als die ärgsten Formen von Fetischismus? Diese furchtbare Frage muß von jedem Gesichtspunkt beleuchtet werden. Wahrlich, dieses unheilvolle Geschwür wird über die ganze Welt – in allen Religionen – verbreitet. So gibt es in Tibet eine Räuberbande, genannt Gollocks, die sich zum Lamaismus bekennt; das ist eine Religion, die sich von den Vermächtnissen Buddhas genau so entfernte wie unsere Kirche von der Lehre Christi. Diese Gollocks pilgern jährlich nach Lhasa, um die Vergebung ihrer Verbrechen zu erflehen. Auf dieser sonderbaren Reise enthalten sie sich des Raubes an der hilflosen Bevölkerung, weil sie hoffen, von den hohen Priestern ihrer Sekte empfangen zu werden. Doch nach dem Empfang voller Vergebung ihrer Verbrechen durch Bezahlung geben sie den Schwelgereien freien Lauf, wenden sich wieder der Plünderung zu, mit mehr Heftigkeit als je zuvor. Hat man sie denn nicht von der Schuld befreit, und können sie sich das nächste Jahr nicht wieder reinigen?! Es ist nur eine Frage der Gebühr! Auch in Indien wird der Sünder sich beeilen, dem Brahmanen als Buße eine Ziege zu schenken. Auch andere wertvolle Anerbieten werden gemacht, entsprechend dem Ausmaß der Sünden, und die Übertreter erhalten genauso leicht Absolution und Reinigung. Sie könnten einwenden, daß dies nur rückständige Rassen betrifft. Geschieht dies aber nicht auch in den höchsten intellektuellen Klassen in Amerika und Europa? Noch ärger! Kürzlich wurde die alte Praxis des Sündennachlasses der katholischen Kirche erneuert! Und jetzt brauchen Katholiken als Buße für ihre Sünden nicht mehr eine Pilgerreise nach Rom zu unternehmen! Alles was als Nachlaß notwendig erscheint, ist die Überweisung einer entsprechenden Summe, und die Überweisung einer Gebühr wird den Eintritt in den Himmel ermöglichen. Zweifellos gibt es für den Ablaß eine Preisskala, denn es gibt verschiedene Sünden. Durch richtige Einschätzung kann ein Vermögen gemacht werden. Kann denn niemand dies aufhalten? Kehren wir damit nicht eilends in die Finsternis des Mittelalters zurück?

       In der Tat, indem sie dem kindlichen Bewußtsein einprägt, daß die Kirche als mächtiger Vermittler für eine Träne der Reue und eine Gebühr den Eintritt in das Paradies gewähren kann, begeht sie die größte Sünde. Diese Art der ”Befreiung” von jeder Verantwortung trennt den Menschen vom Göttlichen Ursprung. Die Kirche hat den großen Begriff Göttlicher Gerechtigkeit ihres wahren Wertes entkleidet. Durch den Verlust der Verantwortlichkeit und Gerechtigkeit wird der Mensch unweigerlich der Entartung anheimfallen; denn jene, die die kosmischen Gesetze nicht befolgen, sind dem Verderb ausgeliefert.

       Der ganze Kosmos ist auf dem Gesetz der Verantwortung, oder wie es öfter genannt wird, dem Gesetz von Ursache und Wirkung, dem Karmagesetz, aufgebaut. Und dieses Gesetz kann man nicht umgehen oder ablehnen, ohne Zerstörung herbeizuführen. Alle alten Lehren lehrten ausnahmslos dieses Gesetz der großen Verantwortlichkeit, dieses Pfand des Göttlichen in uns. Dies ist klar aufgezeigt in den Worten Moses: ”Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn”. Es wurde jedoch falsch ausgelegt und als Beispiel der Rachsucht des jüdischen Volkes angeführt. Denken wir dagegen an die Worte Christi: ”Ihr habt gehört, daß den Alten gesagt wurde: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll dem Gericht verfallen. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen. Wer aber seinem Bruder sagt: ‚Du Tor‘, der soll dem Hohen Rat verfallen. Wer aber sagt: ‚Du Narr‘, der soll dem Höllenfeuer verfallen” (Matth. 5:21-22). Erscheint Ihnen dies nicht strenger als das Gesetz des Moses, wenn wir uns weigern, darin dasselbe unentrinnbare Karmagesetz zu sehen?

       Zweifellos kennen Sie auch die Worte Christi: ”Wahrlich, ich sage euch, jeder, der Haus, Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Frau, Kinder oder Acker um meinetwillen und um der Frohbotschaft willen verläßt, wird hundertfältigen Lohn erhalten in der Jetztzeit und in der Welt des ewigen Lebens …” (Markus 10, 29-30).

       Wie kann jemand jetzt in dieser Zeit mehrere Mütter und Väter haben, wenn er das Gesetz der Wiedergeburt nicht anerkennt? Genau hierdurch wird der Gegensatz zwischen der ”jetzigen Zeit” (eine Zeit irdischen Seins ”inmitten Verfolgung”) und dem Leben in der kommenden Welt unterstrichen.

       Und weiter: ”Und seine Jünger fragten ihn: Warum sagen die Schriftgelehrten, Elias müsse zuerst kommen? Und Jesus antwortete: Freilich wird Elias kommen und alles besorgen. Ich aber sage euch, daß Elias bereits gekommen ist, nur haben sie ihn nicht erkannt, sondern ihm angetan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn unter ihnen leiden. Dann verstanden die Jünger, daß er zu ihnen von Johannes dem Täufer redete ” (Matth. 17, 10-13). Weiter möchte ich anführen: ”Und im Vorübergehen sah Jesus einen Mann, der von Geburt an blind war. Und seine Jünger fragten ihn: Meister, wer hat gesündigt, dieser Mann oder seine Eltern, daß er blind geboren ist?”(Joh. 9:1-2). Offenbaren diese Fragen der Jünger nicht, daß sie vom Karmagesetz wußten und auch Christus es nicht ablehnte?

       Gleicherweise muß man das Gleichnis von den Talenten verstehen. Warum haben sich denn die Kirchenväter so beharrlich geweigert, das große kosmische Gesetz anzunehmen, das allein die scheinbaren Ungerechtigkeiten, alle Unterschiede der Bedingungen der Geburt und alle Mißgeschicke, die uns ereilen, erklären kann? Es gibt nur eine Antwort. Überall ist das eine selbstsüchtige Motiv vorhanden: die Macht nicht aufzugeben und das materielle Wohl sowie das Vorrecht des einzelnen zu mehren. So sind die unwissenden Menschen in der ganzen Welt durch Jahrhunderte gefangen gehalten worden zwischen der Furcht vor ewiger Verdammnis im Höllenfeuer und der Hoffnung auf ewigen Frieden mit den Freuden des Paradieses, während der Schlüssel zum Himmelreich, wie man sagt, der Priesterschaft von Gott selbst übergeben wurde!

       Doch solange der Mensch die ganze Erhabenheit seines Ursprungs nicht kennt und nicht begreift, daß sein Wesen ein unsterblicher Teil des Göttlichen Ichs ist und ewig seine Form ändert, und solange er seine Verantwortung nicht erkennt und nicht weiß, daß es niemanden gibt, der ihm seine Sünden vergeben oder ihn für seine Verdienste belohnen kann, daß dagegen er selbst der Schöpfer von Ursache und Wirkung ist, daß er sowohl Säer als auch Schnitter des von ihm Geschaffenen ist – solange er dies alles nicht erkennt, wird er Verbreiter und Fortpflanzer des Wahnsinns, des Verbrechertums und der Korruption bleiben, die unseren Planeten mit fürchterlicher Zerstörung bedrohen.

       Die in das Bewußtsein eingehämmerte Verantwortungslosigkeit ist bereits erblich. Um den Menschen vor dem Verderb zu retten, ist es notwendig, daß große erleuchtete Geistwesen sich vereinen und das getrübte Bewußtsein der Menschheit tatkräftig erwecken. Es ist notwendig, daß die fortgeschritteneren geistigen Lehrer augenblicklich mit der Reinigung der Vermächtnisse Christi im Lichte der Lehre des letzten großen Apologeten Christi – Origenes, des Märtyrers – beginnen. Durch diese Reinigung wird die Neue Große Weissagung in ihrer ganzen Herrlichkeit aufleuchten und die Synthese, Duldsamkeit und die Umwandlung aller Vermächtnisse bringen.

       Zum Abschluß möchte ich einige Paragraphen aus der Lehre zitieren:

       ”Die Menschheit mißt nur jenen Begriffen Bedeutung bei, die in einem Durchschnittsbewußtsein enthalten sind, denn sie kleidet jede Form nach dem Maß ihres Bewußtseins. Warum sind dann die Höheren Begriffe nicht eingeschärft worden? Warum gibt es so viel Entstellung, warum so viele Herabsetzungen? Weil in Wahrheit das Wesen menschlichen Suchens und Strebens gesunken ist. Doch die Aufgabe der Neuen Welt ist es, das Bewußtsein zu wecken und der Welt die vorbestimmten Bildnisse der Schönheit zurückzugewinnen. Schaffenskraft des Geistes muß in der Tat im Aufstieg verstärkt werden. Vor allem darf das Höhere nicht herabgezogen werden, sondern es muß aufsteigen können. Daher wird die erste Forderung sein, das Göttliche Bildnis der Göttlichkeit zu schaffen. Wenn das menschliche Bewußtsein aufhört, das Göttliche auf irdische Art darzustellen, dann werden die Errungenschaften des Geistes feurig sein.

       Wahrlich, das erhabenste Bewußtsein ist zum Feurigen Prinzip bestrebt, während das niedere das Höhere Bildnis nach dem eigenen Maß errichtet. Die Aufnahmefähigkeit des kleinen Bewußtseins bestimmt das geschaffene Bildnis, und daher gibt es so viele Entstellungen! Wie kann ein kleines Bewußtsein von einem Universalen Begriff erfüllt sein, wenn das Maß der Erfaßbarkeit den Geist in Wut geraten läßt? Ich sage betrübend, schmerzlich ist menschliches Denken! Ein welträumlicher Horizont ist nur für den zugänglich, der die Universalität des Prinzips erkennt, denn der königliche Geist kann mit dem Höheren Prinzip genauso verschmelzen wie der Mikrokosmos mit dem Makrokosmos verschmilzt. Daher kann ein kleiner Geist nicht mit dem Feurigen Prinzip verschmelzen. Feurige Macht enthüllt den gesamten geoffenbarten Schmelzofen dem, der den Puls der Feurigen Welt fühlt. Dieses lebensspendende Prinzip baut Leben auf Fohat auf. So laßt uns daran denken, daß nur ein kleines Bewußtsein verneint, der feurige Geist aber allumfassend ist. Auf dem Pfad zur Feurigen Welt laßt uns über das große Prinzip nachdenken.” (Feurige Welt, III. Band, § 269)

       So dienen die Menschen dem nach ihrer eigenen Vorstellung geschaffenen Gott und schreiben ihm ihre eigenen Untugenden zu. Die Mahatmas aber dienen dem Göttlichen Unaussprechlichen Prinzip und verehren es durch die Reinheit ihres Lebens und ihren selbstaufopfernden Dienst für das Wohl der ganzen Welt.

       Und da ich (wie ich hoffe) zu keinem Fremden, sondern zu einem jungen feurigen Bewußtsein spreche, möchte ich Ihnen einen weiteren Paragraphen aus der Lehre zitieren.

       ”In der Zeit der Behinderung der Welt gibt es nur den Pfad der Erneuerung des Denkens. Genauer gesagt, es ist wichtig, das Bewußtsein zu erwecken. In der Tat, wenn der Geist zurückblicken kann und erkennt, daß gestriges Denken bereits überholt ist, dann findet die Umwandlung statt, die das Unterscheidungsvermögen erweckt. Die verflossene Zeit kann dem Geist anzeigen, wie alle Energien weiterlaufen und neu verarbeitet werden. Doch wehe jenen, die der Zukunft begegnen wollen, indem sie zurückblicken. Denn der mit gestrigen Resten belastete Geist ist mit schwerem Gewicht beladen. Mit solch einer Last kann er den Berg nicht ersteigen, er kann die Tore des Lichts nicht durchschreiten, er kann mit der leuchtenden Zukunft nicht vereint werden. Daher: so wie die Kirchenväter in die Vergangenheit weisen, so rufen die Diener des Lichts in die Zukunft. Erwachen des Bewußtseins, Läuterung der Lehre und Aufruf in die Zukunft werden zur Erneuerung des Denkens führen. Auf dem Weg zur Feurigen Welt verschiebt Meine Führende Hand Energien.” (Feurige Welt, III. Band)

       Denken Sie daran, was in einem der ersten Bücher gesagt wurde: ”Jene, die das Neue Land erreichen wollen, müssen nicht nur alle Vorurteile ablegen, sondern auch die neuen Wege beschreiten.” Ja, man kann auf dem Abfall der Vergangenheit nicht aufbauen. Das Bewußtsein der Massen hat sich gewandelt, das muß beachtet werden. Die Menschen sehnen sich nach Licht, nach geistiger Nahrung; doch diese Nahrung muß rein und die Gewänder der neuen geistigen Lehrer müssen wirklich fleckenlos sein. Die geistigen Erzieher müssen so wie unser großer verehrter Sergius dem Pfad des Herrschers Christi folgen. Wahrhaftig, Sergius, der mit dem Feuer vereint war und die Feuertaufe empfing, kannte und kennt die Natur des Göttlichen Elements. Der große Sergius war nämlich kein Theologe; sein ganzes Leben war eine mächtige Nachfolge Christi, sowohl in seinem selbstaufopfernden Dienst an seinem Land wie auch an der Welt. Ja, der ehrwürdige Sergius befolgte die Gebote Christi, nicht aber die Dogmen der Kirche. Und wenn er eine Berufung als Metropolit ausschlug, dann nur deswegen, weil er wußte, wie viele kirchliche Doktrinen der Wahrheit widersprechen!

       Durch die Verbindung mit dem göttlichen Element Feuer werden viele dem Intellekt verborgene Geheimnisse enthüllt. Doch diese Geheimnisse des Geistes bleiben im Herzen verwahrt. ”Gebt das Heilige nicht den Hunden und werfet eure Perlen nicht vor die Säue, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zertreten, sich umwenden und euch zerreißen” (Matth. 7:6). Seien wir daher darauf bedacht, Gotteslästerung nicht zuzulassen; verneigen wir uns vor dem Sakrament des großen göttlichen Elements, das uns Sterblichen in der Herrlichkeit von sichtbaren und unsichtbaren Schöpfungen enthüllt wird.Verehren wir dieses göttliche Element durch die Reinheit unseres Lebens und unserer Beweggründe. Möge unser Herz mit Liebe und Ergebenheit zu dem Einen erfüllt sein, der uns Licht brachte, und geben wir uns dem Dienst an der Menschheit hin.

       Vater Sergius, Du Wunderbarer, mit Dir gehen wir, mit Dir werden wir siegen!

15. September 1934

       Es ist lehrreich zu beobachten, daß Menschen nach Wissen trachten, von allen Arten von Einweihungen träumen, doch sobald sie in neue Aspekte der allumfassenden Wahrheit, die nicht ganz mit den ihnen eingeflößten Begriffen übereinstimmt, eingeführt werden, entrüstet sind und sich zurückziehen. Sie sind voller Eitelkeit und lieben es zu sagen: ”Der Mensch ist der König der Natur”. Versucht man jedoch, ihnen zu erklären, daß das Schicksal des Menschen tatsächlich das eines göttlichen Schöpfers, eines Gottmenschen ist, fürchten sie sich und bleiben lieber an ihrer alten Sklaverei kleben, deren Name Furcht ist, Furcht vor dem Neuen und Höheren.

       In der Lehre ist gesagt: ”Die Menschheit mißt nur jenen Begriffen Bedeutung bei, die in einem mittelmäßigen Bewußtsein enthalten sind, denn sie kleidet jede Form nach dem Maß ihres Bewußtseins.” Warum sind dann die Höheren Begriffe nicht eingeschärft worden? Warum gibt es so viel Entstellung, warum so viele Herabsetzungen? Weil in Wahrheit das Wesen menschlichen Suchens und Strebens gesunken ist. Doch die Aufgabe der Neuen Welt ist es, das Bewußtsein zu wecken und der Welt die vorbestimmten Bildnisse der Schönheit zurückzugewinnen. Schaffenskraft des Geistes muß in der Tat im Aufstieg verstärkt werden. Vor allem darf das Höhere nicht herabgezogen werden, denn es muß aufsteigen können. Daher wird es die erste Forderung sein, das Göttliche Bildnis dem Göttlichen entsprechend zu schaffen. Wenn das menschliche Bewußtsein aufhört, das Göttliche auf irdische Art darzustellen, dann werden die Errungenschaften des Geistes feurig sein.

       ”Wahrlich, das erhabenste Bewußtsein ist zum Feurigen Prinzip bestrebt, während das niedere das Höhere Bildnis nach dem eigenen Maß errichtet. Die Aufnahmefähigkeit des kleinen Bewußtseins bestimmt das geschaffene Bildnis, und daher gibt es so viele Entstellungen! Wie kann ein kleines Bewußtsein von einem Universalen Begriff erfüllt sein, wenn das Maß der Erfaßbarkeit den Geist in Wut geraten läßt? Ich sage – betrübend, schmerzlich ist menschliches Denken! Ein welträumlicher Horizont ist nur für den zugänglich, der die Universalität des Prinzips erkennt, denn der königliche Geist kann mit dem Höheren Prinzip genauso verschmelzen wie der Mikrokosmos mit dem Makrokosmos verschmilzt. Daher kann ein kleiner Geist nicht mit dem Feurigen Prinzip verschmelzen. Feurige Macht enthüllt den gesamten geoffenbarten Schmelzofen dem, der den Puls der Feurigen Welt fühlt. Dieses lebensspendende Prinzip baut Leben auf Fohat auf. So laßt uns daran denken, daß nur ein niederes Bewußtsein verneint, der feurige Geist aber allumfassend ist. Auf dem Pfad zur Feurigen Welt laßt uns des großen Prinzip eingedenk sein.” (Feurige Welt III, § 269)

       Ich habe diesen Paragraphen für Sie gewählt, weil Sie sich mit diesem Thema befassen müssen. Gewiß, man darf das Bewußtsein nicht zwingen. Das Wachstum des Bewußtseins geht langsam vor sich. Und wie es immer war, so ist es auch jetzt: von den Großen Lehrern werden die verschiedenen Aspekte der Wahrheit entsprechend den verschiedenen Bewußtseinsgraden gegeben, und dies sowohl aus Mitgefühl als auch um der großen Wahrheit willen. Die Reinigung des Bewußtseins und die Erneuerung des Denkens sollten wirklich durchgeführt werden; doch wir wissen, daß eine zu große Dosis – auch einer außergewöhnlichen Heilmedizin – ohne gründliche Vorbereitung des Organismus gerade die entgegengesetzte Wirkung haben kann.

10. Oktober 1934

       Obwohl Sie vielleicht nicht zustimmen können, daß das ganze Übel im gegenwärtigen Regierungsaufbau der Welt aus dem Mangel an geistiger Synthese der Volksführer herrührt, behaupte ich, daß es so ist! Was so oft als Führerschaft angesehen wird, ist in Wirklichkeit nichts als eine ärmliche Karikatur wirklicher Führung. Die von den Massen gewählten Führer bedürfen der Synthese, denn gerade die Massen besitzen sie nicht. Wahre Führerschaft hat mit dieser Art Pseudoführerschaft nichts zu tun; sie weicht nicht ab von dem ihr zugrunde liegenden hierarchischen Prinzip. Der Hierarch ist vor allem ein Führer. Was kann denn ohne den führenden Begriff oder Brennpunkt bestehen ? Die Idee der Hierarchie ist doch ein kosmischer Begriff, ein kosmisches Gesetz. Das gesamte Universum besteht ausschließlich durch dieses Prinzip und wird von ihm genährt und unterstützt. Im Kosmos hat jede Form einen Kern zur Grundlage, und jedes strebende Zentrum lebt durch das Prinzip der Hierarchie. Der Kosmos agiert durch die Anziehung zu dem bestätigten machtvollen Zentrum. Genau gesagt, im Kosmos ordnet sich das niedere Prinzip dem höheren unter.

       Im Buch ”Agni Yoga”, § 668 der LEBENDIGEN ETHIK, ist gesagt: ”Von allen Prinzipien, die zur Erweiterung des Bewußtseins führen, ist das Prinzip der Hierarchie das mächtigste. Jede geoffenbarte Verschiebung wird auf dem Prinzip der Hierarchie hervorgerufen. Wohin kann sich der Geist ohne die Führende Hand wenden. Wohin können das Auge und das Herz gelenkt werden ohne Hierarchie, wenn die Gebende Hand des Hierarchen die Richtung des Schicksals bestätigt, und wenn die Hand des Hierarchen eine bessere bestimmte Frist weist und die höchsten Energien die vertrautesten Bildnisse annehmen. Deshalb ist das Geisteskorn vom Kosmischen Strahl des Hierarchen durchdrungen. Da solch ein mächtiges Prinzip das Potential des Feuers in sich birgt, erweist sich das reine Geistesfeuer des Hierarchen als das höchste Prinzip. Laßt uns daher unserer geistigen Führer gedenken. So werden wir das Gesetz der Hierarchie ehren.”

       Als Verehrerin des Hermetismus werden Sie sich an das Axiom ”Wie oben, so unten” erinnern. Unbegrenzt ist die Kette der Hierarchie des Lichts, und sie hat ihre Vertreter und Führer auf der Erde; doch sie wurden niemals von der Menge gewählt.

       Gewiß, solch eine Demokratie, wie Sie sie beschreiben, ”eine vitale und umgewandelte Demokratie, die auf der Erkenntnis der Verantwortlichkeit des Individuums gegenüber seinen Pflichten, von welcher ja seine Rechte abhängen, basiert” – eine Demokratie, bestehend aus der Zusammenarbeit aller, zusammen mit dem Maximum persönlicher Initiative für die Rettung des Allgemeinwohls – solch eine Demokratie werden wir vielleicht am Ende der siebenten Rasse erleben (vorausgesetzt, daß unser Planet bis dahin nicht explodiert ist). Doch jetzt, wo wir uns erst in der fünften Rasse befinden – am Übergang zur sechsten –, können wir von solch einer Demokratie nur träumen. Davon träumte auch der große Plato, und vielleicht verwirklicht er diesen Gedanken jetzt auf einem höheren Planeten. Doch selbst solch eine Demokratie bedarf eines Führers – und solch ein Führer müßte unbedingt geistige Synthese besitzen. Die moderne Demokratie jedoch, welche die aus den Massen hervorgehende Führerschaft bejaht, versagt bei allen Prüfungen. Kann man erwarten, daß sich das Bewußtsein der meisten so schnell erneuern wird, daß jeder wenigstens seine soziale Verantwortung erkennt und tatkräftige Mitarbeit leistet, – nicht zu reden von den höheren Aspekten der Verantwortlichkeit?

       Und kann man annehmen, daß jemand die Synthese des Bewußtseins in einem einzigen Leben erlangen kann, wenn geistiges Wissen und Erfahrung in Äonen durch den Geist in rastloser hartnäckiger Arbeit aufgespeichert wurden? In der Tat, Synthese ist die schwierigste, die seltenste und höchste Errungenschaft. Wahrlich, sie ist die Krone für jee, die ihren irdischen Pfad vollenden. Man kann von Synthese sprechen, doch sich ihrer im vollen Maß bewußt zu werden, ist nur dann möglich, wenn jemand über große Aufspeicherungen verfügt, die ihn zwangsläufig über die Massen erheben. Es wird daher immer Führer geben, weil nichts gänzlich nivelliert werden kann, vor allem nicht das Bewußtsein und das Denken. Die Führer der Zukunft werden aber nicht von den unverantwortlichen Massen gewählt werden, sondern wahrhaftig durch die Hierarchie des Lichts und des Wissens. Und sehr schwere Arbeit wird geleistet werden müssen, bevor das Bewußtsein der Menschheit für die Annahme dieses führenden Prinzips des gesamten Universums bereit ist.

       Es wäre in der Tat nicht ratsam, ein niederes Bewußtsein durch Erwähnung des Begriffes Synthese irrezuführen, es würde nur zu Verwirrung und Absonderung führen. Der Prozeß der Bewußtseinserweiterung ist ein sehr langwieriger und gefährlicher. Die Verletzung des Gleichgewichts kann in Geisteskrankheit, Willensschwäche oder Besessenheit ausarten. Der wachsende Baum braucht Umzäunung, die nervösen und schwer zu behandelnden Pferde brauchen Scheuklappen. Und am schwierigsten ist es, das Bewußtsein einer durchschnittlich intelligenten Person zu erweitern, die voller Eigendünkel und Verneinung ist. In der Tiefe ihres Herzens wissen die Menschen, daß ”Leben ohne Helden nicht freudvoll sein kann”. Doch der Durchschnittsintellektuelle versucht, seine Bildung und sein Wissen durch Ablehnung aller Dinge, die sein Verstand nicht begreift, mit überlegener Miene zu beweisen. Dieses Verhalten führt seine ganze Persönlichkeit zum Mißerfolg. Daher glaube ich, daß die Behauptung ”In Rußland gab es immer weniger Anerkennung der Persönlichkeit als im Westen” überhaupt nicht zutrifft. Wie aus obigem Sprichwort klar hervorgeht, verehren und schätzen die Menschen den Begriff eines leuchtenden und glanzvollen Helden, der den Pfad zum Licht und zum Guten weist. Lauschen Sie nur den verschiedenen Volksepen! Wenn Sie wieder einmal Dostojewski lesen, werden Sie bemerken, daß Rußlands Intelligenz sich gegen Ende des letzten Jahrhunderts wirklich durch zerstörerische, verderbliche Ablehnung der großen Lebensgrundlagen selbst verdammte. Selbsterniedrigung, Selbstdemütigung ist so unverkennbar. Der Mensch vernichtet sich so deutlich selbst!

       Ja, nichts entfacht soviel Empörung bei dem durchschnittlich Intellektuellen wie der Begriff Hierarchie. Man fürchtet sich so sehr, die Hohe Autorität anzunehmen, und zugleich ist man jederzeit durch das Urteil und die Entscheidungen unbedeutender Menschen beeindruckt. Die Abwendung vom Höheren und Unterordnung unter das Niedere, mit anderen Worten Gleichschaltung mit dem Niederen ist die Bedrohung unserer Zeit und führt zum Zerfall unseres Planeten, womöglich zu seiner vorzeitigen Vernichtung. Könnten nur alle, die sich gegen das hierarchische Prinzip auflehnen, erkennen, welche Zucht an Gehorsam unter der Hierarchie des Lichts herrscht und welcher Gehorsamsschulung sich ihre engen Schüler unterziehen müssen. Und dieser Gehorsam wird nicht verlangt, um die Schüler im Interesse des Lehrers zu beherrschen. Er ist nur für den Schüler erforderlich, um ihn zu befähigen, die ersten Stufen, die zur Kenntnis und zur Annahme des Kosmischen Willens führen, zu beschreiten. Disziplin ist der Anfang alles Wissens und aller Macht. Ich möchte mit weiteren Zeilen aus der Lehre schließen:

       ”Das Wohl der Völker baut sich rund um eine Persönlichkeit auf. Dafür gibt es in der Geschichte zahlreiche Beispiele auf den verschiedensten Gebieten. Viele werden diese offensichtliche Bestätigung der Persönlichkeit selbst zuschreiben. Doch das ist kurzsichtig; die Weitsichtigen verstehen, daß solch eine Synthese nichts anderes ist als die Manifestation der Macht der Hierarchie. Wirklich, bei allen derartigen Erscheinungen wählt die Hierarchie einen Brennpunkt, auf den der Strom gelenkt werden kann. Außerdem besitzt die Persönlichkeit eines solchen Auftrags ein Feuer, bewußt oder unbewußt, das die Verbindung erleichtert. Doch unentbehrlich ist auch eine bestimmte Eigenschaft der Menschen selbst – Vertrauen und Anerkennung der Macht. Deshalb spreche Ich bei verschiedenen Anlässen so oft über die Bedeutung der Autorität. Diese Eigenschaft ist so notwendig wie das Bindeglied einer feurigen Maschine. Ihr seht selbst, wie Völker durch die Bestätigung eines Führers vorankommen. Ihr seht selbst, daß es keinen anderen Weg gibt. So muß das Bindeglied zur Hierarchie erkannt werden. Man sollte nicht kurzsichtig sein.” (Feurige Welt, I. Band)

* * *

       Sie haben ganz richtig festgestellt, daß die Bücher der LEBENDIGEN ETHIK in weitem Umfang zahlreiche Offenbarungen enthalten, die auf den Ernst der Zeit hinweisen. Genau gesagt, nähern wir uns den entscheidenden Jahrzehnten des ”Seins oder Nichtseins” unseres Planeten. Der Rassenwechsel, alle Verschiebungen und der Wiederaufbau in dieser Zeit können weit tragischer enden als in den Tagen von Lemurien und Atlantis. Wahrlich, der Mensch kann zum Sprenger des Planeten werden.

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       Ebenfalls wahr ist, daß die Kenntnis der Bücher der LEBENDIGEN ETHIK einen Menschen verpflichtet, diese Weisungen im Alltagsleben anzuwenden. Andernfalls ist es besser, aus der Sicht von Karma gesprochen, sich der Lehre nicht zu nähern. Was die Feinde anbelangt, beunruhigen sie uns nicht, doch wir beachten sie. Unter ihnen gibt es oft verkleidete Gönner, die nach persönlichem Kontakt unsere ergebensten Freunde werden, während andere dazu beitragen, unsere Energie anzuspannen. Die Kraft eines Schlages wird an der Widerstandskraft gemessen. Wahrlich, Hindernisse und Feinde schärfen unsere Fähigkeiten und spannen die wertvollste Energie; daher kennen wir den Wert der Feinde. Lange vorher ist gesagt worden: ”Gesegnet sind die Hindernisse, denn durch sie wachsen wir” – und: ”Ohne Feinde hätte die dankbare Menschheit die lebenswichtigsten Offenbarungen begraben”. So pflegte Vivekananda zu sagen: ”Buddha und Christus haben sich in das Gedächtnis der Menschen so eingeprägt, weil sie das Glück hatten, mächtige Feinde zu haben!” In der Lehre wird ”Verleumdung als die Fackel von Wilden” bezeichnet. ”Doch beim Durchschreiten der Nacht ist jedes Feuer von Nutzen”!

       Wie Sie weiter sagen, gibt es Menschen, die – obwohl bisher immer freundlich und aufrichtig – sobald sie das Buch ”Erleuchtung” oder ”Agni Yoga” gelesen haben, plötzlich beginnen, ihre schlechtesten, bisher verborgenen Eigenschaften zu zeigen. Dies ist eine bekannte okkulte Erscheinung. Bei Berührung mit der Lehre steigt die Spannung aller wirksamen Energien, die bisher schlummernden Kräfte beginnen zu erwachen und offenbaren das wahre Wesen des einzelnen. Daher wird immer zu großer Vorsicht geraten, Zwang ist unerlaubt, Missionieren wird von der Lehre durchaus nicht befürwortet. Qualität ist wesentlich, nicht Quantität. Die Fähigkeit, jedem seinem Bewußtsein entsprechend zu geben, zeigt das wahre Wissen eines fortgeschrittenen Schülers. Daher ist es nicht notwendig, die Bücher der Lehre weit zu verbreiten; stattdessen sollte man lieber in weitem Umfang an einem für jeden zugänglichen kulturellen und erzieherischen Programm festhalten. Die durch die Lehre gebotenen Grundlagen der LEBENDIGEN ETHIK können nur von einem kultivierten und disziplinierten Geist richtig aufgenommen werden. Und wie viele solcher Intellekte gibt es selbst unter den sogenannten gebildeten Menschen? Wie können wir von einem Menschen ohne Grundlage an Kultur und Verfeinerung erwarten, daß er auf die feinen Schwingungen anspricht? Kann man dies von jemandem erwarten, der sieht und doch nicht sieht, hört und doch nicht hört; dessen Augen und Ohren für die feinsten Schwingungen der Natur verschlossen sind; für den die Erde immer schwarz und die Berge immer grün oder grau sind; für den alle Inder und alle Chinesen gleich aussehen und alle Klänge von Wasserfällen, Flüssen und Wäldern nur ein Geräusch sind! Kann man von solch einer Person die Anerkennung höherer Schwingungen erwarten? Die erste Forderung für jede Wahrnehmung ist ein erweitertes Bewußtsein. Das Bewußtsein ist der einzige Magnet, der anzieht und unsere Schätze sammelt. Daher wird in den Büchern der LEBENDIGEN ETHIK so sehr auf Öffnen, Reinigen und Erweiterung des Bewußtseins bestanden. Die Lehre wird bei jenen weilen, die nach ihr streben.

       Und nun über das Herz. Das Herz sollte nicht als Symbol, sondern als ein großes Laboratorium verstanden werden, in dem die Umwandlung unseres Bewußtseins und folglich unseres ganzen Wesens vor sich geht. Das Herz ist die höchste Manifestation des sechsten Prinzips – das Herz ist die Wohnstätte Brahmas. Man kann das Physische nicht vom Geistigen trennen. Alles ist derart ineinander verwoben und voneinander abhängig; doch gerade diese Einheit offenbart Harmonie. Es gibt genauso feine astrale Gefühle, wie es physische gibt, aber ihr Strom ist entsprechend feiner. Gesondert kann man sie nicht behandeln, und es ist notwendig, immer die vollständige Übereinstimmung zwischen dem feinstofflichen und dem physischen Körper zu erkennen. Daher sollte man an die Formel ”Wie oben, so unten” immer denken.

       Ohne Entwicklung und Verfeinerung des Herzens gibt es keinen Fortschritt. So muß jedem Aufbau der große Magnet des Herzens zugrundegelegt werden. Die Vertreter der neuen Rasse unterscheiden sich daher durch die Verfeinerung des Herzens – diesen Schlüssel zu allen Errungenschaften.

       Sie sprechen über ”Befreiung von der Versklavung durch die Persönlichkeit, das Sexuelle und Fleischliche”. Doch wie verschieden, ich möchte sagen ”fern der Wahrheit” in ihrer Abstraktheit und fern der Wirklichkeit wird diese Freiheit von den meisten verstanden! Beginnen Sie, dies mit denen aus Ihrer nächsten Umgebung zu diskutieren, und Sie werden die unerwartetsten Dinge entdecken. Greifen wir zum Beispiel den Gedanken der Befreiung vom Sexuellen auf. Es gibt viele, die die Befreiung von dieser Versklavung in dem abstoßenden Hermaphroditen sehen und ihn als der Menschheit ”Krone der Schöpfung” betrachten. Als Beweis deuten sie auf das wiederholte Vorkommen solcher Fälle hin, während diese in Wirklichkeit nichts als Degeneration sind. In der Befreiung vom Sexuellen gibt es ein großes kosmisches Geheimnis; das Symbol des Androgyn ist so tiefsinnig. Und der große Plato mit seinen Zwillingsseelen war diesem Mysterium weit näher als die modernen Denker.

       Der Begriff der Persönlichkeit ist ebenfalls entstellt und über alle Maßen herabgewürdigt. Die meisten Menschen besitzen in der Tat keine Persönlichkeit, sie wurde von Kindheit an durch erzwungene, vorgefaßte Begriffe, Dogmen und jede Art von Herkömmlichkeit erstickt. Sie verbringen ihr ganzes Leben wie im Traum, ohne zu denken – wie Roboter. Meinen Sie nicht, daß es von Nutzen wäre, wenn solche Leute vor allem ihre ”Persönlichkeit” bejahen könnten?

       Ähnlich wird die Befreiung von der Versklavung durch das Fleisch von vielen als Fanatismus, Asketismus und die völlige Vernachlässigung des Körpers verstanden; dagegen ist der Körper des Menschen einziges Instrument für die Aufspeicherung neuer geistiger Fähigkeiten. In den alten Lehren war die Grundlage aller Errungenschaften sehr weise mit dem großen Goldenen Pfad oder der Goldenen Mitte verbunden. Zweifellos kennen Sie dies alles selbst, doch was den Durchschnittsgeist betrifft, sollten Sie immer daran denken, daß die Begriffe, die am leichtesten verstanden werden sollten, die unerwartetsten Verdrehungen erfahren. Ich kenne das aus Erfahrung und schlage deshalb vor, daß Sie die Reinheit des Bewußtseins jener prüfen, die an Sie herantreten.

       Was sind Teraphime? Es gibt eine großartige, komplizierte Literatur über Teraphime. Teraphime haben viele Formen und Aspekte. Ganz allgemein ausgedrückt, ist ein Teraphim ein Talisman oder ein Energiespeicher; so ist ein mit der Ablagerung von psychischer Energie gesättigter Gegenstand ein Teraphim. Durch einen auf besonderen Befehl mit psychischer Energie gesättigten Teraphim oder Talisman kann man diese Energie auf eine bestimmte Person übertragen. In der Vergangenheit wirkten Teraphime als Orakel. Im Altertum war die Herstellung solch eines Teraphims äußerst kompliziert, es wurde dabei auch das Wissen über Astrologie in weitem Maße angewendet. Natürlich gibt es auch astrale Teraphime, doch über diese verfügen nur die hochentwickelten Geistwesen. Das Geheimnis der Herstellung solcher Teraphime liegt in den Händen der großen Archate. Durch solche Teraphime kann man eine Person stark beeinflussen und auch ihre Gesundheit schützen. Wenn Sie über die Experimente mit der äußerlichen Anwendung von Feinfühligkeit gelesen haben, können Sie sich den Einfluß solcher Teraphime bis zu einem gewissen Grad vorstellen. Im Buch ”Agni Yoga” wird das Schaffen eines einfachen Teraphims im Detail erklärt.

       ”Santana” bedeutet im Sanskrit Strom. Im Buddhismus ist es üblich, die Kette unserer Leben mit einem ununterbrochenen Strom zu vergleichen. Daher sagt uns die Lehre: ”Durchschreitet Santana mit eurem Herzen”; mit anderen Worten, durchschreitet eure Leben mit unermüdlichem Streben des Herzens.

       Was versteht man unter Harmagedon? Harmagedon ist die große entscheidende Schlacht zwischen den Kräften des Lichts und der Finsternis. Sie ist in allen alten Schriften vorausgesagt worden und der Ausdruck ”Harmagedon” wie auch die Beschreibung erscheint in der Apokalypse. Das Jahr 1936 wird als sehr bedeutsam bezeichnet. Es ist interessant, daß diese Berechnungen auch in der Cheopspyramide zu finden sind. So befinden wir uns heute inmitten dieser Schlacht, deren Ausmaß noch zunehmen wird. Aber noch fürchterlicher geht diese Schlacht in der Feinstofflichen Welt vor sich, und ihre Widerspiegelung auf der irdischen Ebene wird sich verstärken. Groß ist die Spannung im Raum, und die gespannten Energien in den unterirdischen und überirdischen Sphären drohen, eine Explosion auszulösen. Wahrlich, der Planet liegt in Krämpfen, die Zeit ist unheilvoll. Wir stehen wahrhaftig vor einer ungeheuerlichen Weltkatastrophe. Es ist gesagt: ”Die feindseligen Elemente der Rasse weigern sich, sich dem Schicksal zu fügen. Die scheidende Rasse versucht, die erwählten Nachfolger zu vernichten, doch Wir müssen sie retten. Das Schicksal kann gelindert und die Schlacht eher beendet werden.” Vorerst gibt es keine Zeichen der Erleichterung. Doch die ”Arche” der sechsten Rasse wird bereits gebaut. Hoffen wir, daß sie größer sein wird als jene des Noah.

       Ja, die Neue Epoche erfordert geistiges Erkennen. Sie muß der Mutter der Welt gebührende Achtung erweisen – dem Weiblichen Element. ”Der Vogel des Geistes der Menschheit kann mit einem Flügel nicht fliegen”. Dies sind die Worte Vivekanandas, der damit auf die große Bedeutung des Weiblichen Prinzips hinweist. Der Mann ist nicht gewillt, der Frau die vollen Rechte einzuräumen. Dieser Widerstand jedoch verstärkt die Kräfte; und für ihre kosmischen Rechte kämpfend, wird die Frau das Wissen um ihre Macht erlangen.

18. Oktober 1934

       Der edle Gedanke des Friedensbanners muß allmählich ins Leben eingehen. Wie ein Schriftsteller sagte, muß ”jeder Wissenschaftler, jeder Schaffende, jeder Lehrer, jeder Schüler, jedermann, der über die Bedeutung und das Ziel der Geschichte nachdenkt, eilen, dem Ruf von N. K. Roerich, der das Friedensbanner über die ganze Welt erhob, zu folgen. Uns ist natürlich bewußt, daß dieser Friede auch errungen werden muß. Doch dieses Ringen ist kein selbstsüchtiges Ringen, kein Ringen um das eigene Wohl, sondern es ist, besser gesagt, ein Schutz gegen die dunklen Kräfte, welche die Schätze des Geistes angreifen … Nicht Statuten sind wichtig, sondern der Wille der auf individuelle Weise kulturell Schaffenden. Sie haben sich noch nicht vereinigt, doch sie müssen sich zu einem Strom verbinden, einem strömenden Fluß, dem Eintritt in das Große Meer der Ideen entgegenbrandend …”

       Der Gedanke an den Schutz der Schöpfungen des menschlichen Genius ist so schön und so wichtig, daß es vordringlich erscheint, ihn so bald als möglich in die Praxis umzusetzen. Bedenken Sie, wie viele Jahre vergehen müssen, bevor das Bewußtsein der Menschen beachten wird, was das Banner zu schützen gedenkt! Doch die Zeit bleibt nicht stehen. In Spanien ist vor kurzem eine sehr alte Kirche samt den Gemälden einiger der besten Meister zerstört worden. Die Liste der zerstörten Schätze ist lang. Es ist nun an der Zeit, diesem Vandalismus Einhalt zu gebieten.

* * *

       Sie haben ganz recht, es ist notwendig, die Atmosphäre zu reinigen. ”Besessenheit ist schrecklich ansteckend. Die Erscheinung der Besessenheit muß sehr aufmerksam beachtet und die Atmosphäre gereinigt werden. Der Raum ist voll von Vampiren, und viele ziehen Wesenheiten aus den niederen Sphären an. Daher muß die ganze Atmosphäre gereinigt werden.” Aus diesem Grunde ist es so wichtig, vor der Gefahr des Psychismus zu warnen. Ich will eine weitere Abhandlung über Psychismus bringen:

       ”Über Psychismus ist bereits viel gesagt worden; nichtsdestoweniger wird diese Geißel der Menschheit nicht hinreichend erkannt. Psychismus stumpft jede Bestrebung ab und macht höhere Errungenschaft unmöglich. Die durch Psychismus absorbierte Tätigkeitssphäre eines Menschen ist auf einen Zauberkreis beschränkt, in dem alle das Wachstum des Geistes hemmenden Energien ihren Platz einnehmen. Psychismus umfaßt die Erscheinung der niedersten Energien, und die Feuer der Zentren erlöschen durch diese Ablagerungen. Psychismus bewirkt unvermeidlich eine Zerrüttung des Nervensystems. Zudem versperrt der Abbruch der Lebensfunktionen den Pfad zur Selbstvervollkommnung. Die Schaffenskraft wird gehemmt, und es tritt ein Zustand ein, der den Menschen zu einem Instrument für den Zustrom verschiedener Kräfte macht. Infolge der Erschlaffung des Willens wird die Beherrschung geschwächt und damit die Anziehung verschiedener niederer Wesenheiten vermehrt. Wer sich der Feurigen Welt nähern will, muß diese Kräfte des Bösen bekämpfen. ” (Feurige Welt, III. Band)

       Wir begegneten des öfteren Psychikern, die von ihren astralen Visionen und Besuchern derart entzückt waren, daß sie sie als hohe Errungenschaften ansahen, wodurch sie jeden Ansporn zur Selbstvervollkommnung einbüßten und glaubten, sie wären besonders bevorrechtigte Personen, die das Ziel erreicht haben. Dies ist fürchterlich; in dem Augenblick, wo jemand sich einbildet, alles zu wissen, hört für ihn die Zukunft auf zu bestehen.

       Und nun einen weiteren Paragraphen: ”Von einem Zentrum angezogene feurige Energien können dieses Zentrum in Spannung versetzen, was oft eine erhöhte Tätigkeit dieses einen Zentrums bewirkt. Teileinwirkung von Energien verleiht einem Zentrum die Kraft, sich teilweise zu offenbaren. Diese Spannungen führen zu solchen Teilmanifestationen, die ein Bewußtsein von geringem Unterscheidungsvermögen irreführen. Nicht ohne Grund hat Ur. auf solche durch Spannung eines Zentrums hervorgerufenen Manifestationen als eine zu Psychismus führende Erscheinung hingewiesen. Wahrlich, jedes Öffnen, jede Sättigung und Reizung der Zentren verleiht der feurigen Energie eine starke Strömung. Doch Übereinstimmung des organischen Zustandes mit dem geistigen Erwachen bewirkt unvermeidlich das Öffnen der Zentren in höchster Spannung. Ein teilweiser Druck wird eine Teilerrungenschaft hervorrufen, die sich als sehr gefährlich erweisen kann. Auf dem Pfad zur Feurigen Welt laßt uns bestrebt sein, die höhere Spannung der feurigen Energien zu erkennen.” (Feurige Welt, III. Band)

       Die meisten wollen nicht verstehen, daß die höchste Errungenschaft nicht in Psychismus, in astralen Visionen besteht, sondern in der Synthese, in der Entwicklung der Fähigkeiten des einzelnen. Dies wird durch gewissenhafte Pflichterfüllung oder, wie man im Osten sagt, durch Dharma erreicht. Wahrlich, die geoffenbarte Welt wird durch Tätigkeit aufrechterhalten und entwickelt, und allein Tätigkeit läßt neue Energien entstehen. Es wird auch gesagt, daß die Welt durch den Gedanken erschaffen wird oder daß der Gedanke Tat entstehen läßt. Daher verfallen so viele, die annehmen, der Gedanke sei höher als die Tat, der Träumerei, die sie für schöpferische Gedanken halten. Sie vergessen dabei jedoch, daß nur vom feurigen Willen gesättigte Gedanken schöpferisch sein können. Doch solch einen Willen kann man nur durch hartnäckige Übung und durch Anwendung der eigenen als auch der Gedanken anderer im Leben erlangen. Daher muß man sich zunächst das Recht für eine rein geistige Existenz sichern.

       Alle Großen Lehrer haben in Ihrem irdischen Leben Ihre Gedanken in die Tat umgesetzt, vor allem zum Aufbau. Nicht einer von Ihnen zog sich zurück ins Einsiedlerleben. Sie alle arbeiteten mit menschlichen Händen und Füßen und bahnten neuen Errungenschaften den Weg. Daher muß man auf Taten bestehen, denn für Luftschlösser gibt es keinen Raum. In der gegenwärtigen Zeit, da die Menschen gegen die ungeheuren Angriffe der finsteren Kräfte ringen, ist dies notwendiger denn je. Und daher ist es wichtig, die Bedeutung der wirksamen und möglichst vollkommenen Erfüllung der irdischen Aufgabe hervorzuheben oder, wie gesagt ist, ”sein Dharma” zu erfüllen. Nur dies führt zum wahren Fortschritt des inneren Menschen. ”Durch beharrliche Erfüllung seines Dharmas erlangt der Mensch Vervollkommnung”, sagt Krishna in der Bhagavad Gita.

8. November 1934 (I/2)

       Ich freue mich so, daß mein Brief die notwendigen Erklärungen gab, denn man muß unbedingt klare Kenntnis davon besitzen, was unter dem Pfad der Jüngerschaft und dem Pfad des Dienens zu verstehen ist. Ohne Kenntnis der Schwierigkeiten und der strengen Schönheit des Dienens, ohne die ernste Entscheidung, den Pfad der Errungenschaft und Selbstlosigkeit zu wählen, können wir in die entsetzlichen Netze des Psychismus, Mediumismus und der schwarzen Magie gezogen werden. Ich sage ‚entsetzlich‘, weil – einmal gefangen – eine unbeschreibliche Anstrengung der Willenskraft aufgewendet werden muß, um sich wieder loszureißen. Und wie viele verfügen über solch eine Willenskraft? Meiden Sie daher jegliche mechanische Übung, die das Austreten des feinstofflichen Körpers und die Beherrschung der niederen Formen des Psychismus fördert.

       In der Lehre wird von einem vorbereitenden Stadium gesprochen, in dem der Organismus mit den höheren Einwirkungen vertraut gemacht wird, doch alle mechanischen Übungen werden untersagt. Die von Ihnen erzielten schnellen Ergebnisse durch das ”Eindringen in den Astralbereich” beweisen nur, daß Sie zu Psychismus und Mediumismus neigen. Sie sollten daher sehr vorsichtig sein. Da ich zu diesem Thema sehr oft Stellung nehmen muß, möchte ich, um Zeit zu sparen, einige Auszüge aus meinen Briefen an andere Briefschreiber bringen: ”Sie fragen, wie Sie sich psychisch vervollkommnen können? Hier gibt es nur eine Antwort: Durch Anwendung der Lehre im Leben – das Übrige wird zur rechten Zeit kommen. Vor allem ist die völlige Reinigung Ihres Bewußtseins notwendig sowie die Ausrottung des leisesten Anzeichens von Gereiztheit, die während des Prozesses psychischer Entwicklung sehr gefährlich ist. Hohe Errungenschaften sind für den von Imperil verunreinigten Organismus praktisch unmöglich. In der Lehre ist deutlich gesagt, daß man die psychische Technik ohne Lehrer nicht erlangen kann, da diese Technik mit gefährlichen Vorgängen verbunden ist. So können wir unseren Organismus nur geduldig vorbereiten, alle Weisungen im täglichen Leben anwendend. Der Lehrer weiß, wann die verborgene Kraft entwickelt werden kann.”

       ”Glauben Sie mir, der Lehrer wird keinen Augenblick zögern, wenn Er sieht, daß der Schüler bereit ist, die ersten Stufen oder die folgenden, jeweils der geistigen Entwicklung entsprechend, zu beschreiten. Es gibt viele Abstufungen im Psychismus, und die Großen Lehrer sind äußerst betrübt über die Zunahme seiner niederen Erscheinungsformen, da dies für das unwissende, unredliche oder unentwickelte Bewußtsein oft mit Mediumismus und Besessenheit endet. Daher sind die Lehrer so sehr gegen alle künstlichen Übungen und Methoden, die zur schnellen Erlangung von niederen psychischen Kräften führen. Der sicherste und natürlichste Weg ist die Entwicklung des Herzens und die Reinigung des Bewußtseins.”

       Es ist schwer, sich auch nur vorzustellen, wie sehr die Ansteckung mit niederem Psychismus die Menschen ergriff. Und wie wurden alle großen Begriffe und Bildnisse der Herrscher entstellt! Manche Menschen stellen sich den Lehrer in Gewändern vor, die von Edelsteinen glitzern – oder auch als Wächter von Truhen, gefüllt mit Gold und Diamanten. Wie erstaunt wären diese Menschen, könnten sie die echten Bildnisse wahrnehmen! Nichts steht dem Leben der Großen Lehrer ferner als der Begriff des Wohlstands und des Luxus. Ihre Leben sind voller Schönheit, doch Schönheit und Luxus sind Gegensätze.

       Man sollte immer daran denken, daß sich niederer Psychismus nur in den niederen Schichten der Feinstofflichen Welt kundtun kann, wo es nicht wenige pompöse Throne und eine Menge solcher Geistwesen gibt, die sich als Verkörperung der Großen Lehrer des Lichts ausgeben.

       ”Laßt uns daran denken, daß hier die mächtigste schwarze Loge vertreten ist, die versucht, auf viele Arten die Methoden der Weißen Bruderschaft nachzuahmen. Es ist charakteristisch, daß man versucht, alle Mittel aufzuwenden, um jene, die sich auf den ersten Stufen der Lehre befinden und in ihrer Überzeugung noch nicht gefestigt sind, ins eigene Lager zu locken. Jede Unschlüssigkeit in Gedanken, jeder Zweifel kann einen ins Gegenlager hineinziehen.”

       Ich schreibe dies alles, um vor der schrecklichen Gefahr mechanischer Übungen zu warnen. Nur jene Errungenschaften sind wertvoll, die sich natürlich ergeben, denn sie offenbaren die innere geistige Entwicklung. Bei solcher Entwicklung wird schließlich weitumfassende Kraft erworben. Vergessen wir nicht, daß die durch künstliche Methoden entwickelten Kräfte nicht anhalten, während alles, was durch innere geistige Anstrengung erreicht wurde, nicht verlorengehen kann. All diese verborgenen Kräfte entwickeln sich allmählich im Menschen, und zwar in der Regel durch den Menschen selbst, immer im Verhältnis zur Beherrschung seiner niederen Natur im Verlauf seiner früheren Leben. Daher zeigen sich bei manchen Menschen, die sich der Lehre nähern, verhältnismäßig früh solche Zeichen der Entwicklung. Zum Beispiel (und darauf wird in der Lehre hingewiesen) kann man Sternchen verschiedener Größe, Farbe und Leuchtkraft sehen. Jedes dieser Sternchen hat seine Bedeutung, es kann eine Warnung sein oder ein Trost. Manchmal gibt es Lichtbildungen und Funken – entweder in einem selbst oder ganz in der Nähe. Es gibt Visionen von Blumen, ganze Szenen, und schließlich vernimmt man die Stimme des Lehrers. Doch man kann auch die Stimme von Freunden vernehmen, genauso wie unerwünschte Stimmen aus den niederen Sphären der Feinstofflichen Welt. Diese Erscheinungen sollte man fein unterscheiden. Übermüdung oder äußerste Anspannung eines Zentrums kann Brand verursachen und ist gefährlich – es kann sogar zum Tod führen.

       ”Sie fragen, ob Sie mit den Meditationen fortfahren sollen. Alles, was die Konzentrationsfähigkeit stärkt, ist von Nutzen, und die Klarheit des Denkens sollte auf alle Fälle gefördert werden. Jetzt gibt es so viel chaotisches Denken, daß es sehr wichtig ist zu lernen, seine Gedanken zu ordnen und unwillkürliches Herumspringen zu vermeiden. Klares, folgerichtiges Denken ist beim Vorgang der Bewußtseinserweiterung sehr notwendig.”

* * *

       Und nun zu Ihrer Aussage, daß Sie es nicht wagen, das Buch zu kritisieren. Ich muß Ihnen sagen, daß man immer bereit sein muß, eine unvoreingenommene intelligente Kritik abzugeben, oder besser, die Meinung darüber, was man gelesen oder gehört hat. Wie könnte man anders sein Bewußtsein und sein Denken entwickeln? Gerade wenn wir den Pfad des Dienens wählen, müssen wir unser Unterscheidungsvermögen entwickeln. Freilich, zu der Weisheit der von uns gewählten Lehre müssen wir volles Vertrauen haben. Doch wir sind nicht gebeten, jede Weisung blind anzunehmen, allein auf den Glauben hin. Ist etwas nicht klar verstanden worden, dann sollten wir es nicht nachplappern wie ein Papagei, nur weil es in einem Buch der Lehre steht. Dies wäre der sicherste Weg zum Fanatismus. Unsere Pflicht ist es, unsere Denkkraft zu schärfen, um alles, was uns nicht klar erscheint, nach und nach zu verstehen. Das ist keine Kritik, sondern es kommt eher aus dem vernünftigen Beweggrund, die Lehre vor Entstellung zu bewahren. Denken Sie darüber nach, wie viel Unheil aus blindem Glauben und durch Annahme des toten Buchstaben in Schriften verbreitet wurde! Man muß verstehen, daß keine einzige Frage erschöpfend beantwortet werden kann, und die Antworten müssen so zahlreich und verschieden sein wie die Bewußtseine der Fragesteller. Daher die vielen Entstellungen der Großen Lehren. Fürchten Sie sich daher nicht, das, was sie über die Lehren und die Lehrer lesen, zu analysieren. Zu viele Entstellungen sind in der ganzen Welt verstreut. Im ehrlichen Suchen und Diskutieren, im aufrichtigen Wunsch zu verstehen, gibt es keine Gotteslästerung.

       Nun über Ihre Konfession. Es ist sehr gut, daß Sie ganz von selbst dazu gelangten zu verstehen, was von den Menschen, die nach kirchlichen Dogmen erzogen wurden, schwer anzunehmen ist: Gott als das Einzige unpersönliche Element des Seins zu betrachten. Obwohl in den von den Menschen für wahr gehaltenen Büchern zu lesen ist, daß ”nie jemand Gott gesehen hat”, bemüht man sich, ihm eine Form und einen Wohnsitz zu geben. Das selbständige Erkennen der Wahrheit weist immer auf frühere geistige Aufspeicherungen hin, und was dies betrifft, beglückwünsche ich Sie aufrichtig!

       Bezüglich der von Ihnen beschriebenen Vision kann ich nur sagen, daß die Großen Lehrer niemals Kronen tragen! Die Krone der Herrscher ist die königliche Schönheit ihrer Ausstrahlung. Nur das von menschlichen Vorstellungen geschaffene Klischee stattet sie mit diesen astralen Symbolen irdischer Macht aus. Es ist auch unrichtig, den Advent in so engem Sinne zu verstehen. Der in allen alten Schriften vorausgesagte Große Advent bedeutet das Ende von Harmagedon und den Beginn der Epoche der geistigen Erneuerung, die mit der Bildung der sechsten Rasse verkettet ist.

       Es wird natürlich keiner der Großen Herrscher in einem physischen Körper erscheinen; aber die geistige Kraft der Drei Herrscher wird sich in der entscheidenden Stunde auf der irdischen Ebene manifestieren. Erinnern Sie sich, daß gesagt ist: Der Menschensohn wird unter Donner und Blitz und in einem Nu erscheinen?

* * *

       Sie fragen, ob man den Schriften von Olcott trauen kann. Gewiß, mehr als allen anderen. Seine ersten Werke sind die besten, denn durch Anerkennung der Autorität von H. P. Blavatsky stand er unter dem Strahl der Großen Lehrer. Sie kennen das unabänderliche Gesetz der Hierarchie. Nur über H. P. Blavatsky konnte man sich der Weißen Bruderschaft nähern.

       Weiter sagen Sie, daß Sie sich einsam fühlen. Doch wie ist es mit Ihrer Absicht, junge Leute um die Lehre und den Begriff Podwig (Heldentat) zu sammeln? Diese jungen Kräfte könnten Ihre eigene Entwicklung sehr fördern. Sie wären genötigt, Ihre Kenntnis der Lehre zu vertiefen, denn durch Fragen würde man Sie veranlassen, Ihre Gedanken zu kristallisieren. In der Tat, wir lernen, indem wir lehren. Warum versuchen Sie nicht, den Magnet Ihres Geistes zu erproben und die neuen jungen Leute, die weniger wissen als Sie, heranzuziehen?

       Und wenn Sie sich entschließen, Ihre anfängliche Absicht zu verwirklichen, so lassen Sie das gänzlich auf Ihrer Verantwortung und Initiative beruhen, verbinden Sie sich zu Beginn nicht mit anderen bereits organisierten Gruppen. Handeln Sie daher sehr vorsichtig und üben Sie Unterscheidung, denn man kann nur zu leicht den finsteren Störenfrieden, die sich immer bemühen, in die reinen Organisationen einzudringen, Eintritt gewähren. Wenn es Ihnen gelingt, eine wirklich wahrhafte Gruppe aufzubauen, werden Sie etwas Wertvolles erreicht haben. Es gibt einige junge Seelen, die mit allen Mitteln auf die ihrem Bewußtsein zugängliche Art unterstützt werden sollten.

       Sogar die Bücher von Kryjanovsky haben ihren Teil dazu beigetragen. Trotz einer gewissen Plattheit enthalten diese Bücher einige wirkliche Perlen. Das Wichtigste und Verantwortungsvollste ist es, jedem entsprechend seinem Bewußtsein zu geben. Der große Fehler ist, mehr zu geben, als das Bewußtsein des Gesprächspartners fassen kann. Einem unreifen Bewußtsein zuviel zu geben ist nichts anderes, als wenn man einem Kind ein geladenes Gewehr gibt. Treten Sie daher an jeden mit dem Kanon ”Durch Deinen Gott” heran, und dann lenken Sie ihn vorsichtig und erweitern seinen Horizont. Es hängt also von Ihnen ab, ob Sie geistig einsam bleiben. Handeln Sie nicht impulsiv, sondern aus der Vernunft Ihres Herzens! Vernunft und Gefühl müssen bei allen Beurteilungen und Taten eines Schülers im Einklang stehen. Verwechseln Sie Sentimentalität nicht mit der Freundlichkeit des Herzens. Sentimentalität hat mit wahrer Freundlichkeit, die auf höherem Wissen und höherer Gerechtigkeit beruht, nichts gemein. Die Wissenschaft, wie mit Menschen umzugehen ist, ist sehr kompliziert und schwierig, da sie ein stählernes Herz erfordert – gestärkt durch viele Schlachten mit den finsteren Vernichtern und Verrätern und erprobt in unbesiegbarer Geduld und Selbstlosigkeit.

       Festigen Sie sich daher in den Grundlagen der LEBENDIGEN ETHIK und erproben Sie Ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten in der Hilfe für die jungen Sucher. Viel Glück! Aufrichtiges Streben wird immer Ergebnisse zeitigen.

15. November 1934

       Bezüglich der Entwicklung des Paktes werde ich G. G. nochmals erinnern, der Sie über alle seine Schritte informieren kann, denn dies ist für die notwendige Abstimmung sehr wichtig. Nur auf diese Art können gute Ergebnisse erwartet werden. Er sollte Sie auch über die Einzelheiten auf dem laufenden halten, über die bisherige Geschichte und die gegenwärtige Bewegung des Paktes in Amerika und Europa sowie über die in der europäischen und amerikanischen Presse zu dieser Frage erschienenen Nachrichten.

       In den letzten Monaten gab es in Amerika und Frankreich beachtliche Gespräche über die Ratifizierung des Paktes durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Davon will ich Ihnen einige Zeitungsausschnitte senden. Ich glaube, dies wird die richtige Mitteilung für Sie sein. Auch eine Liste vom Belgischen Komitee füge ich bei.

       Jugoslawien wollte sich ebenfalls der Ratifizierung des Paktes anschließen, und in diesem Zusammenhang versprach König Alexander, G. G. nach seiner Ankunft in Paris zu empfangen. Doch eine Mörderhand setzte diesem schönen heroischen Leben ein Ende. Auch in Frankreich wurde diese Entwicklung wegen Regierungswechsel vorübergehend verzögert. Sie haben vollkommen recht, daß die Menschen leicht vergessen. Das ist zweifellos wahr, in jeder Beziehung und jeder Hinsicht, vom Kleinsten bis zum Größten. Überall ist es notwendig zu mahnen und das Interesse zu wecken. Die mit Alltagssorgen beschäftigten Menschen können die Bedeutung einer großen Idee, die jenseits des Bereichs ihrer gewohnten Tätigkeit liegt, nicht begreifen.

       Es gibt sehr wenige, deren Denken weit genug ist, um sie erkennen zu lassen, daß das Friedensbanner eine neue Stufe in der Entwicklung des Bewußtseins der Menschheit bedeutet. Solch ein Bewußtsein wird auf der Erkenntnis der großen Bedeutung und heiligen Unantastbarkeit der Schöpfung des menschlichen Genius aufbauen. Die nächste Stufe könnte die Annahme der Hierarchie des Geistes sein.

       Oft hören wir Bemerkungen wie: ”Alles, was zur reinen Kunst und zur hohen abstrakten Wissenschaft gehört, ist Luxus!” Dergleichen wird nicht nur vom Durchschnittsbürger behauptet, sondern genauso von manchen öffentlichen Führern. Derart absurde und verderbliche Ansichten müssen wir bekämpfen. Die Menschen wundern sich, daß die Moral sinkt und der blühende Wohlstand der Völker eine Täuschung ist. Doch es ist Zeit zu erkennen, daß der Mensch weder ohne irdisches Brot noch ohne geistige Nahrung, ohne Verfeinerung der Gefühle und Gedanken die Erkenntnis der Schönheit und der großen Naturgesetze erlangen kann. Doch wie könnten dem auf das Bewußtseinsniveau der Massen sinkenden Verstand Schönheit und die höheren Gesetze enthüllt werden!

       Nun möchte ich Ihre Fragen beantworten. – Die Worte in § 25 des Buches AGNI YOGA: ”Es ist unrichtig zu denken, daß das vergangene Experiment Meines Freundes erfolglos gewesen sei …” beziehen sich auf die Versuche, die Theosophische Gesellschaft zu gründen. Wie Sie wissen, ist H. P. Blavatsky der Welt gesandt worden, um eine große Mission zu erfüllen, nämlich der Menschheit eine Geheimlehre zu bringen, um das allgemeine Bewußtsein zu heben. Sie hatte die Aufgabe, den Menschen die Wahrheit über Spiritismus zu sagen und so zu versuchen, die vielen unheilvollen Folgen dieser Bewegung zu verhindern. Die unwissenden Beteiligten waren geblendet und hatten von den durch die Verbindung mit dem Jenseits verbundenen Gefahren nicht die geringste Ahnung. Zu jener Zeit erfuhr der Spiritismus eine rapide Verbreitung, vor allem in Amerika und nahm häßliche und gefährliche Formen an.

       Auf inständigen und beharrlichen Wunsch der Mitarbeiter von H. P. Blavatsky, zum Studium der esoterischen Lehren aller Religionen und Philosophien eine Gesellschaft zu errichten, erklärte sich Mahatma K. H. bereit, diese Gesellschaft zu leiten. Und so wurde mit Hilfe von H. P. Blavatsky, General H. S. Olcott, W. Q. Judge und einigen anderen dieses Werk begonnen und nahm im Laufe der Zeit jene Form an, die jetzt als die Theosophische Bewegung bekannt ist. Über die Geschichte dieser Bewegung kann man auch in den ”Briefen der Mahatmas” an A. P. Sinnett sowie in dem Band ”Briefe von H. P. Blavatsky an A. P. Sinnett” lesen. Die der Welt durch H. P. Blavatsky gegebene Lehre hat ihre große Aufgabe erfüllt, indem sie unzählige individuelle Seelen in der Welt erweckte; die Theosophischen Gesellschaften standen überall dafür ein. Es ist daher unrichtig, dieses Experiment als nicht erfolgreich zu bezeichnen. Wäre die menschliche Natur anders geartet, könnten die Ergebnisse natürlich weit besser sein. Wie dem aber auch sei, es kann nicht gesagt werden, dieses Werk wäre fehlgeschlagen; solche Behauptungen kommen von den finsteren Kräften. Wie gesagt wurde, ”sind die Stufen des Bewußtseins fest gebaut worden”. Gewiß, in Amerika ist diese Bewegung mit dem Namen H. P. Blavatsky eng verbunden und beginnt sich auszuweiten und ins Leben einzugehen. Mahatma K. H. strengte sich bei der Errichtung der Theosophischen Bewegung derart an, daß er durch die Berührung mit den niederen irdischen Schichten und den menschlichen Auren sogar erkrankte. Er mußte sich eine Zeitlang zurückziehen und in einem vollkommen isolierten und für gewöhnliche Sterbliche unzugänglichen ”Turm” des Tibetanischen Bollwerks verweilen.

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       § 277 im Buch AGNI YOGA: Das Jahr des Irdischen Drachens ist die tibetanische Bezeichnung für das dem Jahr 1927 entsprechende Jahr. In Tibet tragen alle Jahre Namen von Tieren. So gibt es das Jahr der Maus, des Schweines etc. Zudem gibt es seltsame Adjektivbezeichnungen, wie z. B. ”eisern”, ”hölzern” u. ä. Wahrscheinlich bezieht sich diese Bezeichnung auf den Charakter des betreffenden Jahres. Das Jahr des Irdischen Drachens begann mit den intensivsten Angriffen der dunklen Kräfte.

       § 279 im Buch AGNI YOGA und bezüglich der Legende über Indra. Indra ist der Hauptgott im indischen Pantheon, gleichbedeutend mit dem griechischen Zeus. Nach der mündlichen Überlieferung wird mit dem Kommen eines neuen Zeitalters durch Indras Offenbarungen die Hitze seines Thrones derart ansteigen, daß er herunterspringen und die reinigenden Blitze herabsenden muß (d. h. es gibt eine Anhäufung psychischer Energie, deren neue Erscheinungsformen erforderlich sind).

       § 416 desselben Buches: Sarasvati ist der weibliche Aspekt oder die Gemahlin von Brahma, Göttin der Weisheit, Rede und des esoterischen Wissens.

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       Sie fragen, ob Blut eine unmittelbare Beziehung zu den Elementen hat. Tatsächlich hat es diese, doch bislang hat die Wissenschaft die für solche Forschungen notwendigen feinen Methoden noch nicht gefunden. Wir müssen daher sagen, daß die derzeitige Erklärung nur annähernd stimmt. Es ist richtig festgestellt worden, daß es eine Blutart gibt, die sich mit jedem anderen Typ vermischt, und dieser Typ steht natürlich dem Element Feuer am nächsten. Doch auch das Blut der Tiere besitzt feurige Teilchen (dies ist seine Grundeigenschaft). Wenn wir daher das Blut verschiedener Individuen vergleichen, sollten wir daran denken, daß gesundes Blut die meisten Teilchen von Feuer besitzt. Doch die Verwandtschaft der verschiedenen Blutgruppen mit den Elementen kann man nur bestimmen, wenn die feinstofflichen Emanationen gründlich studiert und erforscht werden. Beim gegenwärtigen Stand der Wissenschaft sind Erklärung und Wissen über das Blut unzureichend, da die Entdeckungen unvollständig sind, was erklärt, warum es so viele erfolglose Bluttransfusionen gibt. Es ist auch nicht ganz zutreffend, daß die Mutter das Blut des Vaters in sich aufnimmt. Im feurigen Laboratorium der Empfängnis erzeugen die schöpferischen Kräfte der Mutter die feurige Bestätigung des Blutes. Der ganze Vorgang der Entwicklung und Bildung des Blutes und des Kindes vollzieht sich in der Mutter. Den überzeugendsten Beweis, daß der endgültige Prozeß im Organismus der Frau vor sich geht, liefert der Affe, denn nach allen alten esoterischen Lehren entstand der Affe mit seiner menschlichen Erscheinung aus der Paarung eines menschlichen Männchens mit tierischen Weibchen. Diese Brut blieb trotz des Funken göttlichen Feuers, den sie erhielt, tierisch.

6. Dezember 1934

       Die ”Briefe der Mahatmas” sind ein Buch, das weit verbreitet werden sollte, denn es ist äußerst wichtig, das Bewußtsein der Menschen zu wecken, damit sie aus der Sackgasse, in die sie geraten sind, herausfinden. Sie vermuten ganz richtig, daß es für die herkömmlichen Kirchenanhänger besonders schwer ist, dieses Buch anzunehmen. Sie sind zu sehr an die durch den engstirnigen sektiererischen Verstand des Mittelalters geschaffenen Dogmen gebunden. Das Bewußtsein dieser Blindgläubigen ist wirklich fürchterlich erstarrt. In ihrem Wahnsinn, der dem der Glaubenseiferer der Inquisition gleichkommt, beharren sie auf der Verdrehung der Vermächtnisse Dessen, Den sie als Gott ansehen. In ihrer Blindheit sind sie unfähig zu sehen, daß sie selbst es sind, die Ihn jeden Moment verraten und kreuzigen. Es ist entsetzlich, solch unbeweglicher Erstickung des Denkens zu begegnen, die seit vielen Jahrhunderten besteht! Laßt uns hoffen, daß die Wissenschaft bald ihre helfende Hand ausstreckt und beweist, daß vor allem der Gedanke das Leben nährt und der Verfallsprozeß einsetzt, wo der Gedanke gehemmt wird.

       Nun eine Erklärung über die Abstufungen der Vernunft. Gewiß, was die Mahatmas eine ”wirkende Kraft, ein unveränderliches und daher unvorstellbares Prinzip” nennen (Briefe der Mahatmas), ist das Lebensprinzip oder Bewußtsein und folglich die Grundlage der Vernunft – unbegrenzt, ewig und absolut. Die Kosmische Vernunft ist die Hierarchie des Lichts oder die Jakobsleiter, wobei die Krone der Hierarchie aus Geist- oder Vernunftwesen besteht, die ihre menschliche Evolution in diesem oder einem anderen Sonnensystem beendeten; es sind die sogenannten Planetaren Geister, die Schöpfer der Welten. Diese Schöpfer von Welten oder Planeten sind die Baumeister des gegenwärtigen und des künftigen Universums. In den Tagen des Pralaya halten Sie die Große Wache des Brahma und bestimmen die nächste kosmische Evolution. Deshalb hängt die Krone Kosmischer Vernunft nicht von den Manvantaren ab. Wahrlich, Sie existieren in der Dimension der Unbegrenztheit. So ist der Höchste Hierarch unseres Planeten einer der herrlichsten Edelsteine in der Krone Kosmischer Vernunft.

       Der Kosmische Magnet ist das Kosmische Herz oder das Bewußtsein der Kosmischen Vernunft – die Hierarchie des Lichts. Der Kosmische Magnet ist, genaugesagt, das Band zu den höheren Welten in der Ordnung des Seins. Die Verbindung unseres Herzens mit dem Herzen und Bewußtsein des Höchsten Hierarchen unseres Planeten führt uns in den majestätischen Strom des Kosmischen Magneten.

       Ich will einen Paragraphen aus der Lehre anführen, der, wie ich glaube, hier passend erscheint: ”Könnte das Bewußtsein der Menschheit das Ewige mit dem Vergänglichen vergleichen, würden Blitze kosmischen Verstehens aufleuchten; denn alle Werte der Menschheit beruhen auf einer ewigen Grundlage. Doch die Menschheit ist derart vom Vergänglichen erfüllt, daß sie das Ewige vergessen hat. Dabei ist es nachweisbar, daß die Form sich ändert, schwindet und durch eine neue ersetzt wird. Vergänglichkeit ist so offensichtlich, und jedes Beispiel des Vergänglichen weist auf ewiges Leben hin. Geist ist der Schöpfer jeder Form, doch er wird von der Menschheit abgelehnt. Sobald begriffen wird, daß Geist ewig ist, werden auch Unbegrenztheit und Unsterblichkeit ins Leben Eingang finden. Daher ist es dringend notwendig, den Geist der Völker auf das Verstehen der Höheren Prinzipien zu lenken. Die Menschheit wird von Wirkungen verschlungen, doch die Wurzel und das Prinzip von allem ist Schöpferkraft – und das hat sie vergessen. Wird aber Geist als heiliges Feuer verehrt, dann wird der große Aufstieg bestätigt.” (Feurige Welt, III. Band)

       Es ist ganz richtig, wie Sie sagen, daß fast alle griechischen Philosophen mit der Lehre eng verbunden waren. Die höchsten und edelsten Philosophien und Glaubensbekenntnisse stammen aus der einen Großen Quelle, und die Großen Geister brachten Licht und gaben den Impuls zum Entstehen des Gedankens, bevor das allmählich dämmernde menschliche Bewußtsein begann, in den vorgezeichneten Spuren des Evolutionsprozesses zu wandeln. Denken wir an jene Sieben Großen Geistwesen oder Kumaras, von denen in der ”Geheimlehre” gesprochen wird. Genau diese Sieben – und unter Ihnen der Höchste, der die Führung der Welt übernahm – erschienen an allen Wendepunkten in der Geschichte unseres Planeten. Ihr Bewußtsein nährte das Bewußtsein der Menschheit mit der Einen Wahrheit, die Sie jeweils in einer der Zeit angepaßten Form in verschiedenen Philosophien und Religionen vertraten. Sie sagen es so schön mit den Worten: ”Der wahre Sinn des Göttlichen offenbart sich entsprechend unserer Bewußtseinshöhe”. Ja, die großen Geheimnisse und Schönheit werden uns enthüllt, sobald unser Bewußtsein mit dem Licht des Bewußtseins Jener, Die uns führen, in Berührung kommt. In der Tat, so viele schöne Aufspeicherungen, ”Klänge und Geistesblitze” erwachen in unserem Wesen, wenn wir uns mit diesen machtvollen Söhnen des Lichts verbinden. – Sehr gerne würde ich Ihre neuen Werke lesen. Über den Artikel über Schönheit habe ich mich sehr gefreut, und Ich schätze Ihr feines, geistiges Verstehen der Lehre sehr.

       Viele schreiben über die höchsten Begriffe, doch da es ihnen an Sinn für Schönheit mangelt, zaudern sie nicht, die höchsten Begriffe herabzusetzen und aus ihnen Apothekerformeln zu machen.

       Wie großartig und schön sind die Mythen des Altertums! Wie hoch entwickelt war der Sinn für Schönheit! Es ist eine der Nöte unserer Zeit, daß man den Sinn für Schönheit abstumpft, indem man sich bemüht, alles auf das Bewußtseinsniveau der Massen herabzuziehen. Wie ein Schriftsteller es ausdrückte – ”Die wunderbaren Farben der Welt verschwinden, die vorherrschende Farbe ist Tünche. Wie schmerzlich ist es, in dieser Zeit zu leben! Wie hart ist es, die Berührung dieser alles nivellierenden Hand zu spüren!” Daher sage ich Ihnen, schreiben Sie! Kleiden Sie die schönen Begriffe in das ”Blitzen und Klingen” Ihres Geistes!

       Die Beschreibung Ihrer Empfindungen ist sehr charakteristisch. Es ist ganz richtig, daß sie vielfältige Ursachen haben können. Die Beklemmung und Schwere im Herzen kommt häufig von der dichten Atmosphäre – bedenken Sie, daß wir uns inmitten des Harmagedons befinden. Die niederen Schichten der Feinstofflichen Welt werden zerstört und ihre Zersetzung vergiftet unsere irdische Ebene. Infolge der Verfeinerung des Organismus empfindet man den atmosphärischen Druck stärker. Wer die Schwere und Beklemmung des Herzens verspürt, sollte die Tage und Stunden solcher Empfindungen vermerken, um später festzustellen, ob sie nicht durch bevorstehende Stürme, Erdbeben oder Taifune verursacht wurden.

       Man sollte aber nicht vergessen, daß parallel mit der Bewußtseinserweiterung diese Anfälle von Herzschmerzen ganz unvermeidlich sind. Diese Empfindungen kenne ich sehr gut. Ich weiß immer im voraus, wann es ein Erdbeben oder andere Katastrophen geben wird. Und ich weiß es nicht nur von der roten Atmosphäre und dem Ausbrechen des roten Feuers, sondern genauso durch die physischen Auswirkungen. Druck am Hinterkopf kann auch auf zunehmende Feinfühligkeit der Zentren zurückgeführt werden. Bei jeder Empfindung von Spannung oder Schmerz ist es ratsam, eine kurze Ruhepause einzulegen. Charakteristisch sind auch die plötzlich auftretenden Schwellungen, die genauso schnell wieder vergehen, ohne eine Spur zu hinterlassen. All dies weist auf das Öffnen und die Tätigkeit verschiedener Zentren hin. Ich erinnere mich, wie meine Ellbogen anzuschwellen begannen und meine Schultern peinvoll schmerzten.

       Die quälenden Gedanken werden schlimmer, und man muß sie durch Konzentration auf eine Arbeit bekämpfen. Die geistige Verbindung mit der Hierarchie und das siebenmalige Aussprechen des Namens des Lehrers erschreckt die Einflüsterer und treibt sie davon. Doch das Aussprechen sollte dem Rhythmus des Herzens entsprechen. Das Erscheinen von schwarzen Sternchen oder Funken ist ein Zeichen der jetzigen Zeit, denn jetzt ist der Raum erfüllt von schwarzen Explosionen. Gewöhnlich zeigen die schwarzen Flecken die Annäherung der Finsternis oder der chaotischen Energien an. In solchen Fällen ist es ratsam, in allem Vorsicht walten zu lassen. Wenn ich die kleinen schwarzen Punkte sehe, so weiß ich, daß Schwierigkeiten im Entstehen sind oder auf die Gesundheit geachtet werden muß. Je größer und zahlreicher sie auftreten, desto größere Vorsicht ist notwendig. Man kann auch große samtene schwarze Punkte sehen, die im Raum schweben. Die roten, blauen, silbrigen und goldenen Sternchen sind immer gute Boten, oder sie sind ein Zeichen der nahenden Ausstrahlungen des Lehrers. Gelbe Punkte warnen vor möglichen Gefahren, rote weisen auf äußerste Spannung in der Atmosphäre hin, und dann sind Erdbeben, Stürme oder auch Revolutionen zu erwarten.

       Im allgemeinen, wenn ich über etwas nachdenke, einen Entschluß fasse oder etwas lese, das einer Bestätigung bedarf, sehe ich einen blau-silbernen Funken, der das nötige Konzept der Entscheidung unterstreicht und bestätigt. Gelegentlich wird ein ganzer Absatz durch einen leuchtenden Strich gekennzeichnet, und dann weiß ich, daß dieser Teil gestrichen werden sollte. Und dann wieder passiert es, daß eine ganze Seite von einem ungewöhnlich leuchtenden Licht beschienen wird. Ja, es gibt viele Zeichen, die von der Hierarchie des Lichts denen gesandt werden, die den Pfad des Lichts wandeln. Beachten Sie alle Zeichen und vermerken Sie, wann und unter welchen Umständen Sie etwas Ungewöhnliches gefühlt oder gesehen haben. So weisen die Punkte oder Funken oft auch auf den Charakter der Neuankommenden hin. Hat man es mit einer würdigen Person zu tun, kann man ein blaues oder silbriges Sternchen sehen, bei einem Verräter ein schwarzes. Doch im letzten Falle sollte man lieber vorsichtig sein, denn das schwarze Sternchen kann gelegentlich auch auf die Annäherung von chaotischen Energien hinweisen.

       Es ist wirklich sehr betrüblich, wenn die Lehre als etwas Abstraktes angesehen und im Leben nicht angewendet wird. Wir kennen diese Fälle gut. Es gibt wenige, die erkennen, was wahre Jüngerschaft und Nähe der Herrscher des Lichts bedeuten. Die meisten sind nur an solchen Hinweisen der Lehre interessiert, die sie befähigen, ihre niederen psychischen Fähigkeiten zu entwickeln; und falls sie mediumistisch geartet sind, erreichen sie dies oft und öffnen sich dem Besitzergreifer. Ich habe viel über den Schaden des Psychismus geschrieben und die betreffenden Stellen aus der Lehre angeführt. Warnen Sie alle Neuankommenden und raten Sie Ihnen, sich nicht mit mechanischen Übungen zu befassen, sondern alle Kräfte anzuspannen und an der Aufgabe der Bewußtseinserweiterung zu arbeiten sowie an der Verfeinerung des Denkens und am Ausleben schlechter Gewohnheiten, die sich auf dem Weg zum Licht als Hindernisse erweisen.

       Ich freue mich, daß Sie in Erweiterung des Tätigkeitsprogramms neue Möglichkeiten schaffen und mit allgemein kulturellen Kreisen Verbindung aufnehmen. Nur durch Kontaktnahme mit dem Bewußtsein der Menschen erschließen wir neue schöpferische Möglichkeiten. Daher freue ich mich sehr über die Ausweitung der kulturellen Arbeiten.

       Und nun über Ihren bedeutsamen Traum. Kein Zweifel, daß dieser Traum aus einer höheren Quelle kommt. Unser Planet durchlebt eine sehr gefahrvolle Zeit und wirklich die kritischste Periode überhaupt. Wenn die Menschheit sich weigert, vor der Annäherung der feurigen kosmischen Energien geistig zu erwachen, können die Kataklysmen, die immer den Rassenwechsel begleiten, in einer totalen Explosion und Zerstörung unserer Erde enden. Doch bevor diese endgültige Katastrophe für unseren Planeten sich ereignet, werden viele Kinder Zeit haben, alt zu werden. Zweifellos werden sich Teilkataklysmen in den nächsten Dekaden ereignen. Daher rufen die Herrscher des Lichts die Menschheit dringend auf zum geistigen Erwachen, zur Erkenntnis der Schwere der nahenden feurigen Umgestaltung. Alle Menschen reinen, unvoreingenommenen Bewußtseins werden gerettet und an einen sicheren Ort gebracht werden, genauso wie in den letzten Tagen von Atlantis. Gewiß, jede Umgestaltung der Welt bringt auch große Möglichkeiten, und obwohl unsere Zeit sehr bedrohlich ist, kann sie dennoch schön und aufbauend sein. Man sollte nach Möglichkeit intensiv mithelfen, das Fundament zu legen, denn das kommende Zeitalter des Aufbaus ist so nahe – tatsächlich näher als viele, die von Zerstörung und Zerfall umgeben sind, denken.

       Ich füge einige Paragraphen aus der Lehre an:

       ”Der Planet vollendet einen Zyklus, der alles zum Höhepunkt führt; eine Zeit, in der jedes Prinzip sein gesamtes Potential offenbaren muß. In der Geschichte werden diese Runden jeweils als Verfall oder Erneuerung vermerkt. Diese Rhythmen sind als Sieg des Lichts oder der Finsternis zu erachten. Die Zeit ist gekommen, wo der Planet solch eine Vollendungsrunde mit dem Sieg beendet. In der Vollendungsrunde erwachen alle Energien; denn an der Endschlacht sind alle Kräfte des Lichts und der Finsternis beteiligt – vom Höchsten bis hinunter zum Abschaum. Feinfühlige Geister wissen, warum sich unmittelbar neben Verbrecherischem und Trägem soviel Hohes offenbart. Im Konflikt, vor der Vollendungsrunde, wird es einen Wettstreit aller räumlichen, irdischen und überirdischen Kräfte geben. Auf dem Pfad zur Feurigen Welt müssen die Mitarbeiter an das Gebot des Kosmos denken.

       Die Welt durchlebt jene Zustände, durch die alle entscheidenden Augenblicke in der Geschichte der Menschheit gekennzeichnet waren. Dem Aufbau geht Zerstörung voraus. Angespannte Schaffenskraft ruft alle Energien auf den Plan. Die Zeit, in die nun die Menschheit eintrat, wird unvermeidlich das gesamte Kräftepotential offenbaren, denn diese Epoche ist eine entscheidende, und es naht ein Wendepunkt in der Geschichte. Sicherlich, der Zustand des Planeten entstand nicht zufällig, und jede Spannung ist zugleich Zeugnis für jenen Strom, der alle Sphären verschlingt. So unerbittlich der Kampf ist, so entscheidend ist der Sieg. Denn an dieser Kosmischen Schlacht sind alle Kräfte und Sphären beteiligt. Auf dem Pfad zur Feurigen Welt muß das Schwert des Lichts für den Aufbau der Neuen Zeit erhoben werden.”

       ”Die völkerverschlingenden Wogen entspringen dem Karma des Volkes. Im kosmischen Aufbau hinterläßt jede Epoche ihre Wellen im Raum. Naht die Frist der magnetischen Anziehung, dann werden die Wellen wirksam – so wird Karma unvermeidlich. Wenn es in alten Schriften heißt: ”Alles kommt vom Himmlischen Vater”, so ist damit das Karmagesetz gemeint. Nach diesen in den Raum strömenden Wellen und einem mit dem Planeten immerwährenden Band wird alles geschaffen. Das Band zwischen der überirdischen Welt und der irdischen Welt ist durch diese Wellen bedingt. Die Mitteilungen des Raumes bestehen aus diesen Wellen, und Völker bewirken ihr eigenes geschichtliches Heil. Die Erkenntnis, daß alles in die Wellen des Raumes übergeht, kann beste Bestrebungen erwecken. Laßt uns auf dem Pfad zur Feurigen Welt nach der Verbesserung des Volkskarma streben!”

       ”Im gesamten Kosmischen Plan ist Umgestaltung unvermeidlich. Doch nur feurige Umgestaltung wird neue schöpferische Energien heranführen. Der Kosmische Magnet schafft und verstärkt alles Bestehende, denn es nahen Fristen, die jeden und alles zwingen werden, an der Kosmischen Schlacht teilzunehmen. Der Raum bedarf der Entladung. Die Kosmischen Waagen bestätigen das Schwanken. Im ganzen Raum ertönt der Ruf zu einer letzten Anspannung. Ich bestätige, daß die Umwandlung von Energien neue Stufen der Evolution errichtet. Daher muß man mit Herz und Geist zur Feurigen Welt streben.”

       ”Wenn wir jedoch darüber nachdenken, was wohl die höheren Begriffe herabwürdigt, gelangen wir unvermeidlich zu der Erkenntnis, daß ein solches Bewußtsein alles nach dem Maß der niederen Erscheinungen mißt. Alles im Vergleich mit dem Niedersten herunterzuziehen, ist die Methode der Finsteren, und die Menschheit unterliegt tatsächlich diesen Tendenzen. Jeder nimmt instinktiv Zuflucht zu dieser zerstörenden Tat. Daher ist der Bewußtseinszustand der beste Anzeiger aller Zeiten und aller menschlichen Richtungen. Wohin führt solch ein Irrtum wie der Verlust der Verbindung mit der Feurigen Welt? Reinigung des Bewußtseins wird unzweifelhaft Zutritt zu den höheren Energien gewähren. Auf dem Pfad zur Feurigen Welt muß man mit dem finsteren Bewußtsein ringen.” (Feurige Welt, III. Band)

       Ich möchte Ihnen nochmals sagen, wie es mich freut zu wissen, daß Ihr Denken nicht durch Vorurteile und vorgefaßte Formeln getrübt und entstellt ist. Was kann entsetzlicher sein als unfreies Denken? Wahrlich, es ist der Tod des Geistes.

12. Dezember 1934

       Menschenkenntnis ist für einen Führer äußerst wichtig. Die Qualität, nicht die Quantität ist entscheidend, und man sollte diesen Grundsatz immer und in allem anwenden. Ich muß Sie auch bitten, die Neuankommenden zu testen und zu prüfen. Es gibt Fälle, wo sogar gute Menschen dem Einfluß der finsteren Einflüsterer unterliegen, sowohl der irdischen als auch derjenigen der Feinstofflichen Welt, und sich in ihrem Wesen vollkommen verändern.

       Auch ist es notwendig zu wissen, daß die unvorbereiteten und geistig schwachen Menschen, die sich mit Spiritismus befassen, für jede Art von Besessenheit zugänglich sind, und wer kann sagen, wann jener Besessenheitsgrad eintritt, wo das Opfer nicht mehr imstande ist, sich vom Besitzergreifer zu befreien? Die finsteren Kräfte bedienen sich vor allem dieser gefügigen Werkzeuge, um durch sie in geistig reine Gruppen einzudringen und sie in verräterischer Weise zu vernichten. Wahnsinnige! Doch sie erkennen die fürchterliche Gefahr nicht, der sie sich aussetzen, indem sie jenseitigen Wesenheiten gestatten, in ihre Aura einzudringen. Medien und Psychiker verfügen über keine geistige Synthese und werden daher häufig das Opfer finsterer Einflüsterer.

       Naive Menschen vermuten gewöhnlich, daß die Finsteren in ihren Absichten und Methoden immer brutal und kriminell vorgehen. Das ist aber ein fataler Irrtum; nur die auf niederer Stufe stehenden Finsteren wirken auf diese Weise. Viel gefährlicher sind jene, die sich in der Maske des Lichts nähern und unsere Formeln auf den Lippen führen. Die Finsteren wirken immer entsprechend dem Bewußtsein ihrer Opfer, und – man kann es nicht leugnen – oft wirken sie sehr fein und klug, auf Schwächen wie Selbstgefälligkeit und andere eingehend. Gewöhnlich finden sie ihre Opfer unter Menschen, die mit Eigendünkel und Egoismus behaftet und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Die Idee selbstaufopfernder Heldentat wird von solchen Menschen meist nicht verstanden; folglich ist ihnen wahre Geistigkeit unmöglich. Daher können wir die Menschen nur nach dem Feuer ihres Herzens beurteilen, nach ihrer Hingabe und Bereitschaft, sich zu opfern und auf jede Weise mitzuarbeiten. Einen anderen Maßstab gibt es nicht.

       Gewiß gibt es auch solche, die alles opfern – in der Hoffnung auf Belohnung. Man findet sie gewöhnlich unter den Fanatikern, doch auch sie sind von wahrer Jüngerschaft und geistigem Aufstieg weit entfernt. Der Zugelassene und sich als Jünger Bekennende erwartet keine Belohnung; er schreitet freudvoll voran und hat nur den Dienst im Auge, seine Fähigkeiten voll einsetzend und alle Möglichkeiten nutzend. Es ist seltsam, und ich möchte es Gesetz nennen, daß, wer am meisten gibt, nie Lohn erwartet. Doch jene, die nur ihre karmische Schuld abtragen, meinen, daß ihnen das Leben Opfer abverlangt. Diese bemerkenswerte psychologische Besonderheit wurde in den buddhistischen Lehren ausführlich vermerkt und ausgearbeitet.

       Tatsächlich wurde nie dazu geraten, alles abzugeben und in Armut zu verharren! Erinnern Sie sich, daß es heißt: ”Wer sagt, daß man sinnlos entsagen muß? Der Wahnsinn bleibt auch so bestehen.” Lesen Sie im ersten Band der ”Blätter des Gartens MORYA”, § 325 nach. Immer und in allem ist Entsprechung erforderlich. Ohne Entsprechung, Unterscheidungsvermögen, Ehrlichkeit und Hingabe ist es schwer, auf dem Pfad voranzuschreiten. Dies sind die vier Eckpfeiler des Fundaments jedes Aufbaus.

       Heute sind Menschenkenntnis und Unterscheidungsvermögen besonders nötig, da wir uns inmitten der großen Kosmischen Schlacht befinden. Die finsteren Kräfte ringen um ihre bloße Existenz; Furcht vereint sie und macht sie beharrlich in ihren Angriffen. Die meisten der ”beinahe Weissen” kleiden sich in die grauen Gewänder des Nichtwiderstandes. Manche tun dies in unbewußter Heuchelei, andere in ohnmächtigem Kleinmut, wieder andere aus Unwissenheit und Furcht. Doch die Ergebnisse dieser Nichtwidersetzung oder Lauheit sind immer die gleichen, genau wie in der Apokalypse vorausgesagt: ”Weil du lau bist und weder kalt noch heiß, will ich dich ausspeien”. Doch wie wenige gibt es, die über die wissenschaftliche Genauigkeit dieses Ausspruchs nachdenken! Kann man sich aber darüber wundern, da man uns von Kindheit an nicht gewährte, die großen Aussprüche der Schriften zu untersuchen oder darüber nachzudenken?! Verdammnis droht jenen, die es wagen, die entstellten Vermächtnisse Christi zu prüfen! Und der neue entehrende Stempel ”Freimaurer” ist ihnen gewiß! Doch ein solch schändlicher Mißbrauch dieses Wortes ist sicherlich nur bei den Unwissenden möglich.

       Viele Fremdwörter wurden in manchen Bewußtseinen seltsam verändert. Es ist wirklich ratsam, Ausdrücke, die uns fremd sind, mit Vorsicht anzuwenden! Allgemein gesprochen, wäre es amüsant – wenn es nicht so traurig wäre – zu sehen, wie wenig bestimmte Kreise über die Rolle der Freimaurer in Europa und Amerika Bescheid wissen. Sie ahnen offensichtlich nicht, daß die meisten Aristokraten in England und in anderen Ländern den Freimaurern angehören. Auch hier in Indien ziehen jedes Jahr an einem bestimmten Gedenktag Britische Beamte mit ihren Freimaurer-Krönungsinsignien durch die Straßen. Alles ganz öffentlich, und die Zeitungen und Zeitschriften zeigen Photographien von Königen, Prinzen und Edelmännern in ihren Freimaurer-Roben – auch in ihren Logen oder auf Versammlungsplätzen. Die Freimaurer in Amerika und England haben außer ihren zahlreichen Logen in den großen Städten auch ihre eigenen großartigen Tempel. Gewiß, infolge der Popularität dieser Bewegung und ebenso auf Grund ihrer Entweihung gibt es auch einige schädliche Logen. Wie in allen Dingen üblich, ist etwas Schönes heute eine Ausnahme. Und das Sprichwort ”Ein räudiges Schaf verseucht die ganze Herde” gilt nach wie vor. Doch die Geister, die es versäumten, sich zu bilden, sollten ihre Meinungen nach den Tatsachen ausrichten, anstatt sich wie Papageien zu benehmen, die nur gedankenlos nachplappern, was sie hören. Sie täten besser, sich mit der Kulturgeschichte unseres eigenen Landes vertraut zu machen. Manche unserer hervorragenden Vertreter, unsere besten Geister, wie Nowikow, Prinz Kudaschew, Suworow, Golenitschew-Kutuzow (Prinz von Smolensk), Gribojedow, Puschkin, Khieraskow, Bakunin und andere, waren Freimaurer. Warum daher solche Unwissenheit bekunden? Und wäre es nicht edler und wissenschaftlicher, sich damit zu befassen, was die Freimaurerei war und was aus ihr geworden ist? Studieren wir die Grundsätze der Freimaurer, so werden wir über ihren sittlich hochstehenden Kodex erstaunt sein. Ja, die Trägheit und Unwissenheit sowie das beschränkte Denken müssen bekämpft werden. Dies ist die dringendste Aufklärungsarbeit. Das Leben wird nur von erhabenen Gedanken genährt, dagegen wird die Erstarrung im Denken unvermeidlich im Verfall enden. Ich will Zeilen aus der Lehre zitieren.

       ”So wie das Bewußtsein ein Pfand für ersehnten Aufschwung sein kann, so kann es sich andererseits als Auflösung offenbaren. Ein beschränkter Gedanke kann sich als Leiter finsterer Erscheinungen erweisen. Folglich kann sich der Gedanke zu einem entscheidenden Beginnen gestalten – oder er kann jedes Beginnen zerstören. Beschränktes Denken zerschlägt jede Möglichkeit, denn der Aufbauprozeß basiert auf dem Wachstum des Bewußtseins. Wie kann man zum Höchsten Ideal bestrebt sein, ohne das Bewußtsein zu erweitern! Gewiß, das Höhere Bildnis kann vom feurigen und furchtlosen Bewußtsein erkannt werden, denn für ein feuriges Bewußtsein gibt es keine Grenze.” (Feurige Welt, III. Band)

       Daher ist es so wichtig und freudvoll, die auf Erkenntnis und Annahme der Großen Hierarchie basierenden Grundlagen der LEBENDIGEN ETHIK ins Leben einzubauen.

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       ”Ja, es gibt kaum ein schwereres Kreuz als jenes, als russischer Genius geboren zu werden! Die Giganten der russischen Kunst, des russischen Denkens mußten in allen ihren Leben den Giftbecher leeren, weil sie arglistig und zügellos von jenen verfolgt wurden, von denen sie sich unterschieden. Die bitteren Worte Puschkins im Augenblick tiefster Verzweiflung: ”Der Teufel trieb mich dazu, in Rußland geboren zu werden”, haben bis heute ihre überzeugende Schärfe und den Sarkasmus nicht verloren; denn immer wieder sehen wir, wie Russen jede Gelegenheit suchen, einander herabzusetzen, zu verleumden – aus dem einzigen Grund, weil der andere es wagt, besser zu sein.” So schrieb einer der begabtesten modernen Schriftsteller, A. X., und wir schließen uns seinen betrüblichen Worten an. Sehr wahr ist: ”Mehr als die Hälfte der Menschheit wirkt unter dem Einfluß von Besitzergreifern”. Doch es naht die Zeit des großen Umbruchs und eine große Reinigung wird einsetzen.

       Halten wir die uns anvertrauten Grundlagen rein, denken wir an das empfangene Vermächtnis und schützen wir uns vor allen listigen Verrätern. Lesen Sie erneut § 231 im Buch ”Agni Yoga”: ”Mögen wenige, doch feste Stämme den künftigen Wald bilden; denn kleines Gestrüpp verzehrt einander und erzeugt bösartige Wesenheiten.”

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       Die ”Briefe der Mahatmas” an A. P. Sinnett haben bereits über 20 Auflagen erreicht, und wenn ich nicht irre, wurden sie auch in andere europäische Sprachen übersetzt, ausgenommen in die russische natürlich. Wir müssen immer noch im Kindergarten gehalten werden. Man findet uns zuwenig erwachsen für die Freiheit des Denkens und legt unserer Unmündigkeit Schranken und Zügel an. So denken unsere geistigen Führer. Doch unsere Selbsterniedrigung beweist nur die Unreife des Denkens. Jedoch lange vorher wurde gesagt, daß nicht die engstirnigen Gotteslästerer das neue Land aufbauen werden, sondern der gesunde Verstand Hunderttausender. Genauso ist es: ”Es sind die Hunderttausende von Iwans, die ihr Land retten werden”. Wahrlich, es ist jetzt an Iwan, und ihm wird die Möglichkeit gegeben, seine ihm eigene Leistungskraft zu offenbaren. Doch dieser Iwan ist nicht mehr der alte. Der neue Iwan wird ein neues, strenges Vertrauen verlangen, das dem wirklichen Leben nicht widerspricht. Und so werden jene, die diesen Glauben verkünden, ihn durch persönliches Beispiel auch im Leben anwenden müssen, anders kann er nicht bewiesen werden. Das Bewußtsein solcher Menschen, die viel gelitten haben, die ihren Glauben an die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit und den Schutz des Himmlischen Vaters verloren haben, könnte unmöglich zu den toten Ketten früherer Zeiten zurückkehren. Wenn ein geistiger Aufstieg möglich ist, so wird er in seiner Bedeutung und Qualität ganz anders sein, als er manchen Gemütern erscheint. Und damit er sich verwirklicht, werden neue, auf Vernunft und Logik basierende Thesen erforderlich sein. Man kann der Tatsache, daß das Bewußtsein der Menschen beträchtlich fortgeschritten ist, nicht blind gegenüberstehen. Denn Leid ist ein großer Lehrmeister und Umwandler. Erleuchtung kann uns nicht zuteil werden, solange wir ein unbeschwertes, komfortables Leben genießen.

       Es ist notwendig, sein Bewußtsein für die Lösung vieler Probleme vorzubereiten. Für das Bewußtsein, das stagniert und die alten Vorurteile nicht auslebt, wird es schwer sein. Eine neue Kirche in voller Herrlichkeit mit dem Verständnis für die Schönheit des Großen Opfers Jesu, muß anstelle der alten treten. Es gilt, ein großes ökumenisches Konzil einzuberufen und mit einem neuen unvoreingenommenen Bewußtsein alle Beschlüsse der früheren Konzile und die Werke der frühesten christlichen Philosophen und Kirchenväter, die mit der Zeit Jesu eng verbunden waren, zu studieren und zu prüfen. Dann wird die ganze Schönheit des Opfers Jesu, der weite Bogen seiner Lehre in ihrem wahren Geist verstanden und nicht nur in den toten Buchstaben der vielfach entstellten Schriften gesucht werden. Und nur dann wird es gelingen, eine neue Religion zu schaffen. ”Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, wo ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem zum Vater beten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen. Aber die Stunde kommt, und sie ist da, wo die wahren Gläubigen in Geist und Wahrheit zum Vater beten, denn der Vater sucht jene, die zu ihm beten. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit zu ihm beten.” (Johannes 4:21-24)

       Ich muß Sie auch daran erinnern, daß alle Erzengel und Engel die menschliche Evolution durchschritten haben. Und der Erzengel Varahael oder Uriel war und ist ein MENSCH. Ebenso wandelte auch der Erzengel Michael, obwohl er seinen Platz inmitten der Höchsten Erzengel einnimmt, nichtsdestoweniger auf unserer sündigen Erde, Rettung bringend. Hätten diese größten Geistwesen, die in der Dämmerung unserer irdischen Menschheit den Antrieb zur Schöpfung und Entwicklung des Denkens gaben, die Evolution nicht fortgesetzt und das menschliche Bewußtsein in der langen Zeitspanne dieses schwierigen Prozesses nicht vorangetrieben, so würde unsere irdische Menschheit bis heute im Zustand des Höhlenmenschen verblieben sein. Genau gesagt, die großen Erzengel sind die Sieben Kumaras – einschließlich des Höchsten unter Ihnen –, von denen in den östlichen Schriften und in der Geheimlehre gesprochen wird. Sie kamen von den höheren Welten und brachten durch die Inkarnation als große Begründer von Religionen, Königreichen und Philosophien an jedem Wendepunkt in der Geschichte unseres Planeten die größten Opfer, um die Evolution der Menschheit zu beschleunigen. So hütet der Erzengel Michael jetzt das Schicksal unseres Planeten. Ihm ist es bestimmt, die letzte Schlacht mit dem Fürsten dieser Welt auszutragen (dies ist auch in der Bibel festgehalten).

12. Dezember 1934

       Sie schreiben: ”Ihr Brief wurde uns vorgelesen, doch wir haben ihn nicht völlig verstanden; ich bin eine von denen, die nicht verstand.” Es überrascht mich, dies zu hören, weil mir schien, daß meine Erklärungen ziemlich ausführlich waren, vor allem, wenn man bedenkt, daß Sie bereits einige Bücher der Lehre besitzen, in denen auf die Demarkationslinie zwischen geistigen Errungenschaften und den Erscheinungen des sogenannten Psychismus klar hingewiesen wird.

       Wahrscheinlich rührt diese Unklarheit von der Unkenntnis des Begriffes Psychismus her. Zweifellos wissen Sie, daß das Wort ”Psyche” griechischen Ursprungs ist und ursprünglich ”lebendiger Atem und tierische Seele” bedeutete (also etwas, was dem tierischen Wesen eigen ist). In der nächstfolgenden Umgestaltung wurde diese Bezeichnung für die vernünftige Seele (die menschliche Seele) und schließlich für die höchste, die geistige Synthese, die Krone des menschlichen Seins verwendet. Nun versteht man sowohl im Osten als auch im Westen unter ”Psychismus” die Erscheinungen der niederen Grade dieser Energie, das heißt, jene Kräfte, die Medien und Psychiker so auffallend bekunden. Diese letzte Bezeichnung wird im Westen jenen zugeordnet, deren Kräfte etwas stärker sind als die des gewöhnlichen Mediums. Doch in beiden Fällen mangelt es an der hohen psychischen Energie, denn diese Eigenschaft kann nur in Erscheinung treten, wenn die Zentren geöffnet und feurig umgewandelt sind. Es ergeben sich viele Mißverständnisse und unrichtige Auslegungen und seltsame Anwendungen werden geübt, weil diese psychischen Phänome falsch bezeichnet werden!

       Der psychische Bereich ist ungeheuer weit und umfaßt eine unendliche Vielfalt an Erscheinungen, von den höchsten bis zu den niedersten. Vieles, was mit wahrer Geistigkeit in keinem Zusammenhang steht, das heißt mit den Ebenen des höheren Manas und Budhi, wird als Psychismus bezeichnet. Alles, was durch mechanische Übungen erreicht wird, gehört in das Gebiet des niederen Psychismus, da solche Methoden niiemals das Öffnen der höheren Zentren herbeiführen können, geschweige denn ihre feurige Umwandlung. Solche Versuche enden meistens im Wahnsinn.

       Verbindung mit den niederen Sphären der feinstofflichen Welt aufzunehmen, ist für Medien genauso leicht wie für Tiere. Gewiß, Tiere sehen, fühlen und hören weit mehr als wir. Wie Luke Berk sagt: ”Hellsichtigkeit ist eine allgemeine Fähigkeit; Hunde, Idioten und Menschen besitzen sie in gleicher Weise”. Es ist merkwürdig, daß die meisten Medien und Psychiker keine höheren intellektuellen Fähigkeiten besitzen. Genau gesagt, bei Medien herrscht eine Besonderheit des Organismus vor und bei Psychikern ein Mangel an Gleichgewicht, der die richtige Entfaltung der höheren Zentren behindert und sie mitunter vollkommen lähmt. Das ist es, warum wir keine Medien schätzen, sondern sie sogar bedauern. Wegen des besonderen Aufbaus des Organismus ist ein Medium von Geburt an für alle äußeren Einflüsterungen geöffnet. Der Wille eines Mediums unterwirft sich leicht den Wesenheiten, die von ihm Besitz ergreifen, und von denen wimmelt es in den niederen Schichten der feinstofflichen Welt; die Gefahr besteht darin, daß ein Medium seine Unterjochung nicht erkennt. In der Tat, für ein Medium ist es eine der schwierigsten Aufgaben, den Willen anzustrengen und sich so den Besitzergreifern und Einflüsterern zu widersetzen. Viele haben mediumistische Tendenzen, jedoch diese Tendenzen sind noch im Wachsen, sie sind noch nicht verwirklicht; und glücklich sind jene, die sie nicht fördern, bevor Geistigkeit völlig erwacht ist.

       Aus diesem Grund sind die Anweisungen zur Entwicklung bestimmter Siddhis so gefährlich. Solange keine geistige Synthese geschaffen wird, können Siddhis nichts erreichen und enden meistens in einer Zerrüttung des Nervensystems, Besessenheit und geistigem, wenn nicht physischem Tod. Deshalb sind alle Bücher, die solche mechanischen Übungen zur Erlangung psychischer Erscheinungen vermitteln, als gefährlich zu verwerfen. Es wäre weit besser, in diesen Büchern auf die bereits erwähnten Gefahren hinzuweisen, die den Unwissenden drohen, wenn sie sich in dieser Wissenschaft, die eine vorsichtige, feine und genaue, wissenschaftliche Methode erfordert, versuchen. In der Lehre ist deutlich gesagt: ”Ohne Lehrer kann man die psychische Energie nicht entwickeln, denn dieser Prozeß ist mit großen Gefahren verbunden”. Würden Sie Kindern erlauben, ohne Führer ein physikalisches Laboratorium zu betreten?!

       Jede wissenschaftliche Methode, jede kühne Forschung sollte man begrüßen. In der Tat, es werden die gefährlichsten Experimente mit unerforschter Energie durchgeführt. Doch dabei werden Vorkehrungen getroffen und besondere Bedingungen geschaffen; nicht nur die Menge wird hier ferngehalten oder nicht informiert, sondern selbst denjenigen, die über Kenntnisse verfügen, wird der Zutritt zu solchen Laboratorien verwehrt. Kann man dann den Menschen in ein weit feineres, komplizierteres und daher weit gefährlicheres Laboratorium Zutritt gewähren? Doch in dieser Art Literatur wird jede unwissende, geistig unreine und daher ungeschützte Person eingeladen, an diesen Versuchen teilzunehmen. Alle Bücher, die diese Themen behandeln und auf die ernsten Folgen von falschen Methoden und Beweggründen nicht hinweisen, sind ohne den Segen der Großen Lehrer herausgebracht worden!

       Natürlich ist richtiges Atmen, – d. h. die Fähigkeit, rhythmisch und tief zu atmen, – ein wirksames Heilmittel zu